Erstes Blatt 156» Jahrgang Mittwoch AS. Juli 1906 3 WWW Für die anläßlich unserer Hochzeitsfeier erroieftnen Aufmerksamkeiten sagen du? diesem 2^ege 'DWL Auf bequeme ein r»iA..ü' qm ***** tile»660,^ 51""" k, Appel und Krau J I** Politische Lagesschasr. Der Spitzel des vorwärts. Durch einen groben Vertrauensbruch sind, wie wir am Montag mitteilten, dem „Vorwärts" Briefe an den Neichs- oerband, bezw. vom Reichsverband an seine Mitglieder, zum Abdruck zur Verfügung gestellt worden. Dadurch, daß nicht die auf der Schrcibmaschme hergestellten Originalbriefe, sondern nur deren Durchschläge mit allen vom Schreiber gemachten Fehlern abgedruckt worden sind, tonnte dieser Schreiber leicht als Verräter sestgestellt werden, der folgendes Geständnis ablegte r K5bel Nr. 172 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werben im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener FamUien« blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh lstchen U n iv ers.-Buch-u.©t ein- bruderet. 0L Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Redaktion 113 Verlag u.Exped.S^Abl Adresie für Depeschen: Anzeiger Gießen. tzu nehmen gezwungen war, so mußte ich der Verwaltung statt der einmaligen Beförderung meines Gepäcks eine dreimalige aufhalsen, zu meiner und ihrer Belästigung und zweifellos ohne den geringsten Vorteil für die Verwaltung. Es bedarf nur eines Federstrichs des Ministers, um diese für die Eiscubahnverwaltung selbst ebenso kostspielige wie überflüssige Erschwerung des Verkehrs abzuschaffen. Ter Wunsch nach unbegrenzter Möglichkeit, eine Reise mit jeder beliebigen Fahrkarte beliebig oft zu unterbrechen, bleibt auch nach der Beseitigung der Rückfahrkarten im Jahre 1907 bestehen. Der Verwaltung kann es nur erwünscht sein, daß die Reisenden den Schalterüeamten nicht öfter beanspruchen, als unbedingt notwendig ist, und daß auch die Ausgabe des Gepäcks bis an das eigentliche Ziel den Reisenden nicht zu ihrer Belästigung und ohne Gewinn für die Eisenbahnverwaltung unmöglich gemacht werde. Die Vorschrift, daß der Reisende jede Unterbrechung sogleich nach- dem Verlassen des Zuges vom Stationsvorsteher bescheinigen lassen muß, ist auch für die Betriebssicherheit nicht ohne ernste Gefahr. Ich sollte denken, die Unglücksfälle der letzten Fahre müßten jeder Eisenbahnverwaltung die Pflicht auferlegen, den Stationsvorsteher von jeder nicht unbedingt notwendigen Dienstleistung zu befreien, durch die er von seinem wichtigsten Geschäft: dem Ueberblick über den Gang der ankommenden und äb- fahrenden Züge, abgelenkt wird. Wie ost kann man beobachten, daß der Stationsvorsteher in den dringendsten Amtsgeschäften, in verantwortlichen Anordnungen über die Zugabfertigung gestört, also in seinem Gedankengange unterbrochen wird durch einen Reisenden, der ihn um den Unterbrechungsvermerk ersucht. Ich wiederhole: es gibt kejüen einzigen stichhaltigen Grund, die Fahrtunterbrechung nicht beliebig oft, und zwar ohne jede Förmlichkeiten zu gestatten. Da ja beim Verlassen des Bahnsteiges die Karte gelocht wird, so ist auch in den Fällen einer Unterbrechung eine Prüfung ohne weiteres möglich und der Betrug ausgeschlossen. Durch die Beseitigung des Unterbrechungsverbots würde der Eisenbahnminister den Reisenden eine Erleichterung, seiner Verwaltung eine Ersparnis und dem gesamten Verkehr eine größere F-reiheit verschaffen. Zu welchen Härten die unglückselige Platzkartengebühr führt, dafür ein Beispiel, das zugleich ein herrlicher Beleg für das Schema F ist. Bei Putbus, zwei Kilometer davon, liegt das Hafendörfchen Lauterbach. Die Eisenbahndirektion Stettin läßt von Lauterbach am Nachmittag einen v-Zug nach Berlin fahren und erhebt „bestimmungsgemäß" für die Strecke Lauterbach—Putbus in der zweiten Klasse eine Platzgebühr von 1 Mk. Die Fahrkarte selbst kostet nur 20 Pfg., bei Rückfahrkarten nur 15 Pfg. Tie Folge dieses „bestimmungsgemäßen" Zustandes ist, daß dieser Zug zwischen Lauterbach unb Putbus, abgesehen von den durchgehenden Reisenden, natürlich von keinem vernünftigen Menschen benutzt wird. Selbst wenn die Verwaltung die Platzgebühr festhalten will, so soll sie doch die sinngemäße Bestimmung treffen, daß die Platzgebühr niemals höher sein darf, als der Fahrkartenpreis selbst. Lieber aber läßt sie einen Zug zwischen zwei Stationen leer fahren, als daß sie das Schema F zu ihrem eigenen Vorteil und zur Bequemlichkeit der Reisenden ändert. Auch sür Fälle dieser Art sollte der neue Eisenbahnminister eine allgemeine Anordnung erlassen, da die einzelnen Eisenbahndirektionen dies, wie es scheint, nicht wagen dürfen. Endlich noch ein Wunsch, durch dessen Erfüllung der Minister Breitenbach tausendfältige berechtigte Unzufriedenheit beseitigen würoe. Er lautet: Die Schreibgebühr von 1 Mark in den Fällen der Rückerstattung von Fahrgeld sür nicht benutzte einfache Karten oder Rundreisescheine ist entweder ganz abzuschaffen oder auf 25 Pfg. zu ermäßigen. Es sind Fälle vorgekommen, in denen ein Familienvater für sechs Fahrkarten 6 bis 7 Mk. Fahrgeld zurückerstattet bekommen sollte, in Wahrheit aber gar nichts erstattet bekam, weil die Verwaltung für jede einzelne Karte eine Schreibgebühr von 1 Mark berechnete, obgleich es sich um einen einzigen Fall mit einem einzigen Schriftstück handelte. Diese ganze Schreibgebührenberechnung ist im hohen Grade kleinlich, aber auch ungerecht; denn eine Verwaltung, die aus Gründen der Gerechtigkeit und der Billigkeit einem Reisenden sein zuviel gezahltes Geld für eine nicht ausgenutzte Leistung zurückerstattet, darf sich für chr Billrgkeitsgefühl nicht eine besondere Gebühr zahlen lassen. _ Wie gesagt, die großen Reformen sind durch die Beschlüsse der deutschen Eisenbahnverwaltungen für lauge Zeit abgeschnitten, und der neue Eisenbahnminister wird, selbst wenn er ein begeisterter Reformer sein sollte, sich der von seinem Vorgänger herbeigefuhrten deutschen Eisenbahnreform fügen Müssen. Um so eher sollte er sich solchen Reformwünschen freundlich geneigt zeigen, durch deren Erfüllung er berechtigte Beschwerden der Reisenden aus der Welt schaffen und seiner eigenen Verwaltung Arbeit und Ausaaben sparen kann. B Prof. Dr. Eduard Engel. ess AvisR LÄLH Alheim Türbeck S19ÄtCeitnMi __ Herdindustrie, yieger. Verbands. Fat 01 September ein Karussell A-tz-Id 20 M. (*, fe tonenj), je nach Lereinbanu» Mwemjet. j -’ielbung loton an da? KonM-, Zuugtrr ÄMbtti uub Et« der HSHtren tzchnle trboltn zur Snechmg des Slaffenzieis A ahhilf estundoi Imt Unternit im tzlmcntar., Llavleriu.Violinspiel.AE Ett'sid.GeBfissU.M^ btAnJhUn9en verlaus? bE§ ^eir. Engerer Öen, weidgerechte: ja'ger rvünfät sich aus Gesund nisrüctfiditen mit etwa 1001Ü, Zchr an g^erer ^edehagt beteiligen. Nahe bet Gießen, 'sch. Anspr. Ges.0si.ab.sos. u M an den Amdeviri, Miiver, müter To^ewlSermögeD, sucht einte ungeä Mädchen aus gut. Ftet, reiches den haushalt sühreii t:', Zwecks ÜAwnf Wt seine iratererllüllal e iernwgen wird erwünscht. ^christliche Meldungen unter 05253 an d. Gieß. Anzeiger nbeier. „Ich, Oskar Hellmann, Kanzleibeamter des „Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie", erkläre hiermit, daß ich von verschiedenen, an den Reichsvcrband gerichteten und von der Geschäftsstelle des Reichsverbandes an Mitglieder des Reichsverbandes gesandten Schreiben Durchschläge angesertigt und diese durch Vermittlung des Redakteurs R. Fischer der Redaktion des „Vorwärts" überliefert habe. Ebenso habe ich die Flugschriften des Lieichsverbandcs und gelegentlich verschiedene Nummern der Korrespondenz" des Reichsverbandes der Redaktion des „Vorwärts" überantwortet. Redakteur R. Fischer hat mir erklärt, daß man sich dafür erkenntlich zeigen werde. Ich habe es jedoch abgelehiU, Vorteile anzunehmen. (??) Als ich Herrn Fischer erklärte, daß ich es nunmehr für richtig Halle, aus meiner Tätigkeit tm Reichsverband auszuscheiden, gab mir Herr R. Fischer den R a t, noch einige Zeit l> ciin Reichsverband 3 n bleiben. (!!) Außer den uu „Vorwärts" abgedruckten Briefen habe ich nur noch einige wenige Briefe aus der Zeit des Wahl- k a iil p f e s i n D a r Ni st a d t durchgeschlagen und d e m> „Vorwärts" überliefert." Berlin, den 23. Juli 1906. Nicht unerwähnt mag bleiben, daß der genannte Spitzel» züchter „Genosse" R. Fischer, identisch ist mit dem sozialdemokratischen Neichstagsabgeordneten und Leiter der „Vorwärts "-Buchdruckerei, Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Richard Fischer. Da Hellmann seine Stellung beim Reichsverband zum 1. August gekündigt hatte, um angeblich nach Amerika auszuwandern, war man so liebenswürdig, uns den, Handlungsgehülfen „Genossen" Fichtner, einen Freund des Hellmann, als Ersatzmann anzubieten .... * Ter französische Major Driaut, der Schwiegersohn Boulangers, ist einer dec Verwegensten unter den. streitbaren Nationalisten. Er mußte seinen Abschied nehmen, weil ec nicht aufhörte, die Autorität des Kriegsministers herauszufordern, die Negierung und die Kammermehrheit zu beschimpfen und sein Bataillon in Ansprachen und Tagesbefehlen gegen die bestehende Ordnung aufzuhetzen. Seit er außer Dienst ist, hat er versucht, sich in die praktische Politik einzudrängen. Er hat sich um einen Abgeordnetenauftrag beworben, ist jedoch trotz wüstester nationalistischer Agitation wuchtig durchgefallen. Dieser Mann nun schreibt in einem mit seinem Namen und Offiziers- titel unterzeichneten Aufsatz an der Spitze des „Eclair": Vor drei Jahren hat dcr Kaiser Wilhelm in einer kleinen Stadt Deutschlands an ein O f f i z i c r k 0 r p s , das sich über einge- trctcnc Zwistigkeiten mit der Zivilbehördc beklagte, folgende ergreifende A n sp r a ch e gehalten: Blicken Sie nach der anderen Seite dcr Vogesen. Da haben Sie ein Heer, daS dreißig Jahre lang mit keuchender Anstrengung gearbeitet und, eines Tages durch einen furchtbaren Sturmwind verwüstet, sich dennoch so fürchterlich zu machen gewußt hat, daß wir, seine Besieger, nur mit einer gcwiffen Besorgnis und verdienten Achtung zu ihm hinüberschancn konnten. Dieses Heer ist heute- von allen verlassen. Man hat cs durch alle möglichen Verleumdungen dem Volke verdächtig gemacht. Seine Führer zählen nicht mehr, und gerade dcr Mann, der seine Ehre und seinen Bestand zu hüten hätte, ist mit unglaublicher Verbissenheit über es hergefallen. Angegriffen, beschimpft, den schlimmsten Zufällen und dcr schmerzlichsten Unsicherheit ausgeliefert, fragt es sich, ob cs morgen überhaupt noch zählen, ob cs nicht verstümmelt und sterbend aus der Krise hervorgehen wird, die es gegenwärtig durchmacht. Und dennoch arbeitet es fortwährend. Es zeigt unS bei den Feldübuugen gut eingearbeitete Regimenter, hingebende und kenntnisreiche Offiziere, Soldaten, die die Bewunderung der Welt erregen. _ ES ist ein Beispiel und Vorbild, und ich frage Sie, die Sie unter gewissen Unvollkommenheiten leiden, wie hätten Sie e5 ertragen, wenn Sie einer derartigen Behandlung unterworfen wären?" In einer deutschen Zeitung hat diese oder eine ähnliche Ansprache des Kaisers nie gestanden. Es ist undenkbar, daß Kaistr Wilhelm solche Worte gesprochen, solche Gedanken entwickelt haben könne. Man darf ohne Zögern annehmen, daß Dciant diese Kaiserrede frei erfunben hat. Er schwankt aber nicht, sie unter Anführungszeichen in der ersten Person, als die Worte deS Kaisers selbst, anzuführen und die Er- findtmg mit seinem Namen und militärischen Titel zu unterschreiben. Eine derartige Dreistigkeit mußte denn doch niedriger gehängt werden. Es ist ja allerdings überlieferter Brauch bei den Nationalisten, mit einer Frechheit sondergleichen den Namen unseres Kaisers zu mißbrauchen und seine Person in ihre Parteiränke und Lügen hineinzuzerren. Jahrelang spukte bei ihnen das Märchen von den eigenhändigen Briefen des Kaisers an Herrn v. Schwartzkoppen mit Spionieraufträgen für Dceisus, ja an Dreyfus selbst, jahrelang zeigte General Mercier in den Salons der Pariser wohlgesinnten Gesellschaft die Photographie des Begleitschreibens mit eigenhändigen Randbemerkungen des Kaisers, deren Echtheit der wackere Oberst Stoffel, der 'bekannte Berliner Militär-Attachö unter dem zweiten Kaiserreiche, eifrig bezeugte, und unvergessen ist die Aussage des Nenner Zeugen Mertian-Müller, der in Potsdam im Schlafzimmer des Kaisers eine Nummer der „Libre Parole" mit der Blattstiftanmerkung von des Kaisers Hand: „Sie haben Dreyfus gefaßt!" gesehen ztt haben versicherte. Die Kaiserrede, die Major Driant jetzt im Wortlaute mitteilt, schließt sich tvürdig diesen Kaiserurkunden an, welche die Nationalisten der engeren oder weiteren Oeffent- lichkeit übermittelt haben. Die südwestafrikanischen Farmer treiben in ihrem hartnäckigen Verlangen nach weiterer Entschädigung durch das Reich einem Konflikt mit der Regierung zu. Sie fordern, daß in ihrem Interesse auf das Stamme So ec mögen der Herero Beschlag gelegt tDcrbc, da voraussichtlich der Reichstag an der im Herbst zu erwartenden Entschädigungsvorlage Abstriche vornehmen oder gar sie wiederum ablehnen werde. Die Farmer berücksichtigen- Die heutige Kummer umfaßt 10 Seiten. Der Wunschzettel dcr Reisenden an den neuen ßiscnöahnminister. Nachdruck verboten. Der Wunschzettel würde unermeßlich lang werden, wenn cMe Wünsche der Reisenden, ja, auch nur die berechtigsten, Liier gesammelt würden. Es kann sich an dieser Stelle nur um ine Heraushebung der allerdringendsten Wünsche handeln, besonders solcher, deren Erfüllung der Eisenbahnverwaltung leine Opfer auferlegen würde, ja, meist sogar solcher, deren Erfüllung eine Wohltat für die Reisenden, eine Mehrein- mahme oder eine Ersparnis für die Verwaltung bedeuten ! oürbe. Grundstürzende Reformen sollen hier nicht gefordert !»erben, denn die große sogen, deutsche Eisen - Üahnreform, die uns ja vom 1. April 1907 ab bevor- ‘:el)t oder, wie ich vorziehe zu sagen, droht, macht eine ' leihe von sonst sehr notwendigen Aendcrungen überflüssig. .Iber vor wie nach der deutschen Eisenbahnreform bleibt ■-ine Menge wichtiger Verbesserungen zu wünschen. Obenan steht der Wunsch, der Minister Breitenbach möge nicht den Weg d!es Ministers Thielen, sondern den des .über allzu früh abberufenen Ministers Budde wandeln. Von allem anderen abgesehen, unterschied sich die Eisen- inahnpolitik Buddes von der Thielens durch ihre größere Volksfreundlichkeit. Unter Thielen war die preußische Eisenbahnverwaltung hinsichtlich des Personenverkehrs mehr und mehr Plutokratisch geworden: durch die Einführung teer Platzkartengebühr, der Luxuszüge und dergleichen wurden die mittelbegüterten und armen Klassen von den meisten guten Schnellzügen ausgeschlossen. Man vergißt >ft, daß die Harmonikazüge, diese einzige große Neuerung Thielens, in den weitaus meisten Fällen keineswegs neue Schnellzüge neben alten waren, sondern daß er die unentbehrlichsten Schnellzüge einfach in Har- Mvnikazüge verwandelt, sie also nicht unwesentlich verteuert hat. Ich erinnere an das überzeugendste Beispiel: an die beiden Schnellzüge von Berlin nach Königs- I erg, also nach der ärmsten preußischen Provinz, Ostpreußen, He durch Thielen beide mittels der Platzgebühr verteuert wurden, während er andere Provinzen, so z. B. Hinter- -ommern und Schlesien, mit der Platzkartengebühr verschont hatte. An den neuen preußischen Eisenbah-nminister muß die dringende Bitte gerichtet werden, das in weiten Kreisen herrschende Gefühl, die Eisenbahn behandle die Reisenden mit sozialer Ungerechtigkeit, nicht weiter dadurch zu steigern, daß die guten Schnellzüge durch die Ausscheidung der dritten Klasse und durch die Belastung mit Platzgebühr ein Vorrecht der Reichen werden. Mit keiner anderen Staatseinrichtung kommt der Bürger in Deutschland so oft in Berührung, wie mit der Eisenbahn, die ja zu mehr cls 90 Proz. in Staatshänden ist. Die Regierung unterschätzt die politische Bedeutung der Staatseisenbahn als eimes Erziehungsmittels staatsbürgerlichen Urteils. Jede ILngerechtigkeit auf der Staatseisenbahn wird von den Reisenden unmittelbar als solche empfunden, und unter mancherlei Gründen des Schwindens der Ehrerbietung vor dcr Staatsgewalt erblicke ich als einen der wirksamsten die so häufig zu dein schärfsten Urteil herausfordernde Behandlung der Bürger durch die Eisenbahnverwaltungen. Was ich meine, wird durch eins von zahllosen Beispielen klar werden. Man sehe sich einmal den Fahrplan der Strecke Berlin-Leipzig an (Reichskursbuch Seite 93)! Wie viele Schnellzüge stehen der dritten Klasse ohne Verteuerung zu Gebote, und was für Schnellzüge? Von den besten feilt einziger, von den guten nur wenige. Der erste Morgenzug ist ein verteuerter v-Zug; er erreicht Leipzig vor 10 Uhr, kostet aber Platzgebühr. Der einzige gewöhnliche Schnellzug mit drei Klassen, mit dem man Leipzig am Vormittag erreichen kann, ist ein mittelmäßiger Schnellzug, bann klafft eine Lücke bis zum frühen Wend. Die von Berlin abends abfahrenden Schnellzüge nach Leipzig sind sämtlich entweder v-Züge oder gar Luxuszüge. Ein Fahrplan wie Lieser bedarf dringend einer Aenderung nach sozialen Gesichtspunkten. Ein Uebelstand ferner, dessen Fortdauer geradezu unbegreiflich erscheint, liegt in dem durch nichts zu rechtfertigenden Verbot der mehrmaligen Unterbrechung einer Reise. Der § 25 der jetzigen Verkehrs- ocdnung lautet: „Den Reisenden ist es gestattet, die Fahrt einmal, bei Rückfahrkarten auf dem Hin- und Rückwege je einmal zu unterbrechen." Dann folgt die höchst bedenkliche Bestimmung: „Solche Reisenden haben auf der Zwischenstation sofort nach dem Verlassen des Zuges dem Stationsvorsteher ihre Fahrkarte vorzulegen und dieselbe mit dem Vermerke der Gültigkeit versehen zu lassen." Die 1 Unterlassung dieser Bescheinigung macht die Fahrkarte un- g iltig. Es gibt keinen einzigen stichhaltigen Grund zu dieser Beschränkung. In der Schweiz, in der zur Reisezeit ein Ameisenyauf enverkehr herrscht, kann die Fahrt mit jiei)er Art von Karten beliebig oft und ohne jicb e Förmlichkeit unterbrochen werden. Die einschränkende Bestimmung ist auch ganz nutzlos, denn der kundige Reisende setzt sich darüber aus die einfachste Weise '.jünloeg: er nimmt seine Rückfahrkarte eben nur bis zu bar Station, wo er die erste Unterbrechung eintreten lassen wiH. Ich führe als Beispiel einen von mir selbst kürzlich culebten Fall an. Ich reiste nach Saßnitz, konnte aber keine Mckfahrkarte dorthin nehmen, weil ich mich sowohl^ in S-tralsund. wie in PutbnS aufhalten wollte. Ich belastete allso den' Schalterdienst ohne jeden stutzen für die Verwaltung um das Dreifache, indem ich gezwungenerroei)e ioi Rückfahrkarten statt einer kaufte. Die Er sch wer u n g dies Dienstes geht aber noch viel weiter^ Da rch Gepäck aufzugeben Ijatic, dieses aber nicht bis nach aufgeben durfte, weil ich ja nur eine Rückfahrkarte nach .Stralsund AWWMWM Bezugspreise W/ monatlich7bVl.,viertel- GletzenerAMgerm General-Ammer v v ~ den polit. und allgem. Amts- Md Anzeigeblatt für den Mreis Gießen MW zeigenteil: Hans Beck. wieder einmal nicht, daß sie keinen Rechtsanspruch auf Schadloshaltung haben. Sie dürfen nicht das mit jedem Erwerbsunternehmen verbundene Risiko von sich abwälzen und dem Reiche zuschieben. Diese verblüffend einfache Lösung ihrer Existenzfrage wäre alles andere als nach dem Geschmack der Steuerzahler. Die Wortführer der Farmer tun immer so, als sähen die Volksvertreter mit gekreuzten Armen zu, wie die Ansiedler in Südwestafrika der „Verelendung" anheimfallen. Davon, daß der Reichstag eine Anzahl von Millionen bereits bewilligt hat, wird in den Farmer-Versammlungen kaum gesprochen. Das Reich hat in erster Linie seine eigenen Jnter- -effen wahrzunehmen, eben weil kein Rechtsanspruch der An- isiedler vorliegt, und in Verfolg diesen Interessen ist durch kaiserliche Verordnung das Stammesvermögen der Herero , eingezogen worden. Run kommen die Farnier und wollen jaus diesem Vermögen, wenn auch nicht vor, so doch glcich- jmäßig mit dem Reiche befriedigt werden, selbst auf die Gefahr fyn, daß es darüber zur öffentlichen Versteigerung bes gesamten Vermögensbestandes der Herero kommt. Durch solche Hervorkehrung ihrer Sonderansprüche .erweisen die Farmer sich selbst keinen Dienst. Sic täten besser, abzuwarten, was die Regierung im Herbst für sie vom -Reichstag fordern und was dieser bewilligen wird. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Dem Kaiser ist auf die Bitte der im Süden des westasrikanischcu Schutzgebietes ongcficbelten Deutschen durch den Gouverneur von jLindequist folgende Kundgebung telegraphisch übermittelt worden: ,„Ew. Majestät gestatten sich aus Anlaß der Ablehnung des Eisenbahnbaues, die zusammengekommenen Einwohner von Keetmanshoop ehrfurchtsvoll zu huldigen und auch weiterhin um Ew. Majestät gnädigen Schutz für den großen Süden des Schutzgebietes zu bitten." Der Kaiser hat darauf dem Gouverneur aus Molde folgendes Antworttelegrainm zugehen lassen: „Ich beauftrage Sie, der deutschen Bevölkernng des Südens, für die Bekundung patriotischer Gesinnung meinen kaiserlichen Tank ouszusprechen und hinzuzufügen, daß ich der Wohlfahrt und den Interessen seiner Einwohner auch fernerhin meine Fürsorge widmen werde. Wilhelm." Vom interparlamentarischen Iriedenskongreß. London, 24. Juli. Der gestern von Bryan xingebrachte Antrag lag der Ihcutigen Beratung in der folgenden abgeänderten Fassung [vor: .Wenn ein Streitfall zwischen Vertragsstaaten entstehen sollte, der nicht derart ist, daß er dem Schiedsgericht vorzulegen ist, so sollen die Staaten nicht zu irgend welchen Feindseligkeiten schreiten, sondern zuvor einzeln oder gemeinsam, je nachdem cs der Fall erfordert, um die Bildung einer internationalen Untersuchungskommission oder um Vermittelung seitens einer oder >nehrerer befreundeten Mächte nachsuchen. Ein solches Ersuchen soll gegebenenfalls gemäß dem Artikel 8 der Haager Konvention ffür eine friedliche Regelung der internationalen Streitigkeiten «erfolgen." Nachdem Freiherr v. Plencr (Oesterreich) die Dc- jbatte eingcleitet und Bryan seinen Antrag in einer längeren, [mit großem Beifall aufgenommenen Rede begründet hatte, wurde der Antrag einstimmig angenommen. Der englische Premierminister Campbell-Banner- ffnan sagte nichts Neues, als er in seiner Rede zur Er- söffnung auf die nächstjährige Haager Konferenz als die zur Verwirklichung des Abrüstungsgedankens geeignete Institution hinwies. In ähnlichem Sinne hatte sich der Staatssekretär des Auswärtigen, Sir Edward Grey, bereits am 5. Mai ds. Js. im Unterhause vernehmen lassen. Er meinte, die Haager Konferenz könne kein verdienstlicheres jWerk tun, als die Bedingungen für den Frieden weniger «kostspielig zu gestalten. Er stellte sogar in Aussicht, daß England den ersten Schritt nach dieser Richtung unternehmen werde, da ein Staat den Anfang machen müsse. England I>at allerdings alle Veranlassung, mit gutem Beispiel voranzugehen, denn es besitzt, nachAusweis des neuesten Nautikus- Jahrbuches, mit jährlich 1257 Millionen Mk. Ausgaben für Landesverteidigung zurzeit das höchste Kriegsbudget unter den Groß möchten, kann also vor allen anderen an die Beschränkung der Rüstungen schreiten. 'Wie der Heeresetat verringert werden kann, das zeigt ja schon das Reformprogramm des Kriegsministcrs Haldane, von dem er sich eine Ersparnis von mehreren hunderttausend Pfund jährlich verspricht. Sie reicht freilich nicht entfernt aus, das englische Kriegsbudget auf den Stand des deutschen herunterzuschrauben, denn für die Flotte gibt England den Riesenbetrag von 6 5 0 Millionen jährlich aus — fast dreimal so viel wie Deutschland —, und daß hier Erspar- niffe Platz greifen, muß stark bezweifelt werden, selbst wenn die englische Negierung auf der Haager Konferenz einen entsprechenden Antrag stellen sollte. Sie darf ihre Rechnung aber niemals ohne die Admiralität machen, deren Protest gegen die Absicht der Regierung sich erst jetzt wieder erfolgreich erweist in der Frage des Baues eines zweiten Schlachtschiffes vom „Drcadnought"-Typ, von dem die Regierung Abstand nehmen wollte. Von tiefgreifender Wirkung wird nach alledem ein etwaiger Beschluß der Haager Konferenz auf die Einschränkung der Rüstungen schwerlich sein können. Wie dem „Echo de Paris" aus London berichtet wird, ging das Gerücht, der russische Botschafter habe beim auswärt. Amt wegen dieser Eröffnungsrede BannermanS Vorstellungen gemacht. Ferner verlautet gerüchtweise, daß die englische Regierung beabsichtige, bei den übrigen Mächten anzufragen, ^wie sie sich zu einer gemeinsamen Vorstellung in Petersburg stellen würden. Jedenfalls muß in Petersburg die öffentliche Shm- pathi'ekundgebung des en gl. Premierministers für die vom Aaren der Unfähigkeit und Verfassungsverletzung geziehene Duma Uebervaschung hervorgerufen haben. Eine bittere Pille für die gegenwärtige russische Negierung. Eine Londoner Depesche besagt, daß der Nachruf für die Duma uneingeschränkten Beifall nur auf dem radikalen Flügel der liberalen Partei Englands finde, sonst aber auf liberaler <5eite als Uebereilung empfunden werde. Wir glauben nicht ian eine Entgleisung des cngl. Ministers. Eher scheint uns die Annahme zutreffend, daß die englische Regierung der jüngsten Entschließung des Zaren und der dadurch geschaffenen Situation keine Dauer beimißt. In diesem Sinne zieht die „Voss. Ztg." einen Vergleich zwischen der Auffassung der Berliner maßgebenden Kreise und derjenigen des Premierministers: Die politischen Berechnungen der englischen Staatsmänner gründen sich auf die Erwartung, daß das bis ins Mark verderbte autokratische Regiment und die um Macht und Bestand kämpfende Bureaukratie ihrem Schicksal nicht entgehen können. Der Einsatz unserer maßgebenden Kreise steht dagegen auf der Karte der Autokratie. Wir fürchten, die englische Rechnung wird sich als die richtigere erweisen. * London, 24. Juli. Oberhaus. Bei der Besprechung der von dem Kriegsminister Haldane gemachten Vorschläge über die Reorganisation des Heeres spricht sich der frühere Untersckretär des Krieges, Donoughmoore, entschieden gegen die Vorschläge aus. Ebenso erklärt Lord Roberts, die in Vorschlag gebrachte Verminderung der Heeresstärke erfülle ihn mit Besorgnis, besonders angesichts der gegenwärtigen Lage in Egypten und Natal. Die englische Armee habe vor allen Dingen den Zweck, dem Lande Sicherheit zn gewähren, aber die Vorschläge des KriegS- ministers würden keine nationale Streitmacht schaffen oder eine Armee, die sich für Kriegszwecke eigne. Der Unterstaatssekretär des Kriegsministeriums Earl of Portsmouth erwidert, die Regierung habe die wahrscheinlichen Erforder- niffe der auswärtigen Angelegenheiten und die Lage der Finanzen zu berücksichtigen gehabt. Das LandesverteidigungS- komitee habe sich dahin ausgesprochen, daß gewisse Aender- ungen in der Landesverteidigung sehr wohl gemacht werden könnten und der Generalstab habe die geeigneten Mittel und Wege hierfür ausgearbeitet und mit der vorgeschlagenen neuen Organisation den einstimmigen Beifall des Hecresrates gefunden. Aus S»a0t uno tiatto» Gießen, den 25. Juli. " Eine V olksliedersa mmlung. Auf Anregung des Biedenkopfer Landrats von Heimburg werden wie man unS schreibt, die Volkslieder des Hinterlandes gesammelt. Die Lehrer des Kreises haben diesem Wunsch entsprochen und eS ist zu erwarten, daß die Sache zustande kommt. Wie aus einer dieser Tage zu Biedenkopf abgehaltenen Besprechung hervorgeht, beträgt die Sammlung bis jetzt schon 265 Lieder. Sie sollen einstweilen von einer Kommission gesichtet, alphabetisch zusammengestellt und dann zwecks einheitlicher Ueberarbeitung einer maßgebenden Persönlichkeit in der Musikwelt übergeben werden. ** Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben. Die Anzeigen wegen Zuwiderhandlungen gegen das Gesetz betr. die Kinderarbeit ut gewerblichen Betrieben mehren sich in letzter Zeit in erheblichem Maß, ein Beiveis, daß die Bestimmungen des Kindcrschutzgesetzes immer noch nicht genügend bekannt lind beachtet werden. Alle die, welche Kinder in ihren Betrieben beschäftigen, namentlich aber die Eltern, die ihre Kinder beim Aus- tragen von Zeitungen :c. zur Hille bcranziehcn, feien aus das Merkblatt hingewiesen, das die komplizierten Bestimmungen des Gesetzes in übersichtlicher und leicht faßbarer Form enthalt. Sie finden in ihm volle Belehrung über die gesetzlichen Vorschriften, insbesondere über die Zulässigkeit der Beschäftigung überhaupt und sind dadurch in der Lage, Bestrafungen zil permetben. Auch für Behörben, Lehrer unb Aerzte sowie für jeben Kinbersreunb ist bas Merkblatt von großer Wichtigkeit. Merkblätter werben auf dem Großh. Polizeiamt nnb aus der Amtsstelle der Gewerbeinspektion unentgeltlich abgegeben. ** Jugend fest—Omnibusverkehr. Der Vorstand dcr Omnibusgesellschaft wird am kommenden Donnerstag vom Ncuenwcgener Tor ab eine regelmäßige Omnibus- vcrbindung nach dem Philosophenwald und zurück, cinrichten; der Fahrpreis beträgt 20 Pf. — Die Stadttouren werden wie an Sonntagen beschränkt bezw. teiltveise ausfallen. ""Hilfsausschuß für die n o 11 c i b e it b e it Deutschen R u ß l a n b s. Die in unserer Stabt veranstaltete nunmehr abgeschlossene Sammlung hatte ia(genbc§ Ergebnis: Es gingen ein durch Sammelliste Mk. 1696.50, bei Professor Krüger Mk. 936.50, Bankhaus Heichelheim Alk. 586.50, Expedition des Gießener Anzeigers Mk. 345.30, Professor Haller Mk. 325, Sammelbüchse in der Bürgermeisterei Mk. 14.01, Sammelbüchse im Gesellschafts- verein Mk. 10, zusammen Mk. 3913.81. Die Ausgaben betrugen Alk. 175.85. Es konnten demnach an die Zentralstelle in Berlin abgesührt werden Mk. 3737.96. Im Ohr. Das Auftreten des Ohrenkriechers, jenes bekannten, vielgegliederten Insektes mit den beiden zanqeuiörmigen Gebilden am Hinterleib erregt häufig das Entsetzen der Dainen- welt. Tic Vertreterinnen des schönen Geschlechts pflegen bei seinem Anblick zumeist die Flucht git ergreifen, denn schon der Gedanke, solch widerliches, Tier könne in ihren rosigen Oehrchen Wohnung nehmen, verschafft ihnen eine Gänsehaut nach der anderen. Jn- wieweit der Volksmund da? richtige getroffen hat, ivemt er bas Tierchen, bas sich vorzugsweise unter Baumrinben, auf feuchtem Bobeu ober in Blumen aufhält, als einen gefährlichen Einmieter in ben menschlichen Gehörwerkzeugen bezeichnet, soll hier nicht erst untersucht werben. Der Ziveck bieser Zeilen ist vielmehr lebiglich ber, einige praktische Verhaltungsmaßregeln für den Fall zu geben, baß ihnen bieses ober überhaupt irgend ein Insekt ins Ohr kriechen sollte unb trotz aller Bemühungen nicht mich er zum Verlassen dieses ungeeigneten Quartiers zu bewegen wäre. Vor allen Dingen unterlasse man es, nach bem Einbringen eines TiereS mit einem spitzen Gegenstanbe in bas Ohr zu fahren. Nur zu leicht kann ba° büret; eine Verletzung bes inneren Gehörganges erfolgen. Auch besteht bie Gefahr, baß der Sait bes etiva hierbei zerquetschten Insektes Entzünbungen hervorrust. Alles bies ist leicht zu permeiben, wenn man sich auf bas anbere, auf bas unbewohnte Ohr legt imb in bas okkupierte Ohr etwas Mohn- ober Provenceröl, noch besser etwas Kampferöl träufelt. Dabei wirb bas Tierchen, das sich im Oel nur schwer zu bewegen vermag, an bie Oberfläche gespült, wo man es nun leicht burch einen anberen mit einer Pinzette ergreifen laßen kann. O Grünberg, 24. Juli. In der gestrigen geheimen Sitzung des Gemeinderats, der auch Kreisamtmann Dr. Merck beiwohnte, ivurde beschlossen, für die als Fortsetzung der Butzbach-Licher Bahn geplante Nebenbahn Lich—Grünberg sich zur unentgeltlichen Geländestellung bereit zu erklären tind außerdem für 40000 Mark Obligationen zu übernehmen. (Wiederholt, weil gestern durch die Korrektur verstümmelt). Der Krieg gegen das Petroleum-Mittionenmonopol. Das amerikanische Petroleum deckt beinahe vier Fünftel des Weltbedarfs. Russisches und rumänisches ist noch lange nicht soweit eingeführt, Ivie das aus Nordamerika. Wenn nun in amerikanischem Petroleum noch ein Wettbewerb herrschte, dann könnte man Beleuchtung und Heizung wahrscheinlich billiger herben, allein dieser Wettbewerb ist bekanntlich ausgeschaltet worden, seitdem Rockefeller beinahe die gesamte amerikanische Petroleum-Produktion in seine Hände oder wenigstens in die des Petroleum- Trusts bekommen hat, den er beherrscht. Infolgedessen kommandiert er zwei Drittel der Weltproduktion des Petroleums. Dieses Monopol Rpckefellers^ durch ba£ er zum großen Teile s eine tau senk/ Millionen Marr Vermögen gemacht hat, ist nicht nur den Konsumenten, sondern auch der amerikanischen Regierung, insbesondere Roosevelt, ein Dorn im Auge, und der Präsident hat deshalb gegen Rockefeller, wie gegen die übrigen Trustmagnaten einen Feldzug begonnen. Obgleich einige sehr alte Gesetze, darunter der Verschwörungsparagraph, die Handhabung zur Verfolgung der Trusts hätten bieten können, hat es Roosevelt vorgezogen, durch neue, glücklich im S nat durchgedrückte Gesetze den Kampf einzuleiten. In diesen Gesetzen ist sogar von Freiheitsstrafen die Rede, und man wird sich erinnern, daß Rockefeller deshalb nach dem Kontinent gereist sein soll, nm sich der Verhaftung zu entziehen. Daran ist zwar nicht zu glauben, aber in der Tat ist der Krieg gegen ihn aus der ganzen Linie entbrannt. Die Petroleumquellen liegen in verschiedenen (Staaten der Union und dürften eigentlich handelsrechtlich nicht zu einem Geschäft zusammengeschlossen werden. Sie gehören daher auch verschiedenen Gesellschaften, deren Eigentümer aber der Trust ist, an. Diese Verschwägerung der Geschäfte ist gegenwärtig in gewisser Hinsicht durch das Gesetz verboten, und über die Durchführung desselben hat die zwischenstaatliche Handelskommission von sieben Mitgliedern, deren jedes 45000 Mk. Gehalt (!) bezieht, zu wachen. Vor sechs Gerichten schwebt jetzt schon das Verfahren gegen die Standard Oil Companh. Allein auch auf andere Weise ist diese zu fassen. Das neue Eisenbahnfrachtratengesetz verbietet, daß die Eisenbahnen die eigene Produktion — viele Bahnen haben Kohlengruben — billiger als die der Konkurrenz verfrachten. Nun verfrachtet zwar der Petroleum-Trust oder die Standard Oil Company ihr Petroleum nicht mit der Eisenbahn in Fässern, sondern lassen es in einem großartigen Röhrensh st em nach den großen Raffinerieplätzen laufen. Ter Weg ist billig, und die Konkurrenz kann es nicht nachmachen. Das Röhrenmonopol hat Rockefeller. Die amerikanische Regierung sieht jedoch dieses Röhrensystem als eine Frachtlinie an und damit kann sie den Trust sprengen, denn dieser kann doch nicht das Oel der Konkurrenz, mit seinem eigenen vermischt, in seinen Röhren laufen lassen. — So geht man in Amerika dem Petroleum- Trust zu Leibe und hofft damit wieder gesunde Handelsverhältnisse zu schaffen. Für Deutschland ist die Sache von großer Bedeutung, denn es kann nun den durchaus vernichteten deutschen Petroleumgroßhandel vielleicht wieder aufleben und die Petroleumpreise billiger gestalten, und es vermag sich vielleicht auch das rumänische und ungarische Petroleum, dessen Quellen zum großen Teil deutscher Besitz sind, und dessen Produktion von Dislontogesellschaft und deutscher Bank kontrolliert wird, einen größeren Markt zu verschaffen. Voraussetzung des Nutzens ist aber, daß nicht an Stelle des Rockefellermonopols das der Berliner Großbanken tritt. Vermischter. 'Das Eisenbahn-Attentat auf der Mosclbahn am Bahnhof Schweig ist aufgeklärt, da der Bahnwärter, der das Attentat entdeckt hat, sich vor dem Untersuchungsrichter in solche Widersprüche verwickelte, daß er schließlich ein Geständnis ablegte. Danach hat er selbst die Eisenplatte auf das Geleise gelegt, um für die Verhinderung eines Unfalles eine Belohnung zu erhalten. * Die Kinder des „Großen Kurfürsten", Den Rekord in der Zahl von Geburten während der Uebcrfahrt eines Dampfers von Newyork nach Bremerhaven hat der Lloyddampfer „Großer Kurfürst" auf seiner soeben zurück- gelegten Reise geschlagen. Nicht weniger als sechs Kinder erblickten auf dem Atlantischen Ozean das Licht dcr Welt. ES gab in verhältnismäßig kurzer Zeit drei junge Mütter an Bord, und zwar eine in der ersten Kajüte mit einem Kinde, eine andere in der zweiten Kajüte mit Zwillingen und eine dritte im Zwischendeck, die sogar Drillingen das Leben schenkte. Dieser seltene Vorfall erregte natürlich unter den übrigen Passagieren großes Aufsehen. „Es ist ein Glück", sagte der Schiffsarzt, „daß wir nur drei Klassen in der Be- förberung von Passagieren haben!" ' Eine Pantherjagd im Schlafzimmer. Ein gefährliches Abenteuer mit einem Panther erlebte ber Oberstleutnant Rundle, der in Allahabad in Indien steht. In seinem „Bungalow" war bereits ein Panther gesehen worden, doch vermutete der Oberst, daß das Tier der gezähmte Panther eines Kameraden wäre. Als er aber in das Haus trat, sah er in dem daneben liegenden Schlafzimmer einen gewaltigen Panther. Er schloß die Tür und zielte durch eine kleine Oeffnung, feuerte und verwundete Has Tier. Der vor Schmerzen rasende Panther stieß nun mit einem einzigen Sprung die Tur auf, sprang mit einem Satze auf Rundle los und verfehlte ihn um kaum eine Fußbreite. Mit einem Kaineraden suchte nun Rundle das ganze Haus ab, um den Panther aufzufinden. Schließlich stießen sie auf das Tier, das sich in einem leeren Raum hinter einem Haufen von Matten verborgen hatte. Der Oberst legte darauf eine Leiter in das Fenster dieses Raumes, um dort hindurch auf das Tier zu schießen, aber der Panther sah ihn unb sprang durch die offene Tür. Nun begann eine wilde Jagd, während deren es endlich gelang, das Tier tödlich zu treffen. 'Sein Standpunkt. Mein jetzt achtjähriger Bube war, so erzählt der „Tägl. Ndsch." ein Leser, als kleines Kind mit seinen dunklen Augen und dunklen Locken der Sieb» ling aller Damen und mußte sich überall, wohin er kam, von ihnen liebkosen lassen. Das mürbe ihm aber auf die Dauer so zuwider, daß er jedesmal, wenn wir irgendwo mit ihm hingehen wollten, erst fragte: „Sind da olle Damen?" Und wenn „olle" Damen da waren, so war er nicht zu be- ivegcn, mitzugehen. Neulich verlobt sich nun ein junges Mädchen, das uns gerade gegenüber wohnt. Da sahen die Kinder, wie sich die Braut dem Bräutigam auf den Schoß feijt unb ihn küßt. Als bas ber achtjährige Knirps sieht, ruft er, die Hände auf dem Rücken durch das Zimmer wandernd: „Na, da wird die Geschichte nicht lange dauern!" Erstaunt frage ich: „Warum denn, mein Junge?" Und er gibt die Antwort: „So was läßt sich doch ein Mann nicht gefallen!" 1 einzige hygienisch vollkommene, in Anlage und Betrieb billigste NeizungfärdasEmfamilienhaus L ist die verbesserte Zentral-Luftheizung. In jedes, auch alte Haue leicht B"53 einzubauen. Prospekte gratis und franko durch [Schwarzhaupt Spiecker & Co. Nachf., G.m.b.H., Frankfurt a.U.M cTernfprecfier 462 Gegründet 1866 4493 c’7< enrpsehle ich mich. [05206 mit 100/o Rabatt 3663 Ständiges Lager von zirka 200—300 Stück Kinder-Sportwagen Hugust Kilbmger Neue 4259 Die König!. Baugewerkschale zu Idstein D11/. Herberg. für alle Bauartikel! 4020 Johirs E Kibisheri Adriance hervorragende, erstklassige Brauselimonade von vorzüglichem Geschmack, gesetzlich geschützt No. 28 537 T1 Wr- sq h lt auf der Mosclbahn da der Bahnwärter, or dem Untersuchungs« 'Ife, daß er schließlich i/ er selbst dieEisen- dtc Verhinderung eines Schneider Leilich Schöne 2lussicht. Für den Festausschuß: Curschmann. —J) Frühkartoffeln la Wetterauer Ware, gelbe Perle von Erfurt und Frührosen pro Zentner Alk. 3.— inkl. Sack ab hier gegen Nachn. Telephon-Anschl. A. Simon II Echzell in der Wetterau. Betr.: Die Abhaltung des Jugendfestes. Donnerstag, den 26. Juli lf. J§., nachmittags von 2 Uhr ab, wird das diesjährige Jugendfest im Philosopheg- wald abgehalten werden. Zwecks Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit bestimmen wir hiermit, daß an genanntem Tage von 1 Va Uhr nachmittags ab der Fuhrwertsver- kehr nach dem Philosophenwald nur den Mittelweg entlang und von da zurück nach der Stadt nur durch die Eichgärten, von 6 Uhr nachmittags ab aber in umgekehrter Richtung bewerkstelligt werde. Das Publikum wird gebeten, sich nicht in den Zug hereinzudrängen, auch nicht die Spielplätze im Philosophen- rvald zu betreten, oder in die Spiele einzugreifen. Gießen, den 21. Juli 1906. Großh. 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An den Eingängen zum Festplatz wird zur Bestreitung der Kosten von allen nicht zum Zug gehörenden Festteilnehmern ein Eintrittsgeld von 30 Pfg. erhoben. Im Vorverkauf, der bis zum 26. Juli mittags 12 Uhr dauert, werden Eintrittskarten ä 25 Pfg. abgegeben. Dieselben find zu haben: im Geschäft von L. Alt hoff, Walltorstraße 16, in den Schreibmaterialicnhandlungen von E. Balser, Mäusburg 11, F. Kühn, Selterwcg 36, K. Steinhäuser, Neue Bäue 17. Die vorhergelösten Karten sind an den Kassenstellen im Walde vorzuzeigen. Von nachmittags 2l/2 Uhr an läßt die Omnibusgesellschaft ihre Wag^n vom Neucnwegcrtor aus alle Viertelstunde nach und von dem Philosophenwalde verkehren, worauf aufmerksam zu machen wir nicht versäumen wollen. Hausierern mit Luftballons, Pfauenfedern und Lärminstrumenten ist der Zutritt zum Festplatze untersagt. Gießen, den 20. Juli 1906. rl.ksS fcIir di- "WknA” ®.«at ’lfnbief.Men d-„ lBtn. ab "SW «lt. ?Webtte'"? W tetbe" bete» ietet’6 Tas Diele Ü bie Aen. , lL «ihnen haßPn dcr Stnlntteni k. Mr Konkurrenz kann'es 1 Bat Rockefeiler. Die Heg Röhrensystem it kann ne den Trust !t das Oel der Kon- m seinen Röhren -r'ka dem Petroleum- ,er gesunde Handels- e von großer Be- durchaus vernichteten eichi wieder aufleben alten, und es vermag 1 ungarische Petroleum, * B-itz (int,, M elllchast und deutscher n Markt zu verschaffen. -- daß nicht an Stelle liner Großbanken tritt Westanlage 27 verlegt habe. Durch Aufstellung von sämtlichen der Neuzeit entsprechenden Hilfsmaschinen der Wagenbautechink bin ich in der Lage, den grössten Anforderungen gerecht zu werden, und bitte Sie, mich auch weiterhin gefälligst unterstützen zu wollen. Prompte Bedienung zugesichert. GwMfbVcritgaag und Eepfehlaag. 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