156. Jahrgang Nr. 12V Zweites Blatt Mittwoch 23. Mae 1906 Erscheint WßRch mit Ausnahme deS Sonntags. Die „Siehener Zamilttnblätter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Ter »HElch« Landwirt"' erscheint monatlich einmal. Eichener Anzeiger Rotationsdruck tmb 8erlog der Vrühl'sche» UnwersUätSdruckeret. R. Lange, Ätehe». Redaktion. Expedition o. Druckerei: Schulstr.K, Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr. r Anzeiger Gießen. General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Eichen. Hefterreich-Zlngarn. Nachdem das österreichische Kabinett die Forderung der ungarischen Regierung abgelehnt hat, das; das Zollbündnis durch einen Zollvertrag erseht werde, und nachdem es ferner ablchnte, daß der autonome Zolltarif als ungarischer und nicht mehr als gemeinsamer Tarif ins Leben trete, scheint sich die Situation tri» t i s ch zu gestalten. Wie verlautet, haben der ungarische Ministerpräsident Wekerle und der österreichische Ministerpräsident Prinz zu H o h e n l o h e dem Kaiser Franz Josef ihre Demission an geboten, der .Kaiser aber habe beide Minister angewiesen, in der strittigen Frage, ob Zollbündnis oder Zollvertrag, neue Verhandlungen zu versuchen. * Wien- 22. Mai. Abgeordnetenhaus. Bei der Fortsetzung der Debattte über die Regierungserklärung betont der Ministerpräsident, daß« der Wahlreformgedanke bereits große Fortschritte gemacht habe. Sei es einmal gelungen, durch die im Einvernehmen mit den Parteien geschaffene Wahlreform das nationale Kräfteverhältnis auf oer Grundlage der Gerechtigkeit und der vollsten politischen Gleichstellung zu sichern, welch tiefgehender Wandel werde dann in allen bisherigen nationalen Reibungskonslit'ten eintreten. Die Differenzen, die betreffs der Mandatsaufteilung bestanden haben, seien auf eine zissermäßig beschränkte Zahl gesunken. Er sei bemüht, sie zu verringern. Er baue hierbei auf die Loyalität der Parteien, sowie auf die Macht des Wahlreformgedankens. Er sei daher überzeugt, daß die verhältnismäßig nicht zu großen Differenzen unmöglich die Neugestaltung des Vaterlandes würden vereiteln und die Ausgleichung der politischen Rechte und eine Anbahnung des nationalen Friedens würdet! verzögern können. Wäre eine Einigung auf dem Wege des Kompromisses zu erzielen, so wäre die Regierung fest entschlossen, mit selbständigen Vorschlägen vorzutreten. Er glaube jedoch, daß in allen Teilen des Vaterlandes der freudigste Wiederhall geweckt mürbe durch die Kunde, daß sich die Völker Oesterreichs in einer der wichtigsten Fragen frei geeinigt hätten. (Lebhafter Beifall.) Im weiteren Verlaufe der Debatte erklärt Abg. Graf Dzieduszycki, die Spaltung des Polenklubs werde davon abhängen, wie sie sich den Bedürfnissen Galiziens und des Polenvolkes gegenüber erweisen werde. Was die Wahlreform anginge, so werde es Sache der Regierung und der Parteien sein, durch Entgegenkommen gegenüber den berechtigten Forderungen des Polenklubs demselben au ermöglichen, der Wahlreform zuzustimmen. Hinsichtlich der Verhandlungen mit Ungarn werde der Polenklub sein Verhalten nicht von der Stellung zur Regierung abhängig machen, sondern jeweilig für die Maßnahmen stimmen, die ihm für die Machtstellung und die notwendige Einheit der Monarchie ersprießlich erscheinen. Abg. Stein betont, eine Wahlreform ohne Sonderst e'l l u n g Ga l i z i e n s sei undenkbar. Redner fordert ferner die Festlegung der deutschen Staatssprache, sagt, die jetzigen trostlosen Verhältnisse entsprächen dem Mangel an einer führenden Regierung und an einem selbstbewußten Parlament, und schließt mit einem Willkommensgruße der Alldeutschen an den demnäch-sii ,in Wien eintreffenden deutschen Kaiser. D v o r e k erklärt, die Tschechen könnten nur einem wahrhaft gleichen Wahlrecht zustimmen. Hierauf werden die Verhandlungen abgebrochen. Bei der Feststellung der nächsten Tagesordnung beantragt Abrahamo- witsch, die erste Lesung der Regierungsvorlage betr. die Verstaatlichung der Nord bahn als ersten Punkt auf die Tagesordnung zu setzen, wogegen mehrere Abgeordnete protestieren, weil dadurch die Verhandlung der Wahlreformvorlage verzögert werde. Der Antrag gelangt jedoch mit 102 gegen 98 Stimmen zur Annahme. (Anhaltender lärmender Protest der Mldeulschen und mehrerer Mgcord- neter der deutschen Fortschritts- und Volkspartei.) Budapest, 22. Mai. Der Reichstag wurde heute mittag eröffnet In der vom König verlesenen Thronrede heißt es: „Unserem väterlichen Herzen ist es schmerzlich, auf die Begebenheiten der jüngsten Vergangenheit, die den ordentlichen Gang des konstitutionellen Lebens gestört haben, zurückzublicken. Wir sagen der göttlichen Vorsehung Dank, daß die unheilvollen Mißverständnisse geschwunden sind. Das Einverständnis mit dem frei geäußerten Willen der Nation ist unsere sichere Hoffnung, daß das verfassungsmäßige Zusammenwirken sämtlicher Faktoren der Gesetzgebung künftig stets ungetrübt bleiben wird. Die Thronrede zählt sodann die Aufgaben des künftigen Reichstages auf und erklärt, daß, obzwar die mit den Verbündeten bestehenden, auf die Erhaltung des Friedens abzielenden engeren Verhältnisse und die freundschaftlichen Verbindungen mit anderen fremden Staaten eine Gewähr des Friedens bieten, doch für die Wehrmacht vorgesorgt werden müsse. Es fei daher notwendig, außer dem ordentlichen Rekruten kontingente auch die außerordentlichen Rüstungsbedürfnisse zu befriedigen, die in Den früheren Delegationen bereits als richtig anerkannt worden sind. Die Tbronrede kündigt an, daß nach Beendigung der Wahlreiorm die Einberufung eines neuen Reichstages erfolgen werde. "Rußland. Petersburg, 22. Mai. Wie in Dumakreisen erzählt wird, ist der Dilmapräfident Mur o mz ew am Sonntag vom Zaren in Prioatau dienz empfangen worden. Der Zar hat sich längere Zeit mit ihm unterhalten. Ans der Unterredung habe Muromzew den Eindruck gewonnen, da,; der Zar fest entschlossen sei, sich von der Duma nichts vorschreiben zu lassen und Uebergriffe derselben auf die Herrscherrechte nicht zu dulden. Dem Einfluß Muromzews sei es zu- zuschreiben, daß die gestrige Diirnasitznng einen ruhigen Verlaus genommen habe. Mit größter Spannung sieht man ber Antwort entgegen, welche der Zar auf die Duma-Adresse erteilen werde. . . o ,Nascha Shisn* bringt em Interview emeS Mitarbeiters mit dem Reichskontrolleur Schwanedach, wonach dieser auf die Frage, ob der Ministerrat mit Notwendigkeit auf eine Auflösung der Duma rechne, kategorisch erklärte, solche Gerüchte seien völlig sinnlos, die Frage sei im Ministerrat gar nicht aufgetaucht und eine Auflösung würde zugunsten extremer Parteien ausfallen, diesen Gefallen werde man ihnen nicht tun. Schwanebach fügte hinzu: ,Jch sage Ihnen dies als Mitglied des Ministerrats. Der Herausgeber der „Nowoje Wremja" Suworin veröffentlicht einen Artikel, in dem er gegen die Anarchie und die Mordtaten als System und gegen die Verteidigung der Verbrechen vom politischen Standpunkte protestiert. Jeder, der den revolutionären Parteien nicht angehöre, müsse sich dagegen auflehnen. Man müsse auch der Duma nutteUen, daß sie ein Verbrechen gegen Rußland und gegen das russische Volk begehe, wenn sic Abgeordneten zusähe, bie' es fertig brächten, wie Pilatus ihre Hände in Unschuld zu ivaschen. Suworin erklärt, daß die Duma indirekt die Taktil der Morde und der politischen Briganten bestimme, die sich auf revolutionäre Beweggründe beriefen; ie billige in gewissem Sinne die Anarchie und scheine sieh auf sie in ihrem Kampfe gegen die Regierung zu stützen. Es fei unmöglich, die Weigerung der Duma, die politischen Mordtaten zu verdammen, von einem anderen Gesichtspunkte aus zu betrachten, da sich nur 78 Deputierte den fünf Tuma- mitgliedern angeschlossen hätten, die gegen diese Entscheidung protestiert hätten, und auch andere hätten in beredter. Weise bewiesen, wie vernünftige Leute über die direkte ober inbirefte Billigung bet Mordtaten urteilen. Zwei Mitglieder des Reichsrats, Krestownikow und Dmitri Schipow, haben in Moskau erklärt, daß der Reichsrat sich bestrebe, einen Konflikt mit der Duma zu vermelden, indem er selbst auf die Initiative zur Gesetzgebung verzichtete, um sie der Duma völlig zu überlassen. Reichsduma. Petersburg, 21. Mai. In der heutigen Sitzung herrschte in der Duma augenscheinlich der Entschluß, sich nicht auf neue Debatten betreffend die brennendste Frage der Adresse, bie bekanntlich bie Amnestie bilbet, einzulassen. Dieser Entschluß ging auch klar aus einem Zwischenfalle hervor, ber sich ngch ber Erklärung beS Dumapräsibenten betreffenb bie Vorlage ber Abresse ereignete. Kornilow erinnerte baran, baß bie Duma in ihrer ersten Sitzung einstimmig ben Wunsch ausgesprochen habe, baß bald eine Amnestie erlassen werbe. Die Erfüllung dieses Wunsches sei aber bisher noch nicht eingetreten. Infolgedessen dürfte man es für überflüssig ansehen, den Erlaß ber Amnestie von oben her zu erwarten, und der dlibnec schlägt vor, als ersten Pimtt ber Tagesorbnung ben Entwurf eines Gesetzes betreffenb bie Freilassung aller politischen Gefangenen zu beraten. Hierauf erklärte ber Präsibent, baß ihm biefer Entwurf unbekannt fei. Als ihm jcboch bic Verteilung bieses Entwurfes von mehreren Seiten bestätigt wurde, bemerkte ber Präsibent, baß bann bic Verteilung vielleicht von pripater Seite erfolgt fei; beim in biefem Falle hätte er ber Duma burch eine Anzahl ihrer Mitglieber vorgelegt, barauf burch eine Sonderkommission umgearbeitet und erst dann an die Deputierten zur Verteilung gebracht werden müssen. Nabokow setzt darauf auseinander, man habe in der Adresse ursprünglich die Frage einer umfassenden politischen Amnestie stellen wollen, ohne dem Grundgedanken derselben eine Einteilung nach einzelnen Gesichtspunkten zu geben und darauf die wünschenswerten Grundlagen für die Durchführung dieser Amnestie in einem besonders begründeten Beschlüsse bringen wollen. Indem bie Duma eine umfaffenbe Amnestie in ihrer Abresse anregte, beseitigte sie bie Notwendigkeit ber Beifügung einer besonberö begrünbeten Resolution, welche seinerzeit einfach als Material für den bic Amnestie betreffenben Punkt ber Abresse verteilt worben ist, jetzt aber nicht ber Duma zur Prüfung vorliegt. Infolge biefer Erklärung förbertc bie Amnestiefrage in ber heutigen Sitzung ber Duma keine neuen Debatten, beren Fortsetzung der Mehrheit augenscheinlich antipathisch war, zutage. Deutsches Reich. Berlin, 22. Mai. Der Kaiser richtete an den Staatssekretär des Reichsschatzamts Freiherrn v. Stengel folgendes Telegramm: „Nachdem der Reichstag die Steuergesetzvorlagen angenommen hat, ist es mir cm Bedürfnis, Ihnen für Ihre hervorragenden Verdienste um das Zustandekommen dieses für die Zukunft des Reiches jo bedeutungsvollen Werkes der Neichssinanzreform meine wärmste Anerkemnmg aiisjufpredjen. Als äußeres Zeichen meiner Dankbarkeit und niemes Wohlwollens habe ich Ihnen den Noten Adlerorden erster Klasse verliehen, dessen Abzeichen Ihnen alsbald zu- geheu werden." — Ter am 7. März 1905 in Adis Abeba abgeschlossene deutsch-äthiopische Freundschafts- und Handelsvertrag ist durch den Kaiser ratifiziert und an den König von Äthiopien, Menelik II, am 16. Mai mitgeteilt worden. Ter Vertrag tritt am 16. Juni in Kraft. — Reichskanzler Fürst Bülow empfing den Chef des Generalstabs ber Armee, Generalleutnant v. Moltke, vor dessen 9lbreife nach Wien. Prökelwitz, 22. Mai. Der Kaiser ist heute nachmittag mit ben Herren ber Umgebung zum Besuche bes Fürsten zu Dohna-Schlobitten hier eingetroffen. Stuttgart, 22. Mai. Die Kammer ber StandeS- herren begann heute bie Beratung ber VerfassungS- revision. Ministerpräsibent v. Breitling sah in den Beschlüssen ber Kommission eine Erschwerung für ben Abschluß bes Werkes, sprach aber bie Hoffnung aus, baß trotz aller cntgegenstehenden Schwierigkeiten ein Ausgleich auf gerechter Grundlage geschaffen werbe. Notwenbig sei ein tatkräftiges Mitwirken bes hohen Hauses. Die von dem Fürsten von Löwenstein-Wertheim abgegebene Erklärung, baß bie Erhöhung ber Mitglieberzahl bes onberen HanseS um 75 keine so schwerwiegende Frage sei, bezeichnete ber Ministerpräsident als sehr wertvoll und für bic Verstänbigung geeignet. Im Lause ber Debatte wirb eine Erweiterung beS BubgetrechtS ber ersten Kammer geforbert. Die von ber Kammer ber Abgeorbneten getroffene Bestimmung, baß bic StandeSherren ihren Wohnsitz im Laube haben müßten, sowie bic Bestimmung über bic Aufhebung bes Kronrechts für bie Ernennung neuer erblicher Milglieber wirb für unannehmbar erklärt. München, 22. Mai. Der Generalabjutant beS Prinz- regenten, General ber Kavallerie Graf Lerch en selb, ist heute nachmittag gestorben.___________________ '.Kolonialpoft. Berlin, 22. Mai. v. Trotha, Generalleutnant, Kommanbeur ber Schutzlruppe für Sübwestafrika, würbe in Genehmigung feines Abfchiebsgesuches mit ber gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt; v. Deimling, Oberst, mit bem Range eines förtgabcfommanbcurS unb Abteilungschefs im Großen Generalstab, scheibet aus bem Heere mit bem 21. Mai aus unb wirb mit dem 22. Mai als Kommandeur ber Schutztruppe für Sübwestafrika angestellt. — Ein Telegramm auS Winbhuk meldet: Der Reiter Friedrich AlthauS, geboren zu Bockenheim, früher Pionierbataillon Nr. 21, am 15. Mai im Feldlazarett zu Lüberitz- bucht an Herzschwäche gestorben. Ausland. London, 21. Mai. Hinsichtlich des in verschiedenen Blättern erschienenen Gerüchtes, nach welchem ein englisch - chin efischer Vertrag für bie Abtretung Weihaiweis an China abgeschlossen worden sei, erfährt daS Reuterbureou, daß keine Veränderung bezüglich der britischen Stellung stattgefunden habe. Es handle sich gar nicht um eine britisä-e Zurückziehung und es fänden keinerlei Verhandlungen über Weihaiwei statt. R o m, 22. Mai. Der König hatte Unterredungen mit verschiedenen politischen Persönlichkeiten über die Lösung der K a b i n e 11 s k r i s e. Visconti Venosta befürwortete ein Ueber- gangsministerium, welches sich verpflichten würde, das Programm Sonninos durchzuführen. Ter Kammerpräsident Manchem riet dem Könige, entweder ein Kabinett Giolitti oder Sonnino zu bilden. Fortis bezeichnet seinerseits Giolittt als künftigen Käbi- nettschef. Sein Programm würde bis auf einige Einzelheiten das seines F-rcnndeS fein, nämlich die Herbeiführung eines Bun- des mit den Konservativen gegen die äußerste Linke. Rudini würde dann das Aenßere übernehmen und Fortis den Vorsitz. — Der W e ltpostko n g r e ß nahm übereinstimmend Bestimmungen für den Postpaketvcrketzr an, durch die das Porto für den Versand nach übcrseessu)cn Ländern entsprechend der Entfernung herabgesetzt werden soll. — Der Papst ist von der Unpäßlichkeit, die ihn in den letzten Tagen betroffen hatte, fast völlig wiederhergestellt. Er empfing heute den Kardinalstaatssekretär und beschäftigte sich mit den laufenden Angelegenheiten. Im Lause des Tages empfing der Papst den Fürsterzbischof von Salzburg, Kardinal. Katschthaler. , New Or lcans, 21. Mai. Der deutsche Bizekonsul. C a n n i ch ist in Bocas del Toro von einem Eingeborenen namens Meier ermordet worden. Cannich saß in einem Restaurant mit dem Konsul Teckmann und mit anderen Herren. Meier eröffnete das Feuer ohne jemand zu warnen, indem er laut rief, daß er den Konsul Beckmann zu töten beabsichtige. Der Mörder wurde von der Polizei verhaftet, die Mühe hatte, ihn vor der Lynchjustiz zu schützen. (Notiz von Wolffs tclegraphi- schem Bureau-Berlin: Eine amtliche Nachricht hierüber liegt noch nicht vor.) Houston lTexas), 22. Mai. Ter deutsche Generalkon,nl in Ncw Orleans, Frhr. v. Nvr den f l Y cht, mad# zur Zeit eine Rundreise durch Teras, um sich über die Verhältnis, e in diesem Staate zu unterrichten und dann imstande zu sein, aus Anfragen bei den Konsnlaten über diesen Staat authentische Auskunft erteilen zu können. Er wird auch die deutschen Ansiedelungen von New Draunfels, Dorne, Fredericksburg und San Anlvuio und andere besuchen unb' insbesondere Houston und Galveston eingehende Aufmerksamkeit schenken. T a n g e r , 21. Mai. Laut Nachrichten ans- spanischer Quelle ist eine F e l u ck e, roeldje die amerikanische Flagge trug und 15 Passagiere auS Tetuan an Bord hatte, an der Riffküste von Mauren beschlagnahmt worden. Drei von den Passa- gieren wurden zn Gefangenen gemacht. Frankreich. Paris, 22. Mai. Im Elysecpalast sand heute ein Ministerrat statt, in welchem beschlossen wurde, daß 2 ch ü l e r kirchlicher Lehranstalten, bie infolge bes Tremiungsgesctzes unter bas gemeine Recht fallen, nicht mehr bas Recht haben sollen, als Einjährige zu bienen. Ter Ministerrat beschäftigte sich sodann mit ben Zwischenfällen in Billerupt (Dep. Meurthe-et-Moselle), roq die Stahlhüttenbesitzer etwa 10 200 . Arbeiter, die sie entlassen hatten, anderen Arbeitgebern der Gegend namhaft gemacht haben und außer Stand setzten, anderweitig Arbeit zu finden. ES wurde beschlossen, über diese Tatsachen, die einen Angriff auf die Freiheit der Arbeit darstellen, eine gerichtliche Untersuchung in bie Wege zu leiten. Clä- menceau schickte den Arbeitern, die dadurch arbeitslos geworden sind, eine Hilfe. Ter Ministerrat beschloß ferner, einen Entwurf vorzubereiten, aufgrund dessen bic Zahl der Unterpräfetten auf die Hälfte reduziert wer-, den foll. Der Attnifter der öffentlichen Arbeiten führt aus, daß Gesteinseiiibrüche bic Nvttveudigkeit bedingten, Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit der Arbeiter zu gewährleisten. Ferner bemerkte Minister Barthou noch, daß die Hälfte der Leichen der bei der Berawerlskatastrovhe in Courriöres Umgelommenen wieder aufgefunden wurde, daß aber noch 21/2 Monate vergehen würden, bis säuitliche Leichen zutage gefördert sein würden. — Im Auftrage des Ministerpräsidenten wurde eine aus Beamten der verschiedenen Ministerien bestehende Kommission eingesetzt, bie mit der Ausarbeitung eines Gesetzes betraut werden wird, durch welches den Staatsbediensteten gewisse der im Synditatsgesctz von 1884 vorgesehenen Rechte bewilligt werden sollen. Dem „Matin" wird aus Rom gemeldet: Falls bie rn “ \i 0/Im mH '» 1' f J pv MM uJI r, M.,) ’M Sischofsbersammlungen noch Weisungen vom Papste er- Dartet, so könne man sicher sein, das) er den Bischöfen »ber einen zwar vorsichtigen aber entschiedenen Widerstand gegen das Trennungsgesetz als die Unterwerfung empfehlen werde. Ter Untcrrichtsmuiister Lrran d erklärte dagegen einem Mitarbeiter des' „Echo de Paris", er sei überzeugt, dkß der Vatikan angesichts der Ergebnisse der Kammcrwahlcn sich in die durch das Trennungsgesctz geschaffene Lage schicken werde. Der Vatikan werde dies seinen Ucberlieferungen entsprechend tun, aber er werde eine Formel finden, um das Unvermeidliche hinzunehmen. Er, der Minister, hoffe, das; die Bischofsversammlung im Interesse der K'irche das Gesetz anerkennen und die Bildung von Kultusvereinigungen anraten wird. Tas wäre das Znde des religiösen Streites imb für Frankreich biete sich dann die Möglichkeit, eine Politik der wirtschaftlichen und sozialen Reformen in Angriff zu nehmen. In derselben Unterredung sagte der Untcrrichtsminister: Die Wahlen beweisen, daß das Land weder von bett Pfarrern noch von den Militärs regiert werden wolle. Was die Geeinigten Sozialisten anbelange, erklärte der Minister, so werden dieselben ihre etwaige Opposition so einrichten, das; sie die angestrebten Reformen nicht verhindern. Die revolutionäre Gefahr bestehe nicht, wenn man sich entschließe, mutig den Weg der Reformen zu betreten. * Paris, 22. Mai. Zur Krönung des Königs Hakon entsendet Frankreich eine besondere Kommission, die aus dem Gesandten in Christiania, de la Vaud, dem dortigen Vizekonsul, dem französischen Marineattachee in Petersburg Bcllav und dem Militärattachee in Kopenhagen de la Panouse bestehen wird. Aie Entwicklung von Tsingtau. lieber die Entwicklung von Tsingtau schreibt in der „Münch, med. Wochenschr." Dr. Treutlcin von, hygienischen Institut der Universität Würzburg: Schon in Ostafcika wurde ich mit lebhafter Freude erfüllt bei der Betrachtung dessen, was deutsche Tatkraft und Unternehmungslust in etwa 20 Jahren in fernen Landen errungen hat. Dtirch einen Vergleich mit den Leistlingen der beiden alten Koloniemächte England und Holland, welche ich inzwischen in Indien und Java hatte studieren können, wurde diese meine Bewunderung für unsere deutschen kolonialen Ergebnisse in nichts gemindert. Geradezu mit Stolz muß es aber jeden Deutschen erfüllen, zti sehen, was man in Tsingtau in acht Jahren erzielt hat. Mit Fug und Recht hatten mir schon in Hongkong und Schanghai neidlose Engländer Tsingtau als den angenehmsten und gesündesten Platz an der ganzen chinesischen Küste geschildert. Eine genaue Besichtigung der Stadt, ihrer Umgebung und des Hinterlandes muhte mir dies bestätigen. Dies prächtige Ergebnis ist einerseits der wirklich großzügig mit bedeutenden Geldmitteln bewerkstelligten ersten Anlage der jungen Kolonie zu verdanken, anderseits einem fast europäischen Klima mit vier Jahreszeiten und einem nicht zu rauhen Winter. Die Kolonie liegt etwa auf der Höhe des südlichen Spanien, während Schanghai noch auf der von Kairo liegt. Der Hauptteil der Stadt liegt am äußeren Eingänge zur Kiautschou-Bucht, nach Norden geschützt durch eine Kette stattlicher Hügel, nach Süden offen für die meist angenehme erfrischende Seebrise. Innerhalb des durch starke Forts geschützten engen Einganges zur Bucht liegt der eigentliche Hafen, der in seinen Ktinstbauten seit neuester Zeit ein Schwimmdock für die größten Panzerschiffe enthält. Die Stadt, welche sich einer vorzüglichen Wasserleitung und elektrischen Beleuchtung erfreut, bat schöne, breite Straßen, zwei gute Hotels, eine Reihe deutscher Kaufhäuser und Ladengeschäfte und trägt das Gepräge der neueren Teile einer größeren deutschen Provinzstadt. Etwa ein Viertelstündchen von der Stadt findet sich ein prächtiger Badestrand mit zahlreichen schmucken Badehüten tind einem behaglichen Badestrandhotel, das im Jahre 1904 bereits 500 Badegäste von der ganzen chinesischen Küste, bnrnnter etwa 200 Engländer, beherbergte. Ein umfangreicher, eben fertiggestellter Schlacht- hos würde mancher deutschen Stadt Ehre machen. Die Gouvernementsschule umfaßt die ersten fünf Klaffen der deutschen Gymnasien und für Knaben und Mädchen ist eine vorzügliche Missionsschule vorhanden. Außerdem finden sich Kapellen der beiden Konfessionen. Der Gesundheitsztlstand, der in den ersten Jahren infolge von Typhus, Rlihr, Malaria und Hundswut wenig erfreulich war, ist durch eine gute Trinkwasserversorgung und Kanalisation, durch Anlage europäischer Gärtnereien, durch tatkräftige Bekämpfung der Moskitos- und Mückenplage und Errichtung einer Hundswutstation ein recht guter geworden. Das äußerst zweckmäßig angelegte, neu erbaute Garnisonlazarett wird von vorzüglich geschulten Marineärzten versehen und ist mit den neuesten Einrichtungen ausgestattet. Für kranke Chinesen wird in einem Missionshospital aufs beste gesorgt. 2his Stadt und Land. Gießen, den 23. Mai 1906. Militärdienst nach richt. Oberlt. Soldan im Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 zum überzahl. Hauptmann befördert. * • Bei der Staatsprüfung für das Justiz- und Verwaltungsfach, der sich 30 Prüflinge unterzogen, fielen 4 durch, die übrigen bestanden mit 3 und 4. Die Note 2 wurde nicht erteilt. • * Lehrerpersonalien. In den Ruhestand versetzt wurde der Lehrer an der Gemeindeschule zu Semd, Sebastian Bundschuh, auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste; erledigt sind eine mit einem eoang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Crumstadt, mit der Stelle ist ein Teil des Organistendienstes verbunden, und eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Burg-Gemünden, mit der Stelle ist Organisten- und Lektordienst verbunden. • • Die Einweihung der Hermann Schiller- Gedenktafel in der Aula des Gymnasiums findet Sonntag vormittag 11 Uhr statt, worauf die Freunde und Verehrer des Direktor Schiller hingewiesen seien. * * Von der russischen Gesandtschaft. Der Minlsterresident in Hessen und Sachsen-Koburg und Gotha, Fürst Kudaschew, wurde zum außerordentlichen Gesandten in Kopenhagen ernannt. " Fleischabschlag. Wie in verschiedenen anderen Städten, ist auch hier feit Montag ein Abschlag der Preise verschiedener Sorten Schweinefleisch und Fette erfolgt. Der Abschlag ist von den Schweinemetzgern im Verhältnis zu dem Rückgang der Viehpreise und zu dem früheren Aufschlag festgesetzt worden und beträgt durchschnittlich 10 Prozent. Ucbrigens sind die hiesigen Vieheinkaufspreise noch wesentlich höher als die des Frankfurter Marktes. •• Guter Fang. Der Besitzer des „Jagdschlößchens" in Dutenhofen fing gestern in der Lahn einen Hecht, der daS stattliche Gewicht von zwanzig Pfund aufwies. -* Verhaftet wurde gestern hier der Arbeiter Chr. N. auS Biskirchen wegen Unterschlagung. Er stand seither in Bielefeld in Arbeit und verschwand dort am 14. l. Mts., als ihm sein Slrbeitgcber 300 ,Mk. zur Besorgung übergeben hatte, unter Mitnahme dieses Betrages. Das Geld hatte er in den wenigen Tagen verjubelt. • * König!. Preuß. Staatslotterie. Der Vorstand des neu gebildeten Vereins König!. Lotterie-Einnehmer für das Großherzogtum Hessen trat in Mainz zu einer Sitzung zusammen, in der außer Beratung einiger wichtigen geschäftlichen Angelegenheiten, besonders die Konstituierung des Vorstandes vorgenommen wurde. Die Aemter sind wie folgt verteilt: I. B. Heim-Mainz, 1. Vorsitzender, Oskar Petrenz, i. Fa. Müller u. Rühle, Darmstadt, 2. geschäftsführender Vorsitzender, Ph. I. Schmidt-Darmstadt, Schriftführer und Kassier, Emil Dinkelmann-WormS und I. Klang-Offenbach, Beisitzer. ** Das Südddeutsche Männer-Quintett (auch Koschat Lieder-Quintett genannt) gibt am Dienstag, 29. Mai int Neuen Saalbau einen Liederabend. Dem Quintett gehören nur Solisten größerer Stadttheater an und sie fingen u. a. Lieder von Abt, Koschat :c. — Der Hannoversche Courier schreibt über das Quintett: Die einzelnen Vorführungen des „S. M.-Quintetts" wiesen eine vorzügliche Schulung auf, wozu noch das hervorragende Stimmenmaterial kam. So war es denn ganz natürlich, daß jede Nummer des Programms stürmisch applaudiert wurde. Vollendeter als Nr. 7 des Programms „Das stille Tal" kann wohl ein Quartett nicht wiedergegeben werden :c. • • Der Gesetzgebungs-Ausschuß der 2. Kammer genehmigte Dienstag nachmittag die vorgelegten Berichte der Ausschußreferenten über das Fe l d b e r e i n i g un g s g e s e t; und über die Vorlage betr. die Abänderung des Berggesetzes vom 28. Januar 1876. Bei der Beratung über da§ letztere wurde auch gleichzeitig der 2( n t r n g Noack mit zur Debatte gezogen, der bekanntlich den staatlichen Schutz auch auf „Bitumen" ausgedehnt wissen will, weil die Vermutung nahe liegt, daß sich auch in Hessen Petroleum vorfinden werbe. Der Ausschuß beschloß nach Anhörung bes Negierungsvertreters, Ministerialrat Usinger, im Sinne bes Antrags Noack auch Bitumen in den Gesetzentwurf mit aufzunehmen. Ein weiterer Antrag Fulda, welcher eine Gleichstellung in der Behandlung des standesherrlichen Grundbesitzes mit dem der übrigen Grundeigentümer bezweckt, wurde zur Beratung auf eine spätere Sitzung verschoben. Weiter wurde vom Ausschuß noch über die beiden Anträge Dr. Schmitt und Ulrich, betr. Entschädigung an unschuldig Verurteilte und Verhaftete eine genauere Beschlußfaffung für die Beratung im Plenum vereinbart. — Am heutigen Mittwoch werden sowohl der Finanzausschuß wie der Wahl- und der Petitionsausschuß Beratungen abhalten. * * Der Oberhessische Bienenzüchterverein hält am 22. Juli in Friedberg seine -^.Jahresversammlung ab, verbunden mit einer B i enen--AuS ste l l u n g. 4- Lang-Göns, 23. Mai. Der Gesangverein Frohsinn, der unter seinem Dirigenten, Lehrer Schwinn, schon viele Preise bei Gesangswetlstreiten erhalten hat, beabsichtigt den Gesangswettstreit in Kassel zu besuchen. Die Hauptprobe findet Sonntag, den 27. ds. im Vereinslokale statt. — Die Freiwillige Feuerweh r, die das Fest ihres 25 jährigen Bestehens, mit Fahnenweihe verbunden, am 30. Juni, 1. und 2. Juli hält, hat bereits zahlreiche Zusagen auswärtiger Wehren erhalten, die an dem Feste teilnehmen. △ Lich, 22. Mai. Bei der gestrigen Beigeordneten- wahl wurde nach genauer Feststellung Jakob Ihring mit 197 Stimmen gewählt. — Lützellinden, 21. Mai. Ein chr i stlich cs Wa l d- fest findet am Himmelfahrtstag nachmittags auf der Holzburg statt, bei dem Pfarrer Deggau von Darmstadt, Pfarrer Koch von Lützellinden und Lehrer Müller von Allcndors an der Dill Ansprachen halten werden. Posaunen- und Gesangschöre werden das Fest verschönern. x Waldgirmes, 22. Mai. An der in unserem Walde gelegenen „Dicken Eiche" findet am Himmelfahrtstage wiederum ein christliches Waldfest statt. Pfarrer Schmidt- Waldgirmes hat die Leitung des Festes übernommen. Der Bundesagent der Evang. Jünglingsvereine, Wegener-Barmen, wird als Redner auftreten. Das Fest kann natürlich nur bei günstiger Witterung ftattfinben, fein Anfang ist auf nachmittags 3 Uhr festgesetzt. Q Lauter bei Grün berg, 22. Mai. Welch einträgliche Summen eine Gemeinde ans einer systematisch betriebenen Ob st anpflanz ung erzielen kann, davon gibt unser Dorf einen schönen Beweis. Die Gemeinde als solche erzielte in den letzten 6 Jahren eine Einnahme von über 13 000 Mk., davon entfallen auf 1899 — 797 Mk., 1900 — 1040 Mk., 1901 = 290 Mk., 1902 — 1107 Mk., 1903 = 4832 Mk., 1904 — 2023 Mk., 1905 (es war ein schlechtes Obstjahr) nur ca. 500 Mk. Für dieses Jahr steht wieder eine sehr reiche Obsternte in Aussicht. Im Kreise Gießen steht unser Dorf inbezng auf Obsterlös an erster Stelle. □ Bad Nauheim, 22. Mai. Fortgesetzt ist die Badeverwaltimg bemüht, den Kurgästen die Schönheiten unserer Taunuswälder, des Usatales und der Umgegend durch 'Anlage schöner Spazierwege, Rundfahrten und Aussichtstempel zu erschließen und ihnen dadurch den Aufenthalt angenehmer zu gestalten. So ist dieser Tage ein neuer Fa hr° weg vom Golfsklubhaus am Fuße des Obermörler Berges nach der Höhe dieses Berges eröffnet worden. Forst- affeffor Dr. Weber hatte die Pläne hergestellt. Ter Weg führt durch Wald auf die Höhe. Von ihr hat man eine herrliche Aussicht ins Usatal, Jfeltal, nach dem Kranzberg, HauSberg, nach Butzbach, Münzenberg, Hochweisel, Ziegen- berg; westwärts überschaut man die Wetteran mit zahlreichen Orten, begrenzt von den Höhen deS Vogelsbergs. Der Berg wird täglich von zahlreichen Kurgästen besucht. — Um die ast vollendete Daukeskirche werden z. Zt. schöne Anlagen angepflanzt. Die Orgel ist dieser Tage angekommen und wird gegenwärtig aufgestellt. Vermachter. * Ehrentafel deutscher Arbeitgeber. Das Ge- ’amtergcbniS des in der „deutschen Ehrentafel" für den Zeitraum 1898 bis 1905, also für acht Jahre bearbeiteten Materials, beläuft sich auf über % Milliarde, nämlich auf 551 657 098 Mk. Für das gleichmäßig bearbeitete Jahr- ünft 1901 bis 1905 beträgt das in den 7124 Details quellenmäßig nachgewiesene Gesamtergebnis 424 555 393 Mk., das durchschnittliche Jahresergebnis 84 911 078 Mk. Von diesen Beträgen entfällt auf direkte, freiwillige Fürsorge für Angestellte, Arbeiter und deren Angehörige die reichliche Hälfte, nämlich 241 271 310 Mk. auf das Jahrfünft und 48 254 262 Mk. auf den Jahresdurchschnitt. Hervorzuheben ist, daß bei diesen wirklich freiwilligen Zuwendungen von Arbeitgebern für Arbeiter diejenigen der privaten Spender von 20 Mill. Mk. im Jahre 1901 auf fast 61 Mill. Mk. im Jahre 1905, also um daS Dreifache gestiegen und daß die ermittelten Zuwendungen der Aktiengesellschaften und Banken von 22 Mill. Mk. im Jahre 1901 auf 18 Millionen Mark im Jahre 1905 gefallen sind. • Der Eisenbahn-Alkoholgegnc: -V erband, zu dem der am 26. Januar 1902 vom Eisenbahndirektor de Terra ins Leben gerufene Deutsche Verein enthaltsamer Eisenbahner sich seit 1. April erweitert hat, scheint, wie uns geschrieben wird, sich zu einer internationalen Vereinigung auszuwachsen, in der sich mit der Zeit alle Bestrebungen zusammenfinden, die in den verschiedenen Ländern nach dem deutschen Beispiel auf Erhöhung der Verkehrssicherheit durch möglichst weitgehende Ausschaltung des Alkoholgenusses beim Eisenbahnpersonal gerichtet sind. Das befreundete Oesterreich hat sich dem Verbände bereits angeschlossen. Aber auch in anderen Ländern erheben sich schon Stimmen, die einem derartigen Zusammenschluß das Wort reden. Zunächst in bet Schweiz, wo der Verein abstinenter Eisenbahner dank verständnisvoller Förderung durch die Verwaltungen und die Regierung, aber auch dank der Einsicht und Tatkraft des Personals selbst, überraschend schnell emporgeblüht ist. Auf Veranlassung dieses Vereins wird Eisenbahndirektor de Terra den schweizerischen Eisenbahnern in nächster Zeit eine Reihe von Vorträgen halten, die den Gedanken eines Anschlußes auch in der Schweiz an den Eisenbahn-Alkoholgegner-Verband voraussichtlich zur Reife bringen werden. Und da auch in Dänemark ein solcher Anschluß bereits erwogen wird, so steht zu erwarten, daß schon der nächste internationale Kongreß gegen den Alkoholismus (Ende Juli 1907 in Stockholm) dazu führen wird, die für den gesamten Verkehr überaus wichtigen Bestrebungen auf einheitlicher Grundlage international zu organisieren. * Zu der Affäre der Fürstin Wrede, die beschuldigt wird, in verschiedenen Gasthöfen Silbergerät an sich genommen zu haben, schreibt man uns: Wir enthalten uns des Urteils darüber, ob die Fürstin die ihr zur Last gelegten Taten mit geistiger Ueberlegung ober unter bem Einflüße einer krankhaften Veranlagung vorgenommen hat. Die Wahrscheinlichkeit spricht indessen für den letzteren Fall. Immerhin bleibt diese Affäre in ihrer Art Aufsehen erregend genug und es fehlt ihr nicht an einzelnen Zügen, die dieses Aufsehen voraussichtlich noch steigern werden, wenn sie erst zur Sprache kommen. Die Eheverhältniße des Fürsten Adolf Wrede sind ja schon erörtert und es ist dabei zutreffend erzählt worden, wie seine erste Heirat mit der Sängerin Ludmilla Mal- dauer in Frankreich für rechtsbeständig, in Deutschland dagegen für null und nichtig erklärt wurde. Es ist noch nicht lange her, daß eine Theater-Agentur mit der Fürstin Ludmilla Wrede — Fürstin in Frankreich, aber nirgendwo anders — verhandelte, um sie für ben Berliner Wintergarten zu engagieren, wo sie ihre Chansons zur Begleitung eines Zigeuner-Orchesters fingen sollte unb man sich von ber Zugkraft ihres fürstlichen Namens an ben Plakatsäulen viel versprach. DaS Geschäft zerschlug sich, als feststanb, daß die Behörden dem früheren Fräulein Moldauer, in erster Ehe geschiedenen Gattin des Dr. med. Josef Ritter von Dem- kovicz-Dobrzanski, nicht die Erlaubnis gewähren würden, in der deutschen Rcichshauptstadt einen Titel als Reklame zu gebrauchen, der ihr hier rechtlich nicht zustand. 9(bcr es ist gewiß ein originelles Zusammentreffen, baß diese erste Gattin des Fürsten Wrede sich seit Wochen in einem der ersten Hotels Berlins aufhält; bei ihr ist ihre jugendliche Tochter erster Ehe, eine Erscheinung von hervorragender Schönheit. Und der Schwiegersohn der jetzt unter Anklage stehenden zweiten Fürstin Carmen Wrede, Fürst Edmund Wrede, der bei einem Garde-Kavallerie-Regiment als Leutnant steht, gab sich vergeblich alle Mühe, die Berliner Obrigkeit dazu zu veranlaßen, den Aufenthalt der ersten Frau des zweiten Gatten seiner Schwiegermutter abzukürzen (man muß sich in dieser komplizierten Familienangelegenheit schon ein wenig mit Zahlen behelfen). Aber dieselbe Polizei, die den Wünschen des jungen Fürsten gegenüber so unempfindlich blieb, ist ungalant genug, ihrer mecklenburgischen Kollegin die Hand dazu zu bieten, um gegen die Fürstin Carmen Wrede wegen der Hotel-Diebstähle vorzugehen, deren man sie bezichtigt. * Courriöres, 20. Mai. Es wird berichtet, daß die Leiche eines Bergmannes namens Pinte herausbefördert worden sei, dessen Tod allem Anschein nach erst vor wenigen Tagen erfolgt ist. Man hat im Magen der Leiche, die noch kaum verwest war, Werg gefunden. Der Unglückliche fei offenbar durch Hunger und Durst zu Grunde gegangen. — Wie aus einer belsiirdlichen Zusammenstellung hervorgeht, waren von den 1094 Opfern der Katastrophe 548 verheiratet und 546 ledig. Die Gesellschaft wird eine Jahrespension von ungefähr 800 000 Francs zu zahlen haben, welche Summe sich jährlich um etwa 25 000 Francs verringern werde. * Einen empfindlichen Polizeisergeanten hat die Stadt Mühlhausen. Wie der Erfurter Anzeiger zu berichten weiß, wurde dieser schwachnervige Beamte durch ba5 •'S Straßen^' Insassen" Der & nr Lärms vernntmarie' der An'tsan polnP«1 ” Mt'und dr Mdcn hm»-. Ambrerc in ben Saum plosioN' Alben veck ->n dA Sei einer o stattsand, ist flöße 1* richtet. -7 + lager eine dann-Entzm bie So (fite bil entlu trollte., Es bem die y führet ist- - welche die Dogen be> Berl berbänbe t( ben von kvhlcng' Sauptstelle ■stet, liegenbeit ? ben von B ber Schi 20 Reebcre Arbeiter, t kommen. Stu t binbereien KünbigMo> etwa 1000 Weis gehaltene < beschloß m Eine Versa witr gerne! tverfäterivn, be$ Weunfiu ju treten. $ reibt hier sämtlick gehUscn 1 lieber besG wenn sic m St. E zogen geftei Arbeiter flc ist bie Zahl Dermcbrt int , 0 ft u b ballklub gegen ben ber zweiten da Gießen fr 1. Mcmnsch jebodi in b Sfiel für ■ Serri 111 weiß Uu He schwerer Frai im Alte * "achwitt aus stg, K 16-06 W tofoem ®'eBen, j Großh.\ ttesert ilt Es starben an: Znsannnen: 2(1) 3%°A KD KD III Portugiesen . 212.40 . 107.20 Prince-Henri-Eisenbahn . 153.30 218.50 24.20 146.20 Für die gesamte Redaktion verantwortlich in Vcrtr. Ernst Heß. Das Beste S. Fussbekleidung Todes-Anzeige 3270 ist der I Carl Seibel fast in allen Kulturstaaten. Patente Nomul-Föti Kirmil-FuM Neue für Giessen und Umgegend Ein,noch tast nenes,französisches illard, wenig im Gebrauch, Kleeacker (ca. 2100 mMtr.) in der empfiehlt (3180 des Gießener Anzeigers. »Uohnenftangeu zu vertanien. I '(O 03736] WoUengasse 26. diesjährige, von einem 4°.; Öesterr. Goldrente. . 41/« 96 Ocsterr. Silberreute Chasalla- Messapparat 24 60 145.80 3(1) 2 (1) 1(1) 1 2(1) . 254.70 . 134.00 99.95 88.00 99.90 87 95 1 2 (2) 1 (1) 16,4° C. 9,8' ('. 69.45 7040 91.95 95.45 95.00 147.00 54.25 Harpener Bergwerk. Lanrabütte . . . Lombarden E. B. Nordd. 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Näheres durch die Gießeuer 'hJeilerfartc. falsch beschuht Alleinverkauf Telefcnisclie Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie. Glessen. "Frankfart^i* Börse. 23. Mai, 1.15 Uhr. Erwachsene: im 1. Lebensjahr: K 16 06 IE”'« Donnerstag, den 31. Mar 1906, nachmittags 3 Uhr, ivrrd ans hiesigen, Ortsaerickt die vor dein Namen des Lndwig Wagner und Ehefrau geb. Heim stehende Parzelle der Gemarkung Gienen 1/1012,8 — 1221 qm Hofraite in der Mühlgasse öffentlich meistbietend versteigert. Gießen, den 26. April 1906. Großh. Ortsgericht Gießen. Gros. Arbeiterbewegung, Berlin, 22. Mai. Die Hauptstellc deutscher Arbeitgeber- berbändc teilt mit. daß in der gestrigen Sitzung beschlossen wurde, den von dem Ausstand im Mitteldeutschen Braun kvhlcngebiet betroffenen A r b e i t ge b e r it die Hilfe der Hauptstellc im ganzen Umfange zuteil werden zu lassen. Stettin, 22. Mai. Die Bootsleute der im hiesigen Hasen liegenden Fahrzeuge verschiedcmer Oder Reedereien Habels gestern den von Breslau aus ergangenen Beschlüssen, sich dem Streik der Schiffer anzuschließen, Folge geleistet. Es sind etwa 20 Reedereien von dein Streik betroffen, so daß mehrere tausend Arbeiter, darunter auch die Maschinisten und Heizer in Betracht kommen. Stuttgart, 22. Mai. In den sämtlichen hiesigen Buch bindercicn staben die Arbeiter ohne Einhaltung der vereinbarten Kündigungsfrist die Arbeit niedergclegt. Ter Ausstand umsaßt etwa 1000 Arbeiter und Arbeiterinnen. Weißenfels a. S.. 22. Mai. Eine gestern abend ab- gchaltene Sitzung der ausständigen D r a u n ko hl c n ar b c i t e r beschloß mit großer Mehrheit die Z o r t s c tz u n g de sS t r e i k s. Eine Versammlung in Zeitz beschloß, entgegen den aus'Meuiel- witz gemeldeten Beschlüssen der Ausständigen, nut der Bcrg- werksverwaltung wegen Lohnerhöhung und wegen Einführung des Neunstundentages in erneute Verhandlungen einzutreten. 1 Freiberg i. Sachs, 22. Mai. Seit heute morgen find hier sämtliche Maler-, Lackierer- und Anstreichergehilfen wegen Lohnstoeitigkeiten ausständig. Tic Arbeitgeber beschlossen, sämtliche Gehilfen als antlasscn anzusehen, wenn sic nach drei Tagen nicht zur Arbeit zurückkehren. St. Etienne, 22. Mai. 1200 Ausständige durchzogen gestern nacht die Straßen der Stadt und veranlaßten die Arbeiter kleinerer Fabriken, sich ihnen anzuschließen. Hierdurch ist die Zahl der Ausständigen, welche etwa 2000 betrug, um 1000 vermehrt worden. M liMMt MerW irr öhrefnilr iu da Stadt Gießeu 19. Woche. Vom 6. bis 12. Mai 1906. Einwohnerzahl: angenommen zn 29 500 (inkl. 1600 Mann Militär.) Sterblichkeitsziffer: 19,39 %0, nach Abzug von 7 Ortsfremden: 7,08 °/cn. Kinder K 18/06 |B‘6 4 Donnerstag, den 31. Mai 1906, nachm. 3 Uhr wird auf hiesigem Ortsqericht die vor dem Namen der Heinr. Wölsnm Ehe- frau geb. Mildner stehende Parzelle der Gemarknng Gießen 5/140,4 — 473 qm Hofraite auf der Weißerde, auf beu obersten Riegelvfad öffentlich meistbietend versteigert. Gießen, 26. April 1906. Großh. Ortsgericht Gießen. Gros. ___ Bcichsanleihe do. Konsols . . do. . Hessen . . . Oberhessen hcbliche Kosten für Straßenanlagcn, Führung der elektrischen Bahn zu tragen hat. DaS Projekt fand allgemeine An- erkennung. Berlin, 23. Mai. Der gcschäftsführendc Ausschuß ber nationallibcralen Partei hat beschlossen, den diesjährigen allgemeinen Pertrctertag der Partei am 6., 7. und 8. Oktober in Goslar abzuhalten. Magdeburg, 23. Mai. Wegen 11 »Zerschlagung v o u Strcikgcldcrn verurteilte die Strafkammer in Stendal den Zimmermann Pape zu zwei Jahren sechs Monaten Gefängnis. Pape war Kassierer des Zimmerer-- Verbandes in Seehausen. H am b u r g, TI. Mai. (Gestern nachmittag wurde hier in einem Auktionslokal der Kommis Zyrus von drei Burschen überfallen, niedergeschlagen und geknebelt. Dann raubten sie 500 Mk. Geld und verschiedene Wertsachen, darunter eine goldene Uhr. Tie Täter sind spurlos verschwunden. London, 22. Mai. Zur Feier der Eröffnung der deutschen fiu n st a u s stell u n g wurde heute abend im Savo' Hotel ein Festmaß l veranstaltet, dem eine große Anzahl hervorragender Persönlichkeiten beiwohnten. Den Vorsitz führte Kriegsminister Haldane. Er brachte in deutscher Sprache ein Hoch auf den Kaiser aus und widmete einen zweiten Trinkspruch dem Blühen und Gedeihen der bildenden Künste, her Literatur und des Dramas. Bern, 23. Mai. Bei den Arbeiten am elektrischen Wetter horn-Aufzug oberhalb Grindelwald wurde ein Mann von einer Lawine in die Tiefe gerissen und sofort getötet. T e m e s v a r , 23. Mai. Der Ei e n e r a l st r e i k ist Be» endet. Die Ruhe wurde nicht gestört. Petersburg, 22. Mat. Ter Minister des Innern, M o l y p i n, wird in nächster Zeit der Duma einen Gesetz- entwnrf zugehen lassen betr. die Reorganisation! der Lokalverwaltnng. Der parlamentarische Ausschuß der Kadetten nahm heute endgiltig den der Duma zu unterbreitenden Gesetzentwurf betr. das allgemeine, unbcschrättkte, gleiche, direkte uitd geheime Wahlrecht ohne Unterschied des Geschlechts an. Odessa, 23. Mai. Tie jüdische Bevölkerung ist in größter Angst, da in der Stadt Pr p kl am a t i on en angeschlagen werden, in denen zum 2 7. Mai Juden- Hetzen angekündigt werden. New York, 23. Mai. Gestern nachmittag wurde daS Kohlenrevier des südlichen Illinois burd) heftige Erdstöße erschüttert, durch die die Wasserleitung der Balti- morc-Ohio-Bahn zerstört wurde. Floss- n. See-Fische anevf. aller?. Qualität stets find) bei 6. G. Kleinhcnn. Tcllk.^iich-u. Geflügel-Handlung Goldßsche eingetroffeu. M Fussböden kaufen Sie bei: FUSSBODEN-OELLACKFÄRBE FRHUENI2B garantirt blei- u, giftfrei. 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