Nr. 199 Zweites Blatt 156. Jahrgang Samstag 85. August 1906 Vrscheint SV-Uch mit Ausnahme de-Sonntags. . AA aa V'lf aa a a aa Rotationsdruck und Verlag der vrühl'sch» "““ao-*’wrt~ »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der g W « fcv, g jä’frk, Ä $ g Wj vtV, Ä MM Redaktion, Expedition ».Druckerei: Vchulstr.^» ^elfisch« Landwirt erscheint monatlich einmal. v H ™ ® v v " ™ Tel. Nr. bl. Telegr^Adr.: Anzeiger Gieße». General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. politische Tagesschau. König Eduard hat seine Kur in M a r i e n b a d auf genau d r e i W o ch e n berechnet. Er begann sie am 17. August, und er wird sie am 6. September beenden. An diesem Tage verläßt er Marienbad morgens. Wie aus guter Londoner Quelle verlautet, ist es wahrscheinlich, daß der König auf dem Rückwege nach England dem Hofe in Dresden einen kurzen Besuch abstattet. An sich würde dieser Besuch wohl nur ein natürlicher Akt der Höflichkeit sein, zu dem die geringe Entfernung Marienbads von Dresden die erklärliche Veranlassung gäbe. Es ist aber vielleicht weniger bekannt, daß zwischen dem König Edward VII. und dem Könige Friedrich August auch ein ziemlich nahes verwandtschaftliches Verhältnis besteht. König Edward ist, wie bekannt, ein Loburger; koburgischer'Abstammung aber ist auch König Friedrich August durch seine Mutter, die Infantin Maria Anna von Portugal, die Tochter der Königin Maria II. da Gloria nnd des König-Gemahls Ferdinand, Prinzen von Sachsen-Koburg-Gotha und Vetters des britischen Prinzgemahls Albert. Von einer Reise nach Paris ist offiziös keine Rede. M Der Wahlkampf nm das Verfichernngsamt ist jetzt entbrannt. Bei den früheren Wahlen hatten die sozialdemokratischen sogenannten „freien" Gewerkschaften keine Gegner. Tas außerordentlich komplizierte Wahlverfahren, durch welches die „nichtständigen Mitglieder des Neichsversicherungsamtcs und deren Stellvertreter" gewählt werden, erfordert eine über das ganze Reich verzweigte Organisation, wenn eine Gruppe sich erfolgreich an der Wahl beteiligen will. Seitdem sich aber die christlichnationalen Arbeiter-Organisation en Deutschlands mit ihren nunmehr etwa 800000 Mitgliedern im Deutschen Arbeiter-Kongreß zusammengeschlossen haben, ist den Sozialdemokraten ein Konkurrent entstanden, der ihnen jetzt zum ersten Male die Besetzung des Reichsversicherungs- amtes streittg macht. Die sehr große Bedeutung dieser Reichsversicher- unasamtswahlen ist in weiten Arbeiterkrei-sen leider nicht genügend bekannt. Auf sozialdem. Seite ist man sich der Tragweite einer Niederlage bei diesen Wahlen bewußt und deshalb führen sie den Kamps, wenn aucfy in aller Stille, doch mit Energie und Kostenaufwand. Wähler bei diesen Wahlen sind nur die in ganz Deutschland zerstteut wohnenden B e i s i tz e r d e r S ch i e d s- gerrchte für Arbeiter-Versicherung. Da von diesen Beisitzern ein großer Teil keine Sozialdemokraten sind, so suchen die „Genossen" die Wähler durch unverfängliche harmlose Anschreiben und Reden zu täuschen, um sie so für chren Stimmzettel zu gewinnen. Der Ausschuß des christlich-nationalen Arbeiter-Kongresses hat die Irreführung durch das sozialdemokratische Zentral-Ärbeiter- sekretariat in Berlin dadurch zu begegnen gesucht, daß er die Liste der christlich-nationalen Kandidaten für die Reichsversicherungsamtswahl auf blauem Papier drucken ließ und jedem Wähler brieflich zuschickte. Von sozialdemokratischer Seite sind soeben, um die Wähler zu täuschen, zum zweiten Male Kandidatenlisten versandt worden. War der erste Satz der sozialdemokratischen Kandidatenlisten auf weißem Papier gedruckt, so sind die jetzt versandten sozialdemokratischen Kandidatenlisten auf rosa Papier gedruckt worden. 'Außerdem veranstaltet die sozialdemokratische Seite durch Beisitzer Besprechungen der wahlberechtigten Beisitzer, in der die Wahl gemacht werden soll. In einem Schiedsgerichtsbezirk wird, wie soeben bekannt wird, den Wählern sogar für das Erscheinen zu einer solchen Besprechung ein „Zehrgeld" bis zu drei Mark und Fahrgeld versprochen. Diese Zehrgeld-Manipulation stellt sich als ein Stimmenkauf dar und wird die Ungiltigkeit der von diesen Wählern abgegebenen Stimmen zur Folge haben. EinSiegdernationalenKandidatenlisteüber die sozialdemokratische ist möglich, wenn alle christlich rind national gesinnten Beisitzer der Schiedsgerichte die auf b l a u e m Papier gedruckte nationale Kandidaten- Aleiues Feuilleton. — Was wird aus den alten Kulissen? Diese Frage wird fick mancher Theaterbesucher vorgelegt haben, wenn er den rasch fortschreitenden Gießener Theaterbau vor sich sieht. Eine englische Zeitschrift behandelt dieses Thema für die englischen Bühnen, die in der Pracht der Bühnenausstattung allen anderen vorangegangen sind. Da werden zunächst einige Beispiele für die Koste,: dieser Kulissen mitgeteilt. Die Barockszene in einer Londoner „Faust"-Aussührung kostete fast 2000 Mark, eine große Tempelszene in Berbohm Trees „Nero"- Aufführung 2900 Mark. Die Szenerien waren eben nicht gemalt, sondern wirklich aufgebaul. Früher genügte es, wenn eine Säulenreihe flach auf Leinwand gemalt war, aber der Bühnenrealismus unserer Zeit verlangt, daß wirkliche runde, hohle (Bäuleit aus Gips auf einem Fachwerk von Holzlatten hergestellt werden. Eine solche Szenerie hatte z. B. auch das Waldorf- Theater bei der Aufführung von „Shore Acres". Die Hauptszene stellte das Innere eines Leuchtturmes dar. Das kreisrunde Gebäude erstreckte sich von der Bühne bis zu den Sofitten. Um die einfachen getünchten Wände des Leuchtturmes zog sich eine Treppe, scheinbar aus Stein, die mit einem eisernen Geländer mit Laufstange versehen zu sein schien. Diese massive Szenerie war durchaus nötig, denn zwei der Hauptdarsteller gerieten aiif der Treppe in einen heftigen Streit. Wenn dabei die Szenerie geschwankt oder die Treppe sich nur ein wenig bewegt hätte, so würde das einen peinlichen Eindruck hervorgerufen haben. Das war aber unmöglich, denn die Szenerie war über kräftige Holzleisten gespannt, die man durch flache Eiseiihaken verstärkt und sicher verbolzt hatte; die Treppe war aus Bauholz auf einem leichten, aber starken Stahlaerippe errichtet. Die nur einfach ausschende Szene war ein Meisterwerk der Theaterzimmerei und kostete fast 2000 Mark. Hat ein Stück nun in London keine Zugkraft mehr, und wird es dann in den Provinzen gespielt, so wird die Szenerie auseinander genommen und für die Bühnen der Provinztheater verwendet. Hat schließlich die Szenerie als solche keinen Wert mehr, so wird man sie möglichst vorteilhaft zu verkaufen suchen. Ost nimmt sie der Theaterzimmermann zurück und übermalt dann die einzelnen Teile oder verwendet fie für andere Aufführungen. In einigen Fällen kaufen viellercht Theater-Direktoren aus der Provinz die Szenerie. Auch Sch r ld e r- maler erstehen sie meterweise und malen darauf bte großen liste nach der Vorschrift des Kongreß-Ausschusses wählen. Alle Gegner der Sozialdemokratie sollten ihnen bekannte Schiedsgerichtsbeisitzer anregen, die nationalen Kandidaten zu wählen. Schluß der Wahl ist 15. September. Anfragen bezüglich der Wahl erledigt der Kongreß-Ausschuß, Essen- Ruhr, Vereinssttaße 21. * Schundliteratur. Ein Redner des K a t h o l i k c n t a g e s i n Essen hat sich mit scharfen Worten gegen die Schundliteratur gewandt, über deren schädlichen Einfluß auf das Volksleben ja kein Zweifel sein kann. Von geschätzter Seite wird uns zu diesem Thema geschrieben: Gierig stürzt sich die Jugend auf diejenige Literatur, die nicht staatlich und kirchlich abgestempelt ist. Kein Wunder, denn eine Indianer- oder Schmugglergeschichte fesselt und reizt viel mehr als der Stoff der Lesebücher und Schulbibliotheken. Unsere vortreffliche Gießener Volkslesehalle wird zwar von einsichtsvollen Männern nach vernünftigen ethischen Prinzipien geleitet, aber viel zn wenig vom wirklichen Volke in Anspruch genommen. So kommt es denn, daß auch Erwachsene — wir sprechen von der breiten Masse des Volkes — sich auf die Lieferungsromane ä la Schinderhcmnes stürzen. Daß diese Lesestoffe weder die Bildung fördern, noch zur Charakterstärkung oder Geschmacksentwicklung beitragen, ist klar. Aber schlimmer als Indianer- und Schinderhannesgeschichten sind die neuerdings so sehr in Aufnahme gekommenen Detektivgeschichten, die nicht nur die Phantasie in ungesunder Weise beeinflussen, sondern auch etwa schlummernde Verbrecherinstinkte erregen. Aktuell wurde die Ausgabe, diese Art von Schundliteratur näher zu beleuchten, durch die sich mehrenden R a n b v e r s u ch e in Eisenbahnzügen. Soll doch der Bursche, der in diesem Frühjahr im Eisenbahnzug den Raubmordversuch gegen den preuß. Kammerherrn v. Zitze- witz unternahm, sich erst in einer solchen Detektivgeschichte Mut gelesen haben. Man kann dies als glaubhaft annehmen, denn in derartigen Machwerken wird bis in die geringsten Einzelheiten geschildert, wie „schwere Jungens" die schaurigsten Verbrechen begehen und sich — wenigstens für lange Zeit — dem Arm der strafenden Gerechtigkeit zu entziehen wissen. Schwache Charaktere werden durch diese Schilderungen gar leicht jur Nachahmung getrieben. Es entsteht also die ernste Frage, wie dieser Volksvergistung entgegengearbeitet werden kann. Unseres Erachtens sollten sich noch mehr als bisher und ganz besonders auch bei uns zu Lande gemeinnützige Gesellschaften Werke von Klassikern lieferungsweise vertreiben. Diese Werke müßten natürlich ohne Engherzigkeit ausgewählt werden. Im Schillerjahr 1905 wäre die passendste Gelegenheit gewesen, mit dieser Verbreitung — vielleicht unter pekuniärer Unterstützung des Staates — den Anfang zu machen. Leider ließ man sie vorübergehen — ungenutzt. Dennoch ist es noch nicht zu spät. Bei foniequenter Durchführung des Gedankens würde man der Schundliteratur gründlich Abbruch tun und den Geschmack des Volkes veredeln. * Aus dem Leben eines deutsch-sozialen Parteiführers veröffentlichtejdwantisem. „Heff.Rundsch." in Kassel als Nachklang zu den letzten Neichstagsersatzwahlen unliebsame Indiskretionen. Es handelt sich nm Herrn Liebermann von Sonnenberg, von dem folgende Geschichtchen erzählt werden: Einer der glühendsten Verehrer des Herrn Liebermann von Sonnenberg war vor Zeiten ein Kunstgärtner in Elberfeld. Weil er für die antisemitische Bewegung des Herrn v. Liebermann viel Geld hingab, so hielt es der „adlig" Geborene nicht unter seiner Wurde, sich mit dem „gemeinen" Bürgerlichen zu befreunden. Einst, bei solenner Kneipe nach vollendetem Vorlrage, brachte nun der Kunstgärtner voll Begeisterung einen Trinkspruch auf Herrn Liebermann von Sonnenberg aus, der in die Worte ausklang: „Wir wollen Herrn Liebermann hochleben lassen !" Prompt erhob sich der also Gefeierte und sagte: „Ich heiße nicht Liebermann, sondern von Liebermann." Seit dieser Zeit soll sich die Begeifterung des Kunstgärtners für die Liebermannsche Sache merklich abgekühlt haben, sodaß er keine Moneten dafür, übrig hatte. Sehr zum Leid- wesen des ebenso adelsstolzen wie geldbedürftigen „Freundes". — In einem „standesgemäßen" Eonpee 2. Klasse, zwischen Kassel und Treysa, soll einst Herr Liebermann von Sonnenberg über die getreuesten seiner hessischen Wähler folgende Aeßerung getan haben : „Meine S ch w ä l m e r Bauern^ find treu wie bte Hunde, aber dreckig wie die Schwein e." Das Schlußkapilcl trägt die Ueberschrift „Der sterbende Löwe"; es heißt darin: „Allerdings im Reichstag ist er jetzt vollkommen ungefährlich. Das kommt von seiner leidigen Gedächtnisschwäche, welche neuerdings so bedeutend ist, daß er auch die kleinen Reden sorgfältig memoriert und vorn Manuskript abliest. Wird ihm das freie Denken und Sprechen äußerst schwer, so fällt ihm doch das Lesen sehr leicht. Denn das Leben schasst immer einen gerechten Ausgleich, und wenn ein Organ verkümmert, so geht es dem anderen um so besser. Bei Herrn von Liebermann ist cs also das Setzvermögen, das ausgezeichnet sunktioniert, sein Auge laßt ihn nie im Stich. Leider kann er keinen damit ansehen —" In dieser über die Maßen unerquicklichen Tonart befehden sieh also die beiden antisemitischen Gruppen.__________ Kirche rrnd Schule. — Von dein kärglichen Gehalt der Mecklenburg i s ch e n V o l k s s ch u l l e h r e r wird in vielen Fällen nur ein Bruchteil in barem Gelde gezahlt; das andere wird in Form von Naturalien verabreicht. Worin diese bestehen, verrät das eben erschienene 1. Jahrbuch mecklenburgischer Volksschullehrer, herausgegeben vom Vorstand des mecklenburgischen LandeSlehrervcreins. Danach erhält z. B. der Lehrer in Konow unter anberem 30 Pfund Grütze, 76 Biind Vieh- kohl, der in Bäbelin 5 Mal 25 Pfund Salz, der in Alt- Bnckow 60 Scheffel Gerste, 6 Scheffel Roggen, 600 Eier, 100 Pfund Wurst, 60 Schasskäse, 2 Schweinsköpfe, der in Friedrichshagen 126 Brote, 90 Würste, 460 Eier, 3 Pfund Wolle, 90 Schafskäse, 5 Krug Schafsmilch, der in Lambrechts- hageii 302 Eier, der in Neuburg 51 Betglockenbrote, 85 Mettwürste, 1018 Eier, 180 Schafskäse, 21/s Schweinsköpfe, 2 Schweinsrücken, der in Passee 5 Mark 25 Pfennig für Glockenfett, der in Pinnoiv 3 Togg Flachs usw. Diese Naturallieferiingen müssen die Lehrer sich selbst zusammen-^ holen. M Aus SiuSt uno ttattO. Gießen, den 25. August. "Die Fahrkartensteuer hat mancherlei Unregelmäßigkeiten im Gefolge gehabt. So konnten in der Eile nicht genügend Fahrkarten fertiggestellt werden, so daß z. B. am Frankfurter Hauptbahnhof die Billets nach Mannheim und WormS zeitweilig fehlten. Der Beamte schrieb die Fahrscheine. In Darmstadt sind für manche Strecken neue Billets überhaupt nicht gedruckt worden. So konnte man z. B. nach dem M)einland bis Mitte des Monats Fahrkarten zum alten Preise lösen, während draußen an den Preistafeln schon die neuen Preise prangten. ** Tas staatliche Gr uppenwass ercherk zu Lauter. Jui Herbst werden es zwei Jahre, seit tnti Auftrage des Staates in dem idyllisch gelegenen engen Tale des Lauterbaches östlich von Lauter die Bohrungen^ nach Trinkwasser für Bad-Nauheim beganneu. Das Resultat war so erfreulich, daß die Regierimg beschloß, eine Gruppenwasserleitung für die Orte der oberen und mitt-* leren Wetterau bis nach Friedberg und Assenheim her-' zustellen. Zahlreiche -Orte, darunter Friedberg, Nauheim,« Dorheim, Schwalheim, Melbach, Södel, Berstadt haben fidtf bereits angeschlossen, während mit zahlreichen anoeren noch« Verhandlungen schweben. Tas Angebot der Regierung ifti für die Orte äußerst günstig, soll doch das Wasser peri Kubikmeter (ca. 100 Eimer) nur 8 Pfg. kosten, womit bie Forderung des Staates zugleich verzinst und amortisiert! wird. Dieser Preis ist außerordentlich gering, mußte dochj der Staat seither der Stadt Bad-Nauheim 20 Pfg. be-« zahlen. Der Staat projektiert im ganzen den Anschluß üonj 29 Orten. Der 2bnkauf der Quellen im Lautertal erforderte! die Summe von ca. 60 000 Mk., die Quellen der Bing-- mühle kosteten ca. 35 000 Mk., der Tröller- oder Obermuhle 15 000 Mk., wozu noch Käufe bei Privatleuten kommen. Mit der Quellfassung an der Bingmühle wurde im Früh-- jahr begonnen, die Wassermassen mußten mit zwei Mch, schinen ausgepumpt werden. Ter Brunnen sitzt ca. 9 Metett tief auf dem Basaltfelsen. In ihn führen von mehreren? Sei-ten lange Rieselkanäle, die das Wasser aus den Basalt-- felsen aufnehmen. Diese eine Brunnenanlage liefert allein' gegen 6000 Kubikmeter Wasser. Fast die gleiche Wassers Schilder, die in Restaurants und Gafthämern irgend etwas an» preisen Das ließe sich vielleicht auch bet uns tu Gteßen machen. Für moderne Stücke werden in England die Möbel von Händlern geliehen, die das ganze Risiko tragen. Für mässige Preise liefern sie alles zur Ausstattung Nötige und nehmen es zurück, wenn das Stück abgespielt ist; dafür aber muß ihr Name auf den Theaterzettel gesetzt werden. Natürlich nutzen sich die Szenerien auch ab und müssen nach einiger Zeit erneuert werden, besonders wenn mit den Stücken eine Provinztournee gemacht wird. Die ausgesonderten Sachen werden dann öffentlich an den Meistbietenden verkauft Käufer bei solchen Auktionen sind Kulissen- maler, he r u m z i e he n d e Schausteller von Se h e n s - lo ür big feit en und Besitzer von Theatern, die jeben Abend an anderer Stelle aufgeschlagen werden. Auch Bootsbauer sinden sich bei solchen Auktionen ein, denn zu Szenerien wird stets vorzügliche Leinwand genommen, die sich zum Bespannen von Decks Kanoes oder anderen Fahrzeugen, zum Verstopfen von Deffnungen und Ausschmückeu von Kabinen besonders gut eignet. Manchmal werden eine Anzahl Streifen Leinwand sorgfältig zusammengenäht, die bann zur Herstellung von Buben oder bei kleineren Provinztheatern zu Vorhängen Berwendimg finden Dann werden fie ftisch bemalt oder mit Reklamen bedeckt. So nehmen die Herrlichkeiten der Bühnenwelt, auf denen bie Augen des Publikums freudig und gespannt, mit mehr oder minder großem Wohlgefallen geruht haben, zumeist ein recht klägliches — Gehirnforschung. Die Internationale Vereinigung der Akademien hat außer einigen anderen wichtigen gemeinsamen Werken — Gradsorschung usw. — schon von Anbeginn an bie Erforschung des Gehirns als eine wichtige, durch gemeinsame Kräfte zu fördernde Ausgabe erklärt Sie hat zu dem Zwecke nach langjährigen Vorbereitungen und Verhandlungen eine Zeutral- kommission für Hirnsorschung emge,etzt. Das er)te Institut, das diese Kommission als Internationales Hirnsorschungs-Jmtitut anerkannt bat, ist das Dr. Senckenbergische neurologische Snftitut in Frankfurt a. M. Diese bisher wegen Raummangels nur entern kleinen Kreise von Arbeitern eröffnete Arbeitsstätte wird im Frühjahr 1907 grobe Räumlichkeiten in den Neubauten an ber Garten,tratze beziehen und dann die weiten ibr aesteckten Aufgaben erst voll erfüllen können. K Hessisch eOrtsnamen. Wie sich jedes Werkzeug bei häufiger Anwendung sichtbar abnutzt, so.. verändern sich auch die vielgebrauchten Mittel gegenseitiger Verständigung: dch Wörter. Vor 1200 Jahren besä • das Deutsche dieselbe Klang-' fülle, bie wir am Lateinischen schätzen. „Mit Gern skal man' Geba insahan) (mit dem Gere soll man Gabe ernpsahen) heißt! es im Hildebraiidsliede; „Forgip mir in dino Ganada goiatr Willeon" (gib mir in deiner Gnade guten Willen) ft ehr ims Wessobrunner Gebet. Ter Wohllaut solcher Endungen ist ver-l schwanden, überall stößt man auf das dumpfe e, und die Wörter, sind eingeschrumpst: statt Amisala sagen wir Amsel, statt Spar-' wari Sperber, für Langungon Langen und für Erifeldun Er-, seiden. Die Ortsnamen unterlagen eben demselben Schicksale,! wovon man sich auf jeder Seite des durch W. Sturmfels ver-, faßten Büchleins „Tie Ortsnamen Hessens" überzeugen kann. Im 11. Jahrh. schrieb man Dar m»u ndeftadt und das war schon eine kleine Verkürzung; 300 Jahre später lautete es bereits Darmstadt; ebenso schmolz das volltönende Autmun- distadt zu Umstadt zusammen. Wer sieht es dem jetzigen Worte Erbuch an, daß es aus Erichesbuoch, d. i. Erichs Buchenwald, verengt ist. Oder Etzean aus Etzelshain, Berf aus Biberaja, d. i. Biberwasser. Häufig hat auch die Unwissenheit der Urkundenschreiber oder anderer maßgebender Leute störend eingegriffen; wie wäre sonst aus Liemars ober Luthmers BüyL (b. i. Hügel) ein Lämmerspiel geworden? Oder aus dem Dorfe am schäumenden Wag (b. i. Woog) ein Schönmattenwag? Ober aus der Benennung „zum Erkenfridishvf" ein Merkenfritz? Hätte die Buchdruckerkunst noch einige Jahrhunderte auf sich warten lassen, so wären die Ortsnamen im! selben Maße weiter verfallen, und wir schrieben heute nicht) Bensheim, sondern Benscm, wie man dort spricht. Außer dieser schützenden Wirkung des Buchdruckes hat der im letzten! Jahrhundert zur Herrschaft gelangte Grundsatz, die Eigennamen: fürderhin unangetastet zu lassen, diese Wötter ber zehrenben Macht bes Stromes, wo sie wie bie Kiesel des Flußbettes abge-- schlissen werden, für alle Folgezeit entzogen. — Aus Kiel wird uns geschrieben: Im Anschluß an die Ber-/ Handlungen des Deutschen Juriftentages findet am 13. Sept, mit ber Dampshacht „Prinzessin Viktoria Luise" ein Ausflug nach' ber Elbmünbung und Helgoland statt. Danach begeben sich die Teilnehmer nach Brunsbüttelerhasen, von wo das Schiss der aktiven Schlachtflotte entgegendampft, die zwischen der Elbmündung unbi der Insel Helgoland manövriert. * ■mental efiß’ebenrt man an der DrvTermühle und oberhalb derselben, wo die eigentlichen Quellen des Lauterbaches nahe deS alter: Postwegs Grünberg-Laubach liegen. Hier wird gegenwärtig noch vermessen und an der Ausschachtung der Rieselkanäle und der Freilegung der Quellen gearbeitet. Tic hier bereits gefundenen Wassermengen sind so stark, das; sic imstande wären, eine Mühle zu treiben. Im Spätherbst oder Frühjahr wird mit der .Verstellung eines weiteren Sammelbassins begonnen, von diesem aus wird ein Hochbehälter oberhalb Lauter abgeleitet, der dann die hochgelegenen Orte, wie Lauter, Münster, Bessingen, Röthges und Nonnenroth mit Wasser versorgen soll. Nach Fertigstellung dieser Quellfassungen hofft der Staat auf ca. 10 000 Kubikmeter Wasser pro Tag zu kommen. Dadurch wird allerdings der Bach sehr beträchtlich an Wasser verlieren, es besteht deshalb die Absicht, den Mühlenbesitzern eine angemessene Entschädigung zu gewähren. Die Rohrlegung erfolgt für die 37 Kilometer lange Strecke bis nach Nauheim größtenteils entlang der Kreisstvaßen, sic ist bereits bis auf die Genehmigung des Staates vergeben und wird in Kürze begonnen. Für den staatlichen Betrieb in Bad-Nauheim wird arif dem Goldstein bei Nad-Nau- l;eim ein 1000 Kubikmeter fassender Hochbehälter erbaut, der zu ca. 35 000 Mk. veranschlagt ist. Er soll noch dies Jahr vollendet werden. Die Gesamtanlagc des Wasserwerks ist zu 1867 000 Mk. veranschlagt und wird bis Frühjahr 1907 zum größten Teil vollendet und in Tätigkeit sein. 'Auch an der Riedmühle bei Hungen hat der Staat ein wasserreiches Quellgebiet, ca. 10 Morgen, für 25 000 Mk. angekauft. Tas gesamte Gruppenwasserwerk erhält keinen, Dampfbetrieb und keinerlei Maschinen, die Wasserzuführung geschieht durch das natürliche Gefäll. ** Den Mädchenmörder von Seligenstadt will man jetzt in Nippberg in Baden gefaßt haben. Der Verhaftete heißt Fritz Tand und stammt aus Frankfurt. •• Proportionalmahl. Im ersten Blatt unserer .Zeitung vom 21. August wurde in dem Artikel „Die Pro- portionalwahl bei den Hess. Kommunalwahlen" mitgeteilt, die Verhältniswahl sei in Deutschland erstinalig bei den Gewerbe- gerichtSwahlen in Mannheim zur Anwendung gekommen, nachdem die Gewerbegerichtsnovclle vom September 1904 die Verhältnis- und Listenwahl ausdrücklich als zulässig erklärte. Wie wir nachträglich erfahren, hat eine Reihe deutscher Städte dieLZerhältniswahl bei den Gewerbcgerichtswahlen schon früher ei^geführt, unter anderen die Stadt Gießen seit dem 1. Januar 1903; bei den Ge werb eg«; richts wählen in Gießen in den Jahren 1903 und 1906 hat sich dieses System sehr gut bewährt, indem es bei den Arbeitgebern und den Arbeitern auch der Minderheit Sitze beim Gericht verschaffte, während die Minderheit früher nicht vertreten war. Bei den Wahlen zum Kaufm ann sgerich t ist die Verhältniswahl laut Gesetz vom 6. Juli 1904 obligatorisch. ** Ein spaßiges Stückchcn passierte in der Frankfurter Markthalle dem Käsehändler Walter aus Langgöns. Infolge tropischer Hitze waren die Handkäse des Händlers „ins Laufen" gekommen und bildeten eine einzige wandernde Masse, sodaß der Ticfbetrübte die Ware nicht mehr an den Mann zu bringen vermochte. Kurz entschlossen forderte er die Kinder auf der Straße auf, nach Hause zu gehen und Gefäße zu holen, da er ihnen den Käse schenken moste. Daß es bei der Gratisverteilung nicht ganz ruhig zuging, läßt sich denken, zudem der Händler allerlei Späße machte und den wandernden Käse verteilte. Der Auflauf und der Tumult wurde schließlich so arg, daß die Markt- polizci eingreifen und die Ordnung wieder herstellen mußte. Das Schlimmste aber war, daß dem edlen Menschen- und Käsefreund aus Langgöns auch noch eine Ordnungsstrafe zudiktiert wurde. -i- Lich, 24. August. Ter Neubau der hier neu gegründeten landwirtschaftlichen Winterschulc ist jetzt im Rohbau fast vollendet. Das Gebäude steht in der Nähe der fürstlichen Obermühle. Der 2. Winterkursus an der Schule beginnt am 6. November. ^Butzbach, 24. Aug. Auf der heute abend im „Hotel zum Löwen" abgehaltenen Versammlung der Wirte von Butzbach und Umgegend wurde beschlossen, unter keinen Umständen die von der Brauerei Melchior geplante Bierpreiserhöhung von 50 Pfg. pro Hektoliter zu zahlen. Es soll die Brauerei vor allem ersucht werden, nicht dem Brauereiring beizutreten. Sollte dies erfolglos sein, so sind Abkommen mit je 2 Wetzlarer und Licher Brauereien soweit getroffen worden, die sich bereit erklären, event. das Bier zu seitherigen Preisen ab 1. September an den Wirteverein von Butzbach und Umgegend zu liefern. — Unter den Maurergehilfen des Bauunternehmers Kreh ist eine Bewegung im Gange, die bezwecken soll, daß die Hess. Behörden verhindern mögen, fortan Strafgefangene als Maurer an öffentlichen Gebäuden zu beschäftigen. Genannter Unternehmer hat die Erweiterungsbauten der hiesigen Zellenstrafanstalt übernommen und weigerten sich sämtliche Gehilfen nach der 4-Uhrpause heute nachmittag in Gemeinschaft mit den Strafgefangenen weiter zu arbeiten. — Die Israelitische Religionsgemeinde hat an maßgebender Stelle ein Gesuch eingereicht zur Verlegung des auf den 2 0. September festgesetzten Vieh Marktes, da es den israelitischen Handelsleuten an diesem Tage, als dem jüdischen Neujahrstag, nicht möglich sei, dem Markt beizuwohnen. — Bad-Nauheim, 24. Aug. Bis zum 16. Aug. sind 24441 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 5085 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 23. Aug. 1906 318 037 abgegeben. k- Ober-Bessingen, 24. Aug. Schwere Verletzungen am Kopfe zog sich ein hiesiger Bursche zu, der bei dem Kirchweihfest vom Tanzboden stürzte. Man mußte ihn nach Lich zum Arzt bringen. a Lauterbach, 24. Aug. Verhaftet wurden gestern durch die hiesige Gendarmerie zwei Handwerksburschen, die einen Straßenwärter in der Gegend von Schlitz eine silberne Taschenuhr gestohlen hatten. Sie hatten die Uhr bereits verkauft und für das Geld ihren Durst gelöscht. — In Willofs wurde an Stelle des seitherigen Beigeordneten Kreutzer Landwirt I. Döring gewählt. Frankfurt a. M., 24. Aug. Eine Brauereigenossenschaft ist hier zu stände gekommen. 53 hiesige und auswärtige Flaschenbierhändler und Wirke haben sich zusammengeschlossen und die G. H. Bader'sche Brauerei an- Lekauft, um sie als Genossenschaft weiter zu führen. Die Verträge sind notariell festgelegt. Der Kaufpreis beträgt 250 000 Mk., die Käufer sollen unabhängige und gut situierte Leute sein. — Die hiesigen Ringbrauereien berechnen den ihnen bis jetzt durch den Bierkrieg verursachten Ausfall auf 20 Proz. — Der Maurer Jost aus Erzhausen stürzte am neuen Bürgerhospital beim Vergipsen einer Decke rücklings vom Gerüst. Er erlitt eine Gehirnerschütterung und einen Bruch des Oberarmes. sd. Wiesbaden, 24. Aug. Die Eisenbahndirektion Mainz schreibt gegenwärtig die Verpachtung der Wirtschaft im neuen Wiesbadener Hauptbahnhof zum 15. November oder einem noch zu bestimmenden späteren Termine aus. Daraus geht hervor, daß an eine Eröffnung vor Weihnachten nicht gedacht wird. fc. Weil bürg, 24. Aug. Der Groß Herzog von Luxemburg stiftete zur Erinnerung an das tausendjährige Jubiläum der Stadt der hiesigen „Bü rg er g a r d e" einen in Silber getriebenen Pokal mit Inschrift. In der Wandung des Pokals sind 30, in den Deckel 6 nassauische Taler eingelassen. Das Ganze ist bekrönt durch den nassauischen Löwen. ** Kleine Mitteilungen au§ Hessen und den Nachbarstaaten. In Büdingen wurden die Opserstöcke der k a t h o l i s ch e n K i r ch e e r b r o di e n und ausgeraubt. Die Polizei ist den Tätern auf der Spur. — Die Arbeiten zur Vergrößerung des H a u p t b a h n h o f e S in Mainz sind soweit gediehen, daß der Personentunnel int Lause dieser Woche dein Verkehr übergeben werden kaum— In Frankfurt stieß der Arbeiter Sonack aus Niederrod mit seinen: Rade auf ein Milchfuhrwerk. Er kam unter das Fuhrwerk zu liegen und wurde schwer verletzt hervorgezogen. Ferner kollidierten dort zivei Radfahrer mit einer Droschke in der Kaiserstraße, wobei der Hilfsarbeiter Hoffmann schwere innere Verletzungen davon trug. Vermischtes. * Ein Wettl aus um sein Recht. Ein Bauer aus der Gegend von Mayen halte einen Prozeß beim Koblenzer Landgericht verloren, und da er nicht wußte, welche Schritte er zu tun hatte, um gegen das Urteil Berufung einzulegen, wandte er sich an den Lehrer des Dorfes. Dieser verwies ihn an einen in Mayen wohnenden Rechtskonsulenten. Alnstatt daß dieser kluge „Rechtsberater" einfach eine schriftliche Eingabe für seinen Klienten auf- fetztc, die die Bitte um Zuordnung eines Rechtsanwalts im Armenrechte enthielt, damit dieser gegen das landgcricht- liche Urteil Berufung eintege, gab er dem Bauer den Rat, zu dem Obertandesgerichtspräsidcnten nach Köln zu reifen, der würde die Sache schon in Ordnung bringen; er, der Bauer, müsse sich aber eiten, die F-rist (damit meinte er die Berufungsfrist) fei schon „am Laufen und könne ihn leicht Überholen". „Da ist es aber Zeit, daß du dich ans Laufen gib ft", dachte der Bauer, „damit die verd.....Frist dich nicht cinholt." Diesem Gedanken folgte die Ausführung auf dem Fuße, denn das Bäuerlein trat schon am anderen Tage mit seinem Ehegespons Lies, das es für gut fand, für alle Fälle einen großen Korb Eier mitzunehmen, um sich, wenn es nötig sein sollte, ein bereitwilliges Gehör bei dem Beamten zu verschaffen, die Reise nach Köln cm. Dort angelangt, erkuirdigten sie sich sofort nach der Wohnung des Oberlandesgcrichtspräsidcnten, und begaben sich ohne Verzögerung dorthin. Zn ihrem Schrecken wurde ihnen aber dort mitgeteilt, daß sich der Präsident in der Sommerfrische befinde, daß er überhaupt keine Besuche annehmc, und daß sie sich mit ihrem Anliegen an den zuständigen Beamten im Justizgebäude am 'Appellhofplatz wenden müßten. Früh am andern Morgen, schon um 5 Uhr, gingen die Bauersleute zum Justizgebäudc, in der 'Angst, die Frist, die ja nach Auskunft ihres Rechtsberaters „am Laufen" war, könnte sie einholen. Ta sie das Portal des Gebäudes zu dieser frühen Morgenstunde noch verschlossen fanden, schellten sie an der Nachtglocke. Unwillig über die Störung in seinem Schlummer, kam der Kastellan des Oberlandesgerichts heraus und fragte die Leute nach ihrem Begehr, worauf der Bauer meinte: „Wir Han et mit der Frest zu don, d'ie es am lafe, wenn mer net schnell mache, holt die ons en; sat Här, die Frest es doch net schon vor on§: hi gewese?" Erst nach längerer Auseinandersetzung wurde der Kastellan daraus klug, was die Leute wollten. Er bedeutete ihnen dann, daß sie um 9 Uhr wiederkommen müßten, um sich dann mit ihrem Anliegen an die Gerichts-- schreiberei zu wenden. Dieser Ausweisung folgend, kamen die Bauersleute pünktlich zu der angegebenen Stunde auf die Gerichtsschreiberei, wo der Beamte bereits durch den Kastellan über das seltsame Auftreten in Kenntnis gesetzt, deren Gesuch um Erteilung des Armenrechts, das schriftlich eingereicht, schon längst seine Erledigung gefunden hätte, zu Protokoll nahm. Der Beamte, ein witziger Herr, machte die Bauersleute darauf aufmerksam, daß sie Glück gehabt hätten, denn eben wurde ihm gemeldet, daß die Frist am Hauptbahnhof angekommen sei und gleich erscheinen werde, daß sie aber zu spät komme. Aus Freude und Dankbarkeit bot die Bäuerin dem Beamten den Korb mit Eiern an. Dieser lehnte aber dankend ab, die Frau belehrend, daß ein Beamter keine Geschenke annehmcn darf. „Dann kommt wenigstens zu onser Kirmes", meinte da die Frau, „et werd, euch sicher got gefalle, mir backen ene Quetschekoche, so hat ihr noch keine gegesse." * Ein Eis en bahn Unfall. Nach der Ausfahrt des Personenzuges 466 ans dem Bahnhof Stendal ist am Freitag zwischen Kilometer 1,7 und 1,8 der Strecke Stendal- Uelzen der Kessel der Zuglokomotive explodiert. Personen sind nicht verletzt, Entgleisungen nicht vorgekommen, sodaß die Gleise nicht gesperrt sind. Der Zug wurde durch eine Hilfslokomotivc nach dem Bahnhof zurückgeholt und fuhr mit 40 Minuten Verspätung ab. Die Ursache der Explosion ist mit Sicherheit noch nicht festgestellt. * Kleine Tageschronik. In Crimmitschau wurden von der Hochdruck-Spannung der elektrischen Leitung ein Maschinenmeister und ein Arbeiter getötet. Nach dem Unglück versagte in der Stadt auf einige Zeit die elektrische Kraft. — Am Nordhafen in Berlin ist ein s ch w e r e r T y v h u s f a l l festgestellt worden. Die Polizei hat wegen der großen Änsteckungs- gesahr unter den dort verkehrenden Schiffern strenge Maßregeln getroffen und u. a. die Badeanstalt im Nordhafen sofort geschlossen. — In Zabrze (Schlesien) stürzte ein Wohnhaus infolge zu tiefer Ausschachtungsarbeiten zu einen nebenan liegenden Neubau der Töchterschule ein. Mit knapper Not konnten kurz vor dem Einsturz sämtliche Bewohner gerettet werden. — Nach Blättermeldungen herrscht in Chocen (Böhmen) Erregung, weil ein Dienstmädchen einen jüdischen Arbeiter beschuldigte, er habe sie im Schlaf überfallen, narEotifiert und sie zu rituellen Zwecken mißbraucht. Man befürchtet antisemitische Ausschreitungen. Das Mädchen wird von ihrer Dienstherrin als schwachsinnig bezeichnet. — Ein Duell zwischen einem Major und einem Redakteur in Budapest wurde, als die Duellanten auf dem Kampfplatz erschienen waren, auf Befehl des Honved- ministers verboten. — Während eines Waldbrandes bei Toulon wurden mehrere Soldaten, welche bei den Löscharbeiten beteiligt waren, von den Flammen überrascht. 3 Soldaten kamen in den Flammen um, 7 erlitten schwere Brandwunden. Ein Dorf mit 800 Einwohnern ist von byt Flammen bedroht. Der Kampf gegen das Element ist mit großer Gesahrs verbunden. Nnsverssicits-Nachrichteilr. Marburg, 23. Ang. Au der hiesigen Hochschule wurden! int verflösseueu Jahre 9 6 Promotionen vollzogen, und zwar 55 in der philosophischen, 24 in der medizinischen, 16 in der juristischen, 1 in der evangelisch-theologische i Fakultät. § Marburg, 24. Aug. Tie Marburger Ferien-^ k u r s e , die in diesem Jahre auf ein lOjähriges Bestehen zurück- blicken können, haben heute ihr Ende erreicht. Noch nie waren so! viel Teilnehmer da, ivie diesntal, int elften Jnli-Knrsns zahlte man 108 Teilnehmer, davon 52 an? Deutschland, nnd int Angust-. Kursus 122 Teilnehmer, davon nur 29 an§ Deutschland. Tie Zahl, der Dozenten betrug 22. Heute abend veranstalteten die Kttrhessen! eine Abschiedsfeier. handel und Verkehr, Volkswirtschaft. Russische Staatsbank. Aus Paris kommen Andeutungen, daß das Projekt der Umwandlung der Russischen Staatsbank nicht als eine müßige Erfindung zu betrachten sei. Wemp auch die vorläufigen Angaben unzutreffend sein mögen, so habe die Sache einen Untergrund, auf dem weiter gebaut werden könne.. Auch sehe man jetzt schon in Paris das Projekt nicht mehr so pessimistisch an, als bei seinem Erscheinen. Um alles zu re^ gtftriercn, was inbezug auf das Projekt bekannt wird, be-i merken wir noch, daß das russische Finanzministerium dem Kor- respondenten des „B. T." die „Temps"-Meldung als völlig^ unbegründet bezeichnete und betonte, daß die Umwandlung der Staatsbank in eine Aktienbank nur durch ein Gesetz möglich wäre, dessen Promulgierung ohne Reichsduma und Reichsrat unstatthaft sei. Außerdem sei kein derartiger Entwurf ausgearbeitet worden. — Hat der Korrespondent des „B. T." etwa geglaubt, daß ihm das russische Finanzministerium die „Ternps"- Meldung bestätigen würde? Was der Finanzminister sonst als' Grund für die Unmöglichkeit der Umwandlung angegeben bat,; sind Phrasen. Wenn die russische Regierung Geld bekommene könnte, wartete sie sicher nicht auf die neue Duma, von der heute noch niemand weiß, wann sie wieder zusammentritt. Bon der Berliner Börse. Bei Eröffnung war die Börse noch ziemlich fest, weil Newyork gegenüber umfangreichen Realisationen Widerstandskraft und Gelderleichterung zeigte. Amerikanische Werte besserten sich daraufhin etwas. Am Montan-, markt war die Stimmung weiter recht günstig, die Umsätze jedoch> sehr gering. Die Bilanz der Rheinischen Stahlwerke wird auf, 12 Prozent gegen 9 Prozent i. V. taxiert. Russenwerte waren etwas schwächer wie gestern. Auf allen übrigen Gebieten herrschte im weiteren Verlauf große Stille. Privatoiskont 3Vz Prozent. Vom Kalimarkt. Wie aus Berlin berichtet wird, steht der Markt unter dem Einfluß des erneuten und scharfen Kurssturzes der Kure der Gewerkschaft „Glückauf" Sondershausen, die bis 16 800 Mk. zurückgingen, also um 1200 Mark. Die Nachrichten über das Auftreten von „Gebirgsdruck" haben in den Kreisen der Interessenten Unruhe hervorgerufen. Besonders litten auch die Werte schachtbauender Unternehmungen. Auch Kohlen- kuxe sind schwächer geworden, während Erzwerte sich ziemlich fest behaupten. Bestellungen in Eisenbahnmaterial. Die preußisch-hessischen Staatsbahnen und die süddeutschen Staatsbahnen haben mit dem Stahlwerksverband die Verträge zur Lieferung von Eisenbahnbaustoffen bis zum Frühjahr 1907 verlängert. Auch hat der Verband mit anderen deutschen Staatsbahnen günstige Kontrakte abgeschlossen. Märkte. Grün berg, 23. Ang. Trotz der drängenden Erntearbeiten herrschte auf dem heutigen Ludwigs markt ungewöhnlich reger? Verkehr. Der Markt war mit Schweinen sehr stark, mit Rindviehs dagegen nur mäßig befahren. Es waren ungefähr 1200 Schweine aufgetrieben und das Angebot übertraf bei weitem die Nachfrage. Tie Preise waren infolgedessen geringer als auf dem vorigen Markte. 6—8 Wochen alte Ferkel kosteten 46—60 Mk. das Paar, vorgeschrittenere waren entsprechend teurer. Ein großer Teil der zu Markt gebrachten Ferkel wurde nicht abgesetzt. fc. Frankfurt a. M., 24. Aug. b e u- und Stroh - mar ft. Man notierte: Heu Mk. 2.80 bis 3.10. Stroh Mk. 2.30 bis Mk. 2.60. Alles per 50 Kilo. Tendenz: fest. fc. Höch st a. M., 24. Aug. Auf dem hiesigen Wochenmarkte verlangte heute eine Bauernschöne, ohne mit der Wimper zu zucken, 12 Pfennig pro Stück für ganz gewöhnliche Eier. Auf die Frage, wie sie zu einer solchen Forderung komme, meinte sie: „Ei, das Fleisch ist teurer geworden, da müssen wir mit den Eiern auch auffchlagen I" Gerichtssaal. Leipzig, 24. Aug. Das Reichsgericht verwarf die Revision des ehemaligen Landgerichtsrates Blumenberg, der nach teilweiser Aufhebung des ersten Urteils, ba§ auf fünf Jahre Gefängnis lautete, von dem Landgerichte Beuthen am 16. Juni wegen Amtsvergehens usw. zu einer Gesamtstrafe von vierJahren neun Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Oct? HcöaOiom (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt). K. V. in L. Sie müssen den Unfall Ihrer Frau sofort der Ortspolizeibehörde anzeigen, was eigentlich innerhalb drei Tagen nach dem Unfall geschehen muß. Hoffentlich haben Sie es inzwischen getan, denn wir waren nicht in der Lage, Ihnen die gewünschte Antwort eher zu erteilen. Außerdem ist die Mitteilung an die Land- und Forstwirtschaftliche Berussgenossenschast notwendig, und Sie werden wohl bei der Ortspolizeibehörde erfahren können, an wen Sie sich hierfür zu wenden haben. Unseres Erachtens steht Ihnen nach § 16 pos. 2 des Unfallversicherungsgesetzes für Land- und Forstwirtschaft nur ein Sterbegeld zu, das den fünfzehnten Teil des bet Berechnung von Renten ztt Grunde zu legenden Iahresarbeitsoerdienstes, jedoch mindestens Mk. 50.— beträgt. Ta Sie der Ernährer der Familie sind, so wird für das Hinterbliebene Kind kaitm eine Entschädigungsrente gezahlt werden. Es wird vorteilhafl sein, wenn Sie sich auf dem Kreisamt die näheren Be- timmungen noch einmal erklären lassen. ---e niuucrrdiu ic iiälH Uliy ——————— für Kinder, Kranke,Genesende. Verhütet u.beseitigLDiarrhoe, ßpechdurchFaH, Darmkatarrh. Bei Rheumatismus, Muskel- u. s. w. gebrauche man als Maffagefett nur die hygienische Hautcreme: Hansnafalan, Rezept: Nafalan 50, Zink- 4 wejß 20, Lanolin 15, Paraffin 15, ä 50 und 100 Pfg. oder die Nafalan-Medizinal-Scife, Rezept: Nafalan 25, Seife 75, ä 60 Pfg. Man wird einen prächtigen Erfolg sehen. Nur echt und teilt mit Netorten-Matke und Namenszug Dr. Adolph List. Packungen ohne diese weise man zurück! [hvM/8 Was gibts zum Nachtisch? Was Besseres vohl als Mondamin-Flammeri und Fruchtsast? Es ist erfrischend und bekömmlich in heißen Tagen — und sehr gesund. Natürlich nur Mondamin verwenden. „Mondamin" überall zu haben in Paketen L 60, 30 u. 1q Pf. SMWer WshllNgsmWck Gieße« Gartenfiratze 2, Ztinmer Nr. 2. (Gefchästsstunden von 8—1 und von 3—6 Uhr.) 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Dankend gedenken wir in diesen Tagen wiederum der unvergeßlichen, glorreichen Zeit, die r«ns vor sechsunddreißig Jahre«: den Sieg und die Gründung des Deutsche«: 9ieiches brachte. Auch nachdem die Nerchsgesetzgeb«n:g die Pensionsbezüge der Kriegsiuvaliden und Kriegshinterbliebenen erhöht hat, bleibt noch reichlich Raum dafür, linserei: Ta«:k für das von unserem tapferen Heere damals Getane dadurch zu betätigen, daß wir in der Zeit des 2. September in Gotteshäusern oder bei sonstigen Verewigungen durch unsere Gaben dazu beitrage«:, das Los der Opfer des dainalige«: Krieges auch weiterhin noch besser zu gestalte«:, als Reich und Staat allen: es vermögen. Wir bitte«: i«:sbesondere «uie früher die evangelischen Pfarrämter und Kirchcnvorstände gemäß der ihne«: vo«: Großherzoglichen: Oberkonsislorium erteilten Erlaubnis, bei den betreffenden Gottesdiensten Kollekte«: für jenen Zweck zu erheben. Unsere Zweigverciue ersuchen wir, «vie seither möglichst für die Verbreitm:g dieser Ansprache und Turchführu«:g unserer Sainm- luiig zu wirken, iusbesondere an geeigneten Orten Sammelbüchsen 'aufzustellen. f.'llle, «vclche u«:s demnächst die Erträgiüsse von Sanunlungen 'zu übermitteln haben, bitte«: mir, dieselben durch Postemzahlnng an unseren Schatzmeister, Hern: I.Hauptslaatskassedirektor Dexheimer, Mathildenstraße 47, dahier, cinzufenden. Darmstadt, den 18. August 1906, an: Tag von Gravelottc. Der Vorstand des Hessischen Landesvereins von: Roten Kreuz, als La«:desverei«: der Kaiser-Wilheln:-Stistnng sür deutsche Invalide«:. A. Buchner, Oberkonsistorial-Präsident, Vorsitzender. Dr. Weber, Ober-Regierungsrat, Schriftführer. griiiiltin Olga Theiss, Kreuzplatz 10 empfiehlt sich zur Anfertigung lünstlicher Gebisse in Gold und Kautschuk, Kronen- und Bruckenarbeiteu. [4318 Kupfer, Zement und Porzellan. s Lllfiiittzloscs Zrhtizieijtii. 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