Erstes Blatt Dienstag ZF. September 1006 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger v Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Aie Heutige Dummer umfaßt 8 Seiten. — Pro 156. Jahrgang französische Lebhaftigkeit und deutsche Gemütlichkeit sicht Vereinigen, dann gibt es einen guten Klang. (Beifall.) Söhlerberg -Stockholm bringt Grüße aus Schweden. Rotter von der polnischen sozialistischen Partei ist als erster Vertreter der polnischen Genossen auf dem Parteitage erschienen. Er gedenkt des revolutionären Ringens im polnischen Rußland. Wir haben eine nach Tausenden zählende bewaffnete Organisation, die die Polizei von den schlimmsten Auswüchsen gereinigt hat. (Beifall.) Genosse Balabanosf vertritt die russische Partei: Schon als man noch die russische Bewegung als romantisch und phantastisch erklärte, ließen Sie uns Ihre Hilfe an- gedeihen. In der tiefsten Erniedrigung der russischen Völker; stehen Sie uns mit Treue bei. Genossin Biebus aus Holland bringt Grüße ihrer; Organisation. Die organisierte „Junge Garde" vertritt Genosse Wagner, der die Hoffnung ausspricht, daß der Parteitag der Jugend die nötigen Direktiven für ihre Arbeit geben werde. Erst sechs Monate besteht unser Berbandjunger Arbeiter. Zwar- können wir erst nur in Süddeutschland agitieren und uns ausbreiten. Wir hoffen aber, daß die Partei uns den Weg auch in Norddeutschland ebnen wird. In Karlsruhe traten wir vor einigen Monaten mit sechs Vereinen von 600 Mitgliedern zu dem Bunde zusammen, der heute 3000 Mitglieder zählt. Das ist ein gutes Zeichen für die Zukunft. (Beifall.) Wenn der Alte mit der jungen Garde zusammenkämpft, dann müssen wir siegen. Dann wird es auch für die Jugend wieder eine freie goldene Jugendzeit geben. (Lebhafter Beifall.) Es folgt der Geschäftsbericht des Vorstandes, den der Parteisekretär Pfannkuch erstattete. PfannkuH betonte in seinen Darlegungen, die eine eingehende Behandlung der Gewerkschaftssrage brachten zunächst, daß das Lob der ausländischen Vertreter der Partei nicht zu Kopfe steigen werde. Ich meine, daß. die ganze Debatte über den Streit, wie sie geführt wordeu ist, ob der Partei oder der Gewerkschaft der Vorrang go bührt, ob sie gleichberechtigt sein sollen, unter Parteigenossen überhaupt gar nicht geführt werden sollte. Da müßte völlige Klarheit vorhanden sein. Man hat dem Vor-? stände Vorwürfe gemacht, daß er einen Fehl sch lag getan habe, indem er den Teil des Protokolls der Generalkom> mission veröffentlichte, der über die Partei und die Gewerkschaft handelte, obgleich die Generalkommission sichs gegen diese Veröffentlichung ausgesprochen hatte. Ich er^ kenne an, daß die Generalkomnnssion der deutschen Gewerkschaften formell völlig im Rechte war. Der Referent erklärte namens des Parteivorstandes'als Grundsatz, daß die Gewerkschaften seitens der Partei die größte Unterstützung erfahren müßten und sollten. Die Zersplitterung der Ge-i werkschaften in zentral- und lokalorganisierte sei zu bedauern. Der Parteivorstand sei einmütig der Ansicht, daß die großen wirtschaftlichen Kämpfe der Gegenwart mit Erfolg nur durch eine einheitlich zentralisierte Ge-, Werkschaft geführt werden könnten. Der Referent! nimmt dann den Parteivorstand gegen Vor würfe, die ihnr von verschiedenen Seiten gemacht wurden, in Schutz. Im! Durschnitt entfalten auf jeden Wahlkreis 4686 Mark Zuschuß zu den Wahlkosten. Wollten wir für 1908 alles bewilligen, was man fordert, bann würde die gesamte Parteireserve für dieses Jahr draufgehen. Das schadet freilich nicht viel, die Partei ist kräftig genug, den Parteischatz bald wieder herzustellen. Wir haben eine sozialdemokratische Korrespondenz eingerichtet. Sie soll für die agitatorische Tätigkeit der Genossen eine wertvolle Fundgrube sein. Sie mag noch nicht allen Ansprüchen genügen. (Zuruf: Sehr richtig!) Bei der Wahlrechtsbewegung in Preußen hat man dem Parteivorstande vorgeworfen, daß er gebremst habe, er fei nicht kräftig genug dafür eingetreten, daß das allgemeine Wahlrecht nicht weiter bloß ein Sommernachtstraum bleibe. Der Vorstand mußte die realen Faktoren in Betracht ziehen und gegenseitig abwiegen. Das führte ihn zu seiner Stellungnahme. Ein Auskunftsbuch für die Partei, das über alle einschlägigen Fragen berichten soll, wird Genosse Dav id - Mainz heraus- geben. Einen Bericht über die gesamte Tätigkeit der Reichst tagssraktion wird Genosse Katz en stein herausgeben. Aleines Feuilleton. fessor v. Behring über sein neues Tuber- Im i t 1 e l. Der berühmte Marburger Forscher machte Sozialdemokrati scher JarLeilag. IL (Unberechtigter Nachdruck verboten.) S. u. H. M a n n h e i m, 24. Sept. Im Apollo-Theater trat heute früh der sozialdemokrat. Parteitag zu seiner ersten Sitzung zusammen. Kurz vor Beginn der Verhandlungen erschien, allseitig lebhaft begrüßt, Rosa Luxemburg. Sie trägt einen Lodenmantel mit Kapuze und einen Strohhut. Singer drückte ihr fast zärtlich die Hand, als sie am Tische des Präsidiums erschien. Als Stadthagen ihrer ansichtig wurde, umarmte er sie und drückte ihr einen Kuß auf die Wange. Singer begrüßt die Vertreter der ausländischen Parteiorganisationen. Ueberall weht, so führte S. aus, jetzt die Sturmfahne der Revolution. Das russische Volk ringt um die Freiheit, in Frankreich haben sich unsere Genossen geeinigt, in Oesterreich ringen sie um das Wahlrecht. Sie alle haben uns ihre Vertreter gesendet, trotz der schlveren Stunden, die sie durchmachen müssen. Huysmanns -Belgien: Das Ergebnis der letzten Wochen ist der Zusammenbruch des Zarismus. Das danken wir den russischen Genossen. Aber Sie, die deutschen Genossen, haben auch dazu Beigetragen durch die reichlichen pekuniären Spenden, die Sie für die Opfer der russischen Reaktion gebracht haben. Der Vertreter der österreichischen Organisation erinnert an die heimischen Wahlrechtskämpfe unb bankt den deutschen Genossen für ihre moralische Unterstützung. Askew-Londvn, mit lebhaftem Beifall empfangen, bringt Grüße aus England. Rappaport-Paris: Tie sozialistischen 3been haben in Frankreich große Ausdehnung gewonnen, der Minister des Innern bekannte sich zu sozialistischen Ideen. Wenn gegenüberstehen; die vermehrte Erfahrung, welche.die Jahre mit sich bringen, nütze dem Landarbeiter nicht, weil die Jahre ihm auch seine Kraft nähmen, auf die alles an- komme: der alternde Landarbeiter ende, wie er angefangen, als Hofgänger. Wolle der ländliche Arbeitgeber sich die Strebsamen erhalten, so müsse er sie rechtzeitig herausfinden, ausbilden und anstellen. Er werde dann die Geeigneten in die höheren Posten der Schiveizer, Brenner, Hof- Verwalter, Inspektoren vorrücken lassen und den Vorarbeitern, Bor knechten, Biehsütterern einen möglichst hohen Grad der Verantwortlich teil und Selbständigkeit gewähren. Freilich gehöre dazu eine jahrelange geduldige Vorarbeit. Diese dürfte wesentlich erleichtert werden, wenn für die Landjugend die Fortbildungsschule obligatorisch ist. Selbstverständlich müsse sie den dörflichen Verhältnissen sich an» passen, nicht rein geistig gehalten sein, sondern durch praktische Kurse in Handfertigkeiten, Gartenpflege usw., für die Mädchen durch Näh- und Kochschulen unmittelbar für den künftigen Beruf vorbereiten. Es winke auch noch ein anderes Ziel: die Besten der Fortbildungsschule gingen zur Volkshochschule über, wie z. B. in Schleswig-Holstein bis zum nächsten F-rühjahr zwei eröffnet werden sollen. Damit sei auf einmal der Jugend ein festes, greifbares Ziel gesetzt, das sie von dem unruhigen Streben in die Ferne ablenke und zur Anspannung der Kräfte anspome. So werde die Ehrliebe erwachen, die den Landarbeiter für den Vertrauensposten seines Berufes erst recht befähige. Wenn bann aUs einer großen Familie auch nur einer unter den Augen der Semen so emporsteige, würden alle sich gehoben fühlen, würde die Liebe zmn Landarbeiterberufe neu belebt. Die Organisation der Landarbeiter ist der zweite Punkt, auf den Elisabeth v. Oertzen mit besonderem Nachdruck hinweist. Hier gelte es, der Sozialdemokratie zuvorzukommen, ein Bollwerk der Vaterlands- unb Heimatsliebe, ber Seßhaftigkeit unb Zufriedenheit aufzurichten, bas sich als ebenso unüb ersteigbar bewährte, wie bie gleiche Gesinnung bei ben großen und kleinen ländlichen Besitzern. Dies wäre der entscheidende Schlag, der den Sieg des Zukunftsringens von vornherein unserer Seite sicherte. „Es kann", schreibt E. v. Oertzen im Anschluß hieran wörtlich, „auch anders kommen. Die Geschichte der baltischen Provinzen redet zu uns Landbesitzern eine tiefernste Sprache. Wir lauschen ihr ergriffen, und was uns darin zur Mahnung und Lehre dienen kann, das wollen wir beherzigen und in Taten umzusetzen suchen." Humors, bie alles Sinnlose in einem hellen Gelächter vergessen machen können, sondern recht schwerfällig, ungeschickt und langweilig kriechen die Szenen in ewigem Einerlei dahin. Der Kunst- historiker Hugo Brandes, der sich mit seiner Schwerer Anni unb' seinem Freunde, dem Radierer Franz Krüger, aus dem lärmenden Berlin in die Stille eines abgelegenen märkischen Dorfes gerettet hat, wird in seiner Gutherzigkeit und Naturschwärmerri von den Bauern ans das Schamloseste betrogen, erkennt aber! schließlich die niedrige Gesinnung der „23ieberntänner", mit denen er sich eingelassen, und kehrt geheilt nach Berlin unb zu den Freuden der Großstadt zurück. Diese Umwandlung des Charakters geschieht ohne jede nähere Seelenschilderung, ganz plötzlich, nach- bem bie Verblendung unwahrscheinlich lange angedauert bat. Auch bie Liebesaffäre des rabierenben Freunbes mit einer stäbtisch verbilbeten Bäuerin, die bei der Aufführung noch am ehesten amüsierte, ist in ihren starken Uebertreibungen völlig unglaubhaft. Die Ausführung, bei der sich besonders der Darsteller des intriganten Bauers, Impekoven, und Felizitas Cerigioli als in Kottbus auf bie Höhe der Bildung emporgeklommene Bauern- birne auszeichneteu, tat alles, was in ihren Kräften staub, unb bie Regle suchte bie Stimmung bes Stückes baburch zu erhöhen, baß sie ein fettes rosiges Schweinchen vergnüglich quiefenb auf. ber Bühne herumlaufen ließ. * Dr. P. L. Berlin, 24. Sept. Ein Wechsel in der Leitung des Thea- kers desWestens tritt mit dem heutigen Tage ein. Intendant Prasch, ber seit längerer Zeit leibenb ist, hat bie Direktion an Arthur Below, der seit mehreren Jahren als Teuorbufftz an seiner Bühne engagiert war, abgegeben. politifcbe Lagesschau. Die Landflucht. wird von einer kundigen Frau, Elisabeth v. Oertzen, im Oktoberheft der „Deutschen Monatsschrift" in beachtenswerter Weife erörtert. Da es meist die geistig regsamen Landarbeiter find, die nach der Stadt ziehen,, untersucht E. v. Oertzen vor aAemldie Frage, wie der ländliche Arbeitz- geber diese geistig Regen auf dem Lande festhalten könne. Ein Sichheraufarbeiten kraft der eigenen Intelligenz gebe es im Landarbeiterstanbe nicht, es fcchlten hier die gelernten Arbeiter, die auf höherer Stufe den ungelernten skulosehei.......... — , - _ neuerdings interessante Mitteilungen über das neue, im vorigen Jahwe zu Paris angekündigte Tuberkuloseheilmittel und über sein zur Verhütung der Rindertuberkulose empfohlenes Mittel Bovo- vakzin. Der letztgenannte Impfstoff, der aus gettockneten, noch lebenden Tuberkelbazillen besteht, ist nach Behrings Angaben als unschädlich unb seine Wirksamkeit ' an mehr als 30 000 Tierimpfungen erprobt worben. Zur Bekämpfung ber menschlichen Tuberkulose hält Behring das Bovovakzin für unangebracht, da der Verwendung von lebenden Bazillen zu Heilzwecken beim Menschen bie allerernstesten Bebenken entgegeuftehen. Für das neue Mittel, das zur Heilung menschlicher Tuberkulose bestimmt ist, find die wissenschaftlichen Grundlagen noch zu schaffen. Eingehend verbreitet sich v. Bel,-ring über die bekämpfte Auffassung, wonach die Tuberkulose durch Aichusten übertragen werde, und beleuchtet die von ihm vertretene Theorie der Tuberkuloseübertragung durch Milchgenuß. Es handelt sich hierbei um bekannte Tatsachen, bie in wissenschaftlichen Vereinen bereits mehrfach besprochen worben sinb. Der bei Kinbern verwanbte Tuber- kuloseimpfstosf stellt nicht etwa ein zur Heilung der menschlichen Lungenschwindsucht geeignetes Mittel bar. ,Ah habe — so sagt v Behring — „in Paris Nicht von einem Schwinbsuchts- mittel im Sinne eines Heilmittels für die schon vorhandene tuberkulöse Zerstörimg im Lungengewebe gesprochen, sondern von emem Tubertulosemittel, welches durch frühzeitige Verwendung bei zu- gendlicheu Jnbividueu die Schlvindsucht verhüten und allenialls auf bie schon bestehenben Tuberttiloseherbe so wirken soll, baß ihre Selbstheilung mit Hülfe ber natürlichen Kräfte des Organismus nicht gestört wird durch erneuerte tuberkulöse Infektion." » Aus Berlin wird uns geschrieben: Das Thema von den bum men ©täbtern, die sich in ihrem Glauben an bie Einfalt unb Unschuld ländlicher Idyllen von geriebenen Bauern tüchtig ausbeuten lassen, ist ein seit langem beliebtes Lustspielmwtiv. Seitdem die idealisierte Unnatur der Anerbachschen Bauerntypen zum Widerspruch und zur Satire herausforderte, hat man ebensogern alle berechnende Gemeinheit in ihnen zum Ausdruck gebracht wie vorher alle Treuherzigkeit und Herzensgüte. Die in engem Kreise beschlossene, aber sich zu knorriger Größe auftichtende Bauernnatur hat zuerst Jeremias Gotthelf in seinen herrlichen Erzählungen ganz zu erfassen gewußt und im Drama haben so feine Kenner wie Ludwig Thoma und Josef Rüderer in ber Konttastierung bes Stäbters mit bem Lanbmann echt komische Wirkungen zu sinben vermocht. Von einer Vertiefung bes Problems unb einer lebensechten Darstellung, wie wir sie heute in ber Schilberung dieser Motive verlangen müssen, ist nun aber der Schwank von dem in Frankfurt a. M. lebenden Hessen C a r l o t G o 11 f r i e d R e u l i n g „D a s F ri e- densdorf", der im Lustspielhaus am Freitag zum enten Mal in Szene ging, weit entfernt. Neuling, dem wir m feinen früheren Dramen auf den Wegen eines ernsteren Sttebeus begegnet find, hat durch derbe Schwankwirkungen alles Psychologische unb Notwendige seiner Erfindung geopfert, sodaß eine völlig unglaubwürdige Verzerrung entftanb. Er besitzt aber nun nicht ben tollen Leichtsinn und bad schnelle Tempo eines unbekümmerten Nichts rechtfertigt mehr die geringe Erwartung, mit der dem hau delspolitischen Entgegenkommen der Vereinigten Staaten entgegengesehen werden darf, als die Art der Abfertigung einer T eputation deutscher Fabrikanten durch den Vertreter des amerikanischen Schatz- amts (vgl. unsere gestrige Depesche). Präsident Roosevelt hotte vorgezogen, fich für „nicht zuständig" zu erklären und bie Petenten an bas Schatzamt zu verweisen, bas bequemste Verfahren, Be- schwerbesührer, deren Wünschen man nicht entsprechen kann oder luiU, loszuwerden. Nun ist ja richtig, baß der Präsident sich überhaupt für handelspolitische Fragen wenig interessiert, was aus allen seinen Botschaften hervorgeht. Wer den deutschen Fabrikanten gegenüber mag wohl die E enutnis des Unvermögens dem Präsidenten, dessen Amtszeit sich ohnehin dem Ende zuneigt, den Mund verschlossen haben, nämlich des Unvermögens gegen die amerikanischen H o ch s ch u tz z ö l l n e r, die von zollpolitischen Zugeständnissen an Deutschland nichts wissen wollen. Der Vertreter des Schatzamts stand den deutschen Fabrikanten Rede und Antwort, mit der Wirkung allerdings, daß die Petenten am Schluß der Besprechung gerade so klug waren, wie am Beginn. Die Deputation hatte sich die bescheidene Anftage erlaubt, wann endlich die Washingtoner Regierung die ungerechten Zoll- beftimmungen beseitigen werde, deren Abschaffung bie Voraussetzung war, unter der Deutschland den ^Bereinigten Staaten den vollen Konventionaltarif vorläufig cinräumte. Der „zuständige" amerikanische Staatsmann — Mr. Keep ist sein Name — schob einfach die Verantwortung dem Senat zu, ber bie betreffenbe Regierungsvorlage vor der Vertagung bes Parlaments nicht habe verabschieben können. Der Sprecher der deutschen Fabrikanten soll sich mit bem Inhalt ber Vorlage an sich jufrieben erklärt unb nur um möglichste Beschleunigung ber Angelegenheit ersucht haben. Was seinerzeit von bieser Vorlage bekannt geworben ist, zeigt, baß cs sich um sehr magere Z ug e stänbnisse an D e n t s ch l a n b handelt. Doch immerhin, es sind Zugeständnisse. Leider dürsten sie, bei der ganzen 2Urt der Behandlung der Sache durch den Senat, erst so spät praktisch werden, daß die deutschen Interessen eine empfindliche Schädigung erleiden. Die Trustmänner vom Senat sind eben nicht nur gute, sondern auch rücksichtslose Rechner; sie verstehen sich auf das „Bluffen", dieses Hauptkunststück der amerikanischen Gcschäfts- biplomatie. Unseres Erachtens wirb ber gegenwärtige Kongreß sich zu einem Gegenseitigkeitsvertrag mit Deutschland keinenfalls bereit sinben lassen, selbst wenn bie Washingtoner Regierung zu Verhanblungen auf dieser Grundlage bereit sein sollte, woran einstweilen auch noch gezweifelt werden muß. Die Herren drüben sind einfach der Meinung, baß Deutschland sich ihnen wirtschaftlich auf Gnade oder Ungnade ergeben muß, well es zu dem letzten Mittel eines Zollkriegs nicht greifen kann im Interesse seiner Ausfuhr. Mit anderen Worten: die Amerikaner spekulieren auf die unentwegte Gutmütigkeit desselben Deutschland, dem sie beim Wlauf des Handels- adkommens am 1. März d. I. die Pistole auf die Brust setzten unb dessen Waren sie, entgegen der damals gegebenen Zusicherung, nach wie vor zollpolitisch ungerecht behandeln. Ein Zollkrieg wäre sicherlich unheilvoll, aber er wäre es für beide Länder, und es kann deutscherseits ben Amerikanern nicht nach- brücklich genug entgegengehalten werben, baß auch sie mit ihrem Jahresexport von runb 2 Milliarben Doll, allen Anlaß haben, einem Zollkrieg aus bem Wege zu gehen. Namenttich sollten sich bies bie polit. „Pokerspieler" im Senat, die am Außenhandel stark interessiert sind, vor Augen halten. Eino Verkennung wäre die Annahme ber Amerikaner, daß nur bie deutschen Agrarier einer weniger rücksichtsvollen Haltung gegenüber der Union das Wort reden. Auch die ja in der Hauptsache betroffenen Industriellen und Großhändler sind unmutig über die Zollchikanen unb über bas ausweichenbe Verhalten der Washingtoner Regierung, bie allem Anschein nach das Ergebnis der Präsideittenneuwahl abtoarten will, ehe sie überhaupt der Frage des Handelsvertrags mit Deutschland näbertnit. Nr. 225 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dein hessischen Landwirt die Gießener Familien' blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'scheu Univerf.-Buch-u.Stein- bruderet. R. Lange. Redaktion, Ervedllion und Druckerei: Schul st ratze 7. Redaktion 112 Verlag u.Exped.S^Aöl Adresse für Deoeschen: Anzeiger Gietzen. BezngöpretSr monatliclriöPl.,viertel fährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich Go Ps.; durch diePost Mt. 2.—viertel- fährt. auSschl. Beslellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal 12Pf* ausivärts 20 Pfg. Verantwortlich füe den polit. und allgem. Teil: P. Witlko- für »Stadt unö Land' und .Gertchlsjaatt. Ernst Heß; für den Anzeigenteil: HanS BeL lieber Me Kaffcnverhältnisie berichtet Gerisch' der FmanMinister der Partei'. Am rühmlichsten haben sich hervorgetan die Genossen von Groß- Berlin. Sie hätten nur statutarisch, 25 000 Mk. abzuliefern, sie haben aber fast 200 000 Mk. aufgebracht. (Beifall.) In Jena haben wir uns ein neues Parteigesetz gegeben. Es wäre Ehrenpflicht alter Genossen gewesen, sich darnach zu richten. Das ist leider nicht überall geschehen. (Hört! Hört!) Wenn neben vielen zahlenden Genossen solche sind, sind, die weniger zahlen wollen, obgleich sie reiche Mittel besitzen — dann werden wir uns auch sagen müssen: Mit dem Maß, mit dem Ihr messet, sollt Ihr wieder gemessen werden. (Zustimmung.) Es sind folgende Darmstädter Resolutionen eingegangen: Die Parteiversammlung erklärt hinsichtlich des politischen Massenstreiks, an der Resolution von Jena festzuhalten. Sie erwartet ferner von dem Parteitag in Mannheim, daß er seine Stellung in dieser Frage so präzisiere, daß eine Umdeutung ausgeschlossen ist. Sollte es dennoch von einzelnen Partei- und Gewerkschaftsorganisationen versucht werden, so ist dem mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten. Und: Die Parteiversammlung beantragt: Die gemeinsamen Konferenzen der Partei-- und Gewerkschaftsvorstände, im Interesse beider Teile, zu einer dauernden Institution zu machen. Vom Pommerschen Parteitag ist folgender Antrag eingegangen: IN Erwägung, daß die Wahlr echts aktion vom 21. Januar und 18. März nur einen vollen Wert gehabt hätte, wenn sie in dem unerschütterlichen Entschluß, auch schärfere Mittel als Volksversammlungen und Flng- blattverbreitungen zur Anwendung zu bringen, unternommen worden wäre, fordert der P. P. den Parteivorstand auf, in Zukunft mit größerer Energie den politischen Massenstreik zu propagieren und zwar im Sinne einer Verwirklichung desselben zur Erringung des allgemeinen, gleichen Wahlrechts in den deutschen Bundesstaaten. Der P. P. erwartet vom Parteivorstand, daß, er schon der nächsten Wahlrechtsdemonstrativn einen Eharakter gibt, der geeignet ist, die Masten auf die Verwirklichung des politischen Mastenstreiks vorzubereiten. Mit aller Entschiedenheit spricht sich der Parteitag insbesondere gegen das Bestreben aus, den politischen Massenstreik als ein Kampfmittel hinzustellen, das erst in ferner Zukunft in Frage kommen kann. Nach der Verlesung einiger Glückwunschtelegramme fuhr Genosse Gerisch in feinem Kassenbericht fort. Das Verhältnis der Zahl der bei den Reichstags- Wahlen abgegebenen sozial de mokr. Stimmen zur Zahl der organisierten Genossen ist ein sehr mannigfaltiges. An erster Stelle steht das Groß Herzogtum Hessen, wo sich dieses Verhältnis auf 2 0,9 Proz. beläuft. In ganz Deutschland gibt es 384 327 Genossen, die organisiert sind. Das sind 12,76 Proz. der Zahl der bei der Reichstagswahl abgegebenen Stimmen. Bis zum nächsten Jahre müssen wir 1 Million Abonnenten und 1/2 Million organisierter Kämpfer haben. Dann können wir wohlgemut in den Kampf gehen. (Lebhafter Beifall.) Den Bericht der Kontrollkommission erstattet Genosse Kaden. Die Kommission wäscht die schmutzige Parteiwäsche des letzten Jahres noch einmal durch. Von den M a i n z e r Genossen ist der Antrag eingebracht worden, daß die Berichte der Vertrauenspersonen der Parteipresse beigegeben werden sollen. Es wird dann in die Diskussion über den Geschäftsbericht des Vorstandes und 6er Kontrollkommission und der dazu gestellten bereits erwähnten Anträge eingetreten. Thiele-Halle erhob Protest gegen die Art, wie der „Vorwärts" gegen die Genossen vorgehe, so erst letzthin gegen den Genossen Stampfer. Das sei ein flegelhafter Ton, der eines Zentralorgans nicht würdig sei. Er hoffe, daß der Parteivorstand sich nicht identifiziere mit dem Gebahren des „Vorwärts". Diese Ausschreitungen sind geradezu unerhört und tief beschämend für die Partei Schluß 6 Uhr. * Ferner wird uns aus Mannheim geschrieben: ... herrscht hier einstweilen gehobene Stimmung. Stürrni- Icher Beifall, langanhaltender, minutenlanger Beifall, tosender Beifall, ja sogar ein „Beifallsorkan" kennzeichnen insbesondere die Ausnahme der Rede des Abg. Bebel. Seine Volkstümlichkeit in den Kreuen der Partei scheint trotz der vielfachen scharfen An- griste, die aus dem Gewcrkschaftslager kommen, nicht im mindesten gelitten zu haben, obwohl zum ersten Male auch der Charakter Bebels angezweifelt wurde. Soviel ist richtig, daß Bebel in der langandauernden Erörterung über die Stellung zum Massenstreik eine schwankende Haltung eingenommen hat. machte auch ferne Anhänger stutzig. Wie sich nun Bebel aus r'b^ rtüare zieht, lote er die ihm zum Vorwurf gemachten Widerspruche au fzuklär en versuchen wird, das wird von nicht geringem Interesse sein. Es läßt sich aber eine ziemlich sichere Wette darauf wagen, daß Bebel mit seiner taktischen Gewandtheit und seiner faszinierenden Rednergabe die Gewerkschaftler an die Wand drückt Ein Vorzeichen war schon, daß der Antrag, zum Punkt Maifeier den Gewerkschaftsführer Bömelburg zum Korreferenten zu er- Annen, mit großer Mehrheit abgelehnt wurde. Die sozialdemo- tratische Partei will, darauf kommt schließlich alles an, das entscheidende Wort über die Frage eines politischen Massenstreiks zu sagen haben, auf ihr Geheiß sollen alle Rüder still stehen, die Gewerkschaften sollen allenfalls vorher „gehört" werden, im übrigen haben sie die gefüllten Kassen für die Erlegung der Kriegskosten aufzutun. Diese Kassen erregen etwas wie Neid- gefuhl bei der Parteileitung. Denn nur in diesem Sinn ist es _verstehen, wenn Gerisch erklärte: Die Einnahmen von und Gewerk,chasten stünden in einem zu auffälligen Miß- ^rtzaltnis, das auf die Dauer sich als unerträglich erweise. OES sogar mit einem für die Partei der Freiheit recht drastischen warnenden Exempel: Ausschluß der Genossen, die Pflicht nicht erfüllten, von den allgemeinen Parteitagen. Es hort al,o, eben,o wie in dec „verrotteten, mammonislischen" bi^gerlichen. Gesellschaft, auch in der Sozialdemokratie die Gemütlichkeit in Geldsachen auf. Wer nicht die Zentralkasse, son- dern nur die Gewerkschaftskasse bedenkt, kann kein braver Ge- nos,e sein. Den Bayern wurde noch eine besondere Rüge zuteil. monierte die in Bayern erfolgte Verkürzung aL- k" * 1 der Partei durch Herabseyung der Beiträge und tunbigte für den gegebenen Augenblick Vergeltung an. Die Bayern wurden vorn Parteivorstand mit gleichem Maße gemeßen Werden. Mas der Reichstagsabg. Psann kuch über die Veröffentlichung des Gelximprotokolls der Generalkommission aus- fuhrte — aus Notwehr, unter dem Truck der Verhältnisse im Bewußt,ein des Unrechts - klang nicht sehr überzeugend. Bebel wird den Parteivorstand anders aus dem Feuer heraushauen. Aus SiaOt uno Luus. Gießen, den 25. Sept. , »* Die leergelaitfene Wasserleitung. Ist einem oberhessischen Dorfe, das seit einigen Wochen die Segnungen einer Wasserleitung genießt, hatte eine Frau einen Eimer Wasser abgelassen. Sie konnte, nachdem^ der Eimer volsgebaufen war, nicht wieder zuLrehen. Ist, ihrer Angst lief sie zu einem Schlosser, der ungefähr 10 Minuten weit weg wohnte. Aber inzwischen kam ein Nachbar und drehte die Leitung zu. Aks sie mit deut Schlosser züriick- kam, rief sie Beim Anblick der nicht mehr laufenden Leitung aus: „Ach du laiwer Gott, do is die Leitung jo ausgelaafe." ** Heiteres aus der Schule. In einem Dorfe im Kreise Gießen fragte der Lehrer eine Schülerin nach Gemüsen, die im Garten gewachsen wären. Unter anderen nannte sie auch — Pfannkuchen. X Allertshausen, 24. Sept. Unsere evangelische Kapelle, welche nach Entwurf des Baurat Die hm-Gießen ausgefährt ist, soll, nachdem der innere Ausbau bis Ende dieser Woche fertiggestellt werden wird, nächsten Sonntag, 3 0. Sept, ein geweiht werden. -s- Bersrod, 24. Sept. Kürzlich fand durch das Großs. Kreisamt eine Ortsbesichtigung des Fußwegs von Neiskirchen nach Bersrod statt, der zur Kreisst raße zwischen beiden Orten umgebaut werden sott. Die beiden Gemeinden hatten hierzu den Antrag gestellt. Die Gemeinde Bersrod hat sich sofort bereit erklärt, die auf sie entfallenden Kosten zu tragen und das erforderliche in ihrer Gemarkung liegende Gelände abzutreten. Sollte das Straßenprojekt zur Ausführung kommen, so müßten auch noch Verhandlungen mit der Gemeinde Winnerod gepstogen werden. n. Schw tten, 24. Sept. Die Generalversammlung des Vereins „L e h r e r h e i m V 0 g e l s b e räj" findet Mittwoch, 26. September, nachmittags auf dem Lehrerheim statt. Der Verein zählt jetzt über 1600 Mitglieder, das bedeutet für die beiden letzten Jahre einen Zuchwachs von 400 neuen Mitgliedern, ein deutlicher Beweis für das dem Unternehmen entgegengebrachte Interesse. Die neu angelegte Wasserleitung hat im verflossenen Sommer das Heim mit vorzüglichem Quellwasser hinreichend versorgt, sodaß dem leidigen Wassermangel wohl für alle Zeiten gesteuert sein dürfte. Die infolge von Verbesserungen des Geländes durch den Staat und die Stadt Schotten in der Umgebung des Lehrerheims angelegten Weideplätze verleihen mit dem darauf gehenden Vieh dem Hause eine neue reizvolle landschaftliche Staffage und diese bildet namentlich für die hier oben weilenden Städter eine angenehme Abwechslung. — Dem Heime wurden im letzten Jähre von lehrerfreundlichen Firmen in dankenswerter Weise die verschiedensten Zuwendungen gemacht, und namentlich die Bibliothek tyat eine wesentliche Bereicherung erfahren. Der finanzielle Stand des Vereins ist zurzeit recht günstig, sodaß an die baldige Auslosung der 50 Mark-Aktien gedacht werden kann. — Obmann Backes, Darmstadt, wird der diesjährigen Generalversammlung beiwohnen. /^Friedberg, 24. Sept. Die 3 0. Haupt-Ver- sammlung der Ludwig- und Alice - Stiftung hessischer Lehrer fand heute im Hotel Trapp unter recht zahlreicher Beteiligung statt. Von 83 Agentur-Vereinen waren rund 100 Vertreter erschienen; sämtliche acht Ausschußmitglieder waren anwesend. Vor Beginn der Verchandlungen wurde Lehrer Schmidt-Friedberg als Uckundsperson gewählt. Der Vorsitzende der Stiftung, Ka ßlick - Darmstadt, wies darauf hin, daß Friedberg für den Lehrerstand Hessens doppelt bedeutsam ist. Hier haben große Jugendbildner am Lehrerseminar gewirkt, die weit über die Grenzen Hessens berühmt geworden sind, z. B. Kurtmann, und unter den Lehrern Friedbergs haben sich mehrere im Sinne der Stiftung verdient gemacht, so die Lehrer Volk und Roth und Oberlehrer Dörr. Die Dörr-Stiftung ustd Noth-Stistung für bedürftige Witwen und Waisen zeugen für ihre edlen Gesinnungen. Vor 28 Jahren tagte der Verein das letzte Mal hier, damals ein kleines Pflänzchen, jetzt ein mächtiger Baum; vor 28 Jahren zählte er 1300 Mitglieder mit 150 000 Mk. Vermögen, heute sind es rund 2500 Mitglieder, das Vermögen hat sich verfünffacht und an Unterstützung wird das 6—7fache jährlich bezahlt. Der Hauptfaktor zu diesem Aufschwung ist in erster Linie das mehr und mehr zur Geltung kommende Prinzip der Selbsthilfe, bringen die Lehrer doch alljährlich eine beträchtliche Summe durch freiwillige Beiträge auf. — Dem Jahresbericht der Sterbekasse sei entnommen: Die Mitgliederzahl stieg von 2415 auf 2490, die Einnahme auf 34 105 Alk. Das versicherte Sterbegeld stieg von 57 400 Mk. auf 1 398 000 Mk., art Sterbegeld wurden 12 850 Mk. bezahlt. Das Vermögen ist 298 795 Mk., das Deckungskapital 197 000 Mk., der jährliche Zuwachs ist 16- bis 17 000Mk., der Sicherheitsfonds ist 85 000 Mk., der Ueberschuß rund 60 000 Mk. Aus dem Vertrage mit der Berliner Lebensversicherungs-Gesellschaft erhielt der Verein 1440 Mk. Die Unterstützungskasse hat ein Vermögen von 46 000 Mk., eine Jahreseinnahme von 2800 Mk., an Unterstützungsgeldern wurden in 96 Fällen 4400 Mark bezahlt. Durch freiwillige Gaben brachten die Lehrer 1700 Mk. auf. Die Rechnungen waren vom Vorstand, vom Verwaltungsansschitß und vom Prüfungsausschuß geprüft und für richtig befunden worden. Auf Antrag von Herger-Arheitgcn wurde dem Rechner und Vorstand Entlastung erteilt. Die Agentur Arheilgen wurde auch für die nächsten drei Jahre zum Prüfungsausschuß gewählt. — Von höchster Bedeutung war der nun folgende Beschluß betreffend Errichtung einer Militär - Darlehnska ss e für Lehrer, die als Einjährig-Freiwillige ihrer Dienstpsticht genügen. Es ivurde einstimmig beschlossen, daß diese Kasse als selbständige Kasse ins Leben treten soll; das Grundkapital beträgt 12 000 Mk. Kaßlick verlas die Statuten, deren 12 Paragraphen einstimmige Annahme sanden. Die Kasse wird Dar- lehen bis zu 600 Mk. gewähren und — wenn möglich — schon am 1. Januar 1907 ins Leben treten. Aus Antrag des Vorstandes wird beschlossen, daß auch für die nächsten drei Jahre die Einnahmen aus Verträgen fast nur für die Sterbekasse als Zuschüsse zum Sterbegeld Verwendung finden, daß ferner der Zuschuß zum Sterbegeld 50 Mk. nicht überschreiten soll, daß aus dem Gewinnfonds weitere Zuschüsse für je 200 Mk. ausgezahlt werden und daß endlich zu Unterstützungen nicht mehr als 4000 Mk. gezahlt werden aus besonderen Stiftungen und Verträgen. — Vci den Ergänzungswahlen wurden in den Verwaltungsausschuß wiedergcwählt Hotz-Ridda, Schrod-Ofsenbach, neu Monik-Darmstadt, als Ersatzmänner wurden neügewählt: Kopp-Darmstadt für Starkenbtirg, Hauptlehrer Philipps-Friedberg für Oberhessen und Stauffer-Oppenheim für Rheinhessen. Folgender Dringlichkeitsantrag des Verstandes wtirde einstimmig angenommen: „Die Hauptversammlung beauftragt den Vorstand, gemeinschaftlich mit dem Vorstand des Landeslehrervereins bei den gesetzgebenden Faktoren dahin vorstellig zu werden, daß dre Reliktenversorgung nach dem Antrag des Abg. Schmidt- Mainz in gleicher Weise wie bei den Staatsbeamten geregelt wird." Nachdem Obmann Backes-Darmstadt beut Vorsitzenden der Stiftung, Kaßlick-Darmstadt, unter lebhaftem Beifall den Dank des Vereins ausgesprochen hatte, wurde die Versammlung geschlossen. Später fand ein gemeinsames Essen statt. Wegen Notzuchtsversuchs vor den Geschworenen, th. Gießen, 25. Sept. Gestern eröffnete Landgerichtsrat Neuenhagen die diesmalige Tagung des Schwurgerichts. Verhandelt wurde gegen den am 2. August 1867 zu Steinbach geborenen, bisher unbestraften, verheirateten Schmiedegesellen Joh. Ke ß ler wegen Versuchs der Notzucht. Anklagevertreter war Staatsanwalt Hoos, Verteidiger Rechtsanwalt Grünewald. Es waren 6 Zeugen und als medizinischer Sachverständiger Medizinalrat Dr. Haberkorn zu hören. Die Verhandlung wurde unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt. Nachdem die Geschworenen die Schuldfrage bejaht und dem Angeklagten mildernde Umstände zugebilligt hatten, wurde er zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Aus den öffentlich verkündeten Gründen des Urteils ging hervor, daß der Angeklagte in einer landwirtschaftlichen Maschinenfabrik in Butzbach in Arbeit stand und in Gießen wohnte. Er beging die Tat in der Nacht zum 10. Juli ds. Is. in Gießen auf der Südanlage an einem 16 Jahre alten Dienstmädchen. Der Angeklagte war geständig, behauptete aber in Angetrunkenheit gehandelt zu haben. Vermischtes. * Ein Denkstein zur Erinnerung an die Verlobungszeit des Kaiserpaares ist am 13. September, dem 14. Geburtstage der Prinzessin Viktoria Luise, in aller Stille in Gegenwart eines Teiles der kaiserlichen Familie im Schloßpark in Primkenau geweiht worden. Der Denkstein ist eingefügt in eine Natursteinbank und trägt die Inschrift: „3m Jahre der Silberhochzeit Seiner Majestät des Kaisers und Ihrer Majestät der Kaiserin zur Erinnerung an die Verlobungszeit 1880—1881 am 13. September 1906.* Die Bank, vor welcher sich ein Rasenplatz mit Erika-Rondells befindet, steht unter Tannen und Buchen an derselben Stelle, ivo einst die Kaiserin als Kind mit ihren Geschwistern ihre Spielstundcn zugcbracht hat. 2(m Stamme einer nahen Buche ist ein fast verwachsener Rindeneinschnitt zu sehen, und zwar eine Krone, unter der die Buchstaben V. W. (Viktoria, Wilhelm) und die Jahreszahl 1880 eingegraben sind. * Der neueste Eisen bahn uns all. Am 24. Sept, ist infolge vorzeitiger Entblockung der Strecke im Tunnel zwischen Stuttgart und Feuerbach ein Personenzug auf einen vorausfahrenden Leerwagenzug aufgefahren. Vom Personenzug ivurden der Lokomotivführer, der Zugführer und ein Bahnpostbeamter verletzt, von den Reisenden niemand Mehrere Wagen des Leerwagenzuges wurden zertrümmert. * Eine Schreckens nacht hat ein in Achim bei Bremen beschäftigter holländischer Zigarrenarbeiter durchzumachen gehabt. Er hatte nachts gegen 2 Uhr unter einem Brunnendache Schutz gegen den Regen gesucht. In der Meinung, unter einem Wagenschuppen zu fein, setzte er sich auf den Rand des Brunnens, schlief dort ein und stürzte in den 90 Fuß tiefen Brunnenschacht. Um 6 Uhr morgens hörten Vorübergehende die Hilferufe des Verunglückten und nach großen Anstrengungen gelang es, ihn wieder aus bem Brunnen heraufzubefördern. Da biefer reichlich Wasser enthielt, hatte ber Abgestürzte außer einigen Hautabschürfungen keine nennenswerten Verletzungen erlitten; trotzbem war feine Lage schrecklich genug gewesen, lieber brei Stunden hindurch mußte er in dem kalten Wasser, nur mit dem Kopfe daraus hervorragend, zubringen, mit der Kraft der Verzweifiung sich an die eiserne Brunnenkette klammernd. — Professor Drudes Berliner Nachfolger. Nachdem Professor Dr. Wilhelm Wien in Würzburg, wie wir meldeten, den Ruf an die Berliner Universität als Nachfolger Drudes a b g e l e h n t hat, kommt nunmehr Prosessor Dr. Heinrich Rubens an der Berliner Technischen Hochschule in Betracht. Rubens wurde 1865 in Wiesbaden geboren und erhielt seine wtssen- sthattliche Ausbildung in Darmstadt. Berlin und Straßburg. Lau-wsrtschaft. # A u s dem Kreise Wetzlar, 24. Sevt. Die Zucht- station für Vogelsberger Rinder, die vor zwei Jahren von der Landwirtschastskaimner der Rheinvrovinz für den Kreis Wetzlar auf dem Hofgut Altenberg errichtet wurde, ist vor einigen Tagen emaegangen und deren Viehbestand — 30 Rinder — ging in die Hände von Händlern über. Die Landwirtschastskammer hat für den Versuch, das Vogelsberger Rind in unserem Kreise mehr als bisher einzubürgern, einen Zuschuß von mehr wie 10 000 Mark bezahlt. Die Kleinbauern des Kreises sind der Ansicht, daß sie bei der Haltung und Zucht von Stmmentaler Rindvieh besser fahren und verhalten sich deshalb gegen das kleine Gebirgsvieh ablehnend. Köln, 24. Sept. In einer auf Veranlassung' des Milch-Unterverbandes des R h e i n i s ch e n Bauernvereins einberusenen Versammlung der Abmelkwirtschaft treibenden Landwirte und der Milchhändler wurden ab 5. Oktober die Milchpreise wie folgt festgesetzt: 14'/. Pig. vro Liter ab Stall, 14'/, Psg. ab Köln für Großhändler, die mehr als 500 Liter täglich beziehen, 15 Pig. ab Köln lür Kleinhändler, 16 Pig. für Bäcker ab Haus, die über 40 Liter verbrauchen, 17 Pfg. für Bäcker, die weniger als 40 Liter täglich gebrauchen und 22 Pig. für Private im Einzelverkauf. Die Preise sür Groß» und Kleinhändler erhöhen sich bei Lieferung loko Haus um 's, Pfg. vro Liter.__ Wist doch wirklich ein wundervolles Ding, Kli daß man die wirksamen Elemente uralter Heilquellen in Vffnf wmztg kleinen Pastillen bannen und damit Erfolge ähnlich denen erzielen kann, die sonst nur die Quellen selbst hatten. Fays ächte Sodener Mineral-Pastillen sind ein Beweis dafür, wie segensreich diele Ersindung wirkt. Sodener ^ondet mnu mi bei allen Reizungen der Schleimhäute bet Utmungsor-mne und man gebraucht sie nie vergeblich, d/tan kauft sie in allen einschlägigen Geschälten die Schachtel für nur 85 Psg., hüte sich aber vor Nachahmungen. lhv12/10 Im Sommer ist nichts gesünder und erfrischender als frische Früchte und Mondamin-Milch-Flammeri. Als Ersatz für schwerere Speisen sind diese Mondamin-Gerichte in der Hitze erfrischend wie wohlschmeckend, und sie bieten eine ideale Nahrung für Kinder, eine gesunde Nachspeise für Grosze. -Mondamin" überall zu haben in Paketen ä, 60, 30 n. 15 Pf. e o T. S o 2- r-* c- cae» on r» C? w rs ö es kO zQ S te o VD VD £ N iS s CD .2.J5 CD - C ti = c c S _ art SS *O t> -J SK .— -X o r •“ vd 7 ZÄ L>b o - <7? N e ZH ZZ 5# ff» Q | = . Sr ö O "JLVO L ^7 _ cd ~ c e c ,£ o CD _ . 2 e‘6'1 05 C t-I C s_- „So Lo «72 v N a c ” C? ~ . . mZ3vd C? = " VD u2. L 2 --- .‘CT X3 <5 - (S i* Oft ö ° — >Cp«O o ' C CD z> S> — * 1=5 ~- G C G» = S . —■ — ;£:C C ■° (j; S s <£jj -O £ VD *CT «2 .= o *> CDUD C Sp ~ C t2 "e* CT) c# — — 7- <2- 7X ar» ar/ 2 ""T "o ö :rr 8 Lb ■s >8' O Ä = *5 ©» M- VD c - 5 -- ° ° CQ Z> 3- "v ajr Q £vo O C = Ü *» 55 ' '- S- o S<9 5> G3 . et cd ;-* — §'JO 'S* - c = 2 c c = = >Ö — 77 c “2ä - - . "b (5 c <= c £ « <2. rä » = ’S . - 1xt' c — r *ö *-> — — ~ = .2 S CD S - o - = JL »e art — u— — — i>> cd <-» _ c 2 2 C*J - VD K 7* vd -S art ä cS> ZMZN § VD -4_. • *05 . t=- o -CO O/A 5r* ä - vd 7 r?07 ¥b Z C tp" — 5-> c ,ir an --> o — _ o za p cd an vd =C CD -— _ c c »g' C c Bekanntmachung. Mittwoch, Den 26. September D. I., nachmittags 3 Uhr, sollen in Dem Schnlhanse Asterweg (Gewerbeschule) zwei Unterrichtskurse für erziehliche Handarbeit mit je dreistündiger wöchentlicher Unterrichtszeit eingerichtet werden. In dem einen derselben werden die Schüler mit Papparbeitcn und in dem anderen mit Kerbschnilt- arbeiten beschäftigt. Zur Beteiligung an dem Unterricht können ältere Schüler der Volksschule sowohl, als auch Schüler der höheren Lehranstalten zugelassen werden. Für Werkzeuge und Materialien, welche den Schülern während der Unterrichtszeit gestellt werden, sind von jedem derselben 2 Mark zu entrichten; die Schüler der höheren Lehranstalten haben außerdem noch ein Schulgeld von 4 Mark zu bczahleu. Anmeldungen zu dem Unterricht werden zur oben angegebenen Zeit in genanntem Schulhause entgegen genommen. Gießen, den 21. September 1906. Bi3/0 Mecum, Oberbürgermeister._________________Hahn, Rektor. Oöffentliche Zustellung. Der Schneidermeister Heinrich Jockel IV. von Hungen, Prozeßbevollw.ächtigter: Rechtsanwalt Sandrnann von Hungen klagt gegen den Georg Hanf, Sohn von Wilhelm Häuf I. von Eschollbrücken, zur Zeit unbekannt iuo abwesend, früher in Eschollbrücken, auf Grund käuflicher Lieferung eines Anzugs mit dem Anträge, den Beklagten durch vorläufig vollstreckbares Urteil kostenfällig schuldig zu erkennen, an Kläger oder dessen zum Gcldempfang legitimierten Anwalt 53.30 Mk. in Buchstaben Dreiundfünfzig Mark 30 Pfg. zu zahlen und die Kosten des Rechtsstreits zu tragen. Der Kläger ladet den Beklagten zur mündlichen Verhandlung des Rechtsstreits vor das Grofihcrzogliche Amtsgericht in Hungen auf Freitag, den 16. November 1906, vormittags 10 Uhr. Zum Zwecke der öffentlichen Zustellung wird dieser Auszug der Klage bekannt gemacht. Hungen, den 16. September 1906. No osen, Aktuar. B’Ve Gerichtsschrciber des Grobherzoglichen Anitsgcrichts. Arbeitsvergebung. Die nachstehenden Arbeiten für den Neubau der höheren und erweiterten Mädchenschule sollen Donnerstag, den 4. Oktober d. I., vorn». 11 Uhr öffentlich vergeben werden. Loos I: Kunstschmiedearbciten darunter 7 Stück Haupteingangstüren u ca. 70 lsd. 'JJitr. Treppen» u. sonstige Geländer „ ein zweiflügeliges Einsahrtlor Loos II: Schlofferarbciten Loos III: Gipsestrichböden 1418 qm Zeichnungen, Arbeitsbeschretbuna und Bedingungen liegen während der Dienststunden bei uns zur Einsicht offen. Angebote aus Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Zeitpunkt bei uns einzureichen. — Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 22. September 1906. Städtisches Hochbauamt _________________________Gerbet._____________________[B6/“ Die noch ausstehenden Rechnungen über Lieferungen zum diesjährigen Jngendfest sind bis spätestens 1. Oktober 1906 an Herrn Rektor Hahn etnzusenden. Gießen, Öen 22. September 1906. Der Festausschuß: Curschmami. B24/» Jetzt ist die Zeit W IÄ Mm NK-I um jede Gasglühlichtanlage durch Anschaffung des echten Auer-Glühstrumpfes zu verbilligen und zu verbessern. (Auergesellschaft) Berlin Nur echt bei den Gasanstalten sowie den einschlägigen Geschäften, welche durch unser Plakat mit dem roten Auer-Löwen kenntlich sind. Deutsche GasglühlichtAktiengesellschaft Obstverfteigernng. Donnerstag den 27. September 1906, vormittags 9 Uhr, wird auf dem städtischen Lbstbaumstülk hinter der neuen Llaserne das Obst von etwa 40 Bäumen, bestehend m Tafel-, Wirt- schasls- und Mostobst, auf dem Stamm verweigert. Nach dieser Versteigerung werden um 10 Uhr im Bnrgcr- rneistereihof etwa 15 Körbe haltbarer Taselbirucu versteigert. Gießen, am 24. September 1906. B,4/9 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Halte Sprechstunde von jetzt ab mir bis 5 Uhr. J Schwalm, Zahnarzt $ Giessen; Blockstrasse 7 (Nähe Seltersweg). s 5800 p" Jwwwwmwww Kkstlkshsklljsk Gieße«. Wir bringen hierdurch zur Kenntnis der Bezirksangc- hörigen, daß vom 1. Oktober l. I. ab bei unserer Kasse die tägliche Verzinsnng der Einlagen zur Einführung gelangt und daß jeden Werktag von vormittags 8—1 Uhr und nachmittags von 3—iy2 Uhr die Kasse geöffnet ist. Gießen, am 22. September 1906. Direktion der Bezirkssparkasse Gießen. Doering. B’4/s Joseph Herz 23 Neuen Bäue Giessen Neuen Bäue 23 Provision Check-Verkehr franco Verwaltung von offenen und geschlossenen Depots der Mieter D7i M Annahme von Geldeinlagen zur Verzinsung je nach Kündigung bis 4% fürs Jahr Dividendenstücken Einlösung von Zins- und scheinen und verlosten An- und Verkauf von Wertpapieren an allen in- und ausländischen Börsen StahEkammee* mit Schrankfächern unter Selbstverschluss Vorschüsse auf Wertpapiere unter günstigsten Bedingungen Eröffnung von laufenden Rechnungen Gewährung von Krediten p Hausfrauen! Unser diesjähriges Geschäft wird sich nicht wieder in den kalten, zugigen es vV» V* 'äf Alleinvertrieb durch: 5435 Seltersiveg 52. ng8/» Dr. A. Oetkez, Bielefeld. ir$w 1171 Verlag von Emil Noth in Gießen. V Wasche mit v/ascnrambesfen Mi Höben i brik-Laoer u. Ausstattunosneschäft TelL KK H liessen Kaplansgasse 18 Fernstes Prlanzemerr ZUM KOCHEN BR RT EN,BR WEN WllMlMl Koch-, Back- und Brat-Apparat. Fast gänzliche Feuerungs-Ersparnis. Konkurrenzlos! Unerreicht! seit 1601 medizinisch bekannte alkal. Quelle ersten Banges. Heilkräftig bei Erkrankungen der Atmung»-, Verdauungs-, und Harr.Organe, bei Gicht, Zuckerkrankheit, Asthma. Niederlagen in allen Apotheken und Mineralwasserhandlungen des In- und Auslandes. Furbach & Strieboll, Versand der Herzoglichen Mineralwasser, Bad Salzbrunu i. Schl. Seltersweg 12 ----Besichtigung’ ohne Kaufzwang gern gestattet.---- Fl. zu 50 u. 25 H. Adler-Drogerie GC7J Seltersweg 39, Otto Schaaf. 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