Dienstag 24. Juli 1906 Aie heutige Kummer umfaßt 8 Seite» deutsche Hinsicht sich an daß die 156. Jahrgang russische Negierung ihrerseits die Verantwortung für den Artikel der „Rossija" ablehnte. Mit Ausnahme der „Kreuzzeitung" und der ihr politisch verwandten agrarischen „Tageszeitung" wird in der deutschen Preffe die Auflösung der Duma als eine bedenkliche Ent- chließung, als eine Tat der Verzweiflung betrachtet. Kritik des Auslandes. In London nimmt die Auflösung der Duma das Interesse der politischen und diplomatischen Kreise voll- tändig in Anspruch. Tas Gefühl des Bedauerns ist vorherrschend. Die Entscheidung wird allgemein verurteilt sonst könnte es allzuleicht passieren, daß auf die Auflösung der Duma die Auflösung des moskowitischen Reiches überhaupt folgt. Wo sind denn die „Riesen des Gedankens und der Tat" in Rußland, an deren Erscheinen Zar Nikolaus glaubt? der Wetterdienst. L-.cstcu Int Dienstag, den ,ch trocken, dann Gewilln. ntt •?:lerfnrtc.__ ES ist durchaus zweckmäßig, daß das offiziöse RegierungSorgan dieses entschiedene und in jeder unzweifelhafte Dementi veröffentlicht. Man dürfte unseren amtlichen Stellen nicht damit begnügen, SichenerAnzeiger General-Anzeiger ** Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Yach der Auflösung der Auma. Unter dem Ministerium Stolypin kann sich die russische Regierungspolitik nur in der Richtung auf die Militärdiktatur entwickeln, denn es ist kein großer Unterschied zwischen den Anschauungen Stolypins und des Generals Trepoff. Nach welchen Grundsätzen ersterer zu regieren für erforderlich hält, das hat er gekennzeichnet in einem von ihm in seiner Eigenschaft als Minister des Innern des Kabinets Goremykin an die Gouverneure gesandten Rundschreiben. Es heißt da: „In kritischen Zetten ist das einzige Fundament, out dem der Schutz der Ordnung, des Eigentums und Lebens ruht, eine teste und keinen Schwankungen unterliegende Staatsgewalt. Daraus folgt, daß offene Unordnung aufs entschieden st e niederzu schlagen und eine F e st i g k e l t' und Bestimmtheit in den Handlungen zu zeigen ist, die jeüe Möglichkeit einer Inkonsequenz auSschließt. Machtmittel stehen sur diesen Zweck m genügendem Maße zur Verfügung, und im Notfälle werden sie verstärkt werden." Das ist das politische Glaubensbekenntnis Stolypins, und es könnte ebensogut das des Generals Trepoff sein. Doch Stolypin machte den Gouverneuren noch zur Pflicht, die Grundsätze der Gerechtigkeit nicht außer acht zu lassen und Ue bergriffe oder Pflichtversäumnisse Untergebener nicht zu dulden. Darauf würde General Trepoff wohl keinen Wert legen, und man muß mit der Möglichkeit der Ablösung des Kabmets Stolypin durch eine Säbel- diktatur 2C. immerhin rechnen. DaS ist die „heitere Zukunft" Rußlands. Jetzt wird auch klar, warum die englische Regierung an dem erst so warm befürworteten Flottenbesuch in Kronstadt plötzlich keinen Gefallen mehr fand. Sic ist offenbar von Petersburg unterrichtet worden über die Auflösung derselben Duma, deren Präsidenten der englische Gesandte Nicolson bald nach seiner Ankunft einen feierlichen Besuch abgestattet hatte. Immer dunkler wird die Zukunft Rußlands, der russischen Staatspapiere und des russischen Staatskredits. In Wahrhett war das Manifest vom 30. Oktober 1905, womit Zar Nikolaus II. seinem Volke eine Verfassung bewilligte, ebenso ein VerlegenhettsauSweg, wie es jetzt die Auflösung des ersten russischen Parlaments ist. Man kann ein Reich, daS durch eine schier größenwahnsinnige Expensions- polittk zu einem unnatürlichen Staatskoloß aufgetrieben, das Jahrhunderte hindurch in einer notorisch beispiellos korrupten Weise verwaltet und dessen in' größter Unwiffenheit und Dummheit gehaltene Bevölkerung nur als Ausbeutungsobjekt für eine gewissenlose Aristokratie und Bureaukratie betrachtet wurde, nicht durch Verleihung einer Verfassung allein kurieren. Nur in Verbindung mit einer Reformation größten Stiles an Haupt und Gliedern durfte in Rußland eine Volksvertretung einberufen werden. Da man aber augenscheinlich der Ansicht huldigt, es könne alles beim alten bleiben, wenn man die Duma nur als Dekorationsstück benutze, um damit die allgemeine Mißwirtschaft zu verdecken, so mußte das Parlament zu einem revolutionären Konvent werden, von wo aus die aufreizendsten Reden gehalten werden konnten, ohne daß die Sprecher zur Verantwortung gezogen werden durften. So wirkte denn die Duma nicht als Blitzableiter, sondern als Spannungserreger. Die Agrarfrage war es, die den direkten Anstoß zu der Regierungsmaßnahme gab. Denn in der für die Zukunft Rußlands allerwichtigsten Angelegenheit der Landverteilung an die hungernde Bauernschaft zeigten sich sowohl die regierenden Kreise wie auch die Duma von einer geradezu kläglichen Hilflosigkeit. 130 Millionen Deßja- tinen Fruchtboden sind nach einwandfreien Berechnungen notwendig, um der Bauernschaft, aus ihrer Not zu helfen, und nur 43 Millionen Deßjatinen, also nicht einmal ein Drittel Land, ist in Rußland zu diesem Zwecke verfügbar! Es müßte also ein Teil der Bauern in Sibirien angesiedelt und in Rußland selbst, die Landwirtschaft nich nach dem russischen Schlendrian, sondern mit dem Fleiße und der Kunst der westeuropäischen Agrikultur betrieben werden. Beides läßt sich in Rußland nicht im Handumdrehen erreichen. Wenn die Regierung versuchen wollte, jetzt in dieser aufgeregten Zeit Bauern nach Sibirien zu transportieren, so würde sie bte Agrarrevolution erst recht hcraufbeschwören, abgesehen davon, daß eine solche Kolonisation gewaltige Summen erfordert und den russischen Muschlk zu einer intensiven Bewirtschaftung seines Grundes und Bodens zu erziehen, das ist eine Aufgabe, die sich nicht in Jahren lösen läßt. Es wäre töricht, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, welchem Ziele Rußland zusteuert. Fand oder findet der Zar die aeeianeten Männer, welche im Stande sind, die Magenfrage zu lösen das Volk zu beruhigen und eme Basis zu schaffen, auf l>er sich eine gesunde Verfassung aufbauen kann, dann wird Rußland die revolutionäre Krisis überwinden; ist jedoch Stolypin nichts anderes als em Goremykin in Ausgabe und meint er die Revolution mit Gewalt niederschlagen zu können, um dann den Staatswagen im alten Geleise weiterzuschleppen, so würde dieser Irrtum sich furchtbar rächen. Was Rußland braucht, das sind Männer, welche den Mut und die Macht besitzen' unerschrocken zu reformieren und nicht nur nach unten, -andern vor allem nach oben hinauf. Ganze Arbeit muß geleistet, Rußland zu einem modernen Staate gemacht werden. «ezng»pretSl monat 11*75111., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Aoholc- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePostMk.2.— viertel- jährl. anSfchl. Bestellg. Annahme von Anzeige« für bte Tagesuummer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal 12 Pf^ auswärts 20 Pfg. Verantwortlich für den polit. und allgem. Teil: P. Witt ko: für „Stadt und Land" und „Gerichtssaal": Ernst Heß; für den Anzeigenteil: HanS Beck. ncldungrn. .jMfomitee der watio* n Wählern, in der Mr rCunozuMinen. An He Cbrilt lich-So- ^cht seinen Wählern M cm’ÄjSf KÄSS« ----- . M-ysä 5, 'n '^che> Y ,^lche des Programms wird die Agrarfrage, Behebung d-.r Landnot der bäuerlichen Bevölkerung bilden. Unruhen. Ausschreitungen, begangen am Sonntag am Sennaycr- Markt zu Petersburg, trugen regierungsfeindlichen Charakter. Kleine Kaufleute protestierten in großer Zahl gegen die Dumaauflösung. Es wurden revolutionäre Reden gehalten. Als reitende Gendarmerie auf dem Platze erschien, wurde sie mit einem Steinhagel empfangen. Die Menge wurde auseinandergejagt, nachdem etwa 15 blinde Salven abgegeben worden waren. Um Mitternacht war die Gegend in tiefstes Dunkel gehüllt, da die Gas- laternen zertrümmert worden waren. Später versammelte sich die Menge an einer anderen Stelle. In Petersburg haben tue Eisenbahner den Generalstreik auf den Bahnhöfen erklärt. Auch ein allg. Ausstand der Post- und Telegraphenbeamten ist zu befürchten. In den Filialen der Singerschen Nähmaschiuenfabrik in Sosnowice und Vendzen (Russisch-Polen) wurden zu gleicher Zeit große Verwüstungen angerichtet. In Sosnowice wurden fünf, in Bendzen vier Personen schwer, eine große Anzahl leicht verletzt. Militär sperrte die Straßen ab. Sämtliche Läden sind geschlossen. Es herrscht eine furchtbare Panik. Aus Woronesch werden mehrere Jnfanterieregimenter nach Staigaonosk entsandt werden, um die dortigen Agrar-Unruhen energisch zu unterdrücken. In den Kreisen Bobrow und Woronesch sind die Kosaken an der Arbeit. Es gab zahlreiche Tote und Verwundete. Der Hilfsverein der deutschen Juden in Berlin erhielt nachstehendes Telegramm aus Petersburg: „Die jüdischen Einwohner Rußlands befürchten von neuem furchtbare Krawalle am 15./28. Juli, dem Jahrestage des Festes der Wasserweche. Ueberall aus jüdischen Orten erhalten wir Nachrichten von zahlreichen Versammlungen der Hooligans, welche von der Monarchistenpartei wahrhaft russischer Männer organisiert werden. Offen hetzt man gegen dieJuden und verteilt Waffen und Flugblätter." Das Telegramm schließt mit der Bitte, alles zu versuchen, um die Gewalttaten äbzuwenden. Die russische Preffe äußert sich über die Dumaauflösung in verhältnismäßig gemäßigtem Tone. Die lirfts stehenden Blätter sind allerdings vor einigen Tagen fast sämtlich unterdrückt worden. Das Organ der Kadetten sagt: Die Sache des Friedens und der Reform sei ^vernichtet. Alle Verantwortung falle auf jene Vertreter der Bureankratte und der Hofkamarilla, die in den Kampf mit der Duma getreten seien. In Petersburg sind augenblicklich zusammengezogen: 40 Linien-Bataillone, die Garde-Kavallerie und die beiden Garde-Divisionen nebst vier Maschinengewehr-Kompagnien. Alle Bahnhöfe erhielten starke militärische Wachen. Kaiser Wilhelm und der Zar. Der Petersburger Korrespondent des „Standard" telegraphiert seinem Blatte, daß der deutsche Botschafter v. Schön einen direkten Draht nach Berlin während der ganzen Nacht von Samstag auf Sonntag benutzte. Bor der Veröffentlichung des Ukas, wodurch die Duma ausgelöst wurde, erhielt der Zaroine chiffrierte Depesche von KaiserWilhe Lm in der Länge von 1000 Worten. Dazu schreibt ein Berliner Blatt: Das einzig Wahre ist das mehrfLuhe Telegraphieren des deutschen Botschafters! an seine hiesige vorgesetzte Behörde. Ein besonderes Belegen der Telegraphenlinie für die deutsche Botschaft hat dabei aber nicht stattgefunden. Alles andere, was die „Standard"-Depesche meldet, ist eitel Erfindung. Deutschland und Rußland. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Ein Teil der ausländischen Preffe sucht noch immer die Gerüchte von einer beabsichtigten Jnterventionspolitik benachbarter Länder gegenüber den Ereignissen im russischen Reiche zu stützen. Wir sehen diesem haltlosen Gerede nochmals die Feststellung gegenüber, daß die Angaben über eine Einmischung Deutschlands, fei es aus Grund von Verabredungen mit fremden Höfen oder Regierungen, sei es ohne solche Abreden, ausnahmslos tendenziöse Erfindungen sind. Wir machen diese Feststellung nicht in der Hoffnung, diejenigen bekehren zu können, die sich nicht überzeugen lassen wollen, weil sie ein Interesse daran haben, die deutsche Politik zu verdächtigen und die öffentliche Meinung Europas irrezuführen. Wir wenden uns aber an alle, die gegenüber den unredlichen Treibereien die Stimme der Wahrheit hören wollen. Es wäre erfreulich, wenn bei uns alle politischen Kreise die Entwickelung der russischen Angelegenheiten mit derselben loyalen Zurückhaltung und Vermeidung einer einseitigen Parteinahme begleiten möchten, die sich unsere Politik zur Pflicht geinacht hat. Wir können angesichts der Vorgänge in Rußland nicht besonnen genug bleiben, so lebhaft wir auch wünschen, daß es der russischen Regierung und dem russischen Volke gelingen möge, einen Ausweg aus den inneren Schwierigkeiten zu finden. Eine Dumafitzung in Wiborg. Da§ in Petersburg am Montag mittag auSgegcbene und dann konfiszierte Kadettenblatt „Rjetsch" meldet aus Wiborg, daß sich dort die nach dem sicheren Finnland gereisten Duma-Abgeordneten versammelt und eine Nachtsitzung ab» gehalten haben. Auf die Stimmung der Versammlung, so fügt das Blatt hinzu, lasse die Aeußerung eines Abgeordneten schließen, daß, wenn sich in dieser Sitzung Parteihader äußere, dies beweisen würde, daß die Duma verdiene aufgelöst zu werden. Alle seien damit einverstanden, daß ein energisches Vorgehen nötig sei. — Die Petersb. Telegr.-Ag. meldet aus Wiborg: Die hier versammelten früheren Abgeordneten zur Reichsduma haben beschloßen, namens der Duma ein Manifest zu veröffentlichen von folgendem Wortlaut: An das Volk von den Volksvertretern 1 Bürger des gesamten Rußland I Durch Ukas vom 8. 7. (alten Stils) ist die Reichsduma aufgelöst worden. Ihr habt uns zu Euren Vertretern gewählt und uns beauftragt, Land und Freiheit zu erkämpfen. In Wahrung Eures Auftrages und unserer Pflicht verfaßten wir Gesetze, um dem Volk die Freiheit z n sichern. Wir forderten die lÄitfernnng der der Verantwortlichkeit baren Minister, die, indem sie ungestraft die Gesetze verletzten, die Freiheit unterdrückten. Zu allererst jedoch wollten wir ein Gesetz erlassen betr. Verteilung von Land an die arbeitenden Bauern, nach welchem zu diesem Zweck Ländereien, die der Krone, der Apanagenverwaltung, den Klösteni und den Kirchen gehörten, diesen angewiesen werden, und die Zwangsenteignung von in Prioatbesitz befindlichen Ländereien vorgenommen werden sollte. Die Regierung sand, daß ein solches Gesetz unzulässig sei, und als die Duma nochmals dringend ihren Beschluß betr. die Zwangsenteignung betonte, erfolgte die Dumaauflösung. Die Regierung verspricht, eine neue Duma nach sieben Monaten einzuberufen. Ganze sieben Alonate muß Rußland ohne Volksvertretung bleiben, um eine Zeit, wo das Volk am Rande seines Ruins steht, wo Industrie und Handel untergraben find, wo das ganze Land von Unruhen erfaßt ist, wo das Ministerium enbgiltig seine Unfähigkeit bewiesen hat, den Bedürfnissen des Volkes gerecht zu werden. Sieben Monate wird die Regierung voll Willkür handeln und gegen die Volksbewegung ankämpfen, um eine fügsame und dien st beflissene Duma zu bekommen. Wenn es oer Regierung jedoch gelingen sollte, die Volksbewegung vollständig zu unterdrücken, wird sie gar keine Duma ein- berufen. Bürger! Tretet für die mit Füßen getretenen Rechte der Volksvertretung und für die Reichsduma ein. Nicht einen Tag darf Rußland ohne eine Volksvertretung bleiben. Ihr besitzt die Mittel, um diese zu erlangen. Die Regierung ist nicht berechtigt, ohne Einverständnis mit der Volksvertretung vom Volke Steuern zu erheben und das Volk zum Militärdienst einzu- berufen. Daher seid Ihr jetzt, wo die Regierung die Duma aufgelöst hat, berechtigt, weder Geld noch Soldaten zu geben. Wenn die Regierung jedoch, um sich Geld zu verschaffen, Anleihen machen sollte, so sind derartige, ohne Genehmigung der Volksvertretung gemachte Anleihen ungiltig. Tas russische Volk wird sie niemals anerkennen und denkt nicht daran, sie zu bezahlen. Gebt also bis zur Berufung der Volksvertretung keine Kopeke der Krone und keinen Soldaten der Armee. Seid standhaft in Eurer Weigerung! Eurem einigen und unbeugsamen Volkswillen kann keine Macht widerstehen. Bürger! In diesem erzwungenen, doch unumgänglichen Kampfss werden Eure Vertreter mit Euch sein! Anwesend luaren in dieser Sitzung zlvei Drittel der Mitglieder und das Präsidium der Duma. Ten Vorsitz führte Murowzow. Da die Ka d e t t e n pa r t e i der Ansicht ist, daß sie nicht mehr als Vertreterin des Volkes erscheinen werde, legt sie ihre Abgeordneten Mandate nieder. Die Mitglieder der Arbeitergruppe behaupten dagegen, das Recht zu haben, sich Volksvertreter zu nennen und sie wollen nicht vor der Wahl des neuen Parlaments auseinander gehen. Unter den Abgeordneten herrscht einiger Zwiespalt. Trotzdem wurde das Manifest von sämtlichen Anwesenden unterzeichnet, mit Ausnahme des Grafen Heyden und des Deputierten Stachowitsch, die der Versammlung kaum eine halbe ^Stunde beigewohnt hatten. Besonders starken Eindruck rief die Nachricht hervor, daß der Gouverneur auf Befehl des Generalgouverneurs dem Fürsten Dolgorukow mitgeteilt habe, die Versammlung müsse unverzüglich geschlossen werden. Infolgedessen ließen diejenigen Deputterten, welche gegen einige Punkte des Manifestes Bedenken hatten, diese fallen und unterzeichneten ebenfalls. Die Mehrzahl der Deputierten ist dann nach Petersburg ab gereist. Nach einem Privattelegramm aus Wiborg sollen dort Deputierte des Heeres der Duma die Hilfe der Armee zur Verfügung gestellt haben. Weiteres vou der Reaktion. Durch kaiserlichen Ukas ist auf Grund des Arttkels 99 der Staatsgrundgesetze die Einstellung der Tättgkeit des Reichsrates bis zum 5. März 1907 verfügt worden. Ein anderer Ukas verhängt den Kriegszustand über das Gebiet der Don sch en Kosaken. Der Petersburger Stadchauptmann hat auf Grund des über Petersburg verhängten Zustandes des außerordentlichen Schutzes Versammlungen und Umzüge verboten. Die Hausbesitzer sowie die Portiers sind zur Unterstützung der Polizei verpflichtet. Der Ministerpräsident bcichüftigt sich zurzeit mit der Reorganisation des gegenwärtigen Ministerrats, dessen Mitglieder durch andere ersetzt und vermehrt werden sollen. Die Veröffentlichung des Programms des Minrsterrats wird für die nächsten Tage erwartet. Den ersten Punkt Nr. 171 »rschet«t tügttch außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem besfischeu Landwirt die Gießener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt Rotationsdruck u. Verlag der Brü hl'scheu Un ivers.-Buch-u. Steiu- btudereL R. Lange. Redaktion. Erpeditton und Druckerei: Schulstratze 7, Redaktion essS 113 Verlag u.Exped.L-Ebl Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. .--SÄ3 01e f j. fort* '„M 6ti 'nMner C? Wt ' 1"lt dk» Sn,te« I* "in dkK.^kk. n9 vor amttieh iMabcn ' ^le im "«mnten d» ÄZAL bMn fr UW HÄ! ®Tw) 9- mVti.7'73- Wen- 13.25-13.50, uiahtat Mk. 25(1) 23 Ä. 'NQenmetjl'o in-'™e^nfle'eMk. 10.00 Äy§tei,ne Mk. 12.00 ■it. 17.25-18.25. Alles per W. Crig.-58erid)t des.Tietz, ^'lehmarktvreise. Zum aus Ceftteid), 83 Nullen, $ Kühr, Fersen, Liiere und , 329 Schafe und Hammel, 0 Lchaflämmer. Bezahlt chscnl. Qualität 78-82 M, -ii.; Lullen I.Qual. 71 bis Cital. 75-76 Mk, 2. Qual. uiaL 00-60 Mk, 5. Qual. Lebendgewicht 56-59 Ps, 46-51 Psg, 3. Qual, q, Schafe: 1. Qual. 80-82, 0 Big.; Schweine 1. Dual. , 2.Qu.74-0lMg,Lebeud. Bfg. Lebmdgew. 00 H. id unbedeutend, bei Klein- ine aut, fein Ueberftanb. 11. der „Frls. Ztg." gemeldet abg. Stt- mtb die Meinung geäußert daß der Monarch nur von schlechten Ratgebern irre geführt ist. Daß die revolutionäre Partei ihre Bomben-Attentäte wieder ausnehmen wird, gilt alZ sicher. In Paris lorrd die Auflösung ebenfalls als ein großer Fehler angesehen. Rur der „(pulvis" und der „Eclair" heißen die LLuflösung gut, heben jedoch hervor, daß der Erfolg von der weiteren Haltung der Regierung abhängt. Die soKialistischc .Humanitö" äußert sich folgendermaßen: „Eine verbrecherische Handlung ist geschehen. Nikolaus II. Ordert sein Volk -um Kriege bis aufs Messer heraus." Mc Wiener Pceffe sicht neue ernste Ereignisse in Rußland voraus. Die Börse hat die Auflösung der Duma mit größerer Fassung ausgenommen, als man befürchtete. Allerdings sind die Kursrückgänge in russischen Werten sehr beträchtlich, doch wurde Dank der „starken Hand" des die russischen Finanz- interesien vertretenden Bankhauses eine Panik hintangchalten. Jedenfalls haben Londoner Spekulationskreise schon vor etlichen Tagen Wind davon bekommen, was gegen die Duma geplant war. Die Berliner Börse schloß gestern sogar ziemlich ruhig, weil zum Glück die Pariser Börse nicht den Kopf verlor. Trotzdem besteht keinerlei Gewähr, daß nicht die Beunruhigung der Besitzer von Rustenwerten demnächst noch lebhafter sich geltend macht. Es verbreitete sich das Gerücht, daß die Seehandlung russische Werte nicht mehr beleihe. Der „Nationalztg." wurde auf telephonische Anfrage bei der Seehandlung erklärt, die Redaktion möge in einer schriftlichen Eingabe die Frage wiederholen. Wir meinen, daß in erregten Zeiten sofort gesagt werden müßte, was an einem Gerücht Wahres oder Falsches ist. Uns erscheint die Behauptung vorerst nicht glaubhaft. §as Nundesfest des Wundes der Landwirte für Kberheffen. k. Friedberg, 22. Juli. Das Oberhessische Bundesfest vom Bunde der Landwirte fand am Sonntag unter äußerst zahlreicher Beteiligung der Landwirte Oberhestens und besonders der Wetterau in dem idyllisch gelegenen Ostenheimer Wäldchen bei Friedberg statt. Die Zahl der Festgäste wurde auf ca. 3 bis 4 Tausend geschätzt und trotz der besten Vorbereitungen gelang es vielen nicht, einen Platz zu finden. Aus ganz Oberhesten war die Bauernschaft per Leiterwagen, Landauern, Rädern :c. eingetroffen, man zählte fast 100 Wagen. Sogar aus dem benachbarten Nassau hatten sich Gäste eingefunden. ^Die hessischen Abgeordneten der freien wirtschaftlichen Vereinigung waren zahlreich vertreten, u. a. die Abgeordneten Breidenbach, Köhler, Korell, Wolf, Bär, Hirsche!, Leun, Ullmann und Hauk. Um xj4 vor 3 Uhr eröffnete der Landesvorsitzende deS Bundes, Abteilung für Hessen, Graf von Oriola- Büdesheim das Fest. Redner führte unter lebhaften Beifallsbezeugungen, von denen er öfters unterbrochen wurde, etwa folgendes auS: Es ist nicht die Zeit, Feste zu feiern, sondern es gilt auch heute, ernste politische Arbeit zu hm, eS gilt den Bauern auch nicht allsonntäglich Feste zu begehen, heute soll in erster Linie Gelegenheit geboten werden, neue Bande zu knüpfen, daS Fest soll zum Zusammenhalt beitragen, sich für ernste Zeiten fest zusammenzuschließen. Ja, ernst ist die Zeit! Unserem Kaiser ist eS gelungen, uns vor jetzt einem Jahre den Frieden zu erhalten und daran hat der Bauernstand am meisten Jntereste. Der deutsche Bauer muß im Krieg die größten Opfer bringen, besonders wenn die Kriegsfackel inS eigene Land getragen wird. Zum Frieden bedürfen wir einer scharfen Wehr, das Eisen darf nicht rostig werden. Wir sind nicht kriegs- und eroberungssichtig, aber wir sind bereit und entschlossen, unser Leben einznsetzen für unsere geliebte Muttererde, für unser Vaterland. Deshalb bekämpfen wir die Sozialdemokratie, die das, waS uns heilig ist, über den Haufen werfen will. Leider wird sie selbst von kleinen Bauern unterstützt. Die Sozialdemokraten wissen, so lange der Bauer.fest steht zu Kaiser und Reich, wächst ihre Saat nicht. Wir bedauern von dem Standpunkt des Landwirts aus, daß sich einzelne bewegen lasten, sich der Bewegung der roten Internationale anzuschließen. Redner vergleicht die vielbesprochene und erwartete Mauserung der Sozialdemokraten mit der Mauserung eines Vogels, sein Kleid werde wohl ein anderes, aber es erhalte noch grellere Farben als vorher. Um diese Erkenntnis immer mehr auszubreiten, dazu gehört eine rührige Tätigkeit, sonst werden Bauern- und Mittelstand vernichtet, dann gäbe es nur noch zwei Faktoren: Arbeit und Großkapital. Wir streben vernünftige soziale Reformen an, aber wir treten dem Umsturz entgegen. Wir bedürfen dringend einer gesunden Wirtschafts- und Heiinatspolitik. Der Landwirt mißgönnt keinem Stand sein Gedeihen, ja das Emporblühen aller Stände konunt jeden und dem gesamten Vaterland zu- glite, doch der Bauer will in Zukunft nicht mehr das Stiefkind des Reiches sein. Seitdem im Bauernbund sich Großgrundbesitzer und Bauern die Hand gereicht haben, ist eine entschiedene Besserung eingetreten, besonders gegenüber den Zeiten Eaprivis. Die Handelsverträge haben nicht alles er- füllt, aber doch vieles gebessert, es weht ein anderer Geist durch die Handelsverträge. Dafür sind wir Kaiser und Regierung dankbar. Ties wurde erreicht durch das Zusammenstehen dec Landwirte einerseits, und andererseits durch die Erkenntnis der Regierung, daß man einen kräftigen Mittelstand im Interesse des Reichs erhalten müsse. Das Fleischbeschaugesetz hat gezeigt, wie vollberechtigt die Forderung der Landwirte war. Wer möchte heute noch amerikanisches Pökelfleisch esten? (Pfuirufe!) Wichtige Fragen gilt es noch zu lösen, z. B. Handelsverträge mit überseeischen und europäischen Ländern, die Reform der Vcrsicherungsqesetze, die Milchwirt- schafts- und Verwertungsfrage usw. Mögen die verbündeten Regierungen den betretenen Weg weiter verfolgen bei den neuen Handelsverträgen. Wir aber wollen uns geloben, fest und treu zusammenzuhalten zu der Fahne des Vaterlandes und des Bundes der Landwirte. Schwarz bedeutet uns Treue bis in den Tod zum heimatlichen Herd und Vaterland, Weiß sagt uns, einzutreten für alles Gute, was uns die Väter überliefert haben, Rot bedeutet die echte Freiheit, das Zeichen der Bruderliebe, der Liebe zur Muttererde. Wir geloben heute und allezeit: Treue zu Kaiser und Reich, zu Hessens Fürsten, zum Hessenlande. Hoch leben unser Kaiser und unser Großherzog! Begeistert klang das Hoch der Volksmenge durch den schönen Buchenwald und lebhafter Beifall wurde dem Redner zuteil. Es wurde daS Lied gesungen: „Deutschland über alles." Nunmehr ergriff, der Festredner Dr. Rösicke-Görsdorf, der Vorsitzende des Bundes der Landwirte, das Wort. Auch er erinnert daran, daß unsere Zeit eine allzu festesreiche sei, daß man zu viel Aufwand mache und führt das diesen Aufwand geißelnde Gedicht Felix DahnS an. Redner fährt dann fort: Unser Fest soll kein glanzvolles sein, eS gilt ernster, politischer Arbeit. Wir wollen in den deutschen Festen wieder daS Solide, Gute zur Geltung bringen, das uns zerrinnen will. Auch unsere Frauen und Jungfrauen sollen die Bedeutung des Bundes sehen, eS sind schwerwiegende Existenz- ftagen, um die wir ringen und streiten. Redner führt dann die Worte auS Schillers Glocke an, die die Tätigkeit des Mannes und der Hausfrau betreffen und fährt fort: Unsere Frauen sollen nicht Agitation treiben, wie es die Sözial- demokratie wünscht, wir wollen die Frauen in unserem Haushalt wisten. (Bravo!) Die Frau soll dem Manne seine schwere Pflicht im öffentlichen Leben leicht machen. Wir haben in den letzten Jahren manches erreicht und erkennen die Erfolge an. Dies gelang aber nur durch einiges Zusammengehen und -kämpfen. Tie wichtigste Aufgabe ist die Verbreitung unserer Gesinnung in das deutsche Volk. —- „Willst du den Frieden, so rüste dich zum Krieg." Zwei Feinde sind es, die für uns in Betracht kommen. ES sind dies einerseits die, die die nationale Arbeit nicht schützen wollen, die den Grundsatz aufstellcn: Mache unter allen Umständen Geld. Wohin das führt, sehen wir bei den Amerikanern, Geld steht über dem Gesetz, Geld kommt vor der Tugend. Andererseits sind es diejenigen, die alles gleich machen wollen. Die Sozialdemokraten wollen aus Deutschland einen allgemeinen Brei machen, da gibt es weder Individualismus, noch Idealismus. Sie kennt keine Zufriedenheit, sie will die Vernichtung der deutschen Eigenheiten, der nationalen Traditionen. Wir sehen dies wieder in ihrer Zeitungspolemik über den jetzigen Hererokrieg. Wir sind von ihr getrennt wie Feuer vom Master, und der Wall muß fest gehalten werden. „Der Bauernstand bildet noch heute die größte, in sich einheitlich und geschlostene Berufsgruppe in unserem gesamten Erwerbsleben und wäre imstande, wenn er wollte, und wenn er die volle Einsicht in seine politische Macht und deren Tragweite besitzen würde, jedes Hindernis, das sich ihm und seiner Berücksichtigung in der Wirtschaftspolitik entgegenstellen sollte, lawinenartig aus dem Wege zu schleudern. Die Führer unserer Sozialdemokratie wisten dies, der Bauernstand weiß es noch nicht, ist in seiner Gesamtheit zu dieser politischen Reife leider noch nicht durchgedrungen." (Sehr richtig! Bravo!) Unsere Aufgabe ist es, das durchzuführen. Den Satz: „An deutschem Wesen soll die Welt genesen" müssen wir dahin abändern: „An des deutsche Landmanns Wesen soll das deutsche Volk genesen." (Lebhafter langanhaltender Beifall). Der Gesangverein „Eintracht" Fauerbach trug hierauf die Lieder vor „Das deutsche Lied" und „Abschied vom Walde". Graf Oriola dankte namens des Bundes und rief den Sängern zu: „Halten Sie als deutsche Sänger fest an der deutschen Sache". — Als dritter Festredner sprach der Landesvorsitzende für Nastau, Generalmajor von Kloeden-Wies- baden, über „Feuer und Eisen". Nach einigen Schilderungen auS dem Ruhrkohlengebiet und Esten kommt er auf den deutsch- französischen Krieg zu sprechen und führt etwa folgendes auS: Ich habe im blutigen Feuer der französischen Schlacht mit so manchem wackeren Bauernsohn gestanden, wir haben das deutsche Reich und die deutsche Krone schmieden helfen, damals herrschte ein Feuer der Begeisterung. Die Söhne der Landwirte und des Handwerks haben damals zwei Drittel der Krieger gestellt; sie haben die Schlachten geschlagen, die die Welt in Erstaunen setzte und Deutschland einigten. Am 18. August kämpften bei St. Privat Hessen und Preußen Seite an Seite, alle deutschen Stämme sind jetzt unauflöslich in Waffenbrüderschaft verbunden. Nach dem Feldzug tauschten wir Eisen gegen Eisen, wir ergriffen den Pflug, den Hammer, die Spitzhacke. Eingehend auf Schillers Rätsel vom Pflug, erklärt der Redner weiter: Wenn auch die Worte Schillers nicht mehr vollständig für unseren heutigenBauernstand passen, so ist doch der Bauer noch reich an idealen Gütern, der Bauer blickt auf sein Eigentiuu. Auf dcni Asphalt und Basalt der Großstädte gedeiht die verpestende Giftpflanze der Zerstörung, Destille reicht sich an Destille. Darum heißt es: „Zurück aufs Land an den heimischen Herd". Darum stützen wir den Mittelstand, den Landwirt, den Handwerker, den Kailfmann, wir können den Mittelstand nicht entbehren. Die Natur fordert: „Stelle dich auf eigene Beine, damit du mit» tust in der Politik". Der Bund der Landwirte will die Flammen gewissenloser Agitatoren, der Revolutionäre, eindämmen. Er will die wirtschaftlichen Gegensätze mildern, das Großkapital beschranken, dem Schwachen helfen. Redner erinnert dann an Bismarck, der sich mit Stolz Bauer nannte. (Bravo.) Ec erinnert weiter an die kürzlich erfolgte Geburt des jüngsten Hohenzollernsprosses uni? spricht den Wunsch aus, daß er einst ein Kaiser werden möge, der die rechte Hand am Schwert, die linke aber am Pflug habe. Wenn aber der Kaiser ruft, so zieht jeder Bauer freudig in§ Feld, mit dem Schwerte schützt er Herd und Scholle, Thron und Altar. Redner überbringt dann noch die Grüße des Nastauer Bauernbunds und des Vereins der Militäranwärter. Diese wissen, daß sie in dem Bund und besonders in dem ReichStagsabg. G ra fe n Oriola einen wackeren Verteidiger ihrer Wünsche haben, ist er doch stets für die Jnvalidensürsorge eingetreten. Mit den Worten: „Es fällt und steht das Vaterland mit dem deutschen Bauernstand" läßt von Kloeden seine Rede in ein Hoch auf die hessischen Bauern ausklingen. (Langanhaltender Beifall.) — Nach den Liedervorträgen der „Konkordia"-Nieder» Wöllstadt ergriff der zweite Bundesvorsitzende, Gutsbesitzer Lucke-Petershausen das Wort. Er gedenkt der Frauen und fordert sie auf, sich fern zu halten von der Emanzipation, von den Frauenrechtlerinnen. Die deutschen Frauen gehörten nicht auf die Tribüne, sondern an den Herd, sie seien berufen, Treue zu Kaiser und Reich, Heimatsliebe und Religiosität in die Herzen der Jugend zu pflanzen, dadurch würden sie dem Vaterlande nutzen. Seine Rede klang in ein Hoch auf die deutschen Frauen aus. Ter Gesangverein Ossenheim sang „Mein Vaterland". Landwirt Burckh ardt- Gonsenheim gedachte der früheren Schmach und jetzigen Größe < Deutschlands. Abgeordneter Breidenbach- Dorheim dankte als Vertreter des Landtagswahlkreises dafür, daß der Bund ihn zum Festort gewählt und toastet auf die Festredner. Der Vorsitzende des Festausschusses Müller-Marienborn toastet auf den Bund. Landtagsabg. Köhler-Langsdorf erklärt: Wir haben auf die radikale Seite unseres Kampfes verzichtet, im Interesse des gesamten Bauernstandes schlossen wir uns an den Bund, denn: „Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern". Das Bauerntum ist das Fundament des Deutschtums. Neben der Fahne des Bundes werden wir aber auch die Fahne des Hestentums und der Heimat hochhalten. Die Einigkeit im deutschen Bauernstand lebe hoch. (Beifall.) Damit war um */26 Uhr die Reihe der Redner erschöpft, und nun sollte auch die Fidelitas zu ihrem Rechte kommen. Die Kapelle deS Pionier-Bataillons Nr. 21 aus Kastell spielte zum Tanze auf und noch manches deutsche Vaterlands- und Volkslied ließen die Gesangvereine durch den Wald erschallen. Abends rourbe der gesamte Festplah prächtig illuminiert. Leider trat gegen abend leichtes Regenwetter ein, das aber die Festesfreude kaum beeinträchtigte. Alles in allem muß man sagen, daß das Fest einen überaus harmonischen, schönen Verlauf genommen hat, und daß es sich würdig an das vorjährige BundeSfest in Altenburg bei Alsfeld anschließt. Aus Stadt und Land. Gießen, den 24. Juli 1906. ' In Audienz empfangen wurde von S. K. H. dem Groß Herzog am Samstag u. a. Kirchenbaumeister Hofmann von Herborn. • * Personalien. Ernannt wurde der Gefangenaufseher am Gefängnis in Darmstadt Karl Hofmann zum Gefangenaufscher am Landeszuchthaus Marienschloß. — In den Ruhestand versetzt wurde der Registrator bei dem Amtsgericht Lorsch Mich. Rettig auf sein Nachsuchen bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit. • • Museum des Oberhessischen Geschichtsvereins. Der Besuch des Museums ist anhaltend sehr rege, und immer wieder lassen sich bei den Besuchern Stimmen größter Ueberraschung vernehmen, der Verwunderung über die Fülle des Gebotenen. Es ist in dec Tat bemerkenswert, in welch geringem Zeiträume die Sammlungen unter der rastlosen Fürsorge und der ständigen Anregungen seitens des Konservators zu einem Museum herangewachsen sind, das es ohne Uweifel wenigstens in einigen Zweigen schon heute den Vergleich mit manchem anerkannten Institut dieser Art in größeren Pcovinzialstädten getrost aufnehmen kann. Das Museum wächst zusehens, nicht zum wenigsten durch das Interesse des Publikums, dessen breiteren Schichten offenbar -erft klar geworden ist, welche Schätze wir besitzen, nachdem sie in dem alten Schloß so vortreffliche Unterkunft erhalten haben. Die Butzbacher volkskundliche Ausstellung hat naturgemäß im Gefolge gehabt, daß der Trachtensammlung wieder besonderes Jntercffe zugewandt wurde. An altem Hausgerät ist von der Ausstellung ebenfalls in unser Museum übergegangen: ein zierlich gedrechselter Kienspanhalter, der alte bäuerliche Beleuchtungskörper, ein Löffelkasten für Holzlöffel, Bauernschüsseln und Marburger Krüge, insbesondere aber ein sehr alter Kachelofen mit bemerkenswertem figürlichen Schmuck, der in dem Treppenhaus zur Aufstellung gelangt. Ferner ein eiserner Pflug als Aushängeschild usw. — Von der bekannten Seite, der das Museum zu immerwährendem Danke verpflichtet ist, sind wieder reiche Beiträge zugefloffen, u. a. ein Flügel-Hausaltar des 15. Jahrhunderts mit künstlerisch besonders hochstehendem Kruzifix, ein eingelegter wertvoller Rosenkranz, eine kleine Empire-Kommode, Frankentaler Porzellan, das silberne Schreibzeug einer Landgräfin von Hessen- Philippstal in reinem Empire-Stil, ein Pfeifenkopf (eine Burg darstellend) aus dem gleichen fürstlichen Besitz usw. Die Sammlung der Professorenbilder ist durch ein Reliefbild Riegels von Walter Schauß bereichert; besondere Beachtung werden auch zwei Köpfe von ägyptischen Mumienbehältern finden. — So kommt Stück auf Stück. Wieviel liegt aber noch in Urväter Truhen begraben. Man mag sich schwer von solchen Stücken trennen können, dem Museum übergeben und allen zugängig gemacht, würde eS aber in seinem Wert noch erheblich gesteigert werden. Wir wollen hoffen, daß unsere Bürger und Landsleute nicht ablaffen werden, dazu an ihrem Teil beizutragen, daß das Museum bald auch von außerhalb gesucht, ein Anziehungspunkt von Oberheffen wird. * * Zur Förderung der Lahnkanalisation hat der Lahnkanalverein voriges Jahr bei dem Minister der öffentlichen Arbeiten angefragt ob die Regierung die Ausarbeitung des Lahnkanalprojekts und die dazu nötigen Erhebungen übernehmen werde. Der Verein erklärte sich sogleich zur Beibringung weiteren Materials bereit. Der Minister nahm dieses Anerbieten an. Eine Ministerialkom- mission bereiste bald darauf die Lahn. Nun erfolgte eine erneute Eingabe seitens des Vereins. Die Regierung antwortete darauf, daß die bisher angefertigten Vorarbeiten für die Verbesserung der Lahnschiffahrtsstraße fort geführt werden sollen. Unsere Handelskammer gibt sich der Hoffnung hin, daß diese auf zwei Jahre berechneten Vorarbeiten zur Verwirklichung der Lahnkanalisation führen werden. • * Wenn jemand eine Reise tut. . . . Ein Mitglied des Mainzer Schützenvereins hatte vor seiner Abreise nach München in ein Münchener Blatt einrücken [affen: „Ein fideler Mainzer sucht während des Schützenfestes ein gemütliches Heim." Er erhielt nicht weniger als 300 Angebote, zumeist von weiblicher Hand. Dafür wurde ihm dann aber auch seine goldene Uhr mit der Kette im Werte von mehreren hundert Mark gestohlen. X Rauschenberg, 22. Juli. Gegenwärtig wird in unserem Städtchen unter der Leitung des Architekten Dauber aus Marburg die altehrwürdige Kirche ihrem historischen Charakter entsprechend, wieder hergestellt. Bei der Gelegenheit wurden auch äußerst interessante Wandgemälde aus der spätgotischen Zeit stammend, blosgelegt. Ein in Kassel wohnender alter Rauschenberger hat zum Baufonds 10 000 Mark gespendet. f c. Wetzlar, 22. Juli. Im Kreise Wetzlar gingen im vorigen Jahre sehr viele Rehe am Lungenwurm ein. Die Seuche scheint jetzt erloschen zu fein; der Rehstand hat sich wieder beträchtlich gehoben. Elektr. Licht. Telephon 9. Deering-Getreidemäher, stark, leichtzügig, bequem zu bedienen. ins Haus [05184 Ausverkauf sämtlicher Waren zu Aufsehen erregend billigen Preisen. Hermann Katz Mäusburg 5 05298 Iss*/. ES Volle Pension Mk. 4.— nnd 4.50. Schöne Säle für grössere Gesellschaften, angenehmes Absteigequartier für Touristen. 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Treffpunkt: Ecke Frankfurter- und Klinikstraße (Restaurant Otto), von dort um 3 h. s. t. Abmarsch. Bei ungünstiger Witterung findet an Stelle der Faß- partie ein Kommers auf Textors Terrasse statt. Treffpunkt und Abmarsch wie oben. du/t Die Gießener Klinizisten-Vereinigung. I. A.: F. S ch m i tz, Dekan. die hervorragendsten der Welt. Bdeal-Binder= garantiert leichtester Gang, stärkste Konstruktion. Deenng-Grasmäher mw --- zum Getreidemäben unübertroffen zzzz A. J. Tröster, Butzbach schaftl. Maschinen am besten Prtma nette [4393 holl. Vollheringe isl. Matjes-Heringe röm. Kartoffeln Wettemn Zwiebeln frisch eingetroffen bei AugustWaÜenfels vorrn. H. E. Jughardt Marktplatz 15 Telephon 390 Zwiehelkuchen Montags,Mittw.u.Freitags von 9 Uhr ab Friedrich Noll ___________Hofbäcker._______[4054 21 «o» in""’b»s * •et $[[§f.K 'S Q,i öo _Z5Klb °nschlieki. (and. b,n 24- Äli 1906 «on g. s ° ’■ HnbaumeiUK ±h" >’![*« ^-Ichichlz, 1 ’Ü «haltend fengt, ben Besuchkm Stimmen r Verwunderung über die ^Qt bemerkenswert, in Zungen unter der rast, Anregungen seitens des ^gewachsen sind, das es Zweigen schon heute den n Institut dieser Art in ausnehmen kann. TaS um wenigsten durch das eiteren Schichten offenbar 5? wir besitzen, nachdem sliche Unterkunft erhalten be Ausstellung hat natur» Trachtensammlung wieder de. An altem Hausgerät in unser Museum über« KiensMHai/ec, dec alte tiffrffafltn für Holzlöffel, ff, inSbefonbere aber ein rtem figürlichen Schmuck, APONIA Vorzügliches Putz-u. Scheuermittel zur raschen Beseitigung von Schmutz und Feit. ^APONIA rein,9-*' alle Metalle (mit Ausnahme von Gold u.Silber) ohne sieanzugreiFen, JOt... ,■ ■ ■■ Ferner Porzellan, Holz, Emailgeschirr, Badewannen. Kacheln, Marmor,etc Unentbehrlich Für Hotels, Cafes.Restaurants. Läden, Küche und Haus. S APONIA - WERKE • OFFENBACH a/AAIN. K. Eisenbach, Neuen Baue 17. 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