15S. Jahrgang Erstes Blatt Dienstag 23. Oktober 1906 Wim Anzeiger General. Anzeiger 99 Amts- und Anzeigeblatt ffir den Kreis Gießen Aie heutige Kummer umfaßt 8 Seiten. politische Tagesscharr. Auc ZSergaröeiterbewegung Deutsches Reich die Stellung der Berg solcher e Kabi- Vonr Darmstädter Küustlerfest. und die Herren Conradi, Dr. die Dienstzweige, welche die öffentliche Gesundheitspflege, sowie die Alters- und Jnvalidenversorgnng der Arbeiter betreffen, unterstellt werden. Das Portefeuille dieses neuen Ministeriums wurde dem Deputierten Viviani (Unabhängiger Sozia- list) angeboten, der sich dazu bereit fand. Der neue Arbeits- Minister wird die von der Kammer angenommene Vorlage betreffend die Altersversorgung dec Arbeiter vor dem Senat zu vertreten haben. lands Deutschland an die Wand zu drücken. Wir werden also auch in Zukunft gut daran tun, unser Pulver trocken zu halten. Der zukünftige Premier war der spiritus rector des Kabinetts Sarrien, unter welchem bekanntlich die geheime englisch-französische Militärkonvention abgeschlossen wurde, deren Spitze sich nur gegen Deutschland richten kann. Diese Tatsache allein rechtfertigt unser Mißtrauen gegen Clämencecru. Das wären also wohl die beiden Glieder des zur Umklammerung Deutschlands bestimmten „Ringes", denen das Dtagyaren- tum als Schlußglied sich anzufügcn den sehnlichsten Wunsch hegt, als Hauvtträaec antideutscher Tendenzen im europäischen Südosten. Man glaubt, daß es im übrigen (Siemen ceau gelingen wird, ein Kabinett zu bilden, das von Anfang au die starke Mehrheit des Parlaments hinter sich haben wird. nicht „unberührt" passieren. S. K. H. der G ro ß h erz o g, der auch anwesend war, ließ sich Lincke kommen und sprach ihm seine Anerkennung aus. genug. Mit um so größerem Be- . . . . Biele bald schon das Festhaus verließen, die vielleicht ganz gern noch ein Stündchen verweilt hätten, wenn oer Augenblick wirklich „so schön" gewesen wäre. Potsdam, 22. Ott. Aus Anlaß des GeburtS Cs bleibt doch bedauerlich, daß man nicht, wie auf dem Gesindeball vor drei Jahren, in den Einzelräumen für sog. Unter» Haltung sorgte._ Das müßte ja nicht immer ein Kabarett sein und yeißen. Es wäre so eine Art Mischung erzielt worden, aus der heraus allein die Gesamtstimmung hätte hervorgehen können,, die leider nicht auf dem Feste zu konstatieren war. Erfreulicherweise ging es da und dort auch höchst lustig zu Wer Augen hatte zu sehen, der tonnte fast von aller „Schwarz^ seherei" geheilt werden, durch all das Schöne und Reizende und Jnterenante, das sich ihm bot. Und wem die Melodie von den „Schlößern, die im Monde liegen", nicht schon in den Ohren nachklang, der hätte beim Anblick so vieler lieblicher Mädchen- gefichter, so herrlicher Frauengeftalten leicht daran erinnert wer- den können. Auch w manche Schöne mochte Veranlassung haben, die Klage an „Tyeophil" zu wiederholen. Das ist eben der Lauf der Wett — besonders wenn man die Dinge durch das Objektiv einer 'gehobenen, sog Sektstimmung betrachtet. Immerhin, © 11 m m u n g ist besonders. für ein Künstlerfest unerläßlich; feV™ '»Es 0dm8ej nrt recht! Sofienttidj ist Hi-r4 ta nächsten Jahre cm Fortschritt zu verzeichnen. tages der Kaiserin fand heute abend im Neuen Palais eine Theatervorstellung statt, zu der die Herren und Damen des engeren Hofe? geladen waren. Der Kaiser betrat den Theatersaal mit der Kaiserin, Prinz Eitel Friedrich mit der Kronprinzessin, der Kronprinz mit der Prinzessin Eitel Friedrich. Gegeben wurde „Klein Dorrits An die Vorstellung schloß sich ein Souper. Berlin, 22. Okt. Der „Neichsanz.- meldet die Verleihung des Kronenordens 2. Klasse an den nntionallib. Abg. Dr. Paasche, anscheinend aus Anlaß seines Nücktrittes als Professor der hiesigen technischen Hochschule. — Gegenüber einem offiziösen Dementi stellt das „B. %.* angeblich auf Grund authentischer Informationen fest, daß der Rücktritt des bisherigen Präsidenten des ReichS- Mtlitärgerichts, Generals v. Masso.w, die Folge der Maßnahme des Kriegsministeriums ist, die eine Einwirkung auf die Militärgerichte in einem Sinne bezweckt, den der General nicht für zulässig hält. — Wie das ,B. %? zu berichten weiß, sollen bei dem Neudruck der Hohenlohe'schen Memoiren die chärfsten Bemerkungen, durch die sich Hofkreise verletzt fühlen könnten, ausgemerzt werden. Stuttgart, 22. Okt. Nach einer amtlichen Mitteilung über die Wirkung der Steuerreform haben 24 Oberamtsbezirke des Landes und 1290 von 1905 Gemeinden eine 5um Teil beträchtliche Entlastung erfahren. Es handelt sich dabei vorzugsweise um ärmere ländliche Gemeinden. Dagegen macht für Stuttgart die jährliche Mehr» belastung 1*4 Millionen Mark aus. Russisches. Laut Bericht des russischen Ackerbauministeriums gestaltete ich die diesjährige Ernte des europäischen Rußlands im allgemeinen unter mittel. Im einzelnen war sie schlecht, teilweise auch sehr schlecht in den Gouvernements, die am mittleren und unteren Laufe der Wolga belegen sind, sowie in den Gouvernements Ufa und Orenburg und im Gebiet des Donschen Heeres. Die Generalversammlung des ersten und Kassationsdepartements des Senats hat beschlossen, daß Personen, die einen Nicht crpo st en bekleiden, weder aktiv noch passiv einer der politischen Parteien angehören dürfen. Die übrigen Mitglieder des Justizressorts haben sich der allgemeinen Verfügung unterzuordnen, der zufolge es den Amtsgenossen verboten ist, einer der regierungsfeindlichen Parteien anzugehören. Der Senatsbeschluß gewinnt ferner dadurch an Interesse, daß Richter nnr infolge eines Gerichts- BezngSpretA, monatlich7bPs^ viertel- jcibrlich Alk. 2J?0; durch Avhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePost Mk.2.—vtertel- jährl. auSschl. Bestellg. Annahme von Anzeige» für die Tagesmumner bis vormittags 10 Uhr, ZeilenpretS: lokal ILPs. auswärts 20 Psg. Verantwortlich für den sollt, und allgem, Teil: P. Witt ko» für »Stadt und 2anb* und .Gerichtssaal": Ernst Heß; für den Anzeigenteil: Hans Beck, Clömenceau entschloß sich ferner, General Piauart tatsächlich das Portefeuille des Krieges zu übertragen und, ihm einen Zivilunterstaatssekretär beizuordnen. Auch ein neues Ministerium unter dem Namen Arbeit s m i n i ft e r i u m will Clömeneeau schaffen, dem die bisher , - •• 77777- dem Ministerium für Handel und Industrie unterstehenden Abklubs zu einem Besuche Ungarns., Sei jenen Festlichkeiten wurde teilungen zugewiesen werden; auch^ollen dem Arbeitsiniuisterium em Ton ange)Q)lagen, der in Wien hatte stutzig machen sollen U1- /T'-’—nu ~ - ■ - ■ - - Ein Gesinnungsgenosse des Grafen Apponhi erklärte z. B., daß der zu dem Zweck, das gefährliche Deutschland niederzuzwingen, angelegte internationale Ning durch das magyarische Volk geschlossen werden müsse, und ein Wortführer dex Gäste, das engl. Unterhausmitglied Forster Vovill, ging bereitwillig auf diesen Gedanken ein, indem er den Magyaren ans Herz legte, darauf hinzuarbeiten, daß Ungarn an die Spitze einer politischen Föderation der Balkanstaatcn trete und ein zuverlässiger Freund Englands im europäischen Südosten werde. Man begrüßt in den Kreisen der magyarischen Nadikalen auch mit unverhohlener Freude die Berufung C l e m e n c e a u's zur Kabinettsbildung, von dem es heißt, er basse Deutschland mehr noch als „Rom'-. Zu den Forderungen der Srebenerkommiks- sion hat der Werter Vergba,uVerein in einer Vollsitzung am Montag dahin Stellung genommen, daß als Vertreter der Belegschaften nicht die Arbeiter, sondern nur die durch das Gesetz geschaffenen Arbeitern usschüsse anzusehen seien und daß anderers-eits der Bergbcmverein nicht zuständig ist, über Lohnfestsetzungen Erklärungen adIugeben. Es wurde beschlossen, den Zechen zu empfehlen, mit den Arbeiterausschüssen zu denForderungen St e l l u n g zu nehmen, wobei nach- gewiesen werden soll, daß seit Jahresfrist bereits die Löhne in rapider sprunghafter Weise um 10 — 15 Proz. gestiegen seien und sich noch in fortdauernder Steigerung befänden. Insbesondere in der letzten Zeit habe die Lohnsteigeruna noch besonders zugenommen, was daraus hervorgehe, daß die Durchsetz uittAbhne un September sich um mehr als 7 Proz. höher stellen, als die Löhne im Durchschnitt des zweiten Quartals. Die Kohlen- Preissteigerung, die im letzten Jahre durchschnittlich nur 4 Proz. betragen habe, werde bannt von der Steigerung der Löhne bei weitem überholt. Was die Forderung der Aushebung der sogen. Sperre beträgt, so könne angesichts des Belegschaslswechsels von rund 27 000 im September, gleich 120 Proz. der gesamten Belegschaft auf das Jahr gerechnet, von einer Beeinträchtigung derBe- wegun gs freiheit der Arbeiter wohl nicht die Rede sein. Dieser Wechsel sei so bedeutend, daß er geradezu für eine Gefahr für das Leben der Arbeiter angesehen werden müsse und eine gewisse Beschränkung des fortwährenden Wechsels der Arbeiter dringend erforderlich sei. Die Zechenverwaltungen würden sich auch nicht das Recht nehinen lassen, die ihnen geeignet erscheinenden Bergarbeiter anzunehmen oder abzulehnen. Wie die „Rhein.-Wests. Ztg." behauptet, ist man innerhalb der Siebenerkommission der Ansicht, daß durch die gestern von uns wiedergegebene Veröffentlichung der „Nordd. AI kg. Ztg." die Stellung der Bergarbeiter noch gestärkt worden ist und diese daher an ihren Forderungen unbedingt festhalten dürften. Dadurch sei die Lage verschneit. Indes erklärt die Redaktion Der Verlauf der EoluchowSki-KrisiS zeigt tatsächlich wieder einmal, daß Kaiser Franz Josef um des lieben Friedens willen den Magyaren mehr Entgegenkommen erweist, als sich vom Standpunkt internationaler Politik aus em- pfiehll. Der neben Kossuth bedeutendste Führer der ungarischen Unabhängigkcilspartei, Graf Apponyi, soll auf die Gestaltung der Krisis entscheidenden Einfluß gehabt haben. Es ist nur zu wünschen, daß dieses Zugeständnis an die ungarischen Eiferer den Kaiser nicht gereut. Zur inneren Festigung des Dreibundes trägt es jedenfalls nicht bei, denn Graf Apponyi zählt zu den entschiedensten Befürwortern eines Anschlusses Ungarns an England, den man eingeleitet glaubt durch die unlängst befolgte Einladung eines englischen liberalen Partei- Aber so gerne man der Muse Lincke's lauschte, schließlich war man doch froh, der drangvoll fürchterlichen Enge der Sitze entrinnen zu dürfen, als der formlose Teil des Programms seinen Anfang nahm: Tombola, Blumen- und Postkartenverkauf, Konditorei, Büfetts und Seklstände — all die schönen „Unterhaltungen", die berufen waren, das Geld, diesen schnöden, aber dennoch höchst geschätzten Döammo» aus den Taschen Vieler in den einen großen Sack der Wohltätigkeit, nämlich der Pensionskasse der Deutschen Bühnenangehörigen und der Deutschen Journalisten und Schriftsteller überzuleiten. Und der Erfolg, der natürlich nur klingender Art sein konnte, hat augenscheinlich die aufgewendete Mühe gelohnt. Wenn es dennoch gelangweilte Gesichter gab, so tragen daran wohl nicht Veranstalter und Mitwirkende des Abends die Schuld. Vielleicht war es nicht ganz richtig, den zweiten Teil des Programms so ganz formlos ju gestalten. In unserer Residenz ist es nun mal so: Sippe schlägt sich zu Sippe. Die Exklu- sivität der Gcsellschast bringt eben gewissermaßen burch bie Türfugen auch in einen solchen Kreis ein, wo sie, baS Gespenst für alle schöne, harmlose Fröhlichkeit, stets störend wirken wird. Es kann gewiß nicht als „Vergnügen" angesyrochen werden, wenn man sich in den festlichen Räumen durch bie zahllose Menge geradezu brängeln mußte. Aber her Trost, baß alle biefc Menschen ihr Gelb los werden sollten für den schönen Zweck des Festabends, wirkte versöhnend genug ‘ dauern aber sah man, wie so ' (b.) Darmstadt, 21. Okt. Die altbekannte,Stecknadel konnte mal wieder nicht zur Erde fallen, als man gestern abend im Saalbau, mit der üblichen .Spannung und Geduld das Aufgehen des Vorhangs erwartete Der Nachsatz besagt schon, daß zuerst Theater gespielt wurde' Und cs waren Mitglieder unserer Hosbühue, die mit ihren Talenten und sonstigen Vorzügen zeigten, wie sie sich etwa hinter den Kulissen bewegen. In dieser Inszenierung brachten die darstellerischen und Gesangskräfte unseres Hostheaters einem freundlichen Publikum manch hübsches Sächelchen. Freilich dürfte der Naturalismus der Szene hinter den Kulissen nickt immer diesen Charakter des Friedens und der Solidarität zeigen.' Dennoch wurde viel gelacht. Und das war ja die Hauptsache. Das Künstlerfest war ein Vtrrangemcnt der Bühnenangehörigen und der Pressemenschen. Auch diese Beiden sind sonst nicht immer so freundschaftlich-einträchtig gestimmt. Nur ein Schriftsteller ergriff das Wort,- es genügte auch. Denn Ernst von Wolzogen, der fett Monaten in Darmstadt sein Domizil hat, schoß ben Vogel ab. Sein „Verlobungsspiegel", eine launige, satiriscye Dichtung für die junge Damenwelt, war der „Schlager" des Abends. Dann kam Paul Lincke's „Frau Luna". Der beliebte Komponist selbst am DirigeMenpult. Die Wirkung überstieg fast die Erwarttmg. Lincke bestätigte, daß seiner Frau Luna, noch keine solch glänzende Wiedergabe mürbe, wie an diesem Abcnb. Es waren durchweg auch nur vollwertige Kräfte im Tressen: die Damen Roediger, Salden, Rudolph Rn..., . 3ur (Erinnerung an Laube's 100. Geburtstag und zum 50iahrigen Jubiläum wurde der ,Grai Essex" dreies Dichters im Metzer o tabttOealer am 18. ds. arisgeführr. Einaeleitel d)ül«nidlm" '' :':et «M« »ÄV&ÄÄÄ 5tiulc,n ** lag der Brü h l'schen U ntvers.-Buch-u. Stetn- bruderet. 9t. Lange. Salden, Rudolph ____ _ . . n u. a. Selbstverständlich ließen dabei die munteren Spötter auf der Buhne die „Fleisch not", den „Hauptmann von Köpenia" usw. Das neue Ministrrium in Frankreich- Wie es scheint, bereitet bei bei Neubildung des_____ uetts dem Minister Clänrenceau die Wahl einer geeigneten Persönlichkeit für das Ministerium des Aeußern große Schwierigkeiten. Elömeneeau steht nicht ohne Grund int Gerüche einer anglophilen Gesinnung, und die Befürchtung liegt daher nahe, daß Frankreich unter seinem Regime vollständig in das Schlepptau der Londoner Potilik geraten könnte. 9hin hält es aber der neue Kabmettschef selbst nicht für opportun, seine Enaland- freundlichkeit gleich ostentativ in den Vordergrund zu stellen, sondern er sucht nach einer weniger prononcierten Persönlichkeit, welche die auswärtigen Geschäfte sichren soll. Deshalb hat er das Portefeuille des Aeußern, nachdem der bisherige Finanzminister Poincare und Salves, der Seinepräfett, es abgelehnt haben, dem Sozialisten Millerand anbieten lassen, und dieser erklärte sich zu Verhandlungen gern bereit. Dieser soziald emo trat. Führer ist in seinen politischen Anschauungen ziemlich gemäßigt, und bekanntlich hat Kaiser Wilhelm selbst einmal, nzie Fürst Bülow im Reichstag mitteilte, an den Rand eines amtlichen Berichtes, der s^ch mit dem ehemaligen Hcmdels- minister Millerand beschäftigte, die Worte geschrieben: Den könnten wir brauchen! Seither gilt Millerand in Pariser politischen Kreisen als ein deutschfreundlicher Politiker. Damit ist es aber wohl nicht so rtreit her, und sicher wird jetzt Millerand sein redlich 55eil dazu beitragen, wenn er an die Spitze des auswärtigen Amtes kommt, die englisch-französische Freundscha ft noch inniger zu gestalten. Denn die französischen Sozialdemokraten sind Prttrioten genug, um nicht gleich der Bourgeoisie auf das innigste zn wünschen, mit Hilfe Eng- ber „Nordd. Allg. Ztg.", i m i.diese .in ihrem letzten Wochenüberblick gescüehene VeröfsenEichung lediglich die private Ansicht der dtedaktion wiedergegeben habe. Der Artikel sei ohne jegliche Fühlu ng nrjit den maßgebenden Stellen geschrieben worden. Bisher hatte mau stets angenommen, daß die Wochen- rucibllcke her „dtordd. Allg. Ztg." mindestens von einer hohen Regierungsstelle gebilligt, wenn nicht als unmittelbar veranlaß^. Auslassungen zn betrachten seien. Mancher Absch'.^ck hatte sogar so unzweifelhaft den Charakter einer Regierungskundgebung, daß er durch den offiziösen Draht nach allen Richtungen hin verbreitet wurde. Auch diese Bemerkungen über bie Bergarbeiterbewegung wurden von W. T.-B. aller Welt mitgeteilt. Freilich hatten sie ganz ungewöhnlich freimütig geklungen. 9hm aber sagt bie „Norbd. Allg. Ztg." wie der alte Wrangel: „Ich dementiere mit". In so schneidiger Weise aber, so muß man annehmen, wurde die Redaktion des führenden Berliner Regierungsblattes die Unternehmer nicht zur Ordnung gerufen haben, wenn an gar reiner amtlichen Stelle bie Haltung bieser Unternehmer beanstandet worden wäre. Es muß wohl zwischen Samstag und Sonntag sich etwas ereignet haben: bie Bergherren werden in Berlin auf das „Unangemessen e" des Artikels aufmerksam gemacht haben und mit der Beschwerde d u r ch o e b r u n- 9 en sein. Bemerkenswert ist, daß die „Nat.-Ztg." gleichzeitig mit der ,/Nordb. Allg." bie Auslassung als Privatansicht ber Siedaktion, nach Mitteilung „von zuständiger Seite", zu kennzeichnen in ber Lage ist. Das Pikanteste aber ist, baß die Bergarbeiterkommission, ermutigt durch die „Nordd. Allg. Ztg.", an ihren Forderungen feschalten will! Die meisten ber am 22. d. M. in Essen ab gehalten en Bergarbeiterversammlungen erklärten an der löprozentiaen Lohnerhöhung sefthalten zu wollen. Gerüchtweise verlautet, Graf Golnchowski habe als Nachfolger den früheren Handelsminister, gegenwärtigen Senatspräsidenten am Vcrwaltungsgerichtshof, Marquis Oliver von Bacquehern, vorgefchlagen. Einige der auswärtigen Botschafter, auch Herr v. Szögyennhi, sollen das angebotene Porteseuille abgelehnt haben. Es ist aber möglich, daß der Posten des Ministers des Aeußeren sür den Augenblick überhaupt nicht definitiv besetzt wird, sondern daß ein P r o v i so r iu rn ' geschasscu wird, in dem der Reichs- sinanzminifter Baron Burisn mit der Leitung der Geschäfte und der Vertretung des gemeinsamen Budgets vor den Delcga- ttauen betraut werden wird. Als wahrscheinlichsten Nachfolger nennt man in erster Linie den derzeitigen Petersburger Botschafter Baron Aebrenthal und in zweiter Linie den Londoner Botschafter Grasen Mensdorss. Es ist aber auch möglich, daß die Wahl auf eine Persönlichkeit fällt, welche bisher ganz außerhalb des diplomatischen Dienstes gestanden hat. Als ~ ' wirb der Gras Franz L i ch t e n st e i n genannt. Nr. 249 Erscheint außer SomnagS. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem llesfische« Landwirt die Gießener FamiUen- blätter viermal in der Schulstratze 7. Redaktion 112 Verlag u.Exped. e^@51 Ihrene für Depeschen: Anzeiger Gießen. Aus SeaSL uns Luns. ’ ,7—1/28 Uhr abds. Sprechstunden der Redalt'un 11.—1 V Aus dem Kolonialamt. Der Landeshauptmann der Marschallinseln, Brande iS, gegen dessen Amtsführung im Reichstage schwere Anschuldigungen erhoben wurden, ohne das; bamit die Liste der ihn; zur Last gelegten Vergehen völlig erschöpft worden wäre, ist nach der ,Freis. Ztg." zur Disposition gestellt worden. Regierungsrat Dr. von Spalding, der bisherige Referent beim kais. Gouverneur in Deu^, Ostafrika, ist niil Wirkung vom 1. April 1906 ab zum stündigen Hilfsarbeiter in der Kolonialabteilung ernannt worden. Ausland. London, 22. Okt. Ein Ausschliß, welcher beauftragt ist, Unregelmäßigkeiten zü untersuchen, deren sich die Londoner- Partei hat zu Schulden kominen lassen, hat seine Arbeiten begonnen. Es ist festgestellt worden, daß Polizisten sich durch Bestechung haben verleiten lasten, Verhaftungen zu unterlassen. Der Ausschuß hat den Auftrag, die Schuldigen streng zu bestrafen. Paris, 22. Okt. Heute wurde der dritte Internationale Kongreß zur Unterdrückung des Mädchenhandels eröffnet. Zum Präsidenten wurde Senator Börcnger gewählt, zu Vizepräsidenten v. Dirkscn-Deutschland und Salmroff- Rußland, zu Vizepräsidentinnen Fürstin zuErbach- Schönberg und Gräfin Saburoff-Rußland. Auf den Bericht des deutschen Delegierten hin nahm der Kongreß mehrere Beschlüsse an, in denen unter anderem die Nützlichkeit eines Einvernehmens zwischen den verschiedenen internationalen Komitees zum Zwecke der gegenseitigen Mitteilring über die eingeleiteten Strafverfahren und die erfolgten Verurteilungen wegen Mädchenhandels und die Notwendigkeit betont wird, Beziehungen herzustellcn zwischen den internationalen Komitees und denjenigen Behörden ihres Landes, die damit beauftragt sind, die eingehenden Auskünfte bezüglich deS Mädchenhandels zll zentralisieren. Budapest, 22. Okt. Mehrere hiesige Kaufleute bestellten für die bevorstehende Racocsyfcier Säbel in Deutschland. Mehrere Konkurrenten beschwerten sich bei dem Ministerpräsidenten und bezeichneten die Verwendung deutscher Säbel bei der Nationalfeier als eine Schändung derselben. Wekerle verb ot den Zollämtern die Auslieferung der Säbel. Den geschädigten Kaufleuten, die bei Wekerle erschienen mit der Bitte, dies Verbot aufzuheben, antwortete Wekerle, lieber sollen die Batterien mit Knütteln und Stöcken ausrücken, ehe er die Schändung der Feier durch deutsche Säbel gestatte. Tanger, 22. Okt. Die Leute vom BcniaroS-Stamme, die sich in der Nacht vom Sonnabend zu Sonntag der Stadt Arzila bemächtigten, töteten den Kaid Mia, den Kommcm- deur der Garnison, sowie den Wächter deS Pulvermagazins und mehrere Soldaten. Der Rest der Garnison ist auf der Flucht gestern abend in Tanger cingetroffcn. Ebenso sind zahlreiche israelitische Fainilien geflohen. Die Nachforschungen nach dem Köpenicker Kasscnränbcr sind auch bis heute noch ohne Erfolg geblieben. Bezüglich der Spur in Nauen ist festgestellt, daß der Mann, der in einer dortigen Wirtschaft übernachtete und von Reuter und der Bibel sprach, in der Tat ein Schuhmacher aus Hamburg ist. Er kann aber nicht in Betracht kommen, weil er erst am 12. d. Ms. aus der Anstalt für Epileptische in Wuhl- garten entlasten wurde, um nach Hamburg zurückzukehrcn, während der Hauptmann seine Uniformstücke schon vom 8. bis 12. in Potsdam rind Berlin zusammengekauft hat. Am Sonntag erregte die versuchte Verhaftung eines Deutschen in Odense auf der dän. Insel Fünen große Aufregung, da man glaubte, cS sei der Hauptmann von Köpenick. Die Verhaftung gelang aber nicht, und der mysteriöse Deutsche verschwand. Die dänische Polizei setzt seine Verfolgung eifrig fort. Es heißt, er habe sich nach Kopenhagen begeben. In dem Pirmasens benachbarten Orte Waldfischbach wurde der Handelslehrer Runge verhaftet unter dem Verdacht, dec Pseudo-Hauptmann von Köpenick zu sein. Runge war früher Feldwebel in einem Infanterie-Regiment zu Frankfurt a. M. Doch ist er alsbald wieder aus der Haft entlassen worden, nachdem er sein Alibi nachgewiesen hatte. Die Reichstagswahl in Döbeln. Döbeln, 22. Okt. In der heute stattgehabtcn Reichstags-Ersatzwahl erhielten Profestor Haste (Kartellparteien) 8320 Stimmen; Beck (freis. Volkspartei) 3509 Stimmen; Pinkau (Sozialdemokrat) 12 059 Stimmen. Pinkau ist somit gewählt. bcschlusteS, nicht aber durch Verfügung der Regierung ihres Amtes entsetzt werden dürfen. Der Landrat Baron von Mirbach auS der poln. Stadt Bendzin wurde am Sonntag von Kosaken Überfällen und beraubt. . ' In der vergangenen Nacht drangen in das Kontor Der Fabrik der Spinngesellschaft, welche sich in der Nähe der Station Wolga an der Nybinsk-MoSkauer Eisenbahnstrecke befindet, fünf bewaffnete Männer ein, raubten 8000 Rubel und entkamen. . r . , In Petersburg fand in einem Gendaruienelokale während der Entladung von Bomben eine Explosion statt, bei welcher der die Entladung vollziehende Beamte und em Gendarmerieoberft verwundet wurden. 11. Fariettag der Deutsche» Weformpartei. S. u. H. Kassel, 21. Oktober. Heute trat der 11. Allgemeine Parteitag der deutschen Rc- .sorrnpartei hier zusammen. Die Beteiligung war nwl so start wie bei der letzten Tagung 1904 in Dresden. Reichstagsabg. Oswald Zimmermann-Dresden eröffnete den Parteitag mit enter längeren Begrüßungsansprache, in der er u. a. darauf hmwies, daß gegenwärtig der Geist der Unzufriedenheit und dev Mißmutes außerordentlich stark umgeht;, mcht nur der der durch die Sozialdemokratie genährt wird, sondern der auch eine mehr und mehr wachsende V er st imm un g in na 110 - nalen Kreisen hervorzurnfcn imstande ist. Die Denkwürdigkeiten des Fürsten Hohenlohe, fuhr Redner fort, bic gegenwärtig die Öffentlichkeit beschäftigen, sind geeignet, alte Wunden wieder aufzureißen, und es muß daran erinnert werden, daß seit dem Weggange Bismarcks nichts geschehen ist, was geeignet sein könnte, den nationalen Sinn zu kräftig e tt. Und wenn uns dies in den Ruf bringt, zu den Sch w a r z- sehern zu gehören, so werden wir uns keineswegs die Smtu ;an unseren Verhältnissen nehmen lassen und uns kein besseres Land suchen, was vielleicht den Juden sehr erwünscht wäre. Redner erinnerte dann an die Mahnung des Kaisers in jener denkwürdigen Rede, wacker mitzuarbeiten, ein jeder an seinem Teile und schloß mit einem dreifachen „Heil Kaiser und Reich". Mit Eintritt in die eigentlichen Verhandlungen erstattete ReichStagsabg. Werner-Charlottenburg den Bericht über die Tätigkeit der Parteileitung. rr . , Reichstagsabg. Bruhn-Berlin erstattete den Rechenschaftsbericht der ReichStagsabgeordneten. Folgender Antrag aus dem Rheinland gelangte zur einstimmigen Annahme: Angesichts der sittlichen Gefahren, von betten weibliche Arbeitskräfte int Handelsgewerbe bedroht sind, werden die Abgeordneten der Deutschen Reformpartei ersucht, dafür einzutreten, a) daß recht hohe Geld- und Freiheitsstrafen auf unzüchtige Handlungen von Arbeitgebern gegen weibliche Angestellte (unter Mißbrauch des Abhängigkeits- Verhältnisses) ausgeworfen werden, b) daß Arbeitgebern, die wegen solcher Vergehen bestraft sind, die fernere Beschäftigung von weiblichen Angestellten für immer untersagt wird. Die Behandlung der Rassenfrage für unser Volkstum, so lautete das Thema des Vortrages, den nun Justizrat S ch n a uß-Leipzig hielt. Wie hoch die germanische Raffe gegenüber der romanischen uttd slavischen stehe, zeige sich besonders in Rheinland und Westfalen. Dort wurden 1861 16 Polen überhaupt, heute aber deren 50 000 gezahlt. Die Robeitsdelikte und Tiergitälereien aber hätten in Verfolg dieser Mischung in Rheinland-Westfalen sich gesteigert um 1000 Proz. Auch in Hannover seien schon 10 Prozent Ausländer vorhanden und nach Erbauung des Mittellandkanals würden sie dort zu Tausenden hängen bleiben. Jüstizrat Schnauß gab dem Gedanken einer allgemeinen Entschuldung des Grundbesitzes Ausdruck. Der Parteitag erledigte dann die N e u w a h l des Parteivorstandes., Als 1. Vorsitzender wurde Reichstagsabg. Zimmermann, wieder- gewählt, desgleichen zu weiteren Vorstandsmitgliedern die Abgg. Bruhn und Werner, sowie Maler Bindewald-Berlin. An Stelle des eine Wiederwahl ablehnenden Privatmann Lotze- Dresden trat Rieprich-Berlin. Unsere innere und äußere Politik beleuchtete dann Reichstagsabg. Zimmermann. Er zog zunächst die Hohen- loheschen Denkwürdigkeiten in den Kreis seiner Betrachtungen. Die Art und Weise, in der hier Hos- und DiplornMenklatsch zusammengetragen ist, zeitigte die Wirkung der Veröffentlichungen. Und es ist nicht mit Unrecht gesagt worden, daß diese Veröffentlichungen das Jena sind für unfern persönlichen Kurs von heute. — Der Staat habe mit großen Morten allen möglichen Leuten Versprechungen gemacht, insbesondere dem Arbeiterstande, der schließlich zu der Auffassung gekommen vom Staate Besserung in jeder Weise zu erwarten. Der Geist der Unzu- sriedenhett beherrsche gegenwärtig weite Kreffe. Wenn man den Ausgleich der ländlichen und städtischen Interessen nuftrebe, durfte man über die Fleischteuerung, die doch tatsächlich vorhanden, nicht mit Achselzucken und zweifelhaften Witzen hinweggehen. Der Rednw berührte bamt die Kolonial- Skandale und die durch den polnischen Schnlstreik akut gewordene Polengefahr. Seit 1890 ist es dqhin gekommen, daß Deutschland jetzt völlig isoliert dasteht. In Rußland sei die Revolution immer noch im Gange, aber, daß ihre Träger und Erreger das Judentum gerade sei, daran denke niemand. Am Schlüsse seiner Darlegungen betonte Abg. Zimmermann die Notwendigkeit einer großen, bürgerlichen Oppositionspartei. Ein schwacher Anfang sei gemacht, doch müsse ’bie Partei sich immer mehr ausbreiten, um auf diesem Wege den. Gefahren wirkungsvoll entgegen treten zu können. Daß wir dahin gelangen, muß unser erstes und letztes Ziel sein und bleiben. (Lebh. Beifall.) lieber die Anfg aben der Reformpartei in Hessen sprach bann noch Rechtsanwalt Harmony- Kassel. Der Redner legte eingehend die grundsätzlichen Unterschiede zwischen Reformern und Deutschsozialen dar und betonte, daß es sich um zwei vollkommen verschiedene Parteien handele. Die beiden antisemitischen Gruppen glichen Ehegatten, die sich aus unüberwindlicher gegenseitiger Abneigung getrennt haben. Es sei keine Politik der Bosheit oder reinen Schikane, wenn die Reformer in den Kampf zögen. Sie, täten das nur dann, wenn Aussicht auf Erfolg vorhanden sei. Die Beteiligung der Reformer bei der Nachwahl int ersten hessischen Wahlkreise bezeichnete Redner als unbedingte Notwendigkeit und das Ergebnis sei kein Mißerfolg, sondern ein Achtungserfolg gewesen. Im weiteren kritisierte der Referent scharf die von den Deutschsozialeit gegen die Reformer beliebte Agitation und forderte schließlich, daß einmal bald in die Wahlagitation für 1908 cingetreten werde und die freidentsche Vereinigung in Kassel als Agitationsverband für die Reform- Partei weiter ausgebaut werden solle. Die Aussichten seien im Wahlkreise Lauterbach-Alsfeld günstig für d i e R efo rmer, etwas schwieriger sei die Sache in Marburg-Kirchhain. Aber iinheilbar wären die Verhältnisse auch dort nicht. Er verspricht sich von der Errichtung eines Parteisekretariats für Mitteldeutschland, speziell zur Bearbeitung der ober hessischen Wahlkreise Marburg, Gießen, Lauterbach großen Erfolg und schließt unter dem Beifall des Parteitages. Gießen, den 23. Oktober 1906. •• Sozialdemokratische Beigeordnete. Die „Neuen Heff. Volksbl." schreiben: Zu der Bestätigung des Offenbacher Beigeordneten erfahren wir noch nachträglich, daß diese Angelegenheit gelegentlich des Besuches des Landesherrn in Offenbach Gegenstand eingehender Besprechung gewesen ist. Für den ersten Bürgermeisterpoften haben sich etwa 50 Bewerber gemeldet, darunter auch der bisherige Inhaber, Oberbürgermeister Brink. Die sozialdemokratischen Stadtverordneten, die bekanntlich die Majorität in Offenbach besitzen, sollen sich nun bereit erklärt haben, Brink unter der Voraussetzung wieder zu wähl en, daß zuvor die Bestätigung ihres Kandidaten Eiß - nert für den Poften des Beigeordneten erfolge. Da man nun den um die Stadt hochverdienten bisherigen Oberbürgermeister gern im Amte erhalten möchte, so hat man sich entschlossen, die Bedingung der Sozialdemokraten zu erfüllen und die Wahl des Herrn Eißnert der landesherrlichen Bestätigung zu empfehlen, die dann ja auch erfolgt ist. Bestätigt sich die Sache in Wahrheit wie oben geschildert und wie wir sie unter aller Reserve wiedergeben, so stellt sich die Bestätigung des Offenbacher Beigeordneten erst recht als eine Konzession an die Sozialdemokratie heraus, die wir unter keinen Umständen billigen können, selbst auf die Gefahr hin, daß die Wiederwahl des Herrn Brink durch die Nichtbestätigung illusorisch gemacht worden wäre. Des weiteren ist anläßlich der Bestätigung des Herrn Eißnert durch den Großherzog sowohl in einem Mainzer wie auch in einem Wormser Blatte, mitgeteilt worden,, daß dieser landesherrliche Akt ein Schachzug fei, um die sozialdemokratischen Abgeordneten der hessischen Kammer für die parlamentarische Genehmigung eines vom Großherzog betriebenen Lieblingsproiektes ldie Kunstakademie? D. Red.) zu gewinnen und daß die Mittvirkung der Genossen seststehe. Das Wormser Blatt sagt: „Tatsache ist, daß die Regierung sich seit Wochen ernstlich bemüht, für ein vom Großherzog lebhaft befürwortetes Projekt eine Mehrheit im hessischen Landtag zu gewinnen und daß diese Bemühungen auf ernsthaften Widerstand gestoßen sind." Letztere Nachricht wird von den „N. Hess. Volksbl." als jeder Begründung entbehrend bezeichnet, und auch die Erzählung von dem Kuhhandel wegen der Wiederwahl Brinkes wird bei Ernsthaften wohl keinen Glauben finden. ** Parlamentarisches aus Hessen. Der Abg. Joutz u. Gen. hatten beantragt, eine genau spezifizierte Uebersicht der als Großhi. Haus- oder Staatsdomäne int Grundbuch zugeschriebenen ober eventuell in Nutznießung des Staates befindlichen Immobilien dem Landtag nach beigeschlossenem Schema vorzulegen. — Die Regierung verhielt sich ablehnend und auch der 4. Ausschuß vermochte sich nicht von der Nützlichkeit und Ausführbarkeit des Antrages, die außerordentlich hohe mit der Bedeutung der Sache in keinem Verhältnis stehende Ausgaben erfordern würde, zu überzeugen, weshalb Ablehnung beantragt wird. k. Nieder-Wöllstadt, 22. Okt. 13 50 Mk. wurden hier in frechster Weise aus dem Hause eines Handwerks- nrannes gestohlen. Die Frau hatte den Geldbeutel, den sie ihrem Manne zur Lohnauszahlung bringen wollte, auf den' Tisch gelegt. Ein Landstreicher ging bettelnd durchs Dors, sah den Geldbeutel, nahm ihn an sich und verschwand schleunigst aus dem Dorfe. Nachbarsleute nahmen alsbald die Verfolgung des Gauners auf, ohne seiner habhaft zu werden. ** Kunstverein. Die Gemälde-Ausstellung im Turmhaus am Brand ist von morgen Mittwoch an wieder täglich mit Ausnahme der ©aniStage geöffnet. ** 3ttin Stiftungsfest des evang. Arbeitervereins waren am Sonntag abend beide Säle von Steins Garten besetzt. Pfarrer Euler sprach über Ziele und Ausgaben des Vereins und seiner Mitglieder. Sodann wurde eine Deklamation des Herrn Schufst mit vielem Beifall aufgenommen. Der gemischte Chor brachte zwei Lieder und zwei flott gespielte Einakter. Dazwischen trugen Mitglieder, der Negimentskapelle Musikstücke vor und den Schluß bildete Tanz. " In den Gesellenausschuß der Handwerkskammer wurden bei der letzthin vorgenommenen ErgänzungS- wahl gewählt als Mitglieder: Schreiner Heinrich Männche in Gießen (beschäftigt bei Schreinermeister Karl Schäfer), Schreiner Johs. Schneider in Alzey und Dachdecker Peter Ehrhardt in Mainz; ferner als Ersatzmänner: Schneider Wilh. Huth mann in Gießen (beschäftigt bei Schneidermeister Leib), Maurer Joseph Choquet in Bingen und Tüncher Peter Reichert in Finthen. *• Wie ein Landbürgermeister feinen Gern e i n d e r ä t e n etwas persuadierte, erzählte, wie wir im »Mainz. Tgbl." lesen, bei einer Versammlung der Bürgermeister und Gemeinderäte des Kreises Mainz in Gonsenheim Justizrat Dr. Schmitt. In einem Oertchen des Vogelsbergs soll sich die Geschichte ereignet haben. Die Verwaltungsbehörde hatte dem Bürgermeister einen Antrag zu- geschickt, den er bei seinen Gemeinderäten durchdrücken sollte. Er legte ihn auch den Gemeinderäten vor und die — lehnten ihn ab. Das schrieb er der Verwaltungsbehörde, die ihm sofort zurückschrieb, das ginge nicht, der Antrag müsse angenommen werden; er solle die Gemeinderäte persuadieren. Der Bürgermeister kratzte sich verlegen hinter den Ohren, , denn wie er die Gemeinderäte persuadieren sollte, das wußte . er nicht. Schließlich kam ihm ,ein Gedanke. Er ging vor! der Gemeinderatssitzung in fctfLjÄ Holzstall und suchte sich, einen handfesten Knüppel ans,' ben er während der Sitzung, dann neben sich liegen hatte. Er brachte auch den Antrag der Verwaltungsbehörde wieder vor, und als der abermals abgelehnt wurde, packte er seinen Knüppel: »DeS geiht-, nit; wann Ihr nit zustimmt, muß ich Eich per-1 fundiere." Dabei packte er den nächstsitzenden Gemeinde-! rat am Rockkragen und schwang drohend den Knüppel. S)a: hatten die Getreuen ein Einsehen und meinten: »Wa?ns su, is, dann misse mer halt zustimme." Also persuadierte der! Bürgermeister seine Gemeinderäte! Wetzlar, 20. Okt. Die Stadtverordneten beschlossen1 mit Rücksicht ans die andauernde Fleischnot und die fort-1 gesetzte Erhöhung der Lebensmittelpreise die Löhne samt-! lieber städtischer Arbeiter zu erhöhen. Die Erhöhung be-l trägt bis zu 162/s Prozent. (Wetzl. Anz.) () Dillheim (Kr. Wetzlar), 22. Okt. In dieser Nacht; fand man in unserm Dörfchen den Schuhmacher Kauf--; mann von hier in "feinem Blute liegen. Der bewußtlos1 gewesene Mann weiß sich nicht zu entsinnen, woher die, st a r k e n W u n d e n an seinem Kopse rühren. Wahrscheinlich liegt eine Mißhandlung vor, jedoch will man nichts' von einer Streiterei bezw. Schlägerei gemerkt haben. Der Arzt hat sofort nach Auffinden oes Mannes die Wundem vernäht. Die Untersuchung ist ein geleitet. Lebensgefahr scheint nicht zu bestehen. Schotten, 22. Okt. Marie Kath. Lenning Witwe geb. Weitz, feiert bei bester Gesundheit und Geistesfrische am nächsten Donnerstag, den 25. Oktober d. Is., ihren 101. Geburtstag, vollendet also ihr 100. Lebensjahr. (Sch.Kr.) □ Ruppertsburg, 21. Okt. Zwei schwere Unglücks fälle ereigneten sich hier. Das fünfjährige Söhnchen des Landwirts Becher fuhr mit dem Vater auf den Acker Dickwurz holen. Es setzte sich dann auf den beladenen Wagen, dieser erhielt plötzlich einen heftigen Ruck und der Knabe stürzte unter die Räder, die über ihn gingen. Schwerverletzt brachte man das bewußtlose Kind heim. Der Arzt konstatierte einen schweren Schädelbruch. — Dem Landwirt Glöckner gingen die Pferde durch und schleiften ihn mehrere hundert Meter. Der Mann erlitt einen Bruch beS Seines und Hautabschürfungen. a. Lauterbach, 22. Okt. Zwei Brände in einem Tag brachen heute in unserer Stadt aus. Bei Tagesanbruch wurde Sturm geläutet; es brannte in der Wurstfabrik von H. Duchardt VIII. Das Feuer war in den Räucheranlagen ausgekommen. Durch rasches Eingreifen der Hausbewohner und Feuerwehr konnte dem Feuer bald Einhalt geboten werden, sodaß an den Gebäulichkeiten nur ein geringer Schaden entstand, während an den in den Räucheranlagen hängenden Fleisch- und Wurstwaren immerhin ein solcher in der Höhe von 8- bis. 10 000 Mk. entstanden sein dürfte. Kaum hatte sich die Einwohnerschaft von ihrem Schrecken erholt, als zum zweitenmal Sturm gelautet wurde. Diesmal brannte die Eichmühle (Besitzer JohS. Wacker V. Wwe.); hier wurde das ganze Anwesen, bestehend auS Wohnhaus, Mühle, Stallung und Scheuer ein Raub der Flammen. Die Besitzerin war zwar versichert, doch ist ihr immerhin noch em großer Schaden entstanden. Es wurde sofort Brandstiftung aiiQenonuuen und cs gelang auch alsbald der Gendarmerie., lA- -K N Berlin, 23. Ökt. Morgenpost" schreibt: Die Handel des 4% Öesterr. Goldrente . . 123.50 . 119.90 Pr i n ce-H enr i-Ei senb ahn . 146.50 Tendenz: ziemlich fest. Börse, 23. Oktober. Anfangskurse. Fleischpreise in Gießen Offener Brief. Brotpreise in Gießen . 176.00 . 137.70 140.00 125.00 240.60 218.20 158.40 207.50 244.50 138.00 287.40 170.60 181.20 155.20 210.60 Ochsen Kälber Schweine Harpener Bergwerk Lanrahütte . . Lombarden E. B. Nbrdd. Lloyd . . Türkenlose . 68.70 70.10 87.00 92.00 93.40 144.00 52 60 86 90 67.20 95.60 Berliner Handelsges DarmstKdter Bank . Deutsche Bank . Deutsch-Asiat. Bank Diskonto-Kommandit. Dresdner Bank Kreditaktien . . . Baltimore- und Ohio- Eisent ahn . Gotthard bahn . . . Lombard. Eisenbahn Oesterr. Staatsbahn . 36.80 144.90 Harpener Bergwerk Lanrahütte . . . 3% Wo 3% Wo Wo Marburg, den 15. Oktober 06, hi eher Franz! «Weißbrot 2 Kg. 54 Ptg. «Schwarzbrot 2 5kg. 50 Pfg. Beichsanleihe do. Konsols do. Hessen . . . Oberhessen 7, Kg. 82-88 Psg. V, U 84-90 v V. „ 90-100 „ 97.70 86.00 97.65 86 05 97.50 . 209.00 . 245.20 . 36.80 . 123.70 . 144.50 Handel und Verkehr, Volkswirtschaft. — Die Bochumer Bergwerks-Aktien- Gesellschaft erzielte im 3. Vierteljahr 1906 bei 78 Fördertagen einen Gewinnüberschuß von 58817 Mk., gegen 63 021,83 Mk. bei 72 Fördertagen im 2. Vierteljahr 1906 und gegen 51 056,38 Mk. bei 79 Fördertagen im 3. Vierteljahr 1905. — Der Londoner Bankier P. Macfadyen, Cbei der Firma Macfadyen & Co., die letzten Samstag ihre Zahlungen eingestellt hat, beging in einem Ldndoner Eisenbahutuunel S e l b ft- m ord. Die Firma unterhielt Handelsbeziehungen hauptsächlich mit Indien. Man glaubt, daß ihre Verbindlichkeiten sehr beträchtlich sind und fürchtet, daß der indische Handel durch den Zusammenbruch der Firma ernstlich in Mitleidenschaft gezogen wird. Die mit dem Hause Macladyen u. Co. in Geschäftsverbindung stehende B a n kfi r m a Ar bu thn o t u. Co. in Madras hat ebenfalls ihre Z a h l u n g en e i n g e st e l l t. Paris, 22. Okt. Wie verlautet, haben die drei mächtigsten Finanzgruppen Europas, Gebrüder Rothschild, Deutsche Bank Berlin und Gebrüder Nobel, sich dahin verständigt, das Petroleum-Monopol der Standard Oil Company zu brechen. Der erste Schritt der neuen Gesellschaft ist die Verschmelzung der verschiedenen Petroleum-Raffinerien Rußlands, Galiziens, Rumäniens und Deutschlands. Märkte. Höchste Schlachtviehpreise inFrankfurt a. M. Von Hamburg aus verfolge ich sie schon ohne sie bis jetzt gefunden zu haben, ich wäre Dir sehr dankbar, wenn Du mir die Adresse umgehend mitteilen würdest. Es ist diejenige, die mich durch ihr Entgegenkommen unendlich glücklich machen soll. Ich habe von Bekannten schon soviel von ihr gehört, ohne dass sie mir die Adresse angegeben hatten. In der Erwartung, in Bälde solche von Dir zu erfahren, grüsst Dich herzlich Dein Freund Julius Schmid!. Gießener Wetterdienst. voraussichtliche Witterung für Hessen am Mittwoch, den 24. Oktober: Heiter und trocken, vormittags Nebel, Temperatur nicht verändert. Schwache südliche Winde. Die Marktpreise für Bieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise am 22. Oktober 1906. 50 Kg. Schlachtgewicht 87—90 Mk. '/, Kg.Schlachtgew.100 -106 Pi. 7' „ / 76-77 , 47s 4% 4% 3% 3% Elektriz. Lahmeyer . - • Elektriz. Schuckert . . Esch weil er Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg - Amerik. Paketf. mann, den Ehrenpreis de? Berliner Vereins für Luftfchiffahrt^ Ballon „Sehnte", Führer Dr. Enden. Ferner wurden fünf wettere Preise erteilt, die den Ballon? .Helios', Führer Tr. Schleim; „Helmholtz", Führer Dr. Elias; „Coblenz", Führer Leutnant Zimmermann; „Graudenz*, Führer Hauptmann Wehrle und „Besold", Führer Hauptmann d. R. v. Kehler, zugesprochen wurden. Geriehtssaal. Remscheid, 23. Okt. Der Redakteur Grätz von der hiesigen Arbeiter j MW ML c vlt dn 11* Pyacs Mk. 7,-, 10.-, 14.-. bis 26.- Städt. Tiefbauamt. Braubach. Best. Mädchen mit gut. Zeugn. sucht bis zum 1. Novbr. bei zwei alleinstehenden Leuten Stellung. Schriftl. Angebote unter 07864 an d. Gießener Anzeiger erbeten. FL'ne sehr gutgehende TagcS° ^wirtschaft zu verkaufen. Schnstl. Anfragen unter 07891 an d. Gießener Anzeiger erbeten Schöne 8—4-Zimmerwohng. im 1. St. fof. oder später zn vermieten. Neustadt 41. 5992 "Reichhaltige Auswahl In allen modernen fa<;ons lv'"/ia Gebr. Stamm Marktplatz — Tel. 384 — Schulstr. la Hammeltecli empfiehlt Julins Rosenbaum, 07900] Kirchenplatz 4, Tel. 319. W. Kohlermanu, Neustadt 12. 6440 Sauberes jim >.. 07873 Wer erteilt Nachhilfe in Latein (Quartaner) wöchentl. dreimal? Schriftliche Angebote mit Angabe des Honorars u. 6441 an d. Gießener Anzeiger erbeten. Aelterer, im Unterricht, geübt. Philol. ert. Nachhilfeunterricht in Sprachen. Mäßiges Honorar l Schriftl. 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