Montag SS. Oktober 1906 Zweites Blatt Nr. S48 Eichener Anzeiger 1S6. Jahrgang Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schere Univerfttätsdruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition u.Truckerei: Schulstr.7. Tel. Nr. 6L Telegr,-Adr.: Anzeiger Gießen. Erscheint KgNch mit Ausnahme deS Sonntags. Tie „Gießener ZcnnMenblStter- werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. GeirerÄ-Mzeiger. Mir- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Deutsches Reich. Berlin, 21. Okt. Fürst Philipp zu Hohenlohe soll, wie verlautet, vom Reichskanzler empfangen worden fein, um sein Bedauern über die Veröffentlichung der Memoiren seines Vaters durch den Prinzen Alexander Hohen» lohe auszudrücken. Dies ist durchaus falsch. Et denkt gar nicht daran, seinem Bruder zu zürnen, sondern er ist, wie er sich einem Mitarbeiter der »Berl. Morgenpost" ausgesprochen hat, der Ansicht, daß sein Bruder in guter Absicht und nach den Wünschen des Vaters gehandelt hat. Es sei allerdings unklug gewesen, gewiße Teile in den Memoiren zu veröffentlichen. Aber trotzdem trat Philipp warm für seinen Bruder ein. Denn dieser habe manche intercffante Stellen unterdrückt, die der Oberkonsistorial.Präsident Eurtius veröffentlicht wissen wollte. — Dem früheren Leiter in der Kolonialabteilung, dem Erbprinzen zu Hohenlohe-Langenburg, ist vom Kaiser, wie dec „Verl. Morgenp." onS guter Quelle bestätigt wird, dec zum nächsten Januar infolge Rücktritts des Grafen Wolff-Metternich frciwerdende deutsche Botschafter- posten in London angebotcn worden. Prinz Hohenlohe, dessen Gesundheit in letzter Zeit etwas zu wünschen übrig ließ, hat sich Entscheidung vorbehalten. Köln, 21. Okt. Die ,K. Volksztg." meldet auS Westfalen ein starkes Sinken der Schweinepreise. Die Fleischfabriken nehmen an, daß in vier Wochen die Schweinepreise wieder auf der gewohnten Höhe stehen werden. Köln, 20. Okt. Im benachbarten industriereichen Kalk wurde in der Stadtratssitzung der Bürgermeister interpellrert, was die städtische Verwaltung zu tun gedenke, um die gegenwärtige, durch die hohen Fleischpreise unter den Arbeitern hervorgerufene Not zu lindern. Letzter Tage sei eine Frau gestorben und zwar, wie der Arzt ausdrücklich fest- gestellt hatte, an Unterernährung. Fleisch könne sich die Arbeiterschaft nicht mehr leisten. Mülhausen i. E., 21. Okt. Bei der heutigen Nachwahl zum Gemeinderat siegte die bürgerliche Liste mit 2600 Stimmen Mehrheit. Durch dieses Wahlergebnis ist die bisherige sozialdemokratische Mehrheit des Gemeinderats beseitigt. Heilbronn, 22. Okt. Zu den Hohenlohe'schen Memoiren bringt die »Neckarztg." einen Artikel, nach welchem weder Prinz Alexander noch Dr. CurtiuS Auslastungen oder Kürzungen delikater Stellen vorgenommen hätten. Lediglich die Verlags anstalt habe, nachdem verschiedene Indiskretionen mit einer scharfen Spitze gegen den Kaiser bereits gesetzt waren, diese gestrichen. AnsLcrnH. Rom, 20. Okt. Der Minister des Auswärtigen Tittoni empfing heute mittag ben Staatssekretär des deutschen Auswärtigen Amts v. Tschirschkp und erwiderte dessen Besuch. Gior- nale d'Jtalia sagt, daß die Unterredung eine vollständige U c b c r e i n st m m u n g der Anschauungsweise über die Lebensfähigkeit des Dreibundes sowie eine Wiederherstellung der herzlichen Beziehungen zwischen Italien und Deutschland gebracht habe. Die übrigen römischen Blatter veröffentlichen einen Artikel des Mailänder „Tempo", wonach die An- kmist Tsclnrschkhs sowohl - der Negierung als auch dem König überraschend gekommen sei. Deutschland habe diese Lag- Italiens ausgenutzt, um einen großen Schlag auszuführen imb Italien nicht Zeit zu lassen, seinen Entschluß^reifen zu lassen. Tanger, 21. Okt. Eine Kolonne Truppen des Sultans von Marokko ist zwischen Azessour und Mazagan Rebellen begermet, wurde von diesen angegriffen und geschlagen. Man spricht von mehreren hundert Toten._______________ Hser und Flotte. Wien, 20. Okt. Heute fand bei dem Ehe? des Eeneralstabs, Grafen Beck, der sein 60 jähriges Militärjubckäuin begeht, großer Gratulationsernpsang statt. Hierbei empfing Gras Beck den Ches des Militärkabinetts des deutschen Kaisers, Grasen Hülsen-Häseler, der ein H a n d s ch r e i b e d e s K a i s e r s W i l h e l in überreichte, sowie den Oberst von Below vom 19. Jnsaulerieregiment, dessen Ches Gras Beck ist. Das Handschreiben des Kaisers hat folgenden Wortlaut: „Bonn, 20. Okt. An den k. k. österr. ungar. Feldzeugmeister Grasen von Beck, Ches des Generalstabs sür die gesamte bewaffnete Macht. Mein . sehr geehrter Herr Feldzengmeister! Durch Gottes Gnade ist Ihnen heute beschicden, in aller Frische die Erinnerung des Tages 511 feiern, an welchem Sie vor nunmehr 60 Jahren Ihre an Ruhm und Verdiensten reiche rnilö tärische Laufbahn begonnen haben. Es ist mir eine besondere Freude, Ihnen zu diesem seltenen Gedenktage meine aufrichtigen, herzlichen Glückwünsche a.ussprechcn zu können. Ich knüpfe hieran den lebhaften Wunsch, daß es mir und meiner Armee noch lange vergönnt sein möge, Sie zu den Unsrigen zu zählen. Mit besonderer Wertschätzung Ihr wohlgeneigter Wilhelm." — Nach der „Münch. Allg. Ztg." ist im Neichsmarineamt eine selbständige, besondere Z c n t r a l v er w a l t u n g für das S ch u tz g e b i c t K i a u t s ch 0 u errichtet worden. Zer fatsche Kauprmarm, der in Köpenick den Kassen raub verübte, hat am Mittwoch der vorigen Woche seine Offiziersausrüstung: Ueberrock, Mantel und Hose, bei der Tcödlccur Henriette Rernlinger in Potsdam erstanden. Gleichzeitig wollte er auch einen Helm kaufen, sand jedoch wegen seiner eigenartigen Kopfformation kein geeignetes Exemplar. Mit Sporen, die er gleichfalls verlangte, konnte ihm die Trödlerin nicht dienen. Der Gauner trug bei seinem Einkauf in Potsdam einen Vollbact. Eine Jagd auf den fatschen Hauptmann gab es im Plantec Wald bei Treptow. Ein Bauarbeiter aus Rix- dorf, der auf dem Wege nach seiner Arbeitsstelle war, sah einen Mann, dessen Aussehen auf das Signalement des Pseudohauptmauns paßte; der Mann schien im Walde etwas vergraben zu wellen. Dec Arbeiter, der ihn hinter einem Baumstamm beobachtete, winkte mehrere Arbeitskollegen herbei. Als man jedoch auf ihn zuschritt, ergriff der Mann die Flucht und lies nach dec Rixdorfer Grenze zu. Hier kletterte er über einen Zaun des dortigen Gactengeländes und war wie vom Erdboden verschwunden. Alles Absuchen der Arbeiter blieb ohne Erfolg. Die Arbeiter wollen bemerkt haben, daß er neue Stiesel trug. Ein Mann, der dem Köpenicker Kastenrauber gleicht, tauchte zwei Tage vor dem Kassenranbe in Nauen auf. Er erzählte, er sei aus der Epileptikeranstalt Wuhlgarten ent* wichen und versuchte vergeblich, die Funkenstation zu besichtigen. Anscheinend ist eL ein Schuhmacher au8 Hamburg. In Essen wurde aus Veranlassung eines Schaffners ein Mann aus dem Zuge yeraus verhaftet, auf welchen das Signalement des Köpenicker Pseudohauptmanns paßte. Eine Schriftprobe soll angeblich dieselben Schriftzüge wie die von dem falschen Hauptmann unterzeichnete Quittung ergeben haben. Der Verhaftete befand sich im Besitze einer Fahrkarte von Berlin nach Holland. In ihrer außerordentlichen Sitzung beschloß am SamStag die Köpenicker Stadtverordnetenversammlung als Antwort auf das Schreiben des Bürgermeisters Dr. Langerhans, in dem dieser sein Amt niederlegt, ein» stimmig eine Resolution, in der das Bedauern über den Rücktritt des Bürgermeisters ausgedrückt und dieser ersucht wird, seinen Antrag auf Entlassung zu rückzu ziehen. Und am Sonntag nahm eine von etwa 1200 Bürgern Köpenicks besuchte Versammlung einstimmig eine Resolution an, dem Dr. Langerhans das Vertrauen der Bürgerschaft auSzudrücken und ihn gleichfalls zu ersuchen, im Amte zu verbleiben. Dem Vernehmen nach ist Dr. Langerhans geneigt, dem Ersuchen zu entsprechen. Ans Stadt nnd Land. Gießen, 22. Okt. 1906. ** In Audienz empfangen wurden von Sr. Kgl. Hoh. dem Großherzog am Samstag u. a. der Rektor der Landcsuniversttät Geh. Medizinalrat Prof. Bostroem, der KreiSassistenz-Veterinärarzt Blume von Homberg a. d. Ohm, der Rektor Hahn von der Volksschule zu Gießen und der Bergwerksdirektor Schulz von Friedberg. •* Von der Provinzialdirektion. Se. Kgl. Hoh. der Groß Herzog haben den Rat bei der Provinzialdirektion Oberhesten, Re gicrungsrat Dr. Wilh. Wagner, zum Mitglied und Rat bei der Oberrechnungskammer und den Kreisamtmann bei dem Kreisamt Bingen, Regier- ungSratFriedr. Welcker, zum Rat bei der Provinzialdirektion Oberhessen und zweiten Beamten des Kreis- amtS Gießen, und den KreiSamtmann bei dem Kreisamt Mainz, Regierungsrat Ernst Krug von Nidda, zum Rat bei der Provinzialdirektion Rheinhessen und zweiten Beamten deS Kreisamts Mainz, beide mit dem AmtStitel „Regierungsrat ernannt. *• Zur Offenbacher Bürgermeisterwahl. Wie n. d. „Frkf. Gen.-Anz." zuverlässig verlautet, kommen Beigeordneter Walter-Offenbach, Bürgermeister Kayser- Bad-Nauheim und Kreisamtmann Dr. Mcrck-Gießen in die engere Wahl um den Offenbacher Bürgermeisterposten. Die Entscheidung wird in Kürze fallen. ** Zur Landtags-Ersatzwahl im Wahlkreise Höchst-König i. O., die nach dem erfolgten Tode des Abg. Häusel dieser Tage stattfindet, ist von der nationalliberalen Partei Postverwalter Olt-Höchst ausgestellt worden. Nun meldet eine Darmstädter Korrespondenz, daß von anderer Seite Rechtsanwalt Dr. Sandmann in Hungen als Kandidat aufgestellt worden ist, der seine ganze Jugendzeit in Höchst verlebt hat und mit den dortigen Verhältnissen sehr vertraut ist. Er soll große Aussichten haben, die Mehrheit der Wahlmännec-Stlmmen auf seine Person zu vereinigen. ** Die Bestätigung des s 0 zia lde m 0 kr all. Bei geordneten der Stadt Offenbach wird, wie uns aus Darmstadt geschrieben wird, alter Wahrscheinlichkeit nach zu heftigen politischen Erörterungen in der zweiten Stündekammer Veranlassung! geben. Gutem Vernehmen nach wird demnächst der Landesausschuß der Nationalliberalen Parte: des Großherzvgtums zu einer besonderen Sitzung zusammenberufen werden, unt über die Stellung der Partei und deren weitere Maßnahmen irrr Hinblick auf das Vorgehen der Grohh. Regierung Beschluß zu fassen. In der nationalliberalen Kammerfraktion wird beabsichtigt, sofort beim Zusammentritt der Kammer eine Interpellation an die Regierung zu richten und sie um nähere Aufklärung resp. um Rechtfertigung ihrer Maßnahme zu ersuchen. ** Gefunden. Die am 15. l. Di. in der Hanimstraße gestohlene Kiste mit Schuhwaren ist in der Nacht vom 19. auf 20. l. M. in den Hof Bergstraße 3 von einem Unbekannten niedergestellt worden. Die Kiste war erbrochen und es fehlten daraus vier Paar Kuabenschuhe. Vielleicht tragen diese Zeilen zur Feststellung der Täter bei. ** Der Männergesangverein Harmonie beging am verflossenen Samstag sein 60. Stiftungsfest, bez. dessen Nachfeier, weil die Hauptfeicr anläßlich des Lahntalsängerbundes- sesteS im Juli bereits stattgefunden batte. Chorwerke, durch den Dirigenten Herrn Alb ach gut vorbereitet, wechselten mit Lieder-Borträgen und humoristischen Ensemblegesängen, die von Mitgliedern ausgeführt wurden, ab. Ein Prolog, durch eine junge Dame schwungvoll gesprochen, wies auf die Bedeutung des Tages hin und ein lustiger Schwank, von Mitgliedern ausgesührr, schloß den offiziellen Teil des Festes. Allen Mitwirkcnden lohnte reicher, wohlverdienter Beifall, an welchem auch die Feuerwehrkapelle, die sich durch Vorträge moderner Piecen hervortat, beteiligt war. Der übliche Tanz schloß das hiibsche Fest in gewohnter und angenehmster Weise *'* Landesversicherungsanstalt. S. K. H. der Großhcrzog Haden den Kreisrat des Kreises Alsfeld Franz Hölzinger von der ihm seither übertragenen Stelle eures stänoigen Mitglieds des Landesversicherungsamts • d den Ooerccgiccungsrat im Ministerium des Inner. . Eugen Wagner von dec ihm seither übertragene» grelle eines stellvertr. stäridffgerr Mitglieds des Landesversicherungsamts im Nebenamt entbunden und ben Oberregierungsrat im Ministerium des Innern Dr. Otta Heinrichs zum stellvertr. ständigen Mitglied des Landesversicherungsamt im Nebenamt ernannt. •* Die hessischen Privatschulen. Wie sehr durch das neue Schulgesetz und die durch e§ hervorgerufenc Hebung des staatlichen Schulwesens das Pcivatschulwesen in Rückgang gekommen ist, zeigen die soeben erschienenen statistischen Nachweise. Danach ist die Zahl der Privatschulen von 84 im Jahre 1877 bis heute auf 42 zurückgegangen, die Zahl der Lehrkräfte von 495 auf 185 (82 Lehrer und 103 Lehrerinnen), und die Schülerzahl von 6489 auf 3728. )( Dutenhofen, 21. Okt. Zu Ehren unseres aus dem Amt geschiedenen Hauptlehrers B. Schiefer st ein fand heute im Saale des Jagdschlößchen eine Gemeinde feier stall, an dec sich sämtliche Vereine, ja, man kann sagen, das ganze Dorf beteiligte. Der Gesangverein, dessen langjähriger Dirigent unser Lehrer war, leitete die Feier mit einem Jackelzuge ein und ge* leitete ihn zum Festlokal. Hier sang der Verein „Das ist der Tag deS Herrn". Nach einem Prologe und einem Luck-des Kricgervereins wies Pfarrer G e i b e l als KreiSschulinspclwr hin auf die 46 jährige Dienstzeit des Herrn Schiescrstein in Dutenhofen, besonders auf das schöne Verhältnis zwischen Pfarr- haus, Kirche, Schule und Lehrerhaus. Sodann ging er auf das Verhältnis zwischen Schule und Haus ein, um zum Schluß ein Hoch auf den Scheidenden auszubringen. Sekretär E h m a e l aus Krofdorf dankte im Namen der Gemeinde Dutenhofen dem Scheidenden und überreichte ihm als sichtbares Dankeszeichen eine goldene Uhr. Herr Schneider aus Münchholzhausen, der jetzige Dirigent des Gesangvereins, gratulierte im Namen des Vereins seinem Ehrenmitgliede und überreichte einen Spazierstock. Pastor Schieferft ein aus Duisburg, ein Sohn des Gefeierten, dantte im Namen seines Vaters. Zum Schluß gelangten noch 12 lebende Bilder (Poesie und Prosa) sowie vier Gruppenbilder des Turnvereins zur Borsührung, die großen Bei-- fall fanden. (?) Butzbach, 20. Okt. Unsere Stadt, die infolge ihrer altertümlichen Bauart und ihrer noch zahlreichen alten, kunft- historischen Bauten für das im verflossenen Sommer ftallgehabte hessische Trachtenfest der geeignetste Ort war, hat den für Altev- tumsfreunde interessanten Beschluß gefaßt, die noch vorhandenen alten Stadtbefestigungen, besonders die Stadtmauer, zu erhalten, und zu unterhalten. Man will auch Erhaltungsarbeiten an der alten Festungsmauer vornehmen und hofft dabei auf einen Zuschuß des Staates. Besonders gut erhalten ist die Stadtmauer im Westen der Stadt nach der Mainweserbahn zu. b. Friedberg, 21. Okt. Heute wurde Mr ein Fest gefeiert, das von denen, die die Geschichte und die ,Bevn aangenhei.1 Friedbergs kennen, als historisch betrachtet wer* den muß. Es ist Ms nämlich die KirchWeih der ehei maligen Burggrasschaft Friedberg. Im Jahre 1856, also vor 50 Jahren, wurde die Kirchweih zum letztenmal gefeiert. In der Burgvorstadt, wo früher alles mit Mauer und Wall umgeben war, hat in neuester Zeit ein Herr aus Wiesbaden ein Hotel gebaut. Diesem Herrn vor! allem und einigen Bewohnern der Vorstadt ist es zu vevi danken, daß uns ein so schönes Bild aus Friedbergs ber*; gangenen Tagen wieder vorgeführt wurde. Zwei tebe* bäume wurden zur Feier des Tages gesetzt, einer für das, eigentliche Fest und einen bekam die älteste Kirmesjungfcr,! eine Frau Jost Witwe, die noch bei dec letzten Kirchweih» als Mädchen mitgewirkt hat. Als Musik war eine Militari kapelle herangezogen. Karussell und Luden dienten zur Belustigung und es war ein lebhafter Verkehr in der Vor-, stadt. — Dienstag, 23., und Mittwoch, 24. d. M. findet,^ wie alljährlich, dec weitbekannte Fohlen- und Pferdemarkt statt. Sämtliche Stallungen sind schon besetzt, und der Markt verspricht gut zu werden. d. F r a n k f u r t a. M., 20. Okt. Wie die Blätter melden, ist der Magistrat dem von der Stadtverordnctenvccsamm^ lung angenommenen Antrag Wedel in Sachen der Fleischi not beigetreten. Er teilt der Stadtverordnetenversammlung mit, daß er inzwischen eine Eingabe an den Reichskanzler! und den Minister der Landwirtschaft in .Berlin abgesandü habe. § Aus der Wetteran, 20. Okt. In ben Orten ben Wetterau, die sich an das staatliche Wasserwerk Lauter; anschlossen, werden gegenwärtig die Rohrlegungsarbeilen vorgenommen; es find dies u. a. die Orte Södel, Melbach, Schwall heim, Berstadt und Dorheim, die insgesamt rund 5000 Ein-, wohner zählen. Es werden 4 Hochbehälter errichtet, das Gesamte rohrnetz umfaßt 14 715 Meter. Auch an dem Hauptrohrftrang? Lauter-Hungen-BerstadttVad-Nauheim wird seit 3 Wochen an verschiedenen Stellen gearbeitet. Die g clegtcn Rohre l)aben eine lichte Weite von 45—52 Zentimeter. Im F-rühjahr wird den Hauptrohrftrang vollendet sein und alsdann der Anschluß obigen Orte, Friedbergs und Bad-Nauheims erfolgen. Mit einer wei^ teren Anzahl von Orten sind noch Unterhandlungen im Gang. ; — Laubach, 21. Okt. Von einem Unfälle, den ein Gräfliches Fuhrwerk vor einigen Tagen in der Nähe; von Ruppertsburg erlitt, wird berichtet: Das eine Wagenpferd stürzte, brach zusammen und war sofort tot. Dis Gräfin-Mutter mußte aussteigen und den Weg nach Hause zu? Fuß zurücklegen. P. Schlitz, 19. Okt. Ausgezeichneten Wild^ stand hat in diesem Jahre die Gräflich Görtzsche Forstverwaltung zu verzeichnen. In dieser Woche wurden die» ersten lleinen Jagden in den Revieren Queck und Wehnerts abgehalten. Bei ersterer wurden erlegt 45 Hafen, 9 ReM beilletzterer 29 Hasen, 16 Rehe. Für Rehe wird hier; 50 Psg. pro Pfund bezahlt. Ein Hcvse kostet 2,70 Mk. Eine ganz angenehme Abwechslung bei den teuren! Fleischpreisen. Leider wird der weitaus größte Teil deK Mldes' nach auswärts versandt. "*Aus dem Kreis Büdingen, 21. Okt. Am nächsten Sonntag, 28. Oktober, findet in Büches eine Konferenz der Bürgermeister des Kreises Büdingen statt, die sich mit der Reform der Landgcm einde or dnung und den von ben Abgg. Kö hier und Uebel gemachten Abänderungsvorschlägen beschäftigen wird. Bensheim, 20. Okt. Die eifrige und erfolaren5' Tätigkeit der Svzicildemo kr atie an der Bergeleitet insbesondere hier in Bensheim fängt an, Bedmkerachtung regen. Die Wahl zur Ortskrankerirasse hier enbi einem Siege der sozrnldemokratisckn Liste. 167 so'-Rnsiker, kratischen Stimmen stehen nur 129 fettet der und eine einten BürgerKaptesiLn-ll gegenüber. Das. Ubin Gerhard kraßer Anz^ckeblakt klagt: ,^auhecht und Gleichgültig kett der gutg esinnt en bürgereichen Elemente" haben den Genossen den Sieg verschafft. In Heppenheim stieg dec soz.-dem., Wahlverein im letzten Jahre Von wenigen Mitgliedern auf nahezu 100. Die freien Gewerkschaften nehmen stetig zu und zählen zahlreiche Frauen und ihren Mitgliedern. Die soz. „Mainzer Bztg." erhöhte ihre Abonnenten von 11 auf 45. Frauen und Mädchen besuchen stark von Sozialdemokraten einbernfene Versammlungen. Wird man jetzt in bürgerlichen Kreisen Einsicht haben für die Zukunft, planmäßig organisieren und schulen? . . X. Büdingen (Qberh.h 21. Okt. Das ProM der Errichtung einer Kleinbahn von Büdingen nach Hanau macht erfteuliche Fortschritte. Die Aktiengesellschaft für Bahnbau. und -Betrieb Frankfurt a. M, der die Vorarbeiten Übertragen ftnd, wurde von den Gemeinden Düdelsheim, Langenbergheim' und Himbach neben den Grunderwerbskosten der geforderte Barbcitrag von,80 000 Mark Ungesichert, sodaß nunmehr die von den hessischen Gemeirchen geforderten Beiträge für den Bahnbau vollständig gesichert sind. Die preußischen Gemeinden werden zweifelsohne folgen. (M.) Frankfurt«. M., 21. Okt. Die Einweihung des neuen Gebäudes der Akademie für Sozial- und Handelswiss en schäften fand heute in Gegenwart des Kultusministers Dr. v. Studt statt. In dem Auditorien-Ge- bäude des nach dem Stifter benannten Jügel-Hauses fand sich die Vermattung der C. C. Jügelstiftung und der Große Rat der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften ein. Oberbürgermeister Dr. A d i ck e s dankte zunächst dem Erbauer Baurat Neher für seine Mühewaltung und entwickelte dann ein Lebensbild des Stifters, des am 9. September 1869 verstorbenen Carl Christian Jügel. Der Direktor der Akademie, Prof. Dr. Pohle, hielt einen längeren Vortrag, in dem er sich über die Lebens- und Weltanschauungen Kants, Goethes und Wilhelm von Humboldts verbreitete. Kultusminister Dr. v. Studt gab seiner Freude Ausdruck, daß es ihm als Chef der preußischen Unterrichtsverwaltung nun schon zum vierten Male, vergönnt sei, in Frankfurt an einer Einweihungsfeicr eines die Wissenschaft pflegenden Instituts teilzunehmen. Der Redner überbrachte zahlreiche Auszeichnungen. Oberpräsident v. W i n d t h e i m , der als staatlicher Kommissar mit der Ueberwachung der Arbeiten und der Entwickelung der Anstalt bcttaut ist, wünschte dem Institut im neuen Heim viel Glück. Ferner sprach Handelskammerpräsident Andreae-Passavant. Im Namen der Universität Marburg beglückwünschte deren Rektor die Akademie. Für die technischen Hochschulen Darmstadt und Aachen sprach Prof. Gut hermut h-Darmstadt, für die Leipziger Handelshochschule Hoftat Rahdt, für die Handelshochschule Köln Studiendirektor Dr. Eckert, für die Handelshochschule Aachen Direktor Kohler und im Namen der Dr. Senckenbcrgischen Stiftung, des ärztlichen Vereins und des physikalischen Vereins in Frankfurt Se. Exzellenz Prof. Dr. Schmidt-Metzler. Abends fand im Kaisersaal des Römers ein von der'Stadt gegebenes Festmahl statt. Frankfurta. M'., 21. Okt. Angeregt durch dieH eim- arbeitsausstellung in Berlin hat sich hier ein Ausschuß gebildet, der eine ähnliche Ausstellung veranstalten Will. In diesem Ausschuß haben zahlreiche sozialpolitische und industrielle Körperschaften Vertreter entsandt; der Ausschuß hat seine Arbeiten begonnen. Die Ausstellung soll ein anschauliches Bild von der Heimarbeit der Provinz Hessen-Nassau geben. In ihr sollen neben Erzeugnissen der Heimarbeit auch wissenschaftliche Darstellungen auf Grund sorgfältiger Untersuchungen ausgelegt werden. Sachdienliche Auskünfte über die Heimarbeit der Gegend und Bereit- errlärung zur Mitwirkung an der- Ausstellung sind erwünscht und werden entgegengenommen bei dem Vorsitzenden des Ausschusses Herrn I. H. Epstein, Frankfurt a. M, Herman n- Kraße 22. h, Gonsenheim, 20. Okt. Hier wäre heute vormittag beinahe eine ganze Familie einer Unvorsichtigkeit zum Opfer gefallen. Die Frau deS Landwirts August Müller hatte ganz ftüh den Ofen ausgeräumt, die noch glühenden Kohlen in einen Kasten geworfen und sich dann wieder zu Bett gelegt. Durch die sich auS den glühenden Kohlen entwickelnden Gase wurde die ganze Familie bewußtlos. Ein Kind wurde tot aufgefunden, während ein zweites Kind sowie Mann und Frau wieder ins Leben gerufen werden konnten. Gelnhausen, 19. Okt. Die städtischen Körperschaften wählten heute abend den bisherigen kommissarischen Bürgermeister in Kalk bei Köln, Dr. Schmidt zum Bürg erweist er der Stadt Grlnhausen; der kürzlich gewählte Bürgermeister Lehmann hat sich für sein Verbleiben in Wenigenjena entschieden. || Wiesbaden, 20. Okt. Der Antrag von Detten in der Stadtverordnetenversammlung, der Magistrat solle an zuständiger Stelle vorstellig werden, daß zur Linderrung der Fleisch not die Grenze geöffnet werde, wurde einstimmig angenommen. fc. BiSkirch en bei Wetzlar, 21. Okt. Dec „Karls- fprubel", im Besitz der Brunnenmacher Broll, ist nun auch staatlich als „Heilquelle" anerkannt worden. Es wurde jetzt eine Polizei - Verordnung bekannt gegeben, wonach „1400 Meter im Umkreise der Heilquelle Karlssprudel" Bohrungen nicht vorgenommen werden dürfen. ** Kleine Mitteilungen a u § Hessen und den Nachbar st aaten. Nunmehr hat auch der Magistrat der Stadt K affet sich mit der von Herrn v. Hülsen befürworteten N a ch - bewillig ung von 700009 M k. für den Hoftheater-- Neuban einverstanden erklärt. Die bezügliche Vorlage wird in aller Kürze den Stadtverordneten zugehen. vermischtes. "Limburg a. d. Lahn, 21. Okt. Ein Vorfall, der in etwas an die Köpeniker Tragikomödie erinnert, beschäftigt die hiesige Polizei. Mehrere Leute in schmucken Uniformen trafen jüngst hier ein unter dem Vorgeben, im Auftrage einer rhein. Wach, und Schließgesellschaft in Limburg ein ähnliches Institut gründen zu wollen. Bürgerschaft und Behörden erwiesen den Herren das weitestgehende Entgegenkommen, und schließlich wurden 7 bis 8 Leute engagiert, die Kautionen von 200 Mark bis 3 00 Mark bezahlen mußten. Als die Kautionsbeträge abgeliefcrt waren, verschwanden die flotten Uniformträger, deren Anführer man sogar für einen ehemaligen Seeoffizier gehalten hatte. Einer konnte von der Polizei festgenoiumen werden; er will aber erst vor kurzem engagiert und von der Be selbst getäuscht und in die Sache nicht ein- :den sein. neueste Eisenbahnunglück. In der letzten beim Bahnhof des Pariser Vorortes Colombes ierzug mit einem Güterzuge zusammen. Elf litten Verletzungen; mehrere Wagen wurden be- Auf dem Personenbahnhof zu Hamm stieß ein Schnellzug infolge UeberfahrenS deS Haltesignals auf eine Wechselmaschine; sieben Reisende und ein Heizer wurden verletzt. — In Langenlonsheim wurde der Eisen- bahnsupernumerar Jochum von einem von Kreuznach kommen- den Personenzug üb er fahr en. Er verstarb an den schweren Verletzungen, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. • Ein mehr als merkwürdiger Fall von Schlafsucht, der an den berühmt gewordenen Fall vom schlafenden Ulanen erinnert, kommt jetzt zur öffentlichen Kenntnis. Es handelt sich um einen jetzt fast 45 jährigen früheren Straßenbahnbeamten in Wilmersdorf bei Berlin, der am 10. Juni 1904 auf dem Wege zum Berliner Rathaus beim Aussteigen aus der Straßenbahn ausglitt, auf den Hinterkops fiel und darauf in Schlafsucht verfiel. Der Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Eulenburg machte über den ungewöhnlichen Patienten in der Berliner medizinischen Klinik genauere Mitteilungen. Anscheinend handelt es sich um eine krankhaft verminderte Tätigkeit gewisser Hiknteile, um „eine zentrale Willenshemmung", die unter dem Einfluß von seelischen Verstimmungen und des Unfalles zugleich entstanden ist. Professor Eulenburg hält die Möglichkeit eines plötzlichen Erwachens nicht für ausgeschlossen. • Fürchterliche Stürme, die 11 Tage lang wüteten, haben in Mittelamerika unermeßlichen Schaden angerichtet. Wie der Cyklon auf Cuba gewütet hat, haben wir bereits berichtet. Jetzt wird au§ Miami auf Florida (Nordamerika) gemeldet, daß der Dampfer St. Lucie im Sturm untergegangen ist. 3 5 Personen sind ertrunken. Ein Dampfer brachte 60 Verletzte einschließlich des Kapitäns, welcher berichtet, daß sein Schiff Donnerstag morgen bei der Insel Key ankerte. Kurz darauf überschwemmte eine Flutwelle die ganze Insel. Diese hatte 2 5 0 Bewohner, die sämtlich umkamen, in San Salvador wütet der Sturm seit 10 Tagen und verursacht großen Schaden. Das Kriegsschiff Jzalco ging bei Acajutla unter. Auch in Guatemala richtete der Sturm furchtbare Verheerungen an. Viele Leichen von Menschen und Vieh treiben die Flüsse hinab. Die Verlufte sind unberechenbar. Nach weiteren Meldungen aus Miami wurden während de§ Orkans 30 Paffagiere des Dampfers „Peerleß" ins Waffer geweht und sind dort ertrunken. Bei der Insel Matacambe in der Floridastraße sind durch den Cyklon mit untergegangenen Baggerschiffen eine größere Anzahl von Personen umgekommen. Man schätzt ihre Zahl auf 50. — Auch in der Gegend der engl. Hafenstadt Dover hat ein Sturm viel Schaden angerichtet. Ein schwedischer Dampfer wurde mit voller Gewalt gegen einen Wellenbrecher geworfen. Die Pfeiler d.e§ Wellenbrecher wurden zerstört, wodurch ein Dampfkrahn um stürzte und auf das Deck des Schiffes fiel. Mehrere Matrosen wurden verletzt. Später gelang es, den Dampfer loszubringen, doch konnte von der Besatzung von 19 Mann nur noch 13 Rettung gebracht werden. 5 Mann waren über Bord gespült worden. * Kleine Tageschronik. In MySlowitz (Schles.) sollte am 20. d. Mts. ein Pferd erschossen werden. Dabei wurde durch unvor sichtige Handhabung der Waffe der dabeistehende Bierverleger Schneider getötet. — In Köln wurde von der Kriminalpolizei eine Spielhölle in einer Wirtschaft ausgehoben. Etwa 40 Personen waren anwesend, darunter eine Anzahl gewerbsmäßiger Spieler und Buchmacher, die zu den bevorstehenden Pferderennen bereits hier eingetroffen sind. Acht Personen wurden sofort festgenommen, darunter zwei, die bereits längere Zeit steckbrieflich verfolgt werden. — In Stendal wurde der Arbeiter Tyzcinski, der die Frau de§ Aussehers Sollwedel in Kläden ermordet hatte, h i n g e r i ch t e t. Gereehtsfaal. Tübingen, 20. Okt. Die Strafkammer hat heute nach sechstägiger Verhandlung den B a u m e i st e r Erasmus R ü ck - flauer von Stuttgart wegen sahrlässiaer Tötung vop 52 Menschen und fahrlässiger Körperverletzung bei 93 mehr oder minder schwer verletzten zu sechs Monaten Gefängnis und Tragung sämtlicher Kosten verurteilt. Der Staatsanwalt hatte vier Monate beantragt. Es handelt sich um den E i n st u r z des G a st h a u s e s „Zum Hirsch" in Nagold, den Rückgauer im Mai d. Js. heben wollte, wobei das Gebäude mitsamt den darin befindlichen Wirtschastsgästen einstürzte. Kpielpla« b*r «reinigten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus. Dienstag den 23. Oktober, abends 7 Uhr: „Mignon." Schauspielhaus. Dienstag den 23. Oktober, abends 7 Uhr: „Don Carlos." (Don Carlos: Herr Emil Birron vom Volkstheater in Wien als Gast.) Gießener Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung für Hessen am Dienstag, den 23. Oktober: Heiter und trocken, morgens Nebel, etwas wärmer. Mäßige südliche Winde. _LJ____L ' '■.........- !_L________1 Handel und Verkehr, Volkswirtschaft. Märkte. le. F r a n k f u r t a. M.,21. Nov. Aus dem gestrigen Kartoffelmarkt wurde der Zentner mit 3.15—0.00 Mk. bezahlt. In der Wetterau bezahlen die Händler 2.75—3.00 Mk. für den Zentner. fc. Frankfurt a. M., 22. Okt. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreis e. Weizen Mk. 17.75—18.00, Kurhessischer Mk. 17.75—18.00, La Plata Mk. 19.75—20.25, Kansas Mk. 19.25—20.25, Roggen (hiesiger) Mk. 16.25—16.75, Gerste (Wettcrauer) Mk. 18.50—18.75, Frankenfelder Mk. 18.50—19.00, Hafer 16.75—17.50, Mais Mk. 13.50—13.75, Weizenmehl 26.75—27.75, M. 00—00, 2. Qualität Mk. 27.00 bis Mk. 28.00, 3. Qualität Mk. 25.00-26.00, Noggenmehl 0 Mk. 25.00—25.50,1. Qualität Mk. 23.00—23.50, Weizenkleie Mk. 10.00 bis Mk. 10.50, Noggenkleie Mk. 10.00—10.25, Maiskeime Mk. 12.00 bis Mk. 12.50, Franken, Pfalzer, Nied Mk. 18.00—18.50. Alles per 100 Kg. ab hier. fr. Frankfurt a. M., 22. Okt. (Telegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz."). Arntl. Notierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zunr Verkaufe standen: 389 Ochsen, 108 aus Oestreich, 71 Bullen, 0 aus Oesterreich, 0 aus Dänemark, 991 Kühe, Ferse,!, Stiere und Rinder, 0 aus Dänemark, 320 Kälber, 417 Schafe und Hännnel, 00 Schafe aus Oesterreich, 0 Ziegen, 1438 Schweine. Bezahlt wurde für 100Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 87—90 Mk., 2. Qual 76—80 Mk., 8. Qual. 69—72Mk.; Bi,Neu l.Qual. 76 bis 78 Mk., 2. Qual. 70—72 Mk.: Kühe 1. Qual. 80-82 Mk., 2.Qual. 76—78 Mk., 3. Qual. 64-68 Mk, 4. Qual. 00-00 Mk., 5. Qual. 70—00Mk. Kälber: 1. Qual. 100—106Psg., Lebendgewicht 60-63 Pf., 2. Qual. 90—95 Psg., Lebendgewicht 54—57 Psg., 3. Qual. 00-00 Psg., Schlachtgewicht 73-75Psg., Schafe: l.Qual. 81-83, 2. Qual. 00-00 Psg., 3. Qual. 00-00 Psg.; Schweme 1. Qual. 76—77 Psg., Lebdgew. 60.00—00.00 Psg., 2. Qu.75-00Psg., Lebend' gew. 59.00—00 Psg., 8. Qual. 68—70 Psg. Lebendgew. 00 Pffl. Geschäft bei Hornvieh gut, Ueberstand unbedeutend, bei Kleinvieh gut, kein Ueberstand. N Berlin, 20. Okt. Das unbedingte Ausfuhrverbot, das heute für den $8 e r ' Biehhof wea-n Ausbrüchs der Maul- und'Klauenseuche erlassen wurde, Hai zu Wege gebracht, daß die nur in geringer Zahl erschienenen Exporteure den Markt ohne jedes Geschäft verlaßen mußten. Der Markt ivurde au? Anordnung des Seuchenkommissars bis um 2 Uhr nachmittags verlängert. Alle bis dahin unverkauft gebliebenen Tiere wurden zwangsweise sofort geschlachtet. Noch heute wird mit der Desinfektion des Viehhofes begonnen werden, wozu zwei- bis dreihundert Arbeiter und ein Kostenaufwand von etwa 6000 Mk. erforderlich sind. Sämtliche Eingänge zum Viehhof waren heute mit einer hohen Lage roten Tesinfektionspulvers bestreut. Auch alle Treiber, die vom Viehhofe nach dem Schlachthofe und von dort wieder zurückgeheu, werden einer Desinfektion unterworfen. Die nächsten Fleischmärkte werden sicherlich noch unter dem Einfluß dieser Verhältnisse stehen. Der Hauptmann von Keepenick. Ins Keepenicker Rathaus rückt mit vierzch' Grenadiere E Hauptmann und seggt sehr beschtimmt: Eich muß häi arretiere Den Borgemaaster, den Rendant — zwa ganz dorchtriebene Schufte, Er hält' e Order in sei'm Sack — die sollte nett vcrduste. Do half kaa Flenne, half kaa Bitt; aach hatte die Soldale Für alle Fäll von Fluchtversuch ihr' Flinte scharf gelade. Sie mußte weiche der Gewalt, un in die Scheese schleiche Der Borgemaaster un sei Fraa, die nett von ihm wollt weiche. Der Hauptmann legte druff Beschlag uff Bicher un uff Kasse, Schteckt rasch 4000 Märkcber ei — mehr tat der Schrank nett fasse, Un macht sich damit aus de Aest — wohin? kaa Mensch täts wisse, Wenn mer den Kerl verkuorre will, werd mer’n erseht fange müsse. Daß so ebbes nor meeglich war, des kann eich nett begreife, E ganz Gemei' am Helle Tag so gründlich eizeseife. Wär' eich die Borgemaastersche von Keepenick gewese, Eich hält' dem Kerl — mei Schorsch kennt des — die Levitteche gelese.. Eich Hütt' gesaht: „Wie haaße Se, und hawe Se Papiere, „Daß Se mein Manu, mir nix dir nix, gleich dürfe arretire ? „Emus mit dem Schei, eich muß en seh', „Wie kenne Sie sich unerschteh, „Dem erschte Mann von Keepenicke „Mit Flinte uff die Bud' ze ricke?" „Un drohe alles krumm ze schließe „Un — was noch schlimmer — tut ze schieße. „Mei Mann bleibt häi — des sag eich Ihne, „Sonst kennt eich mit was an nenn diene, „Vor so em Dorsch mit scheppe Baa „Fercht sich kaa Borgemaasterschfraa, „Der (riebt, des lasse Se sich sage, „Mit ’m Besen uff die Schnut gehage, „So, nix wie enaus, eich will niei Ruh, „Dort is die Tür — Verschtande wuh?" Eich fein fest davon überzeugt, So hatt'm kaa Mensch haamgeleucht, So leucht kaa Catern, so leucht kaa Fackel, Eich weite druff! Fraa Haunewackel. GrSgLiral-DrahLmeldringen. Berlin, 22. Okt. Auf einen Stadtbahnzug wurde auf der Strecke zwischen Adlerhof und Johannistal ein Schuß abgefeuert. Die Kugel durchschlug eine Scheibe und ging durch den Führerstand, ohne jemand zu verletzen. Der Zug wurde sofort angehalten, trotzdem gelang es dem Täter, im Dunkel des Waldes zu entkommen. Paris, 22. Okt. Der „Matin" meldet au§ Newyork: Den letzten Meldungen zufolge sind über 1500 Personen bei dem jüngsten Zyklon auf den Antillen umgekommen. Nom, 22. Okt. Die „Tribuna" stellt die überaus große Herzlichkeit fest, die bei der Unterredung Tschirschkys mit Tittoni herrschte und die den gegenwärtigen Zustand beider Länder widerspiegelt. Der politische Horizont sei heute völlig frei von Wolken. Mailand, 22. Okt. Der Corriere della Sera veröffentlicht über den Besuch deS Staatssekretärs v.Tschirschky einen längeren Artikel. Deutschland und Italien seien überzeugt, daß der Dreibund erneuert werden muffe, da dies eine Stärkung des Weltfriedens bedeute. Herr von Tschirschky ist sowohl vom Papst, wie vom Staatssekretär Merry del Val empfangen worden. Es wird jedoch bemerkt, daß diese Besuche lediglich ein Akt der Höflichkeit seien und keine andere Bedeutung hätten, als darzutun, daß die zwischen Deutschland und dem Vatikan bestehenden guten Beziehungen fortdauern. Wien, 22. Okt. Offiziell wird bekannt gegeben, daß der Kaiser die Demission des Grafen Goluchowsky angenommen hat. Warschau, 22. Okt. Von den organisierten Banden, auf deren Konto die Bankberaubungen, Ueberfälle und Mordtaten der letzten Zeit zu schreiben sind, wurden bis jetzt 90 Mitglieder verhaftet. Die Gesamtzahl dieser Banditen wird auf über 500 geschätzt. Im Kreise Wloclawek wurden bei einem Ueberfälle auf einen Postwagen vier Schutzsoldaten, erschossen und das Geld geraubt. Meßbuch 1907. Die Verteilung der Hausliften ist nunmehr beendigt. Sollte in irgend einem Anwesen keine Liste abgegeben worden sein, so bitten wir um freundl. Benachrichtigung, damit die Zustellung noch erfolgen kann. Gleichzeitig ist mit der Einholung der ausgefüllten Hauslisten begonnen worden. Es hat sich dabei herausgestellt, daß der Eintrag in vielen Zöllen nicht oder unvollständig vorgenommen worden ist. wir bitten so höflich als dringend um baldige ungenaue Eintragung. Die ausgefüllten Listen bitten wir zur Abholung bereit zu legen. Auch bei etwas verspäteter Abholung bitten wir von einer Zusendung an uns absehen ZU wollen. Vrühssche Druckerei. Adreßbuch-Verlag.