Zweites Matt Nr. 118 ISS. Jahrgang Gießener Anzeiger General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen stets Lehrmeister f ien das wie und So kein •ttodnt »rUH mit Ausnahme des Sonntags. Die ..Siebener FamttienblStter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Edelfisch« Landwirt" erscheint monatlich einmal. Montag Al. Ma« 1906 Rotationsdruck und Verlag der Brflbfldx* UniverfttätSdruckerei. 9L Lange. OteN*. Redaktion. Expedition n. Druckerei: SchulNr,I. Tel. Nr. 61. Telegr.-Adr. r Ln-etger Ließ«. denken. Es ist aber auch im gleichen Älaße von Wert, der Beziehungen zu gedenken, die eS ermöglichen, daß wir uns gegenseitig über Dinge aussprechen können, m die wir eine Einmischung von Fremden nicht dulden würden. — „Mor- ning Post' sührt aus: Der Wettbciverb zwischen den beiden Ländern führt nicht zu einem ernsthaften Kriege, dec Wettbewerb im Handel zwischen den Ländern führt nicht zu dem Gedanken politischer Feindseligkeiten, außer bei einigen Hitzköpfen. die niemand ernst nimmt; die Beunruhigung kommt nur von den politischen Theoretikern, welche a priori davon überzeugt sind, daß der Krieg notwendig und unvermeidlich ist. politische Leben derart von Jntriguen beeinflußt wird in Italien; das Streben aller Parteien zielt hier einzig allein darauf hin, an die Negierungskrippe zu kommen, lag für den Sturz des Kabinetts Giolittl eigentlich gar Grund vor, aber die Gruppe Sonnino, Socchi, Rudini, Ferri und Gallo ließ nicht eher nach, als bis sie ihr Ziel erreicht hatte. Dann hieß es die Beute verteilen, aber Sonnino, dessen Fraktion kaum fünfzig Mann zählt, beging die Torheit, an seine eigene kleine Partei fünf Portefeuilles 311 vergeben, anstatt durch kluge Nerteilung sich eine starke Majorität zu sichern. Natürlich stellten ihm die um ihre Hoffnungen Betrogenen bald genug ein Bein, und die Sezession der Sozialisten bot Veranlassung, daß die schwache Position Sonninos zusammenbrach. Welche Entscheidung der König treffen wird, weiß man noch nicht, aber es erscheint nicht ausgeschlossen, daß er vielleicht zur Kammerauflösung schreitet. Ist doch das ganze Land reformbebürftig an Haupt und Gliedern, aber es fehlen der italienischen Bevölkerung leider ziemlich alle die Eigenschaften, die ein Staatsgebilde zum Gedeihen bringen. Und hierin liegt eben der Grund, daß sich kem Ministerium halten kann auf dem Monte Eitorio! Gäste über den Verlauf des Aufenthalts mit der Versicherung Ausdruck, daß sie mit freudigen Erinnerungen und der Hoffnung auf fortdauernde fteundschaftliche Beziehungen zwischen England und Deutschland nach der Heimat zurückkehren. Die Vertreter der deutschen Stadtverwaltungen sandten nachfolgende Depesche an den König ab: ES ist unS ein tiesgefühltes Bedürsnis beim Scheiden aus diesem schönen Lande, mit dessen Bevölkerung die Vertreter deutscher Städte herrliche Tage verleben dursten, Eurer Majestät unseren alleruntertänigsten Tank für die unseren Landsleuten und uns iviederholt erwiesene königliche Huld auszudrücken. Wir »'erden die in England verlebten ^age nie vergessen. Die Stadtvertreter richteten in Erwiderung des Briefes, den der Prinz von Wales an sie gerichtet hatte und in dem er sein Bedauern darüber ausspricht, daß es ihm unmöglich sei, sie zu empfangen, an den Privatsekretär des Prinzen, Arthur Bigge, ein Erwiderungsschreiben, in dem sie ihm ihren Dank dafür aussprachen, daß er der Ansicht Ausdruck verliehen habe, daß dieser Besuch die glücklichsten Folgen haben werde. Die Einladung nach Windsor und der Empfang durch die Majestäten im Buckmghampalaste werde zu den angenehmsten Erinnerungen des Besuches zählen, bei dem sie so viel herzliche Gastfreundschaft vom englischen Volke empfangen hätten. Die Vertreter der deutschen Stadtverwaltungen reisten heute früh über Vlissingen nach Deutschland ab. Die Blätter besprechen den Besuch der deutschen Stadtvertretungen in London. „Daily Telegraph' sagt: Es genügt, zu sagen, daß in diesem Augenblick keine Streitfrage besteht, die eine wirkliche Entfremdung zwischen Deutschland und England rechtfertigen könnte. Wir werden oft an die Bande deS Blutes und der Abstammung erinnern, die | Engländer und Deutsche verbinden und deren wir gern ge- Temwch sei darauf hmgerviesen, daß dem telegraphischen Berichte von gestern bezüglich der Festsetzungen über die Bagdadbahn noch die Bemerkung des „-Standard" hinzuzufügen wäre, daß die Linie von Bagdad nach dem Golf auch internationalisiert werden könnte. Der „Observer" erklärt die Meldung sei vollkommen aus der Luft gegriffen. Unmittelbare Verhandlungen wären nicht gepflogen worden und würden auch jetzt nickst gepflogen. ten offen mitgeteilt. ri , . Den Meldungen des „Standard" über dre bevorstehende dauernde Regelung der englisch-russischen Interessensphären in Asim wird heute von verschiedenen Seilen widersprochen. Deutsches Neich. Berlin, 19. Mai. Der Kaiser fuhr heute nachmittag von Potsdam kommend mit dem Automobil beim ReichL- kanzlecpalais vor und nahm dort einen längeren Vortrag des Reichskanzlers entgegen. Im Anschluß hieran ging der Kaiser mit dem Fürsten Bülow etwa eine Stunde im Garten des Reichskanzlerpalais spazieren. Später nahm der Kaiser bei der Fürstin v. Bülow den Tee und begab sich mit dem Automobil nach Potsdam zurück. Berlin, 20. Mai. Die „Fr. D. Pr." veröffentlicht einen von zahlreichen Parlamentariern, politischen und anderen Persönlichkeiten unterzeichneten Aufruf zur Errichtung eines Denkmals für Eugen Richter. Vorsitzender de8 Arbeitsausschusses ist Abgeordneter Müller-Sagan. Beiträge nimmt die Bank für Handel und Industrie in Berlin entgegen. Dresden, 18. Mai. Die „Deutsche Wachts das Organ der antisemitischen Reformpartei im Königreich Sachsen, die vor etwa 1b Jahren mit einem Aktienkapital von 250 000 Mark ins Leben gerufen wurde, stellt, nachdem unlängst der Konkurs über die VerlagSsirma verhängt wurde, Ende nächster Woche ihr Erscheinen endgiltig ein. Den Parteigängern des Antisemitismus bat dieses Blatt im Laufe der Jahre viel Geld gekostet. 5>ie deutschen Städtevertreter in Kngland. Birmingham, 20. Mai. Die Vertreter deutscher Stadtverwaltungen sind gesternMorgen hier cingeiroffcn. Sie wurden nach einer Rundfahrt durch die Stadt vom Lordmayor im Rat Hause bewirtet. Die deutschen Stadtvertreter begaben sich hierauf nach Bourneville, wo sie das von dem Direktor der „Daily News', George Cadbury, begründete Musterdorf besichtigten. Der Präsident der Londoner „Daily NewS', Cadbury, gab ein Frühstück, bei welchem mehrere Trinksprüche gewechselt wurden. Einer der deutschen Gäste wieS auf die Gemeinsamkeit der Rasse zwischen Engländern und Deutschen hin und meinte, die Geschichte wisse von keinem Streit zwischen beiden Nationen. In der industriellen Welt aber sei England gewesen. London, 20. Mai. Gestern ging deutschen Städtevertreter in England zu Tagesschau. Zur italienischen Miuisterkrifis. Wenn in einem Staatswesen die Ministerkrisen sozusagen in Permanenz erklärt werden, so läßt dies wahrlich auf keinen guten Gesundheitszustand schließen. In Italien hat soeben das Kabinet Sonnino wieder eine Niederlage im Parlament erlitten, sodaß der Premier der Krone seine Demission anbot. Man war zwar von Anfang an davon überzeugt, daß das nur mit Mühe und Not zu stände gekommene Ministerium nicht im stände sein würde, irgend einer Komplikation in der Kammer die Spitze zu bieten, allein man hatte doch nicht erwartet, daß die ganze Herrlichkeit nicht länger als drei Monate dauern sollte. Es gibt — Serbien vielleicht ausgenommen — fein zweites Land in Europa, wo der Besuch der Ende. Ober- diesem Anlaß bei bürgermeister Kirschne r-Berlin gab aus einer Abschiedsfeier der allgemeinen Freude der deutschen Eine englisch-russische Verständigung? London, 20. Mai. Wie der „Standard" meldet, haben die Verhandlungen zu einer englisch-russischen Verständigung, hauptsächlich mit Bezug auf die Türkei, Persien, Afghanistan und Tibet, einen vorgerückten Stand erreicht und werden zu Ende geführt werden, wenn die neue Verfassung Rußlands zur Ausführung gelangt ist. Rußland zücht keinen Hafen im Persischen Golf. Die russischen und englischen Einflußsphären im Norden und Süden von Persien sind durch di- Salzwüste getrennt. Die Eisenbahn fr a g e Per siens bildet die Hauptschwierigkeit, aber sie wird vorausiickstlick) dadurch geregelt werden, daß Rußland die kaukasische Bahn bis -ar Verbindung mit der Bagdadbahn ausdehnt, wobei Deutschland die Oberaufsicht über die Eisenbahn von Konstantinopel biS Bagdad erhält, während England die Kontrolle des Abschnittes von Bagdad bis zum Persischen 'Golfe übertragen werden soll. Im na^n Osten dient für das Hauptprinzip der Einigung die Bewahrung der Integrität des türkischen Reiches auf der Grundlage des status quv. Der status guv in Afghanistan und Tibet soll erhalten werden. Es ist dabei wichtig, zu bemerken, daß hierbei kein Uebereinkommen beabsichtigt ist, das als gegen Deutschland gerichtet angesehen werden könnte. Es ist bö« Ziel der britischen Politik, die schwebenden Fragm Mit allen Rationen zu ordnen. Die Bedingungen werden allen Mack)- Aeyntcs Konzcit des Gießener Aonzert-Dere.ns. (Dritter Kammermusik-Abend.) Gießen, 20. Müi 1906. An der Spitze des Konzertes stand das Brahmssche A-m-oll-Konzert, op. 102, für Violine (Rebner), Violoncell (H e g a r) mit Piano forte (Trautrn ann). Für den tiefen Ernst und die nachhaltige Bedeutung Brahms- scher Musik wird wohl erst einer späteren Zeit das volle Verständnis auf gehen. Doch ist in Gießen das zunehmende Interesse für Brahms schon jetzt unverkennbar. Am meisten wird der erste und letzte Teil des Mittelsatzes (Andante) mit seinen: ins Religiöse gehenden Zug und seiner weihevollen Stimmung gefallen haben. Der letzte Satz (Vivace) bringt fremdartige, an Zigeunerweisen und ungarische Tänze erinneriide Rhythmen und Klänge, ^oas ^.raut- mannsche Trio spielte vorzüglich und rn exaktem Zusam- Als Solistin sang dann Frl. Küthe Hausse cms Darmstadt das duftige Loeweschc ^d „Süßes Begräbnis" und Brahms „Feldeinfamkeit" und „Vergebliches Händchen . Beide letzteren hat unseres Wissens auch Wüllnervor.eirngcn Fahren hier gesungen. Tie Solistin trar das Versunkene des Lr Grase hingestreckt Dahin träumenden, der m dre Himmelblaue schaut und wähnt, als seliger Geist duA unendliche stiäume zu schweben, sehr gut, ebenso die neckische Abfuhr des „Vergeblichen Ständchens". In der Pastoralromanze sur Cello und ^lavier von T r a u t m a n n lernten die Konzertbesucher ihren Musikdirektor, mit dessen Erscheinen in Gießen unstreitig eine neue Aera des Aufstrebcns un musikalischen Leben unserer Stadt cinsetzte, auch als Koinponisten sck)atzen. Die Pastoralroinaiize will uns Sttmmungen erwecken, wie wir s^ aus der Sommerfrische kennen Bilder von weidenden Herden, üon grünenden Matten und fröhlichen Schalmeien. ÜJHt lebhaftem Beifall quittierte das Publikum. Hierauf sang die Solistin die 3 ^chiimannschen lieber .Waldesgespräch", „Nußbaum" und „Frühlingsnacht'. Das Waldesqeiprach," behandelt die Loreley-Sage, aber in veränderter Form. Die „Here Loreley" erscheint hier als Jägerin, zu Roß durch den Wald streitend. Zu spater Stunde spricht ein Jüngling sie an „was rett st du einsam durch den Wald?" Die Musik zeigt hier deutlich Anklange an die eigenartigen Schattierungen im Erlkönig. ^Tie Loreley warnt ihn, sie klagt über der Mqnner ^rug und List", durch Die jie zu Fall gekommen ist. ^och der Jüngling schmeichelt ihr umsomehr, er bewundert,re, plo^- M erk^mt er mit Schaudern - die Musik laßt [ein Ent- liolonialpoft* Berlin, 20. Mai. Rach einem Telegramm deZ Gvuverne- ments Deutsch-Ostafrika ist die U n t e r w e r f u n g der gebttgiaen Landschaften Ukinga und Upangawa am nordöstlichen Gestade des Nyassa-Sees in der zweiten Hälfte des Aprll beendet worden, nachdem die Expedition deS Majors Johannes den Eingeborenen in verschiedenen Kämpfen einen Verlust von 400 Toten, 600 Gefangenen und zahlreichem Vieh beigebracht hatte. Tas Detachement Johannes hatte sich demnächst nach Osten gewendet und seine Tätigkeit nach dem Süden von Matz e n g e verlegt, um un Verein mit den dortigen Truppen einen wnzenttischen Angriff gegen die Landschaft Aigende zu unternehmen. DaS Detachement von Blumenthal bestand am 10. und 11. April siegreiche Geleckte gegen den Suttan Schabrmua. Der Sultan macht den Versuch, von Songea über die portugiesische Grenze zu entkommen. Es sind Gegenmaß- regeln getroffen worden. Kapstadt, 19. Mai. Wie aus Ckewv gemeldet wird, stellten am 18. Mai von Rkhandla und dem Fort Yolland vorgehende Kolonnen die Verbindung her und hatten ein ernstes Arriere- gardegefecht gegen die Leute Bambaata's, die vvm Mkalaberge l)erabsticgen. 12 Rebellen sind gefallen. Auf eng- lischer Seite ist ein Offizier und ein Soldat verwundet worden. setzen erkennen — in ihr die HexeFworaus sie triumphierend verkündet, daß er nun verloren sei und „nimmermehr aus diesem Wald" kommen werde. Dieses „nimmermehr" mit seinem sieghaften Frohlocken über den unrettbar den weiblichen Reizen verfallenen Mann hat bei Schumann eine imposante Vertonung gefunden. Das Lied ist auch für Dilettanten infolge seines einfachen, dramatischen Gehalles ein dankbares Stück. — Im „Nußbaum" hat der Komponist Ntvzart-Schubertsche Vorbilder benutzt, um das Rauschen und Flüstern der Nußbaumzweige und -Blätter auszudrücken, die von einem Mägdlein, das sich nach einem Bräuttgam sehnt, erzählen und es in holde Träume wiegen. — Die „Frühlingsnacht" zeigt den Romantiker Schumann in seinem eigensten Stil; die mondglanzdurchflutete, laue Nacht, das Schlagen der Nachtigallen, das Seligtrauernde des Verliebten gibt ihm den rechten Stimmungsgrund. Das Lied stellt an Gesang und namentlich an die Klavierbegleitung dissicile Aufgaben. — Tie Solistin hatte sich auch mit den Schumann-Liedern so ins Herz der Zuhörer gesungen, daß sie den stürmischen Beifall mit dem Lisztschen Lied „Die tote Nachtigall" beschwichtigen mußte, das sie mit glockenheller Stimme und reizenden Trillern sang. Den Schluß des Konzertes bildete Mozarts G-dur- Trio, ein heiteres Kind dieses jugendfrischen, sonnigen Musikers. Wie abwechslungsreich und fein im Bau war der letzte Satz, das Allegreito von Variazioni! Freilich darf man nicht das Mozartsche Trio mit dem Brahmsfchen in Parallele bringen, beide sind nack) Zeit und Charakter grundverschieden. Vielen wird allerdings das Brahmssche einen tieferen Eindruck hinterlaffen haben. Wenn wir im Vorbeigehen der Konzertleituug mit Vorschlägen kommen dürfen, möchten wir bei dieser Gelegenheit empfehlen, immer, wenn Lieder gesungen werden, im Programm auch den Text beizugeben, auch im Interesse der auswärtigen Kvnzertfreunde, die auf Bahnanschluß rechnen müssen, Die mutmaßliche Dauer des Konzertes anzugeben. — So stehen wir wieder am Schluß eines Konzert- jahres und können als Gießener stolz auf unser musikalisches Leben und das Geleistete sein. Wie Jupiter die Kometen, die in seine Mhe kommen, einfangt und in seinen Bereich zwingt, so sehen wir Sterne erster Größe am musikalischen Himmel ihren Lauf and) durch das kleine Gießen nehmen und periodisch zu uns zurückkehren. Hoffentlich wird das Ideal, dessen Verwirklichung unsere Stadt auf dem Gebiete des Theaters nüi)e zu kommen sucht, sodaß sie mit der Zeit die verächtlichen Sütenblicke und Nastn- rümpferei über die „Provinzcheater" Lügen strafen wird, allmählich aud) dem musikalischen Gießen beschert sein, die höchsten Werke dem Publikum auch in einem entsprechenden Raum verführen zu dürfen. Dann werden die Nachbarstädte noch mehr, als bisher, musikalische Anlehen bei uns aufnehmen und hierher zum Konzertbesuch kommen. Stellt doch schon selbst die benachbarte Musenstadt Mm> burg alljährlich eine Anzahl Konzertbesucher, die ständig den Gießener musikalischen Darbietungen anwohnen. In der Anordnung, Die der Gießener Konzert-VererN in der letzten Saison getroffen hat, bietet er vieles und sicherlich etwas Jedem unter den vielen Geschmacksrichs- tungen, den enthusiastischen Verehrern gewaltiger Chvr- und Orchestermusitäufführungen, die sich nur dann musikalisch wohl fühlen, wenn unter dem Ansturm großer Ton, massen die Nerven bis in die feinsten Spitzen vibrieren, den Freunden des intimen, salonmäßigen Charakters der Kammermusik, den Liebhabern der Gesangs- und Klaviersolisten oder von Violinvirtuosen. Ob der Konzertverein bei der Neuordnung der Abonnements, die dem Publikum geringere materielle Opfer zumutet und mehrere Möglichkeiten der Beteiligung gestaltet, auch finanziell seine Rech- nung findet, darüber ist tvohl, nachdem erst eine Saison vorübergerauscht ist, ein abschließendes Urteil noch nicht möglich. Am Publikum ist es jedenfalls, durch regsten Besuch der mufifalifdjen Darbietungen das Untermehnen zu unterstützen, lebensfähig zu erhalten und in seinen künstlerischen und finanziellen Leistungen noch steigern zu helfen. Es gehört ja in Gießen schon seit geraumer Zeit zum guten Ton, guten Tönen zu lauschen. Unmettklich bildet sich zu dieser moralisch-gesellschaftlichen Stimmung mit der Zeit auch eine gute Grundlage von MusikverstänDnis und Liebe zur Tonkunst heraus und damit die Neigung zu einer immer vertrauter und unentbehrlicher werdenden Einrichtung. Und der Besuch wird reichlich gelohnt. Hörten wir doch die Klaviertitanin Carenno, die Lieder der Wedekind und des Buff, den jugendlichen Backhaus, die Solisten Petschnikoff und Zilcher, schöne Chor- und Orchesterwerke, wie Mozarts Requiem und Bachs „hohe" Messe in H-moll, sowie die feinsinnigen KammermusikDarbietungen und vieles anderee. Wenn wir das alles so im Geist überschlagen und mit frühem Zeiten vergleichen, dann sehen wir, daß das musikalische Barometer in Gießen stets im Steigen ist und uns noch schöners Wetter verspricht. Darum ein fröhliches „Auf Wiedersehen" im nächsten Konzertjahr, und wenn Frau Musica uns wieder ruft, Dann eilt in Scharen herbei, um mitzutun im Reich der Töne! L. -icustmädche^ £'. -stau Karl iMe_Lj3ia5 ’*'*•*. ‘hin13218 «Gi tri r Strakk?' Sirntu äichen 6. »rauieiu Metin, wünscht Hchästiguich, ent- wng kleinerer rauüichiigung von Wurde auch evtl geben. ebote unter 03692 "Anzeiger erbeten, hifles Mädchen Hausarbeit oder idchen sucht per geböte unter 3217 r Anzeiger erbeten. s Mädchen sucht gima durch (03685 ;r, Leitersweg 67. a sucht AnlangS- einem Kontor. bote unter 03562 ünzeiger erbeten. Mädchen, meld). \\t, auch in Lüche chhr>chipchTt. geböte unter 03647 :r Anzeiger erdeten. RirdienJ03681 94O,Den9-20,lL ÜT Sm u. 1 spazier' i Duhoien gegen sds inimeliahäsW ÖS MU 26.®» Ä WTC aff** , im Ausertigen, Reinigen, Repa. Zügeln. . * ^eider.Stemstr." Eugl.n. Deutsch- der Geschä'lss elle Anzeigers. 103549 b gestern in der Job.« -ich-- ich «WM«"" iedenc Ausland. Haag, 19. Mai. Es gilt jetzt sicher, daß die zweite Friedenskonferenz Ende Mai 1907 in Haag! stattfinden wird. London, 19. Mai. Premierminister Henry Camp- bel-Bannerman empfing heute eine Abordnung der Frauen, die für das Wahlrecht der Frauen eintreten. 2er Ministerpräsident erklärte der Abordnung, daß sie sich nur noch kurze Zeit w e r d c gedulden müssen. Er glaube, daß nicht mehr viele Jahre vergehen würden, bis "das Wahlrecht der Frauen cingeführt sein würde, doch müsse er sich begnügen, ihnen diese nur sehr beschränkte Ermutigung zuteil werden zu lassen. Rom, 19. Mai. Die Blätter melden, Giolitti lvcrdc morgen ans Piemont zu einer Besprechung mit dem Könige in Rom eintreffen. — Der Papst verbrachte eine ruhige Rächt. Der Schmerz und die Ansclyvellung am Knie haben sich vermindert, die Bewegungen des Fußes vollziehen sich leichter und schmerzlos. Der- Papst wird das Bett noch vier aber fünf Tage lyüteit müssen. — Der Leibarzt des Papstes, Professor Lapponi, erklärt, die Erkrankung des Papstes bestehe in einem Eichtanfall.. Lappani hält jede Befürchtung für daS Befinden des Papstes für unbegründet. New York, 20. Mai. Nach einer Meldung aus San Juan de Portoricv vom 19. Mai erbiclt der Kutter ,,Algvnguino" Anweisung, die Meerenge von Mana auf Durchfahrt von dominikanischen Revolutionären zu überwachen, welche von San Thomas nach San Domingo abfuhren. Die amerikanischen Kanonenboote ..Newport" und „Nashville" wurden nach San Domingo beordert. Gibraltar, 20. Mai. Das englische Segelschiff „Cvnsuelo" wurde südlich von Ceuta von dem marokkani- schen Räuber Balicnte aufgegriffen; drei Mann der Besatzung wurden gefangen genommen. Der Eigentümer des „Consuelo" erhob bei der Regierung energische Vorstellungen und verlangte sofortige Hilfe und Schutz. Teheran, 19. Mai. Der Zustand des Schahs ist'be- unr uhigend. Die starke Hitze rief bei ihm anhaltende Ohnmächten hervor. Auch ist er akuten Gichtanfällen ausgesetzt. Peking, 19. Mai. In einer Zusammenkunft des diplomatischen. Kvrps teilten die Vertreter sämtlicher Regierungen mit, daß sie den Einspruch Englands' gegen jede Veränderung in der Zollverwaltung unterstützen. Der britische Geschäftsträger hat an die chinesische Regierung eine neue Note über den .Gegenstand gerichtet. Bis zum Eingang der Antwort der chinesischen Remei-nrni foffriT feine m-'it^i en Stritte geschehen. Die Srundsteinlegimg des Darmstädterhanses. (Original-Bericht des Gießener Anzeigers.) Gießen, 21. Mai. Die alte Kneipe am grünen Ufer der Lahn ist der Darmstadtia zu klein geworden, und so baut sie sich denn nach kaum fünfundzwanzigjährigem Bestehen ihr eigenes Heim. Hoch über den Dächern der Stadt, aus dem Seltersberge, wird sich das Haus erheben, auf dessen Zinne bald dos violett-weiß-rote Banner der Landsmannschaft im Winde flackern wird. Auf freier, lichter Höhe wird es stehen, ein herrliches Luckinsland, etn neues Wahrzeichen Gießens, mit dem sich die Landsmannschaft nun unauflöslich verbunden hat. Auf mächtigem Quadersockel wird sich das Gebäude leicht und frei erheben, als Sinnbild seines Eigentümers: auf festem Grund ein heiteres Leben. Unter dem Borantritt des Bläserkorps des hessischen Gardedragonerregiments Nr. 23 aus Darmstadt zog die Darmstadtia am Samstag nachmittag nach 61/2 Uhr mit wehenden Fall neu nach dem Bauplatz an der Ecke dejs Wetzlarerweges und der Klinikstraße, der mit Tannengewinden und Fahnen hübsch geziert war. Nach der Begrüßung der Gäste durch den Vorsitzenden des Vereins Darmstädterhaus, Dr. Reinewald aus Gießen, und einem Ueberblick über die Eseschichte des Hausbaues wurde die Stiftungsurkunde verlesen, die ungefähr also lautete: Im Jahre 1906, am 19. Mai, unter der Regierung S. M. Wilhelm II., Deutschen Kaisers, und S. K. H. Ernst Ludwigs, des Großherzogs von Hessen und bei Rhein, des Rektors Magnifi- zentisiimus der Alma Mater Ludvviciana, als Geh. Hofrat Prof. Tr. Behaghel zum uveitenmal Rektor war, wurde in Anwesenheit vieler Gäste durch den Vorstand des Hausbau-Vereins „Darmstädter Haus", den Ausschuß des A. H.-Verbandes, die Chargierten, viele zum A. H.-Tag versammelte A. H. A. H., Inaktive- und sämtliche Aktiven der Landsmannschaft Darm- stadtia sowie den Baumeister, Architekten Hcms Meyer in Gießen der Grundstein dieses' Hauses gelegt. Den Vorstand des Hausbau- Vereins bildeten: Dr. med. T. Reineioald (Vorsitzender'', Regierungs-Assessor H. Schreiner (Schriftnihrer», Dr. jur. I. Lehr (Rechner'. Dr. mcd. O. Fresenius Beisitzers Dr. vhil. H. Weber sBeisitzerl, Pfarrer H. Wagner (Beisitzer^, Gerichts Referendar H. Kühn (Beisitzer). Den Ausschuß des A. H.-Verbandet bildeten: Dr. Eduard Otto, Ludivig Hertsch, Dr. F. Fresenius. Aus der Geschichte der Landsmannschaft heben wir folgendes hervor: ^am 11. Februar 1882 als freie Verbindung mit ^unbedingter Satisfaktion gegründet, wandelte sie sich am 18. Februar 1893 in eine freie, farbentragende Landsmannschaft mit eigenen Waffen, und. trat im Sommer-Semester desselben Jahres dem Coburger L. C. bei. Im Jahre 1907 vollendet iic ihr fünfzigstes Semester. Sie zählt gegenwärtig: 1.29 Alte Herren, 23 Aktive, 36 Inaktive. Außer der Stiftungsurkunde und der Geschichte der Landsmannschaft wurden noch folgende Gegenstände, in dem Grundstein geborgen: Ein Verzeichnis der Aktivitas, der Aufruf zur Gründung eines eigenen Hauses, das Hausvrofekt, der letzte SemeMrbericht. das Vorlesungsverzeichnis des Sommer-Semesters, die neueste Nummer des Gießener An- ^igers, die Baupläne, die Einlad"na zur Grundsteinlegung, das Bild des Großherzogs und des Kaisers, ein Bild der Pulver- mühle. ein Bild von dem neuesten Einzug des Kaisers in Gießen und die Festpostkarte. Das alles wurde mit dem Burschenband umwunden und in einer kupfernen Kapsel vernietet. Alsdann tat Dr. Reinewald die drei Hammerschläge im Namen des Hausbauvereins, Dr. Otto im Namen der Alten Herren, der 1. Chargierte namens der Aktivitas, denn Stadtverordneter Kirch, der Vertreter des Ofsi- zrerkorpss nut) Architekt Meyer folgten. Tie Universitätsbehörde war durch eine wichtige Sitzung am Erscheinen verhindert. Von auswärtigen Landsmannschaften waren vertreten: Hasso-Borussia und Hass o-Guestsalia (Marburg), Teutonia (München), Herepnia (Halle), Teutonia (Würzburg), Cheruskia (Leipzigs Rhe- nania (Jenai, Guilelmia (Berlins, Palaeomar- chra (Halle». Außerdem war die Turnerschaft Philipi- pruia (Marburg) vertreten. . An diese vom Wetter gerade nicht sehr begünstigte Ferer der Grundsteinlegung schloß sich uiw 9 Uhr ein großer . Festkommers m Steins Garten an. Der große Saal, der mit Fahnen, Wappen, j onnengeteinben, Lorbeerbäumen usw. hübsch aus- gezrert war, bot ein buntes Bild ungetrübter Fröhlichkeit. Den offiziellen Teil leitete Dr. Reinewald, der den Kommers mit dem Hoch auf Kaiser und Großherzog eröffnete und dann die erschienenen Gäste begrüßte ’ ^er Rektor der Universität, Geh. Hofrat Prof. Dr. Behaghel, dankte in deren Namen und machte launische, lebhaft ausgenommene Bemerkungen über den Bau des Hauses und die Wahl des Platzes, nachdem er bedauert hatte, bei der Grundsteinlegung am Erscheinen verhindert gewesen zu sein. Nach der Verlesung der eingelaufenen Glückwunsch- depefchen wurden noch Toaste ausgebracht von dem Vertreter des Offizierkorps auf die Landsmannschaft, Prof. Dr. Otto auf die Universität, Assessor Schreiner auf die Stadt Gießen, Stadtv. Kirch, dessen Auslassungen lebhaft begrüßt wurden, auf die Landsmannschaft, Dr. Ebel auf den Hausbau, Chargierter Scheele auf die alten Herren. Tie einzelnen Vertreter übermittelten die Glückwünsche ihrer Landsmannschaften und dankten für den liebenswürdigen Empfang in Gießen. Wir waren leider gezwungen, den sehr schön verlaufenen Kommers naeh dem „Landesvater" zu verlassen, doch blieben, wie wir hören, die Landsmannschafter noch lange in heiterster Stimmung zusammen. Am Sonntag früh fand ein Frühschoppen mit Damen im Hotel-Restaurant Roval statt, der ebenfalls einen fröhlichen Verlauf nahm. Ans SraL>t nno ttano* Gießen, den 21. Mai. ** Personali en. Se. Kgl. Hob. der Großherzog haben den 2. evang. Pfarrer Karl Römer zu Schotten auf sein Rachsnchen unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt. r Londorf, 20. Mai. Der Einladung des Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke war ein zahlreiches Publikum von hier und der Umgegend gefolgt. Der große Saal des Gasthauses zur Stadt Gießen war dicht gefüllt und nicht wenige mögen es wohl gewesen sein, die aus den Worten des Redners, Oberstaatsanwalts Theobald aus Gießen, Belehrung und Nutzen mit nach Hanse genommen haben. Eingeleitet wurde die Versammlung mit einem Begrüßungslied des Gesangvereins Frohsinn, worauf Kirchenrat Weber, der Vorsitzende des hiesigen Bezirksvereins, die Versammlung mit einer Ansprache eröffnete. Oberstaatsanwalt Theobald führte in fast einstündiger Rede in klarer und sehr verständlicher Weise an einer Reihe von Beispielen auS dem täglichen Leben aus, wie schädlich und verderbenbringend der übermäßige Genuß des Alkohols ist, für so manchen Menschen, manche Familie, ja für ein ganzes Volk. Besonders ergreifend waren feine Ausführungen, die er über den Brudermord in Rendel machte. Er fand einige Stunden nach dem Vorfall seine Ahnung, daß auch hier der Alkohol der Urstifter der schrecklichen Tat sei, vollauf bestätigt. Mit der Aufforderung: Jeder Einzelne möge dem übermäßigen Alkohol- g en u 6 kräftig entgegenarbeiten, um sich selbst, seine Familie und seine Mitmenschen vor Schaden zu bewahren, schloß der Redner feinen mit großem Beifall aufgenommenen hochinteressanten Vortrag. Kirchenrat Weber dankte dem Redner im Namen aller Erschienenen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß diese das Gehörte beherzigen und betätigen. Zum Schluß gab der Gesangverein „Frohsinn" unter Leitung seines Dirigenten, Lehrer Banda ß, einige herrliche Lieder zum besten und erntete damit reichen, wohlverdienten Beifall. -r Lauterbach, 20. Mai. Heute nachmittag fand im Saalbail zum Johannesberg unter sehr zahlreicher Beteiligung die 1. diesjährige ordentliche Hauptversammlung des landwirtschaftlichen Bezirksoereins Lauterbach statt. Oekonomierat B a ck h a u s - Rlidlos eröffnete in Vertretung des 1. Vorsitzenden Kreisrat von Bechtold die Versammlung. Bei der Wahl der Ausschußmitglieder für die Periode 1906/09 wurden die seitherigen einstimmig wiedergewählt. Sodann wurde von Oekonomierat Backhaus und Kulturtechniker Kunz auf die Vorteile hingewiesen, die sich den Landwirten durch die frühzeitige Bestellung von Kunstdünger bieten. Die Anwesenden wurden aufgefordert, ihren Bedarf rechtzeitig anzumelden. Nach einer Besprechung über Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung iu Hessen für Dienstag, den 22. Mai 1906: Wolkig bis trüb, doch leicht trocken. Nachts stellenweise Aufheiterung, in tieferen Lagen Nachtfrost. Am Tage etwas wärmer. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 21. Mai. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") Amtliche Notierungen der beiltigen Fruchtmarktpreise. Weizen Alk. 19.50—00.00, Knrhcssischer Mk. 19.50—00.00, La Plata Mk. 19.50—20.50, Kansas Mk. 19.25—20.25, Roggen (hiesiger) Mk. 17.25 —17.50, Gerste (Wetteraneri Mk. 17.25—17.75, Franken- ielder Mk. 17.75—18.25, Hafer 16.75—18.00, MaisMk. 12.25—13.50, Weizenmehl 27.50—28.00, M. 00—00, 2. Qualität Mk. 25.00 bis Mk. 26.00, 3. Qualität Mk. 23.00—23.50, Roggenmehl 0 Mk. 25.00—26.25,1. Qualität Mk. 23.00—24.25, Weizenkleie Mk. 10.00 bis Mk. 10.50, Roggenkleie Mk. 11.00—11.50, Maiskeime Mk. 12.00 bis Mk. 12.25, Franken, Pfälzer, Ried Alk. 17.25—18.25. Alles per 100 Kg. ab hier. fc. Frankfurt a. M., 21. Mai. (Telegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz."). Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe standen: 500 Ochsen f 161 aus Oestreich, 38 Bullen, 0 aus Oesterreich, 746 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 15 aus Dänemark, 329 Kälber, 398 Schafe und Hämmel, 300 Schweine, 0 Ziegen, y Ziegen-, 0 Schaslännner. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 74—76 Mk., 2. Qual 66-68 A'k., 3. Qual. 61—63Mk.: Bullen l.Qnal. 67 bis 69 Mk., 2. Qual. 64—66 Mk.: Kühe 1. Qual. 72—74 Mk., 2. Qual. 67—69 Mk., 3. Qual. 47-49 Mk, 4. Qual. 00—00 Mk., 5. Qual. 00—00Mk. Kälber: 1. Qual. 90—95Pfg., Lebendgewicht 55—60 Pf., 2- Qual. 90—95 Psg., Lebendgewicht 55—60 Psg., 3. Qual. 00-00 Psg., Schlachtgewicht 00-00Psg., Schafe: l.Qnal. 78-80, 2. Qual. 00—00 Psg., 3. Qual. 00—00 Psg.; Schweine 1. Qual. 67—00 Psg., Lebdgew.52.50—00.00 Pfg., 2.Qu.65-66 Psg., Lebend- gew. 51—51.50 Psg., 3. Qual. 00—00 Pfg. Geschäft: bei Hornvieh flott, bei Kleinvieh flott, kein Ueberstand. Aus Dänemark kain 1 Bulle. OrrgZssaL-Drahtiiieldnngen. . fc. Treysa bei Marburg, 21. Mai. Der Weißbinder-- melfter Keil stürzte gestern von einer Leiter und erlitt so schwere Verletzungen, daß er bald darauf starb. H a m b u r g , 21. Mai. Auf das an den deutschen K a i fer gesandte Huldigungstelegramm ist beim deutschen Flottenvercin folgende Antwort eingegangen: „Ich habe mich über das treue Gedenken der zur 6. ordentlichen Hauptversammlung vereinigten Mitglieder des deutschen Flottenvereins sehr gefreut und ersuche Eure Durchlaucht, allen Beteiligten meinen wärmsten Dank auszusprechen. m . Wilhelm." xsm Verlause der Verhandlungen nahm die Hauptversammlung eine Resolution an, in welcher es heißt, daß die Ziele des deutschen Flottenvereins noch nicht erreicht seien und es nach wie vor die Aufgabe des Vereins sei, für schnelleren Ersatz der minderwertigen Schiffe durch vollwertige und für Herabsetzung des Lebensalters der Linienschiffe und Ktcuzer ein- zutteten. Paris, 20. Mai. (Mitternacht. 1 In 156 Wahlkreisen, die sich auf 65 Departements einschließlich Algier und Martinique verteilen, fanden Stichwahlen zur Dcputiertenkam- m e r statt. Bisher sind 105 Resultate bekannt. Es wurden gewählt 1 Nationalist, 4 Progressisten, 1 Antisozialist, 14 linV- stehende Republikaner, 20 Radikale, 41 sozialistische Radikale, 18 geeinigte Sozialisten und 6 unabhängige Sozialisten. Von den konservativen Kandidaten ist nach den bisl Mitternacht vorliegenden Meldungen keiner gewählt. Die Konservativen verloren bis jetzt 4 -Sitze, die Nationalisten 9, die Progressisten 16, die linksstehenden Republikaner gewannen 6, verloren 3, die Radikalen gewannen 8, verloren 4, die sozialistischen Radikalen gewannen 15, verloren 6, die geeinigten Sozialisten gewannen 15, verloren 3, die unabhängigen Sozialisten gewannen 2, verloren 3. Paris, 21. Mai. (3 Uhr früh.) In der künftigen Kammer werden die einzelnen Parteien in folgender Stärke vertreten sein: orthodoxe Sozialisten 53, unabhängige Sozialisten 19, Radikal-Sozialisten 129, Radikale 115, demokratische Union 82. Auf die Opposition entfallen 75 Gemäßigte, 77 Klerikale und 29 Nationalisten. Zehn Wählen sind noch nicht bekannt oder politisch zweifelhaft. Rom, 20. Mai. Der König hatte eine Unterredung Zwecks Lösung der Krise mit Finali, Giolitti und Ga l l e. Beschaffung von Saatgut wurde zur Tagesordnung für die gleichzeitig stattfindende Generalversammlung des Zucht- vereins Lauterbach für Züchtung der Simmenthaler Nindviehrasse übergegangen. An Stelle des Kreisrats Dr. Wallau wurde Kreisrat von Bechtold zum Vorsitzenden gewählt. Nach der Wahl der Obmänner und deren Stellvertreter für die Lokalvereine trug Bürovorsteher Bechtold die Rechnung für 1905 und den Voranschlag für 1906 vor. Nach längerer Verhandlung wurde beschlossen, daß am 26. Juli d. Js. in Grebenhain eine Ortstierschau stattfinden solle. Außerdem werben noch 2 Stallschauen in den Vereinsbezirken 9 und 10 im Laufe dieses Jahres abgehalten. Hierauf folgte noch eine Besprechung wegen Eröffnung und Beschickung der Jun gviehweide Lauterbach. Nach Erledigung des geschäftlichen Teiles wurde Professor Dr. Backhaus das Wort zu einem Vortrag über Nutzbarmachung des Wassers erteilt. Der Redner führte in verständlichster Weise aus, auf welche Art sich die Landwirt- chaft das Wasser als Kraft und zur Förderung des Pflanzenwuchses nutzbar machen kann. Anhaltender Beifall lohnte ihn ür seine interessanten Ausführungen, und es ist zu wünschen, daß die gegebenen Anregungen auf fruchtbaren Boden geästen sind. Nebcrschwemmungcn in Württemberg. Stuttgart, 20. Mai. Durch einen ungeheueren Regenfa ll, der von gestern abend bis heute nachmittag 5 Uhr anbauerte, sind namentlich in ben süblichen und mittleren Landesteileu gewaltige U e berschmem m ungen entstanden. Am schwersten heimgesucht wurde Reutlingen, wo zwei Fabriken eingerissen und alles fortgeschwemmt wurde: auch ein Sargmagazin wurde fortgeschwemmt. In Urach wurde ein Wehr verstopft, sodaß Pioniere aus Ulm telegraphisch zur Hilfe herbeigerufen werden mußten, die heute abend um 7V2 Uhr eintrafen und sich sofort an die Sprengarbeiten machten. Der ganze mittlere Neckar ist ein riesiger See von Plochingen bis Eßlingen und ebenso zwischen Nördlingen und Plochingen. In Laupheim und Biberach bildeten die Flüsse ungeheure Seen; au beiden Orten mußte die Feuerwehr alarmiert werden, um die Bewohner tief gelegener Häuser mittels Leitern zu retten. Der Regen hat solches Hochwasser im Gefolge, wie seit mehreren Jahrzehnten nicht. Nebenflüsse des Neckar, die Fils und die Kersch, sind ausgetreten und haben das ganze Flußtal unter Wasser gesetzt: das Wasser drang in die Keller ein und beschädigte auch die Wiesen vielfach. Das Hochwasser des Neckars r' rte abgerissene Stege und eine Menge Scheiterholz, Schubka. en, Fässer und anderes mehr mit. Budapest, 21. Mai. Kaiser Franz Josef ist geffern abend hier eingetroffeu, von einer nach Zehntaufenden zählenden Menge begeistert begrüßt. Petersburg, 20. Mai. Die Hofpartei fühlt sich, als Herr der Situation und leitet das Kabinett als ein willfähriges Werkzeug in ihren Händen. Trepvwi verlangt, daß sofortige Repressiv-Maßregeln gegen die Duma verhängt werden, der Kriegszustand über Petersburg verhängt, eventuell die Militärdiktatur unter Durnvwo erklärt wird. Tie äußersten Kvnzessionen, die der Duma gemacht werden könnten, wäre eine teil“ to.eife Amnestie und die Hergabe von einigen 10000 Teßjatinen Kabinettsländereien. Sollte sie damit rricht zufrieden fein, so müßte die Duma als revolutionär auseinandergejagt werden. Te!ef©msche Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie. Giessen. Frankfurter Börse. 21. Mai. 1.15 Uhr. 3%°/0 Reichsanleihe . . 99.90 3% do. . . 87.95 3)£°/o Konsols .... 99.90 3% do 87 95 31^% Hessen 98.90 3%°/o Oberhessen . . . —.— 4% Oesterr. Goldrente. . 100.40 4'/« ?.< Oesterr. Silberrente 100.70 49.; Ungar. Goldrente . . 96.50 4% Italien. Rente . . . 105.60 3 °o Portue-ieseu Serie I . 69.30 3% Portugiesen „ UI 70.30 4%°/'o rnss.Staatsanl. 1905 91.65 4Japan. Staatsanleihe 95.25 4 % Conv. Türken von 1903 95.00 Tiirkenlose ... . . 147.60 4% Griech. Monopol-Anl. 54.30 4% äussere Argentinier . —.— 3°/0 Mexikaner . . . 69.70 4^°/0 Chinesen .... 97.80 Aktien: Bochum Guss 254.90 Buderus E. W . ... 135.75 Elektriz. Lahmeyer . . . 155.90 Elektriz. Schnckert . . . 134.75 Esch weil er Bergwerk . . 266.50 Gelsenkirchen Bergwerk . 227.00 Hamburg-- Amerik. Paketf. 164.30 Harpener Bergwerk. . . 218.75 Lanrahütte 250.00 Nordd. Lloyd . ... 130.75 Oberschles. Eisen-Industrie 132.60 Berliner Handelsges . 172.60 Darmstädter Bank . . . 142 40 Deutsche Bank . . . 238.50 Deutsch-Asiat. Bank . . 184.80 Diskonto-Kommandit. . . 186.20 Dresdner Bank . . . 160.80 Kreditaktien 212.40 Baltimore- und Ohio- Eisenbahn . . . 107.60 Gotthard bahn —.— Lombard. Eisenbahn . . 24.50 Oesterr. Staatsbahn . . . 145.20 Prince-Hcnri-Eisenbahu . 151.50 Tendenz: ruhig. Berliner Börse, Canada E. B — Darmstädter Bank . . . 142.10 Deutsche Bank . . . —.— Dortmunder-Union 0. . . 91.25 Dresdner Bank . . 160.80 Tendenz: schwach. 1. Mai. Anfangskurse. Harpener Bergwerk. . . 218.70 Lanrahütte 249.80 Lombarden E. B. . —.— Nordd. Lloyd 130.70 Türkenlose 146.60 Für die gesamte Redaktion verantwortlich in Vertr. Ernst Heß. JflrinWhfpr ^^utendsteZ Einrichtungshaus Mittel. vJ! yyt.lt ilvllU Deutschlands. 300Zimmereinrichtungen llets licstrf. vorrätig. Man verlange Preisliste und Abbildunqelt. (b“/4