Erstes Blatt Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen 156» Jahrgang Montag 21. Mai 1906 vezugSpretSl monatlich 7b Vs., viertel- Nr. 118 Erscheint täglich cm ft er Sonntags. Dem GießenerAnzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Zamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers.-Bnch-u.Stem- drnckeret. R. Lange. Redaktion, Ervedition und Druckerei: Schulstraße 7. Redaktion 112 Verlag u.Exped.^ÄDbl Adresse für Deveschen: Anzeiger Gießen. jährlich 9)lt. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich Go Ps.; durch die Post Mt.2.—viertel- jährl. rnisschl. Beslellg. Annahme von Anzeigen für die Lagesnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal 12Ps* auswärts 20 Psg. Verantwortlich für den polit. und allgem« Teil: P. Witt ko: für .Stadt und Land^ und .Gerichtssaal*: Ernst Heb; für den 9ln- zeiqenteil: Hans ©ei GietzenerAnzeiger w General-Anzeiger w '**7 Sie l-eutige Kummer umfaßt 8 Setten. Apolitische Wochenschau. Gießen, 21. Mai. Zwei bedeutende innerpolitische Ereignisse sind in der vergangenen Woche zu verzeichnen gewesen, die endgiltige Annahme der Reichsfinanzreform durch den Reichstag und die der Diätenvorlage durch Reichstag und Bundesrat. Zwar werden nur wenige Leute in der Erledigung der Reichssleuergesetze das größte Werk des deutschen Reichstags seit seinem Bestehen erblicken, wie dies Abg. Büsing, der Vorsitzende der Steuerkommission, tut, aber ein großes und bemerkenswertes Ereignis in der Geschichte unseres Vaterlandes und unseres Parlamentarismus ist es auf alle Falle. Leider fand*" der große Moment nur insofern auch ein großes Geschlecht, als bte Notwendigkeit der Gesundung unserer ReichSsinanzen, hauptsächlich auch zur Erhaltung unserer Machtstellung, außer den sozialdemokratischen Reihen der ganze Reichstag einsah, aber zur Erreichung dieses Zieles bediente man sich einer willkürlichen, planlosen Steuersucherei, die — leider bei der Volksvertretung noch mehr, wie bei den Regierungen — mit auffallender Ungeschicklichkeit gerade auf solche Steuerobjekte fiel, die am wenigsten geeignet erscheinen, die Belastung auf die steuerkräftigsten Schultern zu legen. Zu bedauern ist nauientlich, daß vor allem der Verkehr bluten muß, und es bleibt nur die allerdings schwache Hoffnung, daß die Fahrkartensteuer und die in Aussicht genommene Erhöhung des Octspostportos, an denen niemand, selbst nicht ihre Ersinder, Freude hat, angesichts ihrer hervorragenden Unbeliebtheit in ruhigeren Zeiten durch besser geeignete Steuern ersetzt werden. So kann man nur mit einem heiteren und einem nassen Auge die Reichssteuerreform betrachten. Das Gleiche gilt von der Diätenvorlage, mit der zwar ein seit Bestehen des Reichstags ausgesprochener Wunsch saft des gesamten Volkes erfüllt wird, aber gleichzeitig eine Reihe mit der Würde der deutschen Volksvertretung nicht in Einklang stehender kleinlicher Kontrollmaßregeln usw. verbunden ist. Hoffentlich wird mit der Diätengewährung dem beschämenden Schauspiele ein Ende bereitet, daß das hohe Haus selbst bei der Beratung hochwichtiger Vorlagen oft genug eine unheimliche Leere aufweist. Wirklich ernsten Widerstand gegen das Diätengesctz zeigten eigentlich nur die Konservativen und während der ganzen Debatte wurde kein einziger plausibler Grund dagegen vorgebracht. Die ministerielle Beantwortung der freisinnigen Interpellation im preußischen Abgeordnetenhause wegen derRu sse n- ausweisungen konnte leider nur wenig befriedigen, und dasselbe gilt auch von den seitens der Regierung gegebenen Aufklärungen über die Vorgänge beim Umbau des königlichen Schauspielhauses. Warum hört man nicht endlich einmal mit dem alten Prmzipe auf, die Staatsbeamten unter allen Umständen als ein noli me tangere hinzustellen, denn bei aller Achtung vor ihrer Tüchtigkeit und Charakterfestigkeit — schließlich sind ja auch Regierungsbeamte nur Menschen. Nach der erfolgten Festnahme Moren gas dürfen wir nun wohl hoffen, daß in Südwestafrika endlich auch der letzte Funken des langwierigen Negeraufstandes ausgetreten ist, und die gänzliche Pazifizierung der Kolonie nur noch eine Frage weniger Wochen sein wird. Pflicht des Reichstages muß es jetzt sein, den Ursachen genau nachzuforschen, welche die Negerempörungen in unseren Kolonien verschuldet haben. Ueberhaupt wäre es dringend geboten, die Bewirtschaftung der Kolonien mehr vom kaufmännischen, als vom bureau- kratischen Standpunkte aus zu betreiben. Denn die Annahme ist nicht von der Hand zu weisen, daß es nicht in letzter Linie der bureaukratische Geist war, der die Schwarzen zur Revolte aufsiachelte. Der Besuch der deutschen Städtevertreter in England bot diesseits und jenseits des Kanals Gelegenheit zur abermaligen Feststellung der nicht neuen Tatsache, daß ein eigentlicher Interessengegensatz zwischen beiden Ländern kaum besteht. Leider liefen erneute englische Preßtreibereien daneben her, die die guten Wirkungen des Besuchs abzuschwächen ganz geeignet waren. In Italien wurde am Donnerstag das Kabinett Sonnino, dem man gleich zu Anfang eine kurze Lebensdauer prophezeit hatte, gestürzt, und König Viktor Emanuel muß schon wieder zusehen, woher er ein neues Kabinett bekommt Wer mit der Bildung desselben betraut werden wird, ist vorläufig noch nicht zu erraten, und leicht wird sich eine geeignete Persönlichkeit auch wohl nicht finden lassen, da in dieser Hinsicht so ziemlich alle Parteien mehr oder minder abgewirtschaftet haben. In Oesterreich befindet sich die Wahlreform noch immer auf dem alten Fleck, und der neue Herr, Prinz Hohenlohe, zeigt sich dem schwierigen Problem, das allgemeine Wahlrecht mit der Nationalitätenfrage in Einklang zu bringen, anscheinend ebenso wenig gewachsen wie sein Vorgänger. Vor allem muß Prinz Hohenlohe damit rechnen, daß sich die Deutsch-Oesterreicher keine ^Wahl- reform gefallen lassen werden, bei der sie von der Sozialdemokratie und den Slaven an die Wand gedrückt werden. Wenn aber dennoch der Prinz wagen wollte, den Völkern Oesterreichs das allgemeine Wahlrecht aufzuzwingen, so würde er ein Experiment machen, das der Krone teuer zu stehen kommen könnte. Welche Gefahr den Deutsch-Oesterrelchern durch eine radikale Wahlreform ohne Sicherung ihres nationalen Besitzstandes droht, das zeigten die jüngsten Gememde- ratswahlen in Wien, wo es den Sozialdemokraten gelang, im 5. Bezirk einen Kandidaten durchzubringen, der ein Vollbluttscheche ist. Der Sultan hat es also doch niri)t gewagt, das Schwert zu ziehen, sondern im letzten Augenblicke, wenn auch zähneknirschend, nachgegeben. Er ist eben nicht stark genug, mit dem mächtigen England anzubinden, und vor allem muß er befürchten, daß chm Bulgarien in den Rücken fallen würde. Das interessanteste an dem ganzen Konflikt aber ist, daß die Franzosen an ihm schuld waren. Vor einigen Jahren meilten nämlich Herr Etrenne, der gegenwärtige französische Lriegsminister, und der Ab- geordnete Delonele in Konstantinopel und hatten dort Gelegenheit, dem Sultan ein Kvnzcssionsgesuch vorzulegen, um bei Akaba Hafenanlagen, eine Station für Kohlenlager und ähnliche Anlagen zu errichten. Sie bemühten sich, ihm nachzuweisen, daß diese Anlagen für die Entwicklung des Hinterlandes von Akaba von großer Nützlichkeit sein würden und stellten dem Sultan ferner vor, daß eine Bahnverbindung des Golf mit Syrien für Truppentransporte und den Handel nach Hedjaz und Zeinen sehr empfehlenswert sein würde. Endlich machten ste den Sultan mit Rücksicht auf die häufigen Ausstände in Zenten daraus aufmerksam, daß eine stärkere Betonung der türkischen Macht am Ende des Golfs von Akaba nottvendig sei, um die Einfuhr von Waffen für die aufrührerischen Beduinenstämme 9torb* arabiens und des Hedjaz unmöglich zu machen. Kurz vor dieser Zeit war der Mgeordnete Delonele in Egypten gewesen und hatte dort Reden gegen die englische Lkrupation gehalten. Der Sultan lehnte zivar schließlich das Konzessionsgesuch der französischen Herren ab, aber er war durch sie auf die Wichtigkeit der Befestigung seiner Herrschaft im ALabagebiete ausmerkfain gemati)t worden und nahm sich vor, die franzoftschen Pläne nun selbst durch- zusühreit. Trotzdem aber war es gerade die französische Presse, welche die falsche Beschuldigung verbreitete, Deutschland habe den Sultan zur Besetzung von Akaba auf gehetzt. Sehr brenzlich steht die Sache nach wie vor in Rußland, wo Zar und Duma einander nicht als Freunde in die Hande arbeiten, sondern eher das Gegenteil tun. Die russischen Volksvertreter schlagen dem Selbstherrscher aller Reußen gegenüber einen Ton an, als hätten sie jetzt ganz allein die Macht, und das Kabinett Goremykin scheint nur auf der Lauer zu liegen, um im gegebenen Moment die ganze Duma auseinanderzujagen. Zum großen Teile hängt die Fortentwicklung der uinerpolitischen Lage von dem erwarteten Amn e st teerlaß ab, aber wie dieser auch ausfallen möge: Und des Donners Wolken hangen ____________Schwer herab auf Ilion.____________________ Deutßctzer Reichstag. 107. Sitzung vom 19. 3)1 a i 1906. Fortsetzung der 3. Beratung des Steuerg esetzes (Stempel aus Fr a ch t u r k u n d e n). Abg. Lipinski (Soz.) spricht )id) gegen die Vorlage aus, die die Interessen der Industrie schädige. Abg. Hoi jme ist er (sr. Vg.) iprupt sich ebenfalls ivegen der Belastung, welche die Industrie durch den Jrachtstempel erfahre, gegen die Vorlage aus. Abg. Goth ein (st. Vg.) lvendet sich gegen die Belästigungen, welche die Vorlage herbeiführen werde, zu denen die Ergebnisse der Steuer in keinem Verhältnis stehen. Die Vorlage ivird hieraus unverändert angenommen. Es folgt die Beratung der F a h r k a r t c n st e u e r. Hierzu liegt ein Kompromißantrag vor, nach welchem für Kinder- sahrkarlcn die Hälfte der Stempelabgabe zu entrichten ist. Ein Antrag Eia hoff (fr. Vp.) will die Schüler- fahrkarten ebenso behandelt wissen, wie die Militär- und Arbeiterkarten. Abg. Lipinski (Svz.) lehnt die Steuer als verkehrsfeindlich und arbeiterfeindlich ab. Tlbg. v. .Kanitz (ton].) will trotz schwerer Bedenken für die Vorlage stimmen, um die Jinanzreform zustande zu bringen. Redner hofft, daß mir in kurzer Zeit die Staffelung der Personen- tarife erlangen werden. Abg. Eickhoff (fr. Vp? begründet seinen Antrag betreffs Freilassung der Schülerfahrkarten. Abg. Spahn (Ztr.): Gegen die Steuer lassen sich schwere Bedenken erheben. Sie kann aber nicht entbehrt werden, wenn nicht die ganze Reform scheitern soll. Abg. Basser mann (nL): Die Mängel der Jahrkartensteuer sind gar nicht so groß, wie sie geschildert wurden. Die geltend gemachten Einwände sind nut Rücksicht auf die großen mit der Finanzreform verbundenen Zwecke nicht berechtigt. Abg. Herbert (Soz.): Wir werden gegen diese verkehrs- und arbeiterfeindliche Steuer stimmen. 3lbg. Gamp (Rp.): Keine Steuer wird so minimale Er- hebungstoften verursachen, wie diese und bei keiner Steuer können etwa sich herausstellende Nachteile so leicht berücksichtigt werden. Abg. Schrader (fr. Vg.): Die Berechnung des Stempels wird große Schwierigkeiten verursachen. Die Steuer nrirb am meisten den Mittelstand treffen. Alle diese Steuergesetze sind sachlich unrichtig, ausgenommen die Erbschaftssteuer. Direktor im Reichsschatzamt Kühn: Die Verwaltung wird gegen die Freilassung der Schülerkarten keinen Widerspruch erheben. In welcher Weise die Steuer zu erheben ist, ist Sache der Verwaltung, nicht des Gesetzes. Für die Uebergangszeit wird der Stempel auf Rückfahrkarten nur einmal erhoben. Abg. v. Vollmar i . . Die neuen Steuern werden auf die breiten Massen fallen. ist hinreichend nachgewiesen. Daß die Fahrkartensteuer vertehrsseindlich ist, wird kein vernünftiger Mensch leugnen können. Die Finanzreform wird die einzelftaailichen Finanzen noch mehr verwirren. Wenn diese Steuer durchgeht, haben Sic für uns den besten Agitalionsstoff geschaffen. Finanzminiiter Frhr. o. Rhein baben: Der Vorredner richtete gegen den bayerischen Finanzminister eine Anklage und sagte, er )ei umgefallen. Ich weiß nicht, ob das der Fall ist. wenn er aber Bedenken hatte, und liefe sie zurücktreten, so ist es ihm gegangen wie vielen von uns, die wir es als unsere Ausgabe betrachten, die Zukunft des Reiches zu sichern. Ten Herren von der äußersten Linken, die der Sorge um die Zukunft des Reiches enthoben sind, können wir nicht folgen. (Lack)en bei den Soz., lebhafter Beifall bei den übrigen Parteien.) Gegen das eine oder andere Projekt sind sehr erhebliche Bedenken geltend gemacht lvorden, daraus mache ich feinen Hehl. Tas ist selbstverständlich bei so verschiedenartigen Materien, wie sie in der Vorlage enthalten sind. Aber für uns maßgebend ist: Salus publica. Danach haben wir verfahren und luerben wir ferner verfahren. (Lebhafter Beifall bei der Mehrheit, Lachen links.) Abg. W o l f s (wirtsch. Vg.): Die Fahrkartensteuer ist eint Belästigung und Verteuerung des Verkehrs, die uns nur Schaden bringen wird. Abg. Hausmann (dtsch. Vp.) wirst der-Steuersommissivn vor, daß sie die Fahrkartensteuer der Regierung förmlich auf- gedrängt habe. Man hat die Regierung eingeschüchtert, sie bekäme die Jinanzreform ohne die Fahrkarteiistcuer nicht. Die Zügel der Regierung schleifen, die Regierung hat die Zügel nicht mehr in der Hand. (Großer Lärm.) Auf^den Nationalliberalen lastet eine große Verantwortung. Sobald 'sie hier abschwenken, ist die Fahrkartensteuer gefallen. Man sollte die 4Uisgaben nicht in jo raschem Tempo steigern, damit nicht unzweckmäßige Steuern eingeführt werden müssen. Die Jalwtartensteuer setzt geradezu eine Prämie aus das Abwandern in die unteren Klassen. Einzelne Gebietsteile, besonders Süddeutjchland, iverden durch diese Steuer schwer getragen. ZLs würde sich ein Sturm der Entrüstung erheben, wenn die Steuern nicht im Stillen so rasch unter Dach gebracht worden wären. (Lebhafter Beifall links, stürmischer und ironischer Beifall rechts.) Bayerischer Bundes-ratsbevollmächtigter Ministerialdirektor Burkhardt: Die bayerische Regierung stimmt dieser Vortage zu, weil ihre Ablehnung die ganze Finanzresorm gefährden würde. Abg. Werner (Refp.): Die Kosten der Jahr kartensteuer wird der Mittelstand tragen. Die 4. Klasse ist schon heule ungemein überfüllt. Eine Abwanderung dahin ist kaum im großen Mafestabe möglich. Abg. Westermann (nl.) weist die Angriffe v. Vvllmars gegen die Nationattiberalen zurück. Abg. Speck (Ztt.) bemerkt gegenüber v. Vollmar, daS Zentrum werde seine Zustimmung seinen Wählern gegenüber voll verantworten. Abg. v. Vollmar (Soz). hält die Behauptung aufrecht, daß der bayerische Veckehrsminister umgefallen sei. Ministerialdirektor Burkhardt: Wenn eine Regierung einem Beschlüsse 2. Lesung zustimmt, nachdem sie in der Kommission einen anderen Standpunkt eingenommen hat, so ist das fein Umfallen. Jedes Gesetz stellt einen Kompromiß dar. Wir wurden einfach vor die Frage gestellt entweder die ganze Reform anzunehmen oder abzulehnen. Nach weiteren Ausführungen der Abgg. Hausmann (dtsch. Vp.) und Spahn (Ztt.) und nach einer nochmaligen Auseinandersetzung zwischen dem Abg. v. Vollmar und dem Ministerialdirektor Burkhardt wird der Kompromifeanttag und der Antrag Eickhoff angenommen. Die Fahrkarten st euer wird sodann in namentlicher Abstimmung mit 150 gegen 119 Stimmen bei vier Stimmenthaltungen an genommen. Die Automobi(steuer und die Tantiemensteuer werden sodann dckattelos angenommen. Es folgt die dritte Lesung der Erbschaftssteuer. Zu § 12 erklärt Abg. Bernstein (Soz.), seine Partei werde für diesett Paragraphen stimmen, weil sie darin einen Anfang zur Einführung direkter Reichssteuern erblicke. Sodann wird § 12 in namentlicher Abstimmung mit 205 gegen 42 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen angenommen. Zu § 14 liegt ein Antrag Bäumer (nl.) vor, wonach bei Erbschaften und Schenkungen an Kirch enundmildeStift- ungen die Progression weg fallen soll. Nachdem Abg. Bäumer diesen Antrag begründet hat, sprechen die Abgg. Bernstein (Soz.) und Müller-Meiningen dagegen, Abg. Burckhardt (wirtsch. Bg.) dafür. § 14 wird mit dem Anträge Bäumer angenommen, ebenso nach kurzer Debatte der Nest des Erbschaftssteuergesetzes. Sodann folgt die Beratung des Mantelgesetzes. Dazu liegt ein Kompromifeanttag vor, wonach die Fahrkartensteuer erst am 1. August, die übrigen Steuern am 1. Juli in Kraft treten sollen. Nachdem dieser Kompromiß- antrag angenommen ist, wird das Mantelgesetz in na» m entlicher Abstimmung mit 149 gegen 95 Stimmen bei 5 Stimmenthaltungen angenommen. Hierauf wird das Flottengesetz debattelos in dritter Lesung angenommen. Daraus vertagt sich das Haus auf Montag 1 Uhr: Schwedischer Handelsverttag; Ofsiziervpensivnsgesetz. politifd?e Tagesschau. Das gute Beispiel. Englische Blätter bringen aus japanischer Quelle die Meldung, zwisck)en Ehina und England fänden Verhandlungen statt zwecks Rückgabe von Weihaiwei an Ehina. Ob es wahr ist, weiß man nicht, und bisher hat noch niemand gehört, daß England etwas herausgegeben hätte, was es einmal in seiner unergründlichen Tasche hatte. Trotzdem ist es nicht unmöglich, daß der Meldung ein wahrer Kern zugrunde liegt. Schon als Rußland nach i>em Krieg Port Arthur abtreten mußte, hörte man von dem englischen Plan, aus Weihaiwei herauszugehen. Aus lauter Liebenswürdigkeit gegen die alte Tante Tsusi geschieht das natürlich aus keinen Fall; Rußland hat vielmehr dabei eine ganz andere Absicht. Nämlich die, Deutschland aus Kiautschon herauszuekeln. Man faltuliert vermutlich an der Themse, wenn wir den Chinesen Weihaiwei zur Verfügung stellen, dann muß Deutschland im Interesse der Wichl- anständigteit aus Kiautschon herausgehen. Und wenn Deutschland einmal wieder aus China heraus ist, kommt es uns nicht wieder Hinern; der Platz an der Sonne wird gelegentlich von uns selber belegt. Daß dieIapaner diesen Plan unterstützen, ist zweifellos. Null bat Die Rechnung einen Fehler: Deutschland wird Kiautschon nicht ohne weiteres fallen lassen. Wir haben von der Pachtung zivar keinen besonders grofeen Nutzen, besonders, wenn Japan und England weiterhin den deutschen Handel ^möglichst vom Osten fern halten wollen, aber die Halbinsel ist nun einmal auf ein Jahrhundert gepachtet, und wtt wußten nubt, warum wir von dem Vertrag zurücktteten und anderen günstig Gelegenheit schaffen sollten. Was England tut, ist für uns keineswegs verpflichtend. Hat sich etwa England verpflichtet gefühlt, unserer Anregung in Bezug auf die Zurückziehung der fremden Truppen in China zu folge,:? Warum sollen denn gerade wir die Noblen sein, die den schönen Augen der anderen zuliebe nachgeben? wrche tmfc SebuLe. ** Zur preußischen Schulvorlage. Auf die von der Delegiertenversammlung des hessischen Landeslchrer- vereins, die in der Osterwoche in Langen tagte, beschlossene Sv'mpathiekundgebung an die Mitglieder des Preußischen Lehrervereins inbezug auf ihre Stellungnahme zur preußischen VoWscknilvorlage, insbesondere zur Simultanschule, ist von den, Vorsitzenden, Reißmann-Magdcburg, nachstehende Antwort an Rektor Backes-Darmstadt eingegangen: „Fair die freundlichst übermittelte Sympathiekundgebung sage ich Ihnen und dem von Ihnen geleiteten Brudervcrein namens des Preußischen Lehrervercins bester: Dank. Die von herzlich kollcgialischer Gesinnung eingegebcnen zustimmenden und ermunternden Worte werden in den weitesten Kreisen unseres Vereins dankbar zur Kenntnis genommen werden." Mitgliederversammlung des Landcs- H»ferdezuchtvereins. (Original-Artikel des Gießener Anzeigers.") Darmstadt, 20. Mai. Die XXIX. ordentliche Mitgliederversammlung des Landes-Pferdezuchtvcreins im Großherzogtum Hessen fand heute unter ziemlich zahlreicher Beteiligung der Mitglieder aus den drei Provinzen des Landes unter dem Vorsitze des Oekonomierats Müller-Neuhof, seines Präsidenten, statt. Dieser begrüßte den Vertreter der Negierung, Landcs- Oekonomierat Müller-Darmstadt, sowie die erschienenen Mitglieder und widmete einer ganzen Zahl von zum Teil sehr hervorragenden verstorbenen Mitgliedern einen warmen Nachruf. Die Anwesenden erhoben sich zum ehrenden Andenken der Verstorbenen von ihren Sitzen. Der Sekretär berichtet über die Tätigkeit des Vereins: Den Körkommissionen sind ca. 680 Stuten vorgeführt worden, von denen 358 Stuten angekört wurden. Von diesen Stuten gehören 195 dem Arbeitsschlage an (das sind belgische Pferde-Kaltblüter) und 163 dein Wagenschlage (Warmblüter, in unserem Falle Oldenburger). Das kaltblütige Pferd belgischer Abstammung verbreitet sich immer mehr in Folge der erhöhten Ansprüche, die man an die Arbeitskraft der Tiere in unseren intensiven landwirtschaftlichen Betrieben stellt und nicht zuletzt, weil die Landwirte das kaltblütige belgische Pferd eher ungeschulten Arbeitern anvertrauen können, als die warmblütigen Pferdeschläge, die sorgsamere Behandlung seitens ihrer Führer verlangen. Von dem Berichterstatter wurde rühmend hervorgehoben, daß sich das Pferde material im Lande von Jahr zu Jahr bessere. Dank der Einsicht der Landwirte, die sich allmählich abgewöhnen, bei dec Zucht planlos zu kreuzen. Um in dieser Beziehung dauernd einzuwirken, sollen die zur Zucht ausgewählten Stuten in ein Pferde st am m buch eingetragen werden. Die Nachkommenschaft wird gleichfalls ausgewählt und eingetragen, sodaß man die gute Abkunft der Tiere in der Folge kontrollieren kann. Von dieser Maßnahme verspricht man sich die besten Erfolge für die Hebung der Landespferdezucht. Oberlandstallmeister v. Wil lieh befürwortet warm diese Maßnahme, die er selbst angeregt und eingeführt hat und die Mitglieder geben ihr Einverständnis durch warmen Beifall kund. — Ein Fohlenimport aus Belgien oder Oldenburg kann in diesem Jahre nicht stattfinden, da zu wenig Bestellungen eingegangen sind.— Im Lande sind eine Anzahl Fohlen weiden errichtet worden, damit die jungen Tiere wenigstens in der guten Jahreszeit sich im Freien tummeln und so ihr Knochengerüst, Sehnen und Muskeln, der ganze Organismus sich so entwickeln kann, wie es für ein brauchbares Pferd notwendig ist. Rühmend wird Oberhessen hervorgehoben, dos eine sehr große Fohlenweide errichtet hat und von jetzt ab regelmäßig Fohlen auf den Jungviehweiden bei Lauterbach und in Wernings (Kreis Büdingen) aufnimmt. Für den Kreis Alsfeld ist eine Fohlenweide in Vorbereitung. Im Laufe des Jahres 1906 findet in Oberhessen eine Provinzialschau für Fohlen in Butzbach und eine Bezirksschau in Salzhausen bei Nidda für die Kreise Gießen-Büdingen und Schotten statt. Die Hauptversammlung des Landes-Pferdezuchtvereins für 1907 ist für Friedberg vorgesehen. Ans Stadt nnd Land. Gießen, den 21. Mai 1906. ” Personalien. Der Militäranwärter Rich. Struth aus Niedcr-Jngelheim wurde zum Steueraufseher ernannt. **Gine raffinierte Schwindlerin treibt seit einiger Zeit in Bayern und Hessen ihr Unwesen. Sie besucht Personen, über deren verwandtschaftliche Verhältnisse sie sich genau informiert hat und stellt sich als Verwandte von Verwandten oder bekannten Leute vor, läßt sich bewirten und erzählt im Laufe der Unterhaltung, sie habe ihre Fahrkarte oder ihr Geld verloren und könne nicht weiterfahren. Sie bittet schließlich um Darlehen unter dem Versprechen baldiger Rückgabe. Sie legt sich stets einen anderen Namen bei und ist an den Orten, welche sie als ihren Wohnsitz angibt, natürlich nicht bekannt. Die Frau wird folgendermaßen beschrieben: ungefähr 38—40 Jahre alt, schlanke Statur, ca. 1,70 m groß, dunkelblondes oder rötliches Haar, spitze Nase, längliches knochiges Gesicht mit Pockennarben, rotgeränderte Augen. Kleidung: Schwarzer Sammethut mit schwarzem Bond und weißer Feder, schwarzes Kleid, schwarzes Jacket. Sie spricht niederrheinischen Dialekt und hot verarbeitete, auffallend große Hände. Betrügereien in obenerwähnter Art hot sie begangen in der Nähe von Grünstadt, Frankenthal, Alzey, Mainz, Worms, Groß-Umstadt und Büdingen. Es wird hiermit vor dieser Betrügerin gewarnt und e§ empsiehlt sich, vorkommenden Falls sie durch die Polizei festnehmen zu lassen. ** Postauswc «.starten. Vor einiger Zeit h-at die Postverwaltung für den inneren deutschen Verkehr eine Neuerung getroffen, die dazu bestimmt ist, beim Empfange von Postsendungen Weiterungen zu vermeiden, und auf die wir bei Beginn der Reisezeit besonders aufmerksam machen möchten, nämlich die Einführung besonderer Post- ausweiskarten. Die Karten dienen als vollgiltiger Ausweis an den Posts' altern, wie auch gegenüber dem Postbeste.l!^ esoual. Bei 1 Abtragung von PosUrnweisungen sowie von Wert- und ^...lschreibsendungen an einen dem bestellenden Voten unbekannten Empfänger, der sich durch Vorlegung einer Postausweiskarte ausweisen kann, bedarf es daher der sonst vorgeschriebenen Bürgschaftsleistung durch den Gastwirt oder eine andere bekannte Person nicht. Die Postausweiskarten haben eine Photographie, eine kurze Personalbeschreibung und die eigenhändige Unterschrift des Inhabers zu enthalten. Für ihre Ausstellung ist eine Schreibgebühr von 50 Pfg. zu entrichten. Anträge auf Ausstellung sind an die Postanstalt, der die Wohnung des Antragstellers zugeteilt ist, persönlich unter Vorlegung einer unaufgezogenen, nicht zu dunklen Photographie in Vifit- form zu richten. Der Postanstalt unbekannte Personen haben sich durch eine andere Person oder in sonst zuverlässiger Art auszuweisen. Postausweiskarten sind ein Jahr, vom Tage der Ausstellung ab gerechnet, giltig. Postausweis^ karten, während deren Giltigkeitsdauer im Aussehen des Inhabers solche Aenderungen eintreten, daß die Photographie oder die Personalbeschreibung nicht mehr zu- tresfen, müssen schon vor Ablauf der Frist erneuert werden.. )( Watzenborn, 21. Mai. Am Donnerstag ereignete sich in der H o l z sch n e i d e r e i von Jakob Ruhl hier ein bedauerlicher Unglücks fall. Dem 24jährigen Ludwig Häuser von hier wurden von der Säge zwei Finger der linken Hand vollständig abgeschnitten. Er wurde) sofort in die Gießener Klinik verbracht. X Große n-B"seck, 19. Mai. Der neugegründete Lahngau-Wettern u -Sängerbund wird am Sonntag nach Pfingsten hier eine Delegiertenversammlung unter dem Vorsitz des LandtagSabg. Leun - Großen-Linden abhalten, um in dem Buseckertal weitere Vereine zu gewinnen. Dem Bunde sind bereits 20 Vereine beigetreten. Der Bund ist in vier Bezirke eingeteilt: 1. Großen - Linden - Lang - Göns, 2. Lollar-Heuchelheim, 3. Großen - Buseck - Burkhardsfelden und 4. Lich - Garbenteich. ? Krofdorf, 19. Mai. Welch stattliches Pferdematerial sich in den Gemeinden der Bürgermeistereien Atzbach- Launsbach vorfindet, konnte man bei den Musterungen am 15. und 16. Mai sehen. Zu Dorlar und Krofdorf wurden 170 kriegsbrauchbare Pferde vorgeführt. Dabei waren die Gemeinden Krofdorf mit 37 und Atzbach mit 32 Tieren beteiligt. Die Besichtigungen nahm Rittmeister v. Rosenberg aus Frankfurt als Vermusterungskommissar vor. (?) Rodheim a. d. Bieber, 18. VJlai. Hier herrscht fortgesetzt eine rege Bautätigkeit. Leider hat man es in früheren Jahren versäumt, geeignetes Bauterrain zu erwerben, resp. neue Straften vorzumerken, und so fehlt es eben vielfach an Bauplätzen. Gegenüber der Haltestelle der Biebertalbahn läßt Gastwirt Stork ein stattliches Restaurant erbauen, welches im Rohbau vollendet ist und noch im Mchsommer in Betrieb genommen werden soll. ch Hohensolms, 18. Mai. Dieses Jahr scheint ein Maikäferflugjahr zu sein. Massenhaft zeigen sich die schädlichen Gesellen in unscrn Waldungen. Es wäre wünschenswert, wenn alljährlich seitens der einzelnen Gemeinden Maßregeln zur Vernichtung dieser Baumfeinde getroffen würden. * Laubach, 20. Mai. Mit der Konzession für die hiesige Gaszentrale ist vorn Großh. Ministerium zugleich der Bescheid ergangen, daß es zur Anteilnahme für die einzelnen Gemeinden fernerhin nicht mehr der Einholung einer besonderen Erlaubnis bei der vorgesetzten Behörde bedarf, sondern der Anschluß nunmehr dem eigenen Willen der betreffenden Gemeinde unterliegt. ? Breungeshain, 17. Mai. Der nach den: Taufsteine führende Fahrweg soll durch eine Straße ersetzt und damit einem längst gefühlten Bedürfniffe Rechnung getragen werden. Anfangs dieser Woche nahn: Geh. Obcr- forstrat Walther aus Darmstadt mit den Vertretern der beteiligten Oberförstereien und der Gemeinde eine Besichtigung des Projektes vor. Für die Abfahrt von Holz und den Touristenverkehr bietet der Straßenneubau bedeutende Vorteile. s. Stornfels, 19. Mai. Gestern machte der seit einigen Jahren an Schwermut leidende Landwirt Fritz ins in einem Anfall von Geistesgestörtheit seinem Leben dadurch ein Ende, daß er sich in dem „Wüschborn", einem mit einer .Holztüre verschließbaren Brunnen, ertränkte. Der Bedauernswerte war 55 Jahre alt und lebte in geordneten Vermögensverhältnissen, hatte aber in seinem Zustande schon öfters Selbstmordgedanken geäußert. [] Rendel, 20. Mai. Wilhelm Gunderloch, der sich freiwillig wegen seines Brudermordes der Polizei meldete, wurde gestern Mittag, nachdem die Großh. Staatsanwaltschaft Gießen den Tatbestand aufgenommen hatte, wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Leiche des Hch. G. wurde freigegeben und die Beerdigung fand heute Mittag um 3 Uhr statt. f Von der Bergstraße, 20. Mai. Ein Heirats - schwindler wurde in Bensheim festgenommen. Er logierte 14 Tage lang in einem dortigen Hotel unter dem Namen Rittmeister a. D. v. Faber, Ritter des eisernen Kreuzes, und wußte durch vornehme Allüren die Dummen zu ködern. § Marburg, 18. Mai. Von der bei Franken berg bei dem blutigen Rekontre auseinandergesprengten Zigeunerbande trafen heute mehrere Frauen, darunter eine Wöchnerin und 2 kleine Kinder, zu Fuß hier ein. Die Leute, welche einen kläglichen Anblick boten, wurden von einem Gendarm in den Kreis Kirchhain gebracht, sie gaben nämlich an, vielleicht im Schwalmtal ihre Namensangehörigen wiederfinden zu können. Iie Eröffnung des Simplontunnels. 'Brig, 19. Mai. Ter König von Italien traf am Vormittag um 10 Uhr 30 Min. ein: er wurde von den Mitgliedern des Schweizerischen Bundesrats empfangen, dessen Präsident Forrer den König durch einen Händedruck begrüßte. Der König trug die Uniform eines Jnfanteriegenerals ohne Orden. Nach dem Abschreiten der Ehrenkompagnie und dem Empfange meyrerer italienischer Abordnungen begab sich der König mit Gefolge in den Pavillon, wo das vom Bundesrat gebotene Frühstück stattfand. Bei dem Dejeuner brachte zunächst Bundespräsident Forrer einen Trinkspruch aus, in welchem er den König Viktor Emanuel als das sympathische Oberhaupt eines befreundeten Nachbarstaates im Namen des ganzen Schweizervolkes auf schweizerischem Boden willkommen hieß und die Hoffnung aussprach, daß die für alle Zeiten gebaute Simplonbahn, dieses große und gemeinsame Werk, auch der Freundschaft zwischen beiden Mtionen einen eisernen Bestand verleihen möge. Der Trinkspruch des Bundespräsidenten galt dem Wohlergehen des Königs, der königlichen Familie und der Wohlfahrt des gesamten italienischen Volles. In seiner Erwiderung dankte der König für den ihin bereiteten herzlichen Empfang, gab der großen Sympathie Ausdruck, die er für das arbeitsame Schweizervolk empfinde, und zollte den Schöpfern des Simplontunnels hohe Anerkennung. Der König begrüßte sodann die Simplonbahn als Garantie der unzerstörbaren herzlichen Freundschaft der beiden Rationen und schloß mit einem Hoch auf den Bundespräsidenten, den Bundesrat und das Schweizervolk. — Rach der Besichtigung über die zum Ehrendienst aufgebotenen schweizerischen Truppen erfolgte die Abfahrt des Königs nach Domodossola. Domo dos so la, 19. Mai. König Viktor Emanuel traf heute nachmittag um 3 Uhr 20 Min. mittels Sonderzuges durch den Siinplontunnel von Brieg, begleitet vom Ministerpräsidenten Sonnino und dem Arbeitsminister Carmine, hier ein. Kurz darauf trafen mit dem anderen Sonderzuge der schweizerische Bundespräsident Forrer und die Mitglieder des Bundesrats und anderer schweizerischen Behörden, am Bahnhof vom K'mig und den italienischen Würdenträgern empfangen, ein. lim 4 Uhr 15 Min. empfing der König die Ortsbehörden und die einheimischen Abordnungen und gab ihnen gegenüber seiner Befriedigung über Fd en ihm in der Schweiz bereiteten Empfang Ausdruck. Präsident Forrer und die schweizerischen Bundesräte äußerten ihre Genugtuung über den Empfang, den sie seitens des Königs, der Behörden und der italienischen Bevölkerung gefunden hätten. Von den Vertretern der Tunnelbaugesellschast wurde dem König eine Sammlung von 18, während der Arbeiten gefundenen mineralogischen Merkwürdigkeiten, in einem prächtigen Gehäuse überreicht. Nach dem Empfange verblieb der König des Regens wegen im Bahnhofsgebäude im Gespräch mit den schweizerischen Gästen. Ilm 5 Uhr 30 Minuten fand in den mit Gobelins, Teppichen und Blumen reich^geschmückten Sälen des Bahnhofs ein von dem König zu Ehren des Schweizerischen Bundesrats gegebenes Festmahl statt. Der Trinkspruch, den der König ausbrachte, hatte folgenden Wortlaut: Es ist mir äußerst angenehm, die höchsten Beamten der kernigen Schweiz ans italienischem Boden zu begrüßen bei dieser Gelegenheit, die deshalb besonders glücklich ist, weil das Datnnr der Einweihung des Simplontunnels ewig denkivürdig in der Geschichte der kühnsten menschlichen Wagnisse bleiben wird. Ich bin glücklich, daß die Feier dieses Sieges von Wissen nnd Arbeit in ihren Anstrengungen und Zielen z-wei Völker vereint gefunden hat, zwischen benen der Wetteifer im Fortschritt ein immer kräftigeres gegenseitiges Vertrauen tzerstellt. Wenn der Geist der Völker sich friedlichen Künsten zuwendet und Werke wie dieses hervorbringt, wird unsere Seele sicher von tröstlichen Hoffnungen auf eine noch reichere Zukunft des Menschengeschlechts an Gesittung^ und Glück erfüllt. Ich bitte Sie, Herr Präsident und eie, meine Herren Räte mit mir auf ewige Freundschaft zwischen der Schweiz und Italien zu trinken. Der Trinkspruch, mit dem Bundespräsident Forrer antwortete, lautete: Im Namen des Bundesrats danke ich Ew. Majestät aus tiefem Herzen für den so herzlichen Empfang, den wir auf italienischem Boden gesunden haben. Wir Schweizer werden stets angenehme Erinnerungen an diesen schönen Tag bewahren und die Worte nicht vergessen, die Ew. Majestät je 13t die Güte hatten, an uns zu richten. Sie kommen von Herzen und gehen zu Herzen. Sie sind für uns ein kostbares Pfand der Freundschaft, die beide Nationen verbindet und der wir ewige Dauer wünschen. Mögen sie der Same einer fruchtbaren Zukunft sein und ihre Verwirklichung in unseren vielen Beziehungen finden namentlich hinsichtlich des wechselseitigen Schutzes der Arbeit. Nun ist der Augenblick, daß wir un^ trennen, gekommen. Ich bitte Ew. Majestät, mit mir und meinen Kollegen auf den Tag trinken zu wollen, der uns aufs neue vereint finden wird zu anderen Werken des Friedens, der Freundschaft und des Fortschritts. Kurz vor 7i/4 Uhr reifte der Bundespräsident Forrer nach äußerst herzlicher Verabschiedung vom König mit den übrigen schweizerischen Vertretern nach Bern: ab. Eine halbe! Stunde später reiste der König mit dem Ministerpräsi^ deuten Sonnino und dem Arbeitsminisker Carmine nach Rom. Beide male erwies eine auf dem Bahnhöfe ausgestellte Kompagnie die militärischen Ehren.______________________ SUS den Sfötibfgßmlercgito der Sind! Gießen. Aufgebote. Mai: 10. Johannes Grebe, Maler und Anstreicher in Buchenau^ mit Maria Kropv dahier; — Karl Schmidt, Maurer in Krofdori, mit Katharine Schnabel dahier; 12. Dr. vhck. Wilhelm Korn iiv Breslau mit Anna Gisevius dahier; — Ludwig Müller, Viehtreiber dahier, mit Elisabethe Pfeiffer Hierselbst; 15/ Joseph Beer, Bildhauer dahier, mit Ida Hochreither in Contwig; 16. Franz Bruno Krohn, Kaufmann in Lahr, mit Johanna Zimmer dahier. Eheschließungen. Mai: 12. Adolf Pfisterer, Bildhauer in Frankfurt a. M., mit Christiane Giegling dahier; — Heinrich Schlömer, Schreiner in Corbach, mit Gertrude Müller dahier; — August Weiß, Bautcch- niker in Offenbach a. M., mit Anna Müller dahier; — Aloys Baur, Architekt in Mainz, mit Luise Höhnle dahier; — Heinrich Marx, Glaser dahier, mit Elisabethe Hofmann Hierselbst; 16. Johannes Folsing, Kanalarbeiter dahier, mit Philippine Simon geb. Pracht hierfelbst. Geborene. Mai: 5. dem Schlossermeister Wilhelm Ziegler ein Sohn, Christian ; 6. dem Sergeanten Johann Karl Schwarz eine Tochter; 8. dem Gärtner Wilheln: Zierlein ein Sohn, Christian Emst; 9. dem Buchhalter Ernst Burger eine Tochter, Anna Pauline Mathilde; 10. dem Kutscher Johann Gennö ein Sohn, Gustav Robert; 13. dem Bahnarbciter Karl Volz eine Tochter; 15. den: Maschinisten Heinrich Gravelius eine Tochter; 16. dem Dizefeldwebel Heinrich Jäger ein Sohn, Heinrich Wilhelm. Gestorbene. Mai: 12. Minna Graulich, 11 Monate alt, Tochter des Fuhrmanns Konrad Graulich dahier; 16. Josef Bühler, 49 Jahre alt, Erdarbeiter dahier. Gegen Brechdurchfall und Darmkatarrh schützt man die Säuglinge am besten, wenn mait sie mit Kusekes Kindermehl und Milch ernährt. Beides wird im Magen gut verdaut und geht im Darm weniger leicht, wie Kuhmilch allein, zur Gährung über. 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Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen, Riegelpsad 17, den 21. Mai 1906. O-esellscSiaftsirer©^. Heute wurden gezogen: v1!» I. zur Einlösung für 1. Juli 1906 die Obligationen Nr. 4, 164, 321 des Anlehens vom 1. Januar 1836 II. zur Einlösung für 1. Oktober 1906 die Obligationen Nr. 7, 80 des Anlehens vom 1. Oktober 1900. Lieferungen trt Akkord gegeben werden: 1. Maurerarbeiten .... veranschlagt zu Mk. Reichhaltige Auswahl in Tapeten Borden Lincrusta und LincrustaimBtatEon Moderne Muster. Billigste Preise. Prompte Bedienung. Aug. Benner, Tapetenhandlung VII. Kesstlch-Tyirringische Staatsl'otterie Ziehung VI. Klasse. (14. und letzter Tag.) 19. Mai 1906. Alle Nummern, hinter welchen nichts bemerkt ist, sind mit 200 Mark gezogen. (Hyne gewähr.) von heute an bis auf weiteres für den Fährverkehr gesperrt. Gießen, den 18. Mai 1906. Grvßu. Lvlizeiamr Gießen. Herberg. Kcüaimtmachllng. Die unterm 20. April 1906 ungeordnete Sperre der L ö w c n g a s s e, zwischen Bahnhofstraße unb TeufelSlu stgärtchen wird hiermit aufgehoben. Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird der Neuenweg, zwischen Kreuzplatz und Erlcngasse, von heute Dantlagung Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, sowie für die reichlichen Kranzspenden bei dem Hinscheiden unseres unvergeßlichen Gatten, Vaters, Schwiegervaters und Großvaters sagt innigsten Dank Familie Will. 835 (400) 868 92028 208 309 (1000) im Rathaus zur Einsicht offen. Angebote müssen in Prozenten ausgedrückt und bis zum 2. Juni l. I., mittags 2 Uhr, bei dem Unterzeichneten versiegelt und mit entsprechender Aiifschrist versehen eingereicht sein. Zuschlagsfrist 8 Tage. B’1/» Lich, den 20. Mai 1906. Großherzogliche Bürgermeisterei Dörmer. 94109 13 610 (1000) 993 342 (400 und 10000 M. Prämienantfil) 969 ©7129 44 569 6 1 ILeiateEfi Sie an Blasen-, Harn-, Nieren- beschwerden, Ausfluß u. Zuckerkrankheit, dann trinken Sie Apolh. Wagners Boldotce. 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Schlosser sowie Former werden auf dauernde u. lohnende Beschäftigung eingestellt von Heyligenstaedt & Eomp., Werkzeuginaschinenfabrik u. Eisen- _______gießerei, Gießen. [3175 Junger Zeichner sofort gesucht. Schriftl. Meldungen unter 3171 an den Gießener Anzeiger erbeten. Tückll. Schlossergesell^und em Lehrling sofort ges. Karl Schmidt, Schlosserinstr., Neuenweg 42. ["^°v Suche zum sofortigen Eintritt tüchtige Schreiner. Aus der Umgegend bevorzugt. Heinrich Reger 3121] Eisschranksabrik, Lich. Selbständigen älteren SeMosser als Vorarbeiter u.jüng.Schlosser sticht H.Hansel, Löberstr. 19. [^^ Bflaurer und Tagiöhner können noch eintreten. [3158 ßranliuriet Straße 29. kiii FalirkliirslheSL^ sowie der die Bäckerei ein erlernen will aus sofort gesucht. 2970 Bäckerei Hahn, Walltorstr. 31. Für meine Schreinerei suche ich einen fleißigen Arbeiter als Hausburschen. 3182] E. Schön, Ebelstraße 9. 3160] Kräftiger, gewandter Hausburfche gesucht, der auch mit einem Pferd umgehen kann. Niir mit besten Zeugnissen versehene wollen sich nielden. Ludwigstraße 31. Junfltr HMsdillschc gesucht 27311 H. Krämer, Kreuzplatz 11. Ein zuverlässiger, kräftiger Hausburfche gesucht. [3220 Dampf-Waschanstalt Edelweiß Sohn achtbarer Eltern kaiin bei mir in die [2909 Lehre eintreten. Heinr. Schön, Schlofsermeister _________Liebigstraße 65.________ Dienstmädchen gesucht. [3210 Liebigstraße 71, Wilh. Pfeiffer. Dienstmädchen zum 1. Juni gesucht. [03566 Ludwigsplatz 13, p. Für sofort eventl. später eine selbständige [3212 Köchin gesucht, die etw. Hausarb. mit zu übern, hat. Frau Ur. Rosenberg. Sacksiickerin § gesucht. Wilhelmstraße 1, IL Fran oller Mädchen zum Waschen und Putzen sucht Fran Karl Adams 03687] Grünberger Straße 32. Ein braves Mädchen, welches Lust hat die Blumen-Binderei zu lernen, wird gesucht. [03681 Blumengeschäft Kirchenplatz 9. cr>ieustmädchen oder Lauffrau sofort gesucht. Löweng. 20, II. __03694____________ Durchaus perfekte [3221 Büglerin, gesucht. Dampf-Waschaustalt Edelweiß' ^»lädchen, 14-16 I., für Laui- dienst in kl. Haush. sof. ges. 3218] Grünberger Straße 7, p. 8e!il>le Ueihllüheriueii I v-soiort gesucht. Blsmarckstr.14,1. DieHmlijiche!] sofort gesucht. , [B1*/. ________Chirurgische Klinik. Hausmädchen zuverlässig und kräftig, zu sofortigem Eintritt gesucht. [03664 Frau E. Bücking, Südanl.14,11. Jüngeres Dienstmädchen per sofort gesucht. Frau Karl Eichmann, Ederstraße 1. [3135 Ftell?n-G ein ilst Gebtlvetes Frauteiu geprüfte Kindergärtnerin, wünscht stundenweise Beschästiguntz, entweder Ueberwachung kleinerer Kinder oder Beaufsichtigung von Schularbeiten. Würde auch evtl, mit auf Reisen gehen. Schriftl. Angebote unter 03692 an den Gießener Anzeiger erbeten. Junges, kräftiges Mädchen für Küche und Hausarbeit oder als Zimmermädchen sucht per sofort Stellung. Schriftl. Angebote unter 3217 an den Gießener Anzeiger erbeten. Ein besseres Mädchen sucht vorm. Beschäftigung durch [03685 Fr. Hüttenberger, Seltersweg 67. c^ung. Mädchen sucht Aniangs- -V stellung auf einem Kontor. Schriftl. Angebote unter 03562 an d. Gießener Anzeiger erbeten. Aelteres, solid.Mädchen, welch, im Nähen bew. ist, auch in Küche u.Haus ziernl.erfahr.,sucht paff.St. Schrift». Angebote unter 03647 an den Gießener Anzeiger erbeten. Vcrs'chi ebenes Empfehle mich im Aufertigeu, Aendcrn, Reinigen, Reparieren und Bügeln. 02806 Hübner, Schneider, Steiustr.72 ^erteilt NsGiisc-Strnillcil in Franzöf., Eugl. u. Deutsch. Näheres in der Geschäftsstelle des Gießener Alizeigers. [03549 Rn tfl Zarin empfiehlt sich in Dliglünil u. außer d. Hause. 03682 s Dammftraße 48, 111. Gesangbuch gestern inderJoh.-- Kirche (Ehristenl.) liegen geblieb. Derjenige, welcher es zur Aufbewahrung an sich genommen, wird gebeten, es gegen Belohn, abzug. 03691] Bismarcksttaße 30, part. 1 Ueberziehcr u. 1 Spazier- Kock gefunden. Abzuholen gegen Belohnung bei Herrn Theodor Löber, Seltersweg 32. 03697 I573onntrMfl!i,24.3ll(ii -D\ (Himmelfahrtstag) MfliigL'Himdttg Nähere Besprechuna am Abend vorher 9 Uhr im Vereinslokal. Samstag, den 26. Mai abends 9 Uhr im Reuen Saalban Blistungssest. 1. Teil: Konzert und Theater. 2. Teil: Ball. Wegen Einladungskarten zur Einführung von Gästen wende man sich rechtzeitig an den Vor- itzenden. vti/e] Der Vorstand. Caf6 Elges Meute Lechners Schrameln- Konzert. 03704