' 1905, ffwa. Mei JUö jj 1655 ^efond ‘Silage iennnn 81 'Am»-»! * j alten K?M° : 6nbe 1905 » 1906. » ns verbesserte )üe8t9 nnd Beste ati em Gebiete der rasohmaschinen, fen auf dem KucheB. °v verwendbar. Pistor Nachf. >en, Marktstr. 10, £*f*££^*£*. tUenda, Uhr greise Haupt- tau ter Tag): s 4 Uhr einzige grch ug zu ernsten Pi. rtz 20 Piz., Saütrit Iv r>: regierte Tiere borgen, (uug. Sonntag legier'.. 3T •ß (ülymommvi: robben zu eins jZreitag, abends S l»l: ch eingeladrn. teradschaftlichem H Sin 66 er. _ ieüer W- April 1906 M iznrt empFvu- r. wn- CerveipZ Nr. 93 •rfftetnt täglich außer SanntagS. Dem GießenerZlnzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Familien- blätter Dicnnal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck il Verlag der B r ü h l'sehen Univers.-Buch-u. Steindruck erei. 9L Lange. Redaktion, Lrveditiou und Druckerei: Echulstraße 7. Redaktion 112 Verlag u.Exped.e^JHöl Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. 156. Jahrgang Erstes Blatt Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen Samstag 21. April 1906 VezugäpreiSt monatlich 7b Pf^ viertel- GietzenerAnzeiger General-Anzeiger w jährlich Mk. 2LO; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post 2)tk. 2.—viertel- jährl. ausschl. Veslellg. Annahme von Anzeigen für die TageSnuminer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenvrew: lokal 12P^, auswärts 20 Pig. Verantwortlich für den poüL und allgem, Teil: P. Wittko: für ^Stadt und £anb' und -Gerichtssaal'Ernst yeß; für den Anzeigenteil: HanS Bett. Deutsches Reich. Berlin, 20. April. Auf Veranlassung des Kaisers werben sich der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich im Sommer auf die Wartburg begeben, um ihren Gemahlinnen den neuen Mosaikschmnck in der Kemenate der heil. Elisabeth zu zeigen. — Auf der rumänischen Gesandtschaft sand heute ein Festmahl statt auSAnlaß des Geburtstages des Königs Carol, der zugleich ber 4 0. Jahrestag ber Volkswahl ist, durch welche Carol auf den rumänischen Thron berufen würbe. Im Auftrage des Kaisers überbrachte Prinz Eitel Friedrich, der ein Patenkind des Königs ist, nicht mitmachen. Ms Köhler mm mich drei Monaten nicht zurücktrat, wie es sogar schriftlich vereinbart war, wählten ihn Natiomrlliberale obendrein wieher, statt sich zu sagen, wir sind geprellt. Das spricht nicht für eine Tendenz, der ich das Wort reden kann. Wie die Nationalliberalen zum Antisemitismus stehen, zeigte ja die Landtagswahl in Wörrstadt. Dorthin sandte der Führer der Ncpionalliberaleu Haas-Darmstadt folgenden Brief: „Tarmstadt, 21. Nov. 1905. Sehr geehrter Herr und Parteifreund! Wie ich höre, steht die Wiederwahl deS Herrn Wolf in seinem seitherigen Wahlbezirk in Frage und wird durch seinen freisinnigen Sloiiiurrcnten Herrn Christ gefährdet. Ich bitte Sie dringend mit allen Kräften s ftr d i c Wahl des Herrn Wolf einzutretcn. Dessen Wahl ist sowohl im nationalen wie im wirtschciftlick^n, namentlich aber im Interesse des landwirtschastlicven Genossenschaftswesens gelegen, das in .Herrn Christ einen Gegner betrachten muß. In diesem meinem Ersuchen befinde ich mich im Einklang mit allen wahrhaft patriotisch gesinnten nationallrberalen Parteigenossen. Mit par- teigenossenschaftliäxm Gruß Ihr ergebenster £> a a 5." Hier wird also Christ als Gegner des Genossenschaftswesens dargestellt, obwohl er zweiter Vorsitzender des landwirtschaftlichen Provinzialvereins für Rheinhessen ist! Und uns spricht man weiter einfach den Patriotismus ab. Solange von einer solchen exzessiven, beleidigenden Behandlung unserer Partei durch Ratiouallib. nicht ab gegangen wird, ist ein Friede mit Nationalliberalen nicht möglich, (Lebhafter Beifall.) Tie Zeiten, wo ivir „Reichsfeinde" gescholten wurden, glaubte ich überwunden. Wenn man uns aber heute das patriotische Verständnis abspricht, bann ist ein gemeinsames Handeln nicht möglich. Tiese Agitation der Mistachtung ist lediglich der Nährboden für die Zwietracht. Angesichts dessen kann ich hier nicht empfehlen, dast Sie mit Nationccklib. znjammengel)Ln sollen .Bon der anderen Seite ist auch nichts geschehen, wiOs ein solches Zusammen gehen erleichtern könnte. Ich bin der Ueberzeugung, daß auch in Darmstadt einmal die Stunde schlagen wird, hw man diese hochmütige Art der Behandlung unserer Partei seitens der Ncttionalliberalcn ableat. .Hoffentlich gelangen die Nationalliberaleu bis zu den nächsten allgemeinen Neichs- tagswahlen 1908 zur Einsicht. Bis dahin aber muß die Parole aller Liberalen, welche eine wirklich fortschrittliche Politik wollen, am Wahltage in der nächsten Woche in der Abstimmung für lwrell zum Ausdruck kommen. Die Rede des frei finnigen Führers bildete den Höhepunkt des Abends. Ter tiefe Einbruch den sie allseitig machte, lüste geradezu stürmischen Beifall aus. Es sprachen noch Parteisekretär Haupt, Redakteur Bornmaun und Reallehrer Kahl. Zahlreiche, namentlich jüngere Wähler, meldeten sich zur Aufnahme und Mitarbeit. So brachte diese Versammlung neben dem Programmatischen auch noch erfreulich Zweclliches für die Sache der Vereinigten Liberalen. Zie Heutige 'Dummer umfaßt 16 Seiten. Ar. Hulfleisch über die g:tu (be-- gidbeii) aus Hingt, gehört zu dem Ergreifendsten, was Bach geschrieben hak. Stich! zu flüchtigem Genuß freilich ist der Hörer ge- die Glückwünsche des Kaisers und brachte mit ganz besonders herzlichen Worten einen Trinkspruch auf den König auS. In Erwiderung toastete der rumänische Gesandte auf den deutschen Kaiser. — Das Befinden des Reichskanzlers Fürsten Bülow ist andauernd gut Der Kanzler verbringt jetzt regelmäßig vormittags einige Stunden außerhalb des Bettes, gibt Diktate und empfängt einige Besuche. In wenigen Tagen dürfte er soweit hergestcUt fein, daß er zu seiner gewohnten Lebensweise zurückkehren und auch täglich einige Zeit im Freien zubringen können wird. Die völlige Wiederaufnahme der Dienstgeschäfte sucht Geheimrat v. RenverS indesien noch so weit alS möglich hinauSzuschieben, da eS ihm darauf ankommt, feinen Patienten erst dann seiner Arbeit zurückzu- geben, wenn der Reichskanzler seine frühere vorzügliche Gesundheit in ihrem vollen Umfange wiedererworben haben wird. — Wie der »ReichSanz.* meldet, ist der außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Dtinister am Großh. hessischen Hofe Prinz Hans zu Hohenlohe-Ochringen behufs anderweiter dienstlicher. Verwendung von diesem Posten ab* berufen worden. — Der .Reichscmz.* veröffentlicht die Verleihung deS Roten AdlerordenL 1. Klasse mit Eichenlaub an den Unter- staatSsekretär im Auswärtigen Amt Dr. v. Mühlberg. — In kundigen Kreisen nimmt man nach der .Disch. Tagesztg." an, daß der Bundesrat in seiner nächsten Plenar- sitzung sich mit dem Gesetzentwurf über die Entschädigung für die Rerchstagsabge ordneten beschäftigen und ihm zustimmen werde. Die Vorlage würde unverzüglich dem Reichstage zugehen. Irgendwelche Schwierigkeiten wären im Bundetzrat nicht zu befürchten. — Dem Abgeordnetenhause ist ein Gesetzentwurf betr. Bewilligung weiterer Staatsmittel zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse der Arbeiter, die in staatlichen Betrieben beschäftigt sind, und der gering besoldeten Staatsbeamten zugegangen. Der Entwurf erfordert 15 Millionen Mark. — In den letzten Tagen sind aus Berlin über 2Oft Russen als lästige Ausländer ausgewiesen worden. Unter den Ausgewiesenen befinden sich Leute, die sich schon längere Zeit in Berlin aufhalten. Während bei der Mehrzahl der s2(uSgewicfenen die Ausweisung mit Mittellosigkeit begründet wirb, ist bei einem Teil der Ausgewiesenen, hauptsächlich den Studenten und Studentinnen, die Maßregel politischen Motiven zuzi,schreiben. Auch soll in verschiedenen Fällen den Ausgewiesenen statt der üblichen 14 Tage nur dreitägige Frist zum Ordnen ihrer Angelegenheiten bewilligt worben jein. Es verlautet, daß sich die aus politischen Gründen ausgewiesenen Russen in Berlin in oppositioneller Weise betätigt haben sollen. Die Ausstände in Frankreich. Paris, 20. April. Die Blätter veröffentlichen aus dem Kohlen-Streik-Gebiet Depeschen, nach denen die heute slattgehabteu Ruhestörungen rroch weitaus schlimmer verliefen, als die ersten Berichte vermuten ließen. Ms besonders bedenklich wird die Lage im Bezirk Valenciennes geschildert, wo in zahlreichen Ortschaften blutige Zusammenstöße ber ausständigen Bergleute mit der Gendarmerie und den Truppen ft alt? anbei'.. Die Bevölkerung sei höchst beunruhigt und verlange energische Maßnahmen zur Unterdrückung der geradezu ui 11 MinMaMaggz—Mmga— laben, die ,Seufzerkeuen", das Kyrie, mit denen das ganze Werk eingeleitet wird, setzen vielmehr eine wohlvorbereitete Stimmung voraus: in feierlichem Ernst sollen wir hohen Gedanken folgen. Von besonderer Schönheit ist das „Confiteor“ (Ich bekenne eine Taufe zur Vergebung der Sünden), aber auch das bei erstmaligem Sören am schwersten verständliche Chorstück, wenigstens bis zu den Schlußworten: ,unb erwarte die Auferstehung der Toten und ein ewiges Leben", die von unmittelbar packender und hinreißendes Wirkung sind. Den mächtigen Chören gegenüber treten die solistischen Telle einigermaßen zurück, so große Schönheiten sie auch im einzelnen enthalten. Am bekanntesten sind die Alt-Arien „Qai sedes ad Dexteram“ und „Aguns Dei“, diese „eines der klassischen Zeugnisse für die MÖglick-keit, daß auch in den Formen der neuen Alusik dein reinen Geist der alten Messe Gerechtigkeit widerfahren konnte" tttretzschmar). In der Arie für Alezzosopran: „Laadanms te“ und in der Tenorarie „Benedictuö" wolle man auf tue die Sing- ftinune umrankenden Melodien der Sologeige achten. Auch in dem Duett: „ebriste eleison“ ist der Geigenbegleitung eine hervorragende Stelle zugewiesen. In Bachs Orchester war im übrigen der Cboentlaiig vorherrschend, und zwar in viel stärkerem Maße, als es sich bet der heutigen Art der Orchesterbesetzung, bei der die Streicher überwiegen, deutlich machen läßt. Posaunen fehlen ganz. Eine besondere Eigentümlichkeit der orchestralen Partie besteht darin, daß in manchen Choren die Ehorstimmen ganz selbständig gehen, d. h. durch gleichlautende Stimmen im Orchester nichts unterftüijt werden. Daß darin zugleich eine besondere Schwierigkeit für beit Gesangschor liegt, ist für den Kenner ohne weiteres klar. Andere Chöre wieder sind fast a eapelln gedacht und werden nur schwach von ber Orgel begleitet Tie Wichtigkeit der Crgelftimmc bedarf ausdrücklicher Erwähnung. Von den inanmgtachen Feinheiten der Orchesterparlie sei eine der eigenu tulichsten besonder--' hervorgehoben, die in ihrer Art vielleicht cinzig dastehl: die in der Begleitung des — abgesehen vom Schluß- talt — ö2 Takte um'assenden „Crucifixus" 13 mal unverändert wiedcrkchrende viertaktige Baßsigur, durch die die furchtbare Tragik ; cv vom Chor gelungenen Worte in erschütternder Weise ver- stätti wirb. -ver sich über Einzelheiten der musikalischen Durcharbeitung näher unterrichten will — was sehr zu^wünschen ist —, dem em= psehlen wir die Einü'ihrtmgen von I. Sittacd und H. Kretzfchmar, Leibe in der Musikalienhandlung Ernst Challier für wenige Pfennige erhältlich. Etwas ausiührlicher ist Leopold Schmidt „Zur Emiührung in I. S. Bachs hohe Alesje in H-moll". Ki. revvkrtbmären Bewegung. Der „Svir" bringt die Meldung, daß ein heute in Douai verwundeter Sergeant, sowie einer der bei den KravaNen in Haveluy verwundeten Offiziere und -wei Soldaten ihren Verletzungen erlegen seien. Die DuSständigen hätten bei Douai von einer Anhöl>e aus die Dragoner mit Steinen bombardiert und sodann zwei Eise n- bahnzügc überfallen und angelfaltcn Die Häuser mehrerer arbeitswilliger Bergleute wurden durch die Explosion von Dpnamitpatrvnen stark beschädigt. Lens, 20. April. Heute Morgen fand die feierliche Beisetzung des getöteten Leutnants Lautour statt. Der ,Trauerfeier wohnten die Minister Elemenceau und Etienne bei. Arras, 20. April. Aus Li6vin wird gemeldet, daß die Truppen dort scharf, jedoch in die Luft geschossen haben. Die Gendarmerie wird belagert. General Jaquelvt de BvisrvuvraN soll mit ihr eingeschlosscn sein. In Noeux- Ües-Mincs versuchten tausende Streikende wiederholt die Bureaus der Gescllsck-aft anzugreifen, wurden jedoch jedesmal znrückge- trieben. In Haveluy veranstalteten Ausständige, 5—6000 Mann stark, eine Kundgebung gegen 200 Bergleute, die die Arbeit nock fortsctzten. Im Handgemenge wurden zwei Rittmeister und etwa zehn Reiter verwundet und ein Unter offizierschwerverletzt. Mehrere Pferde staben Messerstiche erhalten. Die Ausständigen verlangten die^ Freilassung der durch die Truppe gemachten Gefangenen. Sie erreichten darauf Haveluy, wo sie mehrere Häuser geplündert hasten sollen. Es erfolgte dann ein neuer noch heftigerer Zusammenstoß mit der Truppe. Gendarmen verstärkten die Truppe. Auch' der Präfekt kam mit den verlangten Verstärkungen heran. Paris, 20. April. Wie aus Lens berichtet wird, hatten mehrere hundert ausständige Bergarbeiter den Plan gefaßt, den kommandierenden General der int Strcikgestiet befindlichen Truppen zu ermorden. Der General hatte sein Hauptquartier am Bahnhof. Rur der starken Besatzung ist es zu verdanken, daß der Anschlag vereitelt wurde. Paris, 20. 9lpril. Etwa 4000 ausständige Drucker und Setzer hielten beute morgen eine Versammlung ast, in der sie erklärten, daß sie den Aus stand bis zumÄcußerften durchführen werden. L o r i e n 1, 20. April. Hier herrscht vollständige Anarchie, der Ausstand ist allgemein. Streikende drangen in Läden und zwangen die Besitzer, sie zu scUießen. Die Händler sandten ein Telegramm an den Ministerpräsidenten, worin sie dringend um Maßnahmen bitten, damit den anarchistischen Zuständen ein Ende gemacht werden Tömtc. Llndcrnfalls würden sie den Weg der Selbsthilfe beschreiten. Jnßtand. In Odessa herrscht große Aufregung über die von Kosaken und Polizisten vorgenommenen Durchsuchungen der Hörsäle und Kliniken der Universität und der Wohnungen mehrerer Professoren nach Waffen und Bomben. Alte Kränze und eine Anzahl verbotener Schriften wurden gefunden. Prof. Kazanetsky, dem letztere gehörten, wurde sofort verhaftet. Der Vorfall gilt als erster Fall von Durchsuchung der autonomen Universität. In Petersburg wurden wegen des Besitzes revolutionärer Schriften mehrere Soldaten verhaftet. In Riga sind die Versuche zu einer Einigung zwischen den Deutschen und Letten mt dem Deutschenhaß der letzteren gescheitert. Bei den Wahlen werden die Letten mit den Ruffen gehen, damit die Deutschen völlig durchfallen. Das Erdbeben in Kalifornien. Kein Ende der Unglücksbvtscha.ften! Die neuesten Nachrichten überbieten ihre Vorgänger nur an Furchtbarkeit. Es heißt, daß San Francisco heute ein Aschenhausen ist!! An der Spitze des Rettungswerkes steht der Bürgermeister (Mayor, nicht Major, wie gestern der 'Druckfehlerkobold ulkte) der Stadt, ein Deutscher Namens Schmitz, der früher Musikus war und bei der letzten Wahl durch die Gewerkschafter durchgebracht worden ist. Die Feuerwehrleute, die mit der Bekämpfung des Feuers beschäftigt sind, haben eine schwere Aufgabe. Sie fallen infolge des erstickenden Rauches dutzendweise um und müssen ins Spital gebracht werden. Trotz der übermenschlichen Anstrengungen der Feuerlpehr ist es nicht möglich, desselben Herr zu werden. Unter den zerstörten Palästen ist in San Francisco der Hoprinssche mit unersetzlichen Kunstschäheu. Ocitr wenige Gemälde sind gerettet. Viele kalifornische Millionäre sind zu Bettlern geworden. Alle Osaswetcke und die Elektrizitätswerke sind zerstört, die geborstenen Wzugskanäle verpesten die Luft. Das einzige Licht liefern des nachts die brennenden Gebäude, über dcmm dichter Rauch hängt. Das Marinedepartement hot ein Geschwader entsandt, um die Verwundeten fortzitschaffen und die Leichen ins Meer zu versenken. Viele Einwohner von San Francisco versuchten in kleinen Booten über die Bucht zu cntTontmcu. Dabei kippten zahlreiche Boote wegen Ueberfüllung um, und eine große Anzahl solcher Flüchtlinge, welche dem Erdbeben und den Flammen entgangen waren, kamen auf diese Weise durch Ertrinken ums Leben. In der Umgebung der Banken und Sparkassen liegen Tote imd Verwundete. Aus den Hospitälern entflohen, auf das dürftigfte bekleidet, Hunderte von Kranken. Biele stürzten sich ins Meer. Auf den Hügeln biwakieren Hunderte von Familien, welche vom Haushalt mitbrachten, was Männer, Frauen und Kinder tragen konnten. Diese improvisierte Ansiedlung erbat dringend militärischen Schutz, weil selbst dort sich Plünderer zeigten. Die meisten Personen, die geflüchtet sind, sind nur mit allerlei Tuchen, Bettlaken, Gardinen usw. bekleidet. Ueberall erschallt das Jammern nm vermißte Angehörige, Kinder suchen ihre Eltern, Männer ihre Familien. Auf der Pacificbcchn werden viele Personen gratis Leiter ms Innere geschafft. Das Lager der Obdachlosen schwebt in großer Gefahr, da starker Wind das Feuer dem Meere zutreibt. Schreckliche (Svenen spielten sich bei dem Brande eines temporäpen Krankenhauses ab. Eine Maschinenhalle war in ein Krankenhaus verwandelt worden, und gegen 50 Aerzte waren damit beschäftigt, dm etwa 200 in diesem Krankenhause untergebrachten Kranken und Verwundeten Hilfe zu leisten. Plötzlich toitrbc gemeldet, daß das Gebände in Brand geraten sei. Alles rannte verzweifelt hin und her. In 10 Mnuten war das Gebäude in Flammen gehüllt. Viele Aerzte drangen wiederholt in das Haus ein, um die hilflosen Verwundeten nicht zu verlassen. Aktes vergebens. Die Mehrzahl der Verwundeten konnte nicht gerettet werden und verbrannte bei lebendigem Leibe. Die Schätzung der Zahl der Verunglückten geht immer noch weit auseinander. Das ganze Land erhob sich zur Hilfeleistung. Die Bürgerin elfter aller größeren Städte eröffneten Gelosammlungen. Obgleich sonach Millionen an Geld verfügbar find, leidet San Francisco zunächst Hunger. Die Southern Pacific-Eifenbahn sandte einen Zug von 26 Wagen von Port land in Oregon mit Aewten, Pflegepersonal und 800 Zentnern Proviant ab. Mehrere Städte sandten Lebensmittel, Kleidung, Zelte. Die Depesche des Generals Funston in San Francisco an das Kriegsdepartement besagt: Eine Hungersnot scheint unvermeidlich zu sein, denn alle großen Provianthäuser seien nicdergebrannt. Energischste Maßnahmen der Außenwelt könnten die furchtbare Not unter den 3 00 0 0 0 Obdachlosen mildern. Die letzte Nacht sei für die Obdachlosen, die zumeist ohne Wasser und Nahrungsmittel seien, schrecklich gewesen. Es wurden Regierungs-Bäckereien errichtet, die täglich 50 000 Brote liefern. Tie Szenen, die sich täglich in den unbeschädigten Stadtteilen abspielen, spotten jeder Beschreibung. Die meisten Personen, die dorthin geflüchtet sind, sind nur'notdürftig mit allen möglichen Stoffen bekleidet. Man errichtet Hütten aus allem denkbaren Material. Beim Mayor erschien ein Unbekannter, legte 25 Tausend- doklarscheine auf den Tisch, sagte: „Für die.Verunglückten von einem Freunde der Menschheit und verschwand. Es sind drei Unterstützungsstationen zur Erquickung der Leidenden und Obdachlosen eingerichtet worden. Viele Leichen liegen noch unbeerdigt. Die Soldaten treiben mit dem Bajonett Die Bürger dazu an, Bei dem Begräbnis zu hclfeu. Jeder Bürger, der durch die Solda^n dazu befohlen wird, ist verpflichtet, Gräber zur Aufnahme der Leicken, wenigstens eine Stunde lang, auszuheben. Als das Schlachthaus vom Feuer ergriffen wurde, brachen 300 Stück Rindvieh aus uud jagten frei wie toll durch die Straßen, alles niedertretend, was ihnen in den Weg kam. Ein Mann wurde von den Hörnern eines Ochsen aufgespießt. Man glaubt, daß noch, ein Dutzend anderer Personen auf dieselbe Weise ums Leben gekommen sind. Eine Räuberbande versuchte in der Nacht in die M ün ze von San Francisco, wo 300 Millionen Dollars in Goldstücken lagern, einzubrechen, wobei sich ein heftiger Kampf mit der Militärwache entspann. 14 Räuber wurden getötet. Der Wasservorrat ist wohl größer, aber er nützt zu wenig gegen den Fortschritt, den das Feuer jetzt gewonnen hat. Wegen der großen Hitze werden die Häuser in einiger Entfernung vom Feuer getrocknet wie Zunder und verbrennen im Nu, wenn das Feuer sie erreicht. Die Preise für Brot in San Francisco sind 3 Mark für ein Laib. Nahrungsmittel in Dosen kosten 6 Mk. Fleisch ist nicht vorhanden. Der Wetterbericht gibt keine Hoffnung auf Regen. ♦ Von denk furchtbaren Unglück in San Francisco und den anderen heimgesuchten Städten wird übrigens leider auch unsere Stadt schwer betroffen. Es befinden sich dort recht zahlreiche Gie ßener, um nur einen weiteren Kreisen bekannten Mann zu nennen, Herr Wenzel, der frühere Besitzer des „Neuen Saalbau"-Etablissements. Auch viele Butzbacher uud andere Oberhessen sind nach Kalifornien ausgewandert. Besonders hart aber trifft die Katastrophe den Ort Niederwcisel. Man schätzt die Zahl der nach Kalifornien ausgewanderten Nicderweifcler auf 400—500. Aus Oakland veröffentlicht ein Korrespondent eine Depesche, worin er als Augenzeuge berichtet, welche fürchterlichen Folgen die Zerstörung der Wasserwerke hervvrgerusen Bat. Hunderte sind infolge des durch die furchtbare Hitze gesteigerten Durstes wahnsinnig geworden. Man sah verzweifelte Gestalten hin und herlausen auf der Suche nach Wasser. Mit der Zeit wurden die Suchenden verzweifelter und wilder. Sie stießen Hilferufe aus, bereit Laute dem Hörer unvergeßlich bleiben werben. Diele flehten die Soldaten um Wasser an, konnten aber keins bekommen. Schließlich mürben bie Unglücklichn berartig verzweifelt, daß sie in Weinkeller und andere Lokale drangen, nm alkoholische Getränke zu erbeuten. Viele tranken Whisky und andere Spirituvsen, bis sie zu wilden Ticrcn wurden. Darauf zogen sie durch die Straßen, um zu rauben und zu plündern. Die Truppen schassen viele dieser Plünderer nieder. In der Nähe des Black Point sah man ergreifende Szenen. Frauen umklammerten ihre Gatten und slebten diese an, sic zu retten und in Sicherheit zu bringen. Kindergeschrci erfüllte die Luft. Frauen und Kinder baten unaufhörlich um Waffer und um etwaS Essen, da sie fürchterlich an Hunger und Durst litten. Es' gab Personen, welche ihre Häuser trotz aller Gefahr nicht verlassen wollten. Weber das Erdbeben, noch bie mit Windeseile sich ausbreitenbcn Flammen konnten sie vertreiben. Die Truppen mußten viele solcher Personen gewaltsam aus den Häusern treiben, um sie vor bem sicheren Tobe zu retten. Im Umkreise von San Francisco sind 14 kleinere Städte teilweise ober gänzlich zerstört, darunter Santa Cruz, wo 200 M cnschen getötet und 10 000 obdachlos geworden sind. Aus anderen Orten. Reue Erdstöße sind im Distrikt von H a n cho c o verspürt worben. In einer Gfrube erfolgte ein Schackteinfturz, wodurch ein Arbeiter getötet und mehrere verwunbet würben. Rach neueren Mclbungen ist auch ber Küsten ort Su t r o burtfi eine Springflut zerstört worben. Der Ort ist völlig von ber Erdoberfläche verschwunden. In Napa Bat das Erdbeben gleichfalls großen Schaden angerichtet. Tie Zahl der Toten ist ttodii nicht bekannt. Auch in Al am e do sinb_ zahlreiche Personen umgekommen. Ans den Orten Halbsburg, Katserville unb Ukiah fehlt- jebe Nachricht, man befürchtet, daß auch biese Ortschaften zerstört sind. Meilenweit sind bie Gleise zerstört. Weitere Hilfsaktionen. In Newyvrk hat sich ein Komitee gebildet, um eine Hilfsaktion für die Notleidenben einzuleiten. Auch in den meisten Ortschaften ber Union haben sich ähnliche Komitees gebildet. Die Verteilung der Gaben soll bas Rote Kreuz übernehmen. Die Ha mburg-Amerika-Linichat bent Präsidenten Roosevelt eine Sympathie-Kundgebung gesandt und sich mit 100 000 Mk. an bie Spitze eines Hilfskornftees für San Francisco gestellt. Die deutschen Verficheruugsgesellschaften haben sich seit dcrn Brande in Baltimore aus Amerika zurückgezogen. -Die bort bestehenden Versicherungs-Gesellschaften sind bie Preußische Nationalversicherungs-Gcscllschast Stettin, bie in Kalifornien mit 600 000 Mark interessiert ist, wovon 300 000 Mk. rückversichert slnb. Im ganzen sollen etwa 80 Versicherungsgesellschaften den bei ihnen versickerten Bewohnern von San Francisco bie Versichcrungsbcträge Dollar für Dollar auszahlcn wollen, ohne zwischen Ftzucr unb Erbbeben zu iintcrsckciben. Auch bie Aachen-Mnnckencr Feucrvcrsicherungsgesellschaft ist interessiert; wie hock, wirb noch niait gesagt. Einer anberen Melbung zusvlge wirb ber Verlust ber deutschen Versicherungsgesellschaften in San Francisco auf IV? Mill. Doll, berechnet. Beteiligt sind u. a. auch ber Phönix, bie Feuerversickerungsgcsellsckaft Rhein unb Mosel, bie Hamburg-Bremer unb die Preußische Fcuer-Vcr- icherungsqesellsä'iaft, sowie bie Palatia. Der Staat Kälifornia hat im Gegensatz zu vielen anberen Unionsstaaten beit ausländischen Versicherern keine Depotstellung auferlegt. Es dürften, wie nach dem Chicagoer Feuer, manche amerikanischen Gesellschaften insolvent werden. Jedoch wird auf eine Bestimmung in den meisten Policen hingewiesen, nach welchen keine Versickerung gezahlt wird, falls ein Gebäude kürzt und bann erst Feuer fangt. Große gerichtliche Weiterungen tehen in sicherer Aussicht. Tas Kalifornische Gesetz bestimmt aber, baß, falls ein Haus ujedcrgelegt wirb, um anberc Gebäude zu retten, bie Versicherungsgesellschaften bezahlen müssen. Die 'San Franciscver Versicherungen galten allgemein als äußerst riskant und es würben hohe Prämien verlangt. • Newyvrk, 20. April. Aus Denver (Colorabo) ist die Nachricht eingetroffcit, daß ber 10 000 Fuß hohe Mount Ca- pulin in Ncu-Mexiko, ein erloschener Vulkan, angeblich Rauch unb Hitze aus einer Spalte ausströme, bie burch 2 Er dstöße heute dort verursacht worben ist. Aus Stadt und Land. Gießen, den 21. April 1906. '* Ordensverleihung. > n a en aus Hessen und den N a ch b a r st a a t c n. An Alkoholvergiftung ist in S t e i n» back (Odenwald) ein neunjähriger Knabe gestorben, der den herumziehenden Musterungspflichtigen nachgelausen war und deren Bierreste in den Wirtschaften ausqetrunken hatte. — Aus dem Bahnhof Alt-Offenbach wurden zwei jungeSentc Ferd. Hoffman n und Konr. Behl, von einer Lokomotive erfaßt. Hoffmann erlitt fchwere Kooiverletzungen, Behl wurde leichter verletzt. — In Worms beschloß die Stadtverordueten-Derfamm- lung, auch 1906 dieEinkommen bis zu 500 M k. steuerfrei zu laffen. Vermischtes. * Marineunfälle. Bei einer Sprengübung, die das deutsche Torpedoboot rS 105" in der Stranderbucht bei Kiel vornahm, erfolgte vorzeitig eine Explosion der Sprengkörper. Der Kommandant des Bootes, Kapitän- leutnant Pfeiffer, wurde schwer verwundet und verstarb auf dem Transport zum Marinelazarett. — Vom französ. Artillerieschulschiff „Couronne" wird au§ Toulon ein Unglücksfall gemeldet, bei welchem drei Mann getötet und 12 verletzt wurden. * Ein Pistolenduell sand vor einigen Tagen auf der Hangelarer Heide bei Bonn zwischen zwei Offizieren vom Donner Königshnsaren-Regimcnt und zwar zwischen den Oberleutnants v. Wurmb und non Kartlieb statt. Das Duell verlief unblutig. * Wahre? Geschichtchen. ES war einmal ein Jn- tendailt an einem kleinen norddeutschen Hoftheater. Bevor er von seinem „Herrn" verurteilt wurde, der Kunst zu dienen, trug er den Rock des Kaisers. Eines Tages rief er seinen Schauspielregisseur. „Ach — bereiten Sie vor — äh — wie heißt doch gleich — na — wissen schon: da§ Juden- stück von Shakespeare." Sprach? — und ging von dannen. Einige Zeit später fand die erste Probe vom „Kaufmann von Venedig" statt. Der Hofthcatcr-Intendant saß in seiner Loge. Da ließ er plötzlich den Regisseur zu sich kommen. „Ach — mein Lieber — diesen Shylock meinte ich nicht, äh — meinte das andere Judenstück von Shakespeare — äh — wie heißt doch — na ja: „Nathan der Weise"! — — Die Probe vom „Kaufmann von Venedig" wurde abgebrochen, das Stück vom Spielplan abgesetzt und die Rollen von Lessings „Nathan^' wurden vergeben. („Jugend".) * Kleine Tages ckroyik. Auch in Köln hat, ivic in Frankfurt, dos „R e s i d e u z theater" wegen schleckten Ge- sckä ft s^g a n gic s seine Pforten geschlossen. — In der Stadt Sliatin (Galizien, brach ein Großfeuer aus, das daS ganze Iudeuviertel, bestellend aus 150 Wohl,Häusern und ebensoviel Nebengebäuden einäscherte. Zahlreiche Familien sind obdachlos. Ter Schaden ioirb auf eine Million Kronen geschätzt. — In Scmlin gelang eZ der Polizei, eine seit Langem auf dem Babnlwf Diebstähle verübende Bande fest zu nehmen. Mehrere verdächtige Bahnbeamte wurden verhaftet. Eine große Anzahl Käuf- leute und angesehene Bürger sind stark kompromittiert. — Am 20. April wurde auf der Strecke N e u m ü n st e r-W r i st (Schleswig'' auf eiuem Bahnübergänge ein Fuhrwerk durch zwei nach Wrist laufende leere Maschinen überfahren. Dabei nmrden zwei Personen getötet und eine Person leicht verletzt. Eine der beiden Maschinen wurde beschädigt. — In So r a u stellte ein Arbeiter seine von ihm getrennt lebende Frau auf offener Straße zur Rede, zog sein Taschenmesser und schnitt der Frau den Hals durch, worauf er selbst aus einer Blausäure enthaltenden Flasche trank und zmammenbrach. Er starb im Krankenhause, die Frau wurde noch lebend nach einer Kottbuser Klinik gebrockt. — In Moskau erschien bei dem Arzt Dr. Lebedew eine 25 jährige Frau, um sich ihre vergrößerten Gaumenmandeln auf operativem Wege entfernen zu laffen. Während der Operation verschied plötzlich die Patientm. Lebedew ttat darauf in datz Nebenzimmer, nahm eine große Dosis Opium und starb sehr bald an den Folgen der Vergiftung. — In Berlin wurde die Dienstmagd Katharina Bielski beim B e rbrennen der Leiche ihres neugeborenen KindeS überrascht und verhaftet. — Universitäts-Nachrichten. Ferialfcst der akademischen Gesangvereine. In Ausführung des Beschlusses der vorjährigen Ferialzusammen- runft veranstaltet der Kartellverband der akademischen Gesangvereine in Innsbruck auck Heuer wieder eine Ferialzusammen- kunst bet deutschkreich-itlichen akademischen Gesangvereine Oesterreichs und des Deutschen Reiches am 4. und 5. August. Landwirtschaft. Saaten st and in Preußen im April: Winterweizen 2,6, Winterspel; 3,3, Winterroggen 2,6. Klee 2,4, Luzerne 2,5, Rieselwiesen 2,6, andere Wiesen 3,0. Die entsprechenden vorjährigen Ziffern sind: 2,6, 2,3, 2,5, 3,2, 2,8, 2,5, 3,0. 2 bedeutet gut, 3 mittelmäßig und 4 gering. Eingesandt. (Für Form und Inhalt eher ..Hier >v.’|’r Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redalt' i d?in Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Garbenteich, 19. April 1906. Garbenteich ist im Besitze einer sonst immer tadellosen Straßenbeleuchtung; jedock in letzter Zeit funktioniert sie nicht mehr und wir haben eben abends die schönste Finsternis. Woran liegt wohl das? Ein Neugieriger. AllSM sus irn Staiiikslmfgrtoikrrv der Siebt Gießen. Aufgebote. April. 9. Wilhelm Heinrich Woli, Lokomotivheizer dahier, mit Johanna Wilhelmine Viscator in Herborn. 14. August Weiß, Bautechniker in Offenbach a. M., mit Anna Müller dahier. 17. Christoph Paulus L, Leinweber in Allendorf a. d. Lda., mit Maria Klein, geb. Wagner, daselbst. 17. Andreas Heinrich Jockel, Kulturtechniker-Aspirant dahier, mit Ida Roth in Beitenhaufen 18. Karl Harrer, Canitätssergeant dahier, mit Anna Magdalene Werner hierselbst. 18. Heinrich Winnecker, Schneider dahier, mit Anna Hatz hierselbst. 18. Aloys Bauer, Architekt in Mainz, mit Luise Höhnle dahier. 19. Adolf Pfisterer, Bildhauer in Frankfurt a. M., mit Christiane Giegling dahier. 19. Gustav Wehner, Schlaffer dahier, mit Anna Wehrum hierselbst. Eheschließungen. April. 14. Wilhelm Becker, Gerber dahier, mit Elisabeth Weeg hierselbst. 14. Wilhelm Bender, Taglohner dahier, mit Katharina Schwalb hierselbst. 14. Wilhelm Braunsdori, Buchbinder dahier, mit Elise Nau hierselbst. 14. Wilhelm Lotz, Schlosser dabier, mit Christine Möller hierselbst. 14. Heinrich P'eiffer, Anstreicher dahier, mit Johanna Kinkel hierselbst. 14. Franz Lorenz Sommer, Weißbinder in Offenbach a. M., mit Wilhelmine Wagner dahier. 14. Georg Wolf, Zigarrensortiermeister dahier, mit Augnste Kalbfleisch hierselbst. 14. Ludwig Volpert, Bureaugehilse dahier, mit Katharine Brücke! hierselbst. 17. Otto Wenzel, Kan'mann dahier, mit Christine Mathilde Hecker hierselbst. 17. Robert Wolf, Leutnant dahier, mit Sophie Emmelins hierselbst. 17. Joseph Völkl, Kellner dahier, mit Eliiabethe Ließkeld hierselbst. 19. Gottfried Bill, Viehwärter dahier, mit Ida Woyle hierselbst. Geborene. April. 7. Dem Jnstitutsdiener Ludwig Schäfer eine Tochter, Elfriede Christine Ottilie Marie Katharine. 8. Dem Spengler Karl Herling eine Tochter. 8. Dem Postboten Wilhelm Klein ein Sohn, Willy Raimund. 8. Dem Buchhalter Heinrich Sonntag eine Tochter, Minna. 10. Dem Buchbinder Ludwig Scklaudraff eine Tochter, Katharine Margarete Lilise. 10. Dem Fabrikarbeiter Heinrich Heller II. eine Tochter, Lina Luise. 11. Dem Schneider Gustav Paul ein Sohn, Rudolf Robert Franz. 14. Dem Dachdecker Adolf Karl Thielmann ein Sohn, Hermann. 15. Dem Schmied Wilhelm Philipp Sckornber eine Tochter, Erna Marie Elise Auguste. 15. Dem Wagner Otto Faber ein Sohn. 15. Dem Tabakspinner Johannes Peter IL eine Tochter, Elisabeth. 16. Dem Eisendreber Angust Müller eine Tochter, Elkriede Johanna. 16. Dem Eisenbahn-- assistenten Karl Jnderthal ein Sohn, Ernst. Gestorbene. April. 11. Amalie Kiffeberth, geb. Schelper, 71 Jahre alt, Witwe des Sattlers Julius Kiffeberth dahier. 15. Ferdinand Krailing, 26 Jahre alt, Kaufmann dahier. 16. Anna Frieda Hirte, 11 Monate alt, Tochter des Taglöhners Karl Hirte dahier. 16. Ernst Rudolf Bralm, 24 Tage alt, Sohn des Fabrikarbeiters Heinrich Braun II. dahier. 18. Katharine Müller, geb. Rühl, 73 Jahre alt, Witwe des Möbeltransporteurs Friedrich Müller dahier. handel und Verkehr, Volkswirtschaft. Di e I n d u st r i e v e r l u st c. Es wurde die Behauptilng aufgestellt, daß die deutsche Zurückhaltung bei der Russe n- Emission der Ausfuhr deutscher Produkte nach Rußland viel schaden werde. Dabei bedenkt man aber nicht, daß Deutschland weit leistungsfähiger Rußland gegenüber ist, als Oesterreich und mancher andere Staat. Wie die Situation heute liegt, sind wir der festen Ueberzeugung, daß in nicht zu ferner Zeit der Tag kommen wird, wo man es als ein Glück preisen wird, baß das deutsche Geld bei der Anleihe von 1906 nicht beteiligt war. Eine Erleichterung des Geldmarktes ist immer noch nicht eingetreten und auch für die weitere Folge vorerst nicht zu erwarten, sodaß jetzt schon befürchtet wird, daß das erste Semester des laufenden Jahres vorübergehl, ohne daß der offizielle Zinsfuß eine Veränderung erfährt. Tie industrielle Tätigkeit läßt nichts zu wünschen übrig: im Gegenteil, sie liefert den Beweis dafür, durch den überraschend glänzenden Eisenbahngüterverkehr, daß die Tätigkeit gegen die ersten drei Monate dieses Jahres nur noch zugenommen hat. Statt der ersehnten Goldzuflüsse macht sich infolge der Vorrbereitungen für die neue russ. Anleche das Bestreben bemerkbar, die in Berlin unter- haltenen Guthaben zurückzu ziehen, und außerdem wendet sich das Spekulationskapital von hier aus der neuen Russenanleche zu. DieBerliner Börse hat sich inbetreff San Francisco wieder etwas beruhigt. Auch von Newyork kommen beruhigende Meldungen. Auf Russenwerte drückte der Rückgang des Agios für die neue russische Anleihe auf •% stärker zurück. Der „Jro-Monger"-Bericht wurde günstig ausgelegt. Am amerikanischen Eisenbahnmarkt ist die Haltung noch recht matt; auch son stwar das Geschäft sehr wenig angeregt, zumal Russen sich im Verlauf des Geschäftes weiter abschwächten. Privatdiskont 3 drei Llchtel Prozent. Briefkasten 0er ^LedaktZon. (Anonyme Anfrage» bleiben nnberücksichtigt). Wafsenpaß. An und für sich besteht in Hessen eine Be- fthnmnng, wonach Scheibenschntzen einen vom KreiSamt gegen Zahlung einer mäßigen Stempelgebühr auszustellenden Waffenschein besitzen müssen. Dieser Waffenschein berechtigt den Inhaber, nur auf dem zum Schießstand führenden öffentlichen Wege die Scheibenbüchse offen zu tragen. Diese Bestimmung wird indeffen nicht gehandhabt. Immerhin werden Sie gut daran tun, sich aus dem Kreisamt einmal zu erkundigen. Für die Ausstellung eines solchen Passes wird gefordert, daß man mit Schießwaffen vorsichtig umzugehen versteht. Zum Nachweise genügt eventuell der Militärvaß ober ein Zeugnis der Ortspolizeibehörde. Allgemein steht man auf dem Standpunkte, daß Mitglieder eines Schützenvereins die Scheibenbuchse bei Benutzung des allgemein zum Schietzstande führenden Weges offen tragen dürfen. Außerhalb dieses Weges ist das offene Tragen nicht gestattet. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Boraussichtliche Witterung in Hessen für Sonntag, den 21. April 1906: Zeitweise heiter, trocken. Nach kühler Nacht am Tag etwas wärmer, später wieder trüber. Nähere? durch die Gießener Wetterkarte. Griginnl-Drahtrneldungen. R.-B. Darmstadt, 21. April. In der Wohnung der Hofopernsängerin KaschowSka (Wittmannsstr.) brach heute vormittag ein Brand ans. Das Feuer nahm beim Ofen seinen Anfang und ergriff alsbald sämtliche Möbelstücke. Der ständigen Feuerwehr gelang es, das Feuer zu unterdrücken, jedoch ist die Wohnung fast völlig ausgebrannt. Kiel, 21. April. Auf dem auf der kaiserlichen Werft liegenden Linienschiff „Kaiser Friedrich III." brach Feuer in der Munitionskammer aus, das rechtzeitig entdeckt und durch unter Wasser setzen gelöscht wurde. Gegen die verantwortlichen Feuerwerker und zwei Unterofsiziere wurde die Untersuchung cingeleitct. Könitz, 21. April. Durch Großfeuer wurden in des Torfe Rabatz bei Neu-Stettin 8 Gebäude eingeäschert und 2 Menschenleben vernichtet. Rom, 21. April. Die „Tribnna" glaubt, Guicciardini werde in seiner Antivort auf die Dreibund-Interpellation de Martinos die loyale und unbeschränkte Innehaltung des Vertrages hervorhebcn, der Italien mit den Zenttal-Mächten verbinde, sowie den sehnlichen Wunsch, daß die alten so nützlichen Beziehungen keine Acndcrungen erfahren. Er werde ferner bervorheben,^ daß Italien, welches nichts anderes verlange als Frieden, mit Sorg^ falt und Hartnäckigkeit auf den Schutz seiner Jntereffcn bedackt fei. Kattowitz, 21. April. Eine Räuberbande, die in den Gutshof von Jawocznice eindrang, ermordete den Besitzer, BrancreibesitzerTenzer und raubte 3200Rubel. Ein Räuber ivurbe verhaftet. — Auf den Regimentskommandeur, Grasen Keller in Kalisch, wurde eine Bombe geschleudert, die biejer mit den Händen aufsing und sich dadurch rettete. Tanger, 20. April. Die in der Vorstadt Marschau wohnenden Europäer werden durch einen Offizier Raifali'S beunruhigt. 300 feiner Leute eröffneten ein Gewehrfeuer gegen einen Andjera-Häuptling, dem es gelang, zu entfliehen. Sie schleppten seine Frau und Kinder fort, plünderten das Halis und steckten es nebst mehreren anderen in Brand. ♦ Das Erdbeben in Kalifornien. Newport, 20. April, nochm. Flüchtlinge au9 ©an Francisco geben erschütternde Beschreibungen von den Leiden der Bewohner und den Verwüstlingen der Stadt. Die niedergerissenen Drähte der elektrischen Lcitlmgen gefährden das Leben der Bewohner. Hunderte von Leichen liegen noch immer auf den Straßen; es droht eine Sellchengefahr sich zu der Wasser«. und Hungersnot zu gesellen. Die Flüchtlinge erzählen, das Erdbeben sei so gewaltig gewesen, daß Fische aus der Bai in die Straßen der Stadt gefchleudert wurd-m. Der Wassermangel ist so groß, daß die Menge, von Durst gepeinigt, schmutzige Wasserlachen ausgetrunken hat. Die unbeschreibliche Hitze verschärfe die Leiden der in der Stadt Zurückgebliebenen. Zahlreiche Verwundete kämen in den Straßen um, sic würden gleichsam zu Tode geröstet. Diejenigen, die sich retten konnten, hätten unbeschreibliche physische und seelische Martern erduldet. — Die Chinesen st adt von San Francisco brannte innerhalb einer Stunde nieder. Bürgermeister Schmitz befreite eigenhändig mehrere im Staatsgefängnis eingefchlossenc Gefangene, nachdem einige von ihnen in ihren Zellen zu Tode geröstet waren. 150 Häuser-Gevierte sind vom Feuer zerstört, 50 weitere von Soldaten und Feuerwehr mit Dynamit gesprengt, um das Feuer einjubämmen, jedoch alles vergebens. San Francisco, 20. April. Die Soldaten, welche die Münze bewachen, erschossen heute 14 Personen wegen Raubversuchs. Washington, 20. April. Eine offizielle Mitteilung besagt, daß die Hilfe für San Francisco aus dem Auslande nicht nötig sei, da die Vereinigten Staaten imstande seien, erforderliche Hilfe zu leisten. Zeichnungen von Geldbeträgen geschehen fortdauernd von allen Seiten. Roosevelt spendete 1000 Dollars, Andrew Carnegie, die Standard Oil Company und die United States Steel Corporation je 100000 Dollars. Petersburg, 20. April. Der Kaiser richtete an Roosevelt ein Telegramm, in dem er diesem fein herzliches Beileid ausspricht. Telefonische des Giessener Anzeigers, mitgi und Industi Frankfurter Riii 3%6/o Reichsanleihe . . 100.05 3% do. . . 88.25 3%°/o Konsols .... 100.10 3% do 88 40 3^°/„ Hessen 99.60 314%, Oberhessen . . . —.— 49o Oesterr. Goldrente. . 100.50 4*/8 % Oesterr. Silberrente 101.25 4% Ungar. Goldrente . . 96.60 4% Italien. Rente . . . —.— 3% Portugiesen Serie I . 68.80 3% Portugiesen „ III 70.00 4^*7O russ.Staatsanl. 1905 90.60 4%°'n japan. Staatsanleihe 94.95 4 % Conv. Türken von 1903 92.80 Türkenlose .... . . 145.60 4% Griech. Monopol-Anl. 54.50 4% äussere Argentinier . —.— 3°/0 Mexikaner .... 68.60 4%6/o Chinesen .... 98.20 Aktien: Bochum Guss 250.00 Buderus E. W ... 128.80 Tendenz: fest. Berliner Börse, Canada E. B 174.40 Darmstädter Bank . . . 144.70 Deutsche Bank .... 240.00 Dortmunder Union C. . . 87.70 Dresdner Bank .... 161.50 Tendenz: fest. Kursberichte teilt von der Bank für Hande! le, Giessen. se. 21. April, 1.15 Uhr. Elektriz. Lahmeyer . . . 142.75 Elektriz. Schnckert . . . 132.00 Esch weilet Berq-werk . 262.50 Gelsenkirchen Bergwerk . 228.80 Hamburg - Amerik. Paketf. 164.70 Harpener Bergwerk. . . 219 00 Laurahütte 248.50 Nordd. Lloyd 135.80 Obeischles. Eisen-Industrie 130.10 Berliner Handels^es . . 171.30 Darmstädter Bank . . . 144.60 Deutsche Bank . . . 240.00 Deutsch-Asiat. Bank . . 185.70 Diskonto-Kommandit. . . 188.30 Dresdner Bank . . . 161.10 Kreditaktien 215*50 Baltimore- und Ohio- Eisent ahn . . . 111.60 Gotthard bahn —.— Lombard. Eisenbahn . . 28.80 Oesterr. Staatsbahn . . . 147.20 Prince-Henri-Eisenbahn . 14225 11. April. Anfangskurse. Harpener Bergwerk . . . 218.80 Laurahütte . . . , . 248.50 Lombarden E. B. ... 23.70 Nordd. Lloyd 135.90 Türkenlose . ... —.— Krluumtmlichimg. In der Zeit vom 14. bis 21. April 1906 wurde in hiesiger Stadt gefunden: 1 Hundeinaulkorb, 1 Briefmarkenalbum, 1 schwarz« ledernes Portononnaie mit Inhalt, 1 grauer Stallhase und 1 Stück Messingrohr; verloren: 1 goldenes Medaillon (Größe etwa eines Fünfpfennigstuckes) mit schwarzem Kreuz, 1 ledernes Damenhandtäschchen (Inhalt 1 Schläffel und 1 Taschentuch), 1 schwarzledernes Portemonnaie mit Inhalt, 1 Federboa, 1 Kneifer mit Gold- emfaffung, 1 goldenes Armband und 1 Füllfederhalter mit Goldfeder. Entlaufen ist: 1 schottischer Schäferhund. Die Empfangsberechtigten des gefundenen Gegenstände beliebe seinen Anspruch alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 21. April 1906. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Drucksachen aller Art liefert in jeder gewünschten Ausstattung, stilrein und preiswert die Brühi'sche Universitäts-Druckerei« Schulstr. 7, Installatioiisgeschäf t. 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Gießener Franenverein Stellenvermittlung, Dienstboten- und Haushaltfchule, Kaufmännifcher Verein für weibliche Angestellte, Rechtsschutzstelle. Hanpt-Bersammlnng Freitag, de« 27. April, nachmittags 5y2 Nhr im unteren Saal der Aliceschule. 2611 Tagesordnung: Jahresbericht. Alle Mitglieder werden hierdurch eingeladen. Der Vorstand. Kriegerverein Giessen Monatslmsammlung Dienstag, den 24. l. Mts., abends v Uhr im Vereinslokal (Feidel). Tagesordnung: Bericht der KassenprüfnngSkommission, Verschiedenes. v21/* „Planet jr." Hand- und Pferdehacken empfiehlt c’1/. Bänfel- Pflüge Hack- und M, Rosenthal Fernsprecher 218. Liebigstrasse 13. 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Als ich kam, Lied, Kodominski. 7. Luna-Walzer, Lincke. 8. Potpourri a. d. Afrikareise, Suppö. 9. Hochzeitamarsch, Mendelssohn. 10. Glühwürmchen, Lincke. 11. An mein Vaterlandl Czardas, K61er Belä,. 12. Schmollis! Potpourri, Kützing. Antang 5 Uhr. Eintritt 40 Pfg. AchWiins, flliük &üe, 2 Läden, 2mal 3 Z.-Wohnungen, gcr. Hinterhaus, Stallung, Hof und Einfahrt sofort günstig zu verkaufen. Aähcrcs: Sonnenstraste 311, 2133s____________am Kreuz._______ Kuhmist K 02663 s________Pulvermühle. (Lin leichter gebr. Pritscheu-- wagen und ein neuer Handwagen, für Maurer oder Weist« binder geeignet, zu verkaufen. 02677_______Neuenweg 84. Zn verkaufen: Wegzugshalber kleines HauS, eine Kante Mist, einige Zentner graue und wettzc Weiden. * Näheres________Ticfenweg 8. Zu verkaufe»: Billa Fels-Eck, Treis a. L, Luftkurort I. Kl., mit Einrichtung zum Obstkeltern und Dörren. Zn einem Sanatorium und auch zu Fabrikbetrieb geeignet. Sehens» werte Besichtigung. (02516 Abbruch. 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