Erstes Blatt 156. Jahrgang Donnerstag 23. August 1906 Die heutige Summer umfaßt 8 Seiten. rsetzt- - Widerstand, ehedem der Seegeltung, sollte allen geben, daß daß Zeit den Ab- diese Folge unseres afrikanischen Feldzuges von den übrigen Kolonialoölkern gefürchtet wird. Kaiser Wilhelm und König Eduard. Die „Wiener Mlg. Korresp." erfährt aus Berlin, 6te Begegnung in Friedrichshof schon in naher rascheste Ergebnisse zutage fördern werde, da es in Jntensionen der beiden Souveräne gelegen sei, zum Unsere Kolonisten. Man schreibt uns: Deutschland hat es verstanden, verhältnismäßig schnell eine der großen Vernachlässigungen wieder gut zu machen, die ihm die Geschichte seiner jahrhundertelangen Zerrissenheit oufgenötigt hatte. Dieses große Binnenland hat sich innerhalb 15 Jahren derart mit dem Seefahrergeiste erfüllen können, daß es heute eine vergleichsweise größere Marinereserve besitzt, als ältere Seestaaten. Aber für das andere Stück Zukunft, das auf oder über dem Wasser für uns liegt, für unsere Kolonialpolitik, besitzen wir diese Reserve noch nicht. Die jährliche Abstoßung eines uns erhalten bleibenden Kolonisten- Heeres ist noch keine normale Erscheinung im Budget unserer Weltmachtspolitik. Wir haben das beste Bauern- elernent auf der ganzen Erde, aber noch nicht verltanden, e§ für eigene Rechnung über See nutzbar zu machen. Der deutsche Pflug ist noch kein Jnventarstück in der Rüstkammer unserer Kolonialwirtschaft. Es ist nicht die Schuld unserer Kolonien. Große Territorien des Westens waren um kein Haar besser als unsere afrikan. Kolonien, viele unseren Besitzungen in der Südsce nicht vergleichbar. Es fehlten die Bahnen und es fehlte der Schutz. Die Karre Bauern wartet auf das rollende Rad der schluß einer Entente zu gelangen, in der alle zwischen England und Deutschland schwebenden politischen Fragen eine entsprechende Lösung finden sollen. Wenn die darauf bezüglichen Verhandlungen fortgeschritten sein würden, dürste auch eine Begegnung des Reichskanzlers Fiirsten Bülow mit dem englischen Mini st er desAeußern stattfinden, wobei die endgiltigen Vereinbarungen getroffen werden würden. Dazu erfährt das „B. T." aus unterrichteten Kreisen, daß es sich bei diesen Mitteilungen um freie Kombinationen handelt, aus den halbamtlichen, die Entrevue betreffenden Feststellungen war schon zu entnehmen, daß eine so gestimmte Form der politischen Beziehungen, wie es eine General-^Entente über alle schwebenben Fragen sein würde, in Friedrichsdorf nicht erörtert worden sein kann, ganz abgesehen davon, daß man von speziell schwebenden Fragen zwischen Deutschland und England überhaupt nicht sprechen kann. Es ist daher auch nur eine private Vermutung, daß man in deutschen Kreisen für nahe Zeit mit besonderen Folgen der Friedrichshoser Entrevue rechnet und daß man im Hinblick darauf eine Begegnung des Reichskanzlers mit dem englischen Minister des Aeußern vorbereitet. Man hält es für ausgeschlossen, daß aus Berlin von unterrichteter deutscher Seite eine so irrtümliche Aüs- legung der Friedrichshofer Zusammenkunft nach Wien gelangt sein kann. ( schaffen und Siedler abgeben, wird auch dieser der übrigens nicht so ausgeprägt erscheint, wie Widerstand gegen den Gedanken der deutschen einer besseren Einsicht Platz machen. Und es weiterblickenden Deutschen nicht zuletzt zu denken Aus/Wes. In Warschau wurde der Gendarmerieoberst Graf Steinbock-Fermor durch Rcvolverschüsse schwer verwundet. Der deutsche Bizckonsul in Warschau, Baron v. Lerchenfeld, ist nach Lodz gereist, um die deutschen Staatsbürger, die bei der Schießerei am Mittivoch geschädigt wurden, zu vernehmen. Bacon v. Lerchenfeld soll mit allen deutschen Staatsbürgern, die geschädigt wurden, Protokolle! ausgenommen haben, damit später eine Gesamtforderung auf Entschädigung auf diplomatischem Wege eingereicht werden kann. Der englische Staatsbürger Roche in Lodz, dem eine Soldatenkugel ein Bein zerschmettert hat, ist gestorben. Seine Familie tritt mit einer Entschädigungsklage von 75 000 Rubel gegen die russische Regierung auf. Leutnant Smirnski forderte den früheren Abg. Jakobsohu, der anläßlich der Judenhetzen in Bialistok die ganze russische Armee der Feigheit bezichtigt hatte, zum Duell. Nr. 197 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Familien» blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Univers.-Buch-u. Steindruckerei. R. Lange. Redaktion, Lxpedittoa und Druckerei: Schulstraße 7. Redaktion 113 Verlag u.Expcd.d^Sl Adresse sür Depeschen: Anzeiger Gießen. Bahn, seine Hacke auf das Schwert des Soldaten. Es scheint, als ob erst unsere Kolonialkämpfe berufen seien, den Weg zu einer planmäßigen und reichlichen Besiedelung unserer Kolonien zu eröffnen. Einer der tüchtigsten russischen SiedelungS- politiker, der in der Mandschurei Großartiges geleistet, äußerte sich vor kurzem, die deutscheTruppe in Südwestafrika sei das Dreifache wert, wie die 12 0 00 Weißen Rhodesiens. Deutschland verdiene keine Kolonien, wenn es nicht die Soldaten, die dort gefochten, auch ansässig mache. Aehnlich urteilt Dr. Karl Peters, dessen Erfahrung in der internationalen Kolonialpraxis auch von seinen Gegnern nicht bestritten wird. Wer das Material gesehen hat, womit Eng- land Neuseeland und Kanada besiedelt, und wer unsere Afrikaner am Werke gesehen, kann in der Tat keinen Zweifel hegen, daß jener Ruffe einen praktischen Wink gab. In unseren technisch und im kolonialen Truppendienst geschulten Kriegern haben wir nunmehr eine brauchbare kolonialpolitische Reserve. Der Gedanke einer Kolonialtruppe ist bei uns noch unpopulär, weil man nur die Ausgaben sieht. Aber wenn man erst sehen gelernt haben wird, wie Truppenkörper in unseren Kolonien das wirtschaftliche Treiben beleben, indem sie Märkte Deutsches Reich. Wilhelmshöhe, 22. Ang. Ter Kais er und- die Kaiferm unternahmen heute vormittag einen Spaziergang. Zur Frühstückstafel war Wirkt. Geh. Rat Prof. Dr. von Behring aus Marburg geladen. HofmarfchaN Graf v. Zeblitz-Trützschler ist hier eingetroffen. Berlin, 22. Wug. Das Gut Köllmisch-Nausseden im Kreife Tilsit (Ostpr.) in du er Größe von 1350 Morgen, ist von dem Bevollmächtigten der v. Treßlerschen (Schreit- laugker) Erben an den Fiskus für den Preis von 175000 ML verkauft worden. Nach der „K. H. Ztg." erhält sich das Gerücht, daß der Kaiser Schreitlaugken kaufen werde ' Man glaubt in dem Verkauf des ein Vorwerk zu Schreitlaugken bildenden Gutes Köllmisch-Nausseden den ersten Schritt zur Anbahnung des Verkaufs zu erblicken. — Zu den Geschäftspraktiken der Firma Tip p eis - kirchtu. Cie. liefert die „Lib. Korresp." folgenden Beitrag: Bei der Postverwaltung erhalten alle Bewerber, die für den "Tropendienst als geeignet befunden sind, zugleich mit der Einberufung ein Zirkular, worin sie darauf aufmerksam gemacht werden, daß es sich für sie empschle, die für den ^ropen- dienst nötigen Requisiten sich durch die Firma Tippelskirch zu beschaffen, die hierin besonders leistungsfähig sei. Fn einem uns mitieteilten Falle hat ein .Postbeamter,, der zufästig die Be- ai. tiegigerW fcgimott 85 11 M, ta io ungenügend ve langen und Fälschungen ctnb en ar reit- — politische Lagesschar». Der Kaiser und die Kriegervereiue. In der „Staatsbürgertztg." finden wir folgenden seltsamen Erguß: ,^öei einer Reise, welche ich dieser Tage nach dem Rheme machte, sind mir recht unliebsame Aeußecungen und Bemerkungen über ein Vorkommnis anläßlich der Reise Sr. Majestät zur Wahner Heide zu Ohren gekommen- sie haben mein patriotisches Herz tief betrübt, weshalb ich sie aussprechen muß, vielleicht werden sie an zuständiger Stelle gehört! Es war den Kriegervereinen gestattet worden, Spalier zu bilden; die Leute machten sich frei von der Arbeit, natürlich unter Geldopfern; Die Gemeinden bauten eine Allee von Masten mit Tannengrün usw., das kostet doch auch Geld. Was wollten die Leute? Die Grenadiere wollten ihren Kaiser sehen, ein Blick aus seinem lieben Auge sollte ihnen wo hl tun; sie wollten empfinden, daß sein Auge für sie noch da ist, damit sie neuen Mut zum schweren Kampfe ums Dasein und zur Betätigung patriotischen Gefühls schöpfen! Die Stunde kam nach langem Harren; endlich! Se. Majestät kommt! — --- Eine kleine Wolke, — ein Rrrrr —, dann einige Wagen mit Gefolge — Majestät war im Automobil vorübergesaust! Seinen Blick hatte fein Krieger gesehen! Wer da weiß, mit welchen Opfern und Mühen es heute verbunden ist, in den patriotischen Vereinen die Liebe zu Kaiser und Reich wach zu erhalten, da die Mitglieder täglich und stündlich der Gefahr ausgesetzt sind, abtrünnig gemacht zu werden, der wird ermessen, wie verheerend solch ein Vorkommnis für die Vereine ist; dreisolcherFahr- ten und es existiert kein Kricgerverei'n mehr. Wäre cs bei den Dispositionen nicht möglich gewesen, den Aufenthalt auf Billa Hügel um einige Minuten zu kürzen, um in bequemem Tempo die Fahrt zu machen und den Leuten Gelegenheit zu geben, ihren geliebten Kaiser zu sehen?" Wir haben denn doch eine andere Meinung von unseren alten Kriegern und allen Kriegervereinsmitgliedern und glauben nicht, daß ihre Liebe zu Kaiser und Reich durch solche Vorkommnisse erheblich ins Wanken gebrach! werden könnte. In den hessischen Orten, die der Kaiser aus der Fahrt von Homburg nach Gießen am 1. Mfi d. I. durchsauste, wird ganz gewiß niemand bei den nächsten Wahlen das Reich oder das Land entgelten lassen dafür, daß der Kaiser es nicht vorzog, statt des raschen Automobils sich etwa der vorsintflutlichen Postbummelkutsche mit altem verklungenen Serenissimus-Klimbim zu bedienen. Dazu find die Hessen denn doch zu vernünftig; ihre Gefühle nnd Meinungen lassen sie sich nicht so leicht erschüttern! !gUN§. Wegen nicht bewilligter - --- chrrchtett. idelb-"LWM Pfarrer D. Naumann und der Verein Deutscher Studenten. Herr Hofprediger Fr. Germer in Gedern, A H. des V. d. St., der den entscheidenden Verhandlungen rn Kelbra beiwohnte, hat die Güte, uns folgendes mitzuteilen: Der Verbandstagung, zu der jeder Verein für jedes angefangene 50 seiner Mitglieder einen Vertreter abordnet, lag ein Antrag vor, der sich gegen Naumanns Verhältnis zur Sozialdemokratie aussprach und darauf cchzielte, ihm den Austritt aus dem Verband nahe zu legen. Dieser Antrag fand insofern inhaltlich allgemeine Zustimmung, als kein einziger Vertrerer Naumanns Verhalten billigte. Er wurde aber trotzdem formell abgelehnt aus dem rein formalen Bedenken heraus, daß zur Zeit bei dem zuständigen Ehrenrate, des V. D. St. Leipzig, dessen A. H. D. Naumann ist, ein Verfahren gegen diesen schwebe, dem man nicht vorgreifen wolle. Die in die Oefsentlichkeit gedrungene Resolution über die gegnerische Stellung des Verbandes zur Sozialdemokratie wurde gefaßt nicht von der offiziellen Vertretertagung, sondern von einer am selben Tage noch abgehaltenen Versammlung aller in Kelbra anwesenden aktiven V. D. St. und Alten Herren. Es mochten wohl gegen 400 sein. Diese Versammlung war, weil sie ja keinen sozusagen amtlichen Charakter trug, nicht wie die Vertretertagung an Rücksichten gegenüber dem Leipziger Ehrenrat gebunden. Die Veröffentlichung dieser Entschließung, die mit allen gegen rund 10 Stimmen angenommen wurde, war indessen Zunächst nicht vorgesehen; sie sollte nur für den Fall erfolgen, daß die Presse das Schweigen der Verbandstagung zu Naumanns Begünstigung der Sozialdemokratie falsch deutete. Daß namentlich die Presse der politischen Rechten das tun würde, par zu befürchten, da sie sich schon vor der Tagung mit der Frage beschäftigt hatte, ob D. Naumann im Verbände bleiben werde. Wie es kam, daß dann die Resolution doch sogleich in den Zeitungen erschien, gehört nicht hierher. Nach dem geschilderten Hergang ist es jedenfalls nicht zweifelhaft: der Kyffhäuserverband der Vereine Deutscher Studenten mißbilligt geschlossen, — von ganz, verschwindenden Ausnahmen abgesehen — Naumanns Zusammengehen mit der roten Inter- und ^tinationalen und erwartet, daß Naumann ehrlich und rücksichtsvoll genug sei, auch äußerlich aus einer Gemeinschaft zu s ch e i d e n, mit der ihn innerlich nichts mehr verbindet. Daß es kein Beweis von Takt ist, wenn N. sich dessen weigert, werden auch die zugeben müssen, die die Bestrebungen der Vereine deutscher Studenten mehr oder weniger mißbilligen. Das sei noch ausdrücklich betont, daß kein Mensch in den Vereinen deutscher Studenten an Naumanns persönlicher Ehrenhaftigkeit und immensen geistigen Bedeutendheit zweifelt. Sie mußten sich von N. lossagen und sein Ausscheiden wünschen, da sie in nationalen Fragen nicht —, zum Unterschiede von den anderen großen studentischen Verbänden — „voraussetzungslos" sind, sondern durch Satzung und Geschichte in bestimmter Richtung festgelegt sind. s*s G MD 'tote t n i j e v £ t - .^°brftL-r,r ? '"ns Lebe,.. üiiev. l( .Steifen, 21. $rlln CÄT«'' bi-UnÄ* -rletzung beigcbrE hat Q'ilrQ^ bie Nachbarn in taberg hat ein Urteil lem cr wegen Körper- verurteilt worden ist, ? - ebenfalls Berufung G??15 ? überschritten Körperverletzung mittels W verurteilt hat. statt d die Cache der Straf. M ergab, daß F., der ■ Irnich ilt, einer Frau, ar- ohne Anlaß mehrere m Lilse ries, stieß er sie olgte sie auf ihrer Flucht. H und schlug aus sie ein, uch noch den Verlust eines Üiche Hilfe in Anspruch irte das Schössengerichts- ^ridit erster Instanz aus ionaten.. Sie zog die :nb, daß die seither gegen en aus ihn feinen Eindruck ■ Als dem Maurer Josef ng von der Geburt des lacht und er ausgesordert lignis den Rest des Tages : i eftü 15 be lei bi gung i. Ta feine Aeußerung Gericht mit der Mindest- § durchtbmmen. - Aus u f&ibingen mürbe der wegen Beleidigung Tas Urteil mürbe Don r bie Strafe nidjt fjoch ircdjung verlangt, weil igen nicht den Kläger eß dem &tW. Wn MgerMerMnMize. Md ihn einen Wt at, genannt hatte. _ Das schwere der Beleidigung rl.___ >g«. iS mb w°-.dw ag"tM Mete« ms gedruckt. » 6in(Cget, ■ui ■■IIB- Ä Ä VezngspretS» TV fly w monatlich7bPf.,viertel« Gletzener Anzelger ■ General-Anzeiger v v v den polit und allgem. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW V ” zeigenteil: HanS BeLj zugsquelle der Firma Tippelskirch in Erfahrung gebracht hatte, für dieselben Schuhwareu, wofür die Firma Tippelskirch' 35 Mk. forderte, bei der Lieferantin von Tivpelskirch 18 Mark bezahlt. — Zu den Meldungen, daß der frühere Kolonialdirektors Stübel, als ihm und dem LandtvirtschaftSminister nach- gesagt wurde, daß sie bei Tippelskirch beteiligt feien,, gegen einzelne Blätter klagbar wurde, Herr v. Podbielski aber nicht, bemerkt die „Frtf. Ztg.": Wir glauben, zu wissen, daß Herrn v. Podbielski damals vom Reichskanzler in irgend einer.Form, Vielleichtinder einer Anfrage ober des guten Rats nahe gelegt worden sei,, gleichzeitig Strafantrag zu stellen. Podbielski aber lehnte in seiner für gewöhnlich jovial bezeichneten, eigentlich^ aber auch anders zu charakterisierenden Art mit den Worten abn „Wo werde ich denn, Stübel ist beleidigt, weil er Einfluß auf) die Vergebungen von Lieferungen hat, ich nicht." Gleichzeitige erließ Herr v. Tippelskirch eine entsprechende Erklärung. Damit war der Versuch, damals eine Klärung der ganzen Angelegenheit: herbeizuführen, gescheitert. — Ein Denkmal für Eugen Richter soll inj seinem Wahlkreise Hagen-Schwelm errichtet werden.! Tas Vorkaufsrecht für einen dem Hagener Stadtpark bewacht barten Berg, soll fichergestellt sein. Ausland. London, 22. Aiug. Nach Meldungen aus Peking er-, hält sich dort das Gerücht, daß die Kaiserin-Mütter beabsichtige, einen Ausschuß einzusetzen, welcher beauftragt toeix den soll, eine Verfassung für China auszuarbeitem, — Ein Korrespondent behauptet, Kaiser Wilhelms habe mit dem engl. Unter st aatssekretär des sAfuAi nxrrtigen in Friedrichshof eine längere Unterredung gehabt. Paris, 23. 'Slug. Ein Mitarbeiter des „Temps" hatte; in Tournay mit dem Kardinal Pincenzo Vanu-i telli, der sich vom Kongreß der belgischen KathollkenI nach Essen begab, eine Unterredung, in welcher der Kar-i dinal in bezug auf die durch das Treu nun gsgesetzs geschaffene Lage unter anderen die Ueberzeuguug aussprach^ daß nur sehr vereinzelte Geistliche sich gegen die Bischifies auflehnen werden. Es sei zu befürchten, daß der Konflikt in Frankreich, wo die Mäßigung keineswegs zu einer vor-, herrschenden Eigenschaft der exttemen Parteien gehöre, zurs Konfiskation der Kirchen und zur Einsperrung ders Bischöfe und Priester führen werde. Wenn dies französische Regierung zu solchen äußersten Maßnahmenj und zu solchen Gewalttätigkeiten greifen sollte, danns würde in der öffentlichen Meinung ein plötzlicher Um-- schwang erfolgen und diese Gewalttätigkeiten würden nur# von kürzer Taner sein. Marseille, 22. Aüg. In der Wohnung des ver°s hafteten Schuhmachers Cirillo fand gestern eine neue Hausi suchung statt, bei der weitere kompromittierende Papieres gefunden wurden. Bei dem Verhör wiederholte Cirillos daß die aufgefundene Bombe von einem jungen Manns herrühre, der ihm ein paar Schuhe zur Reparatur gebracht habe und den er nicht kenne. 1 Madrid, 22. Aug. Tie Polizei verhaftete in Zafar-i raya (Granada) einen Mann. Er versuchte ein Stück Papier zu verschlucken, auf dem sich eine chemische Formel zur Her-, stellung von Explosivstoffen befand. In seiner Handtasche^ wurden eine Bombe und zwei Revolver gefunden. Eine zweite Bombe beschlagnahmte die Polizei auf die Aussagq des Verhafteten bei einem Zimmermann. Newy or k, 22. Äug. Unter den Deutsch^Amerikanems der Union wird eine Bewegung inszeniert, um den Be-i such des Kaisers Wilhelm in den Vereinigte ns Staaten zu veranlassen. St. Louiser Bürger wähllen eins Komitee, das dem Kaiser persönlich eine .Einladung ders amerikanischen Deutschen überbringen soll. Wahrscheinlich werden auch andere Städte Delegierte abordnen, um diesem Vorgehen größeren dtachdruck zu verleihen. Botschafter; Frhr. o. Sternburg erllärte, daß in diesem Jahre kein Mll<^ glied der kaiserlichen Familie nach Amerika kommen würde.s Habana, 22. Aug. In der Provinz Pinar bei Rio haben sich die Aufständischen der Stadt San Luis bemäch-, ttgt, wobei eine Anzahl von Personen getötet und ver-i wundet wurden. Die Stadt San Luis wurde durch 100 Manns Landgendarmerie verteidigt, von denen sich 50 den Aufstän-^ bischen ergaben. Mit ber Einnahme von San Luis haben bie Aufstänbischen einen wichtigen Stützpunkt für bie Durch-, führung künftiger Operationen gewonnen. Ter Präfibent von Kuba, Tomas Esttaba Palma, erklärte gelegentlich eines Interviews, baß angesichts ber geringen Ausbehnung ber revolutionären Bewegung kein Grunb zur Beunruhigung« vorliege. an Herr AuS Moskau wird gemeldet: Der frühere Abgeord. Sawelijew, Mitglied der Arbeitergruppe, ist feit zwei Wochen verschollen. Man vermutet, daß er durch ein gefälschtes Telegramm nach Petersburg gelockt und ermordet worden sei. Im Gouvernement Moskau werden z. Zt. von den Bauern-Verbänden revolutionäre Aufrufe verbreitet, in denen Lie Bauern zu gewaltsamer Aneignung von Privatbesitz auf- ^gefordert werden. Zwei Eisenbahnbataillone und ein turkestanisches Regiment verursachten Tumulte in den Baracken von Taschkent. Die Truppen gingen gegeneinander vor und kärupften zwölf Stunden hindurch. Zahlreiche Tote und Verwundete bedeckten das Feld, bevor die Ruhe wieder her- gestellt werden konnte. Gesundheitszustand und Sterblichkeit im Kreise Hießen tm Jahre 1905. Im Anschluß an unsere Veröffentlichung über die Sterblichkeit in der Kreisstadt Gießen bringen wir nachstehend einen Auszug aus der Sterblichkeitsstatistik des Kreises Gießen während des Jahres 1905 zur allgemeinen Kenntnis: Im Berichtsjahre sind im ganzen in den 80 Gemeinden des Kreises 1548 Personen gestorben; 190-1 belief sich die Anzahl der Todesfälle auf 1499. Bei einer Bevölkeru'ngs- zahl von rund 88 000 — angenommen um die Jähres- mitte — berechnet sich demnach die Sterblichkeitsziffer, d. l die Zahl der Verstorbenen auf 1000 aus^- gerechnet, zu 17,6 pro Tausend, genau wie im Vorjahre 1904. Diese Sterblichkeitszifser wird auf 15,0 pr. Tsd. reduziert, wenn man — wie dies auch bei der Sterblichkeitsziffer der Stadt Gießen geschieht —, 220 Todesfälle von Ortsfremden, d. h. von solchen Personen, welche dem Kreise Gießen nicht angehörten, abzieht. Tie hiernach gewonnene Zahl der Verstorbenen mit 1328 werden wir auch der weiteren Berechnung zu Grunde legen. Tie Sterblichkeitsziffern getrennt für die Kreisstadt Gießen und die Summe der Landgemeinden des Kreises sind für die ersteren 11,86 pro Tausend, für die letzteren 16,47 pro Tausend. Von den Quartalen brachte die meisten Todesfälle das zweite (409), die kleinste Zahl das vierte (364). Rach Altersklassen zerfallen die Verstorbenen in folgende Gruppen; es starben im Alter von: 0—1 Jahr: 245 = 18,44 °/0 1—15 ff 180 = 13,56 °/0 15—30 132 = 10,01 °/0 30-60 282 = 21,24 °/„ 60—70 197 = 14,84 °/0 über 70 ff 292 — 21,91 °/n Sumina 1328 — 100,00 % Tie Zahl der verstorbenen Säuglinge war bisher immer größer als 20 Proz., sie ist mithin im Berichtsjahre (mit 18,44 Proz.) erfreulicherweise etwas zurückgegangen. — Berechnen wir die Säuglingssterblichkeit getrennt für die Stadt Gießen und die Landorte des Kreises, so beträgt sie für die erstere 2,63 auf 1000 Einwohner, für die Gesamtheit der Landgemeinden — bei 170 Todesfällen — 2,85 pr. Tsd. An angeborener Lebens schwäche sind im ersten Lebensmonate 47 oder 3,54 pro Tausend Kinder gestorben. Annähernd 22 Proz. (21,91 Proz.) der Todesfälle bezieht sich auf Verstorbene, welche das 70. Lebensjahr überschritten hatten; bei 204 der hierher gehörigen Fälle war als Todesursache Alt e r s kr a n kh e i t in den Todeszeugnissen angegeben. Einen Maßstab für die Beurteilung des Gesundheitszustandes im Kreise bietet die Anzahl der Todesfälle, welche auf die einzelnen Krankheitsgruppen entfallen. Was die sogenannten Infektionskrankheiten anbelangt, so traten die Masern in gehäufteren Fällen in Albach, Allendorf, Alertshausen, Bersrod, Gießen, Göbelnrod, Grünberg, Klein-Linden, Mainzlar, Lollar, Ruttershausen, Saasen, Stangenrod, sowie in Winnerod auf und hatten rm ganzen 43 Todesfälle zur Folge (1904: 3, 1903: 12 Todesfälle). An Influenza, die beson!>ers in Odenhausen, Reiskirchen, Röthges und Nüddingshausen eine größere Verbreitung angenommen hatte, starben 21 Personen Scharlach wurde in Alendorf, Bellersheim, Burkhardsfelden, Ettingshausen, Gießen, Grünberg, Harbach, Holzheim, Klein-Linden, Lich, Langd, Lollar, Muschenheim, Ober-Bessingen, Qucckborn, Reinhardshain, Nüddingshausen und Steinbach in zahlreicheren, in anderen Gemeinden mehr tn Einzelfällen beobachtet; von den uns gemeldeten 233 Fallen sind im ganzen 10 (4,6 Proz.) gestorben; in Den beiden Vorjahren betrugen die entsprechenden Zahlen •LJ-T'i pH therie erkrankungen kamen im Be- jrlchts)ahre 325 Fälle zu unserer Kenntnis; sie traten in sgehaufteren Fällen in Gießen, Großen-Buseck, Grünberg, - Inheiden, Lollar, Watzenborn, Wieseck, sowie '^^Ehardsfelden auf und führten bei 9 der davon befallenen Kinder (2,8 Proz.) zum Tode. An Keuchhusten verstarben ebenfalls 9 Kinder. 'InSto fe sind im Berichtsjahre 6, an anderen W un d- krankheiten 13 Kreisangehörige verstorben. , Wochenbettfieber mit tödlichem Ausgange wurde b.9L 4 Zilien beobachtet; in 14 anderen Fällen trat Genesung em. Anderen nicht infektiösen Wochenbetterkrankungen erlagen^ 3 Frauen. Tie Zahl der uns bekannt gewordenen Erkrankungen an Unterleibstyphus betrug im Berichtsjahre 11, »on welchen zwei einen tödlichen Ausgang nahmen; außer- oem verstarben noch 9 Personen an Unterleibstyphus, welche von auswärts bereits erkrankt sn die Klinik verbracht worden waren. An Tuberkulose, der verderblichsten aller über- tragbaren Krankheiten, verstarben im ganzen 215 Kreisangehörige und zwar an Lungenschwindsucht 175 und 40 Sn-r- 2e^™I0!e- an&ercr Organe, außerdem 4 an akuter Miliartuberkulose. E die Anzahl der Todesfälle an Lungenschwindsucht rm Berichtsjahre (19,9 pro Tausend) mit der der Vorjahre (1904: 21,7 pro Tausend, 1903: 22,9 pr. Tsd.), fo 4t ein langsamer Rückgang der Tuberkulosesterblichieit nicht zu verkennen. ' J _ Croupöse Lungenentzündung war 67mal die Todesursache; an anderen entzündlichen Krankheiten der Atmungsorgane starben 145 Personen ®nr?c5ir]Uc8r“n'rufl sind 44, an Herzleiden 61 Menschen zu Grunde gegangen. Krebs krankheiten und anderen bösartigen Neubildungen sind 82 Personen erlegen. Die Anzahl der Todesfälle an Darmkatarrh und Giseirbahn-Zertrrng. — Die Einnahme der preußisch-hessischen Staatseisenbahnen hat für den Juli des laufenden Jahres insgesamt rund 162 Millionen Mark ausgemacht und die des gleichen Monats des Vorjahres um 14,1 Millionen Mark überstiegen. Von dem Mehr entfielen 3,9 Millionen Mark auf den Personen- und 9,5 Millionen Mark auf den Güterverkehr, 0,7 Millionen Mark auf sonstige Quellen. Nachdem die Einnahme des Juli veröffentlicht ist, liegt nunmehr das Ergebnis für das erste Drittel des laufenden Finanzjahres vor. Es hat sich, wie die „National-Zrg." mitteilt, auf 610,1 Millionen Mark oder 55,5 Millionen Mark mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres belaufen. Das monatliche Durchschnittsmehr beträgt demnach 13,9 Millionen Mark, _ der Juli war demgemäß noch besser als der Durchschnitt des ersten Drittels. Von dem Gesamtmehr kamen 16,3 Millionen Mark auf den Personen-, 36,9 Millionen auf den Güterverkehr und 2,3 Millionen Mark auf sonstige Quellen. Die Steigerung der Einnahmen im Güterverkehr war auch verhältnismäßig größer als die im Personenverkehr, jene machte 10,82 Proz., diese 8,97 Proz. aus. Erwägt man, daß nach dem im Eisenbahnetat für 1906 verzeichneten Voranschläge auf .eine durchschnittliche Dritteljahrseinnahme von rund 580 Millionen gerechnet ist, so gelangt man zu durchaus günstigen Erwartungen für den Jahresabschluß der Einnahmen der preußisch-hessischen Eisenbahnverwaltung. Vermischtes. * König Edward VII. und das Marienbader Vadepublikum. Schon in früheren Jahren hatte König Edward, wenn er sich zur Kur in Marienbad aufhielt, Grund zur Klage, daß er auf Schritt und Tritt von Neugierigen umringt wurde, die ihn angafstcn wie, nach seinem eigenen Ausspruche« Brechdurchfall (58) war im Vergleich zu der in'den Vorjahren (1904 : 24, 1903 : 35) eine wesentlich größere. Unbekannt blieb die Todesursache in *52 Fällen; 24 Personen sind verunglückt, 16 endeten durch Selb st - mord, eine durch tödliche Körperverletzung. Ans Stadt nnd Land. Gießen, den 23. Aug. 1906. ** Personalnachrichten. Der seitherige veterinär- ärztliche Hilfsarbeiter der Abteilung des Ministeriums des Innern für öffentliche Gesundheitspstege Dr. Bernhard Stolpe wurde auf sein Nachsuchen entlassen. — Ernannt wurde die Schulverwalterin an der höheren Bürger-(Mädchen-)Schule zu Bingen Mary Herms zur Lehrerin an dieser Schule. ** Der neue Kreisveterinärarzt. An Stelle des verstorbenen KreisveterinärarzteS Dr. Schmidt wurde, wie man uns mitteilt, zum hiesigen Kreisoeterinärarzt Dr. Knel l in Gan-AlgeSheim ernannt. ** M i l i t är d i e n st n a ch ri ch t e n. Im Beurlaubtenstande: Befördert wurden zu Stabsärzten die Oberärzte der Res.: Dr. Büchner und Dr. Kißner in Gießen. ** Der Bahnhofsumbau, an dem nun schon ca. 3 Jahre gearbeitet wird, geht jetzt seiner baldigen Vollendung entgegen. Gegenwärtig sind Maler und Bildhauer der Vollendung ihrer 'Arbeiten nahe. An der oberhessischen Bahnseite wurde dieser Tage im Anschluß an die Verbind- ungshalle mit der Erbauung eines Polizeilokals begonnen. Dieser Tage weilten Vertreter der Eisenbahn-Direktion Frankfurt zur Besichtigung hier. Voraussichtlich werden der Wartesaal 1. Klasse und die große Durchgangs- Halle am 1. Oktober dem Verkehr übergeben werden. Nicht übel nimmt sich der Haupteingang mit seinen feinen Bildhauerarbeiten aus. ** Ei n schwere? Säbelduell hat hier in Gießen am 15. Aili stattgefunden, das s. Zt. hier so geheim gehalten worden ist, daß man erst jetzt Kunde davon erhält durch die Verhandlung vor dem Darmstädter Kriegsgericht. Heute vorm. hat das Kriegsgericht, wie uns drahtlich aus Darmstadt gemeldet wird, den Leutnant der Reserve vom 168. Juf.-Regt. Rudolf Reitz aus Echzell zu 3 Monaten Festungshaft verurteilt. In Mainz hatte R. vor einiger Zeit einen Wortwechsel mit dem Referendar Fritsch und ohne Veranlassung soll er von Fr. eine Ohrfeige erhalten haben. Bei dem dann, wie gesagt, am 15. Juli hier aus- getragenen Duell auf Säbel ist der Gegner schwer verletzt und kampfunfähig geworden. t. Reiskirchen, 21. Aug. Ein hiesiger Landwirt zog sich vorige Woche eine kleine Verletzung an seiner Hand zu und beachtete sie nicht weiter. Heute bekam er nun solche Schmerzen, daß ein Arzt zu Rate gezogen werden mußte, der seine sofortige Verbringung naeh Gießen in die Klinik anortmete, da sich eine schwere Blutvergiftung eingestellt hatte. °-t- Lich, 23. 'Aug. Tas Stiftungs fest der Freiw. F e u e r w e h r nebst Fahnenweihe findet am 2. Sept, statt. Der Fürst hat seine Zusage ausgesprochen, die gestiftete Fahne selbst überreichen zu wollen. k. Bad-Nauheim, 21. Aug. Der Stadtvorstand beschloß die Herstellung der alten Burgpforte an der Fürsteustraße zur Anlage einer Verbindungsstraße und bewilligte 9500 Mk. — Der bereits früher erfolgte AukaufS- vertrag der alten Reinhardskirche von der Kirchengemeinde wurde genehmigt. Die Stadt beabsichtigt, die frühere Kirche als Museun, einzurichten. — Es erheben sich Stimmen gegen die hohen Kosten des Kanalisationsprojekts, die für unsere Stadt 415 000 Mk. betragen würden, die alte, vor 15 Jahren erbaute Kläranlage hat uns etwa x/, Million gekostet. Die Stimmen wiesen auch darauf hin, daß der Staat früher versprochen habe, aus seinen Mitteln eine Kläranlage mit Berieselung der Bauernheimer Mark- ivicse für beide Städte zu errichten. -i- Bad-Nauheim, 21. August. Eine Kunstausstellung bietet z. Zt. ein anschauliches Bild über die Entwickelung der Malerei. Unter den Steinzeichmingen sind die Namen bedeiitendster lebender Künstler vertreten, ivie: Biese, Volkmann, Kallmargen u. a. Ferner findet man Nepro- dukticmen von Werken BöcklinS, Klingers, Prellers, Schwinds, L. Richters, Thomas, sowie älterer Meister wie Dürer, Cranach, Holbein. Die Ausstellung ist vom Nhein-Main-Verband für Volksbildungsbestrebungen ins Leben gerufen und erfreut sich ortgesetzt eines zahlreichen Zuspruchs, besonders auch aus Friedberg. Die Kandidaten des Predigerseminars, die Schiller- chule und Vereine von Friedberg haben die Ausstellung be- ichtigt. Bad-Nau heitn, 21. Aug. Bei der gestrigen Sub- miffron zur Erbauung eines Hochbehälters auf dem Goldstein wurde das .Höchstgebot mit 42 904, das niedrigste Gebot mit 28 495 Mk. eingelegt und zwar letzteres von einer Fuldaer Firma. Hiesige und benachbarte Firmen hatten durchschnittlich 35 000 Mk. eingelegt. — Dieser Tage ereignete sich auf dem Bahnhofe ein seltsamer Unglücks fall. Bei der Einfah-rt des abends'hier um 8.05 Uhr von Kassel eintreffenden Schnellzuges platzte nämlich mit furchtbarem Schlag der Da m p f ke s s e 1 d e r Ma s ch in e ; verletzt wurde nur ein auf dem Bahnsteig stehender Mann am Kopf. Tie Führer der Maschine blieben unverletzt. Der Zug mußte so lange hier liegen bleiben, bis eine Hilfsmaschine von Friedberg eintraf, die den Zug nach Frank- ürt brachte. cb. Laubach, 22. Aug. Metzgermeister August Desch wurde gestern, als er mit einem Gehilfen ein Rind nach Hause führen wollte, von dem durch Kinderlärm scheu gewordenen Tiere umgeworfen und derartig getreten, daß er an Kopf und Bein schwere Verletzungen erhielt, sodaß er mehrere Wochen das Bett hüten muß. P. S ch 1 i tz, 22. 'Miig. Zu B ü rgermeisteru wurden gewählt in Rimbach Herr Ä. Döring, in Franco m b a ch Herr H. H o h m ei er. — Eine technische Re - visionderMaßeundGe Wichte hat heute und gestern in unserer Stadt durch den Aichmeister Bücking aus Alsfeld tattgefunden. h. Laasphe, 22. Aug. Der 82 Jahre alte fürstliche Oberförster a. D. Philipp Dickel aus Paulsgrund fiel gelegentlich eines Jagdausfluges, bei dem er feinen Sohn begleitete, vom Wagen und gab alsbald feinen Geist auf. sd. Darmstadt, 23. Aug. (Drahtbericht.) Die veriv. Frau Bürgermeister Merz ist heute in Groß-Bieberau, als sie, mit einer Ueberfahrtkarte nach Amerika versehen, eine angeblich kleine Reise antreten wollte, von der Gendarmerie haftet worden. Frau M. hat nach dem Tode ihres Gatten die Groß-Bieberauer Sparkasse selbständig geleitet. Bei einer unvorhergesehenen Revision durch die Oberrechnungskammer haben sich nun eine Reihe von Unregelmäßig* feiten herausgestellt. Frau M. hat die Flucht zu ihrem Sohne ergreifen wollen, der sicher vor einiger Zeit rechtzeitig nach Amerika entkommen ist. fc. Mainz, 22. Aug. In dem Bierkriege zwischen den Arbeitern der Gastell'schen Waggonfabrik und der Mainzer Aktienbrauerei haben die Arbeiter gesiegt. Nachdem die Fabrik seit 1. Juli ihr Bier von einer ringfreien Wiesbadener Brauerei bezogen hatte (zum Preise von 9 Pfg. pro 1/2 Liter- Flasche), hat jetzt die Mainzer Aktienbrauerei nachgegeben und liefert zum früheren Preise. fc. Aus Rheinhessen, 22. 9(ug. Nun haben auch die rheinhessischen Schweinezüchter einen Ning gebildet. 1000 Mark Konventionalstrafe zahlt jedes Mitglied der in den Ring zusammengeschlosienen Schweinezuchtgenossenschaften, das sein Borstenvieh unter 55 Pfg. für das Pfund Lebendgewicht und unter 80 Pfg. für daS Pfund Schlachtgewicht abgibt. fc. Frankfurt a. M'., 22. 'Aug. Wir wir aus Brauerkreisen erfahren, beziffern die hiesigen Ringbrauereien den ihnen aus dem Bierkrieg bis jetzt erwachsenen Minderabsatz auf 20 Prozent. — Gestern wurden in der Markthalle zwei elegant gekleidete Frauen verhaftet, welche gemeinschaftlich Obst, Geflügel, Gemüse und Butter stahlen. Während die eine mit den Verkäuferinnen über die Preise handelte, ließ die andere die Sachen verschwinden. Sie wurden auf die Polizeiwache gebracht, wo sich heraus- ftellte, daß die Gatten der Damen in guten Verhältnissen leben. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die Orte Reibertenrod, Münch- leusel, Heidelbach und Schwaben rod haben dieser Tage Fernsprechanschluß erhalten, und in Eudorf, Münchleusel und Reibertenrod wurde die Feldbereimgung eingesührt. — In Friedberg ist über den A k a d e m i s ch - E l e k t r o t e ch n i s ch e n Verein von der Direktion der Gewerbe-Akademie in Friedberg die Suspendierung verhängt worden. — Tie in Mainz bestehende Produktionsgenossenschaft wird int nächsten Frühjahr eine eigene Genossenschastsbäckerei eröffnen. Mit der Errichtung der Bauten wurde vor einigen Tagen begonnen. — Im Diakonissenhaus zu Frankfurt starb im 37. Lebensjahr Regierungs-Assessor Dr. L ü d i ck e an den Folgen einer Blinddarm-Operation. Erdbeben in ßhile, Wolen und Italien. Rach, heutigen Depeschen aus Valparaiso geht die Arbeit der Förderung der Leichen ans den eingestürzten Gebäuden so schnell wie möglich vorwärts. ' Hunderte von Toten wurden ans Tageslicht gebracht. In den meisten Fällen sind die Leichen unkenntlich. Alan glaubt, daß an Tausend Tote namenlos der Erde überwiesen iverden müssen. Die Lage der armen Klassen ist furchtbar. Wohl 100 aus dem Gefängnis entflohene Verbrecher wurden bei Begehung von Verbrechen auf frischer Tat ertappt. Unter den in Valparaiso Getöteten besindet sich auch Samuel Silva, der Führer der Liberalen. Seit dem ersten Tage wurden in Chile bisher 500 Erder schütter ungen verzeichnet. 30 000 Flüchtlinge von Valparaiso sind in Santiago angelangt. ~e chilenischen Versicherungs-Gesellschaften sind schwer betroffen, wc-.l die ausländischen Gesellschaften durch ein kürzlich angenommenes Gesetz vertrieben wurden. Die Ausdehnung des Erdbebens wird auf 6000 Kilometer geschätzt. Der Nahrungsmangel hat zu großen Unruhen in Valvariso geführt. Eine große Menge belagert die Schlächterläden. Die Leute verlangen lärmend Fleisch. Doch die Fleischer ziehen Nutzen aus der Situation und verlangen die höchsten Preise, die die Bevölkerung zu bezahlen sich weigert. Das Vorgehen versetzte die Menge in eilte derartige Wut, daß sie die Schlächterläden zu demolieren begann. Militär mußte einschreiten, um die Ordnung wieder herzustellen. Ter Schaden in den Valparaiso benachbarte.! Ortschaften ist unermeßlich. Fast sämtliche Wohnplätze an der Küste sind zerstört. Tie Orte San Francisco del Monte, San Antonio und Cartagena md nahezu vernichtet. Tie am meisten heimgesuchte Zone umfaßt die Provinzen Valparaiso und Aconcagua. Die Orte Limache, Llai-Llai und Novoviejo sind vollständig vom Erdboden ver- clnvunden. Man schätzt den Verlust für ganz Chile auf 10 Mill. Vfnnd Sterling. Es sind noch immer leichte Erdstöße zu verspüren. Die Feuersbrünste sind erloschen. 60 000 Menschen sind obdachlos. Tie Regierung läßt für 30 000 Personen Baracken bauen. Die Kammer bewilligte 4 Millionen Pesos für Hilfeleistungen. Rach einem Telegramm aus Limache ist auch die S t a d t Q u i l o t a, 50 Kilometer von Valparaiso entfernt, versunken, odaß nichts mehr von ihr zu sehen ist. Ter Stoß, der sie weg- fegte, wurde in Valparaiso 4 V? Minuten vernommen. Von 10 000 Einwohnern sind kaum 100 entkommen. • In Zaborze wurden am 22. d. M. starke Erderschütterungen wahrgenommen. Man hörte donnerähnliches Rollen. Die Fenster- cheiben sprangen entzwei, Stllbentüren und Schränke wurden auf- gerissen und wieder geschloffen, Bilder und Spiegel sielen herunter von den Wänden. Die Einwohner gerieten in Furcht und Schrecken lind eilten auf ■ die Straße in der Ateimmg, die Häuser müßten einstürzen. Eine Anzahl von Häusern und Stallungen erhielt Risse und Senkung. Auch in C a l a b r i e n sind neue Erdstöße erfolgt, doch fehlen noch jegliche Einzelheiten. Der Bevölkerung hat sich wegen der Vorgänge in Südamerika eine große Panik bemächtigt. 6°n bet (tt H ^«nntrie «iiänbiQ * k” Ä ?" Nt7B'a- Ä'£ä> 31n»s '"i" r?Ä: - V®Vab“ :Ä *4S sS“fe l ^-?en verhaftet p 3 nnnen über Ä^en „7; to W hcrwz- juteti Snbältnifjen "nb bei 7°"LL7rL- gSS'ä wä'Ä en: - ?« m Mainz H» nächsten Frühjah? rei eröffnen. Mit der 1 -tQ9£n begonnen, — Z,„ 'm b7. Lebensjahr Re- polgen einer Blind- und Italien. 'aifo geht die Arbeit der Viten Gebäuden so schnell oten wurden ans Tages- d dir Leichen unkenntlich, nlos der Erde überwiesen affen ist surchlbar. Wohl stechet wurden bei Be- rrtapvt. )efinbet sich auch Samuel em ersten Tage wurden erangen verzeichnet, in Santiago angelangt. l finb jdiroer betroffen, rd) ein Krzl/ch angc« Stfuobebming be§ Ersoffen Unruhen in irt die Schlächterlüdw. ch die PeMr Das Porten verfehle ; die Schlächterläden zu teilen, nnx die Ordnung nachbatten Lrtschaitm ist m der Küste sind zerstorl. , Antonio und Eartagena beimaesncbte Zone umiant wua. Tie Orte Lnnache, big vom Erdboden »ey ganz Chile ans 10 Mill, chte Erdstöße zu venjuum i Menschen sind obdachlo . ien Baracken bauen. T>e it Hilleleistunge". .. che ist auch d'e StaU o entfernt, versunken, Ter StoB, der sie E vernommen, ^n 10 000 -?Ä"S- nd eP*cOeL^ schrecken rSv« E t“”3’ ,,6t((if«e; ss'Sr.« tSsSk's 1Ur den ®jl7 Nnnastm^ sstachdem d'e jür das nebr das IÄ sich, vor. . oocr ol®s« 1 x A-8* nt^r6inna^e । Del v UsÄS nn merkwürdiges Tier im Zoologischen Garten. Nebenbei bemerkt, hat auch Fürst Ferdinand von Bulgarien unter dieser Zudringlichkeit zu leiden und war um ihretwillen schon entschlossen, das böhmische Bad künftig zu meiden Wie man nun aus Marienbad schreibt, ist das Verhalten der Kurgäste dem britischen Monarchen gegenüber diesmal etwas taktvoller. Verdienst hieran mag die Kurverwaltung sur sich bcanibruclien, die zu dem originellen Mittel gegriffen hat. öffentliche Plakate anzubringen, aus denen das Publikum gebeten wird, den König in Ruhe zu lassen. König Edward glaubt, herauf umso mehr Anspruch zu haben, als er ja unter dem Inkognito eines „Herzogs von Lancaster" reist und die königliche Würde sozusagen im Kaiser gelassen bat, — aus dem er sic nur jüngit am Geburtstage des Kaiser? Franz Josef herau^holtc nm als königliche Maicstat und in der Uniform seines östreicknschen Husarcnrcgiments Nr. 12 dem Gottesdienste heizuwohnen. Auf seinen Fahrten bedient der „Herzog von Lancaster" sich eines eleganten Automobils, das von einem gewandten Chauffeur gesteuert wird, dieser Chauffeur ist aber in Wirklichkeit einer der gewiegtesten Detektivs der Londoner Gcl>einivolizci und von dieser dem Könige bcigegeben, um über die Sicherheit seiner Person zu wachen. * Cholera ver dacht in Berlin. Berliner Blätter verzeichnen einen Todesfall in Berlin unter angeblich choleraverdäch- tigcn Erscheinungen. Es handelt sich um die achtjährige Tochter des Zimmermanns Weimann. Nach Erkundigungen an zuständiger Stelle ist dem W. T. B. zufolge der Choleravcrdacht äußerst gering. Tie Untersuchung ist eigentlich nur der Vorsicht halber vorgenommen. Die Leiche ist bereits zur Beerdigung freigegeben. * Paris, 22 Ang. Die silberne Medaille, die die Gesellschaft für internationale Verständigung den von der „H i - b c r n i a" nach Courrieres entsandten Rettern zugedacht hat, ist von der hiesigen Münze fertig gestellt. Sie trägt in französischer Sprache die Inschrift: „Den deutschen, ihren französischen Brüdern tu Hilfe geeilten Bergleuten. Gourrierc5 1906. Internationale Verständigung." Der „Petit Parisien", der diese Meldung bringt, begleitet sic mit den wärmsten Ausdrücken der Achtung für die Auszuzeichncndcn. (V. Z.) * Der neueste Eisenbahnunfall. Arn 22. d. M. entgleisten auf der Strecke Köln-Aachen zwischen Horrem und Buir die Lokomotive und der Postwagen des von Horrem abgelasscnen Sondergütcrzuges an einer im Umbau befindlichen Gleisstelle. Personen sind dabei nicht zu Schaden gekommen. Die zeitweilig gesperrten Hauptgleise sind wieder fahrbar. * Ein Duell aus der guten alten Zeit- Daß in England vor 100 Jahren schon das moderne „französische" Duell bekannt war, beweist ein Vorkommnis, das die Times jetzt wieder in Erinnerung bringt. Die Polizei erfuhr, daß am Morgen des 11. August 1806 ein Pistolcnduell stattfinden solle. Sie erschien rechtzeitig auf dem Platze, sicherte sich der Pistolen und verhaftete die ganze Gesellschaft. Vor den Richter gebracht, mußten sie hohe Bürgschaft stellen, daß sie in Zukunft Frieden halten wollten. Als man dann aber die Pistolen untersuchte, stellte sich heraus, daß die eine nur mit Pulver geladen war, während die andere statt der Kugel nur einen Papierpfropsen enthielt. Sie würden also keinen Schaden angerichtet haben. * Der Schwiegerpapa als Schwerenöter. Ein nicht alltägliches Abenteuer hat ein junger Mann aus dem Departement Scine-et-Oisc, der sich dieser Tage verheiratete, während seiner Hochzeit erlebt. Die Hochzeitsfeier war sehr fröhlich verlaufen. Es war gegen mitternadit, die Gäste gaben sich mit Eifer dem Tanze hin, der junge Ehemann aber hielt die Zeit für gekommen, sich mit seiner ihm soeben angetrauten Gattin zurückzuziehen. Er suchte sie unter der Tänzerschar, fand sie aber nicht: auch in den Nebenzimmern war sie nicht zu finden. Des Suchens müde, begab sich der glücklich-unglückliche Neuvermählte in die eheliche Wohnung die er gleichfalls resultatlos durcheilte. In großer Aufregung kehrte er in den Hochzeitssaal fiurünf, um feine liebe Schwiegermutter von feiner Situation in Kenntnis zu setzen. Man begann gemeinsam zu suchen, leider wieder ohne Erfolg. Endlich erfuhr man, daß ein Kutscher vor einer Stunde die verschwundene Brant zum Bahnhof gefahren hatte, sie befand sich in Gesellschaft eines eleganten älteren Herrn, den der Kutscher für den Bräutigam gehalten hatte. Lange forschte man, wer wohl der Entführer gewesen sein mochte. Schließlich hatte man es heraus: es war der Vater des Bräutigams'! Er ist mit seiner neugebackenen Schwiegertochter nach England geflohen. Der arme Ehemann aber hat bereits die Scheidungsklage eingereicht. * Kleine Tageschronik In Berlin ist in einem Anfall nervöser Ueberreizung die 57 Jahre alte Gattin des Geh. Sanitätsrats Dr. Konrad K ü st e r in den Tod gegangen. Fran Geheimrat K. befand sich schon seit länger als einem Jahre unter ständiger Ueberwachung, der sie gestern zu entschlüpfen verstand. — Aus Karlsbad wird telegravhiert: Dem hiesigen Hotel Goldne Schild ging eine Zuschrift des Berliner Rechtsanwalts Luke zu, welche lautet: „Im Auftrage des Fürsten Wrede und zum Ausgleich Ihrer Rechming für abhanden gekommenes Geschirr bitte ich um Quittung." Gleichzeitig erhielt die Hotelleitung 87 Kr. 70 h. — Vor einiger Zeit hat der Adjunkt Schmidt in Germersheim seine Frau wegen angeblicher ehelicher Untreue erschossen. Wie die „Ps. Post" meldet, ist Oberleutnant Röder vom 7. Ini.-Regt. zu Germersheim verhaftet und in das Militärarrestlokal nach Landau verbracht worden.— In Enspel (Westerwald) erschoß ein Italiener, der im Steinbruch beschäftigt war, den Polizeidiener Miller, gab dann einen zweiten Schuß auf den Steinbruchvsrwalter Berner ab und wandte sich dann zur Flucht. Es gelang, ihn dingfest zu machen.'— Der Bergwerksdirektor Blume aus S a a r b r ü cf e n, der als Oberleutnant im Infanterie-Regiment zu Plauen zur Uebung em- gezogen worden ist, erlitt einen Sturz mit dem Pferde, an dessen Folgen er einige Stunden später verstarb. Blume war Vater von zwei Kindern. — Der l5jährige Gymnasiast Reich- hold, Sohn eines Münchener Professors, ist bei einer Tour auf den Hochwart (Tirols von einer Felswand abgestürzt und schwer verletzt. — Leutnant v. Halben vom 6. Grenadier-Regt. in Posen wollte seinem Burschen den Mechanismus seines Tienst- revolvers zeigen. Tie Waffe ging los unb der Bursche wurde tJ51 l i ch getroffen. — In M a l st a t t - B n r b a ch verübte ein Tagelöhner ein scheußliches Sittlichkeitsvergehen an seiner eigenen vier Jahre alten Tochter. Ter Unmensch wurde verhaftet. — In einem Orte bei Aschaffenburg wurde der aus Kaiserslautern stammende Schlosser Schuster unter dem Verdacht den Mord an der Elise Weih aus Zellhausen verübt zu haben, verhaftet. AnZversttäts-NachrZehteir. „ — Sein 70j (ihrig es Doktorjubiläum beacht am 25. August Exzellenz Professor Dr. Eduard Z"ller. Der be- rühmtc Philosoph steht im 93. Lcbenswhre. 1847 folgte er einer Berufung als außerordentlicher Professor nach Bonn und wurde bald ordentlicher Professor in Marburg (1849), 1862 kam er nach Heidelberg und 1872 nach Berlin, wo er bis 1894 wirkte. Von der Akademie zu Frankfurt a. M. wird un^ v^vtgetcilf: Die Anrechnung zweier an der Akademie verbrachter Semester ist nun generell ausgesprochen und betrifft baS ganze n eusprachliche Studium. Diese ueusprachlichen Stu- merenbcn finden nun also auch Vorlesungen und Hebungen auf £cnt az -J--Cif ber Philosophie, der Psychologie und Pädagogik, der Geschichte, der germanischen Sprachen und Literaturen. Es iverden im nächsten Wintersemester zunächst praktische Hebungen auf bem Gebiete des Englischen. Französischen, Italienischen, Spanischen gehalten. Es findet der Studierende ferner folgende Vorlesungen: Geschichte der Philosophie im Altertum (Prof. Marbel. — Zeitalter Bismarcks (Prof. Küntzell — Friedrich ter Ystoßc (Prof. Künkel). — Geschichte der deutschen Heldensage mit Erklärung dc§ Nibelungenliedes (Prof. Panzer). — Richard Wagners Leben und Werke (Prof. Panzer'. — Shakespeare and his agc (Prof. Curtis). — Geschichte der französischen Literatur im 19. Jahrhundert (mit besonderer Berücksichtigung der Romantik) (Prof. Mors . — Voltaires Leben und Werke cProf. Mors). — Le thäätre contemporain en Fra nee (Dr. Ott). Im englischen, romanischen, germanischen unb historischen Seminar, im Seminar für Philosophie und Pädagogik, im Institut für experimentelle Psychologie werden von einem reichen Hilfsmaterial unterstützte wissenschaftliche Hebungen abgehalten, die sich in be^ sonderen Abteilungen an Anfänger und an Fortgeschrittene wenden. Handel uitö Verkehr, Volkswirtschaft. Umwandlung der russischen Staatsbank? Ein etwas sehr phantastisches Projekt vcröfsentlicht der , Temps". Er ist darüber aus Wiborg informiert worden. Danach besteht die Umwandlung der Russischen Staatsbank in eine Aktienbank, bereit Kapital von 600 Mill, Golbrubcl burcb Menbelssohn unb anbere auswärtige Banken beschafft werden soll. An die Spitze der Bank würde Witte treten. Tie neue Bank werde alle Privilegien der Staatsbank erhalten, wogegen b-'r gegenwärtige Goldschatz der Staatsbank der Regierung ausgelicsert werden soll. Es werde auch die Ersetzung des Rubels durch eine andere Münzart erwogen. Ter Korrespondent des „Temps" glaubt sich für die Richtigkc't dieser Information absolut verbürgen zu können. Tie Nachricht wird schon von Berlin aus als freie Erfindung bezeichnet. Jetzt hätte der Korrespondent des „Temps" wieder das Wort, denn, so unwahrscheinlich die Sache an sich auch klingt, so bat sic doch insofern etwas Wahrscheinliches für sich, da Rußland Geld braucht und es herzunchmen sucht, wo es eben noch welches bekommen kann. Die Einzelheiten des angeblichen Projektes können allerdings nicht richtig sein, zumal nicht, daß das Kapital auf 600 Mill. Rbl. bemessen werden solle, was ja mehr als 50 Prozent des Notenumlaufs bedeuten würde. Die Deutsche Reichsbank arbeitet mit einem Kapital von 180 Mill. Mark, die Oesterreichisch-Ungarische Bank besitzt ein solches von 210 Mill. K^r. und die Bank von England ein Kapital von 14,55 Mill. Lßr. Tie Bank von Frankreich, deren Notenumlauf ca. 5 Milliarden Frs. beträgt, hat ein Mtienkapital von 182' ? Mill., Frs. Die „F. Z" bemerkt zu der Sache mit recht, daß solche Gerüchte, auch wenn ihnen das übliche Ternenli folgt, dem Vertrauen in die russische Währung nicht gerade förderlich sind. Von der Berliner Börse. Die Ncwyorker Börse ist schon wieder stark ins Schwanken geraten unb ba amerikanische Werte in Lonbon sich unter Newyorker Parität hielten, war Vcrkaussneigung vorherrschenb, bie sich auch auf anbere Werte erstreckte. Baltimore finb um 1 Prorent zurückgcgangen. Im Verlauf stimulierte bas verhältnismäßig leichte Gelb für ben Ultimo unb es waren besoiibers bie schlesischen Werte gesucht. Russische Anleihen waren schwächer auf bie Nachricht bes „Temps" von ber Umwanblung ber Russischen Staatsbank, ba man wicber neuen Gelbbebarf Rußlands fürchtet. Russen von 1902 schlossen 71,2. Banken waren ausnahmslos eher rückgängig, Lombarden verkehrten anziehend auf lokale Käufe. Ultimogeld schloß 4Vs Prozent. Märkte. ko. Frankfurt a. M., 23. Ang. (Telegr. Orig.-Bcricht des „Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen V i e b m a r f t» preise. Znm Verkaufe standen: 25 Ochsen, 0 ans Oesterreich 2 Bnllen, 0 ans Oesterreich, 64 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 ans Oester., 756 Kälber, 54 Schafe und Hämmel, 5 Ziegen, 0 Ziegenlämmer, 3 Schaflämmer. Bezahlt wurde für das Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 81—87 Mk., 2. Qualität 79—81 Mk., 3. Qualität 69-73 Mk.; Bullen 1. Qual. 00-00, 2. Qual. 00-00 ; Kühe 1. Qualität 80-81 Mk., 2. Qual. 77—79 Mk., 3. Qual. 64—66 Mk., 4. Qual. 00—00 Mk., 5. Qual. 00—00 Mk. Kälber 1. Qual. 95—98 Pfg., Lebendgewicht 56—59 Pfg., 2. Qualität 90—96 Pfg., Lebendgewicht 55—57 Pfg., Schlachtgew. 68—72 Pfg.; Schafe: 1. Qual. 82—85 Psg., 2. Qual. 00—00 Pfg. Geschäft: bei Hornvieh gedrückt, Ueberstand bedeutend, bei Kleinvieh lebhaft, kein Ueberstand. Eingesandt. (Für den Inhalt der unter bfeier Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Rebakt'" ' dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Nach einer Mitteilung in Nr. 194 des „Gieß. Anz." haben wir für hier und Umgebung also einen Vierkricg n i ch t zu erwarten, was sicher neben heu Brauern und Wirten auch von dem Publikum freudig begrüßt wird, beim alle berartige Differenzen bringen Unannehmlichkeiten mit sich, unter benen auch die Geschäftswelt im ganzen zu leiden hat. Hoffen wir indes, daß diese Einigung nicht gestört wird durch Einführung kleinerer Gläser, wie dies mitunter schon versucht wird. Eine weitere Regelung ist aber nun noch mit den fremden Bieren zn treffen. Jeder wird wissen, daß z. B. B/,o Siter Münchener Bier früher 20 Pfg. kosteten. Tie Herren Wirte gingen ruhig von den B/,„-Krügen oder -Gläsern zu den 4/,n über, nahmen auch 20 Pfg.; bas Publikum bat dies, wenn auch ungern, hin- genommen. Jetzt ist man noch weiter gegangen unb nimmt für biefe 4/,o 25, 6/10 aber 31 P f g., währenb man beute noch in Baiern bie 6/ip für 11 unb 12 Pfg., nn entlegenen Plätzen, wo das Bier hin getragen werden muß, für 16 Pfg. trinkt. Dieser Unterschied i st doch unerhört. Man betrachte sich nur einmal das Verkehrte bei der neuen Preisbildung für baierische Biere seitens der Herren Wirte. Es sollen nun kosten */, Liter 15, 8/l0 18, 4/,„ 25, 5/,0 30 Pfg.; da fragt man sich doch unwillkürlich, warum sollen die Vl0 im Verhältnis teurer sein als alle andere Maße, und warum überhaupt diese Preise, wenn heute noch in Flaschen die 6/in 20 P'g. kosten? Mögen diese Zeilen genügen, die Herren Wirte zu veranlassen, auch bei den fremden Vieren auf die alten Preise z u r ü ckz u k e h r e n. Es wird ihr eigener Nutzen sein. Tas jetzige Verfahren bringt Schaden. Sporkt. Bezugnehmend auf ben Artikel über das Wettspiel des Gießener B a l l s p i e l k l u b s mit dem Gelnhausener Fußballklub teilt man uns aus Gelnhausen mit, daß Gießen nicht die zweite, sondern bie erste Mannschaft stellte, unb daß. obwohl Gelnhausen nur mit 10 Mann spielte, Ballspielklnb trotzbein mit 4 : 2 Toren verlor unb nicht, wie es hieß, mit 3 : 2 siegte. F. E. „Germania" Gelnhausen. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Höchste Temperatur am 21.-22. August — 4- 25,1 0 C. Niedrigste „ 21.-22. August = + 12,8 8 c. Wetter 22. 22. 23. >15 I” 15 14,7 14,7 11,7 63 90 96 24,9 18.9 14,4 SSE S Still 750,3 748,4 746,6 Sonnenschein KlarerHimmel Sonnenschein August 1906 Ivs e K Unehliche Nachrichte«. Israelitische Reliftionsgesettschast. viottesdienft. S a b b a t h f e i e r am 25. Augu st 1906 : Freitag abend 6.55 Uhr. Samstag vormittag 8.00 Uhr. Nachmittags 4.00 Uhr. Sabbathausgang 8.15 Uhr. Wochengottesdienst: morgens 6.00 Uhr, abends 7.00 Uhr. Oriainal-Drahtmeldungen. Berlin, 23. Ang. Der Zar hat mit feiner Ver- tretun g bei den Tauffeierlichkeiten in Potsdam den Großfürsten Wladimir beauftragt. Nordhausen, 28. August. Im Walkenrieder Tunnel entsprang der Gefangene Llhlborn aus Tettenborn, der seine Fesseln gelöst hatte, ans dem Zuge bei GO Kilometer Geschwindigkeit. Der nachspriugcnde Transporteur ist schwer verletzt. Breslau, 23. Aug. Dem weacn Beteiligung an den Krawallen auf bem Striegauer Platz verhafteten, aber nach längerer Untersuchungshaft unter Einstellung des Verfahrens freigelassenen Maler Scholz behielt der Staatsanwalt, wie die „Volksmacht" mitteilt, die Papiere ein, weil diese Bestandteile der Akten geworden seien. Wegen mangelnden persönlichen Ausweises kann der mittellose Mann trotz eifrigen Bemühens nirgends Arbeit finden. Die Beschwerde des Rechtsanwalts blieb unbeantwortet. Dresden, 23. Aug. lieber die Zigaretten- Produktivgen ossenschaft, die der Tabakarbeiterverba nd nach dem vorjährigen großen Ausstande gründete, ist der Konkurs eröffnet worden. Nürnberg, 23. 9(ug. Der hiesige Kommerzienrat Wacker hat seiner Vaterstadt Heidelberg aus Anlaß der bevorstehenden Jubiläums-Festlichkeit im Großh. Hause von Baden 100 000 Mk. zur Beschaffung eines HeimeS für den Frau enverein geschenkt. London, 23. Ung. Nach einer Depesche des „Daily Chroniele" dauern die F e u e r s b r si n st e i n B a l p a r a i so fort. In dem Telegramm wird nicht mitgeteAt, ob diese- Brände noch seit dem ersten Tage andanern, oder ob fiel erst neuerdings ausaebrochen sind. Der BelagernngsMstand ist noch in Kraft. Die Posten in den Banken und großen Geschäftshäusern sind verstärkt worden. Zürich, 23. Ang. Tie Regierung und der Erziehungs-- rat des Kantons Zürich verfügten Bersch i r fn n g e n d e K A u f n a h m e st a t u t s d e r H o ch s ch u l e Zürich, um den Zudran a von f re in d lä n d i s ch en Studierenden an die hiesige Hochschule einigermaßen einzu schränken. Bilbao, 23. Aug. Gestern kam es zwischen Truppen und Streikenden mehrfach zu Zusammenstößen, wobei zwei Streikende getötet, ein Polizist und ein Beamter verletzt worden sind. Tie Festlichkeiten in der Stadt sind unterbrochen, der Belagerungszustand ist verhängt. Belgrad, 23. Ang. Die Berschwörerpartei und die hinter dem Ministerpräsidenten stehende Partei beschloß, die Opposition durch Terrorismus nieder,zuschlagen. Man will einen Auslauf veranstalten und bei dieser Gelegenheit unbequeme Personen aus dem Wege räumen. An der Spitze der Todesopfer soll der Chefredakteur der Stampa stehen. Ferner sollen zwei Llbgeordnete, zwei Redakteure und etwa 50 andere Persönlichkeiten ermordet oder durch Drohlingen zur Flucht nach Ungarn veranlaßt werden. Petersburg, 23. Aug. In der Peterhofer Burg wurden ein junger Mann und eine junge Dame erschossen aufgeninden. Auf den Leichen fand man da? Todesurteil der Petersburger sozial-revolutionären KampseS- Organisation gegen, General Trepow. Petersburg, 22. Aug. In dem Bestreben, der nächsten Sefsion bes Reichsrates unb der Reicbsduma in erster Linie einen Gesetzentwurf bezüglich des allgemeinen Elementarunterrichts zu nisterbreften, bat der Ministerrat befchloffen, durch eine besondere Kommission diesen Gesetzentwurf ausgrbeiten zu lassen. Ter Ministerrat bat zu n fei eher Zeit als unumgänglich notwendig erachtet, daß die Bezüge der Lehrer von Elementarschulen erhöht werden, und daß die Zahl dieser Schulen vermehrt wird. Zu biefem Zweck Hot er für das nächste Jahr einen Kredit von 5 333 000 Rubel bereit gestellt. Ferner wurde beschlossen, Gesetzentwürfe betreffend die G l e i ch - m achiing der R e ch t e der Bauern mit denen der anderen Bevölkerungsklaffcn vorzubereiten. Endlich hat der Miuisterrat für nötig erachtet, die bie Freiheit bes Unterrichts in Polen unb in ben li11hauischen Provinzen beschränkenbMn Gesetze a b z u s ch a f f e n. Riga, 22. Aug. Mit Genehmigung bes Generakgou-' verneuxs soll heute nbenh in assen Zeituiaen ein Mifruf an d''e Bewohner erscheinen, in welchem diese zur Stiftung^ von Geldspenden und zur Anschaffung von Panzerst für die P o s s z i st e n , bauen g-m"n"mrtig große Gefährt droht, nufpeforberf werden. Da es der Krone setzt an Mittelst fehlt, die nötiae 'An'a'' l 'j'-u'.cr anzuschciffen, sei es Pflicht der Gesellschaft, nach dem Prinzip ..Einer für alle und alle für einen" im Interesse des allgemeinen Schutzes der Obrigkeit entaegen'nkoinmen und nicht zuzulassen, baß der Terrors die Tätigkeit h»r Polizei lähme. Riga, 23. Aug. Der Chefredakteur der „Baltischen Post", Sawitzki, erhielt meqen eines abfälligen Artikels bezüglich des Tramwan-Streikes von den Revolutionären das Todesurteil zugestellt. Lodz, 23. Aug. Der Gasthofbesitzer Michel wurde auf dem Wege von einer Bank, wo er 1400 Rubel erhoben hatte, ermordet unb berankst. TeSefamsche des Giessener Anzeigers. mite,eteilt von der Bank für Handel und Industrie, liessen. "Fu-nnkfnrter 23. Anemst, 1.15 Uhr. 3^°/n Beic.hsftnleihe . . 98.80 3% do. . . 86.75 314% Konsols .... 98.80 3 % do 86 75 3%°/fi Hessen 97.30 3^°/n Oberb essen . . . —■— 4 % Oesterr. Goldrente. . 100.10 4’/g % Oesterr. Silberrente 100.00 4°s Ungar. Goldrente . . 95.15 4?6 Italien. Bente . . . 103.35 3% Portugiesen Serie I . 70.10 3% Portugiesen HI 70.50 1/4°(0 rnss.Staätsanl. 1905 86.45 4>2°'o japan. Staatsanleihe 94.35 4 % Conv. Türken von 1903 96 30 Turkenlose . . . . .147 00 4% Griech. Monopol-Aul. 54.80 4 % äussere Arß-entinier . 90 00 3% Mexikaner .... 68.80 4%% Chinesen . . . . 97 90 Aktien: Bochum Guss 245.75 Buderus E. W .... 127.30 Tendenz: schwächer. Elektriz. Lahmerer . . . 142.80 Elektriz. Schnckert . . . 126.10 Eschweiler Berg-werk . . 254 50 Gelsenkirchen Bergwerk . 227 00 Hamburg - Amerik. Paketf. 161.50 Harpener Bergwerk. . . 212 75 Laurahlltte 240.50 Nordd. Lloyd 131.30 Obeischles. Eisen-Indnstrie 133.90 Berliner Handelsgea . . 169.00 Darmstädter Bank . . . 13910 Deutsche Bank . . . 238 00 Deutsch-Asiat. Bank . . 174 30 Diskonto-Koromandit. . . 183.10 Dresdner Bank . . . 157.75 Kreditaktien 210.30 Baltimore- und Ohio- Eisenbahn . . . 119.30 Gotthard bahn —.— Lombard. Eisenbahn . . 33.50 Oesterr. Staatsbahn . . . 143.75 Prince-Henri-Eisenbahn . 144.00" Berliner Börse, 23. August. Anfangskurse. Canada E. B 167.80 Darmstädter Bank . . . 139.50 Deutsche Bank .... 238.00 Dortmunder-Union 0. . . 90 25 Dresdner Bank .... —.— Tendenz : träger. Harpener Bergwerk. . . 212.70 Lanrahütte 240.00 Lombarden E. B. ... 33.50 Nordd. Lloyd 131.00 Türkenlose . .... 146.70 Musikwerke Photog. Apparate Violinen Goerz Trieder-Binocles, Operngläser, Feldstecher Bial & Freund in Breslau B Mandolinen, Guitarren, Harmonikas sclbstspl^ lende, sowie Dreh- Instrumente mit Metallnoten. Automaten. 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