Nr. 169 Zweites Blatt 1S6. Jahrgang Samstag LI. Juli 1906 ertodnt a-Nch mit Ausnahme des Sonntags. Dte ..Sletzener KamiNenblatter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Eydst'ch« Landwirt" erichetnl monatlich einmal. Gießener Anzeiger Rotationsdruck und Verlag der BrLhl'lche» Universitätsdruckeret. R. Lange, dteNn. Redaktion, Expedition u.Druckerei: Tchulstr.K. Tel. Nr. 51. T«legr.-Adr.: Anzeiger General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eiehen. Politische Tagesschau. Vom Erwerb und Verlust de8 Adels in Bayern. Eine recht kostspielige Sache ist die Verleihung des Adelspoädikates in Bayern. Dort sind bei der Verleihung des Adels mit dem Prädikat „von" 1500Mk. zu zahlen, Bei Verleihung des N i t t e r st a n d s 2000 Mk., des Fr e i- herrnstands 5000 Mk., des Grafen ft ands 10 000 Mark und endlich des Für stenstan d s gar 20 000 Mark. Bei der Verleihung eines höheren Grades mit Ueverspringung tieferer sind auch die Gebühren der übersprungenen Adels zu entrichten. Wem also z. B. gleich der Freiherrnstand verliehen wird, der hat 8300 Mk. zu erlegen, und Fürst Aülolv hätte in Bayern bei seiner Metamorphose uus einfachem Adligen zum Grafen das nette Sümmchen von 17 000 Mk. bezahlen müssen. Der bayerische Adel wird erworben durch Vererbung, Legitimation und Verheiratung (letzteres ist selbstverständlich nur bei Frauen der Fall); der persönliche Adel auch durch Verleihung bestimmter Orden, mit denen er ipso jure verbunden ist. Hierbei besteht aber die eigenartige Bestimmung, daß diejenigen Ordensritter, deren Vater und Großvater bereits den betreffenden Orden erworben hatten, einen Anspruch auf Verleihung des erblichen Adels haben. Um die dem Adel in Bayern zustehenden Rechte ausüben zu können, ist eine vorherige Eintragung des Wels in die Adelsmatrikel nötig, welche Bestimmung auch für den Personaladel gilt. Für die Eintragung in die Matrikel sind ebenfalls Gebühren zu erlegen, die von recht beträchtlicher Höhe sind. Verloren wird der Wel nicht mehr wie früher mit jeder Verurteilung zu einer Krim in al strafe, da diese Vorschriften durch das Reichsstrafgesetz aufgehoben worden sind. Jemand, der zu Zuchthausstrafe und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt worden ist, darf seinen Welstitel und seine Wels- vechte behalten. Ein Verzicht auf das Welsprädikat ist Möglich, jedoch muß der Verzicht dem König angezeigt werden. Allein es gibt auch einen stillschweigenden Verzicht aus den Wel, nämlich wenn die Eintragung in die Welsmatrikel unterlassen wird. Eine Suspension des Wels, nicht ein Verlust des Wels, tritt ein, wenn eine adelige Dame einen Bürgerlichen heiratet. Nach Auflösung der Ehe durch Scheidung darf die adelig Geborene wieder ihren früheren Titel führen und die Rechte des Welsstandes ausüben. Deutsches Reich. Berlin, 20. Juli. Em Telegramm aus Drontheim von gestern abend berichtet über den dortigen Aufenthalt des Kaisers: Heute nachmittag trat Regen ein, so daß die Fahrt nach Fjeldsäter unterbleiben mußte. — Der russische Großfürst Wladimir hat von dem angeblichen Attentat, das gegen ihn versucht gewesen sein soll, erst in Metz Kenntnis erlangt, wo er auf seiner im Automobil zurückgelegten Reise Station geniacht und die Schlachtfelder des deutsch-französischen Krieges besucht hat. — Der Rücktritt des Unterstaatssekretärs Wirkl. Geh. Rates Dr. von Mühlberg, ist wahrscheinlich eine Frage von verhältnismäßig kurzer Zeit. Dem Vernehmen nach hat Herr von Mühlberg einen ihm angetcagenen Gesandtenposten — es handelte sich unseres Wissens um den in Bern — ausgeschlagen. — Im Reichsjustizamte ist der vorläufige Entwurf eines Gesetzes betreffend die Erleichterung des Wechselprotestes fertiggestellt. Dec Entwurf sieht eine Reform vornehmlich nach zwei Richtungen vor: Die Postbeamten sollen die Zuständigkeit zur Pcotesterhebung erhalten und zwar unter Haftung der Postverwaltung für etwaige Versehen ihrer Beamten; außerdem werden die Förmlichkeiten bei der Erhebung des Protestes vermindert, insbesondere dadurch, daß der Protest mangels Zahlung auf den Wechsel oder ein mit ihm zu verbindendes Blatt gesetzt und von der Aufnahme einer Wechselabschrift in den Protest abgesehen wird. Daneben sind einzelne andere Erleichterungen vorgesehen: nanientlich für den sogenannten Windprotest und die Protestierung von Wechseln mit ungenauen Ortsbezeichnungen. Auch enthält der (Snhuurf Vorschriften über die Proteststunden, sowie über die Befugnis der Postbeamten zur Annahme der Wechselzahlung. Die bevorstehende Bekanntmachung des Entwurfs, der übrigens noch keinen für die Negierungen verbindlichen Charakter trägt, soll den beteiligten Kreisen Gelegenheit zur Kritik und Geltendmachung ihrer Wünsche bieten. — Für die Reichstagsersatzwahl in Stade- Bremervörde wollen die Nationalliberalen an Stelle des verstorbenen Dr. Sattler den Verleger des »Hann. Courier" Dr. Max Jänecke als Kandidaten anfstellen. Hamburg, 21. Juli. Eine von tausend Gastwirten besuchte Versammlung protestierte energisch gegen die Absicht der Brauereien, infolge der Brausteuer vom 15. August an den Preis für den Hektoliter Bier um 2 Mark zu erhöhen. Altona, 20. Juli. Der angebliche Anarchist Eugen Rosenberg ist als unverdächtig aus der Haft entlassen worden. Rinteln, 20. Juli. Bei der heutigen Reichstagsroahl hatten bis 11 Uhr abends Herzog (Antisemit) 6 04 8, Vetterlein (Soz.) 3 9 0 7, Helmerich (Antisemit) 1835, Rocke (natl.) 1367, Röhrig (Frs. 93p.) 1043 Stimmen erhalten. (Bei der Wahl 1903 war das Resultat folgendes: Der verstorbene Graf Reventlow (deutsch-soz.) 6426, Vetterlein (Soz.) 3488, Rocke (natl.) 2154, Volkening (Frs. Vp.) 748 und Müller (Zentr.) 542 Stimmen. Bei der Stichwahl wurde Reventlow mit 9543 Stimmen gewählt gegen Vetterlein, der 4030 Stimmen erhielt.) Rußlands Niedergang. Das Kartenhaus der letzten fünfprozentigen russischen Anl eihe, stürzt zusammen. Nach Meldungen aus Paris verkaufen Spekulanten, die bisher die Anleihe in Erwartung besserer Tage behalten haben, ihren Besitz an diesen Werten um jeden Preis. Offiziös wird heute aus Petersburg erklärt, daß eine neue russische Anleihe nicht beabsichtigt sei und daß das Finanzministerium Verhandlungen mit Bankiers weder geführt hat noch führt. Einfach wohl aus dem Grunde, weil man nachgerade in Rußland weiß, daß man heute vergeblich an die Türen aller Banken des Auslandes klopfen würde. Für Rußland kommen nur noch schlechtere Tage, das wird nachgerade auch den hoffnungsvollsten Gemütern klar. Wie lange wird es dauern, daß der Geist des Aufruhrs das ganze russ. Heer ergriffen hat? Wie will man die Bauern-Un- ruhen, die bald hier bald dort sich erheben und die nicht einmal vor der Besitzergreifung und Verteilung großfürstlicher Güter zurückschrecken, ohne militärische Gewalt niederzwingen? Die Gouverneure telegraphieren nach Petersburg um „Entsendung einer starken Militärmacht". Als ob nicht in Petersburg selbst alle nur einigermaßen zuverlässigen Regimenter bitter notwendig gebraucht würden! Das russische offiziöse Blatt „Rossija" hatte behauptet, zjrischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn seien Vereinbarungen über eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Rußlands getroffen worden. Deutsche und österreichische Truppen sollten der russischen Regierung helfen, Ordnung im Lande zu schaffen. Im unmittelbaren Anschluß verkündete das Wolffsche Depeschenbureau: „Die russische Regierung steht diesen Ausführungen der „Rossija" durchaus fern." Heute gibt die „Nordd. Allg. Ztg." die gestriges Aeußerungen von Petrunkewitsch in der Reichsduma wieder, daß Oesterreich und Deutschland bereit seien, Rußland mit deutschen Truppen zu besetzen und bemerkt dazu: „D aran i ft kein wcr hres W o r t." Angehörige des deutschen Reiches können jedenfalls nicht die Ausgabe haben, den Zarenthron zu stützen. Den Kreisen der russischen Hofpartei möchte eine derartige energische und gewiß wirksame Hilfeleistung schon recht sein, denn dabei ließe sich «r Wsolutismus fortsetzen, und der Grimm und die Vergeltung der Revolutionäre würde sich in erster Reihe gegen die fremden Soldaten wenden. Jedenfalls schlägt jetzt die engl. Hetzpresse nach Kräften Kapital aus dieser russ. Meldung zu kingunsten Deutschlands. Wie kam aber, so muß man fragen, ein so Aufsehen erregender Artikel, wie der über die Einmischung Deutschlands und Oesterreich-Ungarns, in ein Organ der russischen Regierung? Welchen Wfichtcn dient diese Veröffentlichung? Wie die „Nowoje Wremja" vom Ministerium des Aeußern erfahren hat, steht dieses den sensationellen Meldungen ganz fern. Der „Rjetsch" meldet, das Atinisterium werde ein Dementi veröffentlichen. Die „Rossija" selbst erklärt lächerlicherweise, die Regierung habe mit dem Artikel nichts zu tun, sondern ein Mitarbeiter der Redaktion habe darin Mitteilungen der Auslandspresse wiedergegeben. Soll, nach dem Muster Chinas, die Bewegung gege n den Absolutismus durch eine Bewegung gegen die Fremden abgelenkt werden, insbesondere gegen die Deutschen, die von jeher in Rußland beneidet sind, weil sie es eher zu etwas bringen, ckls der Russe? „Der verfl. . . Deutsche" ist ein dem Russen sehr geläufiger Ausdruck. Oder war die Einmischungs-Meldung ein Fühler, in welcher Weise bei den von der „Rossija" genannten Mächten der Gedanke einer Beschirmung des Zaren ausgenommen werden würde? Die Nächsten dazu sind die verbündeten Franzosen; sie haben auch als die größten Gläubiger Rußlands am meisten Interesse daran, daß die Ordnung wiederhergestellt wird. Aus der Duma. Nachdem in später Nacht die gemäßigte Fassung des CommuniquöS über die Agrarfrage gemäß dem Vorschläge von Petrunkowitsch von der Reichsduma angenommen war, wurde über die Art der Veröffentlichung im „Regier- uugsboten" beraten, aber noch kein Beschluß gefaßt. Schließ, lich wurde der Text des Conimuniquös über die Agrarfrage in der von Petrunkowitsch beantragten Fassung mit 124 gegen 53 Stimmen angenommen. 101 Abgeordnete enthielten sich der Abstimmung. Dann besprach die Duma die Aufhebung des Kriegszustandes. Professor Schtutepkin-Odessa führt in heftiger Rede Beschwerde darüber, daß der Kriegszustand in Odessa sortdauerc, der eine blühende Stadt 51t Grunde richte. Die Küste des Schwarzen Meeres, so sagt der Redner, werde bald der Schauplatz fürchterlicher Ereignisse sein. Die Bevölkerung von Odessa wünsche das Fehlschlagen aller Pläne des Ministers des Innern, Stolypin, der eine Gefahr für die Stadt sei. Sie hoffe, Entschädigung für die ihr durch Stolypin bereiteten Verluste erlangen zu können, wenn Rußland ein vor der Duma verantwortliches Ministerium besitzen werde. (Lebhafter Beifall.) * Infolge des Beschlusses über die Agrarfrage wurden nachts 8 Garderegimenter aus dem Lager von Krasnoje Selo nach Petersburg beordert und durch die ganze Stadt zur Unterdrückung eventueller Unruhen verteilt, die man von der seitens der Regierung beabsichtigten Unterdrückung des Manifestes befürchtet. Die Petersburger Garnison erhielt scharfe Befehle für den Fall, daß bei der großen Zahl streikender Arbeiter Krawalle entstehen sollte',!. Sämtliche Chefs der Regimenter versammelten sich, wobei über die eventuelle Verteilung der Truppen beraten wurde. Während der ganzen Nacht trafen aus dem Lager von Krasnoje Selo Truppen in Petersburg ein. Der Krtegs- minister hat befolgen, daß die Truppen in den Gebieten, wo Agrarunruhen stattfinden, wie un Gouvernement Saratow, ihre Ucbungslager räumen und unverzüglich in ihre Garnison zurück- kehren Da alle Aussicht vorhanden ist, daß es der konstitutionellen Demokratenpartei gelingen wird, die extremen Parteien vor unbesonnenen Schritten abzuhalten, so glaubt man, daß die Regierung mlt der Auflösung d e r D u m a n 0 ch w a r r e n wwd. Einstweilen aber werden die militärischen ^icherheitsmatzregeln ununterbrochen fortgesetzt. Die etabt Petersburg gleicht einem "^Wch^Meldungen aus Kronstadt herrscht dort große Erregung, da die Katrofen sich wieder äußerlt renitent zeigen. Infanterie- und Kosaken-Patrouillen durchziehen Tag und Nacht die Stadt. Trotzdem überfallen die Hooligans die Einwohner am Hellen Tage und rauben dieselben aus. Ms Rewal ist das Infanterie-Regiment .Dwinsl in Kronstadt eingetroffen. Tie Petersburger Blätter „Mhßl", „Echo", „Golos Truda" und „Kreltiansky Deputat" sind am Freitag beschlagnahmt worden. Die Druckereien der Blätter sind geschlossen und unter Siegel gelegt. Auch die Druckerei des Blattes „Dwadsstyi 53cf" ist geschlossen. In der Wolgastadt Sysran dauert der Brand. Etwa 35 000 Menschen sind ohne Obdach und Brot. Hunderte sind in den Flammen umgekommen. — Baron Heinrich Camphausen, der Besitzer des Gutes Tegasch in Livland, ein 60 jähriger Mann, ist bei der Inspektion der Feldarbeitcr durch Schüsse aus dem Hinterhalt ermordet morden. Die Täter entkamen. Der interparlamentarische Sozialisten-Kon- greß zu London, welcher gestern seine Arbeiten beendete, beschloß, die russische Duma in ihren Kämpfen gegen die Autokratie energisch zu unterstützen und in allen Ländern Geld zu sammeln und an die russischen Revolutionäre zu senden. Ein kleiner Roman aus einer großen Garnison spielte sich am Freitag vor dem Mainzer Schöffengericht ab. Es wird uns aus Mainz geschrieben: In einer Privat klage hatte sich die 37 jährige „Schriftstellerin" und Köchin Maria Mai aus Warburg (Wests.), wohnhaft hier, wegen Beleidigung eines Oberleutnants aus Ehrenbreitstein, der früher frier, bei der Ingenieur- Inspektion tätig war, und auf seinen Wuntsch nach Königsberg zu dem 1. Pionier-Bat. versetzt wurde, zu verantworten. Unt einen Ueberblick über die romanhafte Angelegenheit zu gewinnen, lohnt es sich, die Tätigkeit der Angellagten naher zu schlldern. Die Mai, über deren Vergangenheft wenig zu erfahren war, wohnte früher in Wiesbaden. Dort verkehrten zweifelhafte Frauenspersonen bei ihr und schließlich kam es zu einem Verfahren gegen sie wegen Kuppelei. Das Verfahren mußte wegen Mangels Beweises eingestellt werden. Wegen Betrugs wurde die M. vom bortigen Schöffengericht zu 50 Mark Gelbstrafe verurteilt, in ber Berufungsinstanz aber freigesprochen, da sie im guten Glauben! gehandelt haben soll. Nachdem sie noch mit ihrem Hausherrn in Konftikt geraten, wurde il-r der Boden in Wiesbaden zu heiß und verlegte sie ihre Tätigkeit hierher. Bald hatten die Gerichte mit der Beklagten vollauf zu tun, besonders die Kriegsgerichte hatten sich häufig mit ihren Anzeigen gegen einen Oberstleutnant und andere Offiziere zu beschäftigni. Zn der Familie des Oberstleutnants vermietete sich die M. als Köchin. Nach 8 Tagen wurde sie schon entlassen, da es mft ihrer Kochkunst nicht weit her war. Hierauf verfolgte sie den Oberst- leutnant durch Anzeigen bei dem Kriegsgericht, so daß sich der Beschuldigte bis in die höchsten Instanzen zu verantworten hatte. Alle Verfahren mußten aber eingestellt werden, da die Beschuldigungen haltlos waren und die M. als unglaubwürdige Persoul festgestellt wurde. In einer Anzahl von Briefen beleidigte sie nun die Familie des Oberstleutnants, zeigte die Frau bei der Staatsanwaltscl-aft wegen falscher Anschuldigung an und verlangte in Briefen 1000 Mark Entschädigung. Aus den Briefen an die Familie des Oberstleutnants ging hervor, daß es der M. hauptsächlich um die Erlangung von Geld zu tun war. Vor einiger Zeit sollte sie sich wegen Beleidigung der Fa-- milie des Oberstleutnants vor dem Sckwffengericht verantworten, die Sache nmrbe aber durch Vergleich erledigt. Inzwischen hatte sie den llägerischen Oberleutnant kennen gelernt, mit dem« sie in dessen Wohnung nach kurzer Bekanntschaft zweimal intim verkette. Ein anderer Offizier machte durch den Oberleutnant die Bekanntschaft der M., er folgte ebenfalls errötend den ©puren der nicht durch Sckiönheit Ausgezeichneten und wurde von ihr gleichfalls erhört. Ms der Oberleutnant sich mit einer hiesigen Dame verlobte, wurde er, seine Braut und deren Ange^rigen systematisch durch Briefe und Postkarten mit gemeinstem Inhalt überschwemmt. Ebenso wurde der Oberleutnant bei seinen Vorgesetzten, sowie beim Kriegsgericht und den höheren Behörden mit den unglaublichsten Dingen beschuldigt. Die Mai ging sogar so weit, daß sie Postkarten an die Burschen und Dienstboten des Oberleutnants und ber Familie seiner Braut sandte, wonni sie auf ihre intimen Beziehungen mit _ ihrem „Fritzel , wie sie den Offizier nannte, in scl-amloser Weise hinwies. Der Oberleutnant konnte sich nicht mehr vor der Person schützen, er betraute deshalb einen Rechtsanwalt mit der Angelegenheit, inzwischen brachte die M. in der „Mainzer Volkszeitung" vom 1. Marz eine Erzählung mit ber Ueberschnft: „Ein Ehrenmann", in welcher sie ihrer Phantasie weiten Spielraum ließ unb entgegen der Wirklichkeit ihre Bekamttscl)aft mit dem Oberleutnant m recht romantischen Farben schilberte. Sie warf auch in der Erzählung dem Oberleutnant Bruch des Ehrenwortes vor. Bevor si;-den „Roman" veröffentlichte, versuchte sie in die Wohnung des Oberleutnants einzudringen, sie wurde aber von dem Klager gewaltsam entfernt. Diesen Vorgang entstellte sie ebenfalls zu ihren Gunsten in ihrem Roman. In einem Briefe an den Klager verlangte sie 60 Mark, was ein Beweis dafür ist, daß es ihr nut um Erlangung von Geld zu tun war. '2U9 der Oberleutnant auf seinen Wunsch nach Königsberg versetzt worden war, verfolgte ihn die Beklagte auch dorthin, indem sie seine bortigen Vorgesetzten mit Briesen unb Postkarten überschüttete. xer Klager geriet durch die fortgesetzten Schikanen so in Aufregung, daß er feinen Abschied nehmen wollte, er trug sich sogar mit Selbstmordgedanken, nur durch einbringliche Vorstellungen seines Rechts- beiftanbes wurde er von ber Ausführung dieser Geixuiken abgehalten. Die Verfolgungen bes Oberleutnants durch die Beklagte mürben immer heftiger. Nach bem Inhalt der Briefe wollte bic Mai „die Welt noch in Staunen setzen, iie werbe Dramen aufführen, wie sie noch nicht bagewesen unt) .gegen bic ber Roman Bilse's,Aus einer kleinen Garnison' das reinste Kinderspiel sei"! Mich nach der Erhebung ber Privatklage unterließ die M. nicht ihre Schikanen, fonbern verfolgte ben Oberleutnant weiter Auch den als Zeugen geladenen anderen Oberleutnant, mit bem sie verkehrt hatte, beleidigte sie auf offener Sttaße, als sie Kenntnis davon erhalten hatte, daß er als Zeuge geladen Ivar. Ein Zeuge, bei bem die M. längere Zeit hier gewohnt, hatte Räumungsklage gegen sie erhoben, weil ihm ber Verkehr zweifelhafter Herren und Damen in der Wohnung der M. nicht paßte. ©ie schuldet dem Zeugen hmie noch die Miete in Höhe von mehreren hundert Mark. Zwei Schutzleute verweigerten mit Rücksicht auf ihre Amtsverschwiegenheit das.Zeugnis. Die Beweisaufnahme dauerte mehrere Stunden, die Verhandlung erfolgte unter Ausschluß bet Öffentlichkeit. Der Vertreter des Klägers, Dr. Guthmann, schilberte das Vorgehen ber Beklagten als äußerst verwerflich. Er beantragte gegen Beklagte eine Gefängnisstrafe von I1/2 Jahren zu erkennen. Das Gericht verurteilte die M. zu 1 I a h r Gefängnis. In ber Pegrunbung des Urteils würbe bic systematische Verfolgung, die Briese uni) Postkarten mit ihrem unflätigen Inhalt, die gemeine Gefinnungs- art der Beklagten, die jeben sittlichen Gefühls bar sei, hervor- gchobeu, eine exemplarische Strafe sei hier am Platze. Iw Be- fUflte Tyabe auch nicht die geringste Veranlassung noch irgendwelche Berechtigung zu ihrem Vorgehen gegen ben Kläger gehabt. Der BeNagten wohne die denkbar niedrigste Gesinnung inne. Gründe zu ihrem Vorgehen habe sie dein Gericht überhaupt nicht angeben können Die Erzählung in der „Volkszeitung" steh? mit der Wirklichkeit in grellem Widerspruch und sei der „Roman" nur auS der Phantasie der Angeklagten entsprungen. Aus StaSt itno Gießen, den 21. Juli. Die Hessische Vereinigung für Volkskunde hielt vor einigen Tagen in Gießen ihre Hauptversammlung ab. Sie beschloß (wie wir auswärtigen Blättern entnehmen müssen, da uns trotz unserer Bemühungen ein Bericht über diese Versammlung nicht zugegangen ist) eine Biographie der Volkskunde für das 19. Jahrhundert in Angriff zu nehmen und eine wissenschaftliche Saminlung deS deutschen Volksliedes zu bewerkstelligen. Der Vorsitz des deutschen VerbandcS wurde nach Gießen gelegt. ** Eine Ausstellung der 15 Entwürfe, die infolge des Preisausschreibens für den Neubau der Gewerbeschule eingegangen sind, findet von jetzt bis nächsten Mittwoch vormittags von 8—12 Uhr und nachmittags von 2—6 Uhr im alten Gewerbeschul-Gebäudc statt. •* Die Anlagen-Musik fällt morgen aus. " Unwetter-Nachrichten. In Hattenrod schlug vorletzte Nacht der Blitz in die Scheuer des Schmieds Georg Krug, ohne zu zünden. — In Lich brach in derselben Nacht 1 Uhr in der Hosraite des Handelsmannes Hirsch in der Hintergaffe Feuer aus. Es wurde zum Glück gleich bemerkt und von der Feuerwehr gelöscht. Da hier die Häuser eng zusammenhängen, so war ganz Alt-Lich in Gefahr. — Bei Landwirt Seibert in Bannerod schlug der Blitz ein und tötete ein Kalb. — In Grebenhain brach während des Gewitters bei Metzger Faitz Feuer auS, das die Feuerwehr bald löschte. (V. a. 1. Blatt.) ** Einen Karl Neurath-Abend veranstaltete, wie man uns schreibt, gestern die hiesige Freidenker- Vereinigung, der wegen der zu späten Bekanntgabe leider den Besuch nicht aufzuweiscn hatte, wie cs wünschenswert gewesen wäre. Nach kurzen einleitenden Worten, in denen Herr Neurath über das Wesen deS lyrischen Gedichtes als ursprünglichste Dichtungsart sprach und auf seine Beziehungen zu Wahrheit und Leben hinwies, rezitierte er mehrere Gedichte, die von tiefem Gehalt und sicherer Sprachbeherrschuug zeugten. Obschon Herr Neurath in seiner Vorrede betonte, daß der Autor am wenigsten geeignet sei, seine eigenen Werke vorzutragen, widerlegte er diese Behauptung durch seinen Vortrag. Mit klangvoller Stimme brachte Herr Neurath seine, teils schon im „Hessischen Musen-Almanach" veröffentlichten Dichtungen zu Gehör und die spannende Aufmerksamkeit der Anwesenden bezeugte die tiefe Wirkung, die seine Werke machten. Besonders erwähnenswert sind „Mein Mädchen", „Herdglück", sowie zwei größere Dichtungen „Seine Majestät der Tod" und „Zwei Menschen", ein Zwiegespräch, die seiner im Herbst erscheinenden Gedichtsammlung „Einsame Sterne" entnommen sind. **DaS Turnvereinsjubiläum, das ursprünglich in ganz internem Rahmen geplant war, nimmt nunmehr doch einen größeren Umfang an. Dank der Beliebtheit, der sich Gießen als Feststadt in Turnerkreisen erfreut, und des Ansehens deS Turnvereins Gießen im mittelrheinischen Turnkreis sind die Anmeldungen zu dem Fest auS nah und fern ungemein zahlreich erfolgt, sodaß die Zahl der auswärtigen Festgäste sich auf viele Hunderte belaufen wird. Und sie kommen nicht nur als Festgäste, sondern sie werden sich an dem turnerischen Teil deS Festes eifrig beteiligen. Nicht weniger als 34 Riegen sind bis jetzt zu dem Riegen- wett- und Schauturnen gemeldet worden, sodaß das Fest in turnerischer Beziehung ganz hervorragend roerbcn wird. Auch der Verqnügungsteil wird recht schön gestaltet werden; neben turnerischen Darbietungen, Gesangsvorträgen, Feuerwerk, Tanz usw. werden zwei vollständige Militär- kapellen die Besucher unterhalten. Außer der hiesigen Regi- mentsmusik ist nämlich die Kapelle des 2. Hess. Lcibdragoner- Regiments Nr. 24 für die Dauer des ganzen Festes (4. bis 6. August) gewonnen worden. Um dem Fest den Charakter eines allgemeinen Volks- und Turnfestes zu geben, sind die Eintrittspreise außerordentlich niedrig festgesetzt worden. r. Londorf, 20. Juli. Die Firma „Hessische Steinbrüche" kaufte einen Bauplatz zur Errichtung eines Wohnhauses mit Bureauräumen, nahe am Bahngelände gelegen, für 3000 Mk. — Gestern verunglückte im hiesigen Steinbruch ein italienischer Arbeiter durch einen Sturz. Er erhielt schwere Verletzungen und wurde in die Gießener Klinik gebracht. § Kloster Haina, 20. Juli. AuS der hiesigen Landesheilanstalt sind drei in höherem Grade gemeingefährliche Menschen entwichen. Sie heißen Julius Heinrich Holz mann aus Wasungen, Ludwig Junk auS Niederweimar und Adolf Warnte aus HerSfeld. Die Kleidung der Flüchtlinge trägt den Anstaltsstempel L. K. H. R. B. Darmsta dt, 20. Juli. (Eig. Drahtmeldung.) Ein dem mittelrheinischen Verein für Luftschiffahrt gehöriger größerer Ballon unternahm heute vormittag vom Gaswerk auS eine Auffahrt. Die Füllung des 1500 Kubikmeter enthaltenden BallonS, an der 50 Arbeiter beschäftigt waren, ging glatt von statten. Um 9 Uhr segelten die Luftschiffer Artillerie-Hauptmann von Hahn, ein Ulanenoffizier und ein Student — in der Richtung nach Aschaffenburg ab; sie gedenken sechs Stunden im Ballon zu verbringen. Derselbe Ballon machte kürzlich eine Auffahrt von Mainz, die ihn bis Erbach i. O. führte. Mainz, 20. Juli. Nachdem die Restaurierung des sogenannten Greiffenklau-BaueS, deS ehemaligen Kurfürstlichen Schlosses vollendet ist, sollen jetzt die wertvollen Schätze dcSRömisch-Germanischen Museums darin aufgestellt werden. Die hierzu nötige Einrichtung kostet Mk. 60 000. Die Bürgermeisterei ersucht die ReichSregierung, Mk. 30 000, den hessischen Staat, Mk. 20 000 von diesem Betrag zu übernehmen, sodaß die Stadt Mainz den Rest mit Mk. 10 000 zu tragen hätte. Die ReichSregierung hat sich auch schon bereit erklärt, Mk. 30 000 in das nächste Budget einzustellen. Der hessische Finanzminister will vorerst nur Mk. 10 000 übernehmen, sodaß auf die Mainzer Stadtverwaltung noch Mk. 20 000 entfallen würden. Die Bürgermeisterei hat nochmals in einer ausführlichen Darlegung den Finanzminister ersucht, für den angefordcrten Betrag von 20 000 Mk. bei den Landständen einzutreten. (Frkf.Ztg.) Aus Rheinhessen, 19. Juli. Bis jetzt sind in der großenteils wasserarmen Provinz, wo die gewöhnlichen Brunnen in den Gemeinden während des Sommers oft ganz versiegen, drei WasserversorgungSgruppen im Betrieb, davon zwei (Nahe- und Apfelbachgebiet und Boden- heimergebiet) schon längere Zeit, während das Selz-Wiesbach- gebiet mit dem Hauplorte Wörrstadt erst vor einigen Wochen eröffnet worden ist. Das Wasserwerk für das Seebachgebiet mit dem Hauptorte Osthofen wird am 28. d§. Mts. eröffnet werden. In Angriff genommen ist auch schon das Wasserwerk für die 5. Gruppe, das Rhein-Selzgebiet mit dem Haupt- orte Guntersblum. Die Bildung von zwei weiteren Gruppen ist nach der „F. Z." in Aussicht genommen, die eine betrifft einen Teil des Kreises Alzey, die andere einen Teil deS Kreises Bingen. vermischte». * Testamenta risch vermachte der verstorbene Multi- Millionär Beit seiner Vaterstadt Hamburg seinen dortigen Grundbesitz. Dieser wird auf anderthalb Millionen Pfund Sterling geschätzt. Die National-Gallerie in Berlin erhalt ein Bild Reynolds', betitelt: „MrS. Boone und Tochter" und eine Bronze-Statue des Herkules. Ferner vermachte Beit 120 000 Anteile der Rand MineS Limited im Werte von 1 200 000 Pfund zur Förderung des Baues von Eisenbahnen und Telegraphen im Britisch-, Portugiesisch- und Deutsch-Ostafrikanischem Gebiet und solche, die von der geplanten Kap-Kairo-Bahn berührt werden. • Ein heiteres Erlebnis de§ Groß Herzogs von Baden wird aus dem Schwarzwaldorte Villingen bekannt. Der Großherzog und die Großherzogin weilen dort znm Luft- kuraufcnthaltc für einige Zeit. Bei einem Spaziergänge im Walde trafen sic einen alten Waldarbeiter, den der Groß- Herzog anredetc und allerlei fragte, ohne daß ihn der Mann zu kennen schien. Als er dann angab, daß er schon 60 Jahre Waldarbeiter und 77 Jahre alt sei, da meinte der Großherzog teilnehmend: „Da sind Sie ja nur drei Jahre jünger als ich!" Jetzt blinzelte der Alte den Großherzog an und sagte: „Dann seid Ihr der Großherzog un sälli ischt Euer Frau!" Und als beide lächelnd bejahten, erklärte der Alte sehr herablassend: „Sell kann ich Euch sage, 'S Volk ischt aber au sehr z'friede mit Euch!" * Kleine Tageschronik. In Aachen erkrankte unter Vergiftungserscheinungen eine aus vier Personen bestehende Familie nach dem Genuß verdorbener Leberwurst. — In Ibbenbüren wurde der Bergmann Pelshing verhastet, welcher cingestanden hat, einen Lustmord an einem Schulmädchen und einige Ueberfälle verübt^l^habem^ Der Rheinisch-Westfälische Effektenmarkt. Tagesbericht der Firma Walter Hammer st ein. Mülheim o. d. Ruhr, 20. Juli 1906. Der Kohlenkurenmarkt lag an der heutigen Börse nichts ganz einheitlich. Geschäfte kamen nur ganz wenig zu stände. Gefragt blieben Deutschland bei Haßlingshausen, Dorstfeld, Constantin! der Große und Königin Elisabeth. In der Versteigerung erzielten 1 Alte Haase 1830—1835, Schürbank 1900, Deutschland 5700, Langen- brahm 6825, Dorstfeld 15250. Der Ka likuxenmarkt war weiter etwas abgeschwächt und die Kurse notierten mit wenigen Ausnahmen etwas niedriger. Größere Zwangsversteigerungen brückten weiter den Markt und erzielten in der Versteigerung Kaiseroda 7955, Hohenzollcr t 7475 bis 7485, Hedwig 585, Deutschland-Justenberg 8780—8785, Günters- ball 4460—4200, Bergmannsglück 80 Mark, Bismarckshall-Aktien 767fl Proz., Neu-Ble,cherode 1177, Proz., Friedrichshall 135 bis 137 Proz., Sarstedt 90 Proz. In Versteigerung gingen Wintcrhall zu 13200—13400 um. Ter Erzkuxenmarkt lag weiter ruhig und unverändert. In der Versteigerung erzielten Bautenberg 1400—1470. In Braunkohlen war wenig Geschäft. Lncherberg lebhaft gesucht.' Märkte. Gießen, 21. Juli. Marktbericht. 2(uf heutigem Wochenmarkte kosteten: Butter pr. Pid. 1.10—1.20 Mk., Hühnereier 1 St. 6-7 Pfg.,: 2 Stck. 00—00 Psg., Gänseeier 00—00 Pfg., Enteneier 7 Pfg,, Käse vr. Stck. 6-8 Pf., Käsematte 2 Stck. 5-6 Pfg. Erbsen p.Pfund 22Pfg., Luisen p. Pfund 32 Pfg., Taubenvr. PaarO,80-l,00Mk., Hühner pr.St.^ 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,80-1,80 Mk., Enten pr. Stück das Herzogtum Cleve-Berg wurde sogar dcnr Schwager Napoleons,' Joachim Murat, unterstellt (seit 15. Marz 1806), und des Kaisers Oheim, Kardinal Fesch, >vurde durch Dalberg zum Koadjutor und Nachfolger als deutscher Erzkanzler entmint lMai 1806), Napoleon selbst machte sich zum Protektor des Bundes und gewann dadurch eine bedeutende Macht über die deutschen Fürsten. Zur Beratschlagung über die gemeinschaftlichen Angelegenheiten der 23er* bünbeten sollte zu Frankfurt a. M. eine Bundesversammlung, in zwei Kollegien zusammen treten; sie ist aber niemals zusammenberufen worden. — Für Napoleon bildete die Hauptsache die! Bestimmung, daß die Kriege der einzelnen Staaten, d. h. vornehmlich die Kriege Frankreichs als ihnen allen gemeinsam gelten, und daß die Rheinbunbsfürsten insgesamt 63 000 Mann aufstelle«! sollten. Die Fürsten von Oranien-Fnlda, Hohenlohe, Schwarzen»-! berg, Löwenstein, Leiningen, Thunt und Taxis, Salm-Reifser-: scheibt,^Wied-Neuwied und Wied-Runkel, Ottingen, Fugger, Mettev-' nich, Solms', Trnchseß-Waldburg, Furstenberg, der Landgraf, von Hessen-Hombnrg, sowie zahlreickie reichsgräfliche und reichsritterliche Häuser wurden der Landeshoheit der Rhein- bundfürsten unterworfen. Im September 1806 trat der Kurfürst von Würzburg als Olroßherzog dem Bunde bei. Eine Folge des fiegreicben Kampfes Napoleons und der süddeutschen Fürsten war die weitere Ausbreitung des Rheinbundes über den Norden Deutschlands. Zunächst schloß sich der Kuv- J)ie Kründung des Rheinbundes. (Unberechtigter Nachdr11ck ist untersagt.) Nach dem Frieden zu Preßburg am 26. Dezember 1805 kam cs Napoleon I. darauf an, die mit ihm verbündeten süddentsch.'n Höfe für immer durch starke yrsseln an Frankreich zu ketten, in ihnen ein dauerndes Gegengewicht gegen Preußen und Oesterreich herznstellen. Bayern, Württemberg, Baden, Nassau, Darmstadt, durch den Neick^sbeputationshauptschluß an Ländergebiet um das Doppelt: vergrößert, sahen sieb in ihrem neuen Besitz und durch mgen Anschluß an Frankreich gefiebert. • Willenlos hatten sie jed.'m Verlangen Napoleons nachzukommen, zumal da die Franzosen iwch immer in Süddeutschland versammelt waren, um Preußen und Oesterreich in Sckmch zu halten. Ohne auf irgendwelch.' Verhandlungen cmsutreten, ließ Napoleon im Juli 1806 den G?- fanbten ber Sübstaaten in Paris die Akte zur Grunbimg eines Rheinbundes vorlegen. Sechzehn deutsche Fürsten chie Könige von Bayern und Württemberg, der Kurerzkanzler von Dalberg, der Kurfürst von Baden, der L a n d g r a f v o n H e s s e n - D a r nist a d t, der Herzog von Berg, die Fürsten von Nassau-Usingen, Nassau - Weilburg, Hohenzolleru^ Hechingen, Hol>enzvllern - Sig maringen, Salm-Salm und Salm-Kyrluirg, der Herzog von Arenberg, die Fürsten von Jsenburg-Birstein und von Liechtm- lomholm Königsberg SlMurnb'g. ' vom 12. Juli aus Paris datiert, war angeblich am 17. Juli 1806 gemeinsam von den Gesandten nnterzeichntt worden. Am 1. August wurde sie dem Reichstage mitgeteilt. An demselben Tage gab der sranzösisdre Gesandte in Regensburg die Erllärung ab, daß sein Kaiser ein Deutsches Reich nicht mehr anerkennen werde, worauf Kaiser Franz II. am 6. August seine Würde als Oberl-aupt des Reichs niederlegte nnd den Titel Kaiser von Oesterreich annahm. Um die neuen Bundesgenossen noch enger mit sich zu verknüpfen und sich zu verpflichten, gab ihnen Napoleon die benachbarten kleinen Territorien preis: der Kurfürst von Baden, der Landgraf von Hessen-Darmstadt, der Herzog von Berg, erhielten den gr o ß he r z o g 1 i che n Titel mit königlichen Rechten u n d Vorzügen, ber Kurerzkanzler erhielt ben Titel als Fürst-Primas, Nassau-Usingen die herzogliche, ber Ül-ras von ber Leyen, Dalbergs Nesse, die fürstliche Würbe. Unb weiter traten die Wittelsbaclier und die Zähringer, später auch die Württemberger durch Heiraten in nächste verwandtschaftliche Beziehung zu der Familie Bonaparte; fürst von Sachsen, der den Königtitel erhielt, am 11. Dezemberi an, ihm folgten vier Tage später die fünf sächsisch-ernestinischeu Herzöge, bann im LLpril 1807 bie Fürsten von Anhalt, Schwaz- bürg, Lippe, Reuß und der Fürst von Waldeck; die anhaltinischen. Fürsten nahmen den Herzogtitel an. DaS neu errichtete Königreich Westfalen unter Jorome Bonaparte wurde durch die von Napoleon vom 15. November 1807 bestätigte Verfassung gleichfalls zum Rheinbundstaate erklärt. Im Februar, März, Oktober 1808 kamen hinzu die Herzöge von Mecklenburg-Sttelitz, von Mecklenbnrg-Schtverin und von Oldenburg. Der Bund zählte nunmehr auf 326 000 Quadratkilometer über 14Vs Millionen Einwohner und das Vimdesheer stieg durch einen neuen Zuwachs auf fast 120 000 Mann. Im Februar 1810 erhielt ber Fürst- Primas ben Titel eines Groß Herzogs von Frankfurt; er mußte Napoleons Stiefsohn, Cmgen Beauhamais, als Nachfolger annehmen. Das Jahr 1813 machte dem Rheinbund ein Enbe. Die Herzöge von Mecklenburg und ber Herzog von Anhalt-Dessau waren die ersten, bie sich lossagten. Bayern und Württemberg traten erst burch die Verträge von Rieb >8. Oktober) und Fulda (2. November» zu den Miierten über Der König von Sachsen mußte sein langes Ausharren bei Napoleon mit bein Verluste seines halben Königreichs büßen. Das Königreich Westfalen und die! E-roßherzogtümer Berg und Frankfurt wurden ganz anfgelwben, die Fürsten von Isenburg und von der Leyen wurden mebiatifiert t I * < a6®"'5ilioa^n’ä?u«b 'weiter ben^"e,bti9et- • <9°5' Hohen-M?^ unb ’S8 878mÄ> m ; vNebrichshÄ^ktlen 9su"9 9'n9[n $1*5 '9 l«0-14,()U™!täl'bttt figfefts? ÄM 80 j,;*®', 6iiencrPr.6SL ” e"l«l pr, 6HM HSK], unb te tofe’ «wtci jum Eoadjutor unb Wo.'unb gewann dadurch *n ersten. 3ut Berat, -mgelegenheittn btt Ver, ftT't 8unbe?i>eriQnnnhmg .'t aber niemals zusammen, uoäc die Vauvtsdche die en Staaten, d. h. vorne^p llen gemeinsam gelten, und 63000 Mann ansstellen Hohenlohe, Schwarze» inb Taxis, Salm-Reisser-, i Hingen, Fugger, Metter- rjritcnbtrg, der Landgras renbsgräsliLe und reichs- shoheit der Rhein, im September 1806 trat »ßHerzog dem Bunde bei irwleons und der sMeut- mrung des Rhem-undes M schloß D btt ÄM> I.'O" "n v H l u 11 Dezember W' Ä®s . T<5 ""S b,,5 -Ms sdS?* 1,80—2,20 Gänse vr. PW. 00—VO Pfg., Ocbienrieija? pr. Pzg. 78—86 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 70—72 Psg., Schweinefleisch pr. Pfund 80—94 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 94 Psg., Kalbfleisch vr. Pfd. 80—84 Psg., Hammelfleisch pr. Pfund 60—80 Psg. Welsche per Pfund —.— Kartoffeln pr. 100 Kg. 6 00—7,00 OTL, Zwiebeln pr. Ztr. 6,00—8,00 Alk., Milch per Liter 20 Psg., Aepfel ver Pfund 00 bis 00 Psg., in Körben 00 Pfd., Nüsse'100 Stück 00- 00 Pfg., Birnen per PW. Mk. 0.00—0.00, Kirschen per Pfd. 30—40 Pfg., Weißkraut per Stück 00 Pfg., per Beniner Mk. 0.00-0.00. — Marktzeit 7—1 Uhr. ' fc. Frankfurt a. M., 20. Juli. Seit- und Strohnr ar? t. Man notierte: Heu, alte-s Mk. 4.00 bis Mk. 0.00. neues Mk. 3.00 bis 0.00. Stroh Mk. 3.30 bis Mk. 3.40. Alles per 50 Kilo. ? ' iekt. Ifunfi und WifjcMicbajt __ Pros Branly von der Pariser kathol. Universität konstruierte ein U hr mcr ksm e ch a n is m u s , durch den der Gebeapparat jeder ntnkentelegrapbischen Station die auszuscnden- den Ströme so wirksam zu teilen vermag, daß zufällige oder beabsichtigte G c s p r ä ch s st ö r u n gc n du r ch rr e m d e Fu n - fen verhindert werden. Tie Versuche ut Branlys Laboratorium ergaben einen vollen Erfolg. ....... — Professor Friedrich v. Kaulbach hat sich sein in aller Welt bekannt gewordenes Bild, die alte „Schützcnliesl", das er zum 7 deutschen Bundesschicßen vor 25 Jahren gemalt hat, der Stadtgcmeindc München zum Geschenk gemacht mit der Bestimmung, bafj das Bild verkauft und der Erlös hieraus sowie der aus dem Vcrvielfältigungsreckvt zu wohltätigen Zwecken verwendet wird. Universitäts-Nachrichten. Berlin, 20. Juli. Geh. Regierungsrat Dr Mbert Voß, der Leiter der vargeschichtlicheii Abteilung des Museums für Völkerkunde, ist gestorben. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Sonntag, den 22. Juli 1906: Vielfach heiter und trocken. Nachts noch kühl, am Tage wärmer. Schwache veränderliche Winde. Näheres durch die Wtehencr Wetterkarte. Temperatur der Lahn und der Luft in der Mülle r'schen Badeanstalt. _______________Wasser 17" R.________________________ Neueste Meldung. ** Der Kreisausschuß verhandelte heute über die Reklamation gegen die B e i g e or d n e t e n w a h l in Lich. Die vom Wahlausschuß für ungiltig erklärten Stimmzettel wurden vom Kreisausschuß für giltig erklärt, sodaß sich die Gesamtstimmenzahl für Heller auf 199 und für Jhring auf 198 Stimmen stellt. Heller erscheint also als gewaylt, wahrend nach Oec Feststellung des Wahlausschusses Jhring als gewählt zu betrachten war. Orrginal-Drahtsnelduirgen. Frankfurt a. M., 21. Juli. Eine Versammlung der vereinigten Landwirte von Frankfurt und Umgebung beschloß, den Milchhändlern die Verträge zu kündigen und den Milchpreis vom 16. August ab von 14 Pfg. auf 16 Pfg. für das Liter zu erhöhen. Köln, 20. Juli, 'ine „Köln. Ztg." meldet aus Petersburg: Wie aus gut unterrichteter'Quelle verlautet, hat Kaiser Nikolaus angesichts der inncrpolitischen Aufgaben, die sein Verbleiben in Rußland erforderlich machen, seine früher gehegte Absicht einer^Auslandsreise auf- gegeben und hiervon Kaiser Wilhelm persönlich direkt in Kenntnis gesetzt. Die „Köln. Ztg." setzt hinzu: Vom deutschen Standpunkte kann man nach unserer Ueberzeugung, weil sich an die Begegnung der beiden Herrscher wieder ein Rattenkönig von falschen Lluslegungcn, Entstellungen und Verdächtigungen der deutschen Politik geknüpft haben würde, als suche sie die Entwicklung der russischen Verhältnisse im reaktionären Sinne zu beeinflussen, eine Begegnung in diesem Jahre nicht einmal unerwünscht finden. Die völlige ZurückhaltungDeutschlands tritt iedenfalls dadurch für alle Welt noch klarer hervor. Berlin, 21. Juli. Ein gehet in nisvoller Leichenfund wurde bei Niederschvnweide an der Oberspree gemacht. Bei Pionierübungen wurden kurz nacheinander durch Pioniere zwei männliche Leichen geländet. Ter eine Tote, wies am Hinterkopfe Verletzungen auf, die auf ein Verbrechen hindeuten. Tie Toten durften vier Tage im Wasser gelegen haben. Berlin, 21. Juli. Der „Vorwärts* teilt mit, daß der sozialdem. Parteitag, mie von Anfang an vorgesehen, vom 23. bis 30. September in Mannheim im Etablissement Apollo abgehalten wird. Oldenburg, 21. Juli. Bei Borgstede stieß ein Personenzug mit einem Gespann zusammen. Der Wagen wurde zertrümmert, ein Pferd getötet, die Maschine des Zuges und ein Packwagen beschädigt. Dresden, 21. Juli. In der vorigen Nacht wurde der 30 Jahre alte Gastwirt Karl Külbet von Hochbusch bei Sebnitz durch fünf Revolvcrschüsse getötet. In dem Mörder, der in dem Wirtshause als Gast weilte, vermutet man einen von Berlin aus steckbrieflich verfolgten Menschen. Ulinnd)en, 20. Juli. Heute nacyminag begaben sich 500 Teilnehmer, des deutschen BundcSschießenS mit Sonderzug nach Starnberg, von dort mit' einem f^tlich geschmückten Salondampfer nach Leoni und hierauf auf die Höhe zum Bismarckturm. Dort gedachte Direktor Loen- München in einer Ansprache Bismarcks. Professor Bernauer- München legte am Fuße des BismarckturmS einen Lorbeerkranz nieder. Innsbruck, 21. Juli. Bei dem gemeldeten Einsturz. deS neuerbauten NeftaurationSqebäudeS auf der Haltestelle Num wurden von 30 dort beschäftigten Arbeitern neun verschüttet Von diesen sind vier tot, fünf schwer verletzt. Paris, 20. Juli. Amtlich wird gemeldet, daß der ESkadronSchef Targe zum Offizier der Ehrenlegion befördert, Major DrcyfuS zum Ritter des Ordens ernannt worden ist. Rom, 21. Juli. Vor dem Zivilgericht begann der mehrfach vertagte Prozeß einer gewissen Gräfin Hercolani gegen das königliche Haus. Die Gräfin behauptet, von König Umbcrt einen Sohn zu haben und verlangt von dem HauSminister eine große Entschädigungssumme. ES handelt sich anscheinend um einen Erpressungsversuch. Francavilla, 21. Juli. Ms sich der Gutsbesitzer Uzzo mit seiner Frau von Viltarosa auf Sizilien nach seinem Landgut begab, wurde er von zwei Briganten in Gegenwart seiner Frau in barbarischer Weise ermordet. Es handelt sich um einen Racheakt von Mitgliedern der Maffia. Triest, 20. Juli. AuS Anlaß der Eröffnung der Staatsbahnlinie Aßling-Triest veranstaltete der österreichische Lloyd auf dem Dampfer „Bohemia" eine Rimd- fahrt im Golf von Triest.____________________________________ Die nach- A q i» 07 i n sind Sonntag, den 22. Juli von stellenden övi ülG 12 Uhr mittags bis 12 Uhr nachts sicher anzutreffen. [DM/T Dr. Geyer, Seltersweg 64. — Dr. Ploch, Asterweg 34. _______________Wagner, West-Anlage 51,_______________ Sonntag 4—9 Uhr 488 Nur Hii^sch-^gw&heke offen. tn jeder beliebigen Schriftart und Karton« UOaUkßllOI forte, sowie mit Zirkeln aller studentischen Vereinigungen, liefert 511 mäßigen preise« Vrühl'sche Universitäts-Druckerei, Schulftratze 1 Todes-Anzeige. Gestern nachmittag 1 Ubr entschlief nach langem, schweren Leiden unser liebeS, gutes Kind Kathinka im Alter von 2 Jahren. Um stille Teilnahme bitten die trauernden Hinterbliebenen: 4484 Familie Chr. Staffel. Gießen (Asterweg 9), den 21. Juli 1906. Die Beerdigung findet statt: Sonntag, den 22. Juli 1906, nachmittags 5 Ubr, von der Kapelle des neuen Friedhofs aus. MtisÄer Arbeitsnachioeis 8 i eß es. Gartenstraße Nr. 2, Zimmer Nr. 2. ES können eingestellt werden: 1 landwirtschaftl. Knecht, 1 landwirtsch. Magd, 3 landwirtsch. Arbeiter, Ziegeleiarbeiter, 5 Bauschlosier, 2 Wagner, 5 Schreiner, Erdarbeiter, 1 Installateur, 3 Glaser, 4—5 träft Arbeiter, 2 junge Lausburschen, 2 Fahrburschen, 6 Dienstmädchen, 3 Lauffrauen, 1 Laustnädchen, 1 Kutscher, 1 Mädchen zur Aushilfe (tagsüber). Lehrlinge: 1 Elektromonteur, 1 Schreiner, 1 Kaufmann. ES suchen Arbeit: B’7T 1 Buchbinder, 1 Schreiner, 2 Wasch- und Putzfrauen, 1 Flickerin, 1 Heizer, 1 Glaser, 1 Kaufmann, 1 Sauffrau, 1 Haus- oder Bnreau- diencr, 1 Schreibgehitte.__________________________________________________ Kekanntmachmig. In der Zeit vom 14. bis 21. Juli 1906 wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1 silb. Armband, 1 lebender Blumenstock, 1 Trauring und Geld; verloren: 1 dunkelrotes Portemonnaie mit ca. 10 Mk. und einer Fahrkarte Darmstadt—Gießen als Inhalt, 1 Schutzsieb für Automobilhuppe, und 1 Portemonnaie mit 1.20 Mk., einem 10 Mk.- Stück, mehreren kleinen Münzen, einer Fahrkarte nach Helgenbach und zurück, und mehreren Notizzetteln als Inhalt. Entflogen ist: 1 grüner Papagei mit gelbem Kopf. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 21. Juli 1906. Großh. Polizei amt Gießen. Herberg. Bekannrninchung. In das Handelsregister, Abt. B wurde eingetragen bezüglich der Gewerkschaft „Selters-Hessen": der Kaufmann Adolf Bär zu Gießen, Wilhelm Schmitz daselbst, Wilhelm Dulheuer in Bonn sind aus dem Vorstand ausgeschieden und an ihre Stelle zu Vorstandsmitgliedern gewählt: Kommerzienrat Ludwig Hepligenstädt zu Gießen Vorsitzender; Architekt Jakob Stein daselbst; Generalagent Abraham Fröhlich daselbst. Gießen, den 11. Juli 1906. _____________Großherzogliches Amtsgericht.__________ Theaterverein. Die ordentliche Generalversammlung findet Dienstag, den 24. Juli, 8‘2 Uhr im Gesellschaftsverein statt. v”/7 Tagesordnung: Rechnungsablage. Vorstandswahl. Lahntal-Simgerbund. Montag, den 23. Juli, abends 9 Uhr im Einhorn Gesamt-Probe (Teme 11. Biisse) Sämtliche Sänger werden dringend gebeten, pünktlich zu erscheinen, La in der nächsten Woche weiter keine Proben stattsinden können. (4491 Jugendfest. Das diesjährige Jugendfest, zu welchem 3530 Kinder angemeldet worden sind, soll Donnerstag, den 26. Juli 1906 im Philosopheuwald abgehalten werden. Nachmittags 2 Uhr stellt sich der Festzug in der Ost- und Südanlage zum Abmärsche auf und nimmt seinen Weg durch die Grünbergerstraße noch dem Festplatze. Erwachsenen Personen ist das unbefugte Hereindrängen in den Zug, sowie das Betreten der Spielplätze und das Eingreifen in die Spiele strengstens untersagt. An den Eingängen zum Festplatz wird zur Bestreitung der Kosten von allen nicht znm Zug gehörenden Festteilnehmern ein Eintrittsgeld von 30 Pfg. erhoben. Im Vorverkauf, der bis zum 26. Juli mittags 12 Uhr dauert, werden Eintrittskarten L 25 Pfg. abgegeben. Dieselben sind zu haben: im Geschäft von L. Althoff, Walltorstraße 16, in den Schreibmaterialienhandlungen von E. Balser, Mäusburg II, F. Kühn, Seltcrweg 36, K. Steinhäuser, Neue Bäue 17. Die vorhcrgelästen Karten sind an den Kafienstelleu im Walde vorzuzeigen. Von nachmittags 21/, Ubr an läßt die Omnibusgesellschast ihre Wagen vom Neucnwcgertor ans alle Viertelstunde nach und von dem PhilososHenwalde verkehren, worauf aufmerksam zu machen wir nicht versäumen wollen. Hausierern mit Luftllallons, Pfauenfedern und Lärminstrnmentrn ist der Zutritt zum Festplatze untersagt. Gießen, den 20. Juli 1906. Für den Festausschuß: B:,/7 Cur sch mann. Arbeitsvergelmng. Die Arbeiten und Lieferungen für die äußere und innere Entwässerungsanlage der nachstehend aufgeführten Gebäude werden hiermit unter Zuqrlmdelegung des Ministerialerlasses vom 16. Juni 1893 unter den hierzu berechtigten Unternehmern am Ort öffentlich ausgeschrieben. A. Aeußere Entwässerungsanlage. Los I: Kreisamtsgebäude. 165,00 cbm Erdaushub, 112,00 lfd. m Tonrohre, 9 Regenrohr und Hofsinkkasten, 1 Revisionsschacht. Los II: Gendarmeriekaserne. 70,00 cbm Erdaushub, 20,00 lfd. m Tonrohre, 2 Regenrohre und Hofsinkkasten, 1 Revisionsschacht. Los III: Neues Schloß. 85,00 cbm Erdaushub, 65,00 lfd. m Tonrohre, 6 Regenrohre und Hofsinkkasten. Los IV: Chem.-physik. Institut. 600,00 cbm Erd- aushub, 350,00 lfd. m Tonrohre, 10 Regenrohre und Hofsinkkasten, 8 Revisionsschächte. B. Innere Entwässerungsanlage. Los V: Keisamt. Darunter 62,00 lfd. m D. N. A. R. in verschiedenen Dimensionen. Los VI: Gendarmeriekaserne. Darunter 60.00 lfd. m D. N. A. R. in verschiedenen Dimensionen. Los VH: Neues Schloß. , Darunter 35,00 lfd. m D. N. A. R. in verschiedenen Dimensionen. Los VIII: Chem.-physik. Institut. Darunter 60,00 lfd. m D. N. A. R. in verschiedenen Dimensionen x. Angcbotsunterlagen können auf unserem Amt Stephan- ftraße 18 eingesehen, Angebotsformulare dorther bezogen werden. Die Angebote sind, mit enffprechender Aufschrift versehen, bis Mittwoch, den 1. August, vormittags 11 Nhr, dem Eröffnungstermin, bei uns einzureichen. Zuschlagsfrist: 3 Wochen. Gießen, den 17. Juli 1906. B /7 Großh. Hochbauamt Gießen. Becke r. HtMliM hält auf Lager und fertigt nach Maß an 05221 Val. Brauer, Seilerei, Neu sta d t 28. Neue Mndtt MWiM 8 Pfg. per Stück, Neue marinierte WM Neues ßtiiiiforii empfiehlt 1482 I. M. Schuchof. Arbeitsvergebung. Zur Erbauung der veterinär-medizinischeu Institute zu Gießen, hier des Auditorieugcbäudes, werden die folgenden Arbeiten des inneren Ausbaues unter Zugrundelegung des Ministerialerlasses vom 16. Juni 1893 hiermit öffentlich ausgeschrieben. Los I Schreiuerarbeiten: 3 äußere Türen aus Eichenholz, 21 Türen aus Tannenholz etc. „ II Anstreichcrarberten: 1300 qm Oel- und Leimfarbenanstrich etc. „ III Schlosscrarbeiten: Beschlag v. 21 Türen etc. „ IV Liefern u. Verlegen v. Linoleum: 360 qm. Angebotsunterlagen können auf unserem Zweigbureau, Frattksurterstraße 85, eingesehen, Angebotsformulare (keine Zeichnungen) dorther bezogen werden. Die Angebote sind mit entsprechender Aufschrift versehen, bis Samstag, den 4. August, vormittags 11 Uhr, dem Eröffnungstermin, auf genanntem Zweigburau einzureichen. Zuschlagsfrist: 4 Wochen. Gießen, den 20. Juli 1906. Großh. Baubehörde für die Uuiversitäts-Neubauteu. Becker. b”/t Nur acht mit BrennesseL Nebenstehende Marke gilt als einziges Zeichen der Aechiheit von Wendelsteiner Haeusners Brennesselspiritus Flasche Mk. 0.75 und 1.50. Hervorragendes, preiswertes und billigstes Kräfligungs- u. Neinigungs» mittcl der Kopfhaut, befördert das Wachstum der Haare, reinigt von Schuppen verhütet Haarausfall, Haarfras;, Kahlköpfigkeit. Tas Bild und Wort ,,Vrenueffcl" ift geschützt, wo solches oder die Marke Weudclsteiner Kirchcrl fehlen, erhält man stet- stiachahmung und nnächtes Haarwafier. Vorsicht beim Einkauf. 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Juli Grosses Konzert zum Besten des Invalideddank ausgeführt von der Kapelle des Inf.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Gr. Hess.) Nr. 116 C11/, unter persönlicher Leitung des Grossh. Musikdirektors Herrn C. Krausse. i Englische Dogge 7 Atonale alt ist zu verkaufen bei Strack, Ruppertsburg, b.Laubach. Ein kleines BereinSzimmer abzugeben. Russischer Hof, 05239] Fränkinrler Straße 23. Buschbohnen 3 breite und schmale zum Einmachen, p. Ztr. 8 Mk., Rot« u. Weißkraut u. Salatgurkeu, prima Ware zu billigen Preisen. Nik. Victor Gemüsekulturen Mombach-Mainz. Landwirtschaftliche Ausstellung Rinder, Schweine, Ziegen, Kaninchen, Bienen, Ge- flugel, gliche, Obst, landw. Erzeugnisse, Maschinen u. Geräte) zu Biedenkopf ------ vom 2. bis 5. September 1906 um verbunden mit der 85. Generalversammlung des Vereins nass. Land- und Forstwirte und der Hauptviehschau nebst Preiszuerkennung ber Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Wiesbaden und des Vereins nasfauischer Land- uud Forstwirte. Feier des 75jährigen Bestehens des l-mdwrrtschaftüchen Vereins des Kreises Biedenkopf. Generalversammlung des Verbandes derHerdbuch- gesellschaften iür das Vogelsberger Rind. Wlontaß, den 3. September: Generalversammlung des Vereins nass. Land- u. Forstwirte Festessen, Konzert und Tanz. Beleuchtung des Schloßbergs seitens der Stadt Biedenkopf. Dienstag, den 4. September: Festzug, Preiszuerkennung. Generalversammlung des Verbandes der -berdbuchgesellschaften für das Vogelsberger Rind, Konzert und Tanz. n21/ Beichers Fruchtsyrup-Extrakte das volle Aroma frischer Früchte enthaltend Himbeer, Kirsch, Erdbeer, Johannisbeer, Zitrosien, Ananas, Apfelsinen, Eemon Squash, Limetta rc. Eine Flasche für 75 Pf. gibt 5 Psd. Limonadesyrup dessen reiner natürlicher Fruchtgeschmack und Billigkeit überrascht. Lin Pfund stellt sich fix und fertig auf etwa 25 Pf. Köstlich AI! Brause- und anderen Limonaden sowie als Jruchlfaft zu Puddings, Speisen ?c. — Zum Versuch 1Fl. 40 Pf. 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