Nr. 44 Erlchetnt «LgNch außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wecblel mit dem hessischen Landwirt die Lietzener Familien- blätter oiennal in der Woche betqelegL Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'scheu Unwers.-Btlch-u. Steindruckerei. St Lange. Redaktion, Lrvedilton und Druckerei: Schul st raße 7, Redaktion 112 ftJerlag u.Exved.L^öl Adresse für Tciicidjen: Anzeiger Gieße«. Erstes Blatt 158. Jahrgang Mittwoch 81. Februar 1906 Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen 9 3* ve»ugSpret»t monatlich 70'131"., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstelle« monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2.— viert ol- jährl. ausschl. Beslellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnmnmer bis vormMags 10 Uhr. ZeUenprels: lokal 12Pf^ auswärts 20 Pfg. Verantwortlich tüt den polit und aÖqem. Teil: P. Witt ko: tut »Stadt und 2anb' und »Gerichtssaal"'. Ernst Heß; für den Anzeigenteil: Han« Beck. Die üeulrge Kummer umfaßt 10 Seiten. Ate Ketchsregieruiig unö der Kandel. Aitf dem Deutschen Handelstage verglich der Reichskanzler die Reichsregierung mit Goethes Lotte in Werthers Leiden, wie sie den Kindern das Brot schneidet. Die Kinder der Reichsregierung sind die verschiedenen Erwerbsstände, und die Regierung sorgt nicht nur für Brot, sondern sie sorgt auch dafür, daß alle auch Butter aufs Brot bekommen. Dieses Bild hat uns ausnehmend gefallen, und es wird nicht acht Tage dauern, dann haben sich sämtliche Witzblätter des deutschen Reiches seiner bemächtigt, und wir werden den „gescheitelten" Kanzler Brot schneiden und Butter streichen sehen. Fürst Bülow hat ja großes Verständnis für die politische Karikatur. Tie Reichsregierung hat alle ihre Kitrder gleich lieb. Zwar, die Landwirtschaft ist, wie der Kanzler sich ausdrückte, ihr Sorgenkind, aber sie liebt den Industriellen, den Großhandel, den Mittelstand und den Proletarier, alle in gleicher Weise. Sie will Aller Blühen und Gedeihen. Wir zweifeln nicht daran, daß sie das will, aber es kommt uns manchmal vor, als ließen die trüben Erfahrungen des Schusters Lechner in Bernsteins „D'Mali" doch in gewisser Weise tief blicken, als würde die Butter für alle Stände nicht gleich dick gestrichen, als bekämen manche Stände überhaupt kein Butterbrot, sondern nur einen Löffel Syrup auf die Zunge. Tenn Brot und Butter wollen nicht immer ausreichen. Jagen wir das schöne Bild nicht tot! Das Wohlwollen der Reichsregierung für alle Erwerbsstände steht außer Zweifel, und man kann sich im allgemeinen auch nicht darüber beklagen, daß billige Wünsche nicht berücksichtigt würden, soweit es angeht. Vor allem die der Land wir t- s ch ast — daran haben wir uns schon gewöhnt, und finden es durchaus in Ordnung. Tann haben wir unseren Arbeits- und Arbeiterminister, den Grafen Posadowsky, der mit warmem Herzen für das Proletariat einttitt. Es ist sehr erfreulich, daß Fürst Bülow die Ausführungen des Staatssekretärs über die deutsche Arbeiterschaft, die zu Anfeindungen Anlaß gegeben bäben, ausdrücklich billigte — daß er sie noch ergänzte uno dem Gedanken Ausdruck gab, daß auch die Unternehmer ihr reich gemessen Teil an dem Aufschwung des deutschen Erwerbslebens haben, daraus wird man beim besten Willen keinen Gegensatz zwischen dem Kanzler und dem Staatssekretär konstruieren können. Tenn die Verdienste der Unternehmer schließen die Verdienste der Arbeiter keineswegs aus. Tas nur nebenbei! Was die Hauptsache anlangt, nämlich die Förderung des deutschen Handels durch die Reichsregierung, so kann dem Kanzler nicht widersprochen werden, wenn er sagt, die Regierung tue, was in ihren Kräften steht. Es hat nur leider manchmal den Anschein, als wenn diese Kräfte nicht recht bedeutend wären. So kann man nicht behaupten, daß der neue Zolltarif, der am 1. März in Kraft tritt, den Wünschen des deutschen Handels und der deutschen Industrie vollauf entspricyt, und Handel und Industrie sind an die Resignation gewöhnt; sie haben auf vieles verzichten müssen. Wir glauben auch nicht, daß Handel und Industrie mit dem Handelsprovisorium zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten zufrieden sein werden. Ter preußische Handelsminister hat ein ebenso begeistertes Loblied auf den deutschen Handel gesungen, wie der Reichskanzler, nur hat er davon gesprochen, daß unserem Handel der Gei st des Eroberers fehlt. Sehr richtig! Tie Vertreter unseres Handels sind viel zu bescheiden. Sie freuen sich, tvenn sie angenehme Worte zu hören bekommen, und nehmen dafür vieles in Kauf, was ihnen weniger angenehm ist. Es wären Eroberungen zu machen, aber nicht nur draußen in der weiten Welt, wie der Minister meinte, sondern auch imdeut^chen Reiche selber. Wo ist denn die parl. Verttetung unseres Handels? Tie deutsche Landwirtschaft hat es ganz anders angefangen, als sie sich durchsetzen wollte. Die ganze Rechte des deutschen Reichstags ist erzagrarisch. Wer vertritt den .Handel im Reichstag? Tie Nationalliberalen? Ter Freisinn in seinen drei Schattierungen? Ja, mitunter sieht cs so cniy. Llber diese parlamentarischen Körperschaften wären, selbst wenn sie eine energische Vertretung der Handelsinteressen darstellten, viel zu schwach, um etwas besonderes zu erreichen. Wir wünschten, die Vertreter des deutschen Handels, die mit Freude den Worten des Reichskanzlers und des Handelsministers gelauscht haben, zögen die entsprechenden Konsequenzen und träten einmal etwas energischer auf den Plan. Was die L a n d w i r t s ch a f t politisch durchgesetzt hat, das verdankt sie neben dem Wohlwollen oer Regierung ganz allein ihrer rastlosen politischen Tätigkeit. Tas Wohlwollen unserer Reichsregierung ist auch für den Handel, die Industrie vorhanden, man braucht also nur nachzumachen, was die Landwirtschaft vvrgemacht hat. Tonn wären zu Hause Eroberungen zu machen — die Eroberungen draußen würden nicht ausbleiben! EpoUtische LagesScharr. Tie Darmstädter Neichstagserjahwahl. Die Vertrauensleute der sozialdentolratischen Partei des Wahlkreises Darmstadt-Groß-Gerau waren am Sonntag in Groß-Gerau versammelt, um zur Mandatsniederlegung des Genossen Cramer Stellung zu nehmen. Nach längerer Beratung ivurde die Resolution der Darmltädter Parteiversammlung akzeptiert. Bezüglich der einzlilcitenden Agitation wird eine Wahlkreiskonferenz für den 4. März nach Darmstadt einberufen. Einstimmig wurde beschlossen, der Wahlkreiskonferenz den Buchhändler Berthold in Darmstadt als Kandidaten vorzuschlage«. Wenn, wie wohl als sicher anzunehmen ist, die Wahlkreiskonferenz die Kandidatur Berthold gutheißt, wäre die sozialdemokratische Pattei im Falle seiner Wahl vor unangenehmen Settensprungen nach Art des Cramerschen Hofganges allerdings sicher, denn Betthold ist als Patteibuchhändler und Expedient der Mainzer Volkszeitung viel zu sehr von der Partei abhängig, als daß er sich solche Extravaganzen leisten könnte: Berthold vetttttt seit 1899 den Wahlkreis Groß-Gerau im hessischen Landtag, beschränkte aber seine Tätigkeit stets auf das Vorbringen von lokalen Wünschen aus seinem Wahlkreis. Reformen in der Rechtspflege. -tt- Berlin, 20. Febr. Beim Etat der Justizverwaltung sind heute im preuß. Abgeordnetenhause mancherlei Beschwerden und Wünsche von allgemeinem Interesse zur Sprache gekommen. Der neue Justizminister Dr. Beseler gab mit aller Offenheit zu, daß die Rügen über Mängel der Rechtspflege großenteils durchaus berechtigt sind. Solche rückhaltlose Sprache vom Regierungstisch aus hat man wohl zuweilen bei Ihnen in Hessen, hier in Berlin jedoch seit längerem nicht vernommen. So läßt sich ermatten, daß ein irischer Zug in die Rechtspflege hineinkommt, daß mit Veraltetem aufgeräumt und das Vertrauen zur Justiz gestärkt wird. Vor allem erkannte der Minister an, daß die Rechtsprechung zu langsam sei. Er stellte eine Aenderung besonders deS amtsgerichtlichen Verfahrens in Aussicht. Weniger erfreulich war die Hinzufügung, daß dann vielleicht die Kaufmannsgerichte beseitigt werden könnten. Diese Beseitigung würde entschieden zu bedauern sein. Die schnelle, von überflüssigen Formalitäten freie Rechtsprechung der Kaufmannsgerichte hat sich im großen Ganzen durchaus bewähtt. Noch mehr als die Raschheit der Entscheidung fällt inS Gewicht, daß die Urteile sich auf die Beobachtungen und Erfahrungen des Lebens gründen. Die Juristen denken zunächst an Gesetz, Kommentar und höchst- gerichtliche Entscheidungen, die Bedürfnisse der Praxis stehen in zweiter und dritter Linie. Zur Reform des Strafgesetzbuches bemerkte der Justizminister, man dürfe annehmen, daß in diesem Gesetz diejenigen Vorschriften enthalten sein werden, die dem Schutz der persönlichen Ehre vollauf Rechnung tragen. Diesen Worten zollten die Konservativen Beifall. Es ist aber nicht nur eine von dieser Seite, sondern auch vom Liberalismus vertretene Forderung, daß persönliche Verunglimpfungen und Schmähungen, besonders wenn sie die Ehre der Familie treffen, nachdrücklicher geahndet werden müssen, als es im Rahmen des geltenden Gesetzes möglich ist. Warum aber bei der Dringlichkeit dieser Aenderung — die Zunahme der Zweikämpfe unter schweren Bedingungen beweist die Dringlichkeit — die Fertig» stellung eines noch Jahre erfordernden vollständigen Gesetzeswerks abgewattet werden soll, ist unerfindlich. Es könnte sehr wohl ein besonderer Gesetzentwurf im Reichstag eingebracht werden. Oder befürchtet man, daß bei der Gelegenheit die Duellgegner auf Verschärfung der Strafbestimmungen über den Zweikampf dringen werden?_____ Ter" Amtsantritt des' Präsioenterr Falliöres. In der Deputiertenkammer verlas heute der Ministerpräsident Rouvier eine Botschaft des Präsidenten Fal- liöres. Die Wahl des neuen Staatsoberhauptes, so wird darin ausgeführt, vollzog sich mit Würde und Ruhe, ein vielversprechendes Zeichen für die Lebenskraft und Festigkeit des demokratischen Regimes. Die Armee lebt der Ehre und Uneigennützigkeit, und nichts wird sie in der Erfüllung ihrer heiligsten Pflicht, der Vorbereitung für die Verteidigung ihres Landes und ihrer Fahne, stören. Wenn auch jeder Gedankefernliegt, daß ihre Stär ke eine Drohung gegen irgend jemand bedeuten soll, so darf doch niemand an ihre Verminderung denken, da sie das sicherste Unterpfand für die Erhaltung des Friedens bildet. In ihrer auswärtigen Politik, die von Grad- heit, Erleuchtung und Mäßigkeit, nicht minder aber auch von Festigkeit geleitet wird, gibt da nicht die Republik in ihrer andauernden Treue gegen ihre Freunde und Verbündeten ein Beispiel, um welchen Preis sie herzliche Beziehungen mit allen Mächten zu erhalten sucht? Im Innern, wo die öffentliche Ordnung auf dem unantastbaren Gehorsam gegenüber dem Gesetze beruht, wird der gütige Genius nach wie vor die regelrechte Entwicklung des Hansels, des Ackerbaues und der Jndusttie fördern. Tie große Bewegung der Solidarität wandert auch auf die vom Glück Enterbten, die eine leidenschaftliche Sorge der Vertteter des Landes sind, zu. In der Wett der Arbeit, die unser Schulunterricht von der Knechtschaft und Unwissenheit befreit hat, wird man nicht unempfänglich sein für vorsichtige und weise Jnitiativmaßnahmen. Ter Augenblick ist nicht fern, wo man überall begreifen wird, daß in einem Lande mit allgemeinem Stimmrecht, unter einer Regierung der Freiheit man lediglich auf dem Wege der Vernunft, des guten Rechtes und der Billigkeit zur Harmonie der Interessen, zu einer moralischen Einheit der Nation gelangen wird. Nachdem die Botschaft verlesen war, nahm das Haus die Besprechung der Interpellation betreffend die Verhältnisse in Französisch-Kongo auf. Ruamw sprach von den Gr a u sa m ke i t e n , die im Jahre 1906 im Kvngogebiet begangen worden seien. Der Redner behauptet, daß in einer Gegend 20 000 bis 30 000 Ein gehör ene uiedergemacht worden seien. Er ftlhtt verschiedene Vorfälle cm, für die er die Verantwortlichkeit dem Gouverneur Gentil zuschreibt. Präsident FalliöreS führte heute zum ersten Mal den. Vorsitz im Mini st errate. Loubet wurde zum Mitglied des oberen Ackerbaurates ernannt Falliöres empfing heute nachmittag das diplomatische Korps. Der italienische Graf Tornelli führte aus, daß man in der stufenweisen Entwicklung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der Nation eine feste Grundlage und eine sichere Bürgschaft für die Dauer des internationalen Friedens erklicke. Es würde die Ehrensache der heutigen Diplomatie sein, alle ihre Anstrengungen auf daS Ideal zu richten, dem die gesamte Menschheit mehr und mehr sehnsüchtig' zuzustreben scheine. Der Redner schloß mit dem Ausdruck deS Vertraueirs in die wohlwollende Gesinnung des Präsidenten, die dem divlomatischen Korps den vollen' Erfolg des Werkes der Eintracht und des Friedens sichern werde, die es in dem schönen Lande verfolge, auf das ihre Mitglieder den Ausdruck ihrep Sympathie und ihrer Wünsche auf sein Wohlergehen richteten. FalliöreS dankte, indem er seiner besonderen Freude Ausdruck verlieh, in neue und interne Beziehungen zu dem diplomatischen Korps zu treten. Es werde in der Tat die große Ehre der heutigen Diplomatie sein, in den Beziehungen der Völker den idealen Teil erweitert zu haben und Begriffen zu haben, daß kein politisches Werk dauerhaft sei, wenn es nicht den höheren Be- sirebmrgen der Menschheit genüge. Der Redner schloß mit der Versicherung, daß das diplomatische Korps und er bei ihrep gemeinsamen Aufgabe dieser Auffassung treu sein werden. Nach einer Meldung aus Kopenhagen erklärte der fvany. Sondergesandte Baron de Courcel, daß währelld der 18 Minuten, die der Kaiser ihm widmete, nicht von AlgeciraS die Rede gewesen sei. Der Monarch sei ihm gegenüber von größtes Liebenswürdigkeit gewesen. Er interessiette sich lebhaft! für die Eigenatt des Präsidenten Falliöres und meinte^ daß nach Allem, was er über den neuen Staatschef vernommen, auch von ihm, wie es während Loubets Septennat Der Fall war> eine Einflußnahme im Sinne der Erhaltung des Friedens zu gewärtigen sei. parlamentarifctyes» Berlin, 20. Febr. Die Steuerkommission des Reichstags setzte heute die Beratung der neuen Steuervori schlüge fort und beschäftigte sich zunächst mit dem Anträge Singer und Genossen, eine-Re ich sein kommen - und Vermögenssteuer einzuführen. Ter preußische Finanzminister v. Rheinbaben erklärte, daß der Sin trag' Singer für die verbündeten Regierungen völlig unannehmbar sei und zwar aus Gründen, die sie schon oft im Plenum dargelegt hätten. In der 'Abstimmung wurde der Anttag Singer gegen 10 Stimmen abgelehnt. Dafür; stimmten außer Tr. Burghardt (wirtsch. Bg.) die Polen, Freisinnigen und Sozialdemokraten. Staatssekretär Frhr. i>. Stengel führte aus, er habe bereits im Plenum erklärt, daß die Novelle bezüglich oer Maischbottichsteuer in Vorbereitung fei, durch die einer weiteren Abbröckelung der Einnahmen ein Riegel vorgeschoben werden soll. Die Erörterungen seien hierüber noch im Gange. Ter Bundesrat habe sich hierüber noch nicht schlüssig gemacht, doch glaube er, baß die Vorlage noch int Laufe des Jahres dem Reichs-, tage zugehe. Tie Möglichkeit einer Renaturierung dena-r kurierten Branntweines müsse er zugeben. Bezüglich einer; Reform der Branntwein-Verbrauchs-Abgabe könne er eine Vorlage jetzt nicht in Aussicht stellen; die Vorbereitung begegne großen Schwierigkeiten. Der Aufstand ut Deutsch-Afrika. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Am 14. Februar im Gefecht bei Norechab gefallen: Gefreiter Anton Foerschle und die Reiter Emil Radtke, Franz Heimchen, Horcher und Andreas Baumer. Schwer verwundet: Assistenzarzt Dr. Max Westphal, geb. in Mainz, früher Ulanen-Regt. 16, Bauchschuß, Gefreiter Gottfried Schumacher, Reiter Emil Samel. Leicht verwundet 4 Mann. Der Bethanier-Häuptling Cornelius hat mit seinem ganzen Anhänge dem Gouverneur o. Lindequist seine Unterwerfung angeboten. Nussijche Nöte. Die »Nordd. Allg. Ztg." meldet: Angesichts der Verkehrsstockungen an der deutsch-russischen Grenze, die dadurch veranlaßt wurden, daß die deutschen Waren, welche dort angefahren wurden, um noch vor dem 1. März zu den niebrigen russischen Sätzen verzollt zu werden, auf russischer Seite nicht mehr rechtzeitig übernommen werden, erhielt, tuie verlautet, die kaiserliche Botschaft in Petersburg durch das Auswärtige Amt die Weisung, unter Berufung auf Geist und Wortlaut deS bisherigen Landesvertrages, nachdrücklich darauf hinzuwirken, daß von der russischen Zoll- und Eisenbahnverwaltung alles geschehe, um den fraglichen Mißständen abzuhelfen. Man meldet aus Warschau, daß 40 bewaffnete Revolutionäre in eine politische Versammlung gewallsam eindrangen und großes Unheil anr chteten. Die Versammlung wurde zur Unterstützung eines gemäßigten Kandidaten für die Reichsduma abgehalten. Die Revolutionäre zettrümmerten alle Gegenstände und griffen die unbewaffneten Anwesenden an. In dem folgenden Handgemenge wurden viele Personen verwilndet, darunter einige lebensgefährlich. In Aschabad (Transkaspien) wurde während des Beiramfestes General Dschurawek fami seiner Dienerschaft ermordet. Eingeborene sagen, daß es sich um einen oersönlichen Racheakt handle. Stadt vvn Frnnkfurter Börse. 21. Februar, 1.15 Uhr. Reichsanleihe . 101.0 Oberschles. Eisen-Industrie 129.25 113.50 Börse, 21. Februar. Anfangskurse. 165.70 . 245.50 . 128.20 Laurahutte . Nordd. Llovd . 24.75 . 143.50 . 133.50 . 174.00 . 149.20 . 241 90 . 182.60 . 189.30 . 165.70 . 210.70 Harpener Bergwerk Laurahütte . . Lombarden E. B. Nordd. Lloyd . . Türkenlose . . . Elektriz. Lahmeyer . . Elektriz. Schuckert . . . Eschweiler Bergwerk . Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg - Amerik. Paketf. Harpener Bergwerk. . . Passanten fanden den Uebersallenen uns sorgten dafür, daß er nach dem Bürgerhospital gebracht wurde. Berliner Handelsges. . Darmstädter Bank . . Deutsche Bank . Deutsch-Asiat. Bank Diskonto-Kommandit. . Dresdner Bank . . Kreditaktien . . . . Baltimore- und Ohio- Eisenbahn . . . . Gotthardbahn . . . . Lombard. Eisenbahn . Gestern. Staatsbahn . . Prince-Henri-Eisenbahn do. Konsole do. Hessen . . Oberhessen 3% 3^°/b 3% 3^70 3%7n Berliner Canada E. B. . . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank Dortmunder Union C. Dresdner Bank . . Tendenz: still. oenommen werden, datz die Angeklagten den Diebstahl gemeinschaftlich ansgeführt haben. Zur Charakterisierung der Angeklagten, hatte die Staatsanwaltschaft zwei weitere Zeugen geladen und Akten des Untersuchungsrichters zu Aschaffenburg zur Stelle geschafft, wodurch festgestellt wurde, das; die Angeklagten eines Straßenraubes dringend verdächtig sind. Mit Rücksicht auf die Gerneingefährlickkeit wurde gegen W. auf 3 Jahre 6 Monate und gegen A. auf 3 Jahre Zuchthaus erkannt, ihnen die bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre abgespvochen und beide unter Polizeiaufsicht gestellt. 245.00 131.50 verordneten-Versammlung zu Frankfurt a. M. beschloß, der Magistrat solle dahin wirken, daß die Berliner Heimarbeitausstellung nach Frankfurt u. M. komme; sollte dies aber, da die Berliner Ausstellung bereits am 28. Februar geschlossen wird, unmöglich sein, dann soll die Stadt Frankfurt sofort die nötigen Schritte tun, eine eigene sozialpolitische Ausstellung in Bälde in Frankfurt zu veranstalten und zwar unter besonderer Berücksichtigung der Heimindustrie. * Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Bad-Nauheim beabsichtigt die Frankfurter Wach- und Schließgesellschaft einen Nachtmachtdienst einzurichteu. . 245.00 . 24.90 . 128.25 . 145.60 . 89.00 . 101.25 . 89 05 . 99.90 143.50 131.75 260.00 226.50 166 00 216 00 . 149.30 . 241.75 100.90 101.50 96.15 106.50 68.80 69.50 92.10 94.60 93 30 145.40 53.70 92.00 67.50 96.70 Gerrchtsscral. --- Lauterbach, 19. Febr. Tas hiesige Schöffe«- g c r i ch t verurteilte den 20 Jahre alten Msergesellen H. W. hier wegen Körperverletzung zu 6 Monaten Gefängnis, 133 Mark Buße und Tragung sämtlicher Kosten. W. hatte fn der vergangenen Silvesternacht einem hier bediensteten Knechte int Streit nm ein Frauenzimmer eine gefährliche Stick)wunde am Halse beigebracht, so daß der Verletzte längere Zeit im TeBefomsch® BCursbe^ichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Giessen. SMÖi Mttö Caitö» Gießen, 21. Februar 1906. L. U. Landes-Universität. Dem Assistenten am landwirtschaftlichen Institut der Landes-Universität Dr.Wilhelm Kl e berge r wurde bie venia legendi bei der philosophischen Fakultät für das Fach der Landwirtschaft erteilt. Seine Habilitationsschrift handelt über: Die Entwickelung des landwirtschaftlichen Betriebes unter deut Einflüsse der Feldbereinigung (untersucht in einigen Orten des Kreises Friedberg). ” Die Fleischpreise. Wie uns aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt wird, behaupten sich die gegenwärtigen außerordentlich hohen Schweinepreise und zeigen eher noch eine steigende Tendenz. Auch in anderen Gegen- -dcn wird das gleiche beobachtet. So werden z. B. in Metz 92 Pfg. für das Pfund Schlachtgewicht gefordert und selbst bei diesen Preisen konnte nur ein Drittel dc§ Bedarfes beim letzten Markt gedeckt werden. Die dortigen Metzger wollen nunmehr den Versuch machen, geschlachtete Schweine aus Paris zu beziehen, da dort die Preise niedriger sind. Auch in unserer Nachbarstadt Wetzlar herrscht trotz außerordentlich hoher Preise Mangel an Schlachttieren. Ein kürzlich dort weilender höherer Beamter der Rheinprovinz erklärte, daß zwar genug Schlachtschweine vorhanden seien, aber zwecks Erzielung noch höherer Preise mit dem Angebot zurückgehalten würde. Bei dieser Sachlage sind die Metzger genötigt, sich zur Deckung ihres Bedarfs nach anderen Bezugs- quellen umzutun. So haben, wie wir kürzlich mittcilten, sich die Gießener Metzger entschlossen, zunächst versuchsweise geschlachtete Schweine aus Holland zu beziehen und die erste Sendung, ca. 40 Stück, wird am nächsten Montag hier eintreffen. ** Der Lesehalleverein hält herrte abend 8 Uhr seine diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung im Cafe Ebel ab. •* lieber d ie Vertilgung der überwinternden Schnaken vermittel st Ausbrennen der Keller ist von der Großh. Bürgermeisterei Gießen eine Bekanntmachung im amtlichen Teil der heutigen Nummer erlassen worden, worauf wir besonders Hinweisen. *• Des Großherzogs Familienname. In der Stadtknabenschule ftagte der Lehrer einen 11jährigen Schüler, nachdem er von Ludwig dem Eisernen gesprochen, wie der jetzige Landesfürst heiße, worauf prompt die Antwort erfolgte: „Ernst Ludwig." »Sage einmal, Karl", so fragte der Pädagoge weiter, „hat denn der Großherzog auch einen Familiennamen?" Der Knabe schmieg. „Heißt er vielleicht Müller oder Schulze oder wie sonst mit seinem Vaternamen?rt Der Gefragte hatte darauf keine Antwort, ebenso schweigen die übrigen Buben der Klasse verlegen. Da meldet sich blitzenden Auges der Meine Fritz, der sonst sich durch große Unwiffenheit auszeichnet, und erklärt: „Der Großherzog heißt Ernst Ludwig Heil." Es ist dies die Schlußstrophe der hessischen Nationalhymne. A Alten-Buseck, 20. Febr. Am Samstag fand beim Gastwirt Rabenau eine stark besuchte Versammlung zur Gründung eines Bürgervereins statt. Die Statuten wurden von ca. 70 Bürgern unterzeichnet. Zum Vorsitzenden wurde Wilhelm Kahl gewählt. § Launsbach, 20. Febr. Durch Spielen am Ofen wurden hier vier Kinder durch Brandwunden verletzt. Das eine Mädchen eilte mit brennenden Kleidern auf die Straße und wurde von einer zufällig vorübergehenden Frau mit einem Eimer Wasser übergossen. Leider war das fünfjährige Mädchen am ganzen Körper mit Brandwunden bedeckt. Lebensgefahr soll bei keinem der Kinder vorhanden sein. Orrginal-Drahtmel-r-irgen. Berlin, 21. Febr. Der d e utsche H a n o clst a g nahm folgende Resolution an: "Ter ^andelc-tag erkennt die Notwendigkeit an, daß rut Orb« mmq be§ Reichsbaushalts neue Steuern einqefnbrt werden und Spricht insbesondere zur Ausbringung von Mitteln aus, durch welche un Interesse aller Kreise des Volkes die erforderliche W e h r- krait des Reiches zur See ermöglicht wird. Bei der Auswahl der weiter erforderlichen Steuern ist darauf Bedacht zu nehmen, daß sie n i ch t einzelne G e w e r b e z w e i g e Vorzugs-- ro e,11 ° be ( a si en und daß sie nach dem Grundsatz der Le ist ungs^ f a h l g r e t t erhoben werden." Arbeiterbewegung. , , ?i u m e , 20. Febr. Dio Arbeiter der Papier-, Tabak-, Scho- kosade-, Vetrolemn-, ReErnel- und Torpedofabriken traten heute 'n den^Ausstand. Tic Anzahl der Ausständigen beträgt 5000, sie fordern Lohnerhöhung. Vermischtes. Der nc u e ste E i sen b a bn u n f a l l. Bei Mockrehna sPrvv. Sachsen) fulyren zw-ei Gnterzüge aufeinander, tvobei ein Breniser getötet, 2 Maschinenführer verletzt und 10 bis 15 Wagen total zertrüntmert wurden. * Kleine Tages chronik. Der vor einigen Tagen unter dein Verdacht, bei Ausübung seines ärztlichen Berufes an einem 15 Jabre alten Mädchen ans Mechtersheim ein vollendetes Sittlichkeitsverbrecken verübt zu haben, in Untersuchungshaft genommene praktische Arzt Dr. Tändler von Speyer wurde gegen eine Kaution von 25 000 Mark wieder auf freien Fuß gesetzt. Dr. Tändler stellt, wie verlautet, die ihm beigemessene Ltraftat entschieden in Abrede. — In Gelsenkirchen wurde ein Ehepaar verhaftet unter dem Verdachte, von seinen eit 1897 geborenen a chtKindern sieben kurz nach der 0-e- burt g et ö te t^zu haben. — Der „Obersckst. Grenzztg." zufolge wurden bei 5 ^chulknc bcn in Z a l e n z e r h a l d e im Nacken und am Halle einander aufs Haar ähnelnde Brandwunden festgestellt, die den Knaben nach ihrer Aussage von ihrem L e h r e r mit einem heißen Ofenhaken beigebracht worden sind. — Der Chef >cr EdelsteinSkommissionssirma Hermann Mayer in Wien ist eit dem 13. Februar fluchtig. 4% Öesterr. Goldrente. . 4*/5 % Oesterr. Silberreute 4%' Ungar. Goldrente . . 4% Italien. Rente . . . 3?o Portugiesen Serie I 39o Portugiesen „ TU 4%°/0 russ.Staatsanl. 1905 4%° n japan. Staatsanleihe 1 % Conv. Türken von 1903 Türkenlose...... 4% Griech. Monopol-Anl. . 4% äussere Argentinier . 3°/0 Mexikaner .... 4%% Chinesen .... Aktien: Bochum Guss..... Buderus E. W..... Tendenz: schwächer. Geheimrat Arn hold-Berlin befürwortete folgende An^ träge: „Festsetzung der Preise für einfache Fahrkarte» auf die Hälfte der jetzt in Vreußcn für gewöhn-! liche Rückfahrkarten gültigen Preise, unbeschadet der be-i stehenden besonderen Vergütigungen für den Nah- und Vor> ortverkchr, Beseitigung derZuschläge für die Benutzung der Schnellzüge, erhebliche Ermäßigung der Gepäck- frachten unter Belastung des Freigepäcks und Beibehaltung der 4. Klasse. Diese Forderungen wurden angenommen. Daraufhin wird die Vertagung des Handelstages beschlossen. Berlin, 21. Febr. Der frühere Arbeiter Hugo Günther, denn der Abteilung der Strafgefangenen in der CharitS sntCr^rC-rLrcar' l? entwichen. Bisher ist es nicht gelungen, des Fluchtigen habhaft zu werden, jedoch ist man'ihm bereits auf der Spur. s. 2L ^br. Der Staatsanwalt erhob gegen die sozialdemokratische „Tribüne" 7 Anklagen Sri auf“'«ul’9 -u ®eroa(ftäti9Mcn durch BrahlrechtSartikel, ^0. Febr. Die „Evening News" melden aus Pinn nL r^n 0"g Glichen Kasernen zu Kart um er. 1* «• ftv.«-y S bcmi, baß eine dritte Macht, vielleicht Amerika interveniert um zu versuchen, eine Verständigung noch in letzter StundA Gießener Strafkammer. )( Gießen, 20. Febr. In der Nackt z-nm 28. v. M. kam der Hausierer R. H. M. ans Zeitz in die Kneipe von Gewerbeakademikeru 511 F-riedberg, einen Arm m der Binde tragend. Er bot Ansicktskarten zum Verkauf an und _ erregte das Mftleid der Anwesenden durch Erzählen von Unglückssällen, die ihm in Gruben zugestoßen seien. Es wurden ihm Getränke verabfolgt, und die Gewerbeschüler beschenkten ihn mit Geldbeträgen. Dies belohnte er dadurch, daß er bei seinem Weggang einem Gaste Heberzieher und Hut, der auf dem Vorplatz hing, mitnahm. Man merkte alsbald den Diebstahl und es gelang, den Dieb kurz darauf in der Nähe von Nieder-Wöllstadt festzunehmen, wobei es sich herausstellte, daß es sich um einen vielfach vorbestraften Menschen handelte, der erst eine Woche vorher das Zuchthaus verlassen hatte. Aus Borstrafakten wurde festgestellt, daß es seine Spezialität ist, gelegentlich des Hausierens in Wirtschaften Kleider usw. rnit- zuuehmen, was ihm in Frankental den Spitznamen „Paletot- minbcr" eintrug. Wie hier, so schützte er auch in früheren Fällen sinnlose Trunkenheit vor, unter der Behauptung, es sei ihm Branntwein in das Bier geschüttet worden. Da es sich um einen Dieb handelt, bei dem von Besterung keine Rede sein kann, sah sich das Gericht im Interesse der Allgemeinheit veranlaßt, ihn möglichst lange der menschlichen Gesellschaft fernzuhalten, weshalb es ihm 3 Jahre Zuchthaus zudiktierte, ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre aberkannte und ihn unter Polizeiaufsicht stellte. — tzlelegentlich der Revision der Standesregister, stellte die Aufsichtsbehörde fest, daß der Standesbeamte H. P. von M a s s e n h e i m im vorigen Jahre eine Eheschließung vorgenommen hat, wobei er gegen die Bestimmungen des bürgerlichen^ Gesetzbuches verstoßen hat, da der Bräutigam noch nicht volljährig war. Der mit Arbeiten überlastete Beamte, dem von sämtlichen Behörden das beste Zeugnis ausgestellt wird, gab glaubhaft an, es haben zwingende Gründe die baldige Eheschließung wünschenswert gemacht und durch das Drängen der Eltern der Brautleute, habe er die einschlägigen Bestimmungen nicht näher angesehen. Die Staatsanwaltschaft beantragte nur eine Geldstrafe von 10 Mark^ dock das Gericht erkannte mit Rücksicht auf das hohe Interesse, das der Staat an der Befolgung der Gesehesvorschriften hat, auf 25 Mark, indem es hervorhob, daß es die Pflicht des Angeklagten gewesen wäre, sich mit seiner Instruktion eingehend zu befassen. -- Wegen eines frechen, an Straßenraub grenzenden Diebstahls, hatten sich die Gelegenheitsarbeiter W. W. aus Georg-Marienhütte, wohnhaft in Bürgel, und Hermann H. A. aus Niederplanitz, ohne festen Wohnsitz, zu verantworten. Ein Fuhrmann, der regelmäßig für Händler aus Echzell und Umgegend mit Butter, Geflügel und Wild nach Frankfurt a. M. fährt, fuhr in der Nacht zum 2. Dezember v. I. mit zwei schwer beladenen Wagen genannten Weg. Er befand sich beim vorderen Wagen, während fein Schwager den hinteren lenkte. Morgens gegen 4 Uhr wurde zu Vilbel in einer Wirtschaft ausgespannt. Bei der Ankunft in Frankfurt gewahrten sic, daß ihnen fünf Körbe vvn 400—500 Mark Wert, wovon einer 145 Pfund wog, fehlten. Der Fuhrmann setzte den Wirt in Vilbel telegravhisch von dem Diebstahl in Kenntnis und dieser beobachtete nun den Tag über sämtliche nach Frankftirt ziehenden Fuhrwerke. Gegen 2 Uhr mittags fuhr ein leichter Wagen, der aussah, als befänden sich Körbe darauf, die genannte Richtung. Er schickte einen Arbeiter nach, der zum Schein fragen sollte, ob er mit nach Frankfurt fahren könne. Kaum hatte er sein Vorhaben vorgebracht, als ein Mensch vom Walde her kam und bemerkte, er möge machen, daß er fort komme. Diese Wahrnehmungen teilte er dem hinter ihm herkommenden Wirt mit, der mit Hilfe eines Fuhrwerks und eines radfahrenden Postbeamten das Gefährt bis nach Frankfurt verfolgte und die Polizei von der Sache verständigte. Als ein Schutzmann erschienen war, sagte der Wirt den Angeklagten inS Gesicht, daß sie die Sacken gestohlen hätten, worauf A. einen Fluchtversuch unternahm, aber sofort eingeholt wurde, während' W. behauptete, int Auftrage des A. die Sachen ^dahin gebracht zu haben, ohne zu wissen, wo sie her seien. Später kam A. mit dem Märchen, er habe unterhalb Vilbel zwei Männer beobachtet, die sich zusammen besprachen unbjnit dem Bemerken fortgingen, ernt Abend wieder an genannter Stelle zu sein. Bei näherem Nachsehen gewahrte er die mit Gänsen gefüllten Körbe. Trotzdem er annahm, daß die Gegenstände gestohlen seien, habe er sich entschlossen, sie in Frankfurt zu verwerten. Zn diesem Zweck wollte er sich zu seinem Freund W., von dem er wußte, daß er ein eigenes Fuhrwerk habe, begeben; er habe ihn in Offenbach getroffen und dieser^ habe sich bereit erklärt, um den Fuhrlohn von 15 Mark ■ die Sachen nach Frankfurt zu fahren. Der Dienstherr des W. 1 bekundete, daß dieser ihn am fragt. Tage unter her Vorspiegelung, es sei einem Bekannten das Pferd lahm geworden, zur Ueber- ; lassung seines Gefährts bewog. Nach der Sachlage muß an- Darmstadt, 20. Febr. Das Großherzogspaar reist bereits am 2 3. d. Mts. mittags nach Berlin ab und wird am 1. März wieder zurück erwartet. (F. Z.) R.. 8. Darmstadt, 20. Febr. Die gemeinsame Sitzung der Finanzausschüsse beider Kammern zur Beschlußfassung über den Staatsvoranschlag fand heute nachmittag 3-/, Uhr statt und nahm nur P/9 Stunden in Anspruch. Die Verhandlung drehte sich in der Hauptsache nur um.etroa ein halbes Dutzend Dissense, nämlich um die schon erwähnten Etatsabänderungen durch den Ausschuß der 2. Kammer. Der Finanzausschuß der 1. Kammer stellte sich diesen Beschlüßen gegenüber durchweg auf den Boden der Regierungsvorlage, während der Ausschuß der 2. Kammer im Allgemeinen auf seinen früheren Beschlüßen beharrte. Bezüglich der vom Ausschuß der 2. Kammer beschloßenen Zurückstellung der Forderung für das Domanialgut Rockenberg, die Gendarmenwohnhäuser und das Steuerkommissariatsgebäude zu Heppenheim wurde eine Lokalbesichttgung beschloßen, eingehend debattiert wurde auch über die vom Ausschuß der 2. Kammer gestrichene Forderung von 8000 Mark Jahresbeitrag und 3000 Mark einmalige Zahlung an die Molkcrci- schule Lauterbach. Der Ausschuß der 1. Kammer kam schließ- Uch zu dem Vermittlungsvorschlag, für dieses Jahr noch einmal den früher ausgeworfenen Betrag von 6000 Mark zu bewilligen, der vor einigen Jahren auf 8000 Mark erhöht wurde. Da auch die Regierung der Anschauung sein dürfte, daß eine plötzliche Ablehnung des ganzen bisherigen Staatszuschußes nicht anempfohlen werden lonne, wird sich voraus- fichlich auf der Basis des Vorschlags der 1. Kammer eine Verständigung mit der 2. Kammer über diesen Punkt erreichen lassen. Mainz, 20. Febr. Eine sensationelle Verhaf- tung erfolgte am Samstag Abend auf Antrag der Staats- anwaltschaft. Wegen Falschspiels wurde ein Kurzwaren- yändler aus der Gymnasiumsstraße und ein Geflügelhändler engros verhaftet. Letzterer war gerade im Begriffe, den Maskenball in der Stadthalle zu besuchen und befand sich in Lackstiefel und Frack. Unter anderem sollen dem Oberkellner eines Hotels 800 Mark im Spiel abgenommen worden sem. Auch ein hiesiger Schauspieler hat über Verluste zu klagen. (F. Z.) 0 fc. Frankfurt, 20. Febr. Ein frecher Raub- anfall wurde gestern abend nach 11 Uhr in der Taunus- anlage verübt. Der Obkrpostassistent Friedrich Koch ein Mann in den Fünfzigern, erhielt plötzlich von hinten einen Schlag auf den Kopf, daß er hinstürzte, wobei er noch das Unglück hatte, ein Bein zu brechen. Der unbekannte Täter entriß ihm die goldene Uhr mit Kette und entkam. hiesigen K'rankenharife beh.mdelt werden mußte. Berlin, 20. Februar. Die Strafkammer des Landgerichts I verurteilte gestern die Anarchisten Goldarbeiter 2ldolf Poßwaag und Hutmacher Fritz Müller auf Grund der §§ 110, 111 und 130 des Strafgesetzbuchs zu je sechs Monaten Gefängnis und den Tuchmacher Fraubose wegen Vergehens gegen die §§ 7 und 18 des Preß- gesetzeS zu 2 0 0 M ark Geldstrafe. Lübeck, 20. Febr. Die Strafkammer verurteilte den Oberlehrer Kurt W rede wegen Vornahme imzüchtiger Handlungen an Knaben ;it 2 ?■ " b r e n G e f ä n a n i s. HEdel und Verkehr, Volkswirtschaft. Köln, 20. Febr. Hier wurde heute eine Deutsche Ge-, feilsch aft zur Verwertung ton Zuckerschnitzel (Patent Steffen) G. m. b. H. mjt einem Kapital von 1 500 000 Mk. gegründet. Der Sitz der Gesellschaft ist Köln. Gesellschafter finb' u. xiT. die Herren Gottlieb, Fritz und Dr. Hans Langen, der A. Schaafshansensche Bankverein, sowie Dr. Flecken, Direktor der Zuckerfabrik Brühl. Zweck der Gesellschaft ist die Verwertung der Karl Steffen in Wien gehörigen deutschen Patente betreffend das Brühverfahren bei der Sastgewinnung und der Futtererzeug- img in den Zuckerfabriken. Kal is Y nd i ka t. Nack der ersten Begeisterung über die Beilegung der Differenzen hat wieder eine kühlere Beurteilung die Oberhand gewonnen, da man annimmt, daß noch eine beträchtliche Zahl von Schächten sich 5um Beitritt ins Syndikat melden wird und dadurch die ^Schwierigkeiten nur noch mehv wachsen. Bemerkt sei bei dieser Gelegenheit noch, daß dev Absatz in Kalisalzen seit Anfang Januar lebhafter wurde. Dia Syndikatswerke sind kaum mehr in der Lage, die Anforderungen zu beftiedigcn. Es ist anzunehmen, daß die Erträgnisse dep einzelnen Kaliwerke erhebliche Fortschritte zeigen werden. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 20. Febr. £3 e it- und Stroh- markt. Man notierte: Heu Mk. 3.50 bis Mk. 3.70, Stroh Mk. 2.60.—2.80 Alles per 50 Kilo. Tendenz fest. fc. Frankfurt a. SOL, 21. Febr. 'Orig.-Telegr. des „Gieß. Anz.B V i e h m a r k t. Zum Verkaufe standen 00 Kälbey 00 Schale und Hammel, 1647 Schweine; 1. Qual. 82-00 Pfg^ Lebendgewicht 64.00—00.00 Pfg., 2. Qual. 81 Pka., Lebendgewicht 63.00—00 Pfg., 3. Qual. 73—75 P?g. Kälber 1. Qual. 00—00 Ps., Lebendgewicht 00—00 Plg., 2. Qual. 00—00 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg., Schlachtgewicht 00—00 Pfg. Schale 1. Qualität Schlachtgewicht 00-00 Pfg., 2. Qualität 00—00 Pfg. Geschäft 2 Markt mittelmäßig, Neberstand unbedeutend. Aus Holland kamen, 63 geschlachtete Schweine. w. Frankfurt a. M., 20. Febr. äh erzielen. Sollte dies nicht geschehen, so bleibe tmr noch bas Mittel übrig, die Vorschläge über die Polizeifrage der Plenarsitzung zu unterbreiten. In diesem Falle würde Re- voil beauftragt werden, zu erklären, daß die deutsche Antwort französische Gegenvorschläge erübrige. (Aus Wien wird unverbindlich gemeldet, daß Kaiser Franz Joses seine Vermittelung angeboten habe. D. Red.) . > Rom, 21. Februar. Den hiesigen Blättern wird übereinstimmend aus Algeciras gemeldet, daß die Konferenz als gescheitert angesehen werden muffe, da die Gegensätze zwischen Frankreich und Deutschland in der Banksrage noch weit schärfer seien als in der Polizeifrage. Riga, 21. Febr. Fit Kurland raubten nach dem Abzüge des Militärs bewaffnete Banden in drei Orten aus ungenügend bewachten Gemeindehäusern die von den Bauern ausgelieferten und dort niedergelegten Waffen. — Pastorat Lesteuverbrannte eine bewaffnete Bande die Kirchenbücher. In Neuhausen wurden 32 Personen wegen Niederbrennung von Gütern und Widerstands gegen die Truppen erschossen; ein lettischer Schulmeister mürbe gehängt. In Livland stockt in einzelnen Gegenden der Verkehr fast ganz, da den Bauern verboten ist, nach 6 Uhr abends ihre Gehöfte und Hauser zu verlassen. Bereits ist Futtermangel auf dem Lande bemerkbar und im Frühjahr große Not zu erwarten. Tokio, 20. Febr. Die öffentliche Aufforderung zur Zeichnung auf die neue innere Anleihe von 200 Millionen Pen zmn Kurse von 95 ist erschienen. Die Anleihe ist während der nächsten fünf Jahre unkündbar, dann beginnt die Einlösung und erstreckt sich über die nächsten 25 Jahre. Lagos, 20. Februar. Zwei Kompagnien Truppen mit 300 Trägern gehen nach dem Norden von Nigeria, um bei der Unterdrückung des in Sekete ausgebrochenen Aufstandes Hilfe zu leisten, wo eine Kompagnie Truppen und 5 Offiziere getötet wurden. Wie das Reutersche Bureau erfqhrt, hat daS Kolonialamt von einem höheren Beamten Nigeriens ein Telegramm erhalten, welches daS Gerücht übermittelt, eS seien in der Nahe von Sekete drei englische Offiziere getötet und ein Arzt verwundet worden. Aus anderer Quelle vernimmt daS genannte Bureau, daß die gewöhnliche Garnison SeketeS nur eine Abteilung Infanterie des Nigerischcn Regiments und eine Kompagnie berittener Infanterie mit einem Maxim geschütz umfasst. Es bestehe Grund zu der Annahme, daß die Bewegung einen religiösen Charakter habe. Quakerßats Ergiebigkeit ist eine Haupt, eigenschaft von Quaker Oats; aber auch überlegene Qualität, Reinheit und Wohlgeschmack unterscheiden die Waare von allen anderen Haferpräparaten. Nur in Packeten. bei sagen herzlichen Dank 1146 Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen, den 21. Februar 1906. sagen wir unseren innigsten Dank. 1153 sagen innigsten Dank 1152 Schneider. L. 9 11 Nadel-- „ Eichen-Knüvoelholz, Die trauernden Hinterbliebene«. Ludwig und Heinrich Bender. Rodheim und Dorlar, den 22. Februar 1906. Die trauernden Hinterbliebenen Joh. Keil. Heinr. Keil, Wagenmeister. Gießen, den 20. Februar 1906. 6,9 , 7 19 Rmtr. Cichen-Scheitholz, 30 „ Birken- , 42,3 Rmtr. Nadel-Stockholz. 340 Wellen Buchen-Reisig, 2345 , Nadel- , Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, sowie für die überaus zahlreichen Blumenspenden bei dem Hmicheiden unserer lieben Schwester Frl. Katharine Bender Holzverfteigerung im Gießener Stadtwald. Montag, 26. Februar 1906, vorm. 91/, Uhr beginnend werden im Distrikt WaldHhut versteigert: Danksagung. Für die zahlreichen Beweise ausrichtiger Teilnahme bei dem schweren Verluste meiner lieben Frau, unserer guten Mutter, Schwiegermutter und Großmutter, sowie für die liebevolle Pflege der Schwestern des evanqel. Schwesternhauses und für die zahlreichen Blumenspeuden Danksagung Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme dem Hinscheiden unseres lieben Vaters Otto Schaääas Todes-Anzeige. ES hat Gott dem Allmächtigen gefallen, unsere liebe Gattin, Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Urgroßmutter und Schwester Frau ÄllN Mse EnMarht geb. Schmidt nach kurzem Leiden heute morgen im Alter von 77 Jahren zu sich zu nehmen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Kaspar Engelhardt. Hausen, den 20. Februar 1906. 1131 Die Beerdigung findet Donnerstag, den 22. Februar, nachmittags 2 Uhr statt. 1452 Fichten-Derbstauqen mit 74,84 Festm. 135 „ -Reisslängen „ 1,37 89 Rmtt. Kiciern-Rundscheitholz 4 Meter laug, 3% , Eichenstammhoff-Verkauf. Nach den für den Submissionsoerkauf geltenden Bestimmungen soll aus den Distrikten Ober-Seilbach, Aspenstrauch und Hainbuch folgendes Eichenstammholz aus der Hand verkauft werben : 1,47 Fm von 50—59 Ztm. Mittendurchmesser, 12,52 Fm. von 40—49 Ztm. Mittendurchmesser, 15,70 Fm. von 30—39 Ztm. Mittendurchmesser, 5,27 Fm. von 25—30 Ztm. Mittendurchmesser u. 0,67 Fm. unter 25 Ztm. Mittendurchmesser. Wegen Besichttgung und näherer Auskunftserteilung beliebe man sich an den Großb. Forstwart Höres zu Treis a. Lda. zu wenden. Gebote sind bis zum 28. ds. Mts., vormittags 10 Uhr bei unterzeichneter Behörde einzureichen, woselbst die Gebote in Gegenwart der etwa erschienenen Kaufliebhaber eröffnet werden. Treis a. Lda., den 20. Februar 1906. Großherzogliche Oberförsterei Treis. 2195 Wellen Eichen-Reisig, 42,3 Rmtr. Nadel-Stockholz. Tie Zusammenkunft ist auf der Licher Straße am Waldeingang. Gießen, den 20. Februar 1906. - Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Ji V.: Curschmann. pB”/, Lokomobilen (fahrbar m. Wanderkonzession) 1 Stck. v. Lanz 89 erb. fein hergerichtet 7—9 P. S. 1 , , , 90 , Feuerbuch!e neu 12—17 P. 8. 1 , , , 97 , Ausziehkeffel 20—30 P. S. billig abzugeben. hv“/n Herborner Pumpenfabrik Herborn, Kohlenliefernng. Für die Großh. chirurgische und Augen-Klinik s?ll für das Rechnungsjahr 1906 auf dem öffentlichen Suo- mffsionswege die Lieferung von ca. 800 Zentner Nußkohlen „ 2500 „ Anthrazitkohlen und , 1800 „ Hüttenkoks vergeben werden. Ministerialerlaß und Bedingungen liegen an Wochentagen, nachmittags von 3 bis 5 Uhr auf dem Verwaltungsbureau offen. Offerten, versiegest und mit enffprechender Auffchrift versehen, sind bis zum 10. März ds. Js., mittags 12 Uhr auf dem genannten Bureau abzugeben, woselbst ium diese Zeit die Eröffnung der Offerten stattsindet. Die Zuschlagsfrist beträgt 3 Wochen. Gießen, den 20. Februar 1906. Großherzogliche Verwaltungsdirektion der chirurgischen und Universitats-Augen-Klinik Poppert Vossius.L"/, CMischer Arbeitsnachweis Gießen. Gartenstratze Nr. 2, Zimmer Nr. 2. ES könueu eingestellt werden: 1 Gartenarbeiter, 1 Schmied, 2 Schlaffer (am 1. März 1906), 1 Maschinist (geprüfter Heizer), 2 Schneider, 1 Friseur, 10 Schuhmacher (auswärts), 1 Installateur, 1 Lauffran, 2 Laufmädchen, 6 Dienstmädchen. Lehrlinge: 1 Schmied, 1 Wagner, 2 Buchbinder (gegen Vergütung), 2 Schreiner, 1 Schneider 1 Buchhändler. Es suchen dlrbeit: B*‘/? 1 Ockonomieverwalter, 1 Maschinenschlosser, 1 Bau und 1 Mobelschreiner, 3 Wasch- oder Putzfrauen, 1 Installateur, 1 Packer oder Lagerarbeiter, 2 Ausläufer, 1 Kutscher, 4 Lauffrauen, 2 Laus- mädchen (nachmittags), 1 Arbeiter (leichtere Beschäftigung), 1 Lehrmädchen.__ Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Lollar pro 1906 liegt vom 22. Februar d. I. ab acht Tage zur Einsicht der Jutereffenten auf dem Bureau der Großherzoglichen Bürgermeisterei offen. Lollar, den 20. Februar 1906. Großherzogliche Bürgermeisterei Lollar. Schmidt. 1139 Konsumverein Großen-Linden. Da in unserer Bilanz pro 1905 in Nr. 30 bei der Mitgliederbewegung ein Druckfehler entstanden ist, so verlangt Grobherzogliches Amtsgericht Berichtigung desselben. Es muß heißen: Die Zahl der Mitglieder betrug Ende 1904 149 Während 1905 gingen zu ___6 "155" Während 1905 gingen ab ___5 Daher Stand der Mitglieder Ende 1905 150 Großen-Linden, den 31. Dezember 1905. Konsumverein E. G. m. u. H. 1151 Der Direktor: Der Rechner: Der Lagerhalter: Jobs. Hantel. Ph. PirrHI. G g. Muhl. ter Saalbaa, liüi.,21., Donnerst, K. Febr., abends 8 Ehr W W Karten b?,2.IN. LHier,BasMenbanjlnng. EÜi Großer Mmm-AllMlims Wegen Umzug nsch Schulstrasse 10 Amtliche WhMM zu ermäßigten Preisen. Bei Barzahlung 10% Rabatt. IL. Bernhardt Neuen Baue 15. (io? o Giessener o Seeflscl markt Gebe*. 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