Nr. 271 16V. Jahrgang Fünftes Blatt General-Anzeiger, Amts- und AnZeigediait für Len Kreis Siche Erscheint täglich mit Ausnahme deS SormtagS. Die „Gießener Fomtllenbriitter" werden dem »Anzeiger viermal wöcbenllicd betqelegL Der -kressisch« Landwirt" erjcheuu monatlich einmal. Samstag 17. November ivoo Rotationsdnlck imb Verlag der Drühl'icken ) Uliwersitälsdnickeret. R. Lange. Greven. Redaktion, Expedition ti.TrucTcrd: Schuler.7. r Tel. Nr. bl. Telcgr.-Adr.r Anzeiger GießtN- Parlamentarische Verhandlungen. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gegattet. Deutscher Reichstag. 119. Sitzung vom 16. November. 1 Uh L. Das Haus ist sehr gut besetzt. Am Bundesratstisch: bei Beginn der Sitzung nur ein Kommissar. Zunächst findet die namentliche Abstimmung über die Wahl des Abg. Dietrich (kons.) statt. Dieselbe ergibt mit 202 gegen 117 Stimmen die Gültigkeit der Wahl, ein Abgeordneter enthält sich der Stimme. ES folgt die namentliche Abstimmung über die Wahl deS Abg. Malkewitz (Ion).). Auch diese wird für g ü I t i g erklärt, da 177 Abgeordnete f ü r die Gültigkeit und nur 135 für die Ungültigkeit stimmen. 9 Abgeordnete enthalten sich der Abstimmung. Dieses Resultat wird von der Linken mit lebhaften Pfui-Rufcn entgegcngenommen. Von den Nationallibcralen hat ein Teil, darunter die Abgg. Prinz Carolath und Büsing gegen die Gültigkeit der Wahl gestimmt. Präsident Graf Bnllestrem: TS entspricht nicht der Ordnung des Reichstages, einen Beschluß des Hauses mit Pfui! zu begrüßen. (Lcbh. Unruhe links, Zustimmung rechts.) Ohne Debatte wird beschlossen, über die Wahl des Abg. P o r z i g (kons.) Beweiserhebungen zu veranstalten. Die Kommission hat beantragt, die Wahl des Abg. Wiltberger (Elsaß-Lothr. Landespartei) für g ü l t i g zu er- rlären. * Abg. Dr. Müller-Meiningen (freis. Vp.): Nach der vorhergegangenen Abstimmung erscheint es zwar etwas gewagt, an dem KomirussionSbeschluß rütteln zu wollen, aber es kommt doch in erster Linie darauf an, der Gerechtigkeit die Ehre zu geben. Ter vorliegende Bericht enthält einen der wichtigsten und interessantesten Wahlproteste, der überhaupt jemals vorgekommen ist. ES ist hierbei ganz irrelevant, daß der unterlegene Kandidat der Sohn des Fürsten Hohenlohe ist, desien Memoiren manchen so wenig gefallen haben. Drei Jahre lang hat man diese Wahlprüfung verschleppt; das ist geradezu ungeheuerlich. Bei der Wahl traten skandalöse Vorgänge in die Erscheinung, die um so wundersamer berühren, wenn man bedenkt, daß wir in der Zeit des famosen Toleranzantrags leben. Gestern waren es die Ritter, die gegen das Recht kämpften, heute sind es die Heiligen, die den Rittern zu Hilfe kommen. Es ist direkt ein Kartell geschlossen in der Wahlprüfungskommission gegen die gemeinsamen Gegner. Dieses Bündnis, das sich nicht mehr nach dem Recht, sondern nur nach Parteien richtet, zeigt, wohin die Reise geht. TaS beweist wieoer, wie das Zentrum nach rechts gerückt ift Sie (zum Zentrum) sind eben Regierungspartei geworden und wollen unter allen Umständen mit der Rechten in Negierungsfreundlichkeit konkurrieren. Ich muß aber sagen, dre Hekren auf der Rechten haben immer noch ein stärkeres Rückgrat gehabt. (Unruhe im Ztr.) Man lese bloß die Ziffer 2 des Berichts der WahlprüfungS- kommission: »Hohenlohe hat gegen die lex Heinze gestimmt. Dabei zog Pfarrer Delsor Bilder von nackten Frauenzimmern aus der Lasche, die er vorzeigte: „Ihr lieben Bürger, ein Abgeordneter, der mit schuld ist, daß solche schamlosen, sittenverderbenden Bilder und Schriften unter dem Volke verbreitet werden, der dafür ist, daß Frauenzimmer nur mit einem Strohhut bekleidet sich photographieren lassen, der es ermöglicht, daß in Straßburg auf einem öffentlichen Platz ein Denkmal wie Der Reinhartsbrunnen gestellt wird, kann kein Katholik fein. Ein guter Katbolik darf einem solchen Mann seine Stimme nicht geben" usw. (Hört; hört!) Ich finde, der Pfarrer Delsor müßte geradezu wegen Vergebens gegen den § 184 des Str. G. B. (Verbreitrmg unzüchtiger Bilder) bestraft werden. (Große Heiterkeit.) Ich bin ein Gegner jeglichen Ausnahmegesetzes. Die staatsbürgerlichen Rechte der Geistlichen müssen unter allen Umständen gewahrt Bleiben. Ich Bin gegen jede Beschränkung ihrer Agitation. Ich haBe auch nichts dagegen, wenn die Geistlichen ihre natürlichen Vorzüge zur Geltung Bringen. (Schallende Heiterkeit.) ABer weiter dürfen wir nicht gehen. Der Geistliche darf seine amtliche Stellung nicht zu politischen Zwecken mißbrauchen; er darf den Religionsunterricht der Kinder nicht mit politischen Versammlungen verwechseln. Da hat z. B. dort ein Geistlicher den Kindern gesagt, sie sollten ihren Eltern mitteilen, wenn Hohenlohe gewählt würde, gäbe es Krieg (Heiterkeit), und wenn sie da nicht alle Protestanten würden, würden ihnen die Köpfe abgehauen. (Erneute schallende Heiterkeit.) Ein Religionsunterricht in dieser Art ist ein Skandal, wie er größer gar nicht gedacht werden kann. (Lebh. Zustimmung.) Die Wahlorüfungskommisiion, unter der glorreichen Führung eines Herrn vom Zentrum und eines von der Rechten, findet, obgleich die Einzelbeweise geführt, die Zeugen vernommen sind, all das nicht genügend substantiiert. (Hört, hört!) Das ist nicht mehr Formalismus, das ist eine tendenziöse Rechtsverweigerung. (Große Unruhe.) k Präsident Graf Ballestrem (unterbrechend): Herr Abgeordneter, Sie dürfen einer Kommission des Reichstages oder deren Mitgliedern nicht tendenziöse, wider besseres Wissen gefaßte Beschlüsse vorwerfen. Das entspricht nicht der Ordnung des Hauses. Abg. Dr. Müller-Meiningen (fortfahrend): Ich brauche Sie nur noch auf einen geradezu pyramidalen Satz hinzuweisen, den Sie in dem Bericht der Äonuniffton finden. Da heißt es: „Die Frage der unzulässigen amtlichen Wahlbeemflussung dürfe nicht, wie bisher, grundsätzlich, sondern je nach Lage der einzelnen Verhältnisse beurteilt werden." (Unruhe.) Da hört jedes Recht auf, daS bedeutet einfach den leidenschaftlichen Kampf aller gegen alle. Wir ziehen daraus die Lehre: es ist notwendig, daß eine objektive Behörde geschaffen wird, die über Wahlprüfungen nickt nach Parteien, sondern nach sachlichen Gründen entscheidet. Denken Sie (zum Zentrum) sich doch einmal den Fall, ein Liberaler, der in der Kirche sitzt, während der Geistliche Wahlagitation treibt, würde aufstehen und Protest erheben! ' (Zuruf vom Zentrum: Tie Liberalen sitzen ja nicht drin!) Das ist ja ein geradezu ungeheuerlicher Vorwurf, wenn Sie sagen, daß kein Liberaler in die Kirche ginge. (Ein Zentrumsabgeordneter: Gehen Sie hin? Heiterkeit.) Wenn wirklich kein Liberaler mehr in die Kirche gehen sollte, wer hat sie denn hinausgebracht?! Das hat nur Ihre gewissenlose Agitation getan. Denn der Liberale ist in dec Kirche machtlos, den Pfarrer schützt das Strafgesetzbuch. Und das nennen Sie einen Kampf mit geistigen Waffen?! (Abg. von Vollmar ruft: mit geistlichen Waffen! Große Heiterkeit.) Sie (zum Zentrum) haben eben die Schimpffreiheit in der Kirche. Was würden Sie sagen, wenn idb als Richter bei einer Zeugenvernehmung freisinnige Parteipolitik treiben würde? Und ist denn der Beruf eines Geistlichen weniger heilig als der eines Richters? Nickt bloß aus Gründen der politischen Rechtlichkeit, sondern aus wahrem religiösen Gefühl heraus muß diesen skandalösen Zuständen ein Ende gemacht werden. Heber die prinzipielle Frage der Beeinflusiung von der Kanzel herab muß daS Haus eine Entscheidung treffen. Ich beantrage daher eine Zurückverweisung an die WahlprüsungSkommission, die weitere Beweiserhebung zu veranstalten hat, mit der Direktive, daß zu Gunsten der Wahlfreiheit entschieden wird. (Beifall links.) Abg. von Oertzen (ReichSP.)k Wenn wirklich ein Geistlicher dem Prinzen Hohenlohe solch schmutzige Sachen vorgeworfen hat, so ist das im höchsten Grade zu bedauern; aber deshalb darf man doch nicht die Wahl deS Abg. Wiltberger ansechten. Der Geistliche hat dasselbe Recht, wie jeder Staatsbürger, zu agitieren. (Zuruf links: Aber nicht von der Kanzel!) So machen Sie doch ein Gesetz, das den Geistlichen verbietet, auf der Kanzel ihre persönliche Meinung zu äußern. (Gelächter links.) Tie Entrüstung der Sozialdemokraten über Wahlbeeinflussung ist ganz unangebracht; Sie (zu den Sozialdemokraten) üben ja gerade den schärfsten Terrorismus. Tie Kaufleute und Gewerbetreibenden werden einfach bohkottiert, wenn sie nicht sozialdemokratisch wählen. Und ich will Ihnen noch einen schönen Fall erzählen, wie die Sozialdemokraten Wahlen macken! Bei der Wahl des Abg. Tröscher wurde folgender Plan ausgeheckt: Tie Sozialdemokraten kommandieren 2000 Mann, die für Büsing stimmen; dadurch fällt Tröscher aus, Büsing, kommt mit dem Sozialdemokraten in die Stichwahl, in der er bann unterliegt,'weil die Ritter sich der Stimme enthalten. Abg. Hoffmann-Berlin (Soz.): Und das haben Sie geglaubt? Abg. von Oerhen (Reichsp.): Natürlich ist den Sozialdemokraten es schon znzulrauen, daß sie ihre Leute abkommandieren. Abg. Hoffmann-Berlin (Soz.): Bei uns wird nicht kommandiert! Wir haben keinen Häupt- mann von Köpenick. (Große Heiterkeit.) Präsident Graf Ballestrem: 8ur Debatte steht lediglich die Wahl des Abg. Wiltberger, nicht der Hauptmann von Köpenick. (Heiterkeit.) . y fvalle Wiltberger geschah, die Absolution verweigert wurde, weil der Betreffende nickt für Wiltberger gestimmt hatte? Tie Kommission hat auch diesen Punkt für belanglos erklärt. Sie meinte, es dürften darüber keine Zeugen vernommen werden, weil die Beichte nicht in den Bereich der Erörterung gehöre. Ich sage: vom weltlichen Standpunkt aus gibt cs keine Tinge, die nicht, so weit sie erheblich sind, zur Erörterung gezogen werden dürften. Im übrigen muß man doch auch den Zeugen, der berechtigt ist, ein Zeugnis zu verweigern, zunächst befragen, ob er von diesem Recht Gebrauch machen w'll. Auch das ist im vorliegenden Fall nicht geschehen. Sogar in öffentlicher Predigt sind Pfarrer für Wiltberger eingetreten. Auch das hält die Kommission für u.,erheblich, denn es fei nicht festgestellt, „in welcher Art dieses Eintreten erfolgt sei", lLacken.) Da hätte man doch die Zeugen abhörcn müssen. Endlich hat die Kommission sogar an der Freihaltung mit „Wahlbicr" keinen Anstoß genommen. Tas ist ein sehr bedenklicher Grundsatz. Wenn der verallgemeinert wird, bann können Sic bei den nächsten Wahlen WaS erleben. (Sehr gut! links.) Tann wird schließlich keine Wahlurne mehr ganz bleiben, falls nicht extra zu ihrem Schutz Gendarmerie aufgeboten wird. (Zustimmung und Heiterkeit links.) In der Kommission saßen doch lauter kluge Männer, und wenn sie irgend welche logischen Argumente für die Gültigkeit der Wahl hätten beibringen können, bann hätten sie es sicher getan. Aber sie haben kein einziges Argument gefunden, das mich nur die geringste Prüfung bestehen kann. Die Kommission hat also unter bedauerlicher Abweichung von allen bewährten Grundsätzen in diesem Falle alle Grundsätze aufgegeben. Und wenn das so fortgeht, bann werben wir vielleicht noch dahin kommen, baß schließlich bie Ausübung des Religionsdienstes überhaupt fast ganz den Charakter der Wahlagitation annimmt. .(Lebhafter Beifall links; große Unruhe im Zentr.) Abg. Gröber (Ztr.)L Der Abg. Müller-Meiningen berief sich auf § 184, er ist also der reaktionären Ansicht, daß ein nacktes Bild unzüchtig sei. (Heiterkeit.) Wenn er glaubt, mit dieser Ansicht uns imponieren zu können, bann kommt er bei uns schlecht an. (Heiterkeit.) Wir teilen nämlich diese Ansicht gar nicht. Ob etwas Nacktes unzüchtig ist, oder nicht, das ist eine besondere Frage. Auch § 184a trifft nicht zu, denn er bezieht sich auf Personen unter 16 Jahren, hier aber haben wir es mit Wählern zu tun, die doch über 16 Jahre alt sind. (Heiterkeit.) Der Vorsitzende einer Darlebnskasie soll Wahlbeeinflussungen begangen haben. Ja, das ist doch kein Staatsbeamter, auch kein Geistlicher. Die Zeugen haben ausgesagt, daß es eine Lüge ist, wenn ihnen amtliche Wahlbeeinflusiungen zur Last gelegt werden. Auch von strafbaren Handlungen kann keine Rede fein; ober ist es etwa strafbar, wenn man jemandem mit der Kündigung eines Darlehns droht? Der Abg. Müller- Meiuingen sagt, der Geistliche hätte von der Kanzel herab Wehrlose beschimpft. Weiß er als Richter nicht, daß das Reichsgericht schon 1890 entschieden Hai, daß in solchem Falle Notwehr gestattet ist? Tie Angriffe auf bie Wahlprüfungskommission sind unberechtigt. Wir urteilen nach bestem Willen und Gewisien. Allerdings sind wir alle nur Menschen, Fehler können überall Vorkommen, selbst dann, wenn das Haus aus laufet Sozialdemokraten bestände. Bestimmte Gesetzesvorschristen darüber, unter welchen Bedingungen eine Wahl zu kassieren ist, bestehen nicht. Nack der Praxis des Hauses muß nicht nur ein Verstoß vorliegen, sondern es muß auch bewiesen werden, daß durch den Verstoß das Gesamtergebnis beeinflußt ist. Wer im Geistlichen einen Staatsdiener erblickt, wird die Agitation durch Geistliche natürlich anders beurteilen, als wir, die wir in ihm nur einen Diener der Kirche sehen. (Ruf Unkst Auf Staatskosten!) Ach nein, der Kirche ist ihr Vermögen vom Staate genommen; was der Staat jetzt bezahlt, sind noch nicht einmal die Zinsen des Vermögens. (Sehr gut! im Zentrum, Lachen links.) Uebrigens geht das Argument, daß kein Staatsbeamter agitieren darf, viel zu weit. Sämtliche Staatsbeamte leben auf Kosten des Staates, auch Herr Müller-Meiningen. (Heiterkeit im Zentrum.) Wollen Sie daraus den Schluß ziehen, daß Herr Müller-Meiningen nicht berechtigt fein soll, Wahlagitation zu treiben? (Große Heiterkeit im Zentrum, Lachen links.) Wenn gesagt wird, es ist von der Kanzel herab agitiert, so muß man unterscheiden, was ist rechtlich zuläsiig und was ist nicht zu billigen? Selbst ein so auS* gesprochen liberaler Mann wie der Abg. Lasker hat diesen Standpunkt vertreten. Wenn ein Geistlicher auf der Kanzel parteipolitische Erörterungen pflegt, so mißbilligen alle meine Freunde das aufrichtig. (3u]timinung im Zentrum, Widerspruch links.) Jawohl, ich mißbillige das aus politischen und aus religiösen Gründen. Meist wird dadurch das Gegenteil erreicht. Der Geistliche, der politische Agitation treiben will, bat dazu andere Möglichkeiten, er kommt schon zu seinem Ziel. Herr Müller-Meiningen wird auch, wenn er politische Agitation betreiben will, nickt als Schwurgerichtspräsident eine politische Ansprache an die Geschworenen halten, sondern andere Mittel wählen. Ich mache es auch so, Herr Kollege. Aber den Geistlichen überhaupt die Agitation zu verbieten, das geht nickt. Gleiches Reckt auch für die Geistlichen! In Hagen ist der Geistliche für den freisinnigen Herrn Cuno ein# getreten. (Widerspruch bei den Freisinnigen.) Jawohl, der Vorsitzende des freisinnigen Wahlkomitees hat dem Geistlichen sogar für seine Hilfe gedankt. Also, meine Herren, nur nicht so stolz! Wenn es zu Ihren Gunsten ist, dann alle in Unsere Arme! (Große Heiterkeit.) Abg. Boltz (nl) bemerkt, daß die liberalen Parteien in der Kommisiion dem Bemühen des Zentrums, einen Unterschied zwischen Geistlichen und Beamten hinncktlick der Wablbeeinftusiungen zu konstruieren, entschieden entgegengetreten seien, und daß sie dies aufs schärfste verurteilt hätten. Wenn trotzdem einzelne liberale Stimmen für die Gültigkeit der Wahl gewesen seien, so liege das daran, daß diesen Wahlbeeinflusiungen wegen der jetzigen durch die Wahlcouverts verstärkten Sicherung des Wahlgeheimnisses nicht mehr die ftühere Wirkung beigemessen wurde. Abg. Dr. Müller-Sagan (freis. Vp.) hält eS für festgestellt, daß der Geistliche sein Amt zu politisch.". Zwecken mißbraucht hat. Er beantragt namentliche Ab- stimm un g über den Antrag auf Zurückweisung an bie Kommission. Tie Abstimmung könne ja morgen stattfinden. Präsident Graf Dallestrem erklärt, dem stehe nicht? im Wege, zumal gestern abend noch für eine namentliche Abstimmung über die Wahl des Abg. Kcrn^agitiert wurde. Abg. Fi sch er»Berlin (Soz.) In allen Fragen der Wahl° Prüfungskommission entscheidet seht nur die politische Macht. Der Redner hält dem jetzigen Beschluß eine Reihe von anderen Beschlüssen entgegen, durch die die Wahlen von Sozialdeinokraten und Freisinnigen kassiert wurden. Abg. M ü l l e r-Meiningen (srs. Vg.). Der Abg. Grober ist nur aus nebensächliche Punkte eingegangen, die Hauptsache hat er unberührt gelassen. Sie zeigen sich bald von der politischen, bald von der religiösen Seite. Zwischen der Theorie und der Praxis ist bei Ihnen ein großer Unterschied. Ties gilt auch von der Toleranz, die Sie hier bekunden und der Art, wie Sie sie draußen im Lande üben. (Beifall links.) Abg. Schickert (kons.) Ob es richtig ist, die Kanzel und Len Beichtstuhl zur Agitation zu benutzen, darüber zu entscheiden sind wir nicht berufen. (Lebhafte Ohorn se links.) Tie Entscheidung steht den Kirchenbehörden zii. Ich bitte, dem Kommissionsantrage zuzustimmeii. (Beifall rechts.) Abg. v. O ertzen lRp.) verteidigt nochmals den Kommissions- antraq gegen die Angriffe von der Itnfcn Seite des Hauses. Abg. Fehrenbach (Ztr.) kommt rmf den Meineidsprozeß ©(liiert, der anläßlich der Wahlbeeinflussung anhängig gemacht wurde, zu sprechen und betont, die von Müller-Meinrngen vorgebrachten Einzelheiten seien keineswegs neue Sachen. Diese unliebsamen Erinnerungen aus dem Kulturkämpfe sollte man lieber bei Seite lassen. Er könne konstatieren, daß wir uns weder vom Papst noch vom Bischof in politischen Sachen aiitoritativ beem- flussen lassen. Wir haben den Mut und sind stolz darauf, in dieser Richtung unsere eigene Autorität gelten zu lassen. (Unruhe links. Beifall int Zentrum.) Abg. Müller-S agan (Freis. Vpt.) polemisiert gegen Schickert. Abg. Fischer -Berlin (Soz.) tritt den Ausführungen Fehren- bachs entgegen. Abg. B e ck -Heidelberg (Natl.) führt aus: Wenn die Vorkommnisse bei der Wahl Wiltbergers zum Einschreiten keinen Anlaß bieten, kann es dem Zentrum doch nur willkommen sein, wenn Erhebungen vorgenommen werden. Wir stimmen für den Antrag Müller-Meiningen. Damit wird die Debatte geschloffen. In namentlicher Abstimmung wird die Wahl Wiltbergers mit 157 gegen 142 Stimmen für giltig erklärt. Debattelos wird sodann über die Wahl von Maffow Beweiserhebung beschloßen. Nächste Sitzung morgen; Fortsetzung der heutigen Tagesordnung und Petitioiien. Tagesscha«. Redner und Schweiger im Reichstag. R. Berlin, 16. Nov. Das „Sprechregister" ist jetzt "im Reichstag verteilt worden, d. h. die Zusammenstellung aller Wortmeldungen aus der letzten Session. Ein interessantes Aktenstück, ein lehrreicher Beitrag zur parlamentarischen Charakteristik. Bestätigt wird Harin zunächst die allgemein bekannte Tatsache, daß das jüngste Mitglied des Reichstags zugleich das redseligste ist. In nicht weniger als sieben Spalten sind die Wortmeldungen des 2lbg. Erzberger, des unverzagten Schwaben, angemerkt. Ihm am nächsten kommt ein Mitglied der Regierung, der Staatssekretär Graf Po s a- d o w s k y, mit fünf Spalten. Das erklärt sich aus der Verpflichtung des Staatssekretärs, die bei der langwierigen Beratung seines Etats an ihn gerichteten zahlreichen Anfragen zu beantworten. Dem Zentrum gehört aber nicht nur der redefroheste, sondern auch der verschwiegenste Abgeordnete. An der Hand des „Sprechregisters" lassen sich die Freunde unverbrüchlichen Schweigens allerdings nicht klassifizieren", und ein „Schweigerregifler" gibt es noch nicht im Reichstag. Ein schlesisches Blatt stellt indessen auf Grund sorgfältiger Ermittlungen fest, daß der hartnäckigste Schweiger im Parlament der Zentrumsmann Lehlm eir aus Bayern ist, seines Zeichens Hofphotograph, Uhrmacher und Bürgermeister im bayerischen Städtchen Trostberg. Er sitzt im Reichstag seit 1890, hat aber in diesen 16 Jahren auch nicht ein einzigesmal das Wort ergriffen, obwohl der — nach seiner eigenen Angabe im Reichstagshandbuch — bis nach Afrika und Asien gereiste Mann zweifellos über reiche Lebenserfahrungen verfügt. Born bayerischen F-lügel des Zentrums treten überhaupt nur einige Herren rednerisch hervor. Auch bei den Konservativen legt sich ein beträchtlicher Teil in dieser Beziehung strenge Reserve auf. Jetzt, nach Einführung der Diäien, sieht man aber diese „Fanatiker des Schweigens" wenigstens an der Stätte der Gesetzgebung. „Die unmöglichsten Gesichter tauchen auf", spottete dieser Tage ein führender Parlamentarier im dichtbesetzten Lesesaal. Die Mitglieder der Linken leisten bekanntlich von jeher rednerisch mehr, als die der Rechten. Das gilt auch von der Länge der Reden. Das Vermögen, kurz zu sagen, was ein Volksvertreter-Herz bedrückt, ist auf der äußersten Linken am geringsten entwickelt. Und das will etwas heißen, wenn man berücksichtigt, daß nach Ausweis des Sprechregisters fast sämtliche Mitglieder der sozialdemokrat. Fraktion das Wort ergriffen haben. Auch die Herren von Äer Freis. Vereinigung pflegen aufs eifrigste die Kunst des Debattierens. Die Wortführer der beiden Volksparteien konzentrieren sich mehr. Als ein Meister der Rhetorik ist hier Abg. v. Payer (südd. Volksp.) zu nennen, der sich leider nur selten im Reichsparlament hören läßt. Durchweg gute, wenn auch zumeist etwas weitschweifige Redner besitzen dre Fraktionen der Wirtschaft!. Vereinigung und der Polen. Auch die Welfen und Elsässer haben redegewandte Männer in ihren Reihen. Schweiger muß es im Parlament geben. Wenn sämtliche Erwählte des Volkes reden wollten, dann wäre kein Ende der Session abzusehen, auch wenn Redehelden wie Erzberger in sich gingen und den Platz an der Sonne der Redner- bühne seltener und weniger lange für sich beanspruchten. Aus Stadt und Land. Sprechstunden der RedalLion 11 —1 v'V,: .>,u ... • .7—i/28 Uhr abds. Gießen, 17. Nov. 1906. ** Landes-Universität. Auf Grund der Habilitationsschrift „Die Trants-Beiträge zur Geschichte der Nürnberger Malerei* und einer Probevorlesung über „Albrecht Dürer und Mathias Grünewald^ wurde, wie schon kurz berichtet wurde, Dr. phil. Christian Nauch die venia legendi für neuere Kunstgeschichte in der Gießener philosophischen Fakultät erteilt. Dr. Nauch (geb. 1877 zu Berlin) studierte Architektur und Kunstgeschichte in Berlin und Karlsruhe bei Karl Schäfer und Max Länger und wurde Meisterschüler der Akademie der bildenden Künste in Berlin im Atelier Hermann Endes. Gleichzeitig studierte er an der Friedrich Wilhelms- Universität und promovierte in Kiel am 31. Januar 1903 mit der Arbeit „Die Kirche zu Segeberg", in der nach- gewiesen wird, daß diese die älteste Vacksteinkirche Norddeutschlands ist. Nach einjähriger Studienreise wurde er Assistent am Kunstgewerbe- und Aliertumsmuseum zu Dresden und war dann als Assistent und Inventarisator für die Denk- mälersiatisiik im Regierungsbezirk Kassel tätig. Seine Spezialgebiete sind: Deutsche Architektengeschichte, Geschichte der deutschen Malerei des 15. und 16. Jahrhunderts und deutsche Plastik. ** Unbestellbare Postsendungen. Bei der Oberpostdirektion in Darmstadt lagern folgende Sendungen, deren Absender vielleicht zu unseren Lesern zählen, als unbestellbar: Postanweisuug über 3 M. vom 20. 9. 05 aus Schotten nach Frankfurt (Main). Empfänger unbekannt. Einschreibbrief vom 2.9.05 ausFricdberg (Hessen) an Noutorister Andreas Grigor- jeff in Station Anjda Charbin. Die zur Empfangnahme der Gegenstände Berechtigten müssen sich binnen 4 Wochen bei der Ober-Postdircktion melden, widrigenfalls die Postanweisungsbeträge und die in den Sendungen enthaltenen oder durch Versteigerung des Inhalts erlösten Geldbeträge der Post-Unterstützungskasse überwiesen, die Briefe aber vernichtet werden. ** Gießener Konzertverein. Man schreibt uns: Am 17. September 1906 waren zehn Iak> re verstrichen, seit der Großh. Universitätsnmsikdirektor Gustav Traulmann die Leitung der Konzerte und Proben sowohl des akademischen Gesangvereins Gießen als auch des Gießener Konzertvereins übernahm. So ist die Feier des bevorstehenden Brahms-Chor-Abends zugleich eine Feier der zehnjährigen Tätigkeit unseres ausgezeichneten Dirigenten. Und in der Tat könnte kaum mit den Werken eines anderen Komponisten dieser Tag würdig begangen werden, wie mit den Werken 9)ieifter Brahms. Wir haben in Herrn Musikdirektor Trantmann gerade für Brahms' Werke einen besonders ausgezeichneten Dirigenten. Wie nahe sie ihm stehen, da? zeigt die Tatsache, daß er uns wiederholt Brahm's Werke gebracht hat, insbesondere auch, daß das erste Chorkonzert unter seiner Leitung tm Frühjahre 1897 ebenfalls em Brahmsabend war (Requiem und Frcmenchöre mit Horn). Der bevorstehende bringt die intimsten Werke des Meisters, wahre Wunderwerke für gemischten Chor (Raenie, Parzenlied, Schicksalslied) und dazu eine Anzahl seiner herrlichsten Lieder. Kein Frcmid und Verehrer des Meisters, kein Bewunderer unseres trefflichen Dirigenten darf an diesem, seinem Ehrenabende fehlen. Den weitesten Kreisen aber ist eine seltene Gelegenheit geboren, die herrlichsten Perlen der neueren Chorkomposition kennen zu lernen. ** Der große Woog, der kleine Woog. Wir lesen in der „K. Zig.": Der Landgraf Ludwig von Hessen- Pirmasens, ein großer Freund des Militärs, der nicht nur einen regen Sammeleifer für Uniformen und Waffen betätigt, sondern auch eine Sammlung von Armeemärschen angelegt hat, hat für da8 Regiment 116 einen Präsentier- marsch für Trommeln und Pfeifen komponiert, der noch beute gespielt wird. Dieser flotten Musik legen aber die Mannschaften den Text unter: „Der große Woog, der kleine Woog — es lebe unser Großherzog!" Diesen Text kennt offenbar der Kaiser, und so muß man zu den Worten seines Telegramms die Melodie des Präsentiermarsches hinzndenken. — Soweit die „Köln. Ztg." Der hier gemeinte Landgraf, der Ahne unseres Großherzogs, starb bereits 1790, unser 116. Regiment aber wurde erst 1813 gebildet. Freilich stammt die Geschichte des Stammtruppenieils des 2. Bataillons ans dem Jahre 1741, die des 1. Bataillons aus dem Todesjahre Ludwigs 1790, aber doch erst aus der Zeit nach seinem Tode. Inwieweit also diese Angaben richtig sind, entzieht sich unserer Kenntnis. •* Darmstadt w ird Großstadt! Unsere Residenzstadt eilt bekanntlich mit schnellen Schritten dem Ziele zu, die Zahl von hunderttausend Einwohnern zu erreichen und damit in die Reihe der Großstädte einzutreten. Ein äußeres Zeichen dafür ist auch das sich zusehends steigernde Nachtleben, das erst vor wenig Monaten durch die Einführung des Nachttelephons dokumentiert wurde. Nicht minder beweiskräftig dafür ist auch das schnelle Entstehen neuer eleganter Cafös, die hauptsächlich in den späteren Abend- und Nachtstunden ihr Publikum finden. Nachdem lange Jahre hindurch das CafL Bauer in der Rheinstraße allein dastand (neben einer Anzahl anderer in der Stadt verteilter natürlich) kam vor etwas mehr als Jahresfrist das elegante Cafe Ernst Ludwig auf dem Terrain des alten Darmstädter Hofes hinzu. 9(m 1. Okt. eröffnete die Hofkonditorei Eichberg neben Cafä Bauer ebenfalls ein neues Lokal und jetzt wird Mitte Dezember in dem Bingel'schen HauS in der oberen Nheinstraße noch ein viertes Cafö eröffnet werden, das den Namen „Schloß-Cafe^ führt, von dem seitherigen Inhaber des Residenz-Cafes eingerichtet wird und alle anderen an Eleganz und Vornehmheit weit übertreffen soll. § Wieseck, 16. Nov. Die Versammlung beS Bürger Vereins, die für Samstag abend vorgesehen war, ist aus Sonntag nachmittag verlegt worden. Da sehr wichtige Gemeinde-Angelegenheiten, wie die Wafferleitung, Schulbau-Angelegenheiten, die Straßenverhältnisse und die Straßenbeleuchtung zur Verhandlung kommen werden, wird auf einen zahlreichen Besuch der Versammlung gerechnet. O Lützellinden, 16. Nov. Wie wir bereits vor einem halben Jahr kurz berichteten, bestand die Absicht, die im Kreise Wetzlar existierenden Jünglingsvereine zu einer Kreisoerbindung zusammenzuschmelzen. Diese Organisation ist nun durchgeführt. Präses ist Pfarrer Koch von hier; die im Kreise bestehenden, nicht satzlingSgemäß eingetragenen Vereine sind zu rechtmäßigen Jünglingsvereinen erhoben und dem Kreisverein zugeteilt worden. Dieser schließt sich dem Westdeutschen Jünglingsbund an. An dessen Spitze steht Pastor Sturmann-Elberfeld, früher Berlin. Es wird beabsichtigt, im kommenden Jahr ein Kreis-JünglingSfest zu feiern. x Laubach, 14. Nov. Laut Vermächtnis beS verstorbenen Altbürgermeisters Ritter würben ben hiesigen Schulen 300 Mark ausbezahlt, wovon 200 Mark dem Gymnasium Friedericianum zu Anschaffungen für ben physikalischen und naturwissenschaftlichen Unterricht, 100 Mark der Stadtschule für den gleichen Zweck zufielen. Dem Johann Friedrichstift wurden 100 Mark zuteil. + Nidda, 15. Nov. Heute feierten die Eheleute Ludwig Stein I. und seine Ehefrau Katharina Margarethe geb. Kaiser das Fest der goldenen Hochzeit. Die Eheleute sind 77, resp. 76 Jahre alt und noch rüstig. Stein war lange Jahre Schäfer. Von S. K. H. dem Großherzog erhielt daS Jubelpaar ein Geschenk von 25 Mark; auch von anderen wurden sie mannigfach bedacht. — Gegenwärtig wird ein im Garten des Amtsgerichts sich befindlicher Weiher trocken gelegt; da das Wasser aus einer Quelle sich sammelt, wird eine Nöhrenleitung gelegt, die in die städtischen Kanäle mündet. — Das neue Schul hauS ist diese Woche von der betreffenden Klaffe bezogen worben. a. Lauterbach, 16. Nov. Die Errichtung einer Eisenbahn-Betriebsinspektion vom 1. Oki. 1907 ab ist nun enbgiltige Tatsache. Es fanden dieserhalb am 14. d. Mts. Verhandlungen zwischen Vertretern der Eisenbahn- Verwaltung und hiesiger Stadt statt. Die Stadt übernimmt, wie man hört, die Erbauung der erforderlich werdenden Beamtenwohnungen usw., die sobald als möglich in Angriff genommen werden. x Stumpertenrod, 15. Nov. Gestern sand hier die Einweihung unseres neu herg estellten Gotteshauses statt. Zugleich feierte man das 200 jährige Jubiläum des Hauses. Das Dorf hatte zur Feier des Tages Festschmuck angelegt. Fast sämtliche Häuser hatten geflaggt. Um 9x/2 Uhr morgens bewegte sich ein stattlicher Festzug durch das Dorf, voran der Posaunenchor Stockhausen, ihm folgten der Kirchenchor, die Ehrengäste, — darunter Kreisamtmann Dr. Haberkorn-Schotten und Dekan Sauerwein-Alsfeld, t- die Schüler, der Kriegerverein und Einwohner von St. nebst auswärtigen Gästen. Unter Absingen des Liedes „Tut mir auf die schöne Pforte.- zog man in das traute Kirchlein ein. Es erfreute durch seine Schlichtheit. Besonders gefielen allen die altehrwürdigen erneuerten Gemälde der Apostel und Evangelisten. Altar und Kanzel hatten neue Decken erhalten. Nachdem Dekan Sauerwein die Begrüßungs- und Weiherede gehalten, ergriff Pfarrer Seriba, der jeweilige Seelsorger der Gemeinde, das Wort zur Festpredigt. Er gedachte der Erbauung der Kirche. Diese fällt in die Zeit von 1696—1712. Wahrscheinlich war die vorherige Kirche im 30 jährigen Krieg zerstört worden. Bis nach Holland zog man damals, um Gaben zu sammeln. Schon verschiedene Male renoviert, hat das Gebäude bis heute seinem Zweck treulich gedient und wird hoffentlich noch einmal 200 Jahre lang für die Gemeinde ein lieber Ort bleiben. Zur Verschönerung der Feier trug wesentlich der erst vor kurzem gebildete Kirchenchor bei. Unter Leitung seines Dirigenten, des Lehrer List zeigte er sich feiner Aufgabe vollständig gewachsen. Um 1 Vr Uhr fand ein zweiter Gottesdienst statt. Kirchenrat Weber-Londorf gedachte der Zeiten, die ihn in diesem Haus gesehen haben. Die beiden Gottesdienste waren so besucht, daß die Kirche die Menge kaum fassen konnte. Auch die Nachversammlung, die 3’/, Uhr im Saale des Gastwirts Wilh. Fuchs stattfand, war sehr gut besucht. Pfarrer Seriba verlas die Glückwünsche verschiedener ehemaliger Pfarrer der Gemeinde. Schüler trugen einen Festprolog vor, der Geschichte und Bestimmung des Gotteshauses als Inhalt hatte. Der Verfasser, Herr Pfarrer Seriba, zeigt darin, daß er die zur Leitung eines solchen volkstümlichen Festes nötige poetische Ader hat. Frankfurt, 16. Nov. Das Grab von „Frau Rat" auf dem PeterSkirchhofe soll, wie es in einer Vorlage beS Magistrats an die Stadtverordneten heißt, in „würdiger, der Pietät entsprechenden Weise" hergerichtet werden. Um daS Grab will man einen Säulenhof bauen, in dem aus den von privater Seite gesammelten Mitteln ein Denkmal von Goethes Mutter errichtet werben kann. X. Hanau, 15. Nov. Die Stadtverordnetenversammlung nahm in der heutigen nichtöffentlichen Sitzung den Vertrag bezüglich der Eingemeindung des Nachbarortes Kesselstadt an. Kesselstabt ist eine Ortschaft mit 2200 Einwohnern. Die Eingemeindung soll am 1. April 1907 vollzogen werden. AUSM svs den SkvLkSkmtsrrylsterv der Stsdt Sleßkll. Aufgebote. November. 8. Ernst Nöhrsheim, Pflasterer in Krofdorf, mit Elisabeths Hosmann dahier. 10. Johannes Fleischhauer, Schutzmann in Friedberg, mit Dorothea Ochs dahier. 12. August Aßmann, Fuhrmann dahier, mit Wilhelmine Bender Hierselbst. 12. Maximilian Pohl, Eisengießer dahier, mit Johanna Müller hierselbst. 13. Heinrich Göbel, Schlosser dahier, mit Mathilde Rühl hierlelbst. 14. Peter Gaub, Gastwirt dahier, mit Anna Ohleu- schläger Hierselbst. 14. Julius Franz Moritz, Taglöhner in Trohe, nut Marie Wißner dahier. 14. Lamverttis Hüber, Heilgehilfe dahier, mit Anna Marie Sommerlad in Beuern. 16. Georg Christian Schütz, Betriebsbeamter dahier, mit Adele Christine Johanna Hammig, geb. Hublitz, Hierselbst. 16. Hermann Hetzger, Taglöhner dahier, mit Katharine Lcismann hierselbst. Eheschließungen. November. 10. Christian Krug. Kutscher dahier, mit Margarete Ebert hierselbst. 10. Karl Waffenschmidt, Tapezier dahier, mit Auguste, gen. Luise Frank hierselbst. 10. Adam Steinbach, Gold- arbeiter in Bieber, mit Elisabeths Muller dahier. 15. Wilhelm Rensch, Lokomotivheizer dahier, mit Auguste Merkel hierselbst. 15. Hermann Wiederholt, Kaufmann in Budapest, mit Mathilde Müller dahier. 15. Heinrich Weidenhaus, Friseur dahier, mit Theodore Flick hierselbst. Geborene. November. 6. Dem Uitternehmer Konrad Rübsamen eine Tochter, Auguste Johanuette. 11. Dem Dentisten Oskar Graes eine Tochter, Marie Elisabeth Franziska. Gestorbene. November. 10. Benjamin Atzbach, 81 Jahre, Rentner, Korn- blumengaffe 6. 10. Elfriede Anna Katharine Erdmann, 1 Monat, Seltersweg 62. 11. Juliane Jahres, geb. Einhauser, 76 Jahre, Kaplansgasse 13. 12. Emilie Kretzschmar, geb. Balz, 43 Jahre, Marktplatz 22. 12. Elisabeths Matzing, geb. Rotenberger, 84 Jahre, Crednerstraße 38. 12. Philipp Kliffmüller 73 Jahre, Schuhmacher, 73 Jahre, Große Mühlgaffe 15. Soeben erschienen! [ss*/v ist der Katalog der bekannten Firma Gebr. Stark, Pforzheim mit den modernsten Winterneuheiten in Juwelen, Gold- u. Silberwaren. 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