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Lang«, Redaktion, Expedition ».Druckerei: Scbnlstr.U. Id. Nr. 5L Idegr^Adr.: Anzeiger Lietzen. Erscheint E-Nch mit Ausnahme d«L Sonntags. Die „Gießener AamlNenblStter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der E^eiftschr Landwirt*' erscheint monatlich einmal. General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Bekanntmachung. Betr.: DaS Ober-Ersatzgeschäft für 1906. Das Ober-Ersatzgeschäft zu Lich wird am 9. und 10. Juli d. Js. erst um 9.30 Uhr vormittags beginnen. Gießen, den 21. Juni 1906. Der Zivilvorsitzende der Ersatz-Kommission des KreiseS Gießen. Dr. Merck. Wcudeutsche Wirtschaftspolitik, Mit einem großen neuen Werke tritt der bekannte frühere Pfarrer D. Friedr. Naumann vor die Oeffcntlichkeit. Es ist seine „Neudeutsche Wirtschaftspolitik" (Buchoerlag der „Hilfe"- Berlin-Schöneberg, Preis drosch. 4 Mk.), ein umfangreiches Buch, daS in fünf größeren Abschnitten die Gedanken des vortrefflichen, edlen Menschen und Schöpfer? der nationalsozialen Geistesrichtung über die Entwickcltmgstendenzen im neudeutschen Wirtschaftsleben enthält. DaS Buch ist mehr ein persönliches Bekenntnis zu einer Wirtschaftsauffaffung als wissenschaftliche Doktrin und, wie alle Werke Naumanns, überaus feffelnd und interessant. Es wird auf die Heranwachsende Generation zweifellos nicht geringe Wirkung auS- üben, und gibt sich für die Meinung und Ziel Suchenden als ein Wegweiser aus dem nationalökonomischen Labyrinth, als welches sich die deutsche Volkswirtschaft in ihrer jetzigen Verfassung manchem leicht darstellt. Die folgende Betrachtung soll keine eingehende Kritik über daS Naumannsche Werk sein. Eine wissenschaftliche Erörterung würde die Voraussetzungen der Naumannschen Darlegung zu prüfen und etwaige Inkonsequenzen innerhalb s-ines EedankeugangeS nachzuweisen haben. Davon ist im folgenden abgesehen. Denn der heutigen Zeit tut mehr als zuvor eine positive Wirtschaftsanschauung not, ein nationalökonomischer Zukunftsglauben, der sich nicht in utopistische Gedankenpfade verirrt, sondern der die auf der Gegenwart sich aufbauende Entwickelungswahrscheinlichkeit unentwegt im Auge behält. Und darum sei an dem Werk nicht kleinlich gekritelt. Naumann ist in seinem neuen Werke durchaus und mit intensivster Entschiedenheit Kapitalist. Er durchleuchtet daS Wesen des kapitalistischen Wirtschaftssystems, indem er fest auf dem kapitalistischen Boden steht. Nach Naumann kann die Lösung deS Arbeiterproblems nicht auf dem Marxistischen Wege erfolgen, da tfber Gedanke, dem einzelnen Arbeiter den vollen Arbeitsertrag seiner Arbeit zu gewähren, em ganz unvollziehbarer Gedanke ist." Er motiviert dies damit, daß ,im kapitalistischen Arbeitsvorgang die einzelne Arbeit für sich allein gar keinen erkennbaren und bestimmbaren Wert hat*. Seine Ausführungen hierüber lauten wie folgt: „Es ist Phantasie zu sagen, daß der einzelne Arbeiter als Einzelner weniger Lohn erhält, als er verdient. Wenn er ein Einzelner für sich wäre, würde er noch viel weniger verdienen. Eben deshalb ordnet-er sich dem kapitalistischen Arbeitsvorgänge an, weil er als Einzelner noch schlechter leben ioürbe. Wir sagen nicht, daß er jetzt gut lebt, aber wir sagen, daß er sonst noch schlechter leben würde. Es ist also falsch, ivenn man die Lohnzahlung nach Marktwert des Lohnes als eine Art moralischen Unrechts hinstellt, als einen Riesenbetmg des Kapitalismus am arbeitenden Volle. Tie Forderung des vollen Arbeitsertrages ist ein logisch nicht haltbarer AiiSdruck für den einfachen und sehr berechtigten kaufmännischen Wunsch des Arbeiters, seine Leistung so teuer wie möglich zu verkaufen. Dantit fällt die Marxisnsche Begriffsbestimmung des Mehrwerts als der Tifferenz von Lohn und vollem Ertrag der persöiilichen Arbeit. ES bleibt aber doch elivas übrig, was Mehrwert zu heißen verdient, und was als Ursache der stetigen Kapltaloermehrung anzusehen ist." Ycus --Lyrik. Zu lyrischem Genüsse bedarf eS wahrer Feierstunden. Am empfänglichsten für gute Gaben auS dem reichen Geheimschatze unserer detitschcn Lyrik sind »vir wohl ziuneist in freier Natltr an linden Abenden. Dann ist uns oft ein zartes Gedicht der Erlöser eigener tiefster, verborgener, uns selber unbewußt gebliebener Empfindungen. Der erhabene Friede in der Natur, die Einsamkeit im stillen grünen Winkel, stimmt uns empfindsam, meid) und andächtig, reinigt unsere Seele von alltäglicher Nüchternheit und von dem niedrigen widrigen Staube der Wirklichkeit, feint unsere Sinne und läßt uns in manchem schlichten und unscheinbaren Bändchen Schönheiten besonderer Art entdecken, die wir im grellen Scheine des Tagslichtes gar leicht übersetzen. An einem köstlichen Spätfrühlingsabend in einer matt erleuchteten, von letzten blühenden Syringenzwcigen um» dufteten Laube, neben der sich ein efeuumsponnener, halb verfallener Turtn aus deutscher Ordensritterzeit trutzig und finster emporreckte, während drunten im Tale die Fluten des Neckar leise oorüberranschten, fiel mir ein solches unscheinbares Büchlein m die Hände, das mir eines an Gemütsticfe reichen und trotz erschütternder Lebensschläge zu harmonisch geläuterter Weltfrcude durchgedrungcnen echten Dichters warme Grüße sandte. Dieses im äußeren sich höchst simpel gebende schmale Bändchen trägt die Aufsck)rift »Albert Kohl, Gedichte" und ist erschienen im Verlag für Literatur, Kunst und Musik in Leipzig. Gewiß ist cs nur eine kleine, sehr vorsichtig getroffene Auswahl unter der Zahl der Gedichte KohlL. Darum ist zunächst seine weise Selbstkritik und Selbst- bescheidung zu rühmen. Mit den Zeilen aber, die die etwa 90 Seiten seines Büchleins tragen, hat er uns vielfältiger beschenkt als mancher Roman- ober Tragüdiendichter. Und säst aus jeder Seite flackern Flämmchen und Flammen auf, die uns erwärmen, und einige sind eS, die uns erleuchten. Die wohltuendste Wärme entquillt seinen der Heimat gewidmeten Gedichten (z. B. dem friedvoll andächtigen »In der Heimat" S. 24, ober dem frischen antiphiliströsen ^Daheim" S. 61). Für sein untrübliches Eheglück und zugleich für den Dieser neue, nicht marxistische, sondern Naumannsche Mehrwert kommt nach Naumann auf folgende Weise zustande : ,TaS, waS Marx Mehrwert nennt, ist in unseren Augen ein Spannungsverhältnis zwischen dem Arbeiter als Lohnempfänger und als Warenkäufer, oder anders ausgesprochen: der Arbeiter steht zwischen zwei Preisbllbungssystemen, bem System der Arbeitspreise und dem der Warenpreise und beiden Systemen gegenüber ist er relativ schwach, man kann sagen: zu schwach. Er muß seine Arbeit billig vertäuten und muß die Ware teuer kaufen. Er kann im Kampf um den Lohn seinen Willen nur wenig zur Geltung bringen, da seine Zahl Legion ist, und da die Festsetzung unter Rechtssormen erfolgt, die er nicht gemacht bat, und er kann im Einkauf der Ware feine besonderen Bedingungen stellen, da und solange er als verstreuter Einzelner kaust. Tie Tatsche bet doppelten Schwäche des Arbeiters erhöht den kapitalistischen Gewinn. Ter kapitalistische Gewinn besteht in der Tifferenz des Herstellungspreises und des Verkaufspreises der Waren." Naumann verwirft also den Gedanken, daß eine „absolute Lohnhöhe* vorhanden sei, auf deren Annahme die Marxistische Krisenlehre basierte. Er statuiert an ihrer Stelle die Tatsache der Spannungtziveite zwischen Lohnhöhe und Warenpreis. ,(S§ ist möglich," so führt er auS, „daß beide steigen, und daß doch die Spannungsweite größer wird. Es ist möglich, daß beide sinken und daß ebenfalls die Spannungsweite sich vergrößert. Es ist aber auch möglich, daß die eine Lmie steigt und die andere sich senkt, und daß in allen diesen Fällen die Spannung nicht größer, sondern kleiner wird. In diesem Falle gewinnt der Arbeiter an Lebensspielraum, im anderen gewinnt das Kapital." Der Behauptung des Marxismus, daß die als dauernd angenommene Vergrößerung der Spannungsweite zur Katastrophe, zum Ende deS kapitalistischen Systems führe, tritt Naumann entgegen, indem er ausführt, daß der KapilalismuS folgende Möglichkeiten hat, eine Krisis, in die er geraten ist, nicht zur Katastrophe werden zu lassen: ,1. Er setzt die Warenpreise herab und vermehrt damit den Absatz und vermindert die zu groß gewordene Spannung. 2. Er vermindert seine Produktion und verzichtet damit zeitweilig auf kapitalistischen Gewinn. 3. Er erhöht die Löhne und hebt damit die Konsumkraft. 4. Er wirft sich mit neuer Energie nach außen." ist also," so fahrt er fort, »nicht zu erwarten, daß wir oder unsere Kinder die Marx'sche Form des Gesellschastsunisturzes erleben. WaS wir aber erleben werden, ist, daß man die kaufmännische Eigenschaft b e 5 Lohnes immer allseitiger erkennen wird. Man wird auch innerhalb der kapitalistischen ßeitung genötigt Jein, die freie Handelsbewegung der Lohnhöhe als notivendiges Element der Gcsamtwirtschast anzuerkennen." AIS Lebensgesetz der kapitalistischen Gegenwart verkündet Naumann daher die .Forderung absoluten Freihandels für den Lohn*. In dieser Forderung liegt „die größte denkbare Sicherheit des inneren Gleichgewichts der gegenwärtigen Gesellschaft.* Naumann kommt alsdann zu folgender volkswirtschaftlichen Fragestellung: »Wie groß muß das Lohnquantum sein, damit der kapitalistische Arbeitsprozeß sich ohne Absa tzstörungen entwickelt?" Diese Frage ist „nicht durch Akte der Gesetzgebung" zu lösen, sondern sie ist „eine rein kaufmännische Frage". Zu ihrer Lösung fordert er: „So gut das Kapital seine Direktoren hat, muß die Arbeit sich ihr Direttorialsystem schaffen, Großhändler in Arbeitskräften, die ebenso zur Arbeiter- klaffe gehören, wie die Bankdirektoren zur Klaffe der Kapi- talistem" Den folgenden Hauptteil seines Werkes widmet Naumann einer Darstellung der Entwicklung deS Kapitalismus von dem chaotischen Getriebe der privatwirtschaftlichen Einzelkonkurrenz an bis zur Entfaltung eines in Syndikaten und Aktienunternehmungen die Produktion und Konsumtion unter Ausschluß der Konkurrenz regelnden, höchst komplizierten Sozialkapitalis- muS. Durch diese Entwicklung ist nach seiner Auffaffung diejenige soziale Forderung, welche die soziale Demokratie als Zukunftsproblem aufstcllte, nämlich die „Ueberwindung der Einzelwirtschaften durch eine Gcsamtwirtschast* erfüllt, und zwar durch die jetzigen „aristokratischen* Träger der Wirtschaftßentwicklung selbst. Zu lösen bleibt nach seiner Ansicht nichts weiter als die weitere soziale Forderung: .Die H e b e r f ü b v u n g der jetzigen Gesa >nlwirisch a f t in Besitz und Leitung aller Beteiligte n." Dieser „Sozialismus" ist, wie Nauu-ann ausführt, .feine reine toeqenbeiuegung gegen die GegemvarlZivirtichaJt als solche mehr, sondern em Kampf um Macht und Einfluß der Besitzlosen in dieser Wirtschaftswelt, die allseitig dem Ziele der Bereinheit- lichuug z u ft r e b t." Tie Arbeiter „verlangen an dem System des Kapitalismus als Mitorgamsatoren und Mitbesitzer teilzuhabeu. Ihr Sozialismus ist eine UmgestaltungStendcnz innerhalb deS Kapitalismus." Der Kampf entbrennt deshalb mit solcher Heftigkeit, weil die neue Wirtschaft sich eine der Neuzeit entsprechende „Industrie Verfassung* noch nicht geschaffen hat. Kapital liSmiis ist nach Naumann nichts anderes als „die aristokratische Aiiffaffimg desselben Wirtschaftslebens, dessen demokratische Auffassung Sozialismus heißt." Als die 91 uf- gäbe des „neuen Liberalismus" bezeichnet es Naumann, „die sich streitenden Einzelintereffen in den Gedanken einer gemeinsamen vorwärts schreitenden neu deutschen Kultur einzuordnen." .Diese Kultur muß eine Methode der Mitbeteiligung aller au Leitung und Erttag der Produktion zum Ziele haben. Das ist neuer Liberalismus, ebenso wie die Beteiligung aller am Staat das Ziel des älteren rem volitischcn Liberalismus war." Wir haben den Grundgedanken der Naumannschen Schrift möglichst in seinen eigenen Worten aus seinem umfassenden Werke herausgelöst, um so klar als möglich das, was Naumann will, in die Erscheinung treten zu lassen. An dem System der kapitalistischen Zins- und Rentenwirtschaft will Naumann nichts geändert wissen, sondern er will allein die organisierte Arbeiterschaft als mitbestimmend en Faktor in das herrschende kapitalistische System, dessen entschiedenster Verteidiger er ist, eingegliedert sehen. Die gegenwärtigen Lohn- und Tarifkämpfe lehren, wie unendlich weit wir von einer solchen Lösung der sozialen Frage noch entfernt sind. Voraussichtlich wird Pfarrer Naumann mit wenigen, gleichstrebenden, wackeren und großzügig denkenden Jdeallisten noch auf lange Zeit hinaus einsam bleiben und die Erfüllung seiner Forderung schwerlich erleben. Wir begnügen uns damit, wie schon eingangs betont, ohne seine wirtschaftlichen Entwicklungsideen einer kritischen Zergliederung zu unterziehen, seine Anschauung, die jedenfalls als bemerkenswerte Zeiterscheinung Beachtung verdient, objektiv bekanntzugeben und zu überlassen es jedem einzelnen, sich seine eigene Meinung über das hier vorgetragene neudeutsche Wirtschaftssystem zu bilden. polUifcfcc Tagesschau. Der Termin der zweiten Friedenskonferenz im Haag steht zwar noch nicht fest, aber Holland hat die durch die Konferenz für seinen Teil entstehenden Kosten bereits kreditweise bewilligt. Man gewinnt aus den Verhandlungen der holländischen Parlamente den Eindruck, baß bic Bewilligung hauptsächlich erfolgte, weil bie Versagung eine Unhöflich- feit wäre. Die Erwartungen praktischer Erfolge der Friedenskonferenz und des internationalen SchiedSgerichtShofs -.il »! ■ !■■■ ■ ■»■.■»■■iJwmnM.Jm m’BiMl'jnilllKU- Will II T—iiii Kummer seiner kinderlos gewordenen Ehe findet er in ergreifend schönen Strophen „Am Hochzeitstag" warmen und wehseligen Ausdruck. Inniges Mitleiben ist eine seiner vorzüglichsten Eigenschaften. Ich setze ein paar kurze Verse hierher: Am Wege. Du träumtest von Gold und Seide Und raufcheudem Lorbeer einst. Nun stehst du im Bettlerkleide Müde am Wege und weinst. Es stürzen Himmel zusammen Ach über dem frömmsten Haupt. Wer will dich Arme verdammen, Daß du zu tief geglaubt. Welche edle Einfalt und welche Tiefe der Empfindung! Im ganzen Buche findet man nichts Gesuchtes uu Ausdruck. Jedes seiner schlichten Worte hat er durch sein Inneres gehen lassen, ehe er es als erklärendes, vertiefendes, schmückendes Attribut den Substantiven beisetzte. Mit weichen Fingern und zarten Seidenfäden spinnt er uns in seine ruhige, beruhigte Welt ein, und wir verharren gebannt, bis er uns ihr letztes, von Güte und Feinsinn durchleuchtetes Winkelchen gezeigt hat. Von Albert Kohl, einem Redakteur an der „Nordhäuser Zeitung", dürfen wir wohl noch manche auserlesene Gedichtsammlung erwarten, die uns erfreuen und erheben wird. — Nicht gewöhnliche Begabung zeigen auch die unter dem Sammelnamen „Iris" bei Egon Fletschet u. Co. in Berlin W. 35 erschienenen Gedichte von Ilse Franke, einer Tochter der bekannten Nomanschriftstellerin Gertrud Franke-Schievelbein. Die Absicht der Dichterin erfahren wir aus den Versen, mit der bic Sammlung eingeleitet wird: Der Bogen, der den Himmel überspannt, Wenn über nassem Laub die Sonne flimmert, Der Tau, der bunt fällt auS des Morgens Hand Und in dem Kelch der blauen Lilie schimmert, Ein Menschenauge, braus der Seele Licht In einem kindlich reinen Lächeln spricht, Sie alle spiegeln Gottes Liebe wieder, Und ihren Abglanz suchen meine Lieder. Die sprachliche Begabung dec jungen Dichterin ist nicht gering, aber im Gegensatz zu Kohl begegnen wir hier zuweilen einem gierigen Suchen auf ungangbaren Wegen nach neuen Bildern. Ich habe auch noch nie einen Vogel „heiß seine Lieder schluchzen" hören, und ivenn ein „lauer Schauer aus bem Gras steigt", bann finbc ich ba§ ebenso wenig schön gesagt, als wenn sie gar so „a"-freubig schilbert: „Die Sonne lastet mit blaffen Strahlen auf bem Schnee", ober wenn „bie Güte ihres Blicks lächelt in bie Walbesträume", ober wenn endlich eine „Sternlose Nacht" sie zu folgenden Verjen verhärtet: .Brotduft dampft der karge Rogge»!, Tannenatem schickt die Ferne, In den Binsen klagen Poggen, Ach, e5 schlafen meine Sterne." Daneben aber entdeckt sie doch auch manches neue, rasch geschaute Naturbild, daS sie mit ein paar kurzen, scharfen Strichen kraftvoll und eigentümlich anschaultch hinzuwerfen versteht. Und an anderen Stellen wieder offenbart sich eine starke, unfrömmlerisch echte Frömmigkeit. Die beiden Schluß- Gedichte seien hier roiebergegeben: Ein Frieden, der von Stürmen weiß . . . Siziliane. Ein Friedeu, der von künft'gen Stürmen weiß, Hält abendschön das fülle Meer umschlossen, Ein Frieden, der von füuft’gen Stürmen weiß, Hat sich m unser beider Herz ergossen. Ein Frieden, der von künft'gen Stürmen weiß, Ate bang, wie süß, wie schnell ist er genossen. Ein Frieden, der von lünst'gen Stürmen weiß, Ter leuchtet nod), auch wenn er lang verflossen. Und Gott sprach: Mein Kind, ich bin bei dir Und reiche dir bie Hand. Ergreife sie, wir sind so lief verwandt. Biel tiefer wie der Gatte seinem Weibe, Wie dem das Kind, das wird im Mutterleibe, Viel tiefer wie das Blatt dem Baurn, Biel tiefer wie der Schlaf bem Traum, Viel tiefer wie der Wem den Reben, Biel tiefer wie der Tob dem Leben, So tief, mein Kind, wie meine Liebe ist, Tte niemand denkt unb glaubt und wägt und mißt. So tief sind wir verwandt. sind in Holland selbst so gering, daß die Regierung es unternimmt, Kreditfordcrungen für Heer und Flotte vorz übereilen in einer Höhe, wie sie nicht entfernt m Frage kamen während des russtsch-japamschen Krieges, als die Gefahr bestand, daß die Neutralität Holländisch-Jndiens durch die vorhandenen Streitkräfte nicht geschützt werden könne. An Abrüstung, für die auf der zweiten Friedenskonferenz Propaganda gemacht werden soll, denkt also nicht einmal ein politisch ' neutraler, der Kriegsmöglichkeit fernstehender Staat, wie Holland. Ganz und gar nicht darf daran denken der Herrscher, der die Anregung gab zur Einrichtung der Friedenskonferenzen und des internationalen SchiedSgerichts- hofes: der Zar. Denn seiner Regierung letzte und fast schon jetzt alleinige Stütze ist das Heer. Der Zar mag damals, als er sein Friedensmanifest der erstaunten Welt unterbreitete, nicht mit der Möglichkeit baldiger und elementarer Umwälzungen in seinem eigenen Lande gerechnet haben. Nach Lage der Dinge aber kann die zweite Friedenskonferenz kaum eine andere Bedeutung erlangen als die einer bitteren Ironie der Geschichte, einer Aufforderung an Rußland, mit dem Friedensprinzip zunächst einmal im eigenen Hause Ernst zu machen, das eigene Land von Belagerungszustand und Kriegsrecht, von Polizeiwillkür und privilegiertem Meuchelmord freizumachen. Möglicherweise, man darf wohl sagen: hoffentlich wird auf der Haager Konferenz dem Vertreter Rußlands zur Erkenntnis gebracht, wie einmütig die Kulturstaaten das Verhalten der russischen Regierung dem Volke gegenüber mißbilligen. Es wäre solche Erklärung eine internationale Errungenschaft, die der zweiten Friedenskonferenz trotz zweifelloser sonstiger Erfolglosigkeit Wert gäbe. Die Meutereien in Südwestafrika. Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet heute offiziös: „Die telegraphischen Ermittelungen, welche auf Grund der Mitteilungen des „Vorwärts" über ernste Fälle von Meuterei bei der Schutz truppe in Sud west - a f r i k a beim Kommando der Schutztruppe sofort angestellt wurden, ergaben folgendes: 1. Seit Beginn des Aufstandes sind Fälle tätlichen Vergreifens an Offizieren nicht v o r gekom m e n: 2. das für den Norden crbei. Ais die Leute auch angesichts der Patrouille dem Befehl, sicb zur Kolonne zu begeben, nicht uach- famcit, ließ der Wachtmeister die schuldigen, fünf .Leute,, abführen. An dem Wachtmeister und dem die Patrouille befehligenden Unteroffiziere vergriff sich keiner der verhafteten Leute. In diesem Falle wurden verurteilt: zwei Leute tvegen ge- fälwlicher Körperverletzung und militärischen Aufruh r s im Felde zum Tode, zwei Leute wegen militärischen Aufruhrs im Felde zu zweiJahrenGefängnis, ein Mann wegen gefährlicher Körperverletzung zu zwei Monaten Gefängnis. Der Mann, welcher die tödliche Verletzung dem verstorbenen Reiter beigebracht hatte, wurde sreigesprvchen, da er erwiesenermaßen in der Notwehr handelte. Die Todesstrafen sind noch nicht vollstreckt, weil vvn den Richtern des Kriegsgerichts von der allerhöchsten Gnade die Umwandlung der Todesstrafe in eine angemessene Fr ei hei Isst ra fe erbeten wurde. Im zweiten Falle sind nach der telegraphischen Meldung des Kommandos wegen Aufruhr und Meuterei drei Reiter zum Tode, vier zu längeren Gefängnisstrafen verurteilt worden. Einzelheiten sind eingesordert, aber noch nicht eingegangen; Offiziere sind auch hier nicht beteiligt. 3. Bezüglich der im Süden von dem zuständigen Gericht ergangenen Urteile steht noch die Meldung der ergangenen Urteile aus. Diese kommen der amtlichen Stelle erst bei. der lieber» führung der Verurteilten in die Heimat zwecks Strafvollstreckung zur Kenntnis, da die Bestätigung aller kriegsgerichtlichen Urteile durch die Gerichtsherren im Schutzgebiete erfolgt, soweit es sich nicht um die dem Kaiser vorbehaltcne Bestätigung int Falle der Verurteilung von Offizieren, Sanitätsoffizieren und oberen Mili- tärbeamten zum Tode, Entfernung aus dem Heere oder Dienstentlassung handelt. Seit Beginn des Aufstandes sind im ganzen 57 Miltiärstrafgefangene (einschließlich 11 nrit dem nächsten Hei- mattransport migemeldeter Strafgefangener, unter denen sich wahrscheinlich auch die im zweiten oben angefülwten Falle Verurteilten befinden» nach Deutschland zur Strafvollziehung überführt worden. Diese Zahl kann bei der Stärke der Schutztruppe (jetzt 15 000, Doch immer wieder löst du dich von meiner Hand Und irrst und fällst. Warum nur, Kind, Warum? „Karlchen" — der unter diesem Pseudonym als lustiger Spottvogel bekannte Redakteur Karl Ettlinger von der „Jugend" — hat ein kleines Bändchen Martial'scher Epigramme in „unser geliebtes Deutsch" übertragen. (Egon Fleischel n. Co. in Berlin.) Des im 1. Jahrhundert nach Christo lebenden alten römischen Höflings witzige Pikanterien und Laszivitäten hat Ettlinger geradezu kongenial nachempfunden und meist zu kecken und koketten Vierzeilern modernisiert. Freilich nur etwa den zehnten Teil der über 15 Bücher verteilten Originale. Auch Ettlmgers Kunst besteht, wie die seines Meisters, darin, daß er die Spitzen seines SvotteS genau berechnet und für die letzte Zeile, ja mitunter für die letzten Worte aufspart, den Leser spannt und überrascht, indem Erwartung und Aufschluß in schlagender Kürze sich folgen. Man erstaunt über den Reichtum und die Schärfe seines leicht und knapp gefaßten Witzes. In der Eleganz und Anmut der Verse wetteifert Ettlinger ebenso mit Martial, wie dieser darin mit den besten Dichtern Roms wetteiferte. Ich denke mir diese Verse wie geschaffen zu würziger Nachspeise eines üppigen Herrensoupers. Schließlich seien noch die „Gedichte eines Schutzmannes" namens August GerulliS erwähnt, betitelt „Das erste Sträußchen". (Verlag von Josef Singer in Straßburg.) Der Verfaffer ist seinem Namen nach wohl ein Zittauer, seines Amtes ein Berliner Schutzmann. Ursprüngliche, treuherzig naive $reube selbst am Kleinen und Unscheinbaren in der Natur, friedsarne Beschaulichkeit und ehrenwerte, humane Gesinnung sind' die erfreulichen und in seinem verantwortungsvollen und schweren, rauhen Berufe doppelt schätzenswerten Charalteristica seiner einfachen Verse, für die der wackere Mann in seinen Kreisen und darüber hinaus ehrliche Freunde finden möge. P. W. im ganzen aber einschließlich der Heimgokehrten 19 000) und bei der Dauer deS Feldzuges keine hinsichtlich bet Disziplin besorgniserregende genannt werden. Die Höhe der Strafen findet ihre Erllärung in der Schwere der Kriegsgesetze. * Berlin, 22. Juni. Amtlich.^ Gefreiter Mathäus K o ch, geboren zu Heuchlingen, früher Württembergisches Infanterie- Regiment Nr. 120, am 18. Juni im Lazarett Windhuk an Lungenentzündung gestorben. Leutnant Paul Cleve, geboren zu Essen, früher Infanterie-Regiment Nr. 165, am 16. Juni an Bord des Danrpstnes „Gertrud Wörmann" an Typhus ge- torben. Reiter Karl Seel er, geboren zu Rohr, an Nieren- entzündung gestorben.____________________ Major v. Zander und Genossen vor den Geschworenen. H. F. Breslau, 21. Jüni. (Unberechtigter Nachdruck verboten.) (Vierter Tag der Verhandlung.) Der Offenbarnngßeid. Der Vorsitzende bemerkt, daß eine Anzalfl sehr wertvoller Schmuckgegenstände, unter diesen verschiedene goldene Schnallen, vor Leistung des Offenbar- üngseides im Vermögensverzeichnis nicht angegeben eien. Angekl. v. Zander: Ich habe bei Aufstellung des Vermögensverzeichnisses alles aufs Genaueste durchsucht. Die Schnallen muß ich übersehen haben, vielleicht haben ie auch an einem versteckten Ort gelegen. Es kann doch richt angenommen werden, daß ich Schnallen im Werte von 7 Mk. verbergen wollte. Vors.: Nun, es sind Schnallen im Werte von 114 Mk. und darüber dabei. Einkauf von Briefpapier. Vors.: Frau v. Zander, wie kamen Sie dazu, für 2 5 8 Mark Briefbogen usw. zu kaufen. Sie befanden sich doch in einer sehr bedrängten Lage. Frau. v. Z an d c r: Ich wollte nicht eine Bestellung auf 14 Tage hinaus machen, zumal ich doch die Krone auf die Briefbogen drucken ließ. Bors.: Sie bestellten 2000 Briefbogen, wie lange reichten diese wohl? Angekl.: Etwa zwei Jahre. Der Vermittlungskauf des Rittergutes Grabschen. Vors.: Angekl. v. Zander, Sie sind im Mai 1898 als überzähliger Major und im Oktober desselben Jahres als Vataillonskommandeur des Pommerschen Infanterie-Regiments Gras Dönhoff nach Gncseu versetzt worden. In diese Zeit fällt das sog. Ekäbschener Geschäft) das nun zur Erörterung gelangen soll. Angekl. v. Zander: Ich wohnte der Beerdigung meines Freundes v. Bandel bei. Dort traf ich den (Generalkonsul Dhes aus Hildesheim, von dem mir bekannt war, daß er sehr reich war. Er forderte mich auf, ihn in Hildesheim zu besuchen. Ich leistete der Aufforderung Folge. Dyes übergab mir einen Korb Akten zur Durcharbeitung. Ich ersah daraus, daß der Ankauf des Rittergutes Grabschen bei Breslau imgemein vorteilhaft sei. Ich wußte Dyes dafür zu interessieren. Dyes wollte eine Mtien- gesellschaft gründen und ersuchte mich ihm bei dem weiteren Kauf behilflich zu fein. Eine solche Zivilanstellung konnte ich ohne Erlaubnis meiner vorgesetzten Behörde nicht annehmen. Da im Regiment sechs überzählige Stabsoffiziere waren, die nichts zu tun hatten, so gab mir der kommandierende General die Erlaubnis, die Stellung anzunehmen. Das Rittergut wurde gekauft und eine Aktiengesellschaft zum Zwecke der Parzellierung des Terrains begründet. Nachdem dies Geschäft vollzogen war, glaubte ich, Generalkonsul Dyes werde mir sagen: Nehmen Sie Ihren Abschied, ich werde Sie zum Direktor der Aktiengesellschaft ernennen. Anstatt dessen erfTärte mir Dyes: Er wolle das ganze Terrain verkaufen, ich solle aber einen großen Anteil an den: erzielten Gewinn erhalten. Das Rittergut wurde Vvn Dyes mit 1200000 Mk. gekauft und für 2 Millionen weiterverkauft. Das Rittergut Schmocgerle aus Befehl gekauft. Generalkonsul Dyes wollte mir zunächst eine jährliche Rente von 6000 Mk. ausfetzen. Ich machte ihm klar, daß mir mit der Aussetzung dieser jährlichen Lebensrente nicht gedient sei. Da sagte Dyes: Ich werde Ihnen 70 000 Mk. in Bar und 100000 Mk. in Aktien geben, aber nur unter der Bedingung, daß Sie das Geld in der Hauptsache zum 'Ankauf des Rittergutes Schmoegerle im Kreise Wohlau verwenden. Sie müssen Ihre Frau gewissermaßen kaltstellen. Wenn Ihre Frau auf einem Gute wohnt, von dem fie nicht leicht in eine Großstadt kommen kann, bann ändert fie sich vielleicht in ihren Neigungen. Ich will noch bemerken, daß ich mit dem Gelbe auch verschiedene Gläubiger befriedigt habe, unter anderen habe ich sämtliche Magdeburger Schulden, diese betrugen etwa 10 000 Mk., bezahlt. Bert. R.-A. Dr. Mamroth: Es war mir bisher nicht bekannt, daß das Rittergut Schmoegerle geradezu auf Befehl des Generalkonsuls Dyes gekauft worden ist. Der inzwischen verstorbene Generalkonsul a. D. Dyes, dessen Ms- sage verlesen wird, hat die Angaben des Angeklagten im Wesentlichen bestätigt. Es gelangt darauf ein Brief des Majors v. Zander an seine Frau zur Verlesung. In diesem heißt es: „Ich hielt es im Interesse der Gesundheit unserer lieben Kinder und nicht zum mindesten im Interesse Deiner Gesundheit für notwendig, das bei dem Owäbschener Geschäft verdiente Geld zum Aükauf eines io idyllisch belegenen, von Wäldern eingeschlossenen Rittergutes zu verwenden. Wir werden, wenn wir erst eingerichtet sind, herrlich und in Freuden auf unserem Gute leben, Champagner trinken usw." Mgekt. v. Zander: Der Inhalt dieses Briefes ist keineswegs wörtlich zu nehmen. Ich war genötigt, meiner Frau das Leben auf dem Gute so rosig als möglich zu schildern, sodaß fie nicht etwa merkte, sie solle, wie sich Dyes ausdrückte, kaltgestellt iverden. Eine Tagebuchaufzeichnung des Angekl. v. Zauder lautet: „Ich habe ein Geschäft gemacht, das ich eigentlich f ü r unanständig halte, das ich aber des lieben Gewinnes wegen machte, um mich dann hinter einer Iesuitenausrede zu verbergen." Vernehmung de8 Untersuchungsrichters als Zeuge. Nach Wiederaufnahme der Verhandlung toirb ber Untersuchungsrichter Landgerichtsrat Firle, als Zeuge aufgerufen. Vert. R.-A. Dr. Mamro th: Ich Beantrage, die Vernehmung des Untersuchungsrichters als zur Sache unerheblich abzulehnen. Nach etwa halbstündiger Beratung des Gerichtshofes verkündet der Vorsitzende: Der Gerichtshof hat beschlossen, den Untersuchungsrichter als Zeugen zu vernehmen. Landgerichtsrat Firle bekundet: Ich habe einen Bries des verstorbenen Dyes gefunden, in dem dieser dem Angeklagten wegen des Gräbschener Geschäfts heftige Borwürfe machte, und durch die Tagebuchaufzeichnung des Angeklagten, wonach er das Gräbschener Geschäft, als ein unberechtigtes bezeichnet, gelangte ich zu der Auffassung: der Angeklagte habe sich bei diesem Geschäfte ber Untreue schuldig gemacht. Ich erachtete aber diese Straftat für verjährt. Bert. R.°A. Dr. Mamroth: Haben Sie für diese Ihre Vermutung nähere Unterlagen ? Zeuge: Nein. Bert.: Haben Sie nähere Nachforschungen angestellt? Zeuge: Däzü hatte ich keine Veranlassung, da ich die Sache für verjährt hielte Vert.: Ich stelle ausdrücklich fest, daß die Tagebuchaufzeichnung, auf Grund der der Untersuchungsrichter zu der Ansicht gelangt ist, der Angeklagte hübe sich der Untreue schuldig gemacht, heute volle Aufklärung gefunden hat. Das Schlimme ist, daß sich der Untersuchungsrichter auf Grund gänzlich unbewiesener Dinge eine Meinung zum Schaden des Angeklagten bildet. Staatsanw.: Ich muß noch bemerken, daß gegen v. Zander der Gräbschener Angelegenheit wegen auch ein Verfahren wegen wissentlichen Meineids geschwebt hat. Dies Verfahren ist aber eingestellt worden. Zeuge: Die Vernehmung des i®ngefragten war, wie bei fast allen redegewandten Leuten, sehr schwierig. Er machte alle möglichen Einwendungen und suchte gewöhnlich den Kern der Vernehmung zu umgehen, er hat aber schließlich alle Protokolle genehmigt. Vert. I'.-R. Dr. Mamroth: Lnettig hat mir mitgeteilt: das mit ihm aufgenommene Protokoll wurde so schnell vorgelesen, daß er nicht folgen konnte. Zeuge: Ich kann nur erwidern, daß der Angeklagte Lnettig gegen das Protokoll keine Einwendungen gemacht hat. Der Angekl. v. Zander bezeichnet die gegen ihn in der Gräbschener ’2Bngete genbeit ein gegangene Denunziation wegen wissentlichen Meineids als chi i e d c r t r ä ch t i g e V e r I c u m b u n g" Stendal, 20. Juni. Der Landarbeiter Käßner wurde vom hiefiqen Schwurgericht wegen „vorsätzlicher Tötung ohne U e b e r l c g it n g * zu sieben Jahren und vier Monaten Zuchthaus verurteilt, weil er sein ihm lästiges, drei Wochen altes Kino in einem Fuchsbau lebendig begraben hatte. Dresden, 20. Juni. Die Strafkammer verurteilte den katholischen Pfarrer Mierscis aus Wilna, der in den königlichen Skulpturensammlungen drei Statuen beschädigte, weil er an ihrer Nacktheit Anstoß nahm, zu 200 Mark G e l d st ras e. Börsen-Wocherrbericht von Baruch Strauß, Bankgeschäft. Die Woche begann in gedrücktester Stimmung unter bent Eindruck der furchtbaren Nachrichten aus Rußland. Die schäften Rückgänge im Russemnarkte, hervorgerusen durch große Verkäufe Frankreichs, verursachten zeitweise eine Teroute im gesamten Effektengebiete und es griff erst wieder eine gewisse Beruhigung und damit eine Befestigung Platz, als man beobachtete, daß die Deutsche Bank durch ostentative Käufe eingriff. Die Intervention dieses vorsichtigen, dem Russenkonsortium fernstehenden Weltinstitutes wirkte, weil außergewöhnlich, um so günstiger auf die Gesamthaltung ein und gab der Börse zu den verschiedensten Erwägungen und Deutungen Anlaß. Das Geschäft blieb ruhig, nur Baltimore und Ohio- und Lombardeu-Aktien setzten ihre Auswärtsbewegung bei bedeutenden Umsätzen weiter fort; erstere auf Erklärung einer Dividende von 6 Proz., letztere auf große Pariser und Berliner Käufe, ohne daß bestimmte sachliche Gründe bekannt wurden. Banken bleiben unbeachtet. Montan- und Hüttenwerte einige Prozente erholt, wenn auch ohne große Umsätze. S ch i f f a h r t Z w e r t e waren beliebter und fester, da über den Geschäftsgang derselben Günstiges verlautete. In Eisenbahnen beschränkte sich das Geschäft auf Baltimore und Lombarden; zum Schluß der Woche kamen noch C a n a d a Pacific zur dUgemeinen Beachtung, da bereit Gewinne ganz hervorragend sein sollen. Sprelplan des Grotzherzoglichen Kurtheaters Bad-Rauheim. Direktion Hermann Stein goetter. Montag den 25. Juni: „Der Schlafwagenkontrolleur*. Schwank in drei Akten von Alex Biffon. Dienstag den 26. Juni: „Zum Einsiedler." Lustspiel in einem Aufzug von B. Jacobson. Hieraus: „Tas Schwert de? Damokles." Schwank in einem Akte von Gustav zu Puttlitz. Im Zwischenakt: Ballet-Einlage. Donnerstag den 28. Juni: „Komtesse Guckerl." Lustspiel in drei Akten von Fr. Schönthan und Franz Koppel-Ellseld. Freitag den 29. Juni: Unter Mitwirkung der Kurkapelle: „Der Zigeunerbaron." Operette in drei Akten von Joh. Strauß. HandeUnöVerkehr, Volkswirtschaft. Markte. Gießen, 23. Juni. Marktbericht. Auf heutigem Wockeumarkte kostete«: Butter pr. Pfb. 0.90—1.00 Mk., Hühnereier 1 St. 6—7Vfg., 2 Stck. 00— 00 Pfg., Gänseeier 00—00 Pfo., Enteneier 7 Pfg., Käse pr. Stck. 6—8 Pf., Käscmatte 2 Stck. 5—6 Pfg. Erbsen p. Pfund 22Pfg., Linsen p. Pfund 32 Pfg., Tauben pr. Paar 0,80—1,00 Mk., Hühner pr.St. 1,00—1,60 Mk., Hahne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten pr. Stuck 1,80—2,20 Mk., Gänse vr. Pfd. 00—00 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfd. 76—84 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 70—72 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 80—86 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 90 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfb. 80—84 Psg., Hammelfleisch pr. Pfund 60—80 Psg. Welsche per Pfund —.— Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,00—0,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 6,00-8,00 Mk., Milch per Liter 20 Psg., Aepicl per Pfund 35 bis 50 Psg., in Körben 00 Psg., Nüsse 100 Stück 50-00 Big., Birnen per Psd. Mk. 0.00—0.00, Kirschen per Psd. 25—30 Pfg., Weißkraut per Stuck 00 Pfg., per Zentner Mk. 0.00-0.00. — 'Marktzeit 7—1 Uhr. Gießen, 22. Juni. V i e h m arkt. Am 19. u. 20. d. MS. waren aufgetrieben 1451 Stück Rindvieh, 316 Schweine,. — Der nächste Markt findet am 3. und 4. Juli statt, an letzterem Tage auch Krämermarkt. fc. Frankfurt a. M., 22. Juni. Heu- und Strohmarkt. Man notierte: Heu Mk. 3.90 bis Mk. 4.40, Stroh Mk. 3.20 bis Mk 3 60. Alles per 50 Kilo. Tendenz: Fest Schrff-nachrrchten. R e d S t a r L i n i e. Der Postdampfer „Finland^ ber Red Star Linie in Antwerpen, ist laut Telegramm am 19. Juni wohlbehalten in Newyork angekommen. _______ Im Sommer ist nichts gesünder und erfrischender als frische Früchte und Mondamin-Milch-Flammeri. Als Ersatz für schwerere Speisen sind diese Mondamin-Gerichte in der Hitze erfrischend wie wohlschmeckend, und sie bieten eine ideale Nahrung für Kinder, eine gesunde Nachspeise für Große. „Mondamin" überall zu haben in Paketen ä 60, 30 u. 15 Ps. 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Die zur Unter forderlichen Maure u$rcitafl den öffentlich vergeben Arbeitsbeschre Stoffen. Angevc zum genannten Zei Zuschlagslnsl ließen, 22. 3 gM: Gegenwart ersch AHlagssrif Netzen, am Hrotzl ' Grösstes Inhalatorium p Werra Deutschlands. Bekanntmachung. Die unterm 25. Mai 1906 angeordnete Sperre der MäuSburg wird hiermit aufgehoben. Die unterm 26. März 1906 angeordnete Sperre der Löberstraße, zwischen Bleichstraße und Goethestraße, wird hiermit aufgehoben. Die unterm 17. Mai 1906 angeordnete Sperre der Bleichstraße, zwischen Ludwigstraße und Stephanstraße, wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 22. Juni 1906. Großh. 'jk>iiv‘innu Gießen. _ _____Herberg._____________ Bekanntmachung. In der Zeit vom 16. bis 23. Juni 1906 wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1 Schuh, 1 Boa, 1 Herrenhemd, 1 Brille, 1 Kastenschubkarren und 1 Peitsche; verloren: 1 schmales goldenes Kettenarmband, 1 gold. Trauring, gez. K. B., 1 Stock, braunpoliert, mit rundem Griff, 1 schwarzer Damenregenschirm mit silb. Griff, 1 gold. Kinderbrosche, 1 schwarzer Kinderschuh und 1 Kellerfenster. Entlaufen ist: 1 Hund (Boxer, dunkelgestromt nut schwarzen! Kops). Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 23. Juni 1906. Großh. ^ohjciamt Gießen. __________________Herberg.__________________ Städtischer WohkllngMchiveis Gießen. Garteustraße 2, Zimmer Rr. 2. (Geschäftsstunden von 8—1 und von 8—6 Uhr.) Es find zu vermieten: 1 Wohnung von 7 Zimmern, 1 Wohnung von 6 Zimmern, 4 Wohnungen von 5 Zimmern, 3 Wohnungen vo,i 4 Zimmern, 4 Wohnungen von 3 Zimm-rn, 3 Wohnungen von 2 Zimmern, 1 Wohnung von 1 Zimmer mit Kabinett, 1 Wohnung von 1 Zimmer, 2 Läden mit Wohnungen, 1 Werkstatt. B”/fi Zu mieten gesucht: 44 Wohnungen von 1—7 Zimmern, 1 möbliertes Zimmer. Dre Vermieter haben eine Einschreibgebühr zu entrichten und zwar sür eine Wohnung mit einem jährlichen.Mietwert bis 300 Mk. einschließlich 0,20 Mk., von mehr als 300 Mk. bis 500 Mk. einschließlich 0,50 Mk., und von mehr als 500 Mk. 1,00 Mk.. außer- dem ist sür jede Wohnungsanmeldung 1,00 Alk. zu hinterlegen. Für die Wohnungssuchenden erfolgt die Dermittelu,.g unentgeltlich^____________________________________________________ Städtischer Arbeitsnachweis Gießen. Gartenstraße Nr. 2, Zimmer Nr. 2. ES können eingestellt werden: 1 landwirtschafkl. Knecht, 1 landmirlsch. Arbeiter, Ziegelei- und Stcinbruchsarbeiter, 10 Bauschlosscr, 2 Schmiede, 2 Spengler, Maschinenschlosser, Eisendreher und Foriner, 2 Wagner, 10 Bau« und 1 Möbcljchreiner, 2 Drechsler, 1 Lackierer, 2 Friseure, 2 Schuh- inacher, 2 Schneider, 2 Glaser, 1 Klempner und Installateur, 1 Weißbinder, Erdarbeiter, 1 Arbeiter (Montags), 1 Kutscher, 5 Dienstmädchen, 2 Laufsraucn oder Mädchen. Lehrlinge: 3 Schmiede, 2 Spengler, 1 Schlosser, 1 Wagner, 1 Mechaniker, 2 Buchbinder, 2 Schreiner, 1 Schneider, 1 Glaser 1 Kaufmann. ES suchen Arbeit: B"/. 1 Ziegelciarbeiter (Ringosensetzer oder Brenner), 1 Bauschlosser, 1 Heizer, 1 Maschinenschlosser, 1 Schreiner, 2 Wasch- und Putzsrauen, 1 Flicksrau, 1 Dienstmädchen, 2 Laussrauen, 1 Stütze der Hausfrau oder Reisebegleiterin, 1 Arbeiter, 1 Haus- oder Bureaudiener. Bekanntmachung. Wir suchen sür sofort einen jüngeren Schreibgehilfen mit schöner Sandschrist. Selbstgeschriebene Be,verdungen sind mit Zeugnissen unter Angabe der Gehaltsansprüche bis 1. Juli d. IS. beim städt. Armenamt, Neuen Bälie 25, einzurcichen. B /« Gießen, am 19. Juni 1906. Die Armcu-Deputation der Stadt Gießen E u r i ch in a ri n. ©erbet. Arbeitsvergebung. Die zur Unterhaltung der Gebäude der Stadtknabenschule er- torderlichcn Maurer-, Schreiner- und Weißbinderarbciten sollen Freitag den 29. Juni d. IS., vormittags 10 Uhr, öffentlich vergeben werden. . Arbeitsbeschreibung nnd Bedingungen liegen bei uns zur Em- sul;t offen. Augevote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Zeitpunkt an uns einzureichen. Zuschlagsirist 14 Tage. Gießen, 22. Ium 1906. Städtisches Hochbauamt. Verdingung von Grabenarbeiten. Die zur teilweisen Verlegung des Oberlochgrabens in Gemarkung Gießen aus 2800 Mark veranschlagten Arbeiten sollen auf dem Wege schriftlichen Angebotes vergeben werden. Sie Ver- dingunqsüuterlagen liegen bei der unterzeichneten Behörde zur Einsicht offen. Die Angebote sind ebendaselbst verschloffen, nut entsprechender Aufschrift versehen und vo^rei bis zum Eröffnung^- tcnniii, welcher Mittwoch, dcu 27. d. MtS., vormittags 11 Uhr, in Gegenwart erschienener Bieter, stattstndet, emzurerchen. Zuschlagssrist 3 Wochen. ie Gießen, am 21. Juni 1906. . Großherzogliche Kullurmspektion Giesen. W i ß m a n n. Darum! 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