Nr. SS» Rotationsdruck und Verlag bet Brühl'schen Universitütsdruckerel. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.7. Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen. Zweites Blatt 156. Jahrgang Samstag SS. September 1906 Erscheint tüglich mit Ausnahme des Sonntags. Q . Die ,Fletzen« LamMenblMer- werden dem B Oä/F NÄ ifi wj /h aW' .Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der g Ä B U I Zlj 0 Ä B Ü fe f < H „hessische Landwirt erscheint monatlich einmal. ▼ ▼ B ja xr B v V' k! v @ V General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen. U—M—B———■ETW—■—Ul^UM Bekanntmachung. Betr.: Feldbereinigu^g in der Geinarknng Bellersh-.im; hier: die Besitzeinweisung und die Versteigerung der Mastegnmdftücke. Montag, den L Oktober l. IS. findet die Einweisung in den Besitz der neuen Grundstücke und die Versteigerung der Massegrundstücke an Ort und Stelle statt. Zusammenkunft vormittags 8’/4 Uhr bei Großh. Bürgermeisterei Bellersheim, woselbst auch die 93er* steigerrurgsbedingmigen bekannt gegeben werden Die Besitzeinweisung erfolgt vorbehältlich der im Termin bekannt zu gebenden weiteren Bedingungen unter folgenden: 1. MelinrationSarbÄltc« können auf den neuen Grundstücken auch fernerhin vorgenommen werden; 2. EigentumSverän.l-enmgen, die infolge der AuSfühvrmg von Melioratwn^rbeiten, der Anlage von Wegen und Gräben uud dergleichen innerhalb der Zeit der Ausführung dieser Arbeiten notwendig werden, müssen die neuen Besitzer dulden. Ein hierdurch bedingter Ab- und Zugang von Gelände wird dem neuen Besitzer nach dem Bonitätswert vergütet, bezv. zu- geschNeben. Friedberg, den 18. September 1906. Der Großh. FeldbereinigungSkommissar: ______________Spanier, Kreisamtmann._____________ KeklMAtmachung. Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Bellersheim; hier: Die Arbeite» des UL Abschnitts. In der Zeit vom 27. bis einschließlich 29. September l.I. liegen auf der Großh. Bürgermeisterei Bellersheim: Die Abschrift der Entscheidungen drS Schiedsgerichts vom 15. August l. I. über die Einwendungen gegen die Arbeiten des III. Abschnitts zrrr Einsicht der Beteiligten offen. Diese Offenlegung ersetzt die Zustellung der Entscheidung an die Reklamanten und an diejenigen von der Entscheidung betroffenen Beteiligten, die gegen die Arbeiten deS ILE. Abschnitts nicht reklamiert haben. Friedberg, den 18. September 1906. Der Großherzogl. FeldbereinigungskonmnssLrr Spantet, KreiSamtmann. Bekanntmachung. Im Staatsverlag ist erschienen und durch alle Dnch- handlungen zum Preis von 1 Mk. 20 Pfg. zu beziehen: „Prüfungsordnungen und Lehrpläne für die höheren Lehranstalten des Großherzogtums Hessen nebst einigen da§ höhercSchul- wesen betreffenden Bestimmungen^. Amtliche Handausgabe. 8 •, 109 Seiten, in Umschlag broschiert. Inhalt: Die Verordnungen, die Reifeprüfungen an den Gyrn- sNasien, Realgymnasien und Oberrealschulen betr., sowie die Bestimmungen über die fakultative Abschlußprüfung. Die Lehrpläne für die Gymnasien, Realgymnasien, die Klaffen Ib und la der Oberrealschulen, die Realschulen und für die Klaffen VI bis II a der Oberrealschulen, sowie für evangelischen und katholischen Religionsunterricht an den höheren Lehranstalten. Die Verordnung, die Gleichberechtigung der höheren Lehranstalten betr., Schulordnung für die höheren Lehranstalten, sowie einige wichtigere Bestimmungen über das Schulgeld. — Gießen, den 19. September 1906. Großh. Kreisamt Gießen. , I. V.: Tr Wagner._______ Sekanlltmachung. Betr.: Die Abgabe der Einkommen-, VermögenS- und Kapitalrentensteueverklärungen ft'ir das Steuerjahr 1907. Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachungen in obigem Betreff vom 6. August l. Js. werden die Pflichtigen der Stadt Gießen darauf aufmerksam gemacht, daß die Einreichung der Steuererklärungen für das Steuerjahr 1907 bis 30. September l. Js. zu erfolgen hat. Gießen, den 19. September 1906. Großh. Steuerkommiffariat. Dr. Metzler. Der Meteor-Iass. Der Streit wegen der.Au eisun g deZ deu»tf chen Dampfers „Meteor" aus dem Hafen von Plort mouth zeigt wieder einmal, wie weit noch immer die Be- Sieftungcn zwischen Deutschen und Engländern entfernt davon sinv, auch nur normale zu sein. Es handelt sich offenbar um eine mißverständliche Auffassung eines Ersuchens der englischen Hafenb-ehörde seitens des Kapitäns des „gjteteor" und um lZksbheiten des betreffenden Hafenbeamten, keinen- falW aber um eine Unfreundlichkeit der britischen Regierung. Deshalb ist es unangebracht, den Zwischenfall zu einer Haupt- und Staatsaktion aufzulxmschen, und die Aufnahme deK englischen Kridgsministers Haldane in Deutschland in Gegensatz zu stellen zur Behandlung des „Meteor". In etwas sollten ine Bemühungen der deutschenglischen Freundschaftsvereine denn doch aus die Nervosität eingewirkt haben. Am meisten verwunderlich ist die Aufregung unter den sonst so kühl urteilenden Hamburgern. Wenn selbst die mit Englant in engster Gs- schch"tsverbindung stehenden Männer von der Wasserkante von »Spionenangstz" der Briten reden, dann muß man schier an der Atöglichkeit verzweifeln, daß sich mit den Vettern jenseits des Kanals dauernd in Frieden leb°.n läßt. Nach einem Hamburger Telegro-nnu hält der Kapitän des „Meteor" in dem dienstlichen Berickt an die Hamburg- Amerika-Änie die Behauptung übte die brüske Ausweisung aus dem Hafen und eberrw die Beleidigung durch den englischen Hafenbeamten unter Namhaftmachung von 24 Zeugen aufrecht. Wie der „Binsen-Eoupier" erfährt, hat das Auswärtige Amt die Initiative zur Aufklärung des Falles ergriffen und sowohl von London ckts auch von Hamburg Berichte über den Zwisckienfatl eingefordert. Dem „B. D." zufolge scheint festzustehen, daß der „Meteor" an der britischen Ad mir a li tat s-B oje, das. heißt an einer Stelle, wo er nicht anlegen durfte, Anker geworfen hatte. Es scheint weiter erwiesen zu sein, daß Fahrgäste des „Meteor^ vom Verdeck aus versucht haben, Photo gr-.aphische Aufnahmen zu machen." Das offizrose Londoner Reuter-Bureau aber w-ldet: Bor allem ist die Behauptung, daß der Dampfer angewiesen worden sei, den Hafen zu verlassen, durchaus unbegründet. Der „Meteor fuhr am 17. Sept, in den Hasen ein, passirrte den Ankerplatz für Kauffahrteischisse und versuchte, ohne Erlaubnis die Boje Nr. 5 autzunehmen, welche eine der den Kriegs- schiffen vorbehaltenden Blyen ist. Der Hafenmeister des Königs ließ dem „Meteor" sagen, daß er nicht da bleiben könne, wo er sei, sondern weiter heranssahren müsse, womit er meinte: Nach dem An5r?platz der Handelsschiffe. Auf Empfang dieser Mitteilung führ der „Meteor" auf See hinaus. Dieses Vorgehen seitens des „Meteors" war unregelmäßig und gefährlich. Tatsächlich war der „Meteor" nahezu gucr vor dem Dug des englischen Kreuzers „Spartiate", denn der Hafen war sehr voll. Wenn es bekannt gewesen wäre, daß der „Meteor" komme, würde er alle Erleichterungen, die der Hafen bietet, genossen haben, und da er tatsächlich eine Jacht ist, würde ihm ein Liegeplatz zugeteilt worden sein. ES ist zu bemerken, daß der Kapitän des „Meteor" das Schiff bei starker Flutzeit selbst hlerrinbrachte und einen Lotsen erst auf der Höhe des Viktoria-Pier nahm, was ein unregelmäßiges Vorgehen war. Tatsächlich verfehlte d.vr „Meteor" bvc Boje und hätte zu ankern gehabt. Politische Tagesschau. Lee Verschmelzung der Bergarbeiterorgauisatioueu. Mern schreibt uns au5 Dortmund: Der Plan, die verschiedenen Bergarbeiter-Organisationen zu verschmelzen, ging von Mitglieder,: deS alten Ver- (taubeS, von Sozialdemokraten aus, und wurde auch von der Redaktion der ,Berg- und Hüttenarbeiterztg.^ befürwortet. Spiritus rector dieses Blattes ist der sozialdem. ReichStagSabg. Hue. Es wird jetzt mitgeteilt, daß die Zahl der Mitglieder deS christlichen G ew erk vere ine auf 75 000 angewachsen und damit 80000 Mitglieder zählen. Außerdem wird angwommen, daß der hauptsächlich im Bochumer Kreise vertretene Evangelische Arbeiterverein, in dem seit Jahren die Frage des Anschlusses an die christlichen Gewerkvereine dabattiert wird, wahrscheinlich in nächster Zeit den Uebertritt mit diesem vollziehen wird, und zwar trotz lebhaften Widerspruchs und intensivster Gegenbemühung seines Vorsitzenden, des Abg. Franken. Der alte Vorsitzende fürchtete also wohl die Führung oder daS Heber» gewicht zu verlieren. Daher der Wunsch nach Verschmelzung. Im übrigen ist der Plan gescheitert, wenigstens für absehbare Zeit. Eine öffentliche Bergarbeiteroersammlung in Gelsenkirchen, die sich mit den Verschmelzungsfragen beschäftigte, verlief, nach dem Berichte der „Berg- und Hütten- arbeiterztg.", tumultuarisch, und zwischen „christlichen" und „freien* flogen die heftigsten gegenseitigen Vorwürft hin und her. Das war indirekt eine Beantwortung der Vcrschmelz- ungSfrage; direkt ist aber diese gar nicht erörtert worden. Das genannte Blatt behauptet auch, ein Teil der Christlichen sei betrunken gewesen. Das alles sieht nicht so aus, als ob für die Verschmelzung der Boden richtig präpariert wäre. Was endlich die beiden anderen Organisationen angeht, nämlich die Hirsch-Dunckerschen und die Polen, so sind nach Informationen beide der Fusion wenig geneigt. Besonders nicht die Polen, deren Organisation in letzter Zeit infolge starken ZuzugS von Landsleuten bedeutend gewachsen ist, wahrend die Zahl der Hirsch-Dunckerschen stabil bleibt. Liberale Arbeitervereine. Die Monatsschrift der nationalliberalen Jugendvereine ruft aufs neue zur Gründung liberaler Arbeitervereine auf. Sie meint, weil durch die Arbeit der Jungliberalen der Liberalismus wieder naie§ Zutrauen erweckt habe, sei der Zeitpunkt gekommen, wieder gut zu machen, was in den siebziger Jahren versäumt wurde, uänrlich eine große Arbeiterbewegung auf nationaler Grundlage ins Leben zu rufen und stellt für die anzufachende Bewegung das folgende Programm auf: „Gerade der Jungliberalismus ist es, der energisch für eine Fortsetzung der Sozialpolitik eintrilt, der in den Arbeiterversicherungsgesetzen, die ja den Liberalen mit in erster Linie zu uer- danken sind, nicht den Abschluß, sondern den Beginn einer zielbewußten Arbeit zum Ausgleich der sozialen Gegensätze erblickt. Ihm ift es ein leichtes, sich das Vertrauen der Arbeiter zu erwerben, wenn er auf der betretenen Bahn weiterschreitet und die Vertretung alles dessen, was an den Arbeiterforderungen gerecht ist, auf seine Fcchne schreibt. Der materiellen Hebung des Arbeiter- landes muß die Bahn frei gemacht werden _ durch den Ausbau imjerer Sozialgesetzgebung. Die Ärbeiterverficherungsgesehe bedürfen des Ausbaues inbezug auf die Herabsetzung der Lilters- grenze und auf die Einführung der Witwen- und Waisenversicherung. Der Arbeitslosensürsorge muß unsere vollste Aufinerkfamkeit gewidmet bleiben. Sicherung des Koalibionsrechts, Erteilung der Rechtsfähigkeit für die Beruisoereine, Förderung der Tarügemciu- chaflen, Einführung eines Maximalarbeitstages sind weitere Ptmkte, die wir zu forbem haben. Hand in Hand damit hat die Unterstützung der ideellen Bestrebuugen der Llrbelterschaft zu gehen. Die Volksbildung und die Pflege oollstümlicher Kmyt stnd dankbare Ausgaben für liberale Vlünner. Vor allem aber ist die politische Gleichbere^'NgllNg in Reich, Bundesstaat und Gemeinde zu cr- trebeit. Co äuge der Arbeiter im Vaterlande minderen Rechts ist, können wir die Jniernarionalttätsduselei nicht mit Erfolg bekämpfe ! Hundertlatlsende von Arbeitern sind heute unzufrieden mit dem vollständigen Versagen der Sozialdcmokralie als politische Partei. Sie sind empört über den TerrorismrtS und tue finanziellen Opfer, die ihlten die Partei auserlegt. Aber iveu sollen sie denn wählen, wenn sich nicht der LiberaliSnncs ihrer annimmt? TaS Zentrum hat es verstanden, trotz der sozialdemokratischen Orgairisation viele Tausende von Slrbeitem um sich zu scharen. Warum soll das den: Liberalisntns nicht auch gelingen? 9loci) ist es Zeit! I1/, Millionen Arbeiter sind erst in den sozialdemokrat. Gewerlschaiten organisiert, 10 Millionen sind in der Unfallversicherung versichert. Das zeigt, daß für eine nationale Arbeiterbewegung noch viel zu erreichen ist l" Aus SraSt mit fcano» Gießen, den 22. Sept. ** Die Woh-nungisgeldzuschüsse für die Staatsbeamten. Die in Vorbereitung befindliche Regierungsvorlage inbetreff der von der Kammer beschlossenen WohnungsgeldAuschüfse wird, tvie wir hören, für die unteren Einkommen der Beamten einen. Zrffchuß von 12 und für die höheren Einkommert einen Zufchuß von 8 in Vorschlag bringen. Auch eine Stovelle zunt Ur- knnde-.rstemftelgeseh ist für den Herbst zu erwarten. zwei te Kammer trftt in der * «regten Hü lfte des Rovember zur Entgegennahme des neuen Staatshaus°z Halts zu-samnecn. AuS dem Bureau des Ätadtthe-aters. Der DH c»ierpvospekt für die komwrnbe Spreheit wird am nächstei: Montag ausgeaeben. — Mahrungsgemäß häufen sich btt- Wonne men tsbestellungen in den letzten Tagen vor dem Sarsonbeg'mn so, daß Verzögerungen in der Ausfertigung sÄH nicht vermeiden lassen. Es werden deshalb vor allevr oie alten Wonnenten gebeten, sobald als möglich die Abonnements zu erneuern, damit alten etwaigen Wünschen Rechimng getragen werden kann. Die Wonnements- bedingungen sind dieselben wie früher. Der Vorverlauf befindet sich ebenfalls wie früher in der Musikalienhandlung des Herrn Ernst Ehallier, der jederzeit Momlements- bestellungen entgegennimmt *’ Die Stenograp Hen-Gesellschaft GabelS- berget beginnt nächsten Dienstag abend einen stenograph. Unterrichtskursus im Hotel Einhorn. Wir verfehlen nicht, auf bu|i Gelegenheit zur schnellen und billigen Erlermmg der so wichch,.in und nützlichen Kunst hinzuweisem R. B. Darmstadt, 21. Sept. Die Desi-setzung der sterblichen Ueberreste des Abg. Häusel erfolgt am Samstag nachmittag 3 Uhr -in Mich.elsta dt t O, Ltammerpräsideut Geh. RogierungsratHaas gedenkt ber Beisetzung selber beizuwohnen und namens' der ztveiteu Ständekammer einen Kranz für das verstorbene Kammermitglied niederzulegen. Sitzung de» Provinzial-Ausschuffes. Gießen, 19. Sept. 1906. Die 54jährige Landarme Dlargarethe Schmidt von Bremen mußte am 12. April v. I. wegen Gelenkrheumatismus m die hiesige Klinik ausgenommen werden. Die hier- dlirch entstandenen Kosten wurden vorlagSweise von dem Ortsarmenverband Gießen getragen. Da die Schmidt erst am 27. März aus der Klinik in Marburg entlassen worden war und sonach die Annahme nahe lag, daß eS sich um eine Fortsetzung des dort bestandenen Leidend handele, forderte der Ortsarmenverband Ersatz der Kosten von dem Landarmenverband Kassel. Dieser lehnte die Forderung ab, weil die Schmidt als geheilt und zu leichteren Arbeiten fähig aus tber Marburger Klinik entlasten worden sei. Nunmehr verlangte der Ortsarmenverband Kostenersatz von dem Landarmenverband Gießen, was dieser jedoch ab» lehnte, da die Krankheit die Fortsetzung einer schon in Marburg bestandenen gewesen sei. Der Ortsarmenverband wurde sodann bei dem Provinzial-Ausschuß gegen den Landarmenoerband Gießen klagbar. Der Provinzial- AuSschuß wies heute die Klage kostenfällig ab, weil der Nachweis darüber nicht erbracht war, daß es sich in Gießen um einen neuen Pflegefall handelte. Auch für den Landarmen Heinrich Kimpel, geboren 1833 in Licderbach, hatte der Ortsarmenverband Gießen Pflegekosten vorgelegt, da dieser an Lungenerweiterung litt, und Ersatz von dem Landarmenver- band Gießen vertangt. Dieser lehnte den Ersatz unter dem Hinweis darauf ab, daß Kimpel kurz vorher aus dem Krankenhause in Bockenheim entlassen worden sei, und da das Leiden Kimpels unheilbar sei, so sei die Erkrankung nur als eine Fortsetzung der früher bestandenen anzusehen. Demgegenüber machte der Ortsarmenverband geltend, daß Kimpel aus ber Klinik in Bockenheim als geheilt entlasten worden sei und das Leiden Kimpels zeitweise geringe Erwerbsfähigkeit nicht ausschließe. Trotzdem erkannte der Provinzial- AuSschuß in seiner heutigen Sitzung auf Abweisung der Klage, da nicht nachgewiesen sei, daß Kimpel in der Zeit von seiner Entlastung in Bockenheim bis zum Hervortreten der Hilfsbedürftigkeit in Gießen wirklich fähig gewesen sei, zu arbeiten und sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. lieber einen weiter verhandelten Fall wurde bereits gestern berichtet. > .. ■ *?'------------ - ................. ... Vermischtes. • Wieder ein furchtbares Eisenbahnunglück. Einem Telegramm aus Knoxville (Tennestee) zufolge sind durch Dynamitexplosion auf einem Waggon der Bahn Lou isv tllc—Nashville in der Stadt Jellice eine - zahl Personen getötet und etwa dreißig verwundet rooruv.u Nahezu sämtliche Gebäude de§ Geschäftsviertels wurden stark beschädigt. — Eine weitere Meldung stellt fest, daß die Stadt Jeliee durch die Dynamitexplosion so gut wie zerstört ist. 9 Personen sind tot, 50 verletzt, 500 obdachlos. Ter Schaden wird auf eine Million Dollars geschätzt. E- wird angenommen, daß die Explosion durch Selbstentzündung entstand. Der baS Dynamit enthaltende Waggon stand auf einem Nebengeleise ber von ber Southern- und verm. ®tuii GingesernSt Rubrik ftefcnben Artikel Vubli Verantwortung.) H o h e n s a l z a, 21. Sept. Tas Kriegsgericht verurteilte unter Aushebung der schweren Strafen der ersten Instatzz von den vier Soldaten des 140. Regiments, welche zu Pfingsten eine Prostituierte e r st o ch e n hatten, die Soldaten Kannig und Weitenhagen zu je zwei Jahren und einer Woche, die Soldaten Könnecle i^d^Sch wenn eck an je vier Monaten und einer Woche Gefängnis. Tas ist sehr fein und verhalten geschildert. Ter vernichtende Sinn des Opfers, er teirb zu dem befruchtenden und fruchtbaren Geiste des Wirkens, er wird zur Positivität der Lebensführung, zu nutzbaren Werten, zur Nntzbringung des Lebens geführt. Und Benedetto geht seinen Weg. Ter Abt verweist ihn aus Santa Scolastica und schickt ihn nach dem benachbarten Jennc. Er lebt hier abseits von der Welt in Gebet und Arbeit, in Entbehrung und Wohltätigkeit. Man glaubt so an ihn, daß man an seine Wunderrraft glaubt — und man klagt ihn an, wo sie nicht wirkt. Die Iü- triguc, die Verleumdung, die falsche Pfaffheit ist hinter ihm her. Er bewahrt seine Demut vor seinem Vorbilde, Christus, er geht dem Vergleiche mit seinem Wirken und Leben aus dem Wege, er lehnt die Bezeichnung „der Heilige" ab, aber er läßt sich hinreißen von dem Gefühl ferner Sendung, von der Glut seiner Ucberzeugung, von dem Feuer seiner altes erfassenden und alles umfassenden Liebe. Es treibt ihn nach Rom — und er geht nach Rom, wohin ihm der Ruf eines Heiligen vorausgcgangcn. „Ter Heilige von Ienne", der das Volk entzündet. Wohin aber auch die Verleumdung folgt. Wohin die Jntrigue schon ihre Fäden gesponnen, wo die Anklage schon vorbereitet ist, und Porter wider Partei steht, Interesse der Einzelnen entgegen den Interessen des Ganzen. Und Benedetto kommt zum Papst. Eine prachtvolle Szene, die Pius X. in ein eigenes Licht rückt; voller Intimität, voller Begeisterung, voller Freimut die Schilderung. „Tie ganze Priesterpartei, heiliger Vater, — sagt Benedetto — ja sogar alle religiösen Männer, die heute den fortschrittlichen Katholizismus bekämpfen, würden in gutem Glauben, in Mofes' Namen, Christus haben kreuzigen lassen. Sie sind Fanatiker der Vergangenheit; sie möchten alles in der Kirche unveränderlich haben bis aus die Formen der päpstlichen Sprache, bis auf die Palmenwedel, die dem priesterlichen Herzen Eurer Heiligkeit widerstreben, bis auf die sinnlosen Traditionen, die es einem Kardinal verbieten, zu Fuß aULzugehen, und es skandalös finden würden, wenn er die Armen in ihren Häusern aussuchte." — „Ich bin ein armer Schulmeister", — erwidert ihm der Papst, — „der unter siebzig Schülern zwanzig hat, die untermittelmäßig sind, vierzig mittelmäßige und nur zehn gute. Er kann seine Schule nicht einzig nach diesen zehn guten richten, und ebensowenig kann ich die Kirche nicht nach Dir und denen, die Dir gleichen, richten." Benedetto wagt hier noch die besondere Tat, der Indexkongregation die Bücher Selvas zu entreißen. „Die Kirche duldet Tausende von dummen asketischen Büchern, die die Idee Gottes im menschlichen Geist unwürdig verkleinern; möge sie doch diese nicht verdammen, die sie vergrößern!" Gegen diese Szene beim Papst fällt die bei dem Polizei- kommandantcn und dem Minister etwas ab, übrigens die einzige des Werkes, die weniger packt. Aber cs fallen gute Bemerkungen: „Man sagt mir, daß Sie ein freidenkender Katholik sind. Tas heißt einfach, daß Sie kein Katholik sind", sagt der Polizeimcister. Und was Vene- )etto empfand: „Welch schamloses, geheimes Buhlen zwi- chen diesen Leuten der Kirche niib denen des Staates, die einander hassen, einander verachten!" — Drei Tage haben Sie Zeit, um Rom zu verlassen", mit diesen Worten entläßt ihn der Polizcimeistcr. Kirchtiche und Polizeigewalt wissen die verborgenen Wege zu finden und die versteckten Gänge zu graben, in die ein unbequemer Eiferer verschwinden muß, wenn es im Namen Gottes oder des Gesetzes Nrdda, 20. Sept. Es ist eine merkwürdige Geschichte: Voriges Jahr, nid die Fleischpreise z u steigen ansmgen, schrie und lärmte alle Welt — heute, wo sie noch immer steigen unb schließlich manchem Familienvater mittleren Standes den Fleischgenuß fast unmöglich machen, ist es ziemlich ruhig. Und doch kann es so nicht weitergehen, daß immer höheres Steigen eintritt. Von einem Metzger, der dieses Steigen ankündigte, wurde mir nv.f meine Anfrage nach der Ursache die Antwort: Wir können kein V ie h m e hr von den Bauern bekommen und^ müssen uns mit unserem Bezug n a dj größerer. Stabten ro c n b c n, deshalb müs- cn mir höhere Preise nehmen. Warum aber rücken die Bauern kein Vieh heraus? Weil ihnen die Preise gefallen und ie sie noch höher wünschen: weil sie Futter die Menge haben und den Vieb'iand vermeh-en können. — Nun eine andere :n gegenüber keinerlei übernimmt die Rcdaltw'i dem notwendig erscheint. Zum letzten erprobt sich noch die Anhänglichkeit des Volkes an den Heiligen — wie er stirbt. Er hat Seelen gewonnen — und er hat sein Leben durch seine Bekenntnis und seine Tat verklärt. Er hat das J'accuse! Zolas hinausgerufen — er hat prophezeit, daß die „Wahrheit unterwegs" ist. Unb die Wahrheit, die unterwegs ist, ist nicht mehr aufzuhalten, auf tvelchem Gebiete es auch sei. Die Wahrheit ist immer siegreich — das ist ihr höchster Sinn, der Sinn des Vertrauens, über allen Aufenthalt, über allen Rückschritt, über — und das ifr das Wichtigste — über alle Gegenwart hinaus! Tenn die Wahrheit, das ist immer und überall die Zukunft! Ihr wollen wir leben! Aber wahrhaft leben! Das ist die Predigt des „Heiligen", das ist seine Verheißung, das ist sein Beispiel! Für den Katholizismus? Was will das heißen? Warum wollen wir unser Leben zerschneiden in Spezies, um die Gültigkeiteu großer Ideen anzweifeln zu können! Was für ein Gebiet es sei — der Wert der; Wahrheit bleibt der gleiche. Ter Katholizismus könnte ein literarisches Kunstwerk geschaffen und gewonnen haben. Er hat cs abgelehnt. Wehe, wenn heute einer der großen Renaissancekünstler käme! Michel Angelo und die Pfaffheit! Ironie der Götter! Ter Künstler braucht Weite, braucht Bewegung, braucht Ent- lviülung. Ter Katholizismus hat sie den Großen gelassen, die er für sich reklamiert. Tas war, wie er noch Weite in sich hatte, wie die Macht der Zeit und der Geist des Lebens ihn weiteten. Ta er, herrschend, den schöneren Beruf hatte, beherrscht zu sein. Herrschend ist er auch in diesem Werke des Fogazzaro, denn wenn man sogar die Freiheitsideen hier für sich zusammen nähme, es käme Katholizismus heraus — aber er läßt sich nicht von ihm beherrschen. Er setzt cs auf den Index. Ter Roman ist durchdrungen und durchtränkt vom Katholizismus, von seiner Idealität und Ursprünglichkeit, aber er ist kein kirchlicher, er ein freiheitlicher! „Ter Heilige" ist ein Iwei- heitswerk — begrüßen wir es, nehmen wir es als solches auf! Es ist ein Kunstwerk! Ein Tcndenzwerk? Ja auch! SIBcr die künstlerische Kraft, die dichterische Persönlichkeit, reicht auch aus für. die Tendenz. Und darauf kommt's 3iurr ,a,.n' ow artistischen Impotenzen mit ihrer gepflegten und behüteten Schöngeistigkeit dürfen beruhigt sein Freilich eines: das Werk ist ganz und gar italienisch. Es nährt sich ganz und gar in Italien — es ist romanisch seiner ganzen Art nach Es hat daher seine glänzende, hinreißende oeredtsamkeit, dre Pracht der Tarstellung, den Schwung und die Grazie der Kraft. Es hat Kultur — es hat diese s^o^rPrde Kultur der Lebensbeherrschung in seinen Wirk- lichreitsschitderungen unb in seiner Jdeenaussprache — die stuidierenee Kultur der Schönheit, die ihrer Wahrheit keine Gewalt anzutun braucht. Und diese Kultur strömt dem Dichter sowohl ans seinem Volke, als auch aus dem Katholizismus zu. y Man sagt mir, daß man den „Heiligen" mit „Hrlliqenlei" verglichen habe, ihm gleichgestellt habe. Nun, „Hilligen- Ift eine Wassersuppe, der „Heilige" ist ein c “ e.,r £ 11 k- Frenssen ist ein Macher, der seinen kalten Protestantismus höchstens zur Predigt aufzuwärmen ver- 'Ohr — Fogazzaro ist ein Dichter, der von Gluten erfüllt ist. Bei ^renssen wird alles spekulativ, Fogazzaro hat das, was die Franzosen „le grand soufste" nennen — pathetische Unmitleloarkert. Wilhelm Holzamer, nul ’ „ WZ Der unterste Acr K-iligc. Nachdruck ücrBoten., • - , Die katholische Kirche hat Antonio Fogazzaros Vornan „Jl santo" — „Der Heilige"*) auf Grund seiner Reformideen auf den Index gesetzt. . . . Aber trotzdem lebt ein katholischer Geist, ein Geist !wahrhaft religiöser Empfindung, ein Geist positiv sich betätigenden Christentums. Vom positiven Kirchengeist ist er ihielt entfernt, dafür empfindet er das Reformatorische, ;ba§ Revolutionäre, das Unwürdige der Gegenwart zu stark, !dazu fühlt er zu mächtig fein Zukunftsziel: wieder ein iLebenssaktor zu werden, das Leben ivieder mit dem.Geiste öer Religiosität, der katholischen Christlichkeit zu durchdringen. Hier setzt Fogazzaros „Heiliger" ein; da ist der alte Giovanni Selva, der Kirchenkritiker, der ganz vom 'Katholizismus durchdrungen ist und nicht nur ein Theoretiker, sondern ein Verwirklicher ist. Und bei ihm - draußen im Tale der Aniene, nahe bei der Klostergründung des heiligen Benedikt, — die Beratung in abendlicher Stunde, iwas zu tun sei, um die Kirche zu einem wahren Lebendig- sem wieder zu erwecken. „Wir sind eine Anzahl Katholiken tin Italien und außerhalb Italiens, Geistliche und Laien, hie eine Reform der Kirche erstreben. Wir wollen 'diese Reform ohne Empörungen, durch die gesetzmäßige Autorität herbeigeführt sehen. Wir wünschen Reformen des ^Religionsunterrichtes, Reformen des Kultus, Reformen der ^Disziplin des Klerus, ja auch Reformen des höchsten kirchlichen Regiments." Und hier fällt das Wort: „Ist unter ^uch ein Heiliger? Oder wißt Ihr, wo Ihr ihn hernehmcn könnt? Nehmt ihn und stellt ihn ins Vorbertrefsen!" Das Wort ist in spöttischem Sinne gemeint, aber der Heilige .existiert. Don Clemente, der edle, selbstlose junge Pater — -vielleicht selbst ein Heiliger, oder einer, der es sein könnte — hat ihn mitgebracht. Es ist Benedetto, der Gärtnerbursche Sn Santa Scolastica, der draußen wartet. Aber die Versammlung erfährt nichts von ihm. In der stürmischen Nacht, die dieser Unterredung gefolgt ist, eröffnet sich Benedetto dem Pater. Benedetto ist ein Asket, ein Büßer. Er büßt für fein vergangenes Leben, er büßt für feine sündige Liebe. Unb er hat sich ganz der Liebe bes Herrn gegeben, unb t— er verwirklicht auch ganz diese Liebe zum Herrn. Mehr ist nicht nötig, „ein Heiliger zu fein. Das Durchdrungen sein öon der Frömmigkeit, das Erfülltsein von einem höheren Sinn, das Erfülltsein von seiner Idee und Sendung, der Glaube an seiner Berufung und der Mut unb die Konse- Tenn was ist das, was die anderen haben, das Wort? Tas Wort ist ein fliegender Pfeil, der sich im Leeren verliert. Die Tat bezwingt die Welt und stellt sich den Menschen voraus und zieht ihnen voran auf irren Wegen und führt zur Klarheit und Wahrheit. Tenn was ist ein Kleid, in das sich die Schwächen und Eitelkeiten der Menschen hüllen; aber die Tat ist das Wesen und der Kern, ist die Wahrheit. Hier setzt im Heiligen die positive, zusammenfassende Kraft des katho- ^Ichen Geistes ein und zeigt und bewährt sich an Benedetto. L überwindet seine Liebe zu Jeanne Tessallc, die am gbenb zu den Selvas gekommen ist unb die er beim Ein- tritt in das Haus wiebergesehen. Mehr — er führt sie in seinem Verzicht zum Werke, zur Werktätigkeit an den Menschen. Er fuhrt Noemi, ihre Freundin, zum Glauben. *) Deutsch von M. Gagliardi, verlegt bei Georg Müller München. ' b schöne Zwuu. £11,e Idjülie 5-Qji zu Den ^Jücnjiücf & r--veriLL'"""E Hochs, h" Nm* ™c-ni Z-W KM -Merez iu »e doch etwas belebt und zogen diese kräftig an. Für am e rrkan. S h a v e s , wie : Baltimore unb Pennsylvania herrscht andauernd gute Meinung, wenn auch vorübcrgehenb Rcalisirungen stattfinben. Man erwartet für Harvener Bergbau und Laurahütte günstige Jabresabschlüsse, daher sind auch die Tividendenschätzimgen über vorjährige hinauSschießend. Ob hier nicht der Wunsch Pater des Gedankens ist? —1 Ger>"'ckite über eine zu gründende Ostasiatische neue Dmnpsschiffs-Gcs. als Konkurrenz gegen Hamburg-Packet wurden dementiert. Beide Deutsche Gesellschaften, Packet und Lloyd fest. Aus Rußland fehlen Nachrichten, welche geeignet wären, politische Schlüsse zu gewähren, dagegen ist auch sonst Ungünstiges nicht gemeldet worden. Rufs. Renten preishaltend. Türkische Fonds leicht abbröckelnd; jedenfalls auch in Zusammenhang mit der RcichSbankdiskontoerhöhung auf ö %• Bon Indu st r i e ° Aktien W i tteuer Stahl prozentwe'.se gebrückt, auch Seil-Wolk, Klcyer und Höchster etwas schwächer. O e st e r r. K r e d i t a k t i c n preishaltend. Inländische Banken ohne Animo weil die Emisionstätigkcit nun schon seit mehreren Monaten vollständig lahm liegt. Bcrl. Handelsges. steigend, da das Institut ein industrielles Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewanbelt hat. — Privatbiskonto 43/8 °/0. Märkte. Gießen, 22. Sept. Marktbericht. Ans heutigemWochenmaikte kostete-.: Butter pr. Psd. 1.10—1.15 Mk., Hühnereier 1 St. 8-9 Big., 2 Stck. 00—00 Pfg., Gänsceier 00—00 Mg., Enteneier 0 Pfg., Käse vr. Stck. 6—8 Pf., Käsenmtte 2 Stck. 5—6 Pfg. Erbsen v. Pstmd 22Pfg., Luisen n. Pfund I2Psg„ Tauben pr.PaarO,80—1,00 Dtk., Hühner pr.St. 1,00—1,60 Ml., ^ähi e pr. Stück 0,80-1,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80-2,20 Mk., Gänse ur. Psd. 00-00 Pfg., Ocbscnstcisch pr. Psd. 82—88 Pfg„ Kuh-und Rindfleisch pr. Pfund 80—82 Pfg„ Schiveine- fleisch vr. Pfund 90—100 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 104 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 80—84 Pfg., Hanunelsteisch pr. Pfund 60—80 Pfg. Welsche per Pfund —.— Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,00—8,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 6,00—0,00 Alk., Milch per Liter 20 Pfg., Aepsel ver Pfund 15 bis 18 Pfg., in Körben 00 Pid., Nüsse 100 Stück 00—00 Pfg., Birnen per Pid. Mk. 0.00—0.00, per Ztr. 10—15 Mk., Zwetschen per Ztr. 3-3,50 Mk., Weißkraut per Stück 15-20 Pfg., per Zentner Ntk. 0.00-0.00. — Marktzeil 8—2 Uhr. ke. Frankfurt a. M., 21. Sept. Heu- und Stroh- markt. Man notierte: Heu Mk. 2.90 bis 3.20. Stroh Mk. 2.40 bis Atk. 2.70. Alles per 50 Kilo. Tendenz: Geschäft flau. Die Gründe der Flauheit waren die feuchte Witterung und die jüdischen Feiertage._________ (Für den Inhalt der unter dies Sache. Seit einiger Zeit geh). Wr bas Ger§3??, die Milch Müsse- von 8 auf 10 Pfennig der Schoppen kommen, in Kürze werde e2 so sein. Warum das? Früher hieß es: Wir haben ?eiir, Futter: jetzt ist Futter da und doch die Lust nach Erhoheni der Milchpreise. Dabei ist doch bei uns kein Zwischenhandek. möglich, dem man sonst alles in die Schuhe schiebt. Es ist eine Versündigung an unserem Vol k, daß man die für Ernährung der Kinder so nötige Nahrung so unbegründet verteuert. Hier hilft nur ein Mittel. Nachdem die, Negierungen die Landwirtschaft so freundlich behandelt, muA sie, sofern die Verteuerung an Fleisch und Milch eine Ungerechtfertigte ist, mit ihrer Freundlichkeit aufhören und die Oeff»j nung d'e r Grenzen ankundigen, daß dann Fleisch Volk! außen bereinlommen kann. In diesem Falle, würden sich doch die Lanowirte besinnen mit ihrem fortwährenden Aufschlagen der. Preise. Wir furchten sonst, daß die Reichstagswahl in 1908 eine schlimme Quittung den Regierungen ausstellen möchte; denn die am meisten Betroffenen, das sind die mittleren Beamten, zumal wenn sie zahlreiche Familie haben, werden nur einem Abgeordneten die Stimme geben, der gegen die Ab.schließung ber Grenzen ist. 4 ___ Eine ständige Knnstgewerbr-Ansstellung in Gießen gegenüber dem atten Schloß. Ein bedauerlicher Zug unserer Zeit ist das Bestreben eines Teiles des kaufkräftigsten Publikums, seinen Bedarf an Kn.nst- und kuristgewerblichen Gegenständen nur in den Großstädten decken zu wollen. Und doch weisen fast alle, kleineren Städte — besonders auch Gießen — Geschäfte aust die sich hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit recht wohl mit gleichartigen Firmen in den Großstädten messen können., Es ist klar, daß beim Einkauf in Geschäften kleinerer Städte auch ein erheblicher Preisvorteii vom kaufenden Publikum! erzielt wird. Denn die überaus höhen Gefchäftsunkosten, die den großstädtischen Geschäften durch hohe Mieten, Re- llamcausgaben u. dgl. erwachsen, verteuern naturgemäß die Preise. Nehmen wir z. B. die moderne Möbel- und Ausstattungsbranche! Hat man es' nötig, von' Gießen nach der Großstadt zu reisen, um dort 'eine stilvolle Wohnungseinrichtung oder ein kunstvoll gearbeitetes Einzelmöbel zu erstehen? Nein! Wir haben in Gießen leistungsfähige Firmen genug, die den großstädtischen Ge-j schäften mindestens ebenbürtig siM So z. B. die bekannte Möbelfirma Th. Brück am Brandplatz! Sie verkauft nicht« nur alle erdenklichen Möbel und Ausstattungsstücke —, auch auf Teilzahlung —, sondern sie stellt in ihren aus-- gedehnten Fabrikationsräumen auch Möbel her nach eigenem originellen und modernen Entwürfen. ZU den Ausstellungsräumen der Firma werden dem Besucher über 100 vollständige Zimmereinrichtungen in jeder Geschmacksrichtung vor Augen geführt. Der alte Ruf der seit 1858 bestehenden Firma bürgt für beste Lieferung und gewissenhafteste Bedienung. Beweis dafür sind zahlreiche freiwillig abgegebene Anerkennungsschreiben, welche tzie Firma auch über vor langen Jahren gelieferte Ejnrichlungcn aufzuwcisen hat. Hier einige'Proben: Fran Prof. Z. schreibt: Die für meine Tochter Frau Privat- boc. Dr. E. von Ihnen nach unseren Wünschen angefertigten Wohnungseinrichtungen haben sowohl im Entwurf, wie in der Ausführung u.nfere volle Anerkennung gefunden usw. Reg. unb Oberbaurat W. in Frankfurt: Den Empfang der Möbel bestätige und crlläre, daß bie Ausführung ganz nach meinem Wunsche ausgefallen ist unb meinen vollen Beifall hat usw. Herr Kaufmann H. hier: .Hiermit spreche ich Ihnen meine volle Anerkennung über die von Ihnen für meine Tochter Fran Assessor S. in Dieburg bei Darmstadt gelieferte Ausstattung meiner Tochter aus. Bei Erwiderung der Besuche war jedes entzückt von der geschmackvollen modernen, sowie aedieaencn Einrichtung usw. usw. 1. (iiflije 5jn eni'm;, joiott oi Shwiß ctemiti ö'junmenuolju guveun. Mh.Ä/e jn öer au. (in; eine ö-Zimmerw.: an vüljige Leute z E, Lqoue mit Zubehö r» vermieten, 3 schone b-Zmu nut Milche u.ßul Aenban, Eder- 8» ucnnictcn. Gail Ltücirath ___äeliei . i!-Ori)tU!(agc] iuiimenvoljmiim W ioiort ju beiher LouiSville and Nashville-Bahn gemeinsam benutzten Telle des Güterbahnhofcs. * Vom Taifun in Hongkong. Wie nachträglich bekannt wird, sind allein auf einem Hof während des Taifuns 150 Schüler ums Leben gekommen. Der französ. Marineminister Thomson ist informiert worden, daß der Torpedojäger „Francisque^ wieder flott gemacht worden, daß seine Lage aber noch bedenklich ist. Der Rumpf des „Fronde" ist schwer beschädigt. Das englische Kanonenboot ,König" ist vollständig verloren. Die Leiche des Bischofs von Viktoria ist noch nicht gefunden worden. Ein zweiter Sturm, der jedoch we-niger heftig war, ist vergangene Nacht auSgebrochen. Er dauerte 6 Stunden und hat ebenfalls großen Schaden angerichtet. Laut Nachrichten über Nem- york fielen" dem Taifun außer den im Hafen von Hongkong zerstörten Schiffen etwa 600 Fischerboote zum Opfer, so daß der Verlust an Menschenleben auf 10000 zu schätzen ist. * Das Erdbeben auf Sizilien. Am 19. und 20. ereigneten sich in Palermo neue Erdstöße, ebenso auch in Trabia unb Termini, wo sie mit besonderer Heftigkeit auftraten. Die meisten Häuser zeigen große Risse unb sind unbewohnbar. Die Bevölkerung beider Orte lagert auf den Feldern. Au§ der Umgebung werden Lebensmittel herbeigeschafft. Der Turm der Kirche von Termini ist ringe st ü r z t, desgleichen die Schule, wobei der S ch u l d i: n e r verschüttet wurde. Das Rathaus droht ebenfalls einzustürzen. Ein Güterzug wurde durch das Erdbeben ins Meer geschlendert. Diebesbanden plündern die ver- laffenen und eingestürzten Häuser. Am 21. dS. wurden in Termini abermals Erdstöße verspürt, die bei der Bevölkerung eine Panik hervorriefen und durch die noch mehr Häuser beschädigt wurden. Lcrn-LVistSschQft. fe. AUS b e in Kreise Wetzlar, 21. Sept. Die Zwetschenernte bringt einen kolossalen Ertrag. Leider fallen die Preise. Für auserlesene Ware werden 2,50—3 Mk. bezahlt. Da lohnt sich bei dem Mangel an Arbeitskräften kaum das Pflücken. Es wird außerdem schwer sein, die Ware alle an den Mann zu bringen. Kassel, 20. Sept. Die landwirschaftliche Berufs- genossensckiafr für Hessen-Nassau veranstaltete in den Jahren 1902—1905 in 29 Kreisen wiederum Rentennacbprümngen. Es wurden 6292 Personen untersucht und darauf 1200 Renten aufgehoben, 1295 vermindert und 11 erhöht. Die Ersparnis an jährlicher Rente belief sich dadurch auf 102 385 Mk., denen ]2293 Mk. Unkosten gegenüberstanden. Gelegentlich der ersten RentenpWung wurden nur 500 Renten ausgehoben. Die Zahl hat sich also ver- doppelt, während die Zahl der untersuchten Personen nur um ein Fünftel gewachsen ist: die Rentenersvaniis ist fast um 31 000 Mk. gestiegen. Der GenossenschastSvorstand hält es bei dieser Sachlage für zweifellos, daß die Rentennachprüfungeii dauernde Einrichtung der Genossenschaft bleiben müssen.______________________________ ■ßattöcl rrttd Verkehrt, Rl. Frankfurter-Börse (W 0 chenbericht.) Die englische Bank hat trotz der dieserhalb gehegten Besürchtung keine weitere Diskonterhöhung Dorgeuommen, aber wie immer vor hohen israelitischen Feiertagen bewegte sich das Geschäft in sehr geringem Umfange. Für den bevorstehenden Ultimo dürfte sich eher Stückmangel Herausstellen, es ist aber kaum ein Rückgang spekulativer Werte zu gewärtigen. Bei Lombard-Aktien bat die Erledigung der Stempelfrage lNachstempeluna mit 20 Pfg.) das Geschäft darin 6-Zimmer»' oder auÄ 4426®^ — Hosma Beletage, 6Zi zu veuu. Nahl ---Luvlvi schöne 6-Zmn 6 1 Der «ntersle Aleichllrage ‘t nut Wtcnan per 1. Oktober Näheres A pjTg wroye W (5 Zmmer 1 1. Ott. der zn ^crnhoülr. 5-Mmeuv l.Liagepersos mieten. Btcic "ÜörÄüfl im 3. 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Nach vorangegangener Ausbildung nach unserem System ist der Fmlcin Bfflas’ie die Vertretung für Gießen übertragen und seien Meisterinnen und Eltern, denen das Wohl der Gehülfinnen und Lehrlinge am Herzen liegt, ganz besonders auf unsere sehr leicht faßliche, sachgemäße Verfassung und Lehrmethode aufmerksam gemacht, denn nach den heutigen Zeit- und Modeverhältnissen ist und bleib: die Schneiderei ohne sachgemäße Ausbildung eine wahre Qual und deshalb wird nach dieser Verfassung fast in ganz Deutschland in größten und kleinsten Stabten in Zuschneide-Schulen sowie in Koch- und Haus- Haltungsschulen, in Gewerbe-- und Industrieschulen mit hervorragenden Leistungen gelehrt. Auch Damen, welche nur für eigenen Familienbedarf zu schneidern gedenken, sei diese Schule sehr empfohlen. Systematische Lehranstalt Werremeyer, Westfalen. ----------------- Tüchtige, fachkundige Vertreterinnen werden tu allen Städten eingestellt. ----------------- Haupt-Niederlage für die Provinz Sachsen: Zeitz, Rossmarkt 8. 06939 Im Anschluß an Obiges erlaube ich mir, die geehrten Damen von Gießen und Umgegend daraus aufmerksam zu machen, daß jedermann das System Werremcycr innerhalb 2-3 Tagen gründlich erlernen kann, und es keineswegs eines Wochen- langen Zeichenunterrichtes bedarf. — Meine langjährige praktische Tätigkeit in der Schneiderei setzt mich in den Stand, die Damen im jeder« nach der heutigen Methode zu unterrichten. Der Kursus beginnt den 1. Oktober und nehine Anmeldungen jederzeit entgegen. Hochachtungsvoll ____NANTES In Löbershof 9, p. Größte Auswahl in Öfen u. Herden, Küchengeräten, email, Geschirr, Zug-, Hänge- u. Stehlampen, Waschmaschinen verschiedener Systeme, Obstpressen, Kupferkesseln u. eiserne Kefselgestelle, sowie alle in dieses Fach schlagenden Artikeln. 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Für Werkzeuge und Materialien, welche den Schülern während der Unterrichtszeit gestellt werden, find von jedem derselben 2 Mark zu entrichten; die Schüler der höheren Lehranstalten haben außerdem noch ein Schulgeld von 4 Mark zu bezahlen. Anmeldungen zu dem Unterricht werden zur oben angegebenen Zeit in genanntem Schulhause entgegen genommen. Gießen, den 21. September 1906. B23/9 Mecum, Oberbürgermeister. Hahn, Rektor. £ata-Nn$Nt|. Sonntag, den 23. September I. tedestarafabri auf der Badenburg daselbst volkstüml. Wettturnen, Stabübungen, Schau- und Kürturnen mit Konzert. 5699 Anfang 2 Uhr. Freunde und Gönner der Turnsache sind hierzu Höst. eingeladen.______________________________Der Vorstand. MmOstendMunbergerStrHe Sonntag den 23. September 1006: Großes Tanzvergnügen bei gntbesetzter Streichmusik. 06957 _________Eintritt frei!_________ Gesangverein Heiterkeit. Samstag den 29. September: Abendunterhaltung, verbunden mit Konzert, Theater und Tanz im Giessmr Festsaal (öafö Leib). Anfang 8 Uhr. Der Vorstand. (Nur vom Vorstand eingeladene oder durch Bereinsmitglieder ein- geführte Gäste haben Zutritt.) v”/o Zum!. MMrsu zesvcht. 5648j Liebigftr'Ä, Frau Opo. Gesucht bürgerliche Köchtu, Lohn 40 Mk., Mädchen für alle Arbeit, beffereS Hausmädchen nach auswärts, Lohn 25 Mk. 06784 Fr. Tchmitt, TenfelSlustgärtchen 26. Braves, sauberes Mädchen ge- sucht. Lubwigstr, 80, p. 15411 MesSichnz bleiben so verwenden Sie zu ihren tätlichen Waschungen nur Borner's Medizinal-Seife »Isolde". Z.h. i.all.Apoth., Drog.u.Parf. Fabrikanten: 1- Börner &, Co., Hanau a. M. Nieberlage: [b17/8 Kreuz-Drogerie Aug. Noll, Bahnhofstraße 51. Die Auf der öfter off 'ustandige 0 Wie im. not und Fleisc gefügt zu w werben wie st unbefdjtantle Reihe lieht- J verbündeten j für die W Gewissenhaste •u der lmtsch größerer Ech> entsteht... 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