Nr. 196 vrfcheint mit Ausnahme des Sonntags. General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen eingenommen N!»' Die ..Siebener ZamilienblSIter" werden dem „Anzeiger vternral wöchentlich beigelegt. Der »Heistsch« Landwirt erscheint monatlich einmal. RotattonSdnrck und $ erlag bet ötübl’fcbat UnwersttätSdruckeret. N. Lange, Lletze«, Redaktion. ExpedUion ».Druckerei r Schulstr.K, Tel. Nr. 61. Telegr.-Adr.: Anzeiger «Ließe». lassen. Aber das ist unlogisch, ist eine Prämie auf das Leugnen, auf die Verstocktheit, und kann nicht verteidigt werden. Wir haben Fälle, daß Unschuldige hingerichtet wurden. Es ist an sich unbegreiflich, >vie seit den Tagen, da der erste Justizmord klipp und klar nachgewicsen luar, die Todesstrafe überhaupt noch vollstreckt werden konnte, eine strafe, die nicht wieder gut gemacht werden kann! Der Gedanke daran, daß cs ein Unschuldiger ist, den man hinrichtet, daß cs wenigstens ein Unschuldiger sein könnte — muß der den Menschen nicht bis ins Innerste erbeben lassen? Im Hinblick aus die Möglichkeit eines Justizmordes muß gesagt werden: alle Argumente für die Todes st rafe sind falsch, sind irrig, sind barbarisch, wie die T o d e S st r a f c selb st. Die Todesstrafe muß fallen, das ist ein Gebot unserer Zeit, das ist ein Gebot der wirklichen Menschlichkeit. Gesetz und Recht sind da, zu richten, aber nicht zu vernichten — im .Hinblick auf die möglichen Konsequenzen muß dem modernen Staat das Recht, Menschen zu töten, unbedingt bestritten werden. Freilich, auch wir sind nicht für die Schaffung von Zuchthaus- pensionaten für p. t. Raub- und andere Mörder. Man werfe die Leute, die vielleicht nicht mehr das Recht haben, den Ehrennamen „Mensch" zu führen, hinaus aus der Kulturwelt, man schasse uns V e r b r e ch e r ko l o n i e n , in denen diese Bestien für ihr nacktes Leben arbeiten müssen. Wir haben doch Gelegenheit mehr als genug dazu — brauchen wir doch Kolonisten, brauchen wir doch Kulturdünger in unseren Schutzgebieten! Unter solchen Bedingungen wird ein Urteil, das zu unrecht ausgesprochen ist, umgcstoßen werden können. Bleibt die Todesstrafe aber, wird sie vollstreckt — wer setzt dem von der Justiz zu Unrecht Gemordeten den Kopf wieder auf? Tie Todesstrafe ist eine furchtbare Gefahr, sie ist gegen die Kultur, gegen die Ethik, sie ist gegen die Gerechtigkeit. Und darum muß sie fallen, wird sic, wie in anderen Ländern, auch im deutschen Reiche fallen! alles genaue Auskunft. Fuhrunternehmer L. Guthmann hatte sich speziell als Führer über die Schlachtfelder zur Verfügung gestellt und sckstl- berte häufig in eingehendster Weife die einzelnen Gefechtslagen und Stellungen. . ...... _ Der zweite Tag wurde zum Besuch der östlichen Schlachtfelder benutzt und an demselben Nachmittag die Reise nach Saarbrücken angetreten. Zur Begrüßung am Bahnhof waren eine Anzahl Kameraden des üriegervereins Saarbrücken anwesend und unter'Vorantritt der gesamten spelle des 7. Dragonerregiments marschierten die Teilnehmer in Saarbrücken ein. Nach Besichtigung des Rathauses mit Museum, des Saalbaues und sonstiger Sehenswürdigkeiten folgten die Teilnehmer einer Einladung des Kriegervereins Saarbrücken, der in fernem schönen geräumigen Vereinslokal eilten Kommers veranstaltet hatte. Nach der Bc- arüfjuug von feiten des Vorsitzenden des Kuiegervereins Saarbrücken Mohr und einem Willtommensgruß von Oberst Kirn- aelhösfer, einem geborenen Gießener und früheren Leutnant des lpesigen Regiments, sprach Kamerad Schiff nie im Namen des Gießener Vereins den wärmsten Dank für den herzlichen Empfang aus. Kamerad D i ck o r e überreichte £inerr Hassia-Fahncnnagcl, der dankend angenommen wurde. Oberst Klingel Hoffer gab seiner Freude Ausdruck, mit Gießener Kameraden zusammen zu sein und stellte für den nächsten Tag zum Besuch des Ehrentals und der Spicherer höhen seinen Adjutanten zur Führung und die gesamte Kapelle des 70. Jnf.-Regts. als Begleitung zur Verfügung. Der Kommers verlief in echt kameradschaftlicher, ungezwimgener Weise. Am nächsten Morgen wurde nnkerBegleitimg einer großen Anzahl Kameraden des KriegervereinS Saarbrücken das Ehrental besucht, an welcher Stätte die RegimentSmusik einige Ehoräle zum Vortrag! brachte. Hierauf erfolgte der Ausstieg auf die Spicherer H ö h en, wo Kamerad Kanzleirat K o p e l k e ° Saarbrücken ein, ehemaliger 40er, der die Schlacht am Spicherer Berg selbst nnt- gemacht hat, einenJBortrag über die Besitzergreifung von Saarbrücken durch die Franzosen und über die der Schlacht voraus- gegangenen Plänkeleien :e. in eingehender Weise hielt. Nach Besichtigung des Denksteins des am Spicherer Berg gefallenen Generals- Francois und dem Denkmal des 12. Jnf.-Regts. erfolgte der Abstieg und daran anschließend wurden zum 'Andenken wieder einige photographische Aufnahmen gemacht. Nach dem in den Mohrschcn Einlagen stattgefundenen gemeinsamen Mittagsmahl an dem sich auch einige Vorstandsmitglieder des Kriegervereins Saarbrücken beteiligt hatten, erfolgte die Weiterreise in die Heimat. ' Aus dem linksliöeralen «Lager. Aus Norddetttschland schreibt man den „M. N. N.": Wenn man die Verworrenheit im liberalen Lager sieht, so muß man mit Grauen daran denken, daß schon im Juni 1908 allgemeine Neuwahlen für den Reichstag bevorstehen. Hoffentlich schwebt über dem Parteitag der National- liberalen in Goslar ein glücklicher Stern, so daß diese Partei durch die Berührung mit der Wählerschaft frische Kräfte gewinnt. Nach ihrem Verhalten in der Steuerfrage und in der preußischen Schulfrage ist ihr das auch dringend notwendig. Macht sich der Zug nach links, der so vieler» orten konstatiert wird, bei ihr geltend, so wird sie bei einem sehr großenTeil derFreisinnigen lebhaften Anklang sinden und Bereitwilligkeit, mit ihr in ein liberales Karte ll zu treten. Freilich will der andere Flügel derFreisinnigen, der mehr nationalsozial gefärbte, davon nichts wissen. Selbst nach den unerquicklichen Wahlausgängen in Darmstadt, Iserlohn, Rinteln, auch Hagen (wenngleich hier das Schlimmste abgewandt ist) fährt Dr. Barth in der „Nation" fort, sich gegen ein liberales Kartell zu wenden und für ein solches mit den Sozialdemokraten zu kämpfen. In den weitesten Kreisen des norddeutschen Freisinns stößt er damit auf den entschiedensten Widerspruch. Die Wählerschaft ist sehr zufrieden damit, daß die Fraktion der Freisinnigen Volkspartei endlich auf die übereifrige Bekämpfung der Ausbildung deutscher Wehrkraft zu Lande und zu Wasser verzichtet hat. Zulange schon hat man sich hierbei in der Gesellschaft der Sozialdemokratie gefühlt. Es ist ein Segen, daß die Schwenkung noch unter Eng en R ich ter vollzogen wurde. Denn andernfalls hätte man ihr schnödes Verlaßen der ruhmvollen Fahnen des großen Führers vor- geworfen, der den wahren Liberalismus niemals verleugnet habe. Jetzt toäce man überall bereit gentefen, mit der Freisinnigen Vereinigung sich wieder zu verschmelzen; man ist es noch, soweit die alte Richtung der letzteren, die unter Führung von Broemel (Stettin) und Pachnicke (Mecklenburg) steht, in Frage kommt. Ja, nicht blos das, auch der Gedanke an ein Kartell mitben Nationallibe- raIen ist auf durchaus fruchtbaren Boden gefallen. Er ist eigentlich ganz spontan bei der letzten Wahl zum preußischen Landtag entstanden. Einige rheinisch-westfälische Wahlkreise trafen untereinander die Vereinbarung: Wählt Ihr fyier den Freisinnigen, so wählen wir dort den Nationalliberalen, beides gegen Zentrum und Sozialdemokraten. Die Sache ging; mehrere Wahlkreise blieben auf diese Weise den Nationalliberalen erhalten. Zur selben Zeit wurde das Programm aufgestellt: Bildung eines Blocks der Linken gegen alle anderen Parteien, also gegenseitige Bundeshilfe zwischen Freisinnigen und Sozialdemokraten! Mau eroberte jedoch auch nicht einen einzigen Wahlkreis damit. Die Freisinnige Volkspartei wollte nichts davon wissen. Sie wollte sich nicht bei ihren Wählern diskreditieren, inbem sie mit den „Genossen" ginge, die gerade das liberale Bürgertum am allermeisten drangsalieren. Aber die Nationalsozialen waren unbelehrbar. Ms nun in Baden der Block gegen das Zentrum zu stände kam, glaubten sie, endlich die Freisinnigen in das Bündnis mit der Sozialdemokratie drängen zu können. Indes lag hier doch ein tiefgreifender Unterschied gegen die badischen Verhältnisse vor. Dort waren die Natwualliberalen in den Block ein geschlossen; was die Nationalsozialen aber wollten, war ein Block der Linken gegen die Nationalliberalen, gerade wie Naumann das bei der Neichstagswahl in Oldenburg 1903 seinen Wühlern empfohlen hatte. Nein, er war poch weiter gegangen: die Stichwahl stand zwischen einem freisinnigen Volksparteiler und einem Sozialdemokraten, und da brachte Naumann es fertig, seinen Anhängern zu empfehlen, den letzteren zu wählen. Sie taten es aber nicht, vielmehr hatte Naumann durch diesen Rat in Oldenburg gänzlich ausgespielt. Nun sollte also doch der „Block der Linken" wieder ange]lrr*bt werden. Die Leute, die am meisten nach der Einigung der Liberalen verlangen, wollen also in dem Augenblick, da sich ein ernstlicher Schritt in der Richtung auf dieses Ziel zu tun läßt, einen neuen Keil in die näher aneinanderrückenden liberalen Truppen schieben! Ein unzweckmäßigerer Schritt ist gar nicht denkbar. Der Gegen- s a tz gegen di e Sozialdemokraten beherrsche das ganze tägliche Leben. Jeder Handwerksmeister Der Besuch der Schlachtfelder von Metz und Umgegend, welcher von Mitgliedern des Gießener Kriege r v e r e in s vom 9. bis 12. 1. M. unternommen wurde, kann, nnc uns heute freundlichst geschrieben wird, dank der guten 'Organization in jeder Beziehung als ein für jeden Teilnehmer sehr befriedigender bezeichnet werden. Der Verlauf des Ausfluges hat sich in großen Zügen wie folgt abgewickelt: 0. August 5 Uhr 56 Min. morgends wurde die Reise über Koblenz-Trier angetreten und die Ankunft in Metz erfolgte ^?r 14 Mm. inittags. Zum Empfang war ein Mitglied v Ai tn-L am Bahnhof anwesend und begleitete die Gesellichaft in die Hotels. Am Nachmittag fand Besichtigung der Stadt und des Garnisonsriedhoss unter Leitung des Kameraden Roßinger, der eine Reihe von Jähren als Militärbeanttcr in Web amasstg war, statt. Am Kasier Wilhelm-Denkmal fand die erste photographische Ausnahme der Reisegesellschaft durch Kamerad Herrmann statt. Abends 9 Uhr war geselliges Zu- fainmenfeut mit den Kameraden von Metz arrangiert und zu Ehren des KriegervereinS Gießen ein Militärkonzert im Bürgcr- brau veranstaltet worden. Das geräumige Lokal war bis zürn letzten Platz gefüllt und es hatten sich die Kameraden von Metz, sowie eine Anzahl Ofsi- ^lcrccJ?er Garnison eingesunden. Nach der Begrüßung von feiten des Metzer Kriegervercinsvorsitzenden Fischer sprach Kamerad Dickord seinen Dank für den würdigen Empfang ans und überreichte dem Verein als ein äußeres Zeichen der Dankbarkeit einen Hassia-Fahnennagel. Kamerad Mobus begrüßte ün Namen bei; Gießener Kameraden das Ehrenmitglied Major Krenter, sucht für sofort fieibantechniker (v.einert.p?3augeroerfM HM. Angebote unter « (MicBener Anzeiger nbeten. sncht Lielluttg., lhrres in der MchalEele Zießcner AnzeM^M N 0$$et Mm. fa|* *" M 3* E-Nr au i-inSp" sind _____5062 ($l)utl»9.)/ sZLS Anstehendein. in IW Mädchen, a He» kann und die Laus, versteht, zu älterem tzhcpnar Zum Mannheimer Parteitage. Kürzlich erschien im Vorwärts Verlage das 48 Oktavseiten umfassende Protokoll der Gewertschaftskonserenz vom 10. Febr. über den politischen Massenstreik, welches einen sehr interessanten Prolog zu dem bevorstehenden sozialdemokratischen Parteitag in Mannheim bildet. Denn der „sozialdemorr. Jungbrunnen" rauschte bei diesen Verhandlungen in so lieblichen Akkorden, daß man auf die Musik der Mannheimer Verhandlungen gespannt fein kann. Zweifelsohne wird sich trotz aller Bemühungen des Präsidiums die bittere Stimmung gegen die Parteileitung, welche immer weitere Kreise der rot gesinnten Arbeiterschaft erfüllt, nicht ganz unterdrücken lassen, und die scharfen Gegensätze innerhalb der deutschen Sozialdemokratie, die zum ersten Male im Dresdener Trianon bekannt wurden, dürsten sich auch in Mannheim Lust machen. Aus jeder Seite des erwähnten Protokolls leuchtet nämlich die Tatsache hervor, daß das« Hauptreservoir der Sozialdemokratie, die „Gewerkschaften"^ und die rote Parteileitung selbst mit einander uneinK sind. Die sozialdcmokrattsche Parteileitung macht die Erfüllung, ihrer Versprechungen von der Einlösung des Wechsels auf den sozialdemokratischen Zukunftsstaat abhängig. Aber auf eine so lange und voraussichtlich vergebliche Wartefrist will sich die Mehrheit der sozialistisch gesinnten Arbeiter, in deren Köpfen' cs allgemach zu dämmern anfängt, nicht einlassen; ihr finb; augenblickliche Lohnerhöhungen und Verkürzungen der Arbeitszeit- wertvoller. Aus dieseii Erwägungen heraus vertraten auch die Gewerkschaften, nachdem Bebel mit seiner blutrünstigen Rede iw Jena die Massen auspulverte, vor allem die Idee des Generalstreiks. Aber die rote Parteileitung, welche von der Aussichtslosigkeit eines solchen überzeugt ist, hat wieder abgewiegelt, und nun mag sie zusehen, wie sie dem Ansturm in Mannheim standhalten kann. Deutsch-Afrikanisches. Berlin, 21. 'Ang. Wie schon gemeldet, hatten etwa 50 Hottentotten am 6. August die Pferdewache der 2. Feldkompagnie des 2. Regiments bei Alurisfontern angegriffen, waren aber durch die herbeieilende Kompagnie zurückgeworfen worden. Ter Feind flüchtete über Umeis auf Pelladrist, zog von da den Oranje aufwärts bis zum Ham- revier und'folgte diesem nordwärts in der Richtung auf die Großen Karasberge. Er bekam unterwegs verschiedentlich Zuzug, anscheinend durch Bondelszwarts unter Johannes Chrijtian, sodaß er allmählich wieder eine Gefechtsstärke von 150 Gewehren erreichte. Unsere Truppen verfolgtes den Gegner fortgesetzt und zwar zuerst die Abteilung Siebert bis Pellcrdrift, dann die Kompagnie Gruner bis Tuur°i drift im Hamrevier und zuletzt die Abteilung Bech, die 1., 8. und 9. Kompagnie des 2. Regiments und die 7. Batterie mit sehr niederen Gefechtsstärken. Ter schlechte Ernährungszustand der Truppen im Süden, entstanden durch geringen Nachschub auf den wenigs leistungsfähigen Etappenstraßen und den dadurch eingetre-- tenen Mangel an Proviant und Hafer macht eine: solche Ablösung der verfolgenden Abteilungen nötig. Hauptmann Bech, der sich schon früher durch einen Ucberfall gegen Morenga ausgezeichnet hat, überraschte den Feind iw Noibis nordöstlich von Kalksontein und zersprengte ihn nach [0000 Hypothek auilaDW WsS !SBSs£ Ws-L SSä -«rWfeÄ Zweites Blatt 18«. Jahrgang MUttvoch 22. August 1»O« Gießener Anzeiger «I* der seiner Freude darüber Ausdruck gab, daß er sich wieder einmal unter Gießener Kameraden bewegen könnte. Der Kommers verlief in ungezwungener fröhlicher Stimmung. Am Freitag vormittag wurden die von Metz westlich gelegenen Schlachtfelder besucht. Am Hessen-Denkmal legte Kamerad Dickore mit einer kernigen Ansprache unter dem Wahl- n sofortigen Eintritt wird A sauberes [5049 suchen Wtz. wragm Neuen Säue 12. chrnUchen' >d)lbarer Familie gegen so- e Vergütung gesucht [5030 Gebr. Weil. sauber. Mädchen [v.Landes it. Seilern 77, M [QM ichtigco, zuverlässigcü Tädchen K/iche 11. elivat Haucnrb. DHober eo. früher gefiidjt. «chmid/, SlatjrungSbcrg 8 es Äleichskr. 20,1. 14946 Ein braves Mädchen, kochen kann, in nch'nzen lt zn 2 Leuten y>rten .nn 1. Le?t. gefncht durch Menberaer, Seliersw. 67t spruch: „Und wer den Tod im heißen Kampfe fand, ruht auch in fremder Erde im Heimatland" einen Kranz nieder. Nach einem stillen Gebet verließ man die geweihte Stätte, wo jeder Kamerad, ganz besonders aber die Mitkämpier, tief ergriffen waren. Das Mittagessen wurde in Gravelotte -:"2------------ und die Fahrt bis MarS-la-tour fortgesetzt. Einige Metzer Kameraden hatten sich der Fahrt angeschlossen und gaben über hat alle Tage Verdruß, weil ihm seine Gehilfen von den Genossen aufgewiegelt werden. In jeder Gemeinde kämpfen dre Anhänger der alten gesellschaftlichen Ordnung gegen die Umstürzler. Und nun glaubt man sie auf die Beine bringen ZU können, um mit den Sozialdemokraten gemeinsame Sache zu machen gegen die Nationalliberalen, mit denen sie im täglichen Leben, in den Kommunalverwaltungen, in den klernstaatlichen Landtagen die besten Beziehungen unterhalten! Es ist ganz unglaublich, welch ein Mangel an gesundem po litischem Sinn sich hierin ausspricht. Nirgend hat diese Taktik den Beifall breiterer Wähler- massen gefunden. Natürlich gibt es kleine Kreise überall, die dem sozialistischen Gedanken zugänglich geworden sind, ohne doch (unter Bebels Führung treten zu wollen. Wie kann man aber vollends erwarten, daß der Bauer sich auf einen solchen Plan einlasse. In ganz Norddeutschland, namentlich in den Küstengegenden von der Ems bis zur Memel, gibt es einen liberalen Bauernstand. Sofern er nicht agrarisch ist, ist er liberal, vielerwärts freisinnig. Wenn man ihn nun drängen will, sozialdemokratisch zu wählen, um die liberale Nachbarpartei zu Fall zu bringen so folgt er solcher Ordre sicherlich nicht. Viel eher hört er dann auf agrarische Stimmen, die den Fehler der Gegner auszunützen streben und ihn damit zu fangen suchen. Es ist kaum möglich, einen gröberen Fehler zu machen als den. Tie Freisinnige Volkspartei hat sich denn auch gehütet, ihn zu begehen. Sie ist mit ihren Wahlkreisen ganz und gar im Einklang. Nirgend sind Proteste zum Vorschein gekommen, die Unzufriedenheit mit ihrer Haltung bekundet hätten. Tagegen ist in der Freisinnigen Vereinigung ein tiefer Zwiespalt eingerissen, der schwrr zu beseitigen sein wird. Er tritt in den Küstengegenden am meisten hervor. Wie stark mag der Anhang der Nationalsozialen im Lande wohl sein? Es ist neulich schon einmal darauf hingewiesen worden, daß bei der Reichstagswahl von 1903, 1317 000 nationalliberale Stimmen abgegeben wurden, ferner 538000 freisinnig volksparteiliche. Diesen stehen nur 243 000 Stimmen der Freisinnigen Bereinigung gegenüber, die jedoch nur zum Teil hinter den Herren Barth und Naumann stehen. Außerdem sind die 91000 Stimmen der Süddeutschen Volkspartei in Anschlag zu bringen. Wir sagen uns, daß, wenn jene drei erstgenannten liberalen Parteien zusammenständen, immer noch eine Truppe von 2100 000 Wählern schlagbereit wäre. Das erreicht zwar die sozialdemokratische Armee von 3 Millionen Stimnren nicht, übertrifft aber die konservative (1282 000) und selbst die ultramontane (18,5 000), letztere freilich ohne die 348000 Polen. Die zwar mit freisinnigen Kokarden versehene, jedoch innerlich nationalsoziale Truppe, die in Norddeutschland schwerlich 100000 Mann erreicht, ist also die allerschwächste. Gleichwohl greift sie nach der Führung, als sei sie die stärkste. Es ist Zeit, daß Nationalli berate und Freisinnige, ohne den Fehler einer Verschmelzung zu begehen, dahin Vereinbarungen treffen, daß sie in einer ganzen An zah'l von Wahlkreisen einander schon bei den ersten Wahlgängen unterstützen. Tas ist nichts anderes, als was man in Bayern immer gehabt hat. Dort ist der Bruderkrieg immer nur vereinzelt vorgekommen. Handeln wir in Norddeutschland ebenso, so werden wir in einer ganzen Anzahl von Wahlkreisen hier einen Nationalliberalen und dort einen Freisinnigen in die Stichwahl bringen. Ist uns das gelungen, so haben wir die besten Siegesaussichten, denn dann werden uns die Konservativen gegen die Sozialdemokraten, die Roten gegen die Reaktionäre bei stehen. An dem gegenwärtigen Bruderkriege haben nur die Feinde zur Rechten und Linken ihre Freude.____________ politifd?c LagcsschE. Noch einmal die Todesstrafe. Wir erhielten heute folgende Zuschrift: Sie haben ganz recht: fort mit der Todesstrafe! Man kann freilich sagen, das Wort der Schrift verlangt Äug' um Auge, Zahn um Zahn, Leben um Leben. Bestien, die das Recht verwirtt haben, Gottes Luft zu atmen, hebt man sich nicht als Raritäten nur Staatskosten in den Zuchthäusern auf, bis sie eines seligen Todes sterben, man nimmt ihnen das Leben. Diese Forderung ist nicht ganz unberechtigt, wenn es sich nämlich um Bestien handelt. Aber wer vermag das zu sagen? Wem ist es gegeben, im Herzen des Verbrechers zu lesen, wer weiß, was^ ihn zum Raubmord getrieben hat? Wer weiß, ob der Verbrecher nicht am Ende trotz des Sachverständigen-Gutachtens doch geistig anormal ist, bei Begehung seiner Straftat anormal war? Und erst, wenn Indizienbeweise vorliegen, und der Beschuldigte leugnet? Es hat sich ja die Praxis herausgebildct, nur die Geständigen oder durch Tatzeugcn Ueberführlen hinrichten zu essen Sust di , geS dreistündigem Gefecht. Der Gegner hatte größere Verluste und ließ eine Anzahl Toter auf dem Gefechtsfelde. Aus unserer Seite fiel Leutnant von Heyden, früher Infanterie-Regiment Nr. 164; ein Reiter und ein Mann wurden schwer, ein anderer leicht verwundet. Die Abteilung Bech setzt die Verfolgung fort. Oberst v. Deimling ist mit dem Stabe in Warmbad cingetroffen. Die „Nordd. Mlg. Ztg." schreibt: In der am 15. Aug. erschienenen Nummer des „Deutschen Kolonialblattes" ist unter dem Mschnitte „Teutschostafrila" ein Artikel der „Usambarapost" ausgenommen worden. Die Kolonialabteilung macht die in diesem 'Artikel, der ohne Wissen des Leiters der Abteilung durch ein bedauerliches Versehen in den amtlichen Blatte zum Abdrucke gelangte, verttetenen Anschauungen keineswegs zu den ihrigen. Sie hat Vorsorge gcttosfcn, daß das „Deutsche Kolonialblatt" in Zukunft, wie bisher, nur streng objekttv gehaltene Berichte aus den Schutzgebieten bringt und der Abdruck polemischer 'Artikel sich nicht wiederholt. (Die Polemik richtete sich gegen den Wg. Erzberger. D. Red.) Aus Stcrds und Lernd. Giessen, den 22. Aug. 1906. - Kein Bierkrieg in Gießen. Wir erhielten heute folgende Zuschrift: „Die Notiz vom 20. er. bezüglich Gefahr eines Gießener Bierkrieges bedarf der Nichtigstellling wie folgt: Zunächst bat eine dringliche Wahrscheinlichkeit eines Bierkrieges zu Gießen überhaupt nicht bestanden (von einer dringlichen Gefahr ist bei uns auch nicht die Rede gewesen. D. Red.), da die Wirte überwiegend so verständig waren, die Geineinschaftlichkeit und Gleichwertigkeit ihrer Interessen mit den Interessen der Brauerei, besitzer zu würdigen. Eine definitive Regelung der Bierpreis- srage ist zurzeit iioch nicht erzielt und war auch nicht für eine heute stattzufindende gemeinschaftliche Besprechung vorgesehen (so waren wir von sehr glaubwürdiger Jnteresjenten-Seite benachrichtigt worden. D. Red.); sobald endgültige Abmachungen vorliegen, werden solche in angemessener Weise bekannt gegeben werden und es ist zil wünschen, daß das am Schluß der vorgenannten Notiz hervorgehobene Entgegenkommen der Brauer seitens der Wirte und des Publikums erwidert wird. Im Alistrag der Brauereibesitzer: M üHer, Landgerichtsrat a. D. •• D ie Wählbarkeit zur Gemeindevertretung. Die hessischen Volksschullehrer haben kürzlich eine Eingabe an das Ministerium gerichtet, worin sie da§ passive Wahlrecht zur Gemcindevertretring fordern. Wie man hört, sind jetzt auch die städtischen und G cm e indeb ca inten Hessens in eine Bewegung eingetreten, die sich mit der gleichen Angelegenheit befaßt. Auch sie wollen an das Ministerium die Bitte richten, daß in der neuen Städte- und Gemeindeordnung ihnen die Wählbarkeit als Gemeinderat verliehen wird. "Zur Bürgermeisterwahl in Langsdorf hat der Abg. Köhler einen Aufruf erlassen, der so originell ist, daß er wörtlich wicdergegeben zu werden verdient. Er lautet: „Rache! Langsdorfer! Vor 9 Jahren hat man mich gewählt — aus Rache!! gegen das andere Haus Köhler!!! Heute will man mich erschlagen — aus Rache!!! für die tausendfachen Wohltaten, die ich Euch erzeigt habe! Und der gute alte Heinrich Schiel soll Euer Werkzeug sein! Rache, nichts als Rache! Loki, Hödur gegen Baldr! Loki, der haßerfüllte Wühler und Hetzer, Hödur, der blinde König der Nacht, Baldr, der Gott des Lichts, des Frühlings und des Lebens. Kennt Ihr die Sage vom Mistel- zweig, mit dem auf Lokis Geheiß Hödur den Baldr erschlug ?! Christliches Langsdorf, das Du allsonntäglich in Scharen Deine Kirche füllst, christliche Brüder! — Wie ist doch die heidnische Rache so süß! 1! Köhler-Langsdorf." r. Langsd orf, 21. Aug. Einer Frau wurde heute morgen, als sie mit dem Melkeimer den Stall betrat, von einer ausschlagenden Kuh derart vor den Leib getreten, daß sie kurze Zeit darauf starb. k-Rainrod, 21. Aug. Der Geistesgegenwart des Lokomottvführers Zorbus sowie der Umsicht des Zugführers Lenz ist es zu verdanken, daß bei dem um 10 Uhr morgens hier fälligen Zuge ein großes Unglück verhütet wurde. Das zweijährige Kind des Landmanns Boß Don hier, welches im Orte mit anderen Kindern spielte, wollte kurz vor Einlaufen des Zuges über die Schienen, glitt aus und fiel längs über das Gleis. Zum Glück wurde der Vorgang von den Genannten bemerkt und die Bremse und Notbremse sofort in Tätigkeit gesetzt, sodaß das Kind von _ der Maschine leicht weggeschleudert wurde und nach Aussage des zufällig anwesenden Arztes Dr. Strauß eine nur unbedeutende Kopfverletzung davonttug. Ein ähnlicher Fall spielte sich bereits am 6. 'August auf demselben Platze ab, und es ist überhaupt bewundernswert, daß auf dieser Strecke nicht täglich derartige Dinge Vorkommen. Büdingen, 20. Aug. Um zu verhüten, daß in Zukunft Häuser erstehen, die das Bild einer Straße entstellen, will unser Gemeinderat, daß Pläne von Neubauten vorgelegt werden. (Sehr verständig ist das, und es ist nur zu wünschen, daß auch andere, kleinere Orte mehr auf die Erhaltung ihres einheitlich schönen Aeußeren achten und alle solche Neubauten unterlassen und verhindern, die sich in das Gesamtbild des Ortes nicht schicken, die abweichen vom schönen, altehrwürdigen, die ganze Gegend zierenden Fachwerkstil; leider wird in dieser Beziehung fast aller Orten gesündigt, namentlich in den Arbeiterortcn der Gießener Umgebung bis nach Lützellinden hin, (während z. B. in dem kleinen Orte Bieber recht nett neu gebaut wird. D. Red. d. Gieß. Anz.). Der Gemeinderat bewilligte eine Abschlagszahlung von 3000 Mk. an Professor Dr. Vetterlein-Darmstadt für Anfertigung der Pläne zum Schulhausneubau. Nidda, 21. Aug. Eine Verfügung, die sehr geeignet ist, säumige Eltern anzuspornen, ihre Kinder zu Fleiß und Aufmerksamkeit zu mahnen, hat unsere Kreis-Schul- kommission erlaßen. Solche Kinder nämlich, die zu Ostern 1907 die nötigen Kenntnisse nicht erworben haben, sollen zu längerem Schulbesuch verpflichtet sein. Jetzt schon müssen die Kinder, welche es betrifft, vorgemerkt werden, und die Eltern werden ausdrücklich mit der Bestimmung bekannt gemacht. — Am 19. ds. fand die Weihe der neuen Fahne des Kriegervereins statt (die alte hatte dreißig Jahre überdauert); verbunden war damit eine Gravelotte- feier. Am Samstag fand Festkommers statt. Sonntag früh wurden Choräle an verschiedenen Stellen der Stadt gespielt von der Musik der 11. Jäger aus Marburg. Um l/jlO Uhr wurde Festgottesdienst gehalten, bei dem die Musikkapelle mitwirkte. Pfarrer Werner predigte über Psalm 103. Am Nachmittag bewegte sich der Festzug, an den sich zahlreiche Krieger von außen, sowie der Veteranenverband Nidda und Umgegend angeschlossen hatte, nach dem Kriegerdenkmal, wo die Weihe der neuen Fahne vorgenommen wurde; diese vollzog nach einer Begrüßungsrede des Oberamtsrichters Römheld, Pfarrer Werner, der die Fahne darstellte als eine Mahnung zur Treue gegen Kaiser, Fürst und Vaterland, zu treuer Kameradschaft untereinander und zur Gottesfurcht, gemäß ihrer Inschrift. Hieran schloß sich Konzert und abends Ball. Der Veteranenverein ließ durch Herrn Vetzberg er einen silbernen Fahnennagel überreichen. Freienseen, 20. Äug. Große Lücken reißt der Sensenmann in die Reihen derer, welche vor 36 Jahren in dem blutigen Ringen bei Gravelotte ihr Leben einsetzten für Deutschlands Ehre. Auch der hiesige Kriegerverein hat in ganz kurzer Zeitfolge drei Kameraden verloren, welche in jenem großen Kampfe mitgestritten: Johannes Jung (früher Ortsdiener), Heinrich Orth (früher Nachtwächter), beide Siebziger, und nun den Briefträger Christian Lutz. Er hatte die Feldzüge von 1866 und 70 mitgemacht, ohne verwundet zu werden. Doch zeigten sich jetzt in seinem 63. Lebensjahre die Folgen der überstandenen Strapazen. Ein Schlaganfall machte seinem Leben ein Ende. Dreißig Jahre war der Verstorbene im Vorstände de§ Kriegervereins als Rechner tätig. Der Verein gab ihm deshalb auch vollzählig das Geleite zur letzten Ruhe, und drei Gewehrsalven verkündeten, daß ein alter, treuer Krieger zur großen Armee eingegangen sei. Für die Beliebtheit des Heimgegangenen legte der große Leichenzug beredtes Zeugnis ab. Hier leben nur noch sechs Teilnehmer am großen Kriege, drei davon gehören noch zum Kriegervereine. Darmstadt, 21. Aug. Die hiesigen „Genossen" lassen ihren Plan, eine eigene Zeitung zu gründen, nicht fahren. In zwei Parteiversammlungcn haben sie, so lesen wir im „Ofsb. Abendbl.", mit den Ergebnissen ihrer Kreiskonferenz sich beschäftigt. Der Slnttag von Pfungstadt, Punkt „Presse" auf die Tagesordnung zu setzen und die Annahme dieses Antrages durch die'Konserenz, trotz der Erklärung der Preßkommission, daß dieser Punkt erst auf einer späteren Konferenz, wenn das gesamte Material vorliege und gesichtet sei, verhandelt werden könne, die Begründung dieses Antrages durch den Genossen Raab, das Erscheinen des Genossen Ulrich und zweier Vertreter der Volkszeitung auf der Konferenz, wurden scharf kritisiert und als eine fein ein gefädelte Sache bezeichnet, durch welche die Bestrebungen der Darmstädter Genossen auf Gründung eines eigenen Organs von vornherein zu Nichte gemacht werden sollten. Es wurde allseitig verlangt, daß die Preßkommission ihre Arbeiten fortfetzen, die Einsendung der Fragebogen von sämtlichen Organisationen verlangen und überallhin den örtlichen Vereinen die Notwendigkeit und Durchführbarkeit eines eigenen Organs propagieren soll. sd. Darmstadt, 21. Aug. Billige Wohnungen! Hier mietet man eine elegante Dreizimmerwohnung für 400 bis 450 Mk., eine einfachere für 300—330 Mk. In Frankfurt und Wiesbaden zahlt man genau das Doppelte. Wenn man sich nun fragt, welchem Umstande diese billigeren Wohnungsmieten in Darmstadt zu verdanken sind, so wird man u. a. daraufkommen, daß das Angebot dort bedeutend größer ist, als die Nachfrage. Nicht die Mieter sind übet dran, wie in anderen Städten, sondern die Hausbesitzer. Eine polizeiliche Statistik bestätigt diese Angaben. Danach sind zur Zeit 890 leerstehende Wohnungen in Darmstadt vorhanden und zwar 36 Wohnungen mit je 2 Zimmern, 136 mit je 3, 300 mit je 4, 202 mit je 5, 142 mit je 6, 46 mit je 7, 16 mit je 8, 2 mit je 9, 4 mit je 10, 2 mit je 11, 3 mit je 12 und 1 mit dreizehn Zimmern. Am größten ist also das Angebot an Vierzimmerwohnungen, aber auch Dreizimmerwohnungen sind so viele frei, daß jeder Mieter große Auswahl hat. Frankfurt, 20. Aug. Im Zo alogischen Garten entschwebte gestern zum letzten Mal in diesem Jahre Kätchen Paulus auf Adlerflügeln ihren vielen Verehrern und Verehrerinnen. Mit Blitzesschnelle war sie den Augen der Menge entrückt. Ein kleiner schwarzer Punkt bewegte sich gegen Süden nach wärmeren Gestaden. Aber schon in Heusen- st a m m fand die luftige Fahrt ein glückliches Ende. Nicht weniger als achttausend zahlende Besucher — außer den vielen Abonnenten — hatten der Füllung des Ballons und dem Aufstieg zugeschaut. Da rentieren sich auch die halben Eintrittspreise. — Eine Konkurrentin, Miß Polly, machte gestern nachmittag 41/2 Uhr einen Aufstieg in Homburg. Sie nahm ihren Weg über Vilbel und den Lohrberg ins Maintal, wo sie etwa um 5 Uhr bei Fechenheim landete. NGC. Hanau, 21.Aug. Die Vermählung des Prinzen Albert zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, preußischen Oberstleutnants und Kommandeurs des Garde- Kürassier-Regiments, mit der Gräfin Ortrud zu Psen- burg-Büdingen, wird Ende Oktober auf dem Schlosse Meerholz stattsinden, dein Wohnsitze des Bruders der Braut, des regierenden Grafen Gustav zu Psenburg - Büdingen- Meerholz. -i- Gelnhausen, 20. Aug. Ein eigenartiges Geschick hatte ein hiesiger Brauereibesitzer beider Erbohrung eines Brunnens. In einer Tiefe von 48 Meter wurde Wasser in genügender Menge gefunden. Zu Brauereizwecken konnte cs jedoch keine Verwendung finden, da die chemische Untersuchung einen Gehalt von Kalk, Magnesia, Kochsalz, Schwefelsäure und Kohlensäure ergab. Das Bohrloch des Brunnens liegt innerhalb der Stadt, etwa 1000 Meter von dem Sol- sprudel des Bades entfernt. Es bestätigt sich fomit die Feststellung des Geologen Professor Dr. Bücking aus Straßburg, daß sich in unmittelbarer Nähe der Stadt Gelnhausen in geringer Tiefe große Mengen mineralischen Wassers befinden. * Eine b ü ft e r e M o r ö g c f cb i ch t e hat im schönen schweizerischen Städtchen Thun die Bewohner in Aufregung gebracht. Vor etiva 14 Tagen war dort ein 62jähriger Zimmer- mann Friedrich Schenk spurlos verschwunden. Alan wußte, daß der Alte mit feiner um 15 Jahre jüngeren Frau in Unfrieden lebte, namentlich seitdem die Frau mit einem umherziehenden Tagelöhner namens Fritz Blaser ein unlauteres Verhältnis unterhielt. Es kain infolgedessen sehr oft 51t Zwistigkeiten, und der alte Schenk erzählte hin und wieder, daß er von seiner Fra,: und ihrem Besucher mißhandelt worden sei. Er soll auch geäußert haben: „Tie werden mich noch umbringen." In seinem Kummer trank er wohl ein Gläschen zuviel. So kam es, daß er eines Tages, gegen Ende Juli, sich durch einen Sturz schwer verletzte und in seine Wohnung getragen werden mußte. Trotzdem war er drei Tage später svtirlos verschivunden. Tas muffte auffallen, und die Poliziei befaßte sich mit dem Falle, als Schenks Leiche bei Wichtrach unterhalb Thun ans der Aare gezogen mürbe. Nun entdeckte der Arzt an der Leiche einen Beinbruch, der einige Tage vor dem Tode erfolgt sein inlißte. Man erinnerte sich an den Unfall, der den Alten vor feinem Verschwinden betroffen hatte und bei dem kein Arzt ungezogen worden war. Es war nun klar, daß der Akte mit dem gebrochenen Bein feine Wohnung nicht selber hatte verlassen können, und daß also ein Verbrechen uorltcge. Auch hatten Nachtschichtarbeiter eines Merallwerkes beobachtet, wie tn der Nacht vor den: Verschwinden Schenks vor fernem Hanse etwas auf einen Karren geladen wurde, der dann gegen die Aare hin gefahren sei. Infolgedessen wurden die Fran des Ermordeten und ihr „Freund" Blaser, ein anrüchiger Geselle von 38 Jahren, der schon im Gefängnis gesessen hatte, verhaftet; sie sollen die Untat eingestanden haben. _ ‘ * D i e P 0 st k ii t f ch e A r 0 s a ° E h u r ist nn Hinteren Schan- figgertal (Graubünden) infolge Schciiens der Pferde über den Straßenbord biimuSgerntcn und den steilen Abhang herunter g e st ü r z t. Eine Frau Weitprecht aus Gelingen (Württ.) wurde dabei getötet, der Postkondukteiir schwer verletzt und der Wagen gänzlich zertrümmert. * Kleine T a g e s ch r v n i k. In K a 1 s e r § (a u t c r n flog ein Werk der nahegelegenen Pulverfabrik Schopp in die Luft. Hierbei fnmen zwei Personen ums Leben und eine wurde töllich verletzt. — In L a ii d a n wurde der Landwirtfchafts- lobrer Peters wegen Sittlichkeitsvergehen in 34 Fällen verhaftet. — In M ailaiid ist die große Lithographenanstalt 23er- tnrclli, die 700 Arbeiter beschäftigt, niedergebrannt. Da der Besitzer des UiiternehmenS Vizepräsident der A u S st e l l u n g s- k 0 m m i s f i 0 ii ist, glaubt man on eine Brandstiftung. Gießener Strafkammer. )( Gießen, 21. Aug. Das Schöffengericht Altenstadt hatte den Taglöhner Anton K. von Assenhcim wegen Körperverletzung zu 2 Wochen Gefängnis und wegen Ruhestörung zu 3 Tagen Haft verurteilt. Er erhob dagegen Berufung unter der ^Behauptung, der Haupt- belastungszeuge sei mit ihm verfeindet und habe die Unwahrheit beschworen. Der von ihm angebotene Gegenbeweis mißlang, denn die Strafkammer stellte wie das Schöffengericht fest, daß er seinem Schwager im Verlaufe eines Wortwechsels mit einem Backstein eine erhebliche Verletzung beigebracht hat, auch hat er solchen Skandal verursacht, daß die Nachbarn in ihrer Ruhe gestört wurden. Das Urteil fand seine Bestätigung. — Auch der Taglöhner Otto Konrad F. von Grünberg hat ein Urteil des dortigen Schöffengerichts, nach welchem er wegen Körperverletzung zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt worden ist, angefochten. Die Staatsanwaltschaft hatte ebenfalls Berufung angezeigt, da das Schöffengericht seine Zuständigkeit überschritten hatte, indem es den Angellagten megen Körperverletzung mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung, verurteilt hat. statt seine Unzuständigkeit auszusprechen und die Sache der Strafkammer zu überweisen. Di-' Verhandlung ergab, daß F., der ein arbeitsscheuer, dem Trunk ergebener Mensch ist, einer Frau, in deren Wohnung er eingedrungen war, ohne Anlaß mehrere Schläge ins Gesicht versetzte; als sie um Hilfe rief, stieß er sie eine hohe steile Treppe hinab und verfolgte sie auf ihrer Flucht. Er zerrte sie an den Haaren und stieß und schlug auf sie ein, sodaß sie neben anderen Verletzungen auch noch den Verlust eines Zahnes zu beklagen hatte und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Die Strafkammer erklärte das Schöfsengcrichts- urteil für nichtig und erkannte als Gericht erster Instanz aus eine Gefängnis st rafe von 6 Monaten. Sie zog die außerordentliche Roheit und den Umstand, daß die seither gegen den Angeklagten erkannten milden Strafen auf ihn keinen Eindruck machten, straferhöhend in Bettacht. — Als dem Maurer Josef K. von Ober-Wöllstadt die Mitteilung von der Geburt des Sohnes des deutschen Kronprinzen gemacht und er aufgesordert wurde mit Rücksicht auf das frohe Ereignis den Rest des Tages zu feiern, ließ er sich zu einer Majestätsbeleidigung gegen den deutschen Kaiser hinreißen. Da seine Aeußerung spontan unüberlegt war, ließ ihn das Gericht mit der Mindeststrafe von 2 Monaten Gefängnis durchkommen. — Auf Privatllage des Molkereidirektors F. zu Büdingen wurde der Steinhauer Heinrich K. zu Vleichenbach wegen Beleidigung zu 10 Mark Geldstrafe verurteilt. Das Urteil wurde von beiden Teilen angefochten, da dem Kläger die Strafe nicht hoch genug erschien, und der Angellagte Freisprechung verlangt, weil er mit den in Rede stehenden Aeußerungen nicht den Kläger gemeint hätte. Die Beweisaufnahme ließ dem Gericht keinen Zweifel, daß der Angeklagte dem Kläger ungerechtfertigter Weise den Vorwurf des Meineids gemacht hat und ihn einen Schuft, der ihn um sein Vermögen gebracht hat, genannt hatte. . Das Gericht erkannte mit Rücksicht auf die Schwere der Beleidigung auf eine Geldstrafe von 50 Mark. Flensburg, 21. Aug. Das Kriegsgericht verurteilte den Hauptmann Hausmann vom Regiment 85 in Kiel, der die Funktionen seines Feldwebels so ungenügend beaufsichtigte, daß dieser Unterschlagungen und Fälschungen begehen konnte, zu zwei Wochen Stubenarrest. ArLrsLtevbervegrrng. Königsberg i. Pr., 21. Aug. Wegen nicht bewilligter Lohntarifforderungen sind die hiesigen Getreide träger und Speicherarbeiter in den Ausstand getteten. AniVexMÄts-Anchrichten. — Dem Ingenieur der Firma Grün und Bilfinger in Mannheim, Dr. Jng. Philipp Völker, wurde ein Lehrauftrag für Theorie und Anwendung der Eisenbeton-Konstruktionen an der Technischen Hochschule zu Darm st a d t erteilt. — Der Großherzog von Baden hat den ordentlichen, Professor der Philosophie an der Universität Heidelberg Geheimrat Dr. Kuno Fischer auf sein Ansuchen wegen leidender Gesundheit unter Anerkennung seiner langjährigen ausgezeichneten Dienst- leistungen in' den Ruhestand versetzt. Märkte. § Gedern, 21. Aug. Unser sogen. „So m m er m ar kt" war diesmal gut besucht, besonders war der Rindviehhandel seit langem wieder einmal annehmbar und viel Vieh zum Verkaufe aufgetricbcn. Mehrere Waggons wurden an der Bahn verladen. Der Schweinemarkt war 'etwas gedrückt; Ferkel kosteten pro Paar je nach Qualität 36—48 Mk., Läufer (sogen. Einleger) 100—150 Mk., fette Schweine 56 Pf. pro Pfund Lebendgewicht. FainMeir-Ncrchrichtesr. Verlobte. Fräulein Karoline Baurn, Hochhausen a. N., mit Herrn Jofef Jacobsohn, Schotten. Geborene. Herrn Georg Oestreich und Frau, Marie geb. Vorneis, Alsfeld, eine Tochter. — Herrn Lehrer B. Porth u. Frau, Lauterbach, eine Tochter. Gestorben c. Herr Georg Hölzer, Flensungen. Herr Steinhauermeister Peter Wer, Butzbach. — Fräulein Margaretha Dittmar, Alsfeld. — Herr Pfarrer Gustav Koch, Berstadt. Verwogen ist immer besser, als heilen! J Vorbeugen aber soll man namentlich in der schönen Jahreszeit gegen die Einwirkungen plötzlicher Abkühlung, gegen Reizungen der Schleimhäute durch Staub, Heupartikeln re., und das erreicht man erfahrungsgemäß am besten durch die Anwendung von Fays ächten Sodener Mineral-Pastillen. Wie wirksam die Pastillen auch vorhandene Katarrhe bc- faniüfeu, das ist so bekannt, daß es nicht immer wieder betont zu werden braucht. Alan kauft „Fays ächte Sodener" überall zu 85 Pfg. per Schachtel. Die einzige hygienisch vollkommene, in Anlage und Betrieb billigste |Hazuü§fflr(lasEinfasiilieütaysl Bj Ist die verbesserte Zcntral-Luftheizung. In jedes, auch alte Haus leicht cinzubauen. Prospekte gratis und franko durch Schwarzhaupt Spiecker & Co. Nachf., G.m.b.H.,Frankfurt