Nr. 168 Je General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Artikel abzugeben. M Bansbnrscbe »pich unb Wallenfels. MittMuogen. Redaktion, Expedition «.Druckerei: Schulftr.U, Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr.: Anzeiger Dieb«. aufftand mit der Zeit niedergeschlagen würde. Aber — wie viele Opfer müßten erst unter der bestialischen Grausamkeit der schwarzen Horden verbluten, ehe es gelänge, der Schwarzen Herr zu werden? Denn das ist sicher, wenn der insgeheim wohl längst vorbereitete Aufstand losbricht, dann ist die erste Tat der Aufständischen die Hinschlachtung der Weißen, deren sie habhaft werden können. Freitag 30. Juli 1906 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sc-e» UntverfitätSdruckerei. R. Lange. Gtetze». Erscheint «Ach mit Ausnahme des Sonntags. Die „HKtzener gamnienblätter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^yeffisch« tflWbwfrT erscheint monatlich einmal. ül- und istrasse 08t* Der Gleibergverein ladet nochmals zuln Besuch seiner oin Samstag stattfindenden Generalversammlung ein. Nektar Hahn hat der Stadtverwaltung schriftlich seinen Dank für das »hm bei seinem 50jährigen Dümsijubiläum überreichte Ehrengeschenk und die herzlichen Worte der An- ' "O Psg. 'wichfe 38 Quid novi ex Africa? WaS gibts Neues aus Afrika? Das war einmal die ständige Frage im alten Rom. Man wollte wissen, ob die sieggewohnten Kohorten neue Fortschritte gemacht, ob die Schiffe neue Schätze des schwarzen Erdteils bringen würben, dec ja den Römern so interessant war, weil er ihnen viel Geld einbrachte. Heute fragen wir auch, ,wa§ gibt es Neues aus Afrika?" O, es gibt des Neuen genug. Nach einem soeben eingetroffenen Bericht des Hauptmanns Freih. von Wangenheim vom 29. Juni ist die Unterwerfung des Bezirks M ah enge vorläufig abgeschlossen und durch fünf militärische Posten gesichert. „S)a die Nebellenführer noch nicht ergriffen sind, ist die Haltung der Bevölkerung noch nicht gewährleistet." Es scheint also, als hätten wir einen ewigen Krieg in Deutsch-Südwestafrika und der schwarze Erdteil hört nicht auf, für uns verhängnisvoll zu bleiben. Aber das ist noch lange nicht alles. Aegypten, Abessinien, .Marokko, Natal — dem deutschen Zeitungsleser sind auch diese Worte längst geläufig, er kennt Fez und Tanger, Adis Abeba und Johannesburg, .Kairo und Karthum, fast wie Frankfurt und Darmstadt. Augenblicklich ist Natal besonders aktuell. Die britischen Truppen haben den Negeraufstand niedergeschlagen, wie es heißt, und sie sind dabei mit jener ausgesuchten Barbarei zu Werke gegangen, deren die Engländer fähig sind. Seit Kitchener, der Schlächter von Omdurman, die Parole ausgegeben hat, daß in Afrika keine Gefangenen gemacht werden, gilt diese Parole, und getreu dieser Parole haben die Engländer, wenn im Unterhause auch diese Tatsache nach Möglichkeit bemäntelt und anderes frech und fest Behauptetes einfach abgeleugnet wurde, alle Schwarzen, die ihnen in die Hände gefallen sind, niedergeknallt, wie Vieh. Man hat den Führern außerdem die Köpfe abgeschnitten und sie zum warnenden Exempel auf Stangen spießen lassen, wie das die Marokkaner wachen, wie es die tapferen Truppen des christlichen Menelik mit den Italienern machten. Man wird noch andere Schauderdinge zu hören bekommen, wenn erst einmal die überseeische Post über diese Heldentaten der großmütigen Nation eingetroffen ist — überraschen kann dieses Verhalten Englands niemand. Doch man vergegenwärtige sich auch, wie groß die Gärung ist, die durch ganz Afrika geht, und die vielleicht mit einemmal zum verheerenden Feuer anschwillt, das alles weiße Element aufzehrt. Die Warner, die einen großen afrikanischen Aufstand voraussagen, sind lange an der Arbeit, und sie haben auch willige Ohren gefunden. Es ist doch wohl, mögen das zehnmal die europäischen Regierungen nicht wahr haben wollen, weil sie der Menge nicht gern Unangenehmes sagen möchten und weil anderseits ihre offiziellen Vertreter, wie so oft, ungenau orientiert sein dürften, allzu vielen Privatmeldungen zufolge ein panislamitischer Rassenkampf , wie man ihn in Deutsch-Ostafrika schon entfesseln wollte, im Anzug, und dieser Nassenkampf wird entbrennen, wenn die Völker Europas die schwarzen Horden nicht mit eiserner und blutiger Faust niederhalten. In Aegypten ist der Teufel los. Dort dehnt sich die panislamitische Gärung immer weiter aus und die Türkei will anscheinend diese Gärung unterdrücken, und die Engländer müffen Truppen schicken, um den Ausbruch der Unruhen hintanzuhalten. In Abessynien herrscht vorläusig Ruhe, aber niemand weiß, was Majestät Menelik tun wird, wenn die Engländer, Franzosen und Italiener gemeinsam angerückt kommen, und ihre „schützende Hand" über sein Land breiten wollen. Wir würden nicht überrascht fein, wenn in solchem Fall dieser König mit den Mohammedanern gemeinsames Spiel machen wollte, um die „weiße Pest" aus seinem Lande zu vertreiben. Hebet- Marokko hat der italienische Deputierte Malmuk sich sehr pessimistisch geäußert, Nach seiner Ansicht ist es um j Abdul Azizs Herrlichkeit schlecht bestellt. Er glaubt, daß der Prätendent siegen wird, und dann helfen die Akte von Algeciras vermutlich den Mächten recht wenig. Das marokkanische Volk haßt die Europäer, unb der europäerfreundliche Sultan kann sich nicht halten. Die englische Presse bespricht die Möglichkeit einer Wiederaufnahme der Marokkokonferenz, iveil die deutsche Regierung die Absicht habe, die Aktien der marokkanischen Staatsbank, welche jetzt im Besitze von Marokko sind, .felbft in die Hand zu bekommen. Es heißt, daß England und Frankreich dieses Vorgehen als einen Versuch betrachten, die Beschlüffe der Marokko-Konferenz zu umgehen. Pariser Korrespondenten übermittelten nach Landon scharfe Aeußerungen der französischen Presse, ivelche in solchen Angelegenheiten tonangebend für die eugllschen Blätter ist. Auch in London ist Mißstimmung bemerkbar in liberalen und konservativen Kreisen. Es scheint sich auch wieder um Stimmungmache gegen Deutschland zu handeln. Das sind schlimme Situationen, und man begreift die Nervosität, die in den europ. Kabinetten herrscht, wenn es sich um afrikanische Dinge handelt. Wenn aber dem Aus- -bruch einer gewaltigen Empörung von Gibraltar bis zum Kap der guten Hoffnung vorgebeugt werden soll, dann wird Las nur möglich sein, wenn alle Mächte in der Bekämpfung Ler Gefahr einig und ohne Eifersüchtelei vorgehen. England hat zwar, wie vor einigen Tagen berichtet wurde, Hottentottenfamilien von der Grenze des deutschen Gebietes uveggezogen, weil diese Familien eine ständige Gefahr bildeten, da die Aufständischen sich bei ihnen neue Waffen und Munition, sowie Lebensmittel besorgten. Aber das war ein überraschender Ausnahmefall. Die afrikanische Gefahr ist, das läßt sich nicht übersehen, vorhanden. Es ist freilich ebenso sicher, daß Europa mit dieser Gefahr fertig werden könnte, daß ein allgemeiner Neger- Rückkehr nach Samoa. Es scheint kein Zweifel mehr zu fein, daß der Gouverneur von Samoa, Dr. Solf, demnächst auf seinen Posten zurückkehrt. Damit kann wohl der Konflikt zwischen Solf und einem Teil der Pflanzer auf Samoa als erledigt gelten. Ob auf Grund einer Untersuchung, weiß man nicht. Der Gouverneur wohnte zwar der letzten Etatsberatung im Reichstag bei, aber die fragt Angelegenheit wurde in der Debatte nicht berührt. Die Negierung muß aber die Ueberzeugung gewonnen haben, daß die gegen Dr. Solfs Amtsführung erhobenen Beschwerden unbegründet sind. Es wäre eben wünschenswert gewesen, darüber Aiithentisches zu hören. liirdic urrd Schule. — Eine Aufsehen erregende Meldung bringt die „N e m s ch d. Ztg" Danach hat das Konsistorium in Verbindung mit dem Synodalvorstand bereits am ö. Juli beschlossen, das; die Wahl des Pfarrers Roemer kassiert werden soll, und daß der evangelische Oberkirchenrat in Berlin gebeten werden soll, gegen Pfarrer Traub in Dortmund wegen seiner -Lym- pathiedepesche für Pastor Roemer gleichfalls d i ü z i p l i n a r i, ch vorzugehen. ..... polififd^c Tagesschau. In Vertretung des Reichskanzlers. R. Berlin, 19. Juli. Während Fürst Bülow die Heilkraft der Nordsee auf sich wirken läßt und Staatssekretär Frhr. v. Tschirschky im Gefolge des Kaisers die skandinavischen Gemässer durchkreuzt, weilt Graf P o sadowsky-noch immer in der vom schwülen Dunst erfüllten Neichshauptstadt. Seine geistige Spannkraft ist ungeivöhnlich. Gestern wohnte er beispielsweise einer Sitzung der Berliner Medizinischen Gesellschaft bei, um sich über die Bedeutung der Blinddarmentzündung als Volkskrankheit zu informieren. Es scheint, als werde Gras Posadowsky durch die Geschäfte des Stellvertreters des Reichskanzlers in Berlin zurückgehalten, da er sonst um diese Zeit im Ausland zu weilen pflegte. Vom Fürsten Bülow kann ja auch nicht angenommen iverdeu, daß er bereits jetzt die amtlichen Obliegenheiten wieder in vollem Umfange selbst erledigt, die zahlreich unb vielseitig sind, mag die Jahreszeit politisch auch still erscheinen. "vadc 38 Lual. 38 Eine Aufgabe für Lord Kitchener. Nach Meldungen aus London besteht dort in politischen Kreisen die Ueberzeugung, das binnen kurzem ablaufende Oberkommando des Lord Kitchener über die indische Armee werde nicht verlängert, sondern dem aus dem Burenkriege bekannten General F r e n ch übertragen werden. Sollte das zu- treffen, so wäre es aber wohl verfehlt, daraus auf eine Unzufriedenheit der Londoner Regierung mit der Kommandoführung Lord Kitcheners zu schließen. Seine militärische Autorität i)t in Altengland zu fest begründet, als daß er der Möglichkeit einer Art von Maßregelung sich ausgesetzt sehen könnte. Es dürsten vielmehr politische Erwägungen der Regierung die Ablösung Kitcheners ratsam erscheinen lassen. Man bemüht sich nämlich, den Emir von Afghanistan für die Freundschaft mit England zu gewinnen. In dieses Programm paßt die durch Kitchener vertretene militärpolitische Tendenz nicht mehr hinein, die. in einer Kette starker Befestigungen an der asghanisclren Grenze das Heil sieht. Man wird diese Anlagen, die 20 Millionen gekostet haben, zwar nicht abtragen lassen, glaubt aber wohl, durch einen Wechsel im Oberkommando daS Mißtrauen der Afghanen zerstreuen zu können. Des weiteren erscheint ein Hinweis auf die Verschärfung der Lage in Aegypten am Platze. England will der panislamitischen Gefahr begegnen durch Errichtung neuer Bataillone der ägyptischen Armee, und es könnte nicht überraschen, wenn die Regierung sich mit der Absicht trüge, Lord Kitchener, dem „Helden von Omdurman und Khartum", das Oberkommando über die ägyptische Armee zu übertragen. Auf die blutige Niederwerfung der Jslamiten versteht sich Kitchener, wie kaum ein anderer englischer Heerführer. Das hat er in den Feldzügen gegen die Mahdisten gezeigt. . f*6"! “S? Hi* , unb emP^e Sitzrriig der Stadtverordneter,. Gießen, 19. Juli. Anwesend: Oberbürgermeister Mecum, Beigeordnete Curschmann unb Heyligenstaebt, die Stadtverordneten: Brück, Eichenauer, EmmeliuS, Euler, Faber, Gabriel, Dr. Entfleisch, Dr Haberkorn, Haubach, Heichelheim, Helm, Huhn, Jann, Jugharbt, Keller, Kirch, Krumm, Leib, Löber, Loos, Orbig erkennung für seine Dienstführung, die der Oberbürgermeister namens der Stadt ihm aussprach, ausgebrückt. Baugesuche, städtische Arbeiten und bergt Emil Schön hat für bie verlängerte Wilhelmstcaße ein Baugesuch eingebracht. Es wird abgelehnt, hauptsächlich, weil bie bemnächstige Feststellung des dortigen Bebauungsplans wahrscheinlich eine Abänderung der Straßenfluchtlinie bringen wird. Wachtmeister Kasper hat darum tiachgesucht, seine seitherige Abortgrube im Hause Griinbcrgerstr. 35 belassen und als Sammelgrube für Rcgcnivasser benutzen zu dürfen. Nach den bete. Bestimmungen ist vorgesehen, daß seither vorhandene S a m m e l g r u b e n fü r R e g e n w a f f e r aus-, nahm sw eise mit Genehmigung des Bürgermeisters auch fernerhin belassen werden können, wenn sie wasserdicht verputzt und mit einem an den städtischen Kanal angeschlossenen Heb erlauf versehen werden. Die Deputation schlägt, da hierüber bis jetzt keine Bestimmung vorhanden ist, nunmehr vor, die Umwandlung von Abortgruben in Regenwasser- Sammelgruben ausnahmsweise zuzulassen, wenn sie gut desinfiziert und die bei den übrigen Sammelgruben vorgeschriebenen Bestimmungen erfüllt werden. Stadtverordn. Krumm fragt an, ob durch diese Zulassung nicht übel riechende Gruben erhalten blieben, deren Entfernung im allgemeinen sanitären Interesse liege. Stadtv. Heichelheim führt einen Fall an, in dem vom Wasserwerk erklärt worden sei, Regenwasserzysternen seien nicht mehr zulässig. Auch Stadtv. Kirch bittet unter Bezugnahme auf einen Einzelfall um Aufklärung, ob die Hausbesitzer das Recht haben, das Regenwasser so abzusiihrcn, wie sie wollten. Der Vorsitzende erläutert die sragl. Bestimmungen da-, hin, daß bestehende Regenwassergmbeu ausnahmsweise verbleiben könnten, Neuanlagen dagegen nicht gestattet seien. Beig. Heyligenstädt befürwortet das vorliegende Gesuch Kaspars, während Stcchtv. Eichenauer dem Antrag der Deputation zustimmt. Ter Vorsitzende erklärt auf Anfrage des Stadtv. Heichelheim, daß er persönlich Gegner der vorgeschlagenen Aendcrung sei. Schließlich findet der Antrag der Deputation Annahme. Für die Verlegung der Wasserleitung in der Dreihäusergasse und die Auswechslung des Gasrohrs dort werden 160 Mk. bewilligt. Für die bessere Entlüftung der Wasserleitung von Queckborn, durch die eine Vermehrung der Wasserförderung von 3600 auf 4900 Kubikmeter täglich erzielt wurde, werden die nachträglich angeforderten 800 Mk. bewilligt. Gemeinnütziges. Der Hess. Landesverein gegen den Mißbrarrch geistiger Getränke hat bei Gelnhausen 123 Morgen ehemaliges Bergwerksgelände angekaust und in einem darauf befindlichen Gebäude die Trinkerheilstätte Burgberg bei Bieber errichtet. Die Anstalt soll nunmehr erweitert werden, wofür ein einmaliger oder ein ständiger Beitrag erbeten wird. Man beschließt mit Rücksicht auf den gemeinnützigen Charakter der Anstalt, die ev. auch dazu dienen kann, die städtischen Armenlasten zu erleichtern, für jetzt einen einmaligen Beitrag von 200 Mk. Im Falle einer günstigen Entwicklung der Anstalt iverden erforderlichenfalls weitere Bewilligungen in Aussicht gestellt. Ein Gesuch des Roten Kreuz-Vereins um Unterstützung für das süd west afrikanische Expeditionskorps wird dagegen ab gelehnt, da man der Ansicht ist, daß die Liebestätigkeit für unsere Afvickakämpfer nicht Sache der Gemeinden ist, sondern der privaten Fürsorge überlassen bleiben muß. Stadtv. Eichenauer bemerkt bei dieser Gelegenheit, daß der seinerzeit bei der Bürgerschaft gesammelte Unterstützungsfonds für die ausreisenden Soldaten der China-Expedition nicht völlig verbraucht worden sei. Der Fonds werde bis heule weiter verwaltet von dem damals gewählten Komitee, und aus seinen Mitteln ist bisher allen Teilnehmern des deutsch-südwestafrikanischen Expeditionskorps, soweit dieselben unserem 116. Jnfanterie-Regt. angehören, bei der Ausreise eine Unterstützung gewährt worden, und auch zurückkommenden erholungsbedürftigen Soldaten ist eine solche zuteil geworden. Der Fonds gestattet noch auf einige Zeit eine weitere derartige Verwendung. Ter deutsche Verein für Bekämpfung der Tuberkulose hat ein Tuberkulose-Merkblatt herausgegeben und regt an, eine größere Anzahl davon anzuschasfeu und in der Bevölkerung zu verbreiten. Die Deputation schlägt jedoch vor, wie vor 5—6 Jahren das vom Kaiserlichen Gesundheitsamt herausgegebene Merkblatt in 2500 Exemplaren zu beschaffen uni) durch die VolksschuMüder zu verbreiten. Die Kosten würden sich auf etwa 75 Mk. belaufen. Stadtv. Jann regt an, es auch durch die Kinder der höheren Schulen zu verbreiten. Der Vorsitzende hält dies nicht für nötig, da in diesen Kreisen durch die Hausärzte mehr geschehen könne, als man durch das Merkblatt vermöge. Stadtv. Dr. Haberkorn tritt mit warmen Worten für die Verteilung der Merkblätter ein und teilt mit, daß der Kreis Gießen für schwere Tuberkulosefälle eine Anzeigepflicht durch die Aerzte einzuführen beabsichttge, insbesondere bei Todesfällen und beim Umzug Schwer- kranker, damit die betr. Wohnungen desinfiziert werden könnten. Bezügl. der Desinfektionen geschehe hier freiwillig schon sehr viel. Der Vorsitzende teilt noch mit, als weitere Einrichtung zur besseren Bekämpfung der Tuberkulose werde beabsichtigt, in dermedizinischenKlinik eine unen tgeltliche Sprechstunde für Tuberkulose einzuführen. Prof. Tr. Moritz unb seine Assistenten wären hierzu bereit. J-erner solle dort eine besondere Schwester für die Pflege Tuberkulöser angenommen worden. Der Staat ist bereit, die Wohnung und Beköstigung der Schwester zu tragen, wenn die Stadt ihren Geholt übernehme.' Der Antrag auf Beschaffung der Tuberkulose-Merkblätter findet einstimmige Genehmigung. Erweiterung des Schlachthofes und Errichtung einer Kühlhalle. Wie der Vorsitzende mitteilt, hat sich bei den Vorarbeiten für die Errichtung der Kühlanlage herausgestellt, )aß Pas Schlachthaus bei einer weiteren Bevölkerungs- Heer und Flotte. Kiel, 19. Suli. Nach mehrtägigem Llufeuthalte an der Wasserkante kehrten über 200 Flottenfreunde aus dem Großherzogtum Hefsen in bie Heimat zurück. Die Hessen hatten bie Reise weiter ausgedehnt, als es üblich ist, und die geschichtlichen Stätten aufgeiiufä, bie für Schleswig-Holsteins Deutschtum und für.des Reiches Geltung zur See die entscheidende Wendung brachten. Sie fuhren nach Alfen, Sundewitt und bestiegen die Düppeler Höhen, die jetzt fruchtbare Kornfelder sind und fast nur durch die Denkmäler an die Tage des Sturmes erinnern. In der nächsten Woche erwarten wir aus allen Gegenden des Reiches, von der Königsau bis zum Bodensee, etwa 300 Lehrer der Volks- und Mittelschulen, eie wollen Hamburg, Kiel, den Kanal und Helgoland besuchen, um der Jugend aus eigener Anschauung über Deutschlands See-Interessen und See- wehrkraft erzählen zu können. Es ist die erste Fahrt dieser Art, die der deutsche Flottenverein veranstaltet. Üfltjop Papigei igei ßoppelgelbM 6. KV. 1885 Öle Preistoar Zwei tüchtige (05188 Ictfmifm/Mcn jofoa ober fpäter bei freiet u. tyti unb hohem Caiair Sehdorf yW- WM leit bei Herrn L. nMchm error,-. wnäWn od.Krau gt flleidiitr. 29,1. ^.7.uoes Dienfmädcheu .42 Grünberqer Sir. 7,1 aosmödchcu iür den :aqperioiortgeiud)L M hriinberqer Straße öS. WwiNtüMtoiii ioforiigem Eintritt gchcht. ° JnrM, Spezialgeschäft dec -eien- und Pcrde-Jnduslrie. 0 Sieuerrweg 50. Wl.Mk von 14-16 Jahren such! Kngcu Sauffmaun, üamveniabrik. ji443 Hausbnrfche iidn. Neuer Laalbau. M Zweites Blatt 156. Jahrgang Gießener Anzeiger Mmrhmc wie seither zum! Teil fetzt schon an der Grenze feiner Leistungsfähigkeit angekangt ist. ES wird deshalb beabsichtigt, die jetzt für den Bedarf von 30000 Einwohnern berechnete Schkachthofanlage so zu erweitern, daß sie für 50 000 Einwohner ausreicht. Die Neuanlagen und Ver- größernngsbauten sollen so eingerichtet werden, daß einer späteren weiteren Vergrößerung bis zum Bedarf für 100000 Einwohnern auf dem jetzigen Platz nichts int Wege steht. Die Vergrößerttug soll nicht sofort auf einmal erfolgen, sondern nach dem sich ergebenden Bedürfnis, sodaß die Er- weiterttng der Groß- und Kleiuviehschlachthälbe zunächst unterbleibt. Die Kühlanlage soll 60—70 Zellen erhalten und spater bis zu 100 Zellen erweitert werden können. Sie wird eine möglichst zentrale Lage erhalten, und die übrigen Gebäude sollen ev. durch gedeckte Gänge mit ihr verbunden werden können. Dte Kosten der geplanten Neubauten sind auf 435 000 Mk. (einschließlich Einrichtung) veranschlagt, die .Kühlanlage allein auf 315 000 Mk. Die Schlachthofdeputation schlägt vor, sich tnt allgemeinen mit diesem vorn Stadtbauamt aufgestellten Projekt einverstanden zu erklären und auf Grund desselben die genaueren Pläne ausarbeiten zu lassen. Stadtv. Krumm fragt an, ob vorgesehen fei, die Kühlanlage auch für andere Gewerbetreibende als Metzger nutzbar zu machen, z. B. Geflügelhändler. Der Vorsitzende teilt mit, er stehe auf dem Standpunkt, daß dies geschehen solle, aber die Metzger hätten sich entschieden dagegen ausgesprochen, da dos Fleisch von den anderen Waren leicht den Geruch annehme. Eine weitere Frage fei, ob man Fleisch, das von ouswärts geschlachteten Tieren stamme, in der Kühlanlatze zulassen solle. Stadtv. Krumm hält es nicht für angebracht, die anderen Gewerbetreibenden auszuschließen, und beantragt, daß sich die Deputation mit dieser Frage beschäftigen solle, insbesondere auch damit, ob int Falle der Zulassung anderer Interessenten die geplante Anlage ausreichen werde. Der Vorsitzende ist der Ansicht, daß letzteres der Fall ist. Gießen habe zurzeit 58 Metzger, die wohl nicht alle Zellen nehmen. Auch Stadtv. Kirch bittet, auf dte anderen Geschäftsleute Rücksicht zu nehmen. Vielleicht könne beim Bau die Möglichkeit einer Trennung der Kühlräume für Fleisch tmd andere Waren berücksichtigt werden. Weiter fragt er nach der Rentabilität der Erweiterungsbauten. Der Vorsitzende ist der Ansicht, es bestehe wohl nirgends Zweifel, daß die entstehenden Kosten durch Gebühren zu decken seien. Die Kosten für die Kühlhalle könnten allerdings wohl nicht ganz aus den eigenen Einnahmen gedeckt werden, aber dank des Umstandes, daß das jetzige Schlachthaus fast ganz abgeschrieben sei, werde es dennoch möglich sein, bei Beibehaltung der jetzigen Schlachtgebühren — die die niedrigsten in Hessen seien — die Kosten aus den Schlachthauseinnahmen zu decken, ohne die Stadtkasse zu belasten. Eine Trennung der Kühlanlage sei nur möglich, wenn man zwei völlig ■getrennte Anlagen errichte. Stadtv. Löb er hält es nicht für angebracht, heute in Details einzugehen und macht bezüglich der Kühlanlage darauf aufmerksam, daß eine finanzielle Entlastung der Metzger durch die Zulassung anderer Gewerbetreibenden ein trete. Stadtv. Haubach bittet um genaue Prüfung der Frage, ob däs Schweineschlachthaus nicht am zweckmäßigsten jetzt schon neu errichtet werde, anstatt sich für jetzt mit einer Erweiterung des jetzigen Gebäudes zu begnügen. Der Vorsitzende bittet ferner um die Ermächtigung für sich oder die Dchlachthof- deputation, einen für1 die Bearbeitung der Pläne und die Bauleitung bestimmten Techniker anzunehmen. Dadurch könne die Angelegenheit so gefördert werden, daß vielleicht schon im Oktober die Baupläne zur definitiven Genehmig- ung vorgelegt werden könnten. Beig. Heyligenstädt bittet, über die Frage der Schw'eineschlachthalle eine nochmalige genaue Prüfung eintreten zu taffen. Zu beachten sei dabei, daß eine Neuanlage wohl teurer komme, aber auch der Betrieb in einer solchen sich wesentlich biMger stelle. Stadtv. Löb er ist für Vergrößerung der jetzigen Schlachthalle. Stadtv. Hau buch hält die Frage der Vergrößerung oder Neuerrichtung der Schweineschlachthalle für rein rechnerisch und Bittet, sie danach zu beurteilen. Bei der Abstimmung wird das Projekt int allgemeinen gutgeheißen, die Frage der Schweineschlachthalle soll nochmals geprüft werden. Bezüglich des Technikers wird die erbetene Ermächtigung erteilt. Aus Stadt uno Land. Gießen, den 20. Juli. •* Vom DünSberg. Der Erweiterungsbau der Schutz Hütte auf dem Dünsberg geht seiner Vollendung entgegen. Der neue Raum ist mehr als doppelt so groß wie der ältere und in demselben Stile ausgeführt. x Rod heim a. d. Bieber, 19. Juli. Die hiesige rührige Ortsgruppe des Vaterländischen Frauen- v er eins veranstaltet gegenwärtig Bügelkurse unter der aufopferungsvollen Leitung unserer Gemeindeschwester. Da der Andrang von Teilnehmerinnen sehr groß war, mußten zwei Doppelkurse, also im ganzen vier Kurse, eingerichtet werden, und zwar in den Monaten Juni-Juli und September- Oktober. Die gesamte Einrichtung hat sich gut bewährt und befriedigt allgemein. Im nächsten Jahre beabsichtigt der Verein einen Haushaltun gskursus zu veranstalten. Derartige Veranstaltungen sind in unserer Gegend besonders wichtig, da die meisten Mädchen als Fabrikarbeiterinnen im Haushalt wenig Ausbildung erhalten. I. Nidda, 18. Juli. Unter Leitung des Schulrats Scherer von Büdingen fand heute hier die diesjährige Sommerkonferenz der Lehrer des Bezirks Nidda statt. Lehrer Bopp führte das Mod ellieren in Ton in seiner Unterrichtsklasie vor. Eine Reihe schön angefertigter Tonmodelle gab Zeugnis von dem Fleiß, dem Geschick und der Hingabe, womit sich Lehrer und Schüler diesem Fache widmen. Daran schloß sich eine Besprechung neuer, für den Unterricht gegebener Richtlinien. Damit war der amtliche Teil geschloffen. Um 2 Uhr nachmittags erschienen die Familien der Lehrer zum geselligen Beisammensein. Schon im Vorjahre war auf Anregung des Schulrats Scherer der amtlichen Konferenz eine Familienzusammenkunft angeschloffen worden. Auch in diesem Jahre war diese Veranstaltung durchaus gelungen. Ein Lehrer-Streich-Orchester unterhielt durch gut vorgetragene Tonstücke. Auch ein Tänzchen fehlte nicht. Humoristische Vorträge, vorzüglich vorgetragen durch Herrn Lehrer Pauli aus Bingenheim, boten Abwechselung. So floß ein angenehmer Nachmittag dahin, bis endlich die Abendzüge die Gäste in ihre Heimat entführten. 1. Aule «die bach, 18. Juli. Nach vielen „Für-und Widerreden" ist nun die Ueberzeugung auch hier durchge- drungen, daß die Anlage einer Wasserleitung für untere Bewohnerschaft ein bedeutender Nutzen sei. Da auch das benachbarte Rohrbach unter sehr mißlichen Wafferverhalt- uisien leidet, so ist eine gemeinsame Leitung vorgesehen. Eine gut gelegene Quelle wird nun auf ihre Wafferabgabe in Quantität und Qualität untersucht, unb da die vorläufigen Ergebniffe günstig sind, wird die Ausführung des Projekts wohl demnächst in die Wege geleitet werden. (fc.) Mainz, 19. Juli. Die Eingemeindunas-Kommt ssion von Mvmbach hieß die von der Stadt Mainz gestellten Bedingungen gut. — Der Bildhauer Kl a u in der Wallaustraße gab gestern abend in seiner Wohnung im Streit auf seine Frau fünfRevolverschüsse ab, ohne zu treffen. Dann lief er davon. An der Micekaserne wurde er fest genommen, nachdem er auch seine Verfolger mit dem Revolver bedroht hatte. Er wurde ins Krankenhaus gebracht, da er vermutlich geisteskrank ist. — In Weisenau erhängte sich heute morgen in seiner Werkstatt der Zimmermeister Jakob Peter Veith. ES schwebte eine strafgerichtliche Untersuchung gegen ihn. (fc.) Frankfurt a. M., 19 Juli. Gestern abend erlitt im Großen Hirschgraben der 35 Jahre alte Kellner Debes einen schweren Hitz schlag. Bewußtlos wurde er in seine Wohnung gebracht, wo er heute verstarb. — Beim Ueberschreiten der Mainzer Landstraße wurde die Schülerin Karoline Schüll, Tochter des Arbeiters Schüll, Wickererstraße 9, von einem Automobil umgefahren und schtver verletzt. Der Chauffeur, Jean Hartmann aus Berlin, wurde angezeigt. — Im Heiliggeist-Hospital starb der 13 jährige Franz Ruppert aus der Weidenbornstraße, dem im Kinderhort in der Löwengasse beim Schaukeln ein Balken auf den Kopf gefallen war. (fc.) Ems, 19. Juli. Ein vor einiger Zeit in Attenhausen ioegen Verdachts der Tollwut getöteter Hund hat, wie int kgl. Institut für Infektionskrankheiten sestgestellt wurde, nicht an Tollwut gelitten. Die über Attenhausen und 17 andere Ort verhängte Hundesperre wurde datier aufgehoben. Unwetter. Die vergangene Nacht brachte uns nach zweitägiger drückender Hitze reichen Regen und Abkühlung, und auch heute noch haben wir andauernd Regenwetter. Mehreren oberheff. Orten aber brachte der gestrige Tag schwere Gewitter. Uns liegen neben anderen, unwesentlichen Meldungen folgende Mitteilungen vor: (GJ Angersbach, 19. Juli. Heute morgen gegen 4 Uhr schlug der Blitz in dem Wohnhause des Landwirts Heinr. Möller 16. ein, ohne zu zünden. Mehrere Fenster, Gefächer, ein im 2. Stock stehender Kleiderschrank und ntelyrere Balken wurden erheblich beschädigt; Menschen sind glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen. () Bleichen bach, 19. Juli. Die Familie des Zimmermannes Johannes Heinrich Kröll wurde in den Morgen- ftunben in großen Sckwecken versetzt. Während der Entladung eines starken Gewitters schlug der Blitz ein. Das Wetter kam von Norden und brach plötzlich mit solcher Heftigkeit los, daß sich die ältesten Leute kaum eines solchen Gewitters entsinnen. Nachdem ein heftiger Regen mit Hagel eingesetzt hatte, folgten in kurzen Pausen Dounerschläge, daß Türen und Fenster llirrten. Ein Blitzstrahl fuhr dann auch am Schornstein nieder, setzte auf dem Speicher Kleider und Säcke in Brand, durchfuhr die obere Sttibe, in der einige Erwachsene schliefen, ohne etwas zu zerstören.^ Desto größer waren aber die Verwüstungen in der unteren Stube, in der die Kinder noch in den Betten lagen. Der Durchzugsbalken ist arg beschädigt, ein eiserner Träger, dem der Blitz folgte, ist krumm gebogen, Tapeten und Nägel herabgerissen und herausgeschleudert — die Spuren lassen sich bis in den Keller verfolgen. Kröll wollte sich gerade zu seiner Familie aus einer Stube des oberen Stockwerkes begeben, als ihn der Strahl auf der Treppe zu Boden warf. Feuerschein von oben, Brand- und Schwefelgeruch war sofort für Kröll ein Zeichen, daß der Blitz gezündet hatte. Er packte die brennenden Sachen zusammen; mit einigen Eimern Wasser war das Feuer, das bedenkliche Ausdehnung hätte gewinnen können, gelöscht. Vor einigen Jahren schlug schon einmal ein Blitz in der Nähe ein, damals ohne zu zünden. Ein heftiges Gewitter zog in den Frühstunden des gestrigen Tages über Berlin. Während des Gewitters ist in einer Laubenkolonie ein Rirdorfer Arbeiter vorn Blitz erschlagen worden. Ferner schlug der Blitz in eine Arbeiterkolonne. Ein Arbeiter stürzte sofort tot nieder, ein anderer wurde schwer verletzt. Während des gestrigen Abendsturmes riß der Wind von dem Hause Kulmstt. 28 ein großes Stück vom Hausgesims los, welches den Sohn des Mechanikers Fiedler so schwer verletzte, daß das Kind nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus alsbald verstarb. Durch einen orkanartigen Sturm wurde in Hamburg und in der Umgegend ernstes Unheil angerichtet. In St. Pauli wurde ein Kind von einem Ziegelstein am Kopse getroffen und schwer verletzt. Im Hafen wurden mehrere Schiffe mehr oder minder schwer beschädigt. In der Lübecker Bucht kenterte eine Gig des Kriegsschiffes „Schwaben", wobei ein Matrose den Tod in den Wellen fand. In Altona wurde der mit Reparaturarbeiten beschäftigte Dachdecker Burmeister vom Dach geschleudert unb getötet. U e be r schwemmu ngen haben int unteren Japan! großen Schaden angerichtet. Der Eisenbahnverkehr ist teilweise unterbunden. In Nikko sind 600 Personen vom Wasser abgeschnitten. Der Bezirk von Ko-Fu bildet einen ungeheuren See. In Motzu- motu stehen 4000 Häuser unter Wasser. Die Bewohner haben sich auf die Dächer der Zelte geflüchtet, wo ihnen Hilfe gebracht wird. Die Kupferminen von Muntsumotv sind überschwemmt und werden auf Monate hinaus außer Betrieb bleiben müssen. Viele Zeitungen in verschiedenen Städten haben ihr Erscheinen eingestellt, da die Redaktionen und Druckereien überschwemmt sind. Große Bergrutsche haben ganze Dörfer begraben. Viele Menschen sind umgekommen. Der Schaden wird auf viele Millionen Beu geschätzt. Vermischtes. * Berlin, 19. Juli. Die jüngsten Raubanfälle im Eiseubahnzuge sind, wie bereits gemeldet, Gegenstand eingehender Untersuchungen im Ministerium der öffentlichen Arbeiten gewesen. In einem soeben crfdyienenen Erlaß au die Eisenbahn- Dircktion Berlin würdigt Minister Breitenbach die vielfachen Vorschläge, welche sichere Einrichtungen zur Vermeidung derartiger Vorkommnisse empfehlen. Angesichts der Bedeutung, welche der Sicherheit in den Eisenbahnzügen beizumessen ist, hält der Minister eine eingehende Prüfung für unerläßlich, ob Einrichtungen getroffen werden können, die den angestrebten Zweck sicher gewährleisten, ohne andererseits schwerwiegende Nachteile herbeizuführen. Die Eisenbahn-Direktion Berlin ist mit diesen Arbeiten beauftragt. — Heute vormittag wurde die eiserne Pendelsäule an der Ueberführung des Nebengleises des A n h a l t e r B a h n h o f e s über das Hallesche Ufer durch ein Lastfuhrwerk infolge Verschuldens des Kutschers umgesahren. Unter dem Gewicht eines die Brücke in diesem Augenblick passierenden Leerzuges senkte sich der der Mittelstütze beraubte Hauptträger. Verletzungen von Personen sind nicht üorgefontmen; es liegt nur eine , leichte Beschädigung des eisernen Ueberbaues vor. Die Arbeiten für die Hebung des Hauvtträgers sind bereits in Angriff genommen, sodaß die Brücke in wenigen Tagen wieder betriebsfähig sein wird. * Kleine Tageschronik. Ein Bootsunfall auf der Havel hat zwei Berliner Ingenieure namens Walter Müller und Karl Hermann von Heister als Lpfer gefordert. Beide in jugendlichem Alter stehende Herren haben den Tod in der Havel gefunden, nachdem das von ihnen geführte Segelboot gekentert war.In Berlin ist wegen Verübung eines schweren Sittlichkeits-Verbrechens der Bahnheizer Haupt in Untersuchungshaft genommen worden Der 52 jährige Mann wird beschuldigt, fick) an der elfjährigen Tochter einer befreundeten Familie vergangen zu haben. — Im Wilden Kaiser stürzte der Münchener Tourist Ebersberger ab und war sofort tot. — Vom Hohen Jfen ist der Tourist Dr. Hofer aus Koburg abge stürzt und 30 Stunden liegen geblieben. Touristen sand ihn und sorgten dafür, daß er nach Oberstdorf int Algäu gebracht wurde. Er hat schwere innere Verletzungen erlitten. — Auf der „Tete noire" verunglückte daß Ehepaar A Schvrring aus Paris. — Zwei Strolche überfielen ein 14jähriges Mädchen an den Schießständen bei Saarbrücken und vergewaltigtet: es. Sie versuchten es dann durch Meffev- fticfye zu töten. Auf den Hilfeschrei des Mädchen entflohen die Verbrecher. Das Kind ist schwer verletzt. — In Mül hausen lElsaß) wurde ein 72 jähriger Mann unter dem Verdacht verhaftet, zahlreiche Sittlichkeitsverbrechen an Heinen Kindern begangen zu haben. — In Konstanz verurteilte die Strafkammer den Feuerw-ehrdiener Lindegger wegen einer Reihe Sittlich- keitsverbrechen an Mittelschülern zu 5 Jahren Zuchthaus. —t In Hamburg verhaftete die Kriminalpolizei eine aus sechs Personen bestehende Hehler- und Diebesbande. Bei einem Pro- dultenhändler wurden für 30 000 Mark wertvolle Pelze beschlagnahmt. — Am 19. Juli ist die Lohmühle bei Neustadt an der Tafelfichte (SchlesO abgebrannt. 1 Mann und 2 Kinder kamen dabei um. — In Socorro in Texas wurden Sonntag morgen 52 Erdstöße verspürt und die aus 2000 Einwohnern bestehende Stadt gleicht jetzt einer Ruine. Die Bewohner leben andauernd in panikartigem Schrecken und enffliehen auf der SantafL- Bahn. Doch auch auf ihr sind sie ihres Lebens nicht sicher, weil die Erde in großen Massen abbröckelt und auf das Gleise fällt. Das Wasser der heißen Quellen ist seit Beginn der Erdstöße um 10 Grad gestiegen. Im ganzen Rio Grande Tal halten die Erdstöße an und die Bewohner müssen auf freiem Felde kampieren. handel und Verkehr, Volkswirtschaft, i 3Vr proz. Deutsche Reichsanleihe und Preußische K o n s v l s. Jüngst brachte die „F. Z." die Mitteilung» daß in den deutschen Staatspapieren Jnterventionskäufe für Rechnung des Konsortiums stattgefirnden haben und daß dev Bettag mehr als 200 Mill. Mark ausgemacht habe. Seither sind nun, wie das gleiche Blatt mitteill, größere Beträge wieder! verkauft worden. Gerade in letzter Zeit geschah dies in so erheblichem Umfange, daß sich die Gesamtsumme bedeutend verringert hat. Innerhalb der Zeit, bis der Rest abzunehnren sein wird, hofft man eine weitere Verminderung erreicht zu haben, sodaß dann der auf jeden Konsorten eventuell entfallende Bettag kaum noch besonders umfangreich sein werde. Der Termin bis zu dem die Einzahlungen auf die durch Intervention an- gesammelten Titel der Reichsanleihe und preußischen KonsolS! eventuell zu erfolgen haben wird, ist zunächst auf den 15. DEL1 festgesetzt. Die Seehandlung hat die gesamten Gelder verauslagt, sie zahlt jetzt auch an die Reichsbank einen Teilbettag der von dieser für die aufgenommenen Reichsanleihen verauslagten Sunv- men zurück. Von der Berliner Börse. Die Gefahr wegen „Rußland" zieht sich immer mehr zusammen. Pariser Blätter sind der Meinung, daß eine Revolution nur Noch eine Frage der nächsten Zeit sei: aber auch der Zusammenbruch der Dynastie Romanow, wird befürchtet. Unter diesen Umständen gern mitt die Baisse die Oberhand und es herrschen Rückgänge auf allen Gebieten. Weder die Erneuerung des Roheisensyndikats noch die Erhöhung dtt Halb zeug preise, noch der günsttge ainerikanffche EisenbericÄ haben irgendwelche bessernde Einwirkung auf die Kurse. Rusienwerte gehen natürlich in erster Linie zurück. Banken verloren Bruchteile. In Lombarden vollzogen sich Realisationen und Wiener Verkäufe. Amerikanische Bahnen lagen schwach. Andere fremde Renten sehr still. Schiffahrtsaktien waren gleichfalls rückgängige Der PrivatdisÄmt schloß 3y8 Prozent. Französische Gelder in Deutschland. Es wird' gemeldet, daß der Pariser Platz seine Goldguthaben in Deutschland zurückzieht, um für die wieder sehr notwendig gemottene Jnterventtonstätigkeit am Russenmarkt die nötigen Mittel zu haben. Trotz dieser Zmwckziehung hegt man in Berliner Bannkreisen die Hoffnung, daß diesmal für die Zwecke der Ultimo- Prolongation französische Gelder nach Deuffchland gelegt werdntl. — Wenn man sich nur nicht täuscht! Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. 6. Sonntag nach Trinitatis, den 22. Juli. \ Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer D. Schlosser. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus dev Matthäüsgemeinde. Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer Schwabe. Beichte und heil. Abendmahl für Matthäus- und Markusge- meinde gemeinsam. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Vormittags 11'/. Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. Die Kinderkirche für die Matthäüsgemeinde am nächstkunftigen Sonntag, den 29. Juli, fällt aus. In der JohanneSkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrafsistent Steiner. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten au§ der Johannesgemeinde. Vormittags 91/, Uhr: Professor D. Dre >vs. Beichte und heiliges Abendmahl für die Lukas- und die Johannesgemeinde im Hauptgottesdrenst. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Vormittags ll‘/4 Uljv: Kindergottesdienst für die Lukas- gemeinde. Pfarrer Euler. Abends 8 Uhr: Versammlung unb Bibelbesprechung im Konfirmandeusaal der Johamieskirche. Am nächstfolgenden Sonntag, den 29. Juli, nach allen Gottesdiensten, Kollekte für die Innere Mission. Katholische Gemeinde. Samstag, den 21. Juli: Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr Gelegenheit zur heil. Beichte. Sonntag, den 22. Juli: 7. S o n n t a g nach Pfingsten. Vormittags von 61/, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beichte. , um 7 Uhr: Die erste heil. Meße, vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion. „ um 8 Uhr: Die zweite heilige Messe. „ nm 9'/r Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 2 Uhr: Christenlehre; darauf Andacht. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südantage). Samstag, den 21. Juli 1906: Vorabend 7.45 Uhr. Morgens 8.30 Uhr. Predigt. Nachmittags 4 Uhr. Sabbathausgang 9.20 Uhr. Universitäts-Nachrichten. (sd.) Darmstadt, 19. Juli. Dem RegierungsbaumeistLi! Dr. ing. Georg W. Koehler zu Darmstadt wurde die venia legendi für „Lasthebemaschiuen unb Förderanlagen für Massengüter" an der Technischen Hochschule erteilt. Hotel-Restaurant Kronprinz, Bad-Salzhausen. Billigster, bester Kur- und Sommeraufenthalt. Prosp. Gratis. 392/ >b *8* T. T- cs kV CD E K ^65 .5 6-? 5 a N G S 6^ S) "o K Kra -e E9 *■• as K Ö^.-S =1 Q cc tocc AKQ Die zum im Wege vergeben werden. Angebote sind bis zum c19/. B18/t att» der B,8/r Cur sch mann. dir Carl Nowack 4432 Los Los Mitteilungen unter J. E. 1070 Heinr. Eisler, Berlin S. W. 1» sl14/r niederlegen. s16A *e Los Los !S Vorzügliche ganisation. Bewerber vergeben werden. Koukurrenzeiurichtnngen. Brauchbare Or- Wertvolle Verträge. mit Beziehungen zu den ersten Kreisen wollen nähere Verdingung. Neubau des Schulhauses in Kinzenbach Freitag, den 27. Juli, mittags 12 Uhr dem Unterzeichneten cinzureichen, woselbst Zeichnungen nnd Bedingungen eingesehen und Angebotsformulare bezogen werden können. Wetzlar, den 17. Juli 1906. Der Kreisbaumeister W. Witte Die Armendeputation der Stadt Gießen. C ursch mann. 1. Die Lieferung von etwa 20 Knabenanzügen aus kräftigem Stoff (Joppe und Hose). 2. 60—80 Meter Stoff zu Winterkleidern für Mädchen. 3. 70—80 Meter Baumwollflanell für Hemden. 4. 50—60 Meter wollene Lama für Unterrocke. 5. Die Anfertigung der Mädchenkleider, Knaben-- und Mädchenhemden und Unterröcke. Angebote sind einzureichen bis fp äteflens 1. August d. I., nachmittags 6 Uhr, beim städtischen Armenamt, Neuenbäue 25, Zimmer Nr. 2. Gießen, den 17. Juli 1906. Q Bekannrmachung. Betreffend: Die Ebelstiftung. Anmeldungen zum Bezüge von Kleidungsstücken für arme Kinder aus der Ebelstiftung sind bis spätestens 5. August 1906 auf dem städtischen Armenamt, Neuenbäue 25, vorzubringen. Gießen, den 17. Juli 1906. Die Armendeputation der Stadt Gießen. Me BiesseaHikeS unübertroffen in Qualität und Auswahl, billigste Preise, Rohrplaltenkoffer, Pappelholzkoffer mit Einsätzen, ca. 50% Gewichtsersparnis, Handkoffer, Eoupö- und Rundreisekoffer in Segeltuch und Leder. Herren- und Damen-Hutkoffer, Original russische Hutschachteln, sehr leicht und solid. Reiserollen mit und ohne Emrichtnng. Beliebte Reise-Handtaschen in Segeltuch und prima Rindleder, solidem Bügel und Schloß, von 3.50 Mk. an. Rucksäcke für Knaben von 75 Psg. an, Rücksäcke für Touristen von 1.75 Mk. an. Trinkflaschen in Aluminium, Glas re. Anfertigung sämtlicher Reiseartikel nach besonderen Angaben. erforderlichen Erd-, und Maurerarbeiten, Maurermaterialien, Zimmer-, Dachdecker-, Asphalt-, Klempner-, Schreiner-, Schlosser-, Glaser- und Anstreicher-Arbeiten sollen öffentlich Suche per 1. September 2 Lehrmädchen gegen sofortige Vergütung aus achtbarer Familie. Bekanntmachung. Im städtischen Hospital, Seltersweg 11, lucvoen am Samstag, ■21. d. Mts., nachmittags 2% Uhr, Möbel aller Art, Bettzeug, Kleider usw., öffentlich meistbietend versteigert. Gießen, den 16. Juli 1906. Die Armendeputation der Stadt Gießen. B16/, Curschmann. & C?£.. » ZN -i as> s 'S er? August Kilbmger Seltersweg lt>. " harter schwabr. i, sälst aus. f !f ^lkrwirticha^ leihr unh sn- haben und bo& u gemacht fcbe M «Ä dies in io er- bedeutend Z J? ber Seit abzunchmen tmbzrun9 erreicht zu haben ' «-ell entfafienbeZ < Sennin öte Intervention aw- und tteußischen L-nsolS t »Machst aus den 15. Ofi, jnanttm Gelder verauslagt, ' rmen Teilbettag der von Mlechen vnauslagten Suw- Äe Gefahr ivegen „Ruß, -men. Pariser Blätter sind ■ noch eine Frage der nächsten luch der Dynastie Romaiwv rden gewinm die Baisse die e auf allen Gebieten. Weder ts noch die Erhöhung brr Titanische Eisenberickt haben ui die Kurse. Russemverte ick. Banken verloren Bruch । Realisationen und Wiener m schwach Sintere fremde azren gleÄtS rückgängig, ft. 'tutfälanb. Es itntb Goldguthabcn in Traich sehr noiwenvirz yvvoÜM t die nviMN MiA / rt rnccn in Berliner H üt fce Zwecke der Ute» Deutschland gelegt roeM thrichte«. emeindc. jti«, den 22. Full. . ft. kirche. -chlosser. . Reukonsimierten au§ £>a StA» arbeiten. II: Lieferung von Schlacken- und seinen Putzsand (etwa 375 cbm Schlackensand und 77 cbm feinen Sand.) III: Lieferung von 2 000 hl gelöschten Kalk. Wieger gesucht. Zur Bedienung der städtischen Wage am Ncustädter Tor wird zum alsbaldigen Eintritt ein Wieger gesucht. Mit der Stelle ist eine monatliche Vergütung von 45 Mark verbunden. Geeignete Bewerber wollen ihre Meldung unter Angabe ihrer näheren Verhältniffc binnen 8 Tagen hierher einreichen. B19/i Gießen, den 16. Juli 1906. Grvstherzogliche Bürgermeisterei Gietzen. I. B. Curschmann. Samstag, den 21. und Sonntag, den 22. Juli Ausnahmstage in Fahrrädern *u ganz besonders billigen Preisen, bei allerbester Garanticware. [4442 Job. Fr. Schaaf Wetzsteinstraste 44. Verdingung. Für den Neubau des Amtsgerichtsgebäudes in Gladenbach sollen in öffentlicher Ausschreibung vergeben werden: I: Ausführung der Erd-, Maurer-, Asphalt- und Staaker» D- ®.rehr?,5'onta§' und Anmeldungen Nur noch diese Woche, ernschlretzttch Sonntag *££3** Phrenologin Frau Lüsca Thäymär deutet Kopf- und Handlinien. Sprechstunden nur für Damen von 9—9 Uhr. Sonntags bis 7 Uhr. Graphologie (Schriftdeuter,) gegen Einsendung von Mk. LoO m Briefmarken und Rückporto. Giessen, Schulstrasse 11, in. Stock. 05109 J dabkn 'Urtst & JmM 59^=3 ** Bekanntmachung. Betreffend: Die Ebelstiftung. Zur Ausführung der Ebelstiftung sind in diesem Jahre des öffentlichen Ausschreibens zu vergeben: l,ulLtiolu#i v-wwus. _■ Eaade. ^chs NZL V. ^as nnird eikirche. Äiaiii 'S. Je"?* SS**« :•»**•■***. [um. emeinde- 21. 3U V Uhr Telegen^ jenM um 8 22. Juli' . Seicht, ** l‘- IV: Lieferung von 33500 kg Portland-Zement. Die Verdingungsunterlagen liegen Wochentags in den Dienststunden im Bureau der hiesigen Kreisbauinfpeklion Kratzenberg Nr. 3, sowie auf dem Baubureau für den Amtsgerichtsneubau in Gladenbach, Gießener Straße 13, zur Einsicht aus und sind von dein letztgenannten Bauburau, so lange der Vorrat reicht, gegen post- und bestellgeldfreie Einsendung von 1,50 Mark für den Verdingung^- anschlaa für Los I. — Die Bedingungen für dieses Los werden nur zur Einsicht ausgelegt — von je 0,50 Mark für Los II., III. und IV zu beziehen. . . Die Angebote sind versiegelt und gebuhrenfret mit fenn- reichnender Aufschrift versehen bis zu den Eröffnungsterminen und war für das Angebot auf Los II bis IV am Sonnabend, den 28 1906, vormittags 10 Uhr, für Los I an demselben Tage initlaas 12 Uhr an den Unterzeichneten emzuretchen. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Biedenkopf, den 13. Juli 1906. Der Königliche Kreisbauinspektor gez. Büchner, Baurat. Vakanz fürVersichernngs-Fachleute! 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