Nr. »1 Mrschetut täglich «ruber Sonntag-. Dem Gietzerrer Anzeiger werden im Wechsel mit dem »elfischen Landwirt die Äegener Zamllien« blätter viermal in der Woche beigelegt. RotationZdrua u. Verlag der Brühl'schen Unioers<^Buch-u.Stein- druckerei. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Redaktion 112 Verlag u.Gjpeb.e^ol Adresse für Depeschen: Anzeiger Gienen. Erstes Blatt Donnerstag IN. AprrlLNOC IS6. Jahrgang BezngSpretAr Gietzener Anzeiger ° General-Anzeiger 99 ** monatlich 7bPf.,viertel jährlich Mk. 2.20; durch den polit und allgem. diePost Mk. 2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellst. Annahme von Anzeigen für bie Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr, ZeilenvreiS: lokal 12 Ps« auswärts 20 Psg. Verantwortlich fßt jährlich Mk. 2.20; durch Aoholc- il Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch Amts- und Anzeigeblatt för den Kreis Gießen MW _______________________ zeigenteil: Hans Beck. Pie Heutige Yummer umfaßt 8 Setten. Froöleme im Klient. Am poetischen Wetterglas zeigt sich mit jedem Tage mehr, daß die „Depression" front westlichen nach dem ösd- lichen Teil des Mittenneeres sich verschiebt. Wollen und Wölkchen ziehen sich dort aus allen Richtungen zusammen, und wenn der Blitz der herkömmlichen Frühjcchrsunruhen aus dem Balkan diesmal noch nicht herniedergezuckt ist, so kennzeichnet das die besondere Art der gegenwärtigen Situep- tion. In der Tat gilt dem nahen Orient so manche Er> rvägung der internattoualen Kabinette. Ter Umstand aber, daß Deutschland mit Oesterreich-Ungarn fest verbündet ist, zur Türkei in freundschaftlichen Beziehungen steht, und in Kleinasien bedeutende Wirts- ganze , /chjchenfall dank dem energischen Einspruch der fran- chjisci-eu Regierung ohne Folgen bleiben werde. Der Prophet des russischen Staatsbankerotts, Regierungsrat Martin, fordert in einem an die „Tägliche Rundsch." gerichteten Briese den Reichskanzler auf, schleunigst ein Verbot der Lombardierung russischer Staatspapiere an die Reichsbank zu erlassen. Denn gerade jetzt und vielleicht nur jetzt noch sei Gelegenheit, den größten Teil der in Teutschland befindlichen Renten an das Ausland abzustoßen. Führende Perjönlichleiten in den deutsckren Parlamenten stehen nach Martins Erklärung dem Gedanken des Lom- bardiernngsverbots sympathil 1 gegenüber, und die „Tägl. Rundschau" fügt hinzu, daß ihres Wissens dieser Vorschlag bereits tn Reichstagsireisen ernsthaft erörtert worden ist. Martin mag bei seiner Forderung von der besten Absicht geleitet sein, aber er dürfte sich täuschen über die Wirkung eines Lombardierungs- Verbots. Es würde wohl das gerade Gegenteil zur Folge haben, nämlich 'das Ausland derart verblüffen, daß dieses es ablehnt, überhaupt noch russische Renten dem deutschen Markte abzu- nehmLN. Wird doch bereits von London aus versucht, Teilbeträge der neuesten Rn ssenanleihe nach Deutschland abzuschieben. Nach dieser Richtung hin würde also der von Martin erwartete Erfolg ausbleibcn, aber politisch müßte das Lombardierutrgsfrerbot zu bedenklichster Verstimmung führen, die man nicht ohne Not erzeugen soll. Die NeichSbank dürfte bei der Beleihung russischer Werte ohnehin vorsichtig verfahren. Die Veröffentlichung der neuen russ. Neichsgrundgesetze wird täglich erwartet. Das Hosministerinm mit seinen Ausgaben wird nickst der Kontrolle der Duma unterstellt. Tie Duma soll kein Recht haben, fick in diese Ausgaben einzumischen. Ebenso will der Zar fich daS alleinige Recht Vorbehalten, Pensionen, Gratifikationen, UnterstützungSgeldcr usw. nach wie vor nach persönlichem Gutdünken anzuweisen. Ueber die Eröffnungsfeier des deutschen Reichstages hat neuerdings in offiziellem Auftrage ein Begleiter des russischen HofjägermeisterS Trepow Informationen in Berlin eingczogen, um einen Anhalt für die Eröffnung der Reichsduma in Rußland zu haben. Deutsches Reich. Berlin, 18. April. Der Kaiser wird in diesem Frühjahre einigen Aufführungen int Hoftheater zu Wiesbaden beiwohnen. Obwohl Kaiserfestspiele in der in den letzten Jahren ausgeführten Art dort nicht stattfinden, so interessiert sich der Monarch doch für einige neu inszenierten Opern und Lustspiele. Diese Ausführungen finden voraussichtlich vom 18. bis 21. Mai statt. In Szene, gehen die Opern „Armide" und „Don Juan" und die Lustspiele „Renaissance* und ,Krieg im Frieden*. — Prinzregent Albr'echt von Vratinschweig wird den Kaiser bei den Vermählungsfeierlichkeiten in Spanien vertreten. — Der Kaiser sandte folgendes Telegramm an Frau General Stoetzer: „Mit tiefster Betrübnis habe ich die Nachricht von dem plötzlichen Ableben Ihres Herrn Gemahls erfahren. Ich verliere in ihm einen- meiner tüchtigsten und besten Generäle, im Kriege wie int Frieden erprobt, ein Vorbild von Pflichttreue und Tatkraft für sein Armeekorps, das er mit großem Erfolge kommandiert hat. Wie fein Andenken in den Reichslanden stets lebendig bleiben tvirb, so werde auch ich seiner stets in Dankbarkeit gedenken. Tie in Ihrem Hatise verlebten schönen Stunden werden mir unvergeßlich fein. Möge Gott Sie in Ihrem großen Schmerze trösten." „ — Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge ist das Abschiedsgesuch des Wirkt. Geheimerates o. Hollstein vom Aus- wärtigen Amte vont Kaiser genehtnigt worden. Nach der „Dtsch. Tagesztg." hängt dieser Abschied weder mit der Erledigung der Marokko-Angelegenheit zttsammen, noch mit der Erkrankung des Reichskanzlers. Der Gedanke liegt aber nahe, daß, abgesehen von seinem hohen Alter und seinem Gesundheitszustände, die Neubesetzting des Staatssekretärpostens im Auswärtigen Amte hauptsächlich oder doch mit bestimmend gewesen ist. Ausland. Loudon, 18. April. Aus Tanger wit^d gemeldet: Der Sultan von Marokko beschloß, auf der Hauptstraße dickst vor dem Hafen Larackst ein Denkmal zum Gedächtnis des vor zwei Jahren bei Fez ermordeten deutschen Journalisten Tr. Gcntbe errichten zu lassen. Wien, 18. Aprrl. Blättermeldungen aus Innsbruck zufolge wurde der deutsche Maler Edgar Meyer wegen seiner Fürsorge für die deutschen Sprachinseln auf dem Bahnhof Pergine von Italienern insultiert. Es kam dann zu Zusammenstöß,en von Italienern und Deutschen, wobei der Anführer der Italiener verwundet wurde. Budapest, 18. April. Ministerpräsident Meter le empfing heute eine Deputation der Stadt Temesvar und hielt eine Rede, in der er u. a_ folgendes erklärte: Wir werden bestrebt sein, zwischen Oesterreich und Ungarn statt des Zollbündnisses einen Zollvertrag zu setzen. Hir müssen alles anstreben, um eine groß angelegte Industrie zu gründen. Unerläßliche Vorbedingung lfterfür ist die dauernde Sicherung der staatlichen Einnahmen auf der Grundlage der LeismngssLhigkeit des Staates. Dazu gehört eine unseren Verhältnissen entsprechende moderne Steuerreform. Tie von der Regierung durchzusührende Reform des Wahlrechts bezweckt, unter Wahrung der Unver- letztlichkeit der ungarischen Staatsidee Gelegenheit zu schaffen, daß jeder berufene Faktor, ütsbesondere die Arbeiterklasse, die freie Ausübung des Wahlrechts erlangt. Tas Wahlrecht wird ein allgemeines, jedem Bürger zugängliches sein und in möglichst kleinen lokalen Kreisen aus geübt werden. Konstantinopel, 18. April. Sic Polizei entdeckte in dem Brunnen des dem verbannten Divisionsgeneral S ch a m i e! - P a s ch a gehörigen Konak mehrere Leiche n. Außer Redwan-Pascha sollten aon dem letzteren auch der Großvezir, sowie der in der Umgebung des Sultans sehr einflußreiche Schert Obu^Hudde ermoroet werden. Tientsin, 18. April. Die A b s ch i e d s a rr d i e n z des deutschen Botschafters Frhrn. fr. Mumm ist sehr herzlicks verlaufen. Tie Kaiserin trug Mumm Grüße für das Kaiserpaar auf, dankte dem Botschafter für seine gerechte und wohlwollende Geschäftsführung und schenkte ihm ein selb st gemaltes Bl nm en stück. Kirche und Schule. — Der Jesuiten general Pater Martin ist, wie aus Rom gemeldet wird, gestorben. tzrdöeven im westlichen Nordamerika. Eine entsetzliche Unglücksbotschaft folgt der anderen. Kaunt hat sich die Aufregung über die nach dem Erdbeben in Calabrien für Italien doppelt fürchterliche Vesuv- Katastrophe gelegt, als Nachrichten eintrafen von einem mörderischen Erdbeben auf der ostasiatischen Insel Formosa, und heilte koutmt die Kllnde von einem ungeheuerlichen Erdbeben- und Brandunglück in den westamerikanischen Staaten und namentlich in der großen Hafenstadt San FranziSco, der blühendsten Stadt an der Westküste der Vereinigten Staaten. Ob alle diese gräßlichen Ereignisse in einem ursächlichen Zusammenhänge stehen, das zu ermitteln ist die Aufgabe der Wissenschaften. Gestern abend noch gingen uns folgende Meldungen zur New'York, 18. April. Kurz nach 5 Uhr morgens wurde San Franzisko von einem drei Minuten lang an- dauernden Erdbeben heimgesucht. Tausende von Ee« bänden find beschädigt. Brände find ausgebrochen. Die Postbehörde von Kansas City erhielt aus Los Angeles die Nachricht, die Zahl der Toten betrage beinahe tausend. Chicago, 18. April. (Reuter.) Die Telegrapheitgejell-- schasteit sind ohtte Verbindtmg mit San Franzisko und Sacramento. Wie die Western-Union-Telegraph Company müleilt, ist durch ein heiliges Erdbeben in deit westlichen Staaten beträchtlicher Schaden angerichtet worden. Dasselbe soll auch in San Franzisko und Sacramento der Fall sein. New-Pork, 18. April. Das Erdbeben,^welches San Franzisko heimstlchte, wurde auch im ganzen Staate Ne - w a d a verspürt. Sämtliche telegr. Verbtndungeit westlich von Remo sind zerstört Wie der Aeivyork Postal- and Telegraph- Coinpany kurz vor 11 Uhr telegraphisch gemeldet mürbe, hat das Erdbeben in San Francisko 6 bis 8 Straßen gevierte im Geschästsdistrikt 5 er ü ort und im Bankdistrikt ebenfalls großen Schaden aitgerichtet. Newyork, 18. April. Der Geschäftsteil der Stadt SanFranzisko ist größtenteils zerstört. Zahlreiche Gebäude sind eingestürzt. In dem Bezirke der billigen Mietshäuser wurden Hunderte von Menschen getötet. Die Geschäfte liegen still. Die vornehmeren Viertel find weniger beschädigt. Washington, 18. April. Das Erdbeben, welches Smr Franzisko heimsuchte, erstreckte sich, tuie der Seismograph des hiesigett Wetterbureaus anzeigt, über den yanzen Kontinent. Ter Apparat vibrierte noch heute mittag und zergte damit an, daß das Erdbeben noch nicht atifgehörl hat. Nelvyork, 18. April. Nach den letzten Nachrichten aus San-Franzisko nimmt die dort durch das Erdbeben venirsachte Jeuersbrtlnst einen Umfang an, daß man befürchtet, das gesamte Geschästsviertel werde ihr zum Opfer fallen. 9!ach Mitternacht kam dann noch folgendes Original- Telegramm: Newyork, 19. April, 11.5 Uhr abends. Nachmittags steht der ganze Küstenteil San Frauziscos in Flammen. Die Einäscherung der ganzen Stadt wird befürchtet. Der Einsturz eines Niesenhotels rmd eines großen Wohnhauses begrub 150 Personen, die unter den Trümmern verschüttet wurden oder in den Flammen um« kamen. Der Chicagoer Postbrhörde ging die Mitteilung zu, daß in San Franzisco Tausende umgekommen seien. Stock ton (Kalifornien), 18. April. Auch hier fand heute ein Erdbeben statt. Die BalMbrücke über den Smr Jvagutnsluß senkte sich. Ferner liegen folgende Newyorker Meldungen vor: N e m i) 0 r f, 18. April. „Eoening World" meldet, daß in San Franzisko das Warfen Haus eingestürzt und 2 00 Kinder unter den Trümmern begraben seien. Ein Telegramm schätzt die Zahl der Toten und Verletzten in San Franzisko auf insgesamt fünftausend. Bis jetzt ivurden 5000 Leichen gefunden. Bundestruppen bewachen die öffent« lichen Gebäude. Die letzte Uebersicht der Katastrophe in San Franzisko zeigt mehrere hundert Millioneir Materialschaden. Tas Graird Operahonse ist verbrannt, ebenso das Palaee-Hotel, die Anglo California-Bank, das Postgebäude, das „Examiuer"'Gebäude, das Mutual Lise-Gebände, sowie ganze Härlsergevierte und sonstige kleinere Bauten. Tie Conried'sche Overntruppe ist gegenwärtig in San Franzisko. Unter ihnen befinden sich auch Alarcella Sembrich, Burgstaller und van Rooy. Tie Truppe wohnte im Palasthotel, konnte sich aber retten und man glaubt sie in Sicherheit, wenngleich keine De» peschen von ihnen oorliegen. Nach ben letzten Nachrichten ans San Franzisko wurden bereits 400 Tote nach der in Eile errichteten Leichenhalle verbracht; es treffen fortgesetzt neue Leichentransporte ein. Das ganze Stadtviertel, das durch die Alarketstreet unb bie Folsoms- firect, sowie durch die dritte unb neunte Straße begrenzt wirb, ist ein Flammenmeer. Ter ganze vom Aicer aus sichtbare Teil von San Franzisko steht in Flammen. Tas Feuer greift rasch um sich. Weim kein Westwind einsetzt, broht die Gefahr, daß bie ganze Stabt niederbrennt. Eirr fünfstöckiges Hotel stürzte ein, dabei wurden 7 0 Personen unter den Trümmern b egr aben; diese gingen in Flammen auf. In gleicher Weise siel ein großes Wohn- Harrs ein, wobei 80 Personen r h r Leben verloren. Im »üben der Marketstreel flog ein großer Gasbehälter auf, wodurch eine neue große Feuersbrunst veranlaßt wurde. Tie Banken iino geschlossen. In den Straßen patrouillieren Soldaten, die Befehl haben, jeden niederzuschießen, der beim Dieb- st a h l betroffen wird. Das Erdbeben, hat in San Franzisko die meisten öffentlichen Gebäude, darunter das N a l h a n s, z c r st ö r t. Die elektrischen und Gasleitungen sind abgeschnitten, sodas; die ganze Stadt in Dunkel gehüllt ist. An allen Ecken der Stadt sind Feuersbrünste ausgebrochcn, die großen Schaden anrichten. Es ist unmöglich, die Zahl der Opfer auch nur annähernd festzustellen. Die meisten kleinen Gebänbe der ärmeren Stadtteile liegen in Trümmern, während die modernen Paläste der reicheren Stadtteile der Katastrophe besser Widerstand entgegensetzen konnten, sie weisen aber viele Riffe aus. 9lu§ den Trümmern hört man laute Hilferufe, doch ist es teilweise nicht möglich, den Perunglüüten Hilfe zu bringen. Die Rettungsarbeiten werden von der gesamten Bevölkerung ohne Standesunterschied ausgcsührt. 9(u§ den benachbarten Ortschaften eilen Aerzte und Arbeitswillige zur Hilfe; auch die Feuerwehren der verschiedenen Ortschaften sind herbeigeeilt und bemühen sich, des Feuers Herr zu werden. Sakramento liegt ebenfalls teilweise in Trümmern. Ob auch andere Ortschaften von der Katastrophe betroffen worden sind, läßt sich infolge der Leitungsstörungen noch nicht seststellen. Da es an Wasser fehlt, werden die .Häuser in die Luft gesprengt um den Flammen Einhalt zu tun. Ganze Straßenzüge sind durch Trümmerhaufen versperrt. Das Feuer ergreift nacheinander die schönen Häusergevierte von der Market- ftreet, der Hauptstraße San Frmieiseos. Unter den Trümmern eines dieser Gebäude kam au 6) der Eh es der Feuerwehr um. Nachmittags wurde hier eine dauernde Drahtverbindung mit der pacifischen Küste wiedererlangt. Ein Glück für San Francisco war es, J>a6 der erste Stvß um 5,13 Uhr die Einwohner bereits weckte. So konnten sie in die Straßen eilen und sahen dort 2 Minuten später beim zweiten Stoß ihre Häuser in Trümmer fallen. Gleichzeitig brachen Flammen aus. Gleichzeitig erhob sich, alles Aiederlegend, eine Springflut vorn Meere über die Unterstadt. Ein ferneres Glück war es, daß in dieser niemand schläft. Ein Telegramm aus Sacramentv meldet, daß eine drei Meilen lange Strecke der E i s e n b a h n zwischen den Städten Suisun und Benicia versunken ist. Durch 'das Erdbeben wurden 8 Häuserblock des Fabrikviertels, welches den nord- köstlichen Teil von San Francisco bildet, zerstört. Geringerer Schaden wurde in allen übrigen Stadtteilen angerichtet. Die Häuser der Zeitungen „Call" und „Examiner" sind zerstört. Hunderte von Todesfällen aus iveniger gut gebauten Teilen der Stadt werden gemeldet. Der Sekretär des Schaßamts, Shaw, erklärte, er werbe sofort 10 Millionen Dollars für die Notleidenden nach San Francisco schicken. * Kurz vor Schluß der Redaktion erhielten wir noch folgendes Telegramm: Newyork, 19. April, 1 Uhr nachts. In San Franzisko bewachen 2 Regimenter das Eigentum, das die Leute auf die Straße gerettet haben und das viele Millionen Wert besitzt. Ter Bürgermeister von San Franzisko hat ein Rcttungs- komitee gebildet, das sich zunächst hauptsächlich mit der Zufuhr von Lebensmitteln befaßt. 80 Versicherungsgesellschaften haben beschlossen, die bei der Katastrophe entstandenen Verluste bis auf den letzten Pfennig zu bezahlen. — Aus Palo Alto (Kalifornien) ist die von dem Eisenbahnkönig Stanford mit einem Aufwand von mehreren Millionen gegründete Leland-Stanford Universität fast völlig vernichtet. 2 Uhr nachts. In San Franzisko dauerten die Erdstöße den Vor- und den Nachmittag an. Es find zahlreiche Schiffe gesunken. Außer den durch die Zerstörung von 9000 Gebäuden entstandenen Verlusten, die nach einer geringen Schätzung sich auf 100 Millionen Dollars be- laufen, find zahlreiche Menschenleben zu beklagen. In einem Gebäude allein wurden 200 Menschen unter den Trümmern begraben, von denen wohl niemand gerettet wird. — Nach einer Meldung von Oakland ist die Lage in San Franzisko verzweifelt. Die Stadt brennt in allen Teilen. Das Flammenmeer nimmt eine Fläche von 8 Qnadratmeilen ein. — Auch ans San Josef wild ein schweres Erd- beben gemeldet.________ Ausstände in Frankreich. Lens, 18. April. .Heute ist eine geringe Zunahme ber Arbeitswilligen zu verzeichnen. Die Zahl der Aus'-- ständigen-betrug heute 30 000, die der Arbeitswilligen 42 000. Zwischenfälle sind auch neuerdings zu verzeichnen. So griffen Ausständige die Wohnung des obersten Gruben- direktors Reymaix an, als dieser abwesend war. Die zertrümmerten die Fenster und das Mobiliar. Die Frau des_Direktors mußte durch einen hinteren Ausgang fluchten. Das .Haus des Tirektors wurde durch das rechtzeitige Eintreffen des Militärs vor Plünderung bewahrt. Dagegen war es den Ausständigen vorher gelungen, in den vom Portier des Hauses bewohnten Pavillon einzudringen, wo sie alles'/wajKfie fanden,, zertrümmerten. Vor den entrückenden Truppen wichen die Plünderer erst nach, hartnäckigem Widerstand zurück. Die Ausständigen griffen ?uch einen Zug mit Bergungsmannschaften für Grube 1 in Billy-Montigny an und war sen m i t St ei n en n ach der Kavallerie; mehrere Soldaten wurden leicht oerletzt. Ausständige sollet! heute den Markt in -tetotn geplündert haben. Paris, 18. 'Mprif. Aus Denan wird gemeldet, daß heute mittag zwischen ausständigen und arbeitswilligen Bergarbeitern blutige R a u f e r e ic n ftattgefunben haben, t'ic Gendarmerie und die Truppen feien nicht imstande gewesen, die arveitswilligen Bergleute und die Jn- gentenre zu schützen Auch mehrere der letzteren seien arg a n b c [t worden. 1200 Arbeiter sind in den Ban- lrchketten der Bergwerksgesellschaft eiiigeschlossen, toelche von den Ausständigen, re gelrecht belagert werden. - Benn versuch, strbeitswillige in Lens zu schützen, wurde ein L? r 1 r i- der eine ^Abteilung Soldaten zur Ausrechterhaltung der Ordnung au einem der Grubenzugange besehlrgte, niedergeworfen. Eine gegen seinen Kopf geworfene schwere Flasche machte ihn b e f t n n u n q l o s. Es gelang Gendarmen mit Mühe, den lebensgefährlich Verletzten in Sicherheit zu bringen, der bald darauf verstarb en ist. Ter Minister des Innern Clemeneeau ist nach Lens ab gereift. 1 ’ Leus, 18. Slpril. Während eines Auflaufs versuchte der Deputierte Baslh nn die Ausständigen eine Ansprache zu halten. Er wurde jedoch mit St ein würfen angegriffen und mußte sich zurückziehen. — Die Aus- ständigen bemächtigten sich der Bahnlinie der Grubeugesellschast, sowie der Wachthäuser auf der Eisen- bahubrücke. Sie häuften hierauf auf dem Wege, den die Kavallerie nehmen musste, Eisenbahnschwellen aufeinander, hielten ferner einen Eisenbahnzug auf und zwangen den Maschinisten, sie nach Lens zu fahren. Die Truppen vermögen der Ausständigen nicht Herr zu werden. Der Präfekt verlangt sämtliche verfügbare Truppen, um sie aus alle Punkte des Beckens zu verteilen. Lens, 18^9Lpril. Tie Vertreter der Gerichtsbehörden fuhren heute in den Schacht 2 der Kohlengrube in Courrißres ein, um den Zu stand des' Absperrdamms des Cäcilienganges auf der 326 Metersohle feftzustellen, wohin man bisher nicht hat gelangen können. Der StaatSanwalt, dem Ingenieure als Führer dienten, stellte fest, daß der Brand im Iosephinengang nahezu erloschen ist. Die Gerichtsbeamten gelangten dann, stets von Ingenieuren geführt, nach dem Cäciliengang. Man stellte dort fest, daß ber, ausgeführtc Mspcrrdamm nicht die geringste Veränderung aufwies, ja nicht einmal warm nxir, daß daher, wie es scheine, der Brand von vornherein mit dem großen Grubenunglück nichts zu tun hatte, da das Feuer im Cäcilicngangc in seinen Abspcrrdämmen ciugeschlossen war. Paris, 18. April. Ungefähr 4000 Setzer beschlossen heute vormittag den Streik bis zum äußersten. Die Bewegung beginnt sich auch auf die Provinz auszudehnen. — Das unterirdische. Telegraphen- und Telephonnetz wird militärisch bewacht. Mau befürchtet die Zerschneidung der Drähte durch streikendes P o st - H i l f slp er so n a l. Grenoble, 18. April. Zwischen Streikenden und ArbeitA- willigen der W e b e r e i e n in Voiron fand ein blutiger Zusammenstoß statt. Gendarmerie und Truppen mußten ein- ichreiten, wobei ein Gendarm und mehrere Arbeiter v e r w u n d e t wurden. Die Zahl der Stteikenden beläuft sich auf 4000. Weitere Truppenverstärkungen sind zur Aufrechterhaltung der Ruhe nach Voiron entsandt worden. Deutscher Oberlehrertag. (Unberechtigter Nachdruck verboten.) H. F. Eisenach, 18. April. Im Hotel „Fürstenhof" wurde heute der zweite Deutsche Oberlehrertag abgehalten. Es waren etwa 500 Direktoren und Oberlehrer aus allen Teilen des Reiches eingetroffen. Nach mehreren Begrüßungsreden bemerkte der Vorsitzende Prof. Baetgen: Einem großen Teile der Versammelten sei es vergönnt gewesen, heute früh den Kaiser zu begrüßen. Er schlage vor, dem Monarchen folgende Drahtung nach der Wartburg zu senden: „Die zum 2. Verbandstag in Eisenach versammelten akademisch gebildeten Lehrer Deutschlands ertauben sich, Ew. Majestät ehrerbietigsten Huldigungsgruß und das Gelübde unverbrüchlichster Treue zu entsenden." Der Vorschlag fand einstimmige Annahme. Professor Baetgen erstattete dann den Geschäftsbericht. Die Zahl der Verbaudsmitglieder sei von 12500 seit dem ersten in Darmstadt ab geh alten en Verbands tage auf 15 000 gestiegen. Ein sehr großer Teil akademisch gebildeter Lehrer stehe allerdings dem Verbände noch fern. Es fei bedauerlich, daß Professor Tr. Paulsen-Berlin krankheitshalber am Erscheinen verhindert sei. Ter Vorstand habe Abstand genommen, die auf dem Verbandstag zu Darmstadt gehaltene 9iede des Prof. Dr. Paulsen den Regierungen zugehen zu lassen, da sich der Verband nicht in allen Teilen mit dem Inhalt der Rede einverstanden erklären konnte. Ter Verband müsse alle politischen imd konfessionellen Fragen grundsätzlich ausschließcn. Direktor Dr. Keller-Frankfurt a. M. sprach hierauf über: Die Aufgaben des höheren Lehrers — eine Kunst auf gelehrter Grundlage. Man hält vielfach das Unterrichten für das leichteste. Jeder Manu, der eine Frau heiratet, die ihm Kinder schenkt, glaubt die vollste Befähigung als Erzieher zu haben. Nein, der Unterricht und die Erziehung ist die größte Kunst. Wir müssen dem Jugendübermut seinen Lauf lafseu .Wenn wir letzteren einzwängen, dann bricht er in ungesetzlicher Weise durch. Wenn Goethe noch lebte und Weimarischer Minister wäre, daun wäre er ja zweifellos unter uns. (Heiterkeit.) Der Redner rügte im weiteren die in England noch bestehende Prügelstrafe in der Schule und die Zeitvergeudung, die durch das Präparieren usw. geschehe. Mögen die akademisch gebildeten Lehrer stets int Auge haben, daß sie die Bildner des zukünftigen Geschlechts und daß sie berufen sind, in vorderster Reihe an der Zukunft des deutschen Volkes mitzuarbeiten. Nach einer kürzen Panse sprach Prosessor Tr. Hart-- m an n -- Leipzig^ über: Die Hygiene und die höhere Schule. 60—70 Proz. aller zum einjährig-freiwilligen Militärdienst Berechtigten seien für den Militärdienst untauglich. Schuld hieran haben die Erkrankungen des' Nervensystems und des Herzens. Dringend notwendig sei die Anstellung von Schulärzten in alten Schulen. Die Schulhygiene müsse schon auf der Universität gelehrt werden. Er ersuche, folgender Erklärung zuzustimmen: „Tie Schulhygiene ist ein notwendiger Bestandteil in der Vorbildung der Kandidaten zum höheren Schul- nnit." Tie Erklärung gelangte einstimmig zur Annahme. Direktor Dr. Bldck Wimpfen betonte in längerem Vortrage die Notwendigkeit, den höheren Lehr erstand mit anderen akademisch gebildeten Berufsständen nach, Ri Ian g und Gehalt in staatlicher Beziehung g7eich zu bewerten. Ter Redner führte aus: Die Lehrer seien die Bildner der den gebildeten Kreisen angehörenden Jugend. Die soziale Hebung des akademischen Lehrerstandes sei daher eine dringende Notwendigkeit, da sie wesentlich zur Hebung des Ansehens der höheren Lehranstalten beitragen. Die Lehrer, die weit über ihre Pflicht hinaus für die geistige und körperliche Bildung der ihnen anvertrautcn Schüler durch Schulausflügc uftv. handeln, die sich mit Freuden durch Wirken an den Auslands schulen in den nationalen Dienst stellen, die das festeste Bollwerk gegen die Umsturzbestrcbuugeu der Feinde des Staates feien, haben ein volles Recht, zu verlangen, mit den anderen akademisch gebildeten Berufsständen nn Rang und Gehalt gleichgestellt zu werden. (Lebhafter Beifall., Es wurde alsdann für den in den Osterferien 1908 abzuhaltenden Verbands tag Braunschweig gewählt. Danach wurde der zweite Oberlehrertag geschlossen. Aom Vesuv. Neapel, 18. April. Aschenregen wird nur aus Semma gemeldet. Nachgelassen bezw. ganz aufgehört hat derselbe in St. Anastasia, Ottajano und Cereola. Ueberhaupt ist eine ständige Abnahme der Eruptionscrschcinungen zu ver- zeichuen. Die Frciküchcn arbeiten überall zur Zufriedenheit. Die 9(ufrnumung§arbciien schreiten rüstig fort. In Ottajano wurden zwei Greise noch lebend unter den Xrümmern hervorgezogcu. In San Giuseppe wurden 126 Leichen geborgen, eine große Menge Leichen liegt dort noch unter den Trümmern. Die in Verwesung übergegangcnen Leichen verbreiten einen schrecklichen Geruch und erschweren die Rettungsarbciten. * N om, 18. April. „(Sortiere della Sera" kommentiert die Beileids notc des deutschen Botschafters wie folgt: Mit großem 63 c i ü h I nehmen wir von dieser Note Kennt- »ns. Sie kommt spät, aber besser spät als gar nicht, nachdem alle Regierungen sich beeilt hatten, Italien ihr Beileid aus- zudrneken. Das Stillschweigen DentschlandS gewann den Charakter unverliältniSrnäßiger Schwere. Jetzt ist bas ivicbcr gut gemacht, obwohl bas p e r s ö n l i ch e B e i l e i b dcs Kaisers fehlt, baS sonst gehört worben wäre itnb bas jetzt nach bem Telegramm nn Golnchowsky bcfonberc Bebentnng gehabt hatte. Wir wollen aber zufrieben sein, Paß jetzt wenigstens bic Formen gewahrt sind mW vertranen daraus, daß sich allmählich die M i ß v e r st ä n d - nisse klären »verden anstatt znzunehmen. Dazu gehört dan unsere Alliierten b c f f c r die Pflichten begreifen die uns unsere Spezial-Llbmnchungen anserlcgeii und daß die italienische Presse eine Sprache annimmt,-die von gutem Geschmack und Patriotismlis diktiert wirb. Aus Stadt unS Land. Gießen, den 19. April 1906. 2)er Kaiser in Schlitz. Nach einem uns vom „Schützer Boten" zugegangenen Privattelegramme erfolgte bie Ankunft S. M. bc5 Kaisers mit kleine,n Gefolge in- Schlitz gestern nachmittag 3/45 Uhr mittelst Postzugs. Die am Bahnhof aufgestellte Kurkapelle intonierte beim Einlaufen be§ Zuges bie Kaiserhymne. Der Kaiser würbe von bem reg. Grafen, bem Grafen Wilhelm unb bem Bürgermeister Zinßer empfangen unb fuhr alsbalb burch bie geschmückten Straßen in einer gräflichen Hofkutsche in Begleitung ber Grafen zum Schloß. Er würbe von ber zahlreich zusammen- geströmten Vevölkerung lebhaft begrüßt. Die Vereine unb bie Feuerwehr bilbeten vom Bahnhof bis zum Schloßberg Spalier. Heute vormittag 8 Uhr legte ber Kaiser einen Kranz am Grabe ber hochseligen Gräfin Sofie nieder. Für den Nachmittag ist ein Ausflug auf den Eisenberg in Aussicht genommen. * Wie wir aus bester Quelle erfahren, kommt Seine Majestät der Kaiser diese Woche unb in ben ersten Tagen der nächsten Woche bestimmt nicht nach Gießen. Für später ist noch keine Entschließung getroffen. Einen WitterungS um schlag brachte uns heute vormittag gegen 10 Uhr ein Gewitter, bas mit ziemlich heftigem Regen verbunden war. Da der Barometer ununterbrochen fällt, ist anzunehmen, daß die seitherigen sonnigen Frühjahrstage durch trübe unb kühlere Tage verdrängt werden. ** Zur Rechtsanwalt schäft zugelassen wurden 6)erichtsassessor Karl Holzapfel zu Altenstadt bei bem dlmtsgericht Ortenberg; Gerichtsassessor Karl Qhnacker zu Grünberg bei bem Amtsgericht Butzbach; Gerichtsassefsor Dr. Erich Salfelb zu Mainz am Landgericht der Provinz Rheinhessen; Gerichtsassessor Herrn. Kalbhenn aus Burg- Gräfenrobe bei bem Lanbgericht ber Provinz Starkenburg und bem Amtsgericht Darmstadt I; Gerichtsassesior Dr. Rudolf König zu Gießen bei bem Amtsgericht Offenbach unb der Kammer für Handelssachen zu Offenbach; GerichtZasseffor Dr. Theab. Metz zu Alsfelb bet bem Amtsgericht Lorsch und Gerichtsaffeffor Dr. Nathan Stein zu Mainz am Lanbgericht ber Provinz Nheinhessen. Rechtsanwalt Dr. Martin Härr zu Darmstadt hat die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg aufgegeben. § Großen-Linben, 19. April. (Drahtbericht.) Bei ben Wieber her st ellungSar beiten im Innern der hiesigen Kirche stieß man heute vormittag unter bem Altar auf ein Grabgewölbe, in bem sich noch gut erhültene Skelettreste befanben. Dem Denkmalsrate würbe von bem Funbe Mitteilung gemacht. .Darmstadt, 18. April. Am Freitag veranstalten die Vereinigten Liberalen im „Kaisersaal" hier eine öffentliche Wählerversammlung, in welcher außer dem Kandidaten Pfarrer Korell der zweite Vorsitzende ber liberalen LanbeSpartei für Elsaß-Lothringen, Chefrebakteur Gg. Wolff-Straßburg, sprechen wird. Die liberale LanbeZ- partei in Elsaß-Lothringen unffaßt Liberale aller Schattierungen, von den Nationalliberalen bis zu den Demokraten. Auch Landtagsabg. Juftizrat Dr. Gut fleisch wird in dieser Versammlung für die Kandidatur Korell sprechen. Darmstadt, 18. April. ©. &. der Fürst zu Solms- H o Hensolms-Lich kehrte' heute abend nach Lich zurück, die Fürstin mit den Kindern verbleibt bis morgen im Neuen Palais. Offenbach a. 2)L, 18. April. In der Nacht auf den 17. b. Mts. gegen 101/, Uhr, als ein Wächter der Frank- itrter Wach- und Schließgesellschaft, Filial-Inspektion Offenbach a. M., den Neubau Feistmann, Kornerstraße revidieren wollte, wurde er von mehreren Strolchen überfallen und durch einen Schuß in den linken Arm schwer oer* letzt. (Frkf. Ztg.) ZI * K l e i n e T a g e st ch r v n i k. In B e r l i n ist derReck- nuugsrat unb Ren baut beim königl. Seilyamt Robert Oste r- mann, wegen Unterschlagung im Amte verhaftet unb in bas^ Unterjüchungs - Gefängnis eingeliefert worben. — Der in Dessau verstorbene Herzogl. Kammermusikus a. D. Leopold Lehmann hat der Stabt 100 000 Mark vermacht. iüinft und Wissenschaft. Chr istiania, 18. April. Baronin Bertha V. Sutt- 11 er hielt heute in Gegenwart bes> Königs, ber Mitglieber ber Regierung unb "bed1 Storthings, sowie des biplomatischen KorpÄ ben mit ber Zuerkennung bes Nobelfriedensprei- s c S ticrbimbcncn Vortrag, ben sie int verflossenen Winter zu halten verhinbert imir. Björnsijerue B j o rnson leitete bic Feierlichkeit mit einer kurzen Ansprache ein. Der Vortrag, welcher bie Entwickelung ber Friebcusbewegung bchanbelte, wurde mit großem Beifall ausgenommen. An bie festliche Zusammenkunft schloß ich ein Mahl beim Präsidenten des Nobelkomitees, Minister des Aeußercn Lövland, an. Arbeiterbewegung. Weiße usclS (Saaley 18. Avril. Im mitteldeutschen Braunkohlengebiet hat sich die Lage heute verscküirft. Bon ber Gesamtbelegschaft von 13 454 Mann sinb 4337 ausstänbig. Rom, 18. 9ßprt(. In Calimera, Provmz Lecce, kamen infolge eures 9lusstanbcs Ruhestörungen vor. Die Stteikenden warfen eine Bombe gegen b a s Gc m c i n b c hau s. Mehrere Polizeibcamte unb ber Sohn bes Bürgermeisters mürben ver - mitnbet Ms Karabinicri mehrere Verhaftete nach! bem Gefängnis bringen wollten, versuchte bic Menge bic Verhafteten zu befreien unb warf mit Steinen. Hierauf schossen bic Karabinicri, wobei mehrere Personen verwunbet nxurben. Gerichtssaal. Münster, 18. April. T i v i s i o u sp f a r rcr Ba ch stc in- Minbeu würbe vom hiesigen Obcrkriegsf;cricht, an welches bas Reichsmilitärgericht am 3. Marz bie bekannte Angelegenheit ber Osnabrücker Rebe zurückverwicscn hatte, zu einem Tage Gefängnis verurteilt. 1/nWürfe/n. orzüglich im Geschmack sind r^auuesn Tell-ChocolAde ■ dto.0, xitt(xxv\lto\ielÄ Ra\\t^aoV hier n ng, in welcher ay! zweite Vorsitzende thringen, ChefrMtt i. Die liberale LaM- Liberale aller Schatt«' i§ zu den Demokrat^ tslcisch wird in dich :ell sprechen. der Fürst zu Sol^ abend nach Ach N1 t bis morgen im »fn In der Nacht ans dm n W°cht°r d-r Z°»- »oft, Kli-l-SiB" ,L, »”'* 'S m 6t* N«* fen Am W" cutt #&«*'!, sind 433' tarnen ® ’S? Ä- , -M» *»- fommt Stin, fe« er Barometer ununter. tE'therlgen fonniger. ', etc ">ge verdrängi iUqmla-’’en wurden Menstadt bei bett E Ohnacker zu ;W; Gerichtsassessoi ondgericht der Provinz albhenn aus Burg^ r Provinz Starkenburg r>chtsassessor Dr. Rudol- ichi Offenbach und der mbach; GerichtSaM- dein Amtsgericht Loch n zu Mainz am M chtsanwalt Sr. ffledin mg zur RechiÄMolt. vinz CtaMuro auv l. sDrohtberich^ Bei n im Innern der hie. littag unter dem Mar ch noch gut erhbltcne fmalState wurde vo: leit. ^'Kve«M.sch, "leileqe be9rc i?5 "C v°N bQS 9llte*n oit —- «%"hS0, -feit on,crte be S5, $•« ,b bem ®s ”on bei» durch b« 2,ln* != in 4** !r:ah(„j !m9 b« ist.1 i bi?unb 91« bet 4«°.ittS ■" e"'*tg i„ Z- (l*' ,t(rS"SS j«c »fett* m *»*'■•_ Deri> ttf J«b» W3 triefif«'3«, ^nermaml- — nschast. „ am Merida LSV * Zu>E- ^„r sVbelkoM'teeS' Dresden. Handel des Oherschles. Eisen-Industrie 130.00 ITT Portugiesen . 98.35 Prince-Henri-Eisenbabn . 142.50 Todes-Anzeige Meisterschuss August Gießen (Steinstraßc 65), den 18. 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(Namensolge tunlichst nach dem Alphabet!) Die Vorlegung des Jmpf- und Geburtsscheins, für das Gymnasium auch des Abgangszeugnisses, ist erforderlich. Gießen, 17. April 1906. Tie Gr. (Kymnasialdirektion: Gebr. Berdux Bnhnhofstr. 27 Lindenplatz 12s Wohlriechender Ofenlack Ireicht sich leicht, trocknet sofort, nnb ■. stiebt anhaltendeu Hochglanz. 2303.' Große Flasche 00 Pfennig. == Adler-Drogerie. , Seltersweg 39. Otto Schaaf . . 170.50 . . 144.60 . . 239.40 . . 185.80 . . 188.20 . . 160.90 . . 214.60 Warze AnW' für Herren und Konfirmanden liefert als Spezialität enorm billig Karnbach, Kanzlcibcrg 9, I. 69.00 70.00 91.00 95.20 93.00 146 00 54.50 91.75 68.60 Kchaimtmachung. Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Frankfurter st raße, zwischen Selterstor und Alicestraße, von heute an bis anf weiteres für den Fährverkehr gesperrt. Gießen, den 18. April 1906. Großh. Polizeiamt Gießen. ■ Her § erg. Arbeitsvergebung. Dir Wcißbindcrarbeit und dcr Linolcumbelag für die Elnrichmng deS früher Dr. Weber scheu nördlichen Nebenhauscs zur Unterbringung des städtischen Archive? sowie die zur Herrichtimg des bisherigen Archives für die Zwecke des OrtSgcrichtes erforderliche Schrciuer- und Wcißbindcrarbeit soll Mittwoch, den 25. d. MtS., vorm. 10 Uhr öffentlich vergeben werden. Bl9/4 ArbeitSbeschreibnng und Bedingungen liegen bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Zeitpunkt an uns einznreichen. — Zuschlagsfrist 8 Tage. Gießen, den 18. April 1906. Städtisches Hochbauamt. Gerbet. Lcbeudsrische Seefische Kablianp.MMs.' Backfisch,,,, 20 „ feinste MdsccscheWe nacht seine Fran und heute früh er selbst. Das zweite Kind Gutlmanns, sowie Frau Stocker und deren Tochter dürften gerettet werden. Köln, 18. April. Die Behörden glauben einer internationalen Diebesbande auf die Spur gekommen zu sein, die in Brüffel, Köln, Hannover und Hamburg in großen Hotels Einbruchsdiebstähle verübte. In den bisher bekannt gewordenen Fallen trugen sich die Diebe mit deutscher Schrift als Kaufleute aus Antwerpen und Amsterdam in das Fremdenbuch ein. Familien aus süd- und norddeutschen Städten wurden um hohe Geldsummen, sowie Wertsachen geschädigt. Durch magnetische Dietriche gelang c§ den Dieben leicht, von innen im Schlosse steckende Schlüssel jit drehen und zu entfernen. Sorten!, 18. April. Sämtliche vereinigten Gewerkschaften beschlossen für morgen den Generalausstand. Lens, 18. April. Gegen 4 Uhr nachmittag? nahmen die Ausständigen eine bedrohlichere Haltung an. Ein Krankenwagen wurde mit Steinen beworfen und mußte um- kehren. Der Kutscher wurde ebenfalls verwundet. Gegen 5 Uhr schien Ruhe einzutreten, aber gegen 7 Uhr schlenderten Ausständige, welche sich hinter Barrikaden gefluchtet hatten, von neuem Steine gegen die Soldaten. Rach mebr'achen vergeblichen Aufforderungen zur Nätimung deS Platzes luden die Soldaten die Gewehre, worauf die Ausständigen sich zurückzogen. Die Ruhe scheint jetzt wieder hergestellt zu sein, aber die Stadt bietet ein trauriges Bild. Eine große Anzahl von Soldaten und Pferden sind verwundet, von den Ausständigen nur wenige. Das Syndikat der Grubenarbeiter erließ einen Aufruf, in dem gegen blutige Gewaltmaßregeln protestiert und die Ausständigen zum Beharren im Widerstande, aber auch zu ruhigem Verhalten auf- gefordert werden. Toulouse, 18 .April. In Savelanct zerstörten ans ständige Tuchcrrbeiter iu dcr letzten Rächt die e l e k t r i s ch e B e l e u ch t u n g und schlugen alle Türen und Fenster in den Wohnungen der Tuchfabrikanten ein. Li s s a b o n, 18. April. Der internationale Kongreß der Aerzte und Chirurgen wurde heute crvffnet. Tie Königin empfing eine Abordnung der Organisation zur Bekämpfung der Tuberkulose und beglückwünschte dieselbe zu den bisher erzielten Resultaten. Hierauf fand in Gegenwart des Königspaares und dcr Minister die Eröff- Bekanntmachung. Tie Heberolle über die Beiträge zur land- und forst- wirischaftlikyen Bcrufsgenofienschaft für das Fahr 1905 liegt von heme oit während vierzehn Tagen auf der unterzeichneten Bürgermeisterei zur Einsicht offen. Innerhalb einer weiteren Frist von zwei Wochen, nach Ablauf der Offenlegnngsirist, kann der in der Heberolle als beitragspflichtig in Anspruch Genommene gegen die Beitragsberechmmg bei dem Vorstände der land- und forstwirtschaftlichen Venlssgenossenschast Einspruch erheben (s. § 15 der Versteigerung. Mittwoch, den 25. April d.Js., vormittags 11 Uhr, werde ich in Marburg a. L., im Saale des Restatwants Ho eck, Steinweg 4, im Auftrage des Konkursverwalters: Zwei Flügel (Schtdmeyer-Römisch), neun Piauinos (Mann, Römisch, Fahr, Schidmeyer), mehrere Geigen, Harmonikas, Flöten, Zithern, Mandolinen unb sonstige Musikinstrumente öffentlich meistbietend gegen gleich bare Zahlung versteigern. Vorbesichtigung der Instrumente ist am 24. April, Die Beerdigung findet am Samstag den Kapelle des allen Friedhofes aus statt. Telefonische Kursberichte Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für und Industrie. Giessen. Frankfurter Börse. IQ. April, 1.15 Uhr. nung des Heims für Lungenkranke statt. Atis Gießen ist Geh .Med.-Rat Pros. Dr. Pfanncnstiel eingctrvffen. Washington, 18. April. Präsident Roosevelt sandte dem Kongreß eine lebhafte? Aufsehen hervorrufende Botschaft, welche erklärt, der jüngst ^stattgehabte Prozeß gegen die Fleischkonserven-Fabrikanten von Chicago sei ein Mißgriff der Rechtspflege, durch den der Wille des Kongresses vereitelt werde, und der das Gesetz schier zu einer Farce mache. Der Präsident fordert den Kongreß auf, eine Erklärung mit Gesetzeskraft zu erlassen, welche die wirkliche Absicht des Kongresses festltellc und der Regie- ritng dasselbe Recht, in Strafsachen Berufung zu ergreifen, verleihe, da? jetzt der Beklagte genießt. TosSes-Anzeige. Gestern verschied mein lieber Mann, unser guter Vater, Großvater und Schwiegervater Herr Friedrich Radetzky Leibkutscher i. P. im Alter von 64 Zähren. Zm Namen der trauernden Hinterbliebenen Louise Radetzky Friedberg (Hessen), den 19. April 1906. p>-'°° Tie Beerdigung findet Samstag, den 21. d. Mts., nachmittags 4 Uhr in Lich, von Schloßgasse 8 aus statt. Heute nacht 4 Uhr entschlief sanft nach langem, schwerem Leiden unsere innigsigeliebte, unvergeßliche Mutter, Schwiegernuttter, Großmutter, Schivestcr, Schwägerin und Tante Frau Katharina Müller Wwe. in beinahe vollendetem 74. Lebensjahre. Um stille Teilnahm'e bitten Die tieftrauernden Hiuterbliebeuen: Karoline Rusag, geb. Müller CWVll. kostenfrei Katalog z< Znillr verlang.üb.zerlegb.Gc- flügclhäuscr, taufende i. Betrieb, beff. w. Steinbau, Rasse- und Leggcflügel,Brutmasch.,üb. d.ganze Erde gehet, Bruteier all.. Rass., 20 jafor. Fabrikat. famfL; bewährt. Zuchtgcräte, ttestügel-r zuchtwerke rc. Ihv4/^ Geklüyelpark i. stuerbach tzeff. J Frühkartoffeln weiße, gelbe und rote. Prima Tpcisckartoffel empfiehlt billigst- J. Weisel 12471 Telephon 235. Sonnenstr. 6. Ferdinand Krailing sagen hiermit innigsten Dar.k Im Namen dcr trauernden Hinterbliebenen Gießen, den 19. April 1906. Adolf Dinges. Handel ttn6 Verkehr, volkswirtichaft. — Die Mitteldeutfckie Kreditbank hat, wie man „ns mitteilt, das feit 1818 bestehnde Bankgeschäft Moritz H e e r tz in Wetzlar ü b e r n o m m e n und wird es vom 1. Oktober d. I. in Anlehnung an die Mitteldeutsche Kreditbank, Filiale Gießen, als D e v o f i t e n k a f f e und Wechselstube weiterführen. — N e i ch s b a n k - A u s w e i s. Tie Anfpannung hat weiter nachgelassen, denn auch die zweite Aprilwoche hat einen kräftigen Rückfluß gebracht, wenn er auch nickst so stark war, wie der der ersten Woche. ?ln Stelle der vorivöchentlichen Notensteuer von 48,85 Mill. Mk. teigt der diesmalige Ausweis eine Noienreserve non 73 6° Mill. Mk-, also die ansehnliche Besserung von 1^2 47 Millionen Mk. (i. B. 118,14 Mill.Mk.). Der Goldbestand hingegen bot sich nur um 23,64 Mill. Alk. vermehren können gegen 30,38 Millionen Mk. in den beiden letzten Jahren. Hinter dem „allerdings recht günstigen Bor-jahrsbestand bleibt er um 107 Mtll. Mk. urüct Deutsches Kapital in der Galizischen 13 e t r o l e u m - Iu d u st ri e. Einer Fachzeitschrift ,infolge nehmen bie galizischen Petroleum-Unternehmungen neuerdings deutsches Kapital in größerem Maße auf. Es sind eine ganze Anzahl von Firmen, die sich auf diesem Gebiete neu engagierten. Cb mit Er- fol^, ist' eine andere Frage, die erst die Zukiw'' beantworten wird. kirchliche Nachvichtem Fsr-aelitischc Neligiousgemciudc. chsttesdienll in der Synagoge (Sndankage). Samstag, den 21. Avril 1906: Vorabend 7.15 Uhr. Morgens 8.30 Uhr. Nachmittags 4 Uhr. Sabbathausgang 8.15 Uhr. Israelitische Religionsgesellschast. Goltesdienll. ©abbot b feier a m 21. April 1906 : Freitag abend 7.00. Samstag vormittags 8.00, nachmittags 4.00 Uhr. Sabbathausgang 8.20. .'^ol-liomottesdwnst: morgens 0.30, abends 8.20 Uhr. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. BorauHfichtliche Witterung in Hesse« für Freitag, den 20. April 1906: Zunächst noch trüb und Regenfalle. Spater Aufheiterung und weitere Abkühlung. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. ’^ri£HiaU3)ratytmcltMttgen« Mainz, 19. April. Der Direktor Guttmann von der Dresdener Bank in Nürnberg besuchte Ostern mit seiner Fran und zwei Töchterchen hier Verwandte, die Familie des verstorbenen Weinhändlers Stocker. Nach dem Genuß von Fisch- mayonaise erkrankten alle an V ergiftungserscheiu- ungen. Gestern starb das eine Kind Gnttmanns. heute Pinol An allen Orten werden Verkaufsstellen errichtet. = Vertreter gesucht. = Gebrüder Krayer ______Mannheim. sss'/« Fuhren jeder Art prompt unb billia., Näheres 841; Bürcau Emil Horst. Schöne kräftige GemseBailzen empfiehlt Wilh. Gerhard, neben, dem alten Friedhof.02712. Lebende Snppenkrebse Liricrusta CMsiher NrbtitskkchVkiS Gießes. Garteustratze Nr. 2, Zimmer Nr. 2. 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