a**« Ul. es ent °"eilt Gymnasiasten -«-»PlMt-htnM em und Mathematik. iitLNroflen unter 04479 siebener Anzeiger erbeten. er Rainmann aus achtbarer miste wünscht die Kiliale stgarren-Fabnk in der Nähe uns od. Gießens zu übern. Wche Angebote unter 88Lö Vießmer Anzeiger erbeten. > Felber, Kaplaneigaße b. raudjtn Fahrstuhl Wochen zu leihen gesucht, rifll Angebote m-PreiZang. WS an den Gieß. Sinz, erb. ' roirögeroatotniLgebüiicIt Kodheimer Strafe 36, v. Auf bequem «ib«> $5* V*6". »WM. >000 au L Stillt 0000 „U. b5°, teilt oder im Ganzen zu vergeben. J, Rosenthal B-I-u °°» Biöntarlkstr. 1V. M >rlorcu in der gübanlage ein in Portemonnaie mit Jntza , “,w ®«i* "L tb„ ,.MM e™ Straße 10IL «M >-"2i'3“"lie°6 WiliMW L H-S! Reflauration utö P £fl( 5^Ä** Ne. 144 •rltetnt tLgttch aufrer TormtagS. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessische« Landwirt die Lietzener Zamilien- Härter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen lInivers.-Buch-a.Slem- druckerei. 0t Lange. Redaktion, Ervedttim, und Druckerei: Schulstraße 7. Redaktion 112 Verlag u.Exped.e^^bl Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Erstes Blatt ISS. Jahrgang Gießener Anzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Freitag 22. Juni 1906 ve»ug»pret»> monatlich 7b Pi., viertel- iäbrlid) Mk. 2.20; durch Abbole- il Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Alk. 2.— viertel- jatzrl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeige« für die TaqeSnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokall2M* auswärts 20 Pfg. Verantwortlich für den polit. und allgem. Teil: P. Wtttko- für .Stabt und üanb* und ,(Bend) 15|aal'; Ernst Heß; für den Anzeigenteil: £>an8 93ei Ale Heutige Kummer mnsatzt 10 Seiten. Aer Kaiser in AieL. Kiel, 21. Ium. Auf der Freitreppe der Akademie wurde die Bronce- büste des verstorbenen Admirals v. Stosch, die von Bildhauer Fritz Kraus ausgeführt ist, enthüllt. Später fand in Gegenwart des Kaisers auf dem Linienschiffe .Preußen' die feierliche Uebergabe der von den Provinzen Ost- und West- preußen gestifteten neuen Toppflagge an den Kommandanten statt. Graf Eulenburg-Prassen hielt eine Ansprache, in der er das Gelöbnis im Flamen von Ost- und Westpreußen ablegte, daß sie dem Zeichen der gestifteten Flagge, dem Adler und dem Eisernen Kreuz, auf allen Wegen folgen wollten biB in den Tod. Kommandant v. Bredow erwiderte: Die schwarz-weiße Flagge im Topp möge die Besatzung stets daran mahnen, daß sie sich ebenbürtig zu zeigen habe denen, die seit Jahrhunderten ihr Gut und Blut unter diesen Farben dahin- gegeben hätten. Die Besatzung werde sich bemühen, sich der von ihrem Topp wehenden schwarz-weißen Farben würdig zu erweisen und mit ihnen zu siegen oder mit ihnen unterzugehen. Sie würde ihre Pflicht tun bis zum letzten Blutstropfen. Nun wurde die Kaiserstandarte am großen Topp und die neue Flagge, welche den preußischen Adler im weißen Felde und das eiserne Kreuz in der oberen Ecke zeigt, am Vortopp gehißt. Der Kommandant brachte drei Hurras auf den Kaiser aus. Es folgte die Besichtigung des Kriegsschiffes durch den Kaiser. Parlament und Publikum. Der bayerische Minister des Innern hat sich, wie ttrir kurz rnitteitten, den großen Zorn seiner Kammer zugezogen, und es ist nicht ausgeschlossen, daß Gras Feilitzsch, der so viele Kämpfe überstanden hat, aus dem Mnte scheiden nruß, weil er einer Deputation von Apothekern geraten hat, nicht zum Parlament zu gehen, d. h. sich nicht zur Erreichung ihrer Forderungen hinter einzelne Abgeordnete zu stecken. Nun ist das freilich für die bayerische Ständekamm er keineswegs schmeichelhaft, wenn der Minister vor ihr warnt, und es laßt sich begreifen, daß die Abgeordneten ohüe Unterschied der Parteien dem Minister einen Strick zu drehen suchen. Betrachtet man die Angelegenheit aber unparteiisch, so wird man nicht zu dem Resultat gelangen können, daß der Minister gar so unrecht hatte. Es ist in den letzten Jahren nicht nur in Bayern trnntcr mehr üblich geworden, sich zur Erreichung von So n d e r w ü n scheu hinter Abgeordnete zu stecken, die ihr Möglichstes taten, Sonderwünsche in der Stimmer durchzudrücken. Manche Abgeordnete machen sogar einen gewissen Sport daraus, Privat wünsche durchzubringen, tragt das doch bei gewissen Leuten zur Vermehrung des Renommees bei. Ein Zustand, der sich mit der Würde des Parlaments vereinbaren läßt, ist das nicht, und es ist auch durchaus nicht zu billigen, daß sich Petenten an einzelne Abgeordnete wenden, statt zum ganzen Parlament oder zur Regierung zu gehen. Solche parlamentarische K r a f t in e i e r sind nicht Vertreter des Volkes und nicht ihrer Wählerschaft, sondern Anwälte einzelner Weniger, die bei einem Hintertürchen ihre Wunsche in die Kammer bringen. Daß den Regierungen biejer Zustand keineswegs behagt, ist gewiß erklärlich. Es iü nicht unbekannt, daß mancher Abgeordnete Wünsche seiner persönlichen Fretrnde, und mögen sie noch so dumm sein, mit wildeut Feuereifer verteidigt. Das ist zwar wenig erfreulich, aber die Menschheit zieht ihren Vorteil, wo sie ihn ziehen kann. Zudem hat sich das leider derart eingebürgert, daß es unmöglich ganz ausgerottet werden kann. In Frankreich haben sich diese Verhältnisse noch iveit unangenehmer entNnckelt. Dagegen ist nicht aufzukommen. Mer menn man einen Minister zum Hause hinausjagen will, weil er mit Freimut die Wahrheit gesagt hat, so muß die Sache beim rechten Namen genannt werden. „Gehen Sie nicht zu Abgeordneten'." — der Stoß ich berechtigt. Graf Feilitzsch, der seit langen Jahren in Bayern Minister des Innern ist, hat die Verhältnisse sich entwickeln sehen, und bei feiner Anpassungsfähigkeit an die parteipolitischen Verschiebungen hat es das Parlament von Grund aus kennen gelernt. Daraus mag die Mißachtung stammen, die er vor jenen Kraftmeiern hat, die gar nicht genug Spezialforder- ungen auf ihren breiten Rücken laden können und mit dem Brustton der Ueberzeugung dort eine Kleinbahn und da ein anderes Benefiz verlangen, obwohl nicht der mindeste .Anlaß vorliegt, diese Wünsche vom Standpunkt der All- oerneiuhe'it aus zu vertreten. Es liegt in der Tatsache, daß es solche Leute gtebt und daß diese Leute sogar großen Einfluß haben und oft erreichen was sie wollen, ein Beweis für den Niedergang des varlameutarischen Gedankens. Jetzt pt der Fall aufgerollt — wollte mancher Volksvertreter, gleichviel^ ob er im Reichstag oder in einem Einzellandt'ag sitzt, bei dieser Gelegenheit eine kleine Ge- wissenserforfchung vornehmen — vielleicht käme er zu der Ueberzeugung, daß der bayr. Minister des Innern in seinem Mißtrauen gegen die Kraftmeier unter den Abgeordneten recht hatte. Wie oft nur wird in den Kammern die beste Zeit mit der Vertretung von Kirchturms- rvünschen vertrödelt! Wir erwarten nicht, daß es nach den Aeußerungen des Grafen Frellitzsch wesentlich besser werden wird, aber wir meinen ganz ohne Einfluß sollten diese Worte nicht bleiben. Sie enthalten eine schmerzliche, aber auch eine wesentlich heisame Lehre. Deutsche» Reich. Berlin, 21. Juni. Eine Korrespondenz bezeichnet als Termin einer Zusammenkunft des Kaisers mit dem Zaren, die der letztere gewünscht habe, ohne daß eL bereits feststehe, ob sie wegen der russischen Zustände in der Tat werde stattsinden können, den Anfang August, als Ort die deutschen Gewässer etwa in der Nähe der kurischen Nehrung. — Die klerikale .Allensteiner Volksztg." meldet ein neues Mittel, das eine NittergutSbesitzerin zur Beseitigung der Leutenot erfunden hat. Sie teilt als nachahmenswert mit, daß Frau Major v. Schulzen-Gradtken bei Allen st ein mit den Arbeitern ihreSGuteS ZirkuS, Theater und sonstige Sehenswürdigkeiten der Stadt besucht. Daß die Dame sucht, durch solche Ausflüge in das furchtbare geistige öde Einerlei der ländlichen Arbeiter etwas Abwechselung zu bringen, nennt selbst der .Vorwärts* anerkennenswert. Hamburg, 20. Juni. Die Bürgerschaft genehmigte ein Gesetz betr. die Gewinnung von Kalisalzen. Das Gesetz bestimmt, daß Steinsalze und mit ihm in denselben Lageslätten oorkommende sonstige Salze vom Verfügungsrecht des Grundeigentümers ausgefchloffen sind und daß das Recht zur Gewinnung dieser Salze dein Staate vorbehalten bleibt. Veranlaffung zu diesem Gesetze gaben vertragliche Abmachungen auf Gewinnung von Kalisalzen, welche Berg- werksgescllschasten mit einer Anzahl von Grundeigentümern im Amte Ritzebüttel abgeschloffen hatten. Die abgeschloffenen Verträge und die geleisteten Zahlungen müssen nun auf Grund deS Gesetzes rückgängig gemacht werden. Lübeck, 21. Juni. Der Senat hat die offizielle Mitteilung erhalten, daß das englische Kanalgeschwader auf seiner UebungSfahrt in der Ostsee mitte August mehrere Tage in der Lübecker Bucht vor Travemünde sich aufhalten wird. Die Zahl der Schiffe der einschließlich Transportschiffe wird etwa 100 betragen. Aachen, 21. Juni. Die- Verhandlungen deS Verbandes deutscher BerufSse uerwehren wurde heute Mittag eröffnet. Branddirektor Reichel-Berlin hielt Vortrag über die Erfahrungen mit Dampfautomobilen tm Dienste der Feuerwehr. Die Versammlung nahm hierzu einen Antrag an auf Einsetzung einer Zentralstelle, welche die bet den einzelnen Wehren mit dem Automobilbetrieb gemachten Erfahrungen sammeln und verwerten soll. Dr. Redde- mann-Posen sprach über das Automobilgesetz und die Feuer- wehrautomobile. Dazu nahm die Versammlung einen Antrag an, der für dringend notwendig erklärt, daß die Feuerwehr- automobile von der erhöhten Haftflicht des neuen Automobil- gesetzes ausgenommen werden, weil für Unfälle, die durch die Kraftfahrzeuge der Feuerwehr verursacht werden, der jetzige Rechtsstand vollkommen genüge, um die Interessen des Publi- kums zu wahren, und weil ferner eine zu starke Belastung der Gemeinden eintreten könne. Der Verbandstag beauftragte den Vorstand, möglichst bald eine diesbezügliche Eingabe mit eingehender Begründung an den Reichstag zu richten. Dresden, 21. Juni. Ein hiesiger Duellfall hat dem König Friedrich August Veranlaffung gegeben, sich über den Zweikampf zu äußern, und er hat seiner Mißbilligung des Duells in unzweideutigster Weise Ausdruck verliehen. In einem Kreise von Offizieren, brachte dec Monarch auS eigenster Initiative das Gespräch auf das Duell, veranlaßt durch die in jüngster Zeit bei den Dresdener Gerichten erfolgten mehrfachen Verurteilungen von Duellanten. Der König hat, indem er betonte, daß auch fein Vater, König Georg, ein Gegner des Duells gewesen sei, die Erklärung abgegeben, daß er seinem Vater auf diesen Spuren folgen werde. — Stuttgart, 21. Juni. Wirkt. Legationsrat Mofer von Fils eck wurde zum Geh. Legationsrat und Gesandten in München, Karlsruhe und Darmstadt ernannt.________ Die Kärung in Rußland. Wie verlautet, fpit sich der Zar in der letzten Konferenz in ^terhof gegen die Vertagung bet Duma und gegen eine Militärdiktatur ausgesprochen. Er habe die Vorschläge der Hofpartei, die Duma aufzulösen und die Militärdiktatur einzuführen, entschieden abgelehnt und den nachdrücklichen Wunsch geäußert, daß die Duma ihre Arbeiten fortsetzen möge. Infolge der Bjelostoker Judenmetzeleien haben die revolutionären Parteien des Sosnowicer G-renzbezirkes eine Proklamation erlassen, wonach alle mit dem Tode bedroht werden, die den geringsten Verdacht erwecken, Iudenmetzeleien zu unterstützen. Verteiler solcher Proklamationen wurden am Sosncwieer Bahnhof von Kosaken verhaftet. Das deutsche Bureau der 'Alliance israelite universelle hat im Auftrage des Pariser Zentralkomitees 20 000 Mark an das Hilfskomitee nach Vjelostor abgeschickt. Die „Times" veröffentlicht ein verspätet eingetroffenes Telegramm aus Bjelostok. Es heißt darin u. a.: In einem Hause wurden verbrannte Leichen von Juden gefunden. Die jüdischen Geschäfte sind zum Zeichen der Trauer geschlossen. Ein Offizier erschoß auf offener Straße eine junge Jüdin. Er wurde festgenommen, aber bald darauf wieder freigelassen uno prommiert nun unablässig durch die Straßen der Stadt. Die Untersuchung über die Metzeleien hat ergeben, daß sie von langer Hand vorbereitet waren. Die „Times" melden weiter aus Petersburg, daß sich am 20. in Bjelostok neue Ausschreitungen gegen Juden ereigneten. Die wütende Volksmenge drang wieder in zahlreiche Häuser ein und schlug alles kurz und klein. Auch zahlreiche Menschenleben sollen der schwarzen Bande zum Opfer gefallen sein. In einem Hause wurde eine Jüdin furchtbar verstümmelt. Unter der jüdischen Bevölkerung von R j ä s a n herrscht eine furchtbare Panik, da jeden Augenblick blutige Ausschreitungen gegen Juden erwartet lverden. In der Stadt wurden Ausrufe verteilt, in denen zur Vernichtung der Juden aufgefordert rvird. Mehrere Zeitungen wurden beschlagnahmt, weil sie meldeten, daß taufende jüdischer Familien nach der deutschen sowie der österreichischen Grenze geflüchtet seien. Professor Szczcpin in Petersburg erhielt die Nachricht, daß der Oberst des Kasanschen Regiments an seine Leute eine Ansprache gerichtet hat, worin er hervorhob, daß die Juden jeden Soldaten ermorden wollten. Es stehe jedem Soldaten frei, mit einem Juden zu machen, was er wolle. Dieses sei der Wunsch der Obrigkeit. In Saratow nimmt die Streikbewegung zu. Die Zimmerleute, Steinmetzen, Bauarbeiter, Maler und Stukkateure sind in den Aus stand getreten und haben die Arbeitswilligen gewaltsam gezwungen, sich ihnen an^u- schließen. Ebenso dauert der Bäckerstreik sort. Weiter wird gemeldet, daß in der Umgegend von Sinfsropol Versammlungen stattsinden, an denen zahlreiche Arbeiter, Studenten, Realschüler und viele Soldaten besonders regen Anteil nehmen. Die Versammelten fordern Amnestie, Land und Freiheit. Der baltische Generalgouverneur hat auch das letzte, noch schwebende Todesurteil nicht bestätigt, sondern den wegen des Ueversalls auf eine Militärpatrouille in Riga verurteilten Antonowitsch zu löjähriger Zwangsarbeit begnadigt. In Warschau wurde ein Spitzel erschossen; das Kriegsgericht verurteilte drei Juden zum Tode durch den Strang. Zwischen Lublin und Janow wurde die Geldpost überfallen, d-r Postillon tödlich verlebt und 1600 Rubel n. , >ot. Die „Now«^e Wremja" veröffentlicht einen überaus' sensationellen Artikel, in dem sie die nicht ganz neue Beschuldigung erhebt, daß die russischen Revolution näre durch japanisches Geld gekauft seien. Das Blatt erklärt, dafür dokumentarische Beweise zu haben. Im östreichischen und im englischen Parlament wurden die russischen Judeumetzeleien zur Sprache gebracht und lebhaft bedauert. Die Regierungen haben es stdoch abgelehnl, sich in die inneren Verhältnisse eines sremden Landes einzumischen. JnNewyork wurde in der Synagoge eine jüd. Trauer- verfammlung aus Anlaß der Metzeleien in Bjelostok abgehalten, an bei 3000 Personen teilnahmen. Eine große Menge von Juden, die das Gebäude nicht mehr aufnehmen konnte, sammelte sich außerhalb an. In der Versammlung wurde ein Schreiben des Präsidenten Roosevelt zur Verlesung gebracht, in welchem cs heißt: „Ich werde mich über die Angelegenheit mit dem Staatssekretär Root besprechen. Sie wissen, wie sehr wir Ihre Gefühle teilen und wie ergriffen und entsetzt wir über die Vorgänge in Rußland sind. Sie wissen aber auch, daß es nahezu unmöglich ist, durch eine Intervention etwas anderes als Unheil an zu richt en." * In der Reichst) uma ging es am Donnerstag überaus lebhaft zu. Es wurde zunächst über die Anträge in Betreff der bürgerlichen Gleichheit beraten. Verschiedene Redner treten für die Gleichberechtigung der Frauen und der Juden ein. Aladjin führt aus, man müsse der Frau die Freiheit geben, bevor sie selbst sich ihre Rechte mit Gewalt nehme. Er erzählt, eines Tages sei ein GencralleuMant in die Duma gekommen, habe sich den großen Kronleuchter angesehen, und gesagt, dieser eigne sich nicht übel dazu, daß an ihm Aladjin und einige andere Pu m «Mitglieder von den Arbeitsgruppen aufgehängt würden. Leider könne dieser General nach dem Gesetze nicht bestraft werden. Redner verlang! die Abschaffung aller aus der hohen gesellschaftlichen Stellung sich ergebenden Vorrechte und aller Privilegien des Adels. Die russische Nation achte nur zwei Klassen, die Bauern und die Arbeiter. Die äußerste Linke nahm diese Rede mit großem Beifall auf. Graf Heyden erklärt, er fei bereit, für bic Verkündigung der bürgerlichen Freiheit cinzutrrten; es fei aber unmöglich, die Gesetzgebung Rußlands im Handumdrehen zu reformieren. Der Abg. Lewin erklärt, eine Juden frage gebe es mir in Rumänien. Er schließt mit den Worten: „Ich bin Jude- ich habe nicht das Recht, in der Hauptstadt zu weilen. Ich werde sofort nach Schluß der Sitzungsperiode der Reichsduma davongcjagt werden." Der Minister deS Inneren Stolypin erklärte: Wenn ich auch zugebe, daß einige ungesetzliche Akte der Polizeiverwaltung zur Last fallen, so lieben dock) die Beamten ihr Vaterland. (Stufe: Genug, genug. Der Dumapräsident läutet mit der Glocke.) Die Regierung, fährt der Minister fort, muß handeln und energisch für Aufrechterhaltung der Ordnung sorgen. Die Polizei erfüllt ihre Pflicht. Während der Unruhen find allein 288 Polizeibeamte verwundet worden. (Zwischenrufe: Das ist wenig. Dazwischen ertönt ein Schreien und Pfeifen und Hohng elächter. Der Prüf ident erhebt sich und ruft: Die Freiheit des Wortes sicht in diesem Saale jedermann zu.) Der Minister schließt seine Rede mit den Worten: Die Regierung wird handeln wie eine Schildwache, die ihr altes Gewehr nicht sortwerfeu darf, bevor sie ein neues erhalten hat. ^Pfeifen und Gelächter. Es herrscht große Aufregung.) Fürst U r u s s o w, früher Gehilse d.s Ministers des Innern, führt aus: Die M e tz e l e i e n würden immer von geheime« ZkrSfieu! organisiert. Und eÄ sei unmöglich', irgend jemanden gegen diese, gewissermaßen von der Regierung ausgehenden Vorgänge zu schützen. Redner fuhrt zahlreiche Beispiele an und schließt: Die Duma müsse ihren Herrscher verteidigen und für das Wohl Rußlands imrTcn und gegen die Leute kämpfen, die die Erziehung eines Polizeibeamten erhalten hätten und deren politisch^ Glaubensbekenntnis auf Metzeleien hinauslaufe. Vinavere, Roditschew und Nabokow halten darauf heftige Reden. Roditschew sagt u. a.: Der Bankerott des Staates iverde eintreten, bevor das Volk beginnen werde, fern Blut zu vergießen. Mle diese Reden veranlassen lärmende Ruse: Nieder mit der Regierung! , Nach diesen Reden ergreift unter fortwährenden Rufen: Entlassung nehmen!, nochmals der Minister des Innern das Wort und sagt: Ich werde mich durch Ihr Lärmen nickt irre machen lassen. Ich habe ein gutes Gewissen. (Anhaltender Lärm.) Die Minister verlassen unter den Zurufen: Mörder! Mörder! den Saal. Aus der österreichischen Delegation. Wien, 21. Juni. Der Delegierte Dobernig drückt seine Freude aus über den Besuch des deutschen Kaisers in Wien, der eine Bekräftigung des deutschen Bündnisses bedeute. Redner gckt den guten Willen der italienischen Regierung zu, das Bündnis mit Oesterreich-Ungarn streng zu halten, weist jedoch darauf hin, daß die Volksstimnrungen stärker sind als der, Wille leitender Staatsmänner. Für den Verfall der Gemeinsamkeit der Monarchie seien diejenigen verantwortlich, welche den Monarchen über die Volksstimmung, immer täuschten. „Wir sind nicht gegen die Trennung", schließt der Redner, „Ungarn möge jedoch die selbständige Armee aus eigenen Mitteln bezahlen!'' Bianchini wendet sich gegen die Worte des Ministers über den Dreibund, der den Völkern Oesterreichs die s ch w e r st e n Opfer auferlege. Deutschland mache durch die Dreibundpolitik der Völker die östreichische Monarchie zu Pionieren seiner imperialistischen Pläne. Die Ungarn hätten eingesehen,, wohin die pangermanischen Strömungen führen, denen die östreichische Politik Borsckub leiste, und so sei es zur großen Versöhnungsaktion zwischen Ungarn und Kroaten gekommen. Italien stehe überdies dem franz.-englischen Bündnis näher als dem Dreibund. Tvllinger zollt der Leitung der auswärtigen Politik für die Aufrechterhaltung des Friedens Anerkennung. Wenn auch Redner die großen Vorteile des Dreibundes für die Erhaltung des Friedens anerkenne, so könne er doch nicht umhin, darauf aufmerksam zu machen, daß Deutschland beim Abschluß der Zoll- und Handelsverträge mit Oesterreich und den Balkanstaaten sich Oesterreich gegenüber nicht als Freund bewährt habe. Auch die Situation Italiens in Albanien, sowie die Unterstützung Montenegros durck Italien zeuge nicht von besonderer Bundestreue. Clo fak betont, die tschechische Bevölkerung begreife nicht, daß Preußen der aufrichtigste Freund Oesterreichs sein soll, ebenso begreife sie nicht, wie der Minister so begeistert von den freundschaftlichen Beziehungen zu Italien sprechen könne. _ Redner spricht von einer Expansionspolitik Deutschlands, die Oesterreich-Ungarn wirtschaftlich auf der Balkanhalbinsel verdrängen wolle, tritt für ein Uebereinkommen mit Rußland ein und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß es der Duma gelingen werde, eine Besserung in den inneren russischen Verhältnissen herbeizuführen. Zum Schlüsse beantragt er eine Resolution, in der die gemeinsame Regierung ersucht wird, die zur nächsten Haager Friedenskonferenz zu entsendenden Vertreter mit der Stellung von strikten, auf allmähliche Abrüstung hinzielenden Anträgen zu beauftragen. Romanezuc betont, er habe als Ruthene vom nationalen Standpunkte gegen den Dreibund nicksts einzuwenden. Auch «in freundschaftliches Verhältnis zu Rußland könne er nur begrüßen. Der Drehfus-Prozetz. Paris, 21. Juni. Im Gegensatz zu der Auiregung, die vor acht Jahren bei den Verhandlungen des Dreyius-Prozesses herrschte, ist bei der geqen- ivärtigen Nevistons-Verhandlung von einer Aufregung nichts zu merken. Zwar füllen einige Dutzend Neugierige den Verhaudlungs' ort, doch merkt nmn in der Umgebung des Justizpalastes nichts von Absperrungen oder sonstigen Maßnahmen. Der Berichterstatter weist darauf hin, daß die aus hervorragenden Gelehrten zusammengesetzte Kommission die Rekonstruktion des Bordereaus, desteu sich Bertillon einzig und allein bediente, für falsch und die Systeme der anderen Sachverständigen als jeden wissenschaftlichen Wertes bar erklärt habe. Daraus folgere er, daß die graphologische Prüfung des Borderaus der Revision kein Hindernis entgegensetze, vielmehr spreche die Prüfung dieses Schrislstückes zu Drey fus Gunst en. Der Berichterstatter meist nach, daß die Aussage des früheren österr. Offiziers Eernusky «in falsches Zeugnis oder das eines Irrsinnigen gewesen fei. Ebensowenig wie die Aussage Cernuskys würden auch die von jenseits der Grenzen gefommeiien Gegenaussagen für die Revision ein Hindernis bilden. Der Berichterstater verweist auf den Brie? Torniellis, in welchem dieser formell bestätigt, daß Dreyius Beziehungen zu Italien gehabt habe; ferner auf die amtlichen Ableugnungen der italienischen Regierung, auf die Ableugnungen des Attachees 9L und des deutschen Botschafters Grasen Münster und auf die Erklärungen des deutschen Reichskanzlers in der Reic^stags- sihung vom 24. Januar 1898. Der Berichterstatter fährt fort, er frage sich, ob das Schriftstück mit der angeblichen Unterschrift des deutschen Kaisers, das offenbar eine Fälschung sei, nicht heimlich dem Gerichtshof in Rennes vorgelegt worden sei, und sagt dann, er zögere nicht, zu erklären, daß er nirgends einen materiellen Beweis für die Schuld Dreyfus' geiiinden habe, der beim Fehlen jedes, auch nur wahr- fcheinlichen Beweggrundes nötig gewesen wäre, um die Anklage zu rechtfertigen. AllLs im Gegenteil weise auf Esterhazy als den Schuldigen hin und habe auf diesen schon z. Zt. des Prozesses von Rennes hiiigewiesen. Der Berichterstatter komnit zu dem Schlüsse, daß nichts sich der Prüfung des Revisionsantrages entgegenstelle, unb stellt fest, daß drei neue Tatsachen, namentlich Ersetzung des Buchstaben P. durch den Buchstaberi D. auf einem Schriftstück, Fälschung eines auf die Eisenbahnen bezüglichen Schriftstückes unb Auffindung eines Konzepts einer aus die schwere Artillerie bezüglichen Schrift, die Zulässigkeit des Revisionsantrages begrürrden. Der Berichterstatter stellt ferner fest, daß das Kriegsgericht liichts getan habe, um die Echtheit der ihm unterbreiteten Schriftstücke, von denen mehrere gefälscht waren, zrl prüfen und daß das Kriegsgericht nicht mit der nötigen Ruhe -und Unparteilichkeit vorgegangen sei. Deutsche Journalisten in London. London, 21. Juni. Die deutschen Pressevertreter besichtigten die Westminster- gbtei und besuchten sodann die Häuser des Parlaments und andere Sehenswürdigkeiten. Sodann nahmen sie in Gesellschaft des Präsidenten des Handelsamtes, Lloyd George, des Unterstaatssekretärs Winston Churchill und mehrerer Unterhausmitglieder das Frühstück ein. Die Redakteure waren sodann bei dem Kriegsm in ister Ha l d a n e zumTee. Der Kriegsminister hieß in deutscher Sprache die Gäste willkommen. An dem Tee nahmen eine große Anzahl Damen teil, darunter die Damen der Minister Harcourth und Gladstone. Heute nachmittag wurden die Redakteur von dem deutschen Botschafter empfangen. Das heutige Bankett, das offiziell der Höhepunkt der Journalistcnreise ist, verlief ausgezeichnet. Hervorragend war die Rede Prof. Waldsteins, der dem deutschen Idealismus großes Lob gab. Sein Ausspruch, daß Ideen mehr wirken dls die unmittelbaren Fragen, traf die Wahrheit und kennzeichnet die Situation. Waldstein, Prrofessor in Cambridge, sprach deutsch. Der Lord-Kanzler Avebury brachte einen Trinkspruch aus, in dem er auf die engen literarischen Beziehungen zwischen England und Deutschland hinwies, und erklärte, England beklage die Preßkampagne zwischen den beiden Ländern, die keinen Grund zum Konflikt, dagegen große gemeinsame Jnteresien hätten. Dr. Barth erwiderte darauf mit einer Ansprache, in der er auf die Haager Konferenz und die Debatten über die Abrüstungs- frage hinwies und ausrief: Lassen Sie uns mit der Abrüstung der Presie den Anfang machen. * Der „Vorwärts- veröffentlicht eine sehr lange Richtigstellung des früheren sozialdemokratischen Reichstagsabg. Dr. Heinrich Braun zu der (gestrigen) Notiz über die Englandreise seiner Frau Lilli Braun, worin es u. A. heißt: Ein Journalist, der die Ehre hat, in einem Parteiorgan zu schreiben, hat die Pflicht, die Genossen redlich zu unterrichten, und ich protestiere als Parteigenosse gegen die irreführende und lügnerische Darstellung des „Vorwärts", der sich in diesem Falle die Polemik-Sitte der Liman und Kronsbein zum Muster genommen hat. Indessen will ich den Genannten nicht Unrecht tun: So erbärmlich die Art ihres journalistischen Kampfes ist, so ist es doch noch unter dem Niveau der Liman und Kronsbein, was Sie in Ihrem Angriff gegen meine Frau und mich leisten. In feiner Erwiderung sagt der „Vorwärts-: Was die Vorurteilslosigkeit und keusche AbsichtSlosigkeit der ganzen Veranstaltung betrifft, so beneiden wir den Parteigenossen Braun nicht um das weite Herz, mit bem er sich in schönen billigen Worten die Sache zurechtlegt. Es lohnt sich nicht, mit ihm darüber zu streiten. Braun gibt zu, worauf es schließlich allein nnfommt, daß seine Frau die Verorüderungs- und Picknickspartis mit den berüchtigten Lima n und Kronsbein und Konsorten mitmacht, gern mitmacht, mit Leuten, die — wir wiederholen es — zu den verbrecherischsten Scharfmachern und Verleumdern der Partei gehören. Aus IStaOt utto stauo. Gießen, den 22. Juni. ** Willkommen in Gießen! Die Sektion Kalk des deutschen V«reins für Ton-, Zement- und Kalk- industrie veranstaltete ihren diesjährigen Sommerausflug im Laufe dieser Woche an die Lahn mit Gießen als End- punkt. Am Mittwoch sammelten sich die über 100 Teilnehmer, unter denen sich die Vertreter der bedeutendsten rheinischen Firmen der einschlägigen Industrien befinden, in Limburg, am Donnerstag wurde Steeten, Dehrn, Dietkirchen und Staffel besucht, worauf die Rückkehr nach Limburg cr- 'olgte. Ueberall wurden neben landschaftlich sehenswerten Punkten unter fachverständiger Führung bedeutende Werke der Steinindustrie besucht. Am heutigen Freitag erstreckte sich der Ausflug über Hahnstätten und Zollhaus nach Schanm- burg. Am Abend findet in Diez ein Bierabend statt. In Gießen werden die Gäste Samstag vormittag 9.44 Uhr eintreffen und unter Führung des Herrn 2(ug. Gabriel zunächst mit der Biebertalbahn nach Station Abendstern fahren, wo die interessante Ziegelanlage und das Kalkwerk der Firma Gabriel besichtigt wird. Rach der Rückkehr in die Stadt wird im Hotel „Großherzog von Hessen" das Mittagessen eingenommen. Für den Nachmittag ist u. a. ein Besuch der Burg Gleiberg vorgesehen. Wir wünschen den Gästen, die teilweise auL weiter Ferne in unsere Stadt kommen (die Teilnehmerliste verzeichnet Herren on§ Albshausen, Arfurt bei Vilmar, Berlin, Bielstein, Bingerbrück, Blickweiler, Breden- brück, Breslau, Brilon, Bruchsal, Brünn, Butzbach, Christians- Hütte, Coblenz, Dehrn, Diez, Dornap, Dortmund, Elberfeld, Elbingerode, Förderstedt, Freiendiez, Gießen, Gnadensrei, Gogolin, Hanau, Hannover, Heidelberg, Herne, Kalkberge- Mark, Köln, Kopenhagen, Lengerich, Liegnitz, Limburg, Magdeburg, Messinghausen, Nemvied, Nieder-Kaufung au der Katzb., Nieder-Ludwigsdorf, Oppeln, Osterwald, St. Ingbert, Staffel, Stolberg, Stromberg, Weilburg, Wellen, Wetzlar, Weyer, Wiesbaden, Wolfsheitu i. d. Pf. und Zollhaus auf), daß es ihnen in unserer Stadt gefallen möge und sie einen recht angenehmen Eindruck von hier und dem lange noch nicht genug gewürdigten Lahntal mit sich nach Hause nehmen. • * Personalien. Der Referendar Ludw. Wa ld eck e r aus Darmstadt wurde zum Regierungsassessor ernannt. In den Ruhestand versetzt wurde der Bahnwärter in der Hessisch- Preußischen Eisenbahngemeinschaft Balth. Rockel zu Gießen. • * Erledigt sind die Stellen der Forstwarte der Forstwarteien Treis (Oberförsterei Treis an der Lumda) und Storndorf (Oberförsterei Storndorf), sowie eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrer stelle an der Gemeindeschule zu Gau-Algesheim. * * DieFeier desJahresfestes der Universität findet am Samstag, den 3 0. Juni d§. Js., vormittags 11 1/4 Uhr pünktlich, in der großen Aula mit folgendem Programm statt: 1. Festmarsch von C. Krauße. 2. Hymne „Preis Dir Gottheit- aus „Thamos, König in Aegypten" von W. A. Mozart. 3. Festrede des Rektors. 4. „Gottheit über Alle mächtig" aus Thamos, König in Aegypten", von W. A. Mozart. 5. Der Rheinströmer. Armee-Marsch. ** Unsere Landesuniversität wird nach dem soeben erschienenen „Personalbestand" im Sommerhalbjahr 1906 von 1118 Studierenden, 6 Hospitantinnen, 46 Hörern Und 18 Hörerinnen besucht, sodaß die 'Gesamtzahl der Besucher 1188 beträgt. Von den Studierenden gehören der theologischen Fakultät 73, der juristischen 175, der medizinischen 280 und der philosophischen 590 an. Aus Hessen stammen 746 Studierende, aus anderen deutschen Staaten 302, aus anderen europäischen Staaten 66 und aus außereuropäischen Staaten 4. Die Theologen sind fast ausschließlich Hessen. 'Auch in der juristischen und philosophischen Fakultät ist die weitaus größte Altzahl aus Hessen, dagegen stammt der größte Teil der Mediziner aus Preußen. Von den 48 hier studierenden Russen gehören 30 der philosophischen, 16 der medizinischen und 2 der juristischen Fakultät an. Auf die einzelnen Fächer entfallen: Theologie 73 (68 Hessen), Rechtswissenschaft 175 (141), Medizin 149 (57), Tierheilkunde 114 (26), Zahnheilkunde 17 (11), Philosophie 23 (6), Pädagogik 7 (7), Mathematik 119 (96), Naturwissenschaften 61 (54), Chemie 68 (22), Phar- lagen über die Abänderung des FeldbereinigungS» ge setz es und des Berggesetzes, sowie die Vorlagen, betr. Bad-Salzhausen, 'Auflösung des Hofgutes Merlau und Gruppenwasservcrsorgung Bad-Nauheim. — Der Landesrechnerverband, dem über 1000 Kckssenbeamte dort Gemeinden-, Kirchen- und anderen öff. Kassen Hessens angehören, richteten an die 2. Kammer eine Vorstellung, in der er erneut um „eine längst notwendig gewordene Regelung der Gehaltsverhältnisse dieser Beamten, sowie um Pensious-, Witwen- und Waisenversorgung" petitioniert. — Die Witwen der vor 1900 pensionierten Volksschullehrer bitten in einer Vorstellung, die Kammer wolle ihren Witwengehalt wenigstens mit dem der Witwen der Lehrer, die nach 1900 in den Ruhestand getreten sind, gleich- steilen, also titif 600 Mk. festsetzen. (Zurzeit beziehen diese Witwen 500 Mk.) ** Lahntalsängerfest. Unter dem Vorsitz des Fest- präsidenten, Stadtv. Eichenauer, sand am Donnerstag abend eine Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses int Restaurant Kalbfleisch statt. Aus den von den Einzelausschüssen erstatteten Berichten war zu ersehen, daß die Vorbereitungen zu dem Fest im besten Gange sind und aller Voraussicht nach ein schöner Verlauf der Veranstaltung, die ihrer ganzen Anlage nach ein echtes Volksfest werden wird, zu erwarten ist. Mit besonderer Freude wurde die Mitteilung ausgenommen, daß sämtliche 16 Bundesvereine (sie verteilen sich auf Butzbach, Dillenburg, Gießen, Gladenbach, Grün- berg, Hungen, Kirchhain, Lich, Londorf, Marburg, Weilburg und Wetzlar) das Fest besuchen und (bis auf einen) sich am Wettsingen beteiligen iverden. Schon mit Rücksicht auf die auswärtigen Festgäste darf erwartet werden, daß die Gießener Bürgerschaft regen Anteil an den Veranstaltungen nimmt. Recht interessant ist zurzeit eine Besichtigung der Festbauten. Gegenwärtig wird an der Errichtung der großen Festhalle gearbeitet, die nach dem mit dem Unternehmer abgeschlossenen Vertrag bis zum 1. Juli fertiggestellt sein muß. ** Zusammenlegung eines Bauplatzes. Herr A. Fröhlich, dem das Haus Tiefenweg 4 gehört, erwarb von der Stadt das daneben liegende Gelände an der Ecke der Bahnhofstraße, 75 Quadratmeter, zllm Preise von 15135Mk., Hierdurch wird es möglich, an jener Stelle ein Eckhaus zu errichten. "In der Sache Carl 6 ist von dem Verurteilten Revision gegen das ergangene Urteil angemeldet worden, worauf ihm eine Abschrift des ergangenen Erkenntnisses zu- gestellt wurde. Von dem Tage der Zustellung an hat Carle 8 Tage Zeit, die Revision zu begründen, worauf die Akten dem Reichsgericht in Leipzig zugehen. Geht die Begründung innerhalb dieser Zeit beim Landgericht nicht ein, so wird daS ergangene Urteil rechtskräftig. ** Die Errichtung eines neuen Gewerbe- Schulgebäudes, die schon seit längerer Zeit beabsichtigt wird, beschäftigte am Donnerstag abend den hierfür gebildeten Bauallsschuß des Gewerbevereins. Es ist nach den in dieser Sitzung gefaßten Beschlüssen zu erwarten, daß in aller Kürze mit dem Ban begonnen iverden kann. Das neue Gebäude kommt auf die früher Webersche Besitzung in der Wetzsteinstraße (zunächst der Nord-2lnlage) zu stehen. ** Eisenbahn Projekt Mücke -Ulrichstein-Rixfeld. Die 2lbgg. Schmalbach und Brauer haben in der zweiten hessischen Kammer beantragt, die Kammer wolle die Großh. Regierung ersuchen, den Landständen eine Gesetzesvorlage über die Erbauung einer Bahn von Mücke nach Ulrichstein mit der Möglichkeit der Fortführung nach Rixfeld demnächst vorzulegen. Die Fi schverg istungen in Frankfurt a. M., von denen wir berichteten, sind, wie die Untersuchung der Mahlzeiten durch das Seruminstitut ergeben hat, mit Bestimmtheit auf den Genuß des Seehechts zurückzuführen. Der vorliegende Fall soll von besonderem wissenschaftlichen Interesse sein, weil er mit großer Sicherheit und Klarheit erkennen lasse, daß die gefährlichen Bazillen in dem Fischfleische vorhanden waren, vielleicht schon im Meere. Die Zubereitung und der Zustand des Fischgerichts haben mit den Vergiftungen nichts zu tun. Die Untersuchungen werden übrigens noch fortgesetzt. *• Die Darmstädter Schutzmannsschule hielt vom 23. 9IprtI bis 21. Juni wieder einen Kursus ab, art dem 11 Schutzleute, 6 aus Darmstadt, 4 aus Mainz und 1 von Gießen teilnahmen. Unterricht erteilten: Staatsund Verwaltungsrecht Negierungsrat Dr. Kratz aus Darmstadt, Gerichtsverfassung, Strafrecht Polizeirat Dr. Obstfclder aus Mainz, Ordnungs- und Sicherheitspolizei Polizeiamtmann Emmerling, Sozialgesetzgebung Ministerial- sekretär Pistor, Gewerbepolizci 2c. Regierungsassessor Heß, Strafprozeßordnung 2C. Polizeiassessor Kräm er, allgemeine Dienstvorschriften Polizeiinspektor Bischof aus Worms, Rettungsdienst Oberleutnant a. D. Lotheißen, Schönschreiben Zeichner Simon aus Darmstadt, Turnen Turnwart Hofferberth. Gestern fand die Prüfung statt, die 10 Schutzleute bestanden. Einer konnte wegen Krankheit nicht teilnehmen. Der Prüfung wohnten Vertreter der Regierung, sowie der Polizeivermaltungen in Alzey und Gießen bei. (X) Lollar, 21. Juni. Gesangssteunde wird es gewiß interessieren, nunmehr die endgil-tige Einteilung der wett- itreitenben Vereine auf die drei zum Wettsingen vorgesehenen Säle zu erfahren. Es werden am Klassensingen teilnehmen: im „Saalbau z u r Linde" Vereine aus Dieburg, Bischofsheim, Walldorf, Krofdorf, Hungen, Kirch-Göns, Niedergirmes, Leihgestern, Großen-Buseck und Düdelsheim; im Saale der „Germania" Vereine aus Londorf, Enkheim, Eckenheim, Fechenheim, Lang-Göns, Niederroden, Herborn, Großen-Linden und Jügesheim; im Saale „Zur Traube" Vereine aus Ober-Wöllstadt, Großen-Linden, 2lrheilgen, Blitzenrod, Nieder- Eschbach, Oberroden und Kilianstädten. Das sich anschließende Ehrenklassen-Sin gen findet im Saalbau „Zur Linde" statt; sämtliche im Klassensingen preisgekrönten Vereine nehmen daran teil. Gegenüber früheren Wettstreiten ist diesmal die nähere Umgegend verhältnismäßig stark vertreten. Allein der „Wetterau-Lahngau-Sängerbund" ist mit 8 Vereinen beim Wettsingen in Lollar beteiligt. Aber auch die Feme hat ihr ansehnliches Kontingent gestellt. Da die Mehrzahl aller wettstreitenden Vereine bereits auf früheren Wettstreiten Preise mazie 22 (9), Forstwissenschaft 49 (44), Landwirtschaft 34 (22), Geschichte 12 (9;, klassische Philologie 67 (58) und neuere Philologie 128 (116). Es studierten mit Reifezeugnis von Gymnasien 688, von Realgymnasien 196, von Oberrealschulen 83, mit Zeugnis für das Fach 126 und mit sonstigen Zeugnissen 25. ** Parlamentarisches aus Hessen. Die erste Kammer tritt Freitag, 29. Juni, zu ihrer 4. Sitzung zusammen. Mf der Tagesordnung stehen u. a. die Vor- erhielten unb auch die übrigen Vereine fleißig geübt haben, darf man am nächsten Sonntag tüchtiger gesanglicher Leist- -ld^r ' fobie SS*# ? -eine Tfi^mer ^V^ttsberV01* Jf?011^ Malt. Uniert. S.lth)en. “J.« tty-Ä ’ÄJ***. 'en oon 2S,fe int ersehen \ - ®ln*B. '®««'e *»* bet «r1T und aller 'Ä*‘S »« LZA rzE 'bl§ Q1|t einen) fi* m ben' bQB die Gießener jungen n°m,I *'9™9 d°r 3e[tbm,t,n. ?*c 8«6en M«me ^Ntc„6g,|i)l0|i,„(„ 11 Km muß. e^ Bauplatzes. Herr '^ gehört, erwarb van Milde an der Erke der u Preise von 15135W !C Stelle ein Eckhaus zü >t van dem Verurteilten lrteil angemeldet worden, ngenen Erkenntnisses zu- Zustellung an hat Carle "den, woraus die Akten n. Geht die Begründung cht nicht ein, so wird das 'S neuen Gewerbe- längerer Zeit beabsichtigt ienb den hiersür gebildeten ES ist nach den in dieser arten, daß in aller Kürze mn. Dos neue Gebäude Atzung in der Wetzstein- u stehen. -ll/richstei'n-Ri^'e/t>. er haben in beredten mmer wolle die Großh. eMGe)etzesvoüL^ i Müär nach Ulrich- üflchrunß nach Rixen in Frankfurt a.M., wie die Untersuchung der Mut ergeben hat, mit 5 Seehechts zuruchu- iH von besonderem mssen- r mit großer Sicherheit die gefährlichen Bazillen )aren, vielleicht schon m der Zustand des M wen nichts zu tun. M ; noch fortgesetzt- hutzmaunsschuleM 䔓*- iS* ,«LL i-yS -w Vereine a^, „ qxjedergiane - Diidelshc»"' Aenhe»"' «'T 8®“"^» Ab« ““1 •Jjj »*"9‘4 nngen gewärtig sein. Möge denn den fleißigen Sängern miet) der verdiente Lohn beschieden sein. Außer dem eigentlichen Wettstreit des Sonntags bietet der festgebende Gesangverein »Liedertafel*, unterstützt von Gießener und L o l l a r c r Gastvereinen am Samstag abend Massenchöre und Einzelchöre; auch wird Kammermusiker Louis Kümmel aus Darmstadt seine virtuosen Leitungen auf dem Cornct ä, Piston hören lassen. Auf dem geräumigen Festplatz am Ufer der Lumda aber wird sich voni 23. und 25. Juni das Treiben eines echten Volksfestes abwickeln. Sonntag abend findet die Preisverteilung statt. fll Aus dem Strei§ Lauterbach, 21. Juni. Ter Kreistag des Kreises Lautervaches hat auch in diesem Jahr wieder Mittel für die Unterstützung von Jugendbibliotheken vorgesehen. Den Gemeinden, die selbst einen Betrag von 20—50 Mk. für diesen Zweck aufbringen, erhalten gleich hohe Zuschüsse. •* Darmsta dt, 21. Juni. Auf Einladung des Rhein- Main-Gaslwirte-Verbandes mar hier gestern eine stark besuchte Versammlung von Vertretern des Gastwirte-und Braugewerbes aus den Bezirken Darmstadt, Mainz. Worms, Gießen und Frankfurt a. M. zur Besprechung der Abwälzung der Brausteuer. Die Verhandlung wurde auf die Vertreter der beiden Gewerbe beschränkt. Als Folge der Besprechung wird sich eine gemeinsame Beratung der Brauerund Gastwirte-Verbände an den einzelnen Orten ergeben, um eine befriedigende Lösung unter gleichzeitiger Beseitigung bestehender Mißstände in beiden Gewerben zu erreichen. (Frkf. ß.) Offenbach a. M, 21. Juni. In der heute abend abgehaltenen Sitzung her Stadtverordnetenversammlung wurde mit Mehrheit beschlossen, die Bür germesst er stelle zur Neubesetzung mit einem Gehalt von 10 000 Mark auszu schreiben. Gegen den Antrag stimmten die bürgerlichen Stadtverordneten, zwei weitere Stadtverordnete enthielten sich der Stimme. [I Marburg, 21. Juni. Die Bismarckfeier der Studentenschaft nahm einen sehr schönen Verlauf. Von nachmittags 4 Uhr an wurde bei den Anlagen in der Nähe der Bismarcksäule eine Fäßchen Partie der gesamten Studentenschaft abgehälten und im Anschluß hieran fand Beleuchtung des Turmes und ein Festakt statt. Die Flammen und die Fackeln leuchteten weithin ins Lahntal. Ansprachen hielten bei dem Festakte eand. med. v. d. Heyden, und cand. Phil. Hermann. Später marschierten die Studenten in endlosem Fackelzug in die Stadt zurück. ** Kleine Mitteilungen aus .Hessen und den Nachbarstaaten. In Obcr-Wöllstadt soll ein erstklassiges SchulhauS mit Lebrerwohnung gebaut werden. — In Stockhausen wurde der seitherige Bürgermeister Joh. Gg. Eichenauer zum dritlenmal einstimmig miederqewählt. — In Ohme 5 schlug der Blitz in die Hofrcite von Hock ein. Frau Hock wurde getötet. Vermischtes. * Unwetter. In den letzten Tagen gingen über ganz Elsaß-Lothringen schwere Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen und Hagelschlag nieder. Einzelne Wiesengründe gleichen einem großen See. Die Heuernte ist vernichtet. Die Obstbäume und Saatfelder sind schwer geschädigt. Zahlreich sind die Opfer an Menschen, die vom Blitz auf dem Felde erschlagen wurden. — Bei einem schweren Gewitter sind in Groß-Lagiemnik (Schlesien) der frühere Gemeindevorsteher Kampe und dessen 18jährige Tochter vom Blitz erschlagen worden. Frau Kampe erlitt Brandwunden an den Füßen. Die Familie stand am Fenster und sah dem Unwetter zu, als plötzlich ein sogen, kalter Blitzstrahl ins Haus einschlug. * Kleine Tagcschronik. In Tübingen er sch o ß s i ch ein Student aus Berlin. Ter Grund soll in Ehrenhändeln li'Mcn. Märkte. th Gießen, 21. Juni. Auf dem diese Woche abgehaltenen B i e h m a r k t waren ca. 1300 Stück Großvieh, 150 Kälber und 300 Schweine auigetrieben. Schon der Bormarkt zeigte, daß der Handel in Milchvieh nicht so flott war wie an den letzten Märkten und die gleiche Tendenz zeigte sich für frischmelkende Kühe auch am Hauptmarkt. Das Geschäft in Fettviel) und Kälbern machte sich dagegen wieder sehr gut, sodaß die hohen Preise der letzten Märkte bezahlt werden mußten. Aus dem Kälbermarkt machten sich wiederum die Abnehmer für die größeren Städte und die Badevlätze beim Einkauf besonders guter Ware starke Konkurrenz. Trotzdem für den Handel in Schweinen jetzt nicht die rechte Zeit ist und der Auftrieb für den Gießener Markt nicht genügt, waren die Tiere nur zu den alten hohen Preisen zu haben. Die .Handelsleute ließen lieber ein Geschäft fahren, ehe sie an den einmal geforderten Preisen nachließen. Der Markt wurde bis auf wenige geringere ältere Kühe in allen Mebgattrmgen glatt geräumt. Gehandelt wurden frischmelkende und tragende K ü h e 1. Qualität Mk. 450 bis 500 (einzelne schwere Tiere bis Mk. 530), 2. Qualität Mk. 360 bis 400, 3. Qualität Mk. 270 bis 330. Verkauft wurde der Zentner Schlachtgewicht Fettvieh: Rinder 1. Qualität Mk. 74 bis 76, 2. Qual. 70 bis 72. Kühe 1. Qual. Mk. 68 ois 70, 2. Qual. Mk. 65 bis 67. Kälber 1. Qual. Mk. 82 bis 86, 2. Qual. Mk. 74 bis 80, 3. Qual. Mk. 66 bis 70. Fahrochsen fehlten. — Die Preise für Schweine stellten sich für das Paar wie folgt: Ferkel, 3 bis 4 Wochen alt, Mk. 40 bis 50, bis 8 Wochen alt Mk. 55 bis 68 Mk, bis 13 Wochen alt Alk. 74 bis 85, leichte Springer Mk. 90 bis 120, schwere bis Mk. 160. — Räch st e Markttage am 3. und 4. Juli, am 2. Tage auch Krämermarkt. )( Butzbach, 21. Juni. Der heutige ?S ch w e i n e m a r k t war entgegen den früher gut beschickten Märkten von kaum 200 Stück Jungvieh befahren; auch fehlte es an Käufern. Trotzdem bc-- bauvteten sich die seitheren sehr hohen Preise. 6—7 Wachen alte Ferkel koste:en 60—70 Mark das Paar, l9 Wochen alte Einleger wurden mit 45—55 Mark das Stück bezahlt. I ] Marburg, 21. Juni. Aus dem heutigen Schweine- markr ivaren 1160 Schweine ausgetrieben. Es kosteten kleine Saugserkel 40—45 Mk., 3 bis 4 Monate alte Läufer 100—120 Mk. und größere Schlachtschweüie 140—160 Mk. per Paar, je nach Qualität. Der Handel war flau. Kircfytidie Nachrichten. Evangelische Gemeinde. 2. Sonntag nach Trinitatis, den 24. Juni, (^ottesbtenft. In der Stadtkirchc. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer D. Schlosser. Zugleich Ehristenlehre für die Neukonsirmierten der Matthäus- gemeinde. Vormittags 9V, Uhr : Pfarrer S ch w a b e. Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfarrer Schwabe. Nachmittags 2*, Uhr: Kinderkirche für die Markusgevieinde. Pfarrer Schwabe. In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr: Repetent Waas. Vormittags 91/, Uhr : Oberlehrer S ch m o l l. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Lukas- gemeinde. Oberlehrer Sch inoll. Sonntag Abend 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung im Konfirmandensaale der Johamieskirche. Katholische Gemeinde. Samstag, den 23. I u n i: Nachmittags mn 5 Uhr und abends um 8 Uhr Gelegenheit zur heil. Beichte. Sonntag, deii 24. Juni: 3. Sonntag nach Pfingsten. Vormittags von 6'/, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beichte. , um 7 Uhr: Die erste heil. Meße, vor und in derselben Austeilung der heil. .Kommunion. , um 8 Uhr: Die zweite heilige Messe. „ um 9’/, Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 2 Uhr: Ehristenlehre: darauf Andacht. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Samstag, den 23. Juni 1906: Meist trüb, geringer Regen. Kühler, zeitweise löinbig. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Orrginal-Drahtrnelkringen. B e r I i n, 22. Juni. Eine Haussu ch u n g fand gestern abend in den RedaktivnS- und Expeditionsränrnen der „Freisinnigen Zeitu ig" statt. Ersucht wurde nach Material zu dem Artikel: ..Und abermals Jesov von P u t l ka m p r" in der letzten Sonntagsnummer. Der Staatsanwalt nimmt an, daß der Artikel auf einem Vertrauensbruche eines Beamten der Kolonialabteiluiig. beruhe, und sucht Unterlagen zu sammeln zu einer Strafsache wider Götz und Schneider auf Grund des § 353 tf des Strafgesetzbuches. Die Haussuchung verlief erfolglos. Die 'Polizeibeamten nahmen einige Manuskripte und Zeitungsausschnitte mit. Stettin, 22. Juni. Auf dem Gute Eichhorst bei Lippehue in Pommern verletzte der Streckenarbeiter Hinz seine Geliebte durch .zahlreiche Messerstiche in Hals, Brust und Unterleib schwer und legte sic dann auf die Bahn schien en, um sie überfahren zu lassen. Das Mädchen vermochte sich noch nach Hause zu schleppen/ dürfte aber ben schweren, inneren Verletzungen erliegen. Der Täter ist flüchtig. Straßburg i. E., 22. Juni. Während eines Ge- witterS bei Ävricourt wurde ein Mann vom Blitz buchstäblich zerfleischt, seine Ehefrau hoffnungslos zugerichtet. London. 21. Juni. Bei dem heutigen Festmahle zu Ehren der deutschen Preß Vertreter brachte Lord A v e b u r h einen Trinksprnch auf König Eduard aus. Niemand habe mehr als der König dazu beigetragen, führte der Redner aus. freundschaftliche Beziehungen zu fördern. Wenn es irgend ein Land gebe, mit dem der König mehr als nut anderen Frieden und Freundschaft wünsche, so sei dies Deutschland. 1 Lord Brassen toastete ans den deutsche n Kaiser und erklärte. alle Herzen seien von warmen Empfindungen für gute Beziehungen zum deutschen Bolte erfüllt. Beifalls Deutschland nnd England seien miteinander verknüpft durch das Band gemeinsamer Liebe zur See. Die Musik spielte „Heil dir im Sieger- krouz" Der Lordkanzler trank sodann auf die Freundschaft zwischen Deutschland und England und führte aus. er Tenne in England keine verständigen Leute, die nicht fteundschmtliche Bezielningen zwischen beiden Ländern wünschten, die Bluts- verw"ndte seien, niemals Streit gehabt und nie die Schwerter gekreuzt hätten, dagegen oft in derselben Schlachtreihe gestanden hätten Er glaube, es sei die Pflicht eines jeden guten englischen Bürgers, alles zu tun, was in feinen, Kräften stände, um freundschaftliche Beziehungen mit Deutfchland aufrocht- zuerholten. Beifall. ‘ Darauf erwiderte der beutfefoe Botschafter Gras Wolff-Metternich mit folgender Rede: „Die Worte des L^rbkaiizlers rtni-'n Freundschaft und Wohlwollen für umer Volk, sie find durck^'-iumxm von jenem Geiste stolzer Ideale und von einem gesc'den Menfchenv^rücmbe, die beide die leitenden Gesichtspunkte i" ^-n Beziehungen der beiden großen Nationen sein sollten, von ber**i Existenz bas Gebeihen unb die Fortdauer bes Standes unserer gegenwärtigen sMtiir sowie das Wohlergehen der Welt abhänal. Diese Worie werden noch bedeutsamer, wenn wir bedenken, daß sie ausgesprochen sind von einem der hervorragendsten Mitglieder der englischen Regierung, die eine so hohe Stelle im Rate der Völker einnimmt und in der Wert- schätzi'na ihrer Landsleute Die Worte werden em Echo haben, das weit über die Gestade dieser Jw'el schallt, und sie werden, begrüßt werden mit wahrer unb bankbarer Befriedigung in Deutschland unb fürwahr van jedem Friedensfreunde in ganz Europa. Die gewichtigen S$orte des Lordkanzlers bedürfen keines Kommentars Ich will nur ihm und all denen vielen Leuten in England, die wie er denken, die Versicherung geben, daß ferne Gesinnungen werden hoch geschätzt werden, daß sie in ganz Deiftfch- land sofort eine willige Antwort findm werden, die sie schon bei denen gefunden haben, die d'u Vorzug hatten, sie freute Abend anzuhören. Brnce feierte biraijf bic deutsche Literatur, bie in würdiger Weise Leben und Denken des deutschen Volkes verkörpere. Die Literatur einige alle Völker und mache' ein Volk zum Schuldner jedes anderen Er — Redner — könne niemals etwas anderes als Freundschaft für die Landsleute eines Kant und Hegel enrpfinden. Niemand in England wünsche inniger die Fortdauer der sreundsclmftlichen Bezielningen als der Webner. Spenber, der Cheft-dakteur der „Westminster Gazette", zollte dem beutschen Charakter seinen Tribut, der nnerschütterlich fei in der Verteidigung feines Vaterlandes und wissenschaftlich auf dem Gebiete der Forschung. Chefredakteur Hugo v. Kupfer-Berlin brachte einen Trinksprnch auf den Präsidenten Lord Aveburh aus. Der Festsaal war mit, deutschen nnd englischen Fahnen geschmückt. Alle größeren englischen Zeitungen waren bei diesem Mahle vertreten, dem auch alle Herren der deutschen Botschaft rmd des Konsulates beiwohnten. N c w p o r f, 22. Juni. Der Senat fordert die Änderung der im Repräsentantenfrause angenommenen Fle i sch- b e s ch a u v o r l a ge dcchin. daß der Fleischtrust die Kosten der Inspizierung tragen soll, und das; die Etiketten aus bett Fleischkonserven mit dem Datum der Herstellung dieser Prrodukte versehen werden sollen. Telefonische des Giessener Anzeigers, mitge und Indnsti Frankfurter Kö 3%0/0 Beichsanleihe . . 99.80 3% do. . . 87.90 3X°/0 Konsols .... 99.80 3% do 87 90 3x7o Hessen 88.90 3%°/n Oberhessen . . . —.— 4 % Oesterr. Goldreute. . 100.30 4*/5 9o Oesterr. Silberrente 100.60 4% Ungar. Goldrente . . 95.95 4% Italien. Bente . . . 105.00 3% Portugiesen Serie I . 69.85 3% Portugiesen III 70.30 4russ.Staatsanl. 1905 88.30 4%°\ japan. Staatsanleihe 95.00 4% Conv. Türken von 1903 96.20 Türkenlose 147.00 4% Griech. Monopol-Anl. 53.90 4 % äussere Argentinier . 9B00 3°/0 Mexikaner .... 70.50 4K°/o Chinesen .... 97.30 Aktien: Bochum Guss 253.75 Buderus E. W . . . —.— Tendenz : schwach. Berliner Börse, 2 Canada E. B. . . . . 161.10 Darmstädter Bank . . 139.50 Deutsche Bank .... 236.10 Dortmunder-Union C. . . 83.50 Dresdner Bank .... 159.00 Tendenz: schwach. Kursberichte teilt von der Bank für Handel ie, Giessen. rse. 22. Juni, 1.15 Uhr. Elektriz. Lahmeyer . . . 148.20 Elektriz. Schuckert . . . 131.75 Eschweiler Bergwerk . 264.75 Gelsenkirchen Bergwerk . 218.80 Hamburg- Amerik. Paketf. 161 70 Harpener Bergwerk. . .216 00 Laurahfitte 240.70 Nordd. Lloyd .... 127.50 Ob^nchles. Eisen-Industrie 127.50 Berliner Handelsges . 171.50 Darmstädter Bank . . . 139.70 Deutsche Bank . . . 235.70 Deutsch-Asiat. Bank . . l«6.60 Diskonto-Kommandit. . . 183.80 Dresdner Bank . . . 158.90 Kreditaktien 209.40 Baltimore- und Ohio- Eisenbahn . . . 116.80 Gotthardbahn —.— Lombard. Eisenbahn . . 33.60 Oesterr. Staatsbahn . . . 144.80 Prince-Henri-Eisenbahn . 152.00 2 Juni. Anfangskurse. Harpener Bergwerk. . . 215.60 Laurahütte .... 240.90 Lombarden E. B. ... 34.20 Nordd. Lloyd 127.00 Türkenlose . .... 147.50 sanft entschlafen ist. otsos B :i/( 190«. Stadt. Tiefbauamt. Braubach. sind spätestens bis zum Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, 20. Juni Angebote ans Vordruck, der daselbst erhältlich, vorgenannten Zeitpunkt an unS cingureidjm. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Familie Weigel. Tie Beerdigung findet Sonntag, nachmittags 3'/, Uhr, oon der Kovellc des neuen Friedhofes aus statt. Vergebung von Fulirleiftungen. Die Abfuhr von Straßcnkchricht nach verschiedenen städtischen Wiesen soll Mittwoch, den 27. b. Mts., vormittags 11 Uhr öffentlich vergeben werden. Tie Abfuhr umfaßt etwa 1150 cbm, die in 2 Lose geteilt sind. Die Bedingungen liegen während der Dienststunden bei uns zur Einncht auf. TodeS-Anzeige. Verivanbten unb Bekannten bic traurige Mitteilung, daß unsere liebe Tochter und Schwester im Alter von 23' . Jahren nach langem, schwerem Leiden Sonntag, den 2-1. Juni l. I., im Licher Wald II. Schneise rechts. Kriegervsrein Giessest Waldfest Abmarsch vräcis 3 Uhr mit Musik vom Ludnftgsplatz aus. Bei ungünstig er Witterung wird das Fest in der Turnhal.e (Steinstraße 3) abgehalten. v Ve Verdingung. Für den Neubau des Amtsgcrichtsgebäudes in Gladenbach sollen in öffentlicher Ausschreibung, vergeben werden: Los I Lieferung von 367 Tausend Hintcrmauerungs- fteinen. Los H Ausführung der Steinmctzarbeiten (etwa 140 qm Sandstein-Sockeloerblendung, 75 cbm Sandsteinwerkstücke sowie 138 m Treppenstufen und 23 qm Podest- platten aus Grünstein.) Die Verdingungsunterlagen liegen Wochentags in den Dienststunden im Bureau der^., hiesigen Kreisbauinspektion Kratzenberg Nr. 3 zur Einsicht aus und sind von dort so lange der Vorrat reicht, gegen post- und bestellgeldfreie Einsendung von 1,00 Mk. für Los I und 1,50 Mk. für Los II zu beziehen. Die Angebote sind versiegelt itnb gebührenfrei mit kennzeichnender Aufschrift versehen bis zu den Eröffnungsterminen und zwar für das Angebot auf die Hintermauenlngssteine am Sonnabend, den 7. Juli, vormittags 11 Itfrr für die Steinmetzarbeiten an demselben Tage mittags 12 Uhr an den Unterzeichneten einzureichcn. Zuschlagsfrist 4 Wochen. Biedenkopf, den 21. Juni 1906. DI2/6 Der Königliche KreiSbauinspcktor. Büchner, Baurat. Schotten. Turnfest des Gaues Hessen am 23., 24. und 25. Juni 8906. Samstag;: Kommers auf dem herrlich gelegenen Festplatz. Sonntaff: Nachm. 2 Uhr: Großer Fcstzug, Bereinswetturncn, Konzert, Prcisverteilnng, Tanz. Montag;: Vormittags 7 Uhr: Cirrzclwetlurrrcn, 10 Uhr: Frühkonzert, nachmittags 2 Uhr: Fcstzug, Konzert, Tanz,Volksbelustigung. — Tie Musik wird von 1 der gesamten Kapelle des Art.-Regts. Nr. 61, Darmstadt, ausgefuhrt. men Henkers “leich-Soda nnd 1' wegen Aufgabe dieses Artikels. Trohe-NE Tb Trohe Sonntag den 24. Juni: Tanzmusik mit großem Preiskeqeln im Burggarten zu Trohe, woztl ergeben]! einladet 3851 Gastwirt Schwarz. Subskription auf Mk 2,500,000- 3$°|o Hessische Landeshypothekenbank-Pfandbriefe Serie XI unter Leitung und mit Zinsgarantie des Staates am 3. 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