Nr. SL1 Zweites Blatt 156. Jahrgang Donnerstag 20. September 1906 Giehener Anzeiger Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'sche» UniDerfltfit5brudereL R. Lange, Ltetz«. Redaktion, Expedition «.Druckerei: Schulstr.L, Tel. Nr. 6L Tetegr^Adr.: Anzeiger Gletze«. Erscheint »glich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Giehener ZamilienblStter- werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der E^rffilche Landwirt" erscheint monatlich einmal. General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen das der Stoppeläcker bis 1. Oktober l. Js. zu erstrecken. Bei fruchtlosem Abläufe dieser Frist erfolgt alsdann Umpflügen der Stoppeläcker auf Kosten der Säumigen. Friedberg, den 18. September 1906. Der Großherzogl. Feldbereinigungskommissär: Spanier, Krcisamtmann. politische Sagesscharr. Freizügigkeit von HandlunMehulfen. R. Berlin, 19. Sept. In einer öffentlichen Versaminlung von Handlungs- gehülfen wurde dieser Tage entschiedene Mißbilligung aus- gesprochen über ein von vier Berliner Großbanken geschloffenes Abkommen, demzufolge jeder Stellungswechsel innerhalb dieser Banken von der Genehmigung der Direktionen abhängig gemacht wird. Die Versammlung erblickte in dieser Vereinigung den Versuch der Banken, die Angestellten an der wirtschaftlichen Verwertung ihrer Fähigkeiten zu hindern. Man kann nicht klar ersehen, um ivaS es sich handelt. Jede Bankdirektion hat selbstverständlich das Recht, bei Einstellung neuer Beamten das entscheidende Wort zu sprechen. Wenn aber die Tendenz deS Abkommens ist, daß jedem Beamten, der aus einer der Großbanken scheidet, die drei anderen Bankinstitute verschlossen bleiben sollen, wenn also mit anderen Worten den Angestellten die Möglichkeit genommen wäre, bei einem Konkurrenzinstitut sich mit Erfolg um eine besser dotierte Stellung zu bewerben, (wodurch z. B. Exzellenz Dcrnburg verhindert worden wäre, von der Deutschen Bank, der er außerordentlich große Dienste geleistet hatte und die ihn trotzdem nicht zum Direktor machte, zur Darmstädter Bank überzugehen. D. Red.) so wäre das allerdings eine Unterbindung der Freizügigkeit des Personals und ein Mangel an sozialem Empfinden. Die Angelegenheit !oll übrigens im Reichstag zur Sprache gebracht werden. Gießen, den 14. September 1906. . Betreffend: Die Zahltage der Gemeinde-Einnehmer. Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche unsere Verfügung vom 17. August Kreisblatt Nr. 108 noch nicht erledigt haben, werden hieran erinnert. Dr. Merck. Bekanntmachung. Betreffend: Feldbereinigung in der Gemarkung Bellersheim. Es wird hiermit zur Kenntnis der Beteiligten gebracht, daß die Vollzugskommission mit Rücksicht auf die seitherige trockene Witterung beschlossen hat, die Frist zum Uinpflügen Ausland. London, 19. Sept. Aus Viktoria in Britisch-Kolumbien wird gemeldet, daß ein russisches Kriegsschiff japanische Fischer bei unerlaubter Fischerei an der Küste der Kamschatka-Halbinsel überraschte. Die Japaner waren an Land gegangen und wurden hier von einer Abteilung gelandeter Russen angegriffen. Es entstand ein heftiger Kampf, wobei ein russischer Offizier und sechs russische Matrosen erschossen wurden. Die Japaner flüchteten dann an Bord ihrer Schiffe, welche nun von dem russischen Kriegsschiff verfolgt wurden. Der Kampf wurde auf hoher See fortgesetzt. 19 Russen und 12 Japaner wurden im Verlauf des Kampfes getö-tet. Die übrigen Japaner entkamen auf ihren Booten. Nom, 19. Sept. Hiesigen Blättern zufolge wurde in Masserato festgestellt, daß ein Franziskanerpater einer anarchistischen Gruppe angehört. — Eine Generalversammlung von italienischen Soziali st innen soll im Anschluß an den nationalen Sozialistenkongreß am 6. Oktober in Rom stattsinden. Der Avanti erläßt hierzu folgenden Aufruf: »Wir möchten wünschen, daß die mit der Sozialdemokratie sympathisierende und auch die ihr noch rebellisch (!) gegenüber- stehende. Frau, gleich wie die vom guten Willen beseelte, aber noch inaktive, im innersten Herzen sich zum Sozialismus bekännte. Möchte doch aus ihrer Seele jede Spur von philanthropischer Gefühlsduselei und altbackener Weiblichkeit verschwinden, damit sie endlich die ihr von der Geschichte angewiesene Stellung einnehme: an der Seite des Mannes in wirtschaftlicher und politischer Organisation.^ Bern, 19. Sept. Die heutige Sitzung dec internationalen Arbeiterschutzkonferenz war der Beratung über das Verbot der gewerblichen Nachtarbeit der Frauen gewidniet, speziell über die Anwendbarkeit der artiges erwartet. Aus dem letzten Rechenschaftsbericht der 1 Staatsbank ist ersichtlich- daß Me russischen Kreditbillets ' durch entsprechende Golddeckung Rubel für Rubel ge- ' sichert sind. , Unheimlich ist ein besonders starker Zudrang zu 1 den militärischen Schulen jeder Art. Die Regierung wittert, daß sich dieser Zudrang lediglich durch das Bestreben erklärt, in der Armee revolutionäre Propaganda zu treiben, und sie läßt Nachforschungen an st eklen. Am 19. September entgleiste 23 Kilometer von Petersburg auf der Wologda-Bahn ein überfüllter Personenzug, gegen den ein verbrecherischer An-, schla g verübt war. Offenbar. war die Beraubung des Postwagens beabsichtigt. Auf über 100 Meter waren die Schienen losgeschraubt worden. Nur infolge der langsamen Fahrt des Zuges wurde größeres Unglück verhütet. Etwa fünfzehn Personen wurden verwundet. In Libau wurden zwei jüdische Kaufleute in ihrem Kontor von Räubern erschossen, ein Dritter verwundet. Eine Beraubung Hut nicht stattgefunden. Ueber die Motive der Tat ist nichts bekannt. Tie Mörder entkamen. In Warschau wurde der Oberst Nikolajeff, Kommandeur der 7. Artilleviebatterie durch, Revolverschüsse getötet. Die Attentäter sind entkommen. Dieser Mord soll geschehen sein, weil Mkolajeff kürzlich mehrere Ar^ tikleriften wegen Meuterei dem Kriegsgericht übergab. Der Kommandeur der Petersburger Garde-Manen, Orlow, erhielt von der revolutionären Kampfesorganisation die Mitteilung, daß ihn das Revolutionsgericht zum Tode verurteilt habe. Das Todesurteil werde noch vor .Ende September vollstteckt werden. Nach einer Meldung auS Sewastopol Herrschtunterden Truppen der dortigen Garnison die größte Unzufriedenheit. Die Revolutionäre verfügen über reiche Geldmittel, die sie verwenden, um die Soldaten zu Meutereien zu bewegen. Es vergeht keine Nacht, in der nicht Mordtaten in den Straßen der Stadt verübt werden. Die Offiziere stehen der Aufgabe, die meuterische Bewegung unter der Mannschaft einzudämmcn, ratlos gegenüber. Man nimmt mit großer Bestimmcheit an, daß ein neuer Aufstand mit blutigem Verlauf erfolgen werde. Die Revolutionäre haben eine Proklamation veröffentlicht, welche besagt, daß für jeden von den Kriegsgerichten zum Tode verutteilten Patrioten drei Beamte erschossen werden sollen, und daß zuerst der Generalgouverneur, der Ooerftkomma.ndieren.de und die Richter an die Reihe kommen sollen. Ein in Galatz aufgegriffener desertterter Unteroffizier der russischen Kriegsmarine erklärte, die Matrosen der Schwarzen Meer-Flotte desertierten tätlich gruppenweise von den Kriegsschiffen. In Sewastopol seien vor einigen Wochen drei Kriegsschiffe ohne Mattosen gewesen, und nur gegen hohe Bezahlung habe man Leute vom Lande auftreiben können, die den notwendigen Dienst versahen. Admiral Skrydlow gelte als Gefan-, g en er der Matrosen, die ihn, als er nach Petersburg wollte, gewaltsam zurückhielten. Der „Standard" meldet aus Petersburg, daß hefttge Kämpfe zwischen Truppen und Revolutionären in Taganrog stattgefunden haben. Auf beiden .Seiten gab es viele Tote und Verwundete. In dem Gebiet von Jelissawetgrad sind Bauern-, unruhen ausgebrochen. Tie Bauern verbrannten ein Gut und vertrieben die Ortsbehörden. Kosaken, die dorthin entsandt wurden, nahmen zahlreiche Verhaftungen; vor. Der Generalgouverneur ist nach dem Gebiet abgereift. Aus Eriwan meldet der Generalgouverneur, daß int Kreise Sangesur vier tatarische Ortschaften eingeäschert worden sind. Die Bewohner sind gefluchtes Die Leichen liegen unbeerdigt, das Vieh ist weggettieben, die Saaten sind verbrannt. An den Verwüstungen beteilig-, ten sich sieben armenische Ortschaften. Als Militär am rückte, hatten die Armenier die Gegend schon verlassen. In Taschkent ist der Staatsanwalt Scha-, rtgin durch einen soeven aus dem Gefängnis entlassenen Studenten Namens Bodritzky erschossen worden. Der Mörder wnrde festgenommen. Ein Kolonialfest wird z. Z. in Elberfeld geplant. Am 18. d. M. hielt dort Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg eine Rede Darin betonte er nach der „Köln. Ztg.", daß der glänzende Erfolg der Elberfelder Veranstaltung den Gegnern der Kolonialbewegung deutlich zeige, daß der denkende Teil des deutschen Volkes fidj die Freude an den Kolonien nicht vergällen lasse, da8 er sich nicht durch eine Kritik stören lasse, die meist aus Klatsch und Aeußerungen der M i ß g u n st bestehe, wenn auch einige Punkte zu Ausstellungen Anlaß gäben. In der Jndustriegegend verstehe man recht wohl, was ein eigenes Produktionsland und ein eigenes Absatzgebiet bedeute, und daß nach einem Menschenalter die Kolonien nicht mehr und nicht weniger bedeuten würden, alssicheresBrodfürTau- ende von Arbeitern. Vor einigen Tagen habe der Kaier vor „Schwarzseherei" gewarnt. In den Kreisen »er deutschen Ko lo n i a l g e s ellsch a f t, da wo man die chon erzielten Erfolge der kolonialen Entwicklung abwäge, da werde wohl kaum e i n e r s ch w a r z se h e n. Wohin man blicke, sehe man eine hoffnungsvolle Entwickelung unserer Kolonien, obwohl sie gehemmt worden sei durch die Art der Leitung der Kolonial Politik, durch die Politik des Parlaments, zum Teil auch durch Fehler der Privatgesellschaften. Es sind Fehler begangen worden, aber ü b e r- a l l, wo man mit unbefangenen Augen sehen wlll, erkennt man eme schöne Blüte der Entwicklung in unseren Kolo- men. A uch wir blicken mit Vertrauen, wenn auch ohne falschen Optimismus in die Zukunst und wir tun es mit offenem Auge, mit dem Bewußtsein: Viel Feind, viel Ehre' In diesem Geiste gehen wir geradeaus unseren Weg ohne die Schwarzseherei, von der der Kaiser sprach. Mit einem Hoch auf den Kaper ichloß die Rede des Herzogs. Deutsches Reich. Berlin 19. Sept. Ueber die Hilfe der Jesuiten ,u alldeutschen Zielen Kaiser Wilhelms hatten die „Times von ihrem Pariser Berichterstatter, Lavino, sich einen unheimlichen Bären aufbinden lassen. Der Kaiser, so hreß es, brauche die Jesuiten, um Holland und Belgien, sowie Landsreien in Kleinasien, den Vereinigt en Staaten und m Südamerika zu verschlucken. Der Kaiser wolle viel mehr als den Ruin Frankreichs; nach dem all- veutschen. Programm seien Millionen von Katholiken dazu bestimmt, unter das Szepter der Hohenzollern zu tteten, und dazu brauche man die Hilfe der Jesuiten. Ueber l-ic,en ^sträubenden Unsinn spottet die „Deutsche Ztg.": », Entdeckung der Verschwörung Kaiser Wilhelms mit „General Wernz und den Alldeutschen macht dem Spürsinn Lavinos alle Ehre. In der Tat sollen auch schon Verhand- tungen über den korporativen Einttitt des Jesuitenordens in 2?^band schweben. Nur über die Bedingungen herrscht noch Attest. Und das scheint damit zusammenzuhängen, oaß noch eine andere religiiffe Macht sich mit der gleichen Ab- ttcist tragt. Bekanntlich hat Kaiser Wilhelm es auch verstanden, den Islam für den Pangermanismus zu erwärmen; und so handelt es sich jetzt nur noch darum, ob der derzeitige Scheich-ul-Jslam oder PaterWernzerfter bezw. zweiter Vizepräsident des Alldeutschen Verbandes werden soll. Ist diese Frage entschieden, dann wird der Verband Die unlängst insgeheim erfolgte Annahme der Ehrenmitgliedschast seitens Kaiser Wilhelms ösfentlich bekannt geben — und dann kann der vangermanische Woberungs- feldzuq .beginnen," ; * Die „Pirsch Wjed." veröffentlicht ein vertrauliches Schreiben des Reichstönttollcurs Schwanebach an den Wegebauminister General Schaufuß, worin Schwunebach mitteilt, daß in den Abrechnungen der Verwaltung der Ekaterinenski-Eisenbahn unter dem früheren Reichskontrolleur Stallmeister des allerhöchsten Hofes Un- terfchlagungen vorgekommen feien. Es wird klargelegt, daß der Chef dieser Verwaltung, Ingenieur Arzimowitsch, 300 fiktive Abrechnungen in Höhe von 310 000 Rubel vorgelegt hat. Eine Untersuchung ist eingeleitet. Die Petersb. Tel.-Ag. verösfenttichl eine längere Mitteilung, in der es u. a. heißt: „Die Presse der Opposition ährt fort, das von der Regierung erlassene Verbot des von der Partei der Volksfreiheit geplanten Kongresses als eine Maßnahme darzustellen, die mit der Erklärung der Regierung, daß sie mit denc freien Ausdruck der öffentlichen Meinung rechnen wolle, im Widerspruch stehe. Die Regierung, welche fest ent* schlossen ist, mit dem freien Ausdruck der öffentlichen Meinung zu rechnen, konnte ihre Zustimmung zu einer, im Sinne des WiLorger Aufrufs beavsichttgten revolutionären .Agitation nicht geben . . ." Die Petersb. Tel.-^Ag. meldet ferner: Londoner Blätter haben erklärt, sie hätten ernste Gründe, zu vermuten, daß die Gerüchte, die russische Staatsrentei befinde sich in arger Verlegenheit, nicht unbegründet seien, uno daß dem Finanznttnister infolgedessen kein anderer Ausweg bleibe, als eine mehr oder weniger umfangreiche Einstellung der Zahlungen in klingender Münze. Wir sind ermächtigt, Mtzzyteilesl, daß d^ FipanzniMter nichts der— Am 22. und 23. Sept, findet in O b erstei n a. d. Nahe der Parteitag des Südwe st deutschen Verbandes der Fr eisinnig en (zu dem auch Hessen gehört) statt. Verschiedene Abgeordnete, u. a. Reichs- und Landtagsabg. Dr. Müller-Meiningen, haben ihr Erscheinen zugesagt. — Der nationale Arbeiter-Wahlausschuß eri hielt, wie die „T. R." hört, vom früheren Gießener Theologie- Professor, jetzigen Generaldirektor der Kgl. Bibliothek zu Berlin Dr. Harnack auf eine Anfrage folgende Antwott: „Bezugnehmend auf Ihr Schreiben beehre ich mich, Ihnen Mitzuteilen, daß ich die Wahl von christlich und national gesinnten Arbeitern in den zukünftigen Reichs tag (1908) für sehr wünschenswert halte. Auch das scheint mir richtig, daß keine neue Parteigruppicrung ins Auge gefaßt wird, sondern daß die Sh-beiter sich, um ihren Zweck zu erreichen, in den nationalen politischen Parteien betätigen, und umgekehrt diese Parteien selbst Sorge tragen, daß auch Arbeiter Mandate erhallen." Coburg, 19. Sept. Heute vormittag fand in der Hofkirche die Taufe des Erbprinzen vo^ Sachsen-Coburg und Gotha statt. Als Taufpaten versammelten sich in dem Familiensaale der Kaiser, die Kaiserin, die Herzogin von Albany und die. Übrigen Fürstticht'eiten, ferner als Vertreter des Königs von England der englische Botschafter Sir Frank Lascelles. Der Erbprinz erhielt die Namen Johann Leopold Wilhelm Wbert Ferdinand Victor. An den Taufakt schloß sich im großen Saale eine Familientafel an, im Thronsaale eine Tafel für die geladenen Gäste. Bei der Familientafel erhob sich der Kaiser und sagte: „Ich ttinke auf das Wohl des Prinzen Johann Leopold des Erbprinzen von Sachsen-Coburg und Gotha." — Der Kaiser hat eine Reihe von Auszeichnungen verliehen: Der Herzogin Viktoria-Adelheid den Luisenorden, dem Staats- minifter Richter den 8ioten Adlerorden 2. Kl. mit Stern usw. — Der Kaiser unternahm heute nachmittag mit dem Her- 3 0 g und dem Fürsten von Bulgarien eine Spazierfahrt auf die Veste Coburg, wo die Sammlungen besichtigt wurden. Heute abend nm 7 Uhr fand Tafel statt, an der sämtliche Fürstlichkeiten mit Umgebungen teilnahmen. Altenburg, 19. Sept. Ter Herzog hat aus Anlaß seines 80. Geburtstages einer größeren Anzahl von gerichtlich oder polizeilich bestraften Personen Gnadenbeweise dadurch zuteil werden lassen, daß vollständiger oder teilweiser Straferlaß oder Umwandlung in eine mildere; Strafe oder vorzeitige vorläufige Entlassung, oder Strafaufschub mit Aussicht auf Begnadigung bei Wohlverhalten gewährt worden i)t. Ferner hat der Herzog aus demselben Anlaß unter dem Namen „Herzog Ernst-Medaille" eine Auszeichnung geschaffen, die bestimmt ist zur Anerkennung von Verdiensten jeder Art, insbesondere um das Herzogliche Haus und um das öffentliche Leben. 5>ie «Lage in Rußland. Der Zar hat feine Jacht-Kreuzfahrt verlängert und wohnte nicht der Beerdigung Tre- pows bei. Das Mitglied des Verbandes russischer Männer, Bulazel, behauptet übrigens in der „Rußkoje Snamja", daß Trepow eines unnatürlichen Todes gestorben sei. Dagegen bringt die Zeitung „Narosch" die unsinnige Mitteilung, wonach Trepow gar nicht gestorben fei, sondern, um den Nachstellungen der Revolutionäre zu entkommen, mit feiner Familie ins, Ausland flüchtete. Bei dem offiziellen Schluß des außerordentlichen finnischen Landtages verlas der Generalgouverneur eine Thronrede des Zaren folgenden Inhalts: Vertreter des finnländischen Volkes! Ihr wurdet berufen zu der Beratung der Entwürfe zur Reorganisation der Grundgesetze, desgleichen einiger Gesetze, denen die Bedeutung von Grundgesetzen fehlt, die jedoch die wichtigste Seite des Staatslebens berühren, beispielsweise die Landtagswahlordnung. Nach neun Monaten Arbeit habt Ihr die gestellte Arbeit beendet. Ich habe mich überzeugt, daß Ihr die Arbeit gewissenhaft, ruhig und unparteiisch ausgeführt habt. Einige Gesetzentwürfe habe ich bereits bestätigt, betreffs anderer Euere ausgesprochene Meinung in Erwäaung gezogen. Während des jetzigen Landtages war zum letzten Male die Ständevertretung versammelt; dieselbe schließt jetzt ihre Tätigkeit ab durch die Ausarbeitung des Landtagsstatutes und des Wahlgesetzes, welches das politische Wahlrecht auf alle Bürger ohne Unterschied ausdehnt. Die Regierung wird ihrerseits gesetzgeberische Maßnahmen finden, nm den Wo hlstand der arbeitenden odernotleidenden Mitglieder der Gesellschaft zu bessern. Ich erwarte, daß es bald möglich sein wird, für den Landtag Reformprojekte auszuarbeiten hinsichtlich der wirtschaftlichen Lage der Land- undJndu- striearbeiter. In einer Zeit wie der gegenwärtigen, wo die gesellschaftliche und staatliche Organisation die wichtigsten Seiten des Volkslebens berührst, ist es notwendig, daß alle Wohlgesinnten nach besten Kräften an der Lösung der bevorstehenden Aufgabe sich beteiligen. Ich wünsche von Herzen, daß zwischen den Regierungsbehörden und den Bürgern ein fruchtbare» Zusammenwirken zustande komme. Gemeinsam mit Euch zum Werhöchsten Gebete sendend für das Wohl Finnlands, erkMe ich den Landtag ür geschlossen. Nikolaus. Konvention in den Kolonien, wo die Verhältnisse von den heimischen oft sehr verschieden sind. Die englischen Delegierten brachten einen Antrag ein auf Einsetzung einer ständigen internationalen Kommission, welche die Durchführung dec Uebereinkunft überwachen soll. Da die Beratung des Antrages einer gewissen Opposition begegnete, wurde sie auf morgen verschoben. , Konstantinopel, 18. Sept. Der Sultan begann heute mit der nach der Untersuchung ihm vom Geheimrat Prof. v. Bergmann verordneten Kur. Er trank heute die ersten Gläser Offenbacher Kaiser Friedri ch q uelle. Das Wasser war am Morgen als Eilgut von Offenbach über England und mit besonderen Vorsichtsmaßregeln nach Jildis- kioSk befördert worden. Der Sultan befolgt von heute ab auch die durch Trinken des Wassers bedingte Diät. Bergmann kehrt übermorgen nach Berlin zurück, sein Assistent verbleibt aber auf Wunsch des Sultans bis zur Beendigung der Kur hier. Buenos Aires, 19. Sept. Der Ministerrat beschloß, dem Kongreß ein Projekt vorzulegen, wonach innerhalb der nächsten 8 Jahre 6 % Millionen Pfund Sterling für Vermehrung der Kriegsflotte und der Küstenforts aufgewandt werden sollen. Gleichzeitig sollen aber mit Brasilien und Chile Verhandlungen wegen gemeinsamer Abrüstung geführt werden. DaS Schicksal der Flottenvorlage im Kongreß ist zweifelhaft. (Frkf. Ztg.)_____________________ Heer und Flotte. — Der kommandierende General des 2. Armee-Korps in Stettin, v. Langenbeck, reichte sein Abschiedsgesuch ein. Er kommandiert das Korps seit 9 Jahren. — Gelegentlich der Anwesenheit fremdländischer Offiziere beim Kaisermanöver hat einer der ausgezeichnetsten^ Offiziere der amerikanischen Armee bei dem für die Gäste in Breslau veranstalteten Abschiedsdiner eine bemerkenswerte Rede gchalten. General Duv all ergriff, nachdem er einen Toast auf Kaiser Wilhelm ausgebracht hatte, das Wort, um u. a. folgendes auszuführeu: .... ... w „In unseren Herzen wird em immer waches Gefühl Zurückbleiben, das in aufrichtiger, durch so viel Güte genährter Bewunderung seinen Ausdruck findet, in einer Bewunderung für den deutschen Geist in allen seinen Erscheinungen, für jene vorwärts treibende Kraft des Patriotismus, durch welchen Deutschland so große Fortschritte macht, sei es, daß es diese Kraft der Entwicklung des Wohlstandes und der Künste des Friedens, sei cs, daß es die der Vervollkommnung jenes unentbehrlichen Beschützers dieser hohen Ziele, seiner nationalen Wehrkraft zuwendet, vor allem in einer Bewunderung für den soldatischen Geist, der die Landen des Volkes umgürtet und ihm seine Macht verleiht. Aus Stadt und Land. Sprechstunden der Redaktion 11—1 Uhr vorm., Vs7—V28 Uhr abds. Gießen, 20. Sept. 1906. • • Ordensverleihung. S. K. H. der Großherzog haben dem Gemeindeeinnehmcc Seb. Fritz zu Crainfeld das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps deS Großmütigen verliehen. * * Auszeichnungen. S. K. H. der Großherzog haben dem Forstwart der Kommunalforstwartei Villingen, Förster Johs. Klein III. zu Villingen aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für treue Dienste" verliehen. — Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen durch Entschließung S. K. H. des Großherzogs den Mitgliedern der sreiw. Feuerwehren zu Rodheim v. d. H. Balth. Jakobi VHI. und Jean Hch. Wall. * * Der neue Alsfelder Kreisrat. S. K. H. der Großherzog haben den Vortragenden Rat im Ministerium des Innern Oberregierungsrat Franz Hölzinger ^um Kreisrat des Kreises Alsfeld mit Wirkung vom 16. Oktober, sowie an dessen.Stelle den Rat bei der Provinzialdirektion Rheinhessen Regierungsrat Dr. Otto Heinrichs '(früher in Gießen) zum Vortragenden Rat im Ministerium des Innern mit dem Amistitel „Oberregierungsrat" ernannt. •• Die Wahlen zur Landwirtschaftskammer. Zur Leitung der am 11. Oktober d. Js. vorzunehmenden Wahlen der Mitglieder zur Landwirtschaftskammer und zu den Ausschüssen der Landwirtschaftskammer für die Provinzen hat das Großh. Ministerium auf Grund des § 24 der Wahlordnung für die Provinz Oberhesscn folgende Mahlkommissäre ernannt: ' 1. Wahlbezirk (Gießen): Provinzialdirektor Geheimeren Dr. Breidert zu Gießen. 2. Wahlbezirk (Großen-Buseck): Regierungsrat Dr. Wagner zu Gießen. 3. Wahlbezirk (Lich-Hungen): Kreisamtmann Dr. Merck zu Gießen. 4. Wahlbezirk (Grünberg- Homberg) : Kreisamtmann Dr. Warner zu Gießen. 5. Wahlbezirk (Alsfeld - Groß-Felda): Kreisamtmann Dr. Michel zu Alsfeld. 6. Wahlbezirk (Lauterbach-Schlitz): Kreisrat v. Bechtold zu Lauterbach. 7. Wahlbezirk (Herbstein-Ulrichstein): Kreisamtmann Gebhardt zu Lauterbach. 8. Wahlbezirk (Gedern): Kreisamtmann Haberkorn zu Schotten. 9. Wahlbezirk (Schotten-Laubackp: Kreisrat Geheimer Regierungsrat Schönfeld zu Schotten. 10. Wahlbezirk (Nidda-Echzell): Kreisarntmann Dr. Löslein zu Büdingen. 11. Wahlbezirk (Büdingen-Altenstadt): Kreisrat Böckmann zu Büdingen. 12. Wahlbezirk (Vilbel): Kreisamtmann Werner zu Friedberg. 13. Wahlbezirk (Friedberg): Kreisrat Fey zu Friedberg. 14. Wahlbezirk (Bad-Nauheim): Kreisamtmann Muhl zu Friedberg. 15. Wahlbezirk (Butzbach): Regierungsassessor Weber zu Friedberg. Zu unserer gestrigen Mitteilung über die Kandidaten für die im Kreis Gießen in Betracht kommenden Wahlkreise der Landwirtschaftskammer sei mitgeteilt, daß im Wahlbezirk Gießen Bürgermeister und Abg. Leun in Großen-Linden nicht kandidiert, also Landwirt Weil in Lang-Göns alleiniger Kandidat ist. ** Israelitisch e Lehrer. Durch einen Gesetzentwurf, der der Kammer vorgelegt werden soll, sollen die israelitischen Religionslehrer, die die Lehrerprüfungen bestanden und wöchentlich 20 Stunden Unterricht erteilen, definitiv und mit den gleichen Rechten der Volksschullehrer angesteM werden. Ten meisten Lehrern, die in kleineren Gemeinden amtieren, ist es aber unmöglich, wöchentlich 20 Stunden Unterricht zu erteilen. Ter Vorstand des israelitischen Lehrervereins für Hessen hat deshalb beschlossen, eine Reduzierung der verlangten Stundenzahl zu erwirken. Die Angelegenheit wird auch die Generalversammlung des israelitischen Lehrervereins am 30. Sept, in Frankfurt beschäftigen. •* Verh aftung eines Hochstaplers. In den letzten Wochen kamen in verschiedenen Städten der Umgegend (auch, wie wir seinerzeit berichteten, in Gießen) Betrügereien vor, denen ein besonderer Trick zu Grunde lag. Der Schwindler mietete sich in einem feinen Quartier ein möbliertes Zimmer. Sobald er eingezogen war, bestellte er sich in größeren Geschäften einen Posten feiner Schuhwaren oder Zigarren. Gleichzeitig teilte er dem Geschäfte mit, sie möchten dem Uebcrbringer der Waren das nötige Wechselgeld mitgeben, da er einen Hundertmarkschein in Zahlung gebe. In mehreren Fällen sielen denn auch die Geschäftsleute auf diesen Coup herein und sandten ihren Boten mit den verlangten Waren und dem nötigen Kleingeld in die betreffende Wohnung. Der feine Zinnnerherr nahm dem Boten die Waren ab und ließ sich dann auch das Wechselgeld geben. Dann ging er mit dem Bemerken auS dem Zimmer, er wolle den Schein hereinholen, der Bote möge nur einen Augenblick Platz nehmen. Um der Sache einen unscheinbaren und glaubwürdigen Anstrich zu geben, ließ er gewöhnlich seinen Hut im Zimmer zurück. Am Dienstag morgen ereilte ihn aber in Frankfurt sein Schicksal. Die Kriminalpolizei hatte nämlich festgestellt, daß der Schwindler mit dem 24jährigen stellenlosen Kommis Eugen Kümmerle identisch sein müsse. Er wurde in seiner Wohnung festgenommen. In seinem Zimmer hielt sich auch seine Begleiterin, eine Büffetdame auS Stuttgart namens Lina Frank auf, die ebenfalls sistiert wurde. Die verschiedenen Schwindeleien gestand er ein. Er batte sich gewöhnlich den Vermietern als ein Herr Proß aus Zürich vorgestellt. Er hat nach dem ,Gen.-Anz." dort schon drei Jahre hinter schwedischen Gardinen verbracht und war dann ausgewiesen worden. •• Der geschäftsführende Ausschuß für das 2 6. Lahntal-Sängerfest hielt am Mittwoch seine Schlußsitzung im ,Postkeller" unter dem Vorsitz des 1. Festpräsidenten Stadto. Eichenauer ab. Der Vorsitzende gab zunächst seiner Freude über das schöne Gelingen und das günstige finanzielle Ergebnis des Festes Ausdruck, worauf der Finanzausschuß-Vorsitzende Sekretär Allendorf die Festrechnung vorlcgte und näher erläuterte. Danach betrugen die Einnahmen deS Finanzausschusses 8509.69 Mk. (im Voranschlag waren vorgesehen 7600 Mk.), des Bau- und Ausschmückungsausschusses 2269.35 Mk. (2175 Mk.), des Preßausschusses 900.90 Mk. (1200 Mk), des Wirtschaftsausschusses 4470.98 (3650) Mk., des Empfangs- und Wohnungs- auSschusses 1674.55 (1300) Mk.), des Gesang- und Musik- ausschusscs 26.88 (60.00) Mk. und des Zug- und Ordnungsausschusses nichts (15 Mk.). Verausgabt wurden vom geschäftsführenden Ausschuß 1010.62 (620) Mk., vom Finanz- ausschuß 315.65 (350 Mk., vom Bau- und Ausschmückungs- ausschuß 13362.94 (12370) Mk., vom Preßausschuß 843.31 (950) Mk., vom Wirtschaftsausschuß 206.69 (150) Mk., vom Empfangs- und Wohnungsausschuß 643.50 (900) Mk., vom Gesang- und Musikausschuß 1602.37 (1500) Mk., vom Vergnügungsausschuß 492.77 (560) Mk. und vom Zug- und Ordnungsausschuß 346.15 (300) Mk. Der Gesamt- Einnahme von 19 833,83 Mk. stehen 18824 Mb. Ausgaben gegenüber, sodaß sich ein Ueberschuß von 1009,8 3 Mark ergibt. Hiervon gehen noch 200 Mk. ab, die die vier Bundesvereine zur Deckung der ersten Auslagen vorlegten, sodaß rund 810 Mk. Reinüberschuß bleiben. Jv der sich anschließenden Besprechung würde festgestellt, daß die Ausschüsse im Rahmen ihrer Voranschläge gearbeitet haben und die Mehrausgaben auf Nachbewilligungen zurückzu- führen sind. Die Rechnung wurde genehmigt und Herrn Mlendorf und Herrn Sekretär Luh, dem Festrechner, Dank für ihre mühevolle und gewissenhafte Arbeit ausgesprochen. Für den Bundesdirigent und einige bei den Festarbeiten besonders in Anspruch genommene Herren wurden aus dem Ueberschuß 350 Mk. Remunerationen bewilligt, der dann noch verbleibende Ueberschuß soll an die hiesigen Bundesvereine des Lahntalsängerbundes zu gleichen Teilen verteilt werden. Der Vorsitzende dankte dann noch allen, die zu dem guten Gelingen des Festes beigetragcn haben, und brachte dem Lahntalsängerbund ein Hoch aus. Herr Challier sen. sprach hierauf dem verdienstvollen Vorsitzenden den Dank der Ausschußmitglieder für seine eifrige und sachliche Geschäftsleitung aus, während Herr Todt allen aus Mchtsängerkreisen stammenden Mitarbeitern an dem Fest namens der hiesigen Bundesvereine herzlichen Tank aussprach. ** Die Herbstkonferenz der Gewerbeauf- s ichtsbeamten fand n. d. „Darnist. Ztg." am 15. d.M. unter dem Vorsitz des Ministerialrates Dr. Usinger in der Mteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe des Großh. Ministeriums des Innern statt. Auf der Tagesordnung standen folgende Punkte von allgemeinem Interesse: Bedeutung der Tarifverträge, Erhebungen über die Zustände in der Heimarbeit, Einrichtung von Bäckereien, mehrere Fragen des Kinderschutzes, Verunreinigung von Bächen durch Gewerbebetriebe, Anzeigepfticht der Motoren u. a. *' Der Gesundheitszustand unseres Infanterie-Regiments ist ausgezeichnet, wie unS von zuverlässiger Seite mitgeteilt wird. Insbesondere ist die von mehreren Blättern verbreitete Nachricht, daß ein Reservist des Regiments an einem Herzschlag gestorben sei, nicht richtig. — Wir hatten von der fraglichen Meldung keine Notiz genommen, da derartige unbestimmte Nachrichten ohne Namensnennung geeignet sind, die Angehörigen von Reservisten zu beunruhigen. Das falsche Gerücht scheint auf eine Verwechslung der Regimentsnummern zurückzuführen zu sein. '"EineMeinungsverschiedenheit im Büdinger Stadtvorstand kam in der gestrigen Sitzung des Prov in- zial-Au8schusses zur Verhandlung. Man berichtet uns hierüber: Betreffs der Meinungsverschiedenheit zwischen dem Gemeindevorstand und der Mehrheit des Gemeinderats zu Büdingen hatte am 23. Mai d. I. Verhandlungstermin vordem Provinzial-AuSschuß stattgefunden. In dieser Sache handelte es sich um die Bestimmung des Platzes für ein neu zu erbauendes SchulHau8. Der Gemeinderat hatte einen solchen am sogen. Wildenstein in Aussicht genommen. Nachträglich verlangte ein Teil des Gemeinderats, daß die Frage, welcher Platz zu wählen sei, abermals zur Beratung gestellt werde. Der Bürgermeister weigerte sich dessen, da diese Frage durch die früheren Beschlüsse abgetan sei. Der Kreisausschuß des Kreises Büdingen erkannte den Bürgecmeister und den Gemeinderat für verpstichtet, die Angelegenheit nochmals einer Beratung zu unterziehen, da dies von der nach der Landgemeindeordnung erforderlichen Anzahl von Mitgliedern des Gemeinderats beantragt worden sei, und der Gemeinderat das Recht habe, seinen früheren Beschluß wieder umzustoßen. Der Provinzial-AuSschuß verwarf den seitens des Bürgermeisters und der Gemcinderats-Minderheit gegen dieses Erkenntnis eingelegten Rekurs kostenfällig. '* Der Fall Hirsch el. In der Strafsache gegen den Abgeordneten Hirsche! wegen Unterschlagung ist die Verhandlung vor der hiesigen Strafkammer nunmehr definitiv auf Freitag, 19. Oktober anberaumt. ** Das Pröble ul der Landflucht. Unter Bezug auf den hierauf bezüglichen Antrag des Abg. Köhler schreibt man uns: Wenn ich nicht irre, wird nach dem neuen Militärpensions- gesctz deneil, die den Zivilveriorguugsschein nicht benutzen, eine einmaliae Abfindungssumme von 3 0 0 0 M n r f gezahlt, wenn sie damit sich ihrem früheren Beruf entsprechend selbständig machen wollen. Wie viele davon Gebrauch machen, bleibt abzuwarten. Die Meisten gehen zum Militär, um seste Staats- ober Koinnlunalstellungen zu erhalten. Würde ihnen ihr Beruf zusagen, blieben sie wohl nicht zwölf Jahren beim Militär. Zwölf Jahre aber entfremden den Menschen seinem früheren Berni. Vielleicht aber wurde bisher mancher Beamter, weil lhm die Mittel zur Selbständigkeit fehlten. ’• Die Viehseuchen sind in Oberhessen noch ziemlich verbreitet. Vor allem ist es der Schweinerotlauf, er herrschte in letzter Zeit in Gießen, Langsdorf, Lang-Göns, Watzenborn-Steinberg, Hungen, Birklar, Münster, Burg-Gemünden, Bleidenrod, Alsfeld, Oberndorf, Langen- bergheinl, Dauernheim, Michelnali, Rieder-Mockstadt, Hof- Leustadt, Gedern, Oberschmitten, Wetterfeld, Ulrichstein, Friedberg, Hoch-Weisel, Bodenrod, Nieder-Weisel, Staden, Schlitz, Metzlos, Büdesheim, Bad-Nauheim und Vilbel; die Schweinepest ist in Oberhessen fast erloschen und herrschte nur noch in Gießen und Vockenrod, Milzbrand nur in Muschenheim, Rausch brand in Lang-GönS, Muschenheim, Klein-Linden, Alten-Buseck, Eichelsdorf, Eschenrod, Oberschmitten und Nieder-Seemen. (z.) Kinzenbach, 19. Sept. Jü unferm Dorfe hält eine kleine Schäfereig^sellschaft noch nach- wie vor an der Schafzucht fest. Leider ist die Schafzucht in unferer Gegend immer mehr in Abgang gekommen, denn Wolle und Fleisch der Schafe waren bis vor kurzem sehr niedrig im Preise, auch will sich oft kein Schäfer mehr finden. Daß aber die Schafzucht noch für den Landwirt durchaus nutzbringend ist, dafür gibt der lebhafte Schafhandel den besten Beweis. So wurden heute hier alte jungen Hammellämmer aufgekaust und das Stück durchschnittlich mit 24 bis 26 Mk. bezahlt. dl. Friedberg, 20. Sept. (Drahtmeldung.) Heute vormittag besuchte der Reichskanzler Fürst Bülow mit dem Grafen Oriola unsere Stadt. Die Herren besichtigten die Stadtkirche, das Schloß und die Burg und fuhren sodann um 9 Uhr 32 Min. nach Homburg weiter. ie. Friedberg, 18. Sept. Das Großh. Ministerium der Finanzen, Abteilung für Forst- und Kameralverwaltung, hat auch in diesem Jahre der Landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft für O b e r h e s s e n, e. G. m. b. H., die Lieferung von künstlichen Düngemitteln, insgesamt 9000 Zentner Thomasmehl, 5600 Zentner Kainit, 1200 Zentner SuperphoSphat, zur Düngung der Domanialwiesen und Forstgärten übertragen. — Hungen, 18. Sept. Die Feldbereinigung ist beendet, und es wurde mit der Verteilung und Uebergabe der Grundstücke begonnen. Eine begreifliche Erregung hat sich infolgedessen der landwirtschaftlichen Bevölkerung bemächtigt. x Grebenhain, 18. Sept. Wegen der projektierten Bahnlinie Grebenhain-Lichenrot-Bir- stein weilte dieser Tage auf der schon voriges Jahr abgesteckten Strecke der Vorsitzende de§ Bahnkomitees Kaufmann Heß-Birstein und Ingenieur Lauterbach-Kaffel. Sie nahmen mehrtägige Besichtigungen und Vermessungen vor und äußerten, daß beste Aussicht auf baldige Erbauung der Bahn vorhanden sei. Die Bahnstrecke soll den südlichen Vogelsberg mit dem Kinzigtal bei Wächtersbach verbinden. Sie soll von Birstein als Fortsetzung der Strecke Wächters- bach-Birstein über Reichenbach nach Fischborn führen, den einen Höhenzug überschreiten, um bei Radmühl ins Tal der Salz zu gelangen. Von hier führt die Bahn über Lichenrot nach Bermuthshain und Grebenhain. Die Gemeinden haben sich zur kostenlosen Geländestellung bereit erklärt. Darmstadt, 19. Sept. Heute nachmittag um 3 Uhr fand im Residenzschlosse Manövertafel statt, an der S. K. H. der Groß Herzog teilnahm. Eingeladen waren der kommandierende General des 18. Armeekorps v. Eichhorn, die Generalität und die Stabsoffiziere, im ganzen 60 Personen. W. Frankfurt, 19. Sept. Die Villenkokonie Bu ch fch la g hat sich bisher sehr günstig entwickelt. Alleen und Plätze haben Namen erhalten und sind mit Silberlinden und dunkelblättrigem Ahorn eingefaßt. Die Bebauung des im Zentrunk liegenden Baublocks geschieht einheitlich nach den vom Architekten Meißner in Darmstadt entworfenen Grundsätzen. Augenblicklich sind 16 geschmackvolle herrschaftliche Villen, darunter Mi Doppelvillen fast vollendet und'eine Anzahl Neubauten projektiert. Tie Kanalifation und die Wasserleitung find vollständig fertig, ebenso ist auch die Gasleitung bald vollendet, sodaß die Bewohner auf städtischen Komfort nicht zu verzichten brauchen. Da der Bahnhof Sprendlingen unmittelbar neben Vuchschlag liegt, so hat die Main-Neckar-Bahn eine Anzahl wesentlicher Zugverbesserungen eingeführt, sodaß man Buch- schlag auch noch mehrfach des Nachts — nach dem Theater und nach Festlichkeiten — mit 15 Minuten Fahrzeit bequem erreichen kann. Der überaus billige Geländepreis, eine Mark für den Quadratmeter, und der Wunsch, in gesunder Hochwald frische ein eigenes behagliches Heim mit großem Garten zu besitzen, ohne die schnell erreichbaren Annehmlichkeiten der Großstadt zu entbehren, eignen den Aufenthalt in Buchschlag besonders für überarbeitete Geschäftsleute, wie für Rentiere und Pensionäre. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In unserem gestrigen Straskammerbencht befindet sich ein überaus törichter Druckfehler. In der 30. Zelle muß es statt „Svottliebhabereien" heißen „Sportliebhabereien". - Zu der am 23. Sept, stattfindenden Turn fahrt des Turnerbundes Lahn-Dünsberg auf der Badenburg .haben sich 48 Wetturner a.ngemelbrt. — Tas vorläufige Ergebnis der der Untersuchung der Schieß-Affäre auf dem Bahnhöfe zu Auerbach hat ergeben, daß die Kugel nicht vom Zuge aus geflogen kam. Ms mutmaßlicher Täter gilt ein Unteroffizier, der bei einem Bahnwärterhäuschen sich im Schießen übte. Der Zustand des hierbei schwer verwimdeten Streckenarbeiters ist befriedigend. - In Ober-Mockstadt verletzte ber emer Sttxr- tigkeit ein Mann seinen Bruder schwer durch drei Messerstiche in den Unterleib. Der Täter wurde verhaftet. vermischte». * Vom Taifun in China. Tie letzten Nachrichten aus Hongkong stellen fest, daß 100 0 Menschen im Taifun iim9e. qjon 1 Junten. Hongkong • . Europa f 5(linp,er§/rhen. < r, a ^annßflnbe di- nimmt, W ' bann ba§ N früheren ®atter .Land der nnb Kaufmann nm Virginia lebt, 1 er jedoch em n engagiert 1“' sm- erfte M mit feinem* in eine junge t 3um Altar suh' Frau derart sch halten konnte, erklären, daß e zwei Frauen hc allerdings nicht während die z vereine. • $ie Hin kanntlich die K Ein zum Christe wie er einem ai reichen Sprache1 auseinandersetzte andere Kaffer t fragte dann: , Der Erzähler d „Rein, bis in i • Die in die fanatische ri erwarten und 1 suchen, gibt bei Wie vor zwei s selben mit Hinkt war nicht zur 9i Dnchoborzm fite es Mord fei, eint gefeiten baoon, b nichts am 2eibe, noch Wolle. Wiele Zuge, und es mux geboten werden, \ Wibtn. Die An Wt, und ße 0 öderes zu effen, wehren sch überhe sie wird ihnen m gepumpt. Eine fu Zigsten Erschein, Kuba zwischen de Kenten Palma c Wrenn einer 9(1 mn vorigen Mr Negierungstrupper M 65die i guon f "nb. di- Off*, „V'" 66, * 816h 2"°den nutet dem belle I ' "* in i «9'f* det $ "W DHD sonen an°^Mch uellelst tJVläbe E Word ! und noch tne bei bem 2^ ! &ubet ober q" Wuchert Laders Fra,, ober SÄh vNejan-M.9I1^ t. Serh?C|fQnb?^V’n' btt ew?'ers eldbereinigung ist mg und Uebergabe bet fy Erregung hat sich 'üölteaing -mächtig Btgtn her projtl» -Lichenrot-Bir- voriges Jahr abge- irfomittel i^tn vor md Quarten, jt Erbauung der :de soll den südlichen !achterSbach verbinden. der Skecke Wüchter-' FWorn führen, den i Radmühl ins Tal der jie Bahn über Die Gemeinden W ereit erklärt. . nachmittag M 3 W afel M an bett Az»" -;T- »S$ und iwd ;SSyS Ä?# barU1iterÄojeftiert. il ®ub0(5 tiitä* fei tun? bet, sodaß ng verM" ifort Mittelbar nebe" inqen nnnnN man jts 7 'S? »M» ■' ,s ®®ks Ks» -tzHS ru/^Tvorill fahrl KHZ '«Zstzx SZS» , 1 'n die N 0,n ■8««fcb1 J schreibt neuen M:,!,. 30 00 A^'ße», eint "neben, biA°"djg '"" iesie Kt QbAUfl. i"'en i[)t m ^ats- oj) Elitär, ärfl^en, Kd- y«Ä *;«*i*g- iei^lab,„:£ * Sita;”: K"lnb h---lqi- ,Dbtanb nut in Eschenrod, Ober- 1 unßerm Dorfe halt ft 1301 un der frucht in unserer lonnnen, d-nn Wolle kurzem sehr nichtig ?W. mehr finden, a ^andtmrt durchaus alte Schafhandel den E Mgen Lammet- urchschMich mit 24 ^rahtmeldung.) heute '"Fürst Bülow mit Die Herren besichtigten önrg und fuhren so- itß weiter. » Großh. Mnisten!' ib KameralvernE ndwirtschaftliö!- essen, e. ®.ni.Ej„ itteln, insgesamt M Kainit, 1200 Zecker lanialwiesen und Forst' nmgefommen sind; 12 Schiffe sind gesunken, 24 gestrandet. Von den Fahrzeugen der Eingeborenen ist die Hälfte gesunken. Die Verladungen sind wegen Mangel an Leichterschiffen ins Stocken geraten. Der Gouverneur von Hongkong glaubt, daß die Zahl der verunglückten Chinesen sehr groß ist, während seiner Kenntnis nach nur sechs Europäer ums Leben gekommen sind. An Bord des Dampfers „Fatshcm" sind 4 Offiziere und 2 Zivilpersonen getötet worden. Von S chi ffsb esa hu ng en sind 2 0 0 Mann u m gekommen. Im Ganzen sanken 8 Dampfer, hiervon 6 an der Küste. Im Pearlfluß sanken über hundert Boote, wobei viele Eingeborene unikamen. Ein amerikanisches Segelboot wiirde völlig aiis dem Waffer gehoben. Die Behörden von Hongkong sandten Hilfe. Der Gesaintschaden wird auf mehrere Millionen geschäht. • D i e geschiedene Frau alsKöchin. Daß jemand die Frau, von der er sich hat scheiden lasten, als Köchin nimmt, läßt sich noch hören, daß aber die geschiedene Frau dann das Hochzeitsmenu zur zweiten Verehelichung ihres früheren Gatten kocht, dürfte ein Fall sein, der sich nur im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten" ereignen kann. Ein Kaufmann namens John C. Putner, der in Daneville in Virginia lebt, ließ sich kürzlich von seiner Frau scheiden. Da er jedoch ein Feinschmecker war, und die Haushälterin, die er engagierte, seinen Erwartungen nicht entsprach, so nahm er seine erste Frau als Köchin ins Haus. Sein Herz aber hielt mit seinem Magen nicht gleichen Schritt, und er verliebte sich in eine junge hübsche und niusikalische Lehrerin, die er auch zum Altar führte. Da? Hochzcitsdmer war von seiner ersten Frau derart schmackhaft zubereitet, daß Putner sich nicht enthalten konnte, seinen Kästen in einer wohlgeschten Rede zu erklären, daß er der glücklichste Mann in Amerika sei, da er zwei Frauen habe, von denen die eine, mit der er gesetzlich allerdings nicht mehr vereinigt sei, gut zu kochen verstände, während die zweite alle gesellschaftlichen Vorzüge in sich vereine. • Die Himmelsküche. In Südafrika werden bekanntlich die Kaffern besonders in der Küche verwendet. Ein zum Christentum bekehrter Zulu wurde kürzlich überhört, wie er einem anderen Kaffer in der bilderreichen und klangreichen Sprache seines Stammes die Herrlichkeiten des Himmels auseinandersehte, die er in einem Traume gesehen hatte. Der andere Kaffer hörte mit offenem Munde staunend zu und fragte dann: „Hast Du auch Kaffern im Himmel gesehen?" Der Erzähler dachte einen Augenblick nach und sagte dann: „Nein, bis in die Küche bin ich nicht gekommen." • Die in Kanada angesiedelten Duchoborzen, die fanatische russische Sekte, die das Wiederkommen Christi erwarten und von Zeit zu Zeit ausziehen, um ihn aufzusuchen, gibt der kanadischen Regierung abermals zu schaffen. Wie vor zwei Jahren, so ist jetzt auch wieder ein Teil derselben mit Hinterlassung von Hab und Gut ausgezogen und war nicht zur Rückkehr 511 bewegen. Wie bekannt, sind die Duchoborzen strenge Vegetarianer und behaupten auch, daß cs Mord sei, einem Tiere das Leben zu nehmen. Ganz abgesehen davon, daß sie kein Fleisch essen, tragen sie auch nichts am Leibe, was tierischen Ursprungs ist, weder Leder noch Wolle. Viele von ihnen befanden sich ganz nackt im Zuge, und es mußte schließlich eine starke Polizeimacht aufgeboten werden, um sie nach ihren Ansiedelungen zurück- zutreibcn. Die Anführer der fanatischen Bande wurden verhaftet, und sie verweigern es jetzt, im Gefängnis etwas anderes zu essen, als Obst und rohe Kartoffeln. Einige wehren sich überhaupt, Nahrung zu sich zu nehmen, und sie wird ihnen nun im flüssigen Zustande mit Gewalt ein- geptimpt. * Eine kubanische Amazon e. Eine der eigenartigsten Erscheinungen in den Kämpfen, die gegenwärtig auf Kuba zwischen den Insurgenten und den Truppen des Präsidenten Palma ausgefochten werden, ist eine Frau, die als Führerin einer Abteilung der Aufständischen auftritt und erst nm vorigen Mittwoch nach einem erbitterten Nahkampfe den Regierungstruppen eine empsindliche Niederlage beigebracht hat. Es ist die Senora Clara Santos, die Frau des reichen Pflanzers Juan Santos, die ihre Frauenkleidung abgelegt und die Offiziersuniform ungezogen hat. Man hatte so großes Vertrauen zu ihrer militärischen Tüchtigkeit, daß inan ihr den Befehl über 100 Mann anvertraute. Am Mittwoch traf nun ihre Abteilung bei Guines auf einen Trupp Landgarden unter dein Obersten Estrempes, der ausgesandt war, die Rebellen anzugreifen. Ein hartnäckiger Kampf entspann sich, während dessen die Senora Santos an der Spitze ihrer Leute mitten in die feindlichen Reihen ritt, rechts und links Hiebe mit dem Säbel austeilend. Die Insurgenten brachen angesichts der Kühnheit ihrer Führerin in ein begeistertes Hurra aus und stürmten mit Todesverachtung hinter ihr her, so daß die Recsierungslruppen sich bald zur Flucht wandten. * Kl e in e T a g c s ch r 0 u i k. Beim Exerzieren im Manövergelände bei Loitkirkeby 'Schleswig) wurde der Füsilier Meder von einer Platzpatrone im Gesicht getroffen und auf der Stelle getötet. — In Recklinghausen erkrankte eine aus Oesterreich stammende Bergarbeiter-Familie schwer nach dem Genuß von Pilzen. Der Zustand des Familienvaters und eines Kindes ist hoffnungslos. — In der russischen Stadt Tomaschow erkrankten gelegentlich der Feier eines Konfirmationsfestes 50 Personen an Fi.scbv eraiftung, 19 starben. Es wurde fest- gestellt, daß in den M e s s i n g t ö p f c n , in denen Fische gekocht worden waren, sich Grünspan angesetzt hatte. — Es sind noch folgende deutsch klingende Namen von Personen, die bei dem Erdbeben von San Francisco seinerzeit umgekommen sind, bekannt geworden: Frau Groß, Lander ober Lauder oder Landers, Friedrich Rauscbkolf, Rosenbera. Henri Schmuchert oder Schuhmacher, Adolf Schwerin oder Schwinn, Frau Emily Schwerin oder Schwinn. — Die Gräfin Comminges in Paris, die vor einigen Monaten ihren Gatten verließ, um ihrer Neigung zu dem Leutnant de Berthier nach Sauvlgny zu folgen, schoß sich in dessen Wohnung eine Kugel in den Kopf, weil der Leutnant des Verhältnisses überdrüssig geworden war und mit ihr brechen wollte. Tie Verwundung scheint lebensgefährlich zu sein. Arbeiterbewegung. Berlin, 19. Sept. Die ausständigen Kohl en - ar beiter beschlossen heute, morgen die Arbeit zu den a lten Bedingungen auf allen Kvhlenplätzen wieder aufzuneh- in e n. Einzige Bedingung ist, daß keine Mastregelungen erfolgen 'und zum 1. Januar eine Erhöhung des Lohnes um 3 Pf. pro 'Stunde zugestanden wird. , . Verviers, 19. Sept. Die Aussperrung von Arbeitern hat -hier eine ernste Lage geschaffen. Heute wurde eine mit Pulver iinb Eisenstücken gefüllte Bombe gefunden und auf das Pollzer- amt gebracht. Die Zündschnur war noch nicht angebrannt. Dagegen explodierte auf dem Platz Verte eine Tynamrt- Patrone in der Nähe der Straßenbahn. Die Explosion verursachte eine große Panik, aber geringen Schaden. Die Zahl der Ausgesperrten wird auf 20 000 geschützt. Die sozialistische Presse eröffnet eine Subskription zu gunsten der Ausgesperrten. Mons, 19. Sept. 1200 Grub enarb eiter der Grube „Grand Hornu", denen nur 10 Prozent anstatt 20 Prozent Lohnerhöhung bewilligt wurde, sind in den Ausstand getreten. Auch die Marmor ar beit er der Umgegend sind ausständig. Die Polizei fort einen Franzosen, den Vorsitzenden des internationalen Marmorarbeiterverbandes, ausgewiesen. Mailand, 19. Sept. Um gegen die angebliche willkürliche Verhaftung von Genossen zu protestieren, wurde von den Trambahn-Bediensteten der Ausstand erllärt. Die Ausstandsbewegung am Logo Maggiore nimmt große Dimensionen an. Gegen 20 000 Arbeiter streiken. Landwirtschaft. - Kinzenbach, 19. Sept. Für Vollreife Zwetschen zahlt man augenblicklich hier 3 Mark im Zentner; sie werden in Körben nach Frankfurt a. M. versandt. Gerichtssaal. Essen, 20. Sept. Die Strafkammer verurteilte den früheren Bankier Brandöd ter, der für überführt erachtet wurde, 430 Bohranteile der Kali-Bohrgesellschaft Hattorf zu eigener Bereicherung unrechtmäßig ausgegeben zu haben, zueinernJahre Gefängnis. 6 Monate Untersuchung wurden angerechnet. Der Staatsanwalt hatte 2 Jabre Zuchthaus beantragt. Meteoroloqiscke Beobachtungen der Station Gießen. K ■S Wetter NNE Still September 1906 9,1 7,7 7,0 19. 19. 20. 749,7 749.1 749,5 12,0 8,3 6,8 88 94 94 Bed. Himmel Klarer „ Lichter „ vo 2" 9" 71s ■e - & Höchste Temperatur am 18.—19. September — + 13,0 ° C. Niedrigste „ „ 18.-19. „ = + 6,00 C. Voransfichlliche Witterung in Hessen für Freitag, den 21. September: Mäßige östliche Winde; vielfach neblig. Messt trocken; Temperatur nicht erheblich geändert. Orrgnral-Drahtmel-nngen. Abg. Häusel ch. sd. Darmstadt, 20. Sept. Der Landtagsabgeordnete Gg. Häusel ist heute vormittag in Michelstadt einem Schlaganfall erlegen. (Häusel war 1851 zu Steinbach bei Michelstadt geboren und lebte in Michelstadt als Kreistechniker und Zeichenlehrer. Auch war er Kreisfeuerwehrinspektor. Er vertrat seit 1899 in der hessischen Zweiten Kammer den Wahlbezirk Höchst-Michelstadt und gehörte der nationalliberalen Partei an. Er war ein arbeitsfreudiges Mitglied und wirkte namentlich mit Erfolg im Finanzausschuß. In allen politischen Fragen erwies er sich als ehrlich liberal gesinnt, während er in wirtschaftspolitischen Fragen der Richtung Haas zuneigte. Bekannt ist sein zähes Eintreten für eine andere Bemessung der Mietentschädigungen für Dienstwohnungen, eine Frage, deren definitive Regelung er nicht erleben sollte. Da die Wahl seines Nachfolgers durch die Wahlmänner der letzten Wahl vorgenommen wird, ist die Wahl eines nationalliberalen Abgeordneten in dem sonst stark von den Sozialisten bedrohten Wahlkreis sicher.) sd. D a r m ft a d t, 20. Sept. Heute verhandelte die Strafkammer gegen den Redakteur Friedr. Hannemann und den Redakteur Albert Vandlow vom „Darmst. Tägl. Anz." wegen Beleidigung des Reichstagsabg. Berthold. Es stellte sich bei der Verhandlung heraus, daß H. bei der Mfassung der Notiz, in der behauptet wurde, Berthold sei sinnlos betrunken gewesen und deshalb in einer Wirtschaft verspottet worden, das Opfer einer Mystifikation wurde. H. erhielt mit Rücksicht aus seine politische Stellung und Tätigkeit den Schutz des § 193 zugebilligt und wurde von Strafe und Kosten freigesprochen. B a n d l 0 w wurde zu 5 0 M k. Geldstrafe verurteilt und dem Beleidigten wurde die Publikationsbefugnis im „Darmst. Tagt. Anz." zugebilligt. fc. Hornburg v. d. H., 20. Sept. Heute vormittag 10 Uhr 19 Min. kamen Reichskanzler Fürst Bülow und Gemahlin hier an. Sie wurden am Bahnhof vom Oberbürgermeister v. Marx begrüßt. Der Reichskanzler bewohnt den sog. englischen Flügel im Kgl. Schlosse, in dem auch einige Beamte der Reichskanzlei untergebracht sind. Köln, 19. Sept. Die „Köln. Ztg." meldet aus Peking von heute: Die deutschen Reichstagsabgeordneten setzten nach kurzem Aufenthalt die Reise von hier nach Tientsin fort. Sie sind von dem hiesigen Aufenthalt sehr befriedigt und erkennen namentlich dankbar an, daß ihnen die chinesischen Behörden bei jeder Gelegenheit das größte Entgegenkommen gezeigt haben. Essen, 20. Sept. Der Vorsitzende des Verbandes der Bergarbeiter richtete an Efferts ein Schreiben mit der Aufforderung, eine Konferenz einzuberufen zur Besprechung der L 0 h n fr a g e. Efferts erließ über die Notwendigkeit der Konferenz eine Rundfrage. Die christlichen Gewerkschaften wollen die Lohnfrage durch Ausschuß regeln. Sollte dies erfolglos sein, ist ein weiteres Vorgehen der Siebenerkommission zu erwarten. Berlin, 20. Sept. Der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde hat an den Reichskanzler ein Telegramm gesandt, in dem dieser gebeten wird, soweit es die Interessen des deutschen Vaterlandes gestatten, den bedrängten Juden in Rußland seinen Beistand zu gewähren. — Wie der „Vorwärts" mitteilt, ist Rosa Luxemburg vor einigen Tagen aus Rußland nach Deutschland z u r ü ck g e k e h r t. Vom Landgericht zu Weimar ist sie wegen Aufreizung 31t Gewalttätigkeiten augeklagt. Berlin, 20. Sept. Wie von direkt beteiligter Seite mitgeteilt wird, bestätigt sich die Ausweisung des deutschen Schiffes „Meteor" aus dem Hafen Plymouth. Ter englische Hafenbeamte soll sich außerdem schwerer Beleidigungen gegen die Deutschen schuldig gemacht haben. Tie Hamburg-Amerika-Lime ha. die Angelegenheit zur Verfolgung auf diplomatischem Wege der Reichsregierung übergeben. . , Kobürg, 20. Sept. Der Kaiser und die Kaiserin reiften gestern abend 11 Uhr nach Karlsruhe ab. London, 20. Sept. Der Scho ttl and-Expreß zug, der mit zahlreichen Passagieren London verlassen hatte, entgleiste bei der Stadt Grantham. Der Zug stürzte den Bahndamm hinab und die Trümmer gerieten in Brand, der mehrere Stunden andauerte. Bis jetzt wurden sieben Leichen Verunglückter geborgen. Grenoble, 20. Septr. Die Vorstände sämtlicher Arbeiter-Syndikate beschlossen gestern abend, heute den Genera laus stand zu beginnen. Die Setzer kamen heute morgen nicht zur Arbeit, weshalb heute keine Zeitungen erscheinen. Paris, 20. Sept. Eine Bande von Wüstlingen und ihrer Helfershelfer, die über Automobile verfügen, operiert geqemvärtig mit unerhörter Verwegenheit vornehmlich in der Nähe des Triumphbogens. Die Mitglieder der Bande entführen auf offener Straße junge Mädchen. Baven0 (Oberitalien), 20. Sept. Der General- strcik im Industriegebiete am Langen See ist vollständig und breitet sich in der Umgegend aus. Bisher streiken etwa 20 000 Arbeiter einschließlich der Bäcker. Wien, 20. Sept. Hiesige Blätter melden, daß im Angezzotal vier leichte Erdbeben st öße gespürt wurden. Esseg, 19. Sept. Heute veranstalteten Maurergesellen eine Kundgebung gegen einen Baumeister, weil er Akkordarbeiten vergab. Die Temonsrranten zertrümmerten die Fenster und Türen und drangen in das Baubureau ein, dessen Einrichtung sie zertrümmerten. Der Baupolier gab drei Revolverschüsse ab, wodurch Arbeiter verletzt wurden. Zwölf Personen wurden verhaftet. Riga, 19. Sept. Die in deutscher Sprache erscheinenden Blätter bringen an leitender Stelle einen Ausruf aus Kurland an die deutsche L a n d e s j u g e n d , in welchem diese auf- gefordert wird, sich zur Abwehr b er revolutionären Banden, die von der internationalen Sozialdemokratie geleitet werden, zusammenzuschließen. Die Verteidigung des heimischer Herdes sei die beiUgfte Pflicht. Alles sei fertig zur Selbstwehr, nun sei die Reihe an der Jugend. Oran, 20. Sept. Im Walde von Aya wurden die furchtbar verstümmelten Leichen des Generalpostinspektors Dubois und des Postbeamten Barbier gefunden. Beide sind offenbar einem Raubmord zum Opfer gefallen. Dubois trug 1000 Frcs. bei sich. Dar-es-Salaam, 19. Sept. Aus Sansibar wirb hierher gemeldet, daß dort gestern früh sämtliche Soldaten und Polizisten wegen höherer Lohnforderungen in den Aus- stand traten. Der Premierminister konnte weder die Ordnung Herstellen, noch die beiden höchsten farbigen Offiziere vor Mißhandlungen schützen. Schließlich fuhr der Minister nach Chukwani, dem Landhause des Sultans, rind brachte diesen zur Stadt. Durch eine kurze verständige Ansprache des Sultans an die Abgesandten der Streikenden wurde die Sache beigelegt. Der Sultan versprach, sich persönlich für die Angelegenheit der Soldaten und der Polizisten zu interessieren. Hongkong, 19. Sept. Bei dem gestrigen Taifun, der ganz unerwartet kam, sind von 19 hier liegenden deutschen Dampfern folgende sechs gestrandet: Petrarch, Emma Luyken, Johanne, Apenradc, Signal und Sexta. Schwer beschädigt wurden Prinz Waldemar, Deyawongse, Chowtai, Rajah, Sullberg und Quint. Menschenverluste unter Reichsdeutschen sind nicht zu be- llagen. Hongkong, 19. Sept. Die Mehrzahl der Eingeborenen von Samvangs ist bei dem Taifun umgekommen. Polizei n>nd Zivilpersonen retteten Hunderte von Eingeborenen, ein japanisches Schiff allein 66 Personen. Die Chinesen belagern die Polizeiwache, um die Toten zu rekognoszieren. Es herrscht völlige Ruhe. Die öffentliche Meinung ist sehr aufgebracht gegen die Leitung des Observatoriums, welche den Taifun nicht rechtzeitig angekündigt hat. Der englische Kreuzer Terrible ist hier eingetroffen, ohne etwas von dem Cyllon gemerkt zu haben. New York, 19. Sept. Die Kontinental Cable Gesellschaft meldet, daß die Telegraphenvcrbindungen mit Canton und S w a 10 w unterbrochen sind. Man befürchtet, daß auch diese Städte durch den Taifun vernichtet worden sind. Schiff-nachrichten. Red Star Linie. Ter Postdampfer „Vaderland" der „Red Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 18. September wohlbehalten in New-Pork angekommen. Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Giessen. Frankfurter Biirse, 20. September, 1.15 Uhr. 3%e/0 Reichsanleihe . . 98.80 3% do. . . 86.50 3j^°/o Konsols .... 98.65 3-6 do 86 50 3^°/o Hessen 98.15 3^’4 Oberhessen . . . — 4°o Oesterr. Goldrente. . 99.40 41/8?o Oesterr. Silberrente 100.10 4?o Ungar. Goldrente . . 94.85 4% Italien. Rente . . . 103.10 3% Portugiesen Serie I . 69.70 3% Portugiesen „ III 70 80 4 >£6/0 russ.Staatsanl. 1905 85.40 4%°/n japan.' Staatsanleihe 93.50 4 % Conv. Türken von 1903 95 60 Türkenlose 145.80 4% Griech. Monopol-Anl. 54 00 4% äussere Argentinier . — — 3°/0 Mexikaner .... 68.70 4j£% Chinesen .... 98 60 Aktien: Bochum Gass 244.00 Buderus E. W .... 125.00, Tendenz: fest. Berliner Börse, 20. Canada E. B 178.10 Bannstädter Bank . . . 139.80 Deutsche Bank .... —.— Dortmunder-Union C. . . 84.20 Dresdner Bank .... 158.30 Tendenz: geteilt. Elektriz. Lahmeyer . . . 141.00 Elektriz. Schuckert . . . 129.50 Eschweiler Bergwerk . . —.— Gelsenkirchen Bergwerk . 225.00 Hamburg-Amerik. Paketf. 158.75 Harpener Bergwerk. . .214.75 Lanrahfltte 247.00 Nordd. Lloyd 127.90 Oberschles. Eisen-Industrie 129.00 Berliner Handelsges . . 173.20 Darmstädter Bank . . . 140.00 Deutsche Bank . . • 288.70 Deutsch-Asiat. Bank . . —.— Diskonto-Kommandit. . . 188.40 Dresdner Bank . . . 158.25 Kreditaktien . . . . . 209.70 Baltimore- und Ohio- Eisenlahn . . . 124.80 Gotthard bahn .... —.— Lombard. Eisenbahn . . 34 80 Oesterr. Staatsbahn . . . 143.80 Prince-Henri-Eisenbahn . 145,00 September. Anfangskurse. Harpener Bergwerk. . . 214.20 Laurahtitte 246.20 Lombarden E. B. ... 34.70 Nordd. Lloyd 127.80 Türkenlose 144.70 Brühl’sche Umversitäts - Druckerei in jeder beliebigen Schriftart und Kartonsorte, sowie mit Zirkeln aller studentischen Vereinigungen, liefert zu mässigen Preisen 06789 Hillebrandstraße 7. Eintritt 40 Pfff. Anfang 5 Uhr. Iie -« gesucht von 5634 06889 Der Vorstand Hierzu ladet freundlichst ein '4 00885) Carl Berg. Einigerer Buchbinder per sosort gesucht. 15672 DaZ Komitee. sind vorhanden. [5930 Die Musik wird ailsgeführt von der Marburger Jägerkapelle. MäuSburg 3. C68971 [5449 zu vernneten. K VX i!| Balinhofslrage 41. 4590| ■ie ft verkauft Viehhändler MLLL 06742, Baer. abzugeben [5622 Marktplatz 22 im Laden Wasche mit 1 ■ -I. wäschtam besten Seltersweg 33. 4914] von amRatnhä'jse!!; WMWstW Uerl'chiedrneo lt c v li n n fe WOWWM 1»pjede Familie2 2-Zunrneö 8-Zimmer- 4-Zimmer- TüchtigeS Dienstmädchen so- sort gesucht. Hammsir. 15, [06867 sosort zu verm. 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