General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen. Das „B. T." schreibt: ml ihre Parteizugehörigkeit ge-, von. Rotationsdruck und Verlag der BrÜhl'schM UnwersitätZdruckeret. R. Lange, «tetze». Redaktion, Expedition «.Druckerei: Schulstr,U. Tel. Nr. 6L Tel eg r^ Adr.: Anzeiger Gieße». Neue Kreueln in Rußland. Gegen den Warschauer Generalgouverneur S k a l o n wurde am 18. nachm. ein Attentat verübt. Als er aus seiner Equipage durch die Natoliuskasstrafte fuhr, wurden unter den Wagen drei Bomben geworfen, von denen eine versagte. Auf einem Hausbalkon wurde eine vierte Bombe gefunden. Skaton blieb unverwundet, doch Kirche Mitt Schule. — Im nächsten Jahre soll eine neue Ferienordnnng in Preußen Platz greifen. Danach würden die Weihnachts-, Oster- und Pfingstferien bedeutend abgekürzt werden, die Herbstferien ganz beseitigt, dagegen die großen Ferien von Mitte Juli bis Ende Septeinber ausgedehnt werden, also ungefähr 10 Wochen dauern. : Alle Preußen, die ohne Rücksicht » ^-^rigkeit die geschäftliche Liaison des .. nnrners als eine Verletzung dea: preußischen Be- j in teil’ und Ministertradition ansehen, werden darauf kect legen, daß die Entscheidung des Königs in dem Sinne pralle, der die Berechtigung dieser Tradition anerkennt. Und em anderes Moment kommt in Betracht: die politische M,-,equenz der Entscheidung des Königs. Hält der König den 10 ,mu.ß "ach Lage der Sache der preußische Minister- ident und deutsche Reichskanzler, der den Minister wegen mer Tippelskirch-Bezichungen offiziell zur Rechenschaft gezogen kt,. seinen rlbichied nehmen. Wie die Dinge jetzt liegen, handelt » die <)-rag e, wer von beiden geht, Pod- tic'l s t i o d e r B ü l o w. in Berlin abzustatten gewillt war. Kiel wurde damals als Ort der Begegnung nur deshalb gewählt, weit der Kaiser dies wünschte. Kerr von podbielski. T-ie Mitteilung der „Rordd. Mg. Ztg." (vgl. die heutige „Polit. Wochenschau") steht in seltsamem Widerspruch zu seinen eigenen Angaben. Noch bevor ihm der Wortlaut der in der „Nordd. Mg. Ztg." erschienenen Notiz bekannt war, verbreitete er "sich, in Gegenwart eines' seiner politischen Freunde unmutig über die Angriffe, denen er ausgesetzt sei, und erklirrte, daß er nicht daran denke, seine Demission zu nehmen. Jedenfalls habe er nichts Unrechtes getan. Er glaube aber auch nicht, daß Tippelskirch etwas Unrechtes getan habe. Sollte er aber dauernd auf seinem Landsitz verbleiben, so werde es ihm auch dort sehr gut gefallen. Er brauche nicht eimnal erst eine Etage in Berlin zu mieten. Wie ruhig er über die ganze Lage denke, gehe auch schon aus dem Umstande 'hervor, daß er am Samstag auf die Hühnerjagd ge- lgangen sei. Nachdem Herr v. PodbielSki jedoch mittlerweile von der Notiz der „Nordd." Kenntnis erhalten hatte, glaubte er diesen scheinbaren Widerspruch in folgender Weise erklären gtt können: Er habe tatsächlich bereits vor einiger Zeit, gleich im Beginn per Tippelskirch-Affäre, ein Schreiben an den Herrn Reichskanzler ach Norderney gerichtet, das etwa mit den Worten schloß: „Er, .)crr von PodbielSki, sei zu alt, um sich in dieser Weise mit schmutz bewerfen zu lassen. Lieber würde er vorziehen, aus dem Staatsdienst zu scheiden." Diese Worte wollte der Minister nicht als Einreichung lines Abschiedsgesuches verstanden wissen; wenn er - in solches beabsichtigt hätte, würde er dafür den vorgc- ichriebenen Weg einer Immediateingabe an den Kaiser ge- t/ählt haben. 1 b Alle Blätter kommentieren inzwischen in längeren Artikeln die Mitteilung der „Nordd. Allg. Ztg." Die „Berl. N. Nachr." sehen die Konferenz des Kaisers mit oem Reichskanzler als Anlaß zu der Notiz der „Nordd." an. Mit einemmale, so schreibt dieses Blatt, sehen wir, daß r"ürst Bülow sich durch die Angelegenheit sehr peinlich b erührt fühlt. Die Kommentare der Presse haben gezeigt, daß welfach tatsächlich angenommen wurde, er sehe in der Beteiligung Podbiclskis an den Geschäften einer Firma, die mit der Be- ».echung eines Schutztruppenoffiziers in Zusammenhang gebracht worden ist, nichts mit der Stellung eines Ministers Unvereinbares, c’ür das Ansehen des Reichskanzlers bedauern ii tr, daß er nicht schneller die Möglichkeit derartiger Gedanken angeschnitten hat. Aber besser später, als gar nicht. Wir wissen IlAt, er hat die Frage sehr ernst genommen. Daß Podbielskis Gesuch nicht angenommen werden sollte, halten wir für aus- Mchlossen. Die Begegnung von Cronbcrg. Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt in ihrer Wochen- midschau: Die^ Begegnung des Kaisers mit dem König von England auf Mop oriedrichsho, ist f n r b e i d e T e i l e unter befriedigen- tenn Eindrücken verlauten. Der Verkehr zwischen den Monarchen Inig; das Gepräge freundlichen E n t gegen kommens und °7'iwan d t s ch a s t l i ch er H erz l i ch k e i t. Jedes geflissentliche Attische Ausbeuten der Zuiammenkunsl liegt uiis fern; sie bildet wv- mit den ungetrübten Erinnerungen, die sie hinterläßt eine Msire Etappe aus dem Wege der durch den Aufenthalt von Ver-- lineirn deutscher Städteoerwaltungen und der deutschen Presse in Silland angebahnten allmählichen Besserung in den Be- pumgen zwischen den Völkern, Regierungen und Herrschern Mchlands und Großbritanniens. In zwanglosen, srenndschast- kqenii Gesprächen sind auf Schloß Friedrichshof, wie kaum gesagt werden braucht, auch die großen Fragen der Politik erörtert normen, und wir wissen^ daß dies in dem Geist geschehen, wie eS Festigung des europäischen Friedens nur f ö r o e r l i ch sein Umple. Bei dieser Gelegenheit niöchken wir den alten Irrtum w iiästtellen, der in Vorerörterungcn der Presse über den Besuch & Königs von England von neuem ausgetaucht ist. Alan hat daß König Ed na ?d uns einen offiziellen Besuch mASerlin s ch uld ig g« blieben fei; das ist aber insofern nicht Wog, als König Eduard vor zwei Jahren seinen amtlichen Besuch Ausland. Madrid, 18. Aug. lieber das letzte Attentat gegen König Alfons soll er selber in einer gelegentlichen Unterhaltung erzählt haben: Er sei von einem Splitter der Bombe an de rBrust getroffen worden und habe eine Wunde erhalten, deren Spuren er mit sich ins Grab nehmen dürfte. Er habe das Bukett fallen sehen, doch geglaubt, es sei ein Hochzeitsgeschenk. Als er sich von der Erschütterung erholt, habe er 16 Leute tot am Boden und das Kleid der Königin mit Blut bespritzt gesehen. M a r i e n b a d, 18. Aug. Anläßlich des Geburtsfestes des Kaisers war die Stadt festlich beflaggt. Heute vormittag fand in der katholischen Kirche ein Festgottesdiensr statt, welchem König Edward von England, Fürst Ferdinand von Bulgarien und Prinz Philipp von Koburg beiwohnten. An dem Festdiner, welches abends von König Edward veranstaltet wurde, nahmen Fürst Ferdinand von Bulgarien und Prinz Philipp von Koburg teil. Dann gab ^önig Edward im Hotel Weimar ein Galadiner. Der König ändte ein in den herzlichsten Worten gehaltenes Glückwunschtelegramm an den Kaiser und brachte nachstehenden Trinkspruch in deutscher Sprache aus: Wir feiern heute das Geburtsfest unseres lieben Kaisers. Ich erhebe das Glas auf das Wohl Sr. M. Kaiser Franz Josefs und wünsche, daß Se. M. noch tedjt viele Jähre in voller Gesundheit regieren möge zum Glück und Wohl seines großen Reiches!" Triest, 18. Aug. 'Aus Anlaß des Geburtstages des Kaisers gab der Statthalter Prinz zu Hohenlohe ein Festdiner, welchem der Kommandant des englischen Ge- chwaders Lambton beiwohnte. Ter Prinz betonte in einem Trinkspruch, daß die Feier diesmal besonders verherrlicht werde durch die Anwesenheit eines so willkommenen Gastes wie der englischen Flotte. Hierdurch werde auch das Freundschaftsverhältnis bekräftigt, welches zwi- chen den Herrschern und den Völkern Englands und Oesterreich-Ungarns bestehe. wurde er von den Gasen betäubt. Vor dem Attentat hatten einige Fremde sämtliche Bewohner jenes Hauses besucht und ihnen befohlen, das Haus sofort zu verlassen. Eme unmittelbar nach dem Attentat vorgenommene Revision des Hauses blieb erfolglos. Tas Attentat hat in Petersburg einen deprimierenden Eindruck gemacht, ob- gleich Skalon längst auf der Proskriptionsliste der Revolutionäre stand. Er war aber bisher allen Anschlägen entgangen, weil er sich in seinem sicher bewachten Schlosse versteckt hielt, das er eines Vorfalles beim deutschen Vizekonsul wegen gezwungenermaßen verlassen mußte. Die Verhängung des Belagerungszustandes in Warschau soll beschlossen worden sein. Von der schlesisch-polnischen Grenze wird gemeldet, daß in Tombrowo der russische Gendarm Mund, ein bürtiger Deutscher, und in Bendzin ein Polizist Revolutionären erschossen wurden. Die zahlreichen Attentate in Polen behandelt eine Zuschrift eines russischen Offiziers an die „Nowoje Wreruja". Der Offizier verlangt offenen Kampf gegen die polnische Gesellschaft, die hinter den Attentaten stehe. Die „Nowoje Wremja" gibt hingegen die Parole für Pogrome gegen die Juden aus. Die „Kreuzztg." schreibt: Im Zusammenhänge mit den Prreßtreibereien, denen der vielbefchdete Minister in der letzten Zrit ausgesetzt war, erscheint der Entschluß vom menschlichen Etandpuntte wohl verständlich, gleichwohl wird er in den weitesten iki eisen mit lebhaftem Bedauern ausgenommen werden. Die „Deutsche Tag es ztg." schreibt: Man wird zunächst warten müssen, ob der Wunsch des Ministers erfüllt werden w°rd. Wir zweifeln nicht daran, weil man wohl sonst die Ver- ofi mtlichung der Notiz unterlassen hätte. Vermutlich ist die Ent- icheidimg heute schon gefallen. Was sie veranlaßt haben würde, li nicht klar. Nach dem, was bisher bekannt geworden ist, war M seres Erachtens weder die Aufforderung des Kanzlers an den M inister noch seine Bitte um Unterbreitung seines Wunsches, aus derii Amte entlassen zu werden, nötig. Es müssen Verhältnisse cbjjciunltct haben, die seine Beziehungen zu Tippelskirch und Co. in einem anderen Lichte erscheinen ließen. Die '„Staatsbürgerztg." meint, der Minister hätte in Sonderheit seine Verteidigungsversuche lassen müssen, zudem cr doch die Akten der Untersuchung Fischer kaum kannte und cs erstes politisches Interesse war, den Monarchen in jeder Weise MÄ der Affäre zu lassen. Weder Möller noch Podbielski hat die Verbindung mit dem „L.-A.", den der Kaiser ja liest, gutgetan. Der „B. B. C." schreibt: Das liberale Bürgertum und die . ilbeiterschast werden Herrn von Podbielski keineTränenach- lv einen. Wie die Verhältnisse liegen, wird auch sein Nach- plcger, wer es a-uch sein mag, keine neue Aera der landwirt- Miftlichen Verwaltung bedeuten. . ~ Die ,/Rat.-Ztg." glaubt, daß nicht daran zu zweifeln sei, Di« der König das Rücktrittsgesuch genehmigen werde. Die Form dcr ^offiziellen Notiz sei dagegen höchst verwunderlich. Die „Voss. Ztg." meint: Die Ueberzeugung, daß ein Ver- falten, tote es dem Minister v. Podbielski erlaubt schien, den Ueberlreferungen und den Bedürfnissen der Regierung widerspricht, wird bis weit in die konservativen Parteien hinein Milt. In Riga ist das aus 16 Monn bestehende Streikkomitee der Straßenbahner verhaftet worden. Durch Mauer- anschläge wird bekannt gemacht, daß gegen alle Straßenbahner, die nicht zur Arbeit zurückkchren, gerichtlich vvr- gegangen würde. Indes ist bisher kein einziger auf seinen Posten zurückgekehrt. Auf einer belebten Straße wurde ein Polizei Offizier erschossen und ein Schutzmann ver-, wund et. Den Tätern gelang es, zu entkommen. In Reval ist nun das Urteil des Kriegsgerichts über die Meuterer vom Kreuzer „Pamjat Asowa" gefällt worden. Danach wurden 17 Matrosen, sowie der Agitator, angebliche Student Petrow, mit wahrem Namen Arssenja, erschossen. Sämtliche Delinquenten waren in Reih und Glied aufgestellt und mit Stricken gebunden; doch blieben ihre Augen auf ihren eigenen Wunsch unverbunden. Die Salve wurde von Kosaken abgegeben, während Infanterie den Platz absperrte. Die Leichen wurden darauf in Lastwagen zum Meere geschafft, wo sie versenkt wurden. Ferner verurteilte das Kriegsgericht zwölf Matrosen zu 6 bis 20 Jahren Zwangsarbeit, 13 zur Einstellung ins Strafbataillon, 34 wurden freigefprochen und 3 Agitatoren aus dem Zivilstande, darunter ein jüdischer Arzt, dem Zivilgericht übergeben. Die zur Zwangsarbeit verurteilten Matrosen wurden nach Kronstadt geschafft. Das Kriegsgerich t in Kronstadt verurteille zehn Teilnehmer an dem bewaffneten Aufstande zum Tode, 122 zu Zwangsarbeit; 15 Angeklagte wurden frejgesprocheu. Aus dem kaikas. Bezirk Z an.-ge z ur wird gemeldet, daß wandernde Tataren dreier benachbarter Bezirks den Marktflecken Karakilis angegriffen haben, 18 Armenier töteten, vieles Eigentum vernichteten und viele Einwohner vertvundeten. Eine zweite, von einem Deserteur Namens Ragia angeführte Bande von Tataren machte auf das Dorf Khcmasak einen Angriff; aud) in anderen kleinen Ortschaften wurden von Tataren Untaten verübt. Aas Krdöcöen in Südamerika. Der Umfang des Unglücks in Valparaiso ist noch nicht genau zu übersehen. Trotz niederströmenden Regens dauern die Feuersbrünste fort. Die Hälfte der Einwohner verbringt die Nächte im Freien. Alle Eisenbahnlinien mußten den Betrieb einstellen, da die Schienen vielfach verbogen und die Erde Risse aufweist. Ein Teil der Einwohner flüchtete auf die im Hafen liegenden Schiffe. Im ganzen Andengebirge dauern die Erdstöße fort. Nach den neuesten Meldungen beträgt die Zahl der Toten über 5000! Die telegraphische Verbindung zwischen Santtago und Valparaiso ist noch unterbrochen, Meldungen werden durch Boten übermittelt. Die Hälfte der Stadt Valparaiso vom Almendral bis zur Calle Bellavissa, in welcher sich sowohl die besten Privat-, wie Geschäftshäuser und Lagerhäuser befinden, ist z e r ft ö r t. Es fanden zwei deutlich von einander unter» chiedene furchtbare Stöße statt, deren zweiter fast unmittelbar auf den ersten folgte und das Werl der Zerstörung vollendete. Die ganze Stadt schien plötzlich rückwärts und vorwärts zu schwingen. Dann folgte ein plötzlicher Ruck von so ungeheurer Gewalt, daß ganze Reihen von Häusern in wenigen Sekunden zusammenstürzten. Unmittelbar-''darauf brach im Geschäftsviertel Feuer aus. Das Erdbeben hat hunderten von Menschen den augenblicklichen Tod gebracht. Viele Hunderte wurden unter den Trümmern begraben. Viele haben den Tod in den Flammen gefunden. Jeder öffentliche Verkehr batte aufgehört. Die Panik und der allgemeine Schrecken, die hierauf folgten, waren unbeschreiblich. Diejenigen, welche dem Tode entronnen waren, geberdeten sich wie walmsinnig vor Angst und konnten den Verunglückten wenig Hilfe leisten. Das Geschäftsviertel der Stadt ist fast ganz vom Feuer zerstört. Der Brand wütet fort. Dichte Rauchwollen erfüllen die Straßen, wo die Massen der obdachlos Hcrumirrenden das furchtbare Unheil anstarren. Herbei- gerusenes Militär erschoß sämtliche Leute, die zu plündern versuchten. Alle bisherigen Schreckensnachrichten werden durch die letzten Berichte via Galvestone übertroffen. Die wenigen Gebäude in Valparaiso, die dem Erdbeben entgingen, fallen den Flammen zum Opfer. Am Samstag war die schauerliche Szene von den noch brennenden Gebäuden erleuchtet. Es zirkulieren Gerüchte, daß 10000 umgekommen seien. Die Flüchtigen drängen sich auf den Schiffen im Hafen wie Schafe zusammen. Alle Versuche, in dem Chaos Ordnung zu schaffen, scheitern an der allgemein herrschenden Kopflosigkeit. Das Standrecht wurde proklamiert, weil die Arbeiter wegen der noch herrschenden Erschüttere ungen sich weigern, helfend einzugreifen und die Plünderung begonnen hat. Das Erdbeben hat nur wenige Gebäude unbeschädigt gelassen. Nach einer Meldung aus Valparaiso sind die Hotels auf der Serra Cordillera total vernichtet. Aus den Hotels tomu ten sich weder die Fremden noch die Angestelltem retten. In den volksreichen Bezirken Valparaisos lömmem auf j e d e s Ha u s durchschnittlich 10 Vermißte. Mehrere Anhöhen der westlichen Cordilleren haben ihre Formation geändert Die argentinische Regierung errichtet in Buenos Aires eine Zentralstelle, um den von den Erdbeben betroffenen Bewohnern Chiles Hilfe zu leisten. Die Pariser Ausgabe der Ptensa von Buenos Aires erhielt eine Depesche, wonach die Z a hl d e r O p f e r i n C h i l e 11 000 beträgt. Ter größte Teil hiervon entfällt auf die volksreichen. Stadtteile Valparaisos und auf die Dörfer des fruchtbaren Acop- Deutsches Reich. Wilhelmshöhe, 19. Aug. Aus Anlaß des Geburtstages des Kaisers Franz Josef waren zur gestrigen ^rühstückstafel der Botschafter v. Szögyeny und Herren der ölterreichisch-ungarischen Botschaft sowie andere Gäste geloben. Jrn Laufe der Tafel erhob sich der Kaiser und trank auf das Wohl feines treuen Freundes und Verbündeten. Zur gelingen Abendtafel bei den Majestäten war der Botschafter v. Radowitz aus Madrid erschienen. Der Kaiser sprach nach dein Gottesdienst den Mitgliedern des Kasseler Vereins ^Musica jacra", welcher mitgewirkt hatte, seinen Dank aus. Musildirektor Spendier und der Vorsitzende des Vereins, Landesrat GlaS, wurden durch Geschenke ausgezeichnet; ebenso wurde Schullehrer Schade von Wahlershausen mit einem Geschenk bedacht, dessen Knabenchor mitgesungen hatte; auch diese Knaben wurden den Majestäten vorgeführt. — Zur Frühstückstafel waren geladen: Geheimer Regierungsrat Bode, Geh. Regierungsrat Dr. Heußner, Oberlandesgerichtsrat Sommer, der Intendant des königlichen Theaters, Graf Bylandt, Professor Knackfuß, Pfarrer 9km» bröfter. Kultusminister v. Studt ist hier eingetroffen. Staatssekretär Tschirschky ist abgereift. Der Reichskanzler kehrte heute abend nach Nordernep zurück. Potsdam, 19. Aug. Die Großherzoginmutter Anastasia von Mecklenburg-Schwerin traf gestern Mittag zu kurzem Besuche bei den kronprinzlichen Herrschaften im Marmorpalais ein und trat am Nachmittag die Rückreise nach Gelbensande an. Berlin, 19. Ang. In Sachen Götz und Gen. ist der Abg. Kopsch gestern vom Untersuchungsrichter Landgerichtsrat Schmidt als Zeuge vernommen worden. Abg. Kopsch erklärte gleich zu Beginn der Vernehmung in lieber» cinftimmung mit den Ausführungen in seinem Schreiben, daß er es ablehnen müsse, Aussagen in Angelegenheiten zu machen, die mit der Ausübung des parlamentarischen Mandates in Zusammenhang stehen. — Dem Regierungspräsidenten a. D., Wirk!. Geh. OberregierungSrat v. Die st ist der Charakter Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz verliehen worden. Er hat am 16. d. Mts. sein 80. Lebensjahr vollendet. 1860—66 war er Landrat des Kreises Wetzlar, spater Regierungspräsident in Wiesbaden, Danzig und Merseburg. — Auf eine Beschwerde über die Reden und Flugblätter des Grafen Pückler wahrend seines Strafurlaubes erfolgte die Antwort des Oberstaatsanwalts Jsenbiel, daß seinerzeit dem Grafen aus gewichtigen Gründen zur Abwendung wirtschaftlichen Untergangs Strafurlaub vom 2. Mai bis 25. Juni gewährt worden sei. Essen, 20. Aug. Gestern wurde die 53. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands hier eröffnet. Zum ersten Präsidenten wurde der Abg. Gröber, zum zweiten Graf Zwickel bestimmt. 194 Zweites Blatt L56.Jahrgang Montag 20. August i«06 Erscheint mit Ausnahme des Sonntags. 2 G a Die „Gießener KamMenblStler" werden dem U »Anzeiger viermal wöchentlich bekgelegt. Der Wy A ik . «W B B H jä jy B VA« Kf B »Hesfisch« Landwirt" erscheint monatlich einmal. v ■ K H v V- B v m «ahejijn säaew hes Lieb, mall.voriommend.Arb2 tVdfc auch befi. <'J? Ichon geiühM Stelle zur Kühsy^ N^lchruche betöeiW Scfriftl. Angebote unter W Hauber BejchästiMg^ dender oder älterer Lame. Wgebote unter W Anzeiger erbete dtWiKÄ ,IJ-31 Neustadt L Mk. 30000 bequeme fllöbel BerrÄ* w etc. 1,1 ftint» wird in 5 VLLkwKF miet «* S**2*! «II ÄlllMR1 Gefunden «-.St daner'sch^^ k(tf/ i d. Gießener Anzeiger erbült Mk. 12000 LunblL fypotfiet ju Ich cht. WM jinfyatfwiQ. christl. Angebote unter 068! , Gießener Sex W W- ÄeMn-u ( oea viels. Tichrrh, hohe M SchM. Angebote MM n d. Gießener Anzeiger uM caMratales. Die Zahl der in bcr Nähe der Stadt Mebpme obdachlos Lagernden beträgt 60 000. Diese Leute erzählen, das; , dem Erdbeben unmittelbar ein trovischer Regen vorangmg, der } einige sick Valparaiso nähernde Züge zum Stillstand zwang. < Die Ortschaften Vinal del Mar, Suilpique und Lunache - in der Nähe von Valparaiso sind gleichfalls zerstört. In i entern grasten Salpeter-Bergwerk bei Valparaiso hat । eine Explosion stattgesunden, wobei h n n d e r t e v o n B e r g - y I guten den Flammentod in der Tiefe fanden. In den Theater- und V er g nüg un g s-Et ablissement s, dte zur Zeit der Katastrophe von einer sich dem Vergnügen hm- gebenden Menschenmenge ne füllt waren, spielten sich entsetzliche Szenen ab. Mle wollten den Ausgang gewinnen, wöbet zahlreiche Versonen tot getreten wurden. In Santiago dauerte das Erdbeben 3Vs Minuten. Die Brände, die an verschiedenen Stellen ausbrachen, wurden sofort gelöscht. Auf das Erdbeben folgten starke Regengüsse. Fast die .Hälfte der Einwohner lagerte während der Nackt aus Plasten und Strasten der Stadt. Der Handelsverkehr ruht vollüandtg. In Santiago wurden 30 Personen getötet und der Schaden wird auf 2 Millionen geschäht. Was in der Provuiz passiert m, wird nur geraten. Tie Eisenbahntimnels sind verschüttet und der Verkehr mit dem Jnlande ist vollständig unterbrochen. Auch die Stadt I g u i a u e ist größtenteils z er st ö r t worden. Auf der Insel Santa Lucia wurden ebenfalls 50 Erdstösse verspürt, ebenso aus Jamaica. Großer Schaden ist auch in ,ben westlichen Teilen der argentinischen Republik angericktet worden. Die Provinz der Anden wurde besonders schwer heim- gesucht. c • n- Nach einem Telegramm aus Buenos Avres ging die Erschütterung von Valparaiso aus südlich den Stillen Ozean entlang, überschritt die Anden imd berührte die Ostküste. Rosario verursachten fünf Erdstöße erheblichen Schaden, ebenso in Arana Riova, San Luis und Tacuman. In Tacuman besindet sich das Regierungspalais unter den zerstörten Gebäuden. Aus Honululu wird telegraphiert: Nach drahtlosen Devescken aus Hawcn. Mani und Hilo regte dort Donnerstag noch eme fünf Fuß hohe Flutwelle die Inseln entlang. Sie gab sich m der eingeschlossenen Bucht durch eine bisher noch nie beobachtete heftige Brandung zu erkennen. Wie es scheint, steht dieses Unglück mit der Katastrophe in San Francisco im Zusammenhang. Die Aehnlickkeit beider Katastrophen ist vermutlich kein bloßer Zufall. An der Westküste ?lmerikas zieht sich von Kap Horn, der äußersten ^üdspche ^Südamerikas, bis zu den Fluten des nördlichen Eismeeres cm gewaltiges Kettengebirgssystem in der ungeheuren Länge von 14 000 Kim. hin. In Südamerika heißt es Anden oder Cordilleren, in Nordamerika haben seine einzelnen Teile verschiedene Namen: Rocky Mountains, Seealpen usw. Das Gebirge fällt an den meisten ©teilen steil in den Stillen Ozean ab, so bei San Francisco und bei Valparaiso. Die ganze Ostküste Amerikas m ihrer ungeheuren Ausdehnung scheint sich ins Meer zu senken, und .zwar derart, daß Risse im Uferland, parallel der Küste, ent- •ßefen. Mle Gebäude, die auf so unsicherem Grunde stehen, müssen jbei starken Bodenerschüttemngen der Vernichtung anheim fallen. Mas das Erdbeben verschont, "fällt dem Feuer, das bei der Katastrophe überall ausbricht, zum Opfer. So ist San Francisco, die Hauptstadt des Ostens der Vereinigten Staaten von Amerika, so ist jetzt Valparaiso, die Handelsmetropole Chiles, zerstört worden. Im Angesicht der himmelanstrebenden, mit ewigem Schnee bedeckten Cordilleren, von den blauen Wogen des Stillen Ozeans umspült, verdient die Stadt, hufeisenförmig an grünbekränzte Hügel angelehnt, die terrassenförmig empor- ifteigen und die entzückendste Aussicht über die zu ihren Füßen ^gelagerte Bucht, über den von Schiffen aller Nationen belebten iHafen und die mächtigen, im Aconcagua zu 22 800 Fuß auf- ifteigenben Schneeberge gewahren, den Namen Valparaiso, Tal 4> eS Paradieses. Die Stadt, im Jahre 1820 ein Ort von .2000 Einwohnern, ist heute ein bedeutender Stapelplatz mit .160000 Seelen. Die Ausländer haben den Handel fast allem tat der Hand. Unter ihnen nehmen die Deutschen mit mindestens '3000 Köpfen eine sehr bedeutende Stelle ein. Ihr Anteil am Handel wird von keiner Nation übertroffen. Gar mancher unserer Landsleute wird also vermutlich durch das Unglück schwer getroffen worden fein. Indessen erhielten vor der Hand verschiedene deutsche Handelshäuser die Nachricht, daß deutsche Gebäude nur wenig beschädigt seien. Der größte Teil Valparaisos, die Stadt der eingeborenen Chilenen, besteht aus kleinen Holzhäusern. Der Erdbebenstoß wirft den primitiven Feuertopf der Chilenen um, und überall jzüngeln die Flammen aus den Hütten hervor. Die Geschäftsstadt fist in moderner Art aus Stein gebaut. Nach den von der „K. Z." eingezogenen Erkundigungen läßt ssich jetzt fchon sagen, daß der Schaden, der den an dem -Feuerverficherungsgeschäft beteiligten deutschen Feuer- bersicherungsgefellschaften im äußersten Fall erwachsen kann, ganz wesentlich kleiner sein wird, als der in San Franzisko. Das Gesamtinteresse der Aachener und Münchener Feuerversicherungs-Gesellschaft beträgt höchstens 21/4 Mill. Mark. Die in Valparaiso zur Anwendung kommenden Policen enthalten, eine sehr bestimmte Erdbebenklausel, die in klarer und unzweideutiger Weise ;bie durch Erdbeben entstandenen Schäden von der Ersatzpflicht ausschließt. Dasselbe gilt von den beiden Kölner Gesellschaften, der Kölnischen Rückversicherungs-Gesellschaft und der Minerva, Retrozessions- und Rückversicherungs-Gesellschaft. Beide find dem Vernehmen nach durch englische Gesellschaften an dem Geschäft in Valparaiso beteiligt es handelt sich jedoch nur um einige hunderttausend Mark. In Rinteln wurden am Samstag mehrere von Osten nach SBeften gerichtete Erdstöße im oberen Wesergebiete toafyr= glommen. Aus Stafct und Lund. Gießen, den 20. Slug. 1906. ' Die Gefahr eines Gießener Bierkrieges ist, wie wir heute authentisch erfahren, vorüber. Die Brauer und Gastwirte Gießens und Umgebung haben sich nach langen Verhandlungen geeinigt und es steht nun fest, daß das Bier in Gießen nicht teurer wird. Morgen werden in einer letzten Versammlung der Brauereibesitzer und Wirte endgiltige Abmachungen getroffen werden, in welcher Weise das Entgegenkommen der Brauer von den Wirten zu entgelten lein wird. W Der Süddeutsche Rennfahrer- Verband veranstaltet am 26. August auf dem Gießener Sportplatz g r 0 ß e I n t e r n a t i 0 n a l eR a d r e n n e n. Das Rennprogramm umfaßt folgende Nummern: 1. Goldenes Rad von Gießen; Internationales Stundenrennen mit Motorschrittmacher. 2—4 Dauerrennen über 5000, 10 000 und 15 000 Meter. 5 Motorrennen. 6 Ehrenpreisfahren. Der schwarze Afrikameister H. F. Vendredi aus Kairo ist Starter, ebenso der Europameister Georg Drescher aus Mainz. W. Bad Nauheim, 19. Aug. Der Kriegerverein 1870/71 beging heute in der Turnhalle Fahnenweihe. Um 31/2 Uhr bewegte sich ein staatlicher Zug, bestehend aus den Ehrenjungfrauen und den alten ehrwürdigen Veteranen von 1870/71 durch die Straßen unserer Stadt nach dem Festlokale. Dort begrüßte der Vorsitzende Frankfurt, 18. Aug. Auch Vichy sind Graf und Gräfin Witte gestern hier eingetroffen. Sie werden sich von hier aus zum Kurgebrauch in ein deutsches Bad begeben. Vorher wird Graf Witte ein^r Einladung des Kaisers nach Wilhelmshöhe Folge leisten. — Gegen den wegen betrügerischen Bankerott in Haft besindlichen Bauunternehmer Philipp Welter liegt ein schwerer Verdacht vor. Er soll seine erste, vor zwei Jahren verstorbene Frau vergiftet haben. Ein damals bei Welter in Diensten stehendes Mädchen habe ausgesagt, der Frau fei es nach Genuß von Kartoffelsalat schlecht geworden und kurz daraus ei sie gestorben. Der Hund, der den übrig gebliebenen Salat raß, fei ebenfalls verendet. Welter habe nichts davon gegeßen, dagegen habe er den Auftrag gegeben, daß der Stellenvermittlerin Götz, der Mutter seiner kurz darauf geheirateten zweiten Frau von dem Tode Mitteilung gemacht werde. Die Götz habe sich fchon am Abend nach dem Befinden der Frau Welter erkundigt. Untersuchung ist im Gange. — Der hier im Krankenhaufe isolierte leprakranke Rumäne befindet ich entsprechend gut. Die Erkrankung ist noch im Anfangs- tadium und nach Ansicht der Aerzte dürfte Hoffnung auf Heilung vorhanden fein. Sobald die Regierung es genehmigt, wird er ins Lepraheim nach Memel verbracht. — Gestern fand wieder einmal ein Ueberfall aus eine Dame im Stadtwald statt, der jedoch wie auch in einigen vorher gegangenen Fallen nur den Zweck hatte, der Dame den Hut zu entreißen. Man scheint es mit einem Geistesgestörten zu tun zu haben. — Der Verkehrsverein erläßt ein Preisausschreiben im Werte von 1200 Mk. in Bar für eine Konkurrenz hiesiger und auswärtiger Berufs- und Amateurphotographen für künstlerisch ausgeführte Ausnahmen von Frankfurt und Umgebung. Der Zweck ist, mustergiltige Bilder für die vom Verkehrsverein beabsichtigte Außcnpropa- ganda zu schaffen. — Die gestrige Sitzung der von der sozialdemokratischen Partei und den Gewerkschaften eingesetzten Schiedskommission der Brauerei-Vertreter und Gastwirte hat nicht zu einer Einigung geführt. Nuilst und wrssenschast. Berlin, 19. Aug. Bei dem gestrigen zu Ehren der franz. Aerzte veranstalteten glänzend verlaufenen Kommers bildete sich auf Anregung des Stadtverordnetenvorstehers Langerhans ein provisorisches Komitee für internationale ärztliche Studienreisen. Das Komitee wurde beauftragt, Schritte behufs Bildung eines, definitiven Komitees einzuleiten. Heute begaben sich die französischen Gäste nach Potsdam. — Das neue hessische Landesmuseum in Darmstadt, das unweit des Hoftheaters durch Professor 'Alfred Messel aus Berlin errichtet worden ist, ist nunmehr vollendet. Tie reichen Sammlungen sind aus dem alten Museum. Fast für jede Sammlung wurde ein besonderer Raum geschaffen. Die Vortragssäle erreicht man direkt von der Straße aus. Im Parterre betritt man zunächst eine gewaltige Halle, an deren Seitenwänden antike Altäre aufgestellt sind. Ferner werden im Erdgeschoß untergebracht die kunstgewerbliche, die Waffen-, zoologische und mineralogische Sammlung. Altertum, Mittelalter und Renaissance werden in nebeneinander liegenden Sälen vereinigt. Die Ausstattung aller Räume ist vornehm, künstlerisch. Am ausgedehntesten sind die Lokalitäten für die hessischen Gegenstände. Interessant sind die althefsische Bauernwohn- un g , dasDarmftädterZimmer und der prächtige Wandschmuck aus dem OffenbacherSchlosse. Auch ein F r i e d - berger Zimmer im Renaissancestil, das Gold-, Silber- und Emaillegegenstände enthält, ist vorhanden. Hervorgehoben sei auch noch die überaus prächtige Gemäldegalerie, die eine Reihe von überaus wirkungsvoll beleuchteten Zimmern umfaßt. Das ganze Museum darf als Prachtbau bezeichnet werden. Es wird unter den hervorragenden Bauwerken Hessens mit an erster Stelle stehen. Gerichtssaal. Gießen, 18. Aug. Der frühere Kaufmann und jetzige Dien st kn eckt Heinrich Mar Gr. von Koscknöve (Schlesien) fand infolge Vermittelung aus Berlin, wo feine Eltern wohnhaft sind, Beschäftigung bei einem Landwirt zu Nieder- Osieiden. Er sollte zur Musterung und bat einen Mitknecht, ihm seine Taschenuhr zu leihen, was dieser, da er ihm nicht traute, ablehnte. Kurz vor seinem Weggang nahm er die Uhr und versetzte sie in Gießen. Er machte darüber so vielerlei unwahre Angaben, daß es dem Eigentümer iiicht möglich war, wieder in den Besitz zu gelangen. Die hiesige Strafkammer hielt zwar den Diebstahl nicht als criviesen; es verurteilte aber den Angeklagten wegen Unterschlagung uiid zwar unter Einbeziehung einer vom Amtsgericht Seebausen wegen Diebstahls erkannten Gefängnisstrafe'von 5 Monaten zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr Gefängnis. * Kleine Tageschronik. In Stuttgart war durch die Unvorsichtigkeit eines Anaestellten im Keller des Bahn hofs- hotels ein gefährlicher Brand ausgebrochen, der an den Vorräten so reiche Nahrung fand, daß die Feuerwehr stundenlang besckästigt war. Der Brandmeister und ein Oberfeuerwehrmann mußten wegen Rauchvergiftung vom Platze getragen werden. — In Altona wurde der SottcriefoHefteur1 Gustav Fischer verhaftet. Er hatte über 10 000 Prospekte der Königsberger Geldlotterie zur Freilegung des Königlichen Schlosses in Königsberg in die Welt geschickt mit der Aufforderung, 3.30 Mark für jedes Los einzusenden. Er bat auf diese Weise ’ ca. 30 000 Mark vereinnahmt. Lose zur Lieferung hatte aber Fischer nicht. Nach seiner Verhaftung sind über 500 Briefe ■ und Postanweisungen aus Deutschland und Oesterreich-Ungarn 1 eingelauscn. Die Zahl der Geschädigten beläuft sich auf mehrere , tausend. Fischer, der in Altona ein, in Hamburg zwei Kontore gemietet hatte, benutzte für seine Manipulationen ein Postfach; er will früher in Kopenhagen ein Lotteriegeschäft betrieben haben. — lieber den Selbstmord einer Berliner Dame wird aus ■ Köln gemeldet: Mit dem ersten Berliner Frühzuge langte ! am Samstag dort ein feingekleidetes Berliner Ehepaar an. 1 Sofort nach der Ankunft lief die Frau vom Bahnhof schnur- ; stracks nach dem Rhein, wo sie sich unterhalb der neuen Brücke ; in den Strom stürzte. Dem Gatten gelang es im letzten Augen- . blick mit mehreren Schiffern die mit dem Tode Ringende zu retten; i indessen machte der Zustand der Frau ihre sofortige Ueberfülyrung : in ein Krankenhaus notwendig. Was sie zu dem Selbstmord veranlaßt hat, ist iwck unaufgeklärt, auch verweigern die Be- > troffenen vorläufig jede Auskunft über ihre Personalien. , — Bei Bernay lFrkr.l geriet ein Automobil in dem sich der 38 jährige in Kairo geborene Prinz Ibrahim M 0 - ' Hamed befand, vor die Lokomotive eines Eisenbahnzuges der ' Strecke Paris-Cherbourg. Das Automobil wurde vollständig zer- c trümmert. Der Zustand des Prinzen erscheint ho ff nungs- > los. Der Chauffeur bereits seinen Verletzungen erlegen. wurde für 100Pfund Schlachtgewicht: Ockfenl. Qualität 90—92 Mk., 2. Qual 82—84 Mk., 3. Qual. 72—76Mk.; Bullen l.Qual. 76 bis 78 Mk., 2. Qual. 72—74 Mk.; Kühe 1. Qual. 82—84 Mk., 2.Qual. 79—81 Mk., 3. Qual. 65—67 Mk, 4. Qual. 00—00 Mk., 5. Qual, 00—00Mk. Kalber: 1. Qual.98—102Pfg., Lebendgewicht 59—61 Pf^ 2. Qual. 97—99 Pfg., Lebendgewicht 54—58 Pfg., 3. Qual. 00-00 Pfg., Schlachtgewicht 70—73 Pfg., Schafe: l.Qual. 83-85, 2. Qual. 00—00 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Sckweine 1. Quast 78—00 Pfg., Lebdgew. 61.00—00.00 Pfg., 2. Qu.70-00Pfg., Lebend- gew. 60.00—00 Pfg., 3. Qual. 65—00 Pfg. Lebendgew. 60 Pfg. Geschäft: bei Hornvieh und bei Kleinvieh gut, kein Ueberftanb. fc. Frankfurt a. M., 20. Aug. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Frucktmarktpreif e. Weizen Mk. 18.00—00.00, Knrhessiicker Alk. 18.00—00.00, La Plata Mk. 19.25—20.00, Kansas Mk. 19.25—20.25, Roggen (hiesiger) Mk. 14.00 —16.00, Gerste (Wetterauer') Mk. 17.25—17.75, Franken- selber Mk. 17.75—18.25, Hafer 17.00—18.25, Mais Mk. 13.50—13.75, Weizenmehl 26.75—27.75, M. 00—00, 2. Qualität Mk. 24.75 bis Mk. 25.75, 3. Qualität Mk. 22.75—23.50, Roggenmehl 0 Mk. 24.25—24.75,1. Qualität Mk. 22.50—23.00, Weizenkleie Mk. 10.00 bis Mk. 10.50, Roggenkleie Mk. 11.00—11.25, Maiskeime Mk. 12.00 bis Mk. 00.00, Franken, Pfälzer, Ried Mk. 17.25—18.25. Alles per 100 Kg. ab hier. Voraussichtliche Witterung in Hoffen für Dienstag: Keine wesentliche Aenderung. Orrginal-Dvahtmeldungen. Vom Weilburger Feste. Weilburg, 20. Aug. Der deutsche Kronprinz sandte ein Glückwunschtelegramm, das folgendermaßen lautet: Zu dem Ehrentage Ihrer Stadt sende ich Ihnen die aller- herzftcksten Gruße. Möge die Stadt einer ebenso glücklichen Zukunft entgegensehen, wie sie eine schöne Vergangenheit besitzt. Besten Gruß. . Wilhelm, Kronprinz von Preußen. Prinz Eitel Friedrich überreichte fein Bild mit Unterschrift dem Reg.-Präsident v. Meister, den Vertreter des Großherzogs von Luxemburg und dem Bürgermeister von Weilburg. Vom Großherzog von Luxemburg ist nachstehendes Telegramm eingelausen: Anläßlich des heutigen Festes der Tausendjahrfeier der Stadt Weilburg drängt es mich, meine und der Großherzogin auf- richligste Glückwünsche auszusprechen. Ich gedenke dieses Ehrentages und gebe gern die Versicherung, daß ich für ein immer weiteres Emvorblühen und Gedeihen der Stadt stets die aufrichtigsten Glückwünsche im Herzen trage. Gez. Wilhelm. Wilhelmshöhe, 20. Aug. Der italienische Botschaftsrat in Berlin, Pasqualini, ist hier einge- trossen. Marseille, 20. Aug. Die Geheimpolizei verhaftete einen Anarchisten namens Sirlo, der verdächtig ist, ein Komplott gegen den Präsidenten Falliöres ge- chmiedet zu haben. Kompromittierende Schriftstücke sind bei ihm gefunden und beschlagnahmt worden. Rom, 20. Aug. Der „Tribuna" zufolge ist der Bruder des Pap st es, Postbeamter Sarto, goto rbe n. Teheran, 19. Aug. Heute fanb die feierliche Eröffnung des für das zukünftige Parlament bestimtnten Gebäudes in Gegenwart der aus dem Exil zurückgekehrten hohen Geistlichkeit statt, die drei Tage lang vom Schah bewirtet wird. New York, 19. Aug. Der „Herald" meldet aus Valparaiso: Hunderte von Leichen liegen noch unter den Trümmern der eingestürzten Häuser, ohne daß es wohl jemals möglich sein dürfte, sie aufzufinden, nachdem die Feuersbrunst das Werk der Zerstörung noch vervollständigt hat. Es war unmöglich, diesen Hilfe zu bringen und .Hunderte sind eines schrecklichen Todes gestorben. Großer Mangel an Lebensmitteln macht sich unter den Flüchtlingen bemerkbar. Die Not ist unbeschreiblich. Viele Flüchtlinge haben sich im Hasen kleiner Fahrzeuge bemächtigt, um in der Umgegend Unterkunft zu finden. New York, 19. Aug. Einem Telegramm aus Valparaiso zufolge wurden am 16. d. M. dort bis zum Abend 82 Erdstöße verspürt. Tie Verluste werden auf 50 Mill. Dollars veranschlagt. Ten meisten Schaden richtete das Feuer an, das nach dem ersten Erdstoße ausbrach. Die Lebensmittel sind sehr spärlich. Ein Liter Milch kostet zwei chilenische Dollars. Die Fleisckvreise sind ähnlich hoch. Die auf die Hügel und in die Wälder geflüchtete Bevölkerung leidet sehr, da die Nächte sehr kalt sind und heftiger Wind weht. _ Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Giessen. Frankfurter Börse. 20. August, 1 -lo Uhr. 3J4°/0 Reichsanleihe . . 98.70 3% do. . . 86.95 3%°/0 Konsols .... 98.85 3% do 86 70 3%°/0 Hessen 97.20 3%°/n Oberhessen . . . —.— 4% Oesterr. Goldrente. . 100.10 41/s2<< Oesterr. Silberrente 100.00 4% linear. Goldrente . . 95.30 4% Italien. Heute . . . 103.35 3 96 Portugiesen Serie I . 69.90 3% Portugiesen III 70.70 4%otn russ. Staatsan]. 1905 86.50 4)£0,n japan. Staatsanleihe 94.70 4 % Conv. Türken von 1903 96.10 Tiirkenlose .... . . 147.40 4% Griech. Monopol-Anl. 54.80 4 % äussere Argentinier . 90.00 3°/0 Mexikaner .... 68.70 4%°i0 Chinesen . . . . 97.90 Aktien: Bochum Guss 243.50 Buderus E. W ... 125.00 Tendenz: fest. Elektriz. Lahmeyer . . . 143.50 Elektriz. Schuckert . . . 127.10 Esch weil er Bergwerk . . 253.50 Gelsenkirchen Bergwerk . 228.00 Hamburg - Amerik. Paketf. 163.20 Harpener Bergwerk. . . 213.70 Laurahütte 235.00 Nordd. Lloyd 133.20 Obeischles. Eisen-Industrie 129.20 Berliner Handelsges . . 169.25 Darmstädter Bank . . . 139 70 Deutsche Bank . . . 238.70 Deutsch-Asiat. Bank . . 174.20 Diskonto-Kominandit. . . 183.50 Dresdner Bank . . . 158.10 Kreditaktien 210.80 Baltimore- und Ohio- Eisenbahn . . .121.10 Gotthardbahn — Lombard. Eisenbahn . . 32 95 Oesterr. Staatsbahn . . . 143.90 Prince-Henri-Eisenbahn . 144.50 berliner Börse, 20. August. Anfangskurse. Canada E. B 169.10 Darmstädter Bank . . . 139.70 Deutsche Bank .... 238.40 Dortmunder-Union C. . . —.— Dresdner Bank .... 158 40 Tendenz: fest. Harpener Bergwerk. . . Laurahütte Lombarden E. B. . . . Nordd. Lloyd Türkenlose 213.50 32J0 133.00 147.70 Konrad May die Gäste und gab dann dem Pfarrer Wissig das Wort zur Festrede. In meisterhafter Weife erledigte der Redner sich feiner Aufgabe. Nach einem Prolog, vorgetragen von Frl. Hartmann, fand die Ueberreichung der Fahne durch die Festjungfrauen statt. Einen wesentlichen Teil des Festprogramms bildeten Aufführungen unserer Turner, die sehr Schönes leisteten. Bei gemeinschaftlichen Liedern und Musik- vorträgen verliefen die Stunden rasch. Am Abend reihte sich