Erstes Blatt ISS Jahrgang Donnerstag 19* Juli 1906 Rot« wiegen. zu die Realbildung und theologisches Studium. Der badische Oberkirchenrat hat den Entschluß gefaßt, 2(biturienten der Realgymnasien und Oberschwer bewegliche offizielle Kirche wieder einmal einen Schritt vorwärts getan hat. Die badische Landeskirche wird nun wohl nicht mehr lange nötig haben, Zöglinge der Baseler Missionsschule nach kurzer akademischer Vorbildung in ihre vakanten Pfarrstellen zu berufen. Aus Sta-t und Land. Gießen, den 19. Juli 1906. L.U. Landes univ ers ität. S. K. H. der Großherzog haben den ordentlichen Professor in der medizinischen Fakultät Geh. Aled.--Rat Dr. Bostroem zum Rektor slic' die Zeit vom 1. Oktober 1906 bis 30. September 1907 ernannt« Die offizielle Dreibundkundgebung, welche Anfang Juni in Wien veranstaltet wurde, wird wieder einmal drastisch ad absurdum geführt durch auffallende militärische Vorbereitungen. Vor allem ist es charakteristisch, daß die in Oesterreich erst vor zwei Monaten neu formierten „Kaiserschützen", die analog den italienischen „Alpinis" ausgebildet werden, hart an der italienischen Grenze üben zu dem offenbaren Zwecke, das bei einem eventuellen Zusammenstöße zwischen den beiden „Alliierten" zuerst in Betracht kommende Terrain genau kennen zu lernen. Auch an die in den österreichischen Alpen garnisonierende Artillerie werden heuer enorme Anforderungen gestellt, denn die Mannschaften werden vorwiegend darauf eingedrillt, Haubitzen und schmalspurige Geschütze selbst in dem umvegsamsten Gebirgsgelände in Stellung zu bringen. Die großen See- und Landungsmanöver in Dalmatien, welche in Anwesenheit des Kaisers Franz Jofef und des Thronfolgers vom 31. August bis 3. September stattsinden, richten sich im Grunde genommen ebenfalls nur gegen Italien, denn welche andere Militärmacht sonst könnte eine Landung in Dalmatien versuchen? Aber auch auf italienischer Seite wird in Venetien eifrig „g erüst et". Ganz besonders viel wird an der Ausgestaltung und Verbesserung des Straßennetzes im Grenzgebiete gegen Oesterreich gearbeitet, so wird z. B. die von Fonzasa nach Primiero führende Straße auf eine Breite von 6 bis 7 Metern gebracht, was, ebenso iüie dir Auswechslung der Brücken, mit riesigen Schwierigkeiten verbunden ist. Endlich sei noch darauf hingewiescn, daß Herr Pellegrini kürzlich ein Buch, betitelt „Versa la guerra“? (Auf dem Wege zum Krieg?) herausgab, dvs m Oesterreich sofort beschlagnahmt wurde. Der Autor, welcher als ehemaliger Vortragender Rat im auswärtigen Ministerium unter Zanardelli sicher gründlich hinter die Kulissen geguckt hat, prophezeit, in seinem Buche als dürr nrc') trocken den baldigen Ausbruch eines österreichisch-ital. Kr ieges! Kolonialpofte — Der „Köln. Ztg." wird aus Berlin unter dem 18. Juli telegraphiert: Nach neuntägigen eingehenden Beratungen hat die deutsch-englische Grenzkommission für die Nordgrenze von Deutsch-Ostafrika heute ihre Beratungen zum Abschluß gebracht. Die Verhandlungen führten, wie wir erfahren, zu einer vollständigen Einigung über die englisch-deutsche (Ärenze vom Pipsee südlich vom Kilimandscharo bis zum 30. Meridian, dem Punkt, wo die deutsch-englische Grenze mit der des Kongostaates zusammentrifft. Den Verhandlungen lagen die früheren Grenzoerträge zu Grunde. Es wurden nur geringfügige Abänderungen der Grenze mit Rücksicht auf die örtlichen Gelände- und Handelsoerhältnisse, sowie auf die Stammcs- verteilung der Eingeborenen getroffen. Die wichtigste Abmachung für unser Schutzgebiet ist die, daß westlich des Viktoriasees die Einführung natürlicher Grenzen zunächst unterlassen wird, daß nnthin die Kageramündung nicht, aber der sogenannte große Kagerabogen mit seinem Waldbestand nördlich des Kageraflusses deutsch bleibt. Nr.l«7 Erscheint tSgltch außer Sonntag«. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mir dem Hessischen Landwirt die Siebener Familien« blätter viermal in der Kirche rrnd Schnle. — Der Vvrstand des hessischen Hauptvereins des Evangelischen Bundes hat an den Redakteur Eduard Simon, der demnächst von der Schristleitung des Darmstädter „Tägl. Anzeigers" zurücktritt, ein diesen ehrendes Schreiben gerichtet, in dem es heißt: „Da Sie sich dessen bewußt geblieben find, daß das Deutsche Reich und die neuzeitliche Kultur, ihrer geschichtlich gewordenen Eigenart nach, vornehmlich aus den Grundsätzen! berufen, die durch „die größte befreiende Tat", durch die Reformation, unser Geiftesbesitz geworden sind, haben Sie allezeit, unbeirrt durch Gunst oder Ungunst, bie Wahrung und Förderung der deutsch-protestantischen Interessen auch als Ihre Ausgabe betrachtet und bei aller Achtung vor der religiösen Ueberzeugung unserer kathol. Mitbürger mit aller Entschiedenheit gegen die Bestrebungen des Ultramontanismus und Jesuitismus Stellung genommen, in denen Sie für die gedeihliche Entwicklung des Deutschen Reiches imb der modernen Kultur, sowie der evangelischen und katholischen Kirche eine Gefahr erblicken mußten . . . Wir haben daher Ihre Tätigkeit als eine überaus wertvolle Mitarbeit stets aufs freudigste begrüßt, di.'s um so mehr, als sie auf nichts anderem, als einer reinen Gc- sinnungsgemcmschast beruhte. Wie wir deshalb jeder Zeillmg, einerlei, welcher politischen und kirchlichen Richtung sie angehören mag, für jebe Förderung unserer Ziele dankbar sind, so lassen Sie mich auch Ihnen unfern aufrichtigen und wärmsten Dank aussprechen ..." Hamburg, 18. Juli. Die Lberschulbehörde arbeitet eine Vorlage aus, wonach die Abiturienten des Realgymnasiums zum Studium der I u rispru d en z zugelassen werden sollen.. realschulen zum Studium der Theologie zuzulassen. Diese Entschließung wird von einem Teil der kirchlichen Presse begrüßt. So äußert ein badisches Gemeindeblatt, „Die Kirche", in folgenden Ausführungen seine Zustimmung 511 dieser Neuerung: Es ist von großer Bedeutung, wenn nach der Verordnung des badischen Oberküchenrats auch Schüler der Realgymnasien und Oberrealschulen Theologie studieren dürfen. Sie werden später als Pfarrer dem Denken und Streben der Zeit näher stehen und in vielen Stücken besser verstehen, in welcher Werse den Kindern der Gegenwart das Evangelium gepredigt werden muß. Nachdem alle höheren Berussarterr sich den Zöglingen der „mobernen Schulen" (wie die Franzosen sie nennen) geöffnet haben, konnte die Theologie allein nicht mehr zurückbleiben, wenn der Pfarrerstand nicht rückständig werden wollte. Es soll damit keinerlei Tadel gegen die auf Gymnasien vorgebildelen Geistlichen ausgesprochen werden; sie sind vermöge ihrer altklajsijcheir Vorbildung wohl besser mrslande, die Bibel und die biblische Welt, auch das Urchristentum zu verstehen; aber um die heutige Welt zu verstehen, mußten sie für sich v l e l n a ch l e r n e n u n ü v l e l Zehrgeld bezahlen. Es werden wohl auch noch lange hinaus, weiiigstens so lange es noch Gymiiasien geben wird, die meisten Geistlichen aus diesen vorgebildet werden; aber durch die genannte Verordnung des badischen Oberk.rchenrats ist wenigstens die Pforte geöffnet, durch welche neue, frische, zeitgemäße Bildungs- elemente dem Psarrerslande nicht bloß, sondern unserer evangel. Kirche zuströnien können imb werden. Daß durch diese Neuerung sich vielleicht >n e h r K a n d 1 d a t e n des Pfarramtes enislellen iverden und so der — allerdings nur vorübergehende—Mangel an Geistlichen gehoben werden fonnte, fonunt nur in zweiter Linie in Betracht und ist von nebensächlicher Bedeutung. Die erfreuliche Hauptsache x|t die, daß unsere sonit so brueferet. R. Lang«. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Redaktion 112 Verlag u.Exped.e^öl Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. bei der Beurteilung unserer Politik, Italiens loyale „vertrauliche" Mitteilung nach Berlin über den Inhalt des Abessinien-Abkommens, der Besuch König Eduards endlich zwar nicht gewiß, aber wenigstens in Aussicht ge- steNt: man könnte meinen, wenn man diese Serie friedlicher Erscheinungen im Geiste passieren läßt, es sei wieder einmal alles in Ordnung, und Deutschland werde von der Böswilligkeit seiner Gegner, die sich schließlich erschöpft habe, in Ruhe gelassen. Wir gaben wiederholt unserem Zweifel Ausdruck, daß die internationale Lage in Wirklichkeit so rosig und völlig zufriedenstellend ist, wie es den Anschein hat. Der Deutsche schiebt die Charaktereigenschaft der Aufrichtigkeit gern auch anderen Völkern zu, sobald er nur eine Spur von Entgegenkommen zu bemerken glaubt. Im Ausland spottet man über diese treuherzige Auffassung als „Naivität". Da heißt es: „Tie Welt ist ein Theater, auf dem man eine Nolle spielt." Es sei sonderbar, daß die Deutschen das trotz der unendlich vielen Enttäuschungen, die sie im Verkehr mit anderen Nationen erlitten hätten, noch immer nicht begriffen. Jeder Händedruck vom Auslande werde b^i uns gewissermaßen mit einem dreimaligen Hurra begrüßt, jede Artigkeit mit dem Ausschütten eines wahren Füllhorns von Aufmerksamkeiten erwidert. Sehe das nicht so aus, als hasche Deutschland nach Gunstbeweisen, Deutschland, das doch beanspruchen könne, umworben zu werden, statt daß es selbst um Freundschaft werbe. . . In der „Kreuzztg." stellt sich der Verfasser der Wochenübersichten über die äußere Politik, Professor Schiemann, der über vorzügliche Verbindungen verfügt und schon oft sich als unterrichtet gezeigt hat, entschieden auf die Seite der Vorsichtigen, bie einstweilen noch nicht die goldene Zeit eines nur friedlichen Wettbewerbes der Kulturvölker gekommen glauben. Schiemann erwähnt einen Artikel der englischen „National Review" über die Vorteile eines französisch-englischen Bündnisses. Die „France militaire" übernehme diese Ausführungen mit den einleitenden Worten: „Der betreffende Artikel enthält in der Tat alle Punkte, die für uns Franzosen bei einer englischen militärischen Mitwirkung in Betracht kommen, falls es zu einem Kriege mit Deutschland kommen sollte." Tie „National Review" hatte u. a. geschrieben: „Ein gigantischer Waffen gang zwischen Deutschland und England ist über kurz oder lang unvermeidlich." Prof. Schiemann ist der Meinung, daß das imperial. Organ für diesen Wunsch im eigenen Lande nur wenig Gegenliebe finden werde. In den maßgebenden Kreisen mache sich doch der Wunsch immer lauter geltend, die freundschastlichen'Beziehungen gerade mit Deutschland möglichst zu hegen und zu pflegen. Wir stimmen hier nicht ganz mit der Auffassung Schiemanns überein. (Sine gewisse Friedensgarantie bietet das Friedensbedürfnis des englischen Volkes, das nichts wie Steucrvermehruug und Vermögensverluste aus dem südafrikanischen Krieg hat entstehen sehen; die immer lauteren Versicherungen englischer Staatsmänner und Blätter schätzen wir weniger hoch ein. „Daily Telegraph" begrüßt mit besonderer Befriedigung die Möglichkeit einer Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm und König Eduard, die den Wunsch der beiden Völker nach Wiederherstellung der alten freundschaftlichen Beziehungen das Siegel der Erfüllung aufdrücken würde. Tie letzte Wolke würde damit vom politischen Horizont verschwinden, da hiermit nicht nur die Herausforderung des bösen Willens zwischen Deutschland und England entmutigt, sondern auch die Mittel gefunden werden würden, die Beziehungen zwischen Berlin und Paris stabiler und freundschaftlicher zu gestalten. Tie englische Politik folgt ausschließlich praktischen Erwägungen, und wenn es ihr nützlich erscheint, so verleugnet sie morgen, was sie heute gepriesen hat. Also es wird gut sein, sich nicht in Sicherheit » Jk —Ä Bezugspreis: ~ W monatllch7bPf.,viertel- Glcheim Anzeiger ■ " a General-Anzeiger w ..xs. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW zeigenteil: Hans Beck. Iie heutige Dummer umfaßt 8 Setten. Die sozialdemokratische Akademie. Tie bevorstehende Gründung einer sozialdemokratischen Hoch- oder Kriegsschule ist eine Folge des Diätengesetzes. Tas sozialdemokratische Zentralorgan mag sagen: „Wir konnten diese Schule auch ohne diese Ersparnisse der Parteidiäten vornehmen." Tatsache bleibt doch, daß die Ersparnis bezw. Mckzahlung der Diäten der Anlaß zu der Gründung gewesen ist. Es sind nämlich von Parteidiüten 43 788 M k. an den Parteika ssierer zurückgezahlt worden. Die Angabe, daß dies der Gesamtbetrag der von der Partei ausgezahlten Diäten sei, kann nicht stimmen. Tie geplante Hochschule ist ein unmittelbares Parteiinstitut. Weil die Berliner Ärbeiterbildungsschule dies nicht ist, so ist der Gedanke, die Hochschule an sie anzulehnen oder aus ihr aufzubauen, fallen gelassen worden. Als Leiter bezw. Sekretär ist Tr. Erdmann, bisher Chefredakteur der „Rhein. Ztg." in Köln, auserschen worden. Lehrfächer sollen sein: Nationalökonomie, Soziologie, histor. Materialismus, Geschichte der sozialdemokratischen Partei, Geschichte der bürgerlichen Parteien, Verfassungswesen und soziale Gesetzgebung, Gesetzeskunde (insbesondere die wichtigsten Bestimmungen des Strafrechtes, des Strafprozesses und des bürgerlichen Rechts), Gewerkschaftswesen und praktische Sozialpolitik. Tas Lehren des Deutschen deutet aus den Charakter des Instituts als Hochschule hin: Die Elementaria werden vorausgesetzt. Schule und Schüler werden nicht bloß von der Partei, sondern vollständig vom Parteivorstande abhängen. Die Landes- oder Provinzialvorstände schlagen geeignete Personen vor, der Parteivorstand aber ernennt sie. Hier dokumentiert sich wieder der absolute Charakter der sozialdemokratischen Partei- Verfassung, der allen demokratischen Grundsätzen Hohn spricht. In der Demokratie geht das politische Leben von unten nach oben. In der deutschen Sozialdemokratie aber ist es umgekehrt. Selbst der Aufbau der Partei erfolgt von oben, indem bei Ausschluß ein Parteivorstands- mitglied oder ein Parteivorstandsüelegierter die ausschlaggebende Stimme hat; von den Parteiblättern kommt eines nach dem anderen in den Besitz der Gesamtpartei, d. h. unter die Verwaltung und den Einfluß des Parteivorstandes, nun soll auch noch über die Gewährung eines Rechts wie das auf Hochschulbesuch der Parteivorstand souverän entscheiden. Je älter und befestigtLr die Herrschaft des gegenwärtigen Parteivorstandes (in seiner seit 1890 wenig veränderten Zusammensetzung) wird, um so entschiedener wird allem demokratischen Geiste in der Partei der Garaus gemacht. Freilich endlich wird die auf die Spitze getriebene Entwicklung nach der absolutistischen Seite hin doch einmal eine Reaktion notwendig machen. Sehr auffallend ist die Ankündigung, daß „auch" die Generalkommission der Gewerkschaften die Erörterung einer ähnlichen Schule plant. Dem Anschein nach liegt hier wieder ein Ri.valenkampf vor. Aus Berlin wird uns geschrieben: Der int Herbst ins Leben tretenden Agitationsschule wird es an Zuspruch aus Parteitreuen nicht fehlen, ebensowenig aber auch an Beachtung seitens der Behörde. Da es sich um einen regelrechten Unterrichtsbetrieb handelt, der der amtlichen Kon- zessionierung bedarf, bürften sich schon beim Beginn bes Unternehmens Schwierigteiten Herausstellen. Die Teilnehmer an den „Ausbildungslursen" werden vollständig auf Kosten der Partei leben. Welche bürgert. Parteiorganisation kann sich solchen Luxus geflattert? Allerdings ist das sozialdemokratische Beispiel nicht ohne Vorgang auf jener Seite, wenigstens in der Idee. Unseres Erinnerns ist etwa zur Zeit der letzten Reichstagswahlen in Zentrumskreisen angeregt worden, in Köln regelmäßige politische Aüsblldungskurse zu veranstalten, um geschulte Agitationsredner für die Wahlkämpfe heranzubilden. Man hat indessen nichts davon gehört, ob und inwieweit dieser Gedanke verwirllicht worden ist. In sozialdemokratischer Fassung präsentiert er sich jedenfalls in, ausgereift erer Form. Es kan.t keinem Zweifel unterlieget, daß die „rote Parteiakademie" besonders im Hinblick auf dieWahlen eingerichtet wird. Man will für den Sommer 1908 einen den Dreimillionensieg in* den Schatten stellenden Erfolg gegen die bürgerl. Parteien vorbereiten, einen Gewinn, für den wohl weniger die Zahl der eroberten Mandate, als die auf die Kandidaten der Sozialdemokratie abgegebenen Stimmen den Maßstab liefern sollen. Denn auch mit zwanzig neuen sozialistischen Mandaten würden sich die Mehrheitsverhältnisse im Reichstag nicht wesentlich verschieben lassen, wenn die Zolltarifparteien auch weiterhin zusammenhalten. Aber die Möglichkeit, als stärkste Partei Deutschlands den Borsprung vor beit bürgers. Gruppen ziffernmäßig zu vergrößern, eröffnet Aussichten auf Steigerung der moralischen Bedeutung der Partei, die von keinem Agi- tationsrnittel an Wirksamkeit übertroffen werden könnte. Offenbar unt dieses Ziel zu erreichen, soll die Partei-Kriegsschule in Berlin eine Truppe gewandter Wahlredner heranbilden, die zum Entscheidungskampf in das Land hinausgeschickt werden, um Mitläufer zu werben. Denn die Größen der Partei sind teils zu alt, teils in der Wahlzeit zu sehr in Anspruch genommen, um das Agitationsgeschäft betreiben zu können. Vielleicht wollen Bebel und sein Stab durch Gründung der Agitatorenschule auch beizeiten die Unabhängigkeit der Partei von den Gewerkschaften sicherstellen, mit denen eine in den Folgen noch nicht abzusehende Meinungsverschiedenheit — Massenstreik — besteht. Die Gewerkscl-asten verfügen über geschickte Wahlredner, denen bie Partei manchen Erfolg zu danken hat. Auf sich selbst gestellt, würde letztere erst zeigen müssen, was sie zu teilten vermag. Eine wissenschaftl. Bildung kann die Agitationsschule natürlich nickst vermitteln, immerhin aber das notwendigste geistige Rüstzeug für den politisckjen Tageskampf an die Hand geben, und das erachten die Gründer als genügend yim Kampf gegen das zersplitterte Bürgertum. politifd?e Lages?charr. Die deutsch englischen Freundschaftskundgebungen, öer Besuch d e u t s ch c r I o u r u a l i st e n i n L o u d o n, ein wenig mehr Ruhe und Sachlichkeit in der Pariser Presse W'Nei.i, * Kellner. Wrrs erstelle Kolon,alwarengeschM £ stritt evtl. sofon £ L"onm!nd h. I^nmberg. iowie einige ^^u.^'chon indesi. w gebient haben. 105147 ^eikenbach, Lomnmlr 32. Vereidigter ft vchlWtzk, amit befähigter Kaufmann gefehener Stellung empfiehlt :ö8eren Firmen zur Prüfung GefchäflZdüchern und Auf. ig von Mauzen. Rat und AN st in allen kansmäuu. en. Anfragen, welche mit t Aychwiegercheit behänd. 7, unter 4342 an bie Gc- telle des Gieß. Anz. erbeten. t l ? u- l°roie -EHen L°^dohu. ifctbpL ,4 lypvw Pk1, *5 kV Bezahlung ZML sssC- habe H * Ausschuß ta M AMU man bis zum 21.guli bei unterzeichneten Kaffenroari reichen. ES wird zugleim nf aufmerksam gemacht, bei; en Ferien feine ZahlmM gen können. md. Phil, «dolf ve-er ^^^enAusfchusick. guter Familie wick auf AM er»*! ** Kreis auSschußsitzung. SamStag, 21. Juli b. I., vormitt. 9 Uhr. findet eine öffentliche Sitzung deS KrciS- auSschuffeS mit folgender Tagesordnung statt: 1. Beschwerde der JohS. Hedderich Wiftve zu Gießen gegen eine Verfügung des OrtsannenverbandcS Gießen. 2. Gesuch de§ Christian Duill zu Gießen um Erlaubnis zum Schankwirtschaftsbetrieb in dem Hause Grunbcrger Straße 89. 3. Gesuch des Heinrich Kröck von Heuchelheim um Erlaubnis zum Gast- wirtschaftsbetrieb. 4. Reklamation gegen die Beigeordnetenwahl zu Lich. ** In Audienz empfangen wurde am Mittwoch von S. K. H. dem Großherzog u. a. Oberlehrer Diehl von Lauterbach. ** Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwillige r Feuerwehren wurde verliehen durch Entschließung S. K. H. des Großherzogs den Mitgliedern der freiw. Feuerwehr zu Lang-Göns Phil. Schmidt II., Hrch. Boller UI. und Johs. Karl Müller IV., ferner den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Kirtorf Gg. Ludw. Pauli, Hrch. Lather, Selig Sondh-eim, Ad. Engel, Johs. Löchel, Konr. He r b st, Hrch. Schmidt und Isaak Marx. ** Lehrerpersonalien. Uebcrtragen wurde dem Lehrer Friedr. Bauer zu Bieber eine LehrersteUe an der Gemeindeschule zu Bürgel, den Lehrern Kasp. Winter zu Eppertshausen und Johs. Reuter zu Westhofen je eine LehrersteUe an der Gemeindeschule zu Mombach. — Erledigt Jinb: Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende LehrersteUe an der Gemeindeschulc zu Waller st ädten (mit der SteUe ist Organistendienst verbunden), eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende LehrersteUe an der Gemeindeschule zu Ober-Laudenbach und die mit einem evang. Lehrer zu besetzende LehrersteUe an der Gemeinde- schule zu Ellenbach. ** Die Auto mobilst euer. 1900 wurde bekanntlich be^ uns in Hessen der Automobilstempel eingeführt. Er beträgt für das Automobil je nach Größe, dem Ankaufspreis und der Leistungsfähigkeit 5 bis 50 Mk. jährlich. Allerdings brachte die Steuer dem Hess. Staate nicht allzuviel, ein, 1900 nur 800 Mk. und im Jahre 1904 3700 Mk. Man sieht aus den Zahlen, wie sich die Autos vermehrt haben. (1904 erbrachte die Fahrradsteuer 127 000 Mk.) Tie neue Autobesteuerung ist bedeutend höher, als seither die hessische. Für ein Kraftrad zahlte man bisher in Hessen 5 Mk., fortan wird es 10 kosten. Ein kleines Automobil war bisher in Hessen mit 5 Mk. zu versteuern, fortan zahlt man 25 Mk. Grundgebühr und noch einen Zuschlag für die Pferdestärken. Ein 60 H. P.-Wagcn zahlte bisher in Hessen 50 Mk., fortan kostet er 160 Mk. Man sieht, der Reichsstempel bringt eine gehörige Erhöhung. Da für dieses Jahr der hessische «stempel schon entrichtet ist, so wird denen, die jetzt den Reichsstempel zu zahlen haben, die Hälfte des hessischen Stempelbetrags zurückvergütet. " Besitzwechsel. Der Kaufmann Llloys Spengler hier kaufte das Anwesen des Rentners Jakob Ruppel, Riegelpfad 19, zum Preise von 22 000 Mk. ** Eine Zwetschenernte steht in Aussicht, wie sie selten vorkommt. Die Bäume hängen so übervoll von Früchten, daß viele schon jetzt der Stützen bedürfen. Dabei sind die grünen Früchte recht gut entwickelt. Das Wetter ist ihnen sehr vorteilhaft gewesen, sodaß der Abfall kaum bemerkenswert auftrat. , ? Veitshain, 18. Juli. Der morgens von Lauterbach kommende Personenzug "hätte an einem Bahnübergänge beinahe ein Kuhfuhrwerk überfahren. Der Lokomotivführer brachte den Zug noch rechtzeitig zum Stehen, während der Bauer noch Geistesgegenwart besaß und sein Vieh zur Seite riß. X Ruppertsburg, 18. Juli. Zimmermann Dich! hat hier ein Holzsägewerk mit Dampfbetrieb errichtet. Das Sägewerk befindet sich unterhalb des Ortes in Nähe der sogen. „Kreuzburg" an der Straße nach Hungen. § Mücke, 18. Juli. Die Zahl der Sommerfrischler, die in diesem Sommer auf unserem Bahnhofe die Züge verlaffen, ist im Zunehmen begriffen. Das Ziel dieser Reisenden ist der Vogelsberg. Ganz besonders ist die Zahl der Kinder gestiegen, die man zuni Vogelsberg bringt, um hier Erholung, Muße und frische Kraft zu finden. fc. Bodenrod, 18. Juli. Hier starb der frühere langjährige Bürgermeister und Gastwirt zum Taunus Georg Wissig. Er war eine bei Jägern und Touristen sehr bekannte Persönlichkeit. l'zg.) Frankfurt, 18. Juli. Eine russische National-Vokal- Kapelle, die mit ihrem eigenen Balalaika-Orchester vom 22. bis 23. d. M. im Zoologische n Garten täglich von 5i/2 bis 10 Uhr konzertieren wird, setzt sich aus 30 Männern, grauen imb Knaben zusammen, die zum Teil in allrussischen Kostümen aus dem 16. und 17. Jahrhundert auftretcn und vollendet schön singen, während andere in andern Kostümen dos Balalaika- Orchester^ bilden, das auf meist nur dreisalligen mandolinew- artigen Instrumenten und auf tönernen mit Kalbfell überzogenen Tamburinen eine höchst eigenartige Musik zum Besten gibt. Die Sänger sollen ebensowohl in Sachen der Stimmen, als auch rn der Schulung ganz Hervorragendes bieten. Die Konzerte be- Swnen in Rücksicht auf die heiße Jahreszeit und die für die Mitwirkenden große Anstrengung erst um halb sechs Uhr und bringen abwechselnd Vokales und Instrumentales. Das erste Konzert findet Sonntag statt. vermischtes. * Auch der Tabak wird teurer trotz der ab gelehnten Steuervvrlage, und das haben wir den „Vettern" jenseits des großen Teiches zu verdanken. Bisher begnügte sich Amerika zum größten Teil mit den einheimischen Tabaken, wie Felix Brasil und Mexiko, während die Erzeugnisse der holländischen Inseln, vornehmlich Sumatra- und Javatabake, von den Amerikanern nicht beachtet lvurden. Das hat sich plötzlich geändert. Man scheint in Amerika auf einen besseren Geschmack gekommen zu sein und kauft daher in Amsterdam und Rotterdam, den großen holländischen Handelsplätzen, die Ware auf. Bei den Amerikanern spielt aus mehreren Gründen der Geldpunkt keine Rolle, und so sind die bei uns in Deutschland sehr begehrten Blätter teurer geworden. Aber auch die amerikanischen Tabake Mben einen Preisaufschlag erfahren. Diese Erhöhung des Einkaufspreises für Rohmaterial wird sich für den Handel mit Zigarren in der Weise äußern, daß das Tausend Zigarren einen Aufschlag bis zu zehn Mark etwa erfahren wird. Rauchtabak kommt weniger in Betracht. * Der neueste Eisenb ah nun fa 5l. Bei der Einfahrt des Zuges 42 in den Bahnhof Rath bei Düsseldorf entgleiste der dritte und der letzte Personenwagen. Ein Reisender wurde leicht verletzt. Ter Betrieb ist nicht gestört. Die Ursache ber Entgleisung ist noch nicht aufgeklärt. * Selb stmord eines Heidelberger Korps- studen ten. Das „H. T." berichtet von einem tragischen Selbstmord: Unter den Mitgliedern des Korps Saxo- Borussia befinden sich die Zwillingsbrüder Albrecht und Arthur von O st e r r o t h aus Oberwesel. Ter eine der Brüder sollte wegen verschiedener Vorkommnisse von der Universität dimittiert werden, was sich der andere der Zwillinge so zu Herzen nahm, daß er sich durch einen Revolverschuß heute selbst entleibte. * Ein peinlicher Vorfall hat sich kürzlich, wie die „Freis. Ztg." erzählt, in A a ch e n in einem Vergnügungslokal abgespielt. Ein etwas animierter Regierungsrat benahm sich so auffallend, daß ihn ein am Rebentische sitzender auswärtiger Doktor der Chemie ersuchen muß/^ sich ruhiger zu verhalten, da man den Borträgen sonst niijt folgen könne. Tie Antwort des Regierungsrats war der Ruf: „Kellner, zahlen, ich will mit der Bagage nicht mehr in demselben Lokale sitzen!" Bevor der Regierungsrat sich erhoben hatte, um wegzugehen, erhielt er von dem Chemiker unter dem Beifall der Anwesenden einige schallende Ohrfeigen. Tem Regierungspräsidenten wurde von dem Vorfall Kenntnis gegeben. Er sandte den Regierungsrat in Urlaub, mit dem Ersuchen, um seine Versetzung einzukommen, da er in Aachen unmöglich geworden sei. Wie verlautet, soll der Vorfall noch ein Duell zur Folge haben. * Bauernschlauheit. Eine Anekdote, die von gutem Mutterwitz eines Bauern zeugt, wird vom „Journal des Curieux" erzählt. Der berühmte französische Maler Meissonier hatte einen bäuerlichen Gärtner, der sich eines wunderbaren Gedächtnisses erfreute und die Namen aller Samen und aller Pflanzen kannte. Er irrte sich auch nicht ein einziges Mal, und es kam nie vor, daß er bei der botanischen Einordnung eines Samens oder einer Pflanze auch nur einen Augenblick zögerte. Meissonier hatte von dieser Perle von Gärtner mir Emile Augier gesprochen, und die beiden verabredeten sich, dem gelehrten Bauern eine Falle zu stellen. Eines Tages ließ Meissonier den Gärtner rufen, zeigte ihm ein Päckchen mit getrocknetem Heringsrogen und sagte zu ihm: ,,Kennst Du den Samen?" Nach reiflicher Ueberlegung und Prüfung sagte der Gärtner: „Ja, es sind Samen einer seltenen tropischen Pflanze." — „Und wie lange könnte es wohl dauern, bis die Samen aufgehen und die Pflanze aus der Erde herauskommt?" — „Etwa vierzehn Tage." — „Tas gibt einen Hauptspaß", sagte Meissonier zu Augier. Vierzehn Tage später saßen die beiden Freunde beim Essen, als der Gärtner sich melden ließ. „Herr Meissonier", sagte er, „die Pflanzen stecken die Köpfe heraus; wollen Sie sie sehend — „Da bin ich aber neugierig", sagte der Maler und eilte mit Augier in den Garten. Vorsichtig nahm der Gärtner eine Glasglocke von einem Mistbeet und präsentierte den beiden Herren eine Anzahl — Heringsköpfe! * Kleine Tages chronik Am Montag sind während eines starken Gewitters zwei Kähne an der Windenbnrger Ecke auf dem Knrischen Haff gesunken. Von dem einen Kahne wurde der Besitzer sortgespült und ertrank. Ebenso ertranken zwei kleinere Kinder, die sich in der Kajüte betäuben, während die Frau des Schiffers und der älteste Sohn durch einen Matrosen gerettet wurden. Ob von dem anderen gesunkenen Kahne Verluste an Menschenleben zu beklagen sind, ist noch nicht festgestellt. — In Berlin hat sich ein blutiger Exzeß auf bem Nollendorsplatz abgespielt. Eine Rotte junger Männer hatte allerlei Unfug verübt. Als Polizeibeamte hinzueilten, kam es zu einem wüsten Exzeß, in dessen Verlauf ein Maler durch einen Säbelhieb verletzt wurde. Der Schutzmann will in der Notwehr gehandelt haben. — Ter frühere Leiter des Konsumvereins für Karlsruhe und Unwebnng, Kaufmann Wilhelm Stoßer, wurde, als des betrügerischen Bankerotts dringend verdächtig, in Unterfnchungshasl genommen. — In Versailles ist unter den Mannschaften des 22. Art.-Regts. eine Epidemie ausgebrochen. Tie Untersuchung hat ergeben, daß es sich um Vergiftungs-Erscheinungen handelt, hervorgerwen durch verdorbenes Büchsen fleisch. — Eine Dynamit-Fabrik in Aashland (Amerika) ist durch Explosion völlig zerstört worden. Vier Personen lunrben getötet, 21 mehr ober minber schwer verletzt. — Aus Martinch- Burg, Kanton Wallis, wirb gemelbet, baß in ber Schlucht Tete noire ein Brücken st eg in bem Augenblick einbrach, als ber Bergführer Lucien Balmaz mit einem aus ber Hochzeitsreise befindlichen Ehepaare darüber schritt. Alle drei stürzten in b i e Tiefe. Die Leichen würben noch nicht gefunden. Auch der Name des venmglückten Ehepaares ist noch nicht festgestellt. Die Gerichtsbehörden begaben sich an Ort und Stelle. DaS Lied bom bösen Glase. Ein Bedienter war er und hieß Glase, Seine Herrschaft, seine gnädige. War dagegen von sehr edler Race, Nämlich eine F ü r st l i ch - W r e d i g e. Weil der Glase seine Braut verführte, Eh' sie zum Altar geschritten war, Jug man ihn davon, wie sichs gebührte, Tenn eilt Fürst nimmt Zucht und Sitten wahr. Aber siehe, ber bewußte Glase, Teils aus Rache, teils Erpresserei, Rieb barauf dem Fürsten vor die Nase, Was bie Gnäbige auch für eine sei. Unb er schrieb ber Polizei, sie stehle In Hotellen Siber comme-il-faut; Alle näheren Details erzähle Aul Befragen — bas Schloß Basedow. So benimmt sich wirklich ungebührlich Ost ein Mensch von niedriger Geburt! Wrede ließ verhaften ihn, natürlich 1 Gestern hat ihn das Gericht verknurrt. Zwar ber Fürstin biebisches Betragen Hat als richtig sich erwiesen hier; Doch es war, nur einfach, sozusagen, Eine fürstliche Klepto-Manier. Dahingegen wies mit vollem Rechte Der Herr Staatsanwalte zu Berlin Auf bes Glase, ber sich bies erfrechte, Ehrlos niebrige Gesinnung hin. Unb neun Monat' ins Gefängnis trollt sich Nun ber Glase für bie Missetat. Die Frau Fürstin, Gott sei Dank, erholt sich Von bem Schreck in einem Neroenbab. (Aus ber „Jugend".) Lustiges Echo. * Unlängst würbe ich in Kissingen einem sreunblichen alten >errn vorgestellt unb mußte ihm notgebrungen ein paar Worte agen. ,,Sinb Sie schon lange hier?" fragte ich. „Das möcht sich mir wollen, ich bin von Hälfte Mai." „Unb bleiben Sie ben ganzen Sommer über?" „Bis in Juli —" „Dann fahren Sie wohl nach Rnßlanb zurück?" „Da möchten wir uns gut haben," sagte er, „ich bin ich Pro- sessor von Taitsch aus Präge Obergymnasium."__________________ Die Heidelberger Schloßangelegenheit. Berliner Blätter teilten gestern solgenbes mit: Währenb ber „Kieler Woche" hielt ber Karlsruher Prof essor der Kunstgeschichte, v. Oechelhäuser, der Mitglied des kaiserlichen Nachtklubs ist, auf ber „Hamburg" vor bem Kaiser unb seinen Gästen einen Vortrag, in bem der Gelehrte entschieden gegen den Wiederaufbau Stellung nahm. In der Unterhaltung, die auf den Vortrag folgte, sprach sich der Kaiser aber für d i e W i e d e r e rri ch t u n g aus. Erließ sich auch durch nichts von dieser Ansicht abbringen, sondern verabschiedete ^ch von Professor v. Oechelhäuser mit den Worten: „Es wird doch wieder ausgebaut!" Professor v. Oechelhäuser ermächtigt jetzt die Bad. Presse, diese Nachricht zu dementieren. Herr v. Oechelhäuser erklärt, ein Vortrag dieser Art habe überhaupt nicht stattgefunden und so seien die sich hieran anschließenden Mitteilunaen hinsällia. Universitäts-Nachrichten. — „Doftor ber Bodenkultur". Das östreichische Unterrichts- und Ackerbauministerium hat eine Verordnung bezüglich des! Rigorosums und der Erwerbung des Doktortitels bet iber Hochschule für Bobenkultur veröffentlicht. Danach darf die mündliche Prüfung zwei Stunden nicht überdauern und hat, von der eingereichten Abhandlung ausgehend, sich auf die Hauptfachgruppe ber lanbwirtfchaftlichen, forstwirtschaftlichen ober kulturtechnischen Richtung zu erstrecken. Der Kanbibat, ber das gtigo* rosum bestanden hat, erhält ben Titel: „Doktor der Bodenkultur. Arbeiterbewegung. Zürich, 17. Juli. In Albiesrieden, wo in der Auto- mobilfabrik Arbenz gestreikt wirb, kam es toieber zu Ausschreitungen. Gegen bie Streikenben, welche bie Ortschaft terrorisieren, wandten sich bie Bauern, bie sich mit Hacken und Gabeln bewaffneten. Die Streikenben erhielten Zuzug unb schossen mit Revolvern. Die Polizei konnte mit Mühe einen blutigen Zusammenstoß verhindern. _______ Gerichtssaat. (ej Heldenbergen, 18. Juli. Am Montag wurde vor bem Lanbgericht Hanau ber am 15. Dezember v. I. zwischen hier unb Bruchköbel erfolgte Eisenbahn-Unfall verhandelt. Angcllagte waren die Eisenbahnbeamten H. in Helden- bcrgen und W. in Bruchköbel, die als Fahrdienstleiter infolge mangelhafter Wahrnehmung ihrer Dienstobliegenheiten den Zusammenstoß zweier Güterzüge auf eingleisiger Strecke, wodurch ein Materialschaden von über 1000 Mark entstand und ein Bremser verletzt wurde, verschuldet haben sollen. Die Hauptschuld trifft anscheinend den Angeklagten H., welcher den einen Güterzug nach Bruchköbel abfahren ließ, ohne daß der Gegenzug, der mit,diesem planmäßig in Heldenbergen-Windccken zu kreuzen hat, auf dieser Station eingetroffen war. Kaum war der Zug einige hundert Meter von der Station entfernt, als auch ber andere von Bruchköbel abgelafsene Zug in einer starken Kurve sichtbar würbe. Durch die Unübersichtlichkeit der Strecke war es den beiden Lokomotivführern nicht möglich, bie Züge auf die kurze Entfernung zum Halten zu bringen und der Zusammenstoß war unvermeidlich. Merkwürdigerweise unterließ H., entgegen den bestimmten Vorschriften, die Meldungen, die bei KreuzungK- verlegungen auf eingleisigen Strecken vorgeschrieben sind, zu machen, wodurch der Irrtum, in dem er sich anscheinend befand, aufgeklärt worden wäre. Das Urteil lautet wegen fahrlässiger Gefährdung eines Eisenbahntransports gegen H. auf 200 Mark Geldstrafe (Antrag des Staatsanwalts 6 Wocl>en Gefängnis), gegen W. auf 60 Mark Geldstrafe. Auch ein Mitangeklagter Hilssweichensteller wurde zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt, weil er den Güterzug, entgegen dem Fahrplan und ohne daß er die vorgeschriebenen Signale (2 rot geblendete Laternen vorne an der Lokomotive) hatte, weiterfahren! ließ und nicht zum Halten brachte. Die Strecke Hanau-Helden- bergen wird eingleisig betrieben, während von da ab bis Friedberg bie Bahn zweigleisig ist, auch ist Heldenbergen-Winbecken Kreuzungsstation der Linie Stockheim-Vilbel, so baß ber Verkehr sehr bc- beutenb ist. Märkte. th Gießen, 18. Juli. Der bieswöchige V i e h m a r k t hatte einen Auftrieb von etwa 1500 Stück Großvieh, 200 STälbeni unb 600 Schweinen. Der Vormarkt versprach, was ber Hauptmarkt betreffs bes Hanbels von Milchvieh auch hielt, ein recht gutes Geschäft bei alten hohen Preisen. Tie Einkäufer vom Main, von der Mosel, oom Niederrhein und aus den Bädern kauften fast den ganzen Austrieb auf, sodaß Käufer aus Thüringen, bie für bovt vreiswert anzukommen hofften, unverrichteter Dinge ben Platz verließen. Am Fettviehmarkt fehlten biesmal bie Abnehmer aus ben kleineren Stabten ber Provinz unb an ber Lahn, bagegett war Frankfurt, Wiesbaden und Koblenz stark vertreten, sodaß sich ein lotter Handel entwickelte, bei bem für gute Ware bie letzten hohen Preise erzielt würben. Ebenso war biesmal bas Geschäft in Jungochsen, von denen etwa 25 recht schöne Paare zu haben waren, recht lebhaft, da für diese Gattung Vieh lebhafte Nachfrage war. Dagegen war der Kälbermarkt weniger flott, weil für Frankfurt kein Bedarf vorlag. Es war nur möglich, bie Ware zu weichenden Preisen abzusetzen. Der Schweinemarkt zeigte bas alte Bilb. Es fehlen eben bie Verkäufer aus bem Preußischen, bie wegen der Seuchengefahr ausgeschlossen ftnb. Die Schweiuehändler aus Hessen machen sich bie fehlende Konkurrenz zu nutze unb sinb sich einig im Festhalten an sehr hohen Preisen, wobei sie begünstigt werden durch den starken Bedarf der kleineren Landwirte, welche auf die Schweinemast angewiesen sind. Es wurden gehandelt das Paar: Kühe, frischmelkend und tragend, 1. Qualität Mk. 470 bis 530, 2. Qualität Mk. 400 bis 450, 3. Qualität Mk. 330 bis 370. Verkauft wurden ber Zentner Schlachtgewicht: fette Rinber 1. Qual. Mk. 72 bis 74, 2. Quak. Mk. 68 bis 70; fette Kühe 1. Qual. Mk. 88 bis 70, 2. Qual. Mk. 64 bis 67. Kälber 1. Qual. Mk. 72 bis 76, 2. Qual. Mk. 66 bis 70, 3. Qual. Mk. 56 bis 60. Gang- ochsen gingen ab pro Paar 1. Qual. Mk. 860 bis 925, 2. Qual. Mk. 760 bis 820, 3. Qual. Mk. 680 bis 720. Die Preise für Schweine stellten sich pro Paar: Ferkel, 3 bis 4 Wochen alt, Mk. 36 bis 40, 6 bis 8 Wochen alt Mk. 45 bis 65, bis 12 Wochen alt Mk. 70 bis 85, leichtere Springer Mk. 95 bis 125, kräftigere Tiere Mk. 130 bis 150. Es würben fast alle Gattungen Vieh geräumt Nächste Markttage: 31. Juli unb 1. August, am zweiten Markttage auch Krämermarkt. Limburg a. d. 8., 18. Juli. Frachtmarkt. Durch- chnittspreise pro Malter. Roter Weizen 15.80 Mk., weißer Weizen 13.10 Mk., Körn Mk. 00.00, Gerste 00.00 Mk., Hafer 9.05 Mk. Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk. Mrcbliche Nachrichten. Israelitische Religionsgesellschaft. Gottesdienst. Sabbathfeier am 21. Juli 1906: Freitag abenb 8.00 Uhr. Samstag vormittag 8.00 Uhr. Predigt. Nachmittags 4.00 Uhr. Sabbathausgang 9.20 Uhr. Wocbenaottesbienst: morgens 6.00 Uhr, abenbs 8.00 Uhr. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller ,mtei bi cf in: Rubrik stehenden Artikel übernimmt bie Rebaktion bem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Am Montag tagte bas Preisgericht für ben Fassaben- wettbewerb bes geplanten Gewerbeschnl-Neu- bau es. Wie bestimmt verlautet, ist hier sogleich bie Entscheibung hinsichtlich ber Bewertung bet eingegangenen Entwürfe gefallen. Warum wirb nun mit ber Veröffentlichung bes Resultats' suruef- gehalten? _________________________________ Braut-Seide v. l35Pf.ab D4/i — Zollfrei! — Muster an Jedermann! — Seidenfabrikt. 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