inet werten Ruubi^o" tgen Beachtung, daß!'i !v tattttj# Mdald Stellung, rijlliche Kleidungen unia an den Gieß. Am. ' 533J sMäS **• der Spracykennlnilie r> er unverheiratet, langje.- M6efLOff.u.F.W.U66' lolfMosse, Wiesbaden. jb ZM bSSJtat der». ,.Ml*ibern 1 —-T M- 7 Malis : auch i«• u»- icr .chr'Ul. MV? Wer KM iftern »leichstraßk 2, ®Jf -Anlage befindet, i1- Achtungsvoll kelMan» „lOTimioiu-l^S Kretzschm*^. MMR. $««*1^- arbeit versteht,;;; -leite t Leuten. 6'witre.l. ostlagernd keßen. sMl ] 6m Machen iuiii c'ü: ,MuOM,Ä>lmoegI,n. i bepett junge Mäbchea eswaeü suchen Stelle bur Arrn, LÜwentz^eM. \* Gir °derL^ ^bEife1^ ■^344 Mmadch^' 7ZE «r$sä~ ^ucht. ^Mäbl6{tt Stellung. Sru,,,«°26ii ^S^iMererbelen. b^fTlüngerei Mädchen AlcZttes FerrLLletorr. — Der Kaiser und Bachs H - iu 011 - 31 c f f e. Ter 9(uffü6nmg der L-woll-Messe durch den Phrlharinonischen Chor in Berlin unter der Leitung von Professor Siegfried Ochs haben, wie wir schon fürs meldeten, der Kaiser und die Kaiserin beigewohnt. lieber den Eindruck, den das Werk, das im Mai in Gießen zur Ausführung kommen soll, aus den Kaiser gemacht hat, werden jetzt Einzelheiten bekannt. Nach der Aufführung, die bis 10 Uhr währte, beschied der Kaiser ben Prosessor Ochs zu sich in die Hofloge nnd sagte ihm, er halte sich sein Automobil für 9*/4 Uhr zur Heimfahrt bestellt, sei aber durch das Werk so ergriffen gewesen, daß er gern bis zum Schlüsse geblieben sei. Er wäre bis jetzt der 'Meinung gewesen, daß Händel als Oratorienkomponist tien Gipfel der geistlichen Musik bedeme, Bach aber habe ihm eine neue Welt erschlossen, die 8-woll-Messe habe iijn Bachsche Bedeiituiig für die niusikalische Slnnft erst recht erkennen gelehrt. Zum ersten Aiale hat der Kaiser der Wiedergabe eines größeren miisikalifchen Werkes ciußerhalb der Hofoper in diesem Falle beigewohnt. Musikalische kreise knüpfen an diese Tatsache die Hoffnung, daß der Kaiser seine mächtige Fürsorge nun and) anderen Gebieten der Musik zuwenden werde als jenen, die er bisher fast ausschließlich 511 bevorzugen pflegte. Man denke nur an den „Roland von Berlin" und seine Vorliebe für den Italiener Leoneaoallo. — Vom Gießener Philosophie-Professor Karl i<9 r 0 0 § finden wir einen schönen Aussatz über „Unser Be> ü ü r i n i s n a ch ä st h e 1 i s ch e r K u l t u r" im neuesten, 19. Helle Les „K il n st iv a r t" (Georg T. W. Eallwey in Mtünchen). Die A'siege der ästethet. Kiiltur, so sagt Öteoos-, bedeute für uns etwas SDopveltes, sowohl eine wichtige sittliche Aufgabe wie ein Mittel gur Vermehrung unseres Glückes. Tas Behagen friedlichen Lebens- ggenusses wie der Zauber der Romantik, die guten alten deutschen Eigenschaften, würbe» von dein Brausen einer neuen Zeit verschlungen. Praktischere Ziele traten an die Stelle der früheren üDealeii. Und jedes neu erreichte praktische Ziel machte uns '-'chneidiger und geräuschvoller, großsprecherischer und prunkjüchtiger. „Unsere Geselligkeit dient allzu ost mehr der Erweiterung des Plagens als der der Bildung." Aber der deutsche Geist hat trotz alledem das Bewußtsein, idealen Ausgaben dienen zu sollen, nicht verloren. TaS Ideal, das uns vor den Gefahren der Veräußerlichung retten soll, ist die vollkommene Humanität. Hier gehl also Gross aus die Bestrebungen Herders und Schillers zurück. Wir sollen nad) Vertiefung und Verinnerlichung unseres Wesens streben und nicht nur an Erwerb denken. Ansätze dazu sind bereits vorhanden. In die sittlichen und religiösen Probleme versenkeii sich immer weitere Kreise. Wir muffen aber zuerst unsere Unrast von uns abschütleln. Hat dod; Hast selbst unsere Geselligkeit und unsere Erholungsreisen, Spiel und Sport ergriffen. Die ästhetische Erziehung muß dagegen.ankämpsen und sich bemühen, den Lebens- roert edler Einfalt und stiller Größe hochzuhalten. — Frau Wanda v. Sacher -Masoch veröffentlichte bei Schuster u. Loeffler (Berlin und Leipzig) ihre Memoiren unter dem Titel „MeineLebensbeicht e". Eine Frau, die über 10 Jahre mit Leopold v. Sacher-Masoch (dem bekannten belletristischen Schriftsteller, dem Erfinder der „Venus im Pelz" und Veranlasser des von dem berühmten Pjyd)iater v. Krafft-Ebing zuerst gebraud)ten Ausdrucks „Masochist") und dann mit dem üblen Verleiigner seiner deutschen Herkunst und Teutschlandbefchirnpfer Jacques St. teere (Rosenthal) vom Figaro verheiratet gewesen ist, hat viel Jnieressames zu erzählen. Nad) dieser Seue bedarf das Buch keiner Empfehlung. Es soll aber hervorgehoben werden, daß die Ver° fasjenn uns den Etndrnck hinterläßt, sie habe bessere Männer verdient als den perverse,l Dichter und den bestochenen Schwindel- Journalisten. Sie hätte nicht von einer Veid)te des Lebens zu sprechen brauchen, höchstens insofern, als sie um ihrer Ehre und ihrer Kinder willen sich am Kompromisse eingelassen hat, in denen sie ihr normales, anständiges Empfinden mand)mal den Forderungen einer ausschweifenden Phantasie zum Opfer brachte. Dabei ist sie aber innerlid) nicht tiefer vom Gemeinen und Perverfen berührt worden. Als sie sich von Eacher-Masoch, dem Vater ihrer Kinder, endlich nach schweren Herzenskämpsen trennt, der von ihrer Seite zu einer Tarne aus Pasewalk, namens Hulda Aleister, sich hingezogen fühlt, die sich ein Schlößchen in Lindbeim (im Kreise Büdingen) kauft, um dort gemeinsam mit ihm 511 hausen, da rüst Frau Wanda aufatmend ans : „Frei! Befreit von der zehnjährigen Qual... wieder mir selbst angehören, ich selbst sein dürfen ... nie wieder eine Pelzjacke anziehen, nie mehr eine Peitsche zur Hand nehmen ... und fein Wort mehr von der Venus int Pelz sprechen hören !" Und doch hat diese Frau and) ihrerseits etwas Exzentrisches und für Männer wie Frauen Faszinierendes, Besteckiendes gehabt. Sonst wäre ihr Leben nicht im Zusammenhang gewejen mit den ausgesuchtesten Exemplaren unnatürlicher Sinnesanlage. Was für ihr Buch einnimmt, ist die nüchterne, niemals pikante Wiedergabe ihrer Eindrücke. Sie will den Leser nicht kitzeln, sondern ihm klagen, wie schlecht es ihr gegangen ist. Selbstverftändlick) gehört dieses Buck) nicht auf den Familientisch. Aber, wer sich ernst mit psychologischen Problemen beschäftigt, wird es nicht beiseite lassen dürfen. Es kommt hi»zu, daß der Politiker recht lehrreiche, zum Teil neue Einblicke in das Berliner und Pariser Journalistentreiben St.-Cöres bekommt, der selbst der Peripherie Bismarcksck)er Kreise recht nahe gekommen ist. Mit größtem Zynismus sagte der im bürgerlichen Leben Armand Genannte, als ihm die auswärtige Politik für den „Figaro" übertragen wurde: „Ter Armand ist wirklick) neugierig, wie sich der Saint-CLre aus der Affaire ziehen wird. Auswärtige Politik? Ich weiß kein Wort davon. Macht nichts, nur immer drauf los, was mich tröstet, ist qne les autres ne savent pas plus que mot" Das Geheimnis fernes Erfolges wird von der Verfasierin klar erfannt: „Eine ganz besondere Gabe hatte er — und es war gerade die, die ihm in feiner neuen Laufbahn das größte Glück brachte — die Tinge, die er wußte — es ivaren nicht allzu viele — so darzustellen, daß jeder, der ihn sah und hörte, bei sich dachte: Wenn der reden wollte! Was der wissen muß!" Viel Schmutziges, Schwindelhaftes. Widernatürliches begegnet uns in diesem Buche, das eine der sonders ' :i Lebensgejchichten enthält. Die Verfasserin selbst charattern ui c s treffend mit dem auf dem Titelblatt abgedruckren Faust-Motto: „Mich saßt ein längst entwöhnter Schauer, der Menschheit ganzer Jammer faßt nilch an." Erstes Blatt Mittwoch iS. 2lfm! 1906 156. Jahrgang BezngSpreiSr monatlich 7LM., viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abholo- u. Zweigstellen monatlich 6b Pf.; durch die Post Mk.2.— viertel- lährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen iür die Tagesnunimer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal 12Pf* auswärts 20 Pfg. Verantwortlich für den polit. und allgern. Teil: P. Wittko' für „Stadt und Land" und „GerichtSfaal"-. Ernst Heß; für den Anzeigenteil: HanSBeck. Nr. 90 Erscheint tlgttch außer Sonnlaas. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Familien, blätter otermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch-u. Stein- brudereL 9t Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schnlstraße 7, Redaktion 112 Verlag u.Exped.^^Völ Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. "ießener Anzeiger General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt fiir den Kreis Gießen Die heutige Kummer umfaßt 10 Seiten. eüfJJT?”* ■!■!■”!-------____■-»— III —— ■— Zur Jarmstadter Freichstagswahlbewegung. Von freisinniger Seite ging uns heute unter Bezug auf die von uns gestern gebrachte Entgegnung der Herren Doktoren Stein, Osann, Becker und Mahr eine längere Entgegnung zu, der wir folgendes Positive zu entnehmen haben, unter Ausschaltung aller unerquicklichen polemischen Bemerkungen : Diese Erklärung, so wird in der Zuschrift gesagt, berichtige Dinge, die nicht behauptet worden sind. 1. Es ist nicht behauptet worden, daß Ncttionallihercile aus Darmstadt Herrn Bomemann am Nacken gefaßt und nach dem Ausgange gestoßen hätten. 2. Es ist nicht behauptet worden, daß Herr Dr. Osann in der Nähe saß, sondern ausdrücklich betont worden, daß er sich aus dem Podium befand. 8. Die Behauptung der nationallib. „Berichtigung", die Herren Tr. Mahr und Dr. Becker hätten „lediglich Herrn Nuschke auf das Taktlose hingewiesen, das darin liege, immer wieder die Versammlung stören zu wollen", charakterisiere fick) schon dadurch, das; Herr Nuschke das niemals aud) nur versucht habe. Herr Dr. Becker werde aber doch nicht abstreiten wollen, daß er, als Herr Nuschke im Flüsterton mit Herrn Dr. Stein sprach, zu ihm im Eilschritt gekommen sei und ihm lebhaft zugerufen habe: „Wir braudjen Ihre preußische Weisheit nicht!", und daß eine Anzahl seiner Genossen hinter ihm sich allerhand Schimpf« worle gegen Herrn Nuschke bedient hätten. Die Schivere des Vor- wurses gegen die Nationalliberalen, daß sie nid)t die Vergewaltigung Vomemanns hinderten, werde nicht dadnrck) abgeschwächt, daß zwei von ihnen, die Herren Dr. Osann und Dr. Becker, jetzt erklärten, sie wären außerstande gewesen, einzugreifen, aud) nicht dann, als der Besitzer des Saales Herrn Bornemann entfernte. Unbestreitbar sei, daß die Nationalliberalen and) nicht den leisesten Verfuck) unternommen hatten, die Vergewaltigung Bornemanns in ihrer Versammlung zu hindern, und daß nationalliberale Mitglieder sick) schwere Beleidigungen der freisinnigen Redner hätten zu schulden kommen lassen. Wir als fernstehende Unbeteiligte und baritm, sowie als Anhänger des Gedankens einer Einigung aller liberalen Gruppen, doppelt Unparteiische können nur wiederholen, was wir bereits in unserer Nr. 87 zum Ausdruck gebracht haben, nämlich daß wir diese überaus schroffe und geradezu gehässige Kampfesweise zwischen den beiden liberalen Darmstädter Parteien sehr bebmtern, umsomehr, als unsere Gießener vortrefflichen und mustcrgiltigen Verhältnisse zwischen Nationalliberalen und Freisinnigen so ganz und gar keine Nachachtung in unserer Landeshauptstadt finden. Man sollte doch in Darmstadt auch nach Baden, bem Nachbarlande, blicken, oder besser nach der äußersten Grenzmark reichsdeutscher politischer Betätigung, nach Ostpreußen. Gerade jetzt erhalten wir von dort die Stunbc, daß zwischen den Vorständen der drei liberalen Parteien Ostpreußens eine Verständigung erzielt wurde, die ein gemeinsames Vorgelten bei den Reichstags mal; len in der ganzen Provinz zum Zwecke hat. Was in Ostpreußen und was bei uns in Gießen möglich ist, das sollte nicht auch in unserem ganzen Großherzogtinn sich Herstellen laffcn? Hat doch Ostpreußen fast doppelt so viele Wahlkreise als Hessen, nämlich 17 (gegen 9). Dann würde der Liberalismus bei uns zu Lande noch ganz anders und bei weitem mächtiger dastehen als bisher, zumal bei unS Boden für die Ausbreitung liberaler Gedanken hinreichend vorhanden ist. Diese Ausbreitung aber ist nur möglich, wenn der Liberalismus seine gesamten Kräfte zusammen faßt und anspannt. Nur dann kann er an die Sozialdemokraten verlorenes Terrain zurückcrobern. Das sollten sich die führenden Männer in den liberalen Lagern ganz Hessens sagen und allenthalben Bündnisse schließen. Wohl sind dabei mancherlei Schwierigkeiten zu übcriüinbcn, namentlich da, wo bei den letzten Wahlen ernste Schlachten unter den Liberalen geliefert wurden oder, irrte in Darmstadt, zurzeit noch geliefert werden. Tort sollte der Ton der liberalen Gegner unter allen Umständen sofort ein anderer werden. Allseitiger guter Wille kann über die Schwierigkeiten sehr wohl hinweghelfen, .-mrc-mrei« ......im mm Jede der Parteien kann in Wahlkämpfen ihre Aufgabe erhalten mü> sie weiß bei allen Kämpfen, daß sie in jedem, der Anspruch auf den Namen eines Liberalen erhebt, einen Bundes- und Kampfgerwssen erblicken kann. Als gemeinsamer Gegner gilt der Reaktionär und Wahlrechtsver- schlechterer auf der Rechten, wie der Apostel des Zukunfts- staats zur Linken, beiden gilt die Fehde. Tie Programme der liberalen Parteien bieten genug Gemeinsames, um darauf den Lbampf gegen die Gegner gemeinsam zu führen. Dabei braucht von niemandem verlangt zu werden, daß er von seinen Prinzipien auch nur das geringste aufgebe. Schwärmer für eine Blockpolitik von Bebel bis Basser- mann, wie sie in Baden besteht, sind wir nicht, sondern Freunde des politisch "Natürlichen. Nicht nur da, wo es sich um ein Offensivbündnis handelt, sondern auch dort, wo die Liberalen bisher untereinander gekämpft haben, könnte und sollte die Streitaxt begraben werden. Daß Gießens Beispiel und nun auch das Ostpreußens als vorbildlich anerkannt werden und zur gesamtliberalen Einigung führen möge, ist unsere Hoffnung für das Jahr 1908. ♦ Heute erhielten wir ausDarmstadt folgende Drahtmeldung, die die sozialdemokratische Kampfesweise grell beleuchtet: R. B. Darmstadt, 18. April. Zu äußerst stürmischen Austritten kam es gestern abend in einer allgemeinen Wähle r v e r s a m m l u n g im Hanauer Hos, die von dem Wahlausschuß für die Kandidatur Tr. Stein einberufen war. Es hatten sich zahlreiche Sozialdemokraten in der Versammlung eingefunden, dir im ganzen Saal geschickt verteilt waren. Reckstsanwalt Dr. Stein Lotütle feine 1 >,» stündige Rede nur unter vielen Unterbrechungen zu Ende sichren, woraus Oberlehrer Dr. Neßling sick- gegen d i e „Vereinigten Liberale n" wendete. Ms hierauf Rechtsanwalt Dr. Osan n sich in scharfer Weise gegen das terrorisierende und jedes freie Versammlungsrecht illusoristo machende Verhalten der Sozialdemokraten anSsprach, erhoben diese ein solches Gebrüll und Gejohle, daß es dem Redner nicht möglich war, zu Ende zu sprechen, und der Vorsitzende die Versammlung vorzeitig schließen mußte. Die Mehrzahl der Anwesenden sttmmte hieraus Lock)ruse auf Dr. Stein an und sang vaterländische Lieder, während die Sozialdemokraten die Arbeiter-Marseillaise faitgen. Die Erregung dauerte auch narh Schluß der Versammlung noch lange an. politische Japan nnd die Hochfinanz. In dLn Erörterungen über die russische Anleihe wird des Landes nicht Erwähnung getan, das als Kriegsparttier Rußlands den finanziellen Nachwirkungen dieses Feldzugs sich gleichfalls unterworfen sieht. Auf Jw?uns staatswirLschastliche Lage hinzuweisen, ersclMint aber umsomehr angezeigt, als die ürter- nationale Hochfinanz dem aufstrebenden und sieggekrönten Lande verhältnismäßig weniger Wohlwollen entgegenbringt als dem Zarenreich. Das hat sich gezeigt bei den Anleihen, die Japan während des Krieges im Ausland aufzunehmen genötigt war, und das erhellt weiterhm an dem Kursstand der japanischen Papiere an den westlichen Börsen, der dem inneren Wert dieser Fonds nicht durd>aus entf.pi iM Die japanische Regierung zieht cs deshalb vor, den Fehlbetrag im Budget des laufenden EtatSjahres durch eine innere Anleihe zu decken, und im übrigen die Staatsausgaben ein zu schränken, soweit deren Konsequenzen auf die späteren Etats übergreifen. Dahin gehört z. B. die Vertagung des Ausbaues der Flotte, die die japanisck)e Regierung nicht eintreten lasseu könnte, wenn sie mit anderen als friedlichen Absichten sich trüge. Die Fiuanzpolitck der japanischen Regierung ist aber gesund auch hinsichtlich der Schuldentilgung. Es sollen nämlick) Von den ordentlichen Staatseinnahmen jährlich mindestens hundert M i 11 i o n e n bereitgestellt werden für Tilgung d e r Kriegsschuld nebst Zinsen, sodaß die Gesamrsckuld in rund zwanzig Jahren zurück gezahlt sein würde. Nun existieren freilick) noch Verpflichtungen aus der Zeit vor dem Kriege. Japan hat sich seine militärisch Rüstung gewaltige Summen kosten lassen, ist aber dabei besser gefahren, als Rußland, das seine militärische Mindenoertigkeit nicht wettmachen konnte durch die reichlicheren Geldmittel, die ihm beim Ausbruch des Krieges zur Verfügung standen. Jedenfalls umfaßt das neue japanische Schuldentilgnngsprogramm alle bestehenden Staatsverpflichtungen, und ebenso fieber ist, daß sich die Regierung bei ihrem Bestreben, daS Vaterland einer finanziell glänzenden Position entgegenzusühren, auf die Hilfe des Volkes verlassen iann. Nicht weniger als fünfmal hat das Volk während des Krieges der Regierung Kredit gewährt, es wird bei der neuen, sechste.!, inneren Anleihe nicht versagen, sondern wiederum zwei- hundertMillivnen vorsttecken zur Deckung des Fehlbettags im Budget. Das ist eben der tiefgreifende Unterschied zwischen Rußland und Japan. Hier Bereit>oilligkeit des Volkes, der Regierung an die Hand zu.gehen, um neue Lchittdverpslichttlngcn an das Ausland hinanzuhatten. In Rußland cntfdncbcnc Abneigung gegen innere und g'aen äußere Anleihen. Denn bei dem 500 Millionen-Teilbetrag der neuen russisch.u Anleihe, der auf die russischen Banken entfällt, hat die Petersburger Regierung eben nur mit diesen Banken, nicht aber mit dem russischen Volk zu tun. Wer alles dies erwägt, dem kann es nicht zweifelhaft sein, daß Japmi wie in politischer und militärischer, so auch in finan* zieller Beziehung vor Rußland rangiert. Sem kann freilich ebensowenig zweiselliaft fein, daß die geflissentliche Niederhaltung Japans durch die internationale Hochfinanz nur insofern mit Politik etwas zu tun hat, als die ganz begrciflickx Tendenz sich geltend macht, Der gelben Nasse, dem gefälwlichen Konkurrenten der wcißen, „dcn Brotkorb lxAr zu hängen". Aus Staöi u«o Lcsno. Gießen, den 18. April. ** P e v s o n a l i e n. S. K'. H. der Grvßherzog fyabert Rob .Gudernatsch aus Schwar-stvald in Ungarn zuntz BettiebsinspLktor am elektrotechnischeri Institut der Tcchss nischen 5)vchschule zu Darmstadt, Finanzaspirant Gg. Metz^ ger aus Laugen zum Mi.nifter'.alrev-isvr bei der Buchhaltung der Ministerien des Innern und der Justiz und Finanz-i aspieant Otto Lippert aus Butzbach zum Ministerialrevisor! bei der Buchhaltung des Ministeriums der Finanzen er-, normt. Am 14. April d. I. wurde der Grundbuchsschreib-' gehilse Jvh. Grämlich in Darmstadt unter Anerkennung! seiner langjährigen treu geleisteten Dienste auf fein Nach^ suchen in den Ruhestand varsetzt und il)-nr von S. K. H denr Großherzog das Allg. El)renzeichen mit der Inschrift „Fuv langjährige treue Dienste" verliehen. ** Erledigt ist die Stelle eines Hauptsteuerantts^ afsistentett bei dem Großch. Haupt st eneramt Gießen. ♦* Der Männerturnverein Gießen eröffnete am Charfreitag die Reihe seiner Sommerveranstallungerx durch einen T ur n g a n g nach der Goetheruh zu G a r b e n -- heim. Eine größere Einzahl Turner und Turnschwestertü gingen zu Fuß über Dutenhofen, während die anderen mit Der Bahn bis Wetzlar fuhren unb von da das Ziel auf-- suchten. Tie Beteiligung war recht zahlreich; es waren! etwa 75 Teilnehmer erschienen, und man kotrnte bald eine recht tzemülliche Stimmung wahrnehmen, die durch Klaviervorträge nod) gehoben wurde. Abends i/28 Uhr erfolgte der Rückmarsch nach Wetzlar mit einem kurzen Aufenthalt im Hotel Kessel, und 9.24 fuljreit die Teilnehmer mit ber; Bahn nad) Gießen zurück. Auf der Vereinskneipe im Hotels Schütz fand die Veranstaltung ihren würdigen Abschluß. (^Friedberg, 17. April. Der DelegiertentaA der Sterbekasse für Mitglieder des hessischen Landest gewerbevereäns und des Verbandes deutscher Gewerbes uereuie fand heute im Hotel „Drei Schwerter" statt. Deo Vorsitzende, Bauunternehnrcr Sames-Darmstadt, begrüßte besonders den Vertreter der Stadt Friedberg, Beig. .Hyro--, nimus. Der Gesd)äftsführer, Syndikus E n g e l b a d) - Darm-' stadt, gab einen tteberblick über das Geschäftsjahr 1905. Er erklärte, daß der Verein mit der Entwicklung der Kasse sehr zufrieden sein könne. Die Kasse hat das vorgesteckte Ziel, ihren Geschäftsbetrieb auf die Mitglieder des Berbandesi deutscher Gewerbevereine auszudehnen, erreicht; dies wurdei im Juni 1905 vom Reichsaufsid)tsamt genehmigt. Der Vorstand hat sich an sämtliche Bundesregierungen gewandt unb Zusagen erhalten. Aus Württemberg haben srch schon im letzten Vierteljahr 22 Herren angemeldet, auch ans Bayern sind zahlreiche Beitritte zu erwarten. 'Tas Ergebnis der Kasse ist sehr günstig, und es können 16,66 Prozent Dividenden an die Mrtgrieder zur Auszählung kommen. 1905 traten 21 Mitglieder mit 17 600 Mk. Ver- sicherungskapital bei, 17 erhöhten den Betrag um 8,040 Mk.; B4 Mitglieder starben unb es wurden 10 680 Mk. Sterbegeld wrsbezahlt. Tas VersicherungskLpital stieg um 10 870 Ml. intb beträgt heute 605 650 Ml. Dl.e Jahrescinnahnre betrug 30 701 2RI., die Ausgabe 30 346 Mk. 'Ter Vermögensbcftand -nahm um 11815 Mk. zu und stieg auf 55 500 Mk. Auf ßhttrag des Vorstandes beschloß Mc Versammlung, statt !der Auszahlung der 16,66 Proz. Dividende die Monats- bciträge für diooember rmd Dezember 1906 zu erlassen. Aus jAntrug Haas-Gießen wird dem Rechner Entlastung erteilt und dcnr Vorstand Dank ausgesprochen. Der seitherige Vorstand: Sarnes, 1. Vorsitzender, Regicrungsrat Noact 2. Vorsitzender, Syndikus Ingelbach Geschäftsführer, Markus Kontrolleur und die Beisitzer Prof. Tr. Sonne, Sä)aub uird Hild wurden wiedergewählt. In den erweiterten Vorstand wurden gewählt: 1. für Starkenburg Lehrer Hahn- Lengfeld, Buntschuh - Beerfelden, Giegerich - Heppenheim, Basscnauer-Griesheim, 2. für Ober h essen Dickore - Gießen, Schaffner-Homberg, Geiß-Büdingen, S) a as -- Gießen, 3. fiir Rheinhessen Keßler-Hlonhcim, Brillmeier- Bingen, Schirmer-Atombach und Knippenüerg-Oppcnhcim. In den Prüfungsausschuß wurden gewählt: Emmcl-Hungen, Haßes-Gießen, Weber-Darmstadt, Schaffner-Homberg, Albert-Lorsch. W. Darmstadt, 17. April. .Heute nachmittag fand zu Ehren des von hier scheidenden, zum Gesandten anl sächsischen Hofe ernannten preußische Gesandten Prinzen zu H o h e n l o h e - O e h r i n g c n im Großh. Residenzschlossa Galatafel statt, an welcher außer dem Großherzog und der Großherzogin Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen teilnahmen. Zu Ostern hat der Großherzog einen neuen 40 P.S. Opelwagcn erhalten. Der Wagen ist sechse sitzig, mit eleganter Karosserie und kann 80 Kilometer in der Stunde zurücklegen. Er ist mit Kardanantrieb und seitlichem Einstieg versehen. Der Wagen hat besonders bei roller Geschwindigkeit einen völlig geräuschlosen Gang. Heute nachmittag begaben sich S. K- H. der Groß Herzog in seinem neuen Opelwagen und Prinz- H e in r i ch von Preußen in seinem 40 P. S. Bcnzwagen zu einer Besichtigung der Opelwerke nach Rüs sel s he im. Beide Fürsten waren von Ihren Gemahlinnen begleitet. In der Villa Opel wurde nach Besichtigung der Werke ein kleiner Imbiß genommen und daun nach Darmstadt zurückgefahren. Offenbach, 17. 9(priL Ein in Bürgel wohnender Arbeiter, der bei einem dortigen Bauunternehmer beschäftigt war und zuletzt in dessen Diensten an einem Neubau im Großen Biergrund in Offenbach arbeitete, fuhr am Samstag abend nach seiner Heimat Alzenau, um dort die Ostertage zu verbringen. Unterwegs erkrankte er plötzlich, so daß er in Alzenau schleunigst ins Krankenhaus gebracht werben mußte, wo er nach kurzer Zeit unter allen Symptomen der Genickstarre starb. Die nötigen Vorsichtsmaßregeln gegen eine Weiterverbreitung der Seuche sind durch das Großh. Kreisgesundheitsamt bereits angeordnet worden. (Off. Ztg.) Garben he im, 16. April. In der Lahn oberhalb der Naunheimer Schleuse wurde von Schleusenwärter Wiesenborn gestern nachmittag die Le iche des in den 60er Jahren stehenden Bahnwärters a. D. Ludwig von hier auf- gefrscht. Ter alte Mann dürfte unter dem Drucke quälender Schmerzen, die ihm ein altes Bruchleiden bereitete, in den Tod gegangen sein. Wie der W. A. hört, hatte er sich! in der Frühe des ersten Feiertages unter Worten aus seinem Hause entfernt, die eine solche Absicht vermuten ließen. Die Bestechung der Angestellten. Die Bestechung der Angestellten nimmt schon seit geraumer Zeit das besondere Interesse der Geschäftswelt in Anspruch. Man verlangt vielfach, in ähnlicher Weise, wie dieses in anderen Staaten — England, einigen Staaten der Union in Nordamerika — tatsächlich bereits geschehen ist, den Erlaß eines Strafgesetzes gegen alle, welche sich! an einer derartigen Bestechung irgendwie beteiligt haben. Insbesondere ist ein derartiges Verlangen and} von Handelsund Gewerbekammern geltend gemacht worden, und selbst im Reichstage ist ihm bereits Ausdruck gegeben worden. In der Tat kann es keinem Zweifel unterliegen, daß es sich um einen sck)weren Uebelstaud handelt, wenn es in Geschäftskreisen vielfach gang und gäbe geworden ist, daß man durch Gewährung heimlicher Provisionen, sogen. „Schmiergelder" an die Angestellten, also durch deren Bestechung sich auf Kosten des Prinzipals derselben bei Lieferungen usw. besondere Vorteile verschafft. Der Prinzipal ist bei größeren Geschäften geradezu gezwungen, Lieferungs^ Verträge u. dgl. durch seine Angestellten abschließen zu lassen, ja er ist häufig nicht einmal in der Lage, eine gehörige Kontrolle dieser'halb über sie auszuüben, er muß sich also darauf verlassen können, daß sie seine Interessen wahrnehmen, als wären es ihre eigenen. Läßt sich nun aber der Angestellte durch Gewährung von Vorteilen von der anderen Seite dazu verleiten, diese Interessen zu vernachlässigen und also die Interessen des auberen Teiles zu fördern, so handelt er nicht nur rm höchsten Maße gewissenlos, er kann auch seinen Prinzipal materiell erheblich schädigen. Aber man soll nicht überall gleick) nach einem neuen Gesetz rufen, wo sick) ein Mißstand fühlbar macht, und so hat wohl die Mehrzahl der Handelskammern sich gegen ein solches neues Gesetz ausgesprochen in der richtigen Erkenntnis, daß die bestehenden Gesetze, wenn sie nur richtig zur Anwendung gebracht werden, zunächst ausreichen dürften, dem Unwesen zu steuern; denn sowohl das Straf- wie das Zivilrecht gewähren Handhaben, gegen dasselbe vorzugehen. Was das erstere anbetrifft, so wird es sich in den allermeisten Fällen um einen Betrug im Sinne des § 263 Str.-G.-B. handeln, denn es wird zumeist darauf hinaus- tonrmen, daß die Minderwertigkeit uni) die Mängel der gelieferten Waren durch die Bestechung den Augen des Prinzipals entzogen werden sollen. Viel wichtiger wird a^r für den Prinzipal häufig die Frage sein, welche zivilrechtlichen Folgen sich für ihn aus der verübten Unredlichi- keir ergeben. In dieser Hinsicht ist folgendes zu bemerken: Zunächst kann es keinem Zweifel unterliegen, daß die Bestechung den Prinzipal zur sofortigen Entlassung des Angestellten bereckstigl. — § 72 H.-G.-B. bczw. §§ 123, 133 Gew.-Ord. — Weiter kann es evensoweuig zweifelhaft sein, daß der Angestellte dem Prinzipal beit Vorteil ausantworten muß, den er burch Bested)ung erhielt, denn er ist nach 8 667 B.-G.-B. verpflichtet, alles, was er aus der Geschäfts- besorgung erlangt, herauszugeben. Endlid) aber ist es klar, daß es sich um einen Verstoß gegen die guten Sitten handelt, und daher ist der Prinzipal gemäß § 826 B.-G.-B berechtigt, Ersatz des vollen Schadens, der ihm direkt oder Indirekt erwächst, sowohl von dem Angestellten, als auch was viel Wesentlicher ist, von dem Gegentonkrahenten, der fick) der Bestechmig schuldig geniadjt hat, zu beanspruchen. Werden nur in jedem Falle alle diese schon heute Ms dem Gesetz siey, ergebenden Folgen der Bestechung beachtet, so dürfte ein besonderes Gesetz in der Tat sich er» übrigen.Dr. jur. A. Vermischtes. • Das neueste Eisenbahnunglück. In dem Tunnel zwischen Cassin unb Aubagne (Frankreich) fand ein Zusammenstoß zwischen einem Expreßzuge unb einem Güter- zilge statt. Die Maschine bes letzteren würbe bemoliert, ber Ziigführer getötet unb ein Beamter schiver verletzt. Neisenbe kamen nicht zu Schaben. ' Jorbanivasser, die Flasche zu 15 Mark! Auf einen zum mindesten eigenartigen Geschäftsbetrieb, ber sich neuerbings in Berlin etabliert hat, macht ber „Reichsbote" aufmerksam. Das Blatt schreibt: In ben letzten Tagen ist, wie dem „(So. Kirchl. Anz." so and) uns eine Broschüre mit einem Anschrciben zugegangen von einer Firma: „Jordcm- lvasser-Vertrieb", bie bie Geistlichen für ihre geschäftlichen Interessen gewinnen will. Es berührt schon eigentümlich, baß bie Firma ohne einen Namen auftritt, aus bciu man ersehen könnte, wer hinter biesem Geschäfte steckt. Sie gibt sich mit dem Vertriebe von Jorbanwasser ab, bas in Flaschen zum Preise von 15 Mark ben Geistlichen zur Taufe der Kinder aus wohlhabenden Häusern angeboten wird. Die Firma weiß, daß sie ohne die Geistlichen in dieser Sache nichts erreichen kann, Saruin sucht sie die Pastoren zu ködern, nämlich diirch den Hinweis, daß sie einen erheblichen Teil ihres Reingewinnes der Berliner Synodal-Pre- digerwitwen-Kasse zuwenden wolle. Leider wird nicht gesagt, welchen Prozentsatz die Firma zu spenden beabsichtigt. Dauii aber wird noch den Geistlichen ein Extra-Angebot gemacht: nicht nur, daß sie selbst eine Flasche Taufwasser ohne Be- rechnimg zur Verfügimg gestellt befoinmen, nein, der Geistliche soll aiich noch an dem Gewinne partizipieren, indem ihm 4 Mark pro Flasche §ur beliebigen Verwendung in Aussicht gestellt werden. Dafür soll der Geistliche wohlhabenden Eltern bei der Anmeldung ber Taufe persönlich ober burch geeignete Personen: Küster, Kirchendiener usw. in geeigneter Form das Taufwaffer empfehlen. Ganz abgesehen davon, daß es bedenklich erscheint, daß durch den Kult mit diesem Taufwasser ein Geschäftsbetrieb ähnlich dem mit dem Lourdes- wasser, — das dabei wohl als Muster gedient hat, — inszeniert werden soll, ist auch in ber ber Reklame 'beigefügten Broschüre widerwärtig, daß ber bogmatische Artikel: „Was ist die Taufe?" mit ber geschäftlichen Reklame schließt: „Diese 9lnorbnung Christi behält ihre tiefe Bedeutung umsomehr, wenn ber göttliche Befehl, bie Taufe, mit Wasser aus dem Jordan vollzogen wirb." (!) Die Flasche Jordanwasser kostet 15 Mark. Man kann sich allein berechnen, was für ein Verdienst trotz der 4 Mark Provision, die sie dem Geistlichen bewilligen will, dabei für die Firma herausspringt. Wir hoffen, daß die Geistlichen dieses Ansinnen, das zudem noch ivieder eine soziale Ungleichheit in ihre Gemeinden hineintragen würde, kurzerhand als Unfug zurückweisen werden. • Sprüche im Anwaltszimmer. Auf eigenartige Weise ist das Anwaltszimmer im neuen Justizgebäude in Rubolstadt dekoriert. An ben Fensterkreuzen unb Garberobenschränken sind hübsche Verse angebracht, von denen einige, die nicht nur für Anwälte Bedeutung haben, hier wiedergegeben seien: Kreuch' bald ins Bett, fang zeytig an, Du mußt eyn klares Köpflin han. Schwankst zwischen Neigung du und Pslick)t, Hord) auff, was deyn Gewissen sprick)!. Führ deyne Sack)e gut oder schled;t, — Der Menge machst dus niemals recht. Die arme Eh' bringt wahre Freud' Erst wanns Gericht sie wieder scheidt. Verlierst du, laß keyn Tränleyn rinnen, Zwo können nit zugleyd; gewinnen. Prozeßstoff ist eyn Hauffen mist, Dareyn eyn Körnleyn Rechtens ist. Deyn Maul muß wie eyn Mühlwerk gähn. Willst bit beim Volk in Achtung stahn. Sei immer höflich vor Gericht — Tas Zähnefletschen lohnt sid) nicht. Schnäuz' niemals deynen Gegner art, Er ist wie du eyn braver Mann. Das letztere könnten sich auch die enragierten Anhänger politisd)er Parteien merken! '"KleineTageschrouik. Ein seltsamer Vorfall hat sich in der Irrenanstalt Friedrid)sberg bei Hamburg ereignet. Eine Irrsinnige kam der Gasflamme zu nahe und verbräun l e unbemerkt. Erst einige Zeit spater wurde der verkohlte Leichnain aiiigenmben. — Ain 16. April ertranfeu auf dem Kamminer Bodden (Pommern) infolge Kenterns eines Bootes vier Personen: der Betriebsleiter der Stettin-Griftower Zementfabrik Dr. Seidel, der Buchhalter Riedel von derselben Fabrik und zwei Fährleute. — DerFletschermeister Adamski in O b orn i k, der den Raubmörder RosinSky festgenominen hatte, erhielt eine aus Berlin abgeftempelte Postkarte, in der ihm angedroht wird, daß er, bevor Rosinsky hingerichtet wird, nicht mehr unter den Lebenden weilen tverde. — Ein Großseuer hat den Ort Rabitz bei Oswiecim (Oberschlef.) fast völlig eingeäfchert. 50 Wohnhäuser und Nebengebäude sind abgebrannt. Zwei Frauen unb drei Kinder sind in den Flam m en u m g e k o m m e u. Es herrscht großes Elend, da fast alle Familien obdachlos getvorden sind. Zur Nttiversrtäts- und AbiturienLenftatistiL. Der gegenwärtige Zeitpunkt, wo die Reifeschüler ber höheren Lehranstalten zum Hochschulstudium übergehen, ist besonders geeignet zur Mitteilung der Hauptergebnisse der statistischen Erhebungen, die Geheimrat A. Tilmann, vom prenß. Unterrichtsministerium veröffentticht hat. Die Gesamtzahl der Theologen auf den preußischen Universitäten ist im Laufe der letzten vier Jahre (seit dem Wintersemester 1902/03) von 1986 auf 1795, oder in Prozenten der gesamten Studierenden von 13 Prozent auf 10 Prozent jurücfgegangen, obivvhl die Zahl der ersten unb zweiten Semester (kurz als Füchse bezeichnet) in diesen Jahren ziemlich die gleiche geblieben ist (14 Prozent aller Füchse). Die Gesamtzahl ber Juristen betrug im Wintersemester 1905/06 6202 gegen 5595 im Wintersemester 1902/03, dem Prozentsatz der gesamten Studierenden nach aber seit 1902 stets 36 Prozent. Auch für das letzte Jahr ist die Beobachtung 511 machen, daß die Beteiligung der Juristen an dem studentischen Nachwuchs n a ch l a ß 1, denn die Zahl der Füchse betrug in dieser Fakultät in den letzten drei Jahren 1286, 1467 und 1074 (36 Prozent, 31 Prozent, 32 Prozent der gesamten). Die Gesamtzahl der Mediziner ist von 2418 im Wintersemester 1902/03 auf 2017 im Wintersemester 1905/06 zurück- gegang en, von 16 Prozent aus 12 Prozent der Gesamtzahl der Studierenden, und die 374 Füchse des letzten Jahres machten 11 Prozent der gesamten Füchse aus. Der stete Rückgang, von dem im vorigen Jahre zu berichten war, ist hier zum Stillstand gekommen. Bei der philosophischen Fakuliät liegt wiederum ein Steigen des Nachwuchses im Berlstiltnis zu ihrer früher en StudentenMhl yor. Ihr gehörten im letzten Winter- Halbjahr 7332 Studierende an, 42 Prozent der Gesamtzahl, gegenüber 5415 (35 Prozent) im Jahre 1902/03. Dennoch ist die Zahl der ersten und zweiten Semester zurückgegangen. Diese betrug im abgelaufenen Stirdienjohr 1468 gegen 2278 int Jahre 1904/05, 43 Prozent gegen 49 Prozent der gesamten Füchse. Geheimrat Tilmann hebt als charakteristisch hervor, daß das Studium der klassischen Philologie unb des Deutschen, das in den letzten Jahren so stark gestiegen ist, im letzten Jahre noch eine lueitcre Steigerung erfahren hat. Folgende Zahlenreihen seien hier zusammengestellt: woraus sich für die juristische Fakultät vorn Gymnasitmt vom Realgymnasitnn von der Oberrealschnle 1904/05 87 pCt. 10 pEt. 3pCt. 1905/06 84 pCt. 11 pCt. 5 pCt. 1903/04 90 pEt. 8pCt. 2 pCt. 1. Gesamtzahl der Altphilologen in den Wintersemestern von 1902/03 bis 1905/06: 1129, 1496, 1901, 2383, ober 7 Prozent, 9 Prozent, 11 Prozent und 14 Prozent der Gesamtheit. Anzahl der Füchse in den Jahren 1903 bis 1905: 411, 748, 566, ober 11 Prozent, 16 Prozent unb 17 Prozent aller Füchse. 2. Gesamtzahl ber Neuphilologen in derselben Zeit: 1190, 1221, 1296, 1319, d. i. überall 8 Prozent der Gesamtheit der Studierenden. Anzahl ber Füchse: 268, 418, 242, d. i. überall 7 Prozent der gesamten Füchse. . . . , ..... ... eine weitere, wenn auch langsame Vermehrung des realistischen Elementes int Nachwuchs ergibt. In denselben Jay-ren waren in der medi- 3. Gesamtheit der Mathematiker unb Naturwissenschaftler: 2133, 2179, 2197, 2163, ober 14 Prozent, 14 Prozent, 13 Prozent und 12 Prozent ber Gesamtheit. Mzahl der Füchse: 480, 635, 369, b. i. 13 Prozent, 14 Prozent unb 11 Prozent der gesamten Füchse, also ein starker Rückgang. Auch die Verteilung des studentischen Nachwuchses auf die drei verschiedenen S cb n l g a11 u n g e n liefert interessante Zahlenreihen. Tilmann berechnet an Füchsen bei den Juristen: in ben Jahren zwischen Fakultät vom Gymnasium 90 Prozent, 89 Prozent und 91 Prozent, vom Realgymnasium 10 Prozent, 11 Prozent und 9 Prozent aller Füchse, so daß hier zunächst von einer weiteren Vermehrung des realistischen Elementes nicht geredet werden kann. Handel und Verkehr, Volkswirtschaft. ** Konkurse in Hesse n. lieber das Vermögen des Karl N ö h r b a ß L, Ackersmann, und seiner Ehefrau Elisab etha, geb. Hinkel, beide in Wolfsheirn, wurde am 27. März, nachmittags 5,1/4 Uhr das Konkursverfahren eröffnet. Referendar Heinrich Keil in Wörrstadt wurde zum Konkursverwalter ernannt Kvnkursforderungen sind bis zum 28. Mai 1906 bei dem Amtsgericht Wörrstadt cmzumeldn — lieber den Nachlaß des verstorbenen SchreinermeisterS Adam E u t e n m ü l l e r III. zu Brensbach wurde am 30. März, itacbm. 44/2 Uhr das Konkursverfahren eröffnet. Rechtsanwalt Am end in Reinheim wurde zum Konkursverwalter ernannt, ^lonkursforderungen sind bis zum 20. April 1906 bei dem Amtsgericht Neinheim anzumelden. — lieber das Vermögen des Landwirts Balthasar Walter III. in Münz enber g wurde am 6. AprU nach-m. 4 Uhr das Konkursverfahren eröffnet. Rechtsanwalt Ohnacker in Butzbach wurde zum Konkursverivalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 25. April 1906 bei dem Amtsgericht Butzbach anzumelden. — lieber das Vermögen des Julius Peters j r., Inhaber der Firma „Dampsziegeliverke Wetterau" in Massen- heim, wurde am 12. April 1906 Vvrm. 83/4 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Rechtsanwalt Heyl in Vilbel wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkürsfvrderungen sind bis zum 2. Juni 1906 bei dem Amtsgericht Vilbel anzumelden. Märkte. — Bleichenbach, 17. April. Der heutige Ostermarkt war gegen frühere Jahre außerordentlich stark mit Schweinen befahren; besonders waren Händler als Käufer vertreten, sodaß in ganz kurzer Zeit fast sämtliche Zufuhr aufgefauft war. Die Preise waren red)t hoch, bis 65 Niark wurden das Paar Ferkel im Alter von 6—7 Wochen schnell verkauft. Die Verkäufer haben eben gute Zeiten. Tie Preise für Fettvieh sind im Rückgang begriffen, 68 Pfg. pro Pfund Schlachtgewrcht werden gegenwärtig von den Metzgern bezahlt. Zwar merkt das PubliUnn von rückgängigen Ladenpreisen nod) ferne Spur. )( Snubadj, 17. April. Der alljährlich am dritten Oster- feier tag hier stattfindende Schweinemarkt hatte einen starken Auftrieb zu verzeichnen, mit etwa 250—300 jungen Schweinen war der Markt befahren, die alle zu guten Preisen Absatz fanden. Bezahlt wurden für 1 Paar sechswöchige Ferkel 70—80 Mark: für sechsmonatige Einlegeschweine wurden pro Paar 130 Mark erzielt. Nur 3 Händler waren erschienen, ben größeren Teil bet Verkäufer bildete bie Landbevölkerung aus der Umgebung. Aurverfitäts-Naeh rieten. — Ober-Medizinalrat Professor Dr. Sd)inorl in Dresden wurde auf fein Ansuchen von ber Verpflichtung zur Hebern ahme der ihm übertragenen ordentlid)en Professur der pathologischen Anatomie an der Universität Freiburg i. Br. entbunden und an dessen Stelle Professor Dr. Ludwig Asdioff in Marburg zum ordenttichen Professor der pathologischen Anatomie in Freiburg ernannt. Dr. Ajd)oss ist dadurch Nachfolger des verstorbenen 6)eh. Hofrats Professor Dr. Ernst Ziegler. GijeuvaL-tt-Sestuug. — D i e M ä r z e i n n a h m e ist im Bereich der P r e u ß i f ch - H e f f i f d) e n E i f e n b a h n g e m e i n s ch a f t wieder ganz autzer- gewöhnlicki gewesen. Sie beträgt, wie wir hören, rund 15 Atillionen Mark mehr wie im Atärz des Vorjahres. Danrit liegt jetzt auch das EinnahineergebniS für das ganze Rechnungsjahr 1. April 1905 bis 31. März 1906 vor. Nicht weniger ivie rund 105 Millionen Mark beträgt bie Mehreinnahme bes Etatsjahres 1905 gegen den Etatsvoranfchlag und rund 123 Millionen Mark gegen baS Borjabr 1904. Die Einnahmesteigerung im Personen- und Güterverkehr beträgt im Jahre 1905 gegen 1904 nahezu 8 Prozent. Das erscheint aud) erklärlich, wenn in Betracht gezogeii wird, daß im März d.J. gegen den Parallelmonat des Vorjahres die Wagenstellung ün Ruhrrevier um 13,5 Prozent und im oberschlesischen Revier um 16,2 Prozent gestiegen ist. Tie Ausgabe steht zwar für 1905 noch nicht fest. Nach allem aber, was darüber bekannt geworden ist, darf man ivohl aiinehnicn, daß die großen Erwartungen, welche der Vertreter des Eisenbahnministers bei den jüngsten Verhandlungen im Abgeordnetenhause auf das Finanzergebnis der preu- ßifchen Staatsbahnen für 1905 gesetzt hat, voll erfüllt, vielleicht sogar voii der Wirklichkeit nock) übertroffen iverben._ Eingesandt. (Für Form unb Inhalt Cher . :.il. . i. i.. Jnbrif stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber kemerlc, Verantwortung.) Durch die jetzt allgemein in Angriff genommene Hausem- wäsfernng dürfte der W a s s e r v e r b r a n ck; bedeutend st e tfl e n, mindestens auf das Doppelte, wenn liicht mehr; es ist wohl oie Bitte an bie Stadt gerechtfertigt, in Anbetracht des großen Ver- brallchs ben Preis bes Waffers h e rnn terzu f etz en. Die Hausbesitzer haben bnrch die Anlagen selbst bedeutende ^")ÜEN, aiißerdem ist der Preis von 25 Pfg. zu hock), ivähreiid das Gas, das bock) große Herstellungskosten erforbert, bedeutend billiger isl. für ist schwächt Hausens Kasseler Kiitder Hafer-Kakao — wie auch für junge Mädchen — das bewährteste «7 Kräftigungsmittel, um der Blutarmut, Bleichsucht oder ja schlechtem Aussehen entgegen zu wirken. Kaffee u. Theo sind fast wertlose Getränke, während Hausens Kasseler Hafer-Kakao noch nach Stunden im Magen anhält u. kein nervöses Hungergefühl aufkommen lässt. 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Der Besuch der Anstalt befreit die aus der Volksschule entlassenen Schüler, sowie diejenigen höherer Lehranstalten, wenn sie nicht ein Jabr lang der Ober-Tertia angehört haben, vom Besuche ocr obligatorischen Fortbildungsschule. vlV« Äießen, den 9. Aprtt 1906. Die Schnlkommhsion. Sät sämtliche Gctreidearten ohne Wechsel der Säräder. enrpftehlt Hausentwässerungen Wasser- und Gas-Anlagen werden billigst und in kürzester Zeit ausgeführt durch SteziiljesH; 6. ?. Mihm Goethestrasse 23 Telephon 452 Auf Wunsch günstigste Zahlungsbedingungen. LM f 5-’’ ~' ’■: ” r " \;.-c :5 auch fernerhin erhalten und mein neues statt. Stöckrath h^V << . W V- 1 >’•■ ■ . Butzbach Coblenz Darmstadt Frankfurt GEOLIN putztSBi: ‘ '< i' rasch?e reinlich? bequem? sparsam? prachtvoll? A- * nachniiiW * Sn* unb Zkka""ik Gieße». $a§® Friedberg Mainz Bad-Nauheim Offenbach tt . t Ich ^te> das den beiden Firmen bisher in so reichem Masse bewiesene Vertrauen mir Unternehmen gütigst unterstützen zu wollen. 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