Erstes Blatt Montag SV. Angnst 1906 Die heutige Dummer umfaßt 8 Seiten. 156. Jahrgang Die Fahrkartensteuer ist gewiß unpopulär; aber eine Höherbelastung des Tabaks wäre es nicht minder. Immerhin werden die Tabak-Interessen gut tun, wenn sie die Augen offen halten und zur Abwehr gerüstet bleiben. D. N.) Die Finanz-, Sozial- und Handelspolitik des Grafen Posadowsky. Eines der wichtigsten Vermächtnisse, das wir aus der Zeit Wilhelms I. übernommen haben, ist die Sozialpolitik, aufgebaut auf der Kaiserlichen Botschaft vom 17, November 1881. Ihre Pflege und ihr Ausbau ist seit dem Jahre 1897 einem Manne anoertraut, der das ganze weite Gebiet bis in die kleinsten Verzweigungen hinein mit hervorragendem Wissen beherrscht und mit unermüdlichem Eifer fördert: dem^Staats- sekretär Grafen Posadowsky. Ebenso bedeutungsvoll aber wie für die Sozialpolitik ist sein Wirken auch für die Handelspolitik des deutschen Reiches, und hierbei kommt ihm seine genaue Kenntnis der deutschen Finanzverhältnisse in hohem Maße zustatten, die er in seiner mehrjährigen Tätigkeit als ReichsschatzsKretär erworben hat. In den wichtigsten Fragen steht Graf Posadowsky auf dem Boden der Bismarct'schen Wirtschaftspolitik. Voraussichtlich wird des Grafen Tätigkeit noch für lange Jahre von grundlegender Bedeutung bleiben. Für das Verständnis der wirtschaftlichen und sozialen Entwickelung Deutschlands während der letzten zwölf Jahre ist die Kenntnis seiner Reden unerläßlich, denn sie bilden den zuverlässigsten Kommentar für Entstehung, Inhalt und Ausführung der Gesetzgebung und den sichersten Wegweiser für ihre Ziele. Aber diese Reden sind in den stenographischen Berichten der Parlamente verstreut und daher nicht überall und nicht leicht zugänglich. Ihre wesentliche Ergänzung sinden die parlamentarischen Reden in den zum großen Teil sehr wichtigen protokollarischen Erklärungen aus den Kommissionsberatungen und in einer größeren Anzahl von nichtparlamentarischen Reden, die auf Handelstagen, Kongressen und bei festlichen Gelegenheiten von dem Staatssekretär gehalten worden sind. Um dieses ganze Material allgemein und leicht benutzbar zu gestalten, hat die Verlagsbuchhandlung von I. I. Webe« m Leipzig zu einer Sammlung der Reden des Grasen Posadowsky sich entschlossen. In dieser sind auch die protokollarischen Erklärungen und die außerparlamentarischen Reden des.' Staatsmannes vollständig wiedergegeben. Das Werk wirb vier Bände von ungefähr je fünfzig Bogen umfassen. Der erste Band wird im Herbst des Jahres 1906, die anderen! werden voraussichtlich im Jahre 1907 erscheinen. Ein Re-, gister soll ermöglichen, jede Einzelfrage der Finanz-, Sozial-^ und Handelspolitik des Reiches in allen Stadien der Be-i Handlung zu erfolgen. Wir verweisen schon heute alle unseres politisch interessierten Leser auf das Erscheinen dieses wichtigem und wertvollen Werkes, von dem wir wohl noch öfter zut sprechen Gelegenheit finden werden. Nr. 194 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Familien, blätter vierinal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch-u. Steindruckerei. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Redaktion 113 Verlag u.Erped. e^51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Gießener Anzeiger General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen politische Wochenschau. Gießen, 20. August 1906. Ter deutsche Staatssekretär des Ausivärtigen '?simtes, b. Tschirschky, und der englische Botschafter in Berlin, Lascelles, sowie der englische Unterstaatssekretär des Aeußern Sir Harbinge und der deutsche Gesandte in Egypten v. Rücker-Henisch wohnten den Verhandlungen Kaiser Wilhelms und König Eduards in Cron- berg bei. König Eduard empfing nach seiner Ankunft in ALarienbad sofort den englischen Premierminister Campbell- Bannerman und den englischen Botschafter Sir Goschen. Das Gewicht der Cronberger Erörterungen war auch mtt- bestimmend dafür, daß Fürst Bülow seinen Sommeraufenthalt in Norderney unterbrach, um mit dem deutschen Kaiser in Wilhelmshohe zu konferieren. Der vielfach offiziös benutzte „Berl. Lok.-Anz." meldete folgendes: Wilhelm shöhe, 18. Ang Die Befriedigung über den Verlauf b:r Cronberger Entrevue dauert an. Der Kaiser und der Reichskanzler arbeiten fast ununterbrochen. Fürst Bülow macht einen sehr gesunden arbeitsfreudigen Eindruck. Auch der „Frkf. Ztg." wurde gemeldet, daß der Verlauf der Cronberger Begegnung auf'beiden Seiten lebhafte Befriedigung hervorgerufen habe. Der Verkehr der beiden Monarchen war ungezwungen und herzlich. In den Aussprachen sind die schwebenden Fragen eingehend erörtert worden. Es bot sich dabei Gelegenheit, vorhandene Mißverständnisse zu beseitigen und wertvolle Informationen zu geben, was für die Zukunft von Bedeutung sein wird. Beschlüsse oder bestimmte Abmachungen sind nicht getroffen, die Aussprachen trugen vielmehr einen ausschließlich informatorischen Charakter. Wie versichert wird, hat Könist Eduard, der auf der Hinreise noch mit Vertretern feiltet Regierung eingehend verhandelte, Cronberg in bester Stimmun g verlassen. — Was erörtert wurde, entzieht sich natürlich der öffent- lichen Kenntnis. Vielleicht war es der Wunsch König Eduards, Deutschlands Zustimmung zu der großen Politik Großbritanniens zu erlangen, welche die Entwicklung der afiat. und afrikanischen Geschicke feftlegen soll Der Sudan, Egypten, Arabien, der nahe Orient, das Jranplateau, alle diese Gebiete bilden den Gegenstand diplomatischer Dis- iilssionen und Aktionen. Tie englische Politik in allen diesen Ländern hat seither eine durchweg zerfetzende Wirkung ausgeübt, um dem Vordringen des britischen Einflusses die besten Möglichkeiten zu bereiten, und hat sich, ohne große militärische Aufwendungen betreiben zu müssen, durch diplomatische Ausnutzung der jeweiligen Situation int' ganzen Gebiete des Islam festgesogen. Da der Britisierungsprozeß der mohammedanischen Welt dem englischen Könige nicht schnell genug von statten ging und er den paralysierenden Einfluß des konkurrierenden Frankreich beseitigen wollte, vereinbarte er mit letzterem in dem Marokkoabkommen eine Teilung der afrikanisch-islamitischen Welt. England erhielt danach freie Verfügung in Egypten, Frankreich in Marokko. Nun ist aber durch die Algeciras-Mte wohl endgiltig das Marokko-Abkommen beseitigt. Deutschland hat 1904 bereits die England von Frankreich damals zuerkannte neue Stellung in Egypten in einem besonderen .Vertrage gutgeheißen. Dieser Vertrag betraf die wirtschaftliche Gleichstellung Deutschlands mit Frankreich und Egypten für die nächsten dreißig Jahre. Insofern dieser Vertrag die Meistbegünstigung Deutschlands in Egypten auf einen Zeitraum von dreißig Jahren beschrankt, bildet er einen schweren Nachteil gegen früher. Aber England will sich mit der wirtschaftlichen Alleinstellung in Egypten nicht'begnügen, sondern das Land der Oberhoheit des Sultans entfremden, um es ähnlich wie Indien in eigene Abhängigkeit zu bringen, freier beginnen neue Differenzen. Es ist zweifellos, daß für Deutschland alle Vorsicht geboten sein muß, keine Interessen anderer befreundeter Staaten durch ein Eingehen auf die englischen Wünsche zu verletzen. In Wilhelms höhe sind Kaiser und Kanzler weiter mit der Erörterung des innerpolitischen Arbeitsstoffes, der sich in diesen Sommermonaten angehäuft hat, beschäftigt. In der Angelegenheit des Landwirtschaftsministers v. Podbielski ist zwar die maßgebende Entscheidung der höchsten Stelle noch nicht gefallen. Nach der „Nordd. Allg. Ztg." aber hat der Reichskanzler bereits von Norderney ans den Landwirtschaftsminister zu einer Aeußerung über die Beteiligung des Ministers an den Geschäften der Firma Tippelskirch u. Co. aufgefordert. Hierauf ist vom Landwirtschaftsminister v. Podbielski eine eingehende Antwort erfolgt, in welcher der Minister am Schluß gebeten hat, seinen Wunsch auf Entlassung aus dem Staatsdienst an allerhöchster Stelle zu unterbreiten. Diese Nachricht langte hier am Samstag nachm. an und wir gaben sie alsbald durch Aushang bekannt. Die Erfüllung dieser „Bitte" wird wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen. Damit die nächsten Reichstagswahlen nicht zu radikal ausfallen, werden bereits jetzt Kartelle vorgeschlagen. So vereinbarten hie Deutsch sozialen und Konservativen in Kur Hessen ein Abkommen, um sich ihren gegenseitigen Besitzstand zu garantieren. Für Rheinland und Westfalen schlug eht „alter nationaltiberaler Parteimann" ein Kompromiß mit dem Zentrum vor, das von letzterem mit Ironie zurückgewiesen wurde. In der Provinz Sachsen betreibt die Mittelstandspartei eine rührige Agitation, unterstützt von Konservativen und Agrariern, sodaß die nationalliberale Partei bereits an ernstliche Gegenmaßnahmen denkt. In Döbeln ist es trotz Einspruch von partei- offizieller freisinniger Seite zu einer Einigung der Bürgerlichen auf Hasse gekommen. An einen Sieg Hasses wird man aber darum doch, schwerlich glauben können. «ezugSpretSr monatlich 7bPs., viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel- jährl. ansschl. Bcstellg« Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr, SeilenpretS: lokal I2Ps, auswärts 20 Pfg. Verantwortlich für den volit. und ttUgcm, Teil: P. Wittko; für .Stadt und Land' und .Gerichtsjaal': Ernst Heß; für den Anzeigenteil: LcrnS Beck. Herr v. Holstein, der vor einiger Zeit aus dem Auswärtigen 'Amt geschiedene; Geheimrat, hat der „Zukunft" des Herrn Maximilians Harden, die sich mit seiner Persönlichkeit ausgiebig beschrift tigt hat, einen Brief gesandt, in dem er verschiedene der? von Harden über ihn gemachten Angaben richtig zu stellens sucht. Herr v. Holstein teilt darin über seine Verabschied-' ung mit, daß seine Beziehungen zum Geheimrat Dr., H a m m a n n, dem öekännten Preßdezernenten des Aus-» wärtigen Amts und einstigen Redakteur der f r e i s i n n i g e ns „Nordhäuser Ztg." sich schwieriger gestaltet hätten und daßs er deshalb in der Weihnachtswoche 1905 sein Abschieds-, gesuch eingereicht habe. Der Reichskanzler habe dann die Angelegenheit mit ihm besprochen und er (Holstein) Habel dem Fürsten Bülow darlegt, daß er entweder gehen odett das Preßbnreau ihm formell unterstellt werden müsse. In den ersten Januartagen sei darauf die Verfügung ergangen/ durch die die politische Abteilung mit ausdrücklichem Ein-' schlaffe des Preßbureaus dem Herrn von Holstein unterstellt worden sei. Inzwischen erfolgte die schwere Erkrankung des damaligen Staatssekretärs, infolge deren Herr von Holstein dem Reichskanzler sagte, er wolle die Abschiedsfrage in. der Schwebe lassen, bis er wisse, wep Staatssekretär werde. Nach der Ernennung des Herrn von' Tschirschky teilte dann Herr von Holstein dem Fürsten Bülow! mit, er sei zu der Ueberzeugung gekommen, daß das Aus^- wärtige Amt für Herrn v. Tschirschky und ihn zu eng sei; gleichzeitig überreichte er sein Abschiedsgesuch. Tie daraufhin erfolgende Unterredung mit dem Kanzler! machte auch diesmal, wie Herr von Holstein hervorhebt^ den Eindruck, als ob dem Fürsten Bülow sein Abgang unerwünscht sei. Tie Erledigung des Abschiedsgesuches, das als Duplikat an das Auswärtige Amt gesandt wurde, er-, folgte nachher in der Osterwoche durch den Staatssekretär^ während der Reichskanzler noch schwer krank lag. Die Tausendjahrfeier der Stadt Weilburg. (Original-Artikel des „Gießener Anzeigers") K. Weilburg, 19. August. Weilburg, die „Perle des Lahntals", hatte heute ihren Ehrentag, sind es doch tausend Jahre, seit König Konrad von Franken Burg und Stadt gründete und hierzu die schöne Anhöhe an der Lahn erwählte, deren Wellen sie von drei Seiten umspülen. Die herrliche Natur hat der Stadt ein eigenartiges Gepräge malerischer Schönheit verliehen unt> Der Fall Naumann bildet eine Parallele zu den kirchlichen Vorkommnissen in Rheinland-Westfalen. Es hat sich herausgestellt, daß'der Verein Deutscher Studenten gegen Naumann Stellung zu nehmen veranlaßt worden ist. Iw Dortmund spricht man einem frommen Pfarrer den wahren Glauben, in Leipzig einem empfin- dungsstarken ehemaligen Pfarrer das wahre 9lational- gefühl ab. Die Erkrankung des Sultans der Türkei hat in der Welt alarmierend gewirkt. Es stellte sich später heraus, daß die Krankheit nicyt so sehr gefährlich war. Die Selamlik-Zeremonie am letzten Freitag hat wieder mit dem üblichen Apparat stattaefurrden, wurde aber abgekürzt, obgleich der Sultan wohl zu fein schien. Die Botschafter waren nicht anwesend und es fand auch keine Audienz statt. Ter Thronfolger Reschad Effendi, der jüngere Bruder des Sultans, hat auch eine schwache Konstitution. Er erklärte, daß er nicht nach der Regierungsgewalt strebe. Er ist der Günsft ling Englands, während 9)uffuf Jzeddin, ein dritter Bruder, von den Russen begünstigt lvird. Ter Sultan selber möchte feinen 21jähr. vierten Sohn Burhaneddin zum Thronfolger machen. Inzwischen kamen Meldungen von einem Aufftammen der aufrührerischen Bewegung auf dem Balkan, die in der Zerstörung der von Griechen bewohnten Stadt An- chialo in Bulgarien durch bulgarische Bauern ihren Ausdruck erhielt. Der türkische Großwesir erhob in Sofia heftigen Einspruch gegen diese Greueltaten der bulgar. Minister des Aeußern aber erteilte ihm eine sehr geharnischte Antwort, indem er erklärte, die Pforte habe sich um die antigriechische Bewegung nicht zu kümmern, sie müsse eher trachten, in Macedonien Ordnung zu schaffen, weil das von der Türkei geduldete griechische Bandenunwesen die antigriechischen Ausschreitungen nähre. Der scharfe Ton ist wahrscheinlich beeinflußt von den Berichten der bulgar. Vertreter, die zu melden wissen, daß die griechische Diplo- matie die Regierungen der Großmächte für ein amtliches Vorgehen gegen Bulgarien bezüglich der Griechenhetze nicht gewinnen konnten. Von der türkisch-bulgarischen Grenze sind Berwick lun g en zu erwarten. Türkisches Militär in Stärke eine Regiments besetzte bulgarisches Territorium bei Schdrapalnitza, worauf der bulgarische Kriegsminister die Konzentrierung einer Infanterie-Brigade samt Artillerie und Kavallerie anordnete mit dem strikten Befehl, das türkische Militär um jeden Preis zu verdrängen. Aus Kustendil wurde dann telegraphiert, daß die Türken, bulgarischen Uebetmacht weichend, das Grenzterritorium bei Schdrapalnitza fluchtartig verlassen mußten. Frankreich erhielt nun endlich die Antw'ort des Papstes auf das Trennungsgesetz. Sie ging den französischen Bischöfen in einer Enzyklika des Papstes zu, worin dieser unter allerhand Verwahrungen die Kultusvereine unter der Bedingung gestattet, daß sie kanonisch sind. Ob die ftanzösischen Katholiken es unternehmen werden, das kanonische Recht für die Kultusvereine in die Praxis zu überführen oder überhaupt die Kanonisierung’ gegenüber der Regierung auch bloß der Form nach erreichen wollen oder können, steht dahin. Die Enzyklika bedeutet möglicherweise den Ausbruch neuer Kämpfe, die zur Konfiszierung des Kirchenvermögens und zur Einbehaltung des Pensionsgeldes für die Priester führen können, und vielleicht der Kirche in Frarweich ein Schisma bereiten werden. Die ftanzösischen Minister Driand und Clemenceau haben sich bereits sehr energisch gegen diese „Kriegserklärung" des Papstes ausgesprochen. lieber die Zustande in Rußland läßt sich nicht viel sagen. Wie es in der Armee ungefähr aussieht, das hat man gesehen. Kein Tag vergeht ohne Bombenwürfe und Meuchelmorde, kein Tag auch, ohne daß er einige hundert Personen ins Gesängnis brächte. Die Revolutionäre wüten in schrecklicher Weise, und das russische Volk wird dezimiert von Dolchen und Sprengstoffen. An ein Mfleben des bewaffneten Aufstandes ist im gegenwärtigen Augenblick nicht zu denken, denn es fehlen dem Volk die Führer. Man brachte ja auf die Dumaauflösung hin nicht einmal einen Generalstreik zusammen. So dauert denn das gegenwärtige Morden fort, bis wieder eine größere Eruption erfolgt. Und inzwischen tilgen die Korrespondenten in Petersburg das Blaue vom .Himmel herunter! politische Sagesschan. Fahrkarteusleuer und Tabak. \ Aus Stuttgart wird geschrieben: Die Wieder-Aushebung der Fahrkartensteuer ist nur.eine Frage der Zeit. Daß sie im BundeSrat erst nach Beschwichtigung ernster Bedenken zur Annahme gelangte, ist bekannt. Hauptsächlich befürchteten die Bundesregierungen eine Schmälerung ihrer Eisenbahn-Einnahmen infolge des Uebergangs vieler Reisenden zu einer niederen Wagenklasfe — eine Besorgnis, die'sich schon in den ersten Wochen nach Einführung der Steuer als begründet erweist. Was die Regierungen trotzdem bewog, den Beschlüssen des Reichstags ihre Zustimmung zu erteilen, war folgende Erwägung: Behufs gründlicher Besierung der Reichsfinanzlage und Bestreitung der für die nächsten Jahre zu erwartenden Mehrausgaben wird eine ftärfere steuerliche Heranziehung des Tabaks nicht zu umgehen sein; diese ist aber im Reichstag nur durchzusetzen, wenn man dafür eine Kompensation ge- währt, die den Abgeordneten die Rechtfertigung einer Höherbesteuerung des Tabaks vor ihren Wählern erleichtert. Eine solche Kompensation sott nun die Aushebung der Fahrkartensteuer sein. Im ReichSschatzamt dürste man es daher gar nicht ungern sehen, wenn die Fahrkartensteuer recht vielem Widerstand begegnet. (Das ist doch wohl eine Täuschung. MM« eislagen freie Lieferung, W > Zahlungs-Erleichterung, stets am Lager, n 2 Hark an. Stimmungen. , ■ster m W SaatpW , 9 tarier mit staabti^ rs «r Oelscbmieruag. a&sft bJaylarlbp Pran&turU^ -^chmüdceise^e Baut«»’ *** li*‘ WiE - ionier-Vereü "9. bci ft«Werob $ “*• «"I tau»J.|" Sr*** ----- Du/, Ren-jl- eicsator. |m,t direktem hebelrniinkh I Neueste horte Getreidemäher ^Neueste Grasmäher Intit Haudablagt fmd unerreicht in Son, strultiou, stabileren, art und Leichtzügigltit. Glänzende Zeugnisse übt: gelieferte Äaschim». nthal \CAO und ZUCKER ARD verwundert blickten heute Fluß, Felsen, Türme und bewaldete Höhen auf all das geschäftige, bunte Treiben und festliche Tun, das, ungewohnt, in diesen Tagen die Mauern unseres Städtchens und das enge, reizende Lahntal erfüllte. Hier, wo einst der streitbare Stamm der Chatten jagte, wo dann das fremdartige Leben der römischen Legionen herrschte, iüo nach der Zertrümmerung der römischen Herrschaft das Christentum einzog, wo im Mittelalter, im 30jährigen Krieg und in den Kriegen vor ca. 100 Jahren oft Kriegsnot und Brandschatzung wütete, da hielt heute zum erstenmal ein Hohenzollernprinz seinen Einzug, um dem Ehrentage der Stadt die rechte Weihe zu verleihen. Durch einen prächtigen Fackclzng und eine wahrhaft feenhafte Illumination der Stadt, der Burg und der Lahn, sowie durch einen Festaktus im Gymnasium wurde im Beisein des Regierungspräsidenten von Meister aus Wiesbaden gestern die Jubelfeier cingeleitet, an der als Vertreter des Großherzogs von Luxemburg Exzellenz Freiherr von Syberg- Simmern beiwohnte. Zahlreiche Orden vom Kaiser und vom Großherzog von Luxemburg wurden ausgetcilt. Folgende Geschenke wurden beim Festaktus überreicht: Ein goldenes Buch von Geschwister Moritz, ein Pokal von Bankier Herz (dieser wurde zum El)rentrunk des Prinzen benutzt), ein Pokal vom Offizierkorps, vom nassauischen Mertumsverein mehrere historische Schriften und von Professor Gropius-Weilburg eine Kopie der ersten urkundlichen Erwähnung Weilburgs. Heute vormittag zeigte der Himmel ein freundlicheres Gesicht als gestern, und als um 9 Uhr Prinz Eitel Fritz über Kassel und Gießen eintraf, da brach die Sonne durch den Wolkenschleier, es herrschte rechtes „Hohenzollern- wetter". Vom Bahnhof bis zur Lahnbrücke bildeten die Unterofsizierschüler und die Bürgergarde, die Schüler und ca. 1800 Krieger des Oberlahnkreises Spalier. Eine vieltausendköpfige Menschenmenge erfüllte Straßen und Plätze und brachte dem Prinzen ihre Huldigung dar. Mit dem Prinzen trafen ein: Oberpräsident von Windheim nebst Gemahlin aus Kastel, Adjutant Leutn. Freiherr von Schilling-Kannstadt und Oberhofmarschall von Lettoiv- Vorbeck. Am Bahnhof wurde der Prinz vom Regierungspräsidenten begrüßt. Rach dem Abgehen der Fronten der Vereine erfolgte die Fahrt nach der Stadt. An der Lahnbrücke war Empfang durch die Stadtvertretung der Stadt. Bürgermeister Karthaus hielt die Begrüßungsrede und überreichte dem Prinzen den Ehrentrunk der Stadt. Lächelnd ergriff der Prinz den Becher und leerte ihn auf das Blühen und Gedeihen der Stadt Weilburg. Brausende Hoch- und Hurrarufe erschollen, als der Prinz wieder den Wagen bestieg und in die Stadt fuhr. Er trug die Parade-Uniform des 1. Garderegiments mit dem Bande des schwarzen Adlerordens. Der Prinz ist ein kräftiger, stattlicher, bildschöner junger Herr von gewinnender Freundlichkeit. Am Eingang zunl Schloß wurde er vom Vertreter des Großherzogs von Luxemburg empfangen und in die bereitstehenden Gemächer geführt, um dort das Frühstück einzunehmen. Um 10 Uhr wohnte er dem Festgottesdienst in der Großh. Hofloge bei. Um 11 Uhr war Promenaden-Doppelkonzert durch die Kapellen der 115 er aus Darmstadt und der 14 er Husaren aus Kastel. Daran schloß sich die Auffahrt der Lahn- 'Rudcrvereine aus Ems, Gießen, Wetzlar, Weilburg und Limburg. Es nahmen 20 Boote mit 100 Ruderern teil. Apotheker Kleiner brachte ein Hurra auf den Prinzen aus. Während des Frühstücks hatten sich als weitere Ehrengäste eingefunden: Der kommandierende General Exzellenz von Eichhorn, Prinz Friedrich von Solms-Braunfels in der Uniform der Garde-Ulanen und Prinzessin Albrecht von Braunfels. Um 2 Uhr begann im Schloßhof die Aufführung des Festspiels: „Das Testament von Weilburgs, verfaßt von Hofrat Dr. Spielmann aus Wiesbaden, aufgeführt von Weilburger Damen und Herren unter Leitung von Dr. Rauch, Theaterdirektor in Wiesbaden. Das Stück behandelt die historische Begebenheit, als Konrad von Franken 918 seinen Bruder Eberhardt veranlaßt, im Interesse der Einheit und Macht Deutschlands auf die deutsche KönigSkrone zu verzichten und sie dem mächtigen Heinrich von Sachsen zu übertragen. Den Glanzpunkt des ganzen Jubelfestes bildete unstreitig der große historische Festzug, der in 14 Gruppen mit ca. 800 Personen die Geschichte Weilburgs zur Anschauung brachte von der Zeit Konrads von Franken bis zur Jetztzeit., DaS großartige Arrangement des Zuges war das Werk und Verdienst des Kunstmalers Ohlsen aus Wiesbaden. Eine nach Tausenden zählende Menschenmenge hatte vor den Schloßterrassen und auf der Frankfurter Straße Aufstellung genommen. Nach dem Festzuge machte der Prinz mit Oberpräsident v. Windheim im Automobil eine Fahrt in die nähere Umgebung. Unterdessen herrschte in der ganzen Stadt und namentlich auf dem schönen Festplatz an der Lahn ein buntbewegtes Treiben. Die ungeheure Menschenmenge fand kaum ein Unterkommen und auf dem Festplatz wurde um Plätze gekämpft, durch die Straßen war kaum durchzukommen. Gegen Abend ging es auf dem Bahnhofe bunt zu, alles drängte nach den Zügen, das Personal konnte der Menschenmenge nicht Herr werden, man sprang durch die Fenster und über die Absperrung auf den Bahnsteig, dabei wurden Fenster und Glastüren eingestoßen. Taschendiebe waren rege an der Arbeit und dehnten diese sogar auf den Festgottesdienst aus. Mehreren Herren verschwanden ihre Geldbörsen und einer Dame die goldene Uhr mit Kette. Um 7.45 Uhr fuhr Prinz Eitel Fritz zur Bahn und trat die Rückfahrt nach Berlin über Gießen und Kassel an. Am Bahnhof hatte sich wiederum eine große Menschenmenge angesammelt. Auch zahlreiche Gießener wohnten dem Feste bei. Mit einbrechender Dunkelheit verlief sich allmählich der Menschenstrom. Auf dem Gießener Bahnhof traf der Prinz um 8.25 Uhr ein und promenierte dort bis der Zug gegen 10 Uhr nach Kassel weiterfuhr. So hat denn der Hauptfesttag der Tausendjahrfeier Dank des schönen Wetters im allgemeinen einen guten Verlauf genommen. Montag ist Volksfest, Dienstag Kirchweihfest und nächsten Sonntag Nachfeier. Die Stadt bot ein prächtiges Bild in ihrem hübschen Festschmuck, wozu die Stadtoertretung ^a. 15 000 Mk. ausgegeben hat. Die Menschenmeng wird auf 14- bis 16 000 Personen geschätzt, mährend Weilburg selbst nur 4000 Einwohner zählt. Sehr zu bedauern war es, daß man den Vertretern der Presse gegenüber wenig Entgegenkommen und Mitteilsamkeit zeigte._______________________________(Vergl. Neueste Nachr.) Aus StaOt uno tiano. Gießen, den 20. August. •• Vom „Wetterdienst". Von Herrn Geh. Kirchenrat D. Strack ging uns eine Nummer des „Neichsboten" zu, in der wir folgenden Artikel angestrichen fanden: Als im vergangenen Frühjahre das preußische landmirtschastl. Ministerium zugunsten der Landwirte die Mittel zu einem während der Sommermonate einzurichtenden öffentlichen Wetterdienste beantragte, wurde in der Denkschrift des Neichsamts gesagt, daß gemäß bem heutigen Zustande der Meteorologie durchschnittlich 91 Prozent richtiger Prognosen erzielt werden konnten, nämlich für die Bewölkung 93 Prozent, für Temperatur 95 Prozent, für Niederschläge 84 Prozent Treffer. Von erfahrenen Meteorologen wurden diese Angaben als übertrieben angesehen; jetzt erklärt die „Köln. Ztg.", daß eine sorgfältige, wissenschaftliche Vergleichung der in einem bestimmten Dienslbezirke ausgegebenen Wettervoraussagungen mit den wirklich folgenden Tatbeständen an einem Beobachtungsorte innerhalb dieses Bezirks für Bewölkung nur 48 Prozent, für Niederschläge 51 Prozent, für Temperatur 51 Prozent Treffer ergab. Es ist nicht anzunehmen, daß die anderen meteorologischen Dienststellen wesentlich beffere oder- schlechtere Ergebniffe erzielt haben, und man erkennt, wie sehr die Angaben in der Denkschrift des Reichsamts übertrieben sind. — Auch nach unseren Eindrücken (so setzt der „Reichsbote" hinzu), gerade auch tn diesem interessanten, elektrisch überladenen Sommer, ist die Wetterkunde noch immer eine stark hypothetische Wissenschaft, über welche die praktische lokale Wetterbeobachtung von Männern, die in der freien Natur viel zu tun haben (Bauern, Schäfer, Förster usw.) meist hinausragt. Der Herr Einsender teilt offenbar die hier zum Ausdruck gelangte Ansicht über den beschränkten Wert des „Wetterdienstes", und auch wir pflichten ihm vollkommen bei. Trotzdem scheint der „Wetterdienst" hier noch immer einige Freunde zu haben, was ein uns am Samstag zugegangenes anonymes Schreiben vermuten läßt, das freilich möglicherweise den Wunsch nach weiterer Veröffentlichung der Wettervorhersagen auch nur um der Bekrittelung willen zum Ausdruck gebracht haben mag. "Die hessischen Schulen und der „Allgemeine Deutsche Sprachverein." Das Ministerium hat an die ihm unterstehenden Organe ein Rundschreiben erlassen, worin auf die Bedeutung des „Allgemeinen Deutschen Sprachvereins" für den gesamten deutschen Unterricht und die Erziehung der Jugend zur vaterländischen Gesinnung hingewiesen wird, weshalb Wert darauf zu legen sei, die Bestrebungen des Vereins in allen Schulen des Landes zu unterstützen. S. Londorf, 19. Ang. In der hiesigen Kirche feierte heute der Grünberger Zweigverein der Gusta v Adolf- Stiftung sein Jahresfest. Tie Beteiligung war groß. Tie Festp-redigi hielt Pfarrer Kunkel aus Fürth i. O. Weiter sprachen noch Dekan Hainer, Dekan Wagner und der Ortspfarrer Kirchenrat Weber. Pfarrer Schmidt aus Grünberg erstattete den Rechenschaftsbericht. Der hiesige Kirchenchor unter Leitung des Lehrers Trinkaus und der Gesangverein Frohsinn unter Leitung seines Dirigenten, Lehrer Bandaß, fangen einige schöne Psalmen. —o— Lich, 19. Juli. Am Samstag mittag ging ein schweres Gewitter mit Hagel in unserer Gemarkung nieder, ohne größeren Schaden anzunichten. Die Fruchtemte ist des fortwährend nassen Wetters wegen erst zur Hälfte beendet. Viel Frucht lagert gänzlich auf dem Boden und ist teilweife schon durchgewachfen. r. Lich, 19. Aug. Vor einigen Tagen sind im hiesigen Schloß ein Treppengang und mehrere Decken durch das Wasser der offen stehen gelassenen Leitung beschädigt worden. — Der Anschluß der Wasserleitung von Albach her war nur provisorisch. Gestern sollte der Anschluß an das städtische Rohrnetz endgiltig fertiggestellt werden, wurde aber de§ Regenwetters wegen nicht vollständig ausgeführt. Hierdurch entstand heute eine Wafferkalamität. Um 9 Uhr hörte die Leitung auf zu laufen. Beide Sannnelbehälter waren leer. An den drei noch vorhandenen Brunnen drängten sich die Frauen mit Gefäßen in der Hand, um nur eine Kleinigkeit dieses köstlichen Nasses zu erhalten. — Einern zwölfjährigen Mädchen, das sich in der Bahnhofstraße an ein Kuhfuhrwerk angehängt hatte, wickelten sich die Kleider um die Nabe des Rades und zogen es zwischen Rad und Achsenstock. Nur dem raschen Halten des Fuhrmanns ist es zu danken, daß das Kind mit zerrissenen Kleidern und einigen Hautabschürfungen davon gekommen ist. — Hier ist bei den Kindern der Scharlach ausgebrochen. ** Trais-Horloff, 19. Aug. Zu dem Diebstahl auf der Friedrich shütte erfahren wir heute, daß die Entdeckung der entwendeten Summe von ca. 7000 Mk. ganz zufällig ^geschah. Ter Dieb wußte zwar genau, daß mindestens diese 7000 Mk. im Geldschranke lagen zur Auslöhnung der Arbeiter, er wußte aber nicht, daß die Reparatur einer in unmittelbarer Nähe der Hütte gelegenen elektr. Pumpe bevorstände. Tenn just hier versteckte er den Beutel mit den 7000 Mk., während er toeitere gestohlene 1000 Mk. behalten haben muß. Bei Beginn der Reparatur fand man den Beutel mit dem Gelbe. Der Dieb hat den kompliziert verfchlossenen Geldfchrank zu öffnen vermocht und auch die Gefchästsvapiere und private Papiere des feit Juli neu amtierenden Direktors entwendet. Dieser weilte während des Einbruches gerade in Frankfurt und kehrte sofort, als ihn die Kunde erreichte, in einem Automobil binnen IV2' Stunden zurück. Es ist eine Belohnung von 100 Mk. auf den Täter ausgefetzt, der mit allen Verhältnissen durchaus vertraut gewesen fein muß. Ein bestimmter Verdacht ist vorliegend. Gerüchte von der Flucht eines Beamten sinh durchaus unzutreffend. hd. Butzbach, 19. Aug. 'Als Dieb des am Tage des Trachtenfestes gestohlenen neuen Fahrrades, das ein Gymnasiast von Wetzlar am Bahnhof in Verwahrung gab und das dort gestohlen wurde, ist der Bauzeichner Theodor Körner aus Marburg ermittelt worden. Es ist von der Eisenbahnbehörde Bahnanzeige erstattet worden. □ Echzell, 18. Aug. Zu dem Selbstmord des Stationsvorstehers Meyer ist mitzuteilen, daß tatsächlich Unregelmäßigkeiten in der StationSkasse die Ursache zu dem bedauernswerten Schritte gewesen sind. Da das vorhandene Defizit trotz aller Bemühungen Meyers nicht zu decken war, so griff der Bedrängte zu der totbringenden Waffe. Leider hinterläßt er eine Witwe mit acht unversorgten Kindern, von denen das älteste erst 14 Jahre alt ist. Meyer, der als Beamter un als Mensch beliebt gewesen ist, war aus Eckartsborn bei Büdingen gebürtig und früher in Nidda und Hungen tätig» r. Ulfa, 20. Aug. Die Wahl des Kirchenvorstehers Johann Georg Jakob, gegen die wegen angeblicher Fehler im Wahlverfahren Berufung eingelegt worden war, wurde vorn Dekanatsausschuß bestätigt und der Gewählte als Mitglied des Kirchenvorstandes verpflichtet. Mainz, 19. Aug. Der in Moskau verstorbene Mainzer Jos. David Heidelberger hat dem Mainzer (Sero erbe- verein laut Testament 20000 Mark vermacht. — Auf Anordnung der Staatsanroaltschast wurde die 21 Jahre alte Dienstmagd Elisabeth Brenner qii§ Winnweiler wegen eines in Pfeddersheim begangenen Giftmordversuches verhaftet. Es wird ihr zur Last gelegt, während der Abwesenheit ihrer Dienstherrschaft den Kindern und dem Dienstknecht im Kaffee Lysol beigebracht zu haben, in der Absicht den Tod der Genannten herbeizuführen. Es wurde von dem Kaffee infolge des widerlichen Geruches kaum etwas genossen und daher blieben die Bedrohten unversehrt. Frankfurt a. M., 19. Aug. Der Großviehhändler Bernhard Lorch hier verkaufte am letzten Markttage einen aus München bezogenen, im dortigen Löwenbräu gemästeten Ochsen an den hiesigen Metzgermeister Pfeiffer, welcher nach achttägigem Transport ein Lebendgewicht von 2 2 80 Pfund auswies und 1414 Pfund Schlachtgewicht hatte. Kein Be- snchpr erinnert sieb, jemals ein so schweres Tier hier gesehen zu haben. Es war an der Seite mit einer prächtigen Krone von Künstlerhand dekoriert worden. Homburg, 18. August. Reichst anzler Fürst Bülow wird in der ersten Hälfte des September einige Zeit das hiesige Schloß bewohnen. Cronberg, 18. Aug. Wie wir hören, wird sich der Kaiser am 25. August nach der Truppenschau von Mainz aus wieder nach Cronberg begeben. Er wird über Sonntag auf Schloß Friedrichshof verweilen und am Montag dieses in aller Frühe wieder verlassen. p. Wetzlar, 20. Aug. In mehreren Orten ist ein hoher Prozentsatz der Kinder masernkrank. Im allgemeinen verläuft die Epidemie ungefährlich. ** SM e i n c M i 11 c > ' u ' n an? H 'e'se n und den Nachbarstaaten. Die Provinzial-Pferde- und Fohlenschau zu Butzbach findet erst am 29. September statt. — In H a u s e n bei Butzbach kam es in einer Familie zwischen Mutter und Tochter zu Zwistigkeiten, die schließlich in Tätlichkeiten ausarteten. Bei dieser Rauferei, die sich von der Stube durch den Hausflur nach der Treppe norm Hause abspielte, st ü raten Mutter und Tochter die etwa drei Meter Hobe Treppe hinunter; die Mutter trug eine lebensgefährliche Wunde an der Stirn davon. Aerztliche Hilfe wurde sofort in Anspruch genommen. Wie gefährlich die Verletzung sein muß und mit welchen Umständen man rechnet, geht daraus hervor, daß der beim Militär weilende Sohn der Verletzten telegraphisch heimgerufen wurde. — Die Kornbausgenofsenschaft Alsf.eld, die im abgelaufenen Jahre zwei Millionen Mark umgeschlagen hat, hat nach den vorgenommenen Abschreibungen, der „Kl. Pr." zufolge, nichts verdient. Die Besitzer von Stammanteilen gehen ganz leer aus. — In Melsungen wurde die Frau des Schreiners Jakob in ihrer Wohnung mit durchschnittenem Halse tot aufge- nmden. Der verschwundene Ehemann wird als der Mörder angesehen. — Der Neubau eines Hauses, welches dem geplagten und sozial vernachlässigten Stande der Gastwirtsgehilfen gewidmet sein soll, erhebt sich jetzt einige Minuten vom Hauptbahnhof in Fr an k° f u r t a. M. in der Nähe der Wilhelmsbrücke. Das Gebäude soll am 1. September unter Dach sein und im März k. I. seiner Bestimmung als Christliches Kellnerheim übergeben werden. — In Mainz ist der Gelegenheitsarbeiter Seebär, der verdächtig war, in Mannheim eine Frau vergewaltigt und beraubt zu Haben, aus der Untersuchungshaft entlaßen worben. — Äon dem Mörder der 13jährigen Frieda Weih aus Zell° bansen hat man immer noch kerne Spur, da alle in dieser Sache Verhafteten wieder auf freien Friß gesetzt werden mußten. — In Höchst a. M. versuchte ein reduziert aussehender Mensch falsche Hundertmarkscheine wechseln zu lassen, die vollständig neu sind. Es dürfte Vorsicht am Platze fein. — Interessante Funde machte man beim Ausgraben auf der Ziegelei von Hch. Deismann in Löhnberg. Mehrere Speere und Wurfspieße, Streitäxte, Schnallen von Pferdegeschirren, auch Menschen- und Pferdeknochen wurden gefunden. Man nimmt an, daß es sich uni Gräber aus dem 30jä'hrigen Kriege handelt. AUSM aus des Atgudesamtsregistttu der Steht Gießen. Aufgebote. Aug. 8. Friedrich Grimm, Kaufmann in Driedorf, mit Luise Dickorö dabier. — 10. Karl Benner, Kaufmann dahier, mit Elifa- bethe Hartmann Hierselbst. — 13. Johannes Karl Wagner, Tag- löhner dahier, mit Marie Größer, geb. Keil, in Steinbach. — 16. Dr. Ernst Langenbach, praft. Arzt in Hemsbach, mit Martha Moll dahier. Eheschließungen. Aug. 11. Julius Graeser, Bäcker dahier, mit Elisabeth Beinhauer Hierselbst. — Philipp Brück, Fabrikarbeiter dahier, mit Marie Kloos in Hausen. — 13. Heinrich Müller, Taglöhner dahier, mit Karoline Müller hierselbsi. — Wilhelm Burk, Fuhrmann dahier, mit Margarete Borschbach, geb. Trost Hierselbst. — 14. Gustav Rosenberger, Prokurist dahier, mit Rosa Mendelsohn hierfelbst. — 16. Friedrich Wagner, Buchhalter in Lich, mit Luise Waag hier- selbst. — Heinrich Großhaus III., Fuhrmann dahier, mit Christiane Droß Hierselbst. Geborcuc. Aug. 6. Dem Hausburschen Ludwig Schomber ein Sohn Adolf. — 8. Dem Eisendreher Heinrich Müller eine Tochter Johanna Marie. — 9. Dem Lackierer Heinrich Konrad ein Sohn Karl Wilhelm. — 10. Dem Kaufmann Heinrich Schott eine Tochter Margot Margarete. — Dem Wegemeister Louis Hagener ein Sohn Ludwig Erich Valentin. — 12. Dem Privatdozenten Ernst Vogt ein Sohn Werner Hans Ernst Bernhard. — Dem Uhrmacher Julius Philipp ein Sohn Adolf. — 13. Dem Fabrikarbeiter Ludwig Vogelhöier eine Tochter Gertrud Wilhelmine Christine. — Dem Wirt Wilhelm Schmid eine Tochter Elsa Julie Elisabeth. — Dem Fuhrunter- nehmer August Marx ein Sohn Christian Emil. — 15. Dem Fuhrmann Wilhelm Deibel ein Sohn Heinrich. Gestorbeue. Aug. 9. Elisabetbe Appel, 2 Jahre alt, Tochter des Taglöhners Philipp Appel dahier. — Karl Ruhl, 21 Jahre alt, Kaufmann dahier. — 12. Margarete Müller, geb. Thörner, 52 Jahre alt, Eheirau des Jnstitutsdieners Heinrich Müller dahier. — Anna Marie Hahn, 27 Tage alt, Tochter des Hilfswagenwärters Wilhelm Hahn dahier. — 13. Karl Heinrich Josef Wittich, 8 Monate alt, Sohn des Kaufmanns August Wittich dahier. — Heinrich Huhn, 49 Jahre alt, Juwelier dahier. — Hans Jlgner, 1 Monat alt^Sohn des Kunstgärtners Oswald Jlgner dahier.—14. WalterHenkel, 1 Monat alt, Sohn des Taglöhners Ludwig Henkel dahier. — Marie Magdalene Schütz, geb. Schlemminger, 47 Jahre alt, Ehe- irau des Buchhalters Georg Schütz dahier. — 15. Heinrich Peppler, 1 Monat alt, Sohn des Gastwirts Karl Peppler dahier. — Karl Schuck, 4 Jahre alt, Sohn des Kasemenwärters Wilhelm Schuck dahier. WUWWMWK /ueoewanree Nahrung für Kinder, Kranke,Genesende. Verhüte u.beseitigt = Diarrhoe, Brechdurchfall, ParmKatarrru Schiitzenverein Giessen Giessen, den 20. August 1906. 06012 statt, wozu ergebens! einladet Der Vorstand Von heute ab täglich 5019 MITIN WU-NM der Hamberg-Ma Linie. Handelswaagen, eine Boh maschine 130 eichene und Von nach den 1764 Kornbrot aus. Familie Klös. 05974 Lang-Göns, den 20. August 1906 Das Einmachen 4520 Tochter H0UBEN5 GASHEI20FEW D.R.R ctilewn" 4992 J.G.HOUBEM SCHN CARL-AACHEN Oelfarben Lackfarben Fussbodenlacke Parquetwachs »oeKnend Issbodä Pianohandlg. u. Beparatur- werk3tätte, Seltersweg 91. buchene Bohlen, 1 Plüschsola, 1 Vertikow, 1 Kleiderjchrank und andere Sachen. Die Versteigerung zu 1 findet bestimmt statt, zu 2 teilweise. Born, Gerichtsvollzieher. 5, September 1906 bei uns einzureichen. Weilburg, den 17. August 1906. Krupp sche Bergverwaltung iS.s?-' der Früchte heg gegen Schimmel Die Menge genti Rezeptbw Neuenbäue 25, Zimmer Nr. 2 erfolgen. Gießen, den 16. August 1906. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. I. 33.: Georgi. nnt, und jede Hausfrau schützt die Früchte durch I>r. Oetker’s Salicyl ä 10 Pfg. rt für 10 Pfund Früchte mit Zucker. h über das ‘Einmachen umsonst von J>r. A. Oetker, Bielefeld. Kartoffeln la. Speise- u. Salatkartoffeln empfiehltzu billigsten Tagespreisen J* Hankes Schloßgaffc 6. [4942 Daselbst ist ein Poste,i Futter- kartoffeln preiswert abzugeben. Beginn des Konzerts am Sonntag um 3 Uhr. Eintritt pro Person über 14 Jahre 20 Pfennig. c’% Versteigerung. Dienstag den 21. d. Mtö., nachmittags 2 Uhr, versteigere ich Neustadt 55 dahier gegen Barzahlung: 5001 1. 6 paar genagelte Schuhe (aud) für Kinder), 1 Sofa, 1 Verli- kow, 1 Bierservice und ein Rauchtisch; 2. 1 Fahrrad, 3 Drehbänke, 14 Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem uns betroffenen schweren Verluste sagen wir innigsten Dank. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem schweren Verluste, den wir erlitten haben, sagen wir unseren innigsten Dank. Wilhelm Loh und Heinrich Loh nebst Familien. zu haben bet August Kröll Seltersweg 12. eigener Mahlung empfiehlt Kinzenbacher Mühle Stadtlieferung täglich. Prima Kognak | Spezialmarke, garantiert franz. Verschnitt, ärztlich empfohlen, per Literflasche 2 Mk., ist der preiswerteste und beliebt wegen seines vorzüglichen Geschmackes. Ferner- gelten meine französischen Kognaks unter Originalverjchluß als die besten, rocldje der Markt bringt. E. Dort, Walltorstraße 45. 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I. seiner & telln et je im iibergtbe jenf/eitäatbeifer Seebär, ta ui vergewaltigt und her« i tnMea worben. - & # rtba ons ntSput, baallt mW M werden mußtkt- rednziert aussehender Aoiä c wechseln zu lassen, die w& am Platze sein. - ZntereP^ .den aus der Ziegelei m g jrete Speere und MpiSt '-schirren, auch Menschen- M Qan nimmt an, daß es sich M ^andelt. 'kMmi irr ^r!rr. iWfaftÄ5* W“Ä,I in yM - Bekanntmachung. Aus der Stiftung der Daniel Moog Witwe zu Gießen sind Holzlieferung. Die Lieferung des Holzbedarfes unserer Gruben soll für die Zeit vom 1. Januar 1907 bis 31. Dezember 1907 vergeben werden. Die Lieferungsbedingungen, sotvie das Verzeichnis der Holzsorten und der ungefähren Bedarfsmengen können aus unserem Bureau Hierselbst eingesehen oder auch von uns bezogen werden. Angebote auf den gangen Bedarf oder für den Bedarf einzelner Gruben oder auf die Lieferung bestimmter Holzarten sind in verschlossenen mit der Aufschrift „Holz- Ueferung" versehenen Briefumschlägen bis spätestens beit Danksagung. Allen Freunden und Bekannten, sowie den Beamten und Arbeitern der Großherzoglichen Garnisonverwaltung, den Unteroffizieren des III. Bataillons Jnf.-Rgt. K. 93. Nr. 116 für die Beweise herzlicher Teilnahme und sür die überaus zahlreichen Kranz- unb Blumenspenden bei dem Hinscheiden unseres lieben, unvergeßlichen Sohnes, Bruders und Enkels sagen wir auf diesem Wege unfern tiefgefühltesten Dank. 06020 Die trauernden Hinterbliebenen Familie Schuck. Bekanntmachung. Betr.: Kommerzienrat Heichelheim-Stiftung. Aus der Kommerzienrat Heichelheim-Stiftung sind am 1. November 1906 1220 Mk. zu verteilen. Nach § 3 der Stiftungsurkunde können zur Bewerbung nur zugelassen werden: a) Personen, die während des Feldzuges 1870/71 im Militärverhältnis gestanden haben und b) Frauen und Kinder solcher Personen vorausgesetzt, daß sie einer derartigen Unterstützung würdig und bedürftig sind und vom Tage der Bewerbung ab rückwärts gerechnet mindestens zwei Jahre ununterbrochen in Gießen gewohnt haben. Bewerbungen sind bis zum 30. September d. Js. im Bürger- meistereigebäude, Zimmer Nr. 15, schriftlich oder mündlich emzu- reichen unter Vorlage der die Erfüllung der Bedingungen nach- roeijenben Papiere. Gießen, am 16. August 1906. B“/8 Gvoßhcrzvgliche Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Georgi._________________ üa. Feldhühner mit beliebter Zutat. Hess. Hof. Restaurant Kaltwasser. Ri«, 6elmn ÄS - U' ®- i5 Trost G'TCü bicrfelH-" ilhrma'ln oay'cr, Füller eme . tz. Frisch eingetroffen: Neue holl. Vollheringe per Stück 6 Pfg. Neue marinierte Heringe per Stück 8 Pfg. 5014 Neaes Grünkorn per Pfund 35 Pfg. C. 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Neues Sauerkrad per Pfund 12 Pfg. Neue Zwiebeln per Pfund 6 Pfg. L. Steinhäuser Neuen Baue 17. [5016 Todes-Anzeige. Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, daß mein Schwiegersohn Herr Oberpostasfistent Fritz Grethe aus Eronberg nach längerem Leiden in Heidelberg verstorben ist. 5027 Th. Barst. Gießen, den 20. August 1906. und alle sonstigen Artikel zum Anstreichen und Wichsen der Fußböden bei [4758 Emil Fischbach. Bohnenschneider Fruchtsaftpressen Küchengeräte Stimmen < Reparieren * PoSieren ' in tadelloser Ausführung durch [D9/. < Für die herzliche, uns bei dem schweren Verluste so wohltuende Teilnahme, die uns von allen Seiten erwiesen wurde, sowie für die tröstenden Worte des Herrn Pfarrer Naumann sprechen wir auf diesem Wege unseren tiefempfundene» Dank Sonntag, den 26. und Montag, den 27. August d. Js. findet auf unserem Schützcnhause unser diesjähriges Preisschiessen verbunden mit Konzert und Tanz 06013 Georg Schütz. Robert Schütz. 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