Nr. 166 Zweites Blatt 156. Jahrgang Mittwoch 18. Juli 1906 Vrfchetnt W-'.ich mit Ausnahme beS Sonntags. SMe „Gießener Zamllienblötter" werden dem „Anzeiger viermal wöchentlich beigclegt. Der ^«iftsche Landwirt" erscheint monaUich einmal. Y x -a aa. aa 'viW a a A A Y A. A AA Rotationsdruck und Verlag der vrühl'ich«, untocrri“e±jLB‘"”*- # M- Wy Q IjL, &}, JL W H. R WR Ä- Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.L, w v RU V “ V V V Tel. Nr. bl. Telegr.-Adr.r Anzeiger Gietz«. General-Anzeiger, Amts- unb Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. politische Lagesscha«. Wie die Sozialdemokratie die Bauernarbeit wertet, dafür findet sich folgendes charakteristische Stückchen im neuesten „Vorwärts*: In einem Dorfwirtshaus in der Nähe von Segeberg kehrte in später Abendstunde ein reisender Ardener ein. Zwischen ihm und den anwesenden Bauern entspann sich soigendes Gespräch: „Könnt Sc Burnarbeit malen?" — „Jawull, dal kann ick lid)." — „So? Könnt Se plögcn, sechn, meihn un all, wat fünft noch vorkümmt?" — ,Ja, mien Herr 1 Dat ist aiverS doch feen Burnarbeit, dat is doch Knechlsarbeit 1“ — „Wat is denn Burnarbeit?" — „Dat will ick Se seggn. 'Morgens Klock veer de Lut nt Lager smieten, denn werrer bet Klock acht jlckpcn, naher to Feld un de Lüd nahdriewen. Atlddlgs bet Klock twce slapeu, denn de Piep smöken un beim Zeitung lesen, womöglich noch mal lo Feld un de Lüd nahdriewen, un denn abends in Krog silten, Beer drinken un op de flechten Tiden un de Lüd schimpen. Dat iS Burnarbeit, de kann ich lid) malen." — „De Kerl Helt recht. Kröger, schenk ent mal een in!" riefen mehrere Bauern. Aber in Arbeit nehmen wollte keiner den Mann, er war ihneit zu Helle. Die Pointe ist ganz gewiß falsch erzählt, denn statt „de Kerl hett recht" denl unverschäinten Verächter der mühsamen und ehrlichen Bauernarbeit zur Antwort zu geben, wird man ihm vielmehr mit gutem Recht eine gehörige Tracht Prügel verabreicht und den windelweich Geschlagenen an die frische Luft befördert haben. Hageu-Schwelm. Die Entscheidung über das „Erbe Eugen Richters" steht nahe bevor. Die „Rationalztg." hält den Wahlkreis Hagen- Schwelm für verloren an die Sozialdemokratie. Die „Rordd. Allg. Ztg." zieht zwar nicht den gleichen hoffnungslosen Schluß, sie findet sogar gewisse Auslassungen der Zentrumspresse beruhigend, aber sie rechnet im Stillen wohl doch mit der starken Möglichkeit des sozialdemokratischen Sieges. Das Blatr der Regierung schreibt: „Daß der unerträgliche Uebermut dieser Partei durch solche Erfahrungen noch gesteigert werden müßte, ist selbstverständlich". Ganz gut gesagt, wenn indessen die bürgerlichen Parteien diese und andere Folgen bisher nicht tragisch genommen haben, wie der ganze Verlauf des Wahlkampfes dartut, dann wird zur Stichwahl schwerlich die Erleuchtung tonx»u?n Vom werdenden Etat. R. Berlin, 17. Juli. Die Etatsforderungen der einzelnen Verwaltungsressorts müssen bis zum 1. August beim Reichsschatzamt angemeldet sein. Dann beginnt dort die Aufstellung des Entwurfs zum Etat für 1907. Diese Arbeit wird allem Anschein nack) diesmal vom Unterstaatssekretär Twele geleitet werden, da der Staatssekretär Frhr. v. Stengel vor wenigen Tagen im bayrischen Hochgebirge Wohnung genommen hat zu einem auf zwei Monate berechneten Aufenthalt. Die Erträge der neuen Steuern gestatten zwar, beim Etat reichlichere Einnahmen in Ansatz zu bringen, aber die Regierung läßt bereits verlautbaren, daß trotzdem „weiseste Sparsamkeit" auf allen Gebieten Platz greifen werde, weil auch die neuen Steuern nicht überreiche Mittel gewährten. Dieses Sparsamkeitsprinzip dürfte u. a. vielleicht zum Ausdruck kommen in der Frage des Ersatzbaues für die Pacht „Hohenzollern", von dem zurzeit die Rede ist. Eine dringliche Notwendigkeit für den Ersatzban liegt nicht vor. Die Pacht ist allerdings seit 15 Jahren auf dem Wasser, em Zeitraum, nach dem die kleinen Kreuzer an der Grenze ihrer vollen Verwendbarkeit angelangt zu sein pflegen. Aber die Pacht ist jahraus, jahrein immer nur zeitweilig im Dienst gewesen und niemals so strapaziert worden, wie ein eigentliches Kriegsschiff. Sie mag in ihren schiffsbaulichen Konstruktionen den modernen Anforderungen nicht mehr entsprechen, deshalb ist sie aber nicht „seeuntüchtig", zumal für sie transozeanische Fahrten nicht in Frage kommen. Es würde immerhin Entlastung des Etats bedeuten, wenn dieser Ersatzbau nach Möglichkeit hinausgeschoben werden könnte. Die Gelegenheit der Aufstellung des neuen Etats erscheint geeignet, an die Etatsüberschreitungen zu erinnern, die das Sparsamkeitsprinzip durchbrechen und zum Teil illusorisch niacheit. Gegen die Gepflogenheit Nachgeordneter Verwaltungsorgane, namentlich in den Schutzgebieten, sich nicht an den vom Reichstag beivilligten Ausgabenfonds zu halten, sondern frischrveg aus dem Vollen zu wirtschaften, gegen diese Gepflogenheit muß die Regierung mmachsichtlich Front machen. In der Rechnungskommission und im Plenum des Reichstags sind solche Ueberschreitungen, die ioie eine Krankheit von Etat zu Etat fortwirken, mit Recht scharf gerügt worden. Vom Kolonialamt. . Da man in Regierungskreisen mit Bestimmtheit darauf rechnet, daß der Reichstag in nicht allzuferner Zeit doch noch die Errichtung des gewünschten selbständigen ReichSkolomal- amts bewilligen wird, so ruht die Frage nur vorübergehend, wer in diesem Reichsamte den Posten des Unterstaatssekretärs erhalten wird. Die politischen Freunde Dr. Paasches scheinen noch immer nicht die Hoffnung aus- qeoeben zu haben, daß die Wahl dann aus ihn fallen wird. Größere Chancen als Paasche dürste indessen, rote einer unserer Berliner Mitarbeiter von gut unterrichteter Seite hört, der Generalkonsul in Genua, Wirkl. Legationsrat Dr. phil. Georg Inner haben, der zu den fähigsten Beamten des auswärtigen Dienstes gehört und bei Kanzler und Kaiser persona gratissima ist. Dr. Jrmers Laufbahn ist ziemlich außergewöhnlich gewesen. Er war von Beruf zuerst Historiker und pm Staatsarchiv in Hannover angestellt, als er die Aufmerksamkeit des damaligen Oberpräsidenten Rudolf von Bennigsen «ms sich lenkte und 1893 zunächst als Hilfsarbeiter in das Auswärtige Amt berufen und bald nachher zum Gouverneur der Marshall-Inseln ernannt wurde. Die „Nordd. Allg.-Ztg." schreibt: Die „Freis. Ztg." wird nicht müde, über die Personalien der Kolonialabteilung irreführende Angaben zu verbreiten. Sie will beispielsweise das Obwalten besonderer Gründe dafür unterstellen, daß die Geschäfte der Abteilung zurzeit vertretungsweife von dem Geh. Legationsrat Rose geführt werden, nid)t von dem dienst- älteren Geheinirat v. König. Ter Grund liegt cinfad) darin, daß Geheimrat v. König beurlaubt ist. Unverständlich erscheinen die Bemerkungen des Blattes über eine nur expedierende Stellung des Geh. Legationsrats S ch m r d t - D a r g i tz. Dieser Beamte, der aus der Kolonialabteilung in die Rechtsäbteilung des Auswärtigen Aints versetzt worden ist, bekleidet hier wie früher bei der Kolonialabteilung die Stelle eines vortragenden Rates mit allen einem folchen zustehenden Befugnissen. * Zum Duell Pugliesi Conti-Sarrant schreibt em Pariser Korrespondent: Das unter so eigentümlichen Umstünden kontrahierte DegendueU zwischen dem Unterstaatssetretär Sarraut und dem nationalistischen Deputierten Pugliesi Conti bildet gegenwärtig den Gegenstand aller Unterhaltung. Man steht vor einem ungewöhnlichen Zweikampf, wie iljn fein Duell- Kodex zuläßt. Ueberraschend war zunächst die Eile, mit der der Zweikampf ausgetragen wurde. Cs war gegen fünf Uhr abends, als der Unterstaatssekretär Sarraut in vffentl. Kammersitzung von der Ministerbant aufsprang, um dem unfern von ihm fitzenden Deputierten Pugliesi Conti einen Faustschlag ins Gesicht zu versetzen. Tie Gegner, sowie die beioerjeitigeii Sekundanten waren in heftigster Erregung, als sie um 7 Uhr abends die Kammer verließen, um in dem Villenorte Ville d'Avrah den Zweikampf sofort auszutragen. Bezüglich der Duell-Chancen bestand zwischen den beiden Gegnern ein großer Kontrast. Sarraut ist 35 Jahre alt, schlank, geschmeidig und em geübter Degenfechter. Pugliesi Conti dagegen nähert sich schon den Fünfzigern, ist tleiu und besitzt keine Fertigkeit im Fechten. In jedem Degenduell ist es Brauch, daß für einen jeden Gang eine Zeitdauer festgesetzt wird. (In der Regel 3 Minuten.) In diesem Duell wurde dagegen entschieden, daß man sich so lange schlagen solle, bis einer der Gegner eine Unterbrechung verlange. Dann wurden auch die Plätze der Kämpfenden nicht durch das Los bestimmt. Pugliesi Conti erhielt die schlechteste Stellung. Entgegen allem Gebrauch lourbe auch der Dirigent des Zweikampfes nicht durch das Los gewählt. Ein persönlicher Freund des Sarraut leitete das Duell. Der allergrößte Verstoß gegen die Duellregeln war aber der zu kurze Zeitraum zwischen der erfolgten Beleidigung und deren Sühne. Aus das Kommando Cle- meneeaus „Fertig, meine Herren!" griff Sarraut sofort wütend feinen Gegner an. Dieser konnte kaum parieren, und es erfolgte gleich ein corps ä corps zwischen den Duellanten. Tie vier Zeugen glaubten Pugliesi Conti verwundet, wes- halb sich Clemcnceau dem Deputierten näherte und ries: „Sie sind verwundet". Tie kreuzenden Legen hielten ein, und während man bei dem Deputierten nach der Wunde suchte, meinte plötzlich Sarraut: „Nicht er, sondern ich bin verwundet." Tatsächlich sah man aus seiner rechten Brust- feite Blut rieseln, und alsbald brach er Blut und fiel in Ohnmacht. In seinem grimmigen Vorstoß war Sarraut buchstäblich in den Legen seines Gegners hineingerannt, dessen Spitze sich in den rechten Lungenflügel bohrte. Ter ganze Kamps hatte kaum 20 Sekunden gedauert. Deutsches Reich. Berlin, 17. Juli. Ter facher unternahm gestern nachmittag auf dem „Sleipner" von Tigermulen aus eine Fahrt in den kleinen, aber sehr romantischen Coldsjord. Tie Abreise nach Trontheim sollte heute morgen 7 Uhr erfolgen. — Ter Landgraf Alexander Friedrich von Hessen wird die nächsten Monate auf feinem Schlosse Panter in Holstein zubringen. Als feine Gaste erwartet er dort feinen Bruder, den Prinzen Friedrich Karl von Hessen und dessen Gemahlin, die jüngst eSchwester des Kaisers, mit ihren Kindern, die eine Reihe von Wochen im Schloß Panker verbleiben werden. Ter Landgraf, der fast gänzlich erblindet ist, beabsichtigt im Oktober Teutschland zu verlassen und eine längere Fahrt nach Indien zu unternehmen. — Ter Reichskanzler hat aus Rorderneh anläßlich des Ablebens des Abg. Dr. mattier an die Witwe nachstehendes Beileidstelegramm gerichtet: Schmerzlid) bewegt durch die "Nachricht von dem Hinscheiden Ihres verehrten Herrn Gemahls bitte ick) Sie, den Ausdruck meiner auirichtigpen Teilnahme entgegen zu nehmen. Ich habe den Entschlafenen als Mensch und Politiker gleich hoch geschätzt. Nicht nur feiner Partei und dem ganzen parlamentarisck)en Leben nmb feine auf die edelsten Ziele ge- ridjtete politische Arbeitskraft fehlen. Karlsruhe, 17. Juli. Tie erste Kammer hat heute gleichfalls der P e r s o n e u t a r i f r e f o r m z u g e st i m m t. Mannheim, 17. Juli.^Ter Stadtrat hat seine Zusage, dem vom 23. bis 29. September hier tagenden sozialdemokratischen Parteitage die Säle des städtischen Rosengartens zur Verfügung zu stellen, minder Begründung zurückgezogen, die Säle seien für September und Oktober deshalb nicht verfügbar, weil man nicht wisse, wann der Geburtstag und die goldene Hochzeit des Großherzogs in Mannheim gefeiert wurden. Tie Abhaltung des Parteitages in Mannheim wird dadurch nicht in Frage gestellt, weil noch andere Lokale zur Verfügung stehen. München, 17. Juli. Die Abgeordnetenkammer hat heute nach wiederholten eingehenden Verhandlungen mit 69 gegen 40 Stimmen die Einführung einer Staats- taff en lottert e nach dem Muster Preußens und der anderen Staaten ab gelehnt. Ausland. London, 17. Juli. Lord Knollys, der Privatsekretär König Edilards, erklärte einem Vertreter des „Globe" gegenüber für möglich, daß der König demnächst mit Kaiser W ilh e lm z u j a m m c n tr e f f e n wuroe, beanstandete jedoch eine Meldung des Pariser „Figaro", die eine solche Begegnung allzu zuversichtlich als sehr möglich bezeichnete. , — Tie heutigen Meldungen aus Kairo stimmen darin überein, daß die Lage in Egypten sich täglich verschlimmert. Der fanatische Haß der Eingeborenen gegen die Europäer im allgemeinen und gegen die Engländer im besonderen nimmt täglich zu. Tie treuen Eingeborenen lassen der Regierung Warnungen über einen bevorstehenden Ausstand zukommen. Tie egyptische Regierung trifft mit der englischen Vorbereitungen, um die Garnisonen in Khartum und anderen Städten zu vermehren. Englische Posten werden auch in Egypten errichtet, um eine Kontrolle über die Bevölkerung zu ermöglichen. Tie Zahl der englischen Offiziere in der e gy pt isch en Armee wird vermehrt. Tie egyptischen Mittelklassen erklären sich mit dem niederen Volk solidarisch und gehen gemeinsanr mit diesem in der Verteidigung gegen die Engländer vor. — Ein Blatt veröffentlicht einen zuverlässigen Privatbrief aus Natal, der die von britischen Truppen an wehrlosen Negern verübten Grausamkeiten vollauf bestätigt. In dem Briefe heißt es: Mehlaka- Zuluneger, von drei Seiten umringt, waren bereit, die Waffen niederzulegen, als Natal-Polizisten, von Rachelust getrieben, zu ihrer Ermordung aufforderten, worauf in zweistündigem Gemetzel 700 Neger getötet wurden. Paris, 17. Juli. Durch Verfügung des Kriegs- ministers ist Picquart interimiftifd) mit dem gegenwärtig erledigten Kommando der 10. Infanterie- Division rn Paris betraut worden. Er wird in kurzer Zeit dieses Kommando definitiv erhalten unter Beförderung zum Tivisionsgeneral. Wien, 17. Juli. Tas „Fremd en blatt" erhält aus Marienbad ein Telegramm, worin es heißt, es verlaute mit Bestimmtheit, daß für diesen Sommer hier keine Zusammenkunft zwischen Kaiser Franz Joses und König Eduard geplant sei. Newhork, 17. Juli. Wie dem ,Mewhork Herald" aus Mexiko gemeldet wird, beträgt die Dahl der auf Seiten von Salvador bis zum 16. Juli Gefallenen 700, die der Verwundeten wird auf 1100 geschätzt. Die Verluste auf Seiten Guatemalas schätzt mau dem „Newyork Her." zufolge auf 2800 Tote und 3900 Verwundete. Ein Telegramm aus La Libertad meldet, daß der Waffen st ill- stand morgen bei Tagesanbruch beginnt und der Friedensvertrag auf hoher See an Bord des Kreuzers der Vereinigten Staaten „Marblehead" unterzeichnet werden wird. — General 91 e gala do, der Führer der Truppen Salvadors, ist am 12. Juli im Kampfe bei El Jidaro gefallen. Aus dem parlamentarischen Außland. In der NeichLduma kam am Dienstag die Agrarfrage zur Verhandlung. Der Präsident teilte mit, daß sich 55 Redner zum Worte gemeldet haben. Professor Kusmine Karawajew weist darauf hin, daß das Volk zurzeit keine Autorität anerkenne, ausgenommen die der Reichsduma. Die sehr lebhafte Stimmung des Hauses wird noch mehr erregt unter dem Eindruck der Rede des Abg. Ledmtzky, der beantragt, an das Volk ein Manifest zu richten. Die Reichsduma dürste nicht warten, bis Dörfer und Städte in Flammen stehen und das ganze Land der Anarchie verfalle. (Stürm. Beifall auf der äußersten Linken, Zurufe im Zentrum und auf der Rechten.) Am 17. Juli wurde das von der Reichsduma und denr Reichsrate angenommene, vorn Kaiser genehmigte Gesetz über die Bewilligung von 15 Mill. Rubel zur Befriedigung der Bedürfnisse der von Hungersnot betroffenen Bevölkerung veröffentlicht. Dies ist das erste feit dem Bestehen der neuen Verfassungsoerhältnisse zustande gekommene Gesetz. In Petersburg' traten in einigen Stadtteilen die Schutzleute in den Ausstand, weil sie keine Dienstgelder erhalten haben. Sie ziehen gruppenweise umher und nötigen die diensttuenden Kameraden, ihre Posten zu verlassen. Die ausständigen Schutzleute stellen Forderungen wirtschaftlichen Charakters. Nach einer Meldung au§ Odessa haben die Mannschaften verschiedener Kriegsschiffe der Schwarzen Meerflotte wieder gemeutert. Die Matrosen des Schlachtschiffes „Tschesma", sowie des unrühmlich bekannten Schlachtschiffes „Panteleimon" beherrschen ihre Offiziere. Diese Mannschaften lehnen es überhaupt ab, irgendwelche Befehle auszuführen und verbringen den Tag müßig, indem sie an Bord revolutionäre Lieder singen und Versammlungen abhalten. In Mitau wurden der Schiffskommandant Carnow und zwei Offiziere von zwei entlaffenen Matrosen durch eine Bombe getötet. Die Täter sind entkommen. Es verlautet, der Gouoertleur von Marsch au habe einen Drohbrief erhalten des Inhalts, daß im Falle eines Pogronis die G e n e r a l k o n s li l n D e u t s ch l a n d s, O e st e r - reichs, Englands und Amerikas zum Tode verurteilt werden würden. Deswegen werden die Generalkonsulate militärisch bewacht. Der Streik der Zuckerbäcker dauert fort. Alle Konditoreien und Kaffeehäuser sind auf drei Tage gesperrt. Die Gärtner, Weichselschiffsknechte und jüdischen Kellner streiken ebenfalls. In den poln. Kreisen Kutno, Gostynia und Lenezyea nimmt der Streik der Landarbeiter zu. Die Feldarbeiten auf 50 großen Gütern, darunter das Gut Strcelce, ivclches der deutschen Familie von Treskvlv gehört, stehen still. In manchen Orten wirken die Geistlichen beruhigend. Ten Bauernunruhen ist nun and) das berühmte Gestüt zum Opfer gefaüen, wo die Orlow-Traber gezüchtet mürben. Das Gestüt wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts vom Grasen Orlow-Tschesmensky ge- gründet, der sich der Gunst der Kaiserin Katharina II. erfreute und ihren Gemahl, den Zaren Peter III. mit eigenen Händen erdrosselte. Die Orlow-Traber verdanken ihre Ent- itehung der Kreuzung von arabischem, holländischem, däni- -chem und auch persischem Blute. Das Gestüt war zuletzt Eigentum deS Fürsten Alexis Orlow, russ. Obersten und Flügeladjutanten, der seit vielen Iabren der Botschaft in 'Paris als Militär-AttachL beigegeben ist. Der Fürst erhielt in Karlsbad die Mitteilung von der Empörung der Bauern seines Gutsbezirkes, die außer dem Gestüt mit allen seinen Gebäuden und Einrichtungen auch das Orlow'sche Schloß erstürmt und dem Boden gleich gemacht haben. * Am 25. Juni fand in Berlin bekanntlich eine Protest- versammllmg gegen die rnssisckxn MassakreS statt. Den Vorsitz führte ReickiÄagsabg. Scknadcr, und cs sprachen der berühmt? Rechtslehrer der Berliner Universität Professor v. Liszt, der Abg. Träger, der freisinnige Pfarrer Kirms, Friedrich Naumann, sowie zwei Russen, der Arzt Dr. Brutzkns aus St. Petersburg, der soeben von der Besichtigung der Krankem häuf er in Bialvstok zurückgekehrt war, und der Rechtsanwalt Shdaneoff aus Moskau, der als Mitglied des Zentralausschusses der konstitutionell-demokratischen Partei inmitten des politischen Lebens des Zarenreiches flelyt. Die Redner beschäftigten sich keineswegs aussckstießlich mit den (tyreueht non Bialostok: sie entwarfen vielmehr ein Bild der Gesamtzustände in Rußland, und die deutschen Redner zogen insbesondere in Betracht, die politischen Beziehungen unseres Vaterlandes zu dem großen östlichen Nachbarreich. Die Reden werden jetzt nach stenographisckrcr Aufzeichnung als Broschüre veröffentlicht. Sie bieten eine interessante Lektüre und sic sind ein beachtenswertes Dokument sowohl für den Politiker wie für den Kultnrhistoriker. Von der russischen Sprache. Bis jetzt beschäftigen sich nur wenige Deutsche, hauptsächlich Offiziere und Berufsgelehrte mit der russischen Sprache. Neuerdings hat aber sowohl die politische wie die literarisch^ Entwicklung Rußlands unser Interesse mtf das östliche Nachbarvolk uns seine Sprache hingelenkt. Daraus erwächst auch der Presse in einem gewissen Umfange die Ausgabe, als Erklärer russischer Worte aufzutreten, die gewöhnlich zuerst der Telegraph oder das 'vTelephon vorbereitet, und die dann die Leser veranlassen, die Zeitung um eine Erklärung anzugehen oder sich die Erklärung im Konveriationslexiwn selbst zu suchen. Zur Zeit wird das Wort „Pogrom" viel gebraucht. Es heißt „Verwüstung, Verheerung" ganz im Allgemeinen, ist aber jetzt insbesondere die konventionelle Bezeichnung für die Judenverfolgungen unter behördlicher Anleitung geworden. Der Ton ruht auf der zweiten Silbe und deshalb wird das r» der ersten Silbe wie a ausgesprochen, denn vortoniges o lautet im russischen wie a, so z. B. auch in der ersten Silbe des Namens Tolstoi, der ebenfalls auf der zweiten Silbe betont wird. Der Akzent ist im russischen ein schwieriges Kapitel, gegenüber dem Polnischen, das immer die, vorletzte Silbe betont. Ein bekanntes Fremdwort aus dem Russischen, in dem gleichfalls die Endsilbe betont wird, ist Ukas. Außer den sechs Fällen des Lateinischen hat das Russische nock einen, den Instrumentalis: es ist in diesem Punkte altertümlicher, denn ursprünglich hatten alle indogermanischen Sprachen diesen Fall. Oder, genauer gesprochen, cs hatte ihn die gemeinsame Ursprache, die Sprache des Urvolkes, von dem Deutsche, Franzosen nnd Russen abstammen, jene Sprache, die noch nicht deutsch oder englisch oder griechisch oder polnisch oder russisch war, von der aber alle diese Idiome nur WeiterentwickelunHeu sind. Eine viel größere Schwierigkeit bereiten dem Russffch- L em enden jedoch die Zeitwörter. Das mssische Zeitwort hat nämlich mehrere „Gesichter" (Aspekten ober Anschounngsarten. Dadurch kann der Russe neben der Handlung oder bem Zustande im allgemeinen, beides auch als bestimmt, als einmalig ober als mehrmals wieberhvlt, als unvollendet, vollendet, endlich als einmalig vollendet barfteilen. Bis ber Frembe sich in diese mssische, bezw. slavischc Eigentümlichkeit idenn z. B. das Polnische hat sie) hineingelebt hat, vergeht geraume Zeit. Die bedeutendsten stavischen Sprachen sind Russisch, Polnisch, Ruthenisch (Kleinruffischh Tschechisch, Serbisch. Bulgarisch und Slovenisch, während das Rumänische trotz seines starken Prozentsatzes stavischcr Wörter doch ebenso als romanisch angesprochen werden muß, wie das Englische trotz seines starken französischen Bestandteiles als germanisch, weil der Bau der Sprache dort romanisch, hier germanisch ist. Diese Sprachen unterscheiden sich aber sehr wesentlich und die Differenz nimmt immer mehr zu. So macht schon ber Verkehr zwischen Groß- und Kleinmssen Schwierigkeit, und als vor einigen Jahren auf Veranlassung und unter Vorsitz eines Moskauer,^ die Deutschen hassenden Generals in Prag ein allgemeiner Sklavenkongreß mit ausgesprochen antideutschem und antigermanischem Charakter zusammen- trat, sahen sich die Teilnehmer bei ber Unmöglichkeit direkter Verständigung tatsächlich genötigt, zu bem Berständigungsmittel des Deutschen zu flüchten. Denn die gebildeten Slaven lernen von allen fremden Sprachen am häufigsten und ersten die deutsche. ICtrcbe unö Schule. — Bischof Endert von Fulda ist an einem Schlaganfall gestorben. Er war zuckerkrank. Aus Stadt und Land. Gießen, den 18. Juli 1906. — Warnung. In letzter Zeit sind wiederholt Pro- pckte von sogen. Lotterie-Spielgesellschaften in Massen zur Verbreitung gelangt, in denen das Publikum zur Beteiligung an dem Spiel mit kleineren oder größeren Monatsbeiträgen aufgefordert wird. Vor einer solchen Beteiligung kann nur ernstlich gewarnt werden, da es sich um ganz unkontrollierbare und von der Behörde keineswegs erlaubte Lotteriespiele handelt. Auf den Prospekten pflegt gewöhnlich zur Täuschung des Publikums der Vermerk „gesetzlich erlaubt" zu stehen, es sind aber in letzter Zeit gegen mehrere derartige Gesellschaften Strafverfahren eingeleitet worden, was wohl das Gegenteil beweist. ** Besitzwechsel. Die früher Burk'sche Villa an der Ostanlage, die seither im Besitz der Familie Noll war, wurde für 110 000 Mk. an die Vorbesitzerin, Frau Witwe Burk, zurückverkauft. "Der Geselligkeitsverein Gleiberg halt am SamStag, 21. Juli, nachmittags 4l/8 Uhr, seine Generalversammlung auf Burg Gleiberg ab. Die Tagesordnung umfaßt: Rechnungsablage, Geschäftsbericht und Feststellung des Voranschlags für 1906/07. ** Vom Mittelrheinischen Kreisturnfest in Hanau. An dem Einzelwetturnen, das am Montag vor- mittag stattfand, beteiligten sich 426 Turner, von denen 72 Sieger wurden. Den 1. Preis errang Josef Lindner von Frankfurt 67^ Punkten. Vom Gau Hessen wurden Sieger Karl Müller vom Turnverein Gießen, der mit 60V8 Punkten 4. Sieger wurde, und Heinrich Wolff von Nidda, der mit 61% Punkten den 32. Preis erhielt. Außerdem erhielt Christian Schmidt von, Turnverein Gießen eine lobende Erwähnung. Bei dem Wettumen in volkstümlichen Hebungen erhielten von 300 Turnern vier Auszeichnungen, erster war Otto Muhl von Mainz. "Zum Fall Hirschel. Gegen den Direktor der landwirtsch. Hauptgenoffenschaft für Oberheffen in Friedberg und Landtagsabgeordneten Hirsche! ist von der hiesigen Staatsanwaltschaft Anklage erhoben worden wegen der dem Direktor Hirsche! von bem Oekonomierat und früheren Mitdirektor Schlenke vorgeworfenen Verfehlungen in der Geschäftsführung der Genossenschaft. Der Verhandlungstermin ist noch nicht bestimmt. Möglicherweise wird die Verhandlung vertagt, da Hirsche! als Landtagsabgeordneter Immunität genießt. ** D i e Ludwig- uudAlieestistuug, Sterbekasse für hessische V o l k s s ch u l l e h r e r und Unterstützungskasse für bedürftige Lehrer-Witwen und -Waisen des Großherzogtums Hessen veröffentlicht ihren 42. Jahresbericht. Tie Sterbekasse zahlte anfangs 1906 2455 Mitglieder, die einen jährlichen Beitrag von 44104,50 Mk. zu zahlen haben. DaS versicherte Sterbegeld ist gegenüber dem Vorjahre um 57 400 Mark gestiegen und betrug 1398 000 Mark. Gestorben sind im Jahre 1905 34 Mitglieder. An Sterbegeldern kamen 12 850 Mark zur Auszahlung. Das Vermögen der Sterbeknsie beträgt 298 794,94 Mark. Der Verwaltlmgs- auSschuß wirb für die diesjährige Hauvtversanunlung beantragen, von dem Vermogensüberschuß 45 000 Mark dem Gewinnfonds zu- zusühren nnd au5 demselben vom Jahre 1907 an weitere Zuschüße zu den Sterbegeldern zu gewähren, den Rest aber der ju gründenden Militärdahrlehnskasse als Betriebskapital vorlagsweise zu überweisen. Die Einnahmen des Kasse betrugen 9 400,04 Alark, die Ausgaben 7 355,70 Mark. " Die Obstaussichten sind im Kreis Gießen recht gute und lasten eine günstige Ernte besonders auf Aepfcl und Zwetsch en erwarten. Die Aepfelbäume an den Kreisstraßen sind so dicht behangen, daß die Kreisbaumwärter schon jetzt mit dem Stützen und Aufbinden der Slcfte beginnen ; die Aepfelbäume hängen an einzelnen Straßen zum Brechen voll. Die Zahl der Obflbäumc an den Kreisstraßen beträgt rund 15 000, davon sind ca. 12 500 Aepfelbäume. Im letzten Herbst und Frühjahr wurden wicbcrum ca. 500 Baume gepflanzt, so an den Kreisstraßen bei Langsdorf, Noimenroth, Nieder-Bessingen, Lollar und Wellersdurg. Weitere Pflanzungen stehen bevor, so bei Großen-Linden und von Lang-GönS bis zur Kreisgrenze. In den letzten Jahren hat der Kreis fast ausschließlich daS Obst selbst gepflückt und in Gießen einen Obstmarkt abgehalten. ? Nodheim a. d. Bieber, 17. Juli. Mit der Aus- schachtung des großen Neseroebehälters am „Launscheidsberg* soivie der Vollendung der HatiSanschlüsie sind die Erdarbeiten für unsere neue Wasserleitung nunmehr zum Abschluß gekommen. Die vielen ausländischen Arbeiter sind größtenteils wieder abgezogen, aber noch recht lange wird man ihnen ein gutes Andenken bewahren. Anfänglich wollte sie fast niemand beherbergen. Im Lause der Zeit wurde aber bas Verhältnis zwischen ihnen und ihren Quartiergebern recht gut. Vor allem bewunderte man ihren ausdauernden Fleiß und ihre bescheidene Lebensweise. X Laub ach, 17. Juli. Die Firma Koch & Co. in Frankfurt a. M. setzt das Projekt der Erbauung einer hiesigen Gaszentrale fort. Sie hat die weitere Vermessung in die Hände eines anderen Ingenieurs gelegt, der gestern zu mehr- wöchentlichem Aufenthalte hier eingetroffen ist. X Friedberg, 17. Juli. Am Schluß des gegenwärtigen landwirtschaftl. Wiederhol nngSkursus fand dieser Tage eine Exkursion der Teilnehmer nach Starkenburg statt. Es wurden mehrere ki'e.nere und größere Bauerngüter sowie die Starkenblirger Fohlenweide besichtigt. Vor allem galt die Exkursion der Provinzial- Jungviehiveide bei Schloß NauseS. Viele ehemalige Winter- schüler und Landwirte hatten sich angeschlossen. R.-B. Darmstadt, 17. Juli. Die Beisetzung der sterblichen Ueberreste deS früheren Justiz Minister 8 Dr. Emil Dittmar erfolgte heute nachmittag auf dem hiesigen Fried- Hofe. Es hatte sich eine große Anzahl von Leidtragenden versauunelt, barunter Finanzminister Gnanth, Geh. Staatsrat Krug v. Nidda, Geh. Rat Wilbrand, Geh. Nat Dr. Eisenhnth und andere behördliche Vertreter, ferner Flügeladjutant Rittmeister Krämer und Geh. Kabinettsrat v. Nömheld, Divisionskommandeur Exz. Frhr. v. Gall, Oberst v. Waldenfels, der Kommandeur und die Offiziere deS 23. Dragoner-Regiments, bei den: der Sohn des Verstorbenen als Vizewachtmeister dient, der russische Ministerresident v. Dubanski, Präsident Haas, mehrere Mitglieder der Ersten und Zweiten Kammer, Stadtverordnete u. a. m. Einem Wunsche des Verstorbenen entsprechend, daß die Beisetzung in einfacher, schlichter Weise stattfinden solle, hielt Pfarrassistent Schneider keine Trauerrede, sondern sprach nur ein längeres Gebet, in dem er unter Benutzung zahlreicher Bibelworte den Lebensgang und daS für Hessen so segensvolle Wirken deS Dahingeschiedenen kurz skizzierte. Namens der hessischen Anwaltskammer rief Justizrat Massot dem früheren eifrigen Mitgliede herzliche Abschiedsworte nach, namens der nationalliberalen Landespartei Hestens sprach Justizrat Schmeel, der den Verstorbenen als einen ebenso ausgezeichneten Juristen, wie als warmherzigen Patrioten und hervorragenden nationalliberalen Politiker feierte. In tief zu Herzen gehenden Worten gedachte auch Oberlandesgerichtspräsident Lippold, der dem Verblichenen seit vielen Jahren persönlich nahe stand, feine hohen Tilgenden als Mensch und feiner großen, unvergeßlichen Verdienste um den Staat und die hessische Justizgesetzgebung. Unter den vielen am Grabe niedergelegten Kränzen befand sich auch ein prachtvoller Lorbeerkranz Sr. Konigl. Hoheit deS Großherzogs mit rot-weißer Schleife und den Großh. Initialen. Mainz, 17. Juli. Im Verein Mainzer Kaufleute kündigte der Vorsitzende Landtagsabg. Molthan an, daß er demnächst mit einer Reihe von Niedgemeinden den Bau einer normalspurigen Nebenbahn durch das Ried von Mainz über Gustavsbiirg und Trebur nach Groß-Gerau beantragen werde. Auch die finanzielle Mitwirkung der Stadt Mainz an diesem Bahnprojekt wird erwartet. — In der heutigen, nichtöffentlichen Stadtverordnetensitzung wurde der Kauf des der Stadt gehörigen Kleintzhauses in der Stadthausstraße an das Warenhaus Tietz A.-G. mit allen gegen eine Stimme genehmigt. Der Kaufpreis beträgt n. d. „Fkf. 3tg/ 185 000 Mk. h. Mainz, 17. Juli. Ein Herr und eine Dame, die gestern sich hier ein Boot mieteten, sind von ihrer Nheinbootfahrt, nicht wieder zurückgekommen. Tas leere Boot wurde bei Walluf gelänget; es enthielt Hut und Stock des Herrn, Anscheinend waren die Leute ein Liebespaar, das im Rhein den Tod suchte und fand. hd. Frankfurt a. M., 17. Juli. Gestern mittag explodierte in einem Hinterhause der Wittelsbacher Allee eine Petroleumkanne, die in unmittelbarer Nähe des Herdes stand. Ein junges Mädchen, das sich grabe am Herde zu schaffen machte, stand im Nu in Flammen und würbe schwer verletzt nach dem Hospital verbracht. Es wirb an ihrem Aufkommen gezweifelt. H. Höchst a. M., 17. Juli. Am SamStag abend entstand in einer WirtschaftSbude auf dem Kirchweihplatz eine Schlägerei, wobei nicht weniger als acht Personen durch Messerstiche verletzt wurden. Die Polizei war machtlos, die Fe uerwehr mußte mit einem falten Strahl die erhitzten Geniüter beruhigen. Die Wirtschaftsbude würbe fast vollständig demoliert. -a- Gladenbach, 17. Juli. Die für den Neubau des Amtsgerichts erforderlichen Arbeiten sind von der Kreisbauiiispektion zu Biedenkopf ausgeschrieben worben. Nach ber Vergrößerung bc§ Amtsgerichtsbezirks durch mehrere Ortschaften durch die Grundbuchregulierung erwies sich das bisherige Gerichtsgebäude zu klein. Schon vor Jahren ist der Schöffcngerichtssaal in das Gasthaus zur „Alten Post" verlegt worden. Das neue Gebäude kommt an die Gießener Straße und verspricht recht stattlich zu werden. [ ] Marburg, 17. Juli. Die Burschenschafter brachten heute abend dem seitherigen Direktor des pathologischen In- stitiits, Professor Dr. Aschoff, der übermorgen seine Sel^r» tätigtest in Freiburg ausnimmt, einen Fackelzug.________ Gießener Strafkammer. )( Gießen, 18. Juli. Im verflossenen Monat harte sich der Händler D. M. auS Elberfeld _ mit einer unter Ssttenkontrolle stehenden Person in einer hiesigen Wirtschaft einlogiert. Sie gaben sich als Eheleute aus und trieben sich regelmäßig aberrds auf den Straßen herum. Die durch die Polizei gemachten Beobachtungen führten zu dem Ergebnis, daß man es mit einem Z u hälter zu tun hatte, dem sein unsauberes Gewerbe bald gelegt wurde. Bei seiner Verhaftung gab er zu, seinen Unterhalt teilweise aus dem Er- rverb der Frauensperson bestritten zu haben, was gegen ihn eine Anklage wegen Kuppelei zur Folge hatte. Da er bis jetzt Strafen noch nicht erlitten hat, standen ihm mildernde Umstände » rend beteiligen." Der wesentliche Unterschied gegen 1905 besteht also darin, daß die Burschenschaften des 2l. D. B. nicht mehr verpflichtet sind, sich an denjenigen £ dritten zu beteiligen, welche die Ausschließung der konsess. Studentenverbindungen aus den studentischen Ausschüssen nsw. zum Ziele haben. vhö LVsssensehaft. — Einen Ruf zum Eintritt in die D a r m st ä d t e r K ü n st l e k o l o n i e hat der Dresdener Bildhauer H o t t e n r o t h erhaltens dem „'SrcSb. Anz." zufolge wirb er wahrscheinlich bem Rufe Folge leisten. — In einer Lungenheilstätte starb, 55 Jahre alt, der Frankfurter Stadtbibliothekar Dr. Heinrich v. Nathusius-Rein- ft e d t, der Hervorragendes auf dem Gebiete der Genealogie und Ortsgeschichte Franffurts geleistet hat. — Wertvolle alte Wand- und Altar Malereien sind in der evangelisck)en Kirche zu St. Goar entdeckt worden. Die Gemälde, die in der Zeit der Bilderstürmerei über- tüncht wurden, werden wiederhergestellt. Vermischtes. * Berlin, 17. Juli. Ms der Generalagent Robert Liebig sich in der vergangenen Nacht mit einem Freunde vvmt Bahnhof Gesundbrunnen auf dem Wege nach der Sttaßenbahn- haltestelle in der Badstraße befand, sang er unterwegs ein Lied. Ein Schutzmann verwies Liebig zur Ruhe, ber Gmerab- agent sang weiter. Der Schutzmann nahm jetzt den Sängw fest und knebelte ihm die Hände. Der Knebel war so fest um das Handgelenk gelegt, daß Liebig starke Schmerzen empfand. Er ersuchte infolgedessen den Beamten, ihm die Feffeln abzunehmen und ihn nicht wie einen schweren Verbrecher zu behandeln. Da der Schmerz immer stärker wurde, versuchte der Agent selbst, den Knebel etwas zu lockern. Darauf zog der Beamte blank und versetzte dem Gefesselten einen Säb el- hieb über den Kopf. Blutüberströmt mußte der Verletzte nach der nahen Unfallstation gebracht werden, wo eine 10 Zentimetcc lange Säbelwunde scstgestellt wurde. Das Handgelenk des Agenten war vollständig blau angelaufen. * Ein Opfer ihrer Schönheit. Unlängst wurde, das tnarokkanische Dorf Dasben-Bekkat von einer Räuberbande überfallen und geplündert. Die Weiber und Kindev wurden zu Sklaven gemacht und unter die Räuber verteilt. Dabei entspann sich unter den beiden Führern der Bande eitt Streit um ein Weib von seltener Schönheit. Jeder wollte; Bei der Ruine Geiers- Handel des 3% Portugiesen Serie I . III Portugiesen 3% Zusammen Es starben an: vom . 116.80 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr- Tuberkulose der 98.20 241.20 Börse, 18. Juli. Anfangskurse. 124.60 [Die einzige hygienisch vollkommene, in Anlage und Betrieb billigste HeizunötürdasEinfamilienhaus L ist die verbesserte Zentral-Luftheizung. In jedes, auch alte Haus leicht einzubauen. Prospekte gratis und franko durch Schwarzhaupt Spiecker & Co. Nachf., G. m. b. H., Frankfurt a. M. eg . 207.50 . 231.75 . 168.70 . 139.00 . 236 00 . 176.40 . 182.90 . 157.75 . 209.50 4% 4% 142.50 126.00 251.10 220.50 157.00 206.80 231.80 124.50 127.00 Harpener Bergwerk Laurahütte . . Lombarden E. B. Nordd. Lloyd . . Türkenlose . 100.25 100.45 95.60 103.80 70.05 70.70 88.85 95.00 9570 146.60 53.80 91.00 . 33.75 . 144.00 . 145.00 Ungar. Goldrente Italien. Rente . 4 % Öesterr. Goldrente. . 4*/8 % Oesterr. Silberrente Elektriz. Lahmeyer . . . Elektriz. Schuckert . . . Eschweiler Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg-Amerik. Paketf. Harpener Bergwerk. . . Laurahütte...... Nordd. Lloyd..... Oberschles. Eisen-Industrie Reichsanleihe do. Konsols . . do. . . Hessen . . . Oberhessen Leipzig, 17. Juli. Die streikenden Buchbindergehil fen lehnten im Gegensatz zu ihren Vertretern mit erdrückender Mehrheit das Angebot der Prinzipale, den bestehenden Tarif bis 1911 in Geltung zu lassen, ab und beschlossen, weiter im Streit zu verharren. Von 2500 abgegebenen Stimmen waren mit acht gegen die Weitersührung des Streiks. 4%°f0 russ. Staatsanl. 1905 4^°/n japan. Staatsanleihe 4 % Conv. Türken von 1903 Türkenlose...... 4% Griech. Monopol-Anl. 4 % äussere Argentinier . 3% Mexikaner . . . 4%°l0 Chinesen . . . . Der Rheinisch-Westfälische Effektenmarkt. Tagesbericht der Firma Walter Hammerstein. Mülheim a. d. Ruhr, 17. Juli 1906. Der Kohlenkuxenmarkt lag heute sehr still. Es fanden nur vereinzelt Umsätze statt. Kursverschiebungen waren auf der ganzen Linie nicht zu verzeichnen. So blieben zu gestrigen Preisen Alte Haase, Freie Vogel, Gottessegen, Trappe und Tremonia gefragt. Ferner waren von schweren Werten Dorstfeld, Graf Schwerin und Lothringen begehrt. Die auf den: Kalikuxen markte gestern zum Ausdruck gefommene festere Tendenz machte heute bei einigen Werten weitere Fortschritte. Wiederum waren es vorzugsweise Äusbeutewerte wie Carlsfund, Beienrode, Alexandershall, Kaiseroda, Hohenzollern und Wilhelmshall, welche am meisten profitierten. Andererseits lagen auch verschiedene schwere Werte wie Hohenfels, Glückauf b. Sondershausen, Neustaßfurt und Wintershall ohne jegliches Interesse. Die Kursaufbesserungen der stärker gefragten Papiere waren gegen gestern nicht erheblich. Gut begehrt und zum Teil höher waren auch einige im Schachtbau begriffene Werte. So notierten Siegfried I. einige 100 Mk. höher. Auch Deutschland-Justenberq und Heldrungen lagen ziemlich fest. Im Nebrigen ist zu bemerken, das; trotz der freundlicheren Haltung des gesamten Kalikuxenmarktes die Umsätze aus ein geringes Maß beschränkt blieben. Tie leichten Werte lagen noch sehr still und umsatzlos, obgleich auch hieriür vereinzelte Geldkurse, wenn auch noch sehr niedrige, im Markte genannt wurden. Der Erzkuxenmarkt neigte heute leicht zur Schwäche. So waren z. B. Apfelbaumerzug, Eoncordia, Glückauf b. Neviges, Freier Gründer Bergwerksverein, Henriette, Nene Hoffnung und Victoria b. Littfeld billiger erhältlich; dagegen lagen Fernie, Luise Brauneisenstein, Peterszeche und Wildberg gut behauptet. Das Geschäft war geringfügig. Das Gebiet der Braunkohlenkuxen kann wohl als das einzigste bezeichnet werden, auf welchem eine anhaltend zuversichtliche und feste Haltung zu konstatieren ist So wurden denn auch in letzter Zeit größere Ankäufe in Braunkohlenkuxen getätigt, was eine mäßige und solide Kurssteigerung zur Folge hatte. Zum mindesten rottrben Rückgänge wie auf anderen Gebieten vermieden. Im Vordergrund des Interesses standen in den letzten Tagen Schallmauer und Litcherberg, welche Werte denn auch um einige hundert Mark anziehen konnten. Auch die schweren Werte wie Brühl und Donatus zeigten mehrfache Nachfrage zu guten Kursen. Humboldt und Germania waren vereinzelt gesucht. Aktien: Bochum Guss . . . . Buderus E. W .. . . Tendenz: still. Berliner Berliner Handelsges Darmstädter Bank . . Deutsche Bank . Deutsch-Asiat. Bank Diskonto-Kommandit. . Dresdner Bank . . K.editaktien . . . . Baltimore- und Ohio- Eisenbahn . Gotthardbahn . . . . Lombard. Eisenbahn . Oesterr. Staatsbahn . . Prince-Henri-Eisenbahn 99.85 87.75 99.50 87 70 98.65 Summa: 14(5) 1 , • . , «(nm/ Tie in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen aebrachte Kranke fnmmcn. Telefonische Kursberichte Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für und Industrie, Glessen. Frankfurter Börse. 18. Juli, 1.15 Uhr. Canada E. B......—.— Darmstädter Bank . . . 138.60 Deutsche Bank .... 235.90 Dortmunder-Union C. . . 8510 Dresdner Bank .... 157.00 Tendenz: geschäftslos. : Erwachsene: im e§ in seinen Besitz bringen, keiner darauf verzichten und eS drohte ein Zweikampf unter den Führern auszubrechen. Da legte der eine plötzlich sein Gewehr an itnb schoß die schöne Sklavin nieder. .Du hast recht getan", sagte der andere kaltblütig, »einer von un§ hätte zuvor sterben muffen, ehe der andere sie sein nennen durfte. Habe Dank, mein Bruder!" • Hinrichtung von Schnaken auf elektrischem Wege. Maurice Chaulin, ein französischer Erfinder, hat der Menschheit für ihren Kampf gegen die lästigsten Ruhestörer eine furchtbare Waffe geliefert: die alles vermögende, immer als letztes Zufluchtsmittel dienende Elektrizität. Die Heimtücke, mit der er dem .furchtbaren Geschlecht der Nacht" zu Leibe geht, sucht wirklich ihresgleichen, denn um die armen Geschöpfe dem Tod zu überliefern, benutzt der Erfinder die edelste Regung der Jnsektenseelc, den unwiderstehlichen Drang nach Licht. Chaulin umgibt eine elektrische Glühlampe mit einem zylindrischen Schirm von etwa 20 Zentimeter Höhe und 15 Zentimeter Durchmesser. . Die zwei Ringe, welche die obere' und untere Begrenzung des Schirmes bilden, sind durch vertikal verlaufende Kettchen von feinem Metalldraht verbunden. Auf sehr einfache Weise wird erreicht, daß die Kettchen abwechselnd mit dem positiven und negativen Pol einer Elektrizitätsquelle, am besten mit den Polen der Speiseleitung der Glühlampe, in Verbindung stehen. Klammert sich nun ein durch das Licht angelockteS Insekt an den Kettchen an, so wird der Strom geschlossen und das Insekt wird auf dieselbe vornehme Art vom Leben zum Tode gebracht, wie ein amerikanischer Verbrecher auf dem elektrischen Hin- 3^7fl 3% WV 3% 3%7n richtungsstuhl. * Kleine Tageschronik. . . bürg in her Nähe von Graupen (Böhmen) wurde die Leiche desl 70 jährigen Ferdinand Güttler im Gestrüpp mit einem Messerstich ins Herz ermordet aufgefunden. Nach dem Mörder wird gefahndet. — Um den Fackelzug für den in Barmen anwesenden Kölner Erzbischof anschauen zu können, hatte eine Anzahl Kinder die Oberbarmer Kirchgrundstücksmauer erklettert. Ein Mauerteil stürzte zusammen und Steine und Kinder fielen auf die Zuschauer hinab. 15 Kinder sind verletzt, von denen mehrere unter ihnen schwer. — In Halle a. S. überfuhr der Theaterdirektor Krause auS Liegnitz mit seinem Automobil eine Frau, die eben aus einem Wagen der elektrischen Straßenbahn gestiegen war. Die Frau ist ihren Verletzungen erlegen. Anscheinend trifft den Führer des Automobils keine Schuld. Arbeiterbewegung. sl Marburg, 17. Juli. Ter Streik der Schreiner und Bauhilfsarbeiter dauert unverändert fort. In einer heute abend abgeballenen, stark besuchten Versammlung der beiden Gewerkschaften' der Maurer wurde einfhmmtg beschloßen, jetzt jede Handlangerarbeit zu uerroetgern und sich mit den Hilfsarbeitern solidarisch zu erklären. ?armffädter Kunden. äSS** ■f) 55 U fet Bildet MH. !*> >»;»> Am ** auwe („ ”nb'- e$on vor b(?§ Haus zur JQl^n ist >>' werden le6encc M während' VeckbandIsvnbikusl io-ert ntlnnlt Pilz m dem innigen: „Welche Aufgaben hat der reisende/Kaufmann in der Gegenwart" speziell auf die Bedeutung der reisenden Kaufleute eingeht. In der zweiten Broschüre: „Die Eisenbahnreformfrage" übt Herr A. Rauter eine scharfe Kritik an der Eisenbahntarif- reform und weist nach, daß dieselbe nur zum Nachteil des Verkebvs'wesens ausschlagen kann und eine verkehrsfemdliche Tendenz hat. Deutscher Reich s bcr n k-Au sstfe is. Der Rückfluß war in der zweiten Woche des Juli so kräftig, daß die Bank jetzt wieder über eine steuerfreie Notenreserve von 36.07 Mill. Mk. verfügt. Im vergangenen Jahre waren es allerdings um diese Zeit 148.40 Mill. Mk. Gegenüber dem steuerpflichtigen Umlauf von 89.24 Milll Mk. in der Vorwoche beträgt die Besserung 123.51 Mill. Mk. gegen 126.59 Mill. Mk. i. V. Die Lombarddarlehen betragen 70.25 Mill. Mark und sind daher um 40,33 Mill. Mk. zurückgegangen. Der Metallbestand hat eine wesentliche Kräftigung erfahren, sodaß er 909.48 Mill. Mk. beträgt gegen 974.05 Mill. Mk. im Vorjahr. Deutsche Reichsanleihe und Preußische Konsols. Die Einzahlung der letzten 20 Proz. auf die zur Emission gelangten 560 Mill. Mk. in 31/2 Proz. Reichsanleihe und Konsols ist am 20. d. M. zu leisten. Ta aber bereits der größte Teil ftüher voll gezahlt wurde, wird der Geldmarkt durch die Schlußrate kaum besonders in Anspruch genommen. Das Konsortium allerdings, das die Anleihen übernahm, hat noch sehr bedeutendes Material und wird sich noch lange nicht auflösen können. Es ist beschlossen worden, die Ucberwachung des Marktes bezw. der Kurse in bisheriger Weise weiterzuführen. Reichsbank. Am 1. August wird in Staßfurt eine von der Reichsbankhauptstelle in Magdeburg abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kaffeneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden. Reichsbank. Am 20. August wird in Menden (Bezirk Arnsberg) eine von der Reichsbankhauptstelle in Dortmund abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kaffeneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden. Märkte. kc. Frankfurt a. M., 18. Juli. lOrig.-Telegr. des „Gieß. An;.") V i e h m a r k t. Zum Veckause ftanben 00 Kälber, 00 Schafe und Sämmel, 1027 Schweine: 1. Qual. 74—75 Pfg. Lebendgewicht 57.50—58.00 Pf., 2. Qual. 73—00 Pst, Lebendgewicht 57.00-00 Pfg., 3. Qual. 60—62 Pfg. Kälber 1. Qual. 00—00 Pst, Lebendgewicht 00—00 Pfg., 2. Qual. 00—00 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg., Schlachtgeivicht 00—00 Pfg. Schafe 1. Qualftä: Schlachtgewicht 00—00 Pfg., 2. Qualität 00— 00 Pfg. Geschäft: mittelmäßig, Ueberstand unbedeutend. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Donnerstag, den 19. Juli 1906: Zunächst heiter, trocken, und noch etwas wärmer. Später Trübung und Gewitterregen. Veränderliche Winde. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Orrginttl-Drahtmel-ungen. Berlin, 18. Juli. Die „Franks. Zig." brachte die Meldung, daß die Eisenbahnverwaltung beabsichtige, für: die 3. Klasse die Winterbesetzung von 10 Personen: pro Abteil einzuführen. Diese Nachricht ist unrichtig. — Lederdiebstähle in der Artillerie-Werk- stätte Spandau wachsen sich immer mehr zu einer Skandalaffäre aus. Bis jetzt hat das Kriegsministerium eine außerordentliche Revision des Lederverbrauches während der letzten 12 Jahre angeordnet und damit zwei Jn- tendanturbeamte beauftragt. Gleichzeitig sind strenge Kvn- trollmaßregeln über den Verkehr in den Mrlitärwerkstätten in Spandau getroffen worden. Thorn, 18. Juli. Eine neue Kavallerie-Brigade mit der Nummer 41 soll am 1. Oktober aus denk Ulanenregiment Nr. 4 und dem Kürassierregiment Nr. 5 gebildet werden, die hierher in Garnison kommt. Beide Regimenter gehörten bisher der 35. Kavalleriebrigade in Graudenz an. Tie 35. Kavalleriebriga.de wird aus dem Husarenregiment Nr. 5 und dem in Graudenz neu zu bildenden Jägerregiment zu Pferde neu formiert. Venedig, 18. Juli. Die vom Bürgermeister ernannte Kommission zum Wiederaufbau des Campanile billigte mit leichten Abänderungen den vorliegenden Bau- plan, sowie die Errichtung des viel umstrittenen Sockels von fünf Stufen. Wien, 17. Juli. Heute sollten hier drei Protestversammlungen der Konfektionäre gegen die Beschlüsse des Abgeordnetenhauses zu der Gewerbenovelle betr. das Verbot des Maßneh mens durch die Konfektionäre stattfinden. Die erste Versammlung wurde gesprengt, die zweite wurde nicht abgehalten, die dritte faßte eine Resolution, in der gegen die Beschlüsse des Abgeordnetenhauses protestiert wird, da durch diese Beschlüsse die Kvnfektionare, ruiniert und etwa 10 000 Existenzen vernichtet würden. — Tie Demonstration der Konfektionäre veranlaßte die stürmischsten Szenen. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen und Handgreiflich ke iten zwischen den antisemit- kleinen Meistern und den jüdischen Konfektionären. Es brach ein allgemeiner Kampf aus, bei denk die Männer mit Knütteln auf einander losgingen. Tie Versammlung wurde aufgehoben und 50 Wachleute mar-» schierten in den Hauptsaal, den sie räumten. Im kleinen' Saale wurde hierauf die Protestversammlung abgehallen, und die Resolution angenommen, in der die Gewerbe- novelle verworfen wird. Petersburg, 17. Juli. Vizeadmiral Skridlowiist zum Q b e r k0mn- a r t 7 c r e n d e n der Schwarzen Meer- Flotte und der Häfen des Schwatzen Meeres ernannt worden. Bobrow (Gouvernement Woronesch), 17. Juli. Im Kreise Bobrow dauern die Agrarunruhen fort. Die Plünderung von Gütern, die im Norden begann, griff schnell um sich und erstreckt sich jetzt auf ein Gebiet von 200 Werst Die Gutsbesitzer sind von einer Panik er«* griffen und flüchten. Auf einigen Gütern gab es Tote und Verwundete. Gestern wurden etwa zwanzig Plünderer ins Gefängnis abgeführt. Der Gouverneur ist mit Kosaken und Dragonern hier eingetroffen. Die ent=* standenen Verluste werden auf Millionen geschätzt. Sebastopol, 17. Juli. Heute hat unter dem Vorsitz des Generals Andrejew die Verhandlung der Seekriegs- gerichte gegen die erste, aus 96 Mann bestehende Gruppe der an den Militärunruhen in Sebastopol im November 1905 beteiligten Matrosen begonnen. Die Admiralitätsarbciter sind, um ihrer Svmpatbie mit den Angellagten Ausdruck zu geben, in den Ausstand getreten. Die Handlungsgehilfe« haben sich ihnen angeschlossen. Der Straßenverkehr stockt, die Patrouillen werden überall verstärkt, doch hat ein Zusammenstoß mit Militär noch nicht stattgefunden. Tiflis, 17. Juli. Heute wurde in der Nähe des Palaisgartens aus einem Fenster der rufiischen Adelsschule eine Bombe geworfen, welche den Polizeimeister Oberst Maximow schwer verwundete. Tie Schulgebäude wurden hierauf von Soldaten beschossen. Von den Tätern wurde einer getötet, ein anderer verhaftet. J, n6-'t unbc5tag ab Ls toitbtr awiyxvommen, derrw ü zählt Von erwähnt, daß der Bund errufe" erflärte und für itinentti Indenten gestattet. Ter wichtigste erneute 2tellungnahme zur ierbindungen", bie in* - «undc? der Arminia« *r Besprechung, m d« 'tMlbaft für die akademW ta pes Beibandes, deutzcher frfgmbe :tt- in«lich « 1»* und bniei'ivnellen SeW 1905 anaenmnmene yK* sir bo ’SSr' aeaen 190a bestes ssäs— Sport. sd Der Gau IX des Deutschen Radfahrer- Bundes veranstaltete am Sonntag eine Sternfahrt nach Darmstadt. Es beteiligten sich 23 Vereine und zwar aus Frankflrrt, Oberrad, Schierstein, Wies eck, Bornheinr, Eltville, Idstein, Wiesbaden, Eronberg, Stockheim und Gießen. Bedingung war, daß alle Fahrtteilnehmer eine Strecke von 100 Kilometer zurücklegten und vor 12 Uhr mittags in Darmstadt eintrafen. Diese Bedingungen erfüllten sämtliche Vereine. Im ganzen waren einschließlich der Einzelfahrer etwa 250 Radfahrer in Darmstadt eirt- getroffen, wo im „Kaisersaal" gemeinsames Esten und sonstige Veranstaltungen stattfanden. Die Beteiligung wurde noch größer gewesen sein, wenn nicht mit Rücksicht auf den Bundestag in Nürnberg am nächsten Sonntag viele Vereine (etwa 34) der Veranstaltung fern geblieben wären. Mchrntlicht WnM her Todesfälle in der Stadt Gießen 26. Woche. Vom 1. bis 7. Juli 1906. Einwohnerzahl: angenommen zu 29 500 (inkl. 1600 Mann Militär.) Sterblichkeitsziffer: 24,66%O, nach Abzug von 5 Ortsfremden: 15,86 °/oo« Kinder Lungen 2(1) 2(1) — — Blutvergiftung 1 (1) 1 (1) *— — Herzleiden 3d) 2 (1) — 1 Schlagftuß 1 1 — — Gehirnkrankheiten 3 2 1 — Krebs 2 (1) 2 (1) — Lungenentzündung 1 (1) 1 (1) — — Altersschwäche 1 1 — | 5 Zimmer zu vermieten. Bleichstraße 21. c“/r Anfang präcis 8 Uhr. Eintritt 50 Pfg. Es wird gebeten, die Billette an den Kassen abzugeben. Eintritt frei! (4429) Eintritt frei! Marburger Straße 22 (Sinfact) möbl. Zimmer zu ver- mieten. Kreuzplatz 10. [051461 LllMlAll 5-Zunnierwohng. nut all. Zud. 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In dem Konkursverfahren Lber das Vermögen des Kauf- rnanns Eugen Rüggeberg in Hungen ist zur Abnahme der Schlußrechnung desVerwalters, zur Erhebung von Einwendungen gegen das Schlußver- zeichms der bei der Verteilung zu berücksichtigenden Forderungen und zur Beschlußfassung der Gläubiger über die nicht verwertbaren Vermögensstücke derSchlußtermin auf Dienstag, den 21. August 1906, nachmittags 4 Uhr vor dem Großh. Amtsgerichte hiers. bestimmt. Hungen, 14. Juli 1906. Der Gerichtsschreiber Grohh. Amtsgerichts. [eiw/7 3n vermieten zu haben in den meisten Hotels und Restaurants von Giessen und Umgegend. 3672 l verschieden Kräftiger Arbeiter ! gesucht [4380] I. Happel. Kutscher 9U0B098 Hoflohnkntscherei Huhn. Neuer Saalbau (Steins Garten) Donnerstag, den 19. Juli 1906: Reue Whkartchln Perle von Erfurt und Früh- rose«, prima Wetterauer Ware, pro Zentner Mk. 3.— inkl. Sack ab Stat. Echzell vers. unter Nachn. 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