General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Sietzen Utz Regierungspräsidenten in Frankfurt a. O., v. Dewitz, zum Obcrpräsidentcn von Schleswig-Holstein ist ebenfalls der Provinz M Formengebcr des Ganzen. P. W. 4 jlt'n-Alche ias, les, besonderes individuelles Gepräge zu geben, ist Herrn Steingoetter freilich nicht gelungen. Daran aber trägt doch in erster Linie der Verfasser die Schuld, der keiner von seinen weiblichen Figuren, mit allenfalls alleiniger schüchterner Ausnahme der Pohlgönscr Wirtin, ein Fünkchen Eigenart zuteil werden ließ. — Wenn also heute Butzbach seine Festspieldarsteller feiert und voller Stolz dankbar auf ihr Talent blickt, dann darf es nicht unterlassen, einen großen Teil seines Dankes Herrn Direktor Steingötter darzubringen, als dem ausgezeichneten Regisseur des Festspiels, dem Lebenserwecker, AuSgestaltcr und Redaktion,Expedition ».Druckerei: Schulstr.R. Tel. Nr. 61. Telegr.-Adr. r Anzeiger Gießen. vollzogen worden. — Der Rücktritt des Qbcrpräsidcnten rmiltagssiund. 9-12 Uhr gejucht. Wilhelmstr.6,ll. rier-u. Zither- Unterricht ,;[»aratt B. Lliugel Alernes Feuilleton. Stach der Aufführung von Storchs „Hüttenbergern" am letzten Sonntag in Biltzbach witrde außer dem Ver- fasier auch dein unertnüdlichen und uneigennützigen Regisseur der Butzbacher Festspiele, Direktor Herm. St e in g oetter, ein Lorbeerkranz durch S. K. H. den Großherzog zuteil. So ist denn also auch die überaus schwierige Negietätigkeit von unserem Landesherrn anerkannt worden. Es steht außer Frage, daß dem Regisseur des Festspiels zum großen Teile der außerordentliche Erfolg zit danken ist. Ec hat es ver- standcti, in die Massen Leben und Bewegung zu bringen, sodaß gerade die schtvicrigeren Szenen, wie die in der Spinnstttbc und die auf detn Marktplätze, besonders gtck gelangen. Es ist wahrlich nicht leicht, Dilettanten zu so außerordentlich erfreulichen Leistungen zu führen, wie wir sie vornehmlich bei den Darstellern des verschmitzten rind fidelen DorfdümmlingS und Dorfmusikanten Lipps, Herrn Krämer, und des begeisterungsvollen jungen Vaterlandsfreundes Hinrich, Herrn Pfaff, gesehen haben. Vor allen anderen bewiesen aber auch gerade diese beiden Herren eine sehr bemerkenswerte darstellerische Veranlagung, und sie mögen Herrn Steingoetter die geringsten Mühesi verursacht haben. Herr Steingoetter ist auch verantwortlich für die ruhige Besonnenheit und würdige Ueber- legenhert, die klare Diktion und tvarme Vortragsart des Herrn Loobs, der den Rektor Weidig darslellle, für die Prächtige Natürlichkeit und ungeschlachte Ungezwungenheit so vortrefflicher Bauerntyven, roie sie die Herren Weigel, Heydt und Reinig boten und für die simple Spießbürger. Achtelt einzelner Butzbacher Handwerker. Den jungen Damen ein Aarlanrerrtarisches aus Hessen. K. ß. Darmstadt, 19. Juni. Der Finanzausschuß der 1. Kammer hielt heute unter Vorsitz des stellv. Ausschußpräsidenten Frhrn. Heyl zu Herrnsheitn eine etwa fünfstündige Beratung ab, in der die von der 2. Kamnter fertiggestellten Vorlagen eingehend erörtert itnd beschloßen wurde, dern Plenum der Kammer deren Annahme zu empfehlen. Der Ausschuß beschloß die Zustimmung zu den politische Tagesschau. Der Noon der Marine. In wenigen Tagen wird es sich zum neunten Mal jähren, baß der seinerzeit in unserem Nachbarorte St a u h e i m zur hVur weilci^c Herr v. Tirpitz aus dem Frontdienst beim ostasiati- scheo Geichwader zur Leitung des Reichsmarineamts berufen wurde. Wenn die „Hamb. Nachr." eS als auffallend bezeichnen, daß Herr v. tirpitz nach Erledigung des letzten Flottengesetzes ohne kaiserliche Airerkennung geblieben sei, damit also wohl AintS- müdlgkeir des Staatssekretärs in Zusammenhang bringen wollen, so mutz dtese Vcrjion bei einem die Bismarck'schcn Traditionen hochyaltetrden Blatte überraschen. Wir glauben nicht, daß Herr v. Tirpitz die Reorganisation der Marine, auch in ihrem vorläufig letzten, die Auslandsschiffe betreffenden Teil, betrieben hat in Erwartung von Anerkennungen, sondern weil er überzeugt war von der Notwendigkeit der Reorganisation im Rahmen des mit dem Reichstag vereinbarten Programms. Der Andeutung, Herr v. Tirpitz wolle sozusagen „nicht mehr mittun", weil er letzthin nicht in aller Fornt bedankt worden sei für seinen neuen staatsiiiännischen Erfolg, dieser Andeutung hätten die „Hamb. Nachr." nicht Raum geben sollen. Wenn Herr v. Tirpitz von der Leitung der Marine zurücktreten sollte, so geschielt eS, weil das Programm, auf das er sich verpflichtet hatte oder fühlte, im Wesentlichen durch- gesührt ist. Er hat sich in der Tat als „Roon der Marine" er- Nnesen, wenn auch äußere Umstände, zumal die weltpolitische Entwicklung, ihn bei seinem Reformwerk begünstigten. Neun Jahre an solcher Stelle zu stehen, das greift aber an die Nerven. Es könnten deshalb auch gesundheitliche Rücksichten Herrn von Tirpitz zu dem Gedanken führen, einer frischeren unverbrauchten Kraft Platz zu machen. Als solche wird genannt der Vizeadmiral v. Ahlefeld. Der Vizeadmiral hat vor Herrn v. Tirpitz das voraus, daß er den Verwaltungsdienst Eennt. Er wurde vor etwa drei Jahren von dem Posten als Flaggoffizier beim ostasiatischen Kreuzer- geschwader zum Reichsmariueamt versetzt, und wohnte mehrere Sessionen hindurch als Bevollmäck)tigter zum Bundesrat den Etatsberatungen im Reichstag bei. Er hat nur wenige Male uz den nichtöffentlichen Sitzungen der Budgetkommission das Wort ergriffen zu kurzen Darlegungen. Herr v. Tirpitz war jedenfalls cüt kaum mittelmäßiger Redner, als er in's Amt kam; er wuchs aber mit seinen größeren Zwecken auch rednerisch. Nun muß mmi fragen, ob ein erneuter Ausbau der Marine tm Bereich nicht ferner Wahrscheinlichkeit liegt, eine SchiffS- vermehrung, bereit Vertretung vor dem Reichstag Herr v. Tirpitz dem Vizeadmiral v. Ahlefeld überlassen möchte. Die leitenden Kreise des Flottenvereins sind bekanntlich nicht zuftieden mit dem gegenwärtigen Staatssekretär der Marine. Herr v. Tirpitz ließ sich nicht beirren durch den Petttionssturm von dieser Seite und die Uebertreibung, selbst neuere Kriegsschiffe als minderwertiges Material als „schwimmende Särge" hinzustellen. Vielleicht ist Herr v. Tirpitz des unaufhörlichen Kritisierens von dieser Seite nunmehr müde, vielleicht zweifelt er an dem Erfolg weiteren Widerftandes gegen das Drängen des Flottenverems. Bei einem etwaigen Wechsel in der Leitung der Marineverwaltung müßte dieses Moment immerhin in Betracht gezogen werden. ES wäre freilich eine Ironie auf die Anregungen, die internationalen Rüstungen einzuschränken, und obendrein schwer vereinbar mit den mühsam zum Erfolg geführten Bestrebungen auf Besserung der Finanzlage des Reiches. °S 16. >8. an inttOraps iensimädchen >u Hans- ßwxL0,1' August qej ädchen und Hausarbrit gesucht. Marktplatz 17. «oder.Mädchen für >I-gei. Tleinslr. 1b,p, (, 'iurDaweuschueiderci Echtige 13782 MbtltÄW uchl- Gebr.Zmheuser. Deutsches Reich. Berlin, 19. Juni. Der Kaiser stiftete gelegentlich seiner jüngsten Anwesenheit in Lüneburg, das er auf der Automobilfahrt von Hannover nach Hamburg berührte und wo er die St. Johanniskirche besichtigte, für den hohen Chor dieses Gotteshauses ein Fenster, die „Taufe Jesu durch Johannes" darstellend. T-er Monarch wünschte die sofortige Zusendung der Aiaße, um das Fenster so bald wie möglich durch einen bekannten Münchener Künstler ausführen lassen zu können. — Die Versetzung des Obcrpräsidcntcn Frhrn. v. Willnow s k i von Schleswig nach Magdeburg ist genehmigt und die Ernennung des Geh. Oberrcgierungsratcs v. Volenti ni im Geh. Zivilkabinett zum Regierungspräsidenten in Frankfurt a. O. vollzogen worden. Die Bestallung des beiden Vorstellungen der Kreisamtsgehilfen und den beiden Lehrerpetitionen, zur Vorlage betr. Bad Salzhausen, die wegen des AuStauschs von Gebäuden und Rechten deS Großherzoglichen Familieneigentums und Landeseigentums eine eingehende Erörterung hervorrief, — zur Vorlage betreffs Veräußerung siSkaltscher Grundstücke, Veräußerung des Hof- gutes Merlau, Erweiterungsbauten im Landeskrankenhaus PhilippShospital, Gruppenwasserversorgung Bad-Nauheim, Geländeerwerb für ein Steuerkommiffariat in Darmstadt, Vorstellungen der Domanialsorstwarte, der Schreibgehilfen bei den Steuerkommiffariaten, Vordienstzeit der Lokomotivführer :c. Bezüglich der gemeinnützigen Bau vereine resp. des von der 2. Kammer angenommenen Antrags Dr. Frenay u. Gen. auf Gewährung von Darlehen ohne Vermittelung der kommunalen Verbände lag der ersten Kammer schon früher ein ganz ähnlicher Eintrag des Frhrn. Heyl zu Herrnsheim vor. Der Ausschuß beschloß die An- nahme dieses Antrages. Der 2. (G e s e tz g e b u n g § -) A u § s ch u ß der 1. K a m m e r hält morgen vormittag eine Sitzung ab. Er wird die beiden zur Beratung stehenden Gesetzentwürfe {»betreff der Abänderung des Gesetzes über die Feld bereinigung und über das Berggesetz zweifellos nach den Beschlüffen der 2. Kammer annehmen. — Behrings Tuberkulös eheilmittel. Als Heft 11 seiner „Beiträge zur experimentellen Therapie" ist von BehringS Arbeit „Moderne phthisiogenettsche und phchisiotherapcutische Probleme in historischer Beleuckftung" erschienen. Von allgemeinstem Interesse ist in den EinleitungÄvorten, die wie das ganze Buch Exz. Althoff gewidmet sind, die Mitteilung, daß er hofft, noch vor Ablauf des Jahres den Fachgenossen sein neues Tuberkulosemittel zur Prüfung übergeben zu können, an dessen Nutzbarmachung zur Bekämpfung der menschlichen Schwindsucht er seit längerer Zeit arbeite. Dieses neue Mittel (Tx genannt), das er füjon in Paris seinerzeit erwähnte, habe ferne Heiland Schutzwirkung in Tierversuchen schon bewährt und stehe in intimem Zusammenhang mit seinen Studien über die Heilwirkungen seines Bovovaeeins (aus lebenben Tuberkelstämmen bestehende Einspritzungen in die Blutbahn-, das sich bei Rindern als leistungsfähig erwiesen hat. In bezug auf die Herstellung-weise des Tx müsse er in seinen Angaben sich „Reserve auferlegen", denn „die Gesundheit auch des stärksten Mannes verträgt aus die Dauer nid>t die Durchführung von Prioritätskämpfen und die durch die Konkurrenz aufcrlegten Kämpfe neben der Leistung von ausreibender produktiver Arbeit." — In Weimar ist her Landschaftsmaler Karl Hummel, LL'-'-s „(iw- „ «>* tu Hotel W» iagtS; In der auswärtigen Politik Italiens scheint eS beim Zickzackkurs zu bleiben. Auf der einen Seite wird der östreichische Kriegsminister durch Verleihung eines hoben italiemschen Ordens ausgezeichnet — eine Verbeugung nach der Richtung des Dreibunds —, und auf der anderen Seite heißt es, der Minister des Auswärttgen, Tittoni, werde nach London reisen, um fein Botschaster-Wberusiingsschreiben zu überbringen, und bei dieser Gelegenheit, Paris berührend, mit dem Präsidenten FallKres und bem Minister des Austoärtigen Bourgeois Rücksprache zu nehmen. Daß diese Konferenz für die Tendenz der italienischen Politik charakteristischer toäre, als die erwähnte Ordensverleihung, liegt auf der Hand. Wer sie käme nicht überraschend. Das könnte man höchstens sagen von einem Besuch Tittonis in Deutschland. Davon aber schweigt des Bundesgenossen Höflichkeit. DieMeldung, daß Kaifcr Wilhelm anfangs Oktober nach Mailand und Rom reisen werde, ist vorläufig untieftätigt. der Sohn des bekannten Komponisten Hummel, plötzlich gestorben. Karl Hummel war am 31. August 1821 in Weimar geboren. Als Pate an seiner Wiege stand Karl Maria von Weber, während die Großherzogin Maria Paulowna, seiner Gattin Alexandrine, der Tockster ihres Geheimen Hofrates Völckel, als Taufpatin zur Seite stano. Karl H. war mit sieben Jahren der Spielkamerad von Goethes Enkeln Walther und Wolfgang, und so hatte er oft Gelegenheit, Goethe in seinem Hause und Garten zu sehen. Als 14 jähriger kam Hummel in die Schule Prellers. In Kopenhagen hatte er mit Thorwaldsen Bekanntschaft gemacht, verkehrte in Rom im Hause des Hannoverschen Gesandten August Kestner, des Sohnes von Lotte Buff (Goethes „Lotte"). Fanny Lewald, Ottilie von Goethe, Adele Schopenhauer usw. Seit 1859 wirkte Hummel an der Kunstschule in Weimar. — „Im Gegenteil". Alfred Kerr hat jüngst erzählt, an einem der letzten Tage Ibsens hätten seine Verwaisten einem Besucher auf feine Erkundigung nach Ibsens Besinden geantwortet, eS gehe ihm besser. Da hörte man aus dem Nebenzimmer des Alten Stimme: „Im Gegenteil". Und er soll bann fein Wort mehr gesprochen haben. — Dies „letzte Wort Ibsens" ist nun durch viele Zeitungen gegangen, ohne ben prosaisch erklären- ben Begleittext, fast schon als Legende; bie „Jugenb" bringt dazu folgende gereimte Glosse: Durch alle Blätter geht die große Kunde Von jenem Worte so bedeutungsvoll. Das Ibsen sprach in seiner letzten Stunde; Vernirnm's o Welt: Der Große in Apoll, Er sprach, indem ihn traf des Todes Pfeil: „3m Gegenteil". Charakteristisch ist's! Nicht wahr, Ihr Leser? Und intressant, was so ein Großer spricht? Nur plagt mich leider ein Verdacht, ein böser: Ist's nicht am End' damit, wie mit „Mehr Licht"? Sprach cr's auch wirklich zu der Menschheit Heil? — — Im Gegenteil! )rau Louis Reitz Mv., kerei,« SSSS k,400*3ß sie 3807 Soldes 2Hütna?Danbereaus auf vier Punkte ausgedehnt worden, von denen in der ersten Verhandlung niemals die Rede war, über welche ferner Dreyfus nicht vernommen wurde und die deshalb ordnungsgemäß in den Prozeß von Rennes nicht hätten hiueingezogen werden können. Sck)ließlich erinnerte Moros daran, daß die Kommission der sachverständigen Generale zu dem klaren Schluß gekommen sei, daß das Bordereau nicht die Arbett eines dlrtillerieoffiziers sei. Äolonialrat. Berlin, 19. Jüni. (Zweiter Tag.) Beim Etat von Kamerun wirb zunächst die Landfrage der Eingeborenen berührt und vom Vorsitzenden erklärt, daß nur herrenloses Land zu Kronland umgewandelt wird, wobei durch besondere Landkonzessionen, welche, mit Unterstützung von Missionaren gemacht werden, die Rechte der Eingeborenen gewahrt werden. Zur Besprechung gelangt sodann die Frage der Schaffung einer dritten und höchsten richterlichen Instanz für die Schutzgebiete und die Entfeuduug von alleren erfahrenen Richtern dorthin. Zur Beseitigung von Mißständen auf dem Gebiete des Wanderhändlerwesens werden von der Regierung Ab-, wchrnraßnahmen in 'Aussicht gestellt. Jin weiteren Verlaufe der Generaldiskussion wird über Schaffung eines Lehrstuhles für Kolonialrecht, Reformation der Prügelstrafe, Abgrenzung Kameruns gegen die Nachbarkolonien und die Notwendigkeit, für exportierten Kautschuk Neuanpflanzungen zu verlangen, verhandelt. Zweiter Gegenstand der Tagesordnung: Etat für Togo. In der Generaldiskussion werben die dortigen BerkeAs- verhältnisse usw. lobend hervorgehoben. Der anwesende Gouverneur entwickelte seine Ansichten über die weitere Entwicklung des Eisenbahnnetzes. Bei der Beratung des Etats von Deutsch-Neuguinea wird über den Arbeitermangel geklagt und vor der Verwendung der Eingeborenen des Schutzgebietes in anderen unserer Kolonien gewarnt. Auch wird der Wunsch nach einer planmäßigen geologischen Erforschung ausgesprochen. Ter anwesende Gouverneur gibt eine ausführliche Darstellung über den Vorteil der seitens des Norddeutschen Lloyd eingerichteten Küstenschifffahrt usw. Hierauf werden die Etats von Samoa, der Karolinen-, der Marianen-, der Palau- und Marschallinseln beraten. Zum Schluß stattet der Vorsitzende der landeskundlichen Kommission den Bericht über die Tätigkeit vom letzten Jahre ab. Sachsen, Staatsminister Dr. v. Bvctticher, erfolgt mit Ende dieses Monats. Mit ihm scheidet der älteste prcuß. Oberpräsident aus dem 'Amre. 1833 ist er zu Stettin geboren. Dresden, 19. Juni. 142 deutsche Zigarettenfi r m c u schlossen in einer hiesigen Lerfammlung eine Konvention zur Abwälzungder Ban der ölen st euer auf die Raucher. Sechs Firmen schlossen sich aus. Major von Zander vor den Geschworenen. Breslau, 19. Juni. In der Hauptstadt Schlesiens hat ein Prozeß begonnen, der allgemeines Aufsehen erregt. Weit über 200 Zeugen, zpmeist Kaufleute und Großindustrielle aus Nord- und ©üb* beutschland, finb geladen. Angeklagt sind der Bezirkskommandeur und Major a. D. v. Zander nebst Gattin. Sie werden beide des Betruges in etwa 70 Fällen, des Meineides, der falschen eidesstattlichen Versicherung, deS einfachen und betrügerischen Bankrotts, Major v. Zander außerdem der Unterschlagung und der Untreue beschuldigt. Als dritter muß Rittergutsbesitzer Lüttich wegen Beihilfe zum betrügerischen Bankrott auf der Anklagebank Platz nehme». Major v. Zander war zuletzt Bezirkskommandeur in Wohlan. Das v. Zandersche Ehepaar soll weit über seine Verhältnisse gelebt und Ware» aller Art in großen Mengen in den verschiedensten Städten Deutschlands unter Vorspiegelung falscher Tatsachen auf Borg entnommen, außerdem sich gegen Wechsel große Summen geliehen haben. Für Beschaffung des erbliche» Adeltitels an eine» Amtsrat erhielt v. Zander 300000 Mark. Dieses Geld verwandte er nicht zur Bezahlung seiner Schulden, sondern kaufte sich das Rittergut Schmögerle in der Absicht, ein Majorat für feinen Sohn zu errichten. Da die Gläubiger drängten und Pfändung beantragten, soll er zum Schein das Rittergut an den Rittergutsbesitzer Lüttich mit dem Rechte deS Rückkaufs verkauft haben. In diesem Verkaufe erblickt die Staatsanwaltschaft den betrügerischen Bankrott, v. Zander hat beschworen, daß der Kaufvertrag kein Schemvertrag war. Dadurch und bei Leistung mehrerer Offenbarungseide sotten er und seine Gattin sich des Meineides schuldig gemacht haben. Nachdem er seinen Abschied genommen, war er Auf- sichtsratsrnitglied mehrerer Jndustriegesellschaften. In dieser Eigenschaft soll er sich der Untreue und der Unterschlagung schuldig gemacht haben, v. Zander hat das Abitucienten- examen bestanden und Jura studiert. Er ist Ritter des Ho- hanniterocdens und anderer Orden. Lüttich ist Hauptmann der Landivehr und ebenfalls Inhaber mehrerer Orden. Der Angeklagte von Zander, der einen krankhaften Eindruck macht, bemerkt auf Befragen des Vorsitzenden mit sehr leiser Stimme, er bitte Rücksicht auf feinen Zustand zu nehmen. Er habe durch die 13 m o n a t i g c Untersuchungshaft geistig und körperlich gelitten. Er hätte schon in den ersten Jahren nach seiner Vermählung sehen müssen, daß seine Frau geistig nicht normal sei. Kurz vor der Hochzeit habe er erfahren, daß seine Frau noch eine große Rechnung ger Mann r panbtyrift, aeftityt Wisse, wünscht sich verändern. cheÄntzedoie Mer W MneriLW'iM erdelen. mit Aenntnisstn der lUu Buchführung, sucht Stelle au! einem Ronbx. itL Angebote unter 04423 iieüener Anzeiger erbeten. Nr. 143 Zweites Blatt IS«.Jahrgang Mittwoch 30. Juni 1N0« Lrfchetw «glich mit AuSnahm« deS Sonntags. J Rotationsdruck und Cerlag der Srübl'fch« Die Gießener werden dem ÖW W MF * 8a"fle' “ .Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der & 3 U S »A Jp A H lv W V 8 «hefsiichr Landwirt" erscheint monatlich einmal. V g S/" M V V . ri1 UM * I* <; WM M in Genf zu begleichen habe. Nach der Verheiratung habe er erfahren, daß seine Frau noch eine ganze Reihe weiterer Schulden habe. Als Leutnant habe ich zehn Jahre ohne Zuschuß gelebt. Ich habe keine Bedürfnisse und bin an eine spartanische Lebensweise gewöhnt. Da aber entdeckte ich, daß meine Frau unsinnige Schulden hatte. Nach der Geburt deS ersten Kindes bestellte sie für 3 200 Mark Erst- l'ingswäsche. Ich muß bemerken, daß ich vom Untersuchungsrichter in einer ganz furchtbaren Weise behandelt worden bin. Der Untersuchungsrichter Hot mich geradezu mit Hohn überschüttet. Ich hätte cs niemals für möglich gehalten, daß ein UntersuchungSgefanacner so behandelt werden könnte. Alle meine Entlastungsanträge wurden mit grinsendem Hohn zurückgewiesen. Ich habe ernstlich erwogen, ob ich mich von meiner Frau scheiden lassen soll. Die 6000 Mark, die ich von meinem Freunde Bandel für eine diesem erwiesene Gefälligkeit erhalten hatte, habe ich zur Bezahlung der Schulden meiner Frau verwandt. Ich habe, während meine Frau in England war, so sparsam gelebt, daß ich mir keinen Dienstboten gehalten habe. Ich habe mir lediglich von meinen Burschen ein Paar Kartoffeln kochen lassen. Ich habe von Bandel eine jährliche Zulage von 6000 Mark erhalten. Der Vorsitzende hält dem Angeklagten ferner vor, daß ec laut Tagebuch im Jahre 1897 eine Schuldenlast von 10000 Mark hatte; er habe auch vielfach seinen Feldwebel angeborgt. Auf ferneren Vorhalt aus den Tagebuchaufzeichnungen des Angeklagten v. Zander bemerkt letzterer: Er sei ein paarmal vom Pferde gestürzt und habe dadurch starke Gehirnerschütterungen erlitten. Ec habe damals tatsächlich wiederholt öffentlich gesagt, er sei nicht verheiratet. Bandel habe ihm gesagt: er möchte gern im Interesse seiner Söhne den erblichen Adel haben. Er sei daraufhin nach Berlin gereist und habe auf dem Heroldsamt erfahren, daß jährlich mindestens 100 solcher Gesuche eingehen, von denen im Höchstfälle sechs berücksichtigt werden. Er sei aber von Freunden an einen hervorragenden Schriftsteller empfohlen worden, der sich gegen ein sehr hohes Honorar bereit erklärte, die Er- digung der erforderlichen Formalien zu übernehmen. 2lus Stadt uns Land. Gießen, den 20. Juni. ** Eine Sitzung des Provinzial-Ausschusses findet am Mittwoch, den 27. ds. Mts., vormittags 9 Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Wirtschafts - betrieb des Richard Urmersbach zu Gießen im Hause Asterweg Nr. 12. 2. Gesuch des Wilhelm Müller zu Höchst a. d. N. um Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft. 3. Beschwerde des Apothekers Welcker und Gen. gegen den Müller Heinrich Wagner IV. zu Allend orf a. d. Lda. ** Militärdienst nachrichten. Befördert zu Leutnants der Reserve: die Vizefeldwebel bezw. Vizewachtmeister: Buchmann (Friedberg), des 2. Hannov. Jnf.-Reg. Nr. 77, Lamberth (Mainz), Schott (WormS), des 2. Nassauischen Jnf.-Reg. Nr. 88, Knaf (Friedberg), des 2. Oberrheinischen Jnf.-Reg. Nr. 99, Todt (Wetzlar), des Inf.- Reg. Kaiser Wilhelm (2. Gr. Hess.) Nr. 116, Blitz (Friedberg), des 2. Gr. Hess. Feldart.-Reg. Nr. 61. — Der Abschied wurde bewilligt: den Oberleutnants Hager (Mainz), der Landw.- Inf. 1. Aufgebots, Obenan er (I Darmstadt), der Landw.- Jnf. 2. Aufgebots, beiden mit der Erlaubnis zum Tragen der Landw.-Armee-Uniform. ** Di e Vereinigung für gerichtliche Psychologie und Psychiatrie im Gr o ßl/er-ogtum Hessen hält ihre 4. Hauptversammlung Samstag, 7. Juli, in Butzbach ad. Um 10 UAr und IIV2 llhr vorm. findet vom Bahühof aus eine Besichtigung der Zellenstrafanstalt statt und um 1 Uhr mittags beginnen die Verhandlungen im Hess. Hof. Aus der Tagesordnung stehen u. a. eine Erörterung über die Einr ich tun g von Ge- fängnislehrkurscn. (Referenten Direktor Clement- Butzbach). Professor Dr. Mittermaier-Gießen), sowie eine Diskussion über die Tätigkeit des medizinischen, im Besonderen des psychiatrischen Sachverständigen vor Gericht. Die Diskussion wird durch lÄnzel- referate über verschiedene Teilfragen durch Landgerichtsdirektor Bücking-Gießen, Professor Dr. Mittermaier, Professor Dr. Sommer und Oberstaatsanwalt Theobald-Gießen eingeleitet werden. Ein gemeinsames Essen im Hess. Hof schließt sich an. ** Der Radklub Germania Gießen hatte am Sonntag zwei großartige Erfolge. Auf dem Sommerfest des Nordbezirk Gau IX des D. N. B. in Kirchhain errang derselbe auf der D a u e r f a h r t der Vereine über 100 Kilometer den 1. Preis mit 6,40 Punkten. Die Strecke betrug 103,70 Kilometer und wurde von 18 Mitgliedern in 6 Stunden 50 Minuten durchfahren. Beim Preis-Korso fiel dem Verein in Gruppe 2 der 2. Preis (prachtvolle silb. Bowle) zu. Die zwei wertvollen Preise find im Schaufenster des Möbelfabrikanten Kronenberg, Kaplansgasse ausgestellt. ** Verteuerung des schriftlichen Verkehrs. DaS offiziöse W. T. B. gibt die Meldung eines Berliner Blattes wieder, der zufolge verlautet, daß die Erhöhung des Postkartenportos im Stadt- bezw. Landbestellbezirk, sowie die Erhöhung für das Porto von außerordentlichen Zeitungsbeilagen schon am l.Juli d. I. in Kraft tritt. Die Postkarte wird von 2 auf 5 Pfennige erhöht, sodaß der frühere Status quo wieder hergestellt wird. Am Donnerstag wird sich der Bundesrat mit dieser Angelegenheit end- giltig befassen, worauf eine entsprechende Verordnung des Reichskanzlers ergeht. — Es ist leider nicht anzunehmen, daß dec BundeSrat seine Zustimmung zu einer solchen über die Maßen unpopulären Verordnung versagen wird. Da die Reichsregierung den Privatpostanstalten die Konzession entzog, als die Verbilligung des Portos eintrat, so hat sie jetzt zum mindesten die Pflicht, neue Privatpostanstalten zu konzessionieren, wovon allerdings nur größere Städte profitieren würden, während die kleineren, in denen sich solche nicht rentieren können, allein das Nachsehen haben. Daß diese durch den Reichstag unbegreiflicher und unverantwortlicher Weise beschlossene Verieuerling, durch die unsere Hausfrauen im Verkehr mit Waschfrau, Metzger, Bäcker rc., besonders getroffen werden, in weitesten Kreisen Murren und Verdroffenheit Hervorrufen wird, unterliegt keinem Zweifel. •* Bei den Ergänrunaswahlen der Handwerkskammer, die in diesem Jahr vorgenommen wurden, wurden in Oberheffen (3. und 4. Wahlbezirk) gewählt: Spenglermeister Heinrich Kaiser in Grünberg und Hofmaler Georg HieronimuS in Friedberg als Kammermitglieder, Schreinermeister Heinrich Winkelhaus in Londorf und Spenglermeister L. F. Frick in Friedberg als Ersatzmänner. X Bad-Nauheim, 19. Juni. Das dem Bankhause Kahn u. Co. aus Frankfurt a. M. gehörige, altrenommierte und bekannte Hotel „Europäischer Hof" hier, wurde durch die Sensale Werntgen u. Co. in Frankfurt 0. M. für 800000 Mark an Hotelier Otto Hauff aus Wiesbaden verkauft. Ehringshausen (Dill), 19. Juni. Am Sonntag und Montag feierte unsere freiw. Feuerwehr ihr 25jäh- riges Jubiläum und Anteilnahme von 17 freiwilligen Wehren. Bürgermeister Hoemaun und Gauvorsitzender Nikodemus aus Herborn beglückwünschten die hiesige Feuerwehr. Gastwirt Ströhmann erhielt als Mitbegründer ein prächtiges Diplom überreicht. Das Fest, bei dem die Gießener Negimentsmusik konzertierte, nahm einen schönen Verlauf. (N. d. Wetzl. Anz.) [ ] Mar bürg, 19. Juni. Wie alljährlich zur Zeit deS Stiftungsfestes dec „Teutonia" sollte auch diesnml zu nächtlicher Stunde dec Schwan vor dec Schwanapotheke einen blauen Anstrich erhalten. Diesmal hatten die nächtlichen Maler jedoch ihre Rechnung ohne den Geschäftsinhaber gemacht, denn ganz heimlich ließ dieser gestern abend den weißen Schwan von seinem Sockel nehmen und setzte an eine Stelle ein schwanähnlich zugeschnittenes himmelblaugestrichenes Brett. Als nun vergangene Nacht vorsichtig um ich spähend die Maler mit Farbtopf, Pinsel und Leiter er- chienen, folgte einem allgemeinen Erstaunen ein homerisches Gelächter. Nichtsdestoweniger erhielt der Schwan i. V. heut einen Kranz mit blau-cot-goldnec Schleife und der berühmte Bär auf dem Bärenbrunnen neben seiner hübschen Dekoration eine blaue Teutonenmütze.________________________________ 42. Jahresversammlung der Südwestdeutschen Konferenz für Innere Mission. (t) Mainz, 18. Juni. Der Vorsitzende, Profesior Weimar, übermittelte die Begrüßungen der Großherzöge von Hessen und Baden, des Ministeriums zu Darmstadt, der theologischen Fakultät zu Gießen usw. Pfarrer Wahl-Langen führte über die „ästhetische Gefahr" aus: Es gehe eine ästhetische Flutwelle durch unser Volksleben, weniger Neues schaffend, als die Erträge vergangener Perioden erneuernd, was er im Einzelnen auf dem Gebiete des Bauwesens, der Heimatkunst, des Kunstgewerbes, dec Denkmalspflege, der Straßenanlagen, der literarischen Erzeugnisse, der Gesangs- und Müsikpflege nachwies. Aber die Vergangenheit und zumal die der italienischen Renaissance, mit der unsere Gegenwart viel Aehn- lichkeit habe, zeige schon, daß ästhetische Höhepunkte nicht immer notwendigerweise Zeiten sittlicher Erneuerung sein müßten; die Kunstpflege allein vermöge rwch nicht ein Geschlecht edler, christlich-sittlicher Charaktere heranzubilden. Die ästhetische Gefahr in der Gegenwart erblickt der Redner einerseits in Entartung der Kunst, sofern sie ausgesprochenermaßen mit der Moral nichts zu schaffen haben Wolle, andererseits in der Ucbecschätzung der Kunst, die Kunst und Kunstgenuß zum religiösen Akt mache und die Religion ersetzet: wolle. Äe Kunst vermöge unser Leben zu vev- cdeln, verschönern und verbessern, aber nicht es zu tragen. Kirche und Kunst gehören nach des Redners Meinung auf das Engste zusammen; es müsse eine innige Wechselwirkung zwischen beiden bestehen. In der 'Wb end Versammlung referierte u. a. Oberstaats- anwlckt Theobald von Gießen über die gesetzlichen Grundlagen der Jugendfürsorge. Als solche kommen in Betracht das hessische Gesetz vom Jähre 1887, sowie das Bürgerliche Gesetzbuch, das aber weitgehende Bestimmungen der Landesgesetzgebung nicht außer Kraft setzt. Das Vorhandensein einer strafbaren Handlung ist nicht unbedingte Voraussetzung der Zwangserziehung; es genügt, daß auf andere Weise Verwahrlosung erwiesen wird. Ob Austalts- oder Familienerziehung am Platze ist, ist der Entscheidung der Verwaltungsbehörden überlassen. Zu wünschen bleibt eine größere Beachtung der psychischen Seite. M'ainz, 19. Jüni. Heute morgen schritt man nach einer von Prälat D. Walz gehaltenen Morgenandacht zur 2. Hauptversammlung. Psr. Mahlt ng von Frankfurt behandelte darin die Frage: „W elche Pflichten hat der Einzelne im Kampfe gegen das Alk0h0 lelend?" Seine Thesen wandten sich' hauptsächlich gegen die Trinksitten als die hauptsächlichste Ursache der Trunksucht und des Alkoholelends. Mit reichem, amtlichen und wissenschaftlichen Quellen entnommenen Zahlenmaterial wurden die Thesen begründet und die Nachteile des Mkoholgenusses in gesundheitlicher und sittlicher Hinsicht erwiesen. Als ein wirksames Gegenmittel wurde — nicht vom medizinischen und nicht vom sittlich- religiösen, sondern vorzugsweise vom Standpunkt der Taktik aus — die völlige Abstinenz empfohlen und Zusammenschluß mit Gleichgesinnten; von den verschiedenen dieses erstrebenden Verbänden komme für den Anhänger der Inneren Mission in erster Linie der Verein vom blauen Kreuze in bett acht. Eine rege Diskussion folgte dem Vorttag. Scheffer, der Oteschäftsführer des Zentralausschusses in Berlin, stellt die Frage, ob Abstinenz oder Mäßigkeit, zur Diskussion, die von Dr. Wurster-Friedberg dahin beantwortet tvird, daß die Abstinenz das Wirksamere sei, er hält es, ebenso wie Prälat D. Walz, für das Wichtigste, eine Geselligkeit zu schaffen ohne Mkohol. Professor Dr. Drews-Gießen behandelt die Frage Alkohol 11 n t> Universität und stellt hier einen Fortschritt zum Besseren fest, der namentlich der medizinischen Fakultät zu danken sei, weitere Besserung hänge von der Reform der Gasthäuser ab. Folgende Resolution gelangte zur Annahme: „Die Hauptversammlung der südwestdeutschen Konferenz für innere Mission hat aus dein Vorttag: Welche Pflichten hat der Einzelne im Kampfe gegen das Alkoholelend? und aus der darauf folgenden Besprechung den Eindruck und die Ueberzeugung gewonnen, daß dec Kämpf gegen den Alkoholismus am besten durch persönliches Eintreten für die Sache, insbesondere durch Bekämpfung des Trinkzwanges und der Trinksitte geführt wird und daß die gänzliche Abstinenz, welche aus Liebe zum Nächsten übernommen wird, das wirksamste Mittel zur Bekämpfung des Alkoholts- mus ist. Die Versammlung wünscht diesen Bestrebungen im Interesse der VolkswoMsahrt vollen Erfolg unb empfiehl Gasthausreform und die Schaffung von Vollserholurrgs^ stätten ohne Mkohol." vermischtes. * Leipzig, 19. Juni. In der Doelkauer Heide hat zwischen einem Leipziger Studenten und einem Referendar aus Halle ein Pistolenduell stattgefunden, bei welchem der Student durch einen Schuß durch die Lunge getötet wurde. * Ein Totesgelübde unter Ehegatten. Aus Wien wird gemeldet: Der Essigfabrikant Michael' Eisenbahn und seine 67 jährige Gattin Rosa waren einander so in Liebe zugetan, daß sie beschlossen, wenn der eine Teil stürbe, der überlebende Teil ihm in den Tot nachfolgen sollte. Der Ehemann kaufte zu diesem Zwecke Morphium. Das Gift wurde sorgsam aufbewahrt.. Nun erkrankte vor einiger Zeit der Ehemann sehr schwer, und die Gattin, die trostlos war, erneuerte das Ver-- prechen. Als der Mann nun vorgestern den letzten. Atemzug getan hatte, ging die Frau daran, das Der- precher einzulösen. Sie holte das Gift hervor, legte sich in ein Bett neben dem Bette, in dem der Tote ruhte, und rank das Gift. Man fand sie jedoch noch lebend auf und brachte sie ins Krankenhaus. Es ist jedoch ungewiß, ob sie wieder hergestellt werden kann.____________________ GerrchtssaaL. (d.) Mainz, 19. Juni. Zweite Strafkammer. Die rüheren Lehrerinnen der Klein-Kinderschule in Nieder-Saulheim, Maria Angelika Mundschenk aus Bodenheim, jetzige Ehefrau des Landwirts Jakob Reinhardt in Nieder-Olm und Fräulein. Katharina Scheuermann aus Lorch, wohnhaft in Nieder-Olm, sind der falschen Anschuldigung und Beleidigung des katholischen Pfarrers Esten Held in Nieder-Saulheim angeklagt. Die beiden Angeklagten waren: früher an der Klein- Kinderschulc in Nieder-Saulheim als Lehrerinnen tätig, sie sollen im vorigen Jahre dort ein beleidigendes Gerücht über den Pfarrer verbreitet haben. Im September gelangte an den Bischof in Mainz ein anonpmes Schreiben, in den: die beleidigenden Gerüchte gegen den Pfarrer mitgeteilt wurden, dieses Schreiben wurde den Angeklagten ebenfalls zur Last gelegt. Wegen Gefährdung der Sittlichkeit wurde die O Öffentlichkeit ausgeschlossen, der Staatsanwalt und der Vertreter der Nebenklage, Justizrat Dr. Schmitt hatten nach dieser Richtung keinen Antrag gestellt. Nachdem 20 Zeugen und ein Sachverständiger vernommen worden waren, kam das Gericht zu der Ueberzeugung, daß die Angeklagten sich der Beleidigung um Sinne des § 186 schuldig gemacht hätten. Was das anonyme Schreiben anbelange, so sei durch den Sachverständigen, Hauptlehrer Stamm, festgestellt worden, daß die Mundschenk es geschrieben hat, die Scheuermann ist, nach der Ansicht des Gerichts, nicht daran beteiligt. In diesem Falle komme aber keine falsche Anschuldigung, sondern nur eine Beleidigung in Bettacht, da schon vor den Angeklagten ein gewisser Thörle in Nieder-Saulheim die Gerüchte verbreitet habe. Die Mundschenk wurde zu 2 und die Scheuermann zu 1 Monat Gefängnis verurteilt. Leipzig, 19. Juni. Das Reichsgericht verwarf heute die Revision des Dau klehrling s Karl Brunke, der front Landgericht Braunschweig am 21. Marz wegen Tötung betf Geschwister Haars mit deren Einwilligung, sowie wegen Diebstahls in 20 Fällen zu acht Jal)-ren Gefängnis verurteilt worden war. (Wir haben über diesen Doppelmädchenmord seinerzeit ausführlich berichtet.) Die Frage, ob Bü cher unter dem vom Verleger festgesetztenL ad en preise verkauftwerden dürfen, stmkd vor dem 1. Strafsenate des Reichsgerichts frirr Entscheidung. Das Warenhaus Schm oll er in Frankfurt a. M. hatte zwei Werke airs dem Verlage der „Union" in Stuttgart mit 10 Prozent Rabatt verkauft, einem Rabatt, den kein Buchhändler gewahren darf, wenn er nicht Gefahr laufen will, aus der buchhändlerischen Organisatton ausgeschlossen zu werden. Das Warenhaus hatte diese Werke nicht direkt vom Verlage, sondern auf Umwegen bezogen. Auf die Strafanzeige der Union hin hatte das Landgericht Frankfurt a. M. den Kaufmann Hermann Schmol- ler wegen Verletzung des Urheberrechts zu 100 Mk. Geldstrafe/ und den Kaufmann Aron Schmoller wegen Beihilfe dazu zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt. Das Reichsgericht war der Ansicht, daß das Urhebergesetz in einem Falle wie dem vorliegenden' versagen müsse. Es erkannte auf die Revision der beiden Angeklagten gemäß dem Anträge des Reichsanwalts auf Eoften=* lose Freis pr e ch u na der beiden Angeklagten. Sport. — Bei der H e r k 0 m e r - F a h r t 1907 soll aus der Gordon-- Bennet-Strecke im Taunus ein Neunen stattfinden, zu dem der Kaiser sein Erscheinen in Anssi 't stellte. Handel un- Verkehr, VoLksrvrrtschaft. Berlin, 19. Juni. Heute wurde die Kam er un-Eisenbahn-Gesellschaft gegründet. Die 5 640 000 Mk. Vorzugsanteile und die 11000 000 Mk. vom deutschen Reiche imt 3 pCt. Jahresvcrzinsung' und 120 pCt. Rückzahlung garantierten Stammanteile wurden von einer Gemeinschaft übernommen, welche aus der Berliner Handelsgesellschaft, der Bank für Handel und Industrie, dem Bankhause S. Bleichroeder, der Dttektion der Drs- kontogesc-llschaft, dem Bankhause von der Heydt u. Co., der Nationalbank für Deutschland, der Norddeutschen Bank in Hanrbnrg, dem A. Schaaffhausen'schen Bankverein, den Bankhäusern Wm. Schlutow in Stettin, M. M. Warburg u. Co. in Hamburg, der Firma C. Woermann in Hamburg und der Mtiengeselhchaft für Verkehrswesen in Berlin besteht. Märkte. ? Herchenhain, 19. Juni. Seit gestern sindet unser „John n n i m a r k t" statt. Der gestrige Rindviehmar F t war schlecht befahren, im ganzen wurde ein Stück vertäust, vielleicht dürfte, da der weithin bekannte Schottener Sommermarkt bald stattsindet, dieser Markttag ganz abgeschafft werden. Der heutige S ch w e i n e m a r F t war stark besucht und 600 Schweine waren ausqetrieben, Ferkel und Springer, fette Schweine nicht, ^te Preise ivaren noch sehr hoch. Ferkel, 4—6 Wochen alte, Fofteten dttrch- schnittlich 50-60 Mk., 8-10 Wochen alte 70- 80 Mk., sogen. Einleger 100-120 Mk., je nach Qualität. — Der K r a m e r m a r k t hat infolge der neuen Bahnlinie wieder sehr an ' deiltung zugenommen uiid war zahlreich besucht. fc. Frankfurt a. M., 19. Juni. Heu- 11 n b S tt 0 h- marff. Man notierte: Heu Mk. 3.80 bis Mk. 4.30, Stroh Mk. 3 30 bis Mk. 3.60. Alles per 50 Kilo. Tendenz: Fest In Duft und Sonne liegt die Welt, aber darum ist'doch Fein Mensch vor Erkältungen sicher. 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K> n- ^" dm ‘iotqian, . 5 blcitnt erneuet s “ taton k. »betSott'tll9e •d| 2 Unb. ••Mia WZZ -Nn'LL-Z ÄMf’ 1>e sollen Ä, Vv in 12 ^^.dlgenden Ge- SM, ^eses Schreiben L.K. Degen Ge- MWK^ausgeschlossen, n Nebenklage, JustiM rtnna keinen Antrag ge- hvttstSndiger vernommn c ueberzruguna, daß die Mne des § 186 schuldig Ererben anbelange, so sei n Stamm, sestgestellt neben hat, die Scheuerns, nickt daran beteiligt fce Anschuldigung, sondern mn vor den Angeklagten ar die Gerüchte verbreitet 2 und die Schcuer- oerurtcilt sgerickt verwarf heute arl Brunke, der vom irz wegen Tötung bat inwilligung, sowie wegen ?im Gefängnis verurteilt 'oppelmädchenmord r dem vom Verleger lufttotrbenbfirfen, chsgm'W M §ntfchnd- it ssrankfurt a. M. c „Union" in Stuttgart Matt, den kein Buch- \* M, Wchsm W M vom Berlage, sondern nzeige der Union hin hatte lufntann SemmnLMvl- ?, iU 100 M Geldstrafe, ‘ niegnt Beihilfe dazu zu Reichsgericht mr der An^ stalle wie dem vorliegenden • Revision der beiden An- Acichsanwalts aus tolttn* 1 gesagten. 1907 fall aui der Gordon nnen statlfinden, 5« dem ntctlte^ yolkswÄschait» ssL Bank st-r MM >n. ^ ?nu\o., der Ra- ^xthbLnfin SambM. Wl'net ®£,me$it »iuh9‘ r ä51 ekEL°°'L ienl^sich gesund Hinerk ^Ä nRainr Soden" errl'^t ^oa§ * ,cbrai-ck> V-.aebetpon teste to 6) to 6> (?) Gl G< e W d CD CD CS » O» «v •—* h* o o Ks o c S< <2 s 3? 2 Cf) D er o -c ■c 58 D -e ■ts CO o 05 o sr L s D 5 S2« O S o on er — D c <- o <-. CD —. 5 er Cf (?) A to 3 OT'S* V» c 5. 3." cp -? <0 '—' D 3 = ® D- CP O CD CD 3 — C£O A CD 03 n D « CP D CB A D ce A D X1 c® Z.A o ^2. 3 8> er o A er- er § o 3 «r 5 6) 6) 5 6) 5 3 c® 5 co - C5 CO o 05 (?) A D CD U® <5 o a cm' s* 5 :D: » O =5)3 3 3 2 3 A ~CD ? e 3 D: s •~Ä* = o 3 8 r> c=> c=> ö o to_ 03 CO 5Q< 2 8 co -q DJ 05 OZ- CD ACr? = 3 «v> ~ 2 S s D: 2.C te o -■ A — § AZ X» g.a« D to“ 3 « O » A — - D 'S 3 rt Co A ?»■ er __ 2, « ° to «o er 3 A" 3. 3 5" 3 -3 3 o 27 er — 21 = ST 3: CI = cor S^’S D 05 CD Al 3 2 D - 5 ». 3. 3 c CD n 2 öl <2 n O - ä cd tr CD ÖO D o er 6)2« 3 -T L-5 § 3;-33 er —. TL 3 TTA 2 @ac'5' ~ «t 2 3= 3 3 - % 3 - 7' A 6)8K ■3—- 3 2 2 3 0 2. O er = 3! = = S <3 o A Ad S A ° 2, ’ 2. 3 S = 3 o ~ » cD «3 * #*. (f)2= o r2 _ Lo er CD «2 ? -'ZCD 2 rSZ'erE CD, 3 er =T A § ”3 ro -—, O r'-at^r? to 5 2-^ 'S S C3 er cd "X o o‘-2, 2. v .2. A S = 2 en"-, *2. co S? - "H*" ” 2 3: «—► K) n 3 Z 2 C o 3 5 A S 3" 5>"__ K 2- ^5.2 <0 er 35* s o ** r O W »'M U £ 'M./) !>; 1. tfernfprecfier h62 Gegründet 1866 Wegen vorgerückter Saison verkaufe von heute ab meine Kinder«. 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