Erstes Blatt Amts- Md MZeigeblatt für den Kreis Sichen Die heutige Dummer umfaßt 16 Seiten. kolonialen Mi diictume 156. Jahrgang Nr. 17 trlAelnt täglich außer Sonntags. De:u Gießener ^l^ctqer werden im Wechsel nut dem hessischen Landwirt die Gießener Kamilicn. blätler viermal in der Woche bciqeleflL Rotationsdruck il Verlag der Brüh l'scheu Un ivers.-Buch-»l. Stein- bmrferet. R. Lange. gUöafnon, Erveduio« und Druckerei: Libul st ratze 7. Redaktion 112 Verlag u.Exved.s^^öl Adresse für Teeei dien: Tlnzctger Gießen. jährlich AU. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pt.; durch die Post Dlt. 2.—viertel- jährl. auSschl. Bestellff. Annahme von Anzeige« für die TagesnummeL bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Ps^ auswärts 20 Pig. Verantwortlich für den polit. und allgem, Teil: V. W'ttko: tut .Stadt and Land^ und .Gerichtssaal*: Ernst Heß; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Samstag AO.JmmKv 1906 Bezugspreis: monatlich 7oPf^ viertel- rtusland. London, 19. Jan. Nach den bis beute abend ein- gegangenen Wahlergebnissen sind gewählt: 224Liberale. 35 Mitglieder der Arbeiterpartei, 96 Unionisten, 72 Nationalisten. Bisher gewannen die Liberalen 120, die Arbeiterpartei 28, die Unionisten 4 Sitze, die Nationalisten 1 Sitz. — Nach einer Depesche auS Aldershot beabsichtigt das Kriegsdepartement, die gesamten Küstenverteidigungswerke von der Themse bis nach Plymouth mit sechs- und neunzölligen Geschützen neu zu armieren und die gegenwärtige Armierung von vier- und siebenzölligen zurückzuziehen. Paris, 19. Jan. Falliöres erklärte dem Senator Destournelles de Constant, welcher ihm die Glückwünsche der Gesellschaft für Einführung des Schiedsverfahrens zu seiner Wahl als Präsident der Republik überbrachte, er könne nur die Bemühungen dieser Gesellschaft billigen und ersuche sie, ihr Werk fortzusetzen. — In der Kammer wies Brideau auf die wirksamen Bemühungen Englands hin, die Handelsflotte indirekt zu unterstützen. Er legt dar, welche Vorteile Deutschland der H a n d e l s m a r i n e biete. Deutschland unterstütze indirekt die Handelsmarine. Lemberg, 19. Jan. Blättermeldungen zufolge nehmen die antisemitischen Bauern unruh en in der Umgebung von Nadworna einen ernsten Charakter an. Viele jüdische Familien flüchten. In Worochia überfielen die Bauern das dortige Krankenhaus, mißhandelten und töteten einenVater. Außtand in Nöttn. Die „Petersb. Tel.-Ag." schreibt: Während der beiden lebten Monate 'haben unter dem Einfluß der Revolutionäre, die danach strebten, buiJi Herbeiführung des wirtschaftlichen Ruin? die Bevölkerung zu Verzweiflungslrteu zu treiben, viele Privatpersonen und russische Handelshäuser damit begonnen, ihr Vermögen nack' dem Ausland zu schaffen. Gewinnsüchte Leute. Spekulanten auf der Börse auf Baisse der russischen F-ondsioerte und des Rubelkurses ver sichern den Besitzern russischer Papiere. fahr der Sozialdemokratie hinzukommt. Vorschläge eines Herrcnhansuiitgl'edes. Em Mitglied des preußischen Herrenhauses veröffentlicht in der „Kreuzztg." eine Reihe von Vorschlägen, nm die Sozialdemokratie unschädlich zu machen. Tas Wahlrecht und das Koalitionsrecht sollen zunächst unberührt gelassen werden. Wer, so befürwortet das um die Zukunft des Staates besorgte .Herrenhausmitglied, „man erneuere das Sozialistengesetz mit den durch die neuesten Erfahrungen gebotenen Änderungen". Zu diesen Änderungen gehört die Ausweisung über die Rcichs- grenzen. „Damit würde den Herren Bebel, Singer, Arons e tutti guanti sehr bald Gelegenheit gegeben werden, an den gastlichen Usern der Themse oder den Schweizer Seen wieder in die bekannte Villa mit dem Eingang „Nur für Herrschaften" ihren Einzug zu halten." Ter Stich auf die LuxusgewoKuheiten sozialdemokratischer Führer ist nicht übel. Nur wird das Herrenhausmitglied an diesem gewaltsamen Domizilwechsel kaum so bald sich erfreuen können. Ter Einsender des Artikels erwartet selost nicht, daß der jetzige Reichstag ein solches Gesetz annehme. Wenn aber die Regierung den Reichstag auflöse und auf die schrecklichen Vorgänge in Rußland Hinweise, und die von außen drohenden Gefahren ihre Wirkung üben, so erscheine es keineswegs ausgeschlossen, daß auch die Mehrheit des Volkes sich aufraffe und der Negierung eine scharfe Waffe liefere. Erfülle sich auch diese Hoffnung nicht, so müsse allerdings in den Kampf getreten werden, wie er ähnlich vor fast 50 Jahren in Preußen geführt wurde. Immer dieselben Selbsttäuschungen. Eine Rerch»- tagsauslösung mit der Parole eines neuen Sozialisten gesetzes hätte auf gar kernen Erfolg zu rechnen, allenfalls auf das Ergebnis, daß dre Sozial- d em o kr a ti e mi t Ver st är ru n g zurü ckkeh r te. Und eine Wiederholung des Kampfes, „wie er ähnlich vor fast 50 Jahren in Preußen geführt wurde", sollte man besser Nicht an die Wand malen. Doch das Herrenhausmitglied spricht den Regierungen selbst die erforderliche Festigkeit ab. „TU lieber Gott", so äußert sich das Herreuhausnirtglied ketzerisch und satirisch über die hohen Regierungen, „die lassen zum Teil die Zügel vollständig schb-'.sen". Das Herrengausmitglied hat leider nicht davon gehört, daß von Berlin aus eine ernste Mahnung an die Regierungen ergangen wäre, die „ihre Landtagswahlrechte in radikalstem Sinne urngestal- ten". Tie Wahlrecht sre formen außerhalb Preußens üben einen kräftigeren Truck ans, als ede Agitation es vermöchte. Was anderswo tunlich ist, weshalb soll es gerade in Preußen untunlich sein? Eine M ahn iingvon Berlin aus würdesichketne Regierung gefallen lassen. Ter Gedanke ist auch nirgends erwogen worden. artig sein. f . Tie französische Regierung hat den Kreuzer, Lalande" nach den marokkanischen Gewässern entlaubt! mit der Aufgabe, alle Schiffe zu beschlagnahmen, welche sich mit Schmuggel befassen. Tie dritte Tivision des amerikanischen Ge^ schwaders, bestehend aus vier Kreuzern nnt dem Admiral Sigsbe an Bord des Kreuzers „Brooklm", ist ur Tanger eingetroffen und wird die mittelländischen Hasett während der Konferenz anlaiisen. Anläßlich des Mlebens des Staatssekretärs Frhrn. von Richthosen stattete der Vertreter Frankreichs in Algeciras, Revoil, oem deutschen Botschafter v. Rado Witz einen; Beileidsbesuch ab. Wing 461 Sen6Äfiriebene Aaucr ltö iür Kornor ein ‘hrlisig Nultenntnih w Ollen» gesucht. w bet Äeichäslksielle tärs verleitete öfsentlick^e Meinung jenseits der Vogesenf werde die nationale Ehre für gefährdet erklären und di« Regierung zum Bruch mit Deutschland treiben? Franzose liest von der „unbestreitbaren, bei der^ Artillerie geradezu wunderbaren Ne ber- legenheit" der französischen Armee über die deutsche. Er hört das die schmerzlichste Erinnerung, weckende Wort „Faschoda". Er weiß, daß der Staat, der damals im Sudan die Republik demütigte,. England, heute an ihrer Seite gegen Teutschlands Marokkoforderung ^-rortc modit. Muß da nicht, zumal bei der Iieizbarkeit und Schwungfähigkeit der gallisck>en Volksseele, das Verlangen brennenb werden nach „Revanche" in der ?yornt emer Brüskierung Teutschlands in Mgeciras? Gerade well; Teutschland nicht nach Krieg verlangt, bleibt, wie die „Vosf.^ Ztq." mit Recht bemerkt, die glühende Sprache der fran-< zösisch^n Militärs ein beachtenswertes Stimmungssvmptomsi Währenddessen finden tröst der bündigsten Erklärimgen^ unserer Tiplomaten und Militärs im Auslande naaj tote vor selbst die unwahrscheinlichsteii Berichte über aktuelle! deutsche Kriegsrüstungen gläubige Leser So hap der Berliner Vertreter der amerikan. „Äfsoeiated Preß rttott unser m Wolffschen Telegrcphenbureau vergleichbar kürzlich gekabelt, daß um die Jahreswende seitens der! preußischen Eisenbahnverwaltung 20 000 neue Frachtwagen für im ganzen 200 Millionen Mark in Teutschland, Belgien, .Holland, der Schweiz und Italien mit der Klausel ttt 23e-i stellung gegeben worden seien, daß die Lieferung bis Mittel Februar erfolgen müßte. Zurüügcführt wird dieset eilt Bestellung — und zwar unter DerusunAvus, amtliche Stellen; — aus die Initiative des — Großen General-, sta bes (!), der für den 1. März, den angeblich kritischen Tag, diesen Wagenpark „für besondere 80 0 0 00 Mann brauche, die nach der französischen Grenzq geworfen werden sollen." Schon im letzten Sommer haben die smarten Yankee-Berichterstatter die Mtualitap einer Kriegsfrage soweit überschätzt, daß derselbe Vertretet der „Associated Preß" von seinen Chefs in Newyork bie telegraphische Weisung erhielt, „nach der Front abzureisen/1 Tie überhitzte amerikanische Reporterphantasie hat jetzt erne^ noch anmutigere Blüte gezeitigt. Ter Kaisermanover-Pboto^ graph Kühn und eine große Berliner Kunst- und Photos graphenhandlung sind mit Kabelbestcllungen alter Manover-s ansichten und Bilder aller höheren Generäle geradezu über*, häuft. Man sagt sich wohl mit Recht, daß das Kriegsbericht-, erstattertum und das Geschäft des fliegenden Photographen; in einem künftigen großen Völkerkouflikt ziemlich aus geschaltet bleiben wird und sucht auf diese Art „Schlachtenbilder" vorzubereiten. Tieser Weg, amerik. Dollars ist Teutschland in Umlauf zu bringen, dürfte immerhin new« gierungen ist doch unverkennbar. Es dürfte im Ausland sogar mit Befriedigung vermerkt werden, daß zum ' ßgeschick Teutschlands die Ge - il'demokratie hinzukommt. „Tie Schmach von Tanger Aus Algeciras wird berichtet, daß eine gewisse erwartungsvolle Schwüle die allgemeine Stimmung beherrscht trotz aller Zuversicht auf ein befriedigendes Ergebnis der Konferenz. In einer Unterhaltung mit cuiem französischen Politiker äußerte dieser, bisher sei absoliit nichts Sensationelles, ja nicht einmal etwas neues aus fr; en Krmferenzverhcmdlnngen zu melden. Es habe ja den besten Eindruck gemacht, daß der Herzog von Almodovar und Revoil gleich von Anbeginn an den Grundsatz der „offenen Tür" in kommerzieller Beziehung proklamiert haben. Damit seien aber doch die wirklichen Schwierigkeiten nicht gelöst und man habenden Eindruck, daß man in gemeinsamem Einverständnis zögere, an die totr 1== lich schwierigen Fragen heranzutreten. Selbst die Frage des Waffenschmuggels bleibe auch nach dem Gedankenaustausch am Donnerstag durchaus offen und die Beratungen hätten nicht einmal eine Andeutung darüber ergeben, welche Ansicht bezüglich der Ueberwachung im Innern und der Küsten Marokios wohl den Sieg davon- traqen werde. Der französische Politiker kam dann aus die deutschen Delegierten zu stechen und sagte, daß sie ja einigen Journalisten gegenüber sicy versöhnlich ausgesprochen; sie dürsten sich aber woyl selbst bewußt sein, daß sie sich gar nicht anders hätten ausjprechen können, und daß ihre Erklärungen geradezu banal gewesen seien. . . , Noch intensiver scheint die Schwüle zu sein in den militärischen Kreisen Frankreichs. Em von der Voss Ltg" veröffentlichter Artikel des führenden militärischen Blattes „La France mUitatre vom 13 d. M. fordert umsomehr die Beachtung heraus, als die militärische Fachpresse Deutschlands, soweit zu übersehen ist, zum Maroklokonflikt und seinen eventuellen Folgen bisher nicht Stellung genommen hat. Tas ftanzo,i|che Blatt s 0 r d e r t von der Regierung den Entschluß, gestutzt aus die Armee, die Ansprüche Frankreichs durchzusetzen und den Forderungen Teutschlands nicht n a ch z u g e b e n. Das französische He e r sei ]o kraftvoll und kriegsbereit, daß zur Schmach von Faschoda sich nicht die nach größere von Tanger gesellen k^Sie Schmach von TangerEs ist da von der Leidenschaft ein Schlagwort in das französische Volk hrneinge- schleudert, das für solche Sckilagworte besondere Enip.anFUch- keit besitzt. Also die militärifck)e Ehre der Republik verbietet ein Eingehen auf die Forderungen Teutschlands! Wenn nun aber die französisck>en Diplomaten anderer Memung sind — und bis auf weiteres muß man es annehmen, öenn sonst wäre die Befchickmig der Konferenz seitens.Frank- reicbs eine Komödie —, erscheint da nicht die Besorgnis begründet, die durch die hochfahrenden Artikel der Mill- Brüder <5 Bern^ fett» D btabiidfligl, an einem . Wauplatw eine Anzahl ifftuüVnw Häuser »"von 20-25 000 . Rksiellvüen bitte sich in Verbindung zu ietzerü tz. Diun. ellennecbende > u. andere erhallen geg. onalsabonucmenl Mch n) mgl die Originalkopie 0. d.gelesensienu.gro8t Tagerzeiiungen durch t, Kranksurt a.M., nipnuzcn-Lir. bi. »r eines ßuduslnewnkes »bfl.biltel'reunblidijium leben voll E Mack uerlegung einer L«b^ tngspohee, bei 019 Jg* uni. Pünltüd)« vier cl- licke Augeboie inner40' Bvpoüiek. MS > Ktrchcuplas 15, od.-Uavchcnqciich riktstratr lili« f(i< iBenberg, Tlorftitr, 27, chet rieuftmädche» fleiuebt »(..giuDnt Vernkardlsbäulerdoi. Mra=2ns Ludwig-Platz 3. Tendenz sremdtändischec Re- Gesellenprüfung. Die diesjährigen gesetzlichen Gesellenprüfungen stnden in den Monaten März und April statt. An derselben können alle jungen Handwerker aus Gießen, Heuchelheim, Wieseck, Altenbuseck, Settern, Großenbuseck, Burkhardsfelden, Hausen, Watzenborn-Steinberg, Leibgestern, Langgöns, Großenlinden, Kleinlinden, Rödgen, Annerod, Trohe, Garbenteich teilnehmen, deren Lehrzeit spätestens am Schluß der Prüfungen beendet ist. Anmeldungen zur Prüfung sind unter Benutzung des vorgeschriebenen Formulars (bei dem Unterzeichneten erhältlich) bis zum 18. Februar an den unterzeichneten Ausschuß zu richten. Die Prüfungsgebühr beträgt 3 Mark und ist mil der Anmeldung an den Unterzeichneten einzusenden. Wir machen insbesondere daraus aufmerk'am, daß die Ab- legnug der Cesellenyrufung u. A. al? Vorbedingung für die Anleitung von Lehrlingen und die Führnng des Meistertitels erforderlich ist, ihre Versäumnis daher später empfindliche Nach teile im Gesollt hat. Gießen, den 13. Januar 1906. Der Prüfungsausschuß des Ortsgewerbevcreins zu Gießen. Trab er, Vorsitzender. ___________ Gesellenprüfung. Die diesjährigen Gesellenprüfungen finden im Monat April statt. An derselben können alle jungen Handwerker teilnehmen, Seren Lehrzeit spätestens bis am Schluß der Prüfungen beendet ist. Anmeldungen zur Prüsimg sind unter Benutzung de? vorgeschriebenen Formulars (bei dem Unterzeichneten erhältlich) bis zum 1. März an den unterzeichneten Ausschuß zu richten. Die Prüfungsgebühr beträgt 3 Mark und ist mit der Anmeldung an den Unterzeichneten einzusenden. Wir machen insbesondere darauf aufmerksam, datz die Ablegung der Gesellenprüfung u. A. als Vorbedingung für die Anleitung von Lehrlingen und die Führung des Meistertitels erforderlich ist, ihre Versäumnis daher später empfindliche Nach- teile im Gesolge hat. Grünberg, den 16. Januar 1906. Der Prüfungsausschuß des Ortsgewerbevereins zu Grünberg. H. Schmidt. I. Der role Sonntag. Tie für morgen getroffenen Maßnahmen in einigen norddeutschen StÄiten sind ganz außerordentlich. ^Aus Berlin wird uns heute von befreundeter Seite il a. folgendes geschrieben: _ . Tie Polizei ist in fieberhafter Tätigkeit, die Säbel werden cieschlifsen. Man rechnet mit Demonfi^atumen von i/L. Million Sozialdemokraten. Den ganzen T-aa hat die Polizei Dienst auf der Straße. Sie ist schtver bewaffnet. In der Span datier Garnison dürfen dre Truppen die Kasernen nicht verlassen. Alltäglich tverden Probe-Alar- mierungen vorgenommen. Die Wachen des Waffendcpots iotvie die Gendarmerie in den bei Spandau liegenden ländlichen Ortschasten, wo zahlreiche ölirbciter wohnen, find verstärkt. . , In Hamburg wurde eine auf Frertag abend ein* berufene Versammlung der Metallarbeiter von der Polizeibehörde auf Grund des Vereinsgesctzes verboten. Tie Polizeibehörde machte folgendes bekannt: Nachdem sich an die sozialdemokratischen Versammlungen vmn 17. Januar Auflehnungen schwerster Art gegen die ö st entwiche Ordnung angeschlossen hatteii, wird die Polizetbehorde offen t l i ch e V e r s a in m l u n g e n für den 21. und 22. I a n. und für die Tage, an welchen die Bürgerschaft über die Wahl- rechtvorlage verhandelt, aus-nahmslos verbieten, und sonstige öffentliche Versammlungen in der nächsten Zett nur m ganz besonderen Fällen znlassen. Umzüge werden bis auf Weiteres überhaupt nicht gestattet. . Bei den Hamburger Wahlrechtsdemonstrationen am ir. Januar sind nach amtlichen F-eststellungen 16 Polizisten und 3 6 Demonstranten schwer verletzt worden. Internationale Vcreinbarungtn gegen die Sozialdemokratie. Eine Reform des Landtags Wahlrechts steht bekanntlich anch in Sachsen in Aussicht. Tie dortigen Konservativen sind aber offenbar nicht der Meinung, daß dies der sozialistischen Agitation Abbruch tun werde,denn ihr Preßoraan nimmt den E-ebanken wieder auf, dura) eine internationale Ver einbarnng dem inter- natioualen Sozialismus entgegenzutreten. Tie Kreuzztg." bezweifelt resigniert, daß dieser Gedanke auch nur entfernte Aussicht auf VerwirMchung habe, sei es doch nicht einmal möglich gewesen, die nationalen Parteien in Deutschland hinsichtlich ihrer Halttmg gegen dre Sozialdemokratie unter einen Hut zu bringen, d. h.^rn diesem Fall, Ausnahmegesetzen geneigt zu machen ^ie Aussichtslosigkeit eines internationalen Vorgehens ist besonders darin begründet, daß die Sozialdemokratie m Deutschland anders gieartet ist, als in anderen Ländern. Bei uns wird der Klussenkampf durchgefochten von einer auf das straffste disziplinierten Organisation. England und die Ver Staaten kennen überhaupt feine Sozialdemokratie in diesem Sinne, und von dem mehr auf nationale Jnter- pikn aerichteten Charakter der sranzüssichen Sozialisten hat ZaurÜ milüngst Z-ugnir aSg.. -a. U°b-:dle,S ist d>° »oft. tifcbe Welllaae für eine internallunale auitfozialsti^che <>yi= einbarung besonders utmünstig, denn die auf euw Jfolier- ung Teutschlands abzielende M die Staatsbank Mießklch nicht, mehr in der Lag« sein iverbc, bte russischen Werte tn Gold emziilosen. Nach dem Laufe, den die Geschäfte jedoch . in den letzten Wochen genommen haben ist die Annahme berechtigt, b-f? die n p e t iN a n t e n sich in ihrer N-chnung getäuscht und schleunigst ihre Spekulationen hQU,$e?$c‘tcCr"burgcr Kvrttl.t>-nd-nt dcr Times,meldet, daß d°s russische Budget ein Defizit von 160 Millionen Ru- 6 c 1 a^'r schau sind außer den gestern GernAdeten noch weitere fünf Personen auf Grund eines kriegsgeriust- lichen Urteils erschossen morden. Zwei tzancn d.e ebenfalls zum Tode verurteilt waren, wurdcik zu lZ-citungsjtrafe ve- gnadigt. ^io^ Quittierten mehrere Polizeibeamte infolge der sich mehrenden Attentate auf Polizisten den Dienst., In der Telephon- Zentrale wurde ein Jude, der dort verdächtige Manipulationen vorn'hm, von der Wache erschossen. Im Lbuchowgäßcken zu Moskau wurden in der Wohnung einer jungen Frau, die sich Fürstin Koslows ta nennt, ein eiserner Kasten gefunden, in dem sich a ch t g c l a d c n c B o m- ben befanden. Auch Waffen lvnrden entdeckt. Wie aus einer Vorgefundenen Korrespondenz hervorgeht, sollten diese Bomben dazu dienen, während einer kirchlichen Feierlichkeit eine Payii hcrvorzurufen und einen Anschlag gegen den Genera l- gouverneur auszufuhren. Außer der genannten Koslowska wurden noch zwei Frauen und ein junger Mann verhaftet. Der Standard meldet, daß in Odessa eine B o m b e gegen eine Abteilung Polizisten geworfen wurde. 5 Polizi st e n wurden getötet und 7 schwer verwundet. Die Revolutionäre hatten die Absicht kund gegeben, den Dom in die Luft zu sprengen. Infolgedessen hat der Generalgouverneur den Dom von Truppen umstellen lassen. Ein aus Rußland nach Deutschland zurückgekehrter Deutscher, ProfcssorDr. phil. N e u m e i st e r, der in Rußland in Diensten gestanden haben will, wurde in Eutin durch die Polizei beim Betteln in Lehrerwohnungen angetroffen und ticrbaftct Der Bedauernswerte, der nach seiner Angabe sein ganzes Vcrniögen in Rußland verloren bat, w'r völlig mittellos. Ale AtvolLtrungsz ff r des Krotzyirzoglums Kelsen betrug nach der Volkszählung am 1. Dezember 1905: ) 210 719 gegen 1 118 979 am 1. Dezember 1900. Die Zunahme beträgt also 91 740 oder 8,2 Prozent. Die Provinz Rheinhessen hat 369 482 Einwohner gegen 348 334 vor fünf Jahren. Tie Ziinahine betragt 21 148 Köpfe oder 6,07 Proz. Tie einzelnen Kreise haben: Mainz 151 307 (138 360), Worms 88 343 (83 393), Oppenheim 47 003 (46 379), Bingen 42 275 (40 457) und Alzey 40 554 (39 745). Oberhessen zählte am 1. Dezember 1900, wie wir schon mitteilten, 282 047 Einwohner, am 1. Dezcmbor 1905 297 248; für die letzten fünf Jahre ist also ein Zuwachs von 15201 Einwohnern zu verzeichnen. Al ehr als ein Drittel dieser Zunahme kommt auf die Städte Gießen, Bad Nauheim und Friedberg, wobei allerdings zu bedenken ist, daß die Stadt Friedberg, die 1900 6889 Einwohner hatte, bekanntlich nur deshalb die starke Zunahme von 1988 Seelen zu verzeichnen hat, weil sie eine Nachbargemeinde eingemeindet hat. Bon den 434 Gemeinden (Städte und Landgemeinden znsammengenommen), die Oberhesien zählt, haben, nach unserer jüngst veröffentlichten Angabe, 10 dieselbe Bevölkerungsziffer luie 1900, 295 haben zugenommen, nicht weniger als 12 9 dagegen weisen eine Verminderung aiif. Besonders in den ohnehin schwach bevölkerten Kreisen Alsfeld und Lauterbach giebt es viele Gemeinden, die abgenommen haben. Im Kreise Alsfeld sind zwei Gemeinden sich gleich geblieben, 45 haben zugenommen, 37 abgenommen. Im Kreise Lauterbach weisen zwei Gemeinden dieselbe Bevölkerungsziffer wie 1900 auf, 37 eine Vermehrung, 28 eine Verminderung. Daraus geht deutlich hervor, daß rein ländliche Gegenden, vor allem itn Gebirgslande, wo keine nennenswerte Industrie ist, stetig zurückgehen, während die Städte und Jndustriegemeinden stark an schwel len. Die Flucht vom Lande dauert also immer noch an. Diese Bewegungen, die wir hier für unsere engste Heimat konstatiert haben, sind typisch für das Ganze. Die moderne Völkerwanderung vollzieht sich nicht so augenfällig wie die des früheren Mittelalters, da Cimbern und Teutonen, Goten und Vandalen stromgleich sich durch das Land wälzten, eine mildere Sonne und reicheres Leben begehrend, aber sie ist nicht weniger stetig und folgenreich. Vom volkswirtschaftlichen Standpunkte mag man es freudig begrüßen, daß immer mehr Kräfte, die vorher halb brach lagen, in die industrielle Tätigkeit hineingezogen werden und daß viele unserer Landsleute da- durch bessere Erwerbsbedingungen erlangen; der dagegen, der die deutsche Art kennt und liebt, muß es bedauern, daß so viele unserer Volksgenossen von ihrem Heimatboden weggezogen und in ein Milieu versetzt werden, in dem die Eigentümlichkeiten der einzelnen Stämme bald verschwinden, in dem das Gemüts- leben verflacht und das Heimatgesühl ertötet ivird. Die alten Volkstrachten und die alten Volkssitten verschwinden in der modernen Völkerwanderung so sicher, wie die oft so 'wundervoll malerischen alten windschiefen Häuser in den Hauptstraßen aller sich reckenden und streckenden Städte viel» fach verschwunden sind. Aus Stadt und Land. Gießen, 20. Januar 1906. •* Promenad enkonzert findet morgen Sonntag um 11.30 Uhr in der Südanlage mit folgendem Programm statt: 1. Ouvertüre zu „Martha" von Flotow. 2. Walzer aus „Frühlingsluft". 3. Fantasie a. d. Op. „Carmen" von Blzet. 4. Armeemarsch 91r. 126 von Strauß. — Unsere Regiments musik konzertiert morgen nachmittag 4 Uhr im P h i l o s o p h e n iv a l d. •• Auf das Gastspiel der Tegernseer, das morgen und Montag in Steins Saalbau stytlsindet, sei nochmals empfehlend hingewiesen. (:) Rodhei m a. d. Bieber, 18. Ian. Der Gastwirte Verband von Krofdorf-Rodheim und Umgegend Hielt gestern Abend in dein Bender'schen Saale hier sein erstes Winterfest ab. Trotz der schlechten Witterung waren wohl 300 Personen der Einladung gefolgt. Heber die Bedeutung und Aufgabe des Gastwirte Verbandes sprach der Gastivirt W. Bender. Ten Glanzpunkt des n g gab Bürgermeister Stahl eine genatie Darstelliing des Uii g l ü eks fa l l es im Gaswerk, wie er nach den Gutachten der Saehverstündigen und der geführten Untersuchung sich wohl ziigetragen hat; er führte etiva folgendes aus: Das Gas fommt zuerst in einen Mester und einen Reiiiiger. An bem Gasmesser war der Zuleitimgsbalm der Wasserleliluig ausgestellt tmb nicht wieder geschlossen worden, der Absiilßhahn aber war vcrftovft. Infolge dessen drang Wasser nach bem Haupt» rohr und füllte dies so, daß dcni (Vas der Durchgang verivehrt wurde und es sich preßte. Nach Millernacht wollte (Vasverivalier L'iefc das Wasser aus dem Hauplrohr enl'ernen und stieg nut dem Arbeiter Weißel in den Schacht, um an der lie’nen Rohrstelle den Deckel an einer Flanche zu lösen und das Wasser zum Abläufen zu bringen. Es muß dal ei nicht mit der nöligen Vorsicht ver'alnen ivorden sein, beim nach Lösung des Teckels drang Wasser und Gas mit solcher Wucht aus, daß beide betäubt wurden und den Tod sanden. Ein Schließen des Deckels war jetzt nicht mehr möglich und sämtliches Gas mußte entweichen. Bei allem Unglück war es noch ein Glück, daß feine Explosion stattsand; die Gefahr hierzu lag außerordentlich nahe. Tie Ent ernung des Wassers hätte übrigens auch noch aiü andere Weise durch eine Vorrichtung, welche sich im Hose befindet, auf gefahrlose Weise geschehen können. Wegen der Fürsorge für die Hinterbliebenen teilt der Bürgermeister mit, daß Frau Liese 50 Prozent Rente, etwa 1700 Mk. jährlich, erhält. Die Familie des Arbeiters Weitzel erhält 60 Prozent, etwa 650 SJtf., jährlich. Seitens der Stadt werden bis zur Regelung der Unfallrente einstweilen für Frau Weitzel 150 Mk. bereit gestellt. Frau Liese erhält Gehalt und Wohnung bis zum 1. April weiter. Tie Kosten der Ucberführung der Leiche des Verivalters Liese nach Luckenwalde und des Arbeiters Weitzel nach Bruchenbrücken übernimmt die Stadt. (Ob. Anz.) Darmstadt, 19. Jan. Bezüglich de§ gemeldeten Vorfalles in der städtischen Tanne ist nach den anoestellten Untersuchungen mit Sicherheit anzunehmen, daß es sich um einen Selb st Mordversuch deS krankhaft erregten Knaben handelt. — Hochbetagt starb hier ein alter Liberaler, Buchdruckereibesitzer Hermann Edelmann. Er war in der Aera Dalwigk Herausgeber der,Main-Ztg.", des Organs der ,hessischen Fortschrittspartei^, wie die Ratw- nalliberalen sich damals nannten. R. B. T a r m sta d t, 19. Jan. Eine schlichte, aber würdige Feier zur Wiederkehr der Begründung des deutschen Reiches veranstaltete heute abend der Alldeutsche Verband in Verbindung mit anderen nationalen Vereinen. Ten Mittelpunkt der Feier bildete die Festdichtung „Aus dem Leben des ersten deutschen Kaisers" von Tr. Ed. Otto, die von Frl. Bertba Hacker, illustriert von zahlreichen Lichtbildern aus dem Leben des Kaisers, in schwungvoller Weise zum Vortrag gebracht wurde. Eine Festansprache des Vorsitzenden, Oberlehrer Hen sing, und Liedervorträge des hiesigen Konzertsängers H. Reinhardt sowie weitere Reden und gemeinschaftliche Gesänge trugen viel zur Verherrlichung der Feier bei. ICiinft und Wissenschaft. — „Und Pippa tanzt", Gcrhart HauptmannS neues Märchenbrama, toeirbe am.Freitag im Berliner Lcssingtheater nach den ersten Akten mit starkem Beifall ausgenommen, während der letzte Akt auf entschiedenen Widerspruch stieß. Die tanzende Pippa soll wohl die Personifikation des tanzenden Funkens sein. Eine feindliche Macht stellt ihr nach, ein freundliche sucht sie umsonst zu behüten. Pippa tanzt und erlischt. Diese Pippa führt Hauptmann mit dem phantastischen wandernden .Handwerksgesellen des Märchens zusammen Sie wollen miteinander in die Märchenstabt Venebig pilgern. Mer da Pippa gestorben, bleibt ihm nichts als seine irre Phantasie, die ihm ihren Besitz vortäuscht. Diese dunkle Inhaltsangabe mag, so lesen wir heute in der „Frkf. Ztg.", andeuten, wie dunkel, unverständlich, verschwommen und gestaltenlos dieses neue Hauptmaunsche Drama ist. Dem ersten Akt ist noch dramatische Den>egung gegeben, die anderen verlieren sich gänzlich in graue Symbolik. Nicht einmal den Märchenton zu treffen, ist Hauptmann gelungen. Der Dialog ist bald schwülstig, bald banal. — Dieses „Glashüttenmärchen" in vier Akten wird, in würdiger Ausstattung, von S. Fffcber. Berlin s»»b»n in Nucuform veröffentlicht. Gießener Strafkammer. )( Gießen, 19. Jan. Die Strafkammer verurteilte den 18 jährigen Bergmann W. S. von Höckersdorf wegen versuchten Sittlichkeitsverbrechens zu 7 M o n a t e n G e f ä n g n i s. Er hat ein achtjähriges Mädchen von Ilsdorf, das nach Lardenbach zur Schule geht, unter* Wegs angepackt und nach dem Wald zu getragen, in der Msicht, es zu vergewaltigen. Auf das Geschrei des Kindes nahm er von seinem Vorhaben Mstand. Das Gericht zogbie Jugend und das Geständnis des Angeklagten, sowie den Umstand, daß nachteilige Folgen für das Kind nicht eingetreten sind, sirafmindernd in Betracht, doch sah es sich veranlaßt, über die Minimalstrafe hinauszugehen, da es sich um ein Kind handelt, das genötigt ist, um die Schule besuchen zu können, von einer Ortschaft nach der andern zu gehen, und derartige Kinder dem Schutze des Publikums empfohlen sind. Mit Rücksicht auf das sofortige Geständnis wurden ihm vier Wochen der erlittenen Untersuch- ungsh'st auf die Strafe angerechnet. — Der Taglöhner K. R. von Todenhausen war von einem Händler in Bad-Nauheim beauftragt, in Reichelsheim» Kartoffeln zu verladen. Er hatte die Weisung, falls er etwas von Gerätschaften nötig habe, sich an eine dort wohnende Wirtsfrau zu wenden. Als er feine Arbeit beendet hatte, ließ er sich von der Frau, unter der Angabe, er habe Geld notig und sei beauftragt, falls er etwas nötig habe, sich an sie zu wenden, 2 Mark geben. Es wurde gegen ihn Anklage wegen Betrugs erhoben, was seine Verhaftung zur Folge hatte, da er rückfällig ist. In der Verhandlung gab er an, die Weisung seines Auftraggebers so verstanden zu haben, wenn er überhaupt etwas nötig habe, sich an die Frau zu wenden. Das Gericht hielt dieses Mißverständnis nicht für ausgeschlossen, weshalb es zum Freispruch kam. — Der Maurer I. Sch. von Ober-Wöll st adt kam in angetrunkenem Zustande in eine WirtsHaft und fing mit einigen Gästen Streit an, tvobei er mit seinem etoef auf verschiedene einschlug. Er wurde hmausbefördert und erhielt eine gehörige Tracht Prügel, sodaß er sich in ärztliche Behandlung begeb-n mußte. Der Arzt stellte außer Beulen und Hautabschürfungen auch zinci Messerstiche fest. Sch. brachte die Sackte zur Anzeige, was zur Folge hatte, daß außer ihm sich der Maurer A. V. und die Zimmerleute M. V., Fr. M. und Th- F- von Ober-Wölkstadt, vor dem Sckwffeiv-' gerickit Friedberg wegen Körperverletzung zu verantworten hatten. Da die Sache nicht aufzuklären war. endigte die Verbandliing mit Freisprechung ber Angeklagten, außer dem Antragsteller Sch., der zu 25 Mk. Geldstrafe verurteilt wurde. Dessen Strafe fiel um deswillen so gering aus, weil er erhebliche Verletzungen davongetragen hat. Er erhob als Nebenkläger Berufung und d"s Gericht kam ans Grund ber erneuten Beweisaufnahme zur Verurteilung des A. unb M. V. sowie des M. zu je einer Geldstrafe von 5 Mark, währenb das Urteil im übrigen seine Bestätigung fand. Daß die an Sch. festgestellten Messerstiche von den Verurteilten herrühren, konnte des Gericht nicht als erwiesen annehmen, da auch die Berufuugsverhandllma kein klares Bild über den Vorfall lieferte. — In einer Wirtschaft zu Friedberg kam cs zwischen Schülern der C/.i.crbcafcbemie und den Mitgliedern des Artillerievereins zu einem Wortwechsel, da sich ein Schüler gegen die Wirtssrau sowohl, als auch gegen die Militärvereinsmitglieder unanständig benomm-m hatte. Es kam zu einer Rauferei, bei der einige Gewerbeschüler Verletzungen erhielten. Einer der Verletzten stellte gegen, drei Mitglieder des Militärvereins Strafantrag, aber das Schöffengericht konnte die S'-che nicht aufklären unb ließ Freisprechung cintrctcn. Der Antragsteller verselgte als Nebenkläger Berufung und wies durch eine große Anzahl Zeugen nach, daß die Verein sangehörigen F. und L. mit ihren kräftigen Fäusten die Gewerbeschüler wie Fliegen zu Boden schlugen. Es wurde festgestellt, daß von beiden Seiten Tätlichkeiten verübt werden sind, denn F. stand mit zerrissenem Kr-gen und losgerissener Uhrkette da. Das Gericht war mit der ersten Instanz der Ansicht, daß die Studierenden durch ihr Betragen den Streit hervorgemfen haben, doch wurde angenommen, daß die Angeklagten bei ihrer Verteidigung zu weit gegangen sind. F. unb L. wurden zu je 25 Mark Geldstrafe Verurfcift ruh b s bestät'at. Gerrchtssacrl. 0 Marburg, 19. Jan. Die zur Zeit im Zuchthause zu. Ziegenhain befindliche 26 jährige Dienstmagd Marie Bieiung aus Marbos bei Schlüchtern entwendete in einer hiesigen Klinik, in der sie kurze Zeit weilte, einer kranken Frau Uhr und Börse und verschwand dann heimlich nach Kvssel. Die Marburger Str;, ffammer verurteilte die rückfällige Diebin zu IV2 Jahren Zuchthau s________________________________________________________ Nnsvcrsrtäts-NachrLchten. — Prof. Dr. Paul Drude. Direktor des Physikalisches Instituts an der Berliner Universität, ist zum ordentlichen Mitglied der physikalisch-mathematischen Klaffe der preuß. Akademie der Wissenschaften gewählt und bestätigt worden. — Zu ordcntl. Mitgliedern der Kvnigl. Wissensch-Etlichen Deputation für das Me- dizimllvesen wurden die Geh. .Medillnalräte Prof. Dr. Georgt G^sskv, Direktor deS Instituts für Jnfcitfonslstankheiten in Berlin und Dr. F-raenkel berufen. ^3ricfhaften Cer Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt). D. Für die repräsentaiive Rolle, die er zu spielen hat, erhält ber Präsident Frankreichs ein Jahresgebalt von 1 200 000 Fres., also genau 100 000 Fres. im Monat. Als Dienstwohnung hat er ben Crlntevalaft. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witternug itt Hessen für Sonntag, ben 21. Januar 1906: Zeitweise heiter, trocken, nachts leichter Frostz auch am Tage noch etwas kalter. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Te!efcnsscfoa Kursberichte des Giessener Anzeigers. mitg< und Industi Frankfurter Börs 3'Xe/0 Eeichsanleihe . . 100.90 3% do. . . 89.00 3^6/0 Konsols .... 101.00 3% do 89 CO 3%°/0 Hessen 100.00 3^°/n Oberbessen . . . —.— 4 °6 Oesterr. Goldrente. . 100.30 4‘/8 % Oesterr. Silberrente 101.10 4% L’mrar. Goldrente . . 96.70 4% Italien. Rente . . . 106.00 3% Portugiesen Serie I . 68.00 3% Portugiesen III 68 00 i%°'0 russ.Staatsanl. 1905 92.40 4 n japan. Staatsanleihe 95.75 1 % Conv. Türken von 1903 91 40 Türkenlose ... . . 145 20 4 % Griech. Monopol-Anl. . 53.60 4% äussere Argentinier . 90.75 3°/0 Mexikaner . . . 67.10 4 XA °i0 Chinesen . . . 98 35 Aktien: Bochum Guss 245.50 Buderus E. W 135.00 Tendenz: fest. berliner Börse, 2 Canada E. B 177.90 Darmstädter Bank . . . 147.80 Deutsche Bank .... 241.70 Dortmunder Union C. . . 95.60 Dresdner Bank .... — Tendenz: fest teilt von der Bank für Handel ie, Giessen. c. 20. Januar, 1.15 Uhr. Elektriz. Lahmeyer . . . 137.75 Elektriz. Schuckert . . . 129.00 Esch weil er Bergwerk - . 262.50 Gelsenkirchen Bergwerk . 226 50 Hamburg- Amerik. Paketf. 166 90 Harpener Bergwerk. . . 215 90 I.aurahütte 24 .00 Nordd. Lloyd 127.00 Oberschles. Eisen-Industrie 131 70 Berliner Handelsges. . . 173.30 Da? ?nstädter Bank . . . 148.00 Deutsche Bank . . . 241 75 Deutsch-Asiat. Bank . . 183.00 Diskonto-Kommandit. . . 18^.80 Dresdner Bank ... 166.00 Kreditaktien 212.40 Baltimore- und Ohio- Eisenbahn 117.20 Gotthardbahn —.— Lombard. Eisenbahn . . 23 90 Oesterr. Staatsbahn . . . 142.80 Prince-Henri-Eisenbahn . 129.00 v Januar, Anfangskurse Harpener Bergwerk . 216.20 Laurahiitte 247.50 Lombarden E. B . 24.00 Nordd. Lloyd ... . 126.50 Türkenlose 144.00 „Ans der Fntcrrrat. Kochlunstausstellnng in Wien wurde der Hess. Wurst- Fleischwarensabrik von Karl Zahn, Gladenbach, trotz der großen Konkurrenz die goldene Medaille zuerkanut. Gewiß ein sprechender Beweis für die LcistungsfähigLeit der Firma/' 521 Kriginal-Iraylmcionngen. 23 e r 11 n, 20. Jan. Ter „Vorwärts" meldet: Der hiesige Polizeipräsident werde morgen eine Bekanntmachung erlassen, in der er vor^ Ausschreitungen am Sonntag warnt, da er solchen mit allem Nachdrucke, nötigstenfalls mit den äußersten nach dem Gesetz zulässigen Mitteln entgegentreten werde. Berlin, 20. Jan. Ter Ncichstagsa.bg. S-artoriuS hat sich dem Abgeordneten Müllcr-Meiuingcn gegenüber auf Ehrenwort verpflichtet, sein Reickst^gs-Mandat niederzu- legen. — Die für sämtliche am 21. Januar im deutschen Reiche stattfindenden sozialdemokratischen Versammlungen vorgeschlagene Resolution ist eine Verherrlichung der russischen Revolution. W i t t e n b e r g z 20. Jan. Vom Sturm wurde hier ein Postwagen vom Bahnhof-Perron auf das (Älerse geschleudert und von dem heranbrausenden Zuge samt Inhalt vernichtet. H a m b u r g, 20. Jan. Tie Mtonaer P olizeiunter- sagte den Inhabern der Anschlagsäulen die Plakatier- ung der Aufrufe zum Besuch der Temonstrations- Versammlungen am Sonntag. London, 20. Jan. Nach Meldungen ans Newt)ork erregt die Nachricht aus Paris, Frankreich werde sich nicht mit einer Bl 0 kierung La Guayras begnügen, sondern Truppen landen, lebhafte Beunruhigung. Eine solche Maßregel würde große Aufregung in der Union erregen. Wie der „Hcrald" metbet, habe ein Regicrungserlaß bie Ausweisung der Direktoren Jacoux 1:11b Bvurgee von der fr.m'ös. Gesellsehaft in La Guayra anbefohlen. Loiibon, SO ,,Gve:.i: g Standard" wird au$ Brest chten. d:s ä'--m ordentlichen Mit- imuß. Nademie - 3u vrdentl. Nation für das Me- '°te Pros. 2t. ßtoro Krankheiten in Berlin dew - rsKtz ■ 4 s® S hi ffi. MS1* S.Arr einer 4.2} ba.c-4Ä'« ■* ein?n? 'Tp“®'niie :nommrn"’S°cy ederbeschs.,7"^ Es K'LiMZL ^^'l'en.aerich,/^ -Wng AL ^BerÄ un,b toie§ '-r l^Kborigkn ?&Ä OZr ltF*^ ISS aktion. berücksichtigt). c in Spielen hat, erhält ; oon 1200 000 ?ncs., Tienstwohnnng hat er Wetterdienst. len für Lonnlaq, den i, nacht? leichter Frost ietlerfdrte. berichte der Bank für Handel en. nar, 1.15 ühr. Uhmeyer. . 137.75 iehnckert. . . 129.00 173.30 117J0 24\00 127.00 2390 . 142.80 . 129.00 . J48.00 . 24175 , 183.00 . 18W , 166.00 212.40 Bergwerk, le - . • Handels»«. . iter Bank . . Bank . Asiat Bank . -Kommandit . ■ Bank tien - • e- und Ohio- iahn . • • • Ibahn. • • ■ i Eisenbahn . Staatsbahn . . ienri-Eisenbahn Berewerk . . 2ä?äJ ben Bergwerk. 226’nJ Kinetik. Paket!. 16690 21590 >»." Eisen-Industrie 13170 .A^kn» 216Ä r Bergwerk • ’tte - - ’ ' "24.00 den E- B ' ] 96.50 Lloyd. - • J44.0O ose - ' ' ft,aem »ü •»? U»« 1 Art- DerPstf ^.Bekannt' gerbe- tiU3 , au- fin8S !av,r ,Ö‘lu „ sr.icdel«.grellv) ,n7 der Eine schöne 4-ZunmenvohnunA (pari.) per 1. Aprtl zu vermieten. 0651 Schillerstraste 23, IL Ebelstraste 7 [197; Schone 4-Zimmerwohnung 3. St.; mit Mädchenzimmer und allein! Zubehör per sofort oder später zu vermiete».______I. Dapvel. | 3 Zimmer |; 3 . Zimmerwohnung, Küche,! abgeschl. Korridor u. allem Zicke» hör per sofort zu vermieten. 480> Nord-Anlage 11, P. 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Scheck und Knüppel, 106 Nm. Stockholz, 800 Nm. Reiser. Distr. 13b, 15, 16 Krcuzschläge: Eichen: 1 Rm. Scheit, Buchen: 299 Nm. Scheit und Knüppel, 36 Rm. Stockholz, 535 Nm. Neiser. Distr. 26c, Dreispitz, Buchen: 6 Nm. Knüppel, 400 Nm. Reiser.B*7t Bekanntmachung. Das Genoffenschaftskataster der Waffergenoffenschaft ,Jn der Lach' zu Allendorf a. Lahn liegt vom 22. d. Mts. ab 4 Wochen lang in der Wohnung des Unterzeichneten zur 78 m Buchen-Scheitholz 4 w Eichen- „ Versteigerung. Montag, den 22. dS. MtS., nachm. 2 Nhr versteigere ich dahier kDarmst. HauS) Walltorstr. 6 11 Stämme Wcrlho'z, 50 Stck. Mist- bceifenflcr, 1 Kostenwagcn, 2 Pferde, 1 Break, 1 Näbwalckine, 1 Gramo- phon, SO S^az erftöd , ; 0 Dom n- fonnenfchirni-, 2 TQb. Damen-R ?en- schirme, 3 SEarrrfdjrär.fe, 1OO Dostn Konserven, 20 Ft. Cognac, 10 Fl. Südwein, versa' irdene Siteibungifiüde 11. v. a. zwangsweise gegen bar. Die Versteigerung findet voraussichtlich teilweise bestimmt statt. # 522 Gießen, den 20. Januar 1906. Seines. Wer»-s'^nllrieber Arbeitsvergebnnft. Zur Erbauung des medico-mechanischen Instituts bei der medizinischen Krinik in Gießen werden die folgenden Arbeiten des inneren Ausbaues unter Zugrundelegung des Ministerialerlasses vom 16. Juni 1893 hiermit Bao-, Nutz- Md Brennholz-Msteigem der Fürstlich Solms-Brauufelsscheu Oberförsterei Hungen Gutgehende hv19/, WirisAft nnö Metzacrei in einer Stadt Oberhefiens, erstes Geschäft am Platze, an tüchtigen kaulionsiähigen Wirt und Metzger per sofort oder 1. April zu verpachten. Offerten unter A. 924 au Haasenstcin & Vosrler A. ti.. Frankfurt a. M. Pluue für die 481 Hansentwässernng Kostenberechnung, sowie Herstellung sämtlicher Arbeiten übernehmen Birkenstock & Schneider frankfurter Straffe 29. öffentlich attsgeschrieben: I Schreinerarbeiten: 17 Türen rc. Bekanutmachung. Betreffend: Die Stiftungen der Frau Hofgerichtsrat von Krug und ihres Sohnes des Hosgerichtsrats Dr. Karl von Krug. Die diesjährigen Zinsen auS der Krug-Stiftung sollen an 12 Arme der Stadl (Sieben mit je 20 Mk. vergeben werden. Bewerbungen um dieselben sind bis zum 5. Febrnar 1906 lch^stltch oder mintdlich bei dem Anuenamt, Neuenbäue 25, Zrmmer Nr. 2, kMWtr Wohlillllgsllllchwkis Gießeil. Garleustratze 2, Zimmer Nr. 14. (Geschäslsslundeu von 8—1 und von 3—6 Uhr^ ES sind zn vermieten: 1 Wohnung von 7 Zmtmern, 2 Wohnungen von 6 Zimmern, Wohnungen von 5 Zimmern, 3 Wobittmgcn voit 4 Ztmtuertt, Wohnuttgen von 3 Ziuttitern, 1 Wohnuttg von 2 Zimmern, unmöbliertes und 1 möbliertes Zimmer, 1 kleinere Werksialt, Laden mit Wohnung. Zu mieten gesucht: Sonntag, den 2!. Januar 1306 Philosophenwald Grosses Konzert ansffeführt von der Kapelle des Inf.-Reg. Kaiser Wilhelm (2. Grossh. Hess.) Nr. 116 unter Leitung- des c r Grossh. Musikdirektors Herrn C. Rransse. Anfang 4 Uhr, Eintritt 40 Pfg. III. Teil: Humor-Musik. Sichere Existenz. Gutgel). Bäckerei billigst bei 6 bis 8000 Mk. Anzahl, zu verkaufen. Schrift!. 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Petersburg, 20. Jan. In Lodz sind jetzt über 400 Revolutionäre verhaftet. Dort wurde ein B o m b en la ge r entdeckt, wobei infolge einer Explosion z w e i Personen buchstäblich zerrissen wurden. Täglich treffen srtsche Truppen ein.—Nach emer Meldung ans Minsk stürnrten bewaffnete Revolutionäre das Gefängnis für pol titsche Bev- brecher, töteten den Direktor und 12 Auffeher und befreiten alle Gefangenen. telegraphiert, daß vier Pollzisien nach der Insel Ushant gegangen sind, um nach einem angeblichen deutschen Grafen N e u- t o n und seinem Chauffeur H u s s o n zu foischen, tne der Spionage bezichtigt werden. Beide seien nicht aus dem Dampfer Luise nach Ushant hinübergefahren, dem üblichen Ber- rehrsmittel für die Insel. „ Gens, 19. Jan. Ter heute nachmittag 3 Uhr 50 Mm. Von Ostende ab gegangene, nach Herbesthal bestimmte Zug e n t g l e i st e in der Nähe von Gent. Der Postwagen geriet in Brand und wurde mit seinem ganzen Inhalte, der In unser Handelsregister Abt. A wurde heute eingetragen : Nr. 22 Firma Ludwig Weber, Lich. In- )aber Apotheker Ludwig Weber, Lich. Angegebener Ge- chäftszweig: Apothekcnbetrieb. Lich, oen 19. Januar 1906. Groscherzogliches Amtsgericht. __I. Henning» auS dem Harz. 0421) MaSkenanzüge billig zu verkan'en. siatbarinenaasie 10. Für Lchlosser! Eine im besten Betriebe stehende Bmtschlofferei und siaffenschrank- fabnf wegeitAnlritt einesErbteiles preiswert zu verkattfen. Preis Mk. 16 500 ind. sämtl. Werkzeug und Maschinen. Nettes Anweseit. Nebenmiete Alk. 220. Anzahlung nach Uebereinfunft. Ort Lmtd- ftäbichen, feine Kottkurrenz. Näh. Feldbahn 2000 m lang aus 65 mm hohen Schienen, teils nuf Holzschivellen, teils auf Stahlschwellen mit Ktpv- wagen, auch aetetlt bitt, abzugeb. Tie Anlage ist vorzüglich erhalten. Schriftl. Meld, unter Nr. 496 an den Gieß. Anz. erbeten. Bm Sonntag mit einer großen Auswahl Harzer Klintmenchtl prachtvolle Sänger, im Pfalzer Hof (Nahnefeld, Schanzenstraße), antvesend. 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Kindern kann der Zutritt nur in Begleitung von erwachsenen Angeuörigen gestattet werden. Texte a 20 Pfg. an den Kirchtüren zu haben. Zur Deckung der Kosten werden freiwillige Gaben in die Büchsen erbeten. v20/. Wnntyci Ärnfa,"o4S Eoerftratze 2. GxplührlMkr Lyra^üiirr. Sonntag, den 21. ds. Mts.: Ausammenuunft nachmittags 3 Uhr, Wiegand, Neuenweg (Saal). iiriüijöiiia) — Äichstz. llnierrichi in Gramm., Konvcrs., Kcrreip. erteilt nach schnell förd. Alelh. u. günst. Beding, eine erfahr. Lehrerin, bie lauge im Ausland war Schrifiliche Anfragen unter 0445 an den Gießener Anzeiger erbeten. Beamter emes Induslriewerkes der Umgebg. bitte: ireunbllchsl um ein Darlehen von tiOO Mark gegen Hinlerlegung einer Lebens-- versicheriingspollce, bei 5 °/^ Ber° zinsuug und püuttlicher vicriel- fährl. Nalenrückzahluug v. 50 Dik. SchrisUiche Allfleboie unter 457 an den Gießener Anzeiger erbeten. Adagio f. Viola und Orgel bartmuss. 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