Nr. 293 Erscheint ILgltch mli Ausnahme deS Sonntag«. Tie „Siebener ZamMenbiStter" werden dem .Anzeiger viermal wöchentlich betgelegl. Der „hesflsche Landwirt" erichemi monatlich einmal. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'icherr UntversilätSdruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion,Expedition u.Truckeret: Schulkir.?. Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr. r Anzeiger Gießen. Zweites Blatt 156. Jahrgang Donnerstag 13. Dezember 1906 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger, Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen. Deutscher Reichstag buftrier unb namentlich die Bergarbeiter beziehen, ist es Dielet. Hunderten van Arbeiieriamilieii ganz unmöglich, Fleischnahrung zu sich zu nehmen, zumal die Preise für SUcibung usw. enorm hoch "mb. Ziegen und schlechte halber werden geschlachtet, wahrend der LchiDeinefleischkonsurn gewaltig zurückgegangen ist. Es ist dringend notwendig, daß für Oberschlesien die Einfuhr russischer Schweine gestattet wird, selbstverständlich unter Berücksichtigung der notwendigen veterinärpolizeilichen Kontrolle. Abg. ®amo cJlciMvartci) führt gegenüber dem Vorredner ans: Eine Erhöhung des Kontingentes ist unnötig, da die jetzige Einsuhrmöglichkett bei weitem nicht ausgenutzt wird. Eine unbegrenzte Einfuhr ist gar nicht beutbar, weil sonst der Regierung jegliche Kontrolle iehlte. Tie erwähnte Polizeibestimmung tonne nicht entbehrt werden. Kein Stand ist in seinen Einnahmen in den letzten Jahren so gestiegeii, wie der Ardcuerstcmd. Tie jetzigen Fleischpreije smd nicht unerschwinglich für die Arbeiter, die uiel- iach em größeres Einkommen haben, als das Aniangsgehalt sür die Amtsrichter beträgt. (Lachen bei den Soz.) Redner bedauert, daß die Herren es so eilig mit der Interpellation hatten, sie hätten in ihrem Interesse gehandelt, löcim sie diese Debatte zwei bis brei 9)lonate hinausgeschoben hätten, nm zu sehen, ob es sich um einen bauernden ober um einen nur vorübergehenden Preisrückgang handelt. Redner gibt eme Zuiammenstellung über den Schweineauitrieb und dte Preise der letzten vier Jahre und knüpft daran die Hosfnung, daß wir in verhältnismäßig kurzer Zeit die vorhandene Minderpro- duktion ansgleichen merben. Seinen Bedarf an Schwemen wird Teutjchlanb noch Tezenmen lang produzieren. Tcvür liegen die Verhältnisse besonders günstig. Die Frage der Seuchenbekänwsung ist allerdings noch nicht im wesentlichen erledigt, wie der Vanb- wirtschastsminister meinte, ba em Seriim sich nur bei Rotlauf bewährt habe, aber nicht bei der Schweineseuche. Gegen die Fleischbeschau haben wir jetzt sehr erhebliche Bedenken Die freifch- bejchauer sind nicht zuverläjsig ausgebildet und nur im Siebenamte tätig. Kolossale Verluste entstehen durch die rigorosen Beslimm- uiigen des Fleischbejchaugesetzes. Ten Zwischenhaiidel halten wir innerhalb gewisser Grenzen für durchaus notwendig und berechtigt. Wir venvahren uns aber entschieden dagegen, daß ivir Schlächter unb Haiidiverker dttrch ben Zivtscheuhandel schädigen wollen. Gerade dte kleinen Grundbesitzer werden durch kerne Altttel so geschädigt, ivie dttrch eme weseitiltche Verbilligung der auLländifchen Fiitter- mittel. Tie Deffnung der Grenzen wäre eme unverantiDoriliche Leicht'ertigkeit. Erivägenswert wäre, ob nicht an den Grenzen Schlachthäuser zn errichten seien. Seine Partei meine, bau eme übermäßige Steigerung der Fleischpreise durchaus nicht erwünscht sei. Tie deutschen Arbeiter unb Bauern decken 75 Prozent des deutschen Bebans; sie haben em Recht barau«, baß auch bcr Reichstag endlich einmal ihnen seine Anerkennung ausspricht. (Lebhafter Beifall rechts.) .... n . Abg. Goth ein (Es. 93g.) fuhrt aus: Ueber den neuen Land- wirtichastsminister war ich gerade nicht sehr enttäuscht. ES war ein anderer Faden, aber dieselbe Stummer. (Heiterkeit.) Die Grenzsperre gegen Holland unb bie Schweiz ist überhaupt cm sonderbares Unternehmen. Ter Minister scheint nicht zu wissen, daß im großen Maßstabs holländisches Vieh nach Oesterreich Deutschland passiert, ohne daß eine Seuche eingeschleppt werde. Selbst der Bund der Landwirte vertrat den Standpunlt, daß die Sperre auf- Deutsche» Reich. Bückeburg, 12. Dez. Ter Kaiser fuhr heute morgen mit dem Fürsten Georg, dem Erbprinzen Adolf und dem Prinzen Wolrad im Automobil nach dem Schaumburger Wald zur Jagd auf Hochwild. Auf der Fahrt waren in allen Ortschaften die Schulen und die Krlegervereine auf- gestellt; Frauen und Mädchen waren in Nationaltracht erschienen. Kurz vor 4 Uhr trafen der Kaiser und Fürst Georg ivieder m Bückeburg ein. Berlin, 12. Dez. Im Reichstage wird erzählt, daß Graf 23aHeitrem em Telegramm vom Katjer er- Sitzung Dom 12. Dezember 1906. Am Bundesralstiiche:, der Staatssekretär Frhr. v. Stengel, i btuie Landwirtschaftsminister D. Arnim-Criewen. Fortsetzung der Besprechung der Jnterpellatwn betreffend ’ Maßnahmen zur Abhilfe der herrschenden Fleischteuernug und der Teuerung der nowenbiguen Lebensmittel. Abg. Dr. Paasche (Nationall.) erklärt namens feiner Parteifreunde: an den vorjährigen, zu der freischmot ausge- sprochciien Grundanschauungen festzuhalten. Im Interesse der Vieh züchtenden Landwirte sei cs notwendig, stabile Verhältnisse zu erhalten, vor allein die Viehbestände der Landwirte gegen Seuchen aller Art zu schützen. Veterinärpolizeiliä-e Maßregeln inb gerade im Interesse der kleinen Viehzüchter notwendig. Trotzdem leugnen wir selbstverständlich nicht, baß vielsach durch bie Fleischteuerung Mißstände entstanden sind, weiche bcr Abhilfe bebünen. Wir neben zu, baß die hohen Fieischpreife eine schwere Kalamität herbetgejührt haben und daß in gewissen Bevölke- rungstreifen eine Beunruhigung hineingetragen worden ist, bie nicht dazu beigetragen hat, bie Innerpolitischen Verhältnisse günstiger zu geiia.teiL Deshalb können wir nicht umhin, den Regierungen ben Vorwurf zu machen, baß sie bisse ganze Be- lucgung eine Zeitlang scheinbar ignorierten. Ich glaube, toir haben das Recht, den Regierungen den Vvr.ours zu machen, daß sie diese ganze Bewegung lausen ließen, ohne nur ein einziges- mal eine Beruhigung in die Bevölkerung hineinzutragen. Ebensogut wie die Regierungen jetzt Maßnahmen zur Abhilfe durch Herabsetzung der Transporttv,rcn, bcr Schautosten usw. treuen können, so hätte dies schon früher geschehen Eömien. Wenn letzt die Stegierung * auseinanders etzt, daß eine Oesfnuug der Greinen wahrscheinlich kaum etivas Helsen wird, so hätte man dies fayon vor SJconatcn sagen können, wodurch ein großer Teil der Un- zusricdenheit unterdrückt weiden konnte. Ich will nicht leugnen, daß bcr Agitation vielsach Uebertreibungen schlimmster Art unterlaufen sind. Wir erkennen auch an, oaß tatsächlich von einer Unterernährung des Volkes nicht die Rcbe sein hnn (Widersprach). Es ist bereits festgestellt, daß eine Fleifchiwt ober Fleischteuerung namentlich für Schweinefleisch, ihre Ursache in bcr wirtschaftlichen Entwicklung hat, die vorübergehend ist. Daß unsere Schweinezucht einen gewaltigen Aufsaswung genommen htt, Cann nicht geleugnet werden. Die Viehpreise sind enorm gesunken, da heute bereits eine Ueberproduktion an Jungvieh statt,indet. Ich bin überzeugt, daß, wenn bie Preise jetzt quo> sinken, sie doch nicht dauernd auf dem Standpuntt blriycn können, den sie m früher en Zeiten gelzabt haben. Die Preise werden wahrscheinlich dauernd l-öher bleiben, well alle Löhne gestiegen sind, nicht bloß in bcr Landwirtschaft, sondern auch in der Jndusttie. Es ist uniere erste Pflicht, dafür zu sorgen, daß die deutsche Landwirtschast und Viehzucht nicht wieder von allen möglichen Gefahren bedroht wird, wie ihr durch den Import von lebendem Vieh gebracht werden können. Wir wollen die Landwirtschaft schützen, um dem Konsumenten zu nützen. Ich bedauere nochmals, daß bie Regierung nicht fdjon vor Monaten beruhigende Erklärungen abgegeben hat, und hosfe, daß die von ihr in Vorschlag gebrachten Maßregeln wesentlich dazu beitragen werden, datz die preissteigernde Wirkung der Zwischenhändler und der Schlachthäuser beschränkt bleibt. Das kann geschehen, ohne daß der Landwirt gezwungen wird, auf seinen gerechten Lohn zu verzichten. Wir verlangen, daß die Regierung alle Mittel ergreife, die eine Besserung ermöglichen. Ich spreche nicht im Interesse der Großgrundbesitzer, sondern für die kleinen und mittleren Viehzüchter, die ein legitimes Interesse an stabilen Preisen und an der Möglichkeit der Fortsetzung ihrer Viehzucht haben. (Beifall.) Abg. Graf Schwerin-Löwitz (Kons.) erklärt, die Flehch- preise sind in letzter Zeit derartig gesunken, daß nicht einmal mehr von einer frei)Steuerung gesprochen werden kann. Trotzdem bearbeitete die Soziachemokralle die Bevölkerung mit Flugblättern, die an Hetzereien das menschenmögliche leisten. Es heißt in einem solchen frugblaUc, bie Teuerung sei künstlich geschaffen, um den Großgrundbesitzern die Taschen zu füllen (Sehr richtig bei den Sozialdemokraten). Daß diese Flugblätter lediglich zu Agitatwnözwecken bienen sollen, geht aus ber Aufforderung an die Arbeiter hervor, sich den Aröeiterorganisationen anzuschließen und den „Vorwärts' zu lesen. (Schallendes Gelächter rechts. Sehr richtig! bei den Soz.). Es ist eme furchtbare Uebertreibung, von der Gefahr einer Unterernährung des Volkes zu sprechen. Die Produktion hat seit den letzten 30 Jahren sehr erheblich zugenommen. Es werden heute 95 Proz. des Fleisches im Inlands produziert. Dabei ist zu berücksichtigen/ daß die Produktionskosten unb die Löhne vcrhüttmsmäßig gestiegen Jinb. Eine Erleichterung der Viehemjuhr muß auch int Interesse der Konsumenten zuruckgewicsen werden. Rach der übereinstimmenden Ansicht aller Veterinärkongrefse ist eine systematische Seuchen- bekämpiung nur durch eine vollständige Sperrung der Grenzen möglich. Eine Voraussetzung zur Lesserung ber Verhältnisse ift, daß die Stadwcrwa.llmgcn Die Hand dazu bieten durch Ad- ic^mung aller Schlacht steuern und durch eine eiheblla-e Ermäßigung aller Schlaasthv.gebühren. Ich schräge deshaw vor: 1. bie Einiührnng der Marktnollerungen nicht nur nach dem Schlachtgewicht, sondern auch nach dem Lebendgewicht und nach den Detailpreisen; 2. wirksame Herabsetzung der Eisenbahntar.,e sowohl sür Waggonladungen, wie für Stückgut; 3. allgemeine staallich organiiicrte oder »lautlich unterstützte Schlachtviehocruche- rung; 4. öerabsetzung bcr Gebühren für die Fleischbefchauung. Ferner (ub höhere Drittel sür eine systemallichc Scuchenstrschung unb Seuchenrstgung in den Etat einzustcllen. Siebner warnt schließlich davor, unsere Fleischoersorgung nach dem engllfchen Muster einzurichten. t . Abg. Koriauty (Pole) führt aus: Seme Partei oertrelc großenieils tanb»virijchafltlche Bcvölkernugstreiie. Bei uns ist an der Schweinezucht nicht nur der große und mittlere Bauer, jondern auch der Ardener und jogar der Fudusiricaibeiler uucxej|icit. Sln- gesichis der Siotlage, in der sich bieie Voilsjchlchlen befinden, Halle uns bie Regierung energischere Sstaßregeln versprechen sollen. Bel den gegenroartig niedrigen Löhnen, die tn Lberschlesien die Jn- gehoben werden müsse, well die Seuchengeiahr im Auslande nicht allzu groß sei. Redner belegt dies nut Beispielen. Durch die Grenzsperre gegcir Holland leide auch die Milchversorgung und die Landwirtschaft in erster Lulle. Tie Tuberkulinprobe i|t eine direkt unsinnige Sache. Tie Handhabung des Viehjeuchengejetzes und des Fleischbeschaugesetzes wimmelt von Inkonsequenzen. Die SJiatil- und Klauenseuche wird auch durch Menschen verbreitet und Slie- manben fällt es ein, die Grenzen für jeglichen Verkehr von Menschen und Waren zu sperren. SDlit der Prophezeiung, daß innerhalb sechs Wochen die Fleifchnot beendet sein solle, hat Minister o. Pod bielski, wie er selber zugegeben hat, ein corriger la v6rii6 Dovgenommeii. (Heiterkeit.) Tie statistischen Zahlen des Landwirtschastsmiiusters sind einfach Unsinn. Wenn es eine feile Dirne gibt, so ist es diese Statistik. Die Berechnung, nach welcher der Fleischkonsum im letzten Jahre pro Kopf 48 Kilogramm, im Jahre 1900 dagegen nur 40 Kilogramm betragen habe, ist unmöglich richtig. Ich habe ichon früher auSeinandergesetzt, daß das Kontingent nicht ausgenutzt werden kann, weil wir durch jahrelange Sperrung die Schweinezucht im Auslande so heruntergebracht haben, baß keine Schweine mehr an uns abgegeben werden können. Bei dieser Wirtfchait könne man nicht erwarten, daß dle Schiveine- zucht im Auslande sich hebt. Dies treffe vor allem für Oesterreich zu. Wir haben allerdings eine Gewichtszunahme durch Verbesserung der Zucht gehabt, die aber nur bis Anfang oder Rillte der 9U er Fahre anhielt. Seitdem wir das ausländische Vieh nicht mehr ein- Ueßen, verschlechterte sich die Zucht und verminderte sich das Gewicht. Wenn die Zahl und das Gewicht der geschlachteten Lchweme zurückgingeii und die Beoölkerungszisfer sich vermehrt Hal, so müssen wir logischer Weise einen ganz enormen Rückgang des Fleischoer- braiiches pro Kopf der Bevölkerung gehabt haben. Eine Unter- ernähnmg des Volkes wird bestritten. In Breslau ist wissenschaftlich festgestellt worden, daß 1906 nur oie bestenllohntei» Arbeiter sich so ernähren konnten, wie bie Wissenschaft es für eriorderlich erachtet. Die Steigerung der Lohne nahm nicht m dem Maßstabe zu, wie die Erhöhung der Lebensmitlelpreise. (Die weiteren Aus- fühtungen des Redners werden durch vielfache Schlußruse der Rechten unterbrochen.) , Staatssekretär Graf Posadowsky: Gegenüber dem trüben Bilde, das der Vorredner entworien hat, stelle ich fest, daß die wirlfchaitliche Prosperität des deutschen Volkes nienwls größer war als heulzulage. Diese Prosperität ist so groß, daß das Aiislaud mit Neid aus uns sieht, tueiter bemerke ich, daß ich im Dezember 1902 den Beschluß wegen Erhöhung der kommnunalen Schlachlsteuer nur bekämpft habe aus staatsrechtlichen Gründen. Materiell habe ich damals über diese Frage gar nichts gejagt. Ter Vorredner nannte die Statistik eme feile Dirne. Relativ ist die etatiftif ja immer. Was soll man im Auslande denken, wenn das reichs- statistische Amt eme feile Dirne genannt wird, bie nach politischen Rücksichten arbeitet. Ter Staatssekretär geht bann noch auf bie Pflicht des Seuchenfchutzes gegen das Ausland em. Präsident Gral B a 11 e st r e m bemerkt, der Abg. Gothein habe nicht von Angrchen auf das statistische Amt geredet sondern gegen die Statistik. , Hierauf erfolgt Vertagung. Morgen: Zweite Lesung des Nachtragsetats für Südwestasrika, event. Fortsetzung der heutigen Besprechung. Berlin, 12. Dez. Dem Sicichstage ging ein Abander- ungd-Antrag von Ablaß und Genossen zur zweiten Lesung deS Nachtragsetats für die Schutzgebiete zu, lautend: Der Reichstag wolle beschließen, dem Tispositiv des Kapitels zwei, Titel eins, der Ausgabe hinziizufügen: Mit der Maßgabe, daß die Heimsendung von weiteren 4 000 Mann im Laufe des Rechniingsjahres erfolgen soll und daß bis zum Ablauf deS Rechnungsjahres Borbereitiingen zur erheblichen weiteren Verminderung der Gesamtstärke der Schutztruppe, entsprechend der fortschreitenden Beruhigung des Schutzgebiets, getroffen werden sollen. — Dem stellvertretenden Kolontaldirektor Dernburg gehen aus Anlaß seines Auftretens gegen den Zentcumsabg. Roer en fortgesetzt aus allen Teilen Deutschlands D a n kt e l e g r a m in e und Anerkennungsschreiben zu. Wie die „Post* hört, oll die Zahl derartiger Kundgebungen von Vereinen und von privater Seite die Zahl 1000 fast erreicht haben. Ile Nudgelkommijfion üöer Südwestasrika. Berlin^ 12. Dezember. ] Die Budg etkommisfion des Sieichstages beriet den ' zweiten Nachtragsetat für die Schutzgebiete, der 8 900000 ©if. für den Weiterbau der Eisenbahn Lüderitzbucht— < Keetmanshoop fordert. Anwesend in der Kommisiton ! sind Professor Hahn und der Farmer Schlettwein. Ersterer bespricht den wirtschaftlichen Wert Süd-Westafrikas, wobei er 1 Vergleiche mit anderen afrikanischen Ländern zieht. Tie < mittlere Gegend: Süd-Westafrika, das Damaraland, sei zu ' vergleichen mit dem Osten der Kapkolonie, der südliche Teil mit der Karru (im Süden unserer Kolonie). Redner legt die geschichtliche Entwickelung der südafrikanischen Kolonien, sowie die Bedeutung der Kolonie für die Viehzucht, des Ramalandes für die Schaf- und Straußenzucht und für den Bergbau (Kupfer, Blaugrund, Kohle und Gold) dar. Kolonialdirektor Dernburg macht SOlittcihmg von Diamanten in der Kolonie. In den letzten Tagen sei im Eaprivizipfel Blau gründ gefunden worden» Er habe an- geordnet, das Gebiet sofort zu sperren. Der Farmer Schlettwein schildert die Farmer- und Weidcverhältnisie. Ein Farmer, der 68 000 Mk. anlege, werde mit folgender Bilanz zu rechnen haben: Erstes Jahr Verlust 4670 Mk., zweites Jahr 4050 Mk., drittes Jahr Gewinn 440 Mk. und 1030 Mk. Jnventurgewinn, viertes Jahr Verlust 450 Mk., aber 14 210 Mk. Jnventurgewinn und bis zum achten Jahr mit einem Gewinn von 4490 Mk. plus 57 000 Mk. Roch rentabler sei der Kleinbetrieb, am günstigsten für die Farmer sei bcr gemischte Betrieb. Bei der Wollschaf zücht stelle sich bet Gewinn bei einer Kapitalanlage von Mk. 50 000 nach ben ersten fünf Jahren auf 5 361 Alk., plus 50 524 Alk. Inventur- geroinn. Er habe vor fünf Jahren mit 35 000 Mk. Kapital seinen Farmerbetrieb begonnen, jetzt belaufe sich sein Vermögen auf 144000 Mark. Kotonialbircktor Dernburg gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß Süd-Westafrika mit Sicherheit einer günstigen Entwickelung entgegensehen werde, wenngleich die Entwickelung naturgemäß nur langsam vor sich gehen kann. Er befürwortet den Bau der Eisenbahn und teilt mit, daß die Firma Lenz u. Eo. sich bereit erklärte, den Betrieb der Bahn für zehn Jahre zu übernehmen gegen einen maximalen Zuschuß von 550000 Mk. jährlich. Die BetnebSüberfchüsie, die über ben Fehlbetrag erzielt werben, sollen bis zu 200 000 Rtk. zwischen bem Fiskus unb der Firma Lenz u. Eo. geteilt werden, was darüber hinaus sei, werde dem Fiskus zujallen. Der FiSkuS könne den Betrieb der Bahn schon vor Ablauf der 10 Jahre unter näher fest- gelegten Bedingungen zurückübernehmen. Spahn (Ztr.) erklärt, bie heutige Sitzung habe dahin klärend gewirkt, daß tatsächlich ein hoher wirtschaftlicher Wert der Kolonien konstatiert worben sei. Bisher habe jebe zuverlässige Darlegung über ihre wirtschaftliche Bebeutung gefehlt. Die viva vox habe njieberum einmal ihren Wert bewiesen, hinzukomme baS Anerbieten ber Firma Lenz unb vor allem bie bebeutenbe Verbilligung unb bie Beschleunigung bet Dislozierung ber auf bie Dauer nötigen Schutztruppen. Nebncr weist barauf hin, baß in Transvaal der Staat von der Premiermine eine Abgabe von 45 Millionen Mark jährlich erhalte, deshalb habe er den Eaprivizipfel sperren lassen, um bie Ausbeutung dem Gouvernement vorzribehalten, damit ber Gewinn bem Schutzgebiet nicht verloren gehe. Die Ablehnung bes Nachtragsetats wird danach wohl nur eine .vorübergehende Erscheinung' gewesen fein. Das Zentrum hat bereits gelindere Saiten aufgezogen. Gerade zur rechten Zeit konnte Dernburg die angenehme Perspektive auf Diamantenfunde im Schutzgebiet eröffnen. Ganz neuen Datums ist übrigens die sozusagen amtliche Entdeckung von Edelgestein in Südwestafrika nicht. Vor riner Reihe von Monaten schon wurde im .Neichsanz." eine feierliche Bekanntmachung publiziert, worin die Negieriing alle Rechte auf die Verwertung derartiger Junbe sich vor- behielt. Etwas Zukunftsmusik ist ja wohl bie Einfuhr von Gold unb Diamanten aus Sübwestafnka, aber sie klingt immerhin angenehm unb sie wirkte anfcheinenb auf bie Neichs- tagSkommifsion mit bem Reiz bcr Neuheit. • WaS bie Forderungen für die Fortsetzung des FelbzugS in dem Schutzgebiet betrifft, so wetteifern Blätter, die sich sonst nicht gut vertragen, wie die ^Nationalztg.^, das Berl. 2gbl.* und die ,Tägl. Nundsch.", darin, die Negierung zum Festhalten an ber unverkürzten Vorlage unb zum energischen Widerstanb gegen bas Zentrum zu ermuntern. Das ,Berl. Tgbl.* beutet babei an, Dernburg werde gehen, falls etwa die Negierung sich über ben Kopf bcs Kolonialbirektors hinweg mit dem Zentrum verständige. Für so empsinblich möchten wir Dernburg nicht halten. Es ist unwahrscheinlich, wenn jetzt behauptet wird, daß die Sie gier ung Konferenzen mit ben Führern ber Regierungsparteien zur Herbeiführung einer Verstänbigung ab- gelehnt habe. Das wäre das erste Mal, daß Fürst Bülow den Standpunkt der Unnahbarkeit einnähmel Tie Elitschei- dung drängt im höchsten Grade, und darum begannen jeden- falls, wie uns gestern schon gemeldet wurde, unmittelbar nach' ber Ablehnung bcs Nachtragsetats, bie Besprechiingen, wie au5 ber Sackgasse herauszukommen sei". Vertreter der Regierung haben daran teilgenommen. Im Reichstag ver- lautete von einer Einigung der Mehrheitsparteien dahin, vorläufig eine gewisse, ausreichende Summe ,ur Fortführung des Feldzugs zu bewilligen und die Frage der Truppenzahl noch m ber Schwebe zu lassen. , halten habe, das sich aus die südwestafrikan. Angelegenheit beziehe. — Die vom Deutschen Handelstage nach Berlin einberufene internationale Getreidekonferenz beschäftigte sich heute mit den in Betracht kommenden Gctreide- kontraktfragen Amerika gegenüber. Man beschloß, die von dem Verein der Berliner Getreide- und Produktenhändler ausgearbeiteten Entwürfe für einen Maiskontrakt und einen Kontrakt für anderes Getreide durchzuberaten und dann in einer gemeinsamen Konferenz mit den englischen Interessenten endgültige Beschlüsse zu fassen. — Der Erklärung der landeskirchlichen evangelischen Vereinigung in der Angelegenheit des Falles Cesar ist auch der rheinische Provinzialoerein beigetreten, so daß nunrnchr die gesamte evangelische Vereinigung in der preußischen Landeskirche, soweit sie provinziell organisiert ist, auf Grund der Halleschen Kundgebung als einheitliche synodale Gruppe zusammengefaßt ist. — Die Neichsregierung kündigt abermals neue Steuern an. Ter un Reichslage eingebrachte Reichs- haushaltSetat betont, daß für 1907 die 2)!atrikular- beiträge die zu ihrer Deckung dienenden Ueberweisungen um den erheblichen Betrag von 5 7 049 841 Mk. übersteigen werden. Tie verbüiideten Regierungen müßten deshalb, so heißt es un Etatentwurf, sich eine entsprechende Entlastung durch nachträgliche Ergünzitng der jüngst verabschiedeten Steuergesetze Vorbehalten. Dresden, 13. Dez. Zur Frage der Schiffahrtsabgaben verlautet, daß die sächsische Regierung auf dem Standpunkt steht, daß Artikel 54 der Reichs v erfaj su ng die Erhebung von Schiffahrtsabgaben ouf natürlichen Wasserstraßen von der Art, wie sie das preiißische Kanalgesetz vorsieht, verbietet. Diese Ueberzeugung teilen aiich Württemberg, Baden, und soweit sich bisher feststellen ließ, auch Hessen, und diese Staaten zusamnlen verfügen über gerade 14 Stimmen im Bundesrat, die nötig sind, um eine Aender- ung der Verfassung unmöglich zu niachen, mithin die Einführung der Schiffahrtsabgaben zu verhindern. Bremen, 12. Dez. Die Bürgerschaft lehnte in namentlicher Abstimmung mit 75 gegen 42 Stimmen die Vorlage betreffend die Wertzuivachssteuer ab. Ter Senat hatte sich im Prinzip dafür ertlärt. Dessau, 12. Dez. Die Landesbehörden sind im Auftrage des Herzogs angewiesen worden, angesichts der gegenwärtigen Teuerung bei Besuchen des Herzogs innerhalb des Landesgebietes keinerlei Aufwendungen aus öffentlichen bezw. Ko m munalmitteln mehr zuzulaffen. 3liis S.aor uno tano« Sprechstunden der b.eoait^.. ;; — 1 Upc bör..i., ^7—i/2S Uhr abds. Gießen, den 13. Dezember 1906. ** Weihnachtssendungen. Die Reichs - Postverwaltung richtet auch in diesem Jahr an das Publikum das Ersuchen, mit den Weihnachtssendungen bald zu beginnen, damit die Paketmassen sich nicht in den letzten Tagen vor dem Feste zu sehr zusammendrängen, wodurch die Pünktlichkeit in der Besörderung leidet. Bei dem außerordentlichen Anschwellen des Verkehrs ist es nicht tunlich, auf weitere Entfernungen eine Gewähr für rechtzeitige Zustellung vor dem Weihnachtsfeste zu übernehnien, wenn die Pakete erst am 22. Dezember oder noch später eingeliefert werden. Die Pakete sind dauerhaft zu verpacken. Tie Aufschrift der Pakete muß deutlich und haltbar hergestellt sein. Bei Fleischsendungen und solchen Gegenständen in Leinwand- verpakung, die Feuchtigkeit, Fett, Blut rc. absetzen, darf die Aufschrift nicht auf die Umhüllung geklebt werden. Der Name des Bestimmungsorts muß recht groß und kräftig gedruckt oder geschrieben sein. Die Paketaufschrift muß sämtliche Angaben der Begleitadresse enthalten, zutreffendenfalls also den Frankovermerk rc. Die Vereinigung mehrerer Pakete zu einer Begleitadreffe ist vom 10. bis 25. Dezember im inneren deutschen Verkehr nicht gestattet. "Der Gesangverein „Enthusiasmus-, der sich zur Ausgabe gemacht hak, armen bedürftigen Kindern ohne Unterschied der Konfession am Weihnachtsfeste eine Freude zu bereiten ist mit dieiem idealen Gedanken neu belebt ivorden und die Vorstandsmitglieder regen sich emsig, um das Fest, wie in früheren Jahren, wieder in die Wege zu leiten. Es wurden früher jedes Jahr bis zu 68 Kinder beschenkt und zwar mit neue« Klei- dungspücken. Tie Anzahl der zu beschenkenden Kindern wird durch die Höhe des verfügbaren Kapitals bestimmt. Der diesjährige Bescheer-Abend wird m den Räumen des Hotels Victoria- Gießen slatlftnden und alle Freunde dieser edlen Sache sind zu diesem Abend, der durch Absingen von Weihnachts-Chorälen durch den befamiteu jugendlichen Sängerchor und durch musikalische Vorträge erster Künstler, Festrede rc. unter m Kerzenpracht strahlendem Chrisibaum, zu einer erhabenen und ergreifenden Feier sich gestalten wird, hierdurch herzlich eingeladen. Die Kinder sinh durch ihre Ellern bezro. Vormünder bis zum 16. d. Al. Bahnhofstr. 59 anzumelden mit der Angabe des gewünschten Geschenks. Zeit, Suinde und Tag der Feier ist nächster Tage int Inseratenteil des Gießener Anzeigers zu ersehen. 4* 22reseck, 12. Dez. Die Einweihung unseres neuen Schulhauses fand gestern durch Negierungsrat Welcker, Schulrat Kleinschmidt uub Baurat Diehm-Gießen statt. Die Schulklassen, der Octsvorstand und die Lehrer nahmen an der Feier teil. Das schöne Gebäude umfaßt drei Klaffenjäle. Z Daubringen, 12. Dez. Gestern abend fand hier ein Familienabend der Gemeinde statt, der sehr- zahlreich besucht war. Ausgefüllt wurde der Abend besonders dusch einen Lichtbilderoortrag über das heilige Land nach Originalaufnahmen, vorgeführt und erläutert durch Pfarrer Schwabe-Gießen. Der Vortragende verstand die herrlichen Bilder auf das interessanteste zu erklären. Der Vortrag war eingerahmt von passenden dreistimmigen Gesängen und Deklamationen der ersten Schulklaffe unter der Leitung des Lehrers Jüngel. Im Schlußwort dankte Pfarrer Guß- mann dem Redner und sprach den Wunsch aus, der auch von der Gemeinde geteilt wird, daß die Kleinkinderschule, der der Reinertrag de§ Abends überwiesen wurde, recht bald könnte eröffnet werden. X Hungen, 1L Dez. Ein großes Eisenstein- Bergwerk ist m unserer Gemarkung un Entstehen begriffen. Die Gewerkschaft Elisenburg, früher bei Grünberg und Stangenrod, Hat hier mit umfangreichen Bauten begonnen, die ihrer baldigen Vollendung entgegengehen. Auch eine Erzwäsche soll nächstes Jahr angelegt und durch eine Drahtseilbahn mit der Bahnstrecke Hungen—Friedberg verbunden werden. — Eine andere Gesellschaft schürft zurzeit im Feldheim er Wald und hat recht günstige Resultate erzielt, so daß auch dort ein Bergwerk errichtet werden wird. △ Aus dem Kreise Friedberg, 11. Dez. In dem Mangan-Bergwerk bei Ober - Nosbach verunglückten zwei Arbeiter schwer. Arbeiter Nahn erlitt einen Beinbruch, der andere Bergmann wurde von Erdmassen verschüttet und erheblich verletzt. — Die Gemeinde Hoch- Wei sel hat ihre Wasserleitung fertiggestellt und durch eine kleine Feier dem Betrieb übergeben. gd Darmstadt, 12. Dez. Am Dienstag abend hielt der hiesige Nationalliberale Verein eine Versammlung ab, zu der auch die Mitglieder des junglib. Vereins eingeladen waren. Zuerst erstattete Dr. Ncßling Bericht über den Goslarer Parteitag. Hieran knüpfte sich eine von Herrn Ruf eingeleitete Debatte über Orgaliisations- fragen. Zmn 2. Punkt der Tagesordnung ergriff Landtags- abg. Dr. Osann zum „Fall Eißnerl" das Wort. Er vertrat den bekannten Standpunkt der nationallib. Fraktion. Rach ihm sprach Herr Germann, der aus liberalen und nationalen Gründen die Bestätigung des Sozialdemo kr. Eißnert gut hieß. Die Versammlung war trotz des nahenden Weihnachtssestes verhältnismäßig gut besucht. — Am Samstag abend veranstaltete der jung» liberale Verein im „Kaisersaal" eine Großherzogs Geburtstagsfeier, verbunden mit der Feier der Geburt eines Thronfolgers, die außerordentlich gut besucht war. Die Festansprache hielt Herr Germann._______________________ Eine große Tabatarbeiter-Bersammlung sand am Donnerstag in Berlin stau. „Genosse" Geyer iprach über „Die Lage der Tabakindustrie unter den neuen Steuergejetzen*. Der Referent machte etiva nachstehende Ausführungen: Tie Verschlechterung der Lage der Tabakarbeiter, welche vorher mit den anderen Arbeitern gleichgestellt waren, begann mit der Zoll- und Steuerer h ö h u n g un Jahre 1879. Da durch dieselbe die Tabakindustrie schiver belastet wurde, so suchten die Fabrikanten einen Ausgleich, indem sie die Löhne drückten. Durch den Konsumrückgang wurde das Herabdrücken dec Löhne noch begünstigt. Daß sich die Ta b akindu strie bis heule noch nicht von der Nachwirkung dieser Zoll- und Steucrerhöhung erholt hat, liegt auch an der fortgesetzten Beunruhigung derselben durch immer wieder neuauftauchende Steuerptäne der Regierung. Dieselben l>aben noch jedesmal eine Stockung der Industrie im Gefolge gehabt und die Industrie an ihrer Entwickelung behindert. Heute wird das Einkommen der Tabakarbeiter durch die künstliche Erhöhung der Lebensmittelpreise noch iveiter herabgedrückt. Die Erhöhung dcr Lebensmittelpreije übt aber auch noch insofern eine ungünstige Wirkung auf die Tabakarbeiter aus, als bei jeder Teuerung immer zu allcr- erft der Tabakgenuß eingeschränkt wird. Die gangbarsten Tabaksorten sind in den letzten Jahren ebenfalls sehr un Preise gestiegen. Wenn da die Zigarrenfabrikanten nicht noch Lohnabzüge gemacht haben, so liegt das daran, daß sie gemeinsame Sache mit den Arbeitern machten. Der Verband der Tabalarbeiter hat in letzter Zeit, zum Teil infolge der Reorganisation, einen Aufschwung zu verzeichnen. Mit einem Bestände von za. 32 000 zählt derselbe heute mehr Mitglieder als je vorher. Der schwerste Vorwurf, der den Tabakarbeitern gemacht werden muß, ist die große Fluktuation im Verbände. Derselbe ist manchmal bis zuin Erlöschen zusammengeschmolzen. Nur ein kleines treues Häuflein hat eine Auflösung verhindert. Sicher ist, daß die Banderolensteuer mit der Absicht durchgedrückt wurde, dieselbe, falls sie sich bewährt, auch auf die Zigarren auS- zudehnen. Geyer wies dann noch in Bezug auf daS an- gekündlgte Heimarbeiterschutzgesetz auf die große Ausdehnung der Heimarbeit in der Tabakmdustrie hin, sowie auf die Gefahren, bie dieselbe für die Heimarbeiter selbst, als aiich für- die anderen Arbeiter des Berufes mit sich bringt._______ Vermischtes» ♦ Migränin ein j cy weres Gift! In Chemnitz versterben infolge Gebrauches von Migräningegen Kopfschmerz zwei Frauen. Mehrere andere Personen erkrankten. In allen Fällen stammte das Pulver aus ein und derselben Apotheke. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung eingeleitet. Die in -ber Apotheke noch vor- gesundenen Mtgränepulver wurden beschlagnahmt._______ Arnrst tiiifc Wissenschaft. — Der Kaiser undder Wiener Männergesang- v er ein. Der Wiener Männergesangverein, dcr jüngst in Berlin konzertierte, hat am Sonntag im Berliner Lkönigl. Schlosse vor dem Kaiser und der Kaiserin gelungen. Kremsers „Im Winter" mußte auf Wunsch des Kaisers noch einmal angestimmt werden. Als der letzte Ton verhallt war, schrill der Kaffer lebhaft auf >en Präsidenten des Vereins, Schneiderhan, zu, reichte ihm die Hand und sagte: „Ich danke Ihnen für den Genuß, den Sie mir heute aufs neue bereitet. Es hat wunderbar geklungen. Rcoch Vesser als in Schönbrunn. Das tönt gar nicht mehr wie der Klang menschlicher Stimmen, sondcrii wie cm einziges mächtiges Instrument. In Kremsers „Winter" habe ich Ihre Auf- laiiung bewundert." Zum Vizeprä, identen des Vereins, Baudien, lagte der Kaiser: ,T>hr C^)r klingt wie eine Orgel. Ihr Batz dort in der Marmocecle wirkt tolossal!" Dann wandte sich der Kaiser noch einmal an Schneiderhan. Er habe vernommen, daß auf dem Kommerse am Samstag auch Berliner Vereine gesungen hätten; wie ihm denn diese gefallen hatten. Er war sichtlich über die Antwort erfreut, daß die Berliner vortrefflich gewesen wären. Zum Dirigenten Heuberger meinte der Kaiser, daß die Schönheit der Stimmen überraschend wäre, und Kremer machte er die Mitteilung, daß man in Berlin einen Saal bauen wolle, der den höchsten Anforderungen der Akustik genügen werde. (? D. Red.) An einem solchen Raum, würdig solcher Aunührungen, wie er sie soeoen gehört, sehie es noch in Berbin. Aoer -es solie damit bester werden. Die Kaiserin fragte Kremser, wie oft der Verein denn probe, und ais sie die Antwort erhielt: ,,Nur einnial wöchentlich", meinte die hohe Frau: „Dann widmet j a der Kaiser dem M ä n n c r g e s a n g s w e sc n mehr Zeit als Sie!" — Das neue Thalia-Theater in Elberfeld, das von der Architektur- und Bausirma Bosivau & Knauer in Düsseldorf erbaut ivorden ist, zeigt emeit freien, modern empiunbeneii Barockstil von lebhaften, ungezivniigenen Formen. Sehr eindrncks- voll wirkt der Zufchauerraum infolge serner trefflichen Aiilage mit Parkett uub drei großen Rängen, |oroic der frohsinnigen Farben- zufammeilstellung von weiß, gold uiid rot. Ter Rauingehalt ist nir 2U00 Personen berechnet. Unter bem Parkett liegt em geräumiger, zweiteiliger Restaurr.lionstunnel mit origineller Dekorierung. Unmittelbar mit bem Theater verbunden ist im Parterre ein großes Cäfsrestaurant und darüber ein prächtiger Fefkfaall Der Bau ivährte 200 Arbeitstage.* Gießener Strafkammer. )( Gießen, 11. Dezember. Ein schwerer Junge. Im verflossenen Jahr trat der Vlehschiveizer A. K. ans Ernet- schwyl (Schweiz) bei einem hiesigen Schreinerelbesitzer unter falschem Namen in Stellung als Fahibürsche, iiachdein er kurz zuvor in der Nähe von Kassel einem Kameraden die Legiti- malionspapiere gestohlen hatte. Er ivußte sich die Schlüssel zum Kasjeilschrauk seines Dienstherrn, bei dem er Kost und Wohnung haue, zu verschaffen lind stieg durch ein offenstehendeS Fenster in das m einem Seitenbau der Hofreue liegende Kontor ein. Tort schloß er den Kassenschrauk ain und nahm die darin befindliche Kasjette mit 420 Alk. Inhalt an sich, mit der er sich in den Pierde- slall begab und dort öffnete. 2)lit dem Inhalt verschwand er mit dem nächsten Schnellzug nach Frankfurt zu. Die Kassette fand sein Dienstherr m einem Hafertasten des Pferdestalls mit Kleidungsstücken zusammen, bie er einem Hausierer gestohlen hatte. Erst nach langen Bemühungen gelang es den Behörden, seiner habhaft zu werden, da er sich unicr allerlei falschen Nameii mnbertrieb. Als er scslgenoinmen wurde, beitritt er zuerst, in Gießen gewesen zu jein, doch bequemte er sich zu einem Geständnis, als er hierher verbracht winde. Er ist bereits fünfmal wegen Diebstahls bestraft und die Siaatsanwaltschast ivar der Ansicht, daß feine Reise hierher nur den Zweck hatte, einen ergiebigen Diebstahl auszuführen. Tie Strafkammer oerurietlte ihn wegen eines einfachen und emes schweren Diebstahls zu erner Gesamtstrafe von drei Jahren zwei Atonalen Zuchthaus, sprach ihm die bürgerlichen Ehrenrechte ans fünf Jahre ab und erkannte auf Zulässigkeit der Polizeiail'sicht. Letztere Maßnahme, gegen die ' zurzeit Sturm gelaufen ivird, sand ihre Begründung darin, daß es sich um einen Ausländer handelt, der die Gepflogenheit hat, sich unter falschem Namen verurteilen zu lassen. Eure frischgewalzte Straße ist der Bierverleger I. I. D. voll Orte »»berg trotz kreisamtlichen Verbots ungeachlet der Warnungszeichen und der Belehrung des Straßenwaris geiahren, jodaß sie beschädigt wurde. Es erging cm etraibeiebl über drei Mark an iljn, gegen den er Widerspruch erhob unter der Begründung, er habe leinen anderen Weg fahren können. Tas Schöffengericht verwarf seinen Einspruch, da es der Elnlicht ivar, bag er, wenn auch aus Umivegen, doch zu seinem Ziel hätte gelangen können. Er focht dieses Erkenntnis an und machte gellend, daß er weder von Sperren der Straße noch von einem Warnungszeichen etwas geiehen habe. Demgegenüber befun- beten Zeugen, daß er auf bie Bemerkung des Stragenwarts, ber ihn znrückhallen wollte, äugerte, er würbe beu anderen Tag bie Straße nut einem Wagen voll Holz passieren. Tas Gericht oer- lv a r s seine B e r u i u n g mit bem Bemerken, baß es wohl zur Erhöhung der Strase gekommen wäre, wenn nicht bie Slaalsan- waltjchast ihre Berufung zurückgenommen hätte. «sterichtsjaat. W. Frankfurt a. 2)1., 12. Dez. Die Strafkammer des Lanbgerichts verhandelte heute gegen den sozialdemokratischen Stadtverordneten Otto Zielowskl, der beschuldigt ivar, durch Aeuijcrungen in der Stadtverordneiensitzung und un Seniorenkonvent bie Stadtverordnetenversammlung und den Stadt- uerovbneien Bra ch l beleidigt zu haben. Vioel) sechsstündiger Verhandlung wurde im ersten Falle ans Einstellung des Verfahrens erkannt, weil die Aeußeriingen des Angeklagten sich nur aus einige Stadtverordnete, aber nicht auf die gesamte Stadtverordnetenversammlung bezogen. Im zweiten Falle eriolgte Freisprechung, weil bem Angeklagten ber Schutz bes § 193 des Str.-G.-B. (Wahrung berechtigter Interessen) zur Seite steht. B e u 11) e n, 12. Dez. In bem Prozeß gegen den Metallgießer Ewald Konrad, ber unter bem Namen Baron Dobrowolsky von Donnersmarck internationale H o ch st a - p e l c i e n verübte, würbe ber Angellagie heute von ber Strafkammer wegen Entführung einer Minderjährigen nach bem Anträge bes Staatsanwalts zu eine in Jahre Gefängnis verurteilt, wovon zwei Alonate als durch bie Untersuchungshaft verbüßt erachtet werden. Weimar, 12. Dez. Tie Strafkammer verurteilte heule Frau R o f a L u x e m b u r g wegen A u i r e i z u n g z u G e w a l 11 ä t i g - feiten, begangen in einer Siebe auf dem sozialdemokratischen Parteitage im Dezember 1905 in Jena, zu 2 'Monaten G fängnls. Der Staatsanwalt hatte 4 Monate beantragt. Frankenthal, 12. Dez. Ter frühere Buchhalter b- Raisfeisen-Tarlehnskasse Schifferstadt. WilhelmAprell gegen den em mehrere Tage dauernder Prozeß vor ber 2. Strafkammer wegen Veruntreuung von Geldern in Höhe von über 48,000 Alk. angestrengt war, wurde heute abend zu 6 Mona t e n G e f ä u g n l s wegen Untreue und Begünstigung verurteilt. Ter Haftbefehl bleibt aufrecht erhalten. Mit Rücksicht auf die hohe Kaution wird der Angeklagte auf freiem Fuß gelassen. Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie. Giessen. Frankfurter Börse 3^®/0 Reichsauleihe . . 98.05 3% do. . . 86.95 Konsole .... 98.10 3-6 do..... 87 00 3^°/o Hessen . « » . 96.95 3^°/. Ob erb essen . . . —.— 456 Oesterr. Goldrente. . 99.90 4*/, 56 Oesterr. Sil betreute 100.20 4-6 Ungar. Goldrente . .„ 96.45 456 Italien. Beute . . . —.— 356 Portugiesen Serie I . 69.60 3-6 Portugiesen „ III 69.90 4>6°/o russ. Staatsaul. 1905 90.20 4>i° 9 japan. Staatsanleihe 93.75 4 56 Uouv. Türken vou 1903 94.10 Türkeuluse......144.50 4-6 Griech. Monopol-Anl. 52.60 4-6 äussere Argentinier . 89.50 3°/0 Mexikaner . . . 66.90 4>6°/o Chiuesen .... 96.80 Aktien: Bochum Guss.....241.40 Buderus E. W .... 130.20 Tendenz: still. 13. Dezember, 1.15 Uhr. Elektriz. Lahmeyer . . . 140.50 Elektriz. Schnckert . . . 120.10 Eschweiler Bergwerk . . 250.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 226.80 Hamburg-Amerik. Paketf. 158.60 Harpener Bergwerk. . . 213.00 Laurahdtte —.— Nordd. Lloyd.....130.70 Obeischles. Eisen-Industrie 126.50 Berliner Handelsges . . 173.70 Darmstädter Bank . . . 139.60 Deutsche Bank . . . 241.70 Deutsch-Asiat. Bank . . 173.00 Diskonto-Kommaudit . . 185.70 Dresdner Bank . . . 158.20 Kreditaktien.....217.30 Baltimore- und Ohio- Eisen Lahn . . . 120.60 Gotthard bahn . . . , . —.— Lombard. Eisenbahn . . 35.80 Oesterr. Staalsbahu . . . 146.30 Pnnce-Henri-Eiseubahu . 153.00 Berliner Börse, 13. Dezember. Anfangskurse. Cauada E. B. . . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . , Tendenz; still. . 197.20 . 139.60 . 241.50 . 84 70 . 157.90 Harpener Bergwerk. . Laurahütte . . . Lombarden E. B. . . .\ordd. Lloyd . . , . l’ilrkenlose . . . . 212.60 35*70 130.70 145.00 Vergessen Gie nicht, baß Welhiiachten bevorsteht unb baß alS bestes Weihiiachlsgescheiik sich eme Gaw-Füllfeber erweist, welche von Mk. 12.50 aufwärts, ber Größe ber Goldfeder eilliprecheud, käuflich ist. Es gibt nichts Brauchbareres, weil jedermann täglich sich einer Feder bedienen muß. Es gibt auch nichts Tauerhaiteres, well sie lebenslänglich oorhält. Es gibt überhaupt nichts, dessen sich der Beschenkte angenehmer erinnert, als der Gabe einer Caw’s- Füllseder. Nachahmungen sind zahlreicki, aber jeder Händler von gutem Ruse wird Ihnen eine Caw verkamen, wenn Sie Caw verlangen. Man beachte beim Kaufen, daß der Haller den 9lameit Caw trägt. Bezug durch Papiergeschäue. Jllustr. Katalog gratis. 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