Erstes Blatt Mittwoch 20, Juni 1906 metzener Anzeiger General-Anzeiger Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen 156. Jahrgang Schulstratze 7. Redaktion 112 Verlag u.Exped.^^51 Adresie für Deoeschen: Anzeiger Wietzen. BezugSpretSr monatlich 7bPf., viertel jährlich Mk. 2L0: durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePost Alk. 2.— vierkel- jährl. ausfchl. Bcstellg. Annahme von Anzeigen für tue Tagesummner bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12^3|N auswärts 20 Psg. Verantwortlich für den polit. und allgcm. Teil: P. Witiko: für .Stadt und Laud^ und .Gerichtssaal'. Ernst petz; ttir den 9ln- zeigeuteil: £>an5 Beck. Nr. 142 «rschetut täglich autzer SoimtagS. Dem Wietzener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Zamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Bru h l'schen Univers.-Buck-u.Stem- druckerei. 9t Lange. §ie Heutige Yurnmer umfaßt 10 Seiten, Hine Kaiserrede in ßurhaven. Der Kaiser traf am Dienstag auf dem Dampfer »Willkommen* im neuen Hafen von Cuxhaven ein und begab stch an Bord seiner Jacht .Meteor^, um an der Wettfahrt des norddeutschen Regattaoereins auf der Unterelbe teilzunehnien. Beim Festmahle an Bord der .Viktoria Luise" brachte Dr. Moenkeberg-Hamburg daS Hoch auf den Kaiser aus. Hierauf erwiderte derKaiser mit einerRede, welche lautete: Mit herzlichem Dmck quittiere ich die freundschaftliche Bc- grützung, die mir namenS des 9tvrddeutsä)eil Regattavercins zu teil geworden ist. Es ist mir eine hohe Freude, daß wir uns wieder zu diesem männlichen Tun haben zusamnrenfinden können. Wie säwir konstatiert worden ist, hat sich ja auf dem Wasser das deutsche Vaterland entwickelt, daß man es nur mit Staunen vernimmt. Langsam folgt unsere Flotte den Riesenschritten, mit denen die .Handelsflotte vorausgeht. Zu solcher Entwickelung im Wettbewerb auf dem Meere, das die Länder verbindet, ist als erstes aber notwendig der Friede. Gott hat uns den Frieden erkalten, den Frieden in Ehren, den er uns auch weiter schenken möge. Derjenige aber, der die größte Arbeit in diesem Friedenslverk geleistet hat, der erste Ratgeber des Reiches, den wir alle in den vergangenen Wochen mit unseren Segenswünschen und Gebeten verfolgt haben, befindet sich, wie ich Ihnen zu meiner Freude mitteilen kann, und rooDon ich mich aestern penönlich überzeugt habe, in v o l l ständigem W o hl- sein und bester Gesundheit und wird in der Lage sein, wieder in vollem Um fange als mein er ft er Ratgeber im Lenken des Reiches zu wirken. Der Sport, den wir betreiben, hat auch einen ernsten Hintergrund, und das ist das zweite, was zu unserer Entwickelung notwendig ist, daß wir Männer, daß wir Charaktere haben, daß unsere Männer sich bewußt siird der Wickitigkcit der deutschen Ni änn lichte it. Der deutsche Mannes wert kann sich bewähren auj verschiedenen Gebieten, im Heere, im Zivildienst, bei der Flotte, int Dienst in den Einzelstaaten, in den Gemeinden, aber am b c st e n wird er auSgebildet, am hellsten und klarsteit wird unseren Deutschen das Auge gemacht, wenn sie auf das Salz- wasser kommen. .Daher begrüße ich in jedem von Ihnen meinen Mitkämpfer und Mitarbeiter an deut Werke, unsere deut- schen Männer zu erziehen, damit sie in der Lage sind, mit offenem Blick iljr ganzes Sinnen und Trachten in den Dienst des Vaterlandes zu stellen. Daß unserem Vaterlande eine solche schöne Entwicklung beschieden sein möge, daß unser Segelsport grünen und blühen möge, daß wir ein fröhliches und lustiges Segeln mich in diesem Jahr haben ntögen, darauf leere ich mein Glas. Es leben die Segler. Hurra! Hurra! Hurra! Her Kaiser ging nm Abend mit Gefolge an Bord des Dampfers „Willkommen" und begab sich dann an Bord der am Kai liegenden „Prinzessin Viktoria Luise".. Er nahm die Verteilung dec Preise der Wettfahrt vor und beteiligte sich dann an dem Festessen des Norddeutschen Negattavereins. AttSlÄNd. London, 19. Juni. Der „Daily Telegraph" meldet auS Johannesburg, daß 400 chinesische Arbeiter Gewalttaten verübten. Sie griffen das Haus des technischen Leiters der Nourse-Mine nn und zerstörten es. Ein Nachtwächter schoß vier Chinesen nieder. Als die Polizei kam, leisteten die Chinesen Widerstand und kämpften hartnäckig, jedoch ohne Erfolg. Die meiften Chinesen wurden verhaftet. Paris, 19. Juni. (Ka m in e r.) In dec heutigen Sitzung erklärte der Minister Clemeneeau, es sei berechtigt, daß der Arbeiter seine Lage zu verbessern suche, aber der Arbeiter habe nicht dasRecht, Berufsgni offen, die Familienlasten zu tragen haben, zum Feiern zu nötigen. Der Minister geht sodann auf das Programm der S oz ia l ist en ein, welches nach seiner Ansicht ein durchaus bürgerliches Programm sei. Jaurös habe ihm dieses Programm entnommen: achtstündigen Arbeitstag, progressive Einkommensteuer und Verstaatlichung der großen Monopole. Aber man könne doch zunächst mit dem Ankauf eines einzelnen Eisenbahnnetzes beginnen, sowie mit der Vorbereitung eines Gesetzes über den Arbeitsvertraa. Wien, 19. Juni. Für den Grafen GoluchowSky war gestern ein großer Tag. Schon vor Monaten hieß es, daß sein Sturz in der ungarischen Delegation herbeigeführt werden solle. In den letzten Tagen aber kam ihm Hil^e von einer Seite, von der man c5 am allerwenigsten erwartet hatte. Die leitenden Männer der ungarischen Delegation, in elfter Linie Graf Apponyi, bearbeiteten die widerspenstigen Mitglieder der ungarischen Delegation und bewirkten, daß dec vom Grafen Zichy gestellte Mißbilligungsantrag mit allen gegen sechs Stimmen abgelehnt wurde. Graf Goluchowsky hat aber gestern nm? einen Pyrrhus-Si eg errungen. Seine Tage sind gezählt. Schon in wenigen Wochen wird er aus dem Amte scheiden. Man nennt als seinen Nachfolger den Botschafter in Petersburg, Baron Aehrenthal. Wien, 19. Juni. Der ReichLkriegSministcr Pittreich hat angeocdnet, daß von nun an in milit. Schriftstücken in den ungarischen Gemeinden die bisher in Klammern beigefügten deutschen Benennungen weg zu lassen sind. Weiter hat der Kriegsminister verfügt, daß an allen militärischen Gebäuden in Ungarn sofort die Auf- Ichriften m ungarischer Sprache anzubringen sind. Im Budgetausschuß der österreichischen Delegation gab Pittreich zu, daß die Wehrkraft der Monarchie durch die unterbliebenen Assentierungen in gewisser Hinsicht geschädigt sei. Der Minister ist überzeugt, daß die Erkenntnis der Notwendigkeit der Großmachtstellung Oesterreich-Ungarns sowohl hier wie in Ungarn durchdringen und die Einheit der Armee werde gewahrt bleiben. New-Port, 19. Juni. Präsident Roosevelt hat in Sachen der Fleischbeschauvorlage gesiegt. Das Ackerbaukomitee hat die Vorlage nach seinem Wunsch geändert und die Annahme des Entwurfs ist heute im Repräsentanten- haus^erfolgt. Eine Familie in Fort Smith (Kansas) wurde infolge von Wurstessen vergiftet; vier Personen sind gestorben.____________________ Are Aäyrung in Rußland. Die russischen Behörden können noch so viel durch den allezeit dienstbereiten Telegraphen verbreiten lasten, sie werden die von immer größerem Material unterstützte schwere Anklage der Mitschuld an den Judenmetzeleien nicht zu entkräften vermögen. Und zwar einer Mitschuld, die nicht nur durch Gleichgiltigkeit oder Nichtsehenwollen herbeigeführt worden ist. Rußland hat nie für kultiviert gegolten, unter dem dünnen Firnis verbarg sich der Barbar. Aber die in Bjelostok geschehenen Dinge sind so unerhört, daß sie mit den Bräuchen von Kannibalenstämmen auf einer Stufe stehen. Die „Voss. Ztg." veröffentlicht einen Brief, den ein Bjelostoker Kaufmann nn einen Berliner Geschäftsfreund richtete. Das Schreiben wirft volles Licht auf die unmittelbare Beteiligung der angeblich zum Schutze der Juden Berufenen an dem ZerstörungSwerk. Es heißt in dem Briefe: „Die Soldaten und Polizisten gingen voraus. Ihnen folgten nicht mehr als etwa vierzig Jungen, die von drei Mann geführt wurden. Einer machte mit Kreide ein Zeichen an der Ladentür, die anderen beiden brachen mit Handwerkszeug die Tür auf und die barfüßigen Jungen begannen darauf zu plündern, wobei die Patrouille zu beiden Seiten des Ladens stand und anfpafete, daß niemand von den Juden in die Nähe komme" . . . An anderer Stelle berichtet der Brieifchreiber: „In vielen Häusern hat das Utilitär Geld statt des Lebens genommen. Die Soldaten sagen: Wir haben keine Schuld, ivir haben getan, was man unS besohlen hat. Tie Offiziere drohten uns z u e r s ch i e ß e n, w e n n w i r n i ch t folgt en." Die Petersburger jüdische Presse berichtet manche Bje- kostoker Einz-elhriten, die au die nischinewer Gceueltaten erinnern. So wurden der Familie des jüdischen Lehrers Moll st ein, bestehend aus dem Lehrer, seiner Frau, zwei Söhnen und einer Tochter, Nägel in die Köpfe geschlagen und hierauf alle in Stücke geschnitten. Auf einigen Hausböden wurden j ü d i s ch e M ä d ch e n, die sich dort versteckt halten, vergewaltigt, bann wurde ihnen der Bauch auf geschlitzt. Viele wurden gefoltert, alsdann getötet und von den Mördern sofort vergraben. Man befürchtet weitere Judenhetzen in Homel, Grodno und Wilna. Schreien solche Zustände nicht zum Himmel! Soldaten, Offiziere und „Sicherheitsbeamte" verbünden sich ungestört, den niedrigsten Begierden des Pöbels zu dienen und zugleich einen Anteil an der Beute zu erjagen. Die Engländer haben Recht, gegen den Besuch der engl. Flotte in Kronstadt Einspruch zu erheben. Nur wagen, wie dem „Berl. Tagebl." aus London gemeldet wird, die großen jüdischen Finanziers nicht das „Zwangsmittel eines energischen Vorgehens gegen die russischen Finanzen" aus Rücksicht auf die französischen Interessen. Ein dürftiger Grund. Sollte wirklich die Schonung der Empfindlichkeit französischer Frermde höher stehen als das Schicksal der Glaubensgenossen? Russische Flüchtlinge ans Bjelostok treffen fortwährend in Kattowitz ein und sammeln Unterstützungen. Ein deutscher Generaldirektor Preiß mit Familie von den Huldschinski-Walzwerken an der russ. Grenze ist ebenfalls nach Kattowitz geflüchtet, weil er von den Revolutionären sein Todesurteil erhalten hatte. Er hat von der Regierung zwei Kriminalbeamte zu seinem Schutz erhalten. Das Bureau der Huldschinski-Wcrke wurde von Sosnowize nach Kattowitz verlegt. Die Werke selbst werden von 800 Kosaken bewacht. Sämtliche Sosnowizer Arbeiter führen ein Sechstel von Ihrem Lohn an die Stteikkasse für die Ausständigen der Huldschinsli-Werke ab. Die Zahl der in Bjelostok getöteten Juden übersteigt 2 0 0. Die meisten Leichen sind unkenntlich. Auch Soldaten haben an den Metzeleien teilgenommen. Die poln. Schriftstellerin Ida Moszczenska teilte einem Lemberger Blatte aus Warschau mit, auch in Warschau werde in den niederen Bolksklassen gegen die Juden gehetzt durch Verbreitung der abenteuerlichsten Gerüchte. Es wird den Leuten eingeredet, daß die Juden die Urheber der gegen das katholische Episkopat gerichteten Mariaviten» bewegnng in Russischpolen seien. Man lasse nichts unversucht, um eine antisemttische Bewegung zu erzeugen. '2fcn Fronleichnamsfeste waren in Warschau schon Vorbereitungen getroffen, um während der Prozession die Menge in Ätf- regung zu bringen, die Bürgerwache hatte aber drei Agents provoeateurs dingfest gemacht und dieselben nicht auf die Polizei gebracht, sondern in einem Hause festgehalten, wo sie daS Geständnis ablegten, sie hätten von den Polizei- organen 15 Rubel mit dem Auftrage erhalten, eine Panik hervorzurufen. Bei Bjala im Gouvernement Siedlce überfielen 20 Räuber ein Rittergut, verwundeten den Besitzer und raubten 70 000 Rubel. Die Petersburger Polizei tritt provozierend auf, als ob sie den Befehl hätte, die Bevölkerung künstlich zu erregen. Die Straßen sind von Truppen besetzt, die ununterbrochen auf und ab marschieren. Die schwarze Baude ist wieder in Tätigkeit und wird von der Regierung mit Geld unterstützt. In Kiew wurde folgendes Manifest mit Zustimmung der amtlichen Zensur herausgegeben und in der ganzen Stadt angeschlagen: „Russen! Verteidigt, was Ihr heilig haltet. Vernichtet die Feinde des Vaterlandes ohne Er- oarmen. Die Lynchjustiz des Volkes lebe hoch!" Die Regierung war fest entschlossen, die Duma aufzulösen, aber die Furcht vor einer allgemeinen Erhebung, vor Meutereien in der Armee und in der Marine hat ihre Absichten geändert. Die Duma wird somit weiter tagen, aber die Regierung wird ein Manifest veröffentlichen, in dem erklärt wird, daß das Agrarprogramm der Duma undurchführbar ist und die Versprechungen der Dumamitglieder somit keine Aussichten auf Verwirklichung haben. Das Manifest wird in wenigen Tagen erscheinen und dürfte den Konflikt zlvischeu Regierung und Volks- verttetung noch verschlimmern. Gerüchtweise verlautet, daß aus General Trepow ein Attentat verilbt worden sei. Er sei jedoch unverletzt geblieben. Während früher die pariser Presse die russischen Gewalttaten gern ein wenig verschleierte, nimmt sie jetzt kein Blatt vor den Mund. 'Der „Temps" erklärt in einem überaus scharfen Leitartikel, die russischen Behörden hätten entweder die Metzeleien selbst organisiert, oder sie seien vollkommen unfähig. Der „Temps" bedauert, daß der Zar das Ministerium Goremyttn, das ein Ministerium bureau- kratischer Mittelmäßigkeit sei, noch lvirtschaften lasse, und sagt: „Die gegenwärtige Politik der russischen Regierung ist die wahnsinnigste, die sich erdenken ließe". Itirdpc und Schule. Eisenach, 19. Juni. Die d eutsch-evang. Kirch en ko nf er enz beschloß eine redaktionelle Reform der revidierten Lutherbibel, besonders in Hinsicht auf Orthographie und Interpunktion. Auch einige Archaismen sollet: beseitigt werden. Der Kirchenausschuß würbe mit der Durchführung des Beschlusses betraut. Nach Kennt- nistlahme des, eine äußerst günstige Entwicklung wieder- spiegelnden Berichts des Vorstandes des deutsch-evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft wurde die Tagung der Kirchenkonferenz geschlossen.____________________________ Abermals ein Unwetter in Oberhessen. Gießen, 20. Juni. Die abnormen Witterungsverhältnisse dieses Jahres brachten gestern nachmittag abermals ein außerordentlich heftiges Gewitter, das mit einem wolkenbruchartigen Regen verbunden war. Während vor wenigen Wochen die südlich von Gießen liegenden Orte dec hauptsächlichste Schauplatz deS Unwetters waren, scheinen gestern die nach Grünberg zu liegenden Orte am schwersten betroffen worden zu sein. Aus verschiedenen Orten dieser Gegend gehen uns Nachrichten zu, die außer von außerordentlich heftigen Regengüssen und starken Gewittererscheinungen von beträchtlichen Schädigungen der im üppigsten Grün stehenden Aecker und Wiesen berichten. Die Landstraßen und Feldwege glichen teilweise reißenden Wildbächen. In Gießen selbst sind trotz des außerordentlich heftigen Gewitterregens besondere Schädigungen nicht vorgekommen, dagegen hat das Unwetter in einigen Landorten geradezu fürchterlich gehaust. So schreibt man uns z. B. aus Bersrod: Ein schreckliches Unwetter, wie es die „ältesten Leute" von hier wohl ähnlich, aber noch nicht in solcher Stärke erlebt haben, hat heule nachmittag kurz nach 4 Uhr unser ruhiges Dorf heimgefuchl. Im Osten und Norden des Ortes, besonders nach Nemhardshain zu, fiel ein Wolkenbruch. Meterhoch wälzten sich reißende Wasiermassen in die Obergasse und das niedergelegene Dorf, den Lindenplatz in einen See verwandelnd, in den sich niemand wagte. Aus dem östlich gelegenen Wiesengrund kamen auf den trüben Fluten die noch grünen Heukegel getanzt, dazwischen Balken, schwere Hackstöcke, das mit viel Schweiß klein zersägte Holz der Leute, schreiende Hühner, Holzbrücken, schwere Bohlen u. s. w., ein Ehaos sondergleichen. Dazu knatterten anfangs unaufhörlich die einschlagenden Blitze und rollten die Donner. So walzten sich die Wassermassen über zwei Stunden unaufhörlich durch die Torf- gasfen, von betrübten Menschengruppen umstanden, denn die kaum begonnene Heuernte ist zum großen Teil vernichtet. Ter Schaden im Felde läßt sich noch nicht übersetzen. Zwar suchten die Leute aus den Fluten zu retten, was erreichbar war, doch hat manches Huhn seinen Tod gefunden. DaS Vieh brachte man teils in die Stuben, teils in andere Ställe. Wäre das Unwetter zur Nachtzeit gekommen, so wäre wohl sämtliches Vieh in den niedergelegenen Ställen ertrunken. Nachdem das Wasser sich einigermaßen verlausen halte, sah man die Leute bis über die Rnice hindurchwaten, um das seltene Schauspiel auch von anderer Stelle zu beobachten. Soeben fetze ich den pralt. Arzt Dr. (Sengnagel von Großen-Buseck, der sich oei Metzger Becker lange Stiesel holen ließ, durchs Wasser waten, um zu einer Wöchnerin zu gelangen. Langsam fallen die Wasser, aber noch immer „zürnt der Himmel mächtig int Gewitter". r Londorf, 19. Juni. Während eines heftigen Gewitters, das heute nachmittag über unsere Gegend nieberging, schlug der Blitz in daS Haus der Witwe Klinger und zündete. Der Dachstuhl stand in Flammen. Der Feuerwehr, die sofott zur Stelle war, gelang es bald, das Feuer zu löschen, doch ist daS HauS durch die Waffermaffen arg beschädigt. Auch auS anderen Gebieten liegen Unwetter-Nachrichten vor, von denen die bemerkenswertesten sind: Köln, 19. Ium. Die am gestrigen Nachmittag, sowie in den Abendstunden über den Mittel- sowie d e n N i e d e r r h e i n herniedergegangeneii Gewitter haben ftrichroeife großen Schaden angerichtel und unzählige Fernsprechleitungen zerstört, auch in einzelnen Weinbergen hat daS Unwetter Spuren der Verwüstungen zurückgelassen. In Köln schlug ein Blitzstrahl in eine mit Passanten besetzte Wirtschaft, wobei er Verwüstungen im vierten Stock anrichtete. Die Hausbewohner und Gäste blieben glucklicher- rveise unversehrt. München--Gladbach, 19. Juni. Gestern abend richtete ein wolkcnbruch artiger Regen großen Schaden an. Die Straßen standen einen Meter hoch unter Wasser, die Wasserfluten löschten in mehreren Fabriken die Kesselfeuerung aus; der Blitz zündete mehrmals. Trier, 19. Juni. Ein f ü r ch t e r l i ch e s H a g e l w e t t e r richtete int Saartal unter den Feld- und Gartenfrüchten schweren Schaden am Prag, 19. Juni. Bei einer Hochwasserkatastrophe im Sazawagebict wurden 37 Wohngebäude, eine große Anzahl Wirtschaftsgebäude und mehrere Mühlen, ebenso bei neuen großen Fischteichen die Dämme zerstört und das Fischmaterial fortge- schwcmmt. Auch die Parkanlagen des Konopischter Schlosses des Erzherzogs Franz Ferdiuaud sind durch einen Dammbruch überschwemmt und schwer beschädigt worden. Der Schaden zählt nach Hunderttausenden. 16 Personen, meist Frauen und Kinder, sind ertrunken. Ans Stadt und Land. Gießen, den 20. Juni 1906. ** Nach klänge zur Darmstädter ReichstagZ- wahl. In der Hauptversammlung des Handelsvereins Darmstadt kam ein Schreiben eines Vorstandsmitgliedes, des Prokuristen eines Darmstädter Welthauses, zur Verlesung, worin dieser mit Rücksicht auf die Stellungnahme des Vereinsvorsitzenden Kommerzienrat Langenbach bei der Neichstagsstichwahl sein Amt nieder legt. Langenbach hatte als Vorsitzender vom freisinnigen Wahlverein zugestimmt, daß die Freisinnigen für die Sozialdemokraten eintraten. ** Gewerbevercinsausflug. In der gestrigen, gut besuchten Generalversammlung des Gewerbevereins wurde u. a. beschlossen, am kommenden Sonntag (24. l. Mts.) einen Familienausflug nach dem Hinterland zu unternehmen und bei dieser Gelegenheit der Gewerbeausstellung zu Biedenkopf einen Besuch abzustatten. Eine Emzeichnungsliste zirkuliert in den nächsten Tagen unter den Mitgliedern. Eine für Zigaretten Händler usw. wichtige Bekanntmachung befindet sich im heutigen Amtsblatt, worauf Interessenten hingewiesen seien. Hungen, 19. Juni. Postverwalter Sch äfer feierte gestern sein 2 5jährige§ Dienstjubiläum. Demselben wurde aus diesem Anlaß vom Verband deutscher Post- und Telegraphenbeamten ein prächtiges Diplom mit Rahmen überreicht. — Einem Dienstmädchen drang vor einigen Tagen beim Abwischen eines Tisches eine dort steckende Nadel in den Arm. Beim Herausziehen brach diese ab und ein Stück blieb im Arm stecken. Bald darauf stellten sich heftige Schmerzen ein, der Arm schwoll an und nun liegt das Mädchen an Blutvergiftun g schwer darnieder. (H. Ldztg.) —K. Allertshausen, 19. Juni. Wegen der hier schon längere Zeit herrschenden Diphteritis, der einige Kinder zum Opfer fielen, mußte heute die Schule geschlossen werden. Offenbach, 19. Juni. Gestern abend fand eine vom Verein zur Wahrung städtischer Interessen einberufene überaus stark besuchte Bürgerversammlung statt, die sich milder bevorstehenden Bürgermeisterwahl beschäftigte. Nach den vom den Stadtvv. Böhm und Porth erstatteten Referaten wurde folgende Resolution einstimmig angenommen : In Berücksichtigung des allseitigen Interesses der Stadt, da? bisher in weitgehendster und unparteiischster Weise vom Oberbürgermeister Brink gewahrt ronrbe, verurteilt die heutige Versammlung bie. aus persönlichen und parteipolitischen Gründen beabsichtigte Beseitigung des Oberbürgermeisters. Sie erwartet mit aller Bestimmtheit, daß im Hinblick auf die gegenwärtige und' künftige Entwicklung unserer Stadt die Stadtverordneten den politisch vollständig Unabhängigen Oberbürgermeister Brink w i e d erwählen und ibn nicht, entgegen jedem Gerechtigkeitsgefühl, parteipolitischen oder persönlichen Gründen aufopfern. — Mainz, 19. Juni. Die hessische Negierung hat das Ersuchen der Stadt Mainz um Errichtung einer französischen Konsularagentur in Mainz, die auch von der Handelskammer befürwortet worden war, «b gelehnt. (F. Ztg.) Wegen Meineids vor dem Schwurgericht. Tie Verhandlung gegen Franken ging entgegen der Ursprünglichen Annahme bereits gestern zu Ende. .Die Beweisaufnahme ergab, daß der Angeklagte, wie Weißbindermeister Langsdorf aus Bad-Nauheim bekundet, von ihm 3 bis 4 Zentner Farbe bestellt bekommen hat. Der Zeuge ist der Ansicht, daß Franken ihm einen Bestellschein zur Unterschrift dorgelegt hat, auf dem nur 3 bis 4 ausgefüllt war und erst später der Angeklagte durch Fälschung daraus 3—400 Kilo geknackst hat. Langsdorf hat die Ware nicht abgenonrmen, sie wurde vom Spediteur aus Lager genommen und später zur Deckung entstandener Unkosten versteigert. Nach einem Jahr, als das Ziel um war, wurde L. vom Angeklagten verklagt und nun beschwor der letztere, daß L. ihm 3—400 Kilo Farbe bestellt hat. Nach demselben Muster ist der Angeklagte mit dem Weißbinder B o ck - Grimberg umgesprungen, auch hier will der Kunde zwar «Men Zentner Deckweiß bei dem Angeklagten bestellt haben, den er auch^ geliefert erhalten und abgenommen hat. Dagegen bestritt Er entschieden, daß er laut demselben Bestellzettel für später laO dis 200 Kilo Deckweiß an Franken in Auftrag gegeben habe. .Der dritte unter Anklage stehende Meineid ist unter genau denielben Bedingungen zum Nachteil des Weißbindermeisters Watches in Beek bei Ruhrort geleistet. >;n 16 weiteren Fällen, die aber nickst unter Anklage stehen, bat der Angeklagte genau so und ähnlich seine Kunden betrogen. Der Angeklagte verteidigt sich überaus gewandt. Gerichtschemiker >Dr. Popp-Frankfurt a. M., der als Sachverständiger gehört wird, kann aus den in Fraae kommenden Bestellscheinen nicht seststellen, ob der Angeklagte sie gefälscht hat. Im Fall Lanqs- dorr jedoch ist der Sachverständige der Ansicht, daß der Lieferschein so ausgefertigt war, wie er vorliegt. Den Geschworenen werden drei Fragen wegen Meineids und die Frage wegen Verfälschung der Urkunde Langsdorf vorgelegt. Der Vertreter der Anklage, Dr. .Hetzel, weist darauf hin, die Verhandlung habe dargetan, daß der Angeklagte bei vielen seiner ^Kunden, in den meisten Fällen bei jungen Geschäftsleuten es von vornherein auf Betrug abgesehen hätte. Daß es auch Leute gibt, die Franken reell bedient habe, sei nicht zu bestreiten, das beweise aber nicht, daß Franken die ihm zur Last gelegten Verbrechen nicht begangen hat. F. sei wegen Fälschung eines Lieferscheins vorbestraft, dies beweise mit wem man es zu tun habe. «Die Anklage wegen der begangenen Verfälschung einer Urkunde ließ Dr. Hetzel sollen. Er plädiert im übrigen dahin, die Fragm wegen der drei geleisteten wissentlich falschen Eide zu bejahen. Der Verteidiger Rechtsanwalt Jung weist darauf hin, daß die drei in Frage kommenden Punkte der AnUagc allein je von einem Zeugen unterstützt werden, so daß Aussag'' gegen Aussage steht. Gegen die Glaubwürdigkeit der drei Belastungszeugen will der Verteidiger nichts einwenden, aber ihre Aussage sei mit Mißtrauen aufzunehmen, tveil sie als Prozeßgegner des Ange- Dagten diesem übel gesinnt sind. Es sei ein alter Erfahrungssatz, daß in bürgerlichen Rcchtsstreitigkeiten sehr häufig beide Parteien ihre sich diametral gegen üb erstehend en Angaben zu beschwören bereft erklären und daß dann die Partei, die den Prozeß verliert, weil die andere Partei zum Eid gekommen, erklärt, der Gegner habe einen Meineid geleistet. Viele erstatten dann eine Meineidsanzeige, mit der sie in Fällen, die so liegen, wie die zur Llnklage stehenden, immer abgewiesen werden, weil Aussage gegen dlnssage steht, und deshalb eine Verurteilung nicht erfolgen kann. Ein Eid gilt ebensoviel als der Eid des andern. Und das sei mich gut so, denn gerade im Handel, und itric die Verhandlung ergeben hat, besonders im Farben- und Lackhandel sind Mißverständniffe, Irrtümer über den Vertragswillen sehr häusig. Dr. Jung bfttet, wegen nicht ausreichender Beweise alle drei Schuldfragen zu verneinen. Justizrat Dr. Gut fleisch bemerkt, daß er sich auf Wunsch seines Kollegen Dr. Jung hat bereit finden lassen, diesem in dieser Sache zu assistieren, weil er bei dem diesmaligen Schwurgericht stark in Ausspruch genommen, sich im vorbereitenden Verfahren dieser Sache nicht so hätte widmen können, wie er es gern gemocht hätte. Er schließe sich den Ausführungen Jungs vollständig an, die Fälle, die der Staatsanwalt — nur als Kolorit, wie er selber sage — in der Beweiserhebung vorgeführt hat, müßten bei der Beurteilung der Schuldfragen ausscheidcn. Der Staatsanwalt hat außer den Belastungszeugen so viel Leu- munl^tzeugen oorgeladen, daß fast jeder Zeuge seinen Bürgermeister oder Polizeiwachtmeister mitgebracht hat, um darzutun, daß er ein guter Zeuge sei. Es bedurfte dieses Beweises nicht, denn die Verteidigung will nicht bestreiten, daß alle Zeugen anständige Menschen sind, die aber auch als solche dem Irrtum unterliegen. Der Angellagte hat mit Tausenden Geschäfte gemacht, und nur mit 19 Leuten Differenzen und Prozesse gehabt. Die meisten Weinreisenden würden sich glücklich preisen, wenn sie das Jahr über nur mit 19 Kunden Differenzen hätten: wäh- reird die Anklage dargetan, daß Franken in den letzten 10 Jahren mit seinen zahlreichen Kunden 19 mal verschiedener Meinung wegen der abgeschlossenen Verttäge gewesen ist. Auf das Miwerk, daß hier 16 Leute Herkommen und erllären, sie seien von dem Angeklagten übervorteilt worden, komme es nicht an, ebenso wenig, daß Franken vor 23 Jahren vorbestraft sei. Er selber behauptet, die Bestrafung sei zu Unrecht erfolgt,und man könne nicht nachprüfen, ob dem nicht so sei. Jedenfalls sei nicht in Abrede zu stellen, daß die Zeugen, die in den unter Anklage stehenden drei Fällen in Frage kommen, ein Interesse daran haben, den Angeklagten verurteilt zu sehen, um dann in einem neuen Verfahren ihre Prozesse wieder aufzunehmen, die, wenn ihr Gegner wegen Meineids verurteilt ist, zu ihren Gunsten entschieden werden müssen. Darum sei den Aussagen nicht soviel Gewicht beizulegen, daß man daraufhin den Angeklagten wegen eines so schweren Verbrechens verurteilen könne. Dr. Gutfleisch erklärt, im Fall Langsdorf sei erwiesen, daß sein Klient unschuldig sei. In den beiden anderen Fällen sei der Beweis seiner Schuld nicht erbracht. Die Geschworenen bejahten das Vorliegen von Meineid in 2 Fällen. Im Fall Langsdorf wurde wegen des Meineides und wegen der Urkundenfälschung die Schuldfragc verneint. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu 41/2Jahren Zuchthaus, sowie zum Verlust der bürgerl. Ehrenrechte auf die Dauer von 10 Jahren. Das Strafmaß wurde damit begründet, daß der Angeklagte das Verbrechen begangen hat, um sich zu bereichern, daß er kleine Handwerker um ihr Geld gebracht und seine Machenschaften gewerbs- und gewohnheitsmäßig vorgenommen habe. Strafmildernd sei berücksichtigt, daß es dem Attgeklagten wohl schwer gefallen sei, seine Familie auf reelle Weise zu ernähren. Univcr$itäi$sKad?ricbtett. lic Darmstadt. Der ordentl. Professor der Baukunst, an der Technischen Hochschule, Friedrich Pütz er, bat in dem engeren Wettbewerb um die Ausführung der seit Jahresfrist ausgeschriebenen Kirche in Wiesbaden den er ft en Preis erhalten. ss Marburg, 19. Juni. Der außerordeutl. Professor der Kirchenqeschichte I). Dr. Wiegand, gedenkt einem ehrenvollen. Rui an die Universität zu Greifswald Folge zu leisten. Arbeiterbewegung. h Frankfurt a. M., 19. Juni. Die Z i g a re t t e n f i r m a Lippstadt & C0. hier bar am Samstag sämtlichen Arbeitern und Arbeiterinnen mit Ausnahme von einem Arbeiter und zwei Arbeiterinnen zum 1. Juli g eküu digt, angeblich, weil sie das System der Regierung dazu zwinge. Wie in einer Mitgliederversammlung der Frankfurter Zahlstelle des Tabakarbeiterverbaudes mitgeteilt wurde, soll die Firma beabsichtigen, die Arbeiter Mitte Juli wieder eiuzustelleu. Diese befürchten aber eine Lohnkürzung und treffen dagegen Maßregeln. GerZchtssaaS. (sd.) Darmstadt. 19. Juni. Die 26 jährige Ehefran Katharina Müller in Michelstadt schuldete dem Landtagsabg. Fr. Lang daselbst einen Geldbetrag. Da sie ttotz wiederholter Mahnung nicht zahlte, beauftt'agte Lang einen Rechtskonsulenten mit der Eintreibung der Forderung. Daraufhin schrieb die Ehefrau Müller an Lang einen Bries, worin sie drohte, ein Sittlichkeitsoergehen anzuzeigen, das er ein ft an ihr begangen, wenn er nicht die Zwangseintreibung des Geldes unterlasse. Lang übergab die Sache dem Gericht, und die Müller hatte sich heute wegen Erpressung vor der Straffammer zu verantworten. Sie wurde zu einem Monat Gefänanis verurteilt. Märkte. ke. Frankfurt a. M., 20. Juui. ^Oriq.-Telegr. des „Gieß. Auz.") V i e h m a r k t. Zum Verkaufe stauden 00 Kälber, 00 Schafe und Hämniel, 891 Schweine: 1. Qnal. 73—74 Pfg. Lebendgewicht 57.00—57.50 Pf., 2. Qual. 72—00 Ps., Lebendgewicht 56.00 Pfg., 3. Qual. 65—67 Pfg. Kälber 1. Qual. 00—00 Pf., Lebendgewicht 00—00 Pfg., 2. Qual. 00—00 Pfg., Lebeudgewich: 00—00 Psg., Schlachtgewicht 00—00 Pfg. Schafe 1. Qualität Schlacktaewicht 00—00 Psg., 2. Qualität 00—00 Psg. Geschält: mittelmäßig, Ileberstand unbedeutend. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Donnerstag, den 21. Juni 1906: Meist heiter und trocken, etwas wärmer. Näheres durch die Gießeuer Wetterkarte. OrigSnaL-Drahtmeldungem. sd. Darmstadt, 20. Juni. Der hessische Z e n - tralüercin für Errichtung von Kleinwohnungen hielt heute vormittn-a seine Generalversammlung unter Vorsitz des Frhrn. Hehl zu Hermtsheim ab. Die Regierung wurde von den Ministerialräten Frhim. von Biegeleben. Dr. Usingen und Süsfert vertreten. Nach dem vom Landeswohnungsinspektor Gr e tz s ch e l erstatteten Kassenbericht betrugen die Einnahmen 21 400 Mk., die Ms- gaben 14 881 Mk. und das Vermögen 7715 Mk. Der Vorstand wurde wie der gewählt, an Stelle des verstorbenen Oberbürgernteisters ^aßner nt Mainz, ttmrde dessen ^Amtsnachfolger Dr. Göttekmann gewählt. Geh. Oberbaurat Hof- manu hielt einen Vortrag über die ästhetische und praktische Ausgestaltung von Kleinwohnungen. fc. Frankfurt a. M, 20. Juni. Der Opernsänger Steffens stürzte gestern abend von seinem Motorrad und zog sich eine schwere Verletzung am Knie zu. D u i s b u r g , 20. Juni. In Essenberg machte der Bergmann Bauscheidt einen Mordversuch gegen seine Ehefrau. Er brachte ihr mit einem Rasiermesser eine klaffende Wunde am Halse bei. Die Frau floh zu Nachbarn. Als Polizei kam, wurde der Ehemann mit durchschnittener Kehle in feiner Wohnung tot aufgesunden. Paris, 19. Juni. (K a m m c r, Fortsetzung.) ©lerne uceau führt weiter aus, das individuelle Eigentum werde noch lange Zeit Aeuderuugeu durckmacheu. Elemeneeau führt einen Artikel des Sozialisten Bernstein an, in welchem gesagt ist, die Bewegung in der Richtung der sozialen Gerechtigkeit sei Alles, das Ziel sei Nichts. Ter Redner fügt hinzu, die Theorien der französischen S 0 z i a l i st e n seien von d e n D e u t s eh e n entlehn t. Ter Minister erinnert Jaurcs daran, daß auch E h r i st u s die Menschheit habe erneuern wollen, aber daß Gewalttätigkeit und Blutvergießen nicht ans der Welt verschwunden seien. Nicht die Form der 6) e s e l l s ch a f t, sondern die Menschen müsse man besser n. Der besser gewordene Mensch werde seinen Gesellschaftskreis zu wähleu wisse«. Wir wolleu im Verein nut den Sozialisten die Steuern erörtern, die zum Zwecke der Einführung einer Altersversorgung der Arbeiter zu schaffen find, und wenn es notwendig fein wird, da? Budget zu bewilligeu, daun werden sich die Sozialisten dem entziehen; das ist nicht loyal. Er hoffe es zu erleben, daß die S 0 z i a l i st e n anfhören, seine Gegner zu sein, und daß sie zu ihm zurückkehren. Er vergleicht sie unter Heiterkeit des Hauses mit den Fraueu, die immer ihrem Gatten androhen, zu ihrer Mutter zurückkehreu zu wolleu, unb es doch niemals tun. Wenn die S 0 z i a l i st e tt mit uns arbeiten wollen, so werden wir ihnen die H a n d reichen und sagen: laßt uns z u s a in m e n tt r b e i t e n ; wenn sie es ablehnen, werden wir tavier die Verantwortung tragen. (Wiederholter Beifall auf der Linken, auch im Zentrum.) Atü Antrag Maujan's beschließt die Kammer, die Rede Clemeuceaus öffentlich anschlagen zu laffeu. — Iaures erklärt, die S 0 z i a l i st e n seien bereit, zusammen mit der Regierung das Reformwerk weiter zu führen. Entgegen Elemeneeau, der das Jndioidium von der sozialen Umgebung isolieren wolle, sei er der Meinung, daß das Jn- dividium und die soziale Umgebung gleichzeitig reformiert werden müßten, er verlange völlige Aktionsfreiheit für das Proletariat. Die Sozialisten wollten nicht die soziale Heuchelei minnachen. Er erinnere an die 1 4 0 0 Leichen von C oittriere s, die ein Ovfer des Kapitalismus feien. Erstaunlich sei, daß man so spät daran gehe, die Schuldigen zu verfolgen. Minister Barthon sagt, nicht die Regierung, sondern die B e r g w e r k s g e s e l l s ch a i t sei v e r a n t w 0 r t l i ch. W i l m (Soz.) fragt, ob es wahr sei, daß, wie der Untersuchungsrichter in Bethune erklärt habe, die Persönlichkeit, die Streikgelder nach dem Departement Narb gesandt Habe, einstmals auch Geld an Elemeneeau geschickt Habe. (Große UuruHe.) Bukarest, 20. Juni. Die Eröffnung der Jubiläums- Ausstellung erfolgte unter Anwesenheit des Königs, seiner Familie und einer großen Menschenmenge. Der König hielt eine Ansprache. Sein gutes Aussehen hat allgemein befriedigt. Bürgermeister Lueger wohnte der Feier bei. Petersburg, 19. Juni. (Reichsduma.) Die Beratung über den Gesetzentwurf betr. die bürgerliche Gleichheit wird fortgesetzt. Professor Petrajeczky tritt für die Rechte der Frauen ein. Petrunkewitsch spricht zu gunsten der Juden unter Hinweis auf die Vorgänge in Bjelostok und führt a.us, man müsse sich beeilen, mit die Gleichheit bei den Israeliten einzuführen, int anderen Falle würde Blnt fließen. K 0 w n 0 , 19. Juni. Heute abend warf ein Unbekannter auf dem Nikolausprospekt eine Bombe gegen den Direktor des Kownoer Gefängnisses Humbert und dessen Gehilfen Akatow. Durch die Sprengstücke wurden Humbert leicht, Akatow, ein Ladenbesitzer und ein Schiller schwer verwundet. Ter Täter ist entkommen. Newyork, 20. Juni. Ein anarchistisches Komplott zur Ermordung des Präsidenten Roosevelt ist entdeckt worden.'Salaszkiwiez, der frühere Präsident des Polenklubs von Portland und Oregon, beschuldigt seine Klubgenossen, daß sie Vereinsmittel mißbraucht hätten, um Attentate vorzubereiten. Angeblich haben sich 80 Propagandisten in Portland verschworen Und hätten auch bereits eeine geeignete Gelegenheit in Washington erforschen lassen. TelefomscBte Kursberichte des Giessener Anzeigers« mitgeteilt von der Bank fllr Handel und Industrie, Giessen. Frankfurter Börse. 20. Juni. 1.15 Uhr. 3%®/0 Beichsanleihe . . 99.70 3% do. . . 87.45 314% Konsols .... 99.65 3% do. .... 8770 3%°/0 Ressen 98.80 3%% Oberhessen . . . —.— 4% Oesterr. Goldrente. . 100.30 4V6 % Oesterr. Silberrente 100.60 4?o Ungar. Goldrente . . 95.75 4% Italien. Bente . . . 105.00 3% Portugiesen Serie I . 69.80 3% Portugiesen .. III 70.25 4^ff, russ.Staatsanl. 1905 88.25 4 Japan. Staatsanleihe 94.80 4 % Conv. Türken von 1903 95.95 Türkenlose ..... 144.40 4% Griech. Monopol-Aul. 53.70 4% äussere Argentinier . 90.60 3°/0 Mexikaner .... 70.50 4% °/0 Chinesen .... 97.35 Aktien: Bochum Guss —.— Buderus E. W ... 129.50 Elektriz. Lahmeyer . . . 147.75 Elektriz. Schlickert . . . 130.30 Eschweiler Bergwerk . . 261.25 Gelsenkirchen Bergwerk . 218.6'1 Hamburg- Amerik. Paketf. 161 30 Harpener Bergwerk. . . 215 90 Lanrahütte 240.75 Nordd. Lloyd 127.20 Obersehles. Eisen-Industrie 128.50 Berliner Handelsges . . 171.20 Darmstädter Bank . . . 138.50 Deutsche Bank . . . 235.20 Deutsch-Asiat. 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Zugleich hat sich Jung verpflichtet, die sämtlichen, in demPrivatklageverfahrenseit- her erwachsenen und weiter erwachsenden Kosten, namentlich auch diejenigen der Publikation in gegenwärtiger Zeitung, sowie des Anschlags einer entsprechenden Erklärung an den Ortstafeln in Lang-Göns und Leihgestern zu tragen. 3816 Veröffentlicht in Vollmacht des Privatklägers Gießen, d. 19. Juni 1906. für die Rechtsanwälte W. Grünewald, L. Leun & F. Fischer Leun, Rechtsanwalt. NMN- Äeit^ 6. SW» -SM rtigs jbtriir-: C hv'/, A. J, Tröster, Butzbach Fabrik landwirtschaftlicher Maschinen. empfiehlt Adolf Bieler, Drogerie Marktstrasse 5. [S301 vnri ein Unbekannter ’ e gegen den Tirek- jert und dessen Gele wnrden öumbert ein Schüler schwer men. ecbistische? Kom- sidenten Roose- c;, der frühere Präsi- d Oregon, beschuldigt el mißbraucht hätten, Men sich 80 Lrosia- । Men auch bereits nn erforschen laffen lerichte äeT Bank tor Hausverkaus. Bei Bahnstation nächst Gießen ist ein neues Wohnhaus mit fünf geräumig. 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