General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr. 7. Tel. Nr. 61. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen. fahren und kein Mittel zum Durchschlüpfen gelassen werde. Sonst tollt sie eine den Verhältnissen entsprechende Ausgestaltung der Gerstenzollordnung herbeizuführen suchen, auch hinsichtlich Ueüerwachung der Verwendung, soweit eine solche Ueberwachung ohne zu große Erschwernisse mög- Nr. »44 Zweites Matt IFH.Jahrgang Mittwoch 17. OktsSer 1906 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. d Q Die „Gießener LamMenbNMer- werden dem 1 O Rg M Fd .Anzeiger viermal wSchentlich beigelegt. Der H B tl L) y£_ S RH 'W A „hesstsche Landwirt" erscheint monatlich einmal. V W W W Sä g 4j> Ale KoyenLohe-AenLwürdigKeiLen. Anscheinend auf Grund einer Information des auswärt. Amtes berichtet der ,93. Börsen-Cour.*: Es wäre vollständig ungerechtfertigt, zu glauben, daß . der Kaiser und die übrigen anlllichen Stellen wegen der Verbi i e n t l i ch u n g der Tenkwürdigkeilen irgend eine böse Absicht beim Prinzen Alexander annehmen. Ter Prinz hätte aber die Arbeit des lzrerarischen Testamentsvollstreckers des verstorbenen Reichstanzlers sorgfältig prüfen und überwachen sollen. Aus bester dudle wird uns jetzt versichert, daß Prinz Alexander sich dieser von ihm begangenen Unterlassungssünde klar bewußt ist, und daß er tatsächlich den Professor E u r t i u s selbständig das Material sichten und die Auswahl der zu veröffentlichenden Schriftstücke vornehmen ließ. Professor Dr. Curtius hat sich von einem Vertreter dcS Pariser ,Maün" interviewen lassen und erklärt, daß ihn Prinz Alexander stets gedrängt habe, die Bearbeitung der Memoiren zu beschleunigen. Nach seiner Ansicht hätten diese nur einen journalistischen Wert, und auch seine Meinung ist, daß dem Prinzen jede böse Absicht sicherlich fern gelegen habe. In der Ocffentlichkeit nehme man die Hohenloheschen Aufzeichnungen zu buchstäblich und zu gewichtig. Sie seien oft nur in scherzhaften! Plauder- tonc gehalten. Zum Schluß erklärt Dr. Curtius, daß viele für den Kaiser unangenehine Stellen nicht veröffentlicht wurden. Wie das B. T. nreldet, sieht aber Prinz Alexander es jetzt selbst ein, daß die Veröffentlichung der Denkwürdigkeiten in der Form, in der sie erfolgt ist, unangemessen war, und er hat seinem Bedauern darüber an geeigneter Stelle Ausdruck gegeben. Immerhin wird man auf die gestern bereits angekündigte Erklärung des Prinzen Alexander allseitig gespannt sein können. Die Begründung der Veröffentlichung dürfte aber nach obigem wohl kaum einen sensationellen Inhalt haben. Prinz Alexander hat, wie es scheint, den Auftrag des Fürsten Chlodwig erfüllt. Ein solcher Auftrag mag einen Sohn unter Umständen in einen schweren Konflikt bringen. Jedenfalls aber war der kürzlich in einem ofsiziösen Blatte unternommene Versuch geradezu grotesk, angebliche Aenßer- ungen des Fürsten Chlodwig Hohenlohe über seine Memoiren gegen den Prinzen Alexander ins Feld zu führen. Wie Fürst Chlodwig über seine Aufzeichnungen gedacht hat und welchen Gebrauch er von ihnen gemacht wissen wollte, das wird er wohl schwerlich gesprächsweise irgend einem Wißbegierigen mitgeteilt haben. Dazu war der alte Hohenlohe eine viel zu verschlossene Natur. ES ist ohne weiteres anzu- nehmen, daß außer Dr. CurtiuS und dem Prinzen Alexander niemand in das ganze Geheimnis eingeweiht worden ist. CurtiuS charakterisiert den Fürsten Chlodwig sehr treffend mit den Worten: ,Jm Grunde steckte ein Journalist in ihm. Er hat auch Zeitungsaufsätze geschrieben. Der Gedanke, seine Denkwürdigkeiten niederzuschreiben, bereitete ihm außerordentliches Vergnügen.* Weshalb den Fürsten Chlodwig die Niederschrift des Erlebten so amüsierte und weshalb ihn der Gedanke einer Veröffentlichung beschäftigte, dafür lasten sich auch psychologische Gründe denken. Man braucht sich nur an das Eine zu erinnern: Fürst Chlodwig Hohenlohe wurde bei seinen Lebzeiten stark unterschätzt. Weil er kein Redner war, weil er jede staatsmännische Pose verschmähte, viel mehr zuhörte, als sprach, mag gewiß manches mehr oder minder mokante oder gar geringschätzige Wort in höfischen wie in politischen Kreisen über ihn verbreitet worden sein. So hing z. B. seiner ganzen Laufbahn als Reichskanzler die Bemerkung Richters an bei der Ernennung: dieser Kanzler sei „nur von ornamentaler Bedeutung^. Die Unterschätzten, die für schwach Gehaltenen reizt es, der Welt eine Ueberraschung zu bereiten, und sie ist denn auch gelungen. Deutsches Reich. Berlin, 16. Okt. Der Kaiser sprach sich bei seinem Besuch in Gelnhausen für die Erhaltung der Barbarossa-Burg aus. — Der russische Botschafter des Aeußern, von Iswolski, der zurzeit in Tegernsee einen kurzen Erholungsurlaub verbringt, wird auf der Rückkehr mit dem Reichskanzler Fürsten Bülow eine Besprechung haben, jedenfalls an einem der letzten Tage dieses Monats. — Kolonialdirektor Dernburg hat zugunsten der Angestellten der Darmstädter Bank 45 000 Mark g e st i f t e t. Ostrotoo, 16. Okt. Eine vom Pfarrer Zborotoski geleitete, von etwa 700 Polen, darunter Reichstagsabg. Fürst Radziwill und dessen Bruder Prinz Karl Radzi- toill besuchte Versammlung wurde polizeilich aufgelöst, als ein Redner zum Kamps gegen den deutschen Religionsunterricht aufsorderte und dabei betonte, daß das polnische V r 5 k s i ch a u s l e h n e n müßte, auch wenn dabei Blut fließen sollte. Unter Heulen, Johlen und Protestrufen verließen die ^Versammlungsteilnehmer nach mehrmaliger Aufforderung des Polizeibeamten den Saal. Bremen, 15, Okt. Die Sozialdemokraten hielten sechs große Protestversammlungen gegen die Fleischnot und die Erhöhung der M i l ch p r e i s e ab. Eine gleichlautende Resolution wurde überall einstimmig angenommen. Nürnberg, 16. Okt. Der Straßenbahn-Techniker Schm au ß wurde per 1. November in den Kolo- nialdienst nach Togo berufen. München, 16. Okt. Der Stadt-Magistrat hat beschlossen, bei fder Negierung vorstellig zu werden, znr weiteren Oeffnung der Grenze für die Einfuhr von Schlachtvieh. , . c c, c — Wie die „Frkf. Zig." erfahrt, wird die bayerische Regierung, die streng auf genaue Durchführung der Gersten Verzollung zur Verhütung von Mißbrauchen bedacht ist, Veranlassung nehmen, bei dem Bundesrat dahin zu wirken, daß nirgendwo im.Deutschen Reiche anders verAusland. London, 16. Okt. Der große Armeeskandal ist nunmehr erledigt. Wie erinnerlich, entdeckte man maßlose Korruption in der Verproviantierung der Armee während des Burenkrieges. Gestern wurden die verhängten Strafen bekannt gegeben. 28 Offiziere sollen aus der Armee au§gestoßen werden ohne Pension. Darunter befindet sich ein Oberst. Außerdem werden einige Militärbeamte und Unterofsiziere bestraft. Rian hofft, dieses energische Vorgehen werde als abschreckendes Beispiel für die Zukunft wirken. Paris, 16. Okt. Der Lordmayor und die Vertreter von London wohnten dem vom französischen Komitee für Ausstellungen int Auslande gegebenen Frühstück bei. Der Lordmayor erklärte, die englisch-französische Ausstellung 19 0 8 werde eine Verkörperung der Entente cor- diale sein. St. Maximen, 16. Oktober. Minister Cleme nca u hielt heute eine Rede, in der er erklärte, die Negierung kämpfe gegen die Herrschaft NomS und verweigere der Kirche das Geld derer, die nicht gläubig seien. Der 11. Dezember werde der letzte Tag sein, an dem Frankreich unter dem Regime des Konkordats stehe. Am 12. Dezember werde Frankreich unter den Sonnenstrahlen der Freiheit erwachen. Nom, 16. Okt. TaS Blatt „93ita* bespricht die Beziehungen zwischen Italien und Oesterreich und sagt, daß die zwischen De sch land und Italien bestehenden Differenzen noch ernsterer Statur seien. Der Dreibund sei dem Verfalle nahe und er falle zugunsten eines i t a l i e n i s ch - e n g l i s ch e n A b k o m m e n s. Kungur (Indien), 16. Okt. In der letzten Nacht wurden hier 7 Pud für den Eisenbahnbau bestimmten Dynamits, ferner Gewehre und Patronen gestohlen. Zwei Wächter wurden ermordet. Aus Ktadt und Gießen, 16. Okt. 1906. ** Der 2. Kammer der hessischen Stände ist eine Vorstellung deS Bundes deutscher Frauenvereine zugegangen, in der gebeten wird, durch Erlaß eines LandeS- ^esetzcs die Fortbildungsschulpflicht auf die gewerblichen Arbeiterinnen auszudeh,nen. ** Für die Sitzung der Stadtverordneteu- versammlung am Donnerstag, 18. Okt., nachm. 4 Uhr, ist folgende Tagesordnung aufgestellt.- 1. Mit teilten gen. 2. Baugesuch Alexander Salomon für die Schulstraße. 3. Baugesuch Konrad Tamm für die Liebigstraße. 4. Baugefuch Adolf Schmidt für die Marbnrgerstraße. 5. Baugefuch Wilhelm Kitz für die Marbnrgerstraße. 6. Bau- gesuch Wilhelm Zurbuch für die Eichgärten. 7. Ausstattung des Saales zur Vornahme der Eheschließungen. 8. Umbau der Stephanstraße zwischen Bismarck- und Bleichstraße. 10. Wiederherstellung des Pflasters über den Rohrgräben. 11. Lieferung von Pflastersteinen für den Landgraf Philipp- Platz. 12. Um Pflasterung des Seltersweges. 13. Beschaffung von Pflastersteinen für 1907. 14. Die Straßenreinigung. 15. Vergebung von Arbeiten und Lieferungen für die höhere und erweiterte Mädchenschule. 16. Innere Einrichtung der neuen höheren und erweiterten Mädchenschule. 17. Ankauf eines Grundstücks der Plockschen Stiftung zur Vergrößerung des Viehmarktplatzes. 18. Ueber- lassung der städtischen Wiesen hinter den Eichen an den Eisverein. 19. Einführung der Gasleitung in die Wolfstraße. 20. Verband von Elektrizitätswerken für Baden, Hessen und Pfalz. 21. Unterhaltung von Grabern durch die Stadt. 22. Gesuch von Louis Moll in Grünberg um Uebernahme von Aktien der Eifenbahn Lich-Grünberg durch die Stadt Gießen. 23. Die Löberstiftung; hier Genehmigung der Rechnung für 1906 und Vorlage des Voranschlags 1907. 24. Gesuche um Erteilung der Schankkonzession von a) Fr. Laih für Schulstraße 10, b) Louis Bourgeos für Mäus- burg 1, c) Hans Förtsch für Kirchstraße. *' Vorsicht! In letzter Zeit ist es zweimal vorgekommen, daß Frauen aus dem Wochen markte ihre in der Markttasche ausbewahrten Portemonnaies vermißten. Da kein Portemonnaie als gesunden abgeliefert wurde, muß angenommen werden, daß die Portemonnaies von einem raffinierten Langfinger aus den Markttaschen heraus gestohlen wurden. Darum Vorsicht beim Marktbesuch. •’ Unehrlicher Finder. Vor einigen Tagen verlor eine Dame in der Neustadt ihre Uhr. Ein Herr bemerkte, wie ein Bauersmann mit seiner Frau die Uhr aufhob, allein abgeliefert oder veröffentlicht hat der Finder die Uhr nicht. Vielleicht tragen diese Zeilen zur Feststellung des Finders bei. ** Im Gießener Stadttheater wurde gestern abend das Drama des Spaniers Joss Echegaray „Gale o t t o" in der Bearbeitung von Paul Lindau gegeben. Das vor etwa v-ier Jahren zum letztenmal aufgeführte Stück hatte kein sonderlich zahlreiches Publikum angezogen, die Erschienenen kamen aber dank der geschickten Regie vollauf aus ihre Kosten und ihr Genuß wurde nur durch die allzu ausgedehnten Pausen beeinträchtigt. Als Trägerin der Hauptrolle „Donna Julia" bot Frau Bayrhammer eine recht befriedigende .Leistung, die namentlich in den ersten Szenen auf der Hohe stand. Störend machte sich das öftere zu leise Sprechen bemerkbar. Nicht ganz gleichwertig war die Darstellung des jugendlichen Feuerkopfes „Don Ernesto" durch Herrn Kober. Das Sptel des an sich recht strebsamen Künstlers war vielfach gekünstelt und gezwungen, die Deklamation überstürzt und her liebergang von den ruhigen zu den dramatisch belebteren Szenen zu unvermittelt, um recht wirken zu rönnen. Besser gelang Herrn Bakof die Wiedergabe deS „Don Manuel", wenn er auch der sympathischen Gestalt des vornehm denkenden Handelsherrn mehr deutsche als spanische Züge verlieh. „Don Severo" Und dessen Gattin waren durch Hemt S ch l o t t a u und Fräulein von I a g e m a n n entsprechend vertreten, während Herr Gr ee s f dem „Don Miguel" nichts besonderes abzugewinnen wußte. Anerkennung verdient noch Frln. Bons als Wirtin. E. H. ** Charlotte Wiehä, die in ihrer Heimatstadt Kopenhagen, in Paris wie in New York zu den Lieblingen des Publikums zählt, kehrt, wie schon erwähnt, morgen, Donnerstag, bei uns ein, um in einem Vortragsabend int Stadttheater eine ganz neue Seite ihrer Kunst zu zeigen. Sie wird als Diseusc internationale Volkslieder und Balladen zu Gehör bringen und nach den uns vorliegenden Berichten, werden ihre Darbietungen als auf höchster Stufe stehend und einer selbst von Pvette Guilbcrt nicht erreichten ^Liebenswürdigkeit bezeichnet. Mad. Wiehä, bekanntlich eine geborene Dänin, beherrscht das Französische, Englische und Dänische und sie verleiht 'jedem einzelnen ihrer Liedervorträge einen charakteristischen Zug. Auf dem Gebiete des Humors und der feinen französischen Plauderei, unterhält sie ihr Publikum aufs glänzendste, wobei ihr Gatte, der Komponist von „La mein", sie am Klavier unterstützt. — AuS dem Lumdatal, 15. Okt. Die für die gemeinsame Wasserleitung der Orte Lollar, Dau- bringen, Staufenberg und Mainzlar nötigen Quellen- faRungen in der Gemarkung Allendorf sind jetzt größtenteils in Angriff genommen; nur die im Allcndorfcr Gemeindewald befindliche Quelle kann nicht gefaßt werden, da die schon im vorigen Jahre vergeblich versuchte Einigung über deren Ankauf immer noch nicht erzielt worden ist. k- Friedberg, 15. Okt. Der FiskuS Hai der Stadt den Burgberg auf 25 Jahre pachtweise überlassen, die Stadt zahlt jährlich 300 Mk. Pacht. Sie will den Burgberg mit Rücksicht darauf, daß die Promenaden durch die große Bautätigkeit sehr beschnitten worden sind, in Anlagen und Spaziergänge verwandeln. d. Friedberg, 16. Okt. Wie man aus zuverlässiger Quelle erfährt, ist gegen den vormaligen 2. Direktor der Landwirtschaft!. Hauptgenoffenschaft, Oekonomierat Schlenke- Friedberg, wegen Unregelmäßigkeiten Anzeige erstattet worden. Ueberraschend ist die so auffallend spät erfolgte Anzeige, da doch am nächsten Freitag bereits die Verhandlung gegen den derzeitigen 1. Direktor Hirschel stattfindet. Darmstadt, 16. Okt. Das Großherzogliche Hof- lager ist heute nachmittag vom Jagdschloß Wolfsgarten wieder hierher verlegt worden. I. I. K. K. H. H. der Großherzog und die Großherzogin trafen heute nachmittag hier ein. Reinheim, 15. Okt. Reichstagsabg. Becker sprach am Sonntag in einer gut besuchten Versammlung der national- liberalen Partei über seine Tätigkeit im Reichstag und insbesondere die Reichssteu er re form. Die Versammlung nahm nach den mit Beifall aufgenommenen Ausführungen des Redners folgende Resolution an: „Tie heule in Reinheim tagende, sehr zahlreich aus allen Berniöstäitoen besuchte Versammlung bringt ihrem Abg. Dr. Becker für seine Tätigten int Reichstage vollstes Ver trauen entgegen und weist alle Angriffe auf denselben als durchaus uu- vegründet zurück." Sodann beschloß man einen Wahlverein zu gründen. = Wetzlar, 16. Okt. Unser Dorn bau hat im Laufe dieses Sommers so erfreuliche Fortschritte gemacht, daß wir den früher in weiter Ferne liegenden Zeitpunkt in absehbare Nähe gerückt sehen, wo das alte Wahrzeichen unserer Stadt verschönt und verjüngt in das Lahntal schauen wird. In diesen Tagen wurde daS Riesengerüst zur AuSbeffernng des Hauptturmes aufgeschlagen und noch vor Beginn des Winters wird die Bauarbeit an der Süd- und Westseite in Angriff genommen werden. Es zeigt sich ein lebhaftes Interesse für unsere Domsache und der rege Fortgang der Dombau- Erneuerungsarbeiten wird tagtäglich von Fremden und Einheimischen mit regem Interesse verfolgt. Sinn, 16. Okt. Ein schwerer Unglücksfall hat sich, wie das „Herb. Tgbl." berichtet, am Samstag früh um 1/27 Uhr auf der Neu Hoffnungshütte zugetragen. Der Arbeiter Heinrich Birk ans Kölsch hausen drückte mit noch anderen einen leeren Wagen zur Verladestelle und versuchte im letzten Moment vor dem Wagen über das Geleise zu gelangen. Er wurde von dem Wagen erfaßt und derart an die Mauer gedrückt, daß der Tod kurze Zeit nach dem Unfall eintrat. Auf Antrag der Werksleitung fand eine gerichtliche Aufnahme des Tatbestandes st itt. fc. Allendorf bei Haiger, 16. Okt. Hier wurde die Ehefrau deS Arbeiters BraaS von einem Arbeiter namens Braun, der sich mit anderen jungen Burschen im Flobert- schießen vergnügte, aus Unvorsichtigkeit so unglücklich in den Unterleib geschossen, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Der Täter ist flüchtig. [] Marburg, 15. Okt. Heute früh wurde hier durch einen Festakt die neue Stadtschule, die im sog. Biegenviertel mit einem Kostenaufwand von etwa 400000 Mk. erbaut ist, eingeweiht. Der schöne Monumentalbau soll 28 Klassen mit ca. 1400 Schülern Aufnahme genähren. — Nachmittag fand dann der Beginn des Unterrichts in der vom Verein Frauenbildung-Frauenstudium ins Leben gerufenen, der Stadt unterstehenden Fortbildungsschule für weibliche Handlungsgehilfen und Lehrlinge statt. In dieser Schule finden auch die der Handwerkskammer unterstehenden weiblichen Lehrlinge der verschiedenen zum Handwerk zugeteilten Berufe Ausnahme. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Ost he im bei Butzbach wurde die Anlage einer Wasserleitung beschossen. — In Ausübung seines Dienstes wurde der Schutzmann Deichmann zu Kassel durch einen Messerstich schwer verletzt. Er war im Begriff, den Obsthändler Krause, oer in der Wirtschaft „Zum weißen Hose" Lpettakel gemacht hatte, nach heftigem. Wider,lande avzuführen. da stieß ihm der Bruder des Krause von hinten das Messer ties in die Schulter. Ei« Totschlag im Manöver vor dem Kriegsgericht. R. B. Darmstadt, 16. Okt. Jene entsetzliche To t s ch l a g s a f f ä r e, die sich bei Gelegenheit der Septembermanöver bei Eberstadt zwischen zwei Musketieren der 7. Kompagnie des 168. Infanterie-Regiments zutrug und allgemeine Erregung hervorrief, kam heute vor dem Kriegsgericht der 25. (hessischen) Division zur Aburteilung. Der Angeklagte Peter Müller II., gebürtig aus Hühnlein bei Eberstadt, ist einer jener rohen Patrone, die bei dem geringsten Anlaß zu dem Messer greifen und blindlings alles nicderstechen. Er hat schon vor seiner Einziehung zum Militär ein halbes Jahr wegen Diebstahls und zwei Jahre Gefängnis wegen einer schweren Messerstecherei, bei der das Opfer nur mit knapper Rot dem Tode entging,, verbüßt. Unter seinen Kameraden in Offenbach, die ihm zumeist das Zeugnis eines rohen, verschlossenen, jähzornigen Menschen ausstellen, hat er gern von seinen Straftaten erzählt und damit renommiert. Der Angeklagte war während der Manöverzeit auf dem Griesheimer Uebungsplatz einquartiert und erhielt von der erst 16 jährigen Marie Mütz die Einladung, am Sonntag zur Nachkirchweih nach Secheim zu kommen. Dies tat er auch, indem er sich ohne Urlaub von seinem Truppenteil entfernte, trotzdem er kurz zuvor erst wegen desselben Vergehens verurteilt worden war. In Secheim traf Müller frühere Bekannte, war lustiger Stimmung, trank und tanzte. Auf dem beim Dunkelwerden angetretenen Rückweg nach Eberstadt wurde von der Gesellschaft in Molchen noch einmal Einkehr gehalten. Als Müller mit der Mütz an einem Tische Platz nahm, gesellte sich auch sein bester Freund, der Musketier Heinrich Hausbaus Ingelheim zu ihm. Es kam aber beim Bicrtrinken zwischen beiden bald zum Streit und als die Mütz durch einen unvorsichtigen Scherz etwas Bier dem Müller auf die Weste schüttete, wurde dieser so jähzornig, daß er das Glas in tausend Scherben zerschlug. Hier drohte er Haus zu erstechen, wenn er sich unterstehen sollte, mit seinem Mädchen zu gehn. Da die Situation immer unerquicklicher wurde, verließen Haus und die Mütz das Lokal und wollten nach Eberstadt znrückgehen. Müller schlich ihnen aber nach und forderte die Mütz auf, mit ihm zu gehen. Ms sie dies nicht tat, verlangte er, daß Haus sie beide allein lasse. So schritten sie noch ein Stück des Weges, bis sie auf der alten Bergstraße bei der Frankensteiner Schneise anlangten. Tort kam es zu einer Rauferei zwischen den beiden Soldaten, wobei Müller sein Seitengewehr zog: es war, nebenbei bemerkt, zwischen 10—11 Uhr abends und völlig dunkel. Tie M. eilte nun hilfesuchend 20—30 Schritte des Weges zurück und traf den Zeugen Kirschner, aber ehe sie die Streitenden wieder erreichten, hörten sie in der Dunkelheit einen dumpfen Fall, Haus war blutüberströmt zur Erde gesunken. Dem Müller war beim Raufen sein Seitengewehr aus der Hand geflogen und da hatte er sein unscheinbares Taschenmesser? .hervorgezogen, mit beiden Händen die Klinge aufgeklappt und dann so wütend und wuchtig auf Hals und Schädel seines Gegners eingestochen, daß eine Haupt, schlagader am Hals durchschnitten, die Schädeldecke zertrümmert und das Gehirn verletzt wurde; der Tod des Unglücklichen muß sofort eingetreten sein, große Blutlachen machten die späteren Passanten und einen Radfahrer auf die Mordtat aufmerksam. Während nun Müller und die Mütz nach Eberstadt liefen und den Arzt Dr. Ascher zur event. Hilfeleistung nach dem Tatort liefen, war die Leiche, die mit dem Gesicht auf der Erde lag, bereits nach Molchen geschafft worden. Besonders charakteristisch für die rohe Gesinnung des Angeklagten ist, daß er noch angesichts des Toten wegwerfende Bemerkungen machte, von dem „verreckten Kerl" sprach und der Mütz drohte,' daß auch sic „dran kommen" würde, sobald er wieder aus dem Gefängnis entlassen werde. In der heutigen Verhandlung versuchte der Angeklagte den Hergang so darzustellen, als ob er der Angegriffene gewesen sei und mir in Notwehr gehandelt habe. Die Zeugen, die den Toten auffanden, bekundeten jedoch ausdrücklich, daß dessen Seitengewehr in bet Scheide steckte und in der Hand der Leiche das Seitengewehr Müllers sich befand, das dieser überall vergeblich gesucht hatte. Haus hatte dasselbe also trotz der Dunkelheit gefunden und es vor dem Wütenden versteckt gehalten. Die vernommenen Sachverständigen und die Zeugen bestätigten die Behauptungen der Anklage im vollen Umfang. Der Vertreter der Anklage wies auf die unerhörte Roheit des Angeklagten hin, der seinen angeblich besten Freund, der als ein sehr erträglicher und guter Mensch geschildert wurde, mit größter Bestialität nieder- ftach. Er beantragte wegen des gemeinen Totschlags, der nahezu an Mord grenze, zwölf Jahre Zuchthaus und wegen der Bedrohungen, des Mißbrauchs der Waffen, der unerlaubten Entfernung von seinem Truppenteil usw. weitere 6 Monate Zuchthaus, Entfernung aus dem Heere und 10 Jahre Ehrverlust, während der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Dr. Schmeck H., auf Gewährung mildernder Umstände plädierte. Tas Kriegsgericht verurteilte den Angeklagten, der erst bei der Stellung des hohen Strafmaßes einigermaßen in sich zu gehen schien und in Tränen ausbrach, dem Antrag des Vertreters der Anklage gemäß unter ausdrücklicher Verweigerung mildernder Umstände zu 12Vo Jahren Zuchthaus und 10jährigem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Die Sitzung, die früh 8V2 Uhr begonnen hatte, war erst kurz vor 3 Uhr nach- mittags beendet. Vermischtes. • Ein mit unglaublicher Frechheit verübtes Spitzbubenstücklein, wie es in Deutschland seit dem 30 jährigen Kriege nicht mehr vorgekommen sein dürfte, hat am Dienstag nachmittag das Berlin benachbarte Städtchen Köpenik in Aufregung versetzt. Mit dem Vorortzuge 2 Uhr 40 Min. trafen von Berlin 20 Mann vom 4. und 5. Garde-Jnfanterie-Negiment unter Führung eines Hauptmanns ein und besetzten alsbald das Rat haus. Vor dem Hauptportal stellte sich ein Doppelposten mit aufgepflanztem Bajonett auf, mährend die anderen Zugänge von einfachen Posten besetzt wurden. Das Rathaus wurde von jedem Verkehr mit der Außenwelt abgeschnitten, selbst die Beamten durften ihre Bureaus nicht verlassen, ebenso die im Rathauskeller befindlichen Gäste. Mitgliedern der städtischen Behörden wurde der Zutritt zum Rathause von den Soldaten mit der Erklärung verweigert: Auf Befehl Sr. Majestät istdasRathauS besetzt. BürgermeisterDr. Langer- Hans mit seinerFrau und einSchutzmann mußten unter militärischer Bedeckung einen Wagen besteigen. Auch der Hauptkassenrendant von Wilt- berg wurde unter militärischer Bedeckung nach dem Bahnhofe gebracht. Da der die Soldaten anführende Hauptmann vorher auch dem Postamt den Befehl erteilt hatte, daß jede telephonische und telegraphische Verbindung eine Stunde lang zu unterbleiben habe, so war eine Anfrage bei der vorgesetzten Behörde nach außerhalb unmöglich. Die beiden Arrestanten wurden auf die neue Wache in Berlin eingeliefert, wo man sie bald entließ, da man von der ganzen Angelegenheit dort nichts wußte. Inzwischen hatte der angebliche Hauptmann die städtische Kasse einer Revision unterzogen und sich 4000 M k. an geeignet. Er ließ das RathauS noch bis % 2 Uhr bewachen und fuhr selbst in der Richtung nach Berlin davon, nachdem er vergeblich versucht hatte, den Sparkassen-Redanten in feine Gewalt zu bekommen. Um 2 Uhr nachts soll der Gauner noch in Berlin gesehen morden sein, doch ist es bisher nicht gelungen, seiner habhaft zu werden. — Dieser Gaunertrick nach echt russischer Art dürfte Operettenfabrikanten erwünschten Stoff liefern. * St. Johann, 16. Okt. In dieser Nacht wurde am NathauSplatz die auf einem Monumentalbrunnen stehende auS Marmor gearbeitete nackte Tele mach-Statue in nicht wiederzugebender Art verstümmelt. Außerdem wurde daS Schwert der Statue abgebrochen. Die Statue ist ein hervorragendes Kunstwerk des Bildhauers Kauer auS Kreuznach. Ein Bronzeguß der Figur befindet sich im Besitz des Kaisers. Schon vor einigen Jahren ist gegen das Bildwerk ein Attentat verübt worden. Es konnte damals indessen gut restauriert werden. * Der weibliche Rekrut. Ein junger Fuhrknecht aus einem Orte der Umgebung Aachens mar im letzten Frühjahr nach einer reichsländischen Garnison ausgehoben worden. Der angehende Soldat reiste dieser Tage 'zu seinem Regiment ab. Hier wurde nach der ärztlichen Untersuchung dem Ueberraschten der Bescheid, daß er wieder nach Hause fahren könnte, um schleunigst seine Beinkleider mit dem — Unterrock zu vertauschen. Der Regimentsarzt hatte konstatiert, daß hier einer jener abnormen Fälle vorliegt, die eine definitive Entscheidung über die geschlechtliche Zugehörigkeit des Betreffenden nicht zulassen. * Der Bürgermeister von Li mb ach, Dr. jur. Goldenberg, dessen Familie vor einiger Zeit aus Anlaß der Angelegenheit der „anonymen Briefe von Limbach" viel genannt wurde, tritt nach 14jähriger Amtsperiode am 1. Januar 1907 mit voller Pension in den Ruhestand. Eine Tochter des Bürgermeisters hatte sich wegen der ermähnten Briefe vor der Strafkammer in Chemnitz zu verantworten, mar aber reigesprochen morden; als ihr Verteidiger fungierte u. a der eigene Vater. Ter Posten eines Limbacher Bürgermeisters soll jetzt mit einem Jahresgehalt von 7000 Mk. zur öffentlichen Ausschreibung gelangen. "Die Leichen der Katasirophe von Epernon sind mittelst Sonderzuges in Paris angekommen und wurden in die Wohnungen der Angehörigen gebracht. Der Verkehrsminister wird in der Kammer über die Nachlässigkeit der Eisenbahn - Gesellschaft interpelliert werden. Ferner wird behauptet, daß der Zug, in dem sich die Aerzte, der Polizeipräfekt und die Mitglieder der Gerichtsbehörde befanden, durch Nachlässigkeit drei Stunden zurückgehalten wurde. * Ein mohlverbürgteS Geschichtchen, dessen Schauplatz die Münchener königliche Residenz imb dessen Held ein tüchtiger Landschaftsnialcr ist, für den höfischer Zwang ein Buch mit sieben Siegeln bedeutet, wird aus München berichtet. Der Prinz-Regent hatte den Künstler zur Tafel geladen, da ihm die Kunstausstellung eine Auszeichnung gebracht hatte. Der Künstler mar ob dieser Ehre ebenso aufgeregt roie verlegen. Zunächst galt es, einen Frack zu leihen. Das gelang. Tann aber nahmen ihn gute Freunde beiseite und erzählten dem Gläubigen, am Schlüsse der Hoftafel werde in dunkelblauen Gläsern ein ganz besonders alter Wein gereicht, und Pflicht des zum ersten Male Erschienenen sei es, mit diesem Weine das Wohl des Regenten auszubringen. Und so kam e§, daß der Maler tatsächlich am Schluffe des Essens — das Mundspülglas ergriff, e§ mit der nötigen Begeisterung erhob, den Prinz- Regenten dreimal leben ließ und die lauwarme Flüssigkeit tn einem Zuge hinunterstürzte zur sprachlosen Verblüffung aller Anwesenden. * Kleine Tageschr0nik. Im Kampfe mit Wilddieben in Kl c i n-Gl a db a ch bei Erkelenz (Rheinl.) wurde ein Förster durch Schußwunden schwer verletzt. — In Keltenich (Rhnnl.) wurde ein Wegearbeiter, her einer Dampfwalze mit brennender Laterne vorausging, von der Walze erfaßt und zermalmt. — Bei Königsberg i. Pr. wurde der Grrichts- vollzieher Kröge auf einer Ra dl out von einem Rangier- zuge über fahren und sofort getötet. — In München- Gladbach geriet int Wasserwerke der Maschinenwärter Breuer beim Oelen einer Maschine ins Schwungrad und wurde auf gräßliche Weise getötet. — Im Klausenburger (Ungarn) reform. Priesterseminar sind 53 Theologen und 4 Pedelle an Wur st Vergiftung erkrankt. Das Befinden von 15 Theologen ist besorgniserregend. — In einem Hotel zu Blankenburg i. Harz erschoß eine angebliche Frau Schopfwinkel aus Magdeburg oder Kassel sich und ihre beiden 3 und 5jährigen Kinder. Der Grund ist anscheinend der Ausgang ihres Ehescheidungsprozesses, bei dem die beiden Kinder dem Ehemann zugesprochen wurden. — Aus Wingate kommt die Meldung, daß die übrigen noch verschütteten Bergleute jetzt gerettet sind. — In Triest wurde im Treppenhause eines Gebäudes der Geldbriefträger Veliconja von einem elegant gefleibcten Manne überfallen und schwer verwundet. Der beabsichtigte Raub der Geldtasche mißlang, da auf das Hilfegeschrei des Ucöerfallenen Leute herbei- eilten. Der Räuber entfloh. raunst isnfc — Direktor Kotschau vom Königl. Historischen Museum in Dresden ist in Weimar als Nachfolger Professor Ruhlands und des Grafen Keßler zum alleinigen Leiter des Goethe- Nationalmuseum s, des Museums für Kunst und Gewerbe und des Großh. Museums berufen worden. ____________ AnZversitäts-Nachrrehten. Berlin, 16. Okt. Die erst e Imm a tr ikula t i0n an der Handelshochschule Berlin sand gestern durch den Rektor Professor Dr. Jastrow statt. Der Rektor ermahnte it. a. die Studierenden, von der akademischen Freiheit, auf der das neue Unterrichtsinstitut, wie jede deutsche Hochschule, begründet sei, den rechten und heilsamen Gebrauch zu machen. Die Zahl der Immatrikulierten betragt 58, darunter 66 Inländer und 2 Ausländer , während etwa 45 weitere Studierende bereits vorge- merft sind. — Zwischen dem Direktorium der Landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin und dem Berliner Magistrat schweben zur Zeit Verhandlungen wegen der Ueberlaffung eines der Stadt gehörenden Gutes in der Nähe Berlins an die Hochschule zur Einrichtung einer praktischen Lehranstalt. Der Berliner Magistrat hat sich im Prinzip damit einverstanden erklärt, den zum Nieselgut Blankenfelde gehörenden Gutshok Rosenthal bei Reinickendorf der Hochschule zur Verfügung zu stellen. Rosenthal liegt eine gute halbe Stunde von den Berliner Rieselfeldern entfernt und wird von diesen nicht belästigt. Die zu dem Gutshof gehörenden Gelände eignen sich sehr gut für die Zwecke der Hoch- schule. handel und Verkehr, Volkswirtschaft. Märkte. ke.Frankfurt a. M., 16. Oktbr. Heu- und Strohmarkt Man notierte: Heu Mk. 3.30 bis 3.60. Stroh Mk. 2.90 bis Mk. 3.10. Alles per 50 Kilo. Die geringe Zufuhr wurde bei steigenden Preisen rasch aus dem Markte genommen. ke. Frankfurt a. M., 17. Okt. (Orig.-Telegr. des „Gieß. Anz.") V i e h m a r k t. Zum Verkaufe standen 00 Kälber 00 Schafe und Hammel, 1682 Schweine; 1. Qual. 76—77 Pfg, Lebendgewicht 60.00—00.00 Pf., 2. Qual. 74—76 Pk., Lebendgewicht 59.00—00 Pfg., 3. Qual. 68—70 Pfg. Kälber I. Qual. 00—00 Pf., Lebendgewicht 00—00 Pfg., 2. Qual. 00—00 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg., Schlachtgewicht 00—00 Pfg. Schafe 1. Qualitä Schlachtgewicht 00—00 Pfg., 2. Qualität 00-00 Pfg. Geschäft mittelmäßig, Ileberstand bedeutend. m^niUiNKctoMt brr Todesfälle in der Zindt Kietzen 39. Woche. Vom 23. bis 29. September 1906. Einwohnerzahl: angenommen zu 29 500 linkl. 1600 Mann Militär.) Sterblichkeitsziffer: 15,86 %n, nach Abzug von 5 Ortsfremden: 7,08 Von. Kinder Anm.: Tie in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nadj Gießen gebrachte Kranke kommen. Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr Gehirntuberkulose 1 •— — 1 Gehirnentzündung 2(1) 1(1) — 1 Krämpfe 1 1 — Bauchfellentzündung 1 (1) 1 (1) — — Neubildungen 3(2) 3(2) — — Selbstmord 1 (1) 1 (1) —— — Summe 9 (5) 6755 1 2 Airchttche Nachrlchte«. Evanaclische Gemeinde. Donnerstag, den 18. Oktober, abends 8 Uhr, im Markussaak, Kirchstr. 9, B i b e l-st u n d e. (1. Brief des Apostels Paulus an den Timolheus.) Pkarrer Schwabe. Gießener Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung für Hessen am Donnerstag den 18. Oktober: Meist heiter, trocken, Temperatur nicht verändert.. Mäßige südliche Winde. Untergang eines französischen Unterseebootes. Original-Telegramm des „Gieß. Anz/ V i s c r t a, 16. Okt. Das ncueUnLcrseeboot„Luti n"; das heule morgen bei starkem Seegang zu Tauchcrübungen aus-, gelaufen war, wurde gegen 10 Uhr als aus Sicht getornmeu gemeldet. 2 Torpedoboote und 3 Schleppdampfer, die daraufhin auf Suche ausgeschickt wurden, haben bis heute abend nichts über den Verbleib des Bootes feststellen können. Erst in der Nacht konnte festgestellt werden, daß das Boot mit seiner gesamten Besatzung, die aus 2 Offizieren und 12 Mann bestand, untergegangen ist. Es wurden sofort Versuche zur Hebung tiorgenommen, die erfolglos blieben. Paris, 17. Okt. Die Nachricht von dem Untergang des Lutin hat hier um so größere Aufregung hervorgerufen, als die gleichfalls im Hafen von Mserta erfolgte Katastrophe des Tarfadct noch in frischer Erinnerung ist. Der Marine, m i n i st c r, der in der Nacht mehrere Berichterstatter empfing äußerte sich sehr pessimistisch über das Schicksal der Unter- gegangenen. Er erklärte, daß im Hafen von Biserta kein Schift vorhanden sei, das genügend leistungsfähig sei, das etwa 46 Meter tief gesunkene Unterseeboot zu heben. Er gab schließlich der Hoffnung Ausdruck, daß die Verunglückten keinen so langen Todeskampf haben werden, wie seinerzeit die des Tarfadct. — Tas Petit Journal meldet, daß sich 2 Offiziere und 14 Mann auf dem Schiff befunden hätten, da der Kommandant gestern noch zwei überzählige Maschinenzöglinge an Bord genommen habe. GrZgLeral-DrahtmelHuirgerr. sd. T armstad t, 17. Okt. Ein großes Schadenfeuer entstand heule nacht auf dem etwa eine Stunde von hier liegenden, der Stadt gehörenden H 0 s g u t G e h a b 0 r n. Etwa 1900 Hausen u n g e d r 0 s ch e n e s Kor n, das morgen zur Dreschmaschine kommen sollte, sind verbrannt. Der Pächter Schwarz ist versichert. Anscheinend liegt Brandstiftung vor. Die angestellten Löschoersuche hatten keinen Erfolg. Essen, 17. Okt. Der Gewerkverein der christlichen Bergarbeiter beruft in der Lohn- und Verschmelzungsfrage nächsten Sonntag abermals über 40 Versammlungen ein. Tas Organ der christlichen Bergarbeiter „Bergknappe" protestiert gegen die Bestrebungen von Angehörigen des alten Verbandes, in1 den gemeinschaftlichen Versammlungen politische Agitation zu treiben. j Oels, 17. Okt. Das Schwurgericht verurteilte den 28 jälfr. Tischlergesellen Drago aus Militsch wegen eines an der 11 jähr. Tochter des Tischlermeisters Breuer verübten Sittlichkeits- Verbrechens, wodurch der Tod des Mädchens verursacht wurde, zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe. Posen, 17. Okt. Unter den Polen aller drei Reiche macht sich eine Bewegung geltend, welche eine Aenderung der jetzt in den Grenzen des ehemaligen Königreichs Polen bestehenden katholisch-kirchlichen Einrichtungen anstrebt und zwar will man eine He ntral-Kirchenbe Hörde schaffen, welche den gesamten volnnch-katholischen Volkskomplex in Deutschland, Oesterreich imi> Rußland von einer Stelle aus leiten soll, welche als Oberhaupt den Papst anerkennt und dem sämtliche Bistümer in den ehemals königlich polnischen Landesteilen unterstellt werden sollen. Ein großer Teil der Geistlichkeit soll für diesen Plan agitieren. Man will zunächst den Erzbischof v. Stableivski veranlassen, im Sinne der neuen Bewegung beim Papst vorstellig zu werden und hofft sicher aus dessen Unterstützung. Landau, 17. Okt. Der Prinzregent begnadigte den zum Tode verurteilten Raubmörder Brücke! zu lebenslänglichem Zuchthaus. Brücke! hatte einen Lustm 0 rd an oer Frau eines Dienstknechtes begangen. Freiburg i. B., 17. Okt. Der wegen versuchter Verleitung zum Meineide zu einem Jahre Zuchthaus verurteilte und noch nicht verhaftete Pfarrer Gaisert in Gündelwangen hat sich nach Beuren im Hohenzollernschen zu den Benediktinern ins Kloster begeben. Er hat gegen das Urteil Revision eingelegt. Teplitz, 17. Okt. Im Ostrauer Kohlenrevier sanden große Bergarbeiter-Versammlungen statt. Es wurde überall eine Resolution angenommen in der es heißt: Obgleich die Forderungen der Arbeiter bis zur Stunde nicht bewilligt sind, tritt die Bergarbeiterschaft im eigenen und im Interesse der Werke nicht in den Streik, der beide Teile schwer schädigen würde. Petersburg, 17. Okt. Gras Witte, welcher Ende dieses Monats nach Petersburg zurückkehrt, wird für die R e i ch § d u m a kandidieren. Riga, 17. Okt. Aus Schloß Mitau wurden gestern fünf deutsche Revolutionäre standrechtlich erschossen. Warschau, 17. Okt. Die Geheimpolizei entdeckte eine ganze B a n d i t e n - O rg a ni s a t i 0 n. Vor einem halben Jahr wurde ein Kampsbund gegründet mit dem Namen „Geheimes Arbeite r-Einver st ä>r du is", der zum Ziel hatte, Geldfonds für alle sozialen Parteien zu erwerben. Diese Organisation verübte dann eine Menge lieber fälle und Beraubungen in der Stadt. Die Führer hielten in ihren Wohnungen geheime Musterung über die Mitglieder ab. Es waren Fachdiebe und Räuber darunter. Bisher wurden etwa 49 Mann verhaftet. Mehrere Verhaftete verrieten ihre Genossen. — In Lodz ist wegen Nichtzahlung des Tagelohnes an die Streikkasse heute wieder in sechs Fabriken der Streik ausgebrochen. Rubenmuhlen, Rubenschneider, ' Wasserpumpen, Jauchepumpen, Jaucheiässer, Jaucheverteiler, Jauchewagen, Gartenspritzen liefert billigst hv,0/e Herborner Pumpenfabrik in Herborn. 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In das Genosseuschastsre- gister wurde bezüglich des Consuin-Vereins Gießen und Umgegend zu Gießen, eingctr. Gen. mit beschr. Hastpfl. eingetragen : Aus dem Vorstand ist ausgeschieden Glaser Heinrich Baum, an seine Stelle wurde gewählt Bureaugchülfe Albert Lentz zu Gießen. [B*710 Gießen, d. 12. Oktober 1906. Großherzogliches Amtsgericht. Versteizcuillg eines Gescnäftstases. Samstag, den 20. Oktober 1906, nachnr. 2 Uhr wird in Grüuberg (Oberhessen), Bahn Gießen-Fuloa sowie Grünberg-Londorf-Gießen, das ^ur Konkursmasse des Ludwig Lolein II gehörende Geschäftshaus — Gruuverg, Alarktplatz — öffentlich versteigert. Seither gutgehendes Ladengeschäft m. Mützen, Hüten, Petzivaren, Schirmen, Wasche, lerligen Kleidern usiv. sowie ^chneldergejch. nach Alaaß. Das Haus (Schätzungswert 30 Tausend Mark) i|t m gutem Zustand, Erdgeschoß große Laden- räume, mehrere Wohnzunm. usw^ 1. u. 2. 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CT- o P ^ZZR *3* %- 'S |I^: P ¥ ® W 3 7 3vt> P -— P ■ E.o-2- -Z 3-2 3 C-J ZV So ft. p 0__ 3 p 1' 2 p p •5v& o rZ ct? 3 70 HoZ o o ö(^ VD JO LZE5 ° CT "p »a p o ZI8H" p -oct o P tJ 2TsA c 3(S P ZK^L 'S1 p <3 •2 'S'Siro g’TO *. w 2 0-0 ^s- ^CQ3(p 3 Ä 3 CT (<»«-_• 2 2 CJJ - 3-270©? p Pa* 3 <5 „ 3-. 0-3 c — 'S ‘c7 p 2 o <= Svo.a ” « S — 3 iS 3 vD . _ 20 3 3 HZZ5. = =”§'* s§ Maggis™ _ p S 70 coot ' —•■ - CT P P 3 na <2v£ e p £ bZs" "2"-Oo älis —p p P :o P ti-g'H-e tÄ:o p:— <- na -O E. «a <5? p E CT 3 3 CT 3 p CT 3 132 C 70 3 p CT 3 _«■ P 3 £-G o,—. .32 «a 31 &S ’S- EX tiD d— •g s ct"" .E 6? na 78 'ÄP " G-s LJ— P 3 " e L E na tS 3 C O P 3 p LZ o sg 0’2. L c. ®eS 3 C ,LE na *2 <3 3 •70 3 o^2 E o £ c p jt-o 3 -3 "p t~2 — Xe' ZK 3 :3 "p £ 0 3--- P 3 3 o p s> V3 naZ- — p wo p - p 3Z ^7» -R R S eg S- p ^LN - "p e p.2=5 ^AZ SZ „ 3 •nsi av p CT p 3 p e : 3 2 3 S C.5» O0 5 e ZZK e pj2g? E.to — S.M— p _ ZLo — cs _ ’ö'sXS 2 3 E p H-LZ na p c •- ' 70 e^" tS p c CT — O Z p p "a g- 3 Tö e^TO na na b ", CT "G O CTO fwg-E^ CD *-* U* J-* ”S .SJ 051 o O 5 3"° «N-2 :3 $=e — CT ^2xZ . na -EZ .'33 -2 p CT IZZ. . p — <2 ■330 ", b.. 3 — - pM 0 -AN- . c 3 EH £ £ 30 2 3 C ? M ,ona u— 3 370 3 3 3 c3- CT P CT 5 Se| K3Z Äg N _ 3 3 CT p p >7 70 o 7O^,>bc3»; ES p 2.2 na :3 -- p-" = E,2e% p r?p = «- es1 HSt 2- p'EoipS o" 2 SQ 3^° oco «o 2? na.p tfD'oJS .p' .. vo e P CT C‘ — ZIZ' o 2 2 -3 4S> p CP< =3 CT P^-_P ^E - 3 E-o = .E p p .2 2 sU W G Säl2 . P . 70 331 S P • P P p . — p' o -3 KZtt£ -.22 S LZLZ - E 23 3 e g.5 ^o'S-n 5^70 p-°COT P 70 p o? Z- § 3 p o p'E’00 p’E 70 E«» na . SU CT 3 p —2 ©4 SZ 2 .o -— — — na p — p S § ’o 2 2- 2 Ep^e-.o o 00^ = 70 3 3 s 3 «70 51 ^US >=> 3 j. 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