Nr. 88 Erscheint IVgNch mit Ausnahme des Sonntags. Die „Siebener LamklirnblStter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Ter -hesstlchr Laovwlr^' erscheint monatlich einmal. Redaktion.Expedition ».Druckerei: Sd)ulRt.f. Tel. Nr. 5L Telegr.-Aür. r 'Anzeiger Gieße». Sechstes Blatt. 156. Jahrgang Samstag 14. Hlpril 1606 Y - ’ti* *. a /v ▲ a. . . v Rotationsdruck unb Verlag der Brüh lachen Giehener Anzeiger General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen. politische Tagesschau. Warnungen vor den Nuffenanleihen. Zwei Berliner Blätter hatten sich geweigert, Annoncen vufzunehmen, die das Publikum auf Artikel der finanzpolitischen Wochenschrift „PlutuS" aufmerksam machen sollten, die ,Warnungen t»nr den Russen-Anleihen" enthielten. Der Herausgeber des Plutus, Bernhard, schreibt dazu: Tas erscheint mir charakteristisch iür die Sorge, die in den Expedllioneu einzelner Berliner Zeitungen für das Wohlergehen dcS russischen Staates und seiner Finanzen herrscht, und verdient schon deshalb der Oessentlichkeit zur Kenntnis gebracht zu werden, weil diese Bläiter sich damit ein Zensurrecht über dlö öffentliche Meinung anmaßen, das ihnen enttchicben liicht zusteht. Die Artikelserie des Plutus hat einen namhaften Wiener Nationalökononien (Tr. Felix Somavy) zum Versaffer. Ter erste Aufsatz weist darauf hin, daß aucb trotz der neuen Anleihe der russische Staatsbank e r o t t »richt zu vermeiden sein w ird. Er erinnert daran, daß Rußland bereits bei namhaften Gelehrten sich über die Wirkung, die Staatsbankerolte für andere Staaten gehabt haben, hat erkundigen lassen. Der Verfasser meint, daß es daher klüger sei, sich aus den Staatsbankerou vorzilbcreiten, als sich voir ihm überraschen zu lassen. Ein zweiter Artikel (der im soeben zur Ausgabe gelangten Hest In erschienen ist) enthält eine genaue Geschichte aller bisherigen Staatsbankerotte innerhalb rind anßer- halb Europas. Dabei kommt denn auch die bisher sorgsain verborgen gehaltene Tatsache zur Sprache, daß Rußland bereit? einmal bankerottiert hat und zwar unter schmählicher Vorspiegelung falscher Tatsachen gegenüber den eigenen Uiilcrlanen. In einem dritten Artikel untersucht der Versaffer Die Gründe, aus denen Rußland diesmal zur Kürzung seiner Attslandsverpflichliingen m irgend einer Form tommen muß, und will die russischen Glätlbigerstaaten schon jetzt dazu veranlassen, sich zusammenzuschließen und die 23 e- dnigungcn zu erwägen, die man Rußland alisertegen muß, um wenigstens nicht allzu hart betroffen zu werden. Alan mag gegenüber solchen Ausführungen stehen wie iuau will, jedenfalls sind sie — der Versaffer enchält sich jeden persönlichen Angriffes — lediglich diktiert von dem Wunsche, das deutsche Kapital vor Schaden zu bewahren. In einem zweiten Artikel spricht dann Bernhard die Beschuldigung aus, daß das Bankhaus Mendelssohn, das der Russenanleihe nahesteht, einen Teil der Berliner Presse um sich gesammelt habe, die nun trotz allem Stimmung für die Ruffenanleihe zu machen suche gegen die Interessen der deutschen Kapitalisten. Bernhard erzählt dann manches Unschöne vom .Bert. Börsen-Cour." und von der -Voss. 3tg.‘. Die andauernden Extratouren Italiens mit Frankreich lenken die öffentliche Aufmerksamkeit besonders auf das treue Verhalten unseres anderen Verbündeten Oesterreich. Diesen Vergleich läßt die Jugend in ein Lob des Kaiser Franz ausklingen. Sie schreibt: Wenn uns die Sorgen auf der Seele brennen Und Feindesbosheit ihre Ränke spinnt — Ein Vorlell bleibt uns dann: wir lernen kennen, Was falsche Freunde und was echte, sind 1 Just hackten sie in lieblicher Gemeinde Von Ost und West auf Deutschland los zugleich, Und alle, alle hieltens mit dem Feinde — Zn Deutschland hielt nur einzig Oesterreich! Wars kein Triumph auch, was wir da erzwangen — Nicht minder köstlich als ein Siegerkranz Bleibt uns das Eine, was wir doch errangen: Dies Pfand für Deine Treue, Kaiser Franz! Die Genesung des Fürsten Bülow wird von allen Offiziösen mit großem Eifer als nahe bevorstehend bezeichnet, von mancher anderen Seite jedoch kommen ungünstige Nachrichten. Darum hat es vielleicht nur theoretische Bedeutung, zu erörtern, wer in Stellvertretung das Staatsschiff leiten soll. Für die innere Politik des Reiches und Preußens ist Graf PosadowLky die gegebene Persönlichkeit. Dagegen fehlt cs an einem Staatsmann, der mit der gleichen Sachkunde und Gewandtheit wie Fürst Bülow die Geschäfte der auswärtigen Politik beherrscht. Der Staatssekretär des Auswärtigen, Frhr. v. Tschirschky, ist zu kurze Zeit im Amt, um hier den Fürsten Bülow schon voll ersetzen zu können. Die Verleihung dcS Kroncnordcns erster Klaffe an Herrn v. Tschirschky und dessen tägliche Konferenzen mit dem Kaiser deuten aber darauf hin, daß dieses Staatssekretariat mehr in den Vordergrund treten sott. Zur Zeit deS Frhrn. v. Richthofcn war cs reines Verwaltungsreffort, während die hohe Politik von der Reichskanzlei aus vertreten und geleitet wurde. Die Trennung des kolonialen Refforts vom Auswärtigen Amt bedeutet eine Entlastung des letzteren, und cS ist wohl möglich, daß auch durch diese Spcziallsierung dem Staatssekretär des Auswärtigen ein größerer Einfluß eingeräumt werden soll. Bei einem Kanzlerwechscl würde dieses Moment nicht ohne Belang sein. (Vgl. auch „Deutsches Reich".) Kom Dejuv. Neapel, 13. April. Infolge der Schwere der nicber gegangen eit 2lsche ist ein Teil des Daches des Spitals in Torre del Greco ein gestürzt. Es soll eine neue Krateröffnung in der Nähe der Vcsuv-Eisenbahnstation entstanden sein, die Hefige Mengen Asche auswirft. — Im Einverständnis mit den Kirchenbehörden ist die Räumung aller Kirchen Lu Neapel verfügt worden. Die Zahl der hier emtreffenden Flüchtlinge ist so groß, daß 51t ihrer Unterkunft die öffentlichen Gebäude bereit gehalten werden. Tie Flüchtlinge erzählen folgende Einzelheiten über die Schreckensszenerr, die Hü) während der Flucht ereigneten. Tie Dunkelheit war derart intensiv, daß die vor Furcht Gelähmter: nicht zwei Schritte vor sich sehen konnten, lleberall fand man Personen, die nach Angehörigen suchend umherirrten und den Eindruck von Irrsinnigen machten. Ein Karabinier i erzählt, e*r sei Zeuge g r au sam er Szene 11 gewesen. Ein Wagen mit Flüchtlingen aus Ottajano vollgepfropft, wurde d'llrch immer neu hmzukornntende Flüchtlinge, die mitfcchren wollten, anderAbs ah rtge hindert. Der Kutscher hieL auf die sich Anklammernden ein, um ab fahren zu tonnen. Tarauf wurde er von der toütenden Menge herabgerissen und halb tot geprügelt. Sodann stürzten sich die Weiber und Kinder auf die feilte, die bereits im Wagen saßen, um sie h-erunterzureißen. Bald tobte zwischen den beiden Parteien ein wütender Kampf, bei dem das Messer eine Rolle spielte. Viele «Verwundete blieben auf dem Platze, die wahrscheinlich ihren T 0 d i n d e r As che gefunden haben. Wenn auch viele luLdenmütigen Taten in dieser schrecklichen Zeit audgeführt wurden, so benutzten auch viele Individuen die Dunkelheit und Verwirrung zu Verbrechen aller Art. Zahlreiche Morde und Raube wurden von diesen dunklen Gesellen verübt. Ter Zustand einiger ausgefnndener Leichen hat einen Teil dieser Untaten enthüllt. Nur sind diejenigen, welche diese .Verbrechen verübten, im allgemeinen Durcheinander entkommen. Tie Flucht der Bevölkerung dauert an. In Neapel, Eastellamare und auf den Inseln sind cuva 30 000 Flüchtlinge eingetroffen. In der Kirche Santa Terc sa ist das Dach ein gestürzt, ebenso am Palast Oriliu. Tie Lebensmittelfrage wird immer schwieriger. Aus Sarno kommt die Meloung, daß die Lava den Fluß unterbrochen hat und die Stadt untw Wassermangel leidet. In Porlici, San Giovanni, Teduccio dauert der dichte Aschenregen lirige eingetroffen. In der Kirche Santa Teresa ist beschäftigt, die Aschenmassen von den Straßen und den Häusern lvcgzuräumen. Hier in Neapel ließ dagegen heute der Aschenregen vollständig nach, der Himmel ist Har; auch die Staubwolke, welche bisher den Vesuv einhüllte, zerstreue sich. Neapel aber bietet trotzdem das Bild einer schmutzigphantastischen Schneelandschaft. Noch immer durchziehen Prozessionen die Straßen. Nur wenige Droschken fahren, dafür funktioniert die Elektrische in den Straßen. Bedrohlich ist die Gärung unter den fanatischen, zügellosen Voltsmasseu. Tie Gefahr des Einsturzes der von Ajchenmassen belasteten Häuser ist Grund zu stürmischen Protesten gegen Hausbesitzer und Forderungen an die Behörden, die Tausenden verzweifelter und erbitterter und hungernder Flüchtlinge gegen überstehen. In Torre Annunziata nehmen die Fabriken die Arbeit wieder auf. Die Bevölkerung kehrt wieder in die Häuser zurück. Professor Matteucci telegraphierte vorn Vesuvobser- vatorium: In der vergangenen Nacht und heute sind die Tätigkeit des Vulkans und die Schwankungen der seismographiscken Instrumente wesentlich geringer. Tie elektrischen Entladungen hörten auf. Wegen der AbnaAne deS Sandregens, der mutmaßlichen Gestaltung des Kraters unb anderer Anzeichen, sofern die mir zugegangene Nachricht bezügli । Stillstandes des auf Boscotrecase g nächteten Lavastroms wahr ist, nehme ick unter Vorbehalt an, daß in zwei bis drei Tagen der Vulkan wieder zur Ruhe kommen wird. Die Vesuv bahn hat den Betrieb bis Ottajano wieder ausgenommen. Die Minister verfügten die Abtragung des Kirchturmes, welcher einzustürzcn droht. Die Minister ließen in Ottajano Lebensmittel verteilen und konferierten mit dem Mchitekten über hie Herstellung der eingestürzten Häuser. In Somma sind weitere 13 Leichen aus den Trümmern hervorgeholl worden. Das Zentral- .Hilfskomitee hielt in Anwesenheit des Herzogs von Aosta eine Versammlung ab und verfügte dringende llntcrstützung. Ter Herzog selbst spendete 25 000 Lire für die Notleidenden. Der Meeresspiegel ist im Fallen begriffen, auch an der adriatischen Küste hat sich das Wasser mehrere Meter vom Lande zurückgezogen. Im Pcllegrimspital, in dem die Mehrheit der Schwerverwundeten untcrgebracht ist, sind alle Räume, auch die der Verwaltung, mit Verstümmelten und Sterbenden überfüllt. Die Verwaltung sah sich genötigt, auf den Korridoren und Stiegenabfätzen notdürftige Lagerstätten zu errichten. Herzzerreißend ist der Jammer der Verletzten, die Linderung ihrer Leiden verlangen. Tie Aufopferung aller Aerzte und des gesamten Pflegepersonals können nicht genug gepriesen werden. In San Sebastiano stürmte die Menge die Kirche und trug die Schutzheiligen durch das Torf. Tie Bauern zogen dann wieder in die Kirche zurück und als sie diese später verlassen wollten, war die Kirche inzwischen von solchen Steinmassen umgeben, daß die Armen erst durch Pioniere aus ihrem Gefängnis befreit werden konnten. Als Zeichen der Trauer ist die feierliche Eröffnung der Mailänder Ausstellung, welche heute stattfinden sollte, aus den 28. d. M. vertagt worden. * Der Seismograph zu Göttingen registrierte am 12. d. M. neue Fernbeben von großer Stärke. Der Hecrd der Beben ist nach den Bcrecknungcn vermutlich die Südspitze Italiens. Tics beiveist, daß die ursprüngliche Annahme, bic Ursache der Katastrophe liege in den oberen Teilen des Kraters, falsch ist. Der Heerd der Eruptionen ist also tiefer zu suchen. Dies macht weitere Katastrophen wahrscheinlich. * Auffällig ist angesichts dieser Schrcckensercignisse das Ausbleiben jeder offiziösen deutschen Kundgebung. Kultusminister Dr. Studt, Finanzminister Frhr. v. Rh e in b ab en, sowie die Ministerialdirektoren Dr. Althoff und Dr. Germar weilen zurzeit in Rom unb statteten dort am Donnerstag dem preußischen historischen Institut einen mehrstündigen Besuch ab. Vom Vcsuvuuglück aber nannten sie feine Arotiz! Auch hat uns der sonst so geschäftig surrende Draht noch nicht vermeldet, daß unser Kaiser eine feiner ersten Beileidskundgebungen ab gestattet hat. Ob das wohl eine Folge ist davon, daß unser Verbündeter sich in Algeciras mehr geleistet hat, als sein ihni gestaltetes „Ex'.ratänzchcn", das wir ihm nach dem Wort des Reichskanzlers konzedierten, ohne einen roten Kopf zu bekommen ? Wir hacken bei der Katastrophe von Courriöres im großen Stile werktätige Hilfe geleistet, denn wir haben mit Frankreich keine polit. Interessengemeinschaft, und Frankreich hat allen Grund, unser Gegner zu sein. Italien ist dem Buchstaben nach unser politischer Verbündeter. Französische Schisse sind jetzt nach Neapel geeilt, um Hilfe zu leisten, im Auftrage der französ. Regierung reifte der Selsmowge Prof. Laervis aus Paris nach Neapel und der Pariser Gemeinderat spendete 5000 Francs für die YLotleidenoen. Das offizielle Teutschj- land verhält sich völlig regungslos! Kolonialpofte — Ter Gouvern-nr von Deu^u ~|ta[ri&i Graf Götzen hat in Begleitung feiner Gemahlin die Heimreise cmge- treten. Er erklärte, daß er Icbiglut) aus Gesundheitsrücksichten reise unb baß er aus biesem Grunde nicht mehr auf feinen Posten zurücktehren könne. Ein Gcsandtenposte'.i ist oeni Grafen nicht ungeboten, lieber den Aufstand äußerte Graf Götzen, daß er nach Sntona- tigern Ringen als nieder gekämpft gehen könne. Es? wäre aber nicht aillgeschlosjen, daß cr nach der jetzt beginnenden Regenzeit, nachdem bic Schwarzen neue Vorräte an Lebensmitteln gesammelt hätten., hier unb ba noch einmal auf flackert, worauf bic Truppe vorbereitet ist. An eine nochmalige Erhebung ernsterer Natur glaubt der Graf für bic nächste Zeit nicht, wohl acker müsse in Zukunft bannt gerechnet werben. Diese Lehre sei aus bem Aufstand zu ziehen. Ta der RciaMag bic Kompagnie weißer Soldaten abgelehnt habe, hält Graf Götzen bic Vermehrung b er Schutz truppe um 4 Kompagnien — also auf 19 — für nottoenbig, unb Hot eine entsprechende Forderung bereits gestellt. — Der Plan des Pfarrers Rosenberg in Ostrowv, deutsch-russische Rückwanderer am Kilimandscharo a n z u s i c b e l n, ist ber Verwirklichung erheblich liäyergcrückt. Zum Leiter ber ersten Expedition ist der deutsch-.usfische Fürst Liavcn auSersehen, ber in Oftrowv, eingetroffen ist. Auch eine beutsche Firma, die in llfanibara eine Plantage besitzt, steht mit P,arrer Rosenberg in Untere yanbiung, um auf bem fieberfreien Plateau Usarnbaras eine Aiizaht deutsch^russischer Familien als Arbeiter an- zusiebeln. Das Aprilwetter im Jahre des Heils 1UUG i;i gar teilt Aprilwetter. Wir hacken die Tage der sog. Huudstagshitzc drei Mvuute zu früh betommen. Der Palmsouniag war ein richtiger Palmsonntag, im Frühlings- wüibe nidten die Kätzchen der Bucken und Erlen und die Weckeii- Itanben schon graubeperlt. Ein Tag um den andern m der kirchlichen Leidenswoche brachte eine Fülle irdischer FrühLingsfreuden unb der Gründonnerstag sand in dec Tal die Welt im licht- grünen Festtags!leid. Tie Frühlinden haben den bräunlidjcn Kliospenfior obgeiircist und prangen im zartesten Gellgrün. Ahorn und Birkei;, Platarieit und Kastanien eifern ihnen nach, sich her- auszupuvcn, ja sie entfalten bereits ihre ersten zartgrünen Blättchen. Einzelne Sträuäiec blühen, ebenso der Pfirsich und die Aprikose. Das hat alles die Apriljonne getan, die mit iommerUdxr Glut die Erde überschüttet, das im (ikljcimen sprießende Leben fast mit Geioalt ans Tageslicht zaubert und den April selber gründlich ju Schanden macht. Wvhi über keinen Monat herrscht mehr Freude, der seinem Namen fi> schön alle Unehre macht, als ötcßma(Jiber den April. Die Aprilsvnne hat auf allen Linien gesiegt. Sie schaul liebevoll auf die Erde und die Menschenkinder. Unsere Damen sind von dem sommerlichen Aprilwetter ganz überrascht worden, das kam so Plötzlich, so unerwartet: sic finden sich in den ungelvvhnten Frühling nickt so schnell zurecht. Die Fruhllllgsmodc, die eilfertige, wcchselvvlle, ist diesmal vom Aprilivelter, dem ebenso weMcivollen, gründlich überholt worden. WcnigUcns läßt der Umstand darauf schließen, daß sic am Kar- irettage in ihrer großen Mehrheit noch 'fein srühli.igsmäßiges meid angelegt haben. Tie wenigsten tragen durch lustige, duftige Gelten dem Lenze Rechnung, lassen ilj-rcn schönen »veißen Hals frei in der Sonne leuchten, besebatten das Hauvt mit einem blütenbesetzlen leichten Hütchen, rassen mit der hell behandschuhten Linken den fußfreien Rock, der gelbe Stiefelchen sehen läßt, und balanziercn in der Rechten den neuen Sonnenschirm. Die wenigsten. . . Tic Hoffnung besteht, daß die Osterfeiertage auch Tage der Auferstehung für die Frühjahrsgarderabe aus dem Winterschlaf fein werden. Wenn bie geplanten Ausflüge von so schönem, sonnigem Wetter vLi schönt und begünstigt werden, wie wir an- gefichts des heutigen luarmen Samstags, der nun schon in den trügen Mvrgeustnildeu 12 Grad Reaumur int Schatten jpeudete, es tvvhl crtvnrtcn dürfen, so ist zehn gegen eins zu n/etten, daß auch unsere Damen in hellen Dustgebilden cinherschweben werden. Ein Ovfcr der sommerlichen Hitze ist übrigens bereits aus Berlin zu vermelden. Arn Donnerstag wurde bic 22 jährig^ unverehelichte Paula Walter, die mit ihrer Sclnvester einen StraßenbalMwagen bestiegen hatte, plötzlich in- folge der Hitze von einem Ohnmachtsanfall ergriffen und stürzte von dem in der Fahrt befindlichen Wagen auf das Straßenpslaster, wo sie besimtungslos liegen blieb. Die Verunglückte mürbe nach einer Unfallstation gebracht, wo ber an- ivcfcnbe Arzt feststellte, baß sie eine Gehirnerschütterung erlitten hatte. Toll muß die Hitze in England sein. Es wird von London gemeldet: Bei einem Marsche, den 170 Soldaten von Lydd nach Dover unternahmen, mußten 30 insolge der großen Hitze anstreten und wurden in Ambulanzwagen nach Dover gebracht. Von diesen sind zwei Mann in der Nacht ge- stvr b en. Vermischtes. * Gras unb S)o II ar er bi n. Kaum eine Woche vergeht, ohne daß die Anzeige von ber Verlobung einer jungen Amerikanerin mit einem europäischen Aristokraten bekannt gegeben nrirb. Die letzte Nachricht biefer Art melbet bas Verlöbnis von Miß Hyacinthe Bell, ber Tochter eines vielfachen Millionärs in De,wer, ber Hauptstadt des Staates Colorado, mit einem künftigen sckottiscken Peer, dem Viscount Kelburne, Patrick James Boyle, Viscount Kelburne, ist der älteste Sohn und Erbe des Grasen^von Glasgow und dient als Offizier in der britischen Marine. So wird sich die stetig wachsende Reihe ber venoandt- schaftlicken Verbindungen zwischen bem alten Feubaladel ber vereinigten Königreiche unb der jungen Plutokratic der bereinigten Staaten um eine neue mehren, — dieser Verbindungen, die an hoher iLttelle in London, nämlich vom König Edward VII., sehr gern gesehen werden. Klagen doch die Vertreter ber älteren Generationen oft und beweglich genug darüber, daß der Londoner Hof völlig amerifaniiiert und der Ton an ihm jetzt von den übertriebenen Luxus, laute Betätigung ihres Reichtums und — die Reklame liebenden Hcrzöginncn, Marquisen und Gräfinnen aus Newyork, Chikago ober San Francisco angegeben werde deren Väter nicht immer auf durchaus lichten Wegen zu den Schätzen gelangten, wegen der sie selbst den Nachiommen der Gefährten Wilhelms des Eroberers als begehrenswerte Panticen erschienen sind. * „Komm' den grauen zart entgegen". Einer -arten Behandlung durch 'ihre Gatten haben ftd>, tote cs scheint, bi1' Ehesraueu aus den 2JloTiiF?en ober Geroürzinfeln 511 ersreuen. Der Priester, der ein matayischeA Brautpaar zusammcngegeben bat erteilt dem jungen Ehemann stets! noch folgende eindringliche Lehre: „Du sollst dein Weib weder mit der Lanze noch mit dem Messer verwunden, gehorcht eA dir aber nicht, so ftihre e3 in ein Zimmer und züchtige es mit einem Sckmupftucb"". Kann man sich 'wohl eine zartere Strafe denken? Vorausgesetzt wird natürlich, das; das> Schnupftuch nicht inehrfach m der Weise geknotet ist, rote es! geschieht, wenn die Kinder „Knüppel aus dem Sack'" spielen. * Armbänder unter dem Handschuh —'als O st er g e s che n k e. Die Pariser Juweliere haben sich cm L>stcr- oeschenk ausaedackst, — schmale, ganz fein gearbeitete, mattgoldene Armbänder, die sich so dicht wie ein Seidenband um den Handknöchel oder den Unterarm schmiegen, das; Uyre schone Trägerin nicht die mindeste Mühe hat, die Handschuhe über sie an- oder von Uynen abzustreifen. Denn seitdem die kurzen Halbärmel, die nur bis zum Ellenbogen reidyen, und die ne ergänzenden 8 bis 12 knochigen Handsckmhe in btc Mode kamen, waren die Armbänder ein wenig aus der Mode geraten, irgend ein Mittel, sie wieder zu lanzieren, muhten die Juweliere daher schon aus purem Selbsterhaltungstriebe erdenken. Und jetzt rufen sie: „Heureka"", — sie fertigen das Armband in Zukunft )o 3art, so leicht, der F-orm des Armes so angepasst an, das; es sich von dessen Oberfläche kaum abhebt. Trotzdem kann man recht kostbar, namentlich mit tielgefassten teuren Steinen ausstalten. Und da man das Rcützliche mit dem Angenehmen verbinden must so ist es den Erfindern dieser neuesten Schmuck- mode gelungen, den eleganten Pariserinnen die Ueberzeugung beizubringen', dast der Besi 1 von mindestens einem Paare solcher Armbänder für jede Iran unerlästlich "ist, die ein wenig darauf W, nicht hinter ihrer Zeit zurückgeblieben zu erscheinen. Darum ist es sehr erfreulich, dast sick 'diese Armbänder mst Bequem- lichkeit in einem mastig großen Osterei unterbringen lassen, sich also geradezu prädestiniert zum Ostergeschenke erweisen. — Ein Tagebuch Kaiser Wilhelms H. Nachtrag 1902 bis 1906, nach Hof- und anderen Berichten von E. Schröder, HcranSg. von Werken Friedrichs dcS Großen. 182 Seiten 8°. Geheftet 2 Mk., gebunden 3 Ml. (Breslau, Schlesische Verlags-Anstalt v. S. Sckiottlacndrr.Z — Nachdem der im Jahre 1903 erschienene Hauptband, welcher die Zeit von 1888 bis 1902 umfaßte, in seinem außerordentlich hohen Werte für den Historiker, wie für den Politiker und Publizisten voll gewürdigt worden war, mußte es für den Verfasser als eine Ehrenpflicht erscheinen, das Werk weiter fortznführcn und es nicht gleichsam als ein Torso andaucrn zu lasten. Der nunmehr vorliegende Nachtrag reicht bis in die jüngste Zeit, indem er gleichfalls in chronologischer Reihenfolge, nach Jahren. Monaten, Tagen geordnet, die wichtigsten Ereignistc ans dem Leben Kaiser Wilhelms IL, bedeutsame Stellen ans seinen Ansprachen, Erlastcn, Briefen nsw. auf Grund authentischer Quellen gibt. So wird auch dieser Nachtrag, ein ■für das Studium der neuesten deutschen Geschichte unentbehrliches Hilfsmittel, jedem Deutschen eine Fülle des Jntcrestanten und Belehrenden bieten, zu seiner eigenen politischen Förderung und zum Wohle deL Vaterlandes; findet doch der Leser in dem Buche so manches beherzigenswerte Wort wie schon den al-s Motto vorangcsiellten Ausspruch des Kaisers (vom 21. Oktober 1903): „Unterordnung des eigenen Ich zum Wohle des Ganzen tut in dieser Zeit besonders not." Das Urbild eines mo dernen LuxuSzugeS, der Salonwagen mit fürstlichem Komfort, ist älter als wir glauben. Der Stolz auf die Errungenschaften des heutigen Eisenbahnwesens läßt uns die „Dampf tvagenfahrten" zu Großvaters Zeiten als etwas ganz armseliges erscheinen, nicht viel schneller und bequemer, als einst die rumpelnde Postkutsche schwerfällig daherschwankte. Das mag in vielen Fällen berechtigt sein, gleichwohl verstand man auch schon vor sechzig Jahren das Reisen auf den kaum erschlossenen Schienenpfaden recht behaglich zu gestalten. Den ersten Salon »vagen ließ Kaiser Ferdinand 1. von Oesterreich im Herbst 1845 für die soeben eröffnete Eisenbahn Wien-Prag mit einem Kostenaufwand von 1)000 Gulden erbauen. Die Firma Daniel Heindörsser in Wien hatte dieses Prachtgebäude auf Rädern entroorfen und fertig gestellt. Es verlohnt wohl das Urbild moderner LuxuSzüge der Vergessenheit zu entrücken. Die Mitte deS Waggons bildete ein überraschend schöner Salon, in grünem Samt mit Golddrapcrien gehalten. Kronenleuchter und Spiegel waren mit reichen Goldornamenten versehen. Der Plafond enthielt ans schwerer weißer Seide kostbare Goldstickereien. Die Fenster waren von starkem Krhstallglas, an den grün-seidenen Gardinen waren schwere Goldfransen und Quasten. Die Handgriffe an bett Fenstern und die Türklinken stellten in Elfenbein geschnitzte Löwen dar. Die Möbel, bestehend in mehreren Diwans und einem prachtvollen Thronscffel, waren mit grünem Samt und Goldstickerei überzogen. Der Thronsessel enthielt den Doppeladler in reicher Stickerei. Zn beiden Seiten des Mittelsalons schlossen sich zwei glänzend auLgestattele Kabinette an, das eine als Vorzimmer, das andere zum Aufenthalt für die umgebende Suite. Die Fußböden waren mit persischen Teppichen belegt, sogar die Treppen aus edelsten Hölzern, waren von seltener Pracht und Zierlichleit. Die Gesamtlänge dieses kaiserl. Hofwagens betrug 36 öftere. Fuß (11,38 m), die Breite 8 Fuß (2,53 m), die Höhe 6 Fuß 9 Zoll (2,13 m). Kein anderer Fürst hatte einen ähnlich prunkvollen Reiscwagcn auf den Geleisen bisher aufzuweisen. Man geht also nicht fehl in der Annahme, das; mit diesem Vorbild schon vor sechs Jahrzehnten jener Typus von Eisenbahnwagen geschaffen wurde, der uns auch heute noch alS daS Ideal der Bequemlichkeit auf weiten Reifen gilt. ** Handwerk hat g oldnen Boden! Dies alte Wort hat immer noch feine Geltung und die Geringschätzung, mit welcher man leider in weiten Kreisen in unserer Zeit auf das Handwerk blickt, ist ganz unberechtigt. Im Hinblick auf Ostern erscheint eS geboten, auf diese Geringschätzung besonders hinzuwcisen, denn sic ist es, welche die Lust zum Erlernen eines Handwerks so außerordentlich vermindert und die in das praktische Leben hinauStretenden junge Leute abhält, Schuhmacher, Tischler, Schneider oder sonst ein Handwerk zu ergreifen. Nichts ist von größerer Kurzsichtigkeit diktiert, als die Behauptung, daß das Handwerk seinen goldnen Boden verloren habe, denn ziehen wir den Notstand in Betracht, der wie in allen Berufsarten so beispielsweise und ganz besonders im Handelslebcn sich zeigt, dann müssen wir und mit uns alle Freunde deS Handwerks gestehen, daß ein Handwerker, der seine Sache versteht, das heißt, etwas gelernt hat, heute wie früher sein gutes Fortkommen in der Welt findet. Im Interesse des Handwerkerstandes muß allerdings eine wirklich gediegene Heranbildttttg der Lehrlinge gefordert werden. * Sonnige Kindheit! Man spriesst oft von einer sonnigen Kindheit. Viele haben sic gehabt, eben so viele nicht. Mer immerhin ist die Kindheit für viele Menschen die beste Zeit ihres Lebens. Will man sie seinen Kindern sonnig gestalten, fo muß man sich seiner eigenen Kindheit erinnern. Nicht alles, was man selbst erlebt hat, können unsere Kinder gleichfalls erleben, mancher berechtigte W'.tnsch Tann ihnen nicht erfüllt werden, da die Zeit- oder Geldkosten oder anderes ihm entgegen- stehen. Mer oft sind die Kinder auch schon durch etwas beglückt, das uns als ein Nichts erscheint. Man denke einmal an die Freude, wenn es heißt: „Morgen geht's zur Großmutter"" oder irgend Wölfin nach einem Erholungsort. Kaum, daß die Kinder schlafen können. So ein Besuch, wenn er nicht zur Gewohnheit wird, sondern Abwechselung ist, bleibt Sonnenschein fürs Kinderherz. An mancherlei, was die Großeltern erzählten, erinnert sich 'noch der Mann. Da ist ein längerer Besuch bei einem Onkel auf dem Lande. Was cs da alles zu sehen gab! Da standen im Wagenschauer laxb alte Wagen mit unheimlich breiten Rädern ohne Eisenreifen. Und auf dem Misthaufen thronte der Hahn unb am Boden kratzten die Hühner, und der Nero heulte an der Kette. Nun erst auf dem Hausboden! Da hingen in einer Kammer Reihen von Schinken und Würsten, und Backpflaumen waren da, und in einem Kvffer waren noch uralte Bücher, ein Kinderfreund mit kurzen Geschichten, unb alte Kalender. Und der alte Großonkel hatte alle Wände seines Zimmers mit Tabakpfeifen dicht behängt. Davon schwärmt das Kind das ganze Jahr, und ein Glücksgefühl ist in feiner Brust, das ihm gelegentlich 'sogar über eine schwere Stunde hinweghilft. Kein Wort der Ermahnung, kein Schlag — und doch Erziehung. Eine Erziehung zur Freude, eine Bereicherung des Innern, eine Zufuhr von Nahrung für die Phantasie, von der diese viele Jahre leben kann. Wir bringen unserem Kinde innere Befriedigung und nützen und damit selbst. Tenn ein solches Kind ist zuweilen vielleicht uitartig, aber es ist nicht nüi'QcIig und quengelig. Dazu ist. ßS Ä. * Ein sonderbar es Berkehrsinstitut waren ehedem die „Judenbriefträger"" in Frankfurt a. M. Die Judenordnung vom Jahre 1716 zählt alle, die Vorschriften. auf, welche damals die Juden bei ihrem Verkehr mit der Post zu beobachten hatten. Beispielsweise durften christliche Briefträger den Juden die Briefe nicht ins Haus tragen; es war vielmehr ein „Schutzjude"" eigens dazu bestimmt, die an Juden adressierten Briefe von der Post abzuholen und in der Judengasse auszu- tragen, und dieser Schutzjude führte die amtliche Bezeichnung „Judenbriefträger"". Das Judenbriefttägeramt bestand bis zunr Jahre 1846. Feste Besoldung erhielt der Judcnbricfträger nicht, sondern für jeden Brief vom Empfänger 2 Meuzer und für jeden rekommandierten Brief 6 Kreuzer Bestellgeld. Nach und nach und mit dem Wachsen deS Briefverkehrs mehrte sich die Einnahme des Judenbriefttägers so, daß der letzte derselben, Isaak Hatzum Schuster, viele Jahre hindurch ein Jahreseinkommen von mindestens 5000 Gulden hatte. * lieber moderne Nachtisckiplasiik bringt daS f‘. Heft bir illustrierten Zeitschrift „lieber Land unb Meer", (Stuttgart, Deutsck,eVerlagS' Anstalt) eine amüsante, von mehreren originellen Illustrationen begleitete Plauderei, der wir folgendes entnehmen: Wo eine fröhliche Tischgesellschaft beisammen ist, entfalten sich gewöhnlich eigenartige Talente, und es machen sich unter diesen besonders die plastischen geltend. ES ist ja ein alter Brauch, aus weichen Brotkrumen nicht nur kleine Kügelchen zu formen, mit denen man über den Tisch herüber nnd hinüber allerlei necktsche Kurzweil treibt, sondern auch kleine Figuren, Tier« und womöglich selbst Mensch-'ugestalteu. und eL gibt Künstler, die sogar aus Speiseibsällen, wie Fisch holte nun das Fleisch selbst, und der gefällige junge Geschäftsinhaber war gerne bereit, meine erwachende Wissbegierde zu befriedigen, mir gelegentlich die einzelnen Flcischteile zu zeigen, zu nennen und bereu zweckmäßigste Zubereitung mitzuteilen. Dieser verspätete Unterricht hat, mir schon viel genützt, auch liess er mich einsehen, wie unvorteilhaft ich früher manchmal beim Einkauf des Fleisches verfahren hatte. Handel nnd Verkehr, Volkswirtschaft. Märkte. Gießen, 14. April. Marktbericht. Auf hentigent Wochenmarkte kosteten: Butter pr. Pfd. 1.20—1.25 Mk., Hühnereier 1 St. 6—7 Big., 2 Stck. 00—00 Pfg., Gänseeier 00—00 Psg., Enteneier 7 Psg., Käse pv. Stck. 6—8 Pf., Kasematte 2 Stck. 5—6 Psg. Erbsen pr. Liter 21Psg., Linsen pr. Liter 32 Psg., Tauben pr. Paar0,80—1,00 Mk., Hühner pr.St. 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80—2,20 Mk., Gänse vr. Pfd. 00-00 Psg., Ochsenfleisch pr. Psd. 7-1—82 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 70—72 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 86—90 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pstmd 94 Pfg., Kalbfleisch vr. Pfd. 70—80 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 60—80 Psg. Welsche per Pfund —.— Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,00—0,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 6,00—8,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Aepiel ver Pfund 35 bis 50 Psg., in Körben 00 Psg., Nüsse 100 Stück 50-00 Psg., Birnen per Pid. Mk. 0.00—0.00, Weisskraut per Stück 20—30 Pfg., per Zentner Mk. 0.00—0.00. — Marktzeit 8—2 Uhr. Sport. — Der Gießener Fussballklub 1900, welcher — so schreibt man uns — in letzter Zeit überaus günstige Resultate gegen auswärtige Vereine erzielt bat, spielt am Ostermontag auf dem Trieb gegen einen Fussballklub von Kassel. 9luf das Resultat darf man mit Recht gespannt sein, da Giessen jedenfalls Ersatz stellen muss, hauptsächlich für den bewährten Torwächter Bürck. Aus einen Sieg der Einheimischen kann also nicht mit Bestimmtheit gerechnet werde,:. Auf jeden Fall aber kann man auf ein schönes Wettspiel rechnen. ICuieft und TMffenfchaft. — Der Frankfurter Kunstverein hielt am Mittwoch in seinem Heim in der Junghofstraße seine Generalversammlung ab. Nach dem Bericht deS Verwaltungsrats war bad Geschäftsjahr 1905 recht befriedigend. Man hofft, die Herausgabe einer Frankfurter Kunstgeschichte des« 19. Jahrhunderts in nicht zu ferner Zett zum Abschluss zu bringen. Die Zahl der EiuZelbesucker, 9435, war größer als in irgend einem Jahr seit Bestehen des Vereins'. Von dem Reingewiitn erhalten die Aktionäre drei Prozent Dividende. Die Verwaltungsratsmitglieder Kvtzenberg und Prof. Steinhaufen und die Mssichtsratsmitglieder Alexander Hauck, A. Ladenburg und Juftizrat Dr. Fester wurden wiedergewählt. Auszug Ans den LkMkSlttnlsreyjfittu der SifiN ßitheu. Aufgebote. Ain 7. April Georg Graf, Metallgiesser dahier, mit Karoline Menges Hierselbst; - Otto Burkert, Bäcker dahier, mit Johanna Büttner Hierselbst; — Wilhelm Bocher, Dienstknecht dahier, mit Katharina Bender in Rodheim. Am 9. April Heinrich Schlömer, Schreiner in Eorbach, mit Gertrude Müller dahier; — Ludwig Becker, Lehrer dahier, mit Anna Zins Hierselbst; — Heinrich Martin, Postbote dahier, mit Maria Braun in Hainbach. Am 10. April Friedrich Warner, Kaufmann dahier, mit Minna Treppinger Hierselbst. Eheschließungen. Am 7. April Dr. Otto Knauss, Oberlehrer dahier, mit Mathilde Balzer Hierselbst; — Wilhelm Rusina, Zigarrenmacher dahier, mit Marie Ainend Hierselbst; — Heinrich Baduin, Händler dahier, mit Marianne Oliwinska hierselbst. Am 10. April Karl Dietzel, Oberkellner dahier, mit Marie Beiz hierselbst. Geborene. Ilm 1. April dein Metzger Nathan Günther eine Tochter, Rosa. Am 2. April dein Gärtner Friedrich Noll ein Sohn. Am 3. Apnl dem Oberkellner Friedrich Wenk ein Sohn, Friedrich Dietrich Peter; — bem Kaufmann Konrad Bender II ein Sobn; — dem Brauereibesitzer Georg Bichler eine Tochter, Elise. Am 6. April dem Schriftsetzer Friedrich Wilhelm Diesholz eine Tochter. Gestorbene. Am 7. April. Anna Elisabeth Capeller geb. Buß, 72 Jahre alt, Witwe des MarlrerS Heinrich Capeller dahier. Am 9. April Stisanne Bartel geb. Werner, 74 Jahre alt, Witwe des Schuh- inachers Georg Bartel dahier. Meteororofliscke Beobachtungen der Stativ» (ließen. April 1906 Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Lust Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 13. 2 is 750.3 21,6 8,3 43 SE 2 Sonnenschein 13. 9” 749,5 13,2 8,5 75 NE 2 Klarer Himmel 14. rp5 750,3 11,2 8,2 83 WNW 2 Sonnerfichein Höchste Temperatur am 12.—13. April — +22,4° C. Niedrigste „ „ 12.-13. „ = + 4,3° C. Eingesandt. (Für Form unb Inhalt alter untc'* Dreier Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei SSeranttoortimg.) Die projektierte Bahn von Gießen nach ©tein- l)ach°Hattenrod'Ettingshausen--Wetterfeld-Lau. bad) muss über Einartshcmsen n a ch S d) 0 11 e n geführt werden, nicht nur bis Laubad). Für Schotten und dessen Umgegend muss in dieser Rick)tung etwas gesd)ehen. Schotten ist dod) eine Kreisstadt in der Witte von Oberhessen unb auch fast der Mittelpunkt des Vogelsbergs, der dod) auch vielfach besucht wird. Tamm wäre es nötig, dieser Gegend einen direkten Verkehr mit der Provinzial- unb ll n i v c r} i t ä t § ft a b t Giessen zu ermöglichen. Es hat wohl mandjer, wie bie Laubacher, gesagt: „wir haben eine Bahn"'; was nützen ober für diese Richtung die Zweigbahnen, diese find dock) nach der Wetterau und Frankfurt zu gerichtet, es mich alles auf Umwegen befördert werden, und das kostet Zeit und Zeit ist Geld. Ich habe die Hoffnung und den Glauben, daß sich der Cstiterverkehr auf direktem Wege auch hier lohnen wirb. Darum auf und nicht verzagt unb gezaubert. Sollte fiel) in einer Stadt wie Gießen nicht ein Mann finden, wie Joutz in Butzbad', der die Sache zur Ausführung bringt ? Elektrizitats-, Motor- unb „Bimbel-Bahnen" haben in bieser Richtung keinen Wert. Eine regelreck)te Bahn muss hier hergestellt werben. „Borstcht Beim Einkäufe v.,/, von Malzkaffee!" sollte eine warnende Stimme jedem zmuffen, der Malzkaffee kaufen will. Kathreiners Malzkaffee hat Hlmberttausende, ja Millionen von Anhängern gewonnen. Diesen Erfolg versuchen nun verschiedene Fabrikanten in der Weise stck) zu Nutzen zu machen, daß sie einfad) gebrannte Gerste als „Malzkaffee" anpreisen. Gebrannte Gerste ist aber nach jeder Richtung viel geringwertiger als wirklicher Malzkaffee. Sie kann unb muß deshalb auch viel billiger uerfauft werben. Wer ganz sickjer gehen will, ben absolut besten und baher preiswertesten Malzkasfee zu erhalten, ber muss ausdrücklich „Kathreiners Dtalzkasfee" verlangen, der nur in Original-Paketen mit Bild unb Namenszug bes Pfarrers Kneipp verkauft wird — niemals lose, ausgewogen I — Wie sehr hier bie grösste Vorsicht geboten ist, beweist bie Tatsack)e, dass Kathreiners Malzkaffee- Fabriken sd;on in vielen Fällen sogenannte Malzkaffee-Fabrikanten zu gerichtlicher Verurteilung brachten, weil sie einfache gebrannte Gerste als Malzkaffe verkauften. crber nur in Maschen, wo Ftakate crushängen. W vor den Sauggas-Anlagen Kosmos Unverwüstlich! |j Unfehlbar betriebs- A W sicher! Fordern Sie Offerte. „Kyffl: äuserhttttc, Artern“ 327 General- ■reVüi'jte*: t O.)’l Frankfurt la’»® Todes-Anzeige Es hat dem Allmächtigen Gott gefallen, heute vormittag 8 Uhr unseren lieben Gatten, Vater, Bruder, Schwager und Onkel zu Hof Haina in seinem 61. Lebensjahre nach kurzem Leiden durch einen sanften Tod in sein ewiges Himmelreich abzurufen, Im Namen der Hinterbliebenen Marie Feiling, geb. Dudenhöfer Die Beerdigung findet zu Rodheim a. d. Bieber, am Dienstag, den 17. April 1906, nachmittags 3 Uhr statt. Hof-Haina, Atzbach, Krofdorf, Waldgirmes, Obermühle, Rodheim, den 14. April 1906. K . • D N W i M &::* ■ K N 1 W yftrX' V$1V; H 8 1 W U Ti W ML ÄM EL 'M RN ■S®' . 1 ■*- ■ wl für sämtliche Lehranstalten, sowie alle Schul-Utensilien «« Ernst Bals 3 Antiquar. Schulbücher in gangbaren Auflagen Mäusburg Männer-Turn-Verein Giessen Der schlaue Osterhase. höben bei [1551 Emil Fischbach ? g MLZ a 2204 milch-Seife [1895 MM | Darmstädter Möbel-Fabrik Türen zu streichen, 124 Stück Jalousien zu billigen Fabrikpreisen direkt an Private geliefert werden können. \ Besichtigung ohne Xaufswang gestattet D14, Haag. V'V. MM AM schalung, 19 streichen pp. Oelfarben Lackfarben Fnssbottenlacke Parquetwachs in Holstein (Bahnstation) Seefahrten, Seehundsund Entenjagden Wattenlaufen. Prospekte gratis durch IBack Kommission. i‘iWIW* ■ iiimi. r n Wg Unter Blumen dort im Gras Sitzt der liebe Osterhas, Bringt zur schönen Osterfeier Alien Kindern bunte Eier. Doch er selbst, im grünen Bette, Raucht vergnügt ’ne Cigarette, — Raucht die köstlichste — ich wette —: „SALEM ALEIKUM!“ iMLWMke:LM»Md L Stück 50 Pfg. bei: P. 3. Mttbs, Seifenfabrik. Das volkstümliche Turnen beginnt an allen Abenden um 7*4, das andere Turnen nm 8V, Uhr pünktlich in der Turnhalle des Real» gymnasinmS Ecke Ludwigstraße und Bismarckstraße. Anmeldungen werden an den Turnabenden durch die Turn» warte und sonst schriftlich durch den 1. Sprecher Rechtsanwalt Kaufmann sowie den 1. Schriftführer Karl Lang entgegen genommen. Der Voranschlag für 1906/07 liegt bei ft. Lang vom 20. bis 27. April 1906 zur Einsicht offen. vl4/J Der Borstand des M.-T.-B. Gießen. Die Turnstunden im Sommerhalbjahr haben begonnen. Geturnt wird an folgenden Abenden: 1. Freiübnngen und Riegeturnen am Dienstag und Freitag, 2. Kürturnen am Donnerstag, 3. die akademische und Mäiiuerriege am DienStag, 4. Die Riegen der Studenten am Montag tind Donnerstag. inid alle sonstigen Artikel 511m Anstreichen nnd Wichsen der Fuß- Futtergräser: Engl. Naygras Timothcgras Mischung für feuchten Boden ,, „ trocken. Boden „ „ Böschungen Wiesenklee-Mischung Notklee, deutscher Schwedischklee Weißklee Ewigklee „Prov. Luzerne" H. F. Nassauer ____15 Neuenweg 15 N. B. Unsere Ausstellungen sind allgemein als Sehenswürdigkeit I. Ranges bekannt. Es wird vorzugsweise Wert darauf gelegt, dass die moderne Richtung in mässigen, aber hübschen Formen zum Ausdruck kommen und unsere Möbel trotz ff. Ausführung und elegantem Styl zu erstaunlich XI. Schreincrarbeit. 147 qm tannener Niemenfußboden, 60 qm rauher Dachfußboden, 19 Türen u. s. tu. XII. Schloffcrarbeit. 15 schmiedeiserne Stallfenster, 19Türen, darunter6 Schiebetüren zu beschlagen. XIII. Jnstallationsarbeit. 20 lfdrn. d. Normalabfallröhren, 160 mm Durchmesser, 4 Stallsinkkästen u. s. tu. XIV. Pflaster- und Ehauffierungsarbeit. 62 Ifdm. Rmuenpflaster, 399 qm Hofpflaster, 228 qm altes Pflaster aufzubrechen unb 153 qm Bruchsteinpflaster. Zeichnungen, Bedingungen und Angebotsunterlagen können bei unterzeichneten Behörde eingesehen und die Angebotsunterlagen gegen Erstattung der Selbstkosten bezogen werden. Die Angebote sind verschlossen, portofrei und mit Aufschrift („Angebot Kuhstall Rockenberg") versehen bis zum 2. Mai l. Js., vormittags 10V2 Uhr einzureichen, zu welchem Termin die Eröffnung derselben im Beisein etwa erschienener Bewerber erfolgen wird. Zuschlagsfrist 4 Wochen, Friedberg, den 11. April 1906. Gr. H 0 chbauamt. Parkanlagen Tiergärten Teppichrasen Schattcnlage Kleider- n. Ausenjlch, Wrzen, Röike, Korsetts, Stcppiierfen ic. verkaufe zum Selbstkostenpreis. Kariibach _______ftanzlciberg 9, !. [1695 Ewig jung bleibt ein Gesicht mit weißem, rosig. Teint sowie zarter, sammet- weicher Haut rind ohne Sommer-- sprossen, daher gebrauche man nur die echte Steckenpferd -- Lilien- 0®% Seyer verreist bis Donnerstag, den 19. ds. Mts. 2401 Vertreter Herr Dr. Richter, Frankfurterstr. 4. Bcrgevung vvu Buuarbeüen. Die bei Erbauung eines Kuhstalls auf Domauralhof Nockenberg vorkommenden Arbeiten und Lieferungen werden hiermit unter Hinweis auf den Ministerialerlaß vom 16. Juni 1893 zur Vergebung öffentlich ausgeschrieben. Die Baustelle ist ea. 40 Minuten von der Bahnstation Griedel-Rockenberg der Butzbach-Llcher Eisenbahn entfernt. I Erd- und Maurerarbeit. 1609 cbm Erdaushub, 308 cbm Bruchsteinmauerwerk der Fundamente, 414 cbm desgl. der ftellemnauern pp., 375 cbm desgl. aufgeh. Mauerwerk, 22 cbm Backsteinmauerwerk, 40 cbm desgl. in Zementmörtel, 124 qm Gefachausmauerung, 231 qm Goudronanstrich, 413 qm ftlmkerfußboden, 403 qm Hourdisdecke. II. Steinhauerarbeit. 15 cbm charrierte Basaltlavasteme zu Treppen, Fensterumrahmungen, Unterlagsquader u. s. w. III. Betouarbeiten. 404 qm Schlackenbeton über der Hourdisdecke, 427 qm Betongewölbe 20 cm stark, 403 qm P/2 cm starkem Asphaltbelag, 69 qm Betongewölbe 15 cm stark, 14 qm Monierwände, 66 lfdm. ftrippenwangen in Monierkonstruktion, 34 qm Zementrabitzwände der Dunstschächte, 66 lfdm. Krippenschalet? aus Ton zu liefern und zu verlegen pp. IV. Zimmerarbeit. 83 cbm scharfkantiges Tannenholz zu liefern, 4245 lfdm. Holz abzubinden, 49 lfdm. Dachgesims, 33 Stufen der Stocktreppen, 18 Stufen der äußeren Leitertreppe, 875 lfdm.tannene Lagerhölzer, 418 qm rauhen Tannenfußboden n. s. w. V. Eifenlieferung. a) 37 310 kg J Präger zu liefern und zu montieren, 900 kg Verbindungseisen, 1200 Löcher bohren und 3100 kg (14 Stück) Kastenständer zu liefern. b) 6021 kg (14 Stück) gußeiserne Hohlsäulen pp. VI. Grobfchlofferarbeit. 970 kg Verbindungseisen, 1000 kg Eisengerippe für die Dunstschächte u. s. tv. VII. Dachdeckerarbeit. 931 qm Dachfläche mit Plattziegel einzudecken, 63 lfdm, Brandmauer mit Ziegel abdecken u. s. w. Viöl. Spenglerarbeit. 84 lfdm. Hangekandel, 44 lfdm. Abfallrohre u. s. w. IX. Glaferarbeit. 28 qm Eichenholzfenster mit Verglasung. X. Weistbinderarbcit. 281 qm glatter Wandputz, 200 qm Deckenputz mit 93er-* Ha. fcjpänne Mk. 2,50 Kurzgeschnittenes . Mk. 3,— per Karren frei ins Haus. [1834 I. Wellhöfer, Marburger Str. Hjaafe M Warum tragen Sie noch immer M W Q ($"6 ” das unerträgl. drückende Feder- 3 8a S6 bruchband? Mein Gürtelbruchband „Cxtrabegucm" hält auch die schwersten Brüche sicher zurück. Zahlretche Anerkenuungs» schreiben. Leib- uud Borfattbiudcn, Gcradcyalter, Gnmmi- ftrüiupse. Mein langjähriger erfahrener Vertreter ist wieder mit Mustern anwesend in Gieße«, Donnerstag, 19. April v. 9 bis 12 Uhr Hotel-R^ftaurant Kobel Bandagist L. 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