Erstes Blatt 156» Jahrgang Dienstag 17. Juli 1906 Mädchen vom Laude Stellung. 05107 Kleines Feuilleton Men. Amfterda m, 16. Juli. Heute sand in der Westerkerk die Einhüllung der (Sebenttafel auf der Grabstätte 91 em» nierung wegen angeblicher körperlicher und geistiger Schwäche erfolgte. Dabei war Herr v. Lennigsen barnaly ein körperlich und geistig ungemein rüstiger Mann, und ist eB auch heute noch. Ebenso bestätigt-es sich nicht, daß Dr. Sols, der Gouverneur von Samoa, in der Kolonialabteitung weiter Verwendung finden wird. Nach Ablauf seines Urlaubs wird der Gouverneur auf seinen Posten zurückkehren. Das gleiche gilt von dem Grafen Zech und Dr. Hatzi. In der Untersuchung gegen Puttkamer wird Lega- tionsrat v. Jacobs als Staatsanwalt fungieren, während ein Justizbeamter die Untersuchung leiten wird. Die Brief sperre ist der „Germania" zufolge verhängt über einen früheren Beamten der Kolonialabteilung, sowie über einen Schutzgebietsbeamten. Gründe sollen nicht angegeben fein. Die Sperre dürfte wohl mit der gegen Beamte der Kolonialabteilung eingeleiteten Unter» suchung in Verbindung stehen. Apolitische Tagesschau. Aus der KoloniutabteUung. Ein regelrechtes Sp i o n a g e s y st e m soll nach dem „B. T." seit Jahren in der Kolonialabteilung betrieben worden sein. „Wer erinnert sich nicht noch, so schreibt das Blatt, des Duells zwischen dem damaligen Finanzdirektor v. Bennigsen und dem kaiserlichen Oberrichter in Teutsch-Ostafrika? Weit über die Grenzen der Kolonie hinaus wurde das Ereignis besprochen, ohne daß die treibenden Momente, die den Finanzdirektor zwangen, seinen Gegner zu fordern, Uneingeweihten bekannt wurden. Anstatt daß die damaligen Behörden, denen die Motive genau bekannt wurden, eingriffen, gefiel man sich darin, die Tatsachen zu vertuschen. Gewiß konnte es dem langjährigen Personalreserenten in der Kolonialabteilung nicht gleich- gütig fein, wenn die Oeffentlichkeit erfuhr, daß er selbst die direkte Ursache zu dem Duell war. In keiner anderen Verwaltung konnte es möglich sein, daß, wie in der Kolonialabteilung, der Personalreferent das Ersuchen an Beamte in den Kolonien stellte, ihm persönlich in privaten Schreiben über dienstliche Angelegenheiten von Kollegen und Vorgesetzten drüben zu berichten. Daß eine derartige geheime Ueb er wachun g Beamte und OffizieLe nervös machte und von demoralisierender Wirkung sein mußte, wird jeder nachfühlen. Wie dem „B. T." von eingeweihter Seite versichert wird, gelangen trotzdem noch heute solche geheimen Privatberichte aus den Kolonien nach hier. Das energische Vorgehen des Reichskanzlers wird hoffentlich auch hierin Wandlung schassen. Im Anschluß an diese Mitteilung des „23. T" unb unter Hinweis darauf, daß Herr v. Bennigsen nun doch nicht für den Wiedereintritt in die KolonialoerwaltmtH gewonnen werden soll, erinnert ein anderes Blatt daran, daß Herr v. Bennigsen, der ein überaus tüchtiger Mann fein soll, schon früher den Machern in der Kolonialabteilung sehr unbequem gewesen fein muß. Herr v. Bennigfen wurde, nachdem er eine Zeitlang als Gouverneur von Neu-Guinea gewirkt hatte, pensioniert. Jnteresiant ist, daß diese Pensio- b r a n b t s statt. Die Festrebe hielt Professor Quack. Heule nachmittag sand im Ryksmuseum bie feierliche Eröffnung bes neuen Rembranbt-Saales statt, in welchem nur bas Gemälde „Die Nachtwache" ausgestellt ist unb bleibt. Tie Königin- Mutter, Prinz Heinrich bet Nieberlanbe, bie Maler Mesbag, Israels u. a. ivohnten ber Feier bei. Ter Bürgermeister von Amsterdam und der Minister des Innern hielten Ansprachen. — Es versteht sich von selbst, daß bie periodischen Zeitschriften es sich zur Ehre machen, in biefent Monat burdy künstlerische Reproduktionen ber Rembr a n dt s chc n Meisterwerke ihrem Publikum die Größe des Künstlers deutlich zu machen. Auch die junge Monatsschrift Rudolf Presbers, „Liren a", wetteifert mit; 16 Vollbilder und weitere 6 Bilder als Jllu- sttationen zu einem Artikel über Rembrandt von M. Rapsilber bietet sie ihren Lesen: bar. Der übrige Inhalt bieses Juliheftes bietet reiche Abwechslung. Eine interesiante psychologische Novelle, „Die Eiche am Kreuzweg", des Franzosen deutscher Abkunft G. Rodenbach leitet das Heft em. Dieser schweren Kost steht Willi Rath gegenüber mit scmer fidelen Geschichte „Der Centaur im Tolman". Auch der Wiener Max Brod hat einen kleinen Beitrag gespendet. NicharbBah r behandelt ein immer aktuelles Thema: „Das Duell". Zur Zeit der ö'encnrctfcn und der allgemeinen Flucht in die Berge interessiert besonders auch ein sehr reich illustrierter Artikel Wilhelm Junks> über die edle Kraxelei". Gefällig illustriert ist der Artikel Die Poesie der Bewegung" von Karlernst Küatz. HanS Joachim erzählt etwas von „künstlichen Menschen". Ingenieur verzog behandelt die „Eröffnung des Simplontu nnels", und Clemens Delkeskamp bespricht ui einem Artikel „Bomben Deutsches Reich. Berlin, 16. Juli. Man meldet aus Digermulen, 16. Juli: Der Kaiser ist an Bord der „Hamburg" heute früh vor Digermulen eingetroffen. Das Wetter ist regnerifch. An Bord alles wohl. — Das Kaiferpaar wird auch in diesem Jahre einige Zeit auf Schloß Wilhelmshö he bei Kassel residieren, und zwar gedenkt die Kaiserin mit den jüngeren Prinzen unb ber Prinzessin Viktoria Luise bereits in biefer Woche dort Aufenthalt zu nehmen, während der Kaiser erst im August eintreffen wird. Von Wilhelmshöhe aus beabsichtigt der Kaiser Abstecher nach Mainz und Homburg v. d. H. zu unternehmen und zwar wird er in Mainz im Beisein des Großherzogs von Hessen auf dem „großen Sand" eine Truppenschau abhalten und in Homburg der Enthüllung des von ihm gestifteten Denkmals für das erloschene Landgrafengeschlecht Hessen-Homburg beiwohnen. f — Der „Reichsanz." veröffentlicht folgende von dem Kronprinzen und der Kronprinzessin unterzeichnete Kundgebung : Aus Anlaß der Geburt unseres Sohnes ist der Kronprinzessin, meiner Gemahlin, und mir aus allen Gauen des deutschen Vaterlandes und aus allen Kreisen der Bevölkerung eine Fülle von Glückwünschen zugegangen, die unsere Herzen mit Dankbarkeit für Gottes Gnade, sowie mit Freude und Stolz über die allgemeine Teilnahme an unserem Glück erfüllen. Wir sprechen allen denen, die so freundlich unserer gedacht haben, von ganzem Herzen unseren aufrichtigen Dank aus. — Im Reichstagswahlkreise Döbeln -Roßwein beabsichtigen die bürgerlichen Parteien, an Stelle des verstorbenen Sozialdemokraten Grünberg den früheren Abg. Professor Hasse-Leipzig, den Führer der Alldeutschen, auf» zustellcn. Beuron (Hohenzollern), 16. Juli. Zur heutigen Feier deS Prosessorenjubilaums des Erzabtes Placidus Wolter sind der Abtprimas von Rom, die Bischöfe von Rottenburg und Metz, sowie zehn Siebte erschienen. Auch der Papst hat dem Jubilar ein Handschreiben gesandt. Ansprachen hielten Fürst Wilhelm von Hohenzollern und der Abtprimas. Der 80jährige Jubilar dankte mit großer Frische. Eine Portraitbüste, welche der Erzabt vom Kaiser zum Geschenk erhielt, war von einem kaiserlichen Handschreiben begleitet, das folgenden Wortlaut hat: Hochwiirbiger Herr Erzabt! Es ist zu meiner Kenntnis gelangt, daß Sie am 16. Juli auf eine 50jährige Tätigkeit als Mil- glied ber Benediktinergenossenschaft zurückblicken können. Zu dieser seltenen Jubelfeier spreche ich Ihnen meine herzlichsten Glückwünsche aus, indem ich Ihnen zugleich zum Zeichen meines unveränderten Wohlwollens meine Bronzebüste verleihe. In der Hoffnung, daß Gottes Güte Ihnen, Hochwürdiger Herr Erzabt, vergönnen möge, noch manches Jahr mit segenbringendem Erfolge zu wirken, vcr- bleibe ich Ihr wohlgeneigter Wilhelm I. R. Die Befriedigung über das Urteil der Laienrichter trifft mit voller Schwere die bestehenden Einrichtungen des Untersuchuugsverfahrens. Das ist eben das Bedenkliche, daß etn Untersuchungsrichter ein so gewaltiges Maß von Rechten gegenüber dem Beschuldigten besitzt. Hält der Untersuchungsrichter, wie es in diesem Falle geschehen ist, den Beschuldigten für einen verstockten Ableugner, so wird er wenig geneigt sein, Milde in Anwendung zu bringen. Wann endlich wird die Reform des Straf Prozeßverfahrens erscheinen? * Es wird uns geschrieben: 1 Die Akten über den Breslauer Sensationsprozeß gegen den Major v. Zander sind einstweilen geschlossen. Vor dem Bilde, das sich in ihm entrollte, steht nachdenklich die Oeffentlichkeit. Soweit Kritik sich hören läßt, erscheint sie bemerkenswert nach der Richtung der Behauptung, der Fall Zander sei typisch allgemein, und typisch besonders .wegen ber Neigung eines großen Teiles unserer Offizierbamen zu gedankenloser Verschwendung. Die Geringschätzung des Geldes, die durch „Geldheiraten" ins Offizierkorps hineingetragen sei, habe auch die Töchter aus armen alten Welsfamilien ergriffen in der Auffassung, daß sie sich von jenen Neueinge- drungenen nicht überbieten lassen dürfen. Wir sind der Ansicht, daß der Fall Zander in -dieser Hinsicht nicht die Regel, sondern die Ausnahme darstellt. Die Neigung zu gedankenloser Geldverschwendung findet sich bei den i>eut)d)en Offiziersdamen nicht stärker entwickelt als in anderen Gesellschaftskreisen auch. Höchstens, daß sie vorliegenden Falles bei den ersteren mehr auffällt. Andererseits aber sei darauf hin gewiesen, daß gerade Offiziersdamen in kleinsten Provinzgarnisonen nicht nur nicht zur Verschwendung neigen, sondern im Gegenteil zur Besserung und Sicherung des Haushaltsbudgets beizutragcn sich bemühen, sogar durch Uebernahme seiner Handarbeit für großstädtische Firmen. Bekannt ist beispielsweise, daß Ofsi- ziersdamen eines Kavallerieregiments Kunststickereien für Berliner Geschäfte lieferten. Also „typisch" ist der Fall Zander in dieser Beziehung sicherlich nicht, und ganz besonders nicht, weil es sich bei Frau v. Zander um eine nervenkranke Dame handelt, der das Gefühl der Verantwortlichkeit fehlte. Bemerkenswert ist noch, daß die Kosten des Zander- Prozesses, soweit sie der Staatskasse zur Last fallen, sich auf 60 000 Mark belaufen werden. Ne. 165 Erscheint täglich außer Sonntags. $>em Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Bruhl'schen Un iv ers.-Buch-u. Stein- druckeret. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Redaktion 112 Verlag u.®£peb.e^ä>51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Heer un- Flotte. — Die Mijjl itärkap elIn:erster sollen eine besondere Uniform und Offizierrang' erhalten, ähnlich wie die Zahlmeister. 9cun werden, so schreibt man uns, voraussichtlich den Militärkapellen künftig mehr tüchtige Stäftc zufließen als früher und die hier und da aufge- (sd-) Die Darmstädter Kün stle r ko l o n ie ist, wie tms geschrieben wird, im Begriff zu neuem Lebe n zu erwachen. Professor Habich und I. V. C i s s a r z, haben bekanntlich kürzlich einem Rufe nach Stuttgart Folge geleistet, sodaß nur iwch der Architekt Pros. Olbrich als einziges Mitglied ber Kolonie übrig geblieben ist. Eine Zeit lang scksien es, als sollte Prof. Greiner, ber fchon einmal kurze Zeit Mitglieb ber Kolonie war, wieber in biefe zurückkehren, aber offenbar haben bie Verhcmblungen mit ihm zu keinem Ergebnis geführt. Es war von vornherein selbstverständlich, daß der Großherzog wieder neue Künstler nach Darmstadt berufen würde. Eine Llussrischuna tarnt auch einer Künstlerkolonie nur von Nutzen sein, und auch iri Darmstadt wird es nichts schaden, wenn einmal andere Ideen ob andere Pläne zur Durchführung gelangen. Schon vor einigen Wochen tauchte das Gerücht auf, daß eine Lehrwerkstätte ober cne Kunstschule mit ber Kolonie verbunden werden sollte. Es soll eine Kunstschule mit der Kolonie verbunden werden, ait der die Mitglieder der Kolonie einen Wirkungskreis finden. Was in Stuttgart geht, wird auch in Darmstadt möglich fein. Die Berufung einer Reihe von angesehenen Kmrstleru, u. a. a u 5 Dresden und München, soll bevorstel-en. Ms erster ist in diesen Tagen bereits berufen der Architekt Albin Müller, sichrer an der Kunstgewerbeschule in Magdeburg. Er soll für 'angewandte Kunst bei der Mnstlerkolonie seine Tätigkeit ent- Aie heutige Wummer umfaßt 8 Seiten. Acr Wrozeß des Majors von Zander. Ein Major a. D. auf ber Anklagebank, ein Major von Adel mit weitreichenden persönlichen Verbindungen bis hinauf zum preußischen Finanzminister, ist gewiß eine seltene Erscheinung. Ter Major v. Zander war so vieler schwerer Verbrechen, des Me ineids, zahlloser Betrügereien und der Unterschlagung, beschuldigt, fünfzehn Monate währte es, bevor biefer Riesenprozeß an die Reche kam, daß man sich sagen mußte: wenn die Anklage auch nur zur Halste bewiesen wird, dann erlebt der Verurteilte vielleicht das Ende seiner Strafzeit nicht, so hoch und so hart wird die Strafe sein. Und was ist das Ergebnis dieser wochenlangen Verhandlungen vor dem Schwurgericht? 300 Mark Geldstrafe sind liegen eines verhältnismäßig unerheblichen Betrugssalles über Herrn von Zander verhängt; die Mitangeklagten, Frau v. Zander und Herr ßüttig, sind freigesprochen. Major v. Zander kann von Glück reden, daß er vor das Schwurgericht gekommen ist. Ware eine Strafkammer das zuständige Gericht gewesen, er wäre vermutlich ebenso nachdrücklich bestraft morden wie s. Zt. in Berlin das Professorenehepaar Meier, das auch weit über die Verhältnisse hinaus gelebt, * überall Bären angebunden hatte, großartige Bestellungen machte und nicht minder großartig das Geld dafür schuldig blieb. Herrn v. Zander hätte vor einem Kollegium von fünf Berufsjuristen schwerlich der Umstand zur Rettung verholfen, daß ihm eine ganze Reihe glänzender Gewinne aus allen möglichen, mehr oder minder kavaliermäßigen geschäftlichen Transaktionen — in Aussicht stand. Die Fach jur ist en hätten nüchtern den Satz von den Tauben aus dem Dach erwogen und dem schulden- deladenen Major nur das als Guthaben angerechnet, was ihm in Wirklichkeit gehörte. Ten Geschworenen dagegen, den Männern des praktischen Lebens, hat der in Der Tat erstaunliche Unternehmungsgeist, diese trotz alter Fehlschläge immer wieder einsetzende Tatkraft des Majors imponiert. Ein kaufmännisches Talent allerersten Ranges, das nur in falsche Bahnen gelenkt war. Durch die ausschweifendste, zweifellos krankhafte Verschwendungssucht seiner Frau, einer ehemaligen Hofdame mit maßlosen Ansprüchen, ist der ^ajor aus Wege gedrängt worden, die ein Ehrenmann — ob er nun den bunten Rock trug oder nicht — keinesfalls befchreiten durfte. Manches streifte doch ziemlich nahe das Strafgesetz, der Ofsenbarungseid des Majors war mindestens nicht mit der erforderlichen Sorgfalt geleistet, und der Verkauf des Gutes c.u kritischer Zeit an Lüttig sah einer auf Benachteiligung der Gläubiger gerichteten Schiebung mindestens ähnlich. Ebensowenig entspricht den schlicht bürgerlichen Begriffen von Ehrenhaftigkeit — Herr v. Zander pochte im Prozeß fortwährend auf seine Ehre als „Offizier und Edelmann" -- das Anborgen von Bekannten um größere und kleinere Summen. In sein Tagebuch hat denn auch Herr v. Zander oftmals voll Zerknirschung eingeschrieben, daß er nicht würdig gehandelt habe. Trotzalledem wendete sich, je weiter die Gerichtsverhandlungen gediehen, die Sympathie ber Oeffentlichkeit dem entgleisten Major zu. Es erweckte Teilnahme, baß der Angeklagte seiner Frau zugetan blieb, die doch das Unglück über ihn heraufbeschworen hat und ihm obendrein die Zartheit nicht vergalt; es erweckte mehr und mehr tieses Mitgefühl, daß durch die Samte des Geschickes der Major immer wieder den Erfolg seiner eifrigsten Bemühungen nicht cinheimsen konnte. Doch mehr als alles das ries Mitleid mit dem Major v. Zander hervor die ihm durch die lange Untersuchungshaft und die Anordnungen des Untersuchungsrichters widerfahrene Behandlung. 15 Monate Untersuchungshaft, Monate hindurch von vertraulicher Konferenz mit dem Verteidiger abgeschnitten, die Vergünstigung der Selbstbeköstigung entzogen, allen Qualen der Ungewißheit und der Einsamkeit preisgegeben: das erschien der Oeffentlichkeit als ein überhartes Schicksal. Ter Untersuchungsrichter hat erklärt, nirgends den Rahmen seiner Befugnisse überschritten zu haben. Mit Recht, gewiß. Das Schwurgericht ließ mehr als Juristen-Erwägungen die Stimme der Menschlichkeit zu ihrem Rechte kommen. u Herr, Sonntnslraft 8. 'cheir sich! Stellung als 2. im in beß. haust 05106 :au Herr, tonnenftr. 6. iWchn y uamiüe fuc Mitte gesucht. ,e Sullmamt __ ' 24, y dücheumädchen nach rdru gesucht. Lohn UM neS Lchottslrage 71. -EZ kv' jel) ‘Sachen y?!!*»*iNe27D. 18-»N=« für «Zucht. L?leb’?'orll9eni pdulein Ä Bezugspreis, W/ ] 0 monatlich 7bPf., viertel- Gletzener Anzeiger W General-Anzeiger - js». ___ den polit. und öligem. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW zeigenteil: Hans Beck. nimmt gegen gute l S(jat)lnng Heineb i Wege? 48in Cnerten uni« 'L "Ä- md honidmg v. d. H. nochÄwbsch.imWafchev eu, WetzsleingasselS. r* Tüchtige M utaißerd.öaus.Marktstr.P. 3 Wochen alles Sius iu uwlsseuh. Pflege zu geb. rnstliche Angebote mit Präs [08 an d.Gie8.Ani. erbeten. und Attentate" eine Atoterie, bie leiber immer wiebcr ab unb zu auf bie Tagesorbnung gefetzt werben muß. Rubolf Presbrrs launiger Theaterbericht „Von alten Teufeln unb jungen Hexen" unb bic Rubrik „Verstaubte Schätze" beschließen bas Heft. Newyork, 16. Juli. Der becühtnte Geigenvirtuose Sara s a t e hat ein Angebot von 160000 Dollar für zehn hier abzuhallenbe Konzerte abgeschlagen. * „D e r Schütze". Die Münchener „Jugenb" stellt sich ben beutschen Schützen, bie in München zum Bunbesschießen versammelt finb, als ihr tapferer Kamerab vor: Ich bin ein Schütze, frisch unb unermüblich, llnö meine Kugeln finben meist ihr Ziel, Unb treffen sie auch manchmal rmgemütlich, So ists nun mal beim kecken Weibmannssplel. Mein Schießzeug ist nicht schwer. Es kennts ein jeber, Ta braud)t§ fein frisches Laben allemal, Stets ist sie schußparat, bie lockre Feber, Die spitz unb biegsam, aber boch von Stahl. Glaubt nicht, baß ich aus Leichtsinn mit ihr s ' •' Ich schieße nie aufs Grabewohl I O nein! Ich ziele niemals aus bem Hinterhalte, Für jeben Schuß steh' ich mit Freuben ein! Ich reit' zur Jagb auf meinem Flügelpferbe, Tas mir als ireu’fter Kamerab gesellt, Ich bin ber frci'fte Schütze auf ber Erbe, Denn meine Scheibe ist bie ganze Welt. rlchiedencs Kruchten Klagen darüber, daß fte rndjt das leisten, toaS man Von Smen erwarten könnte, allmähliche verschwinden. Uebri- yens sobgt ja hier Deutschland nur dem Beispiel anderer Staaten, denn in den meisten anderen Ländern haben die Militärkapellmeister längst den Offizierrang. Sattler +. Berlin, 17. Juli. Gestern nachmittag sand auf dein Kirchhofe zu Lankwitz die Beisetzung des verstorbenen nationalliberalen Abg. Dr. Sattler statt. In dem Trauergefolge bemerkte man u. A. die Abg. Justizrat Dr. Krause, Dr. Jänicke, Landgerichtsrat Hagemann. Nach dem Prediger sprach der Abg. Ho brecht einige Abschiedsworte als Zeichen der Dankbarkeit. Die Reichstags- und Landtags- Fraktion hatten Kranzspenden gesandt, ebenso der nationalliberale Verein Stade und Handelsminister Möller. Seitens der Landtags-Fraktion wurde der Gattin des Verstorbenen in einem Schreiben ausgedräckt, was der Verstorbene hervorragendes geleistet, würde nie vergessen werden. Der Verlust werde besonders von der Landtags-Fraktion schwer empfunden. Die Iürftin Wrede. D.-B. Hd. meldet heute aus Berlin: Die Untersuchung gegen die des Silberdiebstahls von ihrem entlassenen Diener Glase bezichtigte Fürstin Wrede nimmt ihren Fortgang, ohne daß bisher über ihre Zurechnungsfähigkeit ein abschließendes Urteil vorliegt. Der Untersuchungsrichter hat jetzt die gesetzlich vorgesehene, jeborh bisher wegen des leidenden Zustandes der Fürstin verschobenen Vernehmungen vorgenommen, um dem Gutachten der Gerichtsärzte die erforderliche formale Unterlage zu geben. Die ärztliche Begutachtung wird ihren Abschluß in einer Woche finden. Die Vorliebe dieser Dame für fremdes Silber ist in dem Prozesse gegen den wegen Erpressung verurteilten Diener Glase aus einer krankhaften Veranlagung erklärt und die Kleptomanie in ein Sanatorium gesteckt worden. Wenn derartige Silberdiebstähle eine Person mit nur ein paar Tausend Mark Jahreseinkommen auSgeführt hätte, dann würde man fte, so meint ein Teil der Preße, doch wohl zuerst auf die Anklagebank geschleppt und erst nachher, ein entsprechendes Gutachten der Gerichtsärzte vorausgesetzt, in eine Nervenheilanstalt untergebracht haben. Allerdings ist eS sonderbar, daß eine noch adelige Dame mit ein paar Hunderttausend Mark Revenuen mittelmäßiges Tafelsilber aus Hotels entwendet, wo ste logiert, aber wer weiß denn, daß die Vermögensverhältnisse wirklich so glänzend find, wie angegeben wird? Man könnte die Stehlsucht der Fürstin sehr wohl auf eine gewisse geistige Störung zurückführen, wenn sie sich in der unrechtmäßigen Aneignung materiell oder künstlerisch besonders wertvoller Silberstücke gezeigt hätte; aber Durchlaucht , flaute* wie eine Elster einfach alles Silber, welches ihr unter die Finger kam. Deshalb erscheint es im Jnteresie der deutschen Rechtspflege notwendig, daß nicht nur der Diener, der seine ehemalige Herrin aus Rache über die mißlungene Erpressung denunziert hatte, seine Strafe bekommt, sondern auch der Fall der Fürstin Wrede in der vollen Oeffentlichkeit eines gerichtlichen Prozeßes klargestellt wird! Die Gärung in Rußland. Am Sonntag fanden in verschiedenen Teilen der ruß. Hauptstadt unter dem Einflüße deS Alkohols Ausschreitungen de§ PöbelS statt. Zwischen Revolutionären, Arbeitern und Anhängern der Ordnung kam es zu wiederholten Schießereien. Ferner wurden auch Kinder, die für feiernde Arbeiter Waren austrugen, von letzteren mit kochendem Wasser begossen. Eine große Anzahl Arbeiter, die dem Sarge eines erschoßenen Kollegen folgte, wurde durch Kosaken mit Peitschenhieben auseinander getrieben. In Warschau wurde auf der Straße Rechtsanwalt Ma tusch eck von unbekannten Tätern durch mehrere Rc- volverschüffe getötet. Ferner wurden auf offener Straße am Sonntag nachmittag in Czenstochau zwei Po- lizeiwachtmeister von Sozialisten erschossen. Obwohl Kosaken die Straße sofort absperrten, sind die Täter unerkannt entkommen. Infolge des Bäckerstreiks in den Städten Sosnowice, Bendzin, Dombrowa und Sawierze sind alle Bäckereien geschloßen. Als in SoSnowice ein türkischer Bäcker seinen Laden öffnete, wurde er durch Revolverschüße schwer verletzt und nach Kattowitz ins Krankenhaus gebracht. Ausland. London, 16. Juli. In der Johunnisburger Presse vnrd Klage geführt über die barbarische Krie g- sührung gegen die aufständischen Zulukaffer n. Major Nikolai von der Transvaäter leichten Infanterie habe in einem an einen Freund in Johannisburg gerichteten Briefe erklärt, daß überhaupt kein Pardon gegeben !werde. „Loyal" gebliebene Eingeborene metzeln die Verwundeten nieder und schänden die Leichen. Truppen durchziehen das Aufstandsgebiet kreuz und quer, machen alle Eingeborenen, die sich zeigen, nieder kund äschern ihre Hütten ein. — Unterhaus. Unterstaatssekretär Runeiman beantwortet die Frage betreffend den Besuch der 6 r it Flotte in den russischen Häfen wie folgt: Es ist Uns von feiten der russischen Regierung nahe gelegt worden, daß mit Rücksicht auf die politische Lage in Rußland das Erscheinen von Kriegsschiffen fremder Mächte in den russ. Häfen zu Agitationen und Zwischenfällen im Zusammenhang mit der inneren Lage.Rußlands Anstoß geben könnte. Deshalb ist der Beschluß gefaßt worden, daß die Kreuzfahrt nicht in der beabsichtigten Meise durchgeführt werden soll. Die Regierung bedauert sehr, daß der Besuch verschoben werden muß, umsomehr, als sich Schwierigkeiten ergeben wurden hinsichtlich der Umgestaltung des Planes für den übrig bleibenden Teil der Kreuzfahrt. 'Aus letzterem Grunde ist beschlossen worden, die geplante Kreuzfahrt mach der Ostsee ganz a u sz u g e b e n, au ch die Besuche in anderen Häfen. — Im Parlament gelangte das Weißbuch über den türkisch-egyptischen Grenzstreit zur Verteilung. In einer Depesche nimmt Lord Eromer Bezug auf die Gefahr des Vordringens der türkischen Truppen nach dem Suezkanal. Der Schluß, der auf alle Fälle gezogen werden müsse, sei die stetige Vermehrung der britischen Besatzungstruppen auf Kosten des egyptischen Schatzamtes. Paris, 16. Juli. Im heutigen Ministerrat mochte Kriegsminister Etienne die Mitteilung, daß Major Tr e y- fus dem 12. Artillerieregiment in Vincennes zugeteilt sei. .Brigadegeneral Picquart werde unverzüglich ein Komwändo int Bezirk des Pariser M'il'itLrgouver-' nements erhalten. Budapest, 16. Juli. Vier sozialistisch e Gefangene der Strafanstalt Vaez (Waizen) veranstalteten einen Hungerstreik und verweigern jede Nahrungs- aufiiahme. Die Ursache ist, daß der Anstaltsüirektor den Brief eines Gefangenen an ein sozialistisches Blatt inhibierte, in dem Beschwerden vorgebracht waren. Ter Direktor verwies auf die Vorschrift, nach der Beschwerden nur auf'Deschwerdebogen vorgebracht werden können, die binnen 48 Stunden dem Justizministerium unterbreitet werden. Die Gefangenen lehnten diese Beschwerdeform ab. Der Anstalts- arzt untersucht zweimal täglich den Gesundheitszustand der Hungernden, stellte aber bisher feine Schädigung fest. Washington, 16. Juli. Nach einer Depesche des amerikanischen Geschäftsträgers in Honduras ist die Republik Honduras bereit, abzurüsten und den Konflikt mit Guatemala einem Schiedsgericht zu unterwerfen. O sterb ay, 16. Juli. Tie Friedensverhandlungen zwischen Guatemala und San Salvador werden vom Präsidenten Roosevelt und dessen stellvertretendem Sekretär im Staatsdepartement, Bacon, eingeleitet._____________________________________________________ Aus Stadt und Lund. Gießen, den 17. Juli 1906. • • Die Witwe des Prinzen Heinrich von Hessen, Freifrau v. Dornberg, geb. Hrzic von TopnSka, vermählte sich gestern in Berchtesgaden mit dem Freiherrn Maximilian von BassuS. * * Die Gemahlin des Landgrafen Chlodwig von Hessen-Philippstal-Barchfcld, geb. Prinzessin zu Solms-Hohensolms-Lich, wurde im Schloß Rotenburg a. d. Fulda von einem Prinzen entbunden. * * Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer PH. Oswald zu Vöckelsbach eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Dorn-Dürkheim, dem Lehrer Hch. Otto Krebs zu Armsheim eine Lehrerstellc an der Gemeindeschule zu Osthofen, dem Lehrer Pet. Heber er zu Rothenberg die Lehrerstelle an der evang. Schule zu Hirschhorn, dem Schul- amtSaspiranten Wilh. Buß aus Holzheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Dornheim, dem Schulamtsaspiranten Friedr. Wilh. Held aus Nieder-Flörsheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Ofleiden. Bestätigt wurde der von dein Fürsten zu Solms-Hohensolms-Lich auf die Lehrerstelle an der Gcmeindeschule zu Ober-Bessingen präsentierte Schulamtsaspirant Hch. Ohly aus Holzheim im Kreise Gießen. • • Einen ehrenvollen Nuf hat der Syndikus der Handelskaminer Gießen Dr. Knipp er erhalten. Er wurde zum Syndikus der Acltesten der Kaufmannschaft zu Berlin, welche Korporation eine der angesehensten kaufmännischen Berufsvertretungen Deutschlands ist, gewählt. Herr Dr. Knipp er wird dem Rufe Folge leisten und bereits am 1. September d. I. seine neue Stellung antreten. 9H§ sein Nachfolger wurde in der letzten Sitzung der Handelskammer der Sekretär der Offenbacher Handelskammer Dr. Wilhelm Zeidler gewählt. * * Ungünstige Prüfungs-Ergebnisse. Die „Heß. Schulbl.* veröffentlichen einen Bericht über die ungünstigen Prüfungsergebniße für Schulamtsaspiranten und Aspirantinnen. Unter annähernd 100 Prüflingen haben nahezu 40 die Prüfung nicht bestanden. ** Wi e erhalten wir uns einen tüchtigen und leistungsfähigen Handlung sge hi lfen- stand? lieber diese Frage spricht heute abend im Kreis- fcerein Gießen des Verbandes deutscher Handlungsgehilfen Herr Georg Liß kc aus Leipzig, worauf Interessenten hingewiesen seien. Ter Vortrag findet im .Hotel Schütz statt. ** Mittelrheinisches Kreisturnfest in Hanau. Bei sehr zahlreichem Besuch und allgemeiner Anteilnahme der Bürgerschaft verliefen die ersten Tage des mittelrheinischen Turnfestes in bester Weise. Der Begrüßungsfeier nm Samstag abend folgte am Sonntag vormittag zunächst das Vereinswetturn'en, an dem 152 Vereine mit gegen 2000 Turnern teilnahmen. Tie beste Leistung erzielte der Mtv. Wiesbaden mit 42,833 Punkten. U. a. erhielten Auszeichnungen 1. Klasse der Turnverein Butzbach und der Turnverein Herborn, Auszeichnungen 2. Klasse der Turnverein Gießen, der Turnverein Büdingen, der Turnverein Wetzlar, der Turnverein Braunfels, der Turnverein Bad-Nauheim, eine Auszeichnung 3. Klasse der M än n e r t ur n v e r e i n Gießen. Der Gau Helsen bot eine Sonderaufführung im Keulenschwingen. In dem Festzug am Sonntag mittag waren mehrere Hundert Turnvereine mit über 7000 Turnern vertreten, während an den sich anschließenden. allgemeinen Freiübungen etwa 1700 Turner teilnahmen. Am Turnen der älteren Turner nahmen etwa 160 Herren teil. Der Montag mar dem Einzelwetturnen gewidmet, während am heutigen Dienstag Wettfechten und Wettringen stattfindet. " Eine Talsperre im Taunus. Wie dem „Frkf. G.-Anz." von sehr verläßlicher Seite mitgeteilt wird, dürfte dem preußische» Landtag in einer seiner nächsten Sessionen Vorlage über die Anlegung einer Talsperre im Taunus zugehen. Nach dem Vorschläge der Bczirksrcgierung zu Wies- baden, die daS Projekt bereits fertig ausgearbeitet haben soll, dürfte sie in der Nähe von Schmitten angelegt werden. Die Anlage soll zugleich zur Gewinnung von elektrischer Energie benutzt werden. — Atzbach, 17. Juli. Hier wurde gestern eine 80- jährige Frau, die im Hofe saß, von einem 18 jährigen jungen Mann, der nach Spatzen schießen wollte, erschossen. S. Mücke, 16. Juli. Annähernd fünf Jahre sind es, daß der in weiten Kreisen der Bevölkerung bekannt gewordene Herr Eise als Stationsvorsteher hierher kam. Nachdem vor einiger Zeit seine Ernennung zum Inspektor 2. Klasse erfolgt war, ist nun dieser Tage seine Versetzung an die Eisenbahn-Betriebs-Jnspektion Wetzlar bekannt geworden: allgemein wird es bedauert, daß der pflicht- getreue, zuvorkommende Beamte uns am 1. August verlassen wird. f Aus dem Kreise Alsfeld, 16. Juli. Für das Eugen Richter-Denkmal wurden in Alsfeld 163 Mk. gesammelt. — In Nieder-Ohmen wird demnächst das alte Schul Haus, ein Eichenholz-Fachwerkbau, auf den Abbruch versteigert. — Infolge des gesteigerten Verkehrs auf der Bahnstrecke Gießen-Fulda wird auf dem Bahnhof Zell-Romrod ein Ueberholungsgleis hergestellt. — In Eudorf wurde Paul Hch. Korell zum Bürgermeister gewählt und bestätigt. -r. Ehringshausen a. d. Dill, 16 Juli. Der hiesige Bergmannsverein, bem auch Bergleute von Werdorf und Verghausen angehören, feierte gestern und heute sein 16 jähriges Stiftungsfest. Zahlreiche Fahnen usw. riefen den um die Mittagszeit eintrefsenden Festgästen Willkommen zu. Infolge des prächtigen Wetters und des Umstandes, daß heute in der Nähe kein Fest gefeiert wird, war der auswärtige Besuch recht stark. Um Vs3 Uhr bewegte sich ein stattlicher Festzug mit der Bergmannslapelle zum Festplatz. Landwirt Friedr. Will). Reiner- Werdorf hielt die Begrüßungs- und Festrede, naebbent der Vorsitzende des Bergmannsvereins Friedrich einige Worte an die Kameraden gerichtet hatte. Dem obersten Bergherrn, Prinz Friedrich zu Solms-Braunfels, ferner dem Fürsten zuSolms-Lich und unser in Reichstagsabgeordneten Krämer spricht Reiner seinen Dank aus für die hochherzigen Festgeschenke. Nachdem er sich über den Zweck des Bergmannsvereins verbreitet, beleuchtet er die gefahrvolle Arbeit des Bergmanns gegenüber der anderer Berufsklassen und über die Bedeutung des Bergbaues für Staat und wirtschaftliches Leben. Im Laufe des Nachmittags erschienen Landtagsabgeordneter Krämer und Landrat Dr. Sartorius auf dem Festplatz. Heute vormittag marschierten die Knappen unter Vorantritt der Kgl. Bergkapelle nach dem Fest- platz, wo der Generalsekretär der christl.-nationalen Bergarbeiter Deutschlands Franz Behrens-Eßen eine größere Rede hielt. Die Bedeutung deS Bergbaues und besonders seines ältesten Zweiges würdigte Behrens, indem er auf den Umfang der deutschen Montanindustrie, des deutschen Gewerbefleißes und des deutschen Welthandels hinwies. Die Bergleute seien die Pioniere der deutschen Sozialversicherung gewesen. Ihre Knappschafts-Kranken- und Pensionsvereine seien die Vorläufer und Bahnbrecher für die deutsche Arbeiternersicherimg gewesen. Sein Hoch galt dem deutschen Bergbau. R. B. Darmstadt, 15. Juli. Bei der Gedächtnisfeier zu Ehren unserer hessischen Gefallenen vom Jahre 1866 ist mit großer Freude die Herzlichkeit und Innigkeit bemerkt worden, mit der die bayerischen Offiziere und Mannschaften und die Mitglieder der bayerischen Kriegervereine bestrebt waren, den hessischen Kameraden den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Ein besonders schönes Zeichen dieser Gesinnung gibt alljährlich namentlich das 2. bayerische Jägerbataitlon in Aschaffenburg, das nicht nur die Schmückung der Gräber in dankenswertester Weise unterstützt, sondern auch stets an den pietätvollen Handlungen der Heßen auf den Schlachtfeldern regen Anteil nimmt. Daß das Offizierkorps und die Bataillonsmusik an der Feier Anteil nahm, haben wir bereits berichtet. Nicht minder herzlich aber war das Entgegenkommen der Herren am Tage vorher in Aschaffenburg. Am Morgen deS 14. Juli, an welchem Tag vor 40 Jahren daselbst so viele Oesterreicher ihr Leben laßen mußten, hatten sich Deputationen der hiesigen Kriegervereine in Stärke von ca. 20 Mann nach Aschaffenburg begeben, um am dortigen Oesterreicher-Denkmal, das auf Veranlassung unseres GroßhherzogS mit prachtvollem Lorbeer- und Blumenschmuck versehen worden war, Erinnerungskränze der hessischen Kameradschaften niederzulegen. Die Herren wurden von dem Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Schuchacd, empfangen; unter Vorantritt der Musikkapelle bewegten sie sich dann in Begleitung der Offiziere, sowie eines Teiles der Unteroffiziere und Mannschaften zum Oesterreicher-Denkmal, woselbst Oberstleutnant Schuchard nach einer Ansprache auch namens des Jägerbataillons einen Lorbeerkranz niederlegte. Nach der Kranzniederlegung der Deputation schloß die Feier mit einem Choral der Musikkapelle. Dann begab sich der Zug zu den Massengräbern auf dem Friedhöfe, wo auch die Gräber der preußischen Offiziere und der dort gebetteten Hessen mit Lorbeerkränzen geschmückt wurden. Nach beendeter Gedächtnisfeier blieben die bayerischen und die hessischen Kameraden noch längere Zeit gesellig vereint. Bei dem großen Menschenandrang, der am Sonntag bei Laufach-Fronhofen herrschte, erwies sich auch die Darmstädter freiwillige Sanitätskolonne wieder als sehr nützlich. Die Kolonne hatte verschiedene sog. fliegende Lazarettzelte aufgeschlagen, in denen etwa Verunglückten sofort die erste sachgemäße Hilfe geleistet werden konnte. Tatsächlich ist auch ein Dutzend von Ohnmachtsfällen zu verzeichnen gewesen. Die Mannschaften der Kolonne griffen bei jedem Unfall sofort ein, sodaß keiner derselben von ernsteren Folgen begleitet war. Mainz, 14. Juli. Die Straßenbahnverwaltung beschloß, zurVcrmeidung der Fahrkartensteuer vom 1. August ab die bisherigen Dutzendkarten ä, 1 Mk. abzu- chaffen und an ihrer Statt Halbdutzendkarten L 50 Pfg. einzuführen, die steuerfrei bleiben müßen. Aus Rheinhessen, 16. Juli. Die erhöhten Bierpreise beginnen ihre Wirkung zu üben. In den Landgemeinden stellen die unabhängigen Wirte den Bier- bezng ein und verzapfen den Wein zu einem billigeren Preise (20 bis 25 Pfg.) als seither (30 bis 40 Pfg. den Schoppen). Um dies zu können, kaufen die Wirte direkt bei ben Winzern und den Winzergenoßenschaften; sie bezahlen hier 300 bis 350 Mk. für daS Stück (= 1200 Liter) Natur- mein, haben also beim Verkauf für 480 bis 600 Mk. immer noch einen schönen Gewinn. Vermischtes. * Ein dritter Raubanfall auf den Baderzug n a ch N o r d e r n e p. In der Eisenbahnraubaffäre Berlin-Norderney kommt aus Norderney die sensationelle Nachricht, daß auf eine in einem Frauenabteil dieses Schnellzuges allein reisende Dame in der Nacht ein drittes Attentat versucht worden sei, glücklicherweise ebne Erfolg. In der Nacht zum 2. Juli benutzte den Schnellzug eine Frau Dr. S. aus Berlin. Sie befand sich in dem Frauenabteil allein. Hinter Rathenow wurde plötzlich die Tür, die vom Mort in das Abteil führt, geöffnet, ein über mittelgroßer Mann trat ein und musterte, ohne ein Wort zu sprechen, die Dame und ifrr Gepäck. Rasch entschlossen, sprang Frau Dr. S. auf, trat dem Mann entgegen und forderte ihn zum ofortigen Verlaßen des Mteils auf. Der Mann ging in den! Wort zurück, aus dem dann ein Geräusch herausdrang. Kurz vor Stendal wurde der Zug auf freiem Felde zum Stehen gebracht, aber die Suche hatte keinen Erfolg. * Der neue fte Eisenbahnunfall. Auf dem Westbahnhofe zu Wien entgleiste die Lokomottve eines ausfahrenden Personenzuges sowie einige nachfolgende Wagen. 5 Reisende wurden verletzt. * Ein mißglücktes Attentat. Durch Befestigen einer eisernen Schwelle auf dem Gleise war auf den Nachtschnellzug Koblenz-Trier bei der Station Schweich ein verbrecherisches Attentat geplant. Durch die Aufmerksamkeit des Streckenwärters wurde der Zug rechtzeitig zum Halten gebracht, bis das Hindernis beseitigt war. Nach allgemeiner Annahme galt das Attentat dem Leben des Großfürsten Wladimir von Rußland. Der Großfürst war aber gewarnt und hatte einen vorher in Trier eiugetroffenen Personenzug benutzt. Vom Täter fehlt jede Spur. Großfürst Wladimir hatte sckwn in Homburg einen Drohbrief in russischer Sprache erhalten. Er wurde daher auf Anordnung des Regierungspräsidenten wahrend seines Aufenthaltes in Homburg beständig von Wiesbadener Geheimpolizisten bewacht. w ous^ö heute ‘Ä#te tzzcn. Tie Herren wurden Oberstleutnant Cchuchard, IfapeHe bewegten sie sich sowie eines Teiles der m Oesterreicher-Denkmal, ich einer Ansprache auch Lorbeerkranz niederlegte. utation schloß bie Feier Dann begab fid) der Friedhöfe, wo auch die r dort gebetteten öcfe« Aaä; bttxxbeto ®?* >d btt hWchen Karne- M. Bei dem großen t bei Lansach'Fronhofeil labtet freiwillige Sani- lief). Die Kolonne hatte te ausgeschlagen, in denen sachgemäße Hilfe geleistet 5 nn Dutzend von Ohn- Die Mannschaften der sofort ein, sodaß keiner eitet war. ßenbahnverwaltung iabrkartensteuer vom nbtnrfen i 1 *•*’ u^enbtacten iM W S sie erf|öf)fen ,n 1» 3" b™ „iJ Wirte ben ®iet> 8 " zu einem billig«» b' zo bi- «» * =*bie®tÄ" 5PÄ)O»W’W* Yto 600 SB- tW* «rderzug [l ^uf.drn dad^er- d°ß A -allein tttiem* LchneÜtUg^, arbeit seu -Haibt rum -■ ^anb w ,14 « rti-m Mst- WS- 1 , .VtEK töt vrl' ' ' ' lUNl v„ 4tcSf6r?tWfltnt L->5 's fl'1L k.’iiutjt. *• .. • S^^albe •£gr-* -wbslS Amsterdam, 16. Juli. Anläßlich der Rembrandts feier wurde der (Generaldirektor der RönigL Museen in Berlin,^ Dr. W. Bode, der Herausgeber des großen zurzeit bei Bong in Berlin erscheinenden Rembrandtwerkes, zum Großoffizier des Ordens von Oranien-Raffau ernannt. Baris, 17. Juli. Das „Journal" veröffentlicht ein Telegramm aus Tanger, worin es heißt, daß der Sultan beschlossen habe, zum Verwalter der marokkanischen Staatsbank einen in Fez ansässigen deutschen Kaufmann zu ernennen, der in dem Ruse steht, Geschäftsbeziehungen zum Sultan zu haben. Das Blatt fügt hinzu, diese Nachricht rufe großes Aufsehen hervor, weil durch diese Ernennung die Marokkofrage wieder zur A u f r o l l u n g kommen könne. Puris, 17. Juli. Mehrere Blätter melden, cs werde in Dreysus gedrungen, daß er den General Mercier zivilrecht l i ch b e l a n g e. Drenfus macht seinen Entschluß von der Meinung seines Advokaten abhängig. Diese Woche wird er durch den O b e r st seines Regiments, Meier-Samuel, den Ehes des 12. Art.-Reg., den Offizieren, unter denen sich ein Sohn Andres befindet, vorgestellt werden. Rom, 17. Juli, lieber das Straßenbahnunglück i n Frascati lunrb noch berichtet, daß nach neueren Fest- stellnngen 60 Personen verletzt wurden, darunter mehrere tödlich. Das Personal des von Frascati kommenden Zuges sprang, da die Bremsvorrichtungen versagten, von dem mit ungeheurer Geschwindigkeit hinabl- sausenden Wagen ab und wenige Minuten später trafen! die führerlosen Gefährte auf einen von Rom her kommenden Zug. Der Zusammenstoß war so furchtbar, daß die beiden Züge sich aufeinander bäumten. In Rom war der Bahnhof bis 3 Uhr morgens von einer großen Menschenmenge belagert, die ängstlich auf ihre Digehvrigen warteten. Wien, 17. Juli. Durch die furchtbaren Regengüsse am Samstag ist die Donau um zwei Meter gestiegen. Die Wiesen sind überschwemmt. In ganz Nieder-Oesterreich sind die Kulturen teils beschädigt, teils schwer bedroht. Bei Krems e r t r a u k ein 16 jähriger Realschüler vor den Augen seiner Mutter. Odessa, 17. Juli. Im Vorort Jsakowitz wurde in der Wohnung Danilows eine Bombe zur Explosion gebracht, die aber nur geringen Schaden anrichtete. — Hier erdrosselte ein in Not geratener entlassener Polizist feine Frau und sein 6 jähriges Söhnchen. Telefcmäsche Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel nnd Industrie, Giessen. Frnmkfnrter Börse. 17. Juli. 1.15 Uhr. 3/4% Peichsanleihe . . 99.45 3% do. . . «7.75 3^% Konsols .... 99.40 35s do. .... «770 3J4% Hessen.....98.70 3%% Oherhessen . . . —.— 4 5s Oesterr. Goldrente. . 100.30 4% 5s Oesterr. Silberrente 100.50 45s Ungar. Goldrente . . 95.70 45s Italien. Rente . . . 103.80 35-o Portugiesen Serie I . 70.05 35s Portugiesen III 70.60 4)s% russ.Staatsanl. 1905 89.00 4>s% japan. Staatsanleihe 95.10 4 % Conv. Türken von 1903 95.70 Türkenlose......146.60 4 5s Griech. Monopol-Anl. 53.90 45s äussere Argentinier . 91.00 4% Mexikaner .... 70.25 3%% Chinesen .... 98.20 Aktien: Bochum Guss.....241.50 Buderus E. W .... 123.75 Tendenz: fest. Berliner Börse, Cauada E. B......159.00 Darmstädter Bank . . . 138.50 Deutsche Bank .... —.— Dortmunder-Union C. . . 85.10 Dresdner Bank .... —.— Tendenz: fest, Elektriz. Lahmeyer . . . 142.50 Elektriz. Schuckert . . . 126.55 Eschweiler Bergwerk . . 251.50 Gelsenkirchen Bergwerk . 220.50 Hamburg-Amerik. Paketf. 157.30 Harpener Bergwerk. . . 206.75 Lanrahütte......231.80 Nordd. Lloyd ..... 124.50 Gberschles. Eisen-Industrie 127.00 Berliner Handelsges . . 169.00 Darmstädter Bank . . . 139.00 Deutsche Bank . . . 236.00 Deutsch-Asiat. Bank . . 177.00 Diskonto-Kommandit. . . 183.00 Dresdner Bank . . . 157.80 Kreditaktien..... 209.60 Baltimore- und Ohio- Eisenbahn . . . 115.50 Gotthard bahn.....—.— Lombard. Eisenbahn . . 34.25 Oesterr. Staatsbahn . . . 144.20 Prince-Henri-Eisenbahn . 143.80 17. Juli. Anfangskurse. Harpener Bergwerk. . . 206.70 Lanrahütte .....—.— Lombarden E. B. ... 34.30 Nordd. Lloyd.....124.60 Türkenlose.....—.— Achtung! Achtung! 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E. 1070 Heiur. Eisler, Berlin 8. W. 10 j niederlegen. sl14/? ■—y—mim ......... । ii ii i mi um———■! * Ohm KrügerS Enkel ein Mörder. „Dailh Mail" hteldet, daß der einzige Enkel Krügers namens Stephan Paul Krüger wegen Mordes in Transvaal verhastet ist. Der junge Krüger verhandelte längere Zeit mit einem anderen Buren Namens Davis. Beide wollten einen angeblich irgendwo von Krüger verborgenen Schatz heben, der einen Wert von ungefähr 1 Million Mark haben sollte. Wie es scheint, hat Krüger die Geschickte von dem versteckten Schatze dem Ermordeten erzählt in der Absicht, von ihnt Geld zu borgen. Vor einiger Zeit drängte Davis wegen Zahlung, worauf der junge Krüger mit ihm über Land fuhr, um den Schatz zu heben. Krüger kam dann am andern Tage allein zurück. Ms die Fran des Davis Nachforschungen anstellen ließ, fand man Davis hinter einem Busche ermordet liegen. Krüger wurde daraus von der Transvaalbehörde verhaftet und unter Anklage des Mordes gestellt. * Der Setzerkobold bat dem „Dülmener Anz." einen argen Streich gespielt. Das Blatt berichtet über die Anwesenheit des Weihbischofs in .Koesseld wie folgt: „Gestern und heute weilte der hochw. Herr Wc ihbischvf Maximilian Graf Galen in unserer Stadt, um das Sakrament der Firmung zu svenden. Arn Montag abend Markt: milckgeb. Kühe 200—270 Mark, tragende Rinder 180—210 Mk., Faselschweine «vierteljährige) 24—30 Mk., Ferkel (5—8 Wochen alt) 2.75—3.25 Mk die Alterswvche, Sckafe 36 Mk. das Paar. Besuch gut. Sandel lebhaft: besonders auf dem Schweinemarkte hatte hoch derselbe seinen Einzug gehalt en. Am Dienstag morgen wurden zuerst 128 Schüler des hiesigen Gvmnasiums in aller Frühe in der Jgnatiuskircke gefirmt, daraus begannen die heil. Handlungen in der Jakobi-Pfarrkirche, in welcher etwa 500 Firmlinge das Sakrament empfingen." * Kleine Tageschronik. Ein M o r d a n s ch l a g i m Tiergarten zu Berlin ist gegen den Fuhrherrn Franz Krüger »erübf worden. Krüger wurde durch Schrotfchüsse im Gesicht schwer verletzt, der Täter entkam. — Beim Pferderennen zu Quedlinburg st ü r z t e im Offiziers-Hürdenrennen Leutnant von Wangenheim vom 13. Ulanenregiment und erlitt eine Gehirn- Erschütterung und einen Bruch des rechten Schlüffelbeins. — Zwei reiche Amerikanerinnen, Frau Herbert Thomas und Frau Douglas Slorz, stürzten auf der Fahrt von Paris nach Langenich w a l b a ch bei Croisy aus dem A u t o in o b i l, dessen Earosserie sich als zu schwer erwies, um die Kurven zu nehmen. Frau Thomas wurde schwer verletzt. — Nach einerMeldung aus New-Pork wurde in einer Fabrik in Staten-Jsland, wo Italiener unb Polen beschäftigt sind, ein Pole auf das Rad einerMaschine fest geb u'n den und diese dann in Betrieb gesetzt. Der Aermste wurde buchstäblich in Stücke gerissen. Sechs Arbeiter sind wegen Teilnahme an diesem unerhörten Vorfall verhaftet worden. — Der seiner linken Hand durch einen Schutzmannsäbel beraubte Arbeiter Bie- wald erhielt vom Untersuchungsrichter Breslau den Bescheid, daß die Untersuchung wegen Aufruhrs gegen ihn abgeschlossen, nnd die yfteit der Staatsanwaltschaft übergeben worden seihen. — Infolge des Wettersturzes liegen große S ch n e e m a s s e n i n den Hochalpen. Tie Herden und Hirten können vielfach die Sennereien nicht verlassen. In hochgelegenen Schutzhütten der Oetztaler, Stubater und Zillertaler Ferner sind Hunderte von Touristen in Schutzhütten eingeschneit. Heute ist schönes Wetter, so daß rasche Schneeschmelze eintritt. — Viel besprochen wird in Paris die heimliche Vermählung der Tochter des New- yorker Multimillionärs Work mit ihrem Reitlehrer ,Aurel Baton yi aus Budapest. Universitäts-Nachrichten. — An der Universität Straßburg gedenkt man einen Lehrstuhl für Zeitungswesen und öffentliche Po- lemik zu errichten. Handel und Verkehr, Volkswirtschaft. Eine amerikanische Tabakfabrik hat beschlossen, ihren Arbeitern für Entrichtung der von ihnen an Versicher- ungsgesellschafteu gezahlten Prämien ein Jahresge halt bei ihremTode an die Witwevder die Er ben auszuzahlen. Industrie-Aktien. Wenn es auch nicht gelingen will und jetzt gerade am allerwenigsten' für Jndustriepapiere wieder eine Haussebewegung mit Hinweis auf die gute Konjunktur in Szene zu setzen, so erhält sich beim Publikum doch die Vorliebe für Jndustrieaktien. Ja man kann es als feststehend betrachten, baß trotz des teuren Geldftandes, die aus den in letzter Zeit ftottgefunbenen Emissionen hervorgegangenen Mien zum großen Teil willige Aufnahme gefunden haben. Offiziell wurde noch jede Emission als „mit einer erheblichen Ueberzeichnung" abgeschlossen, bezeichnet. Trotzdem ist zu recht große Vorsicht zu raten, da die großen Banken sehr wenig Neigung zeigen, an den Markt kommendes Material aufzunehmen und dann selbst die kleinsten Posten bedeutende Rückgänge erfahren. Alfred Beit. AuS London wird das Ableben Alfred Veits, des Teilhabers des großen Hauses Wernher, Beit u. Co., gemeldet. Beit gehörte zu den bedeutendsten unter den Minenmagnaten Transvaals. Er hat sich mit seinem Sozius Wernher gleich nach den, anfänglichen Erfolgen der südaftikanischen Goldminenindustrie in das Lcmd selbst begeben, um die näh?ren Verhältnisse an Ort und Stelle zu studieren. Vor zwei Jahrm traf ihm ein Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte. Er suchte noch vor kurzem^ Linderung seines Leidens in Wiesbaden, von wo er dieser Tage nach London zurückkehrte. Auf den Minenmarkt hat, wie gemeldet wird, sein Scheiden keinen merklichen Einstnß ausgeübt, da Liquidationen daraus vorerst nicht erwartet werden. Von der Berliner Börse. Es herrschte gestern große Lustlosigkeit bei äußerst stillem Geschäft. Bei Eröffnung war die Mehrzahl der Ultimo-Kurse gestrichen und schon ganz Reine Verkäufe führten zu größeren Rückgängen. Uebrigens ist es nicht allein bei uns so, sondern auch von anderen Plätzen wird eine vollständige Stagnation g-meldet. Am Moutanaktienmarkt gingen die Deutsck-Luxemburger V/s Proz. zurück; bei Gelsenkirchener waren keine DeckungÄöufe zu verzeichnen. Die übrigen Hauvt- montanpaviere waren fast ohne jede Veränderung. Russische Staatswerte haben gegen Samstag eine Nuance verloren. Deutsche Fonds waren etwas gebessert. Privatdiskont 31/» Prozent. Glichen er landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Mittwoch, den 18. Juli 1906: Vielfach heiter, trocken. Nachts kühl, am Tage wärmer. Schwach windig. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Gerichtssaal. (h.) Wiesbaden, 16. Juli. Die Strafkammer verurteilte den Schutzmann Walter, der einen unrechtmäßigerweise verhafteten hiesigen Bürger auf der Polizeiwache durch Fußtritte und Ohrfeigen schwer mißhandelt hatte, wegen Körperverletzung zu zwei Wochen Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte vier Monate Gefängnis beantragt. Griginal-Drahtinel-rrrrgen. Berlin, 17. Jüli. Die „Nation alztg." veröffentlicht heute eine Zuschrift des Geheimrats Dr. Heisser ich vom 13. d. M. in Sachen Erzberger. Helfferich erklärt darin u. a., er habe nach den bisherigen Erfahrungen vom ?lbg. ErzbergernichtdenAnstandund die Loyalität erwartet, daß er die von den beiderseitigen Beteiligten als falsch erklärte Beschuldigung offen und ehrlich zurückziehe. Dagegen habe ihn der Mut in Erstaunen gesetzt, mit dem Erzberger zu leugnen versuche, daß er sich bei den Angriffen der Kolonialverwaltung der Mitwirkung von Beamten bedient hat. Wenn der Abg. Erzberger so fest überzeugt sei, daß er, Helfferich, für seine Beschuldigungen nicht die Spur eines Beweises erbringen könne, so stehe es ihm frei, es auf gerichtliche Feststellung ankommen zu lassen. Andernfalls werde Erzberger in dem gegen Unbekannt wegen Verletzung des Dienstgeheimnisses eingeleitetcn Strafverfahren zweifellos Gelegenheit bekommen, unter Eid über die Herkunft seines Materials sich zu äußern. Christian ia, 17. Juli. Bei einer Wagenpartie im Norangotale scheute an gefährlicher Stelle das Pferd des Wagens der Königin Maud von Norwegen und schob das leichte Gefährt teilweise vom Wegrande hinweg, -sodaß er über dem Abgrund am Lysholgletscher schwebte und nur noch durch einige Gesteinblöcke gehalten mürbe. Der König eilte seiner Gemahlin rasch zur Hilfe und befreite sie aus ihrer schrecklichen Lage. Bozen, 17. Juli. Vom Stubbaier Ferner stürzte der Tourist Fritz Sorg aus Frankfurt a. M. ab infolge Ausbrechens des Griffes. Er wurde schwer verletzt von einem Begleiter gerettet. — Vom Winklerturm stürzte der Führer Fuchsbrugger aus Täufers infolge Reißens des Seiles ab. Sein Tourist blieb unverletzt. Die Leiche ist noch nicht geborgen. versteigert werden. 4399 Gemrnecker, Psandmeister 05113 Willig! Versteigerung. Dienstag, 24. Juli, nackm. 3 Ubr sollen im städt. Piandlokale Seltersweg 11 dahier die wegen rückst. Gemeindesteuer gevfändeten Gegenstände, als Schränke, Sofas, Komnwden, Schreibtische, 1 Eisschrank, Kassenschränke, 1 Waschmaschine, 1 Hobelbank, 1 Faß Farbe, Uhren und bergt, mehr Danksagog. Für die mir anläßlich des Hinscheidens meiner unvergeßlichen Frau bewiesene herzliche Teilnahme, insbesondere den Angestellten des Schauspielhauses und „Römerhost' zu Frankfurt a. M. sage auf diesem Wege meinen tiefgefühltesten Dank. AW»,! !££££& Acht»»,! Komme diesmal wieder mit großer Auswahl ^388 Emaiüewaren Emaillewaren dabei Niesenauswahl 3 Stück für 1 Mark. Hochachtend: Bollapd. Ph» Römer V Wieseck, den 16. Juli 1906. Berichtigung. Die Bekanntmachung vom 22. o. Mts. in Nr. 161 bezieht sich auf die Landwirtschaftliche Bezugs- und Absatzgenoffenschaft zu Bellersheim. Hungen, 16. Juli 1906. Großh. Amtsgericht. |B17/7 bürgerl. Mittagstisch z empf. A. Albow, Sonnenstr. 12.1 Schweinefleisch 50 Pfg. [B,7/7 Neue Kartoffeln stets aus Lager. Billigste Preise. JL Meisei 14207 Telephon 235. Sonnenstraße. Allen Freunden und Bekannten hiermit die traurige Anzeige, dass unser lieber, guter Bruder und Onkel D17/, Herr Rentner Eleutherius Bergmann heute abend nach kurzem Krankenlager in Herrenalb im 68. Lebensjahre sanft entschlafen ist. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Carlier. Familie Gabriel. Duisburg und Giessen, den 16. Juli 1906. Die Einäscherung findet am 18. d. Mts. in Heidelberg statt. T odes-Anzeige. BOEHM’S LOME Wasche mih 4 Zimmer waschram besten mittags. Joh. Balth.Notl. [05120 4403 Der Vorstand. Sonnenstraße 14. 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