Mttttvoch 16. Mai 1906 1S6. Jahrgang Drittes Blatt Nr. 114 Gießener Anzeiger General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Erscheint tUglich mtt Ausnayme de« Sonntags. Die „Kithener ZamMrnblälter' werden dem ,91neiget viermal wöchentlich beigelegt. Der ^hesfifch« Canöroirf** erscheint monatlich einmal. Rotationsdruck und Berlag der vrühl'schen UnwersitätSdruckerei. R. Lange, Gieße». Redaktion. Expedition ».Druckerei: Schulstr.7. Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr.: Anzeiger Dietz«. von der konservativen Seite geäußerten Bedenken gegen die Ver- fchsungÄnaßigkeit des $ 5 betreffend die Toppelmandate verweist der Staatssekretär auf das staatsrechtliche Gutachten des Aus dem Reichstag. R. Berlin, 15. Mai. Eine Sitzung von historischer Bedeutung, die heutige mit der Tagesordnung: dritte Lesung, d. h. endgiltige Erledigung der Di ät e n v o r l a g e, die den Reichstag seit seinem Bestehen, ein „Menschenalter hindurch, beschäftigt hat. Ter in der Parlamentsgeschichte große Moment sah, wie es sich gehört, ein gut besetztes Par- quet. Man war „bei Stimmung", freilich unterschiedlicher Stimmung, hier frohgemut, dort mißmutig, und die Spannung entlud sich alsbald in einem kräftigen Redegewitter. Die Konservativen konnten nicht umhin, ihrem Groll gegen den Staatssekretär Graf Pvsadvwsky nochmals Luft zu machen, und schickten den Abg. v. Staudy vor die Front, einen alten £crrn, der starken Tones bemängelte, daß durch die Diätengewährung der sozialdemokratischen Parieikasse 1/4 Million Mark zugeführt, und andererseits durch die Sonderbestimmung über die Doppelmandatare ein Ein- risrisch gebildeten Lehrern, welckje oaiuiu innen, in ihren Gehältern mit den städtischen Bolksschullehrern und den Beamtengruppen der Gccichtsschrcibcr, Sekretäre, ersten Kreisamtsgeyrlsen, Revisoren usw. gleichgestellt zu werden und das Anfangsgehalt auf 2000 und das nach 2. Drensl- jahren zu erreichende Höchstgehalt auf 4000 Mk. festzusetzeu, wurde im allgemeinen die Berechtigung dieser Forderung anerkannt und beschlossen, die Vorstellung der Regierung zur Berücksichtigung zu überweisen. Die .Vorstellung der definitiv a n g e st e l l t e n Lehrer an den höheren Bürgerschulen um Gehaltserhöhung wurde dagegen vom Ausschuß abgelehnt; zur Berücksichtigung wurde der Regierung die Vorstellung der Sch r c i b g c y i l s en um Erhöhung ihrer Vergütungen überwiesen. Der Finanzminister hatte schon in der vorigen Sitzung milgctcilr, daß die Wünsche dieser Beamten im nächstjährigen Etat berücksichtigt werden würden. Auch die Vorstellung der Kreis» amtsge Hilfen bezgl. ihrer Gchaltsoerhaltnisse beantragt der Ausschuß zur Berücksichtigung zu überweisen. Ter Vorstellung der D o m a n i a l f o r st w a r t e des Groß- Herzogtums um Aufbesserung ihrer Gehälter beschloß der Ausschuß im Einvernehmen mit der Regierung, durck) Gewährung eines BekleidungSgeldzuschusfes gerecht zu werden. Die Vorstellung der mittleren Justizbeamten betr. Wohnungsgeldzuschuß wurde behufs näherer Informationen auf die nächste Sitzung verschoben. Weiter beschäftigte sich der Ausschuß noch mit dem Antrag Ulrich u. Gen., betr. die Schöffen und Geschworenen und dem ähnlichen Antrag der Abg. Dr. Schmitt und Gen. Ter Ausschuß verständigte sich in eingehender Beratung dahin, unter Ablehnung des weitecgehenden Antrags Ulrich dem Plenum die Annahme des Antrags Dr. Schmitt zu empfehlen, nach welchem die Großl> Regierung ersucht werden soll, durch ihren Vertreter im Bundesrat dahin zu wirken und Dafür zu stimmen, daß den Geschworenen und S.ch ö f f e n voller Ersatz für ihre Zeitversäumnis gewährt wird. — In der nächsten Sitzung wird sich der Finanzausschuß in erster Linie mit der Regierungsvorlage, betr. Bad-Salz Haus en besck)ästigen. Der Ausschuß faßte den Beschluß, am nächsten Montag unter Führung eines 'Regierungsvertreters in Bad-Salzhausen eine Besichtigung der regierungsseitig geplanten Bauprojekte vorzunehmen. __________________________________ politische Lagerscharr. Soziale Reformen. Auf dem Gebiet der sozialen Gesetzgebung bringt die gegenwärtige Reichstagssession kaum noch einen Fortschritt. Was an Entwürfen vorgelegt ist, wird durch Vertagung der früheren preußischen Instizministers Leonhardt über die Kompetenz der Reick^Sgesehgebung. Bon einem Eingriff ui die Verfassung der Einzelstaaten könne keine Rede sein. Tie allgemeine gesetzliche Kompetenz zur Regelung der Diätensrage ist dem Reiche durch die Verfassung gegeben, und dem Reiche jleh-t es zu, eine Gesetzgebung zu erlassen, die diese Bestimmung ausführt. Ich kann nur dringend bitten, die Vorlage anzunehmen. Abg. Preiß (els. Lantesp.tt Wir lehnen die Vorlage ab. Entweder muß das Amt des Reichstagsabgeordneten ein Ehrenamt sein, oder es muß eine, der Wurde des Reichstages ent- sprechende Entscknidigung gezahlt werden. Von einer solchen Emjchädigimg Dürfen aber auch reine Abzüge wegen Der Abwesenheit der Abgeordneten gemacht werden. Abg. Spahn (Ztr.): Nachdem die Mehrheü des Hauses sich auf Den Boden der Vorlage gestellt hat, sollten solche Reden, wie Preiß sie gehalten hat, hier nicht mehr gehalten werden. Abg. v. Ä a r Do r f f iReichst». : Bismarck verzichtete seiner Zeit auf die Öffentlichkeit der Wahl und acceptierte dagegen Die Diätenlosigkeit. Er sah später ein, daß er sich geirrt hatte und bezeicynete die öffentliche Stimmgabe als mehr dem germanischen Charakter entsprechend. (Zuruf bei den Soz.) Redner zur äußersten Linken gewendet: Vom germanischen Eharatter verstellen Sie verflucht wenig! Heute ist es dock) so, daß der siegt, Der den Wahlkreis am besten anzulügen versteht. Jetzt bearbeiten gewerbsmäßige »Agitatoren Die Wahlkreise. (Lärm bei den ^L-oz.) Redner zu Den Sozialdemokraten: Ich meine Sie ja nicht, ich meine nur Herrn Ählwardt, der jedem versprach, was er haben nwllte. Tie sechswöchige Agitationssrist mußte abgeschafft werden. Ich persönlich bin ein alter Gegner der Vorlage. Abg. Bass er mann (nL): Wenn die Recchsiagsabgeord- neten Diäten beziehen, werden wir ein beschlußfähiges Haus zusammeurusen können auch ohne Aenderung der Verfujsung. Wir lverden Der Vorlage zustimmen, weil es so wie bisher nicht weiter geht. _ Abg. Liebermann von Ronnenberg (wirtsch. Vg.): Tie Vorlage wird gerade die bürgerlichen Parteien im Kämpfe gegen den Umsturz ermutigen. Abg. Pvtthoff (fr. Vg.) will trotz der schweren Fehler für die Vorlage stimmen. Abg. Preiß (elf. Landesp.): Herr v. Kärdorsf hat uns den Vorwurf gemacht, daß wir zu wenig im Hause anwesend seien. Ter Absentismus ist bei allen Parteien gleich. Auch Herr von Kärdorsf l>at kein Recht, sich für besser zu halten, als wir sind. Abg. Müller-Sag an (fr. Vp.) spricht sich für den Antrag Gröber aus und tritt für baldige Verabschiedung der Vorlage ein. Damit schließt Die GeneraldlStufsion. In Der SpezialDiskussion wird ohne Debatte die Aenderung des Artikels 28 der Verfassung abgelehnt. Die Blenderung des Artikels 32 wird angenommen. Ferner wird § 1 ter eigentlichen Diätenvorlage mit dem Anträge Gröber angenommen. 8 2 wird nach den Beschlüssen der zweiten Lesung angenommen, ebenso Die §§ 3 und 4. Bei § 5 beantragt Abg. 'Spahn (Ztr.) eine redaktionelle Aenderung. Die weiteren Paragraphen werten debattelos angenommen. Die Gesamtabstimmung soll auf Antrag tes Abg. Norma n n (kons.) namentlich sein. Vizepräsident Graf Stoiberg erklärt, da eine Aenderung des Gesetzes ftattgefunhen habe, könne die namentliche Abstimmung erst morgen ftattjinDen. Rach einer Geschäftsordnungs- Debatte schlägt Vizepräsident Graf Stolberg vor, über beite Gesetze getrennt abzustimmen, und zwar schon heute. Dies könne aber nur geschehen, menn aus dem Hause kein Widerspruch erfolge. Tas Haus beschließt demgemäß. In der namentlichen Abstimniiing wird das Gesetz betr. Aenderung der Verfassung mit 224 gegen 41 Stimmen bei einer Stimmenthaltung, die eigentlicheDiäten Vorlage mit 210 gegen 52 Stimmen bei 3 Stimmenthaltungen angelt omme n. Es folgt die jroeite Beratung des Mantelgesetzes für b i e Reichsfinanzreform. Nach § 1 sollen Die neuen Steuergesetze einheitlich zugleich mit dem vorliegenden Gesetz in N^Abgbt S'ch rader (freis. Vg.): Der Name „Mantelgeseh" ist scheinbar deshalb gewäylr, um Die neuen Steuern mit dem Mantel Der Liebe zu bedecken. Der Entwurf wurde uns als Fmanzresorm vorgelegt, Die Reform ist aber eine grimdsätzliche Aenderung. Durch Die Vorlage wird im Gegenteil das System, das uns in Kalamitäten brachte, noch mehr gestärkt. Abg. W lern er (freis. Vp.) sagt, em gut-teil ber valiven Wahlen wünscht. Tie Regierung Hal nicht Den Weg ge- funDen, Die Versastung Der Einzelstaaten w zu ick-onen, wie wir es für notwenDig unb möglich gehalten hatten. (Beifall rechts.) Staats!ekretar Graf PofaDowsky: Sic mummen, bie in ter Form von Pauschquantcn den ;ozialDemolranschen Abgeordneten zufließen, fließen auch Den Abgeorbneten ber anteren Parteien zu, unD wenn ber polckiichc Emflufz eine Gelbfrage ist, können ia auch Die unteren VLbgeorbneten Die je cummen im Sntereffe ihrer Parteien verrvcnDen. (Heiterkeit lmls.) .Nau wirft uns vor, wir hätten Dafür jorgeti Jollen, Daß uns Ab- qeorDnetc gewählt roeroen, bie sicts pcäjenl fiuD. Fch Hube nur jo oft Mühe gegeben, munchmul nur einzelne VibgeotDnete zu bewegen, im Huufe unwefenb zu sein, um wichtige Vorlagen iiidü zu gesährbcn, jo büß man den Verbündeten Regierungen Diesen Vorwurj nicht machen kann. Mir werden zahlreiche Purteu führet bezeugen können, daß ich sie gebeten Hube. „morgen Sie dafür baß Sie recht zahlreich hixr finb"; ost wurde mir Die Antwort' „Wenn wir auch telegraphieren, bas mujt nicht, sie kommen Dow nicht." Selten war übrigens eme Vortage Der Gegen,ckmd jo eingehender Erörterung roie öieje. Bezuallck ter Session bis zum Herbst zurückgestellt werben. Für biesen Termin steht auch, nach einer Mitteilung bes sozialpolitisch gutunternchteten 2(bg. Trimborn (Ztr.) eine Vorlage über bie Einführung bes .kleinen" Befähigungsnachweises für bus Hanbwerk in Aussicht. Dagegen herrscht Ungewißheit über ben Stanb ber Vorarbeiten zur 91 eforni ber Krankenversicherung. Schon vor drei Jahren hat ber Reichstag um Inangriffnahme bieser Reform ersucht, aber von einer Beschlußfassung bes Bunbesrats über bie betceffenbe Resolution ist bisher nichts bekannt geworben. Inzwischen hat ber von seiner ärztlichen Praxis her im Krankenversicherungs- wesen erfahrene Abg. Dr. Mugban (freis. Vp.) ber Regierung in einer Spezialsiubie beachtenswertes 2)latenal geliefert. Es würbe sich für bie brüte Lesung bes Etats eine Anfrage an Den Grafen Posabowsky empfehlen, ob bie Regierung über- Haupt noch eine Reform ber Krankenversicherung plant vor ber in Aussicht genommenen Zusammenlegung ber gesamten Arbeiterversicherung. Ans Stadt und Land. Gießen, den 16. Mai 1906. •• Vom Theaterneubau. Nachdem die schwierigen Fundamentierungsarbeü'..i durch die Firma Winn seit einigen Wochen beendet sind, ist die Firma Abermann und Kling jetzt eifrig damit beschäftigt, den Socket zu errichten, der an dem nach der Johannisstraße liegenden Teil des Gebäudes, dem Bühnen- und Kulissenhause, schon fast vollendet ist. Die Maurerarbeiten werden nun so beschleunigt werden, daß schon im Herbst das Dach aufgesetzt werden kann; die Dachdeckerarbeiten sind bereits vergeben. Oesters geäußerten Zweifeln gegenüber kann versichert werden, daß an der Absicht, das Theater zum Juli nächsten Jahres fertig z u ft eil en, festgehalten wird. Die Weihe des Hauses wird dann gleichzeitig mit dem Universitätsjubiläum erfolgen, und man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß dann eine oder zwei Festvorstellungen alle hochherzigen Spender des Baues zusammenführen werden. Bei der sehr großen Zahl der Spender (über 560), die noch fortwährend zunimmt, wäre ein volles Haus sicher. ** Der Fortbildungskursus für Volksschul- lehrer unternahm am Samstag nachmittag unter Führung des Prof. Dr. Kaiser eine wissenschaftliche Exkursion nach der Umgegend von Friedelhausen, Odenhausen, Lahn- und Salzbödental, um die GesteiuZarten und ihre Formation zu besichtigen im Anschluß au die Vorlesungen über „Geologie des Lahntals und der Umgegend Gießens". An die Besichtigung des Staufenbergs schloß sich ein gemütliches Zusammensein daselbst. An dem 'Ausflug nahmen etwa 100 Lehrer teil. Für später sind noch Exkursionen nach Weilburg und Münzenberg geplant. ** Postsendungen nach Mülheim (Silycin) und Mülheim (Ruhr>. Tie ungenaue Bezeichnung der Ortsnamen Mülheim (Rhein, und Mülheim «Ruhr, auf Postsachen hat zu zahllosen Irrtümern und Verschleppungen der Postsendungen ge- lührt. Da die 1 eiterigen Maßnahmen der Posiverwaltung, das Publikum zu einer genaueren Bezeichnung der 'Postsendungen nach diesen beiden Städten zu veranlassen, erfolglos waren, so hat das Reichsposiamt folgendes augeordnet: 1. An den Postschaltern sind alle Sendungen nach Müheim zurückzuweisen, die nicht den Zusatz „(Rhein)" oder „(Ruhr-" deutlich und ohne Abkürzung trag. 2. Alle durch die Briefkasten aufgelieferten oder durch die Landbriefträger, Posibegleirer usw. cingeianimelteit gewöhnlichen Briessendungen, die nicht unzweideutig erkennen lassen, ob sie nach Mülheim (Rhein) oder Mülheim ,.Ruhr) bestimmt sind, werden nicht abgesandt, sondern den Mscndern als zur Beförderung ungeeignet 5iirüdgegeben. 3. Sendungen, deren Empfänger an dem angegebenen Bestimmungsort nicht zu ermitteln ist, werden nicht versuchsweise nach dem anderen Orte Mülheim weiter gesandt, sondern nach den Bestimmungen der Postordnung als unbestellbar behandelt. Es liegt daher tm eigenen Inter eße des Publikums, Postsendungen nach Mülheim (Rhein) und Mül- heim (Ruhr) mit den genauen Zusatzbezeichnungen „^Rhein/' oder „(Ruhr)" zu versehen. w. Dutenhofen, 15. Mai. Tie Lehrer des Schul- Qussichtsbezirks Wetzlar waren am Montag zur 1. Iahros - tonserenz versammelt. Kreisschulin'ipettor Geibel erstattete den Jahresbericht und gedachte der beiden verstorbenen Lehrer Bender-Wetzlar imb Rinn-K'leinrechtenbach, die beide Kinder der Gemeinde Krofdorf gewesen und mit großer Treue ihr Lehramt verwaltet Haven. Der Schul- aussichtsbezirt zahlte im abgelausenen ^aijre 3705 Schüler, die von 57 Lehrkräften in 62 Klassen unterrichtet wurden. ES kamen somit durchschnittlich 65 Kinder auf einen Lehrer und nur in der Stadt Wetzlar j'eLber herrschen nicht normale Verhältnisse. Die Lektion des Lehrers Caelius-Launsbach mit den M'iiaben der Oberklasse über „Preußens Erniedrigung 1806/07", sowie der Vortrag von Wigandt-Dutenhofen über: „Welche Bedeutung hat btc Volksschule für die Sittlichkeit" fanden beide den Beifall der Konferenz. * * Ettingshausen, 14. Mai. Heber unsere Gegend ging ein schweres Unwetter nieder, verbunden mit heftigen Regengüssen und Hagelschloßen, die zum Glück nur geringen Schaden verursachten. Laub und Blüten wurden vielfach von den Bäumen geschlagen. Vor dem Dorfe schlug der Blitz in eine hohe Pappel und zerschmetterte sie. An der Staatsstraße nach Lich wurde ebenfalls ein mächtiger Baum zerstört. - t- Aus der Wetterau, 15. Mai. Die Ob ft blute, in einem Reichtum, wie er selten vorkommt, — „es blüht das fernste, tiefste Tal, das Blühen will nicht enden" — hat einen im allgemeinen gü nötigen Verlauf genommen. Wenigstens die Birnen- und Apfelblüte hat sich ohne Störung entwickeln können, ebenso auch Pflaumen und Zwetschen. Die Kirschen, namentlich Frühkirschen, haben in einzelnen Strichen durch Fröste Rot gelitten und stellen nur eme Teilernte in Aussicht. Gleiches ist der Fall bezüglich der feineren Steinobstsorten: Mirabellen, Reineklauden, Pfirsichen. — Nieder-Weisel, 15. Mai. Die Feld- Bereinigung in hiesiger Gemarkung ist von 286 Grund- besitzern mit 697,8 Hettar Land beantragt worden und ivird noch im Sommer in Angriff genommen werden. Die Ge- samtbodenfläche des Feldes beträgt 996 Hektar. — Eine unschöne Tat beging ein Einwohner, der neben einem in schönster Blütenpracht stehenden Obstbaume einen tiefen Graben ohne Anlaß anlegte und so dem nahe der Grenze stehenden Baume eine große Anzahl stärkster Wurzeln nahm. Der Baum dürfte ernstlich Schaden genommen haben. sd. Darmstadt, 14. Mai. E t u gerichtliches Nachspiel zum Offenbacher S ch u h m a ch e r st r e i k. Am 23. Januar d. I. traten in der Offenbach er Schuhfabrik von Peters in der verlängerten Eisenbahnstraße in Offenbach bic Schuhmacher wegen der Enttafsung eines Heizers in den Ausstand. Sie stellten Streikposten in der '.he der Fabrik auf und gaben sich große Mühe, zu verhindern, daß sich Arbeitswillige dort einfänden. Ter Schuhmacher Ostar L a m p e r t bot sich aber dejsenungeachtet dem Fabrik- Herrn zur Arbeit an, der ihn auch beschäftigte. Er gab ihm Wohnung iit der Fabrik und warnte ihn, abends auszugehen. Trotzdem verließ Lampert häufig die Fabrik, so auch am 21. Februar, wo er nach Frankfurt fuhr. Als er am Abend zurüclkam, gesellten sich .am Bahnhof die Schuhmacher Julius Dobrinsky und Jon. Schümm zu ihm, die beide bei Peters gearbeitet hatten, sich aber im Ausstand befanden. Sie gingen mit dem Lampert in eine Wirtschaft, bezahlten ihm Bier und rcocten auf ihn ein, damit er auch die Arbeit einstellen sollte. Lampert ging aus ihre Vorschläge nicht ein, sondern uegab sich bald aus den Sgeimmeg. In der verlängerten Eisenbahnstraße ganz in der Nähe der Petersschen Fabrik wurde er von zwei Männern üb erfüllen und so übel zugerichtet, daß er drei Wochen im Krankenhaus lag. In einem der Täter hat er Dobrinsky erkannt, der andere mag Schümm gewesen sein. Die Beiden standen geilte wegen schwerer Körperverletzung vor der Darmstadter Strafkaknmer. Dobrinsky, der 28 Jahre alt und verheiratet ist, wurde zu 1 Jahr Gefan gnis verurteilt, Schunim, dessen Mittäterschaft nicht nachf- zuweisen ist, wurde f r e i g e s p r 0 ch e n. - t- Erbach, 13. Mai. Das vierte Jahresfest des Verbands Hessischer Jünglingsvereine, das unter einer über Erwarten zahlreichen Beteiligung heute hiev flM- fand, kann als lebhafte Kundgebung der Bewegung für Jugendfürsorge aufgefaßt werden. Offiziell mären 320 Vercinsrnit- glieber und Vertreter erschienen, die Zahl der Festteilnehmer war aber weit höher. Die geschäftliche Vereinsarbeit der Vertreter-Hauptversammlung, wie auch der übrige mehr zur Verbreitung der Vereinssache nach außen hin gerichtete Teil der dem Tag gestellten Aufgaben fanden ihre zufriedenstellende Erledigung. Die Unterbringung der auswärtigen Festteilnehmer bei Erbacher Bürgern, vom festgebenden Verein in fleißiger Arbeit und mit Geschick eingerichtet, bewährte sich in mehrfacher Hinsicht als ganz vorzüglich, wenigstens waren die Gäste voll des Lobes der Gastfreundschaft im Odenwald und des herzlichen Entgegenkommens der Erbacher Gastgeber. Von Interesse ist noch von den Mitteilungen des Verbandsvorsitzenden, daß Hessen zurzeit 18 Vereine mit etwa 700 Mitgliedern besitzt. X Friedrichsdorf i. Taunus, 15. Mai. Ein zweiter Kursus für die Volksbildungsbestrebungen findet in der zweiten Hälfte des Juli auf Veranlassung des Rhem- Main-VerbandeS für Volksbildung hier statt. Eine Lehrkraft ist bereits in der Person des Oberlehrers Dr. Strecker- Bad-Rauheim gewonnen. Handel nird Vermehr, Volkswirtjchaft. Märkte. (1.X Hungen, 15. Mai. Per gestern hier abgehaltene Schwein em ar kt war wohl mit Zuchtvieh gut befahren, doch zeigte sich die Kauflust gering. Kein Wunder auch. Wahrend die Preise jür die leiten Schweine innerhalb vier Wochen um 10 Psg. das Pfund Lebendgewicht gesunken sind, jo erhalten )icl) die Ferkelpreije beständig aus gleicher Höhe, 85—95 Mark für das Paar ein Vierteljahr alte Einleger, 50—55 Mark für eilt Paar jüngere Jertel. Trotz des gedrückten Handels würbe von den Händlern allerdings mit vieler Mühe schließlich doch deren ganzer Bestand abgesetzt, denn der Landwirt ist bei den zur Zett herrschenden äuszerst niedrigen Kartoffelpreisen und der geringen Nachfrage naa> diesem Artikel gezwungen, sich der Schweinezucht zuznwenden, um mit seinem Bestand an alten Kartoffeln auf diese Weise zu räumen. Ein selten hol Preis, 4 Mark pro Zentner, wird zur Zeit für Heu bezahlt, ti „cm die ZurterauSsichten für Gras und Klee äußerst günstige ,u 0. Auch die Aussichten auf Obst, nainentlich Aepsel und Birnen, sind vorzüglich, wenn auch die in den letzten Tagen hier und in der Umgegend niedergegangenen Gewitter durch den strichweise mit ihnen verbundenen Hagel den Obstbäumen sowohl, als auch den Getreidefeldern vielfach Schaden gebracht haben. Für Blutarme, 1984 Dr. Klopfer-Glidin In Apotheken, Drog. — Wissenschaitl. Literatur kostenfrei. Dr. Volkmar Klopfer, Dresden-Leubnitz. MmWcc Möbelfabrik. Deutschlands. 300 Zimmereinrichtungen sictS liefevf. vorrätig. Man verlange Preisliste und Abbildungen. (bl®/4 •so Cl CO o 05 er o 3 CO er p ‘Ster er 3 T3St s C' O O: CT' Co CS' o P P .e: ö e# - 0 c «So Gl ~ Gl er '*-• zs r-S er er - Gl 2 er <5- = CS' TT c. 0 Cf? r. L gi ro" St _ , 3- C er 0 --- "3? 3^ ™ er O" "z? S» 5 3 2^03 = « 3 O 3" er er p 3 5 P CB - CS (O' — P 3 C n er Cs = 2. 1 «»> I o _ E ST's SS) CO WH O 85 2. er. O: Co ' rt 0 «ä r5 S 3 » S-» 5 'S*- " f" O S ® H Hk 4ZT o o z: ^Cf? c o er c5 « •• s-ö o -3. 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