Nv. 164 Zweites Bl^tL 156» Jahrgang Erscheint «-!ich mit Ausnahme des Sonntags. Dt- ..Gtehrner Zamlllenblätter- werden dem .Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der E^rifischr Lavdwirt" erscheint monatlich einmal. Gießener Anzeiger Momag 16. Juli 1906 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch« Universitätsdruckerei. R. Lange, Stetz«. Redaktion. Expedition u.Druckerei: Schulstr.L, Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gieße«. General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen. Iustizminister a. Iitlmar f- Der friere Gvoßh. hessische Justizmrnisier Tr. Emil Dittmar ist am Sonntag früh an den Folgen eurer Blinddarmentzündung im 65. Lebensjahre gestorben. T.2r schon seit längerer Zeit leidende, um die Entwicklung des hessischen und deutschen Justizwesens hochverdiente Staatsmann hat sich nicht lange des Ruhestandes erfreuen können. Sein Rücktritt erfolgte am 10. Oktober 1905, nachdem er 9 Jähre lang an der Spitze des hessischen Justizloesens gestanden hatte, unter dankbarer Anerkennung seiner langjährigen treuen und 'ausgezeichneten Verdienste und unter Verleihung des Grohkreuzes des Verdienstordens Philipps des Großmütigen. Dr. Dittmar war am 9. Jüli 1842 in Lampertheim geboren, ist also 64 Jähre alt geworden. Nach Beendigung seiner Unioersitätsstudien erwarb er am 28. November 1864 die juristische Doktorwürde an der Landesuniversität und wurde am 15. Januar 1870 unter die Zahl der Advokaten und Prokuratoren am Gießener Hofgericht ausgenommen. Er war von da ab einer der gesuchtesten Anwälte üi der Stadt Gießen und daneben auch als Führer der nationalliberalen Partei hervorragend politisch tätig. Im Mai 1888 erfolgte seine Berufung als Ministerialrat in das Ministerium des Innern und der Justiz. Als sich später, besonders durch die umfangreichen Vorarbeiten für diä Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches die Notwendigkeit ergeben hatte, das Ministerium des Innern und ber Justiz zu trennen, wurde Dittmar am 1. August 1896 zum Direktor des Justizministeriums und aM 6. Juli 1898 zum Justizminister ernannt. An der Beratung und Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches hatte Exz. Dittmar hervorragenden Anteil und war eines der angesehensten Mitglieder der Reichsrommission hierfür. Im Bun de spat vertrat er Jahre hindurch die alte liberale Forderung der Entschädigung unschuldig Verurteilter und seinem zähen Eintreten dafür, die il a. seine bestimmte Erklärung zeitigte, daß Hessen allein Vorgehen werde, wenn das Reich versage, ist die endliche Erfüllung dieser Forderung in erster Linie zu verdanken. Wenn auch die jetzige Regelung dieser Frage noch lange nicht dem entspricht, was das Volk darunter verstand und Minister Dittmar wollte, werden sich jetzt dennoch weite Kreise dankbaren Herzens des Mannes erinnern, der aus diesem Gebiete voranging. In Hessen selbst erwarb sich Dittmar große Verdienste unt die Erbauung neuer Jüstizgebäude, sowie die Erleichterung des Rechtsverkehrs durch die Errichtung neuer Amtsgerichte. Auch der letzte parlamentarische Kämpf Dittmars galt der Beschleunigung des Rechtsverkehrs durch die Vermehrung des Richterpersonals am Oberlandesgericht. Er war ein hervorragender Jüyist und Verwaltungsbeamter und hat das, was er für recht erkannte, stets mit größter Energie vertreten; insbesondere hat er sich bei den Verhandlungen in der 'M Kammer als einer der festesten Männer der Regierung gezeigt, der gegenüber den heftigsten Angriffen niemals einen Rückzug antrat, sondern seine Anschauung, wenn er sie für die richtige hielt, mit aller Energie verteidigte. Dabei hat er sich aber stets als ein liebenswürdiger, vornehmer Eharakter gezeigt, der auch gesellschaftlich in den angenehmsten Formen auftrat. Als er im Herbst vorigen Jähres von seinem Amt zurücktrat, wollte man wissen, daß neben seinem tatsächlich tief er- schMerten Gesundheitszustand doch auch der Umstand bei Einreichung seines Entlassungsgesuches nicht ganz außer Acht geblieben sei, daß er annahm, es würde ihm infolge seiner festen Haltung in der Kammer bei einem event. Wechsel des Staatsministervortefeuilles dieses voraussichtlich nicht übertragen werden. Wie dem auch sei, Dittmar gehörte zu den Männern, die zu dem Rufe, den Hessen als einer der fortgeschrittensten deutschen Staaten hat, mit ehrlichem, aufrichtigem Eifer 'beigetragen haben. Wie ihm bei seinem Scheiden aus dem Amt die besten Wünsche und der Dank des ganzen Landes das Geleite gaben, so wird jetzt dieselbe dankbare und ehrenvolle Erinnerung ihm folgen über das Grab hinaus, und sein Name, sein aufrechter vornehmer Chgrakter werden nachleben in den Annalen bet hessischen Rechtspflege und in Hessens Geschichte. KolMsche Sagesschau. „Adeliges Depacle." In Florenz machte neulich der junge bayr. Graf Prey sing einen Selbstmordversuch. E§ hieß damals, verunglückte Bergwerksspekulationen in Toskana hätten ihn veranlaßt, Hand an sich zu legen. Nun aber erzählt der „Bayer. Kurier" unter der Ueberschrift „Adeliges Debacle": Tie wirklichen Gründe des Unglücks für den Grasen Preysing lagen im Spiel, alles andere waren sekundäre Erscheinungen. Graf Preysing hatte hoheSummen imSprel verloren und für Spielschulden Wechsel ausgestellt. Bezahlt gemacht mit diesen Wechseln haben sich andere Adelige, besonders einer, der eine Lebenshaltung führt, die über seine Mittel weit hinausgeht. Es besteht hier (München) ein Konventikel von besonders jüngeren Adeligen, die das Spiel gewerbsmäßig betreiben. An einem Abend werden hierher Summen verloren (300000 Mk. und darüber), die keiner unserer alten bayerischen Adeligen verlieren kann, ohne raschem finanziellen Ruin zu verfallen. Auch tu einer anderen Stadt, nicht weit von München, geriet der ^.rager eines alten Namens in derartige finanzielle Bedrängnis, daß vor kurzem Sequestration angeordnet wurde und Hunderttaufende verloren fein dürften. Die Ursachen mären auch hier Spielschulden, und schon liegt wieder ein neuer Skandal m der Luft, der um so peinlicher ist, als hierbei der Name eines M r t g l r e d e s d e r Herzog!. Linie des königlichen Hauses, das ui Tueuze m Garnison steht, in Frage konimt, wenn auch gesagt werden muß, daß dieses Mitglied des königlichen Hauses nicht em Opfer lugend- lichen Leichtsinns, sondern allzuweit gehenden kameradschast ichen Verhaltens geworden ist. Der Offizier der hierbei m Betracht kommt, wurde bereits in einer Kuranstalt Munche.is wegen Be- t r h & Urkundenfälschung und dienstlicher Falsch- mel^ung verhaftet und als Militärgesangener zur Aburteilung nach der Garnison Dieuze überführt. Auch in bicjer Astare drehte es sich um hohe Summen. . . . Wenn man die Münchener Voraänae verfolgt, so stößt man auf Namen von Leuten, bereu Wiege nicht in Bayern stand; norddeutsche Plutokratie, die sich bei uns angetaust hat, unseren jungen bayerischen Adeligen, wie es scheint, zwar neue Sitteii beigebracht hat, aber keine guten Sitten: Luxus und Spiel. Wichtigtuerei. Die Aufnahme, welche kürzlich eine Anzahl deutscher Journalisten auf britischem Boden gesunden, erweckte bei der Reisegesellschasl den Wunsch, sich zu revanchieren und Londoner Publizisten zu einem Gegenbesuchenach Deutschland einzuladen. Zu diesem Zwecke ließ sich dasselbe Komitee, welches die Englandreise arrangiert hatte, Wiederwahlen und gedenkt Vorkehrungen für einen Empfang der englischen Kollegen zu treffen. Ter weitaus größte Teil der deutschen Presse steht aber der ganzen Veranstaltung, sowohl der einen, wie der anderen Visite, ziemlich kühl gegenüber, denn es handelt sich dabei um eine geradezu lächerliche Wichtigtuerei einiger- deutscher Journalisten, welche nicht die mindeste praktische Bedeutung hat. Tas sogenannte Komitee repräsentiert nur einen so bescheidenen Bruchteil der deutschen Presse, daß der Ausflug der 43 Publizisten und Verleger nach London nicht einmal so hoch wie die Auslandsfahrt eines unserer ersten Gesangvereine bewertet werden kann. Tie englische Presse stellt zudem — darüber gibt sich kein Einsichtiger einer Täuschung hin — namentlich in finanzieller Hinsicht eine ganz andere Macht dar als die deutsche, und diejenigen Herren aus London, welche die deutschen Verhältnisse noch nicht aus eigener Lluschauung kennen, dürften sich doch ein wenig wundern, wenn ihnen in Berlin nicht mehr als ein paar Festessen geboten würden. Tenn es ist nicht sicher, daß die Berliner Stadtväter die engt. Gäste im Rathause empfangen und bewirten würden, geschweige daß ein Mi- irister sich dazu bereit finden würde, ihnen die gastlichen Räume seines Palais zu öffnen. Ja, Ware die gesamte deutsche Publizistik in festgefügter Körperschaft vereinigt, sodaß die Einladung an die Londoner Journalisten von einer mächtigen Organisation ausginge, dann würde die Veranstaltung ein anderes Gesicht bekommen. So aber handelt es sich nur um eine Unternehmung einiger journalistischer Gernegroße, welche über genügend Zeit und Geldmittel verfügen, um Besuche zu machen und den Gastgeber zu spielen. Deutsches Reich. Berlin, 15. Juli. Man meldet aus Tromsoe, 14. Juli: Der Dampfer „Hamburg" mit dem deutschen Kaiser an Bord, ist heute in Lypgen-Fjord eingelaufen. — Ein Telegramm der „Köln. Ztg." besagt: Die positiv auftretenden Gerüchte über eine Zusammenkunft des deutschen Kaisers und des Königs Eduard in Deutschland im Laufe des August eilen dem Gange der Ereignisse voraus. Die vertraulichen Fühlungnahmen zwischen London und Berlin über die Möglichkeit einer Zu- fammenkunft der beiden Herrscher sind, wie wir erfahren, keineswegs schon so weit gediehen, daß sichere Angaben über Ort und Zeit der Zusammeukunft gegeben werden können. Alle derartigen Nachrichten sind daher als verfrüht zu bezeichnen. — Weil der Besuch der englischen Flotte in den russischen Gewässern auf Wunsch der russischen Negierung aufgeschoben wurde, ist, wie der ,B. B.-C." erfahrt, es wahrscheinlich, daß der Besuch in den deutschen Gewässern auch unterbleiben wird. — Wie das „Harthaer Tagebl." meldet, starb der ReichstagSabg. Gründerg (Soz.), Wahlkreis Döbeln. — In der Irrenanstalt in Lichtenrade verstarb der aus der Berliner antisemitischen Bewegung bekannte frühere Gastwirt Bo deck, der Begründer mehrerer „deutscher Wirtshäuser", zu denen Juden der Zutritt versagt war. Bodeck war ein eifriger Agitator für die antisemitische Sache, wenn er auch in seinen Unternehmungen keine glückliche Hand zeigte. Vor mehreren Jahren brach bei ihm der Irrsinn aus, der seine Unterbringung in der Anstalt nötig machte. (Staatsb.-Ztg.) — Die Erteilung von Turnunterricht durch Sozialdemokraten ist nach einer Verfügung des preußischen Kultus- ministers generell zu verbieten. __Der Fleischerverband derNeichslande hat dem deutschen Fleischerverband eine Entschließung übermittelt, worin dieser angegangen wird, die Regierung zu ersuchen, eine beschränkte Schlachtvieheinfuhr ans Frankreich nach Metz, Mülhausen und Straßburg zu gestatten. lürctye rind Schule. — Auf der Süddeutschen Konferenz für innere Mission hielt Pfarrer Mahling-Frankfurt einen Vortrag über: „Welche Pflichten hat der Einzelne im Kampfe gegen das Alkoholelend?" Es wurde, folgende Resolution angenommen: „Die Hauptversammlung hat aus dem Vortrage und aus der darauffolgenden Besprechung den Eindruck und die Ueberzeugung gewonnen, , daß der Kampf gegen den Alkoholismus am besten durch persönliches Eintreten für die Sache, insbesondere durch Bekämpfung des Trinkzwanges und der Trinksitte geführt wird, und daß die gänzliche Abstinenz, welche aus Liebe zum Nächsten übernommen wird, das wirksamste Mittel zur Bekämpfung des Alkoholismus ist. Die Versammlung wünscht diesen Bestrebungen im Interesse der Volkswohlfahrt vollen Erfolg und empfiehlt Gasthausreform und Schaffung von Volkserholungsstätten ohne Alkohol."____________ Ausland. Lo ndon, 15. Juli. Hiesigen Blättern zufolge ist der en g l i sch e D a m p f er „Sainam" zwischen Canton und Wuchow von chinesischen Piraten überfallen worden. Der Kapitän und vier Matrosen wurden verwundet, der Arzt Dr. Macdonald getötet. Paris, 15. Juli. Im Elysöe ist über ^alliöres Besuch im Auslande noch nichts festgestellt. Als wahr-. scheinlich gilt, daß der erste Besuch dem König Eduard gelten werde. Für einen späteren Zeitpunkt ist eine Reise nach Rom vorgesehen. Es heißt, daß der Minister Tittoni, als er, aus London kommend, im Elysöe vorsprach, eine bezügliche Zusage erhalten habe. Von einer Reise des französischen Staatschefs nach Petersburg ist vorläufig noch nicht die Rede. Man n?ill damit warten, bis die Verhältnisse den engl. Flottenbesuch in Rußland möglich gemacht haben werden. — General Mercier hat sich nach England begeben, wo er die Sommermonate zuzubringen gedenkt. Die Flucht in das Ausland gibt der hiesigen Presse Anlaß zu heftigen Artikeln gegen den früheren Kriegsminister. Alan nimmt hier an, daß Dreyfus nach kürzeram oder längerem Urlaub seinen Abschied nehmen wird, aus Rücksicht auf seine erschütterte Gesundheit, die ihm die 9(u§übung einer regel- mäßigen Ofsizierkarriere nicht mehr ermöglicht. Wie hiesige Blätter berichten, ist es wahrscheinlich, daß General Piqua rd ein Kommando erhalten und seine Laufbahn als Ofsizier fort-, setzen wird. Belgrad, 14. Juli. Das Organ der serbischen Kauf- mannschast behauptet, aus sicherer Quelle zu wissen, Kaiser Wilhelm habe gelegentlich seines Besuches in Wien sich geäußert, Serbien sei das Haupthindernis der österreichischen Balkanpolitik. Das Blatt meint, diese Aeußerung werfe volles Licht auf den Zollkonflikt mit der Nachbarmonarchie und beweise, daß dieser nicht ans wirtschaftlichen, sondern aus rein politischen Gründen Serbien aufgedrungen worden sei. Das Blatt lenkt die Aufinerksam- keit der Balkanstaaten auf die ihnen drohende Gefahr und fordert sie zu gemeinsamer Abwehr auf. New-Pork, 15. Juli. Nach einem Telegramm aus Salvador hat die Republik Honduras an Guatemala den Krieg erklärt.________ Die Gärung in Rußland. Der Petersburger Korrespondent der ,K. Z." drahtet seinem Blatte, daß die Unsicherheit in der russischen Residenz zunimmt. Bewaffnete überfallen die Paffanten und plündern sie am hellen Tage aus. Im Peterhofer Hof park tötete am Samstag ein anständig gekleideter Mann vor den Augen des promenierenden Publikums den General Koslow durch drei Nevolver- schüffe. Vom Publikum verfolgt, feuerte der Mörder noch drei Schüsse ab, er wurde aber dennoch feftgenommen. Generalmajor Koslow stand dem politischen Leben ganz fern. Man behauptet, daß der General, der große Aehnlichte it mit Genera l Trep ow hatte, das Opfer eines Irrtums geworden ist. Der Mörder, ein junger Mann von 26 Jahren, habe geglaubt, Trepow vor sich zu sehen. In Odessa explodierte im Hofe des Kriegshospitals neben dem StabSgebäude eine vorher dort versteckte Bombe. Das Wachzimmer wurde zerstört und ein Unteroffizier verwundet. Der zum Tode verurteilte Soldat Malinowski, der wegen Krankheit aus dem Gefängnis in das Kriegshospital gebracht war, hat nachts fein Bett nut Petroleum begossen und angezündet. Er ist, trotzdem Hilfe schnell zur Stelle, war, verbrannt. In der Redaktion des „Netsch" wurden Proklamationen an die Soldaten und Matrosen gefunden, in denen diese aufgefordert wurden, Judenmetzeleien zu begehen. Die Juden wollten bem Zaren stürzen und die Macht an sich reißen. Man befürchtet infolgedessen auch in Odessa neue Judenhetzen. In Kischinew wurden vier Schutzleute wegen Mißhandlung von Juden verhaftet. In Nikolajew wurde der Vertreter einer Zuckerfabrik gestern auf dem Wege zur Bank von Bewaffneten um 30000 Rubel beraubt. Ein Räuber wurde ergriffen, ein anderer von Soldaten erschossen, die übrigen entkamen. Aus Balaklawa wird gemeldet, daß auf zwei Kriegsschiffen während der Fahrt bedeutende Unruhen auSbrachen. Einzelheiten hierüber fehlen. Auf anderen Schiffen wurde der Besatzung das Betreten des Ufers untersagt, worauf eine Meuterei ausbrach, sodaß zu ihrer Unterdrückung Landtruppen auf die Schiffe gebracht wurden. Der Ausstand in den Naphthawerken zu Baku im Kaukasus nimmt größeren Umfang an. Die Besitzer lehnten die Mehrzahl der Forderungen der Ausständigen ab. In Bibi Eibad wurde der Verwalter eines Naphthawerkes ermordet. Nach einer Meldung aus Simbirsk trieben Kosaken in dem Dorfe Nagatkin eine Versammlung von ausständigen Bauern auseinander, wobei durch Revolverschüsse über 100 Bauern verwundet wurden. Der NeichSrat beschloß, den von der Negierung geforderten Kredit von 50 Millionen Rubel zur Linderung der Hungersnot abzulehnen und dem von der Duma angenommenen Gesetzentwurf zuzustimmen, nach welchem nur 15 Millionen Rubel durch Anleihe, der Rest durch Abstriche beim Ausgabenbudget aufgebracht werden sollen. Dieser Beschluß wird in der Presse als Mißtrauensvotum des Neichsrats gegen daS Kabinett Goremykin betrachtet, das geeignet sei, den Rücktritt des letzteren zu beschleunigen. Der Jahresbericht der Kroßh. Kess. KerverveinfpeKtionen für 1905 bietet wiederum ein erfreuliches Bild der fortschreitenden Besserung der Arbeitsoerhältnisse im Großherzog- tum. Aus dem allgemeinen Teil ist zu entnehmen, daß die Zahl der im Gewerbeaufsichtsdienst beschäftigten Beamten gegenüber dem Vorjahr keine Veränderung erfahren hat. Die Stellung der Beamten zu den Arbeitgebern und zu den Arbeitern ist durchaus befriedigenden gewesen. Bemerkenswert ist ihre wachsende Inanspruchnahme durch Arbeitgeber, namentlich bei Ncuanlagcn und baulichen Veränderungen oder zwecks Erörterung der bestehend Vorschriften. Auch bei Gelegenheit der Revisionen haben die Wünsche und Anordnungen der Beamten meist Entgegenkomiuen gefunden. Wo sich der Erfüllung Schwierigkeiten entgegenstellten, lagen diese weniger in dem Widerstande der Arbeitgeber begründet als in den gegebenen Betriebszuständcn. In einigen Fällen bat eS freilich auch an Entgcgenkonnncn gefehlt, sei es, daß sich die Unternehmer mit Versprechungen begnügten, sei eS, daß sie den Beamten einen mehr oder weniger offenen Widerstand entgegensetzten. Auch der Verkehr mit den Arbeitern hat durchweg eine Steigerung erfahren. Der Besuch der Sprechstunden, die in die freie Zeit der Arbeiter gelegt sind, läßt freilich noch sehr zu wünschen übrig. Man sucht die Beamten lieber zu Hause auf oder wählt den schriftlichen Weg. Der Beamte in Mainz hebt hervor, daß fast nur organisierte Arbeiter über Zustände in den Betrieben mit den Gewerbeaufsichtsbeamten sich besprechen. Dem Beamten in Gießen ist es ausgefallen, daß Fabrikarbeiter mit dem Vorbringen von Beschwerden bis zmn Ausbruche einer Lohnbewegung gewartet und diese dann zur Unterstützung ihrer Forderungen benutzt haben. Aus den Mitteilungen der Gewcrbeinspektion Gießen, deren Bezirk die Provinz Oberhessen umfaßt, seien noch folgende interesiante Angaben gemacht: Von den im Aufsichtsbezirk vorhandenen und der Gewerbeaufsicht unterstehenden 1350 Anlagen haben im Berichtsjahre 430 d. h. 31,8 Prozent aller Anlagen jugendliche Arbeiter beschäftigt. Von diesen 430 Betrieben fielen 379 unter die Fabriken und die denselben gleichgestellten Anlagen und 51 unter die handwerksmäßig betriebenen Anlagen, die auf Grund besonderer Vorschriften des Bundesrates der Gewerbeaufsicht unterstellt sind. Im Jahre 1904 hatten 464 Anlagen jugendliche Arbeiter beschäftigt. Die Gesamtzahl aller im Aufsichtsbezirke tätigen jugendlichen Arbeiter beiderlei Geschlechts betrug am 2. Oktober 1905 1189 und 6 Kinder unter 14 Jahren, die nicht mehr schulpflichtig waren, d. h. 8,2 Prozent aller Arbeiter de§ Aufsichtsbezirks gegenüber 1320 Jugendlichen und 19 Kindern des Jahres 1904: 786 waren männliche und 403 weibliche jugendliche Arbeiter. .Die Zahl der Betriebe, die jugendliche Arbeiter beschäftigen, hat daher im Berichtsjahre uni 34, die Zahl der jugendlichen Arbeiter selbst um 131 abgenonunen. Für die Abnahme kominen insbesondere die Gruppen „Bekleidung?- und Reinig- ungsgewerbe^ und „Werkstätten der Kleider- iind Wäschc- fonfeftion* in Betracht, die 101 jugendliche Arbeiter weniger aufwiesen uls im Jahre 1904. Die übrigen Jndustriegruppen wiesen gegenüber dem Vorjahre keine bemerkenswerten Schwankungen auf. In zwei Fabriken ivnrde festgestellt, daß die Unternehiner junge Leute als Hausburschen angemeldet und eingestellt hatten, obschon diese nicht allein zu iintergeordneten Diensten, Botengängen usw. verwendet, sondern in der Hauptsache mit technischen Arbeiten beschäftigt und in diesen wie eigentliche Lehrlinge unterrichtet wurden. Die betreffenden Gewerbeunternehmer glaubten sich auf diesem Wege ihren Verpflichtungen als Lehrherren entziehen zu können. Piit dem Anlernen und der Ausbildung von Lehrlingen in der Zigarrenindustrie befaßte sich bis jetzt nur ein Teil der Fabriken. Da die Lehrlinge gleich nach beendigter Lehrzeit häufig ihre Lehrstelle verließen und in anderen Betrieben eintraten, die keine Lehrlinge ausbilden, führte dies zuweilen zu Mißhelligkeiten. Es wurde deshalb, und weil außerdem die bis jetzt mit den jugendlichen Arbeitern abgeschlossenen Lehrverträge zum Teil nicht mehr den gesetzlichen Vorschriften entsprechen, von der Gewerbeinspektion eine einheitliche Regelung der Lehrlingsverhältnisse und Lehrverträge in den Zigarrenfabriken in Anregung gebracht, lieber die Beschränkung der Arbeitszeit der jugendlichen Arbeiter in den Backfieinfabriken sind auch im Berichtsjahre von den Unternehmern und Arbeitern den Beamten gegenüber bittere Klagen laut geworden. Fast alle Ziegeleibesitzer des Bezirkes, soweit sie nur im Sommer arbeiten, verlangen von ihren 9(fforbanten, daß sie keine jugendlichen Arbefter mitbringen. Den Akkordanten aber hält es meistens sehr schwer, die nötige Anzahl Leute zu bekommen, sie stellen immer wieder hier und da jugendliche 9(rbeiter ein und selten wird dann die vorgeschriebene zehnstündige Arbeitszeit eingehalten, sodaß die Anzeigen und die Bestrafungen nicht ausbleiben. Das Verbot einer längeren als zehnstündigen Arbeitsdauer für jugendliche Arbeiter auf den Backsteinfabriken halten die Arbeiter für unbegründet und unberechtigt. Sie erzählen, daß in ihren Heimatdörfern in Lippe und m der Fuldaer Gegend gerade die Ziegelarbeiter das beste Rekrutenmaterial stellten und fast ohne Ausnahme kerngesund und militärtauglich wären. Von den am 2. Oktober 1905 der Gewerbeaufsicht unterstellt gewesenen 1350 gewerblichen Anlagen haben im Berichtsjahre 297, d. h. 22 Prozent aller' Anlagen (300 im Jahre 1904) erwachsene Arb eiterinnen beschäftigt. Davon sind 237 Fabriken und diesen gleichgestellte Anlagen einschließlich 95 Kleidermachereien und Putzmachereicn, während 60 solche Anlagen sind, die auf Grund besonderer Vorschriften des Bundesrats der Gewerbeaufsicht unterstehen. Die Gesamtzahl der erwachsenen Arbeiterinnen in den genannten 297 Anlagen betrug 2645, d. h. 18,3 Prozent der Gesamtarbeiter- schast des Aufsichtsbezirkes (2613 im Jahre 1904). 1057 waren 16 bis 21 und 1588 über 21 Jahre alt. 2537 waren in Fabriken, Motorwerkstätten, Werkstätten der Kleider- und Wäschekonfektion tätig und 108 in den auf Grund besonderer Vorschriften der Gewerbeaufsicht unterstehenden Anlagen beschäftigt. Im allgemeinen haben hinsichtlich der Zahl der erwachsenen Arbeiterinnen feine besonders bemerkenswerten Verschiebungen gegen das Vorjahr stattgefunden. In der Zigarrenindustrie des Äufsichtsbezirks waren im Berichtsjahre wiederum der größte Teil und zwar 1781, d. h. 64,9 Prozent aller erwachsenen Arbeiterinnen tätig. In der Stadt Gießen waren in 19 Anlagen 1120 Arbeiter beschäftig!, wovon 254 erwachsene und 35 jugendliche Arbeiter, 743 erwachsene und 88 jugendliche Arbeiterinnen waren' In der Umgegend von Gießen bestanden 32 Anlagen mit 1301 Arbeitern (163 erwachsene und 14 jugendliche Arbeiter, 1074 erwachsene und 110 jugendliche Arbeiterinnen), außerhalb des Kreises Gießen 11 Anlagen mit 123 Arbeitern. ^Fortsetzung folgt.) Aas 15, deutsche Uundesschießen. München, 15. Juli. Zu dem beute beginnenden deutschen BundeUchießcn hat die tatabt reichsten Festschmuck angelegt. Die Straßen sind von Münchener Künstlern in einheitlicher Weise auf bas Großartigste auSgeschmückt. Im Lause des gestrigen Tages trafen bweits zahlreiche Schützen aus allen Gauen des Reiches hier ein, auch aus Oesterreich und der Schweiz. Die Gaste wurden am Bahn- Hofe vom Festausschuß begrüßt und zu einem Ehrenzelte geleitet, wo ihnen ein Ehrentrunk gereicht wurde. Besonders^ glänzend war der Empfang der Wiener Schützen, die von bei- Musikkapelle des Reg. Deutschrneistor begleitet find, wozu Kaiser Franz Josef die Genehmigung erteilt hat. Mit dein bahr. Fest- ailsscknifi'e war zum Empfange der Oberstschützenmeister der Wiener Schützen Fürst Trautmannsdorf erschienen. Im Namen des Münchener Ausschusses begrüßte Justizrat .Helbing die östreichischen 6^jste, in deren Namen der kaiserliche Rat Gerstle ein Hoch auf die Stadt München ausbrachte. In der großen Halle der zu einem Schützenfestpark nm- gewandelten Theresienwiese fanden sich am Wend an 4000 Teilnehmer zum Begrüßungsbankett zusammen, das mit einem lebhaft applaudierten Festspiel des populären Schrist- ÜellerS Benno Rauchen egg er eröffnet wurde. Es stellte den Traum eines Gebirgsschntzen dar, und klang in eine ergreifend sich gestaltende Huldigung an das deutsche Vaterland aus. Stehend sang die riesige Versammlung das Lied „Deutschland, Deutschland über alles". Alles brach in tosende Zurufe aus, und das Jubilieren wollte fein Ende nehmen. Magistratsrat Schlicht begrüßte in schwungvoller Rede Münchens Gäste. Nach ihm sprach Philipp-Mirnberg, der Vorsitzende be3' Deutschen Schützenbundes, in dessen Namen den Dank aus, und Dr. Roth-Hamburg feierte die Vereinigung von Nord und Süd und München als Feststadt. Der F e ft z u g , welcher sich beute vormittag durch die Straß'n bewegte, war von Münchener Künstlern im einzelnen ausgestaltet und trug ein überaus prächtiges künstlerisches Gepräge. Unmittelbar nach dem historischen Teile beä' Feftzuges und dem Bundesbanner folgen die aus dem Auslande eingetroffenen Schützen: zunächst die aus Newhork und Rußland, dann die schweizer und östreichischen Schützenvereinigungen. Vor der Residenz, von deren Fenstern aus der Prinzregent mit sämtlichen Mitgliederir des königl. Hauses dem Festzuge zuschaute, wurden dem Regenten Ovationen dargebracht. Vor dem Rathause übergab Fink aus Hannover^ das Bundesbanner der Obhut der Stadt München, deren Erster Bürgermeister, Ritter v. Borscht, das Banner entgegennahm mit dem Wunsche, daß auch das Bundesschießen jedes deutschfühlende Herz in der Siebe zu dem großen gemeinsamen Vaterlande und in der .Heilighaltung unserer höchsten Güter stärken und kräftigen möge. Unter immer erneuten Kundgebungen zog dann der Festzug zum Schützeuplatz aus die Festwiese hinaus. Unter^Glockengeläut und Fanfarenklängen wurden dort die zahllosen Schützenfahnen auf der Tribüne postiert und nunmehr begann das große Festbankett, an dem über 4000 Personen teilnahmen. Während der Tafel erhob sich Prinz Ludwig und hielt eine mit ftürmifdjen Beifall aufgenommene Ansprache. Eine hochpolitische Rede des Prinzen Ludwig. Der Prinz erinnerte daran, daß er bereits vor 25 Jahren das Ehrenpräsidium des deutschen Schützenbundes übernommen habe, und begrüßte die Schützen, insbesondere die Gaste aus dem Auslande, namentlich die Oesterreicher. Seit 40 Jahren, betonte der Prinz, ist Oesterreich nicht mehr im engeren Verbände mit dem übrigen Deutschland. $ott sei Dank besteht aber ein inniges Freundschaftsverhältnis zwischen dem deutschen Reiche und der ö ft r e i ch i s ch - u n g a r i s ch e n Monarchie. «Lebhafter Beifall.) Und das erftc Mal, als es die Freundschaft im Ernstfälle zu erproben galt, war bei der Konferenz von Algeciras. Da bat Oesterreich-Ungarn treu an derScite Deutschlands gestanden. (Lebhaft.'r Beifall.) Kein geringerer als der deutsche Kaiser selbst erkannte das an in seinem Schreiben an den Grafen Goluchows' kv. Sie wissen, daß Sie in unterer Nachbarmonarchie ja viel schwere Kämpfe mit anderen Nationen zu bestehen haben. rufe ick Ihnen zu: Bleiben Sieeinig! aber vergessen Sie die Diffe- renzen und der Parteiunterschiede Ihrer eigenen Nation! Solclw wird es ja immer geben, aber seien Sie einig, bleiben S i e vor allem österreichisch! «Lebhafter Beifall.) Nehmen Sie sich das Beispiel der deutschen Schweizer zum Muster! Die sind seit 3pr Jahrhunderten vom alten beut)eben Reiche getrennt. Sie haben ihr Deutschtum bewahrt, aber verstauben, mit ben anberssprechenden Völkern, die in der Eidgenossenschaft vereinigt sind, int Frieden zu leben, mit französisch, italienisch, romanisch Redenden. Sie fühlen sich alle miteinander als Schweizer. «Lebhafter Beifall.) So wünsck>e ich, daß das die Deutsch- Oesterreicher auch mack-en. Sodann wandte sich der Prinz mit herzlichen Worten an die Reichsdeutschen. Er rufe auch ihnen zu: Seid einig! und fuhr fort: „Es wird eine der schwersten, aber auch der wichtigsten Ausgaben sein, die Interessen der einzelnen Staaten miteinander auszugleichen. Wenn man die deutsche Geschichte kennt, fallen einem unwillkürlich die Worte ein, die in der Besreiungshalle in Kelheim angeschrieben sind, die König Ludwig I. 50 Jahre nach der Schlacht bei Leipzig eröffnete. Sie beißen: Mögen die Deutschen nie vergessen, was die Befreiungskriege notwendig gemacht und wodurch sie gesiegt haben. Notwendig machte sie die Uneinigkeit der deutschen Fürsten. Ich möchte eines dazu setzen: nicht am wenigsten das Streben der jeweiligen Kaiser, gleichviel welchem Hause sie angehörten — denn es regierten viele Kaiser das alte Reich — ihre 5) aus - macht zu ihr enGun st enundzum Nachteil derMit- fürsten zu stärken. Die Folge davon war mehr oder weniger Anlehnung an das Ausland und eine weitere Folge die Schwächung und Zerreißung des Reiches, bis endlich vor einhundert Jahren es verschwand. Ein glänzendes Beispiel, wie man es machen soll, das bietet uns einerseits der Prinzregent, der nun 20 Jahre Bayern regiert. Er vergißt nicht, was er dem Reiche, dem Kaiser schuldig ist, er bergibt aber ganz gewiß auch nicht, was er seinem ciacnen Lande ichuldig ist: und auf der andern Seite ber_ deutsche K aiser, ber ja zugleich auch König von Preußen ist. Er vergißt auch nicht, was er Preußen schuldig ist, aber als Kaiser ist er mehr wie irgenb ein Angehöriger des Reiches verpflichtet, und er tut cs, für das Allgemeine ju sorgen." Weitere Reden. Namens des Deutschen Schützenbundes dankte der Bundes- Vorsitzende Philipp mit einem Hoch auf den Prinzregenten und den Kaiser. — Erster Bürgermeister Ritter von Borscht begrüßte dann die Gäste im Auftrage der Stadt München, Senator Fink-Hannover überbrachte die Grüße der letzten Feftstadt an die in München versammelten Schützen. — Nach 4 Uhr erschien Prinzregent Luitpold. Nach der Festtafel ließ sich der Prinzregent di.' Vorsitzenden sämtlicher Ausschüsse vorstellen und nahm den goldmen Ehrenvokal der Stadt München zu einem Ehrentrunk entgegen. Ilm .d Uhr begann dann das offizielle. Bun des - schießen mit einem Konkurrenzschießen um die zehn ersten Becher auf lebe Distanz, auf Stand und Feld. Mit einem Festspiel in der großen Fefthalle schloß der heutige Tag stimmungsvoll ab. — Für die im Kysshäuser spielenden Vorgänge mit patriotischen Einschlag zeichnete Prof. Becker verantwortlich. Hoskapell- meuter Röhr-München hatte die Musik dazu geschrieben. Die begleitenden Chöre stellte ber Münchener Lehrergesangverein. Es schloß sich eine humoristische Szene, von Frhm. v. O ft i n i gebichtet, an, bie „Der Freischütz" betitelt war. Es genügt her- vorzuheben, daß ber humorvolle „Fliegende Blätter" — Maler Hengeler die „wilde Jagd" gemalt hatte, Konrad Dreher den Kaspar. Overettensänger Glonny die ?lgathe und Neuert den Kuno spielte. Der Kilian war zu einem zwerchfellerschütternden Dachauer Bauern geworden und die Wildsau hieß Meier. — Und die „Gemütlichkeit"^ dauerte bis in den frühen Morgen. ■ Das 50 jährige Dienstjubiläum des Rektors Hahu. K. Gießen, 16. Juli. Ain 14. d. M'. feierte der Leiter des Gießener Bolksschuk- tüesens, Rektor Hahn, der in diesen Tagen auf eine fünf- zigjähn'ge segensreiche Wirksamkeit zurückblickt, sein goldenes Dien stjub iläum. In welch' hohem Maße sich der Jubilar während dieser Zeit die Anerkennung und das Vertrauen nicht nur seiner vorgesetzten Behörde, sondern auch seiner Kollegen Und weiter Kreise der hiesigen Bürgerschaft erworben hat, das zeigte die Festscier, die in ihrem ersten Teile in der schön geschmückten Turnhalle der Stadt- Knabenschule stattfand. Eingeleitet wurde sic durch den Ge* sang der obersten Mädchenklasse, worauf Geheimerat Prv- vinzialdirektor Tr. B r e i d e r t die Glückwünsche der obersten Schulbehörde und der Großh. Kreisschulkommission aus- sprach und dem Jubilar das ihm von S. K. H. dem Groß^ Herzoge verliehene Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen überreichte. Namens des Stadt- und des Schulvorstandes gratulierte Oberbürgermeister Mecum.Herrn Rektor Hahn, der mehr als 20 Jahre im Dienste der Stadt Gießen stehe und der zahlreichen Gießener Bürgern ein tüchtiger Lehrer gewesen sei; er überreichte einen von den Stadtverordneten gestifteten silbernen Pokal. Ms Vertreter der Lehrer und Lehrerinnen der hiesigen Volksschule hob Hauptlehrer Schaaf hervor, daß der Gefeierte zu vielen wohltätigen Einrichtungen in der Schule die Anregung gegeben habe und stets ein humaner Vorgesetzter, ein Freund und' Berater der ihm unterstelltes Lehrerschaft gewesen sei. Redner bat ihn, als Ehrengabe des Lehrerkollegiums zwei Bilder, die Szenen aus dem Leben des Heilandes darstellten, entgegennehmen zu wollen. Hierauf sprachen e i n M ä d ch e n und e i n Kn a b e der obersten Schulklasse unter Ueberreichung von Blumensträußen in poetischer Form die Glückwünsche der Schuljugend aus. Daß die Erteilung des Religionsunterrichtes durch den Jubilar, sowie seine Tätigkeit als Kirchenvor- standsmitglicd der Matthäusgemeinde die volle Anerkennung des Großh. Oberkonsistoriums faud, ging aus einem Glückwunschschreiben hervor, das Dekan Strack-Leihgestern namens der genannten Behörde zur Verlesung brachte. Auch der Gießener Lehrerverein wollte bei der Ehrung eines seiner treuesten Mitglieder und seines früheren Vorsitzenden nicht zurückstehen und überreichte durch Lehrer Val. Müller eine von Zeichenlehrer Gerhard künstlerisch ausgeführte Adresse. Ebenso ließ es sich der hiesige Tierschutzverein nicht nehmen, den Gefeierten, der seit vielen Jahren diesen Verein mit tatkräftiger Hand leitet, durch Ueberreichung eines sinnigen Geschenkes durch Stadtverordneten Sch mall zu ehren. Tief gerührt gab Rektor Hahn den Gefühlen, die ihn bewegten, Ausdruck und dankte für alle ihm zuteil gewordenen Eh-rungen. Besonders herzlichen Tank zollte er dem Vertrauen und dem freundlichen Entgegenkommen, das er bei seinem Lehrerkollegium stets fand. Mit dem Liede: „Herr, deine Güte reicht so weit", von einem Kuabenchore vorgetragen, schloß die würdige und eindrucksvolle Feier. Hierauf versammelten sich die F-estteitnehmer zum Fest- essen im „Neuen Saalbau". Schulrat Kleinschmidt hatte in liebenswürdigster Weise die Leitung des zweiten Teils der Feier übernommen. Er gedachte in seiner Ansprache der Schirmherren des Staatswesens und der Schule und schloß mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog. Zahlreiche Trinksprüche folgten. Von ihnen seien der des Rektors Backes, des Obmanns des Hess. Landes-Lehrervcreins, auf den Jubilar und der des Hauptlehrers Knauß auf bi» Familie des Gefeierten hervorgehoben. Namens der Familienangehörigen dankte Realschuldirektor Karg-Butzbach. Sein Hoch galt den Mitarbeitern oes Jubilars. Nack) und nach nahm die Feier einen sehr fröhlichen, fast familiärem Charakter an, wozu die Liedervorträge des Lehrer-Sängerchors, wie auch die Einzelgesänge, besonders die humoristischen, wesentlich beitrugen. Mes in allem: Es war eine herrliche Feier, eine wohlverdiente Ehrung für Rektor Hahn._______________________ Aus Stadt und Land. Gießen, den 16. Juli 1906. ” Das oberhessische Bundesfest des Bundes der Landwirte wird, wie man uns schreibt, am Sonntag (22. Juli), nachmittags, im Offenheimer Wäldchen bei Friedberg gefeiert werden. Als Festredner wurde der Vorsitzende des Bundes der Landwirte, Dr. Nosicke-Görsdorf, gewonnen, ferner werden die Herren Lucke-Patershausen und Generalmajor z. D. von Klo eben-Wiesbaden Ansprachen halten. Die Gesangvereine von Fauerbach, Niederwöllstadt und Offenheim haben es übernommen, die Festgäste durch Licdervortäge zu erfreuen. Die Kapelle des Pionierbataillons Nr. 21 (Kastel) wird den instrumental-musikalischen Teil bestreiten. Am Abend findet bengalische Beleuchtung und Feuerwerk statt. Für Tanzgelegenheit wird gesorgt sein. ** Eine sozialdemokratische Zeitung soll dem-' nächst in Darmstadt ins Leben treten. Die „Mainzer Volksztg.*, die z. Zt. sozialistisches Parteiorgan für den Neichstagswahlkreis Darmstadt-Groß-Gerau ist, bezweifelt die Lebensfähigkeit einer sozialdemokratischen Zeitung. Wenn auch für diese Stellungnahme in erster Linie der begreifliche Wunsch, sich das eigene Verbreitungsgebiet nicht beeinträchtigen zu lassen, maßgebend gewesen fein wird, so wird der Erfolg der neuen Gründung dem Mainzer Blatte dennoch recht geben. a. W i e Zigeuner Geld verdienen. Zu einer Frau, die mehrere Jahre an Gicht leidet und lahm ist, kam, wie man uns berichtet, in einem Städtchen des Vogelsbergs vor einigen Tagen ein Zigennerweib. Teilnehmend fragte die Zigeunerin die Kranke, ob sie gesund werden wolle, was diese natürlich bejahte. „Ich bin im Besitz eines Mittels und will Ihnen helfen, es kostet nur 50 Pfennige", sagt die Zigeunerin. Sie verschwindet und kehrt nach wenigen Minuten mit dem geheimnisvollen Medikament zurück, gießt ein kleines Quantum in ein Glas und beschreibt die Benutzung. Das Gläschen, in welchem sich ihr Mittel befindet, muß zunächst acht Tage lang im Keller im Dunklen stehen und Niemand darf von seiner Existenz Kenntnis haben, bevor man es verwenden kann. Nun noch ein Uebriges an Hokuspokus und vier Mark für die Bemühung, dann ist die Sache abgetan. Die kranke Frau, die in sehr dürftigen Verhältnissen lebt, sträubt sich zwar, die geforderte Summe zu zahlen, in der Hoffnung jedoch, gesund zu werden, legt sie schließlich doch die vier Mark auf den Tisch und die Zigeunerin verschwindet damit so rasch wie möglich. Die Geprellte ist zwar ihr Geld, nicht aber ihre Krankheit lo5. Bedauerlicherweise findet diese Bande immer und immer wieder Leichtgläubige, die sich in so dreister Art schröpfen lassen. Altbewährte Nähr \ ui "",k Lu««" Sie ’’r . Je- ntht.11* 'löicbtf Bd J* |ajjf|U ) Land. , dm 16. Juli 1906. desfest des Bundes n§ schreibt, am Sonntag mC[ Wäldchen bei Frieder wurde der Vorsitzende Rösicke-GörSdors, ge* Oucke-Patnshausen und „.Wiesbaden AnsprA men di- d°ch ,2c ni.nwpwW» & Beleuchtung und yİnew/ ?A. m« £m,‘»iig» j« Blatte d-»"^ ’ Qu einer t teibrt M ^7gMS- Städtchen des » (e bie b SÜ***Em- nb " ' e tut S« »’ 0([| it(»9® „„b fi6rt Ljt«1 , Di'tt'l be ndrt.^, unb 'S-L KsL ÄL-'TL JJWfeb bc sic bur» 1®lnbt. '“»f ®’S kn •n S.§i x, JlOn aus. ,e des i ^s Kens 1C Oberbürn 6tabta «Dr «Wtifa f" ei; et T'ta« Men Ä*. 1 l>!rv»r bat 1s ein biintAF ^ule der ibn? maner Vor- - t5n*(»N die „Sä’; MrL anb Erkenn. aus einem gS Strack-LeL brbe Zur Verlesuna X sollte bei' Z Wer und seines mb überreichte durch yechnlchrer Gerhard 'M lretz es sich der den Gesnerien, der seit Eüsiiger Hand leitet, ^lchenkes durch Stadt- iel gerührt gab Rektor kvegten, Ausdruck und Torbenen Ehrungen. T dem Vertrauen und ■ das er bei seinem m Siebe: „Herr, deine '.abenchore vvrgetragen, )lle Feier. esttellnehmer zum Fest- : Kleinschmidthatte Ting des zweiten Teils te in seiner Ansprache ’ und der Schule md nb Großherzog. Zahl- n feien bet des Rektors des-Lchreroereins, auf -ers Knauß auf m. Namens, der Fa- ettor K ar tz-Butzbach, s IuLÄars. Rach und dichen, säst familiären äge des Lehrer-Sänger- ■, besonder? die humoses in allem: Es war enie Ehrung für 'Rektor ^Personalien. S. Kl H. der Groß Herzog chaben den Oberlehrer an dem Gymnasium zu Offenbach a. M. Gg. Ludw. Schmäht auf sein Nachsuchen seines Dienstes entlassen. •• Aber Herr Schneider! Ein Bürger inRüssels- beim a. M. veröffentlichte in der „Mainspitze- folgendes Inserat: „Demjenigen, der mir vor etwa 10 Tagen ungefähr zwei Zentner Zwiebeln des Nachts gestohlen hat und solche regelrecht zum Verkauf abschnitt, wünschte ich, daß er für jeden Pfennig, den er daraus erlöst, 99 Pillen schlucken müßte. Tas ist einer von den Spitzbuben, der mein Rotkraut schon jahrelang des Nachts hundertwcise stahl. Aber Gauner, du darfst noch so schlau sein, in die stalle gehst du doch einmal. Gg. Schneider I. (X) Großen-Linden, 15. Juli. Von schönstem Wetter begünstigt, fand heute unser Kirchweihfest, eines der ersten der Umgegend, statt. Bei den Kirmeswirten Fischer, Schaum und Weigand herrschte reges Treiben, alles war überfüllt. Von Gießen und den mnliegenden Orten waren zahlreiche Gäste erschienen; am Bahnhof war besonders abends ein sehr großer Verkehr. ^--Leihgestern, 14. Juli. Am Freitag stürzte Weißbindermeister Brück in seiner Sandgrube von der Treppe seines Walzwerkes. Er zog sich einen Rippe n b ruch zu und mußte nach Hause gebracht werden. _j_ Fried berg, 15. Juli. Gestern fand die Probefahrt mit der ersten deutschen Automobilpost „Fried- h erg —Ra nstadt- durch Vertreter der „Gagenauer Werke- und einigen Herren der Oberpostdirektion Darmstadt statt. Von morgen an beginnen regelmäßig die dreiinaligen Hin- und Herfahrten. Der Wagen ist so eingerichtet, daß 10 Leute mitfahren können. Die Fahrgeschwindigkeit ist keine große, um die 20 Kilometer lange Strecke zurückzulegen, hat der Wagen beinahe eine Stunde zu fahren. Die zwei zur Benutzung kommenden Wagen sollen 29 000 Mk. kosten. Erda, 14. Juli. Die Firma Rinn und Clo os in Heuchelheim hat Hierselbst eine Zigarrenfabrik errichtet. Die Betriebseröffnung ist am Montag, den 9. ds. Mts., erfolgt. Ihr voraus ging am Samstag eine Festlichkeit, welche die Firma ihren Arbeitern in der Wirtschaft von Dörr hier bereitete. (Wetzl. Anz.) ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den N a ch b a r st a a t e n, Zum Stadtrat in Frankfurt wurde Bürgermeister K u h r in Burg bei Magdeburg gewählt. Der zweite Bürgermeister, Geh. Regierungsrat Dr. Darren trapp, hat sein Entlassungsqefuch eingereicht. Es steht ihm ein Ruhegehalt von jährlich Mk. 9450 zu. Als seinen Nachfolger bezeichnet man bereits Stadtrat Grimm. — In Hesselbach (Odenwald) in der Nähe der bayerischen Grenze wurde bei einem erkrankten l4jährigen Jungen von den Aerzten G e n i ck st a r r e festgestellt. Vermischtes. • Automobilunfälle. Auf der westdeutschen Tourenfahrt verunglückte am SamStag dicht hinter Göttingen Willy Vogel auS Frankfurt mit seinem 44pferdigen Adlerwagen. Das Automobil überfuhr einen Droschkenkutscher, der, wie eS heißt, leichtsinnig vor dem Wagen über die Fahrstraße sprang. Die leerstehende Droschke wurde zertrümmert. DaS Automobil zerschellte an einem Apfel- bauin. Der Fahrer Vogel und eine Dame wurden aus dem Wagen geschleudert und kamen mit dem Droschkenkutscher nach der Klinik. Vogel erholte sich bald wieder, auch die Dame ist nicht lebensgefährlich verletzt. Ferner überrannte Heinrich Opel aus Rüsielsheim bei der Durchfahrt durch Göttingen an einer Straßenkreuzung den Gerichtssekretär Waßmuth, der einen Arm- und Beinbruch erlitt. Den Fahrer Opel soll keine Schuld an den: Unfall treffen. Von einem Augenzeugen wird der Automobilunfall von Willy Vogel folgendermaßen geschildert: Auf einer Entfernung von etwa zwei Meter lief plötzlich ein Mann über die Straße. Der Fahrer bremste heftig und wurde gegen ein leeres Fuhrwerk geschleudert. Vogel und die Insassen seines Wagens flogen heraus. Er und Frau Verheyen wurden mit leichteren Verletzungen in die Klinik nach Göttingen geschafft. Ter Mann, der in den Vogelschen Wagen lief, erlitt einen Beinbruch. Vogel soll, wie alle Augenzeugen bestätigen, keinerlei Schuld an dem Unfall treffen. • Das neueste Eisenbahnunglück. Ein vön Bilbao (Spanien) kommender Schnellzug stieß bei Santander mit einem Güterzuge zusammen, wobei 2 0 Per- onen verletzt wurden. • Der Blitz im Ballsaal. Nach einer Meldung des „Daily Telegraph" schlug der Blitz in einen Ball- iaal zu Wellsford in Kanada ein. Es befand sich eine Tanzgesellschast in dem Etabliffement, als der Blitz durch die elektrische Leitung in den Ballsaal fuhr. Ein junges Mädchen, das grade eine elektrische Glocke läutete, wurde auf der Stelle getötet, während 20 andere Personen betäubt und schwer verletzt zu Boden sielen. Die Wirkung des Blitzes war so gewaltig, daß der ganze Bau erschütterte. Es entstand eine wilde Panik und die Gesellschaft eilte entsetzt dem Ausgange zu. Bei dem wilden Durcheinander, bei dem jeder suchte, möglichst schnell das Freie zu gewinnen, wurden über hundert Personen erheblich verwundet. * M ordtaten. In Kirspelwaldniel (Rheinland) wurde ein 22jähriges Mädchen in einem Stall erhängt gefunden. Dem Mädchen waren die Haare abgeschnitten. Unter dem Verdachte des Mordes ist ein Kostgänger verhaftet. — Auf der Chaussee von Potsdam nach Beelitz ist die Leiche des Kutschers August Horn aufgefunden worden. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß Horn, der bei einer Bierbrauerei in Potsdam bedienstet war, das Opfer eines Raubmordes geworden ist. Der oder auch die Mörder haben Horn durch mehrere Revolverschüsse getötet und ihn dann seiner Barschaft beraubt. Die Leiche lag neben dem Wagen, mit dem der Ermordete gefahren war. Einige Bier- jjäffer, die auf dem Wagen gelegen, sind ebenfalls geraubt iDorben. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur. — In Dahlen wurde eine Frau verhaftet, die ihr mehrere Monate alteS Kind im wahren Sinne des Wortes verhungern liefe. Wie die Untersuchung ergab, hat die Frau auf dieselbe Weise bereits fünf Kinder beiseite geschafft. — In Brom berg ermordete der 22jährige Arbeiter Thiel seine beliebte, die 40jährige Hettmann aus Eifersucht. Er wurde verhaftet. * Eine Feuersbrunst. In der etwa 2000 Einwohner zählenden pommerschen Stadt Belgard mar am Sonntag eine gewaltige Feuersbrunst ausgebrochen. Ein ganzer Häuserblock liegt in Schutt und Trümmer. Nur zwei Gebäude ragen aus dem Brandfelde hervor. Zehn Wohnhäuser und ebensoviele Nebengebäude sind niedergebrannt. Versichert sind mir einige der 32 obdachlos gewordenen Familien. Fast alle Mobilien sind mitverbrannt, doch sind Menschen nicht umgekommen. Die Löscharbeit gestaltete sich insofern sehr schwierig, als die alten Häuser im Nu wie Zunder aufflammten. Die Ursache des Feuers ist zweifellos Brandstiftung, denn es brach gleichzeitig an vier Stellen aus. Der oder die Brandstifter treiben schon seit etwa fünf Wochen dort ihr Unwesen; in dieser Zeit hat es in Belgard nicht weniger als fünfmal gebrannt. Die Polizeiverwaltung hatte schon vor 14 Tagen eine Belohnung von 200 Mark ausgesetzt. * Kleine Tages chronik. Auf Grund von Informationen an amtlicher Stelle sind wir ermächtigt mitzuteilen, daß die Gerüchte, wonach aus der Strecke L e t h m a t e - N a p r o d ein neuer Eisenbahn-Ueberfall verübt worden sei, vollständig gegenstandslos sind. — In dem Gefängnisse von Tarragona (Spanien) brach unter den 800 Insassen eine Revolte aus. Durch das Eingreisen einer Abteilung Soldaten unter der Leitung des Gouverneurs, w"lcher drohte, er werde schießen lassen, wurde die Ruhe wieder hergestellt. Einige Gefangene entkamen. — Für das von Professor D u l ? e r zn erbauende neue Theater in Osnabrück werden zunächst 650 000 Mk. ausgewendet werden, wovon 450 000 Mk. durch die soeben von der Regierung bewilligte Anleihe ausgebracht werden, während rund 200000 Mk. an freiwilligen Gaben vorhanden sind. — Tie Dieb- stahlsaisäre der Fürstin W rede hat plötzlich eine sensationelle Wendung genommen. Tas Landgericht Hannover hat nun verfügt, die Strafverfolgung gegen die Fürstin wegen fort- qesetztenDiebstahls und Unterschlagung wieder aufzunehmen. —Z w e i schwere Einbrüche sind in K ö n i g s w u st e r h a u s e n bei Berlin entdeckt worden. Dort haben Einbrecher in dem Bureau des Justizrats Skopnik aus dem Geldschrank für 15 000 Mk. Wertpapiere und 3000 Mark Bargeld erbeutet. Ein vorher bei dem Rechtsanwalt Dr. Teus verübter Einbruch hatte für die Einbrecher, deren Spur in Berlin verfolgt wird, nicht das erwartete Ergebnis.— Wie die „Braunschw. N. Nachr." melden, ersoff dasKaliwerk Asse vollständig. Die Rettungsarbeiten wurden vorläufig aus- gegeben. Die Chaussee ist in 21/, Kilometer Entfernung erheblich gesunken. Ter Bahndamm der Braunschweig-Schöninger Eisenbahn ist teilweise zerstört. Gießener XIII. Ruder-Regatta. Zu der für den 29. Juli aus der Lahn ausgeschriebenen Regatta haben sich 19 Vereine 45 Boote mit 215 Ruderern gemeldet. Es ist dies eine Beteiligung, wie wir sie in Gießen seit langer Zeit nicht gehabt haben. Für die einzelnen Rennen haben gemeldet: 1. Junior-Einer: Franks. Rnderges. Germania, Offenbacher Ruderv. Undine, Ruderv. Ems. 2. Großer Vierer: Mannheimer Ruderv. Amicitia, Frankfurter Ruderv. Sachsenhausen. 3. Kirch-Vierer: Limburger Ruderv., Wetzlarer Ruderklub, Gießener Rnderges. 1877. 4. Lahn-Pokal: Rnderges. Ruhrort (Architekt Wilhelm Nimminghoff), Offenbacher „Undine" (Kauim. Georg Bartelmann), Frank?. Rnderges. Germania (Schuhmachermeister Otto Müller), Ruderv. Ems (Holzhändler Otto Arlt). 5. Zweiter Vierer: Heidelberger Ruderklub, Offenbacher „Undine", Würzburger Ruderv. 1875, Akad. Ruderkl. Rbenus-Bonu, Wetzlarer Ruderkl., Franks. Ruderg. Oberrad, Franks. Rudergesell- schast Sachsenhausen, Akad. Ruderv. Münster i. W., Nassovia Höchst a. M., Hanauer Ruderges. 1879, Limburger Ruderv., Offenbacher Ruderv. 1874. 6. I u n i o r - A ch t e r. Frankfurter Germania, Mannheimer Amicitia, Franks. Rnderges. Sachsenhausen. 7. Doppel-Zweier: Nndergesellsch. Ruhrort, Frankfurter Germania. 8. Junior-Vierer: Hanauer Rnderges. 1879, Offenbacher Undine, Frankfurter Rnderges. Oberrad, Gießener Rnderges. 1877, Franks. Rnderges. Sachsenhausen. 9, Akademischer Vierer: Heidelberger Ruderklub, Aka- dem. Ruderklub Rhenns-Bonn, Akadem. Ruderv. Münster i. W., Akadem. Sportklub Heidelberg. 10. Großer Achter. Offenb. Rnderverein 1874, Frankfurter Rnderges. Sachsenhausen, Mannheimer Amicitia. 11. Ermunterungs-Vierer. Offenbacher Undine, Weilburger Ruderv., Franksnrter Ruderges. Oberrad, Gießener Nuder- ges. 1877. Die sportlichen Kämpfe am der Lahn werden zweifellos nach den vorliegenden Meldungen und Nennungen außerordentlich überaus spannend werden. UniversiLats-Nachvichten. — D i e Antrittsrede des Professors Drude, die er bei seiner Aufnahme in die preußische Akademie der Wissenschaften am 28. Juni hielt und die in i?en Sitzungsberichten soeben veröffentlicht wird, erregt nach dem so jäh und unerwartet erfolgten Tode des Gelehrten besondere Anteilnahme. Aus seinen Worten scheint trotz der hoffnungsvollen und zukunftsreichen Pläne, von denen er spricht, schon ein dunkler Schatten des Verhängnisses ans das spätere tragische Ereignis zu fallen. Er empfindet „das Gefühl der Beklemmung, ob er durch Anspannung seiner Kräfte den an ihn gestellten Aufgaben gewachsen ist". Er wirft einen Blick aus die glänzenden Erfolge der Physik und besonders der drahtlosen Telegraphie, deren Erforschung er sich ferner widmen will, und erklärt: „Wie es auch die größte Freude macht, in solchen Zeitpunkt des intensivsten Aufschwungs der eigenen wissenschaftlichen Disziplin zu leben, wo es eine Ueberfülle von Aufgaben gibt, die sich der Bearbeitung darbieten, so wird dadurch doch eine Hast in der wissenschaftlichen Forschung provoziert, welche der beschaulichen Ruhe, mit der noch vor wenigen Jahrzehnten mancher Gelehrte seine Probleme im Laboratorium, am Schreibtisch unb in freier Natur ausreisen kaffen konnte, diametral entgegensteht, nicht immer zum Vorteil der Bearbeitung, und jeder, der an dieser Entwickelung auch nur zu kleinem Teil helfen will, muß sich,die ernste Frage vorlegen, an welcher Ecke des Gebäudes er selbst Hand anlegen kann, falls es nutzbringend zu werden versprechen soll . . ." — Der Verband der im Coburger L. C. vereinigten Landsmannschaften aus deutschen Hochschulen zählt int Sommersemester 1906 unter entsprechendem Abzug der Mebrbänderleute 1161 Aktive und Inaktive (im vorigen Semester 868) sowie 3411 Alte Herren (im vorigen Semester 2836) in 37 aktiven und 6 suspendierten Landsmannschaften (im vorigen Semester 29 aktive und 8 suspendierte). Sandel und Verkehr, Volkswirtschaft. Buderussche Eisenwerke, Wetzlar. Die Direktion wehrt sich mit aller Entschiedenheit dagegen, daß in betreff der Fürstl. Solmsschen Gruben schon das letzte Wort gesprochen sei. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 16. Juli. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreise. Weizen Mk. 13.50—13.75, Kurhessischer Mk. 19.00—00.00, La Plata. Mk. 19.50—20.50, Kansas Mk. 19.25—20.25, Roggen (hiesiger) Mk. 17.25 —17.50, Gerste (Wetterauer) Mk. 17.25—17.75, Frankenfelder Mk. 17.75—18.25, Hafer 17.00—18.25, MaisMk. 13.25—13.50, Weizenmehl 27.00—28.00, M. 00—00, 2. Qualität Mk. 25.00 bis Mk. 26.00, 3. Qualität Mk. 23.00—23.50, Noggenmehl 0 Mk. 24.50—25.00 1. Qualität Mk. 22.50—23.00, Weizenkleie Mk. 10.00 bis Mk. 10.50, Roggenkleie Mk. 11.00—11.25, Maiskeime Mk. 12.00 bis Mk. 00.00, Franken, Pfälzer, Ried Mk. 17.25—18.25. Alles per 100 ^Frai?kfurt a. M., 16. Juli. CXelegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz ") Amtl. Notierungen der heutigen Di ehmarktp reise. Zum Verkaufe standen: 517 Ochsen, 210 ans Oestreich, 115 Butten, 00 aus Oesterreich, 0 aus Dänemark, 886 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder 00 aus Dänemark, 360 Kälber, 221 Schafe und Hammel, 1364 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 82—84 2. Qual 74—76 Mk., 3. Qual. 67—69Mk.: Bullen l.Qual. 71 bt$ 73 Mk., 2. Qual. 67—69 Mk.; Kühe l.Qual. 75—76 Mk., 2. Qual. 72—74 Mk., 3. Qual. 56 - 58 Mk, 4. Qual. 00—00 Mk., 5. Qual. 00—00Mk. Kälber: 1. Qual. 96—100Psg., Lebendgewicht 57—60 Pf., 2. Qual. 80—85 Psg., Lebendgewicht 47—51 Psg., 3. Quoll 00—00 Psg., Schlachtgewicht 62—65 Pig., Schafe: l.Qual. 80—82, 2. Qual. 00-00 Psg., 3. Qual. 00—00 Psg.; Schweine 1. Quoll 74—75 Pkg., Lebdqew. 57.50—58.00 Pfg., 2. Qu.73 —00Pig., Lebend- gew. 57.00—00 Pfg., 3. Qual. 60—62 Pfg. Lebendgew. 00 Pfg. Geschäft: bei Hornvieh schleppend, Ueberstond unbedeutend, bei Kleinvieh gut, fein Ueberstond. Arbeiterbewegnng^ Leipzig, 16. Juli. Die Einigungs-Verhandlungen der Vertreter der streilenden Buchbinder von Berlin, Leipzig und Stuttgart mit den Buchbindereibesitzern find im letzten Moment wider Erwarten resultatlos verlaufen, da die Arbeitervertreter die Entschädigungspfticht der ohne Mndig- ungsftist in den Stteik getretenen Arbeiter ablehnten. Glauchau, 14. Juli. In der gestern abend abgel>altenen Textilarbeiter Versammlung wurde eine Resolution gefaßt, durch welche die Leitung der Versammlung beauftragt wurde, bei den Webfabrikanten in Glauchau und Meerane nm eine Lohnerhöhung von 20 Prozent vorstellig zu werden. Darnach beabsichtigen die Textilarbeiter unter Umgehung des Textilarbeiter- vevbandes direkt mit den Fabrikanten in Verhandlungen zu treten!. ^erichtsscral. Breslau, 14. Juli. Die Strafkammer verurteilte bert Redakteur Mbert von der Volksmacht wegen Beleidigung des Posener Oberkriegsgerichts und des Kommandanten der Fesd» ung Posen zu einem Monat Gefängnis. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung iit Hessen für Dienstag, den 17. Juli 1906: Wolkig, nur stellenweise geringer Regem Temperatur wenig verändert. Windig, westliche Winde. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Orrgittal-Drohtmeldüngen» Berlin, 16. Juli. Die Morgenblätter bringen längere Berichte _ über einen blutigen Straßen tu mult bei einem Großfeuer int Osten Berlins. Darnach hatte die Polizei, weil die Feuerwehr durch die Menge in den.Löscharbeiten behindert war, eine strenge Absperrung vorgenommen, wodurch die dicht gedrängte Menschenmenge in gereizte Stimmung versetzt wurde. Unter den Zuschauern befanden sich zahlreiche Rowdies, welche die Beamten verhöhnten. Einige ließen sich auch zu Tätlichkeiten gegen die Pferde der berittenen Schutzleute hinreißen, sodaßs die Polizisten blank zogen. Ein Schlächtergeselle erhielt von einem Polizeibeamten einen schweren Säbelhieb über die linke .Hand, sodaß das .Handgelenk, Sehnen und Schlagader vollständig durchhauen wurden. Mit seiner Säbelspitze soll der Polizeioffizier den Schwerverletzten, klilch in den Rücken gestochen haben. Dieser mußte in ein Krankenhaus gebracht werden. Die Aufregung, welche sich jetzt der Menge bemächtigte, wuchs mehr und mehr. Ein junger Mann erhielt von einem Schutzmann zwei Schläge über den Kopf, sodaß er zur Sanitütswache gebracht werden mußte. Auch andere Exzedenten wurden durch Säbelhieb'' verletzt. Köln, 15. Juli. Bei dem heutigen 100 Kilometer- Radrennen um den Goldpokal der Stadt Köln verlor der Schrittmacher BütlerK-Cambridae die Herrschaft über den Motor und fuhr in das an der Umzäunung stehende Publikum! hinein. Eine Person wurde schwer, vier andere wurden mehr oder minder leicht verletzt. Butlers erlitt empfindliche Hautabschürfungen. Leipzig, 15. Juli. Zwischen den Vertretern der streikenden Buchbinder in Berlin, Stuttgart und Leipzig l'nd den Vertretern der deutschen Buck.bindcreib"sitzcr sanden gestern EinigungA- verbandlungen im Deutschen Buchgewerbehaus statt, welche zu dcr Anerkennung des Arbeitnehmcrv^rbandes durch den Prinzipal- Verband führten. Mch in anderen wichtigen Punkten wurde nach längeren Beratungen eine Einigung erzielt. London, 16. Juli. Gestern kam e§ bei der Station Elefant Castle zu einem Zusammenstoß zwischen zwei elektrischen Straßenbahnwagen. Sämtliche Insassen beider Wagen wurden verwundet, darunter sieben schwer. Manchester, 16. Juli. Anläßlich einer Kundgebling zu Gunsten des Frauenwahlrechtes griff eine den Bestrebungen feindlich gesinnte Menge die Kundgeber an und drängte diese dem Flusse zu, wobei viele hineinstürzten. Die Polizei rettete die ins Wasser Gefallenen. Frascati, 16. Juli. Gestern ereignete sich hier ein Zusammenstoß zweier Straßenbahnwagen, wobei 33 Personen verletzt wurden. Handel Laurahütte 127.00 . 115.10 Tendenz: geschäftslos. 242.00 125.00 84 50 157.20 143.00 127.50 251.40 Elektriz. Lahmeyer . . Elektriz. Schuckert . . Eschweiler Bergwerk . . 34.20 . 144.20 . 144.50 206.60 231.60 34.40 124.50 . 169.00 . 138.95 . 236 20 . 177.00 . 182.80 . 157.75 . 209.60 Berliner Handelsgcs Darmstädter Bank . Deutsche Bank . Deutsch-Asiat. Bank Diskonto-Kommandit. , Dresdner Bank Kreditaktien . . . , Baltimore- und Ohio- Eisenbahn . Gotthardbahn . . . . Lombard. Eisenbahn . Oesterr. Staatsbahn . . Prince-Henri-Eisenbahn 3^°/( 3^7, . 99.40 . 87.85 . 99.50 . 87 60 . 98.60 16. Juli. Anfangskurse. Harpener Bergwerk. . Laurahütte . . . (ombarden E. B. . . Nordd. Lloyd . . . . Türkenlose . . . . Gelsenkirchen Bergwerk . 220.00 Hamburg-Amerik. Paketf. 157.00 Harpener Bergwerk. . . 206.75 Reichsanleihe do. Konsols do. . . Hessen . . . Oberhessen 3^7, 3% 3^7< Börse, . 158.10 . 138.70 100.65 100.50 95.70 103.90 70.50 70.70 88.90 95.20 95.35 146.90 53.90 91.00 70.00 98.25 4?o Oesterr. Goldrente. . 4’/s % Oesterr. Silberrente 4% Ungar. Goldrente . . 456 Italien. Rente . . . 3% Portugiesen Serie I . 396 Portugiesen .. III 4 Vi °/0 russ.Staatsanl. 1905 4%°'a japan. Staatsanleihe 4 % Conv. Türken von 1903 Türkenlose . . . . . 4% Griech. Monopol-Anl. 4 % äussere Argentinier . 4°/0 Mexikaner . . . . 3>$% Chinesen . . . . Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für und Industrie. Giessen. Frankfurter Börse. 16. Juli, 1.15 Uhr. 231.50 Nordd. Lloyd.....124.50 Oberschics. Eisen-Industrie Aktien: Bochum Guss . . . Buderus E. W . . Tendenz: ruhig. Berliner Canada E. B..... Darmstädter Bank . . Deutsche Bank . . . Dortmunder-Union C. . Dresdner Bank . . . Hotel-Restaurant Kronprinz, Bad-Salzhausen. Billigster, bester Kur- und Sornmeraufenthalt. Profp. Gratis. 3924 für [(mde?1, K^ani^e,@enesenae. Verhütet L’.bsss.^75»Dfnrrncn. . Oni-nVAtarrh, Ausverkauf sämtlicher Waren zn Aufsehen erregend billigen Preisen. Hermann Katz foiäusburg 5. 05101 Geschäfts-Eröffnung. Ter geehrten Einwohnerschaft von Gießen und Umgegend die ergebene Mitteilung, daß ich mich als 05095 Pflaster-Unternehmer hier niedergelassen habe. Langjährige Tätigkeit in diesem Fache setzt mich in den Stand, alle in mein Fach einschlagenden Arbeiten bestens und billigst auszuführen. Desgleichen halte mich zur Ausführung in Groß-, Klein- und Mosaikpflaster bestens empfohlen. Hochachtungsvoll Otto Horn, Neuen Bäue 25. Bekanntmachung. Ju das Handelsregister, Abt. A, wurde eingetragen: a) die Firma Leopold Mayer zu Gießen. Inhaber: Kaufmann Leopold Mayer daselbst, b) als erloschen die ginnen: 1) Deutsche Nähmafchinen-Gesellschaft Eymer ».Kames: 2) C. Kerber; 3) W. Katz, sämtlich zu Gieß eit. c) bezüglich der Firmen: 1) Fabrik patentierter Bau- artikel Emil Horst zu Gießen: Die offene Handelsgesellschaft ist durch das am 1. Juli 1906 erfolgte Ausscheiden des Kaufmamrs Karl Krimmel erloschen. Das Geschäft wird von dem seicherigen Teilhaber Emil Horst, Kaufmann in Gießen, unter Uebernahme von Aktiva und Pass'iva unter der alten Firma weitergeführt. Dem Architekt Ferdinand Noll ist Prokura ertellt. 2) Ehr. Jndcr-- thal zu Gießen: Dem Kaufmann Wilhelm Best zu Gießen ist Prokura ertellt. 3) Gebr. Windecker zu Gießen: Der Kaufmaitn Wilhelm Moehl zu Gießen ist der Firma als Gesellschafter beigetreten und wird das Geschäft unter der alten Firma als offene Handelsgesellschaft mit Beginn am 1. Juli 1906 von Gustav Windecker und Wilhelm ^Moehl weitergeführt. Die Prokura des Wllhelm Moehl ist erloschen. 4) Wilhelm Rühl zu Großeu-Buseck: Das Geschäft ist mit Wirkung vom 1. Januar 1906 auf [den Kaufmann Wilhelm Lorenz Rühl zu Großen-Buseck 'übergegangen und wird unter der alten Firma weiter- Neführt. Die Prokura des Wllhelm Lorenz Rühl ist erlöschen. Gießen, den 11. Juli 1906. B16/7______________Großherzogliches Amtsgericht. Mittmuch Den 18. Juli I. nachmittags 2 Uhr. versteigere ich im Biekerschen Saale, Neustadt 55: L 1 Sofa, 1 Chaiselünguc, 2 Bilder, 1 Faß Deckweiß, 1 Faß Oelgrün, 1 Faß Oker, 1 Laune Leinöl. n. 1 Waschmaschine, 1 Sofa, 3 Stühle, 3DcrtikowS, 1 Spiegel, 1 Herren- Schreibtisch, 1 Tisch, 1 Kleidcrschrank, 1 Mangelmaschine, 1 Fahrrad, 30 Meter Gartenschlauch, 3 Kohlensäureautomaten, 40 Gas- und Wasserhahne, 10 Bierfaß- und Zapfhähne, 1 GlaZschrank, 1 Partie Regen- und Sonnenschirme, Bierkrüge, Stöcke, 36 Damen-Regen- schirme, 1 ov. Tisch, 2 Plüschsessel, 1 Schneider- und 1 Schuhmacher- Nähmaschine, 1 vollst. Bett, 1 Chaisengeschirr, 1 Pferdewagen, 120 komplette Tierbeschtäge, 25 Pack Rosetten (Marke „Ideal"), 100 Pack Schloßfchrauben, 1 große Partie Feilen, 2 Zapfenfraiser mit Ersatz- staiser u. v. a. 4378 Die Versteigerung unter I findet ganz bestimmt statt. ' Geißler, Gerichtsvollzieher. Kunstwerein Die Gemälde - Ausstellung im Turmhaus am Braud ist von heute ab einige Wochen geschlossen. ni ßer Vorstand. Kaiser-Borax ¥ Zum täglichen Gebrauch im Waschwasser. i [S I Das unentbehrlichste Toilettemlttel, verschönert denTelat, *• I macht zarte weisse Hände. Nur echt in roten Cartons zu 10, 20 und 50 Pf. I Tola-Taschent.-ParfUm. in Flacons zu M.l.-u. EL2.G0. K_8pezlalltäten der Firma Heinrich Mack in Ulm a, «Wie erhalten wir üns einen tüchtigen uni) leistnnßMlMen HnnülnngtzeWenW? Im KreiZoerein Gießen vom Verband deutscher Handlungs-Gehilfen Leipzig hält morgen abend 81/, Uhr im Hotel Schütz, Herr Georg Lißke aus Leipzig einen Vortrag über obiges Thema und laden wir unsere Mitglieder und Freunde des Verbandes, msbesondere auch alle Kollegen die noch keinem Verbände angehören, hiermit höfl. ein. ' Wir bitten um rege Beteiligung. v«/7 __Der Vorstand. Couvert; mit Simäls vrüdl'sche Universitäts-Druckerei. Sieben. Versteigerung. Dienstag, den 17. d. Mts., nachmittags 2 Uhr versteigere ich Neustadt 55 dahier gegen Barzahlung: [4379 2 Gasherde, 20 Dutzend GaS- zylinder, 100 Sack Zement, 8 Paar Plüfchpantoffeln, 2 stlb. Etuis und Möbel aller Art. Born, Gerichtsvollzieher Neue 4259 Frühkartoffeln la Wetterauer Ware, gelbe Perle von Erfurt und Frührosen pro Zentner Mk. 3.— inkl.Sack ab hier gegen Nachn. Telephon-Anschl. A. Simon II Echzell tu der Wetterau. l Klavier f E Stimmen < < Reparieren C $ Polieren J Jr in tadelloser Ausführung > g durch [D,/1 I > Wilh. 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Juli 1906, abends 8 [Uhr Sisarteia - Konzert 4385] ausgcsührt von der hiefigen Regimentsmusik. Zohauuis- und Ttachklbceren zu verkaufen. [05029 Grünberger Straße 38. Ein nur wenig gebrauchter Irischer Ofen ist billig abzu- geben. Gartenstr. 19.[4371 RestkanfschilliDg zu kaufen gesucht. Schriitl. Angebote unter 04981 an den Gießener Anzeiger erbeten. 3ii vermieten Bel-Etage mit Veranda u. Mansardenstock, zusammen 7 Zimmer, per 1. Oktober zu verm. [4067 Zu erfragen Nord-Anl. 41, p. I 6 Zimmer [ Henselstraße 8 (Nahe der Uin-- versität) habe ich 3 sehr hübsche 6 - Zimmer ° Wohnungen, der Neuzeit entsprechend eingerichtet, mit Loggia und reichlichem Zubehör per Oktober a. c. zu verm. 3806] Karl Hahn, Löberstr. 17. Wohng. in schön. Lage, Beletage, 6 Zimmer, Badez. und Veranda, neu herger., alsbald zu verm. Näh. Liebigstr. 62, p. [4145 6 Zimmer. [8845 Der unterste Stock meines Hauses auf 1. Oktober od. früher zu verm. Dr. Kübel, Bahnhofstr. 45. Geräumige 6-Zunmerwohnuug in. 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