Nr. 140 Zweites Blatt ISO. Jahrgang Montag 18. Juni 1906 Gießener Anzeiger Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr. L, Tel. Nr. 6L Telegr.-Adr.: Anzeiger Dreße». Rotattonkdruck und Verlag der Vrühlfche» UnwersttälSdruckerei. R. Lange, Dteßeu. Erscheint Kgllch mit Ausnahme des Sonntag«. Die „Hletzener KamUienblätter" werden dem «Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Bekanntmachung. Betr.: Die Feldbereinigung in der Gemarkung Birklar, Kreis Gießen. Ich bringe hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß 64 Grundeigentümer, die mit 285,4277 Hektar Land in der Gemarkung Birklar begütert sind, unterschriftlich die Einleitung der Felddereinigung und die Anlage von Wegen in den Obstbaumstücken der Gemarkung Birklar beantragt haben. Da an diesem Unternehmen im ganzen 313 Grundeigentümer mit 420,5328 Hektar Land beteiligt sind, so ist für das Zustandekommen des beantragten Unternehmens die gesetzlich vorgeschriebene Mehrheit (mehr ivie ein Fünfteil der beteiligten Grundeigentümer, die mehr als die Hälfte der beteiligten Fläche besitzen) vorhanden. DaS Unternehmen ist von der Landeskommission für zulässig erachtet und der Unterzeichnete zum Kommissär nach Art. 11 des Gesetzes vom 28. September 1887 bestellt worden. Der oben erwähnte Antrag nebst einer Zusammenstellung deS Ergebnisses liegt bei Großh. Bürgermeisterei Birklar in der Zeit vom 19. Juni l. I. bis einschließlich 25. Juni l. I. zur Einsicht offen. Einwendungen gegen die Zulässigkeit oder Nechtsbestän- digkeit des Ergebnisses sind binnen 14 Tagen von der Veröffentlichung dieser Bekanntmachiing im Kreisblatt an gerechnet, mittelst schriftlicher Beschwerde bei Großh. Ministerium des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe tn Darmstadt geltend zu machen. Friedberg, den 8. Juni 1906. Ter Großherzoglicye ^cldbereinigungskommissär: I. V.: Dr. Goertz, RegierungSasiessor. Bekanntmachung. Betreffend: Feldbereinigung in der Gemarkung Gießen rechts der Lahn und in dem zugezogenen Heuchelheimer Gemarkungsteil. In der Zeit vom 19. Juni l. IS. bis einschließlich 2. Juli l. Js. liegen auf dem Amtszimmer der Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen folgende Akten zur Einsicht der Beteiligten offen: 1. die topographischen Güterverzeichnisse deS Feldbercini- gungSbezirks. In den topographischen Gütervcrzeich- niffen ist die Wahrung der Rechtsverhältnisse zur Dar- stellung gebracht. (Artikel 25 des Feldbereinigungs- gesetzeS). 2. die Verzeichniffe derjenigen Grundstücke, die infolge der Feldbereinigung an Stelle der verpfändeten alten Grundstücke getreten sind. Einwendungen hiergegen sind bei Meidung deS Ausschlusses innerhalb der oben angegebenen Offenlegungsfrist bei Großh. Bürgermeisterei Gießen schriftlich einzureichen. Friedberg, den 7. Juni 1906. Ter7 Großherzogl. Feldbereinigungsrommissär: I. V.: Dr. Goertz, Regierungsassessor. Bekanntmachung. Betr.; Rauschbrand zu Eberstadt. Der Rauschbrand in dem Gehöft des Gg. Bender II. zu Eberstadt ist erloschen und die Sperrmaßregeln sind aufgehoben. Betr.: Schweinerotlauf zu Lollar. Die Rotlaufseuche unter dem Schweinebesiand des Bäckermeisters Holzapfel zu Lollar ist erloschen und die Sperrmaßregeln sind aufgehoben. Betr.: Bläschenausschlag zu Klein-Linden. Unter dem Rindvieh zu Klein-Linden ist Bläschen- ausschlag festgestellt worden. Gießen, den 16. Juni 1906. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. 93.: Dr. Wörner. Der Kaiser in «Hannover und Kamburg-Sltona. Hamburg, 17. Juni. Der Kaiser hat auf der Fahrt hierher Celle und Lüneburg berührt und dort die bemerkenswerten Kirchen besucht. Hier langte er bei der St. Pauli-LandungSbrücke an imb wurde von den Bürgermeistern Burchard und Stam- mans empfangen. Sodann begab sich der Kaiser an Bord der «Hamburg". Jnl Hause des Direktors der Hamburg. Amerika-Linie v. Grumme nahm er dann an einer Taufe teil. Er sprach auf den Täufling, der den Rufnamen Wilhelm erhalten hat. Der Kaiser hielt heute Morgen um 10 Uhr auf der Hamburg" Gottesdienst ab, an dem die Bürgermeister Burchard und Stammann, der preußische Gesandte Freiherr v. Heyking, Generaldirektor Ballin imb Direktor v. Grumme teilnahmen. Altona, 17. Juni. Heute mittag fand hier Appell der nordwestdeutschcn Gardisten statt. Ueber 3000 Gardisten hatten in einem offenen Vierecks Regimenterweise geordnet, Aufstellung genommen. Kurz vor 12 Uhr erschien der Kaiser im Automobil. Er stieg zu Pferde und ritt die Fronten der Gardisten ab, inbem er ihnen einen «guten Morgen" bot. Der Kaiser hielt hierauf von ber Mitte des Vierecks auS eine Ansprache, welche etwa lautete: Er begrübe die alten Grenadiere unb Füsiliere der Garde, die firb hier zusanunengesunden und von denen viele nod) _ die groye Kaiser Wilhelms I. milcrlcbt. Er danke ihnen, bou sic sich m ß nroüer Menae versammelt haben, um die alten Erinnerungen eins der Gardezeit zu feiern. Er wünsche und erivarte, daß |.e i)ietc Erinnerungen auch in ihre Berusstreise weltertragen imb pflegen; sie möchten dessen immer eingedenk fein, dag sie m ^reue zu Gott unb Vaterland und m Ehrfurcht vor der Religion als christliche deutsche Männer einstehen, wenn es nötig sei, für die Sicherheit des Vaterlandes und die Aufrechterhaltung der Ordnung und der Gesetze. Er begrüße sie noch einmal herzlich. Hierauf marschierten die Gardisten im Parademarsch vor dem Kaiser vorbei. Der Kaiser ließ sich später eine Reihe von alten Kameraden vorstellen und fuhr um 2 */4 Uhr in einem Schimmelviererzug zur Horner Rennbahn. Er sah das Eröffnungsrennen, das Rennen um den großen HansapreiL und das Kaiserin-Auguste-Viktoria-Jagdrennen. Um 4 x/2 Uhr ging er an Bord des Kreuzers «Leipzig" und mit diesem elbabwärtS. Er gedenkt die Fahrt in die See nach Helgoland fortzusetzen.____________________________ Deutsches Aeich. Berlin, 17. Juni. Der Einzug des Kaisers an der Spitze der «Tanzhusaren" in Krefeld am 2. April soll in einem großen Oelgemälde verewigt werden. Die Stadtverordneten bewilligten hierfür 12 000 Mark. Mit der Ausführung wurde der Berliner Maler Karl Röchling, der am Einzugstage in Krefeld weilte, betraut. — Der BundeSrat nahm in der heutigen Sitzung die Ausschußanträge betreffend die AllSfü hru n gs be - stimmungen a) zum Zigarettensteuergesetz, b) zum Brausteilergesetz, c) über die Stempelabgabe von Erlaubniskarten im Kraftfahrzeuge, d) über die Besteuerung der Vergütung von AufsichtSratS Mitgliedern, e) über die Stempelabgabe von Personen- fahrkarten, f) über die Stempelabgabe von Frachturkunden, g) zum Erbschaftssteuergesetz an. Stuttgart, 16. Juni. Die Kammer der Abgeordneten hat daS Landtags Wahlgesetz mit 71 Stimmen gegen eine Stimme bei einer Stimmenthaltung angenommen. Au-Sand. PariZ, 16. Juni. Der Sitteuausschuß hat einen Antrag angenommen, der dahin geht, alle minderjährigen Mädchen unter 18 Jahren, welche einen unsittlichen Lebenswandel führen, in geeignete Institute bis zu ihrer Großjährigkeit oder ihrer vorherigen Verheiratung unterzubringen. — Der „Matin" erhält eine Privatdepesche aus Newyork, nach der Castro entschlossen sein soll, sich zum Kaiser von Venezuela ausrusen zu lassen. Washingto n, 17. Juni. Die Brigadegenerale Barry und Duval und die Hauptleute Traub und Schümm sowie Major Kuhn werden den deutschen Kaisermanövern im Sep- tember beiwolMM. Der Aall Karle vor Den Geschworenen, th. Gießen, 16. Juni. (Schluß.) Karl Roth er-Frankfurt a. M. erklärt, ec liefere seit 15—20 Jahren jährlich an den Angeklagten 15 Waggon Schiefer. Er kaufe nur die beste Ware, zahle pünktlich und habe er nie Differenzen mit ihm gehabt. Dachdeckermeister Heck sagt auS, es sei gang und gäbe, Dachpappe, die 8 Tage lang auf einer Festhalle gelegen, später als neue Dachpappe zu verwenden. Auf Befragen, ob solche Dachpappe nicht eine Wertoerminderung erfahren habe, erklärte Heck, nach seiner Meinung nicht. Agent I. Rosenthal bekundet, daß Carls ihm gegenüber den Vorschlag gemacht habe, er würde die Hälfte der Luhschen Hofreite an Fraii Rothenberger abtreten, damit sie ihr Haus vergrößern und sich eine Durchfahrt schaffen könne. Bei den Verhandlungen war auch die Möglichkeit einer späteren Straßenanlage über den Löwenhof Verhandlungsobjekt. Es kam aber nicht zu dem Geschäft, denn der junge Rothenberger stimmte seine Mutter um, weil das Gelände zu hoch im Preise sei. Das Kaufgeschäft zerschlug sich etwa 10 Tage vor dem Brande. Carle hat früher schon die Vermittlung be§ Zeugen in Anspruch genommen, um sich durch einen Tausch im Besitz der Rothenbergerschen Hofreite zu setzen. Bei einer von dem Zeugen dieserhalb mit der Witwe Rothenberger gepflogenen Rücksprache hierüber, hat diese die Offerte abgelehnt, weil sie in der Stadt eine Konzession für ein Lumpenlager nicht mehr erhalten werde. Oberbürgermeister Mecum legt die Verhältnisse dar, unter denen die Stadt bereit gewesen wäre, einen 13*/z Meter breiten Geländestreifen zwischen der Sparkaffe und dem Schwesternhaus zur Anlage einer Vecbindungsstraße nach dem Innern der Stadt herzugeben. Schon dem Vorbesitzer des «Löwen" wurde bedeutet, daß die Stadt bereit sei, diesen Geländestreifen herzugeben, daß aber der weitere Grund- erroerb Sache der Interessenten sei. Nachdem dec Angeklagte Besitzer des «Löwen" geworden, habe die Stadt denselben Standpunkt eingenommen. Als Carl« nun noch die Thomas'sche und die Luh'sche Besitzung gekauft hatte, habe er ein Projekt vorgelegt zu einer Straße, die das Lumpenmagazin durchschnitt, er hat damals gebeten, ihm bei dem 51 auf von Rothenbergers Hofraite behilflich zu sein, dies sei damals, wie auch später, abgelehnt worden. Später hat die Stadt am Neuenweg hinter den Grundstücken von Schulze, Lüdeking, Sack :c. (letztere liegen am Seltersweg) Ankäufe gemacht. Daraufhin kam Carle und meinte, die Stadt könne hiervon zu einer neuen Straße ohne Entgelt Gelände her- geben. Der Oberbürgermeister wollte aber nichts befürworten, rote die Abtretung bc5 13'/, Meter breiten Streifens an der JohanneSslraße. Am 23. Februar dss. Js., vormittags, kam der Angeklagte auf die Bürgermeisterei und brachte eine blaue Pause mit, die sein letztes Straßenprojekt enthielt. Die Stadtverordneten lehnten c5 ab, weil das Projekt mindestens 180 000—200 000 Mk. gekostet haben würde. Es hätten noch drei Hofreiten dazu erworben werden müffen. Das letzte Projekt war ohne das Lumpenlager Rothenberger durchzuführen, doch wäre dieses on die neue Straße zu liegen gekommen. Der Oberbürgermeister erklärt, daß er am 23. Februar Carls darauf hm- gewiesen hat, auch das neue Straßenprojekt sei unvorteilhaft. Carls habe ihn darauf gebeten, er möge ihm doch helfen, daß er Rothenbergers Haus bekomme, ivas er aber von der Hand gewiesen habe. Der Angeklagte erklärt, er habe am Tage vor dem Brand von einer Erwerbung des Rothenbergerschen Hauses nicht gesprochen, er habe dafür kein Interesse mehr gehabt. Der Zeuge beweist aber an Hand von Notizen, die er über die Unterredung sich gemacht hat, daß Carls ihn um seine Hilfe zur Erlangung der Rothenbergerschen Besitzung angegangen hat. Der Oberbürgermeister teilt weiter mit, wie es mit dem Baugesuch der Frau Rothenberger gegangen sei, durch daS Betreiben Carlss sei cs s. Z. nicht genehmigt worden. ES sei ganz richtig, daß daS Lumpenmagazin in der Mitte der Stadt höchst mißständig sei, aber es sei der Frau ihr gutes Recht, ihr Geschäft, wie es nun einmal bestehe, zu betreiben und es gäbe schwerlich eine gesetzliche Handhabe, dies zu hindern. Die Gebäude der Besitzung seien wertlos, daS Gelände runtx auf 12—15000 Mk. zu bewerten. Auf Befragen erklärt der Zeuge, daß Carls um die Bauerlaubnis zu Hintergebäuden für den Löwenhof erhalten hat.— Architekt Meyer erörtert die von ihm für Carls projektierten Straßenanlagen. Er hat sich vergeblich bemüht, diesen von der Straßenidee abzubringen unb ihm seine Ansicht nicht vorenthalten, daß eine Straße sich zu teuer stelle. Auf Befragen gibt er seiner Ansicht Ausdruck, daß Carls eine aufbrausende Natur habe, in seinem Charakter nicht einwandsfrei sei und keine noble Gesinnung besitze. Rechtsanwalt Dr. Jung richtet an den Zeugen die Frage, womit er dieses abfällige Urteil begründen könne. Herr Meyer erklärt, daß er sich seine Ansicht im Verkehr mit Carls gebildet habe. Ter Glasermeister Luh hat an Carls seine ehemalige Hofreite durch Tausch mit einem anderen Hause am Neuenweg überlassen. Der Angeklagte hat sich dem Zeugen gegenüber häufiger mißfällig über das Lumpenlager geäußert. Luhe kennt den Angeklagten nur als anständigen und kulanten Geschäftsmann. Direktor Loos von der Gewerbebank kennt den Angeklagten schon 15—20 Jahre, er weiß, daß er ein vermögender Mann ist und bei seiner Bank volles Vertrauen und Kredit hat. Carlo besitze ein Vermögen von 80 000 bis 100 000 Mk. Der Zeuge hält die Spekulation des Angeklagten am Neuenweg zwar nicht für sehr glücklich, i£t aber der Ansicht, daß sie ihn nicht ruiniert hätte. Stadtbaumeister Gerbel macht von einer Differenz Mitteilung, welche die Baubehörde mit Carls wegen der Bedachung der höheren Mädchenschule hatte. Es wurde fest- gestellt, .daß Carls minderwertiges Material anwenden wollte. Baurat Becker hatte bei der Dachdeckerarbeit für das Veterinär-Institut eine Differenz mit C. Er wollte alte Dachpappe, die schon einmal Verwendung gefunden hatte, verwenden und es hat viele Mühe gekostet, ihn zu bewegen, anderes Material zur Stelle zu schaffen. Bauinspektor Heuer bestätigt, daß Carls bei einem Bau für den Staat den Versuch gemacht hat, billigere Dachfenster zur Verwendung zu bringen. — Bantechniker Gröde vom städtischen Hochbauamt bekundet, daß Carls behauptet hat, das Rothenbergersche Haus sei baufällig. Eine Untersuchung des Bauwesens habe allerdings ergeben, daß eine Reparatur nötig sei. — Bauunternehmer Abermann und Architekt Rahn haben mit dem Angeklagten geschäftlich häufig zu tun und kleine Differenzen mit ihm gehabt, die gütlich beigelegt wurden. — Challier jun. bestätigt, daß das Lumpenlager eine Kalamität bilde, besonders in der wärmeren Jahreszeit. — Schneidermeister Handrich und Mechaniker Baumann äußern sich ebenso. Stadtverordneter Keller bekundet, daß der Angeklagte wegen seiner Straßenprojekte mit ihm mehrfach gesprochen habe. Er habe schließlich dem Manne den Rat gegeben, das Straßenprojekt aufzugeben und daS Hintergelände zu bebauen, wodurch Carls nach seiner Meinung wenigstens zu seinen Auslage gekommen sein würde. DaS Besitztum der Frau Rothenberger schätzt der Zeuge, ohne den Flächenraum der Liegenschaft zu kennen, auf 30 000 Mk. Makler Samuel Katz hatte vor längerer Zeit von Carläden Auftrag, der Witwe Rothenberger für ihr Anwesen ca. 20000 Mk. zu bieten. Der Zeuge hat auch mit der Frau verhandelt, diese verlangte aber für die Hofreite mehr als das Doppelte, als fein Auftraggeber geboten hat. Aug. Struck hat an Carls seit 18 bis 20 Jahren Schiefer geliefert, er hat stets nur bestes Material gekauft, prompt bezahlt und er habe nie mit demselben Differenzen gehabt. Frau Witwe Rothenberger erklärt, daß in ihrem Hause seit ca. 60 Jahren der Alt- und dec Handel Lumpenhandel betrieben wird. Im Jahre 1904 erfuhr sie erst, daß sie zu ihrem Geschäft im Falle der Verlegung einer Konzession bedürfe oder e§ vor die Stadt verlegen müffe; dies sei aber gleichbedeutend mit der Preisgabe ihrer Existenz. Wenn sie ihre Besitzung am Neuenweg verkaufe, müffe ber Preis den Schaden auSgleichen, den sie unzweifelhaft haben werde. Die Frau erzählt, seitdem Carls den Löwen gekauft hatte, sei sie ihres Daseins nicht froh geworden, cS fei kaum eine Woche vergangen, ohne daß sie von Carls bei der Polizei angezeigt worden fei. Kellner Kraushaar hatte in der Voruntersuchung durch seine Aussage wegen deS tm Jahre 1904 im Löwen vorgekommenen DrandeS Bekundungen gemacht, die den Angeklagten auch wegen dieses FeucrS stark belasteten. Kraushaar hielt jedoch seine Bekundung nicht aufrecht. In der Nachmittagssitzung wird der Zeuge vom Staatsanwalt Hoos gefragt, ob er von der Ehefrau Carls nicht auf der Straße gestellt worden fei. Der Zeuge gibt dies zu und erklärt, Frau Carls habe sich dabei erkundigt, ob er zur Verhandlung geladen sei, sonst würde sie ihn laden lassen. Weiter sei aber nichts gesprochen worden. Architekt Huhn hat dem Angeklagten 1903 Projekte zur Verwertung des Hintcrgeländcs vom Löwenhof ausgearbeitct. Er hatte Carle geraten, sechs bis sieben kleine Häuser so zu erbauen, daß sie vielleicht später an eine neue Straße zu liegen kämen. Das Thomas'sche und Luh'sche Grundstück ivar, als der Zeuge den Vorschlaa machte, noch nicht in Carles Betz. Zeuge Huhn erklärt, Carle sei ein leicht erregbarer Mensch, mit dem man doch gut auskommen könne. Agent Schaum berg er hat vor drei Jahren mit Carlä wegen der Rothenbcrgcr'schcn Hofreite verhandelt, er wollte damals 30 000 Mk. geben. Später zeigte Carlö für das Objekt weniger Kauflust. Dem Zeugen Nassauer wr^-den die als BelastungS- nmierial vorliegenden Zündhölzer vorgclegt. Er erklärt: Streichhölzer werden hcrgestcflt mit gelben, blauen, braunen und schwarzen Köpfen, auch die Schachteln finb verschieden etikettiert. Der Zeuge ist der Ansicht, daß man solche, wie die vorliegenden Zündhölzer in verschiedenen Geschäften der Stadt kaufen könne. Papiechändler Wilh. Ockel ist der Ansicht, daß mnn das bei Carls erhobene Papier in jedem Geschäft kaufen könne. — Sachverständiger Dr. Popp richtet an Ockel die Frage, ob er wisie, wie die Liniatur onf dem Papier her- gestellt sei. Der Zeuge gibt gn, daß er darüber nicht Bescheid weiß. Kaufmann Konrad Schmidt bekundet, daß er der 'Hhv sicht sei, daS in der Carlaschen Wohiiung erhobene Garn sei in den verschiedensten Geschäften Ku kaufen. — Schutzmann Seitz ivar am Brandtage vormittags gegen 9 Uhr auf dem früher Luh-Thomasschen Gelände; er hat altes Bauholz aukgeladcn, Has hinter her in Frage kommenden Werkstätte aufgestapelt Mar. Es seien außer ihm noch Leute gekommen, melche wegen Lbbruchsmaterial mit Carle verhandelt haben. Er will nichts Verdächtiges bemerkt haben, in die Werkstötte hineinsehen konnte er nacht. Verteidiger Dr. Jung verzichtet hieo-auf auf eine Reihe von Zeugen. Zeuge Pfeffer erklärt nv.f Veranlassung Dr. Popps, daß er mit der größten Vorsicht zwischen dem Lnnrpen- magazin und der Wcrkstätte das Mauerwerk ausbrechen ließ, um den Zwischenraum zu eilrcitern. Man wollte sehen, ob sich dort Spuren der Tat finden würden. Man sand dabei das Kuvert mit der Carleschen 'Adresse und eine Anzahl Streichhölzer, an denen nur der Zündstoff abgebrannt war. Bei dem Ausbrechen des Mauerwerks suchte man mit Streichhölzern in den Zwischenraum hineinzuleuchten, doch kam aus dem vorhändeyen Spalt ein Luftzug, sodaß jedesmal zwar die Zündmasse Feuer fing und ab- brannte, aber das Hotz kein Feuer fangen wollte. — Es wird daraus aus den Mten u. a. festgestellt, daß Carle wiederholt Eingaben an das Kreisami gerichtet hat, um das Neubaugesuch eines Vorderhauses der Witwe Rothenberger zu Hintertreiben. — Hierauf nimmt der Sachverständige, Gerichtschemiker Dr. Popp das Wort zu seinem Gutachten. Die auf der Brandstelle erhobenen Beweisstücke zeigen, daß bei der Brandstiftung mit Petroleum gearbeitet worden sei. Tie erhobenen drei Holzstücke, die angebrannt -gewesen seien, enthielten deutliche Spüren davon, um die Stäbe Maren Papierhülsen gewickelt, die in einem Falle mit einem starken Faden, vermutlich Häkelgarn, festgebunden waren. Zlndere Hülsen waren mit einem dünneren Zwirn zusammengehalten. In der Wohnung Carles sind zwei Sorten Fäden beschlagnahmt worden, die mit den bei der Brandstiftung verwerteten beiden Sorten in Stärke und Art genau üb'ereinstimmen. Eine der Hülsen ist aus Konzeptpainer, das mit Liniatur versehen ist, hergestellt. Er müsse sagen, es sei richtig, daß man die beiden Sorten Nahfäden sowohl wie die Zündhölzer verschiedentlich in Geschäften kaufen könne, immerhin aber könne es doch sicher nicht bloßer Zufall sein, daß die zu der Brandstiftung verwendeten Zündhölzer übercinstimmen mit Zündhölzern, die an zwei verschiedenen Orten für den Mgeklagten zu haben waren, und daß dies Orte sind, an denen Carls am Tage der Tat aufgehalten hat. ’iMhid) die Fäden kann man überall kaufen, ebenso das Papier, aber diese Stimmigkeit beider Fäden und der Liniatur bei dem Papier der Ueberfähr- nngsstücke von der Brandstelle mit dein in der Carleschen Wohnung könne nicht bloßer Zufall sein. Hierzu lomme noch bei den Zündhölze-m, daß die in Carles Tasche gefundenen drei Streichhölzer, von denen das eine Spuren von Petroleum zeigt, unmöglich von Carle zum Zigarrenanzünden gebraucht Morden sein können, denn bei allen drei Streichhölzern ist nur die Zündmasse abgebrannt, ohne daß das Holz von dem Feuer ergriffen Morden ist. Mehrere der auf der Tatstelle erhobenen Streichhölzer zeigen genau dasselbe Bild. Ferner stimmen die in Carles Tasche gefundenen Hölzer in der chemischen Zusammensetzung der Zündmasse, der Form und Qualität des Holzes überein mit den auf der Brandstelle benutzten Streichhölzern. Die an den verschiedenen Gegenständen der auf der Brandstelle erhobenen Ueberführungsstücke zeigen Fingerabdrücke, die aber nicht so vollständig sind, daß Man daraus mit Sicherheit feststellen kann, ob die 'Albdrücke von dem Angeklagten herrühren, wenn auch eine mehrfach ab gedrückte langgestreckte Spirale sich am Ringfinger der Carleschen Hand nachweisen läßt. Der Sa'chverständige verweist dann noch auf das Briefkuvert, das Carles' Namen trägt, zusammengerollt und teilweise verbrannt aM Tatort gefunden worden ist. An Carlss Kleidern fand sich ein Petroleumsleck, der aber auch von dem vom Angeklagten behaupteten Schmieren des Fahrrades am Tage des Brandes herrühren farm., Dr. Popp resümiert, daß 13 Uebereinstimm- nngen bei seinen Untersuchungen festgeftellt sind, die man als belastend für Carls mmehmen kann, daß er aber nach dem von ihm geprüften Material aus der Summe seiner Untersuchung nicht sagen kann, aus dieser allein sei die Schuld des Angeklagten nachzuweisen. Es sei Sache der Richter in Verbindung mit den anderen Tatsachen der Beweisaufnahmeee die richtigen Schlüsse zu ziehen. Am Samsfag Morgen wurde an die Geschworenen die Schuldfrage gestellt: Ob Carls den Versuch der vor- Schuld frage gestellt: Ob Carls den Versuch der vorsätzlichen Brandstiftung des Rothenbergerschen Lumpenlagerhauses begangen hat. Staatsanwalt Loos erörterte in 1 Vsstündiger Rede, daß ein so erdrückender Indizienbeweis für die Schuld eine? Brandstifters wie im vorliegenden Falle Wohl selten geführt werden könne. Tas Motiv der Tat fei klar und deutlich in der Beweisaufnahme zutage getreten. Ter Ankläger reiht Glied an Glied in der Kette der Beweise, um darzutun, daß nur allein der Angeklagte der Täter gewesen ist und gewesen sein kann. — Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Jung, sucht in längerer Ausführung zu beweisen, daß nicht nur "sein Klient, sondern alle Bewohner der Gegend, ja die ganze Stadt Gießen ein Jnreresse an der Entfernung des Lumpenlagers der Witwe Rothenberger hatten. Es sei nicht erwiesen, daß Carls die Tai begangen habe. Nach IH4stündiger Beratung wird der Spruch der Geschworenen verkündet, der auf s ch u ldi g der versuchten Brandstiftung lautet. Ter Gerichtshvf verurteilte darauf dem Mittage des Staatsanwalts gemäß den Angeklagten zu 2 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust. Das Strafmaß wird damit gerechtfertigt, daß der Angeklagte höchst gewalttätig das schwere Verbrechen begangen habe seines Vorteils wegen. 'SLußerdem habe der Angeklagte eine ehrlose Gesinnung an den Tag gelegt. Carls hatte, ehe die Geschworenen sich zur Beratung zurückzogen, erklärt, daß sie ihn im Falle der Bejahung der Schuldfrage zum Tode verurteilen würden. 'Als der Staatsanwalt das Strafmaß beantragt hatte, erhielt Carls vom Vorsitzenden das letzte Wort. Der Angeklagte erklärte dem Gerichtshof: Machen Sie mit mir, was Sie wollen. Die Verhandlung war erst um 4 Uhr nachmittags beendet._________________________ Aus Stadt uno LuuS. Gießen, den 18. Juni. * * In Audienz empfangen wurde am Samstag von S. K. H. dem Großherzog u. a. Oberlehrer Strecker von Bad-Nauheim. * * Dieb stahl. Gestern morgen wurden zwei junge Burschen in einer Gärtnerei am Schiffenbergerweg beim Rosendiebstahl abgefaßt und der Polizei zugeführt. Die Burschen verkaufen die Rosen gewöhnlich auf dem Wege des Haussierhan.dels in den Wirtschaften. * * Unfug. Ain Freibad an der Lahn wurde gestern Nachmittag allerlei Unfug getrieben. Die Thüre wurde aufgerissen und der Raum erheblich verunreinigt. R. B. Lich, 18. Juni. Heute nachmittag kehrt S. K. H. der Groß Herzog im Automobil von hier wieder nach Jagdschloß WolfZgarten zurück. t. Langgöns, 18. Juni. Der Verband der oberhessischen Posaunenchöre in der Stärke von etwa 190 Stimmen wird am 29. Juli in Langgöns zu gemein- samen Musikaufführungen zusammentreten. Vorgeschrieben für den gemeinsamen Vortrag sind: Preis und Anbetung sei unserm Gott (von Rink).; Seht er kommt mit Preis gekrönt; mit’ Siegesmarsch, au? Judas Makkabäus. Siehe das ist Gottes Lamm (von PrätoriuS). O Jesu meine Sonne. Nun danket alle Gott. O daß ich tausend Zungen hätte. Großer Gott wir loben Dich. ** Kleine Mitteilungen e n s' Hessen und den N a cb b a r st a a t e n. In Hanau beschlossen die Stadtoerordneten, den Magistrat zu ersticken, den ständigen städtischen Ar° b e i t e r n jährlich einen Urlaub ah bewilligen. Vermischter. * Eine fürchterliche Eisenbahnkatastrophe in Ostasien. Aus Wladiwostok meldet vom 16. Juni die Petersb. Telegr.-Ag.: Bei der Station Pogranitschnaja der chinesischen Ostbahn ist ein Versoncnzug entgleist: ungefähr 100 P e r s 0 n e n sind teils getötet, teils verletzt worden.. * Ein neuer Sch lamm- und Steinstrom hat im Vesuvtale großer Schaden angerichtet. Er war besonders heftig in der Gegend von Santo Spirito. In der Provinz Bari gingen große Regengüsse nieder, sodaß die meisten Flüsse aus ihren Ufern traten. Das Wasser drang in viele Wohnhäuser und es gelang den Bewohner nur mit großer Mühe sich zu retten._____________________ Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Bora «sichtliche Witterung in Hessen für Dienstag, den 19. Juni 1906: Zunächst Aufheiterung und meist trocken. Dann ani Nachmittag stärkere Trübung und Gewitterregen. Warm. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. In dem russischen Kkrenkesiet brodelt es zurzeit mieber ganz unheimlich und e5 bedarf nur noch eines kleinen Anstoßes, daß die kochende Maste über- schäunlt. Immer mehr spitzt sich der innere Konflikt zu und es bat den Anschein, als ob die Dinge sich jetzt auf de§ Mesters Schneide befänden. So oder so, eine Entscheidung muß' eintreten, denn in der bisherigen Weise kann es unmöglich weiter gehen. lieber die Judenhehen in Bjelostok verlautet, daß ernste Zusammenstöße mit dem Militär stattfanden. Auf offener Straße liegen viele Tote und Verwundete. Es wurde mit Revolvern und Mestern gekämpft. Die verrohte Menge war nicht zu halten. Viele Unschuldige wurden ermordet. Militär feuerte rücksichtslos auf die rasende Menge. Ein Komnluniguö der Regierung schildert die Vorgänge folgendermaßen: Am 14. ds. wurden während einer Prozession der Orthodoren mehrere Schüsse auf dieselbe abgegeben. Drei Frauen und zwei Kinder wurden getötet, mehrere Personen verletzt. Dann wurden auf dem Basarplatze zwei Bomben geworfen, ohne daß Menschen zu Schaden gekommen sind. Alsbald brachen Un- nihen in der Stadt aus, die den ganzen Tag andauerten. Es fani zu blutigen Zusammenstößen zwischen Juden und Christen. Ein Volkshaufe begann die Läden der Inden zu plündern, Truppen wurden zur Unterstützung der Polizei herangezogen, wurden aber durch Schüsse empfangen, die von den oberen Stockwerken, Dachkammern und Dächern der Häuser her abgegeben wurden. Die Truppen erwiderten mit Gewehrfeuer. Um 7 Uhr abends war im allgemeinen die Ruhe wieder hergellellt, aber einzelne Gewehrschüße und vereinzelte Gewalttätigkeiten kamen noch bis zum andern Vormittag vor. In dieser Zeit begannen die Unruhen und die Zusammenstöße zwischen Juden und Christen neuerdings. Mehrere Leute, die sich auf dem Boden eines Hauses gegenüber dem Gebäude der Polizeiverwaltung aufgestellt hatten, schosten von dort aus auf das Polizei- verwaltungSgebäude, ohne jemand zu verletzen. Wie am Abend vorder wurde auf die Truppen gefeuert. Die Plünderung der Läden der Juden hat aufgehört, die Ordnung ist wieder hergestellt. Die Zahl der Getöteten ist noch nicht genau festgestellt, aber es wird angenommen, daß mehrere Dutzend Menschen umgekommen sind. Privatnachrichten zufolge sollen über 600 Personen getötet und verwundet worden sein. Mehr als zweihundert Magazine und Wohnungen wurden demoliert und ausgeraubt. 6000 Juden flüchteten in die nächsten Wälder. Diejenigen, die sich auf deu Bahnhof retten wollten, wurden unbarmherzig niedergemacht. Eine hohe russische Persönlichkeit hat einem französ. Presse-Vertreter erklärt, nach seiner Ansicht habe nicht ein Jude, sondern ein Spitzel der Polizei die Bomben verfertigt und auf die Prozession geworfen. Schon vor einem Jahre sei von der Polizei und dem Militär ein Blutbad unter den Juden Bjelosto''s organisiert worden. Das diesmalige Blutbad sei die Rache für das Attentat der Revolutionäre auf den Polizeipräfekten. Im vorigen Jahre sei c9 nicht gelungen, die Bevölkerung in genügender Weife aufzuhetzen, weil Bjelostok eine Industriestadt und sozialistisch sei. Diesmal aber habe die Polizei besser gearbeitet, indem sie daS Volk in seinen religiösen Gefühlen verletzt habe. In einem dem Berliner Hilfsverein der deutschen Juden zugegangenen Telegramm heißt es: Höhere Zollbeamte erzählen, sie hätten selbst gesehen, wie Polizeibeamte den Mordbanden vorangingen. Die Christen waren vorher gewarnt und ausgefordert worden, in ihre Fenster Heiligenbilder zu stellen. Russische Offiziere teilen mit, die Pro- zession-Imenge habe Feuerwerk explodieren lassen, was die Polizei als Signal zu einer Metzelei benutzte. Durchreisende wurden wiederholt au§ dem Zuge herausgeschleppt und in Gegenwart der Gendarmen und Soldaten totgeschlagen. Juden wurden aus Bjelosiock nicht herausgelassen. Märkte. f<*. Frankfurt a. M.» 18. Juni. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") Amtliche Notiertinaen der heutiaen Fruchtmcrrktpreife. Weizen Mk. 19.00—00.00, Kurhessischer Mk. 19.00—00.00, La Vlata Mk. 19.50—20.50, Kansas Mk. 19.25—20.25, Roggen (hiesiger) Mk. 17.25 —17.50, berste (Wetterauerl Mk. 17.25—17.75, Nranken- kelder Mk. 17.75—18.25, Hafer 17.00—18.25, Mais Mk. 13.25—13.50, Weizenmehl 27.00—28.00, M. 00—00, 2. Qualität Mk. 25.00 bis Mk. 26.00, 3. Qualität Mk. 23.00—23.50, Noggenmehl 0 Mk. 2^.50—25.00,1. Qualität Mk. 22.50—23.00, Weizenklcie Mk. 10.50 bis Mk. 10.75, Roggenkleie Mk. 11.25—11.50, Maiskeime Mk. 12.00 bis Mk. 12.50, Franken, Pfälzer, Ried Mk. 17.25—18.25. Alles per 100 Kg. ab hier. t>. Frankfurt a. M., 18. Juni. (Telegr. Oriq.-Bericht des „Gieß. Anz/si. Amtl. Notierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe ftanben: 609 Ochsen, 175 ans Oestreich, 71 Bullen, 1 aus Oesterreich, 0 aus Dänemark, 983 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 00 aus Dänemark, 251 Kälber, 281 Schafe und Hämmel, 1355 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schallämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 78—80 Mk., 2. Qual 71—73 Mk., 3. Qual. 63—66Mk.; Bullen l.Qual. 70 bis 72 Mk., 2. Qual. 68—69 Mk.; Kühe 1. Qual. 72—74 Mk., 2. Qual. 69—70 Mk., 3. Qual. 52-54 Mk, 4. Qual. 00—00 Mk., 5. Qual. 00—00Mk. Kälber: 1. Qual. 96—100Pfg., Lebendgewicht 57—60 Pf., 2. Qual. 86—93 Psg., Lebendgewicht 52—55 Pfg., 3. Qual. 00-00 Pfg., Schlachtgewicht 65—70 Pfg., Schafe: l.Qual. 78-80, 2. Qual. 00—00 Psg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 72—74 Psg., Lebdgew. 57.50—00.00 Pfg., 2. Qu. 72-00 Pfg., Lebend- gew. 56.00—00 Pfg., 3. Qual. 65—67 Pfg. Lebendgeiv. 00 Pfg. Geschäft: bei Hornvieh gut, Neberstand erheblich, bei Kleinvieh gut, keinlleberstand.__ Orrgrsial-Drahtmeldlirrgeir. ke W i l h e l m s h ö h e, 18. Juni. Heute früh ließ sich vom Frankfurt — Hamburger Schnellzug ein nicht weiter bekanntes Liebespaar überfahren. Berlin, 18. Juni. Die Zerwürfnisse innerhalb der Organisation der Berliner Metallarbeiter haben zur Begründung eines neuen deutschen Metallarbeiter-Verbands geführt, womit die Spaltung in dieser stärksten Gewerkschaft perfekt getoorbert ist. In der konstituierenden Versammlung wurde beanltragt, der neue Verband möge aus seinen Statuten die UnterstützungS-Paragraphen ausscheiden, um nicht als Unterstützungs-Verband, sondern als reine K a m pfes-O r g a n i sa ti 0n nach dem Muster der lokalen Gewerkschaften auf;uitreten. Dieser Antrag wurde aber abgelehnt. Der wesentlichste Unterschied des neuen Verbandes vom alten ist der, daß er niclft unter allen Umständen für den Mschluß kollektivistischer Arbeitsv er träge ist, sondern nur dort, wo dies für die Arbeiterschaft günstig ist. Hamburg. 18. Juni. Der große Hansa-Preis, der gestern auf der H 0 r n e r R c n n b a h n in Gegenwart des K a i - s e r zum Austtag kam, wurde ümr Weinbergs Festino gewonnen. Da-s Auguste Viktoria Jagdrennen gewann Herr M. Lücke mit Rautendelein. Wien, 16. Jimi. Eine sehr zohlreich besuchte sozialdemokratische Versammlung mit der Tagesordnung „E n 1 s ch e i d u n g s - kamvf für die Wahlreforrx" nahm, nachdem die meisten sozialdemokratischen Abgeordneten das Wort ergriffen hatten, eine Resolution an, melche erklatt, das arbeitende Volk erwarte ungeduldig die gesetzliche Festlegung des allgemeinen Wahlrechts, und es werde der Verschleppung desselbeic mit einem Kampfe begegnen, dessen erster Schritt ein dreitägiger Massenausstand in Wien sein werde. Bjelostok, 17. Juni. Die Ruhe ist heute »nieder hergestellt, obwohl fast die ganze Nacht hindurch Revolverschüffe fielen. Reisende, auch Juden, werden wieder in die Stadt zugelaffen. General Bach ist zum Militärgouverneur ernannt toorben. Bei Kladnua wurde heute ein nach Kalisch fahrender Postwagen von Straßenräubern überfallen. Der Postillion und zwei als Schutzwache beigegebene Soldaten wurden getötet, die Wert- sachen wurden geraubt. Telefonische des Giessener Anzeigers, mitg und Indnst Frankfurter BÖ 3J-ae/0 Reichsanleihe . . 99.60 3% do. . . 87.40 3>£°/o Konsols .... 99.50 3% do..... 87 45 3X% Hessen.....99.20 3^°/o Oberhessen . . . —.— 4% Oesterr. Goldrente. . 100.50 4l/8?< Oesterr. Silberrente 100.60 4 % Ungar. Goldrente . . 95.60 4% Italien. Rente . . . 104,90 3% Portugiesen Serie I . 69.80 3% Portugiesen „ III 70.25 4%°(0 russ.Staatsanl. 1905 88.40 4japan. Staatsanleihe 94.95 4?z Conv. Türken von 1903 95.90 Türkenlose......143.80 4% Griech. Monopol-Anl. 53.70 4% äussere Argentinier . 90.50 3°/0 Mexikaner .... 70.60 4^°/o Chinesen .... 97.50 Aktien: Bochum Guss..... 250.60 Buderus E. W . ... 129.30 Tendenz: lustlos. Berliner Börse, 1 Canada E. B......159.30 Darmstädter Bank . . . 139.40 Deutsche Bank .... 235.60 Dortmunder-Union C. . . 83.50 Dresdner Bank .... 158.20 Tendenz: lustlos. Kursberichte teilt von der Bank für Handel ie. Giessen. rse, 18. Juni, 1.15 Uhr. 1 Elektriz. Lahmeyer . . . 149.50 Elektriz. Schlickert . . . 130.75 Eschweiler Bergwerk . . 262.80 Gelsenkirchen Bergwerk . 219.00 Hamburg - Amerik. Paketf. 160 20 Harpener Bergwerk. . . 215 90 Lanrahtitte...... 240.90 Nordd. Lloyd.....126.70 Oberschles. Eisen-Industrie 129.00 Berliner Handelsges . . 171.40 Darmstädter Bank . . . 139 00 Deutsche Bank . . . 235.30 Deutsch-Asiat. Bank . . 186.60 Diskonto-Kommandit. . . 183.00 Dresdner Bank . . . 157.90 Kreditaktien..... 209.00 Baltimore- und Ohio- Eisentahn . . . 113.10 Gotthard bahn.....— Lombard. Eisenbahn . . 33.70 Oesterr. Staatsbahn . . . 144.90 Prince-Henri-Eisenbahn . 151.90 3. Juni. Anfangskurse. Harpener Bergwerk. . . 215.60 Lanrahtitte ..... 240.40 Lombarden E. B. ... —•— Nordd. Lloyd.....126.30 Türkenlose . .... 144.20 niLUCWdlll LD llällf Uliy —————— für Kinder, Kranke,Genesende. Verhütet u.beseitigt ^Diarrhoe, Brechdurchfall, Darmkatarrn. | außer. blM 0 ° Woche. Aotatio'^ & druckerel. öiedaktioK und \ Lch-uH Redaktion Verlag"-? OreßeM klnzeiS" iß sreiL ihn harte vermocht lichen Sa d trankh fimben h freie A und ist ■ Der- des ©tut der llntci achten ko des Ang geschek bessert man sein bemüht und einer C'. Er spre^ die gegc wahnh erheblich abgeordr den schw Beeinträ überschäs Detuktioi eine solc nicht er! 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