M General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen war nicht unter den friedlichen.Bevölkerung imer ist jederzeit ohne r. Mit der russischen Revolution be> aus und öasse iß Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schoi UntversitätSdruckeret. R. Lang«, «Ließ«. Redaktion, Expedition «.Druckerei: Schulst^«, Tel. Nr. 6L Telegr.»Adr.: Anzeiger Gieße«. Zum Tode des Prinzen Albrecht. Camcnz, 16. Sept. Heute fand zum Gedächtnis des Prinzen Albrecht in der Hofkirche Trauergottesdienst für die evangelische Gemeinde statt. Nach dem Chor: „Selig sind die Toten", dem Gemeindegesang und der vom Vikar Beyer gehaltenen lithurgischen Andacht sprach Pfarrer von Tresckow über Matth. Kap. 10, Vers 32 (Wer rnich bekennt vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater). Die Ueberführung dec Leiche in die Hofkirche fand heute abend statt. Braunschweig, 15. Sept. Dec Negentschaftsrat für das Herzogtunl Braunschweig hat die braunschweigische Landesversammlung auf den 21. September zu einer außerordentlichen Tagung einberufen, in dec über die Thron folge- rage Beschluß gefaßt werden soll. Hiesigen Blättern zufolge hat Prinz Albrecht dreioiertel Millionen Mark für Legate unb wohltätige Stiftungen hinterlassen. Darmstadt, 15. Sept. In Vertretung S. K. H. des Großherzogs wird sich, der „Darmst. Ztg." zufolge, Oberhof- luarschall General Westerwelec zur Beisetzung des Prinzen Albrecht nach Camenz begeben. Heer und Flotte. Liegnitz, 17. Sept. Der beim Kaiser-Manöver auf Veranlassung des Majors Brose vom großen Generalstab von der Berliner politischen Polizei wegen Verdachts der Spionage verhaftete ehemalige ößrelchische Oberleutnant Part B a r l m a n n wurde im Fcbrauar 1897 vom Wiener Landesgericht wegen Spionage zu 5 Jahren schweren Kerker verurteilt. Gr sind damals in Diensten Rußtailds. Nach Verbüßung der Strafe richtete Bartmann einen Erpresserbrief an _ den Chef des öflreiastschcn Generalstabes, wofür er B1^ Jahre schweren Kerker erhielt. Vor kurzem erst war er aus der Haft entlassen worden. Ausland. Loudon, 15. Sept. Dec „Daily Telegraph" meldet Tokio, die Japaner beabsichtigten in Petersburg in Deutschland Handels museen einzurichten und neuen Beweis der Freundschaft, der von Frankreich lebhaft empfunden werden wird." Fallißrcs bemerkte ferner, daß auch der König von Italien und der König von Spanien Kriegsschiffe nach Marseille entsandt hätten. Niailand, 15. Sept. Heute wurde hier der Internationale Kongreß der FriedenSvereine eröffnet. Der amerikanische Vertreter verlas folgende Depesche des Präsidenten Roosevelt: Als Dolmetscher der Bestrebllngen des amerikanischen Volkes, daß die Sache des Friedens unter den Nationen obliegen möge, und indem ich den Wunsch und die volle Zuversicht meiner Mil- biivgcv teile daß die Arbeiten der Koiüerenz für den Frieden einen neuen Schritt vorwärts zur Verwirklichung der Ziele der Amvälte des allgememen Friedens bebeiucn, beglückwünsche ich den Kongreß und sende ihm meine besten Wünsche. Newyork, 16.Sept. Frau Longwood, die Tochter des Präsidenten Roosevelt, welche sich nach Colombo im Staate Ohio begeben hatte, um dort der Enthüllung eines Denkmals für Mac Kinley beizuivohnen, wurde von Weibern angegriffen, ivclche ihr die Kleider zerrissen und sie beschimpften. Frau Longwood mußte in einen Laden flüchten, bls Polizei eintraf und sie aus ihrer mißlichen Lage befreite. — Roosevelt empfing die deutschen Pacht- Sport s l e u t e und erklärte, die Wettfahrten hätten die freund- schaftlichen Bande zivischen Amerika und Deutschland fester geknüpft. Nach dem Lunch überreichte Herr Weizmann dem Präsidenten Roosevelt persönliche Schreiben Kaiser Wilhelms und des Prinzen Heinrich, worauf Roosevelt Herrn Weizmann in ähnlicher Weise beauftragte. In Oysterbay überreichte heute Roosevelt dem Besitzer der siegreichen Pacht „Vim" den Roosevelt-Becher und erwähnte dabei, daß die Sporttätigkeit der Deutschen, die im Wettkampfe ehrenvoll unterlegen seien und die höchste Probe bestanden hätten, belohnt sei, indem eine deutsche Pacht ein Rennen gewann. Weit höher als das Rennen und der Gewinn des Bechers sei für Deutschland und Amerika zu bewerten, daß durch die Sporttätigkeit in zwei Ländern ein brüderliches Gefühl entwickelt werde, das für die Wohlfahrt beider höchst wünschenswert sei. Bei dem auf die Preisverteilung folgenden Frühstück brachte Präsident Roosevelt einen Trin kspruch auf Kais er Wilhelm, der deutsche Marineattache, Fregattenkapitän Hebbinghaus, einen Trinkspruch auf Roosevelt aus. Sofia, 16. Sept. Die Meldungen von einem Ueber- fall und Massakre von Smilewo steigern die hier herrschende Aufregung gegen die Griechen. Dazu kommt noch die Nachricht, daß türkische Truppen da§ bulgarische Dorf Rodewo im Bezirk Moden geplündert und mehrere Einwohner getötet haben. Smilewo, ein Dorf von 400 Häusern, wurde während des mazedonischen Aufstandes bekannt, als es durch tückische Artillerie zerstört wurde. Kaum teilweise ivieder angesiedelt, wurde es neuerdings niedergebrannt. Offizielle Berichte sprechen von 40 ermordeten Frauen und Kindern. Dio griechische, mit Baschlbozuks vermischte Bande war 200 Köpfe stark. Berlin, 16. Sept, faßte sich gestern abend liberalen Bereiins. nommen, in der „d.ie Are Lage in Außtand. General Trepow ch. Wir erhielten am Samstag in später Abendstunde folgendes Telegramm: Petersburg, 15. Sept. General Tr e p o w ist heute nachmittag an einem Schlaganfall gestorben. Er war bereits langer ernstlich erkrankt. Spätere Nachrichten lauteten: Petersburg, 16. Sept. Ter Tod Trepoivs erfolgte gestern abend 6 Uhr. Es zirkuliert jetzt die Version, er habe einen B l u t« st uz erlitten, als er sich zur Tafel begeben wollte ; ferner zirkuliert ein Gerücht, wonach Trepow an Gift gestorben sei, welches ihm seine Dienerschaft beigebracht habe. Verhaftet seien em Koch und ein K a m m erd i.e n e r. Als mitlelbare Ursache des Todes wird amtlich angina pectoris angegeben, an der der General in letzter Zeit litt. Angina pectoris nennt der Arzt Angstanfälle, die auf Krankheiten des Herzens oder seiner Nerven beruhen. Vor einiger Zeit kam die Meldung aus Petersburg, daß Trcpoiv nicht unbedenklich erkrankt sei und beabsichtige, ein deutsches Bad zu seiner Erholung aufzusuchen. Von einer Verschlmimerung seines Leidens war seitdem nichts in die Oeffentlichkcit gedrungen, und so wirkt die Kunde von dem plötzlichen Tod des Mannes wie eine völlige Ueberraschung. D. F. Trepow, ein Sohn des verstorbenen Petersburger Ober-Polizeimeisters General-Adjutanten Trcpoiv, war 1855 geboren. Nach Absolvierung des Pagenkorps trat er als Kornett in das Leib-Garde-Regiment zu Pferde, mit dem er 1877 am Türkenkriege beim Korps General Gurkos sowie am Kavalleriekampf bei Telisch teilnahm. Nach dem Fcldzuge setzte er seinen Dienst am Leib-Garde-Regunent zu Pferde fort. 1895 wurde ec Oberst, im folgenden Jahre stellvertretender Moskauer Ober-Polizcirneister, 1900 General-Major; gleichzellig erfolgte auch seine Bestätigung im Amte eines Ober-Polizeimeisters. 1905 wurde der Posten eines Moskauer Ober-Polizeimeisters aufgehoben undTrepow Generalgouverneur von Petersburg. Von diesem Posten wurde er Anfang No- vember desselben Jahres enthoben und zum Palastkomman- danten in Peterhof ernannt. Der Zar ans der Jagd. Das offiziöse schwedische Telegraphenbureau meldet üom 16., daß der Kaiser von Rußland nut Gefolge am 15. auf den Kalfholman zur Jagd an Land gegangen ist. Der Kaiser verteilte Geldgeschenke unter den Einwohnern von Kes- kisani. Der Kaiser und die Kaiserin sind noch nicht auf dem Fe st lau de gewesen. Der Gouverneur in Wiborg v. Rechenberg ist in Björkoe anwesend, wo der Besuch des Kaisers erwartet wird. Im Björkoesund lagen die russischen eine Versammlung des sozial- Es wurde eine Resolution ange- , . versammelten Bürgerinnen und Bürger Berlins ihren Ab scheu vor den Untaten aus- drüaen, die in Rußland, einem Staate, der sich christlich und zivilisiert nennt, unter Duldung dec Regierung gegen Redliche Männer und Frauen und gegen Kinder verübt werden." Roth in Giessen, ichtimgm Wie's klingt am W' Mundartliche GM!r auS der hessischen M von Skard driegleb trete M1. — üeinenb. M. 1.60 cMflätttjt e”! Meran Gedicht in Westerauer Mundmi von Friedrich von Traitz 1.1,- inMMand M.A mt.lM, geb. M.2.- strr Bimbachrr. icr Mundart ,eä jedem Hessen bekannte IM ne drastischen Szenen un* ^Ausführung bestens empiohlen. Sogelsberg! t und allen Freunden und-er egeben. — Greueln. In der Ortschaft Lepaticha sind große Bauernunruhen ausgebrochen. Es kam zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen Lauern und Militär, wobei 9 Personen getötet und eine Anzahl verwundet wurden. Tie Ortschaft steht in Flammen. Auf dem Gute Arshanow haben Bauern gleichfalls schwere Ausschreitungen begangen. Sie verhandelten zunächst über die Landpacht und schlugen dabei einen Gutsbeamten. Tann eilten au ihr Signal etwa 700 Mann mit Gewehren und Bomben herbei und begannen das Gut zu zerstören. Weiber steckten Gebäude und Heuvorräte in Bra nd, und Männer plünderten. Auf das Feuer der Gutswache antworteten die Bauern mit Bombenwürfen. Tie Bomben fielen jedoch, ohne zu explodieren, ins Wasser. Eine A n z a h l B a u e r n isist getötet oder verwundet worden. Truppen sind nach Arshanow abgegangen. In Riga ist der Fabrikbesitzer Busch, ein deutscher Reichsangehöriger, in seiner Fabrik von Revolutionären beraubt und gerötet worden. Ferner sind in Riga zwei Personen wegen Plünderns zum Tode durch den Strang verurteilt worden. Am 14. wurden in M o s k a u z w e i P l ü n d e äse r gehängt, welche die Chefs der Organisation der revolutionären Sozialisten waren. In Zarizyn ^Gouvernement Saratow) unternahm in der Nacht eine Bande lieber fälle auf die Reichs- bank, das Gesch/istslokal dec russischen Versicherungs'- gesellschaft, einen Juwelierladcn und die Wohnung eines reichen Viehhändlers. Tie Uebersälle wurden zurückge- jchlagen, wobei ein Schutzmann, ein Diachtwächter und ein Wächter des Viehhändlers getötet wurden.' Tie Bande entkam. In Simferopol griffen 11 Revolutionäre einen Postwagen an, der 1 Million Rubel nach Pulta bringen sollte. Sie töteten die beiden begleitenden Postbeamten und den Kutscher, sanden aber nur 2000 Rubel, da die größere Summe noch nicht zum Versand gelangt war. In Warschau entdeckte die Geheimpolizei einen Hauptsitz des sozialistischen Komitees. Sie verhaftete 7 Mit- glicder und beschlagnahmte verdächtige Dokumente, sowie mehrere fertige Bomben. In der Zitadelle wurden zwei vom Kriegsgericht verurteilte polltische Verbrecher durch den Strang hingerichtet. ein r Kriegsschiffe „Generaladmiral Finn", „Ukräne", „Vidni* und ,Asia". Heute Montag, fährt der Kaiser mit der kaiserlichen Familie nach Peterhof ab. Rian erwartet aber eine haldige Rückkehr nach den finischen Schären. In Peterhof wurden nachts Haussuchungen vorge- nommen und 14 Personen verhaftet, darunter der frühere Dumadeputierte des Kreises Peterhof Pawlow, sowie ein Student der Petersburger Universität und ein Hoflakai. Llmtlich wird die Nachricht dementiert, daß der Zar sich unmittelbar nach der jetzigen Kreuzfahrt mit seiner Familie nach Darmstadt begeben werde. Diese Reise sei zwar beschlossen, werde aber wahrscheinlich erst Mitte oder Ende Oktober erfolgen. Reaktionäre Maßnahmen. Ter „Par tc i für Vo lks fr eihe i t" wurde die nach?- gesuchte Registrierung unter anderem aus folgenden Gründen versagt: Tie Statuten der Partei enthalten nur allgemeine Hinweise auf die politischen Zwecke der Partei und in so unbestimmter Form, daß es unmöglich ist, den genauen Charakter der Tätigkeit der Partei feftzuftelken. Tie in den Statuten erwähnten demokratischen Grundlagen finden ebensogut auch Anwendung auf die vom Gesetz verbotene sozialdemokratische Partei. Andererseits ist aus den Statuten nicht ersichtlich, ob der Begriff „konstitutionelle Grundlagen" nach der Auffassung der Partei mit dem Gesetz über die Reichsduma und den Reichsrat übereinstimmt. Ein kaiserlicher Befehl setzt für die hartnäckige Weigerung, der Wehrpflicht zu genügen, als Strafen den Verlust der persönlichen und Standesrechte bei Einstellung in die Kocrektions- und Arrestantenabteilungen auf 4—6 Jahre oder den Verlust der Standesrechte allem, verbunden mit 4 —6jähriger Zwangsarbeit fest. Tas Militärbezirksgericht zu Kiew verurteilte den Sekondeleutnant des 5. Sappeurbataillons, Shda - rowski, den Hauptschuldigen bei der Meuterei der Sappeure in Kiew, zum Tode durch Erschießen. Ter Vorsitzende des Kriegsgerichts zu Helsingfors, Generalmajor Rirschert, ist abberufen worden, weil er an den Kommandeur des 22. Armeekorps ein Gesuch Um Begnadigung von 12 wegen der Meuterei in Swea- borg zum Tode verurteilten Soldaten eingereicht hat. Tie Verurteilten wurden dann auch begnadigt; das hat aber in Petersburg großes Mißfallen erregt. Ministerpräsident Stolypin billigt, so behauptet wenigstens dec Korrespondent der „Voss. Ztg.", das Vor- gchen des Militärs in Sicdlce. Man müsse nicht, so meint er, nur einzelnen Personen, sondern vor allen den großen Massen Furcht einflößen. „Was soll man denn mit den Leuten tun, die sich gegen die Regierung auflehnen?" sagte Stolypin dieser Tage einem hervorragenden Politiker. „Man kann sie doch nicht alle vor Gericht schleppen. Das beste ist, wenn man sie n i e d e r s ch i e ß t." Leute, die in letzter Zeit Stolypin gesprochen haben, bezeugen, daß er seine frühere ruhige Haltung eingebüßt hat und sich in einer Aufregung befindet, die an Psychose grenzt. Eine Regierungserklärung, welche zugibt, daß das angebliche Schienen dec Revolutionäre in Siedlce resultat- 'los verlaufen sei, erregt in politischen Kreisen höchste Aus- regung durch den Racysatz, der ausspricht, daß das Militär .die Beschießung hätte fortjetzen müssen, weil die Bevölkerung die Revolutionäre nicht auslieferte. Damit ist ausgesprochen, daß die friedliche Bevölkerung auf das schwerste bedroht ist, wenn sie nicht ein solches unerfüllbares Verlangen befriedigt. Nach Tepeschen aus den verschiedensten Teilen des Reiches ruft die Regierungserklärung z Revolutionären, wohl aber unter der sru Panik hervor. gewerbliche Ausstellungen zu veranstalten. Marseille, 16. Sept. Präsident Fallieres besuchte gestern die hiesige Kolonial-Ausstellung. Bei dem Festmahle führte er in einer Ansprache an den britischen Kommandanten aus: „Ich bin sehr angenehm berührt von dem Gedanken Ihres Landesherr», seinen Panzerkreuzer „Cumberland" nach Marseille zu entsenden. Ich werde Ihnen sehr verbunden sein, wenn Sie Seiner Majestät die Gesühle des Tantes übermitteln ivnvbeiL die die Remeruna der Republik erfüllen, für den nachzeit fehle ier's seaester verbess. «sr* Sfesr zeitig ernenn zere , KröH Zweites Blatt 156. Jahrgang _____ Montag 17. September 1806 Vrlchetnl »-N-mit Ausnahme des Sonntags. ®te „eigner ZamMenblätter" werden dem S dzW / M Ws X Id »Anzeiger viermal wöchentlich beigrlegt. Der BF B »LTL, Ej M jl Vf fei M VV A ^Yrsfisch« Landwirt" erscheint monatlich einmal. w v ■ ▼" V Die Eröffnung des Oberlandesgerichts zu Düsseldorf. Düsseldorf, 16. Sept. Heute mittag wurde das neu errichtete Oberlandesgericht feierlich eröffnet. Bei dem Festmahl führte Justiz- Minister Tr. Beseler aus: Wie das Recht in die feinsten Adern des öffentlichen und des privaten Lebens eines Volkes eindringt, überall regelnd, ordnend und, soweit möglich zwingend, so müssen auch die weit umfassenden, der Rechtspflege dienenden Einrichtungen den ganzen Bau des Staates durchdringen, damit jederzeit die Kraft und Macht des Rechtes zur Geltung kommen kann. Wie das Leben des Volkes sich immer neu gepaltet in den Beziehungen der Einzelnen zu einander, so mutz auch das Recht fort schreiten und so müssen auch seine Normen und die zu ferner 5)andhabung nötigen Einrichtungen fortentwickelt - werden. Dem Gedartken aber, daß veränderte Zustände auch eine neue Fassung der rechtlichen Vorschriften fordern, verschließen sich fürivahr auch die Organe der Staatsverwaltung nicht, welche berufen sind, dafür zu sorgen, daß diese Vorschriften nicht verallen. Ter Redner schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. Tie Rede, welche Oberbürgermeister Marx hielt, bc-. ansprucht zum Teil auch allgemeines Interesse. Tas Wesentlichste daraus sei mitgeteitt: Dieses Land, wo rauloscs Streben alle Vorgänge des Lebens beschleunigt und uns die Zeit nach Sekunden zu rechnen gelehrt hat, erheischt dringend Sicherheit des Rechts und rasche Beseitigung ieden Zweifels, der den wirtschaftlichen Fortgang hemmt. Auf einem Boden gefestigt, dem Zechen und Hütten entragen, inmitten all der Werte, welche der Bearbeitung und Veredelung der Bodenschätze dienen, umgeben von den Stätten ihrer kausmännischen Verwertung, begrüßt von den Masten rheinischer Schisse, wird das neue Gericht die mit Stecht geforderte Verbindung mit dem Leben finden und ben Geist der Rechtsvorgänge des wirtschaftlichen Lebens in reiner zAarheit erkennen. So I)offen wir, daß der Gerichtshof Sprüche von höchstem Ansehen fällen wird, welche die Wissenschaft beftuchtcn, so daß ein N r c d e r c h e in i s ch e r R e ch t s s p i e g e l erstrahlen wird, dessen Reinheit die Zahl der Rechtsstreite minderir möge. Wir erhoffen aber auch eine rasche Beseitigung juriftischer Zweifel. Das Lberlandesgericht Düsseldorf ist ein völlig neues und völlig modernes Gericlft, frei vom Staube vergrabener Akten, frei vom Ballast alter Traditionen, die ost lähmend auf die Ilcchtsyrechung wirken. Dieses Gericht, das wesentlich dem Bedürfnis nach beschleunigter Rechtsprechung feine Entstehung verdankt, möge hierin neue Wege weisen und, sowell Schäden der Prozcßgese^gebung Hierbei hindern,, diese ausdecken. Tr. Marx erhielt den Kronenorden 2. Kl. Aus Stadt und Land. Gießen, 16. Sept. 1906. •• Ihre K. H. die .Großherzogin begeht heute, zum zweitenmale feit ihrer Vermählung, ihren Geburts> tag. Die hohe Frau, die an diesem Tage ihr 35. Lebens^ fahr vollendet, hat es verstanden, sich durch ihr schlicht sceund liches, gervmnendeS Wesen die Herzen de-, gesamten Hejjen- tfOI Volkes sich zu eigen zu machen, und zwar um so schneller und leichter, als sie ja einem alten hessischen Fürstengeschlechte entstammt, einer Familie, die trotz ihres hohen Ranges sich zu allen Zeiten mit dem Volke eins gefühlt hat. Viele treue Hesienherzcn werden heute mit den besten Segenswünschen des hohen Geburtstagskindes gedenken, vor allein die zahlreichen Armen und Kranken, denen sie mit werktätiger Hilfe zur Seite stand. Möge das neue Lebensjahr unserer Großherzogin recht segensreich und glücklich sich gestalten. —Aus Anlaß des Geburtstagfestes haben die öffentlichen Gebäude Flaggenschmuck angelegt, die staatlichen Bureaus sind geschloffen und die Schulkinder haben einen freien Tag. •* Kirchenrat Dr. Naumann, unser erster Stadtpfarrer, tritt am 1. November in den Ruhestand. S. K. H. der Großherzog hat seinem Gesuche um Pensionierung entsprochen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste. Dieser Anerkennung wird sich die evangelische Bevölkerung Gießens wohl ausnahmslos anschließen, denn Kirchenrat Dr. Naumann hat in seiner langjährigen hiesigen Tätigkeit sein Seelsorqeramt mit Treue, Liebe und Gewiffcnhaftigkcit versehen. Hoffentlich ist es ihm vergönnt, noch recht lange Jahre in Frische und Gesundheit sich der wohlverdienten Ruhe erfreuen zu können. *♦ Personalien. S. K. H'. der Großherzog haben dem Pfarrer Ernst Kehr zu Romrod die evang. Pfarrstelle zu Eich übertragen und den Oberförster der Oberförstcrei Schaafheim, Forstmeister Ludw. Block zu Babenhausen in gleicher Diensteigenschaft an die Oberförsterei Offenbach versetzt. Üebertragen wurden den Lehrern Hch. Sinn zu Hornbach und Friedr. Schmidt zu Nordheiin Lehrcrstellen an der Gemeindcschule zu Zwingenberg. Ernannt wurde der Vizefeldwebel und Hoboist im Infanterie-Regiment (Prinz Carl) Nr. 118 in Worms Wilh. Nebeck zum Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze in Herbstein und die Gefangenaufseherin am LandeSzuchthaus Maricnschloß Wilb. Zier le in, geb. Biebricher, zur Gefangenaufseherin am Provinzialarresthaus in Gießen. * • Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen durch Entschließung S. K. H. des Großherzogs deni Mitglied der freiw. Feuerwehr zu Lich Karl Ludw. Schmidt III. und dem Mitglied der freiw. Feuerwehr zu Kostheim Kasp. Siegfried. ’* Besitzwechsel. Glasermcister Georg Schmitt erwarb das HauS Frankfurterstraße 41 für 28 500 Mk. Ec beabsichtigt dort eine Filiale seiner Geschäfte zu errichten. • * Bieb ertalb ahn. Von jetzt ab verkehren die Züge ab Bieber 6.13 Uhr vormittags und ab Gießen 12.23 Uhr mittags 45 Minuten, die Züge ab Gießen 7.15 vormittags und ab Bieber 1.25 nachmittags 30 Minuten später. * * Der Verband der hessischen Krankenkassen hielt am gestrigen Sonntag in D a r m st a d t seine erste Mitgliederversammlung ab, die von Delegierten aus dem ganzen Großherzogtum sehr stark besucht war. Harth-Darmstadt erstattete den Geschäftsbericht, aus dem hervorzuheben ist, daß gegenwärtig 74 Kassen mit 43 000 Mitgliedern dem Verbände angehören. Anschließend hieran referierte der gleiche Redner über die Neberleitung der Gemeindekraukenversicherunaen und kleineren Ortskrankenkassen in größere Verbände unter Beibehaltung örtlicher Verwaltungsstellen. Münch-Worms sprach über die Ber- ordnungsweise der Aerzte und Revision der Rezepte. Ein weiteres Referat erstattete Ostermaver -Worms über Einbeziehung der Rechner von Ortskrankenkassen, Gemeindekrankenversicherungen und örtlichen Jnvalidenvcrsichcrungsstellen in das in Aussicht stehende Beamtenfürsorgegesek. An alle Vorträge schlossen sich lebhafte Debatten. Rach Schluß der nichtöffentlichen Versammlung wurde das Tuberkulosemuseum besichtigt. * * Der Verband der hessischen Verkebrsvev- eine hielt am Sonntag in Bad-Rau heim eine Versammlung ab. Sie war Zahlreich besucht. Den Vorsitz führte Schmabl- Mainz. Stahl-Nauheim begrüßte die Versammlung namens des Verkehrsvereins, Aug. Müller namens der Stadtverwaltung und Wagner namens des Verschonernngsvereins Nauheim. Falk-Mainz gab den Kassenbericht, der Kassenbestand beträgt 115 Mark. Der Vorsitzende berichtete dann über eine Eingabe an die Eisenbabndir-'ktion Mainz wegen des Anschlusses verschiedener Züge und der Fahrplanzusammenst'ellung, sowie über eine Eingabe an den Finanzminifter Gnauth bett. die Vertretung des Verkehrsvereinsverbands im Bezirks'eisenbahnrat. Neber Aufnahmen von Bildern aus Hessen im Kaiserpano- rama, das in 200 Städten gezeigt wird, referierte Mg. Mol- than-Mainz. 150 Bilder sollen ans 5 Jahre ausgenommen und die einzelnen Vereine über die Art ihrer Beteiligung an- hefragt werden. Der Vorsitzende macht Mitteilungen über das hessische Derkehrsbuch, das rund 5000 Mark kostet. Es wird nach bayrischem Muster cinaerichtct, Regierung und Stadtverwaltungen sollen um Zuschüsse angegangen werden. Eine Kommission: Stammer-Darmstadt. Schmahl und Will-Mainz, Trumpler-Worms und Wallmann-Naubeim wird mit den Vorarbeiten betraut. lieber die unentgeltliche 9lbaabe von Führern spricht AbglMolthan. Die Führer fremder Städte sollen 10 Pf. kosten, in Her Stadt selbst steht es den Vereinen frei, kostenlos die Führer abzugeben. Wie der Vorsibende mitteilt, sollen zur Abfassung von Reisebeschreibungcn in illustrierten Zeitungen geeignete Persönlichkeiten ausfindig gemacht werden. Wegen der Zuschläge in Schnellzügen wird eine Eingabe an die Mainzer Eisenbahndirektion gerichtet, daß nur in D-Züacn Zuschläge gerechtfertigt seien. Der Vorsitzende berichtete über die neue Eisenbahnverkehrsordnung, mit der man im allgemeinen zufrieden sei. Stahl beanstandet, daß man 5 Minuten vor Zugabgang kein Billet mehr erhält und abgezähltes Geld haben soll. Er verlangt bei Strecken über 100 Kilometer zweimalige Fahrnnterbrechung. Wegen der letzteren Angelegenheit wird eine Eingabe an die Direktion Mainz beschlossen. Stemmer berichtet über die Bildung einer Vereinigung der süddeutschen Verkehrsvereine.. In München haben dieserhalb schon Vorbesprechungen stattgefunden. Stemmer wird beauftragt, weiterhin daran teilzunehmen. Mg. Molthan llagt über die Benachteiligung von Mainz durch die Umleitung der Rheingauerzüge üfrer Wiesbaden. Die Versammlung sprach in einer Resolution ihr Bedauern darüber aus. Man wird den Beschluß der Hess. Regierung mit der Bitte nm. Abhülfe unterbreiten. Stemmer bittet, dem Verein größere finanzielle Unterstützungen zuzuwenden. Mit Dankes- worten des Vorsitzenden schloß die Versammlung, der ein gemeinsames Mahl im Kurhause folgte. ” Die Ruine Greifenstein, der malerische Schmuck des DilltaleS, ist seit einigen Tagen — mit Ausnahme der sehenswerten alten Schloßkirche mit ihren im Barockstil durchgeführten Stuckarbeiten des italienischen Künstlers Pacrini — für den Touristenverkehr gesperrt. Die Ruine, die bisher im Innern ein wüstes Durcheinander bot, scheint einer gründlichen Aufräumung unterzogen werden zu sollen. Bereits ist man unter Leitung des Fürstl. Blirgbaumeistcrs Seiler- BraunfelS damit beschäftigt, die Fundamente der ehemaligen, einen großen Umfang einnehmenden Bauten der Feste freizulegen, um dadurch einen vollständigen Lageplan der einst stärksten Burganlage in ganz Westdeutschland zu gewinnen. Bei diesen Arbeiten hat man nach Hinwegräumen gewaltiger >Lrnmmcrmaffen Gewölve uno unrerrrvischc Gänge sreigelegt, die wohl erhalten sind und von deren Vorhandensein man bisher keine Ahnung hatte. Wie man weiter hört, beabsichtigt die Fürstlich Braunfelssche Bauverwaltung, im kommenden Jahre umfassende Arbeiten für die Erhaltung und Sicherung der noch vorhandenen interessanten Burgreste, welche baugeschichtlich von großem Wert sind, vornehmen zu lassen. Zu wünschen wäre, daß bei dieser Gelegenheit Vorsorge getroffen würde, daß man auch mit Damen ungefährdet in der Ruine sich bewegen könnte, wie dies dankenswerter Weise auf der Blirg Gleiberg geschehen ist. f Klein- Linden, 17. Sept. Zn einer überaus schönen und erhebenden Feier gestaltete sich, gestern die Einweihung der neuen K le i n k in d e r -B e wa hr - anstalt. Um 3 Uhr hatte die Einwohnerschaft vor dem bisherigen Schulgebäude des Herrn Germer Aufstellung genommen. Ter gemischte Kirchenchor sang zur Einleitung der Feier den Psalm „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln." In schönen sinnigen Berschen sagten die Kinder ihrem alten, lieb gewonnenen Schullmuse Ade. Ter Ortsgeistliche Pfarrer Schulte dielt die Mschiedsrede und erinnerte die Jugend an das Gute, das sie in dem Hause gelernt habe. Tie Kinder sprachen ein Gebet und der Posaunenchor spielte „Unfern Ausgang segne Gott". Ein Zug wurde nun ausgestellt, der sich nach dem neuen Schulhaus bewegte. Voraus ging der Posaunenchor, der durch Gießener und Lang-Gönser Bläser verstärkt war. Tann folgten die Ehrengäste. Orts?, Kirchen-, Schulvorstand, Pfarrer, Lehrer iinb Eltern. Hierauf kamen die Kinder in schönstem Festschmuck in Begleitung der Schwestern. Tie Mädchen trugen Blumenkränzchen auf dem Kopfe, die Knaben waren mit Sträußchen geschmückt. Vor dem Neubau übergab der Erbauer des Hauses, Baurat Di ehm. den Schlüssel und öffnete das Gebäude, das er in kurzer Ansprache mit den Kindern verglich, es sei wie diese klein, fröhlich und lieblich. Tie Kinder begaben sich mit den Schwestern und Ehrengästen in den Schulsaal, während die Gemeinde vordem Hause Aufstellung nahm. Die Kinder begrüßten ihr neues Heim durch Gebet und Gesana und die Gemeinde sang „O selig Haus, wo man dich ausgenommen". Die Festpredigt hielt Pfarrer H e p d i n g-Hausen, der als früherer Ortsgeistlicher die Kteinkinderschule gegründet und auch die Errichtung des Neubaues ins Leben gerufen hat. Er sprach über Psalm 121: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt." Ter Predigt sei entnommen, daß die Anstalt 1896 gegründet wurde mit Unterstützung des Missionsvereins und mehrerer hochherziger Gönner, die alljährlich namhafte Beträge stifteten. Auch, die Gemeinde nahm sich der Sache an. Bet der steten Zunahme des Torfes erwiesen sich die gemieteten Räume als zu klein, da sie nur für höchstens 70 Kinder Platz boten und außerdem in gesundheitlicher Beziehung auf die Tauer ungeeignet waren. Tas Bedürfnis für einen Neubau wurde immer reger, doch machte die Platzfrage einige Schwierigkeiten, bis sich Bürgermeister Schaum und der Gemeinderat der Sache annahmen und den Platz kostenlos zur Verfügung stellten. Im Sommer 1905 wurde mit dem Ban begonnen. Möge diese schöne Behausung für die Kinder eine Stätte der Freude und des Schutzes, für die Gemeinde eine Stätte des Segens werden. Pfarrer Hevding schloß mit den Worten: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein." Pfarrer Schulte sprach das Sckilußgebet, der gemischte Chor trug das Lied vor: „O, daß ich tausend Zungen hätte", und die Gemeinde sang: „Ich und mein Haus, wir sind bereit." Tann fand eine Besichtigung bc§' Gebäudes statt. ES repräsentiert sich in seinem Aeußeren recht vorteilhaft: es ist int modernen ländlichen Villenstil erbaut und enthält in seinem Innern außer dem hellen, geräumigen Schulzimmer eine Schwestern- wohnung und ein Zimmer für Gemeindezwecke. Tas Gebäude gefiel allgemein. Von dem oberen Stockwerk hat man eine schöne Aussicht ins Lah-ntal, von Norden grüßen Berge und Burgen und die Zinnen Gießens. Tas Gebäude kostet rund 12 000 Mk. Anläßlich der Einweihung hat ein hiesiger Freund' der Anstalt 100 Mk. gestiftet: eine am Schluß der Feier veranstaltete Tellersammlung ergab zirka 40 Mark. Tie Ehrengäste versammelten sich nach der Einweihung 51t einer Nachfeier im „Teutschen Hof". Pfarrer H e p d i n g gedachte des Geburtstages I. K. H. der Großherzogin und brachte ein Hoch auf sie aus. — So hat nun unsere Gemeinde eine neue schöne Stätte, ein Haus' der Pflege, des Schutzes und der Erziehung für die Kleinen. Und das War für ein Dorf mit fast nur Arbeiterbevölkerung schon längst ein Bedürfnis, zumal auch die Mütter großenteils in den Zigarrenfabriken beschäftigt sind. W. Dutenhofen, 15. Sept. Lehrer Carl Eberhardt ist zum Hauptlehrer ernannt und als neue Kraft Lehrer CeliuS aus LaunSbach nach hierher berufen worden. § Sichenhausen, 15. September. Am 30. d. M. wird unser ncuerbnufc3 Schulhaus eingeweiht werden. Das Gebäude ist ein MusterschulhauS für eine Gebirgsgegend und wurde nach den Plänen des Baurates Die hm aus Gießen erbaut. Die Lehrerwohnung ist vom Cchulsaale vollständig getrennt, enthält fünf geräumige Zimmer und hat eigene Quellwasserleitung; das ganze Gebäude ist aus Basalt aufgeführt. Die Gemeinde erhielt zur Bausumme einen staatlichen Zuschuß von 8000 Mk. X Laubach, 15. Sept. Beim Ausladen von gußeisernen Wasserleitungsröhren verunglückte gestern abend der Arbeiter Schorn aus Schlesien. Das eine Bein kam unter eine Walze, auf der das eiserne Rohr, 12 Zentner schwer, herabglitt. Der Fuß wurde gequetscht und der Unterschenkel gebrochen. Auf einer Tragbahre wurde der laut Jammernde in da? Johann-Friedrichstift gebracht. R. B. Darmstadt, 16. Sept. Anläßlich der Schlußsitzung der im Haag abgehaltenen internationalen Tuberkulose-Konferenz wurde u. a. der Vorsitzende der Landes- versicherungSanstalt des Großh. Hessen, Geh. Regierungsrat Dr. Dietz, zum korrespondierenden Mitglied der internatio» len Vereinigung gegen die Tuberkulose ernannt. — In der Nacht zum Sonntag hat der 33 Jahre alte ledige Tagelöhner August Dietelrnann in seiner Schlaskammer in der Arheilgerstraße seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht. d. Mainz, 17. Sept. Am Samstagabend war die Mittlere Bleiche 47 wohnhafte 34jährige Frau des Spenglers Wilhelm Schmidt damit beschäftigt, auf einen brennenden Spirituskocher Spiritus nachzugießen, als die Flamme in die Kanne schlug und der gesamte Spiritus in Brand geriet. Im Nu stand die Frau in lichterlohem Feuer. Ihr Mann sprang hinzu, warf sie auf den Boden und suchte die Flamme zu ersticken. Mit Hilfe der herbeigeeilten Hausbewohner gelang es Schmidt, seine Frau zu retten, doch hat sie so schwere Brandwunden davongetragen, daß sie schwerlich mit deut Leben davon kommen dürfte. Auch der Mann hat sich an Händen und Füßen schrecklich verbrannt. Das Zimmer war gleichfalls in Brand geraten, die Feuerwehr und die Polizei löschten das Feuer. Die beiden schwerverletzten Eheleute kamen ins Rochus-Hospital. Ein Kind der Eheleute, das im Zimmer anwesend war, hat keine Verletzungen davongetragen. Frankfurt a. M., 15. Sept. Für die biologische Abteilung des Senckenbergischen pathologisch-anatomischen Instituts wurde von Frau Oberlandesgerichtsrat Schüller in Ahrweiler ein Stiftungs-Kapital von 25000 Mk. überwiesen. — Der verstorbene Privatier und frühere Kaufmann I. C. A. Cordier hat den ev ang.-lutherisch en Almosen kästen zum Universalerben seines über eine Million Mark betragenden Vermögens eingesetzt. — Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen einen hiesigen Arzt auf Grund von § 278 Str.-G.--B. erhoben. Es handelt sich um die Ausstellung eines unrichtigen Zeugnisses über den Gesundheitszustand einer Person. — Die Kriminalpolizei verhaftete den Trödler Hoffmann wegen Hehlerei. Bei einer Haussuckmng fand man bei diesem Leder waren im Werte von 3000 Mk., die dem Lager einer Offenbacher Firma entstammten. Der in dieser Fabrik beschäftigte Expedient, der die Sachen entwendet und an Hofmann verkauft hatte, ist gleichfalls verhaftet worden. X. Hanau, 16. Sept. Eine gestern abend abgehaltene, von der Bierbopkottkommission einberufene Volksversammlung beschloß einstimmig die Aufhebung des Bierboykotts, nachdem die in den Kommissionsverhandlungen getroffenen Vereinbarungen die Zustimmung des BrauereiringS und des WirtevereinS erhalten haben. Die Wirte zahlen nunmehr an die Brauereien für das Hektoliter 60 Pfg. mehr und kehren zu den vor dem 1. August d. I. bestandenen AuSschank- preisen zurück, sodaß ein voller Sieg der Konsumenten zu verzeichnen ist. Der sechs Wochen andauernde Bierkrieg hat starke Schädigungen im Gefolge gehabt, in den Fabrikarbeitsstätten, an den Baustellen rc. war der Viergenuß vollständig eingestellt, auch in den vornehmlich von Arbeitern besuchten Wirtschaften ruhte der Bierausschank. Kassel, 15.Sept. Die Sozialdemokratie beginnt im Wahlkreise Kassel-Melsungen bereits die Kampagne für 1908. So stellte sich gestern in einer öffentlichen Volksversammlung der Frankfurter Stadtverordnete Hütt- m ann als Reichsta g skand i d aten für Kassel-Melsungen vor. (Frkf. Ztg.) Gestügelausstellung zu Lich. (Original-Bericht des Gießener Anzeigers.) )( Lich, 16. September. Auf Jungs Terrw'se fand gestern und heute eine Geflügel- und Kaninchen-Aus ft ellnug statt unter dem Protektorat des Fürsten Karl von Solms-L'ch. Die Ausstellung war sehr gut arrangiert und aus allen Teilen Hessens und aus den angrenzenden Ländern reich beschickt. Sehr reichhaltig waren die Mteilungen für Wyandottes-Hühner, für Italiener, für Enten, Tauben, Brieftauben und Kaninchen. Vorzügliches Züchtmaterial itmr in allen Abteilungen vertreten. Die Verkaufsklasse umfaßte nahezu 100 Nummern. Die Ausstellung wurde vom Beigeordneten Jakob Heller eröffnet. Es standen zahlreiche Ehren- breife zur Verfügung, darunter zwei vom Fürsten Kcrrl, einer von der Stadt Lich. ferner von den Geflügelzuchtvereinen Gießen I und II, Lich, Friedberg. Laubach, Marburg, Lauterbach, Msfelb, Lollar und mehreren Privatversonen. Bei der Prämiierung, die durch Marten-Lehrte und Schlicht-Frankfurt vorgenommen wurde, erhielten folgende Züchter Preise: in Abteilung I. Hühner Ehrenpreise Berntheisel-Darmstadt, Dittert-Wetzlar, Pfeifer-Gla- denbach, Heß-Echzell, Voat-Lich, TheiA-Gladenbach, Iung-HaiN- ft'adt: für Großgeflügel: Römer-Kirchhain. Hanau-Gießen, K. Heller-Lich: für Tauben: Fischer - Klein - Krotzenburg, Kehrmann-Viebrich, Krämer-Wiesbaden, Frick-Biebrich, Feig-Beienbyim, Ulrich Wölfersheim: für Kaninchen: Biba- Bommersbeim, Vollmüller-Lauterbach. In Abteilung Hühner wurden ferner folgende Preise verteilt: Berg-Gießen 2, Berntheisel-Darmstadt 2 und 3, Oekononfferat Hofmann-Hof-Gill, F. Becker-Gießen, Engelmann-Themar, Lehrer Friest-Rockenberg, Pfeifer-Gladenbach, V'inlänann-Herford, Pabft-Nffd. K. Voat-Lich, Stövler-Lauterbach. Fürstliche Gntsverwaltung-Lich, TAiß-Gla- denbach, Radetzki-Lich, Krömmelbeiu-Lauterbach. Römer,Kirchham, Dittert-Wetzlar, Jak. Heller-Lich, Ott-Mombach, Juna-Hainftadt, Zimmer-Lich: Abteilung Großgeflügel: Römer-Drch- hain, L. Jochem-Gießen. Dittert-Wetzlar, Berntheisel-Darmstadt, Dietz-Wixhausen, Engel-Birklar. Oekonomierat Hofmann-Hof-Gill, Frank-Lollar, H. Heller-Lich, Pitz-Laubach, H. Zimmer-Lich, Peil- Heskem. Berntbeisel-Darmstadt, Weiß-Hof-Graß. Högy-Rittwerts- burg, Radetzki,Lich, Müller-Bettenhausen, Stotz-Arnsburg. Märle- Lich: Abteilung Tauben und Brieftauben: P. Dietz- Wixhausen, Fürftl. Gutsverwaltung-Lich. Müller-Neu-Isenburg, Iung-Ober-Mörlen, Engel-Birklar. Pitz--Laubach, Biba-Bommers- beim, H. Zimmer-Lich, Schneider-Lollar, Krämer-Wiesbaden, Berutheisel-Darmftadt, Kehrmann-Biebrich, Menqel-Marburg, Holler-Echzell, Frick-Biebrich, Sommer-Köln, Ostheim-Echzell, Fischer-Klein-Krokenburg, Fritzsches-Beienheim, Hartherz-Beienheim, Weisel-Muschenheim, Feig-Beienheim. Schäfer-Bettenhausen; Abteilung Kaninchen: Lehrer Hill-Lich, Engel-Birklar, Albach-Lich. Müller-Bettenhausen, Weber-Grünberg, Dietz-Grün- berg, H. Roth-Lich. Lobende Anerkennungen erhielten noch Frau Böhm-Laubach. Wick-Marburg, Peil-Heskem, Pletsch- Hungen, Gernel-Bad-Nauheim, Diettich-Hattenrod, Steul-Betten- hausen, F. Becker-Gießen. Müller-Bettenhäusen, G. Peil-Mar- bürg, Radetzki-Lich, Mbach-Lich, Gutsverwaltung Kolnhausen bei Lich, Enael-B''rklar, Holler-Ech^ll, Fürftl. Gutsverwaltung-Liw, Müller III.-Muschenh"im, H. Zimmer-Lich, Melchior-Arnsburg, Ulrich-Wölfersheim und Hartherz-Beienheim. Mit der Msstellung war auch eine Abteilung für Oieräte und Futterproben und eine Verkaufsklasse verbunden, die fast 100 Nummern zählte. Kirche nird Schule. X Nidda, im Sept. Unter dem Vorsitz des Lehrers St au* b ach-Hungen hat sich kürzlich eine hessische Vereinigung der „Vol ks er z i eher" gebildet, welche die Leser des flletap. uamigen Blattes lherausg. von Schwaner) zu praktischer Mrbett zusammenfassen möchte. In verschiedenen Sitzungen hat bte (zt> nächst in Oberhessen tätige) Vereinigung die Frage „Kirche und Schule" behandelt. Zu einem gewissen Mschluß I^nen diese Verhandlungen bei einer Zusammenkunft in Nidda. Auf Grund eines Referates von Dr. Strecker-Bad-Nauheim wurde der zur „Freien landeskirchlichen Vereinigung" beschlossen, rnnerMv deren man auf eine vorurteilslose Erörterung und pürderung der Schulftage rechnen zu können glaubt. Die reinliche Schewung der Tätigkeit der Kirchen- und Schulbeamten erschien als namnes wünschenswertes Ziel, dessen Erreichung eine Hauptwoungs- fläche dieser beiden Berufe zum Segen beider und rm Jnrerepe von Pädagogik und Wissenschaft aus der Welt schaffen wurde. Als Ort für die nächste Zusammenkunft am 6. Oktober oranksurt ins Auge gefaßt, um regere Verbindung mit den "Do^^whern in Rheinhessen und Starkenburg zu gewinnen. (Frkf. Ztgck Klagenfurt, 16. Sept. Auf der Südbahn stteßen heute zwischen Poertschach und Krumpendorf z w c 1 3üg e zuf a mm en, wobei drei Personen getötet, sechs schwer verletzt und mehrere Wagen zertrümmert wurden. Ml Frankfnrter Biir*c 17. September, 1.15 Uhr. Beichsanleihe . 98.80 Gerichtssaal. 243.50 Berliner Börse, 17. September gut Mcfem entlassen wurde,' der Fürsts B,7/o) Königliche Eiscnbahudirektion. 5558 B17/, 141.75 128.20 249.20 Canada E. B. . . Darmstädter Bank , Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . . Tendenz: ruhig. . 179.75 . 139.90 . 238.70 . 84.10 . 158.30 September. Anfangskurse. Harpener Bergwerk. , Laurahütte .... Lombarden E. B. . . Nordd. Lloyd .... Ttirkenlose ..... 8XY* 3% 3^% 3% W/. 3%% nng zu Sich. siebener Anzeigers.l X Lich, 16. Zeptenik . 172.90 . 189.90 . 238.90 . 173.50 . 183.10 . 158.20 . 209.80 . 124.50 . 192.75 . 34.10 . 144.10 . 145.50 86.60 98.75 86 70 98.10 99.75 100.10 94.95 103.10 69.70 70.^0 85.90 93.95 95.90 145.60 54.30 90.00 68.70 97.80 Die Bahnhofswirtschaft in Gießen Strecke Frankfurt a. M.— Cassel ist vom 1. Dezember 1906 ab zu verpachten. Die Bedingungen und Angebotbogen können in unserer Kanzlei — Amtsgebäude Frankfurt-Sachsenhausen, Hedderichstrane 67 — sowie beim Ober-Bahnhofsvorsteher in Gießen einqesehen, auch gegen portofreie Einsendung von 50 Pfg. in bar bezogen werden. Bewerber wollen ihre Angebote unter Angabe des Pachtvreises, Beifügung ihrer Befähigungsnachweise und einer kurzen Lebensbeschreibung im Briefumschlag verschlossen mit der Aufschrift: „Angebot auf Pachtung der Bahnhofswirtschaft zu Gießen" portofrei bis zum 17. Oktober 1906 vormittags 11 Uhr an uns einsenden. „Die Oessnung der Angebote erfolgt in unserem Verwaltungsgebäude Hedderichstraße Nr. 61 Zimmer 21 zur angegebenen Zeit m Gegenwart der erschienenen Bewerber. Zuschlagsfrist 4 Wochen. Frankfurt a. M., den 13. September 1906. do. Konsols do. Hessen . . Oberhessen Elektriz. Lahm eyer . Elektriz. Schuckert . Eschweiler Berg-werk Die Tuberkulose auf dem Lande. Die Sommergäste, die ihre Ferien auf dem Lande oder an der See verbracht haben und dadurch mit der ländlichen Bevölkerung in nähere Berührung gekommen sind, werden sich manchmal darüber gewundert haben, daß die Tuberkulose auch auf dem Lande eine solche Verbreitung gefunden hat, wie es leider in Wirklichkeit der Falt ist. Zwar lassen gewiß auch auf dem Lande die Wobnungsverbältnisse manches zu wünschen übrig. Indessen liegt die Sache hier doch ganz anders wie in den Städten. Der Landbewohner sitzt nicht tagsüber in seiner Wohnung, sondern ist draußen in der frischen Luft und auch fein Beruf sperrt ihn nicht die größte Zeit des Tages zwischen vier Wände ein. Dazu findet die Arbeit in der Regel in staubfreier Luft statt. Dies alles sind wirksame . Gegenmittel gegen ungünstige Einflüsse mangelhafter Wohnungen. Wenn trotzdem die Tuberkulose auch auf dem Lande als häufiger Gast erscheint, so müssen dafür Ursachen vorhanden sein, die bisher nicht genügend bekannt sind. Cine wichtige Nolle wird hierbei gewiß die mangelhafte Desinfektion solcher Wohnungen spielen, in denen Schwindsüchtige gewohnt haben und gestorben sind. Cin solches Hans kann einen förmlichen Seuchenherd bilden. Zn manchen Gegenden wird der Umstand von Bedeutung fein, daß viele Häuser keinen. Schornstein haben, wie man das sowohl im Binnenlande wie auch in Fischerdörfern findet. Daß der tägliche Aufenthalt in den rauchgefüllten Wohn räum en in hohem Grade gesundheitsschädlich ist, leuchtet ohne weiteres ein, zumal der Bauer und Fischer darauf bedacht ist, Türen und Fenster zu schließen, weil oben an der Decke die Würste und Speckseiten im Rauch hängen sollen. Wenn Dr. Ascher-Königsberg mit seiner Dheorie Recht hat, daß der Rauch in erster Linie an der weiteren Verbreitung der Tuberkulose schuld ist, kann man ermessen, welches Unheil durch diese Verhältnisse angerichtet wird. Von noch größerer Bedeutung ist vielleicht ein Umstand, auf den bisher anscheinend am wenigsten Rücksicht genommen ist«. Die Tuberkulose ist unter dem Geflügel weit verbreitet: von sachverständiger Seite wird bekundet, daß sie in jedem größeren Geflügelstand vorkommt und daß beispielsweise die Zahl der tuberkulösen Hühner mindestens 2 bis 3 Proz. beträgt. Daß der Erreger der Geflügeltuberkulose mit dem von Koch bei der menschlichen Tuberkulose gefundenen Bazillus völlig identisch ist, ist zwar bisher nicht sicher erwiesen, wird aber von sachverständiger Seite als höchst wahrscheinlich bezeichnet, beispielsweise auch von Dr. Klee, einem Spezialisten für Geflügelkrankheiten. Derselbe Gelehrte sagt in seiner Schrift „Geflügelkrankheiten" ausdrücklich, daß das ßit Tuberkulose leidende Tier seiner Umgebung im höchsten Grade gefährlich ist. dritte der Stabsarzt absichtlich die vorhandene Bruchanlage über» sehen. Es handelte sieb für Eifert darum, eine Jnvalidenvenllon zu erlangen. Das Strafverfahren mußte eingeftefft werden, weil der erforderliche Strafantrag von feiten des Stabsarztes fehlte. Als Vorgesetzter kann ber Arzt nicht in Betracht kam men da nur der Bezirkskommandeur Vorgesetzter des Reservisten ist. rn und heute eine Geflimst n g statt unter dem Protei Gießen, den 17. September 1906. Großh. Oberförsterei Wieseck Weigand. Obstversteigerung. Mittwoch, den 19. d. M., Vormittags 10 Uhr, wird das der Gemeinde Grüningen gehörige Obst, bestehend in 900 Bäumen sehr vollhängender Zwctschen, sowie Berliner Handelsges . , Darmstädter Bank . . , Deutsche Bank . . . Dentsch-Asiat. Bank . Diskonto-Kommandit. . . Dresdner Bank . . . Kreditaktien..... Baltimore- und Ohio- Eisenbahn . . Gotthardbahn..... Lombard. Eisenbahn . . Oesterr. Staatsbahn . . . Prince-Henri-Eisenbahn . Schon seit beinah 40 Jahren wird mit so großen Erfolgen von er|tcit Autoritäten und tausenden Aerzten das Nestle'sche Kindermehl angewandt, weil es sich bei Verdauungsstörungen aller vlrt nm besten bewährt hat. Die von einem Kinderarzt verfaßte Broschüre : Tie Pflege des Kindes, seine Ernährung und Ausziehung, em Ratgeber für junge Mütter, versendet gratis u franko Nestle's . Kindermehl G. in. b. Berlin 8 42 Lilckäuerstr. 3. 88,l/8 Kekanntmachllng. Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Wetzsteinstraße zwischen Nordanlage und Wetzsteingasse ruon heute an bis auf weiteres für den Fährverkehr gesperrt. Die unterm 17. Juli 1906 angeordnete Sperre der OSüdanlage zwischen Goethe- und Bismarcksiraße wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 15. September 1906. Großh. Voltzi mmt Gießen. Herberg. Birnen zu Honig, Glockenbirnen und Aepfeln losweise versteigert. Der Anfang ist beim Ort. Grüningen, den 13. September 1906. Großh. Bürgermeisterei Grüningen. Gilbert. . 212.— 34.20 . 127.70 . 145.00 Origirral-Drahtmeldrrngen. R.B. Darmstadt, 17. Sept. Das Gerücht, das russ. K arserp aar werde im Monat Oktober in Darmstadt ein- breffen, wird von zuständiger Stelle mit der Bemerkung Dementiert, daß hier nichts davon bekannt fei. — Aus /sulaß des Geburtstage? I. K. H. der Großherzogin fmoet heute auf Jagdschloß Wolfsgarten Fam ilien- f aJ 'm ratt/ an ber u. a. Prinz und Prinzessin Franz Joses unt) Prinzessin Viktoria von Battenberg nebst Kindern, sowie Todes-Anzeige. Gott dem Allmächtigen bat es gefallen, unfern imiigft gebebten Gatten, Vater, Bruder, Schwager und Onkel Kenn FersSigiaBieS Pau! nach langem, schwerem Leiden im Alter von 38 Jahren geifern abend 9 Uhr zu sich zu rufen, was wir Der- ken, tfreunben und Bekannten mit der Bitte um stille Teilnahme anzeigen. Die trauernden Hinterbliebenen: Frau Marie Paul nebst Kindern. Gießen (Steinstraße 76), den 17. Sept. 1906. Die Beerdigung findet Mittwoch den 19. b§. Mts nachmittags 31/. Uhr, von der Kapelle des neuen ftrieb- boses aus statt.__________________ 5qoq Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, mite-eteilt von der Bank fllr Handel nnd Industrie. Glessen. 4 Oesterr. Goldrente. . 47s Oesterr. .Silberrente 4 56 Ungar. Goldrente . . 4% Italien. Rente . . . 3üo Portugiesen Serie I . 3% Portugiesen „ III 4^°/, russ.Staatsanl. 1905 4^6/a japan. Staatsanleihe 4 ?o Conv. Türken von 1903 Türkenlose .... . . 4% Griech. Monopol-Anl. 4% äussere Argentinier . 3°/n Mexikaner .... 4j$% Chinesen .... Aktien: Bochum Guss..... Buderus E. W .... Tendenz: fest. Obstversteigerung. Das Obst auf den Bäumen bei den Kliniksneubauten (Zwctschen, Birnen u. einige Aepfel) soll nächsten Mittwoch, den 19. d. Mts., öffentlich gegen Barzahlung versteigert werden. Tie Versteigerung beginnt vormittags 10 Uhr bei der neuen Augenklinik. Gießen, den 15. September 1906. [B*T/e Großh. Baubehörde für die Universitatsneubauten, Gießen. Ob stv ersteigerung. Donnerstag, den 20. d. Mts. nachmittags 2 Uhr wird das Obst — Aepfel, Birnen, Zwctschen — aus dem kameralfiskatischen Klccgartcn bei Alten-Buseck an Ort und Stelle losweife versteigert. 16„Aei,f Dcr Füsilier Andreas maab II. von der 12. Komp. 80. Regts. wurde wegen Gc - Vor s a msvc r w e^g c r u n g und Beharrens im Ungehorsam bor versammelter Mannschaft vom Krieasgericht zu 43 Tagen Gefängnis verurteilt. Als am 25. August das .Homburger Ba- ^QlHJ zur Truppenschau fuhr, sollte Raab ein Abteil vertanen, well es nur 7 Sitzplätze hatte, während 8 Mann mvLbg* Raab weigerte sich beharrlich, obwohl es ihm hier ElNlährig-Freiwilliger Unter- offixier, ausdrücklich befahl. Raab brauchte bloß drei Schritte SU gehen, um in ein leeres Abteil zu gelangen. — Wegen An- ;ris9mnY9-»5tncr our" unwahren Angaben beruhenden Beschwerde a"^?Ele'digung war der Reservist Heinrich Eifert aus dem Landwehrbezirk Höchst angellagt. Eifert bat am 28. November zuständigen Bezirksfeldwebel eine Beschwerde S Oberstabsarzt Dr. Muller vom 33 Regt, zur Wciter- gnbe ans Regiment eingereicht, m der Eifert behauptete, er (et am ^ September v. I., als er eine dreitägige Arreststrafe antreten sollte, nicht auf seine Arrestfähigkeit untersucht worden uno als er am 24. ■ • — 3lt aber die Geflügeltuberkulose wirklich auf den Menschen übertragbar, so muß man sich wundern, daß die Schwind- fuefjt auf dein Lande nicht eine noch viel größere Verbreitung ßefunben hat. Der Bauer lebt mit seinem Geflügel vielfach unter einem Dach, jedenfalls in dessen unmittelbarster Nähe. Dabei ist noch besonders zu beachten, daß die Vogeltuberkulose s'ch 'n der Regel in den Verdauungsorganen abspielt, während tuberkulöse Erkrankungen der Lungen zu den Seltenheiten gehören. Die Hühner fressen den Auswurf schwindsüchtiger Menschen, erkranken dann selbst und verbreiten durch die im enthaltenen Bazillen die Krankheit weiter. Es ist dringend zu wünschen, daß die Wissenschaft hier bald Klarheit schafft. Bestätigt sich die bestehende Befürchtung, fo werden gewiß besondere Maßnahmen gegen diese Art der Verbreitung der Tuberkulose ergriffen werden müssen. Schon jetjt aber können die Geflügelvereine mancherlei tun, '"dem sie ihre Mitglieder über das Wesen der Geflügel- tuberkulöse aufklären und sie veranlassen, jedem stark ab= magernden Tier besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Dem Publikum aber sei empfohlen, auf den Märkten stark abgelagertes Geflügel nicht zu kaufen. Bekanntmachung. Wer für kommenden Winter Fichten-Deckreiser aus den städt. Waldungen zu beziehen wünscht, wolle dies spätestens bis zum 1. Oktober ans ber Bürgermeisterei, Zimmer 15, anzeigen. Die Lieferung erfolgt frei vor das Haus. Der Preis beträgt 20 Psa. für die Welle und ist bei der Anmeldung zu entrichten. Gießen, den 15. September 1906. ß17/, Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Märkte. !,cC AraErrt a. M., 17. Sept. lOrig.-Telegr. des „Gießen. Anz. ) Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktvre is e. Weizen Mk. 17.00—17.25, Kurhessiseber Mk. 18.00—00.00 La Plata Mk. 19 25-20.25, Kansas Mk. 19.25-20.25, Noagen (hiefiger) Mk. 15.25—16.00, Gerste lWetterauerl Mk. 17.25—17.75, Franken- selber Mk. 17.75—18.25, Hafer 15.50—16.25, MaisMk. 13.00—13.50, Weizenmehl 26.75—27.75, M. 00—00, 2. Qualität Mk. 24.75 bt§ Mk. 25.75, 3. Qualität Mk. 22.75-23.50, Roggenmehl 0 Mk. 24.2o—24.75,l. Qualität Mk. 22.50—23.00, Weizenkleie Mk. 10.00 bis Mk. 10.50, Roggenkleie Mk. 11.00—11.25, Maiskeime Mk. 12.00 bi§ Mk. 00.00, Franken, Pfälzer, Ried Mk. 17.25—18.25. Alles per 100 Kg. ab hier. fr 17. Sept. lTelegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz. ). Amtl. Notierungen derhetltigen Piehmarktpreise. Fmn 93erfaufe standen: 410 Ochsen, 156 aus Oestreich, 78 Bullen, 6 auS Oesterreich, 0 aus Dänemark, 902 Kühe, Fersen, Stiere und Amber, 0 aus Dänemark, 303 Kälber, 318 Schafe und Hämmel, 1671 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaslämmer. Bezahlt wurde inr 100Pfund Schlachtgewicht: Ochsen I. Qualität 83—87 Mk., 2. Qual 76-79 Mk., 3. Qual. 69-72Mk.: Bullen 1. Qual. 77 bis 80 Mk., 2. Quasi 72—74 Mk.: Kühe 1. Qual. 81—83 Mk., 2.Qual. 80 Mk., 3. Qual. 66-68 Mk, 4. Qual. 00-00 Mk., 5. Qual. 00—00Mk. Kälber: 1. Qual. 100—106 Pfg., Lebendgewicht 60—63 Pf., 2. Qual. 96—104 Pfg., Lebendgewicht 58—62 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg., Schlachtgewicht 75—80 Pfg., Schafe: 1. Qual. 83—85, «nDÄn'•(n?°~o0(LW' JA9‘'nL 00-00 Wo.; Schwein- I. Qual. 80—00 Pfg., Lebdgew. 63.00—00.00 Pfg., 2. Qu.79-00Psg., Lebend- 8k'^0500-00 Pfg., 3. Qual. 73-75 Pfg. Lebendgew. 00 Pfg. weichast bei Hornvieh gut, bei Kleinvieh gut, Markt unbedeutend, kein Ueberitand. ' Eh c,nnitz, 17. Sept. Eine Versammliing deS Landes- Ausschusses des nationalliberalen sächsischen LandeSvereins nahm eine Erklärung an, die das 93er- hatten der nationalliberalen NeichStugSfraktion bet der NeichSf.nanzreform verurteilt. Die Fraktion habe Verkehrs- und Wirtschaftsleben nicht berücksichtigt. Besancon, 16. Sept. Heute nachmittag schlug der Dl'tz in das Pulvermagazin dcS Forts Mont- faucon. Da? Magazin flog in die Luft und zerstörte das Fort. Bei der Explosion kamen neun Per- fonen, darunter zwei Offiziere, drei Soldaten und vier Zivilpersonen, u m S Leben; etwa 15 Personen erlitten Verletzungen. Die Leicheti sind zum Teil gräßlich verstümmelt. T^aft alle Fensterscheiben in den umliegenden Orten sind zer- kümmert und die Wege stark beschädigt. Bäume wurden in einer Entfernung von 500 Metern aus der Erde gerissen. Wieviel Pulver explodierte, ist nicht bekannt, doch steht fest, baß es mehr als 10000 Kilogramm gewesen sind. Die Behörden, sowie ein Bataillon Infanterie befinden sich an der Unfallstelle. Nom, 16. Sept. Die „Tribüne" meldet aus Kanea: Prinz wcorg von Griechenland erließ eine Proklamation an bic Kreter, in der er seinen Rücktritt von der Stellung als £6 er fommiffor bekanntgibt nnd erklärt, daß die Ernennung feine» Nachfolgers den nationalen Erwartungen entsprechen werde. Vrinz Georg wird, wi" das Blatt weiter meldet, die Insel verlassen, ehe sein Nachfolger dort eintrifft, der, wie es bestimmt heißt, Zaimcs sein wird. Petersburg, 16. Sept. An Stelle des verstorbenen Generals Trep 0 w ist ber bisherige Kommandant des Gendarmeriekorps, General Dcdjulin zum PalastkomMandanten ernannt worden. Petersburg, 16. Sept, lieber den Tod des General s Trev 0 w wird noch berichtet, daß Trevvw wie gewöhnlich nch wecken lassen wollte, fand man die bereits erkaltete Leiche Drevow äußerte in letzter Zeit wiederholt, er fei ohnehin ein ^°^"owat, die Revolutionäre machten sich unnütze Sorgen. Moskau, 16. Sept, lieber den jugendlichen Arbeiter <Äve- reto, der bet den Morden von Polizeiangestellten eine hervorragende Rolle gespielt hatte, ausgesprochene Todesurteil wurde heute vollstreckt. B u e n 0 s - Aircs , 16. Sept. Hier eingetroffenen Meld- ungen zufolge wurde in der Provinz Talea (Chile) vorgestern und geftern die Bevölkerung durch neue Erd er schü 11 erun g e n m Erregung versetzt, sodaß sie die Nacht auf den Straßen zu- brachte. ZpielplaE drr vereinigten Frankfurter Stadtkheater. Opernhaus. Dienstag den 18. Sevtember's: „Die Hugenotten." Mittwoch ben 19. Sevtember: „Tannhäusers Donnerstag den 20. September : „Oberon." Freitag den 21. September: „Cavalleria rusti- Hieraus: „Der Bajazzo." Samstag den 22. September: r rt c, V»^1 ielbraU t." Sonntag den 23. Sevtember, nachmittags bnlb 4 Uhr: „Die Geisha." Abends 7 Uhr: „Die Jüdin." Montag den 24. September, abends halb 7 Uhr: „Lohengrin." , Schauspielhaus. ■ Dienstag den 18. September'): Zn Hrch. Laube's 100. Geburts- tng: „Graf Essex." Mittwoch den 19. September: „Kettenglieder." Donnerstag den 20. September: „Der Verschwender." Freitag den 21. Sevtember: „Kettenglieder." Samstag den 22. Sevtember: Sonntag den 23. Sevtember, nachmittags^halb 4 Uhr- „Der Weg zur Hölle." Abends 7 Uhr: „Graf Essex." Montag den 24. September: „Kettenglieder." *) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr. 10 ^voraussichtliche Witterung in Hessen für Dienstag, den 18. ©eptember: Mäßige westliche Winde, abnehmende Bewölkung, Nachlassen der Niederschläge, imebb? fiihlcr, tags wärmer. n Tie Ztusiie'lliW irar ftk eilen Hessens und aus den m> . Ähr reichhaltig waren bic er, nir Italiener, für Enten, VoriüMeö Zücklmaterial >n. Werfaiifflfafft um-- Li°skellllng mcke bont Fei' sä standen zaUrei'^ Gren- üom Fürsten Karl, einer MelzMvnmen «en >' Itnburq, LaninhnL, a -rmkinll MW®* Meri-Äeklar, ttw TheiMadenbach, Sun*.* Amn-^irWm. HmE-' Ml-Viesbnden,, lstMM Sy »es S.w'1'5 «Kn- SU*® ' Ahier öK d' Di« ■ ..„ntrr«5* M 581*®** efit1-1 st'K- Gelsenkirchen Bergwerk . 224.40 Hamburg-Amerik. Paketf. 159.20 Harpener Bergwerk. . . 212.25 Lanrahiitte......245.60 Nordd. Lloyd.....127.90 Oberschles. 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Universitäts-Naebrrchten. ft Ein Extraordinariat für neuere deutsche Literaturgeschichte wurde in der Würzburger vlnlo- sovhischen Fakultät errichtet und dem Privatdozenten mit dem Titel und Rang eines a. 0. Professors daselbst Dr. Hubert R 0 e11eken übertragen (geb. 1860 zu Grünfelde, in Westpreußenl. Bon seinen Schriften fei seine geistreiche auf psychologischer Basis sich ouf- bauenbe „Poetik" hervorgchoben, von der indes bisher leider erst em Band vorliegt. vermischtes. * Kindersegen! „Der „Straßb. Post" zlffolge hat in Zabern dieser Tage die Ehefrau des Korbmachers Adrian das vierundzwanzigste Kind geboren. Da Mann und Frau noch sehr rüstig sind, so hofft die „Straßb. Post", daß das Viertelhundert noch komplett wird. * Der Fortschritt in San Marino. Die kleine Republik >äan Marino in Italien will sich jetzt auch modernisieren. Bisher lebten die Einwohner glücklich und zufrieden, sie zahlten keine Steuern und Abgaben, sie erhalten umsonst ärztliche Pflege, wenn sie krank waren, und die 60 Mitglieder ihrer repräsentativen Kammer, die auf Lebenszeit gewählt waren, sorgten weise für das allgemeine Wohl. Sie hatten keine großen Lasten für die Rüstungen zu tragen, da sie sich mit einer kleinen Miliz und dem Besitz vier uralter Kanonen begnügten. Das alles sott jetzt, wie der „Gil Blas" schreibt, anders werden. Neben den Errungenschaften der modernen Technik, dem Telegraph und dem Telephon, soll auch das parlamentarische Regime mit seinen Unruhen und Kämnsen einaefübrt werden. Agent F. MITIN ü. tik L Co 44 Bahnhofstrasse 44 Suche zuin sofortigen Eintritt 3-4 tiW. Schreiner. Dauernde Stellung. [5506 Heinr. Reger, Eisschrankfabrik. Zlräftige FeuerscbmieESe, Hammerschmi®- SchBosser [de On'eSteis* und ArfeaitsSeute für dauernde Stellung bei hohem Lohn gesucht. [hv®/e Henschel & Sohn, Lokomotivfabrik, Cassel. 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