Erstes Blatt 156. Jahrgang Montag 17. September 1906 : nesung. Am 12. d. M. wurde Professor v. Bergmann vom : Sultan empfangen, wobei letzterer ihm von seiner Krankheit sprach, ohne ihn jedoch zu konsultieren. Das Befinden des Sultans ist gut und die ärztlichen Autoritäten versichern, daß die ihm durch den Leibarzt Nurri Bey zuteilwerdende Behandlung ausgezeichnet fei. Tie tu r ki scheu 8iüstunge n haben in den letzten Wochen stark zugenommeu. Es ist gewiß, daß das entschlossene Vorgehen des tranken Mannes die bulgarischen Hoffnungen auf Einverleibung Rumeliens beeinträchtigen wird. Nachrichten über eine neuerliche Beunruhigung der Pforte an die Großmächte wegen angeblicher Äriegr-vor- bereitungen Bulgariens erregten nach offiziöser bulgarischer Meldung in Sofioter polittichen Kreisen Befremden. Die visherigen bulgarischen Maßnahmen sind, so wird dort behauptet, lediglich, Vocbereitilngen für die bevorstehenden Manöver und keinerlei außergewöhnliche-.Erscheinungen; sie haben mit Mobilisierungsvorbereitungen nichts zu tun. Ebenso denken die bulg. offiziellen Kreise an keinen Krieg mit der Türkei und find selbst durch die militärischen Maßnahmen der Türkei im Wilcyet Adrianopel beunruhigt. Rußland erlebte die furchtbaren Tage von Sied le e. Dem neuesten Berichte über das dortige Massakre ist sol-, gendes zu entnehmen: Ter Arrangeur, Oberst Tychanowski, ist Verfasser einer von der Regierung als hetzerisch konfiszierten Brandschrist gegen die Juden und Intellektuellen. Während der Masfakrrerung und Plünderung der jüdischen Bevölkerung sah man Offiziere auf öffentlicher Straße an den aus den Wohnhäusern heransgeschleppteil Tischen bei Kognak und .Schnaps Lieder singen. Die Zahl der Toten, ist nach Len letzten Nachrichten 14z, die der Verwundeten 450. Ausgeplünderi wurden 70 Geschäfte und 120 Wohnhäuser, beschädigt durch Kugeln 200 Wohnhäuser. Amtliche Nachrichten verzeichneten 20 000 Geweyr- und 8 Kanonenschüsse. Nach Privatnachrichten sind diese Ziffern zu vervierfachen. Man steht unter dem Eindruck, daß eine neue Reihe von Judenexzessen begonnen hat. Nach einem vertrauenswürdigen Brief aus Warschau steht gum wenigstens dort cüt Blutbad bevor. Ehess Warschauer Regimenter hielten aufreizende Ansprachen. Zirner."wird allein aus Warschau folgende Statistik für die erste .Hälfte des September gemeldet: 45 Polizisten getötet, 55 verwundet, 6 Bomben geworfen, 18 Branntweinbuden vernichtet, 08 ausgeplündert. Der „Partei der Volksfrciheit" (Kadettenpartei- und dem „Verband vom 30. Oktober" wurde die behördliche Genehmigung versagt. Tie Z a r e n f a m i l i e befindet sich auf einer Erholungssahrt ,in den finlandischen Gewässern an Bord des „Standard". Tie aus Rußland in Kopenhagen eingetrofsene Zaren-Witwe ist an Boro ihrer Jacht „Polarstern" ertrankt und sand in ihrer gleichfalls in Kopenhagen anwesenden Schwester, der sümigui Alexandra voll England, eine eifrige Pflegerin. Der Kopenhagener „S1andard"-Korrespondenr ro-iu von einem Offizier des „Po-" larstern" erfahren haben, daß sich an einem der letzten Abende kurz vor Eintritt der Dunkelheit ein geheimnisvoller Vorfall ereignete. Ein sehr zersetzter Brief, der in schlechtem Russisch an die Kaiserin-Witwe adressiert mar,: wurde an Bord des „Polarstern" geworfen, vermutlich aus einem vorüberfahrenden Boot. Er war an einem kleinen Stein befestigt worden und warnte in demselben schlechten Russisch wie seine Adresse die Kaiserin vor einer drohenden Gefahr. Irgendwelche außergewöhnliche Vorsichtsmaß^, regeln für den Schutz des „Polarstern" wurden nicht ge- ttofsen. Tas Schiss liegt an der gewohnten Stelle vor Anker, dicht am Land. Nach Eintritt der Dunkelheit patrouillieren Wachtboote mit starker bewaffneter Bemannung die Umgebung des Schiffes ab. Aus Kuba geht es drunter und drüber. Rebellenhaufew näherten sich unter dem Kommando Guerras der tzauvt-, stadt, wurden aber, wie es heißt, bei Wajary, 12 Meilen südlich von Havanna, auseinandergesprengt. Trotzdem glauben die Vereinigten Staaten mit bewaffneter Hand em- greifen zu müssen. Es steht ihnen aber vtetleichr derselbe' langwierige Guerillakrieg bevor, der oen Spaniern so gewaltige Opfer an Gut und Blut gekostet hat, ohne daß sie die Insurrektion unterdrücken konnten. Zu den Philippinen, die ihm schwer genug im Magen liegen, will trotzdem dem Anscheine nach Bruder Jonathan vielleicht noch das nicht minder unverdauliche Kuba verspeisen. Kriegssetretär Tast und Unterstaatssekretär Bacon vegaben sich im Auf- ttage Roosevelts von Washington aus mit 3000 Soldaten aus starken Schiffen nach, Havanna, wie aus Washington versichert wird, „um die Bedingungen aussüldig zu machen, unter denen jeder mögliche Beistand zur Beruhigung des Landes geleistet werden kann." Und aus Newyort wttch Nr. 218 Erscheint tSgttch außer SonMagS. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck tu Verlag der Brü h l'schen Untvers^Buch-u. Steindruckerei. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Redaktion 113 Verlag u.Exped.e^bl Adresse für Deoeschen: Anzeiger Gießen. sind u. a. angemeldet: der Kaiser, der Herzog von Connaught als Vertreter des Königs von England, der Gr o ß h er zog v o n H e s s e n, der Fürst von Schwarzburg-Rudolstadt, Prinz Ernst von Sachsen-Altenburg und Prinz Max von Baden. Die Kolon-ialdebatte in der deutschen Presse nahm einen höchst unerquicklichen Charakter an. Die „Tägl. Rundsch." griff den soeben zum Oberlommandeur dec Schutz- : truppe beförderten Oberstleutnant Quade aufs schärfste an, weit er angeblich dem „Berl. Lokalanz." Mitteilung darüber gemacht hätte, daß eine Reihe von Offizieren von der Firma Tippelskirch Geldbeihilfen empfangen habe. Als Oberstleutnant Quade alsbald in einer Berichtigung die absolute Unrichtigkeit der Behauptung festftellte, begann die „Tägl. Rundsch," einen Rückzug. Sie revozierte und gab ihre Quelle Preis, indem sie erklärte, ihr Gewährsmann habe die Nachricht von einem Dr. Mode, Berichterstatter des „Lokalanz.", erhalten gehabt, der sich für ihre Richtigkeit verbürgt habe. Tr. Mode und der „Berl. Lokalanzeiger" fertigten daraus die „Tägl. Rundsch." ab. Der „Lokalanz." erklärte, der Gewährsmann der „Tägl. Rundschau" sei Tippelskirch selbst, und .Dr. Mode klärte in längeren Artikeln die Presse über den wirklichen Sachverhalt auj. Zum Schlüsse übersandte er dem Herausgeber der „Tägl. Rundsch." eine Pistolenforderung, welche — abgelehnt wurde. Quade und Tippelskirch haben nun die „Tägl. Rundsch.", den „Berl. Lokalanz." und das „Berl. Tagebl.", und zwar Redakteur, Drucker und .Verleger (!) vor den Kadi zitiert. Herr v. Podbielski, dessen Vorlage über die Döbe- ritzer Heerstraße der Kaiser nach dem Vortrage des Ministers guthieß, empfing in Talmin während der Manöver den Besuch des deutschen Kronprinzen. Letzthin wandte sich auch der konservative Verein Berlin s in einem bemerkenswerten Beschluß dagegen, daß man zugleich Reichslieferant und Staatsminister fein könne. Der Rücktritt Paasches von seiner Charlottenburger Professur wird wohl erfolgt sein, um Paasches Arbeitszeit in den kommenden parlamentarischen Arbeiten zu entlasten. Ter jungliberale Parteitag in Hannover schloß mit einer Einigung der alten und jungen Nationalliberalen. Ter deutsche Juristen tag nahm in bemerkenswerter Weise Stellung zu der einheitlichen Regelung der Akkordarbeit, verlangte fernerhin eine gesetzliche Ausgestaltung des Tarifgemeinschaftswesens. Die Thesen Kahls über die Behandlung des Rückfalls im Strafrecht gelangten zur Annahme. In der Tagung der internationalen kriminalistischen Vereinigung wurde eine Kommission zur Herbeiführung einer neuen Grundlage für die Straf- Prozeßreform gewählt und die Notwendigkeit eines Aus- lieserungsgesetzes betont. Die Wahl des deutsche n P aters F. X. Wernz zum Jesu.itengener al hat die französische Presse ganz aus dem Häuschen gebracht, und sie sucht krampfhaft, chren Lesern einzureden, niemand anderes als der deutsche Kaiser sei der spiritus rector dieser Wähl. Ter „Matin" meint sogar 5er erste Schritt zur Verdeutschung des katholischen Kultus sei bereits getan, und da die Brüder von der Gesellschaft Jesu ihrem General unter allen Umständen blindlings gehorchen müssen, so würden sie auch nichts dagegen tun können, wenn dieser eines Tages auf Wunsch Kaiser Wilhelms anordnet, den katholischen Gottesdienst künfttg- hin in den Kirchen Frankreichs in der verhaßten deutschen Sprache abzuhalten. Doch diese neue „Enthüllung" des Leiborgans des früheren Ministers Delcasse ist zu dumm, als daß sie einer Widerlegung wert erschiene, aber sie wirst doch wieder ein sche£t. jeifie die, Fürstin Auguste zu Isenburg und Büdingen -Wächtersvach, die älteste (und Lieblings-- Tochter des Kurfürsten, bie gegen ben Willen Bismarcks m ber Eefanaenichaft bei ihrem Vater weilen burftc, nach Wächtersbach zurück. Als Bismarck brohte, er werde die Fürstin bei ihrer Ankunft in Stettin verhaften la]feit, wandte sie sich direkt an König Wilhelm. Ter König schrieb ihr eigenhändig: „Da der Kurfürst, durch bie politischeu Verhältnisse veranlaßt, seit gestern in Stettin in meinen Staaten refibieti, so stehl nichts entgegen, baß bic Frau Fürstin sich borthin begibt, was ich sogar sehr gerne sehe, damit Ihrem Herren Vater jebe Annehmlichkeit widerfahre. Wilhelm Re^." Am 18. Sept, wurde der Kurfürst aus der Kriegsgesangenschast entlassen. Er begab sich am 10. Sept, früh 8^2 Uhr nut feiner Gemahlin, Der Fürstin von .Hanau, und Gefolge nach Dresden, wo. er bis zum 29. September Wohnung nahm. Stuttgart, IC. Sept. Unter dem Vorsitz Professors Chun- Leipzig ist heute der Vorstand uird der wissenschaftliche Ausschuß der Gesellschaft deutscher Naturforscher u. A e r z l e zufanilnengetreten. Zu dem morgen beginnenden Kongreß haben |tcl) 2500 Teilnehmer angemetdei. Heule Abend fand ein Be- grüßungsabend in der Oiederhalle staü. Der englische Kriegsminister Haldane italienisch-jüdischen Gelehrten und Dichters M. H. Luzzatto. Hier wurde er bald Sekretär der Die Sozialisten Shaw und Bernstein. Herzog aus. Hartwigs ältester Sohn, Jakob Dernburg, der Urpartei und entschiedener Gegner des reaktionären Ministers zu uns polififd?e Lagesscharr* Von einem geplanten Kaiserattentat nichts zu essen hat. Die Abdankung Kaiser Franz Josefs bevorstehend? Von einem besonderen Wiener Korrespondenten wird Der „neue Wann" und seine Ahnen. Zur Geschichte der DernburgS wird dem „Rhein. Kur." geschrieben: Unser neuer Kolonialdirektor und sein Vater entstammen einer altjüdischen Geistesaristokratie, einer franko- „Wir sind Ritter, deren Burg bei Halberstadt liegt". Von Derenburg Font die Familie nach Offenbach, Frankfurt a. M. und Mainz. Ucber das erste bekannte Mitglied der Familie Jakob Derenburg lassen sich bestimmte Angaben nicht machen. Sein Sohn Hartwig Derenburg war der Verfaffer eines in hebräischer Sprache geschriebenen Lustspiels „Die Bewohner der Welt", die Nachbildung eines ähnlichen Stückes deS Darmstadt. Er starb, als großhcrzoglich hessischer Obcr- prokurator in den 60 er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Eine Episode von kurzer Dauer in seinem wechselvollen Leben bildete seine akademische Tätigkeit als ordentlicher Professor der Rechte in Gießen. Auf dem Katheder wußte er aber keine Erfolge zu erringen; wegen seines näselnden Organs war er häufig ein Gegenstand der Heiterkeit bei seinen Zuhörern, so daß er sein Lehramt bald niederlegte. Seine juristische Begabung vererbte sich auf seinen ältesten Sohn, den bekannten Berliner Pandektisten und Zivilrechtslehrer Heinrich Dernburg (geb. 1829 in Mainz). Von deffen verhaftet. Heber den ganzen Vorfall wird peinliches Schweigen bewahrt. Auffallend ist, daß Rosenberg in früheren Jahren, als er nach Soden kam, dürftig gekleidet ging, wahrend er m dm em Jahre eine übernu§ reiche Kleidung trug. Er wrirde von einem Geheimpolizisten und zwei Musketieren des 80. Infanterieregiments abgesührt. Sollte es sich hier nicht um ein durch rasches Zugrei en vereiteltes Attentat handeln? Die größte Anzahl der verhafteten Ruffen besteht aus Studenten der Chemie." , So die Darstellung. Der Verdacht hat sich ;edoch sehr bald als haltlos erwiesen; das Verhör gab keinerlei Anhaltspunkte, und auch bei der Durchsuchung der Effekten des Verhafteten wurde nichts Verdächtiges gefunden. Deshalb wurde der Verhaftete alsbald wieder auf freien Fuß gesetzt; er hat inzwischen Soden verlassen. geschrieben: Angesichts der trüben innerpolitischen Lage tn Oesterreich- Ungarn gewinnen die fortgesetzt herumschwirrenden Gereichte von der Reqierungsmüdigkeit des alten Kaisers Franz Josef Beachtung. Hat er doch in der letzten Zeit selbst wiederholt geäußert, daß er lieber heute als morgen abdanken möchte, und er hätte diesen Vorsatz vielleicht schon ausgesührt, wenn nicht eine Gruppe von Familienmitgliedern, an deren Spitze die Lieblinastochtcr des Kaisers, Erchu-ogin Marie Valerie steht, immer wied.r zum Ausharren rieten. Der präsumtive Thronfolger, Erzherzog Friedrich Ferdinand, erfreut sich zwar.bei dem östreichi- schen Volke und auch in Ungarn, soweit es nicht magyarisch ist, großer Popularität, allein in der kaiserlichen Familie selbst sind cs nur einige von den jüngeren Erzherzögen, die zu ihm halten. Sein energischer, rasch entschlossener Charakter, sein unbeugsamer Wille, seine Zähigkeit im Verfolgen eines gesteckten Zieles, das alles sind Eigenschaften, welche man, sonst bei den Habsburgern selten findet, und die. den Thronfolge'' schon allein in Aber auch folgendem Schluß gekommen: Ein Mann von der Börse! Es ist eine Schande! Die Kreuzzeitung kündet es schaudernd dem Lande, Sie fügt sich dem Thron Mit süßsaurem Ton, Halb Loyalität und halb Opposition. Ein Mann, der noch nie ein Examen bestanden, Hört, hört! ein Kollege von Schultz' und von Sanden, Voll Tücke und List, Dreiviertel nur Christ. Ein Mann, der — kaum glaublich — nur Feldwebel ist! Ein Feldwebel? Bravo! Den brauchen wir gerade, Der zugreüt und ohne Erbarmen und Gnade Und mit Energie Die schlotternden Knie' Durchdrückt der verlotterten Stammkompame. ging dieser Tage in Schlesien und Berlin die Rede. In Berlin und Breslau hatte die Verhaftung von Anarchisten Aufsehen erregt. Einer der bekanntesten Anarchisten Berlins wurde von der Arbeit weg verhaftet. Auch in zahlreichen anderen preuß. Städten, namentlich am Rhein wurden Haussuchungen vorgenommen. Daraufhin verbreitete sich hier und da das Gerücht von einem Kaiserattentat. Nun erfährt von autoritativer Seite die „Brest. Ztg.", daß amtlich von einem geplanten Attentat auf den Kaiser absolut nichts bekannt ist und daß die dortigen Verhaftungen vom Kaiserbesuch ganz unabhängig seien. Seit Monaten sei die Breslauer Polizei einem anarchistischen Geheim-Konventikel auf der Spur, wo Gelder gesammelt und anarch. Blätter gelesen wurden. Erst kürzlich habe man vier daran teilnehmende Ausländer ermittelt, deren Festnahme alsbald in der üblichen Weise und ohne daß Widerstand geleistet wurde, erfolgte. Drei Oesterreicher in Breslau sehen ihrer Ausweisung entgegen, ein Italiener wurde wieder freigelasscn, weil er nur mangelhaft des Deutschen mächtig ist und die Verhandlungen des Konventikels kaum verstanden haben dürfte. Deutsches Reich. Breslau, 16. Sept. Der Kaiser besuchte heute vormittag mit den Herren des Gefolges den Gottesdienst in der St. Barbara.Kirche. Um U1/, Uhr empfing der Kaiser den mit der Vertretung des Direktors der Kolonialabteilung des Auswärt. Amtes beauftragten Wirkt. Geh. Rat Dernburg und nahm später die Meldung des mit der Führung des 5. Armeekorps beauftragten Generalleutnants Kluck entgegen. Zur Frühstückstafcl waren geladen: Oberstkämmerer Fürst zu Solms-Varuth, Exzellenz Dernburg und der Kommandant von Breslau Generalleutnant v. Wallenberg. Norderney, 15. Sept. Der zurzeit hier befindliche freis. Abg. Sch m idt-Elberfeld folgte am Freitag einer Einladung des Reichskanzlers zum Frühstück. Heute ist der Zentrums-Abg. Dr. Spahn hier eingetroffen und wurde gleichfalls vom Fürsten Bülow zum Essen gebeten. hielt am 14. d. M. eine Rede in Newcastle on Thne über den 1 neuen Generalstab, den er soeben für die englyche Armee nach deutschem Muster eing-stührt habe. Haldane erllarte, er hätte viel auf seiner Reise nach Deutschland gelernt. Viele Einzelheiten seines Reformplanes seien am feine Ausl prachen mit den Generalen und Offizieren des deutschen Generalstabes zurückzusühren. Das Problem der Armee-Organisation sei aber in England anders zu lösen, wie in Deutschland. Es sei unmöglich, die deutschen Einrichtungen in England genau nach- zuälnnen. Beide Länder gebrauchten den Kern einer tüchtigen Armee im Frieden, welcher in Kriegszeiten einer großen Aus- delmung fähig sei. Insofern liegen die Verhältnisie m beiden Ländern ähnlich. England sei aber auf die freiwilligen Soldaten angewiesen, während Deutschland einen Zwang ausübe, den man in England nicht dulden würde. Gute große Freiwilligen-Miliz als Volk unter Waffen sei die einzige Lösung für England. „ „ . .. Bei einer am 16. in Newcastle gehaltenen Rede über Die Heeresangelegenheiten kam der engl. Kriegsminister beiläufig auf die auswärtigen Beziehung en zu sprechen und tagte: Unsere Beziehungen zu Frankreich sind enger und intimer wie je zuvor und haben uns in freundliche Beziehungen zur russischen Regierung gebracht. Ungeachtet der gegenwärtigen Schwierigkeiten smd untere Beziehungen zu Deutschland, besser, als sie vor^ kurzem * Sein Geholt. A.: Wos bekommt eigentlich unser neuer Kolouialdircktor? — B.: Soviel ich weiß, 20 000 Mk. — A.: Das holte ich ober für ziemlich wenig, da diese» Posten doch vorher schon Hohen Loh'n abacworfen hat. v. Dalwigk. Erwähnung verdienen noch zwei Mitglieder einer Seitenlinie der Familie, die, in Paris ansässig, als Orientalisten bedeutenden Ruf genießen bezw. genoffen, der 1895 verstorbene Professor Joseph Naphtali Dörenbourg (gehör. 1812 als jüngerer Sohn des obengenannten Hartwig D.) und dessen Sohn'Professor Hartwig Dörenbourg (ge< bor. 1844). — Auch die „Jugend" hat Dernburgs gedacht und ist germanischen Familie, der wir eine Reihe hervorragender Gelehrter, vorzüglich Orientalisten, zu verdanken haben. Ihr Stammort nm, Derenburg °m kleines Städtchen nahe ----- Halberstadt, und scherzweise sagten die Herren Profefforen, ivemt sie über die Herkunft ihres Namens befragt wurden, ........... dem Reiche nachzuholen. Bei dieser Gelegenheit wandelten ____________ , , . „ v öo6iulutuiulitulc uuxe, befaßte sich mit Eduard viele Juden ihre altjüdischen in moderne Vornamen um, und hoch. Der Vorsitzende Planck brachte das Hoch auf den Groß- Bernstein. Dem sozialdemokratischen Zentralorgan, das Herrn der „Cabaretier Hersch Dernburg" —er hatte neben- Der deutsche Gesangverein verschönte daS Fest ^ham einen „Ueberbrettldrcimatiker" genannt hatte, bedeutet bei auch eine kleine Restauration neben der Synagoge — mit'Vorträgen. er mit der Freundlichkeit deS Kundigeren, daß Shaw der hieß von da ab Hartwig Doerenb ourg. unermüdliche Vorkämpfer Ibsens in England und der uner- Hartwigs ältester Sohn, Jakob Dernburg, der Ur- bittlich" GefellschaftSkritiker ist, der in den „Helden" die mili- großvater des Kolonialdirektors, 1794 tn Mainz geboren, tusche Pose in den Häusern deS Witwers" den Boden- wurde Rechtsgelehrter. Er war lange Vorsteher der Milchen wuchcr, in „Frau Marrens Gewerbe" unsere gesellschaftliche Gemeinde und trat in den 40 er Jahren deS vorigen Jahr- Moral mit schärfstem Sarkasmus blosgestellt hat. Danu hunderts zum Christentum über. Seme weitere Laufbahn gibt er Shaw einen Nebenhieb, weil er, wenn er durch seinen mar die eines Richters am Kreis- und schließlich am höchsten Brief auf die Partei in Deutschland einwirken wollte, den Gericht seines engeren Vaterlandes, am Kassationshof m denkbar ungeschicktesten Weg gewählt habe, um diese Absicht auszuführen. Seine wichtigsten Gedanken kleidet Bernstein in folgende Sätze: „In einem Punkte gibt Shaw immer in seiner Weise einem Empfinden Ausdruck, das man so ziemlich bei allen Sozialisten des Auslandes antrifft: nämlich daß zwischen der numerischen Stärke der d e u t s ch e n S o z i a l d e m okratie und ihrer Einwirkilng auf die deutsche Politik ein bei s p i e l- loseS Mißverhältnis besteht. Darüber denkt Shaws größter Antipode im sozialistischen England kaum anders als er, und in Frankreich, Italien, den nordischen Ländern, bet den slawischen Sozialisten, überall kann man ähnliches hören." Daß diese Sätze vollkommen zutreffen, wird jeder Unbe- -------~ irn ,nph fangene U gib. n..ch nrch ^.änbische Sozm, “S bi ufitLV.it bet p.HtifÄnVe. di- Red- gewesen. Ms w-gung, deshalb suchen fi« eine t^obe, bi. d-n Gewerk- “ schäften die größte Rolle erteilt. Das ist nn Grunde dasselbe, was Bernstein meint. Nur darf man nicht sagen, daß die politische und parlamentarische Aktion an sich für eine Arbeiterpartei nutzlos sei. Der Fehler liegt an der gegenwärtigen Tätigkeit und Agitationsweise der Sozialdemokratie. Sie hat drei Millionen Wähler nnd erreichte so gut wie nichts. Sie hat den Schlüssel zur Macht, ober sie hat keine Macht. Sie gleicht einem Manne, der sehr fein gekleidet geht und dabei Attentat auf Witte? Heber einen Zwischenfall, der sich in Soden im Taunus ereignet hat, geht der „Lipp. Landesztg." von einem Detmolder, der dem Vorgänge als Zuschauer beiwohnte, folgende Schilderung zu: „Unter den in Bad Soden weilenden Badegästen befindet sich auch eine ganze Anzahl Russen. Da sieht man ganze Trupps Studenten, angetan mit dein typisch gewordenen Kittel, der durch einen Gürtel geschlossen wird, promenieren. Besonders diese erfreuen sich in der Sodener Bevölkerung großer Beliebtheit, da sie äußerst bescheiden, ruhig und zuvorkommend sind. Unter ihnen befindet sich auch ein russischer Staatsangehöriger Rosenberg, der bereits fünf Jahre hindurch in Soden roei't, und der am Samstag vor acht Tagen unter dem Verdachte, ein Attentat auf den früheren russischen Finanzminister geplant äu haben, verhaktet wurde. Letzten Samstag kam der frühere russische Finanzminister zum Kurgebrauch in Soden an. (Graf Witte ist nur vorübergehend in Soden gewesen; er hält sich in Homburg auf). Es waren die umfassendsten Sicherheitsmaßreaeln getroffen worden. Nichtsdestoweniger hatte sich eine große Anzahl von Zufchauern vor dem Kurhotel eingefunden, in dem Witte absteigen sollte. Unter den Zuschauern bekand auch ich mich. Ich mochte wohl ungefähr zwei Minuten von dem Knrhotel entfernt gestanden haben, als ein Automobil herangefahren kam und vor dem Eingänge des Hotels hielt. Schnell stieg der Minister aus, aber noch schneller trat Rosenberg auf ihn ziy lüstete feinen Zylinder und rief einige Worte. Im selben Moment wurde Rosenberg, der nicht einmal Zeit hatte, seinen Hut wieder auszusetzen, von hinten umschlungen und verhaktet. Als Rosenberg auf den Minister zu trat, wurde dieser kreidebleich und sah furchtsam zur Seite. Es war mir, als ob Witte ein Attentat befürchtete. Nachdem Rosenberg verhaftet, stießen die anwesenden Russen laute Sch m ä h r u f e aus. Lump, Schurke, Schuft, Hallunke, tönte es von allen Seiten. Wem diese Worte galten, wer weiß eS? In den nächsten Augenblicken war die ganze Gruppe, aus der die Ausdrücke kamen, waren. Um«.» w«. ——। -~ und Deutschlands hindeuten, sich zwar als Rivalen aber doch als freundliche Rivalen zu betrachten, sei die Z u r ü ck z i e h u n g nahezu der Hälfte der deutschen Streitkräfte aus Südafrika seitens der Deutschen. Zu Zwecken des letzten Krieges hätten die Deutschen 15 000 Mann in Südwestafrika gehabt, was eine gewisse Mißstimmung bei nervösen Leuten in England habe entstehen lassen. Er, so fuhr Haldane fort, sei fernen Augenblick darauf gekommen, zu denken, daß dabei irgend etwas Unnatürliches war. Aber nun stelle sich heraus, daß nut dem Beginn des nächsten Monats 700 Mann deutsche Truppen zurückgezogen werden sollen. Das müsse EnglandsWerk inSüd- afrika erleichtern. , „ ,. „ ., nunt»n|u.j‘-j1uvi|M.jv»i In der Antwort -uf einen Brief, IN dem die Notwcndlgle, 1798 in Offenbach veröffentlicht. Um diese Zeit einer Verringerung der Rüstungen betont wird, billigte „ . . , ' - Kriegsminister Haldane die ausgesprochenen Gefühle, doch sei zog Hartwig nach Mainz. es bei der bestehenden Sage der Dinge nötig, dw nationalen jüdischen Gemeinde, em Poften, zu dem man stets gelehrt! Verteidigungsmittel aufrecht zu erhalten. Wenn ir- £eiljc nahm, da mit diesem Amt häufig die Obliegenheiten gend eine Verringerung der RMungen zustande gebracht werden c{nc§ Lehrers und Unter-Rabbis verbunden waren. Ur- iolle, so muhen die großen Nationen zu ihrer ^purcyiuyr- • . .. . f.. ung sich vereinigen, aber England allein könne sich nicht sprunglich hieß Hartwig mit Vornamen Ze bi-Hirsch, selbst in eine schwache Stellung begeben. aber am 20. Juli 1808 wird den Mainzer französischen * Bürgern mosaischen Glaubens, ivelche laut Artikel 7 deS Die Sozialisten Shaw nnd Vernstein. kaiserlichen Dekrets vom 17. März 1808 noch keine Vor- Mit der bekannten sarkastischen Kritik, die der englische und Familiennamen angenommen hatten, befohlen, dies inner- einen gewissen Gegensatz zu seiner Familie stellen. noch andere persönliche Momente spielen hier nut, vor allem das Zerwürfnis mit dem töchtergefegneten Erzherzog Friedrich, welches dadurch entstanden ist, daß an dessen Hofe der zukünftige österreichische Kaiser seine jetzige Gemahlin, die frühere Gräfin Chotek, kennen und lieben gelernt hatte, anstatt eine der zahlreichen Töchter des Hauses zu erwSUen, wie man bei beit häufigen Besuchen des Erzherzogs Franz Ferdinand bei seinem Vetter fieber angenommen hatte. Daß dem greifen Kaiser Franz Josef diese Unstimmigkeiten in feiner Familie schon manch» düstere Stunde bereitet haben, versteht sich von selbst, und ex entschließt sich daher in seinem Pflichtbewußtsein immer wieder dazu, die Krone weiter zu tragen, die ihn schwer drückt. Trotzdem sind Ueberraschungen nicht ausgeschlofsen, namentlich wenn die neuerlich eingeleiteten Ausgleichsverhandlungen scheitern sollten. Berlin, 15. Sept. Heute abend fand anläßlich des 80. Geburtstages und der Goldenen Hochzeit des Groß- herzogS von Baden'eine Huldigungsfeier in der Philharmonie statt, veranstaltet von dem Verein der Badener und dem Verein ehemaliger Kameraden des 14. Armeekorps. . Von hervorragenden Persönlichkeiten sah man den badischen Staatsrat Dr. Scheeri, den Generaladjutanten des Kaisers, v. Bülow, den Rektor der Universität Geheimrat Diehls, den Eisenbahnpräsidenten Dr. Schulz und andere mehr. Die Festrede hielt Dr. Many. Ein folgendes Festspiel, betitelt „Ein Auftakt", gedichtet von Rud. Presber (als Buch erschienen in der Verlagsanstalt Concordia in Berlin W. 50) schloß mit einer sinnigen Huldigung vor der auf einem blumengeschmückten Sockel ruhenden Büste deS Großherzogs. Dem Großherzog wird eine von Prof. Lessing auSgeführte Adresse mit der Ankündigung von der Errichtung einer Großherzog Friedrich-Stiftung übersandt werden. Den Beschluß des Festes bildete ein Ball. Brüssel, 15. Sept. Der Badener Verein feierte Heute abend in der deutschen Kolonie den 80. Geburtstag und die Goldene Hochzeit des Großherzogs von Baden. Der Geschäftsträger Graf Oberndorf huldigte dem Großherzog als dem Fürsten, der mit an erster Stelle stand, als es galt, dem deutschen Volk die Einheit und Größe zu erringen, und als uvu ................................. ......... letztem Heberlebenden auL dem glänzenden Kreise von Fürsten, ier (die fabian society ist eine sozialistisch-philantropische halb dreier Monate bei Vermeidung der Ausweisung aus t Staatsmännern und Feldherren, die sich in eisernem Ringen @cftc) unb Dramatiker Bernhard Shaw unlängst an der um Kaiser Wilhelm I. scharten. ES folgte darauf daS Kaiser- bcut^cn Sozialdemokratie übte verbreitet, baß aus Kuba Freudendemonstrahionen folgen Roosevelts Eingreifen veranstaltet werden. In Europa wird «wohl niemand recht daran glauben. Die goldene Kochzeit des badischen Hroß- herzogspaares. Karlsruhe, 16. September. Gestern nachmittag erfolgte der feiert Einzug des Groß- berzoqspaares und des schwedischen Kronprinzenpaares m die festlich geschmückte Stadt. Um 5 Uhr traf mittelst Sonderzuges das Großherzogspaar sowie die Kronprinzessin von Schweden in Karlsruhe ein. Zur Begrüßung hatten sich u. a. eingefunden der kurz vorher eingetroffene Kronprinz von Schweden, das ErbgroßherzogLpaar, Prinz Karl, Prinz und Prinzessin Max, Prinzeß Wilhelm, ferner die Minister, die Generalität, der Oberbürgermeister und die Spitzen der Behörden. Nach herzlicher Begrüßung erfolgte dann unter dem Jubel der Bevölkerung der Einzug in die reich geschmückte Stadt. Allgemein erfreute das vortreffliche Aussehen des Großherzogs. Der Erbgroßherzog, der an einem Augenübel leidet, trug das rechte Auge verbunden. Heute vormittag wohnten das Großherzogspaar und die übrigen hohen Herrschaften dem Gottesdienst in der evangelischen Stadtkirche bei. Die Predigt hielt Pfarrer Rapp über 1. Kor. Kap. 4, 1 „Nun rücket man nicht mehr an den Haushaltern, denn daß sie treu befunden werden." Nach dem Gottesdienst fuhren die Fürstlichkeiten ins Schloß zurück. Vor :bem Schloß brachten um V21 Uhr die Posaunenchöre der Vereine des oberrheinischen Jünglingsbundes ein Ständchen dar. «-ich. Wetter Q § Z eo es 15.—16. September — 4- 16,56 C. 15.-16. — + 9,4 • C. hv8/, entgegen. «V o © «' ft) C42 o <27 ”■% Gl i o gi 8 ft) Cö 2 Ö2 rr7- o Sz Gl S< 5 LS tio- 53 Ci ■ Gl Sc -V2 Die Magen- und Darmkatarrhe der Säuglinge erfordern neben einer geeigneten Behandlung von feiten des Arztes vor allem em den erkrankten Verdauungskanal wenig belästigendes, geringe VerdauungsarbeU benötigendes und dennoch kräftiges Nahrungsmittel. Ein allen diesen Anforderungen entsprechendes, glänzend bewährtes Präparat ist Kufekes Kindermehl, welches nicht nur die Nährstoffe in dem richtigen Verhältnisse wie die Muttermilch, sondern auch das leicht rejorbierbare pflanzliche Eiweiß enthält und daher sehr nahrhast ist. Ten Krankheitsteimen bietet es einen schlechten Nährboden und bringt dadurch die Gärungsoorgänge im Tanne zum Aushören. Kuseke-Mehl wirkt daher im erkrankten Darme nicht nur ernährend; sondern tritt auch der Krankheit selbst * Neues Erdbeben in Chile. Am 14. ds. Mts? wurden in Santiago de Chile drei Erdstöße verspürt. Nach Privatmeldungen aus HuaSca, die bisher amtlich nicht be- (tätigt worden sind, soll dort am 12. Sept, ein starkes Erd- beben, welchem ein Wolkenbruch folgte, stattgefunden haben. — Der Hamburger Senat hat in einem dringlichen Antrag btc Mitgenehmigung der Bürgerschaft dazu beantragt, daß zur Unterstützung der durch das Erdbeben in Chile Geschädigten 10 000 Mk. bewilligt werden. * Kleine Tagcschronik. In Wien beging der Advokaturkauditat Tr. Egon Ehrenzwcig S e l b st m o r d. — Das Ä i l o u r h o t c l inOltawa (Cauada) wurde in der letzten Nacht durch Feuer völlig zerstört. Viele Gäste sprangen aus den Fenstern und wurden schwer.verletzt. Viele werden vermißt, -r In Paris nahm die Polizei zahlreiche Verhastungen ivegen Falschmünzerei und Vertriebs von falschen Münzen vor. Unter den Verhafteten befinben sich Studenten, junge Künstler Schriftsteller, der Herausgeber einer literarischen Revue sowie Söhne bekannter Familien. — In Bamberg wurden bet der Festnahme eines steckbrieflich verfolgten Verbrechers der P o l i z e i w achtln e i st e r s Neukum durch einen Stich in den Unterleib schwer und der zur Hilfe eilende Restaurateur Bosch durch Aufschlitzen des rechten Armes erheblich verletzt. Der Täter, der mit Zuchthaus vorbestrafte Tienstknecht Hammer, wurde verhaftet. — In London starb der von dem A u t o m o b i l der Herzogin von Connaught überfahrene Stimbe, ohne das Bewußtsein erlangt zu haben. Seine Mutter hat innerhalb der letzten Monate ihren Mann lind zwei Kinder verloren. Nachahmung; man weihte seitdem alle Kirchen feierlichst ein und beging jährlich da§ Andenken dieser Weihe. So hat sich diese Einrichtung bis auf den heutigen Tag erhalten. Insofern nun beim katholischen Gottesdienste die Messe als der vorzüglichste Teil betrachtet wird, nannte man die Kirchweihe auch Kirchmesse, und daraus entstand im gemeinen Leben das Wort Ktrmse ober Kirms. Es hat jedoch auch nicht an solchen gefehlt, welche diesen Ausdruck von dem slavtschen Worte Kermes, d. h. Schmauserei, herleiten. ** Kleine Mitteilungen auö Hessen und den N a ch b a r st a a t e n. In Mainz wurde der stellenlose Kaufmann Heinrich Glässer aus Coblenz festgenommen. Er hatte m Frankfurt, Tarmstadt, Worms, Coblenz und Castel eine ganze Anzahl Fahrräder von der Straße weg gestohlen und in Pfandhäusern versetzt. — In Jugenheim wurde das mit einem Kostenaufwande von 74 000 Alk. erbaute evangelische Rettungshaus eingeweiht. In dem für 50 Pfleglinge eingerichteten Hause sind zur Zeit 33 Pfleglinge untergebracht. * Ö" __ D o.®5 -- 1« g Farnilien-Nan?rtchteir. Gestorbene. Herr Simon Bodenheimer, Darmstadt. —, Fräulein Anna Kahn, Tarmstadt. — Hern: Tr. Paul Wolsskehl, Darmstadt. — Frau Helene Rompf in Niederscheld. Geboren. Herrn Ludwig Guggenheim und Frau, Anna geb Sander, Worms, ein Sohn. Höchste Temperatur am Niedrigste „ „ Universitäts-Nachrichten. — Wie uns aus Marburg gemeldet wird, ist dem Privatdozenten für experimentelle Psychologie als Spezialgebiet der Philosophie an der dortigen Universität, Dr. med. et phil. Narziß A ch, der Prosessortitel verliehen wordeii. S'S’ Meteorologische Beobachtungen der Stativ» Gießen. 8 Aus S.aSt uno Lano. Gießen, den 17. Sept. *• Aus dem Militär- Wochenblatt. Versetzt: Hauptm. v. Meiß, zweiter Adjutant des Chefs des Generalstabes der Armee, als Nittm. und Eskadr.-Ches in das 1. Großh. Hesi. Trag.-Regt. (Garde-Drag.-Negt.) Nr. 23. Nittm. v. Wilms, Eskadr.-Chef im 1. Großh. Hess. Drag.- , Negt. (Garde-Drag.-Regt.) 91 r. 23, zum Adjutanten der 11. Div. ernannt. Als Ko mp. - Chefs versetzt die Hauptleute Schulz, Adjutant der 15. Jnf.-Brig. in das Jnf.- Leib-Regt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, von Stockhausen, Adjutant der 40. Jnf.-Brig., in das 1. Großh. Hess. Jnf.-(Leibgardc--)Negt. Nr. 115. v. Ha r- nicr, Oberlt. im Garde-Schützen-Bat., zum dldjutanten der 49. Jnf.-Brig. (1. Großh. Hess.) ernannt. — Zum überzähligen Major befördert und dem Regiment aggregiert: v. Stülp- nagel im Jnf.-Lcib-Negt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, unter Versetzung zum 9. Bad. Jnf.-Regt. Nr. 170. Zum Komp.-Chef ernannt: Witte, Oberlt. im 5. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 168, in das Jnf.-Regt. Markgraf Karl (7. Brandenburg) Nr. 60. Zum überzähligen Hauptmann befördert: Kahlenberg im 4. Großh. Hess. Jnf.- Regt. (Prinz Carl) Nr. 118. Zum Oberlt. befördert: Lt. Kotzenberg im Jnf.-Leib-Regt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117. v. Hagke, Lt. der Res. des 5. Großh. Hess. Jnf.-Negis. Nr. 168, als Leutnant im 2. Thür. Jnf.- Regt. Nr. 32 angestcllt. Lt. Jonkheer Nendorp, bisher im 2. Großh. Hess. Drag.-Regt. (Leib-Drag.) Nr. 24, in das am 1. Oft. 1906 zu errichtende Jäger-Regiment zu Pferde Nr. 4 versetzt. Prinz zu Isenburg und Büdingcn- Birstein, Oberlt. ä la suite der Armee, der Charakter als Rittmeister verliehen. Zum Oberlt. befördert: Lt. v. Besser, im 1. Großh. Hess. Drag.-Regt. (Garde-Drag.-Negt.) Nr. 23. — Aus der Schutztruppe für Südwestafrika scheidet aus und wird mit dem 1. Oft. 1906 im Heere angestellt: Lt. Lorenz, im. Jnf.-Leib-Negt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117. ** Die Kirchweihfeste sind wieder auf der Tagesordnung. Ihre Entstehung gründet sich auf folgende geschichtliche Tatsache: Im Jahre 335 ließ Helene, die Mutter des ersten christlichen Kaisers Konstantin des Großen über dem Grabe Jesu eine schöne Kirche bauen und verordnete die feierliche Einweihung derselben. Zur Erinnerung dieser Kirchemveihe befahl der Kaiser, daß alle Jahre dieser Weihetag — es war der 15. September — feierlich begangen werden sollte. Das Beispiel Konstantins fand in der Christenheit Heer und F! tte. Neuer kommandierender General. Der komm. General des 5. Armeekorps in Posen General v. Stülpn agel, hat seinen Abschied erhalten. Mit der Führung des 5. Armeekorps wurde der Kommandeur der 37. Division Kluck beauftragt. Zu dem bürgerlichen Kommandierenden Linde kommt also ein neuer Bürgerlicher als Kommandierender. Die 37. Division befindet sich in Wenstein. Kluck kennt die Ostgrenze ganz genau. Er gilt als ein energischer und sehr umsichtiger Offizier, gehörte indes nicht dem Generalstabe an, sondern war stets Frontoffizier. Vermischte». * 231 anöderUnfälle. Bei der Automobilfahrt deS im Manöver besindlichen Kronprinzen durch die Straßen Perlebergs lief das unbeaufsichtigte Pferd eines Bäckermeisters vor dem Wagen des Kronprinzen in gefahrvoller Weise her. Das Automobil konnte zum Stillstand gebracht und auch der Durchbrenner durch einen Gardisten angchalten und dadurch alle Gefahr beseitigt werden. — Der Kommandeur der 7. Division, Generalleutnant v. Bernhardi, ist im Manöver bei einem Angriff der 16. Ulanen gestürzt und überritten worden. Er liegt zurzeit in Beetzendorf (Altmark). — Ein Rittmeister des 7. Dragonerregiments stürzte in der Gegend von Trier bei einer Attacke während der rheinischen Korpsmanöver und wurde schwer verletzt. Fünf über ihn stürzende Dragoner erlitten Verletzungen. • Ein Duell zwischen dem span. General Linares und dem Redakteur des Madrider Blattes „Espana Nuova", Sariano, hat in der Nähe von Vicalvaro stattgefunden. Die Bedingungen waren schwer: Viermaliger Kugelwechsel bei 18 Schritt Distanz. Trotzdem nahm das Duell einen unblutigen Verlauf. Die Gegner feuerten die drei ersten Schüsse in die Luft und weigerten sich, den vierten Schuß abzuseuern. Bevor man sich trennte, versöhnten sich die Gegner. • Der neueste Eisenbahnunfall. In Pilsen stießen zwei Güterzüge zusammen. Die Lokomotive des einen Zuges wurde zertrümmert und der Lokomotivführer getötet. Ein Zugführer ist schwer verletzt. * Neue Erdstöße wurden am 14. September auf Sizilien verspürt. Termini ist fast gänzlich von den Einwohnern verlassen. In der Stadt sind nur Beamte und Soldaten zurückgeblieben. In Banzina, welches von den Einwohnern gleichfalls verlassen wurde, versuchten Banden zu plündern. Truppen und Polizei schritten aber ein und nahmen eine Anzahl Verhaftungen vor. Wen, u. HtbeL°.n selbst JW !-in- Mm. 3 § wird dem »Rhein. Md „fifamm,, 1 • einer franko, eme Reihe hervorragender ' r.u verdanken haben. Ihr em kleines Städtchen nahe en die Herren Professoren, - Namens befragt würben, bei Halberstadt liegt'. Von Offenbach, Frankfurt a.M. kannte Mitglied der Familie nmte Angaben nicht machen, war der Verfasser eines in ' Lustspiels .Die Bewohne, ines ähnlichen Stückes bef ib Dichters M. h. Luzzck veröffentlicht. Um diese wurde er bald Sekretär . zu dem man stets gelelni nt häufig die Obliegende bis verbunden waren. Ur- Vornamen Zebi-Hirsch, ' den Mainzer französischen welche laut Artikel 7 bei ’ärj 1808 noä) feine Vor« Ratten, befaßen, bie§ inner- ung bei: MiiStveifung nuS ser Gelegenheit wandelter oderne Vornamen nm, nnl x neben der $W9e “ ,renbonrg. alob Dernburg, der Ur- , 1194 in Mainz geboten, ■'langt®*1 d« ji*" tr fahren d-s »origen Jch- „r. Stint wriim L-Hch 5. unb ichlichli-h am W® [anbeS, am SO -K- id) E f“" 1829 ? » W» «3» W lt ®« au« I* ^tsabooW "„gtj^ritti' atii a»lap3, b(I 189» «">• 9,nr ®6tcnbo”t9. l’1’ ,8.um Frühstück, tz^te iß llau«'4 •«»s»rs -S'S-"' r nah i-ht" S 5 q-öD r =? c: zi. Vo tSiF «u UV «6 iS» Cö tiV tc ® " 01 16. 2*5 742,4 13,5 8,3 72 SW 4 Bed. Himmel 16. 9" 744,0 11,3 9,1 92 2 Bew. - 17. »5 747,1 10,3 8,6 93 WSW 2 Bed. Möbelfabrik-Lager u. Ausstattungsgeschäft TeB. 3ÄZ 25 komplett eingerichtete Musterzimmer West-Anlage 51. 5601 Wetterauer Sang und Klang Heimatklänge Wetterau 5582 [5581 5428 5592 Blockstraße 10 Blockstraße 10 5595 Telephon 119. Marktstrasse 4 Ä. 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