156* Jahrgang Drittes Blatt Nr. 14 d Erscheint tlgltd) mit Ausnahme beS Sonntags. Die „Sietzener KamiNenblätler" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegl. Der ^hrsstjch« Landwirt" erfchemt monatlich einmal. Mittwoch 17. Januar 1906 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch« Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen. C IL Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.«. V V Tel. Nr. 61. Teiegr.-Adr.; Anzeiger Ließ«. General-Akzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen werten kann. *• 1856 — 1 906. Partei angehörenden Herren erklärten sich dagegen. Folge aus Delegierten der Vereine. Das getadelte Aürgertum. R. Berlin, 16. Jan. wenige — anwesend. . ’* Die hiesige Freiwillige Sanilätskolonne und die Eisenbahnsanitätskolonne machten am vergangenen Sonntag eine gemeinschaftliche Hebung unter Benutzung des hier stationierten Hilfszugs. Angenommen mar ein Zusammenstoß zweier Züge in der Nähe des Bahn- Hofs Großen-Linden und Aufgabe der Kolonnen die Bergung der Verunglückten. Während der Fahrt zur Unfallstelle wurden die in den Zug eingestellten Güterwagen von beiv Mannschaften selbst zur Aufnahme von Verletzten eingerichtet. An Ort und Stelle entwickelte sich alsbald ein rege? Treiben. Rasch war den einzelnen Sektionen ihr Arbeitsfeld von den Zugführern überwiesen. Die nach Art ihrer, durch Täfelchen angezeigten, Verwundung Schwerstverletzten wurden zuerst in Behandlung genommen. Hier wurde eine Schlagader unterbunden, dort ein gebrochenes Bein geschient und dann btc Verbände angelegt. Trotzdem in allen Fällen der oberste Grundsatz beobachtet wurde, die Wunde möglichst rasch vor Verunreinigung zu schützen und den Verletzten der ärztlichen .stifte znzusühren, ließ doch eine gewisse Eleganz der Verbände bie gute Schulung der Mitglieder erkennen. Das Gleiche ließ sich auch aus dem Aufheben der Verletzten und Niederlegen auf den Krankentragen entnehmen sowie aus der Art, wie durch Unterschieben von Strohpolstern für möglichst bequeme Lagerung gesorgt wurde. Das Einladen in die Eisenbahnwagen eingeschlossen waren in 27 Minuten 25 Verletzte verbunden und tut Zug zur Weiterbeförderung untergebracht. Die Freiwillige Sanitäskolonne besteht zwar erst seit 2 Jahren, hat aber auch diesmal wieder gezeigt, daß ein guter Geist in ihr herrscht, der Gewähr dafür bietet, daß sie auch im Ernstfälle ihrer Aufgabe gewachsen ist. Zu bedauern ist nur, daß sie bis jetzt noch nicht in weiteren Kreisen unserer Stadt Anklang und Mitglieder gefunden. Jeder Handwerker und Geschäftsmann müßte doch die Gelegenheit mit Freude ergreifen sich kosteillos und zu ihm passender Zeit die Hebungen finden niei|i abends statt, — Kenntnisse und Fähigkeiten zu erwerben, die er täglich in seinem Berus ver- reihe eröffnete. Er verbreitete sich über die (im. Gieß. Anz. bereits öfters erörterten) Bestrebungen des Ausschußes und sprach der Direktion des Gymnasiums und der Ober-Realschule, sowie der Stadtverwaltung herzlichen Dank für da? bewiesene Entgegenkommen aus. Hierauf hielt der Ausschuß* Vorsitzende die 1. Vorlesung der Vortragsreihe „Die Ent- stehung des modernen Deutschland (1740—1816)' Der Redner entwarf nach einem kurzen Blick auf den mittelalterlichen Staat ein anschauliches Bild der Entstehung des absoluten Fürstenstaates, in dem der Staatszweck alles bedeutete und der Mensch nur insoweit Wert hatte, als er dem Staat nützte. Eine der treibenden Kräfte, die die meisten absoluten Staaten der Neuzeit entstehen ließen, war der Calvinismus und es ist kein Wunder, daß auch da§ brandenburgische Fürstenhaus zum Calvinisnms übertrat, als der brandenburgisch-preußische Staat zum absoluten Staat wurde. Er schilderte sodann als typisches Beispiel des absoluten Fürstenstaates den Staat Friedrichs des Großen und als Beispiel des sogen. Wohlfahrtsstaates die Markgraffchaft Baden des Markgrafen Karl Wilhelm. — Dem mit Beifall aufgenommenen Vortrag folgte noch eine kurze Diskussion. Her- vorgehoben sei noch, daß die Zuhörerschaft sich erfreulicherweise zum größten Teil aus Angehörigen des Arbeiterstandes zusammensetzte, also aus Leuten, für die die Vorlesungen in erster Linie bestimmt sind. Außerdem waren u. a. zahlreiche Schüler und auch einige Damen — leider nur sehr In den , Hamburger Rachr." entwirft ein bekannter Romanschriftsteller ein politisches Stimmun gebt o au» der Reichshauptstadt, das das Bürgertum Berlins in ein nicht gerade günstiges Licht sesit. Es wrrd da geklagt über mählichen Verfall des deutschen 0; c b an . ert _ unb das Schwinden der Gesinnungsgraste, über krankhafte Schlaffheit unb gedankenlose Weichherzigkeit. Unb warum bas alles. West das großstädtische Bürgertum die s o ' i a l b e m o r r a . t) o e Gefahr nicht nach Gebühr würdige, well e^ für die vaterlandsfemdlichen Äußerungen der .revolutionären Presse ein spöttisches Achselzucken ober em überlegene^ Lächeln habe, unb weil bei einer festlichen Veranstaltung einige Damen neugierig gefragt haben sollen, ob zu den in Aussicht stehenden Str a st en d em o n stxatr onen Fensterplätze zu vermieten seien!! ^uuvuu.^ — ...... las aroßstädtische Bürgertum braucht lief] über diele unseres Blattes berücksichtigen. Vor einigen Tagen hatten stch im Hotel" Schütz etwa 50 Bürger unserer Stadt, welche in diesem Jahre ihr 50. Lebensjahr zurücklegen werden, zur Besprechung wegen einer gemeinsamen Geburtstagsfeier, etwa in der Mitte des Jahres, emgesimden. Die Erschienenen, unter denen alle Gesellschaftskreise vertreten waren, erklärten einstimmig, daß man die in unserer Stadt eingeführte schöne Sitte der 50er-Feier auch m diesem Jahre begehen wolle. Es wurde darauf ein provisorischer Ausschuß und als dessen Vorsitzender der Büchsenmacher A. Dickorö gewählt. Dieser teilte mit, daß nach einem vorliegenden Verzeichnis 1906 112 Bürger ein halbes Jahrhundert alt werden. Der Ausschuß wurde von der Versammlung beauftragt, die nötigen Vorarbeiten vorzunehmen und zu Anfang stebruar eine weitere Versammlung anzuberaumen, zu der sämtliche Altersgenossen schriftlich eingeladen werden sollen. Man hofft, daß von den 112 Herren keiner von der ge* planten großen 50er-Jeier sich ausschließen wird. *• Vom Arbeiter-Tur n erb und. Am Sonntag, 6. Januar, sand in Höchst a. M. der Bezirksturntag des zweiten Bezirks vom 9. Kreis des Arbeiter-Turnei- Bundes statt. Er hatte sich u. a. auch mit dem Anllage Gießen, welcher die Gründung eines dritten Bezirks und zwar für Gießen und Umgebung fordert, zu beschäftigen. Diesem Anträge wurde einstimmig zugestimmt. — Am Sonntag, 14. Januar, fand nun in Gießen die erste allgemeine Bezirks-Versammlung statt, welche lehr stark besucht war und an welcher Turngenossen aus Alten- Buseck, Alsfeld, Gießen, Heuchelheim, Launsbach, OckerS- bausen bei Marburg und Staufenberg teilnahmen. Die Versammlung nahm zunächst den Bericht vom Bezwksturntag m Höchst entgegen und hierauf folgte die Vorstandstvahl. In den Vorstand wurden gewählt: Noll-Gießen als Vorsitzender, Lentz-Gießen als Kassenwart, Rösler-Ockershausen als Schriftwatt, Böttger-Gießen als erster, und Wagner-Launsbach als zweiter Turnwart. Hierauf wurde die Statutenberatung vorgenommen. Als Ort des nächsten Bezirksturntages würde Alten-Buseck gewählt. Ter Bezirksturntag besteht für bie Kirche rind Schule. Gießen, 17. Jan. Man schreibt uns: Ein e t evangelisches unb deutsches Werk wird seit vo-ttgem Jahre in allen Landeskirchen des T-entschen Reiches betrieben, Krämlich dieSammlung u nd B e Wahrung der H un de rt- tausende von Deutschen, die int Auslände, in allen Weltteilen der Erde ^rstreut leben und nur zu häufig dem evange- , lischen Glauben und dem Wie bem beutgen;®ategl lande ganz verloren gehen, sangst hat die romiichi-katholilche Kirche Einrichtungen getroffen durch die yc jebem ihrer ftinter über Land und Meer nachgeht, um ne der heimatlichen Kirche und Sprach« zu erhalten. Auch m der beutln evangtttschen Kirche bestehen seit Jahrzehnten einzelne Vereine undGcsttlichaftcn di- die Förderung des religi5?en und kirchlichen Lebens unserer im AuSan^ ' erltteut lebenden Giauvensgeuonen und ihre Cxr = baltcsg für den Protestantismus und das Deutschtum zur Aufgabe Kt Nmrmehr soll aber dieses Werk durch die ganze Kirche irnh das Vaterland hin ein einheitliches und damit Zugleich M weltumfassendesj werden; und zwar durch den Deutschen Evangelischen Kirchen aus schuß, als den Der- i treter der deutschen evangelischen Landeskirchen nach außen. । Dieser Kirchenausschuß will dafür sorgen, daß die im Auslande lebenden Söhne und Töchter des evangelischen Trntlchlands. seine Pioniere in d^r ganzen Welt, gleich van Anfang an sich in christlicher Lust bewegen, ein gutes christliches Beispiel vpr Augen haben, Ihiterroeinniq w allem Guten emptangen, und daß, wo immer sich evangelische Deutsche in der Welt^ niederlassen. auch Kirche und Schule mitgepslantt werden. Dreies echte Nationalwerk, das ebenso dem deutschen Vaterlande wie der evangelischen Kirche reidren Segen schaffen wird, kann der Kirchenausschuß nur erfdgreiai hinausführen, wenn tnrn die Umerstühung allen Evangelischen TeutscklandS zuteil wm> ^arum wendet er sich an alle Glaubensgenossen mit der herzlimen Bitte, ihm durch eine möglichst reiche einmalige Gabe die _Ans- fi'ihruug seiner die Welt umfassenden Arbeit zu sichern, ^.urch eine einmalige Geldsammlung in allen evangelischen vaiishalt- ungen des Deutschen Reiches sollen die Gaben erbeten werden. Diese Haussammlung wird von Mitte Januar an auch bei den Evangelischen Gießens erhoben werden: man wolle die nähere Mitteilung der hiesigen^ evangelischen Geistlichen im Anzeigetell '-y.iAtf nrnniraorticpc yuLuvtimu vmuuji ,. mncLes «juulc» vtvuuiiiMiiyv.t. so mögen denn auch die Pro- sgnb ätoäWc s” äs»»® ■» ■»-»— müßte iden Verfa'sser des Anlutgeartikels eines Besseren ^srrLaMentcrvrsches. belehren. Wäre seine Schilderung zutreffend, dann hatte Berlin, 16. Jan. Die Reichstagskommission für die der „Vorwärts" leine Beraniassu^g.Tagt stir Lag dasI ^Vorlagen beschloh erst di- einzelnen Steuern und bann das Mantelgesetz zu beraten. Die Konrmissian verteilte der s^llnldeniokratischenDemonstrationsaelüste darlegen, die einzelnen Referate auf die verschiedenen Patteien In Es ist m Gegenteil erfreulich, daß das Bürgertum in dieser der heutigen Sitzung erklärte Staatssekretär Frhr. v. Stengel aufgeregten Äit seine Ruhe bewahrt, daß es sich ebenso- habe infolge Bemängelungen im Plenum die nochmalige wenig ins Bockshorn jagen läßt durch den^Tu- Prüfung der Höhe des zu deckenden Mehrbedarfs mult imsozialbemokrat. Lager als durch das (LoIDorneihmen [affen. Das Ergebnis sei jedoch kein anderes schrei der Scharfmacher. Und diese Ruhe, die keineswegs Gleichgiltigkeit ist, bietet einer besonnenen Regierung2pott.1t q-n Herrenhaus berufen wurde der Oberden zuverlässigsten Rückhalt. Von welchen Kreisent I^rgerm eisier von Altona Dr. Tettenborn als Nachfolger Ä ÄTtoS» S--STÄ.« der internationalen Situation das Bürgertum nervös Gießen, den lu Januar werden und den klaren Blick für das Wohl der gesamten •* Die Funda men tierungs - Arbeiten des vaterländischen Interessen verlieren würde? Ten s.ozral- Stadttheaterneubaues schreiten verwunderlich demokratischen Treibereien gegenüber stützt.sich das Burger- langsam fort. Am 1. Llpril sollen sie, wennwirrecht tum auf ein gutes Gewissen. Es hat sich unterrichtet sind, beendet sein, und es hat den Anschein, als Pflichten d e r Att b e i t er ttta s se ge gen über kern e mindestens 20 Wochen vergehen müßten, bis die H “ “un? -rso-g-n tanm Auffallend ist auch die kleine toeVterau«rVettel Zahl der dort tagsüber beschäftigten Arbeiter. Man mochte 1 Was die Wahlrechtsdemolistrationen betrifft, ihre Verstärkung um das Dreifache wünschen, ^oamit endlich so weiß'die Mbeiterschaft, daß die Beseitigung des etwas Sichtbares geschieht. Die ca. 20 Mann, die da Klassen Wahlrechts vom liberalen Bürger- herumbasteln, bringen offenbar viel zu wenig fertig. Geht tum, das in den Großstädten überwiegt, unablässig ba§ r0 ^rt, dann darf man berechtigte Zweifel hegen, daß gefordert wird. Tie sozialdemokratische Bartei^bietet Jahre 1907 das Werk beendet ist. Und doch lehren hier durchaus nicht ,.ben allein echten RiiA. Wenn Damen ° namentlich die Theateroereinsvorstellungen im alten -Eich "unb"geradezu fmb. D°S iib°r lich schätzen diese Neugierigen, wenn auch unbewußt, die das mangelhafte Schließen der zum Nebenraum fuhrenoeii sozialistischen Trohungeii richtig ein, nämlich als sMßhafte ^ür der ersten unteren Loge viel geklagt wird, nur Schauvorstellungen. Sterin ein politisches Symptom zu nebenbei. Die Möglichkeit eines Brandunglückes mit allen sehen, ist das Vorrecht des RomanschriststeNers. Das . jnen entsetzlichen Gefahren wollen wir hier gar nicht Bürgertum wird auch in den kommenden Tagen an denen jn ziehen. Dringend not tut es, daß der Theater- es möglicherweise herausgefordert totrb, JgÜMuttg bletben bem rtä) Opferwilligkeit der Gießener Bevölkerung SSM™»$*£„"‘61?«/..«wi»..!■■*«*"«,x -------------- loser Arbeiter lohnender Verdienst geichaffen wurde, das ist Politische SLrgesschsrtt. noch obendrein zu berücksichtigen und wahrlich Nicht zu unter- Audere Zusammensrtzung der fächfischsn Ersten Kammer. schätzen. — Also, um mit Goethe zu reden: Laßt uns auch Bei der Beratung des Entwurfs über die .3^0111^6^ Taten sehn! setzung der Ersten Kammer des Königreichs Sachsen fühtte ** Tagesordnung für d i e Sitzung der der bekannte Geh. Finanzrat Dr. Jencke, der frühere Vor- S t a d t v e r 0 r d n e t e n - V e r s a m m l u n g D 0 n n e r s - sitzende des Zentralverbandes deutscher Industrieller und Chef tag, dem 18. Januar, nachmittags 4 Uhr: 1. ttus- der Kruppschen Werke in Essen, u. a. folgendes au§: losung von Schuldverschreibungen des 1895 er Unleyens. ^Ein Grund zur Beschwerde wegen der Zusammensetzung der 2. Desgleichen des 1897 er Anlehens. 3. ^.csgleichen des sächsischen Ersten Kammer sei nicht vorhanden, weil hier noch nie er Anlehens. 4. Mitteilungen. 5. Baugesuch des die Interessen der Industrie verletzt worden seien. Er habe den Montanus für die Bahnhofstraße; hier: Befreiung von Eindruck, als ob aus dem Vorgehen der Industrie eine gewisse A. “ u 01 '' Lo alvolizeiverordnung. Animosität gegen die Landwirtschaft ipreche. Er den Bestimmungen 'N Io• öet' schließe auf die Animosität aus dem Mangel aller anderen I g. Baugesuch des G. Belitz für die Wilhelmstraße, hier. Gttinde. Das sei tief bedauerlich, denn das Wohl und Wehe I . die Landwirtschaft unb unsere ländliche Senol I £ ^der Bahnhofstraße. 9. Gesuch de? Oberhessische» " "Die weitgehenden Forderungen der Industrie fanden i» GeschichtsoereinS um bet 9£uf*cnilnfl^ den Kammern weder bei den Industriellen, noch bei den Schloß. 10. Befug be« mBum Ueber. Bürgermeistern Zustimmung; auch die der nationalliberalen lassung weiterer Näume 10 a. Neubau ; b - ® 1 - - - ‘ ' 11 Planieren der städtischen Grundstücke beim Guterbahnhof. 12* Löhne der städtischen Arbeiter. 13. Voranschlag der Plöckschen Stiftung. 14. Gesuche nm Erteilung von Wirtschaftskonzessionen von Max Barthel für Kirchenplatz 1- unb von Heinrich Schneider Witwe für Löwengassc 22. ** Erledigte Stellen. Erledigt sind: Die mit einem evang Lehrer zu besetzende Leh verstelle an der Gemeinde- fckule'zu Lauerbach, Kreis Erbach; eine mit einem evang. Lehrer zn besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wald-Uelvcrsheim, Kreis Oppenheim; die Stelle eines Hauptsteueramtsassistenten bei dem Groizh. Hauptsteueramt Mainz. " Der Gießener Ausschuß für Volki-vov- lesungen eröffnete Montag abend seine Tätigkeit in bester Weise Die Turnhalle deS Realgymnasiums und der Ober- Realschule war recht gut besetzt, als der Vorsitzende des Ausschusses, Oberlehrer Dr. A. Klein, die erste Vorlesungs- Di« c Stnbepur Lolch ein Wilheli deutsch' ivahr, ei heutigen £range, 1870, ?i Der und Rin jeiner & Vrildem Kample | sproßte ei inörbfrild Einheit! Ani der erste letzt hatt state drS Versamm Zeichen s verdank« rrsüllte fi und mitt Briefkasten Oer Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberülksichtigt). H. N.-Eichenrod. Wenn Sie den Gießener Anzeiger tm- regelmäßig erhalten, müssen L>ie bei Ihrer Postanstalt vorstellig' werden. Achn ® innere fahren, die ita Lotte Mrlande gibt nicht Fj ' begnügen mußten. Wal rlich flott^Kerle! Lebhafter Beifall in Nord und Ost, in Süd und West. .. . Friedberg, 16. Jan. Der Berlin- Frankfurter Schnellzug 18 0, welcher früh 6 Uhr 65 Min. in Frankfurt eintrlfst,"überfuhr infolge offen steh ender Schranke in der Nähe von Dortelweil ein Fuhrwerk des Pächters P. Heß. Der Wagen wurde zertrümmert; Fuhrmann und Pferdc bIicbcn iinvcvlH;!.______ (A Gcn.-?ln^ü copiat !" , r , r . **sd. Ein Eiscnbahnschaffncr, wie er nicht sein soll, der 42 Jahre alte verheiratete Jost aus Frankfurt a. M., stand heute vor der Darmstädter Strafkammer wegen tätlicher Beleidigung. Im Herbst v. I. fuhr ein lojähriges Mädchen aus Arheilgen von dort nach Egelsbach. Unterwegs gesellte sich ein Schaffner 511 dem allein im Coups sitzenden Kinde und wurde zärtlich. Er küßte das Kind und führte unanständige Redensarten usw. Der Vater des Kindes zeigte den Vorgang auf der Station Arheilgen an, worauf eine Untersuchung eingeleitet wurde, die ergab, daß nur Jost als Schuldiger in Betracht kommen könne. Bei einer Gegenüberstellung bestätigte das Kind, daß Jost der betreffende Schaffner sei. Tas Schöffengericht in Langen verurteilte ihn zu drei Wochen Gefängnis. Der Angeklagte und der Staatsanwalt legten Berufung gegen das Erkenntnis ein, sodaß sich am Montag die Strafkammer mit der Angelegenheit zu befassen hatte. Rechnungsrat Krüger aus Frankfurt a. M: schilderte Jost als tüchtigen Schaffner, dem man eine solche Lat nicht zugetraut habe. Nach längerer Verhandlung beantragte der Staatsanwalt sechs Wochen Gefängnis, während der Verteidiger für Freisprechung plädierte. Das Gericht verurteilte den Jost zu G Wochen Gefängnis und zur Tragung der Kosten. - Die Spinnstubenp 0 esic scheint bei den Burschen in Annerod nicht mehr genügend gewürdigt zu iverden. Eine betrübte jugendliche Dorfschöne schreibt uns darüber: Am Sonntag abend war'S in den Spinnstuben an Burschen so mau, daß sich ieilweije die Mädchen mit den Hambelmännern Wie gekräftigt fühlt sich jeder, der nur einmal das von den bedeutendsten Professoren und Aerzteu verordnete PereO^EiaüTBBn versucht hat. Perdyna- min ist das wohlschmeckendste Kräftigungsmittel, Perdynauiin-Kakao das nahrhafteste und bekömmlichste Frühstücks-Getränk. a 2.50 M. in den Apotheken. D3/ M 4-0 GießenerVerreHrSverHältnisse. Ert blich wieder einmal ein Wörtchen von den Gießener Verkehrsverhaltnissen, die Notiz des „(9. 21/ über die — result a t l 0 s uedmnene Be svrechuua in Frankfurt 0.! Und docl> will ev uns (dienten, ak ob auf diesem Gebiete enblidi einmal Wcfiiltate zu Tage ^iotder weiden müßten, soll anders unsere Vaterstadt nicht dauernd Schad leiden. Und die so nötige N e r l eg n n g der dem Verkehr übet all Hindernisse bereitenden 0 b e r h e s s i s ch en B ahn x r x I wahrlich nicht die einzige Frage, deren Losung hu bte Buluri t Gießens von Wichtigkeit i|r. — iSnttfam bekannt du i f > daß das benachbarte Wetzlar energisch bestrebt ist, ul wu schaft • liebem Wettbewerb mit > ießen, sich an Butzbach einen Bundesgenossen sn erwerben und auch de» nordölllichen ^annus seinen Interessen" dienstbar zu machen. Im Norden „gewinnt Marburg immer mehr Terrain, und von Süden her dmite das mächtig aufstrebende Friedberg infolge seiner vorzüglichen Bahnverbindungen bald den ganzen Verkehr aus der reichen Wetterau und dem auch nicht gerade armen westlichen Vogelsberg an sich gezogen haben — von Frankfurt ganz zu schweigen. Und was bleibt für Gietzen . Es liegt da mitten drm und muß, wie es scheint, ruhig zusehen, ivie ihm ein Interessengebiet nm,, dem anbcni entzogen wird ohne daß es Ersatz bekommt. Nichts hört man mehr vom Cleebaachahn yroieft, auf dessen Verwirklichung schon die Bodenverl-altmsie fördernd Hinweisen, ganz abgesehen davon, daß die Lewopnei des Cleebaaitales selbst aus nnrtschastlichen Gründen eine Verbindung mit Gießen wünschen und nicht mit Wetzlar, etujiffc eS von der Bahn Gießen-Beuern, still von der Lerbindung Mucke Ulrichstein. Sollte Gießen wirklich schon so stark sein, um Die Kloniürrcnz der üben genannten Städte nicht furchten zu müssen? Oder kann es wohl von der Universität und einigen Behörden allem leben? Oder wünscht es gar für seine Mauern und Straßen die weihevolle Ruhe einer vornehmen Penfwnopolls? Das Dürften denn doch gefährliche Möglichkeiten sein, und aus einer .splendid isolation' dürste unserer Vaterstadt nur geringer Nutzen erblühen. Darum sei allen, denen die Zuiünst Gießens am Herzen liegt, und die etwas für sie tun tonnen, die Mahnung zu gerufen: videant, ne quid detrimenti res publica zieher vor den Schranken der 2. Strafkammer zu DcrnnhcoTtcrt,i Ter Anklage, die bereits vor dem Charlottenburger Schöffen^ gerteilt verhandelt lvorden war und mit der Verurteilung De® Tänzerin zu 150 Mark Geldstrafe geendet hatte, liegt ein heftiger? Auftritt zugrunde, den Isidora mit dem Gerichtsvollzieher- Rabsch gehabt hatte. Die schöne .f leiter angenommen, aber bald wieder entlassen. Daraus war» eine Klage entstanden, in deren Verlauf der Gerichtsvollziehern bei der Beklagten etwas abzugeben halte. Er legte der Be-I klagten die Papiere vor, wobei er |iüj niedersetzte. Deswegen! n-urde er, wie er heute als Zeuge angab, grob angefahren, und! als Frl. Duncan ihre Unterschrift unter das Schriftstück gefeßti hatte, fügte sie hinzu, er sei ein unverschämter Kerl und solle, nun gehen. Er bemerkte jedoch, daß noch ein Schriftstück! zu unterzeichnen sei, woraus ihm die Miß erregt zurief: wenn! er nicht sogleich herausgehe, werde sie ihn hinauswerfen lassen.^ Aber auch die zweite Unterschrift wurde noch geleistet. Aber! als er dieses in seine Lasche tun wollte, ging ganz plötzlich und unerwartet erst der Sturm WS. Das Fräulein zerriß ohne, jeden Grund das Aktenstück in tausend Fetzen,: öffnete die Korridortür und sagte mit einer entsprechenden Hand- bewegnng zu dem Beamten, sie werde die P i st 0 l e holen und ihn n i e d e r s ch i e ß e u, ivenn er jetzt nicht sogleich das Zimmers verlasse. — Gegen das Urteil des Sclwffengerichts hatte Isidora Berufung eingelegt. Sie ist 1880 in San Francisco geboren: und wohnt seit zwei Jahren in Chariottenburg. Der Verhandlung brachte die Tänzerin nur wenig Interesse entgegen. Im ein mitgebrachtes Buch war sie^ so lange vertieft, bis i^rj der Vorfitzende dies untersagte. .Der Staatsanwalt beantragte 500 Mark Geldstrafe, das Gericht beließ es jedoch bei der Strafv von 150 Mark. (Nachdruck verboten.) tzmgesanot. (Für den Inhalt der unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Im Interesse der allgemeinen Sicherheit möge Folgendes beri Oefsentlichkeit bekannt werden: Ms am Sonntag abend gegen 7 Uhr mehrere Gießener Herren den Heimweg von Staufen* berg nach Lollar antrateu, wurden sie noch i n u e r h a l bs des Ortes von einer Rotte roher Burschen hinterrücks überfallen, wobei einer der Herren in gröblichster Weise tätlich verletzt wurde. Bald daraus flogen Steine und Prügel an den Herren vorüber, glücklicherweise ohne jemanden zu verletzen. ES ist unbegreiflich, daß solch' rüpelhafte Exzesse inmitten eines so besuchten Ausflugsortes überhaupt möglich sind. Wird die Ortsbehörde in Zukunft derartige Ausschreitungen.' verhindern können, damit nicht der gute Ruf ihres Ortes eine Einbuße erleidet? Tcu künstlerischen Gesichtspunkt im Städtebau betont eine Eingabe, die der Durer-Bund an die Stadtverordneten Dresdens gerichtet hat, weil dort der Erlaß einer neuen Bauordnung bevorsteht. Es wird einleitend als selbstverständlich hin gestellt, daß die neue Battordnung dem künstlerischen Hausbau weit eutgegeukomme. Die Baugesuche sollen vom künstlerischen Standpimkt betrachtet werden, damit ein individuelles Schaffen zur Erzielung von neuen künstlerischen Einzelschönheiten int Stadtbilde möglich werde. Hand in Hand damit erscheint es als wichtigste Forderung, daß Stadt- bebauungspläne von Künstlern aufgestellt werden, die malerische Städtebilder gewährleisten und verhindern, daß alle neuen Bauguartiere einander gleich sind, gleichviel in welcher Stadt sie entstehen, lieber die generellen Bebauungspläne hinaus wird es als wünschenswert erachtet, für bestimmte wichtige Stellen der Stadt, bei freien Platzanlagen, in historischen Stadtteilen und in der Nähe hervorragender Gebäude auch deu Aufriß, die künstlerische Durchbildung vorher planmäßig festzulegen. Ideen, Pläne und Ausichtszeichnungen, wodurch eine gute Gesamtwirkung verbürgt wird, sollten durch die städtischen Behörden int Wege des öffentlichen Wettbewerbs unter Künstlern beschafft werden. Für die Gewährleistung durchdachter Pläne wird dieser Weg als ntannigfaltiger und weniger kostspielig empfohlen, als wenn etwa der E-esuchsteller bei Bebauung eines Grundstücks selbst die Pläne mit großem Aufwand beschaffen soll und bann vielleicht von seinem Architekten ungeschickt beraten wird, sodaß seine Pläne nicht angenommen werden können. Zwei technische Fragen von hoher Wichtigkeit bilden gegenwärtig in den Kreisen der Architekten und Aesthetiker den Gegenstand besonderen Interesses: das verputzte Mauerwerk und Eittfriedigung von Holz. In manchen Bauordnungen ist beides verboten, in anderen nur das letztere. Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß die Zulassung hölzerner Einfriedigungen prächtige und originelle Lösungen ermöglicht. Schon die Verringerung der monotonen gußeisernen Stabgitter wäre ein Gewinn. Weiter wird gegenüber den Baufluchtlittien eine größere Beweglich kett gewünscht. Die genaue linealgemäße Anordnung freistehender Häuser darf nicht zur bieget gemacht werden. Endlich tvird der heute sehr vernachlässigten Tachaus- bilbung erhöhte Aufmerksamkeit zuznwenden sein. Tie künstlerische Ausbildung der Schornsteine wird heutzutage kaum berücksichtigt. Ebenso wird der Durchbildung der Dach- enster größeres Gewicht beizulegen und auch dabei größere Freiheit als bisher zu geben sein. Solche Bestrebungen werden sich hoffentlich nicht auf ausgesprochene Kunststädte wie München und Dresden be- chränken. Isidora Duncan vor Gerücht. S. u. H. Berlin, den 15. Januar. Tic bekatmte Barfußtünzerin Isidora Duncan hatte sich heute ivegen eines Rencontres mit einem Gerichtsvoll' K) Cb 'So Sä & e o Cb o co Ö D 5 "G «*> £ <$u O <“■ ÖT' , S cffl & Gig -ts p = 5 er er a S er zz 2 o Stimme, Mch in Werken unter \tw tyiM at njüjt bie Öanbel u in frieblii 8?ig Väter so Tichtemc ,M Tn 6q1' deutscher es uns § e •or «3 g § 2. CO n ? 5 !£ CP 00 ~ ©?3 o CD _ Ü< <1 Gl 2 g- 00 co s Cr?? O -1- O O CO A CO — «■". er Svr- — — c — o Mi wir Pa mit tis gewählt. Älso getreten, seine npi, die Stint lyranfretd reuen 6?I W Fra, "ebte es da W er si, Sk i l|c6 als d 3w üb ^gedehnt % c eS s • er ' 2 2 06 5. £ 63-G ♦ K = 2< er e er C6 SS f — - ct) ' CO . 5^o er « 01 □ m M r*- CO _ c, er ' " Z. Zr 2: 2 2 - = » r ZZ O- 5 § ©3; % & ce, s co rt CO , . -2.-L 2.'S'/, O —• ü<. G-r O = O .2. 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