Nr. 191 Rotationsdruck und Verlag der Brübl'sch« UniversitätZdruckerei. ÖL Lange, ®tefca. Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.U. Tel. Nr. 6L Telegr.-Adr.: Anzeiger Gieße«. Erscheint Wßüch mit Ausnahme deS Sonntags. Die »Siehener SQnilltenblätter** werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigclegt. Der hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. Zweites Blatt ISS. Jahrgang Donnerstag IS. August 1906 Gießener Anzeiger General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen. ■Bi.iuiiimwBiMiwmriir».iii in । ....... im uni .u—u— ........ .....— . _.M|, ____ Altiser Wilhelm und König tzduard im Hannus. (Von unserem im Taunus weilenden Sonderberichterstatter.) Das,, hinter hohen Pappeln und Tannen im weiten Park sonst den größten Teil des Jahres einsam liegende Schloß Fricdrichshof i|t gcgenivärtig für eine kurze Spanne Zeit aus seinem Dornröschenschlaf erlöst. Durch den Park und die Wälder tönt das Geräusch der Automobilinotore, die Signale der Huppe und der Fanfarentrompete. Die sonst nur wenig benutzte Chaussee Cronbcrg-Oberursel war heute, besonders in den Nachmittagsstundcn, stark belebt. Au§ Frankfurt waren viele Neugierige herübergekommen, die vor dem weit geöffneten Parktore standen, der Ausfahrt der Monarchen harrend. In der brütenden Hitze, die manchmal durch, einen kühlen Luftzug vom Altkönig her etivas erträglicher gemacht wurde, stand auch mancher, den die Pflicht dazu zwang. Man sah den Chef der Frankfurter Kriminalpolizei, Polizeirat Wolff, mit einigen Beamten, ein Gendarm ritt auf und und ab, der immer von neuem die Menge in die vorgeschriebene Bahn zurückdrängte. Besonders Damen waren zahlreich vertreten. Dte Unterhaltung bei der Begrüßung am Bahnhof wurde ausschließlich in englischer Sprache geführt. Aks man den Kaiser gestern abend im Schloß darauf aufmerksam machte, in welcher Weise die Platzfrage geregelt werden sollte, äußerte der Kaiser scherzweise: „Das wird mein Onkel schon machen". — Kurz vor 11 Uhr unternahm der Kaiser mit seinem Gast eine Ausfahrt im Zweispänner. Absperrungen wurden nicht vorgenommen. König Eduard, der einen grauen Anzug und silbergrauen Filzhut trug, saß zur Rechten des Kaisers. Zuerst wurde das Kaiser Friedrich-Denkmal besucht) später ging cs nach der Burg Cronberg und nach der evangelischen Kirche, in der im Jahre 1901 die Trauerfeier für die Kaiserin Friedrich abgehalten worden ist. Ter Kaiser, dem man bei der Begrüßung im Bahnhof einige Erregung angemerkt hatte, unterhielt sich lebhaft mit dem König. Von den Hofmitglicdern, die am Bahnhofe bei der Ankunft König Eduards zugegen waren, wurde ein auffallend ernster Gesichtsausdruck wahrgenommen, in dem der Kaiser entgegen seiner sonstigen Gewohnheit mit zur Ankunft seines Gastes verharrte. Die Fahrt durch die Stadt kam so überraschend, daß selbst Tie Fahrt durch die Stadt kam so überraschend, daß selbst die paar Sicherheitsbeamten, die noch hier anwesend sind, nicht davon benachrichtigt worden waren. Tas Publikum stand in den Straßen streckenweise so dicht bei den vorüberfahrenden Wagen, daß der Kutscher besondere Vorsicht üben mußte. Das Frühstück und das Gespräch unter vier Augen. Zu der Frühstücks täfel in Schloß Friedrichshvf waren geladen Staatssekretär v. Tschirschky und Bögen- dorsf und dec engt. Botschafter Sir Fr. Lascelles. Rach der Frühstückstafel verweilten Kaiser Wilhelm und König Eduard mit dem Staatssekretär v. Tschirschky und dem Botschafter Lascelles etwa eine Stunde auf der Terrasse vor dem Schlosse. Bei dieser Gelegenheit sind wohl die schwebenden Fragen im Konversationston besprochen worden. Wichtige Entscheidungen sind, so meint ein oft gut bedientes Berliner Blatt, nicht gefallen. Ter Kaiser und der König hatten vorher allein konferiert in dem zu ebener Erde gelegenen Bibliotheksaal, einem der schönsten Räume des Hauses. Auf diese Besprechung ist heute das Augenmerk aus allen europäischen Ländern gerichtet. Tie- Unterredung ohne Zeugen dauerte von kurz nach 3 bis' gegen 4 Uhr. Was gesprochen wurde, weiß zurzeit noch niemand. Es wird aber wohl in den nächsten Tagen irgend etwas durchsickern. Vielleicht äußert der Kaiser, vielleicht auch der König irgend etwas zu einem der Herren der Umgebung. König Eduard hat zu Herren seiner Umgebung geäußert, daß es ihn sehr pe in- li ch berühre,Ivie englische Blätter und auch einzelne deutsche über die bevorstehende Unterredung sich geäußert hätten. Man habe da geschrieben, die beiden Monarchen würden sich auch über die inneren Verhältnisse Rußlands unterhalten und erwägen, ob eventuell eine Vermittlung am Platze sei. Von einer Unterhaltung über Rußland sei keine Rede, es sei weder die Aufgabe Englands noch Deutschlands, sich in die inneren Angelegenheiten Rußlands einzumischen. Tiefe Unterhaltung ist jedenfalls^ der Kernpunkt der Zusammenkunft gewesen. Auch wenn nur Mißverständnisse privater Natur, die bei den ausgeprägten Persönlichkeiten der beiden Herrscher doch ihre Reflexe auf die Politik der beteiligten Staaten werfen, beseitigt worden sind, so wäre das schon von Wert. Entgegen den schwacher! Erwartungen, die man an die Zusammenkunft in Berlin, wie versichert wird, knüpfte, ist man jetzt dort der Meinung, daß sie Vorteile bringen wird. In Homburg und auf der Saalburg. Tie Unterredung der beiden Monarchen war" wenige Minuten vor 4 Uhr beendet, und es erfolgte die Abfahrt nach der Saal bürg pünktlich um 4 Uhr. Im ganzen führen fünf Autos, drei kaiserliche und zwei von den Frankfurter Adlerfahrradwerken gestellte, von Schloß Friedrichshof ab. Im ersten, einem 45pferdigen Mercedeswagen, saß der Kaiser, zu seiner Rechten König Eduard. Der Kaiser hatte, entgegen seiner sonstigen Gewohnheit, heute seinen Anzug nicht gewechselt, er trug wieder die Uniform des Posener Jägerregiments, grau mit hellgrünen Abzeichen. König Eduard, der vor fünf Jahren bei der Beisetzung der Kaiserin Friedrich stets in der Uniform der Gardedragoner erschienen war, trug einen hellgrauen Jackett- anzug und ebensolchen steifen Filzhut. Als die Monarchen durchs Portal fuhren, trat die Schloßwache uw.er Gewehr, das Kommando führte Oberleutnant d. Res. Jacobi, Tirektor des Saalburgmuseums, der gegenwärtig eine acht- wöchige Hebung bei den Homburger Füsilieren mitmacht. Tie Ausfahrt der Automobile aus dem Hauptschloßportal ist insofern schwierig, als sofort die Chaussee eine starke Biegung nach/links macht und der Weg etwas ckbfällt. Tas Auto, in dem die Monarchen saßen, lenkte der Oberchauffeur Werner. In den anderen Automobilen folgten Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, der Kronprinz und die Kronprinzessin von Griechenland, die Großfürstin Marie von Rußland, der Staatssekretär des Auswärtigen v. Tschirschky, Regierungspräsident Tr. v. Meister, Landrat Tr. v. Marx, der Botschafter Sir Frank Lascelles, der englische Sekretär des Auswärtigen Hardinge usw. Tie Fahrt ging über Oberursel nach Homburg, da König Eduard den Wunsch geäußert hatte, daß man durch Homburg, wo er so oft geweilt, durchfahren möge. Tie Straßen waren völlig ausgetrocknet und staubfrei, sodaß die Autos flott dahinglitten. In Homburg wurde etwas langsamer gefahren und dann der Weg über Dornholzhausen nach der Saalburg genommen, wv die Ankunft um 4 Uhr 28 Min. erfolgte. Tie Frankfurter Kriminalbeamten unter Führung des Kriminalkommissars Tx. Ncubert hatten ein wachsames Auge auf die zahlreichen'Neugierigen, die sich in der Nähe des Kastells angesammelt hatten. Dieses selbst war völlig abgesperrt. Mer heute hatte die Polizei nichts zu tun, im Gegensatz zu gestern, wo ein älterer Herr mit einem großen versiegelten Brief auf das kaiserliche Auto tosging. Kriminalbeamte rissen i h n zu r ü ck. Es war ein Professor aus Frankfurt, der dem Kaiser eine Bittschrift überreichen wollte. Ter Kaiser führte seinen Gast selbst durch die ihm wohl vertrauten Räume der Saalburg und gab eingehende Erläuterungen, denen der König mit großem Interesse folgte. König Eduard bemerkte schließlich, daß man in England kein Bauwerk von so eminent historischem Interesse habe. Schließlich wurde im Prätorium der Five o'glock tea eingenommen. Tann bestiegen die Monarchen und ihr Gefolge die Automobile und es ging zurück nach Schloß Friedrichshof. Von Interesse ist noch eine Aeu ßerung König Eduards, die er heute vormittag bei der Besichtigung der Cronberger Stadtkirche und des Denkmals der Kaiserin Friedrich, das an deren Vorderfront angebracht ist, tat. Er sagte, daß das Porträt sprechend ähnlich sei, und er freue sich, daß die Bewohner Cvonbergs mit solcher Dankbarkeit der verstorbenen Kaiserin zugetan seien. Für den Nachmittag war außer der Fahrt nach der Saalburg ein Besuch bei der Großherzogin-Mutter von Luxemburg, die seit einiger Zeit mit ihren sechs .Enkelinnen auf Jagdschloß Königstein weilt, in Aussicht genommen. Wie es heißt, hat die Großherzogin selbst den Wunsch geäußert, König Eduard bei sich zu sehen. König Eduard hat indes die Fahrt nach Königstein zu den luxemburgischen Herrschaften aufgegeben. Am Abend fand in Schloß Friedrichshof Tafel zu 33 Gedecken statt. Hieran nahmen u. a. der Kronprinz von Griechenland, die Großfürstin Marie von Rußland, der deutsche Staatssekretär des Auswärtigen v. Tschirschky und Bögendorfs, das Gefolge des englischen Königs und des deutschen Kaisers teil. An das Diner schloß sich eine Konzertaufführung an. Die Abreise König Eduards. Aus Cronberg wird uns heute drahtlich gemeldet: Um 9% Uhr früh trafen heute die Majestäten nebst dem Prinzenpaar von Hessen und der Kronprinzessin von Griechenland auf dem hiesigen Bahnhofe ein. Außerdem waren erschienen Botschafter Sir Frank Lascelles, Landrat Ritter v. Marx und Bürgermeister Pietsch. Im Fürstenpavillon verabschiedete sich der König von den Fürstlichkeiten, besonders herzlich vom Kaiser, den er wiederholt küßte. Der Kaiser trug wieder seine Jäger- uniform. Die Monarchen unterhielten sich sehr angelegentlich bis zum Abgänge des Zuges um 9.45. Auch der Botschafter Laseelles reiste ab. Nach der Abreise verabschiedete sich der Kaiser von den Herren seiner Umgebung und fuhr nach Schloß Friedrichshof. König Eduard hat dem Landrat v. Marx den Royal Bictoriaorden verliehen. Durchfahrt des Kaisers durch Gießen. Auf derRück fahrt von Cronberg nach Wilhelms- höhe trifft heute der Sonderzug mit Se. Ma je st. dem Kaiser 3 Uhr 30 Min. im Bahnhof Gießen ein und fährt, nach erfolgtem Maschinenwechsel, 3 Uhr 35 Min. weiter. Ankunft in Wilhelmshöhe 5 Uhr 35 Min. Der Kaiser und die englische Preffe, Der Kaiser nahm, wie uns heute von anderer Seite aus Cronberg gemeldet wird, kurz vor der Ankunft des Königs Eduard Gelegenheit, sich wiederum über die Presse und ihre Mitbesinflussung politischer Stimmungen zu äußern. Diesmal sprach er über die englische Presse, von der er anerkannte, daß sie in den beiden letzten Jahren besser geworden sei. Früher indessen seien besonders über die Ziele der deutschen Politik zahlreiche falsche Mitteilungen gemacht worden, auf die zum Teil die mißlichen Beziehungen zwischen den beiden Völkern zurückgeführt werden müßten. Vieles sei vollständig erfunden gewesen. Dec Kaiser sprach die Hoffnung aus, daß diese Verhältnisse ich nach weiter bessern loetben, was im Interesse beider Nationen liegen würde. Tic Nordd. allg. Ztg. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt heute: S. M. der Kaiser und König ist heute in Schloß Friedrichshof mit S. M. dein König Eduard von England zusammengetroffen. Wir freuen uns, daß dieses Wiedersehen der beiden Monarchen wie in der englischen so auch in der deutschen Presse fast überall mit Sympathie begrüßt worden ist. An den hier und da laut gewordenen Vermutungen über besondere politische Gründe der Begegnung können wir uns nicht beteiligen. Ter w i r k- l i ch e W e r t d e r Z n s a >n m enknnft erscheint uns auch ohne olche Kombinationen nicht gering. Wir hoffen, daß die A n s- spräche der Staalshänpter Deutschlands und Großbritanniens der F e st i g u n g des Weltfriedens dienen werde. In Uebereinstimmun'g mit allen, die zu beiden Seiten des Kanals von entgegenkommenden Gesinnungen erfüllt sind, heißen wir den König ehrerbietig willkommen. Also kein schwungvoller Begrüßungsartikel, sondern nur ein paar kurze Sätze, in freundlichem, aber sachlichem Ton gehalten — das ist alles. Eine beträchtliche Reserve im Ausdruck der Erwartung, wie sich nicht leugnen läßt, aber vielleicht von demselben Takt diktiert, der 'die Wahl auf Schloß Friedrichshof, den Witwensitz der Kaiserin Friedrich, als Ort der Begegnung der engvcrwandten Herrscher fallen ließ. Eine gewisse diskrete Abtönung zeigte ja auch dec Vorgang der ersten Begrüßung am Bahnhof in Cronberg, erklärlich nach der längeren Periode persönlicher Verstimmungen. Mit rauschenden Fanfaren konnte also auch nicht die „Nordd. Allg. Ztg." auf ^den Plan treten. Möglich, daß die Register voller ertönen, wenn die Aussprache beiderseits befriedigend verlaufen ist. Zweifelhaft ist jedenfalls, ob die Begrüßungsworte der „Nordd. Allg. Ztg." jenseits des Kanals für „ausreichend" erachtet werden, tadelte man doch dort bereits, daß das Regierungsblatt nicht schon in seiner letzten Wochen-i Übersicht des historischen Ereignisses ehrerbietig gedacht Halles Die englische Haltung. Das Zusammentreffen Kaiser Wilhelms und König Eduards steht in London im Vordergründe des Interesses.^ Es wird von den Blättern allgemein sympathisch besprochen. Daß sich der Ton in den Beziehungen beider Völker, danach freundschaftlicher gestalten werde, wird als ein sehr> wünschenswertes und sicher zu erwartendes Resultat hervorgehoben. lieber: die Gegenstände der Besprechung zwischen! beiden Monarchen rverden die verschiedentlichsten Vermutungen aufgestellt. Trotz Betonung der Tatsache, daß die Entreoue privat sei, nimmt man an, daß die beiden Monarchen, akute politische Fragen besprechen. In erster Linie wird die Hoffnung ausgedrückt, daß, wo zwischen England und Deutschland Mißtrauen herrsche, dies beseitigt werden würde. Sodann glaubt man, daß angesichts der Erkrankung des Sultans und der gestörten Lage auf der Balkanhalbinsel die Orientfrage von den Herrschern berührt werden dürfte mit Rücksicht auf eine weitere Verständigung zwischen König Eduard und Kaiser Franz Josef bei einem späteren Zusammentreffen dieser Monarchen. Schließlich zeigen die Blätter einige Beunruhigung über ein angebliches Bemühen Deutschlands, in Aegypten Schwierigkeiten zu bereitem. Aus alledem geht hervor, eine wie hohe Bedeutung man in: England der Monarchenbegegnung zuschreibt. Frankreich. Der französische Minister Bourgeois, bei welchem zurzeit der Berliner Botschafter Bihourd zu Gast weilt, erhielt unmittelbar, nachdem die Cronberger Zusammenkunft beschlossen worden war, von englischer Seite die Verständigung hiervon in Ausdrücken, welche, wie der „Figaro" hervorhebt, durch-: aus befriedigten. Dasselbe Blatt meint, Frankreich gehöre der Hauptanteit an dem Zustandekommen dieser En-j trevue, welche vor Regelung der Marokkosache unmöglich gewesen wäre. politifc^e Lagesscharr. Der Wunsch des Kaisers. Der Kaiser hat in Kassel nicht zum ersten Mal einem! hervorragenden Amerikaner gegenüber den Wunsch geäußert, die Vereinigten Staaten zu besuchen, und es ist interessant, daß der „Lokalanz." die Verwirklichung dieses Wunsches als im Bereich der Möglichkeit liegend erachtet, weil bet dem heutigen Stande der Funkentelegraphie die Regierungsgeschäfte sich auch vom Ozean aus erledigen lasscu ivürben. Das wohl, aber es kommen noch andere Bedenken in; Frage, die durch keine technische Errungenschaft entkräftet! werden, vor allem der Moment der persönlichen Sicher=»■ heit des Monarchen. Noch hat kein Träger der Krone, amerikanischen Boden betreten, auf dem bekanntlich biej „Propagandisten der Tat" schwerer zu überwachen finb, alsi anberSwo. Daß ber Bestich Kaiser Wilhelms „drüben" vicler-j orts erhebenben Enthusiasmus Hervorrufen würbe, steht außer Zweifel. Aber baS Erscheinen dieser markantesten Persönliche feit unter den gekrönten Häuptern würde andererseits den anatischen Gewaltmenschen, denen das freie Amerika Schlupf-- winkel in Fülle bietet, Anreiz fein, ihr verwerfliches Treibern zu entfalten, und damit Sillen, die für die Sicherheit der; Person des hohen Gastes verantwortlich sind, unermeßliche Berge von Sorgen auf türmen. Uebcrdies ist zu beachten/ daß die Tage dec Präsidentschaft Roosevelt's, für den der Kaiser lebhafte Beivunderung empfindet,, gezählt sind. Er will im Jahre 1908 nicht wieder kandi- bieren. Es könnte also eine Amerilafahrt bes Kaisers ehva im nächsten Jahre von ben Pankees, die Alles parteipolitischj umwerten, wohl als Kundgebung zugunsten der repudlika- nischcn Partei gedeutet werden, und dieser Möglichkeit gegenüber wäre deutscherseits umsomehr Reserve geboten, als ein demokratisches Kabinett Bryan sich in der prakt. Politik —* Handelsvertrag — aller Wahrscheinlichkeit nach deutschfreundlicher erweisen würde, wie Roosevelt mit seinen Republikanern. Der interessante und im Grunde verständliche Gedanke einer Kaiserfahrt nach Amerika dürfte bei dieser Sachlage kaum verwirklicht werden. Das Trinken in den Kolonien. Man schreibt uns aus Berlin: ~ Oberst v. Deimling rechnet nicht mehr mifi kriegerischen Unternehmungen' größeren: Stils in Südwestafrika. Nach einer der „Tägl^ Itundsch." aus der Kolonie gesandten Zuschrift betrachtete er seine Mission im wesentlichen als „AusräumungSi arbeit". So erklärte er in einer Art Programmrede, die er kurz nach seinem erneuten .Eintreffen in Windhuk hielt. As ist dankenswert, daß der Oberst bei dieser Gelegenheit mit der ihm eigenen soldatischen Offenheit und Derbheit das Hauptübel namhaft machte, an dem die Kolonie krankt: den Alkoy olmißbr auch, oder wie Herr v. Deimling es nannte, den „Suff". Der Oberst ist hinreichend lange in Südwest gewesen, um ein Urteil abgeben zu können, und zwar über die Gepflogenheiten der Soldaten, in deren Mitte er sich fast ausschließlich aufhielt. Ta muß allerdings daran erinnert werden, daß auch aus Farmerkreisen dein Erstaunen Ausdruck gegeben wurde über die unaufhörlichen Alkoholtransporte zu den deutschen Truppen. Gemeint sind wohl zunächst die den Atappendienst versehenden Mannschaften, denn von den Slbtcilungen, die an den Feind gebracht wurden, hat Oberst v. Deimling im Reichstag selbst erzählt, daß sie genötigt waren, sich tagelang mit schmälster Kost und einigen Schluck Kognak zu behelfen. Die Kenner der klimatischen Eigentümlichkeiten des dunklen Erdteils sind nun einer Meinung über die Gefährlichkeit alkoholischer Unmäßigkeit schon unter normalen Verhältnissen. Man kan-n sich danach vorstellcn, wie verderblich die Wirkungen des Alkoholmißbrauchs unter den den Strapazen des 'Felddienstes ausgesetzten Soldaten sein müssen. Vielleicht findet hierin die auffallende Häufigkeit schwerer Herzerkrankungeu im Expeditionskorps ihre Erklärung. Oberst v. Deimling hat zweifellos recht, wenn er sagt, daß die Kolonie nur vorwärts gebracht wer den kann b e i A b k e h r vom A! l k o h o l i s m u s. Diese Mahnung sollte daher auch von der Zivilbevölkerung beherzigt werden, die ja in höherem Maße als das Militär berufen ist, eine Kolonie wirtschaftlich und sozial zu entwickeln. Es wird leider im gesamten Deutsch-Afrika zu viel getrunken. Daher die beklagenswerten Ausschweifungen und Grausamkeiten, der schnelle Zusammenbruch der Nervenkraft, der „Tropenkoller". Die Weißen, Beamte eingeschlossen, gehen nicht selten bei Wein und Bier mit üblem Beispiel voran, die Eingeborenen folgen und fröhncn dem Branntweingenuß. Gewaltige Summen an Gesundheit, Arbeitskraft und Geld werden dadurch für koloniale Entwicklung unwirksam, und man darf sagen, daß der Alkoholismus einen kaum weniger großen Nachteil bedeutet, als die Wasserarmut für Südwestafrika, und der Sumpfreichtum für Kamerun. Das seit langem angestrebte, noch immer nicht erreichte internationale Abkommen über eine Erschwerung der Spirituosen-Einfuhr in Afrika würde sich zwar den deutschen Kolonien nützlich erweisen. Wichtiger aber erscheint, was auch Oberst v. Deimling fordert: die Selbstzucht der in den Schutzgebieten sich aufhaltenden Deutschen. Gegen mäßigen Alkoholgenuß dort wird kein Vernünftiger etwas einwcnden. Im Genuß entsagen, zeigt mehr den Mann, als dem Genuß entsagen, und Männer braucht Teutschland in seinen Kolonien dringender als je. Hoffen wir, daß sich die Symptome kolonialer Gesundung auch auf alkoholischem Gebiet be- merkbar machen.________________________________________ Deutsches Reich. Berlin, 15. Aug. An einem vom Kaiser noch zu bestimmenden Tage Ende d. M. findet im Zeughause die Nagelung und Weihe der Fahnen usw. des 6. Armeekorps statt. Tie Uebergabe dieser Fahnen an die Truppenteile findet gelegentlich der Parade des 6. Korps auf dem Gan-- dauer Platz bei Breslau durch den Kaiser statt. Hamburg, 15. Aug. Im sozialdemokratischen Verein erklärte Paul Hoffmann, der Berliner Parteivorstand habe im Januar in Hamburg den Massenstreik als Demonstration gegen die Verschlechterung des Bürgerschaftswahlrechtes geplant und Bebel habe es bedauert, daß statt des Massenstreiks nur eine Protestversammlung am Nachmittag zustande gekommen sei.______________________ Deutsch-Afrikanisches. Nach einem Telegramm des Gouvernements aus Daressalam vom 15. August meldet Major Johannes, daß in Upangwa (Landschaft im Nordosten des Nyassasccs) nur Kleinkrieg zu erwarten, und daß kein Grund zu Befürchtungen vorhanden sei. Er beläßt dort demnach Hauptmann von Kleist und kehrt selbst nach Daressalam zurück. Hauptmann von Schönberg meldet neue Ansammlungen von Aufständigen am Muhest und Lihowera, südwestlich von Liwale. Die rückkehrendcn Ossizierc sprachen die Vermutung aus, daß der Kleinkrieg im Süden des Schutzgebietes noch ein Jahr dauern könne.________ _______________________ Eine Schlacht in Arabien. London, 15. Aug. Der Daily Mail wird aus Aden mber einen verzweifelten Kampf berichtet, der zwischen Ein- ^geborenen und den Truppen des tollen Mullah statt- ,gefunden hat. Der Neffe des Sultans, Osman Mohamed, .verlor viele Streitkräfte. Es fielen auf ihrer Seite 9 Blutsverwandte des Sultans und 7 00 Krieger. Nach längeren ‘Mutigen Kämpfen wurde der Mullah unter schwerem Verluste Lurückgeschlagen. Ein britischer Kreuzer wurde nach den abessinischen Häsen entsendet, um den Unruhen zu steuern. Sie ^Läge in Rußland. Die Regierung arbeitet ein neues Wahlgesetz ans. In den Städten soll direkt und auf dem Lande mittelst Wahlmännern gewählt werden. Der bisherige Sitzungssaal der Reichsduma wird derart erweitert, daß darin 860 Abgeordnete Platz haben. Tas Hauptaugenmerk der Behörde ist zurzeit nach offiziöser Versicherung auf eine befriedigende Erledigung der Agrarfrage gerichtet. Im Ministerrat ist ein Gesetzentwurf eingegangen bezüglich der Aufhebung des bisherigen Verhältnisses der Bauern zu den iGrundbesitzern. Die Durchführung der geplanten Maßnahmen verzögert sich durch die gegenwärtige Sachlage. In Petersburg ist die Zeitung „Dwadzatji Wek" suspendiert worden. Auch in der Provinz werden unausgesetzt .-revolutionäre Blätter unterdrückt, dagegen wurde dem Prozessor Kowalewski (Kadett) die Herausgabe einer neuen ^Zeitung „Strana" gestattet. Im Warschauer Distrikt wurden von den Revolutionären im Juli 9 9 Morde begangen; die Anzahl der Verwundeten betrug 136 und die der begangenen Einbrüche und Räubereien 183, darunter namentlich solche an Wodkaläden. In Warschau wurden in verschiedenen Straßen wieder Mordanschläge gegen Polizeibcamte verübt. Es sollen 20 Mordtaten zur Meldung gebracht worden sein. In Wlodlawsk sind Polizeimcister Minnowicz und der LandcZ-Polizcih allptin ann Pietroro cr'mördet worden. w In das Polizeiamt des 7. Bezirks zu Warschau wurden am Mittwoch zwei Bomben geworfen. Das Lokal wurde völlig zerstört und 20 Personen verletzt. Ein starkes Militär-Aufgebot durchstreift die Straßen und hält alle Passanten an. Alle öffentlichen Lokale sollen um 9 Uhr geschlossen werden. In Lodz wurden am Mittwoch im 3. Polizcibezirk zwei Bomben geworfen, durch die ein Gebäude in Flammen geriet. Das herbeigeeilte Militär gab verschiedene Salven ab. Viele Personen wurden getötet und viele vcr- w u n d e t. Nachrichten aus Sosnowice zufolge ist auf der Weichscl- bahn unweit Garbatka der von Radom kommende Personenzug entgleist. Mehrere Wagen stürzten den Damm hinunter, drei Passagiere und in ehrcre Zugbeamte wurden getötet, mehr als 20 sind größtenteils schwer verletzt. Die „Ruff. Korresp." erhielt folgendes Tclegrannn: Die Untersuchung über Bjelostok unter Stolypin verläuft nach dem Vorbilde Kischinews unter Plehwe. Ter Verwundete Lunsky erklärte dem Untersuchungsrichter Bobitko, daß er mit schweren Schädclwunden den Obersten Schröter auf dem Bahnhöfe um Schutz gebeten habe, dieser ihn aber mit gezogenem Säbel zu den Verfolgern zurückjagte. Der Untersuchungsrichter verweigerte die Aus- nahme dieser Erklärung ins Protokoll. Lunsky ging wegen einer Remedur zum Bezirksgericht Grodne. Dagegen wird der jüdische Soldat Gussiatsky verfolgt, da seine Verteidigung bedrohter Ausgeplünderter mit dem Revolver gegen die Hooligans als Bedrohung christlicher Arbeiter qualifiziert ivird. In Li bau sind neue Unruhen ausgcbrochcn. In der Stadt herrscht die größte Panik. Auf wehrlose Greise und Frauen wird von Mitgliedern der schwarzen Bande geschossen. Die meisten Terroristen durchziehen räubernd die Straßen, dringen in die Kaufläden, zerstören die Waren und demolieren die Häuser. Meuternde Soldaten wendeten sich gegen die Terroristen und ermordeten viele von ihnen. Die Polizei und die Behörden sind machtlos und fordern von Petersburg Hilfskräfte. Von amtlicher Stelle wird erklärt, daß Haussuchungen in Moskau zu äußerst wichtigen Ergebnissen geführt hätten. Man habe eine in großem Stile eingerichtete Bombenfabrik mit einer Eisengießerei, ferner Zentner von Dynamit und Pulver, zwei Geschütze, ein sehr großes Waffen- und Munitionslager, Festungspläne sowie eine angeblich lückenlose Namenliste sämtlicher terroristischer Organisationen gefunden. Noch wichtiger seien die dort vorgefundenen Akten des sogenannten Militär bundes, die eine ausgebreitete Verschwörung innerhalb der Armee mit zahlreichen Offizieren ergeben haben. Aufsehen erregende Verhaftungen seien unmittelbar bevorstehend. In dem Torfe Iwanowka versuchten Bauern wegen Beteiligung an den Agrarunruhen verhaftete Personen zu befreien. Kosaken waren gezwungen, zu feuern. Fünf Bauern wurden getötet und zwei verwundet. Aus vielen Orten werden neue Bauernunruhen fortgesetzt gemeldet. Der Petersb. „Reichsbote" meldet über die Lage im Kaukasus: Infolge der andauernden revolutionären Bewegung, zahlreicher räuberischer Ueberfälle und blutiger Zusammenstöße zwischen den verschiedenen Nationalitäten befindet sich der ganze Kaukasus mit Ausnahme einzelner Kreise im Kriegszustände. Besonders ernsten Charakter nahmen in der letzten Zeit die Ereignisse in den Kreisen Schuscha und Sangesur an, wo zahlreiche bewaffnete Banden Truppenabteilungen offen angriffen. Die Bewegung im Kaukasus trägt einen revolutionären Charakter wie in ben übrigen Gouvernements des Reiches, im östlichen Kaukasus jedoch sind Zusammenstöße zwischen Tataren und Armeniern aus Nationalitätenhaß erfolgt. In einem Teil der mohammedanischen Bevölkerung macht sich ein räuberisches Wesen bemerkbar, das jedoch schwerlich als Wirkung einer panislamitischen Propaganda oder eines Aufrufs zum heiligen Krieg gegen die Christen zu betrachten ist. In der grusinischen Bevölkerung der Gouvernements Tiflis und Kutais ist eine große Empfänglichkeit für sozialistische Lehren vorhanden. In der letzten Zeit haben sich die Unruhen unter der Fabrikbevöl- kerung von Baku, Tiflis und im Naphtbagebiet verschärft. Ans Stadt utiw £itno. Gießen, den 16. August. "Der Bericht der Ortskrankenkasse Gießen für das abgelanfcne Jahr ist in mehr wie einer Beziehung interessant. Die Kasse blickt auf das Jahr 1905 als ein üheraus ungünstiges Geschäftsjahr zurück, brachte es doch seit einer langen Reihe von Jahren das erste Mal ein Defizit von 3572.23 Mk. Der Grund dafür lag in dem ungewöhnlich hohen Krankenstand unter den Mitgliedern der Kasse (Influenza-Epidemie). Allein an Krankengeld wurden im ersten Quartal 1905 gegen den gleichen Zeitraum in 1904 12 000 M k. mehr aus gegeben. Dieser Ausfall konnte im Laufe des Jahres nicht mehr eingeholt werden; im Gegenteil, er erhöhte sich noch, sodaß im ganzen in 1905 allein an Krankengeld eine Mehrausgabe von 17 422.41 Mk. entstand, denen allerdings auch eine Mehreinnahme an Beiträgen in Höhe von 11862.89 Mk. gegenüber steht. Der Bericht konstatiert, daß nach dem Stande der Einnahmen und Ausgaben des ersten Quartals in 1906 die Kasse um 8000 Mk. günstiger abschließt als im Vorjahre während dieses Zeitraums. Die Kasse hat trotz des ungünstigen Ergebnisses in 1905 doch recht vorteihaft gearbeitet; sie erhebt nur 3 Proz. an Beiträgen, hat eine gut ausgebaute Familien-Versicherung ohne Zusatzbeitrag, während andere Kassen 31/2 bis 4 Proz. erheben, ohne dabei eine Familien-Versicherung eingeführt zu haben. Es ist begreiflich und nach Lage der Verhältnisse nicht anders zu erwarten, daß an die Ortskrankenkassen nicht nur von den Aerzteu, sondern auch von deren Mitgliedern, von den Krankenhäusern und von den Kassenbeamten erhöhte Ansprüche gestellt werden, und da ist ein Abschluß, der gegen die gehegten Erwartungen einmal zurückbleibt, unausbleiblich, wie dies der Vorstand der Ortskrankenkasse in seinem Bericht ausführt. Der Reservefonds der Kasse beträgt 134 352.85 Mk., hat, da er gesetzlicher Vorschrift gemäß 120 619.92 Mk. betragen muß, diesen Mindcstbetrag um 14 332.93 Mk. überschritten. — Der durchschnittliche Mitgliederbestand der Kasse ist von 5299 auf 5681 gestiegen, weist also einen Zuwachs 382 Mitgliedern auf, obgleich in 1905 die Unternehmer-Firma Winn der Kasse durch Errichtung einer Betriebskrankenkasse 300 Mitglieder entzog. Die Einnahine der Kaffe in 1905 betrug, 174 539,64 Mk., darunter Mitgliederbeiträge in Höhe von 136 851,81 Mk. (24,09 pro Kopf). An Ausgaben waren zu leisten 157186,21 Mk. Es wurden bezahlt für Aerzte- houorare 27 087,52 Mk. (5,05), Arznei und Heilmittel 14 574,76 Mk. (2,60), Krankengeld an die Mitglieder 79 182,91 Mk. (13,94), Wöchnerinnen-Unterstützung 1928,60 Mk. (0,34), Sterbegelder an Mitglieder und deren Angehörige 4743,25 Mk. (0,83), Kur- und Verpflegungskosten 6999,57 Mk. (1,23) usw. Die VerwaltungSkosten der Kasse betrugen in 1905: persönliche 16 618,65 Mk. (1,98), sachliche 2113,93 Mk. (0,37). Die in Klammern gestellten Zahlen sind die bezügl. Betrage pro Kopf des Mitgliedes. "* Ein sehr bedauerlicher Unfall ereignete sich gestern auf dem Gießener Braunstein berg werk. Drei ausländische Arbeiter, Kroaten, arbeiteten im Tagebau an einer etwa drei Meter hohen Tonwand, um darunter befindliches Erz bloßzulegen. Nachdem der Stoß senkrecht bei- gehanen war, ließ der Aufseher in den unteren Teil desselben Bohrlöcher schlagen und entfernte sich, um Dynamit zum Abschießen dieser Löcher zu holen. Während seiner kurzen Abwesenheit ging einer der Leute, mit Namen Emil Ducic, ohne Beachtung der mehrmals vom Aufseher ausgesprochenen Warnung daran, den Stoß zu unterhauen, seine Kameraden fuhren unterdessen einen mit Ton beladenen Wagen fort. Dueie brachte in kurzer Zeit durch diese Arbeit den Tonstoß, der durch den starken und anhaltenden Regen der vergangenen Nacht sich schon gelockert hatte, ins Wanken und wurde durch plötzliches Zusammenbrechen desselben so schwer getroffen, daß seine mit dein inzwischen entleerten Wagen zurückkehrenden Kameraden ihn tot vorfanden. ” Die Bezirkssparkasse Gießen beabsichtigt dem, Vernehmen nach vom 1. Oktober an tägliche Kassetage einzuführen und zwar soll die Kasse von morgens 8—1 Uhr und von nachmittags 3—41/2 Uhr geöffnet sein. Außerdem wird tägliche Verzinsung der Einlagen zur Einftihrung kommen, wie auch in anderen Beziehungen im Interesse der Bezirksangehörigen mancherlei Verbesserungen herbeigeführt werden sollen. Diese Neuerungen dürften gewiß allerseits mit Freuden begrüßt werden. '* An demVerbandschießen sämtlicher Schützen- v cre ine des Gaues Hessen uud Nassau, welches vom 12. bis 14. d. M. in Haiger abgehalten wurde, beteiligten sich auch einige Schützen des hiesigen Vereins und errangen folgende Preise: Feldfestscheibe Herborn 300 Meter: 1. Preis Rechtsanwalt C. Kaufmann 1 Besteck; 4. Preis Installateur Gg. Appel 1 Teppich. Standfestscheibe Biedenkopf 175 Meter: 1. Preis Kantinier H. Schmidt 1 Bowle; 2. Preis Installateur Gg. Appel 1 Kaiserbild; 6. Preis Rechtsanwalt C. Kaufmann 1 silb. Bowle. Auflegescheibe Hessen-Nassau 9. Preis Sattlermeister A. Kilbinger 1 Teppich. Sämtliche Preise sind im Schaufenster des Herrn Blödner ausgestellt. x Allertshausen, 15. Ang. In unserer Gemeinde wird gegenwärtig der Ban einer neuen Kirche auf» geführt, da die alte nicht mehr reparaturfähig war. Der Bau kostet 13 000 Mk. Hierzu giebt das Oberkonsistorium aus dem Zentral-Kirchensonds 2000 Mk. Durch sonstige Zuwendungen kommen noch ungefähr 1000 Mk. zusammen, so daß von der Gemeinde 10 000 Mk. aufzubringen sind. Nun ist die Gemeinde klein und wenig steuerkräftig. Sie zählt 260 Seelen. Der Kirchenbau bedeutet für sie eine jährliche Ausgabe von ca. 400 Mk. zur Verzinsung jund lang-- sanier Tilgung der Bauschuld. Dadurch ivird die Kommun al steuer, die jetzt 157 Proz. beträgt, um weitere 28 Proz., auf 18 5 Proz., erhöht. Um der opfermütigen Gemeinde, die von sich aus feinen Versuch gemacht hat, die Mildtätigkeit anderer in Anspruch zu nehmen, an ihrem Kirchenbau zu Helsen, werden z. Zt. im Dekanate Grünberg Gaben gesammelt imd auch gern gegeben. § Büdingen, 15. Aug. In den Schulen unseres Kreises ivird durch Herrn Schulrat Scherer anstelle des Zeichnens das Modellieren aus weichem Ton mit großem Erfolge eingeführt. Körper, Pflanzen, Früchte u. dgl. werden ans Ton geformt, getrocknet und dann mit Farben und zuletzt mit Lack überzogen. Es ist geradezu erstaunlich, mit welcher Geschicklichkeit manche Kinder Modelle unfertigem Sie erregen den ungeteilten Beifall der Lehrerschaft, aber auch jedes anderen Beurteilers. Dem schönen neuen, eigenartigen Unterrichtszweig ist größte Verbreitung zu wünschen. ? Vom Vogelsberg, 15. Ang. Eigentümliche Verhältnisse herrschen auf dem Lande in den Fleischprcisen. Während man in der Wetteran das Pfund Schweinefleisch für 74 Pfg. erhält, bezahlt man hier mancherorts 80 Psg. Das Rindfleisch kostet pro Pfund 78 Psg., ein Preis, für den man auch in Frankfurt a. M. dasselbe kaust. Worms, 15. Ang. Die vereinigten Gewerkschaften veranstalteten eine öffentliche Protest Versammlung der organisierten Arbeiter, um Stellung zu nehmen gegen das Verhalten der Bürgermeisterei, die auf eine im November vor. Js. eingereichte Eingabe, betr. Einführung deS Proport i o n a l w a h l s y st e m S bei den GewerbegerichtS- wahlen, noch nicht geantwortet habe. Es wurde eine Resolution angenommen. In derselben Versammlung teilte der Vorsitzende mit, daß demnächst eine Protestversammlung der Wormser Gewerkschaften stattfinden werde, um Stellung gegen die Bierpreiserhöhung zu nehmen. -o- Frankfurt, 15. Aug. Die Masseuse Margarete Heine und ihre Tochter wurden verhaftet, weil sie verdächtig sind, Mädchenhandel nach Argentinien getrieben zu haben. — Ein Metzgerbursche stieß mit seinem Fahrrad gegen ein Automobil und geriet unter dieses. Er erlitt nicht unerhebliche Verletzungen und wurde ins städtische Krankenhaus gebracht. — Zum Sicherheitsdienst nach Homburg sind während der Denkmals-Einweihung 110 Schutzleute kommandiert. — Die Bahnhofswirte im Eisenbahn-Direktionsbezirk sind angciviesen worden, während der Zeit vom 1. April bis 1. Oktober jeden Jahres künstliches Selterwasser zum Preise von 5 Pfg. für ein 0,2 Liter enthaltendes Glas dem reisenden Publiknin abzulassen. Auch auf den Bahnsteigen soll künstliches Selterwasser zu diesem Preise zu haben sein. SiSfs 5ln W fü"ä'l0“n’ in" unb ,®e»- \«n bi, s’yw 1 "nbb't?n L t28'60 "'M»kszN°K ‘ÄS’Ji ’b, lUli'b. °» H 6. . ? " »M BÄ 1 St?'"'"®“'»«"! fn.*W fort. 5)llci(. ?lt Tonstoß, der 3a£ ?,t3M9* .n und wurde durch nJ° Wf qetroffen, 'Wagen Kunden ^Ben beabsichtigt dein ^gliche Kassetage van morgens 8-1 föffnet sein. Slu^ctbcm Klagen zur Einführung ^mgen ini Jnteresie der ’rtjenmgen herbeigeführt dürsten gewiß allerseits ^'ämtlicherSchützen- ssau, welches von, 12. bis wurde, beteiligten sich Vereins und errangen )m 300 Meter: 1. Prci- ck; 4. Preis Jnllallatenl be Biedenkopf 175 Meter: . Bowle; 2. Preis In« 6. Preis RechtsamM iflegefdjeibe Hesien-Nasscn er 1 Teppich. Säinlliä: in Slöbner ausgestellt, , In unserer Genies ■ neuen Kirche a:r- parahtriä^g war. §er ebt das DO M Auch H\y t)[ 1000 M. Rammen, Mk. auVftUbtmgen sind. >emg steuerträstig. Sie ebeutei sür sie eine jaht« w Verzinsung junb lang« )abmch wird bic Som- rar. beträgt, um weitert t. Um der opferwilligen Versuch gemacht hat, die ] -u nehmen, an ihm» L im Tekanate Twnberg ^egeben. , -In d-n Salden * «uflefc ,TOn mit großem U „ $ri* «■ * w* $,r rvlt't s#n A’f & *2^ iti(r .rt 'ein« und Frnnkfnrter Börse. 1G. August, 1.15 Uhr. Beichsanleihe von zurechnungsfähig. 60 uz 3% Portugiesen III Der „Bräutigam" , . 120.40 Prince-Henri-Eisenbahn Börse, 16. August. Aiifangskurse. 157 50 4953 K47/06 |B2/< 3685 Mk. 2 bis S.70, für Herren, Damen und» Kinder, K 46/06 IB7, für Geldschränke (6 K 18/06 |B hat, unfern lieben Sohn, Bruder und Enkel iO [4957 [4950 Br. Kipper von den1 Reise zui'ück mit einigen Tropfen Maggis Würze MAGGI nuö feit . 33.60 . 144.00 . 141.40 Elektriz. Lahmeyer . Elektriz. Schlickert . Eschweiler Bor "werk Sandalen Tennisschuhe Turnschu» e fkufjballschuhe Quittenmarmelade Reineclauden Stachelbeeren Tomaten Tomatenmus Wallnüsse Zuckergurketi Zwetschen 4% Öesterr. Goldrente. . 4l/s % Oesterr. Silberrente 4?L Ungar. Gold reute . . 4% Italien. Reute . . . 3?o Portugiesen Serie T . . 243.50 . 126.50 Johannisbeergelee Johannisbeermarmelade Kirschen Kürbis Logansbeergelee Mirabellen Mixpickles Quitten Quittengelee Berliner Handelsgcs Darmstädter Bank . Deutsche Bank . Deutsch-Asiat. Bank Diskonto-Kommandit. Dresdner Bank Kreditaktien . . . Baltimore- und Ohio- Eisenbahn . Gotthnrdbahn . . . Lombard. Eisenbahn Oesterr. Staatsbahn . Bank-Einrichlungen 143.00 127.60 25475 . . 168.90 . . 139 40 . . 238.90 . . 175.00 . . 183.50 . . 157.80 . . 211.40 Apfelgelee Apfelsinenmarmelade Birnen Birnhonig Brombeergelee Dreimus Erdbeeren Erdbeersaft Himbeermarmeiade 8, 9, io bis 12, 8, 9, 10 bis 12, 8, 9, 10 bis 12, von 2.70 an, 2.70 bis 6, 4 '/2 “'n rnss.Staatsanl. 1905 4/4"'n Japan. Staatsanleihe 4 % Conv. Türken von 1903 Türkenlose...... 4% Griech. Monopol-Aul. 4?o äussere Argentinier . do. Konsols do. Hessen . . 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