Nr. 163 Rotationsdruck und Verlag bei Brübl'fchr« Universitätsdruckerei. 9L Lange, Ttetzea. Redaktion. Expedition ».Druckerei: Schulstr.A. Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr.: Anzeiger Otefeen. Erscheint tSglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Giehener §amilirnbläiter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der -hessische Landwirt' erscheint monatlich einmal. Viertes Blatt. LZG. Jahrgang Samstag 14. Juli 1906 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Aas gutmütige A^ulschland. Man schreibt uns aus Berlin: Ms Baron v. Rosen seinerzeit — cs war kurz vor Beginn der M a r o l i o a s s ä r e — seinen Kamelritt in das Reich des allerchristlichsten Königs und .Halsabschneiders Menelik unternahm, da lachten die l'eutc, die immer aus der Bant der Spötter zu jißeit pflegen. Abessinien — was ist uns Abessinien! Im Ausland aber hat man nicht gelacht. Mit Mißtrauen uerfolgte man die Fahrt des Barons, mit Mißtrauen vernahm man die Kunde von der sreundliäzen Ausnahme, die Herr v. Rosen bei Sr. äthiopischen Majestät gesunden lz-atte, und mit noch größerem Mißtrauen nahm man davon Kenntnis, daß Deurschland sogar einen faktischen Handelsvertrag mit König Menclii abge> schlossen bat; Urplötzlich sahen die üeute von der Bant der Spötter, daß ein großes inrernationales Wettrennen um die Gunst des Königs Menelik anhub. Italien, das von Menelik so fürchterlich verprügelte, Frankreich, das in Abessinien verhältnismäßig wenig zu tun hat, England, dessen Interessen gleichfalls zum größten Teil nur politisch sind, haben sich zusammengetan und nach langen Beratungen einen Bertrag über Abessinien abgeschlossen. Der Vertrag ist geheim daß er aus eine Aufteilung des Königreichs, vorerst freilich nur in Interessensphären, hinausläuft, tann man sich, wenn man sich die Herrschaften an- fieht, an den fünf Fingern abzählen. Der Zweck dieses Abkommens ist natürlich der, den deutschen Einfluß in Abessinien auszu sch alten und Deutschland aus Aethiopien hin auszu werfen, wie es faktisch aus Marotto hinausg'e- morsen ist. Nun war es interessant, wie sich unsere ossiziösen Stellen zu der ganzen Airgelegenheit stellten. Die „Nordd. Allg. Ltg.", die sonst so redselig sein kann, hat den Mund nur ausgemacht, wenn die Verleumdungen in den englischen Blättern gar zu dick kamen. Die Leute jenseits des Kanals mußten uns nämlich nachzusagen,'daß ivir Menelik gegen die drei Machte aus- hetzten. Sie wußten, daß der deutsche Bevollmächtigte sich hinter einen Weiberrock, den der holden Gattin Mcncliks, gesteckt habe, um gegen England, Frankreich und Italien zu intriguiercn. Das hat das ofsiziöse Organ mit hrftigeir Worten zurückgewicsen, aber über das Abkommen selbst hat cs vollständig geschwiegen. Frankreich und Italien hielten sich von Verdächtigungen Deutschlands diesmal frei, das muß anerkannt werden. Das Abkommen selbst aber scheint für uns einer dankenden Anerkennung keineswegs wert, denn es läuft auf eine wirtschaftliche Schwächung des deutschen Rcicli-es hinaus. Der Vertrag ist, wie offiziös behauptet wird, von Italien in Berlin notifiziert »norden. Die drei Verbündeten sind also wenigstens nicht in den Fehler verfallen, den England und Frankreich bei ihrem separaten Marokkoabkommen begingen. Es fragt sich nun, ob Deutschland beit Vertrag ohne Weiteres anerkennen wird. Wir zweifeln nicht daran, denn es hätte sich im Voraus rühren müssen, wenn es etwas erreichen wollte. Und der Vertrag wird, daran ist kein Zweifel, auch abgeschlossen, ivemt Deutschland dagegen protestiert. Warum sich also sonderlich sperren? Wir sind neuerdings gar sehr gutmütig geworden. Die Fährlichkeiten, in die uns das marokianische Abenteuer stürzte, hchien uns ängstlich gemacht, und es scheint, daß wir in Zukunft lieber irgendwo Haare lassen, als^uns neuerdings die Finger verbrennen wollen. Das ist ein Standpunkt, gegen den sich doch sehr viel einwenden läßt, zumal wenn man in Berücksichtigung zieht, daß Deutschland infolge seiner Uebcr- bevölkerung darauf angewiesen ist, die Grenzen seiner Wirtschaftspolitik immer weiter zu stecken. Oder gibt uns am Ende die Gesinnung des Königs Menelik die Gewähr dafür, daß uns das englisch-französisch-italienische Abkommen nicht aus Abessinien ausschließen kann? Das wäre eine Möglichkeit, die das deutsck)e Schweigen begreiflich erscheinen ließe, und wir möchten an diese Möglichkeit um so lieber glauben, weil sie unserem nationalen Stolz zuträglicher erscheint, als das Zu- rückweichen vor dem abessinischen Dreibund. Es hat nicht den Anschein, als wenn sich Menelik, dieser merkwürdige Christ, über den Löffel barbieren ließe, und cs ist nicht unmöglich daß die drei Verbündeten da unten die Lunte an ein Pulverfaß legen, das mit großem Krach in die Luft gehen kann. Menelik hat die Italiener mit blutigen Köpfen heimgeschickt. Die Tinge stehen nun, da England und Frankreich sich auf die italienische Seite gestellt haben, so, daß cs dem König kaum gelingen würde, sich dieser drei Gegner zu erwehren, und das; er sich deshalb um Bundesgenossen umsieht. Dazu ist jetzt gerade der günstige Augenblick. Die panislamikischc Bewegung wächst immer bedrohlicher. Da ändert es gar nichts an der Geschichte, daß Menelik Christ ist — er würde sich ohne Weiteres mit den Muselmanen verbünden. Afrika ist im Aufruhr: die Engländer und die Franzosen können da genug zu tun bekommen. Die Kaffern, die Kulis, alle schwarzen Mohainedaner — das ist eine Herde Teufel, die zwar schlecht bewaffnet ist, aber in ihrer Neberzahl doch schließlich die Weißen aus dem schwarzen Erdteil hinaustreiben kann. Das ist zu bedenken, und hoffentlich hat man das auch in Berlin bedacht und ist deshalb so ruhig und so — gutmütig geblieben. Dann ist für uns die Geschichte ja in Ordnung — was die drei Verbündeten da unten erleben, kann uns dann ziemlich gleichgiltig sein. LsUtische Lagesschar». Vom nächsten sozialdemokratischen Parteitag. Der „Vorwärts" veröffentlicht bas Programm des auf den 23. September nach Mannheim cinberufenen Parteitages. Von den Programmpunkteu seien hervorgehoben : Maifeier (Berichterstatter Fischer-Berlin), M ässe u- streik (Au g ust B c b e l), internativn. Kongreß (Singer), Sozialdemokratie und Bollserziehung (Schulz und Klara Zetkin). Auf dem Parteitag wird zweifellos im Vordergründe die Frage des politischen Massenstreiks stehen. Der „Vorwärts" brachte erst in diesen Tagen mehrere lange Artikel, die den Massenstreik behandelten. Darin wurde nicht undeutlich zu erkennen gegeben, daß die politischen Führer der Partei, in erster Reche Bebel, die Waffe des Massenstreiks, und zwar einer lvirknngsvollen, auf längere Tauer berechneten Arbeitsniederlegung, im gegebenen Augenblick mit aller Wucht anzuwenden gedenken: daß aber die Gewerkschaftsführer noch keineswegs das Verständnis für dieses proletarische Kampfmittel besitzen. Ohne die Gewerkschaften sei der Massenstreik nicht durchzuführen. Folglich müssen die GewerkschaftsL'eise aufgeklärt werden. Der s o z r a 1 d. Partcivorstand und die Generalkommrssr on derGewerkschaften befinden sich augenscheinlich ntcht in harmonischer Eintracht. Seit den Geheimverband lungen vom Februar d. I. sind allerlei Enthüllungen erfolgt zum Thema Partei und Gewerkschaften. Eben wieder kann die „Leipz. Volksztg.", bet, im frechen fröhlichen Durcheinander am meisten wohl ist, eine neue bemerkenv- werte Enthüllung machen. Darnach haben dte Gewerkicha,^en die Forderung abgelehnt, nach einem pollttjcheu .)kasfon- streik für die Unterstützung der Gemaßregelten etnzutreten. Jetzt enthält nun der „Vorwärts" einen feierlichen, beinahe zeremoniösen Schriftwechsel zwischen dem sozialdemokratischen Parteivorstand uno der Generalkommission der Gewerkschaften. Der Parteivorstand möchte, da ja nun doch einmal von der Geheimberatung der Gewerkschaftskonserenz so mancherlei durchgesickert ist, den Abschnitt des Protokolls dem „Vorwärts" zur Verfügung gestellt wissen, der von Partei und Gewerkschaften handelt. Tie Generalkommisfion bescheidet äußerst höflich, aber kalt diesen Wunsch, ablehnend. Der Parteivvrstand seinerseits läßt nicht locker, er schlägt, ebenfalls „mit Parteigruß" vor, die Teilnehmer der Konferenz über die Auslieferung des Protokolls zu befragen. Ter Parteivorstand wird am besten wissen, weshalb er soviel Wert legt auf die Freigabe. Jedenfalls soll die Kritik an den Beratungen den Parteivorstaud gegenüber den Gewerkschaften glänzend rechtfertigen. Tas Weitere wird dann Bebel in einer fulminanten Rede auf dem Parteitag besorgen. MMaeev-DW- -*• ■ r —|-i 11 im ■■■ i.lj m hi u ti _i iri _ ji u .[»■■■i—■ Sitzung der StadtVerordneten. Gießen, 12. Juli 1906. (Schluß.) Straßen- und Gelände-Ange'cgenheilen. L. R o t h e n o c r g e r Ww. hat ihr Besitztum am Neuenweg der Stadt für 80 000 Mk. (400 Mk. für den Quadratmeter) zum Kauf angeboten. Da diese Forderung übertrieben hoch ist, sah die Baudeputation von einer weiteren Verhandlung ab. Tie Versammlung ist hiermit einverstanden. Dem Erwerb von 21 Quadratmeter Straßen- land von Friedr. Carle für 210 Mk. und von 26 Quadratmetern von K. Meher für 260 Mk. am Wetzlarer Weg wird zugestimmt. Die Verbreiterung des Bürger st eig- Pflasters vor dem Haus P l o ck st r. 9, um die von der Firma Abcrmann und Kling gebeten wurde, sollte auf Kosten der Gesuchstelter von der Stabt ausgeführt werden. Sie ist inzwischen von der Firma selbständig hergestellt worden, weshalb die Beschlußfassung ausgesetzt wird. Die schon früher genehmigten Pläne über die Umgestaltung des Landgraf-Philipps platz es wurden etwas geändert, um eine bessere Aufstellung der Marttfuhrwerke zu ermöglichen. Tie Versammlung ist hiermit einverstanden. Die Eisenbahnverwaltung erhält die erbetene Erlaubnis, den Wetzlarer Weg mit einer Fer n sp rech lei tun g zu kreuzen, gegen eine jährliche Anerkennungsgebühr von 1 Mark. Für die Lieferung von K l e i n p f l a st e r st e i n e n zur Herstellung der Hammstraße war ein Ausschreiben erfolgt, die dabei eingegangenen Proben wurden zusammen mit Proben aus den städtischen Brüchen an die geologische Landesanstält zur Untersuchung gesandt. Tie Prüfung hat ergeben, daß die Steine aus dem städtischen Bruch die besten sind. Es wird deshalb beschlossen, diese für die Pflasterung der Hammstraße zu verwenden. Stadtverordn. Eichenauer bittet, mit Rücksicht auf den Geschäftsverkehr die Hammstraße noch in diesem Jähr herzustellen. Stadtv. Schmält unterstützt dies, auch in der letzten Sitzung der Handelskammer seien über den dortigen Straßenzustand berechtigte Beschlverden laut geworden. Stadtv. H eich l- heim meint, auch die Eisenbähnverwaltung könne zur Besserung der Verhältnisse beitragen. Ter Vorsitzende sagt möglichste Förderung der Angelegenheit zu und bemerkt weiter, er habe Veranlassung genommen, den Mißstand zu beseitigen, baß von der Vichwagenreinigungs- anstalt Passante'u belästigt würden. Einem Gesuch des Hch. Plank und Hch. Hellmold um käuflich e Abtretung des Bauplatzes Ecke Landmann- und Licherstraße — sie boten 12 Mk. für den Quadratmeter — wurde nicht stattgegeben. Es wurde vielmehr beschlossen, die Plätze mit einer Grundtaxe von 15 Mk. zur Versteigerung gelangen zu lassen. Die Bctriebsregulierung im Stadtwald. Der Vorsitzende teilt mit, daß nach Ansicht des Professors Wimmenauer eine Erhöhung des Hiebsatzes in unserem Stadtwald möglich sei, ohlte diesen zu schädigen. Auch das Ministerium habe dem zugestimmt und für dte nächsten 10 Jahre den Hiebsatz anstatt der settherigen 7310 Festmeter auf 8300 Festmeter festgesetzt. Pros. Wimmenauer habe diesen Plan geprüft und ftch int allgemeinen damit einverstanden erklärt, nur bei drei Stellen habe er aus waldwirtschaftlicheu und forstästhetischen Gründen Einwendungen erhoben, deren Berechtigung vom Ministerium anerkannt worden sei. Unter Berücksichtigung dieses Umstandes ist der Hiebsatz für die nächsten 10 Jahre auf 8200 Festmeter festgesetzt worden. Em höherer Ertrag ist hieraus in den nächsten Jahren nicht zu erwarten, dagegen für später, denn es sind in hohem Maß zunächst Durch- sorstungen in Aussicht genommen. Stadtv. Tr. W i m m e n a u e r macht sodann einige interessante Mitteilungen über den Ertrag unseres Stadtwaldes. Von 1867/68 ab seien 20 Jahre lang jährlich 8270 Festm. geschlagen worden und sodann 8/73 Festmeter. Vor^einiger Zeit sei dieses Quantum vorübergehend auf 6500 Festm. heruntergesetzt worden. Ter Reinertrag aus dem Stadtwalde habe in den letzten Jahren 33—40 000 Mk. betragen gegen 60—80 000 Mk. früher. Ter neue Waldwirtschaftsplan sehe ungefähr dasselbe Holzerträgnis vor wie der von 1867/68 ab bestehende. Tie von ihm gemachten Vorschläge betreffen u. a. die Erhaltung eines Stticks Buchenwaldes an der Habichswiese und eines Eichenwaldes, der mit Fichten und "Tannen vermischt sei, am Schiffenberger Weg, beides aus Schönheitsgründen. Der durchschnittliche Remerttag des Gießener Stadtwaldes, der 1284 Hektar groß sei, betrage von 1891/92 bis 1905 59 000 Mk. oder für das Hektar 44 Mk. jährlich. Dies sei ein günstiges Ergebnis, denn es stehe in der Mitte zwischen dem ertrag des württemb. und des sächsischen Staatswaldes (41 und 51 Mark) die von allen deutschen Staatswaldungcn den höchsten Ertrag haben. In Baden ist der Reinertrag z. B. nur 38 in Bayern 20 und in Preußen 12 Mk. Ter Wer: des Gießener StadtwaldcS belaufe sich nach dem Verwal- tunasbericht der Bürgermeisterei auf 3 Millionen. Er halte diese Angabe für zutreffend, wenn auch müßig. Nach dem Ergebnis der letzten Jahre werde dieses riapitcl mit 2Proz. verzinst, aber für die Zukunft sei eine bessere Verzinsung! zu erwarten, namentlich wenn der jetzt 80jährige Kiefern-- bestand in Angriff genommen merbe. Die Versammlung wendet nichts gegen die Betriebs- rcgulierung ein. Der Vorsitzende dankt dem Stadtv. Dr. Wimmenauer für die Arbeit und Mühewaltung, der er sich in dieser Angelegenheit im städtischen Interesse unterzogen hat, sowie für seine heutigen Mitteilungen. Er bemerkt weiter, daß ihm von einem höheren Forstbeamten gesagt worden sei, daß die Stadt Gießen die einzige hessische Gemeinde sei, die weniger Holz geschlagen haben wolle, als das Ministerium für zulässig halte. Verschiedenes. Die Garnisonvcrloaltung hat früher ihren B a s a l t g r u s aus dem Nickelschen Bruch bezogen, der jetzt der Stadt gehört, und möchte auch fernerhin ans diesem Bruch beziehen. Tie Versammlung stimmt dem zu. Es handelt sich um jährlich 70 Kubikmeter zum Preis 3,50Mk. Die Firma W inn u. Co. beabsichtigt, an der 2. Schneise in der Nähe der Lichersttaße eine Sandgrube zu pachten, um den für den Jrrenanstaltsbau erforderlichen Sand zu gewinnen. Man beschließt, das Gesuch abzulehnen, da die Stadt selbst Verwendung für den Sand hat. Stadtv. Ern melius regt bei der Gelegenheit an, darauf hinzuwirken, daß die Irrenanstalt nicht nach der Stadt Gießen benannt werde, sondern sonst irgend einen 97amen mit dem Zusatz „bei Gießen" erhalte. Der Vorsitzende will in diesem Sinne tätig fein. Pflastermeister Hofmann hat bereits früher eine Sandgrube von der Stobt gepachtet und wünscht jetzt 200 Quadratmeter dazu zu bekommen. Die Versammlung stimmt dem unter den üblichen Bedingungen zu. Die Grube muß bis 1. Mai 1908 geräumt fein und die jährliche Pachtsumme wird auf 15 Pfg. für den Quadratmeter festgesetzt. Vom Kreisziegenzuchtverein war 'früher der Stadt das Ansinnen gestellt worden, das Gelände für eine Ziegenzucht st a t i o n zu stellen und die erforderlichen Gebäude zu errichten. Ter Plan wurde mittlerweile wieder auf- gegeben, aber nunmehr vom 1. Gießener Ziegenzuchtverein, zu in Teil wieder ausgenommen. Er richtet an die Stadt bas Ersuchen, den Platz kostenlos zur Verfügung zu stellen und für die Errichtung der Bauten ein Darlehen von 6000 Mart zu gewähren. Tiefe Summe soll zu 4 Proz. verzinst werden und der Zinsenbetrag an der dem Verein gewährten Unterstützung abgezogen werden. Tie Teputatton ist der Heb er ^eugung, daß die Sache mit 6000 Mk. nicht zu machen ist und deshalb die Stadt, da dem Verein keine anderen Mittel hierfür zur Verfügung stehen, jedenfalls schließlich noch größere Opfer bringen müssen wird, wenn die Sache erst einmal soweit gediehen ist. Auch umfaßt der Verein nicht alle Gießener Ziegenzüchter. Es wird deshalb beschlossen, vorerst davon abzusehen, dem Gesuch näher zu treten. Die Bestimmungen über die Oktroiabgabe von Branntwein werben mit den betreffenben reichsgesetz- liehen Vorschriften in liebereinftimmung gebracht. Einige Rechnungen über freihünbige Vergebungen usw. werben genehmigt. Der erforderlich gewordenen Auswechslung des' Gasrohres hinter Der Westantage und der GaSleit- ung in der Bahnhofstraße zwischen Westanlage und Alice- ftrajje wird zugestimmt und der hierfür geforderte Kredit bewilligt. Tie Ausschreibung der Lieferung von 1742 Quadratmeter Fußboden für die höhere Mädchenschule ergab 13 Offerten, die sämtlich den Voranschlag überschritten. Es wird beschlossen, die Lieferung der billigsten Firma Buderus (mit etwa 260 Mk. ^.ifgebot gegen den Voranschlag) zu übertragen. Ein Gesuch der Kurl Buß Ehefrau zum Betrieb einer Kantine auf dem Bauplatz der Irrenanstalt soll nicht befürwortet werden, da die Bauleitung die Errichtung nicht wünscht und die Bedürfnifse der Arbeiter durch andere Einrichtungen befriedigt werden. Weitere Gesuche um Erlaubnis zürn' Gastwirtschaftsbetrieb liegen vor von Philipp Böchner für Hammftr. 7, von Joh. vorn gen Hasseno für Schiffenbergerweg 63, von Georg Schrimpf für Grünbergerstr. 15 und von Edm. Wild für Bahnhvfstr. 31. Ta es sich in allen Fällen um den Uebergang bestehender, seither mit Erfolg betriebener Wirtschaften handelt, wird Befürwortung dieser Gesuche beschlossen. Ein am 5. Oktober gefaßter Beschluß, daß für die Fortbildungsschule weitere Klassen errichtet werden sollten, wenn bic Schülerzahl 500 erreicht, brauchte im letzten Winter nicht zur Ausführung zu gelangen. Er würbe deshalb für dieses Jahr erneuert. Stadtv. S ch in a l l bittet, ein von Schuchardt vorliegendes Baugesuch noaj vor den Ferien zu erledigen. Der Vorsitzende teilt mit, daß vor wenigen Tagen das Ministerium das Gesuch abgelehnt habe. Ein neues Gesuch liege nicht vor. Die Versicherung der Bestände des Ob er hessisch en GeschichtsVereins wird auf die Stadt übernommen. Tie Sammlungen sind zu 30 420 Mk. versichert und die jährliche Prämie betrug seither 38,11 Mk. Aus S.ase uno Luno. Gießen, den 14. Juli. •* Der hessische Schutzverein für straf- entlassene Gefangene hielt am Freitag nachmittag im Sitzungssaal der Strafkaunncr des neuen Justizgebäudcs zu Darmstadt seine ordentliche Versammlung ab. Der Vorsitzende, Gcneralstaatsanwalt Praetorius, begrüßte die leider nicht sehr zahlreich besuchte Versammlung, der auch Vertreter der Behörden beiwohnten. Nach einem Nachruf auf das langjährige eifrige Mitglied Exz. Goldmann, zu dessen Ehren sich die i)lnwesenden von den Plätzen erhoben, gab der Vorsitzende einen ausführlichen Jahresbericht über die Tätigkeit deö Schutzvcrenis, die täglich an Umfang zunehme. Das im vorigen Jahre angeregte Eintreten der oberen Kirchenbehörden für die Vereinsbestrcbungen habe gute Früchte ge- fragen; namentlich sei auch im Kreise Worms durch Geh. Regierungsrat Dr. Kayser, eine erfolgreiche Werktatigkeit entfaltet worden. Von den Dekanaten der drei Provinzen werde jetzt der Gefangenenfürsorge eine dankenswerte Aufmerksamkeit Zugewendet. Einen der wichtigsten Punkte bilde auch die Fürsorge für die Familien der Gefangenen während deren Haftzeit; hier bedürfe der Verein der eifrigsten Mithilfe der weitesten Kreise. Der Verein zählte im Jahre 1905 277 Schützlinge, darunter 31 weibliche. Unter den Schützlingen befanden sich 121 Katholiken, also weit mehr, als dem Verhältnis der katholischen zur evangelischen Bevölkerung entspreche. Es sei deshalb zu hoffen, daß auch die katholische Geistlichkeit immer mehr die Bestrebungen unterstütze. Auffallend sei die geringe Zahl der jüdischen Pfleglinge, die allerdings ihrer geringeren Seelenzahl ungefähr entspreche; e§ werde aber auch von privater Seite eine große Werktätigkeit für sie entwickelt, namentlich durch die israelitischen Logen. In dem erst kürzlich errichteten Braunshardtcr Heim für gefallene Mädchen befänden sich jetzt 15 Insassinnen; die Verwaltung werde durchaus paritätisch geführt. Trotzdem der Verein auch für die Unterstützung der Familien Gefangener eintrete, müsse dies doch in erster Linie Sache der Armenpflege der Gemeinden bleiben. Es sollen demnächst auch Sammelstellen für abgelegte Kleidungsstücke 2c. vom Verein errichtet werden. Mit größeren Darlehen des Vereins würde in Zukunft vorsichtiger verfahren werden; jetzt sei mir ein Einziger da, der regelmäßig Abzahlung leiste. Die Zahl der Mitglieder betrug 1902 nur 1722 mit 5800 Mk. Beitrag, 1906 sei sie auf 3180 mit 5800 Mk. Beiträgen gestiegen. Von den Pfleglingen gehörten 38 Proz. zur Provinz Starkenburg, 38 Proz. zu Rheinhessen, 15 Proz. zu Oberhessen und 9 Proz. seien auswärtige. Bestraft waren davon 14 wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, 42 (gegen 57 im Vorjahr) wegen Sittlichkeitsvergehens, 45 (gegen 55 i. V.) wegen Körperverletzung. 102 wegen Diebstahl und Unterschlagung, 25 (gegen 38 i. 93.) wegen Betrugs. Untreue ?c. Die Gesamtausgaben für 1905 betrugen 10045 Mk., die Gesamteinnahmen 11 607 Mk. Im Voranschlag für 1907 sind für Unterstützungen 7000 Mk. ausgeworfen. Die Gesamteinnahme ist auf 11180 Mk. und die Ausgabe auf 9710 Mk. festgesetzt. Bei der Ausschußwahl wurden 7 Ausschußmitglieder wiedergewählt und an Stelle von Exz. Goldmann und des zum Reichsgerichtsrat ernannten Oberstaatsanwalt Dr. Schmidt die Herren Geh. RegierungSrat Dr. Kayser- WormS und Oberstaatsanwalt Dr. Theobald-Gießen neugewählt. An der Diskussion beteiligten sich Polizeikomisiär Bischof-Worms, Pfarrer Armbrust, Provinzialdirektor Frhr. v. Ga gern- Mainz u. a. ** Eine niedliche Speisekarte von einer Gießener Hochzeitstafel ist uns von einem Freunde unseres Blattes .übermittelt worden. Sie lautet, sauber und zierlich gedruckt, wörtlich folgendermaßen: Hors d’oeuvres froids. Oeufs de russie et Majonnaise en coqnille. — Menu: Bouillon de poulet ä la Marengo. Sanmon de Rhin ä la Majonnaise. Petits pois ä l’anglaise Escalope ä la viennoise. Chonx-fleurs Escalope ä la viennoise. Oison röti. Compotes, salades. Mandelberg. Glace ä la proventjale. Torte. Dessert. Cafe. Also nur ein in seiner einsamen Größe frierender „Mandelberg" erhebt sich als einziges Wahrzeichen des Deutschtums aus dieser greuligen gallischen Wortmenge, die die Galle aller Festteilnehmer zum Ueberlausen hätte bringen müssen. Leben wir denn hier in Gießen nicht im echtesten Deutschland? Ist ein solches Protzen mit französischen Wortungetümen nicht ein klägliches Zeichen für die Vaterlandslosigkeit der Hochzeitgeber? ** Die La.ndwirtscba.ftl. Hauptgenossen- schäft für Oberhessen hielt am Freitag im Hotel Trapp in Friedberg unter dem Vorsitz des Aufsichts- rat^räsidenten. Geh. Regiemmgsrat Haas', ihre Generalversammlung ab. Außer den Vertretern der an- geschloffenen Genossenschaften waren außer verschiedenen Revisoren der Vizepräsident des Aufsichtsrats, Landtagsabg. Köhler, Banldirektor Ihrig-Darmsiadt, Generalsekretär Haas jr.-Darmstadt und Direktor Landtagsabg. Hirschel anwesend. Obgleich ein Defizit von 600—700 Mk. konstatiert wurde, war die Versammlung einmütig der Ansicht, daß die Genossenschaft eine glänzende Zukunft hat. Der seit- heri^ Aufsichtsrat wurde wiedergewählt, anstelle des frei» willig ausgeschiedenen Direktors -Oekonomierat Schlenke wurde Landwirt Volz--Burggräfenrode in den Vorstand gewählt. " Das Schloß zu Vilbel. Am 13. Juli d. Js. ;finb 110 Jahre verflossen, seitdem das Schloß zu Vilbel durch General Kleber niedergebrannt wurde. Der rechts der Nidda gelegene Stadtteil war damals kurmainzisches Besitztum. Die Oesterreicher hatten sich unter General Wartensleben auf die Niddaseite zurückgezogen und, um eine Verfolgung zu verhindern, den Belag der Niddabrücke abgeworfen. General Kleber hatte kurz vorher im Schlosse gewohnt. Nach seiner Rückkehr aus Friedberg verlangte er von dem Amtmann Schwarz die sofov^ye Wiederherstellung der Brücke, indem er ihm Gefangennahme und Niederbrennen deS Schlosses androhte. Schwarz leistete keine Folge, sondern entfloh. Daraufhin befahl Kleber die Zerstörung. Zunächst speiste er im Schlöffe, bann ließ er plündern, und hierauf wurde das Schloß zur heutigen Ruine niebecgebrannt. Leider verbrannte dabei auch das Archiv. Die Besitzverhältnisse des Schlöffe? waren äußerst wechselreich. Im 15. Jahrhundert besaß eS die Hauptlinie SolmS-Lich; 1803 kam es an das Großherzogtum Heffen-Darmstadt. Jetzt gehört es dem Besitzer de§ Sprudels und Sprudelbades, Herrn Karl Brod, und die Ruine nebst dem großen Schloßgarten, mit hübscher Aussicht an der Nidda gelegen, dient zum Aufenthalt für die Kurgäste. Die von Herrn Brod vorgenommenen Ausgrabungen ergaben zum Teil intereffante Aufschlüsse, und die Forschungen sollen gelegentlich fortgesetzt werden. Jedenfalls bergen die Trümmer noch manches Unbekannte. - Kindermund. Wirklich nett verabschiedete sich beim Antritt der Ferien, die dieser Tage in den Städten begannen, eine siebenjährige Kleine von ihrer Klassenlehrerin. Sie wünschte derselben (die Sache entspricht der Wirklichkeit) beim Adieusagen — „gute Besserung!" — Auf einem Spaziergange fragte ein Knabe seinen Lehrer: „Herr Lehrer, hat der liebe Gott einen Bruder?" „Kerl", gab erstaunt der Lehrer zurück, „wie kommst Du zu der Frage?" — „Ei", antwortet der Bube, „es heißt doch: wer Gott liebt und hasset seinen Bruder —". (x) Dutenhofen, 14. Juli. Im Frühjahr wurde mit dem Um- und Vergrößerungsbau unseres Gotteshauses begonnen. Unsere Gemeinde hat dank ihrer günstigen Lage in den letzten Jahren so zugenommen, daß das kleine 1653 erbaute Kirchlein nicht mehr ausreichte. Nach den Plänen des Baumeisters Witte-Wetzlar erhält die Kirche jetzt ein Querschiff und eine neue Orgel, welche die Firma Förster in Lich liefert; sie kostet 4 200 Mark und der Umbau der Kirche ca. 30 000 Mark. Bei den Abbruchsarbeiten fand man keinerlei Dokumente, sondern nur einen mächtigen Stein mit der Jahreszahl 1653, im Turm stand 1654. In beiden Jahren wurde die Kirche errichtet. Dutenhofen war als Ort des früheren Amts Hüttenberg ehemals Filiale der Muttergemeinde Großen-Linden. — Für Altertumsfreunde ist eS gewiß intereffant, daß in unserem Orte noch mehrfach alte Bauernhäuser, Stallungen, überdachte Hoftore re. zu sehen sind. Eine alte Stallung trägt die Jahreszahl 1696, eines der ältesten Hoftore 1768. Ein sehr altertümliches Bauern- haus am Eingang von Gießen ist leider mit einem Verputz überzogen. — Bad-Nauheim, 13. Juli. Bis zum 12. Juli sind 16421 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 6206 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 12. Juli — 197 502 abgegeben. T Friedberg, 14. Jusii Bei der Preisbewerbung betr. Neubau des hiesigen Vorschuß- und Kredit-Vereins ist, wie uns von bestuntcrrichteter Seite mitgeteilt wird, ein erster Preis nicht verliehen worden. Ta feiner der eiugesandten Entwürfe allen Anforderungen entsprach, hat das Preisgericht zwei gleiche Preise von je 600 Mk. an die Architektenfirma Sensing und Nicolaus in Gießen und an die Herren Negierungsbaufuhrer Beck und Petry in Friedberg verliehen, einen weiteren Preis von 300 Mk. an Regierungsbaumeister L. Kraft in Bad- Nauheim. § Gedern, 12. Juli. Kommenden Sonntag, 15.Juli, veranstaltet der Bund der Vogelsberger Sängervereinigung sein erstes Wald fest. Ter Bund ist erst im vorigen Herbste neugegründet worden; er sucht besonders das deutsche Volkslied zu pflegen. Alljährlich findet ein Bundesfest statt, das aber möglichst wenig kostspielig gestaltet wird und nur in einem Waldfeste besteht. Erst nach Abwickelung des Gesangsprogramms darf sich das allgemeine fröhliche Treiben entfalten. Das Waldfest veranstaltet der hiesige Männerchor auf der dicht am See gelegenen Nachtweide, einem der schönsten Plätze der Umgegend unseres Ortes. Herrlicher Buchenwald wird die Sänger und Sanges- freunbe in seinen mächtigen Halfen aufnehmen und wird widerhallen von Einzel- und Massenchören. Hoffen wir, daß das erste Waldfest nicht durch eintretenbeS Regenwetter gestört werde. + AuS dem Kreis Biedenkopf, 13. Juli. Das diesjährige Kreis-Kriegerverbandsfest, verbunden mit Delegiertenversammlung, wird am 21., 22. und 23. Juli in Gladenbach abgehalten; der dortige Kriegerverein gedenkt das Fest seiner Fahnenweihe damit zu verbinden. Bei der für Sonntag vormittag vorgesehenen 21. Vertreter-Versammlung steht u. a. folgender Antrag des Gesamtvorstandes auf der Tagesordnung: „Die FrühjahrS-Delegierten-Ver- sammlungen werden vom Jahre 1907 ab abwechselnd in den Orten Battenberg, Biedenkopf, Gladenbach und Rodheim, und zwar in der Reihenfolge Battenberg, Rodheim, Biedenkopf und Gladenbach, abgehalten. Fällt im Jahre das Verbandsfest auf einen dieser Orte, so rückt die Reihenfolge in der Abhaltung der Frühjahrs-Delegiertentage um eine Stelle weiter." Major v. Zander und Genossen vor den Geschworenen. Breslau, 13. Juli. Heute begannen die Plaidoyers. Staatsanwalt Dr. S ch w e- dersky hielt eine vierstündige Rede. Er schloß: Frau von Zander hat ohne jede Rücksicht auf die Zahlungs'möglichfeit gekauft, wonach. ihr der Sinn stand. Kein Zweifel, daß ihr Mann ihr ernsthafte Vorstellungen machte, kein Zweifel, daß sie die Schuldenlast kannte. 9Cbcr sie machte sich darüber kein Kopfzerbrechen. An dem Tage, an dem der Angeklagte seiner Iran schreibt, daß er a.uf absehbare Zeit kein Geld mehr auftreiben könne, er verzweifelt in das Tagebuch eiuträgt: „Wenn sich Marie nur nicht das Leben nimmt!", was tut da Marie? Sie bestellt bei Borchardt in Berlin für im-it über 1000 Mark Hum- mem, Austern und Kaviar (Heiterkeit >, angeblich, um die seine Küche zu erlernen. Grenzt das nicht an Zynismus? Nun i|t ja richtig, daß bei einer hysterischen Frau die Hemmuugsl- vorstellungen gegen den verbrecherischen Trieb besonders schwach sind. Willensschwäche vermindert nur die Zurechnungsfähigkeit, schließt aber die freie Willensbestimmung nicht ganz aus. Ist asio .Frau v. Zander auch strafrechtlich verantwortlich, so bitte ich ihr doch Mildernngsgr ünde in weitestem Umfange zuzubilligen und deshalb zu ihren Gunsten die Frage nach einer fortgesetzten Handlung und nach mildernden Umständen zu bejahen. In den 59 Betrugsfällen beantrage ich, Frau v. Zander schuldig zu sprechen, schuldig des Betrugs, aber nicht m Gemeinschaft mit ihrem Gatten, denn die Anklage wegen Betrugs gegen Major v. Zander werde ich fallen lassen. CGkofte Bewegung.> Wenn ich auch wegen des geradezu unglaublichen Optimismus des Angeklagten, und well er es an Versuchen nicht hat fehlen lassen, wieder in geordnete Verhältnisse zu kommen, die Aullage des Betruges gegen ihn fallen lasse, so muß ich doch darauf aufmerksam machen, daß dieser ganze Entlastungsbeweis nur auf diesen einen Punkt der Anllage und nicht auf die schwereren Verbrechen des Meineides und betrügerischen Bankerotts zutrifft. Herr v. Zander kann sich nicht Straflosigkeit sichern dadurch, daß er den Konkurs Vicht eröffnet hat, denn er war damals so überschuldet, daß auf Antrag jedes Gläubigers jedes Gericht anstandslos den Konkurs eröffnet hätte. Frau v. Zander hat nur deshalb die Zahlungen nicht eingestellt, weil sie überhaupt nicht gezahlt hat. (Große Heiterkeit.) Ich bitte die Fragen nach betrügerischem Bankerott für den Angeklagten v. Zander und nach Beihilfe für den Lkngeklagten Luettig zu! bejahen. Die Zubilligung mildernder Um st an de beantrage ich für beide Angeklagte, v. Zander und Luettig, mit Rücksicht darauf, daß eine dauernde Schädigung der Gläubiger wohl nicht beabsichtigt war, und die üble Vermögenslage dem Verschulden eines' Dritten, der Frau v. Zander, zuzuschreiben war. Vermischtes. * Ueberreicher Kindersegen. Einen eigenartigen Rekord hat die Frau eines Arbeiters namens Gillin in dem im! Dep. Jsere gelegenen Torfe Rivier zu verzeichnen. Sie hat innerhalb 16 Monaten sieben Kindern das Leben gegeben. Im Februar vorigen Jahres imirbe sie von Vierlingen entbunden, von denen noch drei am Leben sind und sich einer ausgezeichneten Gesundheit erfreuen, und vor wenigen Tagen schenkte sie ihrem Gatten Drillinge, von denen zwei recht kräftige Kinder sind, während das dritte einen weniger versprechenden Eindruck macht. Die junge Mutter befindet sich recht wohl, doch ist dieser unerwartete große Familienzuwachs eine Quelle der Sorge für das Ehepaar, das in,ben allerdürftigsten Umständen lebt. Tie Gemeinde hat sofort beschlossen, dem mit so unwiderleglichen Mgumeuten gegen den Rassenselbstmord protestierenden Ehepaar eine Unterstützung zukommen zu lassen, und auch die Deputierten und Senatoren des Departements wollen sich der Mutter so vieler Vaterlandsverteidiger annehmen und ihr eine Staatsunterstützung verschaffen. * Kleine T a g e s ck; r o n i k. Die Gattin des Kapellmeisters am Stadtlheater zu Köln, Fran Lohse, welche selbst als Sängerin dort angagiert war, stürzte vom Balkon ihrer Wohnung herab und war sogleich tot. — Wie die „A u g § b u r g c r Abend- ztg." meldet, explodierten auf dem dortigen militärischen Uebnngsgelande vor Beginn der Zielübung des 4. Feldartillerie- regiments vierzig auf einen Haufen zusammenliegende Kanone n-j schlä g e auf unaufgeklärte Weise. Drei Unteroffiziere und v i er Artilleristen wurden schwer verletzt und am ganzen Körper mit Brandwunden bedeckt ins Garnisionslazarett! g'ebraeht. — Am 12. Juli ist in der Nähe pon Leipzig ein R a u b mord verübt worden. Man sand im Straßengraben einen Handwerksbursch en, dem der Hals bis auf den Wirbel durchgeschnitten war. Er starb im Krankenhause. Ter mit der Barschaft entkommene Mörder ist gleichfalls ein Handwerksbursche. Handel und Verkehr, Volkswirtschaft. Ruhepause. Ein rheinisches Blatt sieht in der gegenwärtigen außerordentlichen Stille des Börsenverkehrs eilte wohlverdiente Ruhepause. Es präge sich in der jetzigen Geschäftslosigkeit nicht nur die alljährliche in der Sommer- und Reisezeit einsetzende Untätigkeit aus, sondern es kommt in dieser hochgradigen Geschäftsunlust auch die Abspannung zum Ausdruck, die sich des Marktes nach den unsicheren Börfenverhältnissen der vergangenen Monate bemächtigt hat. Ferner scheint die Ruhepause am Platze, weil die für die Börse in Betracht kommenden Fragen nicht so geklärt sind, daß sie unbekümmert an neue Geschäfte Herangehen könnte. Wir haben dem nur hinzuzufügen, daß die Hauptfragen für die Börse, die Lage des Minenaktienmarktes und die politische wie finanzielle Lage Rußlands sind. Daß diese, auf das Geschäft so sehr drückenden Fragen so bald geklärt werden, wie es für das Börsengeschäft wünschenswert wäre, ist sehr zu bezweifeln. Eisenbahn-Zeitung. * * DieEisen bah nregim enter kommandieren zur Zeit gelernte Schlosser und Mechaniker zu den Maschinen-Jn- spektionen der Staatsbahnen ab. Die Leute werden dem Lokomotiv-Personal beigegeben und sollen sowohl die einzelnen großen Strecken kennen lernen, als namentlich auch den Führerund Heizerdienst praktisch erlernen. Für einen etwaigen Mobil- machungsfall können die so ausgebildeten Unteroffiziere und Mannschaften mindestens mit Erfolg Heizerdienst versehen. <5crid>tsfaaL Marseille, 13. Juli. Das Kriegsgericht verurteilte beit kürzlich von Belgien ausgelieferten Soldaten Pelissier zu 20 Jahren Zwangsarbeit, Degradation und 10 Jahren Landesverweisung. Pelissier ist der Hauptbeteiligte an dem Diebstahl militärischer Dokumente in Avignon. für Kmcter, Kranke,Genesende. Verhütet □.beseitigt:Diarrhoe, BrechdimchFaU, Darmkatarrh. Altbewährte Moderne WeHoMe Möbel kaufen keine Einrichtung ohne vorher das grosse Muster-Haupt- ausstellungshaus der Darmstädter Möbelfabrik, Heidelbergerstrasse, welches als Sehenswürdigkeit I. Banges und bedeutendstes Haus seiner Art bekannt ist, besichtigt zu haben. Man verlange Preisliste mit Abbildungen. (Perspektiv-Aufnahmen von completten ZimmenP. b23/s „KOSMOS“ Man fordere Offerte! - ..KylKiäusorliüho. Artern“ M = General-Vertreter: A. Collin. Frankfurt a. M., Kaiser rasse 60 ’ MW MD /ytbewähittes Spolbad.