Erstes Blatt 158. Jahrgang Mittwoch 14. November 1906 >kn. 08435 e§: Der „Nationalztg.* zufolge ist der Zentrumsabgeordnete Bachem schwer erkrankt und infolgedessen nicht in Lage, seinen parlamentarischen Pflichten nachzukommen. teiierung der Lebensmittel und die damit zusaminenhängende steigende Unzufriedeuheit im Volke auf die Regie-» un* durch Teil der unter ke it Der dem und Die Musik spielte hierauf die bayerische Hymne. Den Beschluß der Festlichkeiten bilderen eine Festlich - bei dein Prinzen und der Prinzessin Ludwig. Kaiser und die Kaiserin, die sich in der Residenz von Pcinzregenten verabschiedet hatten, wurden vom Prinzen der Prinzessin in den großen Saal geleitet. Hier hielt Dr. der Linken verharrten in würdeovtlcm Ern ft. Zu erwähnen ist der mehr freundnachbarliche Verkehr zwischen den beiden freisinnigen Fraktionen, wohl eine Wirkung des jüngst geschlossenen Wahltartells. Von den süddeutschen Volksparteilern waren nur die „Vorposten" zur Stelle, die noch unterwegs Befindlichen versäumten nichts, denn die sachlich wenig be- merkenswerte Distussion floh träge dahin. Morgen wird das Bild ein anderes sein. Die Teuerung. In einem Berliner Telegramm der »Köln. Ztg/ heißt Es unterliegt heute keinem Zweifel mehr, daß die Ver- ammlung findet statt Gebhardt. ^ora,^ u. «o»e»6tt. Konzerte orietee-tznjeUh^ 03120 ^haus“ .. 3 Hme». zuwirken. rung nicht ohne Einfluß geblieben ist und daß wir mittelbare Bi aß nah men zu erwarten haben, welche den dringendsten Klagen wenigstens zum abgeholfen werden soll. Eine Freigebung Grenzen in dem Sinne, daß man fremdem Vieh Nr. 268 • rf außer SonntaqÄ. Dem Gießener Anzeiger werden Un Wechsel mtt dem hessischen Landwirt die Lietzener Kamillen, blätter viermal tn der Woche beigelegt. Nolalionsdruck il Verlag der Brüh l'schen Unwers.-Buch-u. Siern- belieferet. 9t Bongt. Redaktion, fcvebttioti und ytu eieret: Gchulpratze 7. Redaktion 118 Verlag u.Exped. Adresse für Deveschen: Anzeiger Gießen. »««, «benb8 9 W S'efeeittt fortrag' le aus Berlin über: was ist Tod" 0 Pfg. pro Person. bei Herm Buchhändler parlamentarische-. Berlin, 13. Nov. Die Nationalliberalen haben unter der Führung Bassermanns folgende Interpellation eingebracht: „Ist der Reichskanzler bereit, Auskunft zu geben über unsere Beziehungen zu den anderen Bi ächten und sich über die Besorgnisse zu äußern, die in vielen Kreisen des deutschen Volkes wegen dec internationalen Frage bestehen?"— Folgende Anträge haben hier die Nationalliberalen gestellt: 1. die verbündeten Regierungen zu ersuchen, mit tunlichster Beschleunigung einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen die Berechtigung der Mitglieder des Reichstages oder anderer gesetzgebender Versammlungen wegen der in Ausübung ihres Berufes getanen Aeußerungen oder gepflogenen Verhandlungen ihr Zeugnis zu ver- iveigern, sicher gestellt wird; 2. einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen die unmittelbare Haftung des Staates und anderer juristischer Personen des öffentlichen Rechts für die von ihren Beamten in Ausübung der ihnen anoertrauten öffentlichen Gewalt verursachten Schaden grundsätzlich ausgesprochen wird. Dec Senioren-Konvent des Reichstages beschloß heute, die Interpellation Bass ermann auf die Tagesordnung der morgigen Sitzung zu stellen. Reichskanzler Fürst Bülow wird antworten. Im Anschluß an diese Interpellation sollen zunächst Wahlprüfungen erledigt werden. Sodann werden die Gesetzentwürfe folgen, die aus dem vorigen Tagungsabschnitte zurückgebli^ ^n sind. Später soll das Hilfskassengesetz zur Beratung gestellt und hierauf koloniale Rechnungssachen erledigt werden. Der Beginn der Kolonialdebatte ist für Dion tag in Aussicht genommen. Ten Schluß des noch rückständigen Arbeits- Iloffes soll dann die Novelle zum Unterstützungswohnsitzgesetz und das Automobil-Haftpflichtgesetz bilden und schließlich die Resolutionen aus der Steuerberatung. Dem Reichstage ging em Antrag der beiden freisinnigen Fraktionen zu: 1. In dem § 52 der Strafprozeßordnung einen Zusatz anzunehmen, nach welchem zur Verweigerung des Zeugnisses ferner berechtigt sind: Mit- glicbet des Reichstags, eines Landtags oder einer Kammer eines zum Reiche.gehörigen Staates m Ansehung desjenigen, was ihnen in dieser ihrer Eigenschaft anvertraut ist. Zeugnis darf nicht verweigert werden, wenn sie von der Verpflichtung zur Verschwiegenheit entbunden sind; 2. in die Strafprozeß- ocdmmg folgenden neuen § lila einzufügen: Gerichtliche sog. Untersuchungshandlungen sind in den Dienstgebäuden des Reichstags, eines Landtags oder einer Kammer eines zum Reiche gehörigen Staates nur mit Genehmigung der betr. Körperschaft oder, wenn diese nicht versammelt ist, oder Gefahr im Verzüge ist, nur mit Genehmigung ihres Präsidenten zulässig. Bei der Vornahme derartiger Handlungen ist derjenige Beamte der in Betracht kommenden Körperschaft, dem die Beaufsichtigung ihrer Räume zusteht, zuzuziehen. Die freisinnigen Parteien brachten ferner folgende Interpellationen ein: Welche Maßnahmen gedenkt der Reichskanzler zu ergreifen, um der herrschender Fleischteuerung schleunigst abzuhelfen ? Beabsichtigt er insbesondere Abhilfe zu schaffen 1) durch Oeffnung der Grenzen unter Aufrechterhaltung des Schutzes gegen die Einschleppung von Diehseuchen, 2) durch Herabsetzung bezw. Beseitigung der Biehzölle, 3) durch Aufhebung der Zölle auf F u t t e r m i t t e l? Was gedenkt der Reichskanzler zu tun, um den Beamten und Unter-Beamten, sowie den sonst in fester Besoldung stehenden Angestellten der Reichsverwaltung einen Ausgleich zu schaffen, für die nachteiligen Folgen der herrschenden Fleischleuerung auf ihre Lebenshaltung? Die Sozialdemokraten brachten folgende Interpellation ein: Was gesenkt der Reichskanzler zu tun, um der notorischen Teuerung der notwendigsten Lebensrnittel, insbesondere des Fleisches, bte zu einer schweren Kalamität für den größten Teil des deutschen Volkes geworden ist, entgegen- miiiten“ mb tut bie «R aut rotldjt mau Rüchen W mit Dr. iuW Lu«- Wtttb Puddm-'Pulvn it)t uchchaii (mb. |ng in Die Musik spielte die preußische Nationalhymne. Unmittelbar darauf erhob sich der Kaiser zu folgender Erwiderung: Ew. Königl. Hoheit I Es fehlen mir die Worte, um den richtigen Ausdruck zu prägen für den herzlichslen Tank meiner Gemahlin und meiner selbst, für den unvergleichlich schönen Aufenlhall, den Sie uns bereitet haben. Ter heutige Tag reiht sich würdig an die Seite des Nürnberger Tages. Ter Empfang feitenö der Bevölkerung von Ew. Königl. Hoheit Residenz war getragen von einem großen nationalen Gedanken und spielte sich ab auf einem wunderbaren Hintergrund festlicher Kunst. Ich bitte meinen innigsten und herzlichsten Tank zu Füßen legen zu dürfen für die Begrüßung seitens Ew. Königl. Hoheit und für den Jubel und den Enthusiasmus seitens der Münchener. Tie schönste Weihe des Festes ist aber für uns alle, daß wir Ew. Königl. Hoheit Erlauchte und Erhabene Person in so voller Frische dein Feste haben vorstehen sehen können und ich glaube aus dein Herzen eines jeden Anwesenden, eines jeden Bayern sprechen zu dürfen, wenn ich ruie: Ich bitte Gottes Segen auf das Haupt Ew. Königl. Hoheit und fein Erlauchtes Haus. S. Kgl. H. der Pnnzregeut er lebe hoch! hoch l hoch! Milbttge LebtuKk- Sder«! Professor Dr. S la by-Chaclottcnburg den Festvortrag. Eine gesunde Wechselwirkung zwischen wissenschaftlicher Theorie und technischer Praxis sei nötig. Mil gutem Erfolge arbeite man seit Jahren in Deutschland in diesem Sinne. Das Deutsche Museum, das der Station ihre Forscher menschlich näher bringen solle, sei ein würdiger Beweis hierfür. Der Redner gab dann ein Lebensbild deö Bürgermeisters von Ntagdeburg, Otto v. Guericke, den ersten deutschen Ingenieur. Gegen 11 y, Uhr fuhren der Kaiser lind die Kaiserin zuni Bahnhof, geleitet vom Prinzen und der Prinzessin Ludwig und dem Prinzen Ruprecht. Die Kaiserin fuhr nach Achern zum Besuch der Prinzessin Theodora von Schleswig- Holstein, der Kaiser nach Donaueschingen zum Besuche des Fürsten von Fürstenberg. Als Gegengeschenk für die vom Prinzregenten erhaltenen Erinnerungsstücke von Friedrich dem Großen wird der Kaiser dem Prinzregenten eine äußerst wertvolle Spende in Form einer Sammlung von Rüstungen und Rüstung st eiten, die früher dem alten bayerischen Geschlechte der Grafen von Törring gehört haben, sowie eine Anzahl im Berliner Zeughause ausgestellter Waffen stücke bayerischen Ursprungs zum Geschenk machen. TaS kaiserliche Geschenk wird größtenteils im bayerischen Nationalmuseum, teils auch im Armeemuseum in München Aufstellung finden. Staatssekretär von Tschirschky stattete gestern dem Staatsminisier Freih. v. Podewils einen längeren Besuch ob. Dieser Besprechung folgte heute eine längere Unterredung des Ministers v. Podewils mit dem Staatssekretär Grafen P o s a d o w S k y. Aus dem Reichstag. R. Berlin, 13. Nov. Dichtgeschart standen heute um bte Stunbe der Reichs- tagserössnung politisierende Zeitgenossen am Hauptportal des Parlamentsgebäudes, scharf ausspähend nach dem Wagen des Reichskanzlers. Man wollte ihn selber sehen, den genesenen Leiter der Reichspolitik, der nunmehr in vielleicht beispiellos stürmischen Debatten seinen Mann stehen muß. Aber er kam nicht. Wie sollte er auch? Die aus der Tagesordnung der Eröffnungssitzung stehende Beratung von Petitionen ist nicht bedeutungsvoll genug, um den ersten Beamten des Reichs zum Erscheinen im Parlament zu veranlassen. Aber sein „persönlicher Adjutant", der Chef der Reichskanzlei v. Loebell, lvar zur Stelle. Von Staatssekretären nur der Reichssäckelmeister Frhr. v. Stengel. Im Parkett aber drängte sich Kopf an Kopf — was wunder, wenn Präsident Graf Ballestrem im Tone vollkommener Befriedigung die heutige Sitzung für eröffnet erklärte. „Wie anders wirkt dies Zeichen aus mich ein!" Nun, es wird an dem bleiben, da der goldene Diätenregen täglich au fdas Reichshaus herniederrinnt. Einer der ersten im Saal war der Zentrumsführer Dr. Spahn. Er sah nichts weniger als oppositionell gestimmt aus. Rechts und links gab es einen Händedruck von dem Zentrumsgewaltigen, auch die Herren aus der Bundesratsestrade wurden mit solchem Willkommensgruß bedacht. Bei der Begrüßung mit dem Führer der Nationalliberalen, Basser mann, zeigte sich aber auf den Mienen Dr. Spahns ein wahres Augurenlächeln. Es schien gelinden Zweifel anzukünden an der Nachhaltigkeit der „Frondeur-Stimmung" der Nationalliberalen. Lassermann indessen blickte mit düsterem Ernst drein, den durch ein scherzhaft Wort zu bannen später Graf Ballestrem sich bemühte. Guter Dinge schien der geraume Zeit erkrantt gewesene Abg. Dr. Paasche, der als Vizepräsident fungierte. Natürlich fehlte Abg. Erzberger nicht, dessen Sinn nach neuen Ent- hüller-Lorbeeren steht. Einstweilen vertraute er seine „Jung-Zentrums"-Schmcrzen seinem Gönner und Landsmann Gröber an. Aus der Rechten waren die Afrikafahrer Dr. Arendt, Frhr. v. Richthofen und Dietrich, die noch die Spuren der Tropensonne zeigten, Gegenstand bewundernden untere,jes, ferner Abg. o. Riepenhunsen, einer der Chinasahrer, der aus der Sibrr. Bahn zurucrgekehrt ist, früher als feine auf Den Seeweg eingeicyworenen Reichs- kameraden. Die führenden Persönlichkeiten der ^»Phon? /■HHT ä Bezugspreis, jffj Äy jEl monatlich 7613L, oiertel» Gietzener Anzeiger m ** General-Anzeiger ** ** den poltL und aflgem. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW xetqentetl: Han 4 Beck. Tie heutige Fummer umfaßt 12 Seiten. Ate Krundstnnlcgung des Deutschen Museums. München, 13. November. Nach der von einer beispiellos großen Huldigung der gewerblichen und Handwerker-Korporationen, der Veteranen-Vereine und Studentenschaft begleiteten Ausfahrt des Kaiserpaares und des gesamten HofeS erfolgte heute Vormittag in der Festhalle auf der Kohleninjel unter dem Geläut aller Glocken die feierliche Grundsteinlegung zum deutschen Museum, daS Bürgermeister Dr. von Borscht als ein Wahrzeichen der Herrlichkeit des geeinigten Vaterlandes und als eine gewaltige Errungenschaft des deutschen Kulturlebens gefeiert hatte. Der Prinzregent hielt folgende Ansprache: Zu einem bebeutfamen Werke soll heute der Grundstein gelegt werden, zu einem Tenlrnal für die Errungenschaften des menschlichen Geistes auf dem Gebiete der NaturWissenschaften und der T e ch n i k. Ganz Teutschland hilft bei diesem Werke mit. An der Spitze der Nation hat Eure Dtajeftät dem neuen vaterländischen Unternehmen von Anfang an Ihre mächtige Förderung gnädig zuteil werden taffen. Taß Eure Majestät und I. Ai. die Kaiferm meiner Einladung gefolgt und hierher gekommen sind, gereicht der heutigen Feier zu höchstem Glanze unb ich sage Eueren sJJtaje|iäten hierfür an- warmem Herzen tief emp'unbenen Dank. Ich bitte Eure Majestät, nunmehr nut mir ben feierlichen Hammer- fchlag vornehmen zu wollen. Alle Glocken der Stabt begannen zu läuten. Zuerst vollzog ber Prinzregent die drei Hammerschläge, dann der Kaiser mit folgenden Worten: Ein ewig erhebendes Denkmal, ben bahin gegangenen Forschern zur Erinnerung, ben Lebenben zur Aneiferrmg, ben Nachkommen- ben zur Nacheiferung, bem Regenten zur unvergeßlichen Ehret Prinz Ludwig vollzog die Hammerschläge ,311m Heil, Nutz und Frommen des Deutschen Reiches, des Staates Bayern und seiner Hauptstadt München". Nach Beendigung der Feier in der Halle begab sich der Kaiser in die alte Kaserne der schweren Reiter zur Besichtigung der Konkurrenzentwürfe für daS Museum und von dort mit dem Prinzregenten zur Maximilianstraße zur Abnahme des Parademarsches der Truppen der Garnison München. Später begab sich der Kaiser und die Kaiserin zum Frühstück in die preußische Gesandtschaft, woran Minister- präsident Frhr. v. Podewils, der Staatssekretär v. Tschirschky und andere tetlnahmen. Der Kaiser hat anläßlich der Eröffnung des Deutschen Museums unb der Grundsteinlegung seines endgiltigen Baties für die Sammlungen der Museumsstiftung das Schnitt- modell eines im Bau befindlichen Kriegsschiffes mittels nachstehender Urkunde in Aussicht gestellt: .Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen, Markgraf zu Brandenburg, Burggraf zu Nürnberg und Graf zu Hohenzollern, entbieten dem Deutschen Museum in München zur Feier seiner Eröffnung und ber Grundsteinlegung seines enbgiltigen Baues Unseren Kaijerl. Gruß und Glück- w u n f ch. Hervorgerufen durch eine Reihe hervorragender Vertreter der deutschen Naturwissenschaft und Technik hat das Museum unter der Obhut und fördernden Huld des bayerischen Königs- Hanfes, tatkräftig unterstützt durch das Reich, das Königreich Bayern und die Haupt- uni) Residenzstadt München, dem hohen Ziele, eine alle Zweige der Naturwissenschaft und Technik umfassende vaterländische S a m m l u n g s st ä 11 e zu werden, wirksam zugestrebt. Möge ihm auch fernerhin unter dem fein Gedeihen verbürgenden Schutze von Reich und Staat die Teil- nahnie der das Geistes- und Wirtschaftsleben des Vaterlandes leitenden Kräfte erhalten bleiben, unb es dadurch befähigt werden, ber deutschen Arbeit reiche Anregung zuzuführen. Zum Ausdrücke Unserer Kaiserlichen Huld und Fürsorge wollen Wir dem Museum für seine Sammlungen daS Schnittrnodell eines Unserer im Bau besiudlichen Kriegsschiffe stiften als em Merkzeichen der Errungenschaften deutschen Gewerbesleißes und der im Reiche geeinigten Wehrkraft des deutschen Volkes." Vor der Ausfahrt des Kaiserpaares ereignete sich ein schw erer Unfall. Auf dem Marienplatz stürzte die Dekoration der Turner-Vereine ein. Ein Mann erlitt etnen Schäbeldruch, drei andere wurden an Händen und Füßen und Gesicht schwer verletzt. Der Kaiser besuchte heute nachmittag u. a. die Schack- sche Galerie und das neue Nationalmuseum und empfing später die Deputation der Innungen und Vereine Münchens, bie einen künstlerischen Pokal überreichten. — Die Kaiserin besuchte heute nachmittag das Gisela-Kinderhospital und die evangelische Diakonissenanstalt. Am Abend fanden sich im Vallsaal der Residenz gegen 250 Gäste zu einer Gal ata fei zusammen, die der Pcmz- regent gab. Außer bem Kaiser, der Kaiserin, den Prinzen und Prinzessinnen waren geladen: Eine große Anzahl bayerischer Standesherren mit ihren Gemahlinnen, die Gesandten, Minister, Gelehrte, bie Bürgermeister der Städte München, Nürnberg und Augsburg rc. Der Kaiser trug die Uniform seiner Bamberger Ulanen; der Prinzregent trug preußische Uniform. Die Kaiserin hatte den Theresienorden angelegt. Gegen Ende der Tafel erhob sich der Prinzregent 311 folgendem Trinkspruch: Es ist mir ent herzliches Bedürfnis, meinen kaiserlichen Gästen nochmals aufrichtig zu danken für bie Gnade, die sie hallen, meiner Einladung zu bem Heuligen Feste Folge 311 geben. Tie Gegenwart Ihrer Majestäten verleiht dem an unb für sich schönen Feste erhöhten Glanz unb befonbere Weihe. Ich erlaube mir, auf das Wohl meiner kaiserlichen toäfie, S. M. des Tentfchen Kaisers^ memeä teuren Freundes, und I. M. der huldvollen Kaiferm zu trinken. Ich fordere Sie nun auf, meine Gäste, mu nur em- zustirnrnen in den Ruf: S. M. ber Ternsche Kaiser und König von Preußen und I. M. die Teutsche Kaiserin leben Hoch! Hoch! Hoch! Wöner 'T strafte 12 - s Mx :röfW- inbäckei*61 irt****** -SS?* cT Aufhebung oder wesentlicher Einschränkung der Sicherheits- Maßregeln den Eintritt nach Deutschland gestatten wird, ist sicherlich nicht zu erwarten und ebenso wenig glauben wir, daß die Negierung sich zur zeitweiligen Herabsetzung der Einfuhrzölle entschließen wird. Dagegen wird aller Voraussicht nach eine verstärkte Versorgung mit ausländischem Fleisch' dadurch erleichtert werden, daß die Regierung zur Errichtung von Schlachthäusern an den Grenzen ihre Zustimmung gibt, in denen das vom Auslands kommende Vieh sofort geschlach.ct und zur weiteren Versendung fertig gemacht werden kann. Diese Maßregel wird insbesoudere auch auf die Holland. Grenze ihre Anwendung finden. Ob darüber hinaus noch andere Erleichterungen geplant sind, dürfte erst aus der eingehenden Darlegung der Lage ersichtlich werden, die der Reichskanzler bei der er st en sich ihm darbietenden Gelegenheit im Reichstag zu geben beabsichtigt. Man kann annehmen, daß der Reichskanzler bei diesem Anlaß auch das Gebiet der Gesamtpolitik behandeln und eine zusammenfassende Darlegung derjenigen Grundzüge geben wird, nach denen die Regierung in der nächsten Zukunst zu verfahren gedenkt. 73 Massenversammlungen wurden am Dienstag abend in Berlin und den Vororten abgehalten, die sich mit Fleischteuerung und Wucherzöllen befaßten. Die Redner waren sozialdemokratische Parteiführer und Vertrauensmänner. In allen Versammlungen wurde eine Resolution angenommen, in der die Oeffnung der Grenzen verlangt wird für Vieh- und Fleischeinfuhr unter loyaler Handhabung der sanitären Kontrollmaßregeln, ferner Herabsetzung der Zölle auf die notwendigsten Lebensmittel und schließlich gänzliche Aufhebung dieser Zölle. Dem.Berl.Lokalanz." zufolge übersandte der Magistrat vo« Berlin dem Reichskanzler wegen der Fleischteuerung eine Petition, in der es heißt: Der Reichstag wolle durch geeignete Mittel dahin wirken, daß die auf einem Reichsgesetze und auf reichsgesetzlicher Grundlage beruhende Beschränkung der Vieh- und Fleischeinfuhr auS dem Auslande möglichst beseitigt und die Zölle auf Vieh, Fleisch und Futtermittel aufgehoben oder auf das unbedingt erforderliche Maß zurückgeführt werden. • Wetzlar, 13. Nov. Die hiesige Handelskammer nahm in ihrer letzten Sitzung folgende Entschließung wegen der Flei sch teuerung an: „Die Handelskammer hält es für die ernste Pflicht der Reichsund Staatsbehörden, mit allem Nachdruck dahin zu wirken, daß die erforderlichen Maßnahmen zur Abhilfe der Fleischnot und der hieraus folgenden Fleischteuerung schleunigst getroffen, daß insbesondere die Grenzen für die Einfuhr von Dl eh und Fleisch sofort geöffnet und die hemmenden Zollschranken zeitweilig beseitigt werden." te. Frankfurt a. M., 13. Nov. Vom Donnerstag, 15. d. M., ab gelangen in der provisorischen Markthalle an der Börnestraße an mehreren Tagen in der Woche Seefische zu billigen, von der Stadt kontrollierten Preisen zum Verkauf. Zugleich wird ein Fischkochbuch und eine kleine Broschüre über die Bedeutung der Fischnahrung unentgeltlich abgegeben.__________________ Zum Rücktritt des Ministers von Podbielski. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge lautet das Handschreiben des Kaisers an den Minister v. Pod- b i e l s k i : Mein lieber Staatsminister von Podbielski! Nachdem ich Ihnen durch Erlaß vom heutigen Tage die nachgesuchte Dienstentlassung in Gnaden erteilt habe, ist es mir ein Bedürfnis, Ihnen für die ausgezeichneten D i e n st e, welche Sie mir und dem Vaterlande geleistet haben, und die Art und Weise, wie Sie während Ihrer Amtsführung die Interessen der mir besonders am Herzen liegenden heimischen Landwirtschaft wahrgenommen haben, meinen königlichen Dank auszusprechen. Als Zeichen meines Wohlwollens verleihe ich Ihnen die Brillanten -zum Großkreuz des roten Adlerordens mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe und lasse Ihnen die Dekorationen hierneben zugehen. Ich verbleibe Ihr wohlgeneigter König. gez. Wilhelm. Die Londoner „Times" und der „Standard" besprechen auch Podbielskis Rücktritt. Die „Times" schreibt, Pod- bielskis Rücktritt werde ungeachtet der hohen. Ordensaus- zeichnung allgemein als Anerkennung der Macht und Autorität der öffentlichen Meinung betrachtet, doch werde dieses Opfer kaum genügen, die allgemeine Unzufriedenheit und bas Unbeha gen, welche fast alle Klassen der deutschen Nation erfüllen, zu heben. Die Stimmung der deutschen Nation erinnere unwillkürlich an die, welche vor der großen Er- hebung von 1848 bestand. Die Unzufriedenheit wurzele darin, daß die Pegierung des Landes hauptsächlich jenen Vorbehalten bleibe, die sie gegenwärtig in der Hand haben. „Standard" schreibt: . Wenn Bülow durch Hof- Jntriguanten verdrängt werden sollte, so würde npch stärker als jetzt cmpstlnden werden, daß De utschland von Hintertreppen von Palästen, Schme ichlern und Jntriguanten zweiten .Ranges beherrscht wird. Podbielski gehe wegen seiner Geldgeschäfte, nicht infolge der Erfüllung konstitutioneller Forderungen. Ohne diese persönliche Disqualifikation hätte Podbielski solange im Amte bleiben können, wie er das Vertrauen seines Freundes, des Kaisers, genoß. Auch der von der Junkerpartei durchgesetzte extreme Schutzzoll, der beim Volke verhaßt war, weil es einen ungeheuren Preis für Fleisch bezahlen muß, hätte offenbar beim Kaiser kein Gewicht. Zwischen dem Monarchen und seinen Untertanen stehe die Hofkamarilla und eine Clique von Schmeichlern, die verhindern, daß Wilhelm II. dasEmpfindenundDenkenderNationkennen lernt. Aus S.ase uno iruno. Gießen, den 14. November 1906. ** Eine Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung findet am Donnerstag, 15. Nov., nachm. 4 Uhr mit folgender Tagesordnung statt: 1. Auslosung von Schuldverschreibungen. 2. Mitteilungen. 3. Eingabe hiesiger Installateure gegen den Betriebsleiter des Elektrizitätswerks. 4. Einfriedigung des Grundstücks „Darmstädter Hans" Klinikstraße 1. 5. Baugesuch des Gustav Wittmann für die Marburgerstraße. 6. Baugesuch des Gustav Kreuder für die Neustadt. 7. Vaugesuch des Franz Nenmcier für die Sonnenstraße. 8. Baugesuch des August Scheppelmann für die Rodheimerstraße. 9. Baugesuch des Karl Nicolaus für die Moltkestraße 18. 10. Gesuch der Firma Gebrüder Kahl, um Genehmigung zur Aufstellung einer Feldschmiede. 11. Gesuch des E. L. Sack um Genehmigung zur Anbringung eines Hoftors in der Hundsgasse. 12. Pflasterung der Hammstraße. 13. Bebauungsplan für den nordöstlichen Stadtteil „Schwarzlach". 14. Gesuch der Firma A. Euler um Genehmigung zur Anlage einer Privatstraße längs der Main-Weserbahn zwischen Damm- und Steinstraße. 15. Gesuch der Bahnmeisterei I hier um Genehmigung zur Verlegung einer Telephonleitung nach dem Hause Friedrichstraße 8 und Bleichstraße 14. 16. Gesuch der Union-Vrancrei um Genehmigung zur Ueberschreitung des Hardtwegs mit einer elektrischen Leitung. 17. Verpachtung von Gelände an Ferdinand Harnickel. 18. Vergebung von Kultur- und Wegebauarbeiten und der Holzhauerlöhne für 1907. 19. Genehmigung von Rechnungen. 20. Restforderung des Steinhauers Schmall für Lieferungen zur israelitischen Leichenhalle. 21. Verkauf eines alten Wasserzubringers. 22. Benutzung der Turnhalle der Oberrealschule und des Realgymnasiums für volkstümliche Vorträge. 23. Errichtung einer Milchküche und eines Säuglingsheims in Gießen. 24. Fürsorge für Lungenkranke; Bewilligung des Gehalts für eine Krankenschwester. 25. Bekanntmachung in derOberhessischen Volkszeitung. 26. Gesuch des Gottfried Äbel dahier um Erlaubnis zur Erweiterung des Schantwirtschaftsbetriebes im Hause Wolfstraße 9. 27. Gesuch des Heinrich Geis dahier um Erlaubnis zum Schankwirtschaftsbetrieb mit alkoholfreien Getränken im Hause Bahnhofstraße 52 a. 28. Gesuch des Theodor Reinartz Ehefrau um Erlaubnis zum Schaukwirtschaftsbetrieb im Hause Grünbergerstraße 47. 29. Desgleichen des Wilhelm Clement dahier für Grünbergcrstraße 117. • • Kunstverein. Die Kollektionen des Bildhauer M. Sch nutz sowie des Malers R. Eschke-Berlin sind bereits eingctroffen; der Wechsel der Gemälde wird schon vorgc- nommen. Die Ausstellung bleibt deshalb bis zum Sonntag geschlossen. Außer den bereits erwähnten Künstlern, die die Ausstellung beschicken wie Koberstein, Scholz und einige italienische Künstler, wird auch der bekannte W. Th ielma n n» München, z. Z. Billingshausen, ein Schüler von Prof. Bantzer, mit einer Anzahl Schwälmer Trachtenbilder vertreten sein. Verkauft wurden „Luganersee" von R. Schultze- München und „An der Lahn" von Ottilie Kowarzick; ersteres geht hier und letzteres außerhalb in Privatbesitz über. Der Brand in der Ebelstraße, über den gestern berichtet wurde, entdeckte, wie auf Ersuchen mitgetcilt sei, ein Wächter der Wach- und Schtießgesellschaft, der alsbald den Hauseigentümer benachrichtigte. * * „Der große Woog, der kleine Woog, — es lebe der kleine Erbgroßherzog!" So hatte der Kaiser anläßlich der Geburt des hessischen Thronfolgers telegraphiert, und jetzt erfährt die Worms. Ztg. den Ursprung dieser sonst unverständlichen Worte. Kaiser und Großherzog passierten einst zusammen eine kleine hessische Landgemeinde, dessen Bürgermeister sich zu einer schwungvollen Begrüßungsansprache anschickte. Aber o weh! — über den Anfang kann das würdige Gemeindeoberhaupt nicht hinaus, alles Zerren an der Gedächtnisschnur half nichts, der Redestrom war versiegt. Da sprang dem Aermsten ein Gemeinderat bei und flüsterte ihm die befreienden Schlußworte zu: „Der große Woog, der kleine Woog, — eS lebe unser Kaiser und der Herr Großherzog l Hoch, hoch, hoch!" Dieser schneidige Toast ist dem Kaiser in der Erinnerung geblieben, und er hat ihn jetzt in seinem Glückwunschtelegramm angewandt. • * NeueStraße längs der Ma in-Weser-Bahn. Zu unserer gestrigen Mitteilung über den Verkauf der Elilerschen Besitzung an der Steinstraße sei noch mitgeteilt, daß die Verhandlungen hierüber noch nicht abgeschlossen sind. Der Fabrikbctrieb de§ Herrn Euler wird übrigens von der Durchführung deS Projekts nicht berührt. + Lang-Göns, 13. Nov. Der Landwirt und Schweinehirt Hardt von hier wurde nach eingehendem Verhör durch den Untersuchungsrichter von Gießen heute nachmittag wegen Verdachts der Blutschande, begangen an seiner geistig minderwertigen Tochter in Haft genommen. Die Tochter befindet sich zur Zeit in anderen Umständen und soll selbst den Vater der Tat bezichtigt haben. 8. Nodheim a. B., 13. Nov. Der Lahn-Dünsberg- Turnerbund hielt am Sonntag hier einen außerordcntl. Bundesturnertag ab, der recht gut besucht war. Bundesvorsitzender Daubert aus Wicseck begrüßte die erschienenen Vertreter und unter seiner Leitung wurden auch die Verhandlungen gepflogen, u. a. auch der Beitritt zur Hastpflichtversicherung in Erwägung gezogen. Turmvart Schmidt von LaunSbach leitete die vorgesehenen Turnübungen, an denen sich 37 Turner beteiligten. Das erste Bundesfest wurde im Lause dieses Sommers zu Launsbach, und die erste Bundes» turnfahrt auf der Badenburg abgehalten. Der Turnverein Wieseck hat das im nächsten Jahr stattfindende Bundesturnfest übernommen. Der Turnerbund Lahn-Dünsbcrg zählt zurzeit 601 Mitglieder. p. Wetzlar-Niedergirmes, 13.Nov. Infolge Explodierens einer brennenden Lampe wurde das drei Jahre alte Kind eines hiesigen Einwohners gestern abend derart verbrannt, daß man eS sofort nach Gießen in die Klinik verbringen mußte. W. Wies bad en, 13. Nov. Heute vormittag 11 Uhr wurde der neue Hauptbahnhof eingeweiht. Der Betrieb in dem neuen Gebäude wird übermorgen beginnen. Zur heutigen Feier hatten sich u. a. eingefunden: Die Eisenbahndirektionspräsidenten von Rabenau und Thome, Ministerialdirektor Wiesner aus Berlin in Vertretung des Eisenbahnministers, ferner Provinzialdirektor Freiherr v. Gagern- Mainz und die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden. Präsident v. Rabenau hielt die Festrede, in der er einen Rückblick auf die Zunahme des Verkehrs in den letzten Dezennien im Wiesbadener Bezirk gab. Es folgte ein Rundgang durch die neuen Räume, an den sich ein Festmahl anschloß. Anläßlich der Vollendung des neuen Baues wurden zahlreiche Ordensauszeichnungen verliehen.___________________ Die Ermordung des Zahnarzt Claußen. Hamburg, 13. Nov. Der Mörder des Zahnarztes Claußen ist durch die Kriminalpolizei verhaftet worden. Es ist der etwa 18jährige österr. Gärtnergehilfe Thomas Rücker. Er leugnete zuerst die Tat. Ms aber der Polize.ikomm. in einer Tasche seiner Kleidung Blutflecken sand und ihm, was nicht wahr ist, auf den Kopf zusagte, daß auch das Beil gefunden worden sei, gestand er die Tat ein. Die Verhaftung erfolgte aus dem Bett heraus. Die Vernehmung ergab, daß Rücker den Zahnarzt Claußen gar nicht gekannt hat, und daß es ihm nur darauf ankam, sich Geld zu verschaffen, wenn möglich durch einen Raub. Ein Eisenbahnraub sei ihm am bequemsten erschienen. Rücker hat das Veil fünf Tage vorher gekauft und es unter seiner Kleidung verborgen getragen. Am Samstag nachmittag begab sich Rücker nach dem Altonaer Haupd, bahnhofe. Er sah dort Claußen mit einer Handtasche vor sich gehen und in Mnen Abteil zweiter Klasse einsteigen. Er kaufte sich darauf auch eine Fahrkarte bis Othmarschen und sneg zu Claußen in das Abteil. Claußen bekümmerte sich anfangs gar nicht um ihn und las eine Zeitung. Von Othmarschen ab sind beide in dem Abteil allein gewesen. Als der Zug den Bahnhof Othmarschen verließ, zog Rücker das Beil hervor und führte gegen Claußen einen furchtbaren Hieb, der den Hut durchschlug und Blut und Gehirn des Opfers umherspritzen ließ. Auf den ersten Schlag fiel Claußen zurück, worauf der Mörder in hsinder Wut weiter auf ihn einschlug, bis er zu Boden fiel. Beim Leeren der Taschen feines Opfers fand Rücker etwa ICO Mk. in Claußens Geldtasche; außerdem raubte er ihm Uhr ttfnfr Kette. Inzwischen war der Zug auf dem Bahnhof FlottLeck augekommen, wo Rücker aus dem Zuge sprang und be idem diensttuenden Bahnsteigbeamten eine Fahrkarte nachlöste. Später ist er nach Altona hineingegangen. Die Geldtasche leerte er in einer Bedürfnisanstalt von St. Pauli, wo später auch die von ihm fortgeworfenH Geldtasche gefunden wurde. Eine, nochmalige Haussuchung in der Wohnung des! Raubmörders förderte die Uhr und die Kette des Ermordeten und 15 Mk. Bargeld zutage. Es 'wurde auch später das Peil gefunden. Es ist das Küchenbeil der Wirtsleute des Mörders. Die vermißte Handtasche, die der Ermordete mit si chgesührt hatte, wurde im Altonaer Stadt- park aufgefunden. Gießener Strafkammer. )( Gießen, 13. November. Majestätsbeleidigung. Der Tüncher G. G. zu I l b e n st a d t befand sich in anqe- trunkenem Zustande in einer Wirtschaft und schimpfte über die hohen Steuern, die man in Hessen zu entrichten hat. Er machte einem Gast Vorhalt, daß er national fei und zum Zentrum halte, worauf dieser erwiderte, er halte zu dem Landesfürsten. Bei dieser Gelegenheit ließ G. eine beleidigende Aeußerung gegen S. K. H. den Großherzog fallen. Als er zur Rechenschaft gezogen wurde, schützte er sinnlose Trunkenheit vor, doch mußte auf Grund der Beweisaufnahme für festgestellt erachtet werden, daß seine freie Willensbestimmung nicht ausgeschlossen war. Wenn er auch, was übrigens angezweifelt wird, an den fraglichen Vorfall keine Erinnerung mehr hat, so sind seine damals gefallenen Reden und Antworten doch auf ein logisches Denken zurückznführen. Er wurde wegen Majestätsbeleidigung zu der Minimalstrase von 2 Monaten Gefängnis verurteilt. Das Gericht war der Ueberzeugung, daß er die Aeußerung nicht getan hätte, wenn sie vorher überlegt worden wäre. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 14. Nov. lOrig.-Telegr. beS „Gieß. Anz.") Viehmarkt. Zum Verkaufe standen 00 Kälber 00 Schafe und Hammel, 1553 Schweine: 1. Oual. 73—74 Pfg. Lebendgewicht 57.00—57.50 Pf., 2. Qual. 72—00 Pf., Lebendgewicht 56.00-00 Psg., 3. Qual. 63—65 Pfg. Kälber 1. Qual. 00—00 Pf., Lebendgewicht 00—00 Psg., 2. Qual. 00—00 Pfg., Lebendgewicht 00— 00 Pfg., Schlachtgeivicht 00—00 Pfg. Schafe 1. Qualität Schlachtgewicht 00—00 Pfg., 2. Qualität 00—00 Pfg. Geschäft: mittelmäßig, Heberstand bedeutend. Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Donnerstag, den 15. November, abends 8 Uhr im Markus» saal, Kirchstraße 9: B i b e l st u n d e. 1. Timoth.-Brf., Kap. 3. Pfarrer Schwabe. ——। ■■ ■ ■■. Grsgittal-DrahLmeL-ringesi. sd. Darmstadt, 14. Nov. Dem Senior der Darmstädter Presse, dem kürzlich in den Ruhestand gegangenen Redakteur des „Darmst. Tägl. Anz.", Eduard Simon, wurde von S. K. H. dem Großherzog das Ritterkreuz zweiter Klasse des Verdienstordens Philipps de§ Groß- mutigen verliehen. Die Auszeichnung wurde Herrn Simon heute vormittag durch Provinzialdirektor von Grancy überreicht. Berlin, 14. Nov. Eine Reichstags-Vorlage zur Ratifikation der Akte von Algeciras dürfte bald dem Reichstage vorgclcgt werden. — Der Entwurf eines Viehseuchengesetzes wird dem BundeSrat in diesen Lägen zugehen. — lieber die Frage der Nachfolgerschaft deSHerrn von Podbielki schweben noch Verhandlungen mit den für den Ministcrposten in Betracht kommenden Persönlichkeiten. Allzulange wird das jetzige Provisorium nicht dauern. Hamburg, 14. Nov. AZ der Raubmörder Rücker nach dem GerichtSgefänguis gebracht wurde, wäre er beinahe von der Volksmenge gelyncht worden und nur dadurch, daß die Schutzleute blank zogen, konnten sie Rücker vor der VolkZwut schützen. London, 14. November. Aus verschiedenen Quellen verlautet, daß zur Zeit drei Nebellenbanden in der Kap-Kolonie auftreten. Die erste Bande unter Ferreira griff die englische Polizeitruppe etwa 50 km. von Uppington an. Eine zweite Bande operierte bei Curuman, während eine dritte die deutsche Grenze überschritten hat und in der Richtung auf Uppington marschiert. 40 Mann englische Polizeitruppcu sind abgcgangen, nm diese Bande zu bekämpfen. Eine andere Truppen-Äbteilung ist von der Grenze von Dcutsch-Südwestafrika abgerückt, um ein Zurücktreten der Bande auf deutsches Gebiet zu verhindern. Paris, 14. Nov. Santos Dumont hat wieder ein Flugexperiment unternommen. Er flog 220 Meter innerhalb 21 Vs Sekunden. Die Höhe des Fluges betrug 2 bis 6 Meter. Mit diesem Versuch gewann er eine Prämie von 1500 Franks für die ersten hundert Meter. Rom, 14. Nov. Ein Teil der Stadt Pavernola ist in den Jscosee gestürzt. Da die Erdrutschungen fortdauern, befürchtet man, daß allmählig die ganze Stadt verschwinden wird. Petersburg, 14. Novbr. Der Mann, der das Bomb en-Attentat auf den Kosaken-General Ren neu - kamp verübte, wmde hingerichtet. Auf dem Platze, wo die Bombe gefallen war, wurden noch viele Sprengstücke, gefunden. on. ifch.'Telegr. bei ,®iefe, irfauie fmnben 00 Halber eine; 1. CuaL 73—74 Pisi. L 72-00 Pi, Sebenbgerouht Halber 1. Dual. 00—00 i>f,, )0-00 $fg., HtbenbgenWI Pfq. Echake 1. Cudlirtit ität 00-00 M. W'V- kwciuöc. . abrndS 8 Uhr im TW* 1. Dmoth-'Arf, Hap. 3 Wmr Sckwabe^ itnclW«* . Dem Senior der -arm den Ruhestand gegangene« Eduard wotu Log1 das Ml“'1« Wl* if5l*' jnong wmdi f'™ 6 Air-ll-r»«" ®“"t’iit _ -LLtaar'^d^age ^e^I[aecita9» e von ^»rs rc”Vn‘bem S*"1 “ db"U''chw ° 7^cht 5?S - -» rocht wmd-, **' bobu[ii, R-b-'Ld unl»^-; em# s»r.'-r tos flog w betniö 0'4^1«. „0[« ’ >>"" Et°dt •* Ä" .1 öctJ bie > czt. D« die g°"^ «6 ** w * ®(t *% «,(«• *s -E,»ch «,,l‘p 'ee^w’b ? Tat bQ5 dem 58ett Roxn> fe' Sie b^uewsten 7r?^b. vorher qefm,u^lencn. fragen9 ^nb ez l dem siltmoA ^taa aut einer c.. Haupt» Leiter Klass? vor yatte big Lf’tei9en, ?■ ^launen?^^schen d las eine ?Ä^te m. Abteil Von rschen verlies ^Mesen. ^^ußen urchsck lurcht. lherspri^ y Vlut irüd, MorM^ß- Auf s'mes Opfer- LJ°hen W; auHef ?üäer t Mar der 2 rQubte « A-l-r &11'« ? "°ch «„ri ® «wfiS --LSL -SSL-L tarnet. ®ie6en,13. November, digung. ladt belanb sich in ange- )«t und jchimpite über die zu entrichten hat. Erwachte ■ sei und iitm Zentnim Halle, bcm Landesimsten. Bei dieser de Aeusiening gegen L. R. tz. Rechenicha^l gezogen wurde, , doch muhte aus Grund der chtet werden, daß seine frw *n war. Wenn er auch, im5 n sraglichen Vorfall keine fr« damals gefallenen Reden und , Tcnken zurückzulsihren. Er igunq zu der Tlinimoiflraie verurteilt. Das GeriÄ war ng nicht getan hätte, wenn sie Geschäfts-Eröffnung. Mit dem Heutigen habe ich in der Dammstrasse 42 eine Be*©4= Mm3 Feinbäckerei eröffnet und empiehle miet) einer verehrten Einwohnerschaft von Gießen und Umgegend. Gute reelle Waren. 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Gießen, den 12. November 1906. Großy. Pouzemmr Greßen. Herberg. Der eiserne Landgraf Kulturgeschichtlicher Roman aus dem XHI. Jahrhundert von Rudolf Frarrcke. 20 Bg. Hochelegant gobanden Mk. 4.— Tagesordnung: 1. Berichterstattung. 2. Nechnungsablage. 3. Vorstandswahl. 4. Handelskamuierwahl. 5. Berschiedenes. Um rege Teilnahme bittet Gießen, den 12. November 1906. Grotzh. Äulturiuspektiou Gießen. I. V.: Wallet. Lobende Anerkennungsschreiben liegen bei mir zur Einsicht ollen. Lieferung franko jeder Bahnstation, oder durch eigenes Fuhrwerk ins Haus. NB. Gleichzeitig bringe ich mein Lager in sämtlichen Toilettenartikeln bestens in Empfehlung. Mobilien- Versteigerung Montag, den 19. November, nachm. 2 Uhr werden Schützen« traße 17 die zum Nachlaß des verst. Portiers Ulm gehörigen Mobilien, bestehend in kompl. Betten,Tische,Schränke,Stühle und sonst. Hausrat öffenll. gegen Barzahlung versteigert. 108474 Versteigerung. Donnerstag, d. 15. d. 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Aus dem Wirtschaftsjahr 1907 soll im Wege des schriftlichen Aufgebots vor dem Einschläge verkauft werden und zwar: Eichen: (meist Grubenholz) Los 9h:. 1 — 10 fm Stämme IV., Los Nr. 2 — 35 im V. El.; Los Nr. 3 — 10 rm 9tutzscheit, Los Nr. 4 = 25 rm Nutzknüppel (2,4 m lang). Kiefern und Lärchen: Los Nr. 5 — 3 fm Stämme II., Los Nr. 6 — 45 im III., Los Nr. 7 == 70 fm IV. GL;! Fichten: Los Nr. 3 — 3 fm Stämme III., Los Nr. 9 — 20 im IV. GL; Nadelholz: (meist Fichten) Los 9k. 10 = 50 Stück Stangen L, Los Nr. 11 — 200 Stück II. und Los Nr. 12 — 300 Stück HI. Cl. — Die für jedes Verkaufs- loS bei Stämmen pro fm, bei Schichtnutzholz pro rm und bei Stangen pro Stück abzugebenden Gebote müssen die ausdrückliche Erklärung enthalten, daß Käufer sich den ihm bekannten allgenteinen und besonderen Holzverkaufsbedingungen unterwirft. Die Gebote sind bis zum 25. November einschließlich, portofrei, geschlossen mit der Aufschrift , Gebote auf Holz" versehen an die hiesige Oberförsterer einzureichen. Tie Eröffnung der eingegangenen Gebote geschieht am Mon- tag, den 26. November, vormittags 10 Uhr auf dem Geschäftszimmer der Oberförsterei D1*/11 Für die vielen Beweise inniger Teilnahme bei dem schweren Verluste, sowie während der Krankheit unseres unvergeßlichen Vaters, Bruders, Schwagers und Onkels Herrn B. Atzbach sagen wir Allen, besonders Herrn Pfarrer Schwabe, den evangelischen Schwestern und dem Bauerschen Gesangverein unseren herzlichsten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen: Gg. Atzbach. Kekarmtumchllng. Wegen Vornahme von Kanalt'auonsarbeiten wird der Ein neuer Roman, von dem d'c literarische Welt spricht! Eine hervorragende Erschewung im Stile n. Charakter der Romane Julius Wolffs! Wahrhaft gediegen, eine Perle der Nomanlüeratur! n37,1 LecklWH M GfkbMlMtell. Für die Feldbereinigung Huugeu soll die Herstellung verschiedener Gräben, veranschlagt zu 2530 Alk., m mehreren Losen aus dem Wege schriftlichen Angebotes vergeben werden. Tre Verdingungsunterlagen liegen auf Großh. Bürgermeisterei Hungen zur Einstcht offen. Dre Angebote haben in Prozenten des Voranschlages zu erfolgen und sind verschlossen, post- srei und mit entsprechend. Ausschrisl versehen bei Großh. Bürgermeisterei Huugeu einzureichen, woselbst deren Eröffnung am Moutag, den IV. d. MtS., nachm. 3 Uhr in Gegenwart erschienener Bteler staltfindet. Bekanntmachung. Der Loranschlag der Gemeinde Münster für 1007 nebst Beilagen «ud dem Beratungsprotokoll des Gememderats, liegt vom 17. biS 24. November 1007, emschließlich zur Einsicht sämtlicher Beteiligten in dem GeschäftSlokale des Unterzeichneten offen. Todes-Anzeige. Gestern vormittag 6 Uhr verschied sanft und unerwartet mein treuer Gatte, unser lieber Vater, Sohn, Bruder, Schwager und Onkel Herr Wilhelm Becker, Wirt im Alter von 34 Jahren. Im Namen der trauernden Hiuterbliebenen: Frau Katharine Becker Ww. geb. Einhäuser und Kinder Alten-Buseck, den 14. November 1906. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 16. November, nachm. 4 Uhr statt. 8622 Geschäfts -Verlegang. Meiner werten Kundschaft die ergebene Mitteilung, daß ich mein Geschäft von Ecke Ludwigstrasse- Biegelpfad nach 08481 Imdwigstrasse GZ I. verlegt habe. Indem ich für das mir bewiesene Wohlwollen bestens danke, bitte ich, dasselbe mir auch fernerhin bewahren zu üanksagung Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, sowie für die zahlreichen Blumenspenden bei dem Hinscheiden unserer innigst geliebten teuren Tochter, Schwester, Schwägerin, Tante und Braut Käthchen Paoal und andere Interessenten, welche Möbel kaufen wollen, begehen den grössten Fehl er y wenn sie nicht vorher meinen reichhaltigen Ausstellungsräumen einen Besuch abstatten. Sia sparen viel Geld und erhalten ganz vorzügliche Ware. -----Weitgehendste Garantie 50 komplem i§8-, Wohn- o. Harren-Zimmer Salons, Kuchen-Einrichtungen. Enorme Auswahl in Einzelmöbeln aller Art. 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