18S. Jahrgang Zweites Blatt Nr. S General-Anzeiger, Amts- Md Anzeigedlatl für den Ureis Sieben. Erlchetnl tLgNch mit Ausnahme des Sonntags. Die „Oiehener Zamittenblatter" werden dem tynneiqei viermal wöchentlich betfldegt Der Ehesstich« Landwtrtt' erscheint monattich eintnaL Mittwoch 3. Januar NotattonSdr-uck und Verlag der firfibflcbe* t Urrwersllälsdruckeret. R. Lange. Greben. Redaktion. Expebitton ».Druckerei - Schulstr Tel. Nr. 5L Lelegr.-Mr.r Anzeiger Gretzea. Alle die anderen Mitwirkenden, die Tarnen Schellen- berg, Fischer, Bayrhammer, Jenny und Ruf, und die Herren Mendel und Steinmann (der für den plötzlich erkrankten Herrn Lüttjohann in letzter Stunde eingesvrungen war und, diesen Umstand in Betracht gezogen, seine Sache besonders nett machte) trugen nach besten Kräften das Ihre zum immerhin ganz respektablen Erfolge des gestrigen Abends bei. Leute ist wohl bei den meisten der gestrigen Theatergäste dieser Abend bereits „versunken unvergessen". * P- W- R. B. Darmstadt, 2. Jan. Das Darmstadter Hof- theater leitete das neue Jahr mit der Erstaufführung einer modernen französischen Operette „Das Schwalbennest von .Henri Herblay" ein: daö festlich erleuchtete HauS war nahezu ausverkauft. Als der I. I. K. K. H. H- Großherzog und du Frau Großherzogin in der rechten Seitenloge erschienen, brachte Bürgermeister Dr. Glässing unter freudiger Zustimmung oller Anwesenden als Bcglückvünschnng zum neuen Jahr dem Großher;oglra)en Paar ein dreimaliges Hoch dar, woraus die Hofkapelle tue Nationalhymne intonierte. Die neue Operette ist im Grunde genommen eine recht leiebte, seichte Karnevalsposse, die eher zum Sylvester oder zum Fasching zur Aufführung geeignet gewesen wäre: ein neues Jahr beginnt man besser m,t einem ernsten Kunstgenuß. Unter dem „Schwalbennest" ist em Tamcn- stift frömmster Art bei Paris zu verstehn, in das sich zwei flotte Studenten, der eine azs Stiftsherr, der andere als fromme Novize unter allerlei Fomifrbcn Umständen cinzuschlcichen wissen. Daß namentlich die letztere dabei den allertollsteu Unfug verübt, den Stiftsdamen beim Baden behilflich ist, d" Iran Oberin frottiert, — glücklicherweise nickt aus der Bühne, über die man nur ein halbes Dubend der jungen Mädcheii im Badelostüm vorüber- h,ischen sieht. — ist bei einem französischen Opus dieses Genres selbstverständlich. Im übrigen arbeitet der Autor fast durchweg mir mit pikanteu oder prickelnden Possensituotioneu, mit Pfeif- nnd Nies-Kuplets — das „Hatschi" des Stistsherrn erschüttert das ganze Haus — und mit Kalauern, die zu allermeist schon auf ein recht respektables Alter zurückblicken können. Die Musik enthält manche recht fiottc, hübsche Tanzrhvthmcn und melodiöse Kvplets, ist aber ein Sammelsurium aus allen möglichen der bekanntesten Operetten, aus denen sich der Autor anscheinend saus genc seine Musik zurechtmachte. Trotzdem trug die Operette einen großen Lacherfolg davon, der aber ausschließlich aus die wirklich glänzende Inszenierung, Darstellung und Ausbeutung znrückzuführen ist. So hatte besonders der inhaltslose dritte Akt einen wirksam einschlagenden Humor erhalten durch den Protokollierelchen Poli'eikommissär Lagrignole (Herr £ Wolga-Brücke droht eine Fl e iseht e u erun g in den Großstädten, die meist sibirisches Fleisch brauchen. Die die „Times" melder haben sich die Reste der Revo-- lutionäre in Moskau im Stadtteil Presnia verbarri- kadiert und befestigt. Ta ein Angriff auf die revolutionäre Position viel Blutvergießen kosten würde, haben sich die Behörden entschlossen, die Rebellen durch eine regelrechte Belagerung auszuhungern. Sowohl in Moskau, als auch in allen Teilen des russ. Reiches werden Hunderte von Revolutionären verhaftet. Tie Behörden beschlagnahmten ungeheure Quantitäten von Waffen aller Lorten. Tausende Bomben wurden gefunden und konfisziert. In Moskau machten die Revolutionäre den Versuch, 5)00 verhaftete Kameraden zu befreien. Rach .heftigen Kämpfen wurden die Revolutionäre von den kaiserlichen , Truppen au sein an der gejagt. , Inzwischen b e g r ä b t M o s k a u seine Toten bei Tage und bei Nacht. Haufenweife liegen unbekannte Leichen auf den Höfen. Unter den Schwerverwundeten befindet sich auch ist, daß den deutschen Theaterleitungen insgesamt bei dem ständigen Verlangen des ihre Häuser besuchenden Publikums nach Neuem und Neuestem nichts anderes übrig bleibt, als es vorlieb nehmen zu lassen mit der weizenlosen Spreu des Tagesmarktes. Zuzugeben ist ferner, daß mit euiem Stücke wie diesem ein genügsames und nachsichtiges Publikum zufrieden ist, das in dem Theater nicht eine Statte ernsthafter Kunstpflege, eine Stätte zur Förderung der Gesittung und Vertiefung der Einsichten ins weite Lebensfeld sieht, sondern nur seine harmlose und unterhaltsame Zerstreuung in ihm sucht. Und schließlich ist das Recht auf anspruchs- und aufregungslose Erholung nach des Tages Lasten ein zu achtendes Volksrecht, und ebenso bleibt ja auch bei so bescheidener Begrenzung seines Zweckes das Theater ein gemeinnütziges Institut, denn auch nur wenigen Freude machen ist Geistesthat von ethischem Wert. Freilica ist's Sache des Geschmacks und mehr der Lebensan- und Einsicht ob man mehr herzhaft sich zu freuen als freundlich zu lächeln vermag über diesen „tappeten" Münchener Maler, den Huber Hausl, der seinen Schwiegervater in spe ankrastmcicrt wie einen Hausknecht, seine Hosenträger im Salon des Kommerzienrats revidiert und seine Moaß- krüagerln mit Schaumabpusten säuft; über die Lchnoddrig- keiten des Herrn Schneppke, der berlinert, det de ^teene matschig werden, über die busserlnde und gebusserlte alte Tante Therese, und den vollends abgegriffenen schnarrenden Bühncn-Jardeidioten. Zur rechten Herzensfreude an solchen Karikaturen gehört jedenfalls eine schlichte Lauterkeit des Gemütes,die sich nicht viele aus heiter sorglosen Jugendtagen ins ernste Schwabenalter hinüberzurettcn vermögen. Hebet manchen guten Witz aber konnte gestern mich der Skeptiker herzlich mitlachen und seine Helle Freude haben an dem prächtigen Humor des Herrn Lippert, der als ^Groß- lau mann" das ganze Stück trug. Und vielleicht auch noch an den bajuvarischen Terbhetten des unwahrscheinlichen Münchener Malers und vollends unmöalichen Reserve- Leutnants der schweren Reiter, Derbheiten, die nur deshalb allenfalls komisch wirken konnten, weil sie so deplaziert als möolich waren und die Herr Goll mit seinem bekannten Augmauffchlag zu den ober-n Rängen hin begreiflicherweise ohne sonderliche Lust und Liebe und mit verwunderlichem Gleichmut, zum Teil aber doch auch ganz wirkungsvoll bald in bayerischem, bald in gar keinem Dialekt vortrug. BoMilche TlMssHau. Merkwürdige Urteile. Dem wenig anmutigen Kranze sonderbarer Kriegs- Gerichtsurteile ist ein neues eingefügt worden, das wieder einiges Kopffchütteln verursachen wird. In Koblenz kamen ein Gefreiter und ein Unteroffizier in Wortwechsel und schließlich in eine Rauferei. Der Angreifer war, wie gerichtlich konstatiert wurde, ber Unteroffizier. Der angegriffene Gefreite verteidigte sich mit — einem Regenschirm nnd wurde dafür zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Er hatte auf den Unteroffizier' mit dem Regenschirm emge- schlagen und diesen verletzt. Ein Disziplinarvergehen, das den Manu zwei Jahre seiner Freiheit kosten soll?! Wir sind unter allen Umständen für die Aufrechterhaltung der Disziplin im Heer, weil ein Heer ohne Disziplin im entscheidenden Augenblick versagen muß. Aber das ist doch schließlich nicht von besonders erzieherischer Wirkung, wenn dem Untergebenen begreiflich gemacht wird, daß er sich wehrlos den Angriffen seines Vorgesetzten auSzufetzen hat. Tie Kriegsgerichtspraxis freilich hat den Satz sanktioniert, daß der Untergebene stille zu halten hat, wenn der Vorgesetzte sein Mütchen an ihm kühlen will — er kann sich ja dann hinterher beschweren und den Fall zur Anzeige bringen. Der gefunbe Menschenverstanb und vor allem daZ gesunde, mann, haste Empfinden werden diesen Standpunkt nicht teilen, und auch die höheren Instanzen haben, freilich oft nur unter dem Druck der öffentlichen Meinung, ihre abweichende Meinung in gesünderen Urteilen dokumentiert. Immer aber begegnen wir den gleichen Unbegreiflichkeiten der Kriegsgerichte wieder, ein Beweis dafür, daß das Verlangen nach einer durchgreifenden Aend erring des Militär st rafgesetzbuches durchaus nicht länger aufgeschoben werden darf. Man wird ja irre an der militärischen Gerechtigkeit, da? Rechtsempfinden nimmt bedenklichen Schaden, wenn das so weiter geht, und wenn eS erst des Macht- und Rechrspruches der oberen Instanzen bedarf, derartige Ungeheuerlichkeiten wieder au9 der Welt zu schaffen. Hoffentlich greift man endlich einmal zu! Moltke der Zweite. Au8 den baltischen Provinzen. Ans Ri g a meldet vom 2. Januar die Petersb. Tel.-Ag. : Heute wurde eine Mtcilung Dragoner beim Pferde putzen unerwartet von einer aus etwa 300 Arbeitern bestehenden Bande mit Revolver sckB ff en und blanken Waffen angegriffen; 11 Dragoner wurden getötet und 14, unter ihnen 8 frfaver, verwundet; ferner wurden ein Polizist und ein Beamter getötet. Die Dragoner griffen bald zu den Waffen, erwiderten das Feuer und zwangen die Bande, welche 8 Tote zurückließ, zum Rückzüge. Andere Truppen Nnirden herbeigeholt, welche. die Auf- ständiscken umzingelten itnb die Auslieferung der Anführer und der Waffen forderten. Im Falle der Weigerung beschloffen sie, mit äußerster Strenge vorzugehen. In Riga findet in den nächsten Tagen eine Versammlung der reichsdeutscheni Staatsangehörigen statt behufs Llüseudung eines Memorandiiuis an die konservative Fraktion des deutschen Reichstages, welches bei der Beratung der Interpellation über den Mangel an Schutz für Die deutschen Reicksang-hörigen während der russischen Wirren Verwendung finden soll. , , „ Seite acht Tagen ist der Aufftand auf C st h l a n d uber- gesprungen. Viele Güter sind verbrannt, mehrere Edelleute ermordet. _ . Nach verschiedenen Meldungen aus Petersburg ist cm neuer Aufstand in Reval im vollen Gang, und es' hat den Anschein d^ß er die Dimensionen der Riaaer Unruhen annehmen Kleines KeuiTelon. —, Am Gießener Stadttheater wurde am Dienstag „Ter Großkaufman n", ein Dreiakter der Herren Walther irnd Stein, gegeben, den Verfassern der /Herren Söhne". Die Herren Autoren nahmen sich diesmal die Freiheit, die „Nouvecrutö" ihres Warenlagers in Bühncneffekten „Volksstück" zu nennen. Toch weder ist's ein Stück fürs Volk, noch aus dem Volke; nicht fürs Volk, weil die Unterhaltung, die es ihm bietet, von äußerster Oberflächlichkeit ist, weil der ernsthaft Werktätige, der besonnene Mann des Volkes das Anschauen eines solchen Stückes als zeitvergeudenden Müßiggang empfinden muß; und nicht aus dem Volke, denn die Bühnentypen, die hier ihr Unwesen treiben, sind nicht lebendigem Volke nachgeschaffen, gehören nun und nimmermehr existierenden Volksklassen., wohl ober dem Theaterbestande an seit der seligen Birch-Pfei,fer Zeiten. Tie versand es indessen doch noch ein wenigem Herzen des Volkes ein paar schwache Saiten wehmutsvoll an klingen »u lassen, während die Herren Stein und Walther durch nichts anderes ihre „Volkstümlichkeit zu erlveisen vermögen, als indem sie eine theatralische Abart vornehmer Gesinnung und Handlungsweise ausspielen gegen so schutzlos als mutwillig den Lebenskampf auf sich nehmende ehemalige treue Hausgesährten, Angestellte und jetzige einfältig Parvenüs, die herzhafte Tüchtigkeit des beut" sch en Offiziers trotz vielleicht mancher kleinen äußerli chen Schwächen von dilettierenden Tamen nicht verspottet wisten wollen und den deutschen Künstler dem Volke als den komplettesten Tugendbold, das, wenn auch in den Formen vrg^komische, Muster der Mannheit vorführen! Im übrigen nehmen sie ich nicht einmal die Mühe, von tausend alten Schwänken her bekannte Figuren em wenig originell zu kostümieren oder auch nur dem Ganzen eme eimgermaßen aparte Frisur zu geben. So lächerlich a)ief also bekommt W W das Leben zu schauen, daß in Köpfen Un- bratener und Unerfahrener, die für lebensecht diese ^ihncu- bilder halten manche üble Verirrung entstehen kann. 3^ JiaS&en ift 'baft ba3 gegenwärtige Bühnenrepertoire in aNe? Welt 'von höchst beklagenswerter Jämmerlich^it ist, daß die dramatische Produl.iou unser. , ^age ni-otenteils nur Nieten zustande bringt, wenn aua, hier und da cm Erfolg von rein ephemerer Bedeutung zu verzeichnen Oberst Etter. r t Das Arbeiter-Kvrnitee in Jwmwwo-Wsnessensk ließ den Arbeitern aller Moskauer Bahnstationen einen Aufruf zugehen, in welchem es heißt, die Bauern seien bereit, sich zum Schutze des Thrones und ihrer von den Revolutionären mißachteten Rechte zu erheben: sie warteten nur auf das Signal, daher bitte das Kvmitee die Truppen, das Leben der Aufständischen nicht zu schonen. Ganz Rußland blicke letzt auf die Trupven, welchen zu Hilfe zu kmnmen, die Bauern bereit feien. Die Direktoren der in Moskau emmunden- den Bahnen bittet das Komitee ihren friedlicheii tote aufständischen Angestellten zu rrf.'ären, dm das Volk unabänderlich entschloßen ei, sich zu erheben, um den Aufstand auf den Bahnen zu unterdrücken und den Frieden dem Moskauer Kreml zu diltieren, falls der Vahnverkehr bis zum 6. Januar nicht wiederbergestellt fei. Die Bauern sagten, eS fei bester, bei ihrer Verteidigung in der Heimat zu sterben als zu Hause zu verhungern, oder durch die Aufstände nmzukommen. . Aüi 1. Januar fand in der Nähe von Tropowka ein Zu- s a m ni e n ft o ß zwischen zwei Militärzügen statt. Es heißt, daß zwölf Personen getötet sind. Bei der Niederwersirng des Aufstandes in G o r l o w k a wurden 300 Aufständische durck die Truppen getötet. Die Verluste der belagernden Trupven, welche 400 Mann stark waren, beliefen sich auf 3 Tote und 12 Verwundete. Etwa 500 Aufständische ergaben sich und wurden in Freiheit geietzt, nachdem sie einen Eid geleistet hatten. 700 Patronen, 300 Lanzen und eine große Anzahl von Gewehren, Karabinern usw, ferner Dynamit und 2 Bomben wurden weggenommen. Der Kamps dauerte sechs Stuiiden. Man schreibt uns aus Benin: Sein unsterblicher Onkel nannte ihn ernst in einem >Feldzuasbriefe: „einen braven Jungen, der immer freudig auf seinen Dienst geht" . . . Noch heute nach 35 Jahren erscheint das Wort nicht schlecht geprägt. Schon in seinem Aeußeren hat der neue Chef des General st abes der Armee, Generalleutnant und Generaladjutant Hellmuth von Moltke nichts von dem an sich, was man unter einem „Generalstäbler" zu verstehen pflegt. Groß, breitschultrig und ein wenig stark, mit einem runden, gesund- gefärbten Gesicht, dem ein paar hellblaue, klare Augen einen jovialen Ausdruck verleihen, und einem kleinen rotblonden Schnurrbart, sieht er eher aus wie ein mecklenb. oder pommerscher Gutsbesitzer, dem die Hühnerjagd gut ausgefallen ist. . . . Trotz 36jähriger Dienstzeit militärisch noch ein unbeschriebenes Blatt. Daß er das Zeug zu einem tüchtigen Frontoffizier, ja vielleicht selbst zum kommandierenden General hatte, wußte man in der Armee-- --aber Chef des General stades!? Bis zuletzt hoffte man immer noch, auf einen anderen würde die Wahl des obersten Krieasherrn fallen. Hatte er doch selbst darum gebeten, nicht ihn für den, wichtigsten Posten im Heere vorzumerken, da er sich dessen Aufgaben und Verantwortlichkeit nicht gewachsen fühle. Ob Die Zustande in Rußland. Trotz bec Riebcrwerfung bes AufsianbeS in Moskau bars die allgemeine innere Lage nicht als wesentlich günstiger bezeichnet werben. AuS den hier veröffentlichten Namen ist ersichtlich, baß in Moskau nicht bie t a t s 5 ch l i ch e n L e i te r der Revolution, sondern blos deren U nterfü h re r verhaftet worben sind. Auch bie Petersburger Verhaftungen sind von vorwiegenb lokalem Jntereffe. Tie Unruhenjn der Provinz dehnen 'sich weiter aus und verursachen der Staatswirtschaft steigenden Schaden, besonders im Donetz-Gebiet, wo die Vereinigung des städtischen mit, dem ländlich e n P r o l e t a r i a t zur Tatsache geworden ist. Tie mißlichen finanziellen Verhältnisse der Mehrzahl der Lolalverwaltungen stellen neue Anforderungen an den FiskuS, die schon heute für die Unterstützung hungernder Bauern und Arbeiter eine halbeMillion Rubel weit überschreiten. Bei Beginnen der Frühjahrs-Landbestellung wird eine weitere Steigerung dieser Anforderungen erwartet. Infolge teilweiser Zerstörung der sibirischen Bahn und bev es wahr ist, daß er beim zweiten Male die Antwort erhielt: „Im Kriege bin ich mein eigener Genera l st a b s ch e s, und das bißchen F r i ed e n s a r b e i t werden Sie doch leisten können!" .. . es genügt, daß das Wort für echt gelten konnte. Tie Gegner des zweiten Moltke — nicht Gegner seiner Person, sondern seiner Berufung — verlangten damals, er müßte den ,Ab schied nehmen. Mer um solche Konsequenzen zu ziehen, dazu gehört in den heutigen Tagen eine Heine Portion heroischer Selbstverleugnung, und das Heroische ist der biederen Art des zweiten Moltke nun einmal nicht gegeben. Bei der ersten großen Aufgabe, vor die er gestellt wurde, bei der Leitung der letzten Kaisermanöver, versagte er nach dem Urteil der gesamten Armee so gut wie ganz. Man hat ihn später beschuldigt, „lebende Bilder" gestellt zu haben, aber d er Vorwurf war von allen der am wenigsten gerechtfertigte. Im Gegenteil, die Manöver „liefen", wie man zu sagen pflegt, d. h. man ließ ihnen ihren vorgeschriebenen Gang: ohne viel einzugreif.'n und zu ändern, aber das liegt manchmal mehr am Nicht- können als am Nichtwollen der obersten Leitung. Hellmuth v. Moltke II. wurde am 23. Mai 1848 als zweiter Sohn Adolf v>. Moltkes, jüngeren Bruders des Marschalls, dänischen Kammerherrn und preußischen Land- rats, auö dessen Ehe mit Auguste v. Krohn, einer anhalt- bernb. Hofdame, geboren, Kriege gegen Frankreich bei den Liegnitzer KonigSgrenadicren Offizier geworden, zwei Jahre später in das 1. Garderegiment zu Fuß versetzt, besuchte er die Kriegsakademie und ward dann seinem Oheime als Hauptmann ä la suite des Generalstabes zugeteilt. 93cim- Begräbnisse des Marschalls, auf dem Wege hinter dem Sarge vom Konigsplatze zum Lehrter Bahnhose, teilte der Kaiser ihm mit, dag er ihn als Flügeladjutanten in seinen persönlichen Tienst nehme, und er machte fortab die übliche schnelle Flüaeladiutanten-Karriere. Er kommandierte von 1896 bis 1899 das Mexanderregiment, bis 1902 die 1. Gorde-Jnfanterie-Brigade, bis 1904 die 1. Gardedivision, und ward nun ms Generalquartiermeister, wie der Coadjutor dem fterbvnben Bischöfe, dem Grafen Schiieffen zur Seite gestellt, als dieser begann, für dienst- müde gelten zu müssen. . m irL v Seit 1878 ist er nach mehrjährigem Brautstände nut der Gräfin Elise Moltke-Haitfeldt verheiratet, einer entfernten Verwandten aus einem in Schweden angesessenen Zweige der Moltke. Er ist Vater von vier Kindern, zwei Söhnen, deren ältester Leutnant im 1. Garderegiment ist, und zwei Töchtern, deren älteste den Grafen Heinrich Bethusy-Hue auf Bankau bei Kreutzburg zum Manne hat. •"•»Tn cmN! ^ich" von Reval ohne Flückstlmge emgetroß.n (nn j^ - fe M#jMy^WW«S Das „Memeler Dampfboot meldet. •virtJihfprs Kehr- W-MKUNW MZZWMLfiLW r&fe »ä Anarchie hcwrscheu soll. AUS Polen. , . „ Nachdem die Polizei in Warschau 2 internatwnale Dt- -rSiNen ocrhaftet. 1)jtte•;«**« A fahlreito Snet>oftnn9™b S0 C00 -,-Mris^. Da» Dtgen l*t ^?ationaldcmokr''icn, der „Gouiec" wurde suspendiert. Im Gouvernement Kickse wurden in 10 Orten die Gememdekanzleicn und Dorfvoflcimter .zerstört. In den Warschauer Fabriken dauert der -Streik fort. DeuHdied Bci^e Vertin, 2. Ian. Der Kaiser unternahm heute einen Svaziergcwg 'im Park von Bellevue in Begleitung de? Prinzen Heinrich und batte darauf eine Besprechung mit dem Reichskanzler. Um 11 Ubr hörte der Kaiser den Vortrag des Ken. d. Kao. Prinz zu Salm-Horstmar und nahm das Frühstück bei Admiral Frh. von Senden-Bibran. — Der Kaiser hat der Stadt Berlin die von ihm verfaßten Tabellen über die englische Marine zugehen lassen. Die Uebersendung erfolgte zum Neujahrsfest durch den Obcr- präsidenten. Gegenüber den Versuchen, nr.t den aus Toulon und Marseille gemeldeten Fällen von Spionage Deu tsch- kand in Verbindung zu bringen, ist die „Nordd. Allg. Ztg." ermächtigt festzustellen, daß keine Behörde Persönlichkeit des Landheeres und der Flotte an den in der französischen Presse behandelten Vorgängen irgendwie beteiligt ist. — Im Bezirk des Kammergerichts ist sämtlichen Beamten einschließlich der Richter untersagt worden, in den Gerichtsgebäuden während der Dienststunden alkoholische Getränke zu genießen. Gleichzeitig sind sie auf .die alkoholfreien Getränke hingewiesen worden. Kiel, 2. Ian. Ein Tagesbefehl der Oberwerftdirektion bewilligt von Neujahr ab den Werftarbeitern der niedrigsten Lohnklasien eine Teuerungszulage von 20 Pfennige tö glich. Danzig, 2. Ian. Die politische Polizei beschlagnahmte in der Druckerei „Gazeta Glanska" 2500 Exemplare polnischer Liederbücher wegen aufreizenden Inhalts. Dresden, 2. Ian. Als Nachfolger des schwer erkrankten Kultusministers von Seydewitz wird wohl der Geheimrat Profesior Adolf Hach aus Leipzig berufen werden. München, 2. Ian. Die Handels- und Gewerbekammer beschloß einstimmig, an den Reichstag die Bitte zu richten, die vorgeschlagenen S te in p e l st e u e r n unbedingt ab; u lehnen, dagegen auf die Ausdehnung der Erbschaftssteuern auf den Erbgang unter den Ehegatten und Abkömmlingen nach einem mäßigen Steuersätze hinzuwirken, ferner neben der Automobilsteuer auch die Besteuerung sämtlicher übrigen Luxus-Fahrzeuge ins Auge zu fassen, sowie die Schaffung einer Wehrsteuer anzustreben, und nur dann, wenn durch diese Steuererhebungen die benötigten Mittel nicht voll aufgebracht werden können, auf eine Höhere Besteuerung von Bier, Tabak und Zigaretten, jedoch nicht in dem von dem Entwurf vorgesehenen Ausmaß, zurückzugreifen. der niemals für jemand Zeil hat und „nie nichts weiß", und schließlich in seinen losen Aktenstücken und Gesetzbüchern eine solche Verwirrung anricktet, daß er sie fast meterhoch zerknittert und zerfetzt auf beiden Armen davontragen muß. Der possenhaft wirksamste ist der zweite Ast, der mit einem allgemeinen Cakewalk- Tanz der Stifts-Sch-western und der frommen Brüder endet und zu stürmischen Hervorrufen Veranlassung gab. Unter den Darstellern zeichnete sich besonders twr neue Tenorbuffo, .Herr Dr. Kuhn ans, der als verleidete Novize wahre Hciterkeitsstürme erregte. Auch die Herren Wolf, Riech mann, Hunek und Hillder taten ihr Bestes, ebenso wie die echte Novize, Frl. Kapust, während Frl. Jüngling als verliebte Direktrice einer Schauspielertruppe keine glückliche Fignr bot. Chor und Orchester Wen trotz der musikalischen Dürftigkeit der Operette ihre volle Schuldigkeit. — In der Literarischen Gesellschaft zu H a l l e sprach unlängst Dr. Ravhael Löwenfeld, der Direktor des Se^isterth-^ters in Berlin über „Theaterfragen". Die städtischen Theater befänden sich, so meint Tr. L., in einer verzweifelten Lage. Die Richtung, die der Redner vertritt ist des gemeinnützige Theater. Dieses soll kein Geschaftsnntern"hmen sein, es soll also nicht darauf angewiesen sein, einen Gewinn zu erzielen. Der Direktor soll Angestellter der Stadt und somit von dem Risiko gänzlich befreit sein, so twß er seine gan^e Kraft ungeschmälert in den Dienst der Kunst stellen kann. Mit dem gemeinnützigen Theater wird eine Reform der Bühne überhaupt beabsichtigt. Bei der üblichen Art der Verpachtung der städtisch-en Tbeoter werde am wenigsten darauf gesehen, wer die beste künstlerische Befähigung h-be, sondern wer am meisten biete. Ein gemeinnütziges Theater wird ein Repertoire bringen können, das Abwechselung bietet zwischen hervorragenden lst'r'rschcn Erzeugnissen und gern gesehenen unterhaltenden Stücken. Ter Redner kam dann noch auf die Damenkostümfrage zu sprechen, die durch d s gemeinnützige Theater spielend Pickst gelöst werden könnte, während sie heute den Ruin so manches Theaterleiters bedeuten würde. Schließlich behandelte Dr. Löwenfeld die Frag" der F e u e r s i ch e r h e i t in den Theatern. Die Feuersicherheit der Theater sei dann am größten, wenn man von allen Bläuen aus möglichst leicht ins Freie kommen kann. Das Ideal hierfür sei der amphitbeatralische Dau, denn er biete größte Vorteile gegenüber dem italienischen Logentheater. Der Redner schloß mit dem Wunsche: Mögen die Städte und die Verwaltung.m zu der Uebcrzengnna kommen, daß die Theater ein Killturn ktor sind, mögen sie sich der Theater tatkräftig cnnchmen und sie nicht mehr in die Obhut eines Stiefvaters geben! ympatlsic für das zessin von Battenberg giebt. Farese, 2. Ian. Hier streiken die Eigentümer der Hotels und Restaurants, um gegen die Er» höhiing der städtischen Verzehr»uassteuer zu pro- testieren. Heute sind alle öffentlichen Etablissements geschlossen geblieben, der Streik ist vollständig durch geführt. Soldaten und Karabinieres sind nach der Stadt beordert Ausland. London, 2. Ian. Der neueste Armeeskandal zielst immer weitere Kreise. Oberst Veavan, der eme w.chtwe Ltellnnq beim Tranßvortdienst hatte, wurde verhaktet Er soll aroste Schwindeleien verübt haben. Eine zwanzigilchngc, bisher ehrenvolle Dienstzeit ließt hinter ihm. ^ cr Nnterstaatsselretör für die Kolonien. Ehnrchill. richtete an den Führer der Zionisten Englands, Zangwlll. ein Schreiben, in dem er seine volle Sympath,- snr das Projekt einer jüdischen Kolonie in Ostafrika ansdrnekt. ^oulon, 2. Jan. Unter dem Verdacht, dem Ver- hafteten, angeblichen Spion Wiegcr Beistand geleistet zu hoben, wurde hier der deutsche Handlungsreiscndc Ludwig Weil gleichfalls tu Haft aenommen. Madrid, 2. Jan. Eine hiesige Agentur meldet, Deutschland wolle sich einer K ol; len st a ti o n auf den kanarischen Inseln bemächtigen. Rom, 2. Jan. Der Papst sandte an König Alfons von Spanien ein Telegramm, in welchem er seine Zu- stimm u ng zur Vermählung des Königs mit der Prin- worden. Wien, 2. Jan. Die Verleihung hoher Orden an den Ministerpräsidenten Frhrn. v. Gautsch und den Minister des Innern Grafen Bylandt-Rhydt wird in politischen Kreisen als eine entschiedene Kundgebung des Kaisers zu Gunsten der Durchführung des a llg em einen gleich en Wahlrechts und gleichzeitig als eine Warnung an die Gegner der Reform im Herrenhause und in den Kreisen des Großgrundbesitzes aufgefaßt. Budapest, 2. Jan. Der vom König ernannte neue Obergespan Gustav Kovars wurde heute bei seiner Ankunft in Debreczin von einer kausendköpfigen Menge erwartet, blutig gesehlagen und dann auf einem Leichenwagen durch die Stadt geführt. Unterwegs hieb man dann mit Stöcken und scharfen Werkzeugen auf ihn los. Die Raft wurde ihm zerfetzt und zwei Finger entzwei gehauen, so daß diese abgenommen werden mußten. Kovacs wurde schließlich gezwungen, sein Entlaffungsgesnch zu unterzeichnen, luorouf man ihn auf den Bahnhof zurücksührte, von wo er in der Nacht die Rückreise nach Budapest antrat. Aus Stadt und Zand. Gießen, den 3. Januar. •• Landwirtschaftlicher VortragskurS zu Darmstadt. Am zweiten Tag des Vortragskurses (Donnerstag, 4. Januar), wird Profesior Dr. Gisevius-Gießen über das Gesetz deS abnehmenden Reinertrages und LandcSökonomierat Brüder mann aus Knegendorf in Mecklenburg über die Entwickelung und die Förderung der Schweinezucht sprechen. Während der Dauer des Vortragskurses sind im Vortragslokal (Fürstensaal — Grafenstr. 20) vom Hessischen Lanbwirtschaftsrat ausgearbeitcte graphische Darstellungen aus dem Gebiete der landwirtschaftlichen Vereinstätigkeit sowie Proben der von den hessischen Saat- baustellen zum Verkauf gestellten Saatfrüchte ausgestellt. Es sei nochmals daraus hiugewicsen, daß neben Dauerkarten auch Tageskarten zu 3 Mk. ausgegebeu werden. ** Eine eingefrorene Lokomotive. Der gestern früh um 8.20 von Frankfurt fahrplanmäßia abgehende linksrheinische Schnellzug nach Köln erlitt 20 Minuten Verspätung, weil die Lokomotive eingefroren war und nicht von der Stelle fortkam. Eine andere Maschine wurde hcrbcizitiert und fuhr nach der „F. Z.7 den Zug. •* Künstlerlaunen. Der Heldentenor Speemann am Darmstädter Hoftheater befindet sich gegenwärtia in einem Konflikt mit der Theaterleitung. Er sollte letzte Woche den Tristan singen, hatte aber in der Hauptprobe mit seinem Vortrag aus unbekannten Gründen wenig Glück, so daß er mit dem Kapellmeister de Haan in einen heftigen W ortwechsel geriet. Schließlich warf der Sänger dem Kapellmeister die Noten vor die Füße, verließ die Probe und ward nicht inehr gesehen. Tie THeaterleitung miißte sich schleiiuigst, um ihren Abonnenten den Genuß des Wagnerschen Werkes nicht entgehen zu lassen, den Tenoristen Carlön aus-Mannheim kommen laffen. Es wird nun erzählt, daß Carjön auf Engagement gesimgen höbe, was aber nicht ziltreffend sein dürfte. Speemann Hat aber auch Differenzen mit dem Hofkapellmeister Kittel, der kürzlich Karrikatiiren Darnistädter Künstler Herausgegeben hat, unter benen auch Speemann zu finden ist. Er Hat nun der THeaterleitung erklärt, nicht mehr austreten zu wollen, wenn Kittel dirigiert. Im Theaterpublikum und an den Ctanuutischen Darmstadts ivird die Angelegenheit lebhaft erörtert. ? Schotten, 2. Jan. Zum Nachfolger des verstorbenen KreisfeuerweHr-Jnspektors Meiski wurde der Sohn des.Verstorbenen, Karl Meiski ernannt. R. B. Darmstadt, 3. Jan. An der gestrigen Ncu- jahrstafel im Großh. Residenzschloß nahiuen außer den bereits gemeldeten Fürstlichkeiten die hier anwesenden Versandten und die höheren Beamten, sowie zahlreiche Staudesherren teil, im ganzen 92 Personen. Das Vroßherzogspaar unterhielt sich in bester Stimmung mit den Anwesenden. ** Darmstadt, 3. Jan. ' (Eig. Drahtbericht.) Der Gvrnuastaloberlehrer Profcstoc Alexander Friedrich ist gestern hier gestorben. Ter weit über Darmstadt hinaus bekannte Verstorbene stammt asts Wertheim i. B., war aber über ein Menschenalter im hessischen Schuldienst tätig. -Leine theologischen und philologischen Studien absolvierte er in Heidelberg. Er war bar älteste Lehrer des hiesigen Ludwig-Georg-Gymnasiums und betätigte sich außer seinem Beruf auf den verschiedensten Gebieten des öffentlichen Lebens. U. a. war er längere Zeit Vorsitzender der national- liberalen Partei in Darmstadt und von 1884—1899 Abgeordneter des Bezirks Tarmstadt-Land im Landtag. Politisch rechtsn a 11 on allib er al (er war u. a. bis zuletzt Anhänger des indirekten Wahlrecht'), fand er durch feinen Freimut, mit dem er im Landtag die Schulangelegenheiten behandelte — z. B. in ber Tettweiler-Afsiire — auch bei seinen politischen Gegnern i erdiente Anerkennung. Längere Zeit war er 2. Vorsitzender des Volksbildungsvercius unb' von 1894 ab als Nachfolge Ludwig Büchners 1. Sprecher der Turnacmeinde Darmstadt, die mit seinem Tode viel verliert. Außerdem übte er als bekannter Vortragsredner eine umfassende Tätigkeit aus und auf fast, keinem vaterländischen Fest fehlte er als Festredner. Friedrich hat ein Alter von etwa 62 Jahren erreicht. ?■ r n n f f it r t a. M., 2. Jan. In ber „Franks. Ztg." wird geschrieben: Dieser Tage traf wieder eine Schar von russi- s di c n Inden hier ein, die von der „Regisrerftation" in Bingerbrück zi' r ü cl g •? wiesen worben war: 'wei Männer, brei Frauen unb sieben kleine Kinbcr. Die Leute hatten Villets bis Amerika, die ihnen von dortigen Verwandten besorgt waren. Billetts von Sck'iffahrtsgesellscka'ten. die in Deutschland nicht konzessioniert sind unb die Passagiere zu billigeren Preisen, als konzessionierte Gstcllscbaslen, b"f-"rfrern. Die Answanberer durften die Bingers rückcr Station nicht passieren, da sie nicht genügende Barmittel besaßen. Die Leute bleiben einige Tage hier und werden dann zunächst nach Mvslowitz abgeschoben, von dort zurück ins russische Clend. Des hier bestehende Komitee ist außer Staube, allen biesen Nnglücklick'u, wirksame Hilfe zu gewähren; b's geschieht nur in wenigen Fällen. Wir hab"n biese traurigen Dinge wiederholt besrrockzen unb fragen butte ab'rmals: warum werben bie nrnten Auswanderer nicht s cb o n an ber® r en 5 e zurücktzewiesen, warum läßt man sie bie lauge Reise hiu und zurück macken, wenn nun doch einmal bei mangelnden Barmitteln ihr Schicksal besiegelt ist? Cs ist wirklich Zeit, baß sich ber Reichstag mit biesen a.'if b'e Dauer unhaltbaren Zu- stänben befaßt, bie icber Humanität Hohn sprechen. Kassel, 1. Jan. In ber Silvesternacht hat sich in bern Vorort Rothenbitmolb derSchlußakt einer Liebestragödie abgespielt. Man fand dort auf freiem Felde am Morgen einen Sergeanten vom 174. Infanterie-Regiment und ein junges Mädchen als Leichen neben einander liegend. Der Sergeant, deffen Name Schneider ist, hatte offenbar durch einen wokstge,zielten Schuß in5 Herz die Geliebte unb bann sich selbst getötet. Die Waffe, ein Armee-Revolver, lag neben ben Unglücklichen. Die Persönlichkeit bes Mädchens ist noch nicht festgestcllt worben. (,F. Ztg.".) ** K l e i N c ?’<’ i 11 r j 1 • " n c n ans e s se n u n b ben 91 a ch b a r ft a a t e n. In Offenbart) svrcmg ein IBjähriqet Menich aus beut Fenster seiner im 2. Stock nclencnen Wohnung auf bie Straße unb brach beibe Beine unb bas Rückarat. Noch leheub mürbe er in bas Spital gebracht. — In Gr 0 ß- Zim m e r n ftüvde ber 20 Jahre alte Schueiber Neitzel in ber Neujahrsnacht beim Verlassen eines Lokales bie Treppe herunter und blieb t 0 t. DtrmHdyie», ** Die neueste n E iscn ha hn Unfälle. Ami. Jan. ist ber Versonenzug von Sigmaringen nach Tübingen bei ber Einfahrt in bie Station Tübingen auf eine Wagengruppe aufgestoßeu. Erheblich verletzt würbe niemaub. — Ein von Innsbruck nach Verona abge- lassener Personenzng karambolierte unweit ber Station Aviv mit einem Lastzug. Zwei Konbukteure würben erheblich verletzt; ber Schaben ist nicht beträchtlich. 6 K l e i n e T a g e s ch r 0 n i k. In Berlin wurde ein Opfer seiner Spielsiicht Herr L. N. Jakob. Inhaber eines Kommissionsgeschäftes. Er war Mitglied verschiedener, in letzter Zeit viel genannter Kstibs, in welchen er etwa 250 000 Mk. verlor. Am 2. b. M. f"nb man ihn in seinem Bureau erschossen. —Der Wcisfenhänbler Loll in Grün berg (Scbles.) würbe unter dem Verdacht des Landesverrats verhaftet. — In Rom ift starker Schneefall eingetreten. — Am 2. Jan. brach'in Köln in einer Arbeitcrwohnung Feuer aus. Eine Frwu und ein Kind kamen in ben Flammen um. — In Sulz- fefb Unterfr^nken) ertranken beim Schlittfcku'hlaufen auf bem M a ini vier Knaben, bret im Mter von 15 Jahren, einer 10 Jahre alt. — In Steiermark unb Ungarn wurde am 2. d. M. starkes Erbbeben mit unterirdischem Dauner verspürt. — Wegen VcrbaWs. Patronen für Gewehre älterer Systeme an den Al^bändler Röhrend verkauft zu h'ben, wurden in Posen vier Un t e r 0 fs i z i er e , ferner mehrere Unten- osfiziere dcs Regiments 1-0 in Hohensalza verhaftet. — In Venthen lOber-S^l? f)"t fi'b der GerickUsassessor Dr. K l e i 11 b e r g e r e r f ck- 0 s s e n. Grund der Tat war unheili- b"»re Krancheit. — Bei einer Sport-Schlittenfahrt von der ^cterbaude lRiefengeb.) aus ist eine 19jährige Dame aus Görlitz tödlich verunglückt, eine zweite Dame wurde verletzt. (fyrtröf $ •*$0,n Hessen 100.20 ’^°'n Oberhessen . . . —.— 1 ’n Oesterr. Goldrente. . 100 40 4‘ 't 0. Oesterr. Silberrente 1^0.80 4 Uno-ar. Goldrente . . 90.95 4°o Italien. Rente . . .100 10 3% Portne-icsen Serie I . 68.211 3eii Portno’iesen „ III 08.30 ■%°n russ.Staatsanl. 1905 93.50 4'/$° n jnpan. Staatsanleihe 95.50 I °ö Conv. Türken von 1903 99 70 Trtrkenlose 143 30 1 % Griccb. IVIonopol-Anl. . 53.20 \% iinssere Argentinier . 90.00 30in Dlexikaner .... G7.00 l>6o/o Chinesen" . . .97 75 Aktien: Bochum Guss 249.60 Buderus E. W 136.10 Tendenz: fest. Berliner Börse, 3 Canada E. B. . . . . 175,73 Darmstädter Bank . . . 149*25 Deutsche Bank . . . 243*40 Dortmunder Union 0 . . 100.10 Dresdner Bank ... 10,7’90 Tendenz: ungleichmässig. Elektriz. Lahmeycr . . . 142.00 Elektr;z. Schnckert . . . 132.00 Esch weiter Bergwerk . . 26^.25 Gelsenkirchen Ber-rwerk 229 50 Hamburg - Amerik. Paketf. 166 80 Harpener Bergwerk. . . 217 50 1 ahrabütte ... . 250.00 5'ordd. Lloyd 128.00 Obprschles. Eisen-Industrie 135 00 Berliner Handelstrcs. . 173.60 Darmstädter Bank . . . 149.50 Deutsche Bank . . . 242 80 Deutsch-Asiat. Bank . . 184.50 Diskonto-Kommandit. . . 191.00 Dresdner Bank .... 168.50 Kreditaktien 214.00 Ba'tiinore- und Ohio- Eisenbahn 114.90 Gotthardbahn 198.50 Lombard Eisenbahn . . 24.40 Oesterr. Staatshahn . . . 143.30 l ’rince-Henri-Eisenbahn . 127.50 Januar, Anfangskurse Harpener Bergwerk . . 216.90 Lanrabütte . . 250.25 Lombarden E. B . 24.50 Nordd Lloyd 127.80 Türkenluse ..... 142.70