' Ansitz für bc„ im SasthauS zuinRapM Ulberg von vorm. 8 Uhr e große Anzahl Herren- «r-Mützen, co.l0006tütf, i 600 Llück Herren- und >-8chhüte und einige Cyi> «iue zwangsweise gegen )lung üttfieigert. rtberg, den 31. Juli 1906. Hohmann, [4644 k ö-erichlsvollzieher. Leiden Sie aukausschlag, Klcchteu, Beine, Braodmnodttl, tönngen, Gcsicht-röte, eiu.Lchweißsüße.Krost- , rote tzävde, tzämor« 'holden re., dann [?/, dangen Sie u allen 'fyotWen nzel-Saite'. it ges. gesch. 42608 * empsohteu'. Bielsach chsren Auszeichnungen rert. Danljchreiden lägtick em. Dose Mk.1.- M-. Pelikan-Apoth. , grat, durch die allein. Mm Wenzel ä Co. Mamr, . . 7 Tagen vollstindig" fidhcbes Mittel. 4 ML . pinricb Tichy gijÜÄiStf >lte Sßetterauer p-.Äartojfcltl ZWtz Neue eühtartostel« ■rtinionll - Ä* 0 9tr. Erscheint täglich auster Sonntag-. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Samilien» blätter oiennal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Univers.-Buch-u. Steindruckerei. 9t. Lange. Redaktion, Ervedition und Druckerei: Schulstraße 7. Redaktion 119 Verlag u.Exved.^^51 Adresse für Depeschen: Anzeiger vlleßeu. Erstes Blatt 156. Jahrgang Donnerstag Ä. August 1906 Eichener Anzeiger ** General-Anzeiger w ** Amts- und Anzeigeblatt fiir den Ureis Gießen DezugSpreiSr monatlich 7bPs., viertel« zährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Ziveigsrellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Alk. 2.— viertel- jährl. ausschl. Bcstellg. Annahme von Anzeigen für die TageSnummer bis vormittags 10 Uhr, Zeilcnpreis: lokal 12Ps* auswärts 20 Psg. Verantwortlich für den polit. und tiHgem, Teil: P. Witt ko- für .Stadt und Landd und „Gcrichtsfaal": Ern st pest; (ür den Anzeigenteil: Öan5 Beck. Aus SiaOt uno iano» Gießen, den 2. Aug. •• Forst Personalien. S. K. H. der Großh erzog haben den Oberförster der Oberförsterei Offenbach, Forstmeister Gg. Peter Engelhard zu Offenbach, auf sein Nach» suchen und unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß die Krone zum Ritterkreuz erster Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen, ferner dem Oberförster der Oberförsterei Treis, Gust. Schneides zu Treis a. d. Lda., und dem Oberförster der Oberförsterei Konradsdorf, Dc. Karl Web er zu Konradsdorf, den Charakter als Forstmeister verliehen. In Audienz empfangen wurde am Mittwoch von S. K. H. dem Großherzog u. a. Prof. Dr. Schwally aus Gießen. _ „ , m Geheimerat Schädel. S. K. H. der Großherzog haben am 1. August den Direktor des Gymnasiums zu Gießen, Geh. Schulrat Dr. Ludw. Schädel, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste und unter Verleihung der Krone zum Ritterkreuz erster Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen mit Wirkung vom 5. August 1906 an in sen Ruhestand versetzt. •• Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen durch Entschließung S. K. H. des Gr off Herzogs den Mitgliedern der freiw. Feuerwehr zu Münster, Joh. Schneider V. und Jak. Heckwolf. ** Die Sitzungen des Schwurgerichts der Provinz Oberhessen für das dritte Vierteljahr 1906 beginnen Montag, 2 4. September d. I., vormittags 91/2 Uhr unter dem Vorsitze des Landgerichtsrats Neuenhagen hier. △ Butzbach, 1. Aug. Der seit gestern Nacht flüchtige Soldat des hiesigen Bataillons wurde heute früh in der Nähe von Frankfurt a. M. festgenommen und von Mannschaften des Bataillons dort in Empfang genommen. X Hungen, 31.Juli. Die Renovierung unserer Stadtkirche hat jetzt begonnen, nachdem nm Sonntag der letzte Gottesdienst darin slattfand. — Das neu gegründete Altertumsmuseum wird in Kürze eröffnet, es ist vor- Die veulige Yummer umfaßt 8 Seiten. KoUtische Lage-scharr. Die Aeußerungen des Kaisers über die Presse die wir gestern mitteilten, sind kein Kompliment. Man weiß nicht, ob die Wiedergabe der kaiserlichen Aeußerungen durch den Pariser „Malin" genau ist. Der „Matin" liebt die sensationellen Zuspitzungen. Wer dem Sinn nach kann sich der Kaiser so ausgesprochen haben. Den Ehrentitel „kommandierende Generale" wendete der Kaiser zwar einmal auf Vertreter der Presse an, doch waren damit die amerikanischen Journalisten gemeint, die sich ziemlich viel auf diese Wertschätzung einbildeten, und das umsomehr, als man in Amerika selbst landesüblicherweise die Presse als „Geschäft" betrachtet. Für die deutschen Dagesschriftsteller, die ihren Beruf weit idealer pflegen, hat der Kaiser bisher kein anerkennendes Wort gehabt. Wohl aber sind einige herbe Urteile bekannt geworden. Man macht geltend, er lerne die Presse nur aus Zeit- ungsausschnilten kennen. So begegnen wir im „Berliner Tageblatt" dem Satze: „WaS ihm zu Gesicht kommt (von der Presse), ist fein säuberlich siebenmal gesiebt". Das trifft nach unserer Kenntnis der Dinge nicht zu. Wenn auch dem Kaiser — wie übrigens ebenfalls dem Reichskanzler, den Berliner Ministern und anderen Regierungschefs — täglich Ausschnitte aus Blättern des Inlandes und Auslandes vorgelegt werden (und diese Form rascher Unterrichtung hat beispielsweise als praktisch auch in die Kreise der Großindustrie Eingang gefunden), so liest der Kaiser doch auch Zeitungen verschiedener Parteirichtungen im Original. Auf der Nordlandreise, so wird erzählt, widmete sich der Kaiser mit Eifer der Lektüre der neu eingetroffenen Zeitungen; interessante Meldungen und Auslassungen wurden mit einem jovialen „Hört mal!" zur Kenntnis der Tafelrunde gebracht. Es ttlüpfte sich daran manche lebhafte Erörterung, bei der auch andere Auffassungen, als die des Kaisers, zu Worte kamen. Das ist also nicht richtig, wenn man behauptet, der Kaiser werde „einseitig informiert" und es werde das von ihm ferngehalten, was ihm nicht behage. Nur fehlen in der Umgebung des Kaisers, der doch sonst Angehörige der verschiedensten Berufe gern um sich sieht und ebensoviel Wert legt auf Meinungsaustausch mit Gelehrten wie mit Kaufleuten und 'Industriellen, Vertreter des deutschen Schrifttums fast gänzlich. Professor Schi ein an n, der Verfasser der Wochenübersichten über auswärtige Politik in der „Kreuz? zeitung", war wiederholt Gast des Kaisers. Wir wüßten uns jedoch nicht zu erinnern, daß Journalisten, deren Spezialfach die innere Politik ist, Empfang beim1 Kaiser hatten. Fürst Bülow kommt mit Vertretern der Presse häufig zusammen. Und vielleicht macht es die nähere Bekanntschaft, daß der Reichskanzler, wie ja aus mancher seiner Reichstagsrede hervorgeht, der deutschen Presse Vertrauen und Schätzung entgegenbringt. Der Kaiser hat — immer vorausgesetzt, daß der Bericht des „Matin" im wesenllichen 6er Wahrheit entspricht — der Presse schuld gegeben, daß seine Absichten in der Marokko-Affäre mißverstanden, seine Gedanken entstellt worden seien. Die deutsche Presse darf sich gerade in diesem Falle ein nicht unerhebliches Verdienst zuschreiben: sie hat Aufklärungsarbeit geleistet. Als die Marokkofache mit täglichen, immer heftigeren Auseinandersetzungen zwischen den offiziösen Organen hüben und drüben, der „Nordd. Allg. Ztg." und dem Pariser „Temps", in ein kritisches Stadium trat, als alle Welt mit hohem Erstaunen sich fragte: Warum soviel gefährlicher Lärm um Marokko?, da war es die Presie, die das Publikum von der Tatsache der gegen Deutschland gerichteten englisch-französischen Ein- kreifungZmachenschaften unterrichtete und das Verständnis dafür verbreitete, daß es sich um mehr handele bei dem Griff ins Wespennest, als um das bißchen Marokko. Der Kaiser vermißt bei der Presse das Examen, das in allen anderen Berufen unerläßlich sei. Darüber wird selbst in Gelehrtenkreisen gestritten. Das Bestehen einer Prüfung kann aber jedenfalls ein glücklicher Zufall sein. Die Presse muß täglich von neuem den Befähigungsnachweis erbringen. 6 • Unter der Fahrkartensteuer. Aus Berlin, 1. August, wird uns geschrieben: Hierin Berlin war heute, am ersten Tag der Fahrkartensteuererhebung, nur eine Stimme über diese greuliche Verkehrsbelastung, nur eine Stimme bitteren Unmuts über die Reichstagsmehrheit, die eine Steuer von dieser Höhe der Regierung förmlich aufgedrängt hat. Vielfach sind im Vorortverkehr Abonnements dritter, statt zweiter Klasse gelöst worden,nicht allein, um den .Erhebungsbetrag" zu sparen, sondern um dem grundsätzlichen Protest gegen die Abgabe demonstrativen Ausdruck zu geben. Sogar die .konservative .Kreuzzeitung" lehnt sich wider die Fahrkartensteuer auf. Sie ist, so schreibt das Blatt, gewiß die unpopulärste aller unpopulären Abgaben. Die Abschaffung der Fahrkartensteuer erwartet die .Kreuzztg." nur von einer Erhöhung der Brausteuer um den erforderlichen Betrag. Auf diesen Weg ist vor einiger Zeit auch durch eine offiziöse Auslassung hingewiesen worden. Die Bierpreiserhöhungen durch die Brauereien stehen vielfach nicht im Verhältnis zu der Steuererhöhung. Folglich betrachtet man eine neue Erhöhung als einen Akt vergeltender Gerechtigkeit — wenn eben die Garantie vorhanden wäre, daß andererseits die Fahrkartensteuer verdientermaßen in die Wolfsschlucht geworfen wird. Deutsches Reich. Berlin, 1. August. Tie .Nordd. Allg. Ztg." meldet: Der Kaiser gedenkt, Mitte dieses Monats an der Enthüllung des Landgrafendenkmals in Homburg teilzunehmen. Er wird in Verbindung hiermit mehrere Tage in Schloß Friedrichshof verweilen. Während dieser Tage wird der König von England dort eintreffen. — Die Ausführung des Gesetzes über den Frachturkundenstempel Hal im Eisenbahnverkehr zu Unzuträg- lichkeiten um deshalb geführt, weil die Eisenbahnverwaltung den Urkundenstempel nicht, wie im Gesetze vorausgesetzt, vom Aussteller deS Frachtbriefs, sondern immer vom Frachtzahler einzieht. Die Beschwerden der industriellen Kreise hierüber hat der Zentralverband Deutscher Industrieller in einer Eingabe an die zuständigen Behörden zum Ausdruck gebracht und die schleunige Aenderuug des jetzigen zu Mißhelligkeiten zwischen Verkäufer und Käufer führenden Verfahrens beantragt Ein seltsamer FriedhüfSfall hat sich kürzlich im Dorfe Iussy bei Metz zugetragen. Zwischen Juffy und Sie. Ruffine w>rd zur Zeit eine Straße nach dem auf der Höhe von Gravelotte befindlichen Fort gebaut. Bei den Erdarbeiten fand man in einem offenbar vergeßenen Grabe Gebeine von Kriegern aus dem Jahre 1870. Und zwar hatten dort, nach den Uniformknöpsen zu schließen, ein französischer Infanterist und ein Preuße die letzte Ruhe gefunden. Neben den übrigen Ueberrcsten lagen noch einige Perlen eines Rosenkranzes und eine Heiligenmedaille. Ein Franzose, der sich während des Sommers in Juffy aufhält, hat nun die Gebeine gesammelt und den katholischen Pfarrer ersucht, sie auf dem Friedhof beisetzen zu lassen. Dieser aber hegte Bedenken; denn der Preuße konnte ja ein Protestant gewesen sein, und bann: wie die gläubigen und ungläubigen, die französischen und die deutschen Knochen, von einander scheiden? So mußte an das Bistum geschrieben werden. Dieses entschied, es wäre vielleicht doch möglich, daß die Gebeine Katholiken angehörten. Erst jetzt wurden die Ueberreste in einem Reihengrabe beigesetzt. Die Geschichte ist in mehrfacher Beziehung lehrreich. Als sich neuerdings das Metzer Konsistorium in Friedhofssachen äußern mußte, behauptete eine vielfach offiziös bediente Korrespondenz, seit dem Falle Fameck sei fein Friedhofsfall in Lothringen mehr vorgekommen, das Metzer Konsistorium störe deshalb mutwillig den Frieden. Obwohl sich mm im Dorfe Jussy überhaupt keine Protestanten befinden, hat der dortige Friedhof doch seine Protestantenecke. 1870/71 sind sogar manche deutsche Soldaten in Ermangelung dieser Ecke in die Selbstmörderecke gelegt worden; diese Tatsache ist auf verschiedenen Friedhöfen heute noch zu erweisen. Im Reiche Benzlers hält man also noch immer an der Forderung fest, daß in jedem Orte, auch da, wo keine Protestanten wohnen, eine besondere Protestantenecke sein muß. „Aas sittliche Recht des Krieges." (Schluß.) Letztlich ist die sittliche Feindesliebe der Versuch eines Erziehens. Ist nach den Umständen klar, daß der Feind es nicht begreift, nicht begreifen will, daß nicht Schlaffheit, bloße Empfindungslosigkeit, mangelhaftes Ehrgefühl, vielmehr wirkliche Rücksicht auf seine Seele, reiner und besonnener Wille ihn nicht zu bestätigen und zu stärken in seiner Gesinnung, sondern ihn davon zu befreien, die Quelle eines stillen, geduldigen Tragens und Sichgefallen- lassens ist, so soll und muß dieses ein Ende haben, Nicht überhaupt, aber bis dahin, wo der Gegner den rechten Blick gewinnt. Matth. 18, 15 heißt es: „Sündiget dein Bruder an dir, so gehe hin und setze ihn zurecht zwischen dir und ihm allem. Höret er dich, so hast du demen Bruder gewonnen." Höret er aber nicht, heißt es dann, so sage es der Gemeinde. „Höret er die Gemeinde nicht, so halle ihn als einen Heiden." Das will heißen: auch ein rechter kraftvoller Verzeihungswille kann nicht immer in wirklichem Verzeihen enden. Ist es der Sinn der Liebe zum Feinde, daß man versuche, nicht bloß sich zu saldieren wider ihn, überhaupt auch fernem Tun gegenüber nicht sowohl an sich selbst zu denken, als an den Andern und seine Gefahr, so kann diese Liebe naturgemäß ihre direlle Kraft nur entfalten, wo sie begriffen wird. Es ist Fern Rachenehmen, sondern nur ein Beweis dafür, daß man weiß, was dem F-einde wirklich helfen kann, nämlich eiu rechter Zwang sich zu besinnen, daß man ihn unter gegebenen Umständen auch einer Strafe überläßt. Bekriegung kann auch ern Ausdruck von Feindesliebe fein. Der Krieg ist immer ein liebel und ein Leid. In irgend einem Maße steckt in ihm immer eine Schuld, wohl durchweg auf beiden Seiten. Wer das eine Teil kann die miubere Schuld tragen, im Momente der Entscheidung vielleicht überhaupt keine Schuld. Setzen wir den Fall, daß nicht wir den Krieg herangeschworen haben, sondern der andere Teil. Setzen wir den Fall, daß wir alle Mittel ehrlich und nachhaltig versucht haben, die in Kollision geratenen Interessen friedlich gegen ern- ander abzugrenzen, nehmen wir an, daß es sich wirtlich um vitale Interessen für uns handele, nicht um Ruhm, a£r im Me" im unser Recht, das zur Geltung zu bringen, n>a8 uns gebührt - dürfen mir un-, um es zusammenzufafsen, das Zeugnis geben, mcht NN Egoismus, nicht mit Legehrlichkett, netn, mit gutem Wellen, m dem Konflikte zu stehen: so »tepe c§ nicht littlich, sondern un° .sittlich, handeln, wenn wm dem andern Der! ernfach und unbedingt nachgäben, nur „duldeten"^ was er uns zumutet. Ein Volk, das sich an Hochmut und Brutalität gewöhnt, gefährdet sittlich jedes einzelne seiner Glieder. Auch Völker sind es einander schuldig — um des Gedankens der „Menschheit" willen — sich zur Besinnung zu rufen. Dey Krieg ist unter Umständen das einzige Mlltel, iuic das geschehen kann, und bann hat das „unschillde" Teil sich nicht des Mangels an Liebe zum Feinde, nicht der „Un- christlichkeit" zu zeihen, sondern darf wissen, daß es noch in der Liebe steht, indem es widersteht. Wir haben hier nur ganz kurze Auszüge aus dem schönen Vortrage des Prof. Kattenbusch gegeben und möchten jedem Denkenden die Lektüre der gedankenreichen kleinen Schrift dringend empfehlen. Es ist noch bemerkenswert, daß Kattenbusch im Anhänge von den Friedensgesell-, schäften meint, daß „sie in dem Maße, als sie nüchterne, konkrete Einzelziele ins Auge fassen, nicht lunger auf ihren Kongressen uferlose Resolutionen hinaussenden, auch sich ehrlicher Unparteilichkeit gegenüber den Nattonen erschließen lernen, Heilsames werden schaffen helfen. Wer es ist, so heißt es dann weiter, ein Irrtum, daß das Evanq gelium zwinge, unter allen Umständen für den Frieden und wider den Krieg einzutreten. Die Ethik des Christentums ist nicht eine solche der bloßen Weichherzigkell, gar Sentimentalität. Sie kennt die Herzenstätigkeit der Menschen und die Aufgabe einer „Erziehung des Menschengeschlechts", nickst nur zur Kultur, sondern zur Liebe als dem einzigen Selbstwerte. Niemand von uns ist soweit, daß er keiner Erziehung weiter bedürfte. Wer sich nicht selbst erzieht, muß erzogen werden. Wer einen Vorwand sucht, um sich die Pflicht des Verzeihens, desj „Nichtwiderstrebens" zu erleichtern, dem ist sittlich nicht beizukommen. Zwischen sentimentalem Jntereffe an „anderen" Völkern und bloßem Interesse am eigenen gibt es ein mittleres. Der sog. „gesunde Egoismus" in der Politik kann sich äußern als ein Gegensatz zu weichlicher, fauler, feiger „Selbstlosigkeit", er tritt unS zur Zeit, auch in Deutschland, nur zu oft entgegen als einfache politische Brutalität. Wir Haden viele kleine Bismarcke, die dem alten echten eigentlich nur seine Gelegenheitsform en, nicht aber seine wirklichenStaatsgehanken abgemerkt haben. Der technische Staatsgedanke fordert Macht, nämlich genügende, daß der Staat dem Volke leisten kann, wofür er da ist, Schutz seiner Bürger und Beihülfe zur Verwirklichung seiner Ideale, aber die Macht ist nicht selbst das Ideal; nicht um Ruhm zu gewinnen, sondern um ihm seine Ehre zu behalten, hat der Staat für das Volk Macht zu sammeln und zu organisieren. Das Volk selbst, welches von seiner Ehre weiß, wird auch je länger je reifer werden zu begreifen und mit feiner Regierung zu entscheiden, wann es einen Krieg wagen muß. Eine Zukunft, in der wir Menschen die Wunden scheuten, den Kampf mcht mehr wagten, wenigstens keinen Kampf mehr auf Leben und Tod, ist nur zu fürchten, nicht fahiftg im Solmsifchen Schloß untergebracht. — Der Kredit- -v e re in'blickt auf ein sehr günstiges Geschäftsjahr zurück; es »wurde ein Gewinn von 9150 Mk. erzielt. Das Gesanu- Dermögen beträgt 450 730 Mk. — Bei dem bereits gemeldeten Einbruchsdiebstahl auf der Braunkohlengrube Friedrich bei Trais wurden aus dem Kassenschrank zwischen 9 und 10 000 Mk. gestohlen, die am Samstag hineingelegt und zur Lohnauszahlung bestimmt waren. § Schellnhausen, 1. Aug. Das starke Gefälle der durch' unseren Ort fließenden Felda trieb früher einen dem chesi. Staate gehörigen Eisenhammer. Man rühmt heute noch vielfach die ausgezeichnete Qualität der aus diesem Werke hervorgegangenen Produkte, wie Wagenreifcn, Wagcnachsen n. dgl. Mit dem Aufschwung moderner Fabrikanlagen lohnte der Eisenhammer nicht mehr und ging ein. Ein Konsortium ivill nun die staatlichen Gebäude, wozu auch die ehemaligen Oberförstereigebäude gehören, erwerben und eine Holzschneiderei anstelle des alten Eisenhammers errichten. Der Kaufpreis soll 15 000 Mk. betragen. Die in unmittelbarer Nähe unseres Ortes liegenden großen Waldungen empfehlen eine solche Anlage ohne allen Zweifel. Mainz, 31. Juli. Der Privatmann Clauter au? ^Monzernheim, der Mörder des Frl. Hofmann,. hat in der Untersuchung unumwunden eingestanden, daß er die Absicht gehabt habe, das Mädchen zu töten, wenn es ihn nicht erhören sollte. Zu diesem Zwecke hatte er sich in Worms einen Revolver gekauft und so lange Schießübungen abgehalten, bis er eine große Fertigkeit erlangt hatte. Gestern nachmittag wurde die Leiche des Mädchens seziert. Die Kugeln wurden nicht mehr gefunden; sie hatten das Herz, die Lunge und die Leber des Mädchens verletzt und waren durch den Körper gedrungen. (Frkf. Ztg.) Homburg, 1. Aug. Im früheren sog. „Englischen Garten" an der Großen Tannenwalds-Allee, der jetzt Eigentum der Frau von Brüning ist, steht ein schlichtes Denkmal, einen Baumstamm darstellend, für das ausgestorbene Landgrafengeschlecht, das aber jetzt dem größeren Publikum nicht mehr zugänglich ist. Der Schöpfer des am 16. d. M. zu enthüllenden neuen Denkmals, dec von dem Kaiser mit der Ausführung betraut wurde, Prof. Gerth aus Berlin, ist hier eingetroffen, um die Aufstellungsarbeiten zu leiten. Das Denkmal ist aus schwedischem Granit hergestellt und wird eine Höhe von 10 Meter bekommen. Der obere Obelisk hat ein Gewicht von 195 Zentner. Auf der Vorderseite befindet sich das Bildnis des Landgrafen Friedrich und auf der Rückseite das des letzten Landgrafen Ferdinand, gestorben 24. März 1866, außerdem die Namen sämtlicher Landgrafen von Heffen-Homburg, sowie ein Verzeichnis der Schlachten, in denen sich die Landgrafen ausgezeichnet haben. Am Fuße des Sockels sind Trophäen angebracht, rechts und links vom Obelisk Symbole des Glaubens und der Tapferkeit. Der „Empfang der Hugenotten" durch Landgraf Friedrich II. ist ebenfalls bildlich dargestellt. Das Denkmal wird sich hinter dem Elisabethenbrunnen erheben. [] Marburg, 31. Juli. Den Höhepunkt der festlichen Veranstaltungen des 50jährigen Beflehens der Lands- mannschaft „Hasso-Borussia" bildete der Festzug, der sich heute nachmittag durch die im Flaggenschmuck prangende Stadt bewegte. Altdeutsche Fanfarenbläser bildeten die Spitze, es folgten Reiter in Wichs, eine lange Reihe Vierspänner mit den ältesten Semestern und dann in endloser Reihe die einzelnen Jahrgänge bis zu den Aktiven der Landsmannschaft. Ein herrliches Bild studentischer Pracht. Im Museum sand dann anschließend Festfeier statt. Die Musik wurde ,ausgeführt von den Marburger Jägern und der Gießener Regimentskapelle. Der Iahrcskericht der Kroßh. Kandelskammer Hießen ist in der gewohnten Form soeben erschienen. Dem Bericht über die wirtschaftliche Lage entnehmen wir folgende allgemeiner interessierende Mitteilungen: Wie in den Vorjahren, so bestand auch im vergangenen .Jahre in vielen Erwerbszweigen ein Mißverhältnis zwischen den Produktionskosten und den Verkaufspreisen. Die Rohstoffe wiesen im allgemeinen Preissteigerungen auf. Betroffen wurden hiervon fast sämtliche Metalle, Braunkohle, Koks, Spiritus und ferner die Rohstoffe der Textilindustrie, wie Wolle, Baumwolle, Flachs und Jute. Für weite Kreise der Bevölkerung besonders fühlbar machte sich die Preissteigerung in den Erzeugnissen der Viehzucht, namentlich die Teuerung von Schweinefleisch. Auch in Halbfabrikaten konnte sich häufig eine Erhöhung der Preise durchsetzen, während die Ganzfabrikate nur in geringem Maße dieser Preissteigerung zu folgen vermochten. Die Ursache dieser verschiedenen Preisbewegung ist bis zu einem gewissen Grade in den Vereinigungen und Preisvereinbarungen zu sichen, die für Rohstoffe und einen Teil der Halbfabrikate bestehen, und die einen maßgebenden Einfluß auf die Preisbildung ihrer Erzeugnisse besitzen und ihn auch auszuüben wiffen. Der Mangel festgefügter Organisationen auf dem weiten Gebiete der Ganzfabrikate bewirkt es, daß sich Preiserhöhungen dort ungleich schwieriger und langsamer durchsetzen lassen. Trotz der gestiegenen Umsätze und der oft flotten Beschäftigung blieben die erzielten Ge- fchäftsgewinne hinter^den Erwartungen erheblich zurück. Auch der großen Maffe der arbeitenden Bevölkerung brachte die anhaltende Beschäftigung nicht immer den erhofften Erfolg, da ein Teil des Einkommen? durch die gestiegenen Lebens- mittelpreffe aufgezehrt wurde. Um eine billigere Ernährung der Bevölkerung zu ermöglichen, mußte die Einfuhr von Fleffch aus dem Auslande vermehrt werden, und gleichzeitig suchten viele städtische Verwaltungen, darunter auch die der Stadt Gießen, durch direkten Bezug von Seefischen der Be- völkerimg billigere Fleischnahrung zugänglich zu machen. Zu unserem Bedauern müssen wir aber hier feststellen, daß durch das neue Viehseuchenübereinkommen zwischen dein Deutschen Reiche und Oesterreich-Ungarn der Bezug von Schlachtvieh aus diesem Lande sehr erschwert und für unfern Bezirk gänzlich unmöglich gemacht worden ist. Es ist zu fordern, daß diese Bestimmungen bald eine Milderung erfahren und daß zur Erleichterung des Bezugs von Seefischen für die minderbemittelte Bevölkerung der Eisenbahntarife von den Seehäfen nach dem Binnenlande für diesen Artikel bald ermäßigt werden. Zu den Erscheinungen, c im deutschen Wirtschaftsleben in den letzten Jahren immer schärfer hervorgetreten sind, gehört unzweifelhaft die fortschreitende Konzentration in Industrie und Handel. Auch im vergangenen Jahre hat der Konzentrationsprozeß weitere Ausdehnung gewonnen. Die Großbanken waren bemüht, durch Aufnahme von Provinzbanken in allen Teilen des Reiches, insbesondere in Süddeutschland, immer festeren Fuß zu faffen. In ähnlicher Weise vollzogen sich in den verschiedensten Zweigen der Industrie, namentlich in der Montan- und Metallindustrie, Zusammenschlüsse von weittragender Bedeutung. Auch in unserem Bezirke trat diese Konzentrationsbewegung, wenn auch nur in geringen Verhältnissen, in Erscheinung. Die Eisenwerke Lollar wurden durch Beschluß der beiderseitigen Generalversammlungen vom 28. März 1905 mit den Budernsschen Eisenwerken in Wetzlar wieder vereinigt, nachdem beide Werke seit dem Jahre 1895 getrennt waren Ihre Vereinigung lag im beiderseitigen Interesse, da beide Firmen auf verschiedenen Arbeitsgebieten als Konkurrenten sieh gegenüberstanden. Die Hauptverwaltung der vereinigten Werke hat ihren Sitz in Wetzlar, während in Lollar eine Zweig- niederlaffung verblieb. — Mit Wirkung vom 1. Oktober 1905 ab wurde der Geschäftsbetrieb der A kt i e n b ra uere i Gießen in denjenigen der Brauerei Textor zu Gießen ausgenommen und eine Vereinigung beider Unternehmungen in der Firma Unionbrauerei, Inhaber Georg Bichler, Gießen, hergestellt. Der Brauereibetrieb kam in dem Anwesen der Aktienbrauerei zur Einstellung und wurde nach der früheren Brauerei Textor auf der Hardt bei Gießen verlegt. — Endlich kam im laufenden Jahre eine Vereinbarung zu stände, wonach das seit dem Jahre 1832 bestehende Bankgeschäft Aron Heichelheim in Gießen, mit Wirkung vom 1. Januar 1906 ab, auf die Mitteldeutsche Kreditbank überging, die es unter der Firma Mitteldeutsche Kreditbank Filiale Gießen fortbetreibt. Damit hat neben der Bank für Handel und Industrie in Darmstadt, die in Gießen seit einigen Jahren eine Depositenkasse besitzt, eine zweite Großbank am hiesigen Platze Fuß gefaßt. Einer besonderen Erwähnung bedarf das preußische Gesetz vom 1. April 1905, betr. die Herstellung und den Ausbau von Wasserstraßen, weil c§ auf Veranlassung des preußischen Abgeordnetenhauses eine Bestimmung enthält, wonach auf dem Rhein-Hannover-Kanal und seinen Abzweigungen der staatliche Schleppbetrieb eingeführt und auf den im Interesse der Schiffahrt regulierten Flüssen SchiffahrtSabgaben erhoben werden sollen. Diese von der agrarischen Mehrheit des preußischen Abgeordnetenhauses in das Gesetz hineingebrachten Bestimmungen werden auch über die Grenzen des Königreichs Preußen hinaus eine große Bedeutung erlangen, weil das staatlich" Schleppmonopol auf dem Rhein-Hannover-Kanal und fernen Seitenkanälen auch auf die übrige Schiffahrt nicht ohne Einfluß bleiben wird und iveil mit dem Erlaß des neuen Gesetzes die Frage der Erhebung von SchiffahrtSabgaben auf den im Interesse der Schiffahrt regulierten Flüssen aus dem Stadium der theoretischen Erörterungen in das der Verhandlungen über diesen Gegenstand zwischen den beteiligten Uferstaaten tritt. Die Tatsache, daß die preußische Regierung ihre Zustimmung zu diesen verkehrsfeindlichen B.eschlüssep des preußischen Abgeord- netenhauseS gegeben hat, beweist, daß sie mit der Möglichkeit ihrer Durchführung rechnet. Es ist ein trauriges Zeichen, daß in der heutigen Zeit, die durch eine beispiellose Entwicklung des Verkehrs gekennzeichnet ist, Erleichterungen des Verkehrs mit derartigen Erschwerungen und Hemmungen erkauft werden müffen. Hoffentlich gelingt eS, die Einführung von SchiffahrtSabgaben trotz den gegenteiligen Bestrebungen der preußischen Regierung von den schiffbaren Flüssen abzuwenden. Eine lebhafte Beunruhigung in den Kreisen von Industrie und Handel verursachten die Gesetzentwürfe, welche im Zusammenhang mit der erstrebten Besserung der Reichs - finanzen dem Reichstage vorgelegt wurden. Die höhere Besteuerung von Bier und Tabak gab zu der begründeten Befürchtung Anlaß, daß diese Steuern von tiefgreifendem Einfluß auf die betreffenden Industriezweige sein und teilweise zu einer vollständigen Verschiebung der Produktionsbedingungen führen würden. Die Besteuerung der Frachturkunden, einschließlich der Personensahrkarten und der Quittungen, mußte zu den schärfsten Protesten des Handels heraus- fordern, insbesondere, als nach dem Vorschläge des Reichstags die Personenfahrkartensteuer eine Form angenommen hatte, die nicht ohne Einfluß auf die Entwicklung des Verkehrs bleiben kann. Vermischtes. * U e 6 e r einen Brand der „Pfalz" bei Caub wird gemeldet: Ein Gewitter zog am Mittwoch morgen über den Rhein, schlug in die „Pfalz" ein und traf den oberen Turm, wobei sämtliche Ziegel gelöst und die Balken in Brand gefegt wurden. Das Blei an den Glasscheiben im Zimmer der früheren Pfalzgräfin wurde durch den Blitzstrahl geschmolzen. Der Blitz sprang darauf auf den kleinen Turm über und zündete dort. Dem Wächter Tasch gelang es mit Hilfe einiger Steuerleute, den Brand zu löschen. Der Schaden soll nicht erheblich sein. * Der neueste Eisen bahn Unfall. Aus Saarbrücken, 1. Aug., wird amtlich gemeldet: Heute entgleiste der von Primsweiler kommende Zug Nr. 742 kurz vor dem Uebergange der Provinzialstraße in ber Nähe des Hochofenanschlusses der Dillingerhütte. Es entgleisten die Maschine, der Packwagen und drei Personenwagen. Acht Reisende und zwei Zugbeamte wurden leicht verletzt. Die Ursache der Entgleisung ist unbekannt. Sämtliche Verletzte konnten die Reise fortsetzen. Der Verkehr wird durch Umsteigen an der Unfallstelle aufrechterhalten. Der Materialschaden beträgt überschläglich 1000 bis 2000 Mark. * Kleine Tageschronik. In Kaiserslautern stürzte der Sohn des Lehrers Strecklein, ein Schüler des Gymnasiums von seinem Fahrrad und war sofort t o t. — Eine Explosion von Schießbaumwolle in der Fabrik der Cooper Chemical Co. in Newark (Nordamerika) zerriß 6 deutsche Arbeiter und ein Gebäude in Stücke. Der dadurch entstandene Brand zerstörte noch drei andere Gebäude. — Ter Anschlag a u s den Paris-Kölner Schnellzug scheint ein Racheakt eines entlassenen Dahnarbeiters zu sein. Da der Zug keine großen Baarbeträge mit sich führte, ist die Annahme eines Naubanfalles un- wahrscheinlich. Gießener Strafkammer. )( Gießen, 31. Juli. Am zweiten Pfingstseiertage abends bei Eintritt der Dunkelheit wurden zwei Radfahrer auf dem Wege von Leihgestern nach Großen-Linben von einer Anzahl auf genannter Straße befindlichen Leihgesterner Burschen belästigt. Der eine Der Radfahrer erhielt einen Stoß, daß er samt seinen Rad in den Straßengraben log. Ans seine Bemerkung, er wolle mit seinem Begleiter die Namen der Täter seststellen, ergriffen sämtliche Burschen die Flucht. Als ihnen die Radfahrer ins Feld folgten, fielen alsbald auf feiten der Burschen drei scharfe Revolverschüsse. Die Radfahrer ließen sich nicht abschrecken und gingen auf die Stelle zu. Plötzlich fielen aus unmittelbarer Nähe zwei weitere Schüsse, odaß der eine die Kuaeln am Ohr vorbeisaufen hörte. Er hatte den Mut, auf den Schützen zuzugehen und ihm die Waffe zu entreißen und erkannte in ihm den 16jährigen Schreiner K. T. von Leihgestern. In diesem Augenblick kam der Weißbinder W. 9(. ans den Radfahrer zu und bearbeitete ihn mit einem geschlossenen Taschenmesser, sodaß er blutüberströmt davonziehen und sich in ärztliche Behandlung begeben mußte. Man hielt erst Totschlags- versnch als vorliegend und nahm die Burschen in Haft; doch die Untersuchung endigte mit Ueberweisung an das Schöffengericht wegen Bedrohung beziv. wegen Körperverletzung und es erfolgte die Freilassung der Angeklagten. Nach dem Ergebnis der schöffengerichtlichen Verhandlung erschien T. verdächtig, den einen der Radfahrer zu töten verflicht zu haben, weshalb sich das Schöffengericht zur Urteilsfällung für unzuständig erklärte und die Sache an die Strafkammer verwies, da die Zuständigkeit des Scbwur- ger-chts auch nicht gegeben war, weil der Angeklagte unter 18 Jahre alt ist. Die Strafkammer konnte sich auf Grund der Verhandlung nicht davon überzeugen, daß T. willens war, den Radfahrer zu töten; sie nahm deshalb nur Bedrohung an und verurteilte ihn zu der höchst zulässigen Strafe von drei Monaten Gefängnis. Sein Genosse 91. wurde wegen Körperverletzung zu zwei'Monaten nnd zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Revolver und Meffer wurden eingezogen. Der 17jährige Taglöhner K. R. und der 13jährige Schüler H. K. von Vilbel waren wegen gegenseitiger Vornahme von unsittlichen Handlungen angeklagt. Weiter war R. angeklagt, durch dieselbe Handlung an einem Kinde unter 14 Jahren Unzuchtshanblungen vorgenommen und dieses zur Duldung solcher verleitet zu haben. Die unter Ausschluß ber Oeffentlichkcit aogehaltene Verhandlung, liest nach dem öffentlich verkündeten Urteil keinen Zweifel, baß ber kleine Knabe von bent älteren verführt worden ist. Es erfolgte deshalb Freisprechung des K., während R. unter Annahme mildernder Umstände zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Wegen Sittlichkeitsverbrechens an Mädchen unter 14 Jahren in 2 Fällen, erhielt der Taglöhner H. W. aus Burkhardts 2 Jahre Gefängnis. Trotz seiner Vorstrafe wegen gleichen Verbrechens nahm das Gericht mit Rücksicht auf feine geistige Minderwertigkeit infolge Trunksucht mildernde Umstände an. Der Instrumentenmacher F. I. R. aus Posen, hat in der Nähe ber Haltestelle Ober-Wibbersheim das 8 jährige Kind eines Bahnbeamten in bas Felb gelockt und versucht, unsittliche Hanblungen an ihm vorzunehmen. Da seine Hanblung sehr geringfügig war, kam er mit lOMonatenGefängnis durch. Im vorigen Jahr Tarn einem Landwirt zu Büdingen eine Holzaxt abhanden, ohne daß er einen Anhaltspunkt hatte, wo diese hingekommen sein konnte. In diesem Frühjahr bat sein Sohn seinen Nachbar, den Schlosser F. W., ihm mit einer solchen auszuhelsen, welcher Bitte dieser nachkam. Der Landwirt erkannte in dem Instrument alsbald seine ihm fortgekommene Axt, deren Stiel zwar durch einen neuen ersetzt war. W. wurde wegen Diebstahls im Rückfall angeklagt, er behauptet aber, die Axt schon seit 19 Jahren im Besitz zu haben. Die Angaben des Landwirts, der seine Axt an Eingravierungen wieder erkannte, ließen keinen Zweifel an ber Schulb bes Angeklagten, was biesem bie Minimalstrafe von 3 Monaten Gefängnis eintrug. Gerichtssaal. O Gießen, 1. Aug. Gestern wurde vor dem Schöffengericht der 18 Jahre alte, vorbestrafte Weißbindergeselle H. Sch. ans Reiskirchen wegen Beleidigung, Bedrohung und Widerstands gegen die Staatsgewalt zu 5 Monaten und einer Woche Gefängnis verurteilt. Der Tatbestand ist folgender: Sch. hatte seinem Vater am 13. Mai 1906 zu Reiskirchen Mk. 12.— weqgenommen, der Vater holte den Gendarm Keilbach von dort, um den Sohn das Geld abnehmen zu lassen. Sch. beschimpfte den Gendarm in der gröbsten Weise und drohte ihn nut einer Kaffeekanne den Schädel einzuschlagen. Sch. wurde sofort in Haft genommen, er erkannte das Urteil an. «linst und Wissenschaft. — Die Pläne für das neue Theader in Osnabrück hat Professor Martin Dülfer-Dresden fertiggestellt und, wie der „Voss. Ztg." berichtet wird, ein ganzes von imponierender Bedeutung und Einheitlichkeit geschaffen. Der Vorderbau ist mit Rücksicht auf die Lage als Rundbau gedacht. Mit dem Batt wird vor Frühjahr 1907 kaum begonnen werden. Die Eröffmtng soll zum Herbst 1908 erfolgen. Die Gesamtkosten dürften sich auf etwa 750000 Mark beziffern. — Berlin, 1. Aug. Felix Dreyschock, der bekannte Klavier- virtuose, ist hier in der vergangenen Nacht nach langer, schwerer Krankheit gestorben. Er ist nur 45 Jahre alt geworden. — Wie unS heute mitgeteilt wird, ist als Nachfolger des Oberbaurats Prof. G. Halmhuber, der im Herbst d. I. aI5 Direktor der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule nach Köln a. Rh. übersiedelt, Professor Ludw. Habich in Darmstadt alS ordentlicher Professor für Modellieren, Figuren- und Aktzeichen an die Technische Hochschule zu Stuttgart berufen wori>-u.__________ Kirche und Schule. — Die 58. Hauptversammlung des Evangelischen Vereins der Gustav Adolf-Stiftung wird vom 25.-27. September in Augsburg abgehalten werden. Die Versammlung wird von Abgeordneten aus allen Teilen des deutschen Reiches, Oesterrcich-Ungarn, der Schweiz, Frankreich. Belgien, Italien nnd Schweden besucht werden. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter Dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dcm Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Wann wird endlich die gänzlich grundlose Polizeiver- orbnung über das tägliche Begießen der Trottoirs beseitigt? Der Einsender ist durch Aus gl eiten auf dem schlüpfrigen Trottoir zu Fall gekommen und hat sich beschädigt. Das kann Jedermann passieren. Man warnt vor dem Hinwerfen voir Obstschalen und dergleichen, weil Jemand dadurch ausgleiten kann und die Polizei verordnet, sämtliche Trottoirs in einem Zustande zu halten, welcher solche Unfälle jederzeit herbeiführen kann. H. M ü ck e. Von außerordentlich großem Allgemeininteresse dürfte es bei dem regen Verkehr auf unserer Station sein, wenn die Eisenbahnverwaltung sich bald einmal dazu verstehen würde, etwas sowohl zur Aufbesserung der Zugangsftraße zum Bahnhofe zu tun, als auch den ständigen Stockungen des Personenverkehrs durch das unaufhörliche Rangieren der Guterzüge abzuhelfen. An Regentagen wie in der letzten Woche ist in dem fürchterlichen Schmutz des Bahnhofzttganges kaum durchzukommen, ber gepflasterte Fußsteig steht an den meisten Stellen unter Wasser, sodaß man sein Heil an bett Gleisen suchen muß. Ferner kann man zu jeder Stunde beobachten, wie sich Menschen- haufen an bett geschlossenen Barrieren ansammeln und wie zahlreiche Personen auf gut Glück die Gleise zu überschreiten suchen. Eine lieber- oder Unterführung der hier in Frage kommenden zwei Gleise wäre sicher nicht zuviel verlangt, wenn man bedenkt, daß auf der Merlauer Seite des Bahnhofs eine Uebersührung sämtlicher Gleise angebracht ist, trotzdem der Verkehr gegen den an der Vogelsberger Seite verschwindend gering ist. Ein Fußsteig an der Maschinenhalle vorbei und eine dortige Unteroder Uebersührung wäre vielleicht am ratfamften, da auch dann gleichzeitig dem unaufhörlichen Fracht-Fuhrwerksoerkehr auf der ^ugangsstraße au§ dem Wege gegangen wäre. „Henneberg-Seide“ v. Bfk. 1.10 ab! — zollfrei! 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