Nr. 128 Erscheint täglich oujsn Sonntagä. Dem öteßenet Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Samilieu» blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Drühl'schen Univers.-Buch-u.Stein- druckeret. 0L Lange. Redaktion, Eroeditioa und Druckerei: Schulflratze 7. Redaktion 113 Verlag u.Exped.^^51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gieße«. Erstes Blatt ILV.Jahvgmrg Saurstag Ä. Juni 1906 GletzenerAnzeigerW lu^ General-Anzeiger 87 q/ den poltt unb öligem. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW zeigenteil: HanS ®ei I>ie heutige Yummer umfaßt 16 Seiten. Zum Mngstfeste. Pfingsten ist das Fest des vollendeten Frühlings. Die christliche Pfingstbotschaft verkündet den geistigen Frühling, ste erst giebt dem frommen Glauben seine höchste Vollendung. Wald und Feld grünen und blühen in neuem Leben, und der Mensch, der sich als ein Teil des unendlichen Alls fühlt, sieht über aller Verdrosienheit doch freudig auf daS Sprießen und Blühen ringsum, auch in ihm regt sich ein Neues, Höheres, das ihn erhebt über die Wirrsale und die Niedrigkeiten des Alltäglichen. Liegt doch gerade darin der hohe Wert der Festesstimmung, der festtäglichen Nuhe, daß sie uns hinausdrängt auS dem engeren Kreise, in den ein jeder von unS gebannt ist, ob er auf die höchste Warte gestellt wurde oder sich abmühen muß um kargen Lohn für deS Lebens Notdurft. Doch wenn wir solche Feierstunden fruchtbar gestalten wollen, wenn sie nicht wie Oasen bleiben sollen in einer großen Wüste, sondern lebendige Glieder in dem Ringe unseres Daseins, dann müssen wir rückschauend und vorwärts blickend Vergangenheit und Zukunst an den Gedanken messen und nach ihnen zu gestalten suchen, die in den Augenblicken festtäglicher Erhebung unser Herz erfüllen. Der Presie tägliche Aufgabe ist eS, vor den Lesern die Ereignisse und die Personen vorüberziehen zu lassen, die unser öffentliches Leben bilden und gestalten. Und wenn wir heute offenen Auges, ehrlichen Sinnes um unS blicken, dann werden mir zu dem Geständnis gedrängt, daß es nicht der rechte Geist ist, der daS Tun und Treiben derer bestimmt, die unser Reichsauto autokratisch lenken. „Unsere Nation', so führt Harden in Nr. 34 seiner „Zukunft' auS, und man kann ihm leider nicht unrecht geben, „steht aus allen Gebieten organisierter Arbeit voran und darf auf jedem mit dem stärksten Ringer den Wettkampf wagen. Daß ihre Lage nicht mehr so bequem ist, wie in den Jahren des ersten, gefährlichsten Wachstums, ist die Schuld einer unfruchtbaren, unruhigen, effektsüchtigen Politik, die alteFreun de verloren, neue nirgends gewonnen hat und ringsum nun Haß und Mißtrauen Enttäuschter erntet. Und für diese Politik ist der Reichskanzler verantwortlich. Wo ist ein greifbarer Eriolg, ein eiunger, den er bewirkt, wo auch nur ein festes, Gewinn verheißendes Ziel, das er gezeigt hat? Mit Worten zahlt er und bcgebrt, wenn er höflich zur Einlösung gemahnt wird, immer neuen Kredit." Statt daß wir unseren Sinn hoffnungssreudig auf das Höchste richten, macht sich angesichts der wenig rosigen Lage des Reiches inmitten der Länder der Erde und angesichts der über die Maßen unpopulären Reichsfinanzreform mit ihrer Verkehrsoerteuerung, abgesehen von anderen Uebel- und Mißständen, allmählich wieder, wie vor einem Jahrzehnt, im Bürgertum ein resignierter Pessimismus breit, statt energischer, frisch-srei-frohlicher Kampfes- und Schaffenslust zum Heile unseres deutschen Vaterlandes. Daneben beobachtet man mißbilligend einerseits das rücksichtslose Vor- drängen einseitiger materieller Interessen, das die Pflege der idealen und nationalen Güter immer verhängnisvoller bedroht, anderseits namentlich in dem führenden und größten deutschen Bundesstaat einen übel beengenden Wahnglaubcn der Beschränktheit auf kirchlichem Gebiet, sodaß mancher Wackere unter uns, der die Mitte des Lebensweges überschritten hat, in übertriebenem Pessimismus seinen guten alten Ibsens Beerdigung. Christiani a, 1. Juni. Unter außerordentlich großer Beteiligung fand hcute die Beerdigung Ibsens statt. Die Regierung, das Storthiug, viele ausländische Deputationen, Vertreter von Kunst und Wissenschaft wohnten her Trauerfeier bei, die in der Dreieinigkeitskircke abgehalten fcnirbc. Rach Beendigung der aus Gesang und der Trauerrede bestehenden Feier, an der auch der König tecluahm, bewegte sich der lange Trauerzug unter Voran tritt ßiner Musillapelle nach dem Kirchhofe, wo nach Gesang die Bei- setzuna erfolgte. Ein Trauermarsch beschloß die Feier. — So meldet das W. T. B. Rach der „Frkf. Ztg." hatte man in Christiania noch nie eine so glänzende Versammlung hervorragender Persönlichkeiten gesehen. Pastor Christopher Bruun hielt die Gedächtnisrede, deren Inhalt eine Tank- fcmunq und ein Nachruf für Ibsen war, der Trager von Norwegens größtem Namen. Ibsen hatte eine Welt von denkenden Gestalten geschaffen Seine Ausgabe roar es, sein Volk groß ?u niachen und denken zu lernen. Mt Norwegen dankt ihm die ganze Welt. Aber besonders ist Norwegen dankbar weil seine Werke nicht nur ein Beitrag zu dem Geistesleben der Nation, sondern der gesamten Menschheit bedeuten. Schließlich gedachte der Redner Ibsens Frau, die ihren Gatten liebevoll gepflegt habe in selbswergessender Treue. Minister Stübel teilte mit, daß ihn der deutsche Reichskanzler Fürst Bülow gebeten habe, sein tiefes Mitgefühl dem norwegischen Volke auszusvrechen. Ferner sprachen Vertreter der Städte München, Gossenfaß, Chrisiiania und der Geburtsstadt Ibsens, Skien. Weitere Kränze harten u. a. gespendet: die Universität, wissenfchaft- liche Gefellsck)aften, Schriftstellervereine, alle norwegischen Tbea^er, d>ie Direktion des Louvre in Paris, Studenten- vereine nortoegisck>e und ausländische Frauenverbände, der norwegische Lehr er verein, die verbündete Arbeiterpartei usw. — Adolf von Sonuenthal, der einst als Schneibergeselle den Sch-ritt zu den rveltbedeutenden Brettern Jugendglauben immer mehr und mehr einschränken zu müssen glaubt, daß es möglich sei, mit Aussicht auf wirklichen Erfolg geistige Entwickelungen im Staate tatkräftig zu fördern. In den weltgeschichtlichen Momenten nationaler Erhebung wenden sich die Völker in entschloßener Einmütigkeit den höheren Aufgaben zu, die ihnen gestellt sind. Die großen historischen Umwälzungen verdanken gewaltigen populären Strömungen ihr Entstehen; ihre Vollendung aber hängt in erster Linie von den Männern ab, die berufen sind, jene Strömungen in die gangbaren Wege zu leiten, die zum Ziele führen. Wenn jedoch nach den Festzeiten nationalen Aufschwungs die dürre Alltäglichkeit wieder ihr Recht fordert, dann ist es die schwierige und oft mit wenig Dank gelohnte Aufgabe der Führer deS Volkes, dec vergangenen großen Taten sich würdig zu zeigen im rechten Bewußtsein der Pflichten, die sich auS ihnen ergeben. Für sie gilt e5 dann, nicht den schwankenden Strömungen des TageS nachz,»geben, sondern ohne Menschensurchi, getragen von dem vollen Verständnis aller Regungen der Volksseele, mit Klarheit, Wahrheit und Festigkeit die aiiSeinanderstrebenden Elemente zusammenzuhalten zum gleichniäßigen starken Ausbau aller materiellen und ideellen Güter der Nation und ihrer einzelnen Stände und mit Um- und Einsicht zu verhindern, daß daS Staatsschiff von auswärtigen Feinden und Neidern so schlau als rücksichtslos auf Irrwege und Abwege gedrängt werde. Darum war eS zu allen Zeiten eine der höchsten, aber auch der schwierigsten und verantwortungsvollsten Aufgaben der Staalskunst, an die Stellen, von denen die Geschicke'der Nation in maßgebender Weise beeinflußt werden, Männer zu setzen mit all den reichen Gaben, die nötig sind, um den höchsten Anforderungen gerecht zu werden und den Inhabern hervorragender Posten den Einfluß und daL Ansehen zu sichern, ohne die gedeihliches Wirten unniöglich ist. Nicht daS Ami an sich begründet, in unserer kritisch angelegten Zeit weniger denn je, die Wertschätzung, die beni Einzelnen zuteil wird, sondern lediglich daS Maß von Befähigung, das er für seinen Wirkungskreis mübringt, und vor allem der Geist, in dem er seinen Beruf erfüllt. Der in amtlicher Stellung befindlichen Staatslenker Aufgabe ist es, gegenüber den hetzerischen Stimmen des Auslandes sowohl wie gegenüber den vielen verhängnisvollen Strömungen, die unser innerpolitisches Leben zerrütten, überall der Ueberzeugung fest gegründeten Boden zu verschaffen und in jedem einzelnen die Zuversicht aufs neue wachzurufen, daß unserem Vaterlande die machtvolle Stellung, die ihm nach langer Ohnmacht und Zersplitterung durch einmütiges Zusammenstehen der Volksgenossen mit schweren unb blutigen Opfern errungen ist, durch den gleichen Geist erhalten wird, der in der Stunde der Geburt des Deutschen Reiches die Nation beseelte. Nicht oberflächlicher Optimismus, nicht oratorische Schön- särberei, überschwängliche Freundlichkeit und aufdringliche Höflichkeit, sondern Krastentfaltung nach allen Seiten und Stetigkeit, nicht glatte, gleißende, in zierlichen Wortfügungen sich gefallende äußerliche Routine können Gewaltiges schaffen und ihm Dauer verbürgen, sondern jener Geist, der uns aus der Pfingstbotschaft entgegenklingt, einzig der mannhafte Mut der eigenen Ueberzeugung, der hoffnungsfreudige Mut der klugen Tat, und der von Paulus in seinem 2. Korrmther- briefe ausgesprochene Gedanke, der noch in jeder großen Leistung, in jeder gewaltigen Entwickelung menschlichen Könnens seine Triumphe gefeiert hat: Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig. polififdtc Lagesdcba«. Da8 neue Exerzierreglement. Die Kaiserliche KabmetSordre, welche die endgiltige Einführung deS bei uns in Gießen zuerst erprobten neuen Exerzierreglements in der Armee befiehlt, ist, wie man UNS meldet, am 29. Mai auf dem Truppenübungsplatz Döbentz ergangen. Ein Entwurf zum neuen Reglement, der von der Kommission unter dem Präsidium deS kommandierenden Generals des 14. Armeekorps, Exzellenz von ^ock u. Polach, festgestellt unb vom Kaiser genehmigt worden war, befand sich seit einigen Wochen in den Händen der Garde-Jnsanterie-Truppenteile. Dieser Entwurf hat letzthin nur einige unbedeutende redaktionelle Aenderungen erfahren. Der Kaiser exerzierte am 29. Mai die von ihm als Kronprinz geführte 2. Garde-Jnfantene-Brigade zum ersten Rial nach den neu eingesührten Bestimmungen selbst im Feuer. In einer Ansprache an die Offiziere der Brigade mies er darauf hin, daß rbad neue Reglement bei striktem Wegfall aller starren Formen aber der Aufrecht- erhaltling der strammsten £ sziplin einen großen Fortschritt in der Schlagfertigkeit des Heeres bedeute'. Als militärisch-geschichtliches Sluiiojum darf bezeichnet werden, daß genau 18 Jahre, nachdem zum ersten Male eine preußische Truppe vor ihrem Kaiserlichen Kriegsherrn — am 29. Mai 1888 vor Kaiser Friedrich III. — einen Vorbeimarsch (in der Kompagniekolonne mit Gewehr über) nach dem damals in der Bearbeitung besindlichen, schon stark vereinfachten und geänderten Reglement auSgeführt hatte, wieder dieselbe Truppe — die 2. Garde-Jnfantcrie-BrigLde! (Kaiserbrigade) nach dem jetzt eingeführten Reglement zuerst vor ihrem obersten Chef und Kriegsherrn defilieren konnte. „Corned beeft'. Die Entrüstung über geradezu verbrecherische Unsauberkeit in den technischen Betrieben des ameri- kanischen Fl Lis ch tru ste s ist allgemein, und blc Agrarier säimttn nicht, ihre Bemühungen um das Verbot der Einfuhr von amerikanischem Büchsenfleisch besonders ins Licht zu stellen. Nun, der gute Glaube kann den Parteien, die im Interesse der Volksernährung die Erschwerung der Einfuhr transatlantischer Fleischkonserven bekämpften, trotzdem nicht abgesprochen werden. Für die Amerikaner selbst ist ja die Aufdeckung der unerhörten Machenschaften des Trustes eine satäle Ueberraschung. Es gehörte die ganze Energie eines Roosevelt dazu, die skrupellosen Grüßen des Trustes an den Pranger zu stellen. Der Präsident setzt ich um der nationalen Ehre willen der bittersten Fernd- chaft des mächtigen Großkapitals aus Grund genug ür die Kritiker, bei diesem Fleischtrust-Skandal nicht zu verallgemeinern, sondern h^ervorzuheben, daß es in der Union noch anständige Leute gibt, die am Ende auch unter den Konservensabrikanten sich vorfinden dürften. Sie werden freilich mit den Schuldigen leiden müssen, beim der Rückgang oder gar das Ausbleiben der Auslandsaufträge auf amerikanische Fleisch ton ser den halt zweifellos an, bis das von Roosevelt erstrebte scharfe Fleischbeschaugesetz in Kraft tritt, das der Trust im Kongreß zu Fall bringen möchte. Amerikcmichses Büchsenfleifch wird bekanntlich auch rn der deutschen Marine in großen Mengen verbraucht, insbesondere auf den im Ausland befindlichen Schiffen. Von wagte und in Heinrich Laube einen starken Förderer fernes Talentes sand, feierte am 21. Mai das 50jährige Jubiläen seiner Bühnenwirksamkeit am Burgtheater in Wien. Kaiser Franz Josef hat dem Künstler aus diesem Anlaß das Komturkreuz des Franz Josef-Ordens verliehen, die höchste Auszeichnung, die jemals ein Hostheatermitglied erhielt. Das Sonnenthal-Jubikänni gestaltete fich zu einer Kundgebung ohnegleichen. Gespielt wurde „Nathan der Weise". Natürlich hatten die Galeriebesucher schon in der Nacht vorher Aufstellung vor der Lasse genommen. Sitzplcche waren seit Tagen nur mit hohem Agio zu haben. Das Haus bot einen Anblick, wie kaum je vorher. Alle Logen waren überfüllt, das Publikuni in Festkleidern. Schon bei seinem Erscheinen wurde Sonuenthal mit Llpplaus überschüttet, der bei jeder möglichen Gelegenheit von neuem eiusetzte. Nach der Parabel vou den drei Ringen tobte ein Sturm durch das Haus, von dem man glaubte, daß er nicht mehr überboten werden könne, und doch gelang auch das. Nach dem Fallen des Vorhangs wurde Sonuenthal her vor gejubelt. Niemand hatte das Haus verlassen und Stille wurde geboten. Mit von Schluchzen halberstickter Stimme dankte nun Sonnenthal den Wienern, dem Kaiser, der Presse, seinen Direktoren und Kameraden, gedachte der Dahingegangenen und der Tradition des Burgtheaters, die gewahrt zu haben, sein einziges Derdienst sei. — Aks er geendet hatte, erhob sich das ganze .Haus. Aus allen Logen wurde mit den Tüchern gewinkt," und unzahligemal mußte der Jubilar vor den Vorhang. Es wich und wankte niemand. Die Erzherzoginnen blieben auf ilpxn Plätzen und klatschten ohne Ende. Endlich wurde der eiserne Vorhang niedergelassen und damit der Kundgebung im Hause ein Ende gemacht. Tann stürmten die Enthusiasten ui hellen Haufen aus die Straße, wo sie Spalier bildeten. — Auch das neue Frankfurter Residenz- Theater der .Herren Lasse und Neher-Bionot, welches zur Pflege literarischer "Novitäten versuchsweise errichret wurde, gibt seine Bestrebungen wieder auf und löst sich auf, weil die Teilnahme des Publikums ausblieb. Das Unternehmen brachte gute Vorstellungen heraus, zuletzt noch eine Aufführung des Strmöbergschen „Fräulein Julie" mit Frl. Agnes Meprecht vom Berliner Schillertheater. Da aber das Repertoire sich fast durchweg auf die Verstimmungs- liternhrr stützte, die grau in grau malt, im Mai aber das Publikum darauf nicht entging, so mußte das Unternehmen versagen. — Man teilt uns mit, daß für das Schauspielfach ernt koburg-gothaischen Hoftheater Frl. J^ Bauer aus Frankfurt, Tochter des dortigen Schauspielers Arthur Bauer, bisher am Wiener Rmumnd-Theater, engagiert worden. — „Die Diva und Anders. Von Rudolf P r e s b e r. Sechste vermehrte Auflage. Concordia Deutsche Verlagsanstalt, Hermann Ehbock in Berlin W. 50. Preis g^h. 3 Mk. Von Rudolf Presber, dessen keckes, kokettes und amüsantes Buch von „Leutchen, die ich lieb getoann" nach dem Ausweis des Buchhandels zu den meistverlangten Neuerscheinungen dieses Jahres gehört, ist soeben „Die Diva und Andere" in sechster, vernvehrter Auflage erschienen. Alle Vormge einer humorvollen Erzählungskunst finden fich in diesem Buche in bunter Fülle wieder. Die gesunde Fröhlichkeit des Frankfurter Weltkindes und eine herzliche Liebe zu all den sonderbaren Schwärmern, deren menschliche Sck)wachen er aufdeckt, mischen sich in diesem Buch reich uno glücklich, daß es im dankbaren Leser das fröhlichste Behagen zurückläßt. Wien, 31.Mai. Der Internationale Verband der Akademien der^Wissenschaften trat heute in die Beratung der Vorschläge der Londoner Akademie ein, die Sonnen- und Mondforschung der Generalversammlung zur Annahme zu empfehlen. Geheimrat Waldeyer berichtete über den Stand der Gehirnforschung. Die Wiener Professoren Schroeder und Karabacek teilten mit, daß die beiden großen Unkeruehmungen, die Herausgabe des Mahabharala und einer Enchklopädie des Islam, finanziell gesichert sind. hesnndyeitsschaLNchen Wirkungen ist %*nxir bisher nichts be- Lrnnt geworden, aber die Marineverwaltnng wird sich Wohl gedrungen fühlen, den in Frage kommenden Schiffskommandanten die peinlichste Kontrolle des amerikanischen Büchsenfleisches zur Pflicht zu machen, denn für die Verproviantierung der Auslandsschiffe ist dieses Fleisch, Ivie es heißt, nicht vöMg entbehrlich. Für die spätere Han dels- politische Stellung Deutschlands zu Amerika konunt übrigens dieser Fleischtrust-Skandal ganz gelegen, denn er berechtigt Deutschland zu umso vorsichtigerer Wahrung seiner Interessen. Gegenüber Leuten vom Schlage der „Bees-Barone" ändert sich unter Umständen sehr schnell die 'Bereitwilligkeit zu zollpolitischen Konzessionen. — Das stenographische Protokoll über die denkwürdige Reichstagssitzung, in der das Reichskolonialamt zu Fall kam, liegt nunmehr vor. Die namentliche Abstimmung über das Kolonialamt ergibt von der Abstimmung der Nationalliberalen folgendes Bild: Ja 39: Barwinkel, Bartling, Basiermann, Beck (Heidelberg), Dr. B e ck e r (Hessen), Blankenhorn, Böttger, Boltz, Buchsieb, Büsing, Depken, Günter, Hagemann, Hagen, Held, Heyligenstaedt, Hieber, Hosang, Jorns, Krämer, Lehmann, Leineweber, Lichtenberger, Dr. LucaS, Müller (Bretten), Neuner, Graf Oriola, Ortel, Paasche, Patzig, Rimpau, Schellhorn, Schlumberger, Schmidt (Kaiserslautern), Schmidt (Wanzleben), Semler, Dr. Wal lau, Wamhoff, Westermann. Beurlaubt 3: Sieg, v. Kaufmann, Dr. Sattler. Gefehlt 10: Bahn, Beumer, Prinz Schänaich-Carolath, Haas, Hausmann, Frhr. v. Hey l, Horn (Goslar), Mattsen, Wessel. Aas parlamentarische Rußland. Petersburg, 1. Juni. Die Sitzung der Reichsduma wurde eröffnet unter Lern Vorsitze des Fürsten Dokgorucky. Im Laufe der Beratung über die Agrarfrage führte Fürst Lwow aus, der der Reichsduma vorgekcgte Entwurf sehe dieselbe bureaukratische Willkürherrschaft vor, unter der Rußland so sehr gelitten habe. Wenn der Entwurf unter Außerachtlassung der tatsächlichen Verhältnisse verwirklicht werde, so sei es unmöglich, das ganze Land im Sinne der von Petersburg ausgegebenen Richtung zu reformieren. Prof. L o k o t, Vertreter der Arbeiterpartei, verlangt in sehr langer Rede, daß alle Ländereien unter die Bauern verteilt werden sollten; die erste Reichsduma werde die Agrarfrage nicht losen können, aber sie müsse tun, was in ihren Kräften stehe. Baron Ropp, Erzbischof von Wilna, führt aus, der Agrargesetzentwurf könne unerfüllbare Hoffnungen im Volke erwecken und einen Bürgerkrieg in jedem Dorfe Hervorrufen. Man müsse vermeiden, daß die Duma in eine Versammlung von mehreren hundert Autokraten ausarte, welche die Rechte der Minorität verletzen. Die zwangsweise Enteignung von Ländereien, die Schaffung von staatlichem Grundeigentum zur Verteilung von Ländereien an die Bauern würde eine unverzeihliche Gewalttätigkeit darstellen. Nasarenko (Bauernpartei) halt eine heftige Rede, in der er alle Debatten für unnütz erklärt. Die Frage werde durch die Bauern selbst gelöst werden, für die das Land denselben Wert besitze, wie für die Kinoer der Busen der Mutter. Der Redner bestreitet jedes Eigentumsrecht an Land, auf Grund dessen die Vereinigung eines ungeheuren Landbesitzes in den Händen einer einzigen Person möglich sei, und fordert die Dunta auf, ihre Debatten einzustellen und eine Kommission von 33 Mitgliedern mit der Ausarbeitung eines Gesetzentwurfes zu beauftragen, sonst Würben die Bauern die Frage nach ihrem Gutdünken lösen. Tann werde es zu spät sein, das Uebel wieder gut zu machen. Ackerbauminister Stischinsky bezeichnete das Projekt als undurchführbar und versprach einen Gesetzentwurf des Ministeriums vorzulegen, in dem Vorschläge gemacht werden sollen, wie das Los der Bauern mit Hilfe der Bauernbank zu verbessern sei. Der Gehilfe des Ministers des Innern, Gur ko, sucht zu beweisen, der Entwurf der Duma würde die Bauern der Verarnrung preisgeben. Es sei unmöglich, sich auf ihn einzulassen. Man müsse entweder die Unverletzlichkeit desEigentums anerkennen, oder anerkennen, daß das Land ein Geschenk Gottes und zu gleichen Teilen an alle zu verteilen sei. Bei diesen Worten erhob sich ein dumpfer Lärm des Mißfallens im Saale und zwang den Präsidenten, die Glocke zu gebrauchen. Die Bauern forderten den Moskauer Prof. Herzenste in auf, zu antworten. Dieser wendete sich in einer lebhaften Rede gegen die Minister und verspottete ihre Berechnungen. Seine Rede wurde vielfach durch lärmende Beifallskundgebungen unterbrochen. Es hatten sich mehr als 130 Redner zum Worte gemeldet! * Die Arbeiterpartei der Reichsduma erließ einen Aufruf an die gesamte Arbeiterschaft Rußlands, in welchem mitgeteilt wird, daß die Arbeitergruppe, da sic sich davon überzeugt habe, daß ihre weitere Mitwirkung in der Duma nutzlos sei, beschlossen habe, die Duma zu verlossen. Gleichzeitig werden die Arbeiter zu Ma!ssenknn d g eb - ungen aufgefordert. Die Stimmung unter der Arbeiterschaft ist äußerst erregt und es haben bereits in Petersburg, Odessa und Helsingfors höchst gefährliche Streiks begonnen. Präsident Muromzew ist durch die Geschicklichkeit, mit welcher er die Duma leitet, persona grata beim Zaren geworden. Sein Rat und sein Einfluß ist größer als der Tcepows und der ganzen reaktionären Partei. * Helsingfors, 31. Mai. Heute fand im kaiserlichen Palast ein Festempfang statt zu Ehren der Mitglieder des außerordentlichen Landtages. Ter Generalgouverneur richtete an die Abgeordneten eine Ansprache. Die Verleihung des Wahlrechts an die Frauen beweise die hohe Stufe der geistigen und sozialen Zustände des Landes, welches im öffentlichen Bewußtsein das Ansehen der Gattin und Mutter auf oie ihr gebührende Höhe gehoben habe. General Lutochin aus Tschita im Transbaikalgebiet gibt eine Schilderung von Schreckensszenen, die sich in Tschita zuaetragen haben. Hunderte von An geschuldigt en wurden ohne Gerichtsverfahren standrechtlich erschossen, Hunderte von Aufrührern vom Kriegsgericht zum Tode durch den Strang verurteilt. Ein Geistlicher mit seinen zwei Söhnen wurde in der Nähe der Station Sembori ergriffen, uitb alle drei wurden auf den nächsten Telegrgphenstangerr kurzweg aus geknüpft. Ausland. Paris, 1. Juni. Die Kammer wählte Brisson zu ihrem Präsidenten. Die Rede Brisions, in welcher erden glänzenden Sieg der Republikaner bei den Wahlen feierte und erklärte, die Kammer muffe nur mehr reformatorisch wirken, damit mehr Brüderlichkeit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit herrsche, fand großen Beifall. Zu Vizepräsidenten wurde der sozialistisch Radikale Rabier und der frühere Finanzminister Caillaux, Obmann der demokratischen Union, gewählt. Wien, 1. Juni. Es ist gelungen, einen Modus zu finden, der den Tschechen den Eintritt in das Kabinett ermöglicht, das nunmehr unter dem Ministerpräsidenten Baron Beck gebildet erscheint. Die Tschechen entsenden Dr. Pacak als Landsmannminister. Als Handelsminister tritt der Sektionschef im Eiscnbahnministerium Dr. Forscht ein, der bis vor kurzem tschechischer Abgeordneter war. Die Polen entsenden den Grafen Dzieduszycki als Landsmannminister. Von Parlamentariern wird der Obmann der deutschen Fortschrittspartei und Rektor der Hochschule für Bodenkultur March et Unterrichtsminister, der Obmann der deutschen Volkspartei Derschatta Eisenbahnminister, Pra de, ebenfalls deutsche Volkspariei, deutscher Landsmannminister. Zum Minister des Innern wird der bisherige Leiter des Unterrichtsministeriums Bienorth, zum Ackerbaumeistcr der bisherige Leiter des Handelsministeriums Graf Auersperg, zum Justizminister der bisherige Justizleiter Klein ernannt. Feldzeugmeister Schönaich bleibt Landesverteidi- gungsminister._________________________________________________ Revision des Religionsunterrichtes in den hessischen Rolksschulen. Die Supcrintendentur-Konferenz der evang. Geistlichen der Provinz Starkenburg, welche vergangene Woche in Darmstadt unter dem Vorsitz des Superintendenten Dr. Flöring stattfand, verhandelte über die Auswahl 'und Verteilung des Stoffes für den evang. Religionsunterricht in der Volksschule. In welchem Sinne auf dieser Konferenz der Verfiich einer zeitgemäßen und wohl von weitesten Volkskreisen als dringend notwendig erkannten Reform des Religionsunterrichts erörtert wurde, geben uns die vorliegenden Leitsätze und ein Stoffverteilungsentwurf des Referenten an die Hand, wovon folgendes mitgeteilt sei: Tie seitherige Auswahl hat den Religionsunterricht mit einer allzu großen Stofffülle belastet. Diese ist beseitigen a) bei den geschichtlichen Stoffen hauptsächlich durch Verzicht auf zu häufige, auch die Wirksamkeit des Unterrichts beeinträchtigende Wiederholungen, sowie aus manche oüteftnment- liche Geschichten, ferner durch knappere Fassung mancher Geschichten und Unterscheidung von Geschichten 1. imb 2. Ranges, welch letztere des Zusammenhangs wegen kurz zu behandeln sind; b) bei den erbaulichen Stoffen durch den Bruch mit der Gewohnheit, von allen Liedern sämtliche Strophen memorieren zu lassen; c) bei den lehrhaften Stoffen einmal durch eine Behandlung des Katechismus, welche im wesentlichen die Erklärung Luthers zur Geltung bringt und davon absieht, in denselben ein vollständiges Lehrsystem hinein zu bauen, zum anderen durch B e- schränkunq des Memorier st offes aus das wirklich Itn- entbehrliche, nämlich auf die drei Hauptstücke und etwa 2 0 0 (ist das nicht auch noch reichlich viel? D. Red.1 sorgfältig ausgewählte Bibelsprüche, also unter Ausscheidung der Hess. Fragestücke als entbehrlicher und zum Teil verwirrender Dubletten und aller in den Kinderkatechisnn's später eingetragenen theologischen Definitionen und Formulierungen. Die neue, knappere Stofsarrswahl soll nicht nur eine positiv eindringendere und gründlichere Behandlung namentlich der wertvollsten, religiös-sittlich-fruchtbaren Stoffe (Propheten, Psalmen, Bergpredigt, Gleichniffe usw.) ermöglichen, sondern zugleich auch für die Vorführung des Lebens Jesu auf Grund von Bibellesen und für die Heratlziehung einiger seither nicht imd) Gebühr berücksichtigter Stoffe Raum schaffen, die Person und das Evangelium Jesu in den Mi tt e lv u n kt des Unterrichts rüden, und zur Einführung der Kinder in die Bibel selbst dadurch anleiten, daß sie den geschichtlichen Stoff nur für das L—6. Schuljahr in dem Hilfsbuch der biblischen Geschichte darbietet und im 7. und 8. Schuljahr nicht mehr b i b I. Geschichtsunterricht, sondern Bibellesen fordert. Die Verteilung des Stoffes aus die einzelnen Schuljahre hat in berjöcffc zu erfolgen, daß die lebendige Anschauungen ermöglichenden geschichtlichen Stoffe überall die Grundlage des Religionsunterrichts bilden. Die einzelnen Geschichten sind nicht nach dem Prinzip der konzentrischen Kreise anzuordnen, sondern bei aller Rücksichtnahme auf die Fassungskraft der Kinder möglichst in ihrem Zusammenhang zu belassen und in historischer Reihenfolge darzubieten, grundsätzlich n u r einmal eingehend zu behandeln, aber teils gelegentlich, teils zusammen mit den Geschichten derselben Periode noch einmal in großen Zügen zu wiederholen. Die lehrhaften Stoffe (Katechismusnnterrichr) des 5. Schuljahres werden am besten an die geschichtlichen Stoffe angeschlossen ; die des 6. bis 8. Schuljahres müssen zwar stets in Beziehung zu den geschichtlichen Stoffen gesetzt werden, sind aber für sich allein zu behandeln. Die erbaulichen Stoffe können teils den geschichtlichen, teils ben lehrhaften Stoffen angegliebert, teils an bas Kirchenjahr angeschlossen werben. Eine Neubearbeitung bes Hilfsbuchs bet bibl. Geschichte, die Aufstellung eines dem Bibellesen zu Grunde zu legenden Leseplans, eine Revision des Spruch buchs und ganzen M e m o r r st o f f s, Stoffverteilungen für ein-, zwei-, drei- und vierklafsige Schulen mit scharf von einander abgegrenzten Jahresvensen sind dringend notwendig. Die Einführung einer guten Schulbibel (bibl. Lesebuchs) ist anzustreben. Die Konferenz richtete an daS Großh. Oberkonsistorium die Bitte, eim aus Theologen der verschiedenen Richtungen und Schulmännern zu bildende Kommission mit diesen Vorarbeiten für eine maßvolle Reform des Religionsunterrichts zu betrauen. Wir begrüßen diesen ersten Versuch einer Religionsunterrichtsreform und können nur wünschen, daß die Kommission zu einem Ergebnis gelangt, mit dem sich alle Anhänger der modernen Theologie einverstanden erklären können. Der heutige übergroße und verwirrende Ballast an religiösem Memorirstoff unterbindet schon in den werdenden Geistern der jungen Generation die natürliche Entwickelung religiösen Gefühls und religiöser Erkenntnisse in bedenklicher Weise. Jede vernünftige Reform kann also nur von Vorteil für die Entfaltung der Volksseele sein. Aus StaOt uns Luns. Gießen, den 2. Juni, ** Z u König l. Preußischen Lotterie-Einnehmern für Gießen wurden ernannt: Richard Buchacker, Ernst Legler, Fritz Flimm. Die Lose zu der am 9. und 10. Juli stattfindenden 1. Klasse der 215. Lotterie sind am 1. Juni zur Ausgabe gelangt. Die Preußische Klaffen-Lotterie hat 5 Klassen, sodaß monatlich eine Klaffe acioaen wird. P. A. 26. Lahntal-Sängerb undeSfest. Auf dem Festplatz (OswaldSgarten) ist man jetzt beschäftigt, die Bier- Hallen, die von der Festleitung in eigener Regie erbaut werden, zu errichten. Dadurch, daß sie auf die höher gelegene Nordanlage gestellt werden und erhöhte Vorbauten bekommen, ist dem Festbesucher eine bequeme und schöne Sitzgelegenheit geboten. Daneben ist auf dem Platz selbst für größere Unterhaltung gesorgt. Wer aber mehr vom Lahntal- Sängerbund hören will, kann am Festsonntag Vormittag in der Turnhalle des Turnvereins oder am Nachmittag in der Festhalle den Wettgesängen lauschen. = Alten-Buseck, 1. Juni. Sonntag, 10. Juni feiern der Landwirt Philipp Freund I dahier und seine Ehefrau Suffe geb. Wagenbach das seltene Fest dergoldenenHoch- zeit. Der Jubilar, der 71 Jahre alt ist und die Jubilarin die im 74. Lebensjahre steht, sind noch geistig und körperlich rüstig. Möge es dem greisen Paar gegönnt sein, noch lange Jahre im Kreise seiner Angehörigen zu verleben. (?) Butzbach, 1. Juni. Als Aufführungstage des Festspiels sind der 10., 13., 17., 20., 24. und 27. Juni vorgesehen. Karten und Textbücher werden im Vorverkäufe abgegeben und zwar in Butzbach in der Buchhandlung Weick- hardt, Bad-Nauheim: Filiale Braubach u. Fischer (Ecke Kur- und Fürstenstraße), Friedberg; Braubach u. Fischer (Raffer- straße 63), Frankfurt: Schirmfabrikant Klippel (Bleiden- straße 35), Gießen: Braubach u. Fischer (Neuenweg 4) und in Wetzlar in der Schnitzler'schen Buchhandlung. Der Beginn der Aufführungen, die im Hessischen Hof-Saale stattfinden, ist um 7 Uhr abends, Ende gegen 9 Uhr, am 17. Juni Beginn 6 Uhr. = Bad Nauheim, 1. Juni. Bis zum 31. Mm sind 7 5 40 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 5420 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 31. Mai 1906 ---- 74 695 abgegeben. o. Lauterbach, 1. Juni. Während der im Laufe dieses Sommers stattfindenden Renovierung der evangelischen Kirche wird der Gottesdienst in dem Konfirmandensaale abgehalten werden. — Ein 17 jähriger Bäckergeselle spielte mit einem Revolver, wobei ein Schuß los- und dem Spielenden durch die Hand ging. — Der Neubau der Molkerei, der seinen Platz in der Nähe des Hauptbahnhofes gefunden hat, schreitet seiner Fertigstellung entgegen; der Betrieb soll noch in diesem Jahre ausgenommen werden. E. B. Darmstadt, 1. Juni. Stadtbaumeister Baurat Frenay, der heute nachmittag einer Ausschußsitzung im Stadthaus in der Rheinstraße beiwohnte, wurde von einem Schlaganfall getroffen. Er wurde mittels eines telephonisch herbeigerufenen KrankentranSportwagenS in seine Wohnung geschafft. Der Zustand des so jäh mitten aus seiner Amtstätigkeit herausgeriffenen Beamten wird als sehr ernst bezeichnet. fc. Mainz, 1. Juni. Am Bingerschlag wurde gestern das 7jährige Söhnchen des Bahnsteigschaffners Andres, der am 1. April erst von Germersheim nach hier versetzt worden, von dem Automobil des Rentners Kröll überfahren und schwer am Kopfe verletzt. Lebensgefahr ist ausgeschlossen. Kröll ist erst vor 14 Tagen wegen fahrlässiger Tötung eines Menschen beim Automobilfahren zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt worden. X WormS, 31. Mai. Das 27. Kirchengesangverein Sfe st des evangelischen Kirchengesangvereins für Hessen fand am letzten Sonntag hier statt. 32 Vereine waren dabei vertreten, darunter auS Oberhessen der Gießener Verein. Nach dem in der Hauptversammlung erstatteten Jahresbericht sind 17 Vereine neu gegründet worden (in Oberhessen Engelrod, Ulrichstein, Lauzenhain und Kirtorf) und 3 emgegangen (darunter Gelnhaar). Im ganzen sind dem Hauptverein 127 Vereine (30 in Oberheffen) und 10 Chorschulen an- geschlossen. Die Jahresrechnung schloß mit 2499,43 Mark Einnahmen und 2297,25 Mark Ausgabe;; ab; daS Vermögen stieg von 4208,51 Mark auf 4672,01 Mark. An die Hauptversammlung schloß sich ein gemeinsames Mittagessen an und am Nachmittag fand in der Dreifaltigkeitskirche ein Fest- gottesdienst statt, in dem Professor März von Alzey die Festansprache hielt. An dem gesanglichen Teil beteiligten sich unter Professor Mendelsohns Leitung 10 Vereine mit über 300 Sängern. Den Abschluß des Festes bildete eine gut besuchte Nachversammlung im Festhaus. fc Frankfurt a. M., 1. Juni. Der Bezirksfeldwebel Sp ritzky vom hiesigen Hauptmeldeamt wurde an der Straßenkreuzung Bethmannstraße — Großer Kornmarkt von der in schnellem Tempo fahrenden Droschke 322 angerannt und überfahren. Durch Huftritte erlitt der Bezirksfeldwebel schwere Verletzungen am Kopfe. Das eine Auge trat au§ der Augenhöhle heraus und ist verloren. In bewußtlosem Zustande wurde der Unglückliche in das Lazarett gebracht. Verimischtes. * Berlin, 1. Juni. In der vergangenen Nacht wurde aus dem hiesigen Zeuahause ein türkischer Ni s h anJmitaz-O rd en mit Brillanten ge st oh-len. Der Orden ist ein achtstrahliger goldener Stern mit großen Brillanten, in der Mitte den Namenszug des Sultans tragend. Die gleichfalls gestohlene, dem Orden affigierte Medaille ist ein kleiner Stern mit 18 kleinen Brillanten, der an einem rotgrünen Bande hing. Für Mitteilungen welche zur Ermittelung des Diebes oder zur Wiedererlangung des gestohlenen Gutes beitragen, sind 1000 Mk. Belohnung ausgesetzt. * Bertha Krupp, die älteste Tochter des verstorbenen Wirkt. Geh.-Rats Knipp in Essen, hat sich mit dem Lega- üonsrat Gustav von Bohlen und Halbach, Legationssekretär bei der preußischen Gesandtschaft am päpstlichen Stuhl, verlobt. (Bertha Krupp erbte beim Tode ihres Vaters 125 Millionen. Seitdem dürfte sich ihr Vermögen noch wesentlich vergrößert haben. D. Red.) Der Bräutigam ist 1870 im Haag geboren, hat das Gymnasium in Karlsruhe besticht und auf den Universitäten Lausanne, Straßburg und Heidelberg studiert. Von 1899—1900 war er Legationssekretär bei der Botschaft in Washington, von 1900 bis 1903 bei der Gesandtschaft in Peking, seit 1904 ist er Legationsrat bei der preußischen Gesandtschaft beim päpstlichen Stuhl. Der glückliche Bräutigam ist auch badischer Kammerjunker und Oberleutnant der Reserve bei dem 2. badischen Dragonerregiment Nr. 21 in Bruchsal. Zu vermieten | 7 Zimmer | Asterweg 9 ist der dritte Stock, bestehend aus 7 Zimmern nebst Zubehör, aus 1. Juli anderweit zu Denn. Näheres bei der Bürqer- meisterei, Zimnier Nr. 15. |B'*/6 Nord-Aulage 7 ist Bet-Etage mit 7 Zimmern, 2 Kammern und allem Zubehör per Oktober zu vermieten. Näheres Frankfurter Straße 29._______________ 3448 | & Zimmer | 6-ZtNimerwohuimg m. Badez., Gas- u. all.Zubeh. f.i.Juli zu verm. 3401s Grünberger Strane 3. Wohng. m schön. Lage, Beletage, 6 Zimmer, Badez. u. Veranda, neu herger., auf 1. Juli zu verm. Näheres Licbigstr.62,p. 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