156» Jahrg Nr. 13 General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. flascht d dnctenc Rotationsdruck und Vertag der Brüh lachen UnwerftlLtSdruckerei. 9L Lange, Gießen. Redaktion. Expedition u.Druckerei: Schulftr.?. Tel. Nr. GL Telegr.-Adr.: Anzeiger Gieß«. den Divisionskommandeur berufene Ehrengericht hat sich dahin ausgesprochen, daß der Leutnant Fttdhaus, weil er es abgelehnt hat, für eine ihm zugefügte Belei'igung die entsprechende Genugtuung zu fordern, für schuldig der Verletzung der Standesehre zu erachten und Aiit schlichtem Abschied zu entlassen ist. S. M. der Kaiser hat darauf mittels Ordre vom 6. September 1905 entschieden: der Leutnant Feldhaus wird mit schlichtem Abschied entlassen. (Hört, hört!) Die Gründe, welche da§ Ehrengericht bewogen haben, diesen Spruch zu fällen, kann ich im einzelnen nicht anführen, weil sie ihrer ganzen Natur nach geheim sind und nicht zur Verfügung gestellt werden. Aber aus den Mten kann ich doch A Muh ö hingen an den vcrsiorb. elfter Johann Reitz in im hat, wolle dies bis lk an den Unterzeichneten n i Keller, boctelfwit. Erscheint tiigUch mit Ausnahme des Sonntags. Die ^Siebener ZamtllendtStter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich betgelegt. Der ^ejstfche Landwirt*' erscheint monatlich einmal. Kriegsminister von Einem: Ehe ich auf den vom Vorredner dargelegten Fall eingehc, will ich Ihnen die Worte ins Gedächtnis zurückrufen, die der Kaiser Wilhelm I. am 2. Mai 1874 gesprochen hat. Er sagte damals: „@ine ehrengerichtliche Untersuchung muß insbesondere , in dem immerhin möglichen Fall eintrcten, wenn ein Offizier in frevelhafter Weise einem Kameraden ohne scde Veranlassung eine schwere Beleidigung zufügt. Tenn einen Offizier, der im stände ist, einem anderen in frevelhafter Weise eine schwere Beleidigung zuzufügen, werde ich ebensowenig in meinem Heere dulden, wie einen Offizier, welcher seine Ehre nicht zu wahren weiß!" Diese Allerhöchsten Worte sind die Richtschnur, welche stets in unserer Armee inne- gehalten worden ist: die gleiche herrscht übrigens auch in der oitcr- reichischen und in der französischen Armee, welche auf der,clbeu Grundlage der allgemeinen Wehrpflicht ruhen WaS den Fall selbst betrifft, so steht fest, daß eine fchwerc Beleidigung gegen den Leutnant Feldhcms Vorgelegen hat. DaS durch J Wagen 5 hi waschen u, binjTJT uner eit. *15, !adchenv.answ.,i.Nab Stelle b.M!' -iian.«ai,diiiamislr,i2. Mädchen sucht Liclle nadaien. üicrten 011 k> vulda, veinrici> _ M >"'ge bess. i'<äbd)en m. iv. peri, im Kochen u. . loro. ein. KinderfrSul. Herr, Soiniensn.6. liegt F SÄ tt’t r . Bei allen Duevdebatten hier war meine Parier darrn emrg, daß es wünschenswert und notwendig sei, die Duelle nwglichst ein- zuschränken. Ueber die prinzipielle Frage der Berechtigung deS Duells in einzelnen schweren Fällen gingen die Anschauungen der Parteien auseinander. Ich glaube nicht, daß die heutigen Verhandlungen an dieser prinzipiellen Stellungnahme ^twr^ andern Werden. Allerdings kann der heutige Fall bei anders das Verlangen nach einer Regelung wachrufen Zweierlei ist da ut dw Augen sprinoend: Tas eine ist die Hobe Gcldfrrafe, die Herr Goebel be kommen bat. Ein solches Urteil ist in der Tat em weiß« Rchbe, denn unsere Gerichte sind sonst in BeleidigunMagen mit den Strafen doch recht schüchtern. Das zweite ntbie Lucke, die erscheint, wenn nian die Bestimmungen, die für die Offiziere Geltung baten? auf diesen Fall antvendet. Die Offiziere aeceptieren der- Spruch des Ehrenrats obne weiteres. Ware der Gegner te§ Offizier, so wäre der Ausgleich zweifellos erfolgt. . Das wirst in der Tat die Frage auf, ob rüer nicht eine Lucke m unseren bestehenden Organisationen vorhanden ist, und die Henerkett vorha bei der Ausführung des .Kriegsministers war ganz unberechtigt. Der Kriegsminister ist garnicht in der Lage, rn das Zerfahren eir^ zugreifen. Die Ehrengerichte irrteilen unabhängig, und der Spruch unterliegt lediglich der Bestätigung des allerhöchsten Kriegsherrn. Im großen und ganzen können wir den Spruch der Offiziere in Ehrensachen annehmcn. Was den Standpunkt unserer tfTafhon anlangt, so verweise ich auf die Erklärung unteres ^hrerv von Bennigsen vom 15. Februar 1896. Er hat damals ausgerubrt, daß die Duelle im Gegensatz stehen zu den bestehenden Gesetzen mrd daß das ein peinlicher, schwer zu ertragender Zustand ist. Cr har weiter ausgeführt, daß Sitte und Auffassung mancher Klassen der Bevölkerung, die weit über den Rahmen des Offiznrkorps hrnaus- gehen, in manchen Fällen die Berechtigung des Duells als solchen anerkennt, daß das Duell immer mehr abnehmon werd und daß die Meinungen mir der Feit sich ändern werden, auch m den ve- teiligten Kreisen. Die Entwicklrmg hat btqen Ausführungen Reckst gegeben. Damals schloß die Debatte ab mit der Annahme eines nationalliberalen Anstags, durch den dre verbündeten Re- gicrnngen aufgefordert wurden, mit allen ihnen zu Gebote stehen- den Mitteln dem Duellunwesen entgegenzutreten, und die Enttmck- lung ist eine befriedigende. Die heutige Misterlung des ÄrregS- ministers bestätigt das. Auch in der Zivilbevölkerung nehmen die Zweikämpfe ab. (2er Redner belegt das zahlenmäßig.) Nach der Kriminalstatistik kommt rund auf 1 Million Deutscher pro Jahr ein einziger, der wegen einer Tuellhandlung verurteilt ist. und darin sind auch die Studentenmensuren einbegriffen, die imter den Begriff des Zwcikamvfs doch überhaupt nicht fallen. Man vergleiche damit das gewaltige in die Höhe Schnellen der Verurteilungen wegen gefährlicher oder schwerer Körperverletzungen. Eine Reform ist nötig bei dem Verfahren wegen Beleidigung und beim Strafmaß. Wenn man das Verfahren vor den Schöffen- lle in X eronilöcu, '«cjqasto? ?«ih, in ituein Monier. ?’!; Qi'«'tne()inen, ÄlC1"O300 ÄL^Wrevbet. Anlatz stühercr Interpellationen ernstlich erwogen worden und wird auch jetzt im Auge behalten. Sie läßt sich aber nicht durchführen ohne eine Umgestaltung des Abschnitts des Sttafgeictz- buchs über Beleidigung und Zweikampf und ohne einen tiefen Eingriff in unser Strafsystem, insbesondere, soweit e§_ ine Festungsstrafe und die Gelbstrafe betrifft. Dies ist nur möglich im Zusaunnenhang mit der in Vorbereitung befindlichen Revl,ion des Sttafgesetzbuchs. Es darf als sicher angenommen werden, daß bei dieser Revision eine anderweitige strafrechtliche Behänd- lung der Beleidigungen und des Zweikampfs eine wichtige Frage bilden wird. Inwieweit eine solche Aenderung der Gesetzgebung eine Wandelung der zur Zeit herrschenden Ansichten über die Wahrung der verletzten Ehre bewirken wird, muß abaewartet werden. Solange der Zweikampf von weiten Kreisen anerkanntes Mittel zur Wiederherstellung der verletzten Ehre gilt, kann auch das Offizier korps in fernen Rechen lern Mitglied dulden, welches nicht bereit ist, gegebenen Falls auch mit der Waffe für seine Eh r e ein- treten. (Lebhaftes Hört, hört!. Unruhe lmA Abg Ho s fmann-Berlin ruft: Aufforderung zur Ungesetzlichkeit I) Die Allerhöchste Kabinettsordre sagt in ihrem Eingang: Ich will, daß dem Zweikampf zwischen Meinen Offizieren in höherem Maße begegnet wird, als bis jetzt. Sie hat derartig günstig gewirkt aus den Zweikampf im Heere, daß im vergangenen Jahre nur, ein einziges Duell zwischen akttven Offizieren stattgefunden hat. (Hört, hört! rechts.) Dies ist eine durchaus günstige Wirkung, über die wir uns alle nur freuen können. (Beifall rechts.) Auf Antrag des Abg. Grafen Hompesch (Ztr.) findet euu Besprechung der Interpellation statt. Abg. Himburg (kcms.): Gegenüber den Angriffen auf unser Heer kann ich nur auf da? bekannte Wort des Fürsten Bismarck hintoeisen: „Ems Dnnen uns die anderen nicht nachmachen, und das ist unser 2£unKmt- Unser Offizierkorps hat unendlich viel für Deutschlands Große ge» tan, stets hat es auf seine Ehre gehalten. Daraus kann man ihm keinen Vorwurf machen. Denn jeder Stand hat seine besondere Ehre, z. B. auch der Kaufinannsstand. Jederwcnß. wie der Offi- zier denkt, und wer anderer Meinung ist, soll nicht Offizier werden. Wegen Bagatellen findet jetzt kein Duell zwischen Offizieren statt, es wird aber nicht eher verschwinden, ete nicht für frivole Ehrvn: - letzungeii weit schärfere Strafen festgesetzt sind Und wenn Sie für Duelle die Todesstrafe festsetzen: es wird docknicht verschwinden, denn immer wird es Leute geben, denen die Eh« mehr wert ist, als das Leben. .(Beifall rechts.) Abg. Dove (fress. Dgg.): Ueber die letzten Worte des Kriegsministers habe! ich mich sehr gewundert, denn sie bedeuten Nichts anderes als: Ich billige es, daß Gesetze übertreten werden und lehne es ab, das Duell zu verbieten. Wir haben früher Maßnahmen gegen das Duell bot* geschlagen, und haben in erster Linst gefordert, .daß die custodia honesta für Duelle beseitigt wird, .^^m Wunfche hat man mcht entsprochen, wir sehen im Gegenteil, daß Strafen für Duelle nicht voll ertragen werden, sondern daß bald schon Begnadigung einttttt. Im vorliegenden Fall, meine ich, war Feldhaus tm Reime, als tt es ablchnte, sich mit dem Goebel weiter einzulassen. Wit haben doch auch ärztliche Ehrengerichte. Warum wurde dieser Fall mcht vor dieses Forum gebracht. Jedenfalls ist der jetzige Luftand unhaltbar, der Widerspruch zwischen dem Gesetz unb der Anschauung weiter Kreise kann nicht auftecht erhalten bleiben. Abg. Ballermann (nl.fi ■MESS Shiftr.3 , " ernt, Schwan Seki^itS® D.&O«'A/ Dkü'nerö^' »cttis.s«"" -ß-SE iliam" Parlamentarssche Perhaudtungcn. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Reichstcrg. 20. Sitzung vom 15. Januar. 1 Uhr. Das Haus ist s e h r s ch w a ch besetzt. Am Bundesratstisch: v. Einem u. a. Auf der Tagesordnung steht zunächst die dritte Beratung des am 17. Dezember 1904 im Haag unterzeichneten Ni e d er- l a s s i, n g s v e r t r a g e s zwischen dem Deutschen Reiche und den Niederlanden. Der Vertrag wird ohne Debatte endgültig angenommen. Hieraus tritt das Haus in die dritte Beratung dcS Vertrages mit der Schweiz vom 16. August 1905 über die Errichtung deutscher Zollabfertigungsstellen auf den linksrheinischen Bahnhöfen in Basel. Auch dieser Vertrag wird ohne Debatte definitiv genehmigt. Es folgt die Interpellation der Abgg. Roeren (Ztr.) und Genossen: ,Jst dem Reichskanzler bekannt, daß der Leutnant der Landwehr-Artillerie, Rechtsanwalt Dr. Fritz Feldhaus zu Mülheim a. d. Ruhr infolge ehrengerichtlichen Spruches des Ehrengerichts des dorttgen Landwchrbezirks vom 3. August 1905 wegen Unterlassung der Herausforderung zum Zweikampf mit schlichtem Abschied entlassen ist? Welche Maßnahmen gedenkt der Reichskanzler zu ergreifen, um die Wiederholung eines solchen auf Tuellzwang hinaus- laufenden Verfahrens zu verhindern?" Auf die Frage deS Präsidenten, ob und wann die Regierung die Jnterpellattou beantworten werde, erwidert einige? vortragen: Der Abg. Roeren hat ben Fall ja im allgemeinen zutreffend dargestellt. Nur in den Schlußfolgerungen, die, er gezogen, kann ich ihm nicht beipflichteii. Zweifellos ist der Brief des Goebel an den Leutnant Feldbaus nicht angemessen. Und wenn der Goebel dem Leutnant Feldhaus gedrohr bat: wenn er nicht in seinem Hause verkehrt hätte, würde er die Polizei in Anspruch nehmen, 10 ist es sehr bedauerlich, daß das nicht geschehen ist: denn dann hätte die Sache einen ganz anderen Gang genommen. Aus den Aussagen des Goebel geht'bervor, daß cr zweifellos sich erheblich dadurch gekränkt gesehen hätte, daß seine Honorarforderungen PP. nicht beglichen'worden wären. Und das ist der Grund gewesen, waruu er den Brief des Leutnants Feldhaus zurückgesandt und daneben ganz Zweifellos beleidigende Worte gesetzt bat. Nun sagte der Sterr Vorredner: es war ganz richtig, daß Feldbaus auf diesen Vries nichts getan hat. Ich bin dieser Ansicht nicht. Wenn,der Leutnant Feldbaus damals das Organ benutzt hätte, das ihm für solche ^alie zur Verfügung stand, nämlich den Ehrenrat, dann wäre die ganze Angelegenheit au§ der Welt geschafft worden. Statt dessen hat er nichts getan, hat er ruhig abgewartet, was nun werter kommt, (eeor richtig!) Nun. ich denke, wohl niemand hier wird stillbalten wenn er beleidigt wird. Der Leutnant Feldhaus aber bat st'.llgebaltem er hat keinen Ton gesagt. Nachdem nun nichts erfolgte, setzt stch der Goebel bin und schreibt diesen Brief hier. Davon hat nun Der Leutnant Feldbaus sofort dem Ebrenrat Mitteilung gemacht. Und man kann sagen, daß der Ehrenrat alles getan hat, um einen Ausgleich herbeizuführen. Dieser Versuch ist nickst emmal, sondern mehrfach gemacht worden, und er ist zuletzt gcidiedert an Dem Widerstände deS Goebel, der erklärt bat: weil mich ?jeIDt)aug majr in dem Maße als Ehrenmann angesehen hat, wie ich es beanspruche (Große Heiterkeit links.) Ja, Sie lachen darüber, daß ter ©oebcl sich als ein so großer Ehrenmann vorkommt. Das Gericht hat anerkannt, daß er ein leichtfertiger Mensch sei, unerfahren, und daß er sich eine schwere Beleidigung habe zu schulden lommen lal en: cS hat ihn daher mit ter höchst zulässigen Strafe belegt. Zweifellos ist damit vom Standpunkt des bürgerlichen Rechts aus Die eM- svrechende Sühne erfolgt, aber nicht vom Standpunkt der verletzten Ehre aus. (Oho, oho! Lebhafte Protestrufe links und tm Zentrum.) Jawohl! Auch aus den Verhandlungen der Antlduellliga habe iK immer wieder entnommen, daß die Herren darüber nagten, wir haben kein Strafgesetz, da? für die verletzte Ehr- entsprechende Sühne gibt. Immer wieder kam das zum Ausdruck Nun war die andere Frage: War denn der Goebel ein m•.nbertoernger .Jtann. sodaß die Weigerung des Leutnant? Feldhaus begründet war. Fünf Vierteljahre bat der Arzt Goebel einen Augenarzt in icmcr Praxis vertreten. Ich möchte glauben, daß ein Arzt zu seinem Vertreter gewiß nicht einen Mann erwählt, der jung und unersahren, der nicht ein Ehrenmann ist. Es wäre ja unverantwortlich, wottte er seine Praxis einem solchen Manne anvertrauen. Es wäre auch nicht einzuseben, weshalb die Familie Feldbaus mit diesem Göbel solange im Verkehr gestanden batte, wenn er wirklich minderwertig wäre. Wir haben ferner das Zeugnis eines anderen Arztes, ter da sagt, der Göbel war ein gut erzogener hochgebildeter Mann, und überall, wo er verkehrte, erfreute er sich durchaus einer großen Beliebtheit. Es scheint also beinahe so, als ob erst nach dieser Angelegenheit die Minderwertigkeit des betrefftnden für den Lei-.rnant'Feldhaus zu Tage getreten sei. Nun ist es immer sebr bedenklich, wenn der Beleidigte dem Beleidiger diese Qualifikation erst gibt, wenn die Beleidigung erfolgtest. Ware der Göbel Offizier gewesen, wäre er nur Sanitätsoffizier gewesen, bann wäre ein Organ dagewesen, ter Ebrenrat, der gesagt batte, der Mann wird ausgestoßen. In diesem Falle hat aber dicw-> Organ vollkomwen gefehlt. Es wäre vielleicht ganz gut, wenn wir ein solche? Organ einsetzen könnten. (Zuruf links: Das feglte noch!) Aus den Worten des Herrn Abg. Roeren scheint mir hervorzugehen, daß er annehme, der Leutnant Feldhaus habe sich als prinzipieller Gegner des Duells bekannt. Das ist nicht der ^all. Der Leutnant Feldbaus hat nicht gesagt: „ich bin em Femd des Duells", sondern immer nur: „ich bin ein Femd d i e s c s Duells Da? ist doch ein ganz bedeutender Unterschied. Es ist nun gejagt worden: der Goebel wäre Darauf ausgegangen, dem Leutnant Feldhaus in feinem Militärverbaltnis Schwierigkeiten zu bereiten. Auf welche Weise das Gericht das festgestellt hat, ist aus den Akten nicht zu ersehen. Sollte das der Fall fein, fo geht daraus zur Evidenz hervor, wie sehr gerade die Gewißheit, für Beleidigungen mit Leib und Leben einsteben zu müssen, dringend mahnt zu äußerster Vorsicht bei Aussprachen von Beleidigungen. Der Herr Abg. Roeren hat nun gesagt: in dem Duellstandpunkt liege eine außerordentliche Ucberhebimg des Offiziersstandes. Das kann ich nicht zugeben. Denn nicht der Offiziersstand ist Träger des Duells, sondern weite Kreise des Volkes huldigen noch beute dieser Anschauung. (Widerspruch. Abg. V e b e l ruft: Sehr richtig!) Gewiß: das weiß jeder, der zum Duell geht, daß er gegen die göttlichen und menschlichen Gesetze verstößt. ~ (»ort, hört, "hört! Große Auftegimg im Jenttum.) Was die göttlichen Gesetze betrifft, so meine ich: man sollte es dem, der m seiner Gewissensnot dem Gebot Der Ebre folgt, überlassen, sich mit seinem Gott selbst abzufinden. (Sehr richtig! rechts. Unruhe im Zentrum.) Und was die Gesetze des Staates betrifft, gegen die er verstosst, 10 wird er ja deshalb bestraft, womit dann der Fall erledigt ist. (Zuruf: Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Was den zweiteii Punkt der Interpellation anlangt, so habe ich sm Namen des Reichskanzlers folgende Erklärung ab uneben: oHC Austragung von Ehrenhändeln besteht bei ims Die Sitte des Zweikampfs in weiten Kreisen der gebildeten stände. Im Offizierkorps ist der Zweikampf in wirksamer Weise durch die Allerhöchste Verordnung vom 1. Januar 1897 be'ämp-t worden Weitere Abhilfe könnte aber nur von einer gleichzeitigen Aente'nmg der gesetzlichen Bestimmungen über die strafrechtliche Verfolgung ter Beleidigung und des Zweilampss er- , ..... -..... ——----- . - . „ f hofft werden. Eine solch« Aenderung des Gesetzes ft't schon aus I gerichlen sich ons.eht, 1° konn man zu der Überzeugung lammen, ri 36M . ob. geuüt anl.eitßt \ autzMiheu. ime Miauen uni. 0207 iiegener Anzeiqer erbet. i'Qt einer Miwe 300 bis teg.hoheZm!.,u.Sich-rh. ' Mil. Mckzahlung! licheAnaeboie unter 0303 ;cBencrJÜmciger erbeten. Heiraiögcsnch. 7W r m. 2 Kindern, 30M«, , qui. (iharalier, Rentner inüJerni. von 14o000M t einem eoang. FramiN iin Liter von -o-oö u. X U300TM A §.r. AcrschwlegtN' enchert und vmangt. Lsi. in. Phologr. ii j (^’.ebciin en. --SSiiläq S'wlche» oreo^inbboi^s ,0U#flu an;;,.!!*!! u.LtUll* Dienstag, 16, Januav 1^)06 Gießener Anzeiger Kriegsminister v. Einem: Ich bin bereit, die Interpellation sofort zu beantworten. Abg. Roeren (Ztr.) begründet die Interpellation. Der Vorgana, ter zu der Interpellation geführt hat, hat in allen Kreisen der Bevölkerung Aufsehen und Entrüsttmg hervorgerufen ES handelt sich hier um einen direkten amtlichen Zwang einer behördlichen Institution. Das ist das Charakteristische an der Sache und zeigt so recht das Vernunft- und Gewissenswidrige de- Duells. Der Tatbestand ist der folgende: Ein junger Mann, der als Arzt einen Verwandten des Rechtsanwalts Feldhaus zu Mülheim (Ruhr) vertreten hatte und mit seinem Auftraggeber wegen der Vertretung in Differenzen geraten war, schrieb ohne wettere Veranlassung plötzlich Mai vorigen Jahres an den der ganzen .ln- gelegenhett durchaus fernstehenden Rechtsanwalt Feldhaus einen groben, beleidigenden Brief. In dem auf die Klage des Rechtsanwalts Feldbaus ergangenen gerichtlichen Urteile ist die Beleidigung als „durch gar nichts begründet, frivol und provokatorisch bezeichnet. Als Feldhaus ben beleidigenden Brief erhielt, machte er in seiner Eigenschaft als Leutnant der Artillerie-Landwehr beim Ehrenrat Anzeige. Der Beleidiger, der nicht in Milttärverhali- nissen steht, erklärte zunächst auch, sich der Entscheidung des Ebren- rateS zu unterwerfen, zog bann aber diese seine Erklärung wieder zurück. Darauf reichte Rechtsanwalt Feldhaus Klage bet dem ordentlichen Gericht ein, welches den Beleidiger wegen der Frivolität der Beleidigung zu der höchsten zulässigest Geldstrafe rechts- fräftig verurteilte und von der Verhängung einer Gefängnisstrafe nur deshalb abgesehen hat, weil der Angeklagte noch ein „junger, offenbar noch wenig Ivelterfahrener und von einseitig sttidentischen Anschauungen noch völlig beherrschter Maim^ sei. Trotzdem wurde das militärehrengerichtliche Verfahren gegen Feldhaus eingeleitet, „weil er es abgelehnt habe, für eine ihm zugefügte Beleidigung standesgemäße Genugtuung zu fordern und zwar unter Änführung von Gründen, welche mit den Anschauuungen eines Offiziers über Austrag von Ehrenhändeln nicht vereinbar sind." Rechtsanwalt Feldbaus hatte die Unterlassung ter Herausforderung zum Zweikampf mit Rücksicht auf die ganze Persönlichkeit des Beleidigers sowie mit seiner grundsätzlichen Stellung gegenüber dem Duell begründet. Durch Spruch des Ehrengerichts wurde er sodann, weil er aus den angegebenen Gründen abgelelmt hat, standesgemäße Genugtuung zu fordern, mit schlichtem ?(bschied entlassen. Man sollte so etwas nicht für möglich halten. Was hat Feld- Haus denn eigentlich verbrochen? Er hat genau nach der Kabinettsorder von 1897 gehandelt und trotzdem wurde er nicht für würdig gebalten, den Offiziersrock zu tragen. Hierin liegt zweifellos eine Mißachtung der Autorität der Gesetze und eine Ueberhebung eines einzelnen Standes. Die ganze zivilisierte Welt würde Feldhaus verachten, wenn er sich duelliert hätte. Als Mann, als Christ, als Gatte, als Vater konnte er nicht anders hanteln. Er hat auf Befragen über seine grundsätzliche Stellung zum Duell dem Ehrengerichte erwidert, daß die Gesetze seiner Religion und die allgemeinen Staatsgesetze ihm das Duell verböten. So muß doch feder vernünftige Mensch antworten (Lachen rechts), denn unsere Gesetze verbieten das Duell. W """an Samstag Sudw» im Abg. Bebel (Soz.) f der enl- ÄNer höchster Stelle die Auffassimg besteht, bafe ein Duell unter gewissen Umständen unumgänglich ist und daß der Ehrenrat nicht die Ausgucke bat, Duelle unter allen Umständen zu verhindern, sondern in gewissen Fällen sogar begünstigen muß. Ich gebe $u, die Erklärung deZ KriegSministcrs ist offen, aber die moralische Wirkung bat er sich nicht überlegt. Der RcickiSkanzler spricht von einer Sckncht von Personen, für die das Duell nötig ist. Also, es ist heute kein Minister, nicht einmal ein Justrzminister, kein Mitglied des Bundesrats denkbar, der ein Duell ablehnt. Unsere hohen Be- anrten gehören meist dem Kösener S. C. an, seine Mitglieder müssen ein Duell annehmen, sonst kommen sie in den Verschiß, wie es heißt. (Große Heiterkeit.) Das Statut des S. C. ist direkt ungesetzlich, wer ibm angehört, gehört einer geheimen Verbindung an, denn das Statut wird streng geheim gehalten. Offiziell ist es natürlich den Behörden nicht bekannt. Ein Staatsanwalt, der dem Kösener 5. T. angehört, verstößt dauernd gegen das Strafgesetz, er betrachtet es als sein Privileg, ungesetzlich zu handeln. Beim S. E. spielt der Pistolenkasten ungefähr dieselbe Nolle, wie die Bundes» lade bei den alten Juden. (Große Heiterkeit.) Wie will man von den großen Volksmassen noch Respekt vor dem Gefch verlangen, wenn man sie/>t, daß die, die zur Hütung der Gesetze berufen sind, die Gesetze verletzen. (Sehr gut! bei den Lvz.) Das Duell wäre schon längst beseitigt, wenn es nicht fortgesetzt von oben gehalten würde. Das liebel kommt von oben, und so lange dies nicht beseitigt wird, werden alle Reden nichts nützen. (Beifall bei den Soz.) ^s ist wohl noch in keinem Staate vorgekommen, daß höchste Beamte eine Erklärung abgibt, die eine Aufforderung .... 8ölt Recht und Gesetz mit Füßen zu treten. (Sehr richtig! links.) rottung des Duells zu erleichtern, plaidiert sie auch für schärfere Strafen für Beleidigungen. Der Kriegsminister hat also eine ganz falsche Vorstellung von dieser Antiduellliga. Um die Antiduellliga hat sich schon eine ganze Reihe ehrenhafter Männer gesammelt. Warum hört der Minister nicht auf diese? Für den Reichskanzler wäre es besser, wenn er sich dieser Liga anschlösse. Für jedes ehrengerichtliche Urteil ist uns der Reichskanzler verantwortlich. Es ist seine Sache, wie er den Schaden wieder gut macht, den er durch '€Tr.t Beute verlesene Erklärung angerichtet hat. Er muß den Schaden wieder gut machen, wenn er noch auf den Namen eines christlichen Reichskanzlers Anspruch machen will. (Beifall Zentrum.) Im Mqeordnetenhause sprach vor einigen Tagen der Iustizminrster der Majorität des Gesetzes. Bevor man noch g ob b e Sozialdemokraten überhaupt eme Demonitratlon beabnchtlgen, wird bereits die ganze irdische Dreieinigkeit, Infanterie, Kavallerie und Artillerie mobil gemacht. (Heiterkeit) Und hier im ^eldj§tngc wird offen die Ungesetzlickstert gepredigt! Auf den Reichskanzler fände der Paragraph des Strafgesetzbuchs betreffs Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze Anwendung. (Heltcrkelt.) Ergibt also für die verschiedenen Klassen verschiedene Gcictze. E,n besseres Agitationsmittel, als uns der Reichskanzler heute gegeben hat, hätten wir uns für den 21. Januar gar nicht wünschen können. Der Minister meinte, ein jeder müsse sich mit seinem Gotte selbst aikseinandersctzen. Ja, dann müssen doch die §§ 166 und 167 aus dem Strafgesetzbuch entfernt werden. Eine moralische Begünstigung des Duells liegt auch in den regelmäßig stattfindenden Begnadigungen bei Duellstrafen. Wir haben heute erfahren, daß an ** man bei schweren Beleidigungen, namentlich wenn sse charakterisiert sind, sich sehr ungern entschließen werd vor ein Schöffengericht zu gehen, besonders bei der Ueberlastung der Schöffen- geriete, wo eine Sache erst nach Wochen oder Monaten zur Verhandlung kommt. Wenn man sich die Tagevor.niingen der Schöffengerichte ansieht, dann kommen zuerst die Verhafteten, ine Landstreicher, die Bettler, die Dirnen, die Diebe, Körperverletzungen und wenn die Richter recht müde geworden sind und Ictn Interesse mehr haben, dann kommt eine Serie von Beleidigungen, die nach einer gewissen Schablone abgehandett werden, ohne Rücksicht darauf, daß der Beleidigte m seinem tiersten Innern g.troften ist. Vielfach sind diese Strafsachen ganz stmgen Assessoren over jungen Amtsrichtern anvertraut, vielleicht auch Schöffen, die wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer ganz anderen Gesell,ckaftsllassc für Dinge, bei denen ein subtileres Ehrgefühl in Frage kommt, auch nicht die rechten Begriffe haben. Und rechnet man dazu, daß m vielen Fällen noch cm Rechtsanwalt austritt, der dem, Belegten bei dieser Gelegenheit noch einige Sachen versetzt, die vielleicht noch viel unangenehmer sind, weil sie vor der Oeffcntlichseit gc,ckehcn (sehr wahr!), dann wird man es verstehen, daß es melleimt Leute gibt, die von dieser Institution vrinziviell nichts wissen wollen, besonders wo es sich vielleicht um eine schwere Kränkung derFamilien- ehre handelt. (Sehr wahr!) Bei der Reichsjustizkommissson ist die Sache auch behandelt worden, und allerseits waren die Herren, die den verschiedensten Parteien angehörten, der Meinung, daß die Oeffentlichkest bei Beleidigungen nicht durchweg durchzuführen ist. Und was das Strafmaß anlangt, so findet geradezu eine Ueber- schätzung bei Eigentumsvergehen statt, die den heutiaen Zeitanschauungen aar nicht mehr entspricht und eine Unterschätzung der Ehre des Menschen (sehr wahr!), infolge dessen solche Fälle nach der Schablone vielfach mir geringen Geldstrafen geahndet werden. Die Anti-Duell-Liga, der zweifellos Männer von großer Erfahrung und großer Kenntnis angehören, fordert neben einer schwereren Be strafung des Duells auch schwerere Strafen für Beleidigungen und vor allem die Einrichtung einer Instanz, wie sie beim Militär im Ehrenrat vorhanden ist. Wenn der Beleidiger es will, muß er in einem Standesgericht eine Instanz haben, wo er vor erfahrenen Männern feine Sache zum Austrag bringen kann uizd da? Gericht auf feinen Antrag die Öffentlichkeit bi? ziir Verkündigung de? Urteils ausschließcn kann, soweit daS Interesse des anderen Teiles nicht entgegensteht Ich begrüße also die Ankündigung, daß in dieser Richtung Abänderungen kommen sollen, obwohl ich der Ansicht bin, daß man die Reform deS Strafgesetzbuchs nicht abwarten, sondern, da die Dinge wirklich dringlich sind, versuchen sollte, sie im Wege des Spezialgesetzes zu ordnen. Denn ein Jahrzehnt und länger wird in die Welt geben, ehe wir zu einer Reform unseres Strafrechts kommen. Die öffentliche Meinung erträgt heute schon nicht mehr ein frivoles Duell, und wer im frivolen Di'ell den Gegner über den Haufen schießt, vernichtet sich damit bürgerlich selbst. Allerdings bin ich der Ansicht, daß Sie das Diiell durch rigorose Strafen nicht beseitigen werden, z. B. durch Behandlung des Duell? als Todschlag oser Mord. Ich verweise da auf den neulichen Vortrag des Professors Binding in der Goethegesellschaft. Die Zwei- kämpfe werden sich immer weiter vermindern. Man wird die Herausforderung zum Zweikampfe und den Zweikampf strenger bestrafen können, wenn man Jnstitutitionen schafft, die in einem Ausgleichsverfahren es den beteiligten Personen, ohne die Ccffentlicbfcit heran'uzieben, ermöglicht, die Sache aus der Welt zu Mwffen und damit in Deutschland einen besseren Schutz der persönlichen Ehre schaffen wird. (Lebhafter Beifall b. d. Natl.) Abg. Dr. Bachem (Zentr.): ES ist nicht wahr, daß weite Kreise das Duell für eine Pflicht halten, das tun nur ganz bestimmte exklusive Kreise. Die Erklärung des Reichskanzlers war daher ein Schlag in das Gesicht des demschen Volkes. Als der Kriegsminister die Worte verlas, daß kein Offizier in dem Offizierkorps geduldet werden könnte, der sich nicht duellierte, lief es mir eiskalt über den Rücken. Das war doch eine Aufforderung, die Gesetze zu übertreten. Gerade umgekehrt hätte die Erklärung des Reichskanzlers lauten sollen. Seine heutigen Worte standen im Widerspruch mit allen früheren Erklärungen der Regierung. Der heutige Tag, an dem so etwas gesagt werden konnte, war ein dies nefastus für einen christlichen Reichstag. Auf anderen Gebieten weiß der Reichskanzler die Majestät des Gesetzes besser zu wahren. Denken Sie an die Rede des Iustiz- minifterS Dr. Bebel im Abgeordnetenhause. (Stürmische Heiterkeit.) Ich meine Beseler. Das Gesetz steht über der Ehre. Darum darf man nicht sein vermeintliches Recht selbst wahrnehmen. Zum Duell gehört^physischer Mut, höher aber steht der moralische Mut, der dazu gehört, ein Duell unter Umständen abzulebnen. Die Antiduellliga steht auf dem Standpunkt, immer und unter allen Umstanden muß ein Duell abgelehnt werden, und nur nm die Aus- Abg. Traeger ffreif. Vp.): Alle Interpellationen pflegen so auszugehen wie daS Hornberger Schießen. Der heutige Tag hat jedoch große Ueberraschungen gebracht. So hat e8 mich gewundert, daß der Kriegsminister den Beleidiger in Schutz nahm. Noch eine größere Ueberraschung brachte aber die Erklärung des Reichskanzlers, er antwortete auf die Frage, welche Maßnahmen sollen ergriffen werden, um solche Vorgänge zu verhindern: Keine! Ja, er sagte sogar: Kein Offizier kann geduldet werden, der sich nicht duelliert. Der Reichskanzler hat sich heute geradezu als duellwürtiger Kavallerist gezeigt. (Heiterkeit.) Man sagt, es gehört Mut dazu, sich zu duellieren. Das ist nicht so. Das ist anerzogener Mut, Mut der Zwangslage, Mut des Vorurteils, aber kein wirklicher Mut. Abg. von Tiedemann (Rp.): Auf den Fall selbst will ich nicht eingchcn, auch ich bedauere, daß das Ehrengericht ein solches Urteil gefällt hat. Der Abg. Roeren irrt sich aber, wenn er sagt, der ganze Reichstag hätte sich einmütig früher gegen das Dwell ausgesprochen. Aus der rechten Seite hat man stets gesagt, daß es Fälle geben könnte, in denen nichts anderes übrig bleibe als das Duell. Denken Sie nur einen Fall, in dem die Ehre einer Frau in niederträchtiger Weise besudelt wäre, würden Sie in einem solchen Falle vor das Schöffengericht gehen? In einem solchen Falle gibt es doch nur das Duell. Wer sich duelliert, verstößt gegen das Gesetz und wird bestraft. Straffreiheit für daS Duell wollen wir auch nicht. Aber wenn Sie die Strafe noch so hoch setzen, es gibt immer Fälle, wo man doch d'e Strafe auf sich nehme i muß. Denken Sie doch an die Zeit des Kulturkampfs, da war cS ein Mitglied des Zentrums, der Abg. Schröder-Lippstadt, der sag^e: Wir denken gar nicht daran, solche Gesetze zu befolgen. (Zuruf au? dem Zentrum: Weil Le ungerecht sind!) Ja, es gibt Fälle, in denen auch die Gesetze gegen das Duell ungerecht erscheinen. Ich kann daher die Erklärung des Reichskanzlers nur mit Genugtuung begrüßen, das Offizierkorps kann das Duell nicht entbehren (Lärm bei den Soz.), tm Interesse der Armee, im Interesse der guten Sitten. (Beifall rechts.) Abg. Stöcker (b. T. Fr.): Die Sozialdemokraten werden die heutige Debatte artsnutzen, Bebel hat dies ja schon angekündigt und die Presse wird noch weit schärfer vorgehen. Man kann hier gar nicht grundsätzlich genug vorgehen. Das Duell verstößt gegen Gottes Gebot und muß daher beseitigt werden. Wenn die Staatshoheit das Duell stutzt, proklamiert sie die Gesetzlosigkeit. Ich gebe zu, daß Beleidigungen oft nicht scharf genug bestraft werden. Aber in diesem Falle hat das Gericht doch auf die allerhöchste Strafe erkannt. Genügte das nicht? Der Vorredttec sagte, es könnte Fälle geben z. B. bet Beleidigung von Frauen, wo man sich duellieren müßte. Aber solche Fälle sind ja passiert, und da hat der Ehebrecher den Mann niedergeknallt. Da kann doch von Moral und Gesetz und Sinn und Vernunft keine Rede feim Ein runbc5 Nein habe ich aus dem Munde des Ministers nicht gehört, im Gegenteil ich hörte heraus, daß man auch auf Seiten der Regierung bestrebt fft, das Duell nach Möglichkett zu verhindern, und darüber habe ich mich gefreut. Kriegsminister von Einem: In vielen Punlten kann ich dem Vorredner beistimmen. Er sagt, das Duell, verstößt gegen Gottes Gebot und muß beseitigt werden. Aber eine solche Sitte rotten Sie nicht aus durch ein plötzliches Verbot und durch strenge Strafgesetze, denn diel- Sitte befteht nicht nur im Offizierkorps, sondern in weiten Kreisen be8 Volkes. Das ist ganz zweifellos der Fall. Sehr viele Herren haben die Erklärung des Reichskanzlers mit Verwunderung, ja mit Entrüstung aufgenommen. Es wäre mir ja ein Leichtes gewesen, in dieser Erklärung zu sagen: Derartige Fälle, wie die vorliegenden, werden nicht mehr Vorkommen. Ich bin aber nicht-in der Lage, eine solche Erklärung abzugeben, denn ich wollte Ihnen Aufklärung geben über die Verhältnisse, wie sie liegen. Ich will mir lieber von Ihnen diese Vorwürfe machen lassen über die bestehenden Verhältnisse, die ich weder herbeigeführt, noch gefördert habe. Aber ich will mir niemals den Vorwurf machen lassen, eine Erklärung abgegeben zu haben, die ich nicht gehalten habe und die ich nicht halten konnte. Diese Erklärung de§ Reichskanzlers sagt übrigens in keiner Weise, daß nicht alles geschieht, um mit allen Mitteln gegen das Duell weiter zu arbeiten. Wir suchen das Duell nach Möglichkeit zu verhindern. Ich erinnere Sie daran, daß ich ausdrücklich betont habe, wäre dieser Fall zwischen zwei Reserveoffizieren ober zwischen zwei aktiven Offizieren borgefomnten, so wäre er zweifellos auf gütlichem Wege beigelegt durch das Ehrengericht. Darüber besteht für mich gor kein Zweifel Nun war das aber nicht der Fall, denn es fehlte ein Organ, um Remedur zu schaffen, um den Goebel so zu kennzeichnen, wie er in diesem Fall gehandelt hat. Mit aller Entschiedenheit aber muß ich Verwahrung dagegen einlegen, daß diese Erklärung des Reichskanzlers Gesetz und Neckt .mit Füßen tritt. (Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Das ist nicht der Fall. (Sozialdemokratischer Zuruf: Dock! doch!) Der Reichskanzler bat sogar die Mittel angegeben, um das Duell im Volke auszurotten^ (Lebhafte Unterbrechungen seitens der Sozialdemokraten.) Präsident Graf von Ballestrem: ES hat dock keinen Zweck, den Redner zu unterbrechen. Wir verhandeln hier in Rede und Gegenrede. KriegSminister von Einem: Was nun die Antiduellliga angeht, so verkenne ich keineswegs, daß e? eine große Anzahl fehr ehrenwerter Männer sind, die daS Duell ausrotten wollen. Aber sie sagen selber: das gehe nicht, solange die Gesetze nicht anderweirigen Sckutz gegen Beleidigungen bieten. Wenn man aber von unserem Standpunkt aus die Herren von der Antiduellliga für ehrenwerte Manner halt, so muß man doch auch uns Gerechtigkeit widerfahren lassen. Wir müssen auch für. und in Anspruch nehmen, daß wir als ehrenwerte Männer angesehen werden, die die Ehre über alles stellen und alle Rücksichten bei Seite lassen werden, um die schwer verletzte Ehre zu reinigen. Ich hoffe, daß unser Bestreben in der Armee von weiterem Erfolge geleitet fein wird. Es ist nicht richttg, daß jedes Duell von dem obersten Kriegsherrn gebilligt wird. Das Duell wird im ®egcnte{I gemißbilligt und nach Möglichkeit unterdrückt, aber, tote die Sache liegt, ist eS unter den gegebenen Verhältnissen nicht immer möglich, es zu vermeiden. Abg. Dr. Potthoff sfteis. Vgg.): Vieles von hem, was der Abg. Bebel sagte, war nicht richttg. So möchte ich ihm doch raten, wenn er wieder etwas über den S. C. sagen will, sich vorher bei seinen Fraktionsgenossen, die Bescheid wissen, zu informieren. Ich gehöre nicht zu denen, die imter allen Umständen das Duell verwerfen, aber ich glaube nicht, daß es so unentbehrlich ist, wie der Kriegsminister es darstellt. Schon die Tatsache, daß im vergangenen Jahre nur ein Duell zwischen Offizieren stattfand, zeigt doch, daß die Herren auch mit Ehrengerichten auskommen. Nach der Erklärung des Reichskanzlers werden allerdings viele Reserveoffiziere, die Gegner des Duell- sind, nicht länger Offiziere bleiben können. Abg. von EzarNnSki (Pole) spricht sich gleichfalls in duellgegnerisckem Sinne auS. Abg. Roeren (Ztr.) bleibt gegenüber dem Kriegsminister von Einem dabei, daß Feld- Haus wegen seiner grundsätzlichen Stellung zum Duell ausgeschlossen worden sei, waS im Widerspruch stehe zu dem klaren Wortlaut der KabinettSorder von 1897. Daß FelthauS korrekt gehandelt habe, Habe der Brigadekommandeur ihm ausdrücklich bestätigt. (Hört!) Bei dem Duellzwang handle eS sich nicht um einen Gewissenszwang, sondern in den meisten Fällen um eine Rücksicht auf gesellschaftlichen Stellung (Sehr wahr!), und vor so etwas könne er nicht Respett haben. Zum Schluß erklärt noch Redner: auch die Verhandlungen hier hätten ergeben, daß Herrn FeldhauS schweres Unrecht geschehen sei. KriegSminister v. Einem betont nochmals, daß, wenn der Herr Feldhaus auf den ersten unverschämten Brief des Herrn Goebel eingegangen wäre, die ganz, Geschichte vermieden worden wäre. Abg. Roeren (Ztr.): Tas gehört alles nicht zur Sache. Diese liegt so: Das Ehrengericht hat zwei Fragen gestellt: 1. ob Herr Feldhaus schuldig sei, weil er den Herrn Goebel nicht gefordert hätte, 2. ob er schuldig sei wegen Begründung der Ntchtfarderung. Und eS hat die erste Frage verneint, die zweite bejaht! (Hört, hört!), KriegSminister v. Einem: DaS ist aus den Dtten nicht ersichtlich. Damit schließt bte Besprechung der Interpellation. Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung: Dienstag 1 Uhr. (Kleinere Vorlagen unb Nachttagsetats.) . Schluß Ük Uhr. Kretzener Theatervcr n. Der Schwur der Treue. Lustspiel in 3 Auszügen von Oskar Blumenthal. (Buchausgabe im Theuteroerlag Eduard Bloch in Berlin C.) In einer seiner weniger bekannten kleinen Kvmödien sagt Moliere von einer untergeordneten Person — ich glaube, es ist der Goldschmied Josse in „L’amour m6d6- cinc< —, daß er sein Leben lang Prosa geredet habe, ohne es zu ahnen. Don Blumenthal, dem „Dichter"' der „Fee „Capriee", des „Toten Löwen" und nun auch des „Schwurs der Treue", ist zu sagen, daß er zeitlebens Prosa' redet statt Poesie, obwohl er sehr wohl weiß, daß feine „Poesie" Prosa ist. Oder Limetla-Poesie. Er macht Reime, graziöse und täppische, seriöse und läppische, aber niemals dichtet er. Oder doch/ Ein Exempel nur: „Und ist sie aucl) nicht keusch wie eine Lilie, Ich opfre mich dem Frieden der Familie." Ist das gedichtet oder für einen Eotilwnscherz gereimt? Es ist ja ein ganz artiges Spiel für die Zuhörer, den tommenoen Reim zu erraten, den Bühnenfchaupiatz als Spielplatz zaungastmäßig zu betrachten und an einem Masken)eherne anderer sich zu belustigen. Aber ein Kunst- genuß ist das tvahrhaftig nicht. Ten bietet kein Blumenthal. Ter ist ein Poet der Oberfläche, so ganz nach der Art unseres flüchtigen Zeitalters, dem man es schließlich nicht verdenken darf, wenn es den Verzicht auf Eeinüts- tiese den mißglückenden Versuchen, in die Tiefe zu steigen, -vorzieht. Blumenthals glattes, prickelndes, mit schimmernden Leuchtkugeln bunt umspieltes Bersgekringel geht zumeist angenehm zurii Ohr, umklingt etwas, was man üls freunolichen Sorgenbreck)er gelten lasfcn ^uin, ist aber nie imstande, einen Eindruck zu hinterlassen. Eüie besondere Eigentümlichkeit, auf die er in den letzten Jahren verfallen ist, wenn ihm einmal für die kommende Theaterspielzeit zum neuen, nach feiner und der meisten gefchästsjrohen deutschen Bühnenleiter Meinmig unbcdmgt fälligen Stücke kein origineller, mühelos zu einem Handlungsreichen Schlager auszugestaltender Einfall kommt, tritt auch hier zutage. Er zitiert den „Geist" (0. h. in diesem Sondersalle nur ein paar Geistes- und Kl.iderfetzen) eines großen Maimes, um sein Lustspiel" über den Standpilnkt seiner einstigen Mitwirker am Lüebstuhl des deutschen Sckstvankes, der Herren v. Schönthan, Kodelbnrg und Koppel-Eltseld, empor und nahe an die Höhe des Lustspiel- (nicht des Talisman-) Dichters Fulda zu heben. Allerdings ist er seit der derben Zurechtweisung, die ihm allenthalben Publikum und Kritik ob seiner Visnrarck-Trooestie einsti.nrnrig zuteil werden ließen, vorsichtiger geworden. Aus der neuen Zeit flüchtete er ins 17. Jahrhundert, wo er seltfamerweise weniger leicht auf Stilschwuppern vom Publikum glaubte ertappt werden zu können, und kandierte als schlauer Kunstgaukcer feine Neu- tjeit mit kunfttiebhaberischem Bttoungsaufguß. Ter „Schwur der Treue" tritt in einer Rembrandi-Verneidmlg auf. Wir lernen auf eine neue, bisher gänzlich unbekannte und überraschende, aber ebenso unglaubliche, ja unmögliche Weife Rembrandt als Erzieher kennen, als Erzieher zur Ehe. Mit munteren Witzwvrten behandelt Blumenthal das Thema, das oft genug dramatisch angepackt worden ist, vom Othello bis zu Fuldas „Ljwillingsjchwester" und Auernheimers „Großer Leidenschaft", das Problem von der ehelichen Treue. Bei Shakespeare finden wir das schöne Wort: „Auch die stärksten Eide sind Stroh, der Glut des Blutes gegenüber." Herr BlumentM, der Klügere, unterstellt dagegen dem berühmten Tresvener Renibrmidtschen Gemälde, das uns Frau Saskia auf den Knien des Meisters zeigt, während er keck das Kelchglas schwingt, als Grundmotiv den Lehrsatz: „Tie Treue sitzt im herzen, nicht im Mut". An der treuschivurlosen, also streng genommen fielen Che Veit van Emdens, des (erdichteten) LiebttngsschülerS Rembrandt's, liefert er die Probe aufs Exempel. Sticht ein „toter Löwe", sondern ein recht lebendiger, Frauenhcrzer knickender junger Löwe des Salons war dieser Veit vor seiner Ehe. Wenn aber seine Sinne auch jetzt noch cinrnal eine Exkursion inS Unerlaubte machen wollen, verführt von dep laxen Sitten der Grast» Lux, von denen mit fatalem Kichern die Rede ist, — der flatterhafte Veit kehrt schließlich doch zu seiner liebreizenden Ehcgesponsrn Klaudme zurück. Der Ex-Donjuan wird ihr fortan als gezähmtes Haustier angehören up ewig ungedeelt. Wie die Kirschen aus deS Stach- bars Garten eben nur so lange locken, als sie zu naschen uns verboten ist, so ist's auch, meint der alte Herr Blumental, mit den kirschroten Lippen schöner Frauen. Alan kann, wird mancher Veit des 20. Jahrhunderts sagen, auch anderer Ansicht sein . . . Rembrandt, der größte Menschenmaler aller Zeiten, als Patron Blunienthalscher Gliederpuppen! Ist ein venvegenerer Stoß gegen alles Stilgefühl denkbar? Es sind konventionell, frisch und flott und skrupellos gezeichnete Bühnenchpen, alS führten ein paar lustige Leutchen mit netter DurchschnittS- brldung eine muntere Maskerade in einer modernen Groß- stadtvilla auf! 9)lit größerem Rechte als in das 17. Jahrhundert Antwerpens hätte Blumenthal diese niedlichen Püppchen nach Berlin W. ins 20. Jahrhundert versetzen können und besser Frl. Klaudine in die Gewänder einer ^onuuerzien- ratstochter, ihren fibclcn Ohm, der seine knappe moralische Barschaft am liebsten anderen zur Verfügung stellt, in den Reiferock des märlische» Junkers gesteckt. Denn nichts, aber auch gar nichts spüren wir hier von dem Reuibrandt- schen Zeitalter ober gar von bein Ncmbranbtschen Zeitgeiste. Und ebenso wenig beulet, zumal in bem allzu üppig wuchernben episobischen Beiiverk, auf ein tieferes Erfassen bes vom Verfasser flüchtig aufgeworfenen und just für einen 1 be- ih rcni Bier oder ihren» Kaffee zu begeben. P. W. ole) Eime cmi. Weiten 100 Kg. 1S.75 'IVf. Roggen 100 Kg. 17.50- 00.00 Mk. m iuS auf ben ersten un» cmgen wäre, die ganze daß im der zu be- j_eh_rfabhk, »sI8/n o/: ■ Mein«« "* hübschen Einakter gerade ausreichenden ^Problems", wahre eheliche Gemeinschaft, daß Zarteste und Reinste Ebeleben ohne freie Selbstbestimmung undenkbar und höchste Gehalt der Ehe in dem Bestreben der Gatten finden ist, immer von neuem, ohne den Zwang der schworenen Treue, einander zu erobern und zu fefieln. Eigentlich ist's schade um Blumenthal. Er ist weit innn dabei, daß Feld« I -um Duell aukge* r zu dem Dinen Dort« 'bau? harrtft gtbrmbdt uiSbrütffid) xftätfä nicht um einen um eine NücknÄ auf vor so etwas löme a wch Redner', auch die cm JckdhauS schwellt hDrtnglsche s——————————————— » ■ ■■ ■« Elektro- una Maschinen- Tecnmkiim J.msuau Werkmeister. Prosnekt. Später trat jedoch toieber Erholung ein, ba mott hofft, daß nicht so heiß gegessen, wie gekocht wird. Märkte. Gießen, 16.Jcm. Marktbericht. 9T«f heutigem Wochenmork osteten: Butter vr. B?d. 0.80—0.90 Mk.. Hühnereier 1 St. 8—10 Pfg. 2 Ctck. 00—00 Big.. (Bänfeeier 00—00 Via.. Enteneier 0—0 Big., Räfe vr. Stck. 6—8 Pi.,' Kasematte 2 Stck. 5—6 Big. Erblen vr. Liter 21 Pfg^ Linien vr. Liter 32 Ma.. Tauben vr.Baar0.80-1.00Mk., Hühner pr.L>^ 1,00—1,60 T?f., Hähne vr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten vr. Stück 1,80—2.20 Mk.. Onanie vr. Md. 60—75 Ma., Ochfensteisch vr. Bw. 74—82 Big., Kuh- und Rindfleisch vr. P'und 70—72 Pfg., Schwerne- steiich vr. Pfmid 80—86 Big.. Scbweinesteisch, geial-en, pr. Mund 90 Ma.. Kalbfleisch pr. Md. 70—80 Mg., Hammelfleisch pr. Vstirtd 60—76 Big. Weliche per Mund —.— Kartoffeln pr. 100 Kg. 5,50—0,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 6.00—8.00 Mk., Milch per Liter 20 Mg., Aeviel ver Mund 18 bis 30 Pig., in Körben 00 Big., Nu sie 100 Stück 30-40 Big., Birnen per Pid. Mk. 0.15—0.2(^ Weißkraut per Stück 10-30 Psg., per Zentner Mk. 0.00-0.00. — MarkOeit 8—2 Uhr. Die Marktpreise für Vieh ittib frucht ttnb die Gießener Fleisch- ttnb Brotpreisc am 15 Januar 1906. war nickt richtig, etwas über den 5. T. ^nassen, die Bescheid denen, die unter allen aube nicht, daß es so darstellt. Schon die ein Duell. Mischen rten auch mit Ehren« 9 de? Reichskanzlers e Gegner des Duell- Handel und Verkehr, Volkswirtschaft. Das Fallissement dcS Bauunternehmers Philipp Welter in Frankfurt a. M. ttritb gemeldet. Es bündelt sich um einen Besitz von 19 Häusern, deren gesamter Verkaufswert mit 3.40 Mill. Mark geschätzt wird, während die Hppothekcnbelastung sich auf nicht weniger als 2.97 Mill. Mk. beziffert, abgesehen vvn 192 200 Mk. Sicherbeitshvpotheken. Zollkrieg mit den Vereinigten Staate n. Die heutigen Nachrichten aus Newvork meldeten den Zollkrieg. Jn- frstgedessen entstand an den d.""ts-ri/>n Burson eine Art Banrk. gabtcr als er sich in den meisten seiner Theaterstücke zu geben pstegt. Da§ lehren sowohl seine kritischen Aufsätze aus einer früheren Zeit als seine gescheidten Epigramme, auch einige seiner größeren Stücke aus alten Tagen und dieser oder jener geistreiche Einakter, z. B. ,9Ibu ©aib'. Sein beklagenswerter Ehrgeiz ist es, ein gewandter Theater-Konfektionär zu sein mit Rieseneinnahmen, statt ein beachtlicher Schöpfer tüchtiger Konversationsstücke, der er hätte werden können und als welcher er Nachahmenswertes und litterarisch Gediegenes vollbracht hatte. Nur um den Tageserfolg, nicht um Nachruhm ist's ihm zu tun. „Der Schwur der Treue" war eine der Premiören dieses Winters im Berliner kgl. Schauspielhause. An jeder anderen größeren Bühne der deutschen Neichshauvtstadt, die seit einem Vierteljahrhundert alle miteinander mehr künstlerischen Ehrgeiz haben als das preußische Hoftheater, würde Herr Blumenthal mit diesem Stücke vergeblich angeklopft haben. Auch der Provinzler, der dann und wann einmal die deutsche Metropole an der Spree besucht, hat wohl die leise Hoffnung, daß der am ersten Tage dieses Jahres vollzogene Wechsel in der Leitung dieser weitaus am reichsten von allen reichs« deutschen Theatern auSgestatteten Bühne dem wohlverstandenen Interesse der deutschen Bühnenkunst dienende gründliche Um- wälzungen mit sich bringen wird. Bekanntlich trat an Stelle des indifferenten Oberregiffeurs Grube als kgl. Schauspiel. 'Direktor, also mit erheblich größeren Vollmachten ver» ffehen, der weit bekannte und wohl über Gebühr gerühmte .ehemalige Mime und jetzige Hofrat Barnay. Es ist jetzt wohl nicht mehr anzunehmen, daß auch Herr Blumenthal. Ider Mitarbeiter des „Bert. Börsen-Couriers«, als kgl. Dramen- Lieferant kgl. preuß. Hofrat werden wird. Im Gegenteil, voraussichtlich verschwindet er jetzt von der Berliner Hofbühne, Sie Jahrzehnte lang den Abfall der dramatischen Tages- Produktion kultiviert und dadurch zu ihrem nicht unbescheidenen Has ift aster wickki-ff vtm vernvestken! Seit vier Wochen dieselbe Leier: Herr Meier ist krank. Herr Müller kann nicht kommen! Fräulein Schmidt liegt zu Bett! Und ich Ütze da und weiß mir vor Arbeit nicht -u besten. Ich wist Ihnen wa? sagen, Herr Rapp: buchen Sie 20 Mk. auf Geschäftsunkosten I Und Sie, Karl, besorgen für die 20 Emmchen Fcn;'s ächte Sodener Mineral-Pastillen, aber sofort bitte. Die werden dann an das Personal verteilt, damit die ewigen Erkältungen einmal aufhören II Für 85 Pfg. die Schachtel in sämtlichen Apotheken, Droqen- und Miueralwafferhandlungen zu haben. hv23/» Der preußische Städtetag. Berlin, 15. Januar. Der preußische Städtetag wurde heute von Oberbürgermeister Kirschner-Berlin durch eine Ansprache eröffnet. Kirschner wies darauf hin, daß der Gese'tzentwurf betr. die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen bei den städtischen Selbstverwaltungen eine große Enttäuschung hervorgerufen habe, da sie erwarteten, der Gesetzentwurf werde ihnen eine Erweiterung der Rechte in den Schulangelegenheiten bringen. Oberbürgermeister Lenze-Barmen erörterte dann eingehend den Gesetzentwurf, der für die Städte in seiner jetzigen Fassung vollständig unannehmbar sei. Die Städte haben danach nur datz Recht für die Unterhaltung der Schulgebäude und die Besoldung der Lehrer zu sorgen. Die Aufhebung der Mitwirkung der versaffungSmäßigen Gemeinoe- organe bei der Anstellung der Lehrer widerspreche der Ver- saffung; alte Rechte dagegen würden der Kirche übertragen. Es werde nicht ansbleiben, daß die Schuldeputation als Organ der Schulaufsichtsbehörde angesehen werde. Wenn die Schuldeputation als Vertretung der Bürgerschaft gelten solle, müsse sie ein Organ der städtischen Gemeindeverwaltung sein; esseinotwendig, Frauen hineinzuwählen. Unannehmbar sei auch der Entwurf, daß den Gemeindebehörden die Mitwirkung bei der Anstellung der Hauptlehrer und Rektoren genommen werde, die der Schule ihren Geist aufdrücken. Der Minister will der Landffucht der Lehrer steuern. Der Lehrer, der lange auf dem Lande gewirkt hat, eignet sich nicht für eine Stadt; die Landlehrer würden bester avancieren, wenn sie in ihrem Wirkungskreise bleiben. Der Gesetzentwurf werde aber auch Strebertum und Gesinnungslosigkeit bei den Lehrern und Rektoren erzeugen, die sich in politischer Gesinnung nach den Schulräten richten werden. Die Selbstverwaltung der Städte sei in größter Gefahr. Möge es gelingen, diese Gefahr noch im letzten Augenblicke abzuwenden. (Lebhafter Beifall.) Oberbürgermeister E h l e r S - Danzig: Nicht aus Machthunger wehren sich die Städte gegen den Gesetzentwurf. Die Schulen hätten niemals eine solche Förderung und Entwicklung erfahren, wenn die Städte nicht ihren Einfluß auf die Volksschule hätten geltend machen können. Wenn dem Staate ausschließlich das Recht zustehe, die Schulaufsicht auSzuübeu, werde die Volksschule zur Staatsschule und die Entwicklung rückgängig werden. Oberbürgermeister Fuß-Kiel: Die städtische Selbstverwaltung sei der beste Hort aller staatlichen Ordnung. Nicht bloß im Interesse der Städte, sondern auch im Interests der Landgemeinden und der Staatsregierung selbst liege es, die Rechte der Selbstverwaltung nicht zu beschränken. Oberbürgermeister Nollen-Remscheid schlägt vor, der Städtetag möge noch in der letzten Stunde bei dem Ministerpräsidenten vorstellig werden. Stadv. Cassel-Berlin weist nach, daß ein großer Teil der Bestimmungen des Entwurfs eine Verfassungsänderung erforderlich macht, vielleicht werde es dem Drucke der öffentlichen Meinung noch im letzten Augenblick gelingen, wenigstens daß Schlimmste abzuwenden, damit die Selbstverwaltung nicht im empfindlichsten Teile auf das schwerste getroffen werde. Nachdem noch mehrere Redner gegen den Entwurf gesprochen hatten, wurden andere Leitsätze einstimmig angenommen. Nach Wiederwahl des Vorstandes wurde der Städtetag geschloffen. Teile dazu beigetragen hat, daß breite Massen unseres Volkes in ihren besten Instinkten wankend geworden sind. Mit dem Geistesfluge dieses Poeten gleichen Schritt zu halten, ist ein Kleines. Da keinem das mißglücken kann, der Mime leicht entzücken kann. (Die pestilenzia Dichteriüs Blumenthal ist eine geradezu lebensgefährlich ansteckende Krankheit geworden. Man sieht'SI) Und doch-- Eine Reihe dankbarer Rollen hat das Stückchen, die der Aufführung denn auch den Beifall deS sehr nachsichtigen und freundwilligen Publikums eintrugen. Das Spiel ist ganz auf den Reim gestellt. Dementsprechend schien mir die Tar- stelliing auch mit Recht eine etwas breite und akzentuierte Marschroute innezuhalten. Nembrandl'sche Farbensonne leuchtete ja nicht aus der Darstellung, aber im ganzen gingen die Künstler mit sichtlicher ßuft an die Lösung ihrer leichten Ausgaben heran — wenn auch nicht in sie hinein. Der Maler Veit van Emden könnte gar wohl ein Nem- brandt'scher Renaissancemensch von sattestem Kolorit sein und sollte zum mindesten von sieghafter Frische strotzen. Herr Löhr aus Darmstadt stattete ihn zuoberst mit einer angebrachten starken Dosis von Selbstgefälligkeit aus. Doch das tiits schließlich nicht allein; gewissermaßen musikalisch, con molto fuoco, apassionatissimo dargestellt, könnte dieser kecke Frauenfreund und Frauensieger wohl hinreißen. Herr Löhr zog eS vor, ihm nur die große Bezwingerpose zu geben ohne von den inneren Gluten des unwiderstehlichen HerzensbezaubererS viel ahnen zu lassen. Auch die holde Klaudine hätte noch stärkere Glut und insonderheit überlegeneren Geist vertragen, als die talentvolle Frau Bayrhammer ihr gab. Die große Ehestandsszene >m 2. Akte atmet ein Etwas von dem zarten Dufte graziöser Lustspiellaune, und hier ist nur feinste Ironie, eine edle, durch die herbe Einsicht deS Betrogenwerdens wie durch vornehme Geistesbildung anmutvoll gedämpfte Schalkhaftigkeit am Platze. Aber Frau B. spendete doch reichlich Licht und die Schlußmomente, in denen sie Töne tieferen Empfindens an- zuschlagen hatte, gelangen ihr weitaus am besten, wodurch sie den Beweis erbracht hat, daß sie mehr ist, als zu scheinen ihr gestern oblag. Herr Reimer als oheimlicher Tugendrichtcr war ganz derber Humor, feuchtfröhliche Lebenslust, falstaffsche Bon- hommie und drolliger Uebereifer, ein lustiger Zecher wie auS einem Gemälde niederländischer Schule — aber von Brouwer oder Jan Steen, nicht von FranS Hals, also eine Grundqestalt der Spelunke, nicht des Salons. Daß dieser Narr des Glücks mit dem verspäteten Johannestrieb seine Düpierung gelaßen zu tragen hat, ging ihm erst am Schluß auf. Die Darstellerin der Gräfin Lux hat über diese galante Frauenqestalt ein verführerisches Spiel pikanter Züge zu breiten. Frau Maurice aber — ,ich will es Euch nur ehrlich oingestehen, ich hott' mir anderes von Euch versehens läßt Herr Blumenthal sie sagen, und ich sag's ihm nach. Allem Anscheine nach ist sie eine Dame von Intelligenz und Bildung. Doch sichtlich fühlte sie sich gestern selber nicht am Platze. Schlichtheit und Sentimentalität scheinen ihr am besten zu liegen. Daß sie ihre Verse mit Verstand sprach, sei gern zugegeben. An ihrer Stelle hätte Frau Bayrhammer wohl mit besonderer Auszeichnung gestanden. Ganz einwandsfrei war m. E. unter den Darstellern größerer Portlen nur die Leistung deS Herrn Lippert. Dieser vielseitig verwendbare treffliche Künstler zeigte diesmal mit der Wiedergabe eines ergrauten, zwischen seinen Folianten verdorrten, einem erlebnislosen Leben nachtrauernden humanistischen HauSmöbels, wie gut er die Rede beherrscht, wie diskret und überzeugend zugleich er charakterisiert. Den Rembrandt-Sendling sprach Herr Goll in Löhrscher Art mit Verständnis, und als Dienerpaar taten sich das anmutige Frl. Schell en berg durch sonnige Heiterkeit, und der poffierliche Herr Herrscher durch seine Neigung zum Ulk hervor. Nur wußten sic nicht den rechten Abstand zu den Herrschaften zu nehmen. So hätte denn darstellerisch wohl noch niancherlei geschehen können, um dcn Erfolg deS Abends noch zu erhöhen. Inszenierung, Kostüme, Dekoration (Regie Herr Direktor Steingoetter) waren im ganzen wohl gestimmt und ansprechend. Um 72 11 Uhr, also zur rechten Zeit, endete das muntere Spiel, und in offenbar rosigster Stimmung verließen die ThcatervereinS-Freunde das Haus, um sich zu IWeißbrot 2 Kg. 54 P'g. |3rf)ronnbrot 2 Kg. 50 Pfg --- - ----'■ !■■?> «tit * lattttha^ ß(aut)int « ewTÄ“st”[ dec alte ye» < alS |d)enW il diese m« $ Bd--t Sn--- feint in6fll ® oonb ."1,13(119* ,ut Es hat Wunder gewirkt, berichtet ein amtlich beglaubigtes Schreiben folgenden Inhalts: Greifenberg, Pommern, 21. Mai 1905. Meine Tochter erkrankte am 27. September vorigen IabreS an innerer Entzündung, Verschleimung des Magens, Blutarmut, durch viele Blutverluste, angegriffene Brust, vollständiqeAppetitlosigkeit und häufigesErbrechen, dazu hohes Fieber. Medizin wollte der Magen nicht annehmen. Ter Arzt Herr vr. St. sagte zu mir, wenn ich meine Tochter noch einmal gesund sehen wollte, so müßte dieselbe kräftig effen, das war aber nicht möglich, denn der Magen nahm nichts oder nur sehr wenig an, infolgedessen war die Kranke bis zum Skelett abgemaqert. Eines Tages sagte der Arzt, er laste ein Stärkungsmittel kommen, mit der Hoffnung, daß es wohl helfen würde. Nach Empfang des Biofon wurde dasselbe gleich nach Dorschrist zubereitet, der Magen nahm es an, das Fieber nahm ab und die Kräfte nahmen zu und die größte Freude hatten wir am 1. Weihnachtsfeiertag, beim nach 8 tägigem Gebrauch des Biofons forderte die Kranke und zwar am Weihnachtsfeiertage ein Stückchen Brot und so fand sich der Appetit immer mehr. Es hat geradezu bei meiner Tochter Wunder gewirkt, denn Jeder, der meine Tochter sah, gab mir zu verstehen, daß es wohl zu Ende gebe. Albert Brockhausen, Schuhmacher. Unterschrift beglaubigt durch Königl. Preuß. Notar Johann Cornelius de Witt, Greifenberg, Pommern. Biofon ist erhältlich in Apotheken, Drogerien rc. da? halbe Kilo-Paket zu drei Mark: mit Bouillonertract oder mit Cacao ersteres zur Suppenbereitung, letzteres als Morgengetränk. Man verlange vom Biosonwerk Bensheim die Broschüre mit den Berichten über die von den Prosefforen, Aerzten und in Krankenhäusern rc. erzielten Erfolge. b% ^Nen, in^hing MifncnCelet Ec« 'der ßQ. Cnt Men K-rKr Qrunii fo't ui«, t nich? Ä^ben ,u ißensMi1' lo4 teln Ne* ■ fisSs W für tat. % so zu "n cinien ‘ ^nt. leit mit * diese s s iÄ Sltito, 'J 8< im 'SÄ”" •«>» rttn: "»b--ch-n. SSt IN 8'^°^ d«h munen auch ^fcier angj xidalleRW^ zu reinigen. Ich ^'t-mn Erfolge "des Duell w £ "H wird im Gegenteil ■ Qtar, toie die Cache 1 nicht immer möglich, Aus dem Iteickstaff. H. Berlin, 15. Jan. Ein großer Tag, der ein kleines Haus fand — damit käßt sich der Eindruck des heutigen Beratirngstcraes wieder- geben. Es hatte sich zwar eine' elwas größere Anzahl von Wgeordneten eingefunderr als in den letzten Tagen, aber immerhin sah es recht spärlich mit den Gesetzgebern aus, und vom Regierungstische aus wurde der Mehrheit des Hauses durchaus nicht zu Gefallen gesprochen. Mars beherrscht die Stunde, Herr v. Einem hatte Rechenschaft abzulegen über einen Tnellfall, der nicht statt- gefunden hat. Der Notar Feld haus in Mühlheim a. Rh. wurde mit schlichtem Abschied aus seinem Verhältnis als Reserveoffizier entlassen, weil er einen Kollegen, der ihn gröblich beleidigt hatte, nicht kurzerhand vor die Pistole lud. £>crr R0eren trug den Fall dem Kriegsminister sehr eindringlich vor und knüpfte daran die entsprechenden Kommentare. Ter Krieqsminister erklärte sich auch bereit, die Interpellation sofort zu beantworten: wie das geschah, das hat bei der Mehrheit einige Verblüffung hervorgerufen. Herr v. Einem sprach erst für sich sein Bedauern über den Vorfall aus. Auf den Spruch der Ehrengerichte hätte er aber keinen Einfluß. Der Minister verwies auf die bekannte Kabincttsordre des Kaisers sowie auf den Umstand, daß in der aktiven Armee im ganzen abgclaufenen Jahre nur ein einziges Duell vorgelommcn sei. Dann aber kam eine Erklärung des Reichskanzlers, der bei weitem kriegerischer denkt als der Kriegsminister. In dieser Erklärung wurde darauf hingewiesen, daß die Reform der Str'asprozeßordnung noch im Fluß sei. Jedenfalls aber könnten Offiziere nicht in der Armee geduldet werden, die Angriffe auf ihre Ehre nicht sofort aus das nachdrücklichste ahnden'. Diese Erklärung, die an Offenheit nichts zu wünschen übrig ließ, wurde mit lebhafte st er Unruhe vom Hause ausgenommen. Zufrieden gaben sich damit nur die Konservativen, als deren Wortführer Himburg sich durchaus mit den Ausführungen des Reichskanzlers und des Kriegsministers einverstanden erklärte. Der Freis. Dove dachte darüber wesentlich anders und seine Antwort auf die Erklärung des Reichskanzlers ließ an Deutlichkeit mich nichts zu wünschen übrig. Daß in der Erklärung eine direkte Aufforderung zum Duell enthalten sei, könne nicht bestritten werden. Einen etwas versöhnlicheren Standpunkt nahm Bas- s ermann, der diplomatische Führer der Nationallibe- ralen ein, der den Fall au.ch nicht billigen konnte, dem Kriegsminister aber mildernde Umstände zubilligte, weil dieser eben keinen Einfluß ans den Spruch der Ehrengerichte habe. Tann kam Bebel mit dem schwersten Geschütz, das irgend aufzutreiben war. Der Reichskanzler müßte eigentlich auf Grund des § 110 an geklagt werden, weil er öffentlich zum Ungehorsam gegen die bestehenden Gesetze auffordert. Bebel befaßte sich sodann noch sehr eingehend mit dem Cö feuer S. E., der ,,Erzi ehun g zur Geseyl0 si gkei t". Dr. Bachem erklärte unter dem Beifall des Zentrums, die Erklärung des Reichskanzlers habe ihn wie ein Schlag ins Gesicht getroffen. Tie Bestätigung des ehrengerichtlichen Urteils durch den Kaiser sei eine Regier- ungshandlung, für die der Reichskanzler verantwortlich ge- -mad)t werden müsse. Auch Abg. Träger (freis. Vp.) übte heftige Kritik -an der Auslassung des Kanzlers, desgleichen Abg. Stöcker, während Herr v. Tiedemann (Rp.) dem Standpunkt der Regierung beipflichtete. Herr v. Einem suchte etwas abzuwinken. Er mißbillige das Duell, suche es einzuschränken — es ganz zu vermeiden sei nicht unter allen Umständen möglich. Mit dem Schlußwort des Abg. Roeren, der erklärte, er habe es bisher noch nicht erlebt, daß so offen die Mißachtung der Gesetze gepredigt worden sei, wie hier vom Reichskanzler, schloß die Besprechung, bei der die Regierung sehr unalücklich abgeschnitten hat. Ein „dies nefastns“, wie Dr. Bachem bemerkte. je liegt so: DaS Thren.' r Feldhaus Mig l«, gatte, 2. ob er schuldig Und eS hat >e erste j f] (Hört, horth m: h. g der Jnterpel- Höchste Cchlachwiehpreile in F r a n k f u r t a. M. Fleischpreise in Gießen Ochsen Kälber Schweine 50 Ka. Schlachtgewicht 76-79 Mk. '/, Kg. Schlachtgew. 86—90 Pf. V, , „ 78—00 „ '/, Kg. 72-80 Pfg. 7, , 70—80 , 7, „ 76 86 . Getreibepreffe in Mannheim Brotpreise in Gießen Kaufen Sie jetzt Mk. u B prompt und billigst. 254 B16, Der Borstand. 25 PL' vier AunOesvereirre: Gesangverein Harmonie, Bauerfcher Gesangverein, Gesangverein Heiterkeit. Gesangverein Gemütlichkeit. Teppiche, Verlagen Tischdecken MAGGF8 Bouillon-Kapseln f <^x 1 Tasse vorzüglicher vx7, Annahme von Geldeinlagen zur Verzinsung je nach Kündigung bis 4% fürs Jahr — 2 Portionen in Kapseln zu 10 bezm. 15 Psg. — empfiehlt an- gelegentlichst [0*% Christoph Bieker Neustadt 55. •"Ui mio Bekömmlichkeit ist der aus der Drogerie öas*l Seibel m Frank'urterSlr.39 Telephon 593 Vorschüsse auf Wertpapiere unter günstigsten Bedingungen Joseph Herz 23 Neuen Baue Giessen Neuen Baue 23 Eröffnung von laufenden Rechnungen Gewährung von Krediten lohann Bland Weideugasse 1, II. Stock (CaiL Krämer) Verleih-Anstalt schwarzen u. GcsellschaftS- Anzügen. |398 Matha-Äiiögs und Dominos in großer Auswahl iMF* zu verleihen. Bettbarchente 81««** Betttuchleinen 160 an breit Lonsianatuch prima..... Cretonne viele Arten, nur prima, von Von Dienstag: an: h ___= Tadellos frisch -----■ j | |a, alSerfeinster Cabiäau 1 S per Pfund 30 Psg. s 1 Isländer Cabiiau per Pw. IT Psg. K I Hochfeine Angelschellfische | M blntfrischestc Qualität M W je nach Größe 36, 85 und 38 Psg. Ä E Backfisch per Pfund 17 Pfg. gS IW| Bratschellfisch (größere Fische) M« Ira per Pfund 22 Pig. M I N la. Flusshecht :: Grosso Schollen BK 1 W kießeuer SeefislhMllkkt i i ÖL Gebr. Berdux | Bahnhof str. 27, Lindenplatz 12 n 2li. 1906 zu Gießen. Die erst für den 19. Januar angesetzte Versammlung zwecks Konstituierung der einzelnen Ausschüsse findet Aounerstag, den 18. Januar, avends 9 Zltzr im unteren Saale des Cafe Eibe!! statt. Alle hierzu besonders geladenen Herren werden nochmals gebeten, recht pünktlich zu erscheinen. AerheMr Sitgta. Dritter Vortragsabend am Donnerstag, dem 18. Januar, 81/, Uhr im oberen Saale des C-afß Ebel. Herr Geh. Hosrat Dr. Siebeck: Chr. Htlvicus in Gießen als Mckiker (1005—1617). Herr Professor Dr. Geppert: Ans alten L'grlein-igsMzeichniistn öer nieüizin. Fatultät. Herr Ober-Bibliothekar Dr. Heuser: Znr Wichte der älteAe» Uninelßtätssahne. Gäste willkommen. Damast-Ueberzüge beste Ware 385 . Damen-Eemden in farbig . . Mk. Tischtuch Halbleinen 115/150 . . 1.35 . Kaffee-Decken 115/150, per Stck. 1.45 . Wischtücher • 50 «t- Waffel-Decken per Stück 2."" Taschentücher Dtzd. 4.50, 3.50, 1.20 . fiMMvllMZN EemdenOanelle ->» Meter 30 pfs- SchiirzensloBe tal““Ä«35 - Bett-Kattune ,cbane MMte;er Meter 30 . Prima Satin Augusta Meter von 38 Blousseline nur neue Muster 35 *“**■ Rouleaus Köper, er6m und weiss 35 » Bettbarchent 160 cm breit . . 155 -- Mein diesmaliges Angebot übertrifft an Billigkeit alles bisher Gebotene Grosse Ausverkaufsposten Kleiderstoffe Die Bier-Grosshandlung von Gotthilf Wöhrle Telephon 344 Marburger Strasse 7 Telephon 344 empfiehlt [280 Giessenee* Brauhaus ls/i oder «/, Flaschen für Mk. 3.— Esht Kulmbacher Sandierbräu 7- Str. Fl. 20 Pfg., y, Str. 13 Pfg. B^asnaer Äktienbaer 71 Fl. 18 Pfg, 7, Fl. » Pfg. Tucher9hr6äiu 7- Str. 20 Pfg, V, Str. 13 Pfg. Jedes (Quantum frei ins Hans. = cm br. 85 - 12 P£ Meter Jß Pfg. " 58 n Kattaftln! Gin Waggon hochfeine gelbfleischige Speise- und Salat- tortoffelii (Paulsens Juli» eilige- troffen und empfehle dieselben zu ganz billigen Preisen. Magnum bonum in nur prima Qualität GIESSEN 4 ■ - Zibbeline c schwM8t6 Ä breit Zibbeline 120 an breit, uni, prima Cheviot in vielen Farben, prima Cheviot prima reine Wolle Diagonal, 120 cm breit UUV VÄVl Beine Wolle, Wert 4.50 Mk. Neuheiten ia □ Stollen Karo schöne Sachen ....... Sommerstoffe 110 Zibbeline °It6ina 1.10 Verwaltung von offenen und geschlossenen Depots Stahlkammer mit Schrankfächern unter Selbstverschluss Tee | Mi Kakao Tee ijj Kakao Tee Kakao Teei|| Kakao Tee||® Kakao Teej3=Kakao Versteigerung. Der zur Konkursmasse Carl Zimmermann in Lollar gehörige Qnarzitsteiubruch nebst dazugehörigem Gelände, Arbeiter-Schughütte, Kippmagen, Schieneugeleise, Auf- u. Ablade- kreppet« täglich frisch bei 230 Hofbäcker B3oBB, Mäusburg 12. stets aus Lager. [29 J. Weisel, 235^ Tonnenffr. 6.|uetroaltcr g.26t,erm(un,. [02H Holzverfteigerung in der fürstlichen Oberförsterei Sich. Montag, den 22. Januar, von vorm. 9Vt Uhr im Distrikt Haler: Scheiter 240rm Buchen, örm Eichen (Werkscheiter); Knüppel- 410 rm Buchen, 30 rm Eichen, 2 rm Birken. 2 rm Weichholz, 2 rm Äladelholz; Stöcke: 154 rm Buchen, 36 rm Eichen, ca. 3 rm Scheit- brocken; Reisholz-Wellen: 6080 Buchen, 420 Eichen, 250 Hartlanb- holz, 200 Weichlaubholz, 1800 Nadelholz (Fichten). 3 Stück Eick;enschmtthol» — 3,13 fm (Schwarzwald); 1 Jichten- schnittholz = 2,85 fm (knorrig) 56 cm, 12 in); 18 Stück Flchtenbauholz — 3,13 fm; 63 Fichtenderbstangen — 3,80 fm; 185 Fichtcnreisstcmgcn — 0,47 fm. Die Zusammenkunft ist auf der Hauptschneise, dort, wo der chauffierte Weg von Kolnhausen her über den Höler Weg nach Albacher Hof (alte Gießener Straße) hin den Rücken passiert. Dienstag, den 23. Zauuar, von vorin. 9V, Uhr an im Tlstrckt Aicilbach: Scheiter: 644 rm Buchen (2 rrn Hainbuchen, rund) 4 rm Eichen; Knüppel: 194 rm Buchen, 43 rm Eichen, 6 rm Hart- lanbholz, 3 rm Nadelhori; Stöcke: 223 rm Buchen, 30 rm Eichen, Relsholz-Wellen: 8900 Buchen (ca. 3u00 Forst.vellen), 500 Eichen. 4 Stuck Etchenschnittholz = 3,02 fm: 8 Stück Buchenschnitt- holz = 8,0lfm; 1000 Fichtenderbstangen -- 25,00 frn; 1400 Fichten, reisstangen — 12,00 fm. Die Zusammenkunft ist auf der Kreisstraße Lich—Hattenrod dort, wo dieselbe voinDlcinalweg Burkhardsfelden—Nieder-Bessingen gekreuzt wird. gUt rampe, in der Gemark. Mairrzlar belegen, soll Donnerötag, de« 18. Januar, uachm. 4 Uhr auf Grotzh. Ortsgericht zri Atamzlar meistbietend versteigert werden. Auskutist erteilt der Konkurs-» Kaufmännischer Verein. Wir eröffnen Mittwoch, de« 17. Januar, abends 81/, Uhr fm Lereinshause eine VortraiisreiK flher WcchseHehre für Geschüstsinhaber und Angestellte. Für unsere Mitglieder unentgelllich, Nichtmitglieder zahlen 6 Mk. Es ist wöchentlich ein Vortragsabend vorgesehen, und werden Tag uni) Stunde nach den Wünschen der Hörer bestimmt. Um zahlreiche Beteiligung bittet Fertige Wäsche Kissenbezüge 4’5eiüg gebogtstüCk 95 Maschir.enreparatur- S 81 dli vÖl Werkstätte u. Schlosserei Ausführung von Dreher-, Hobel- u. Kräs arbeiten Maschinen-Reparaturen n. Neuanlagen Eisenkonstrnktions-Arbeiten aller Art