Auf bequeme Mabel "P$* - itag, von */t9 Ut)t axv WrW enwstehll (E ler Lchombcr,Valliorsir. 51. 'itocbecT^ j(tl= ni siud dauerhaft. essen, Wilh. Dürbeck E? r Pi.-n- u. »-r-'ZnwLL 1 Gewerbe- Akademie U Friedberg Srtf* bei Frankfurt a. M. '"±«1 Erstes Blatt 156. Jahrgang Samstag 14. Juli 1906 4>ie heutige Yummer umfaßt 16 Seiten darauf, daß die Festlichkeiten an seinem Hofe dem Publikum ausführlich geschildert werden. Hat er doch anfangs versucht, die Art dieser Schilderungen von ihrem bisherigen Niveau auf ein höheres, sozusagen literarischeres zu heben, indem er einen bekannten Romancier sondieren ließ, ob er wohl bereit wäre, in dieser Hinsicht (sans travailler pour le Roi de Prusse) zu wirken, — die Antwort lautete freilich ablehnend. Ter Kaiser, der noch nie einen der Wortführer der öffentlichen Meinung aus dem Lager der Tagespresse Teutschlands von Angesicht zu Angesicht erblickte, hat bei manchen Gelegenheiten ausländischen Journalisten unverhältnismäßig hohe Ehrungen erwiesen. Die von Amerika verglich er bei der Ausreise des Prinzen Heinrich bekanntlich „kommandierenden Generälen", und erst vor einigen Monaten zählte zu den Gasten eines kleinen Tiners von wenigen Personen, Has der amerikanische Botschafter dem .Kaiser gab, Elmer Roberts, der Repräsentant der amerikanischen ^Associated Preß. Und als, gleichfalls vor nicht langer Zeit, ein Berliner Korrespondent Londoner Blätter, Bashford, einer englischen Revue einigen Text zu Illustrationen geliefert hatte, die den deutschen Kaiser als Jäger zeigten, durfte er das Heftchen dem Kaiser in besonderer Audienz feierlich überreichen. Eine Redaktcice des höchst ftagwür- digen Pariser Frauenbtatres „La Fronde" ließ der Kaiser sich im Foyer des Wiesbadener Hoftheaters vorftellcn und würdigte sie einer Unterhaltung, die lang genug war, um der in Paris nicht eben angesehenen Dame Stoff zu ein ein Dutzend von Feuilletons zu liefern. Und bei dem letzten Besuche, den Wilhelm II. seinem königlichen Oheim Ed- VII. ab stattete, bat er diesen, die Leiter der am meisten deutschfeindlichen Blätter Londons zur Tafel zu laden, setzte sich, nach Tisch, im Rauchzimmer, unter sie, bezauberte sie durch seine Konversation, — und mußte es erleben, daß sie unmittelbar nach seiner Abreise in ihren Blättern schrieben: es sei naiv, zu glauben, daß derartige persönliche Liebenswürdigkeiten ihre politische Haltung bestimmen könnten, — was denn auch prompt durch eine Reihe gehässigster Artikel bekräftigt wurde. Der machtvollste Herrscher ist heutzutage außer Stande, die Presse durch seinen bloßen Willen in seine Bahnen zu lenken. Kommandoworte verhallen als leerer Schall im Reiche der Setzer kästen und. Rotationsmaschinen.Das hatte schon Kaiser Wilhelm I. erkannt, der „alte" Kaiser, der der heutigen Generation bereits so altmodisch erscheint, und der es nicht verschmähte, selbst -zur Feder zu greifen, um, als praktischer Journalist, seine Meinung in Broschüren und Leitartikeln zu verfechten. Tas hatte Napoleon III. erkannt, der, wenn er von seinen Mi- nistern überstimmt wurde, in seinem Brüsseler Leibblatt heftige Angriffe gegen sie verössentlichte, deren Stil den kaiserlichen Verfasser sofort verriet. Und das hat auch König Edward VII. von England erkannt, gegen den, soweit seine Persönlichkeit in Frage kommt, man niemals einem unfreundlichen Worte in der gesamten englischen Presse begegnen wird, weil er es verstanden hat, sich mit deren Führern du pair au pair auf das beste zu stellen. Es ist keine Seltenheit, daß ein Kammerherr oder Adjutant des Königs abends auf den Londoner Redaktionen, gleichviel welcher Partei, erscheint, und irgend eine Bitte des Königs übermittelt, die dieser als Gentleman an Gentlemen richten läßt. Journalist und Gentleman? Die derben Marginalien, mit denen Kaiser Wilhelm II. täglich die ihm vorgelegten, fein säuberlich auf Kartontafeln geklebten Ausschnitte aus deutschen Zeitungen versieht, zeigen ihn in dem bedauerlichen Irrtum befangen, daß zwischen diesen Begriffen ein prinzipieller Unterschied zu machen sei... . Nr. 163 «rscheiut tügltch außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Kamillen» blätter mermal in der Woche beigelegt. Rotationsdrua u. Verlag der Brühl'schen Unioers.'Buch-u.Stein- bruderet. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Redaktion 112 Verlag n.Exped.^Eol Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Deu§?ehes Reich. Berlin, 13. Juli. Man meldet aus Hammerfest: Kaiser Wilhelm setzte heute vormittag um 10y2 Uhr an Bord der Hamburg" bei aufklärendem Wetter die Fahrt nach dem N o r o k a p fort. — Wie der^Lvkal-Anz." erfährt, beabsichtigt König Eduard nach seiner Reise nach Marienbad im August mit Kaiser- Wil h c l m zusammen zu treffen, der um diese Zeit in Wilhelms- l)öhe bei Kassel weilen wird. Der König hat den Vorschlag gemacht, den Besuch auf Schloß Friedrichshof bei Kronberg stattfinden zu lassen. Daraus ergibt sich von selbst, daß er z u r T a u f e des Sohnes des Kronprinzen nicht nach Berlin kommen wird. — Ein Londoner Blatt meldet, König Eduard habe den Herzog von Eonnaught, seinen Bruder, beauftragt, ihn bei der Taufe des ersten Enkels seines kaiserlichen Neffen zu vertreten. — Tic „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Der König richtete an den Finanzministcr Frhrn. o. Rheinbaben folgendes Handschreiben : „Mein lieber Staatsminisler! Die Verabschiedung der Gesetze über die Reform der Steuern int Reiche, sowie über die Abänderung des Einkommensteuer- und des Er- gänzungSsteuergesetzes in Preußen gibt mir willkommenen Anlaß, Ihnen meinen wärmsten Dank auszu sprechen. Sie haben sich um das Gelingen dieser Gesetzcswerke, welche für die Sicherung einer geordneten und segensreichen Weiterentwicklung des Reiches und des Staates von größter Bedeutung sind, hervorragende Verdienste erworben. In Anerkennung derselben und nm Ihnen einen neuen Beweis meines Vertrauens und meines Wohlwollens zu geben, habe ich Ihnen das Kreuz und den Stern der Komture des königl. Hausordens von Hohenzollern verliehen. Es gereicht mir zur Freude, Sie hiervon unter Beifügung der Ordensabzeichen in Kenntnis zu setzen. Ich verbleibe Ihr wohlgeneigter König." . t , . __ dem am 6. Oktober in Goslar zusammentretcnden n a t -liberalen Parteitag werden sprechen: Hicber über polit Rückblicke und Ausblicke, Paaschc über die Reichsfmanz- reform und Patzig über nationalliberale Partei- und Mittel- taiidspolitik. (Rat.-Ztg.) Der Bar am Scheidewege. Die Gerüchte über einen bevorstehenden Ministerwechsek erhalten sich in sonst unterrichteten Kreisen hartnäckig. Feststehen dürste, daß der Abgang des d e fte h e n d e n Ministeriums grundsätzlich beschlossen ist, jedoch die Schwierigkeiten der Neubildung noch nicht überwunden sind. Man spricht jetzt wieder mit Bestimmtheit von einem Koalitionsministerium. Andererseits erklären die Kadetten, nur ein Ministerium ans ihrer Partei annehmen zu können. In der Duma ist dagegen das Gerücht verbreitet, der Zar habe das reaktionäre Reichsratsmitglied Platonow zum Premierminister ausersehen mit denr . Auftrage, die Duma auszulösen und eine Neuwahl auszu- = schreiben. Jedenfalls muß sich in kürzester Zeit Herausstellen, ob dem schwergeprüften Rußland die erste parlamentarische Regierung oder ein neues reaktionäres Ministerium, wenn , nicht gar die Militärdiktatur, zugedacht ist. Die „Boss. , Ztg." hält das erste für das allein mögliche, denn nur so ■ werde die Duma zu dem, was sie von Anbeginn zu werden. strebte: zu einer konstituierenden Versammlung. Die ge- . wichtigsten Gründe sprechen in der Tat für die Wahrschein- : lichkeit einer parlamentarischen Regierung. Zunächst die wachsende Unzuverlässigkeit der । staatlichen Machtmittel. Ein zweites zwingendes Moment aber ist das finanzielle. Von anderer als französischer Seite neuen Kredit zu erhalten, ist für Rußland wohl so gut wie ausgeschlossen. England legt zwar ; auffallendes Interesse für den Zaren an den Tag. Ter Besuch des englischen Geschwaders in den Ostseehäfen ist aber soeben „auf eine günstigere Zeit, wahrscheinlich nächstes Jahr, verschöbe n" worden. Die Intentionen zu diesem Beschluß, der von russischer Seite ausgehen feil, finden nach offiziöser Darstellung durch folgende Erwägungen ihre Erklärung: Der geplante Besuch ist mit lebhafter Befriedigung von der russischen Negierung ausgenommen worden, die in demselben einen Beweis der Sympathie der englischen Nation für Rußland sah. Leider haben gewisse politische Parteien in England und Rußland eine heftige Agitation gegen den Besuch angefacht, zu dem Zwecke, Fragen der inneren Politik Rußlands mit der 1 Angelegenheit zu verquicken. Die loyalen Erklärungen des eng* 1 lischen Ministers des Auswärtigen haben der Frage ihren eigent- : lichen Charakter wiedergegeben und sind in Petersburg voll go : würdigt worden. Tie russische Regierung glaubt mit Rücksicht auf die politische Krise, die Rußland gegenwärtig durchzumachen bat, der Gefahr vorbeugen zu sotten, daß die Ankunft der englischen Schiffe Gelegenheit zur Erneuerung der Agitation und zu Zwischenfällen gibt die geeignet sind, die Beziehungen zwischen Rußland und England für die Zukunst zu beeinträchtigen. Zwischen dem Kaiser von R n ß l a n d m n d König Eduard sind, wie weiter aus Petersburg offiziös versichert wird, sehr herzliche Telegramme ausgetauscht worden. Aber diese Anteilnahme Englands an Rußland in klingende Münze umzusetzen, wird sich erst recht John Bull hüten, solange nicht die Krisis in Rußland entschieden ist. Tie russische Regierung braucht aber dringend Geld, denn Mißernte und Hungersnot stellen bedeutende Anforderungen an die Staatskasse. Nach alledem sollle man meinen, es könne für den Zaren keine andere Entscheidung bleiben, als die Berufung eines aus fortschrittlichen Mitgliedern des Neichsrats und der Duma bestehenden Ministeriums. Nun besteht allerdings in der Duma nichts weniger als ein Ueberfluß an überlegenen, zur Negierung geeigneten Persönlichkeiten. Groß war die Duma bisher nur in geräuschvoller Kritik, in endlosen und maßlosen Reden. Ein einziger Mann hebt sich vorteilhaft hervor aus der Schar aufgeregter Mittelmäßigkeiten und wilder SEgitatoren: Fürst llrossow, der früher dem Minister des Innern zur Seite stand. Er hat in einer großen Rede Ende vorigen Monats die unhaltbare gegenwärtige Situation scharf beleuchtet, unter rücksichtsloser Kennzeichnung der Schuld der Regierung und Behörden an den Judenverfolgungen, des „Doppel-Anarchismus" von links und rechts. Er scheint das Zeug dazu zu haben, Rußland in die Bahnen gesetzlicher Ordnung zurückzuführen. Jedenfalls ist die Stunde der schwerwiegendsten Entscheidung nahe. * In den Wandelgängen der Duma wurde versichert, das Kabinett Goremykin sei bereit gewesen, zurückzutreten, als die Nachricht von dem Mordanschlag auf den Admiral Tschuknin eintraf und in Petersburg starke Aufregung verursachte. Ter Zar erklärte daraufhin angeblich, in eine Entlassung vorerst nicht ein zu willige n. Andererseits ist bezeichnend für Oie Lage,^daß der in Aussicht genommene Nachfolger Goremytins Schipow in den letzten Tagen zweimal in Peterhof war. Schipow suchte den Zaren von der Unmöglichkeit eines Koalitionskabinetts zu überzeugen. Es gäbe nur zwei Möglichkeiten : die jetzige Regierung oder ein Kadetten-Käbinett. Ter Zar äußerte sich nicht näher hierüber, doch sprach er unverhohlen seine Unzufriedenheit über die Duma aus. Am Freitag beschäftigte sich die Reichsduma mit der Aufforderung zur Teilnahme au der interparlamentarischen Konferenz in London. Aladin und Na- bokosf erklären, daß die Duma das einzige Parlament der Welt sei, in dem alle Deputierten in dem Wunsche einig seien, für bie Beseitigung des Krieges zu wirken. Die Duma beschließt, sechs Teputierte auszuwählen, die am Montag nach London abreisen sollen. Im weiteren Verlaufe der Sitzung hörte man ruhig mit voller Aiifmerk- amfeit die Antwort des Gehilfen des Justizministers, Seller- tinsky, an. Dieser erklärte, daß das Ministerium durchaus bereit sei, den Wünschen der Duma nachzukommen unb' Wie der Kaiser von der Kresse denkt. Wenige Monate nach seinem Regierungsantritte, am 27. Oktober 1888, empfing Kaiser Wilhelm II. im Berliner Königsschlosse eine Abordnung des Magistrats und der Stadtverordneten von Berlin. Sie wollte ihm die Schenkungsurkunde zu dem Neptunbrunnen von Neinhold Begas überreichen, der die Mitte des Schloßplatzes schmückt und den der Berliner Volkswitz, unter Anspielung auf den Namen des damaligen Oberbürgermeisters „das Forcken- becken" getauft hat. Die Audienz verlief unvorhergesehenermaßen sehr ungnädig. Es war der kürzlich verstorbene Stadtverordnete Gerstenberg, wenn wir nicht irren, der nachmals erzählt hat, wie das Stadt«zberhaupt Berlins überhaupt gar nicht in die Lage kam, seine sorgfältig vorbereitete, schwungvolle Ansprache zu halten, der Kaiser vielmehr gleich nach Eintritt in das Gemach selbst eine längere Rede an die Deputation hielt und diese, sowie er geendet, wieder verließ, sodaß sie nicht einmal wußte, wie sie nun eigentlich die Schenkungsurkunde loswerden sollte, und sich schließlich dafür entschied, sie auf einen Stuhl zu legen, — und dort liegen zu lassen. In dieser Rede, deren Text — wohl kaum ganj wortgetreu — dann in der Nummer 276 der „Nordd. All- gem. Ztg." veröffentlicht wurde, sagte der Kaiser unter anderem folgendes: „Während ich meine Gesundheit und alle Kräfte eingesetzt habe, um durch Anknüpfen von Freundschaftsbanden den Frieden und die Wohlfahrt des Vaterlandes zu sichern, haben die ^agesblätter meiner Haupt- und Residenzstadt die Angelegenheiten meiner Familie in einer Art und Weise an die Oesfeutlichkeit gezogen und besprochen, wie sich ein Privatmann das nie würde gefallen lassen. Ich bin dadurch nicht nur schmerzlich berührt, sondern auch mein U n w i l l e ist dadurch erregt worden. Vor allem bitte ich mir aus, daß das fortdauernde Eitieren meines Herrn Vaters gegen meine Person endlich unterbleibt. Es v e r l e tz t m i ch als Sohn aufs Tiefste und ist unpassend im höchsten Grad e." Der damals 29jährige Monarch wußte nicht, baß eine Erfüllung seiner so geäußerten Wünsche, wenn überhaupt im Bereiche ber Möglichkeit, so doch jedenfalls nicht im Machtbereiche Derer lag, von denen er sie im Befehls- habertone erheischte. Seine Worte bezeugten eine völlige Unkenntnis bon-bem Wesen ber Presse an sich, zugleich eine starke Animosität gegen die Presse unb bie Männer, die bereu Herren unb Diener zugleich sind: gegen bie Journalisten. Hat sich nun in den achtzehn Jahren, bie seitdem vergangen sind, etwas an diesem Urteil des Kaisers geändert? Die Antwort kann nur in einem Nein bestehen, unb es ist gewiß nicht unnütz, es einmal offen auszusprechen, baß es feinen erklärteren Gegner ber Presse unb der Journalisten gibt, als Wilhelm II. Tie Tatsache könnte auf den ersten Blick überraschen. Legt man sich jedoch Rechnung von ber Psyche des Kaisers ab, wie er sie tagtäglich in spontanen Worten und Taten nach außen hin kundgibt, so löst sich das Rätsel. Der Kaiser hört es gern, wenn man ihn einen modernen Herrscher nennt, und man weiß, wie unermüdlich er bestrebt ist, auf allen ihm erreichbaren Gebieten seine Kenntnisse zu bereichern, mit der Fortentwicklung des menschlichen Wissens Schritt zu halten, und wie er in denjenigen Fächern, die ihn besonders interessieren, z. B. in Militär- und marine* technischen Fragen, Autoritäten dur-ch seine Sachkenntnis, sein Gedächtnis, seine Belesenheit und sein Erfassen des Wesentlichen verblüfft. Tiefen Gaben des Verstandes steht eine Auffassung von seinem Herrscherberufe gegenüber, die auf das Prädikat „modern" keinen Anspruch erheben kann. Als 'strenggläubiger Christ ist der Kaiser tief davon durchdrungen, daß er sein Herrscheramt der göttlichen Macht allein verdankt und ihr allein auch einst darüber Rechenschaft abzulegen hat, wie er dieses Amtes waltete. Fühlt er sich auserwählt unb erhöht vor Millionen, so muß ihn die Kritik biefer „Winkelschreiber" nichtig berühren, bie, wie er meint, nichts anberes zu tun haben, als hinter ihren Tintenfässern alles Große unb Erhabene herabzn- toürbigen. Nichts hat es an biefer Anschauung geänbert, daß bie Ereignisse so manchem „Winkelschreiber", ber da, wo es not tat, in selbstloser, patriotischer Hingebung warnend seine Stimme erhob, dem Kaiser gegenüber Recht gegeben haben. Dies zu erlernten und zuzugeben, daran mag den Kaiser auf dec einen Seite fein stark ausgeprägtes nnb wohlberechtigtes Selbstbewußtsein hindern. Auf der anderen aber muß die Schuld daran den Männern'zu- gesprochen werben, die seine persönliche Umgebung Lüben unb ihn systematisch in seiner, ihnen sehr sympathischen unb nützlichen Verachtung der ösfent - lichen Meinung unb ihrer Sprachrohre bestärken. Ein Beispiel für viele: Als einer ber obersten Beamten seines Hofes bent Kaiser bie Einladungslisten für die Trauung seines ältesten Sohnes, bes Kronprinzen, in der Berliner Schloß kapelle, bie an Raum ziemlich beschränkt ist, vorlegte, sah ber Kaiser sie burch unb fragte: „Unb bie Presse?" Der Hofbeamte erklätie, er hielte es nicht für not- lvendig, Vertretern ber siebenten Großmacht einen Platz in ber Kapelle anzuweisen. Da griff ber Kaiser selbst zum Bleistift und befahl, baß drei Männer der Presse geladen werden sollten, nämlich ein Reporter des Reichsanzeigers, ein solcher des offiziellen Telegraphenbureaus, und eiibltaj jener greife Berliner Berichterstatter, den der Kaiser seltsamerweise einst einen „lichtvollen Historiographen" nannte. Denn wenn der Kaiser eine Ktitisrerung feiner politischen Handlungen durch die Zeitungen nur altzuleicht als eine dreiste Anmaßung empfindet, so legt er sehr hohen Wert ä Bezugspreis, ▼ W monattich7bPf., viertel- GietzenerAnzeiger w General-Anzeiger " ** SS Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WW ■jinmuiiiH-1?- -'_-i iLiiiii ui i ■ . __zeigeuteil: Hans Beck. «Recht und Gerechtigkeit zu wahren. Noditschew greift ba§' Ministeriuin heftig an und bemerkt, daS rirssische Volk habe Es Vertrauen zu der russischen Justiz verloren, die ihre Urteile schon gefällt habe, bevor der Prozeß stattfinde. In Warschau wurde am 13. gegen das Mitglied des Kriegsgerichts, General S ch w e i k o w's ki, ein Attentat verübt." Der General blieb unverletzt, seine Gemahlin wurde von zwei Kugeln getroffen. In Kamyschin im Goru- vernement Saratow fanden große Ausschreitungen statt. Ter Stadthauptmann wurde vom Pöbel gefangen genommen und das Gefängnis zerstört. Sämtliche Gefangenen wurden frei- gelassen. Wegen des Militäraufruhrs in Wilna wurden mehrere Regimenter Kavallerie dorthin entsandt. In den kaukasischen Gouvernements ist der Bürgerkrieg in vollem Gange. Tie aufständischen Bauern haben den Truppen wiederholt schwere Niederlagen beigebracht. Tie Lage in Se b a st o p o l ist verzweifelt. Ein großer Teil der -Artillerie meuterte und versuchte, die Geschütze gegen die Stadt zu richten, wurden aber von anderen Truppen daran gehindert. ______________ Areysus-Mügeleien und Duelle. Paris, 13. Juli. Nachdem in der heutigen Morgensitzung der Kammer der Kriegsminister die beiden angckündigten Gesetzentwürfe in Sachen DreyfuS und Picguart mit einer längeren Rede eingebracht hatte, in welcher die Gründe für die Wiedereinstellung der beiden in die Armee erörtert wurden, wurde in der Nachmittagssitzung nach kurzer Debatte der Dringlichkeit für di^Gesetze zugestimmt und alsdann dieselbe mit 473 gegen 42 Stimmen angenommen. Cochin äußerte sich abfällig über die Campagne gegen die Armee. Bertrand (Sozialist! ruft ihm zu, er möge von dem Lumpen sprechen, der im Senat säße. Cochin führt darauf aus, Mercier habe im Einverständnis mit seinen Kollegen im Kabinett von 1894 gehandelt. Barthou, der diesem Kabinett angehörte, erhebt dagegen Einspruch, ebenso Brisson. Pressensö bedauert, daß es nicht möglich sei, -Mercier vor Gericht zu ziehen. Er wünsche nicht, ihn körperlich zu züchtigen, aber die Schuldigen müßten gebrandmarkt werden. Redner fragt, ob man zulassen wolle, daß französische Soldaten den Befehlen von Uebeltätern wie Boisdoffer unterstellt werden. Pugliesi-Conti (Nationalist) führt aus, indem er auf die Ministcrbank hinweist, eine R e- gierung, die zulasse, daß Ofsiziere in dieser Weise be- schimpft werden, sei feige und verächtlich, llnterstaats- sekretär Sarrnat stürzt sich sofort auf ihn, schlägt ihm heftig ins Gesicht und nimmt hierauf ruhig seinen Platz auf der Ministerbank wieder ein, während sich in einem Halbkreise um ihn ein Tumult und eine Schlägerei entwickelt. Brisson bedeckt sich, verläßt den Saal und läßt die Tribünen räumen. Der Deputierte Pugliesi-Conti sandte Sarraut sofort eine Duellforderung. Das Duell wurde noch abends auSgefochten. Sarraut erhielt eine Degenwunde an der rechten Seite der Brust. Die Sekundanten Sarrauts waren die Minister Clömenceau und Thomson. Die Wunde Sarrauts erscheint schwer. Immerhin erscheint sein Leben vorerst nicht gefährdet. Sarraut ist Mitbesitzer der radikalsozialistischen „D^peche de Toulouse". Pressense brachte schließlich in der Kammer eine Tagesordnung ein, worin die Regierung aufgesordert wird, die an den Fälschungen beteiligten Ofsiziere auS dem Heer auszuschließen und ihnen die Ehrenzeichen zu nehmen. Dieser Antrag wurde indes abgelehnt und die Sommersession geschloffen, nachdem noch ein Antrag auf Ueberführung der Ueberreste Emile Zolas ins Pantheon mit 344 gegen 210 Stimmen angenommen worden war. General Mercier war kühn genug, im Senat das Wort selber zu ergreifen, zweimal sogar. Er kritisierte das Vorgehen des Kassationshofes, da dieser unter Ausschluß der Oeffentlichkeit ohne Gegenüberstellung der Zeugen verhandelt habe. (Lärmender Widerspruch links.) Der KaffationShof habe nicht die Zeit gehabt, das ungeheure Aktenmaterial über die Dreyfus-Angelegenheit durchzuarbeiten. Auf Vorhaltungen -über sein Verhalten im Jahre 1894 erwiderte Mercier unter dem Lachen der Linken, er sei der Ansicht, daß daS Erkenntnis des Kriegsgerichts von Rennes bedeutend beweiskräftiger gewesen sei als das gestrige. (Widerspruch links.) Mercier fährt fort, er wolle sich nicht vrrteidigen, sondern seine Stimmabgabe begründen. Als er sich anschickte, über seine innerste Ueberzeugung zu sprechen, wird er von dem Lärm der Linken übertönt. Senator Delpech (sozialistischer Radikaler) spricht sich nachdrücklich dahin aus, daß Mercier an Stelle von DreyfuS in § Bagno gehöre. (Lebhafter Beifall.) Mercier, von der Linken mit Lärm empfangen, besteigt zum zweiten Male die Rednertribüne und erklärt, er habe nicht die Richter angreifen wollen, sondern einig und allein das Verfahren. (Redner verläßt die Tribüne unter starkem Lärm.) Der Senat nahm schließlich die Anträge betreffend Wiedereinstellung von DreyfuS und Picguart in die Armee mit ungefähr zwei Drittel Mehrheit an. In einem De ge nduell zwischen dem Leutnant Andre, dem Sohne des ehemaligen Kriegsministers AndrL, und Paul ibe Cassa gnac junior, der seinen Vater durch den alten Andre für beleidigt hielt, wurde der erstere leicht verwundet. Der Generalrat des Devartements Bauches du Rhone nahm in einer außerordentlichen Sitzung einen Antrag an, worin der Rat ersucht wird, den General Mercier aus dem Senate auszuschließen. Ferner wurde ein Antrag angenommen, die Regierung möge den Rat der Ehrenlegion veranlassen, alle in der Dreyfus-Affäre kompromittierten Offizie re aus derListe derOrdenS- ritter zu streichen. Aus Stadt und Land. Gießen, den 14. Juli 1906. '* Vom Großherzoglichen Hofe. S. K. H. der /Großherzog besuchte am Donnerstag abend den Zirkus Schumann in Frankfurt a. M. — Am 19. d. M. beabsichtigt der Großherzog die Lederfabrik von I. Monzer u. Sohn in Offenbach zu besuchen und am Abend desselben Tages dem Turnen des Turnvereins Offenbach beizuwohnen. ** Auszeichnung Dem Rektor Hahn wurde zu seiner heutigen 50jährigen Jubiläumsfeier das Ritterkreuz 2. Masse des Verdienstordens Philipps' des Großmütigen verliehen. Ter Orden rourbc ihm bei dep heutigen Schulfeier von Geheimerat Tr. Breidert überreicht. • • Ein Geschäftsjubiläum begeht am morgigen Sonntag die bekannte Verlagsbuchhandlung Emil Roth hier. Der jetzige Inhaber, Herr Otto Roth, hat an diesem Tage vor 30 Jahren (15. Juli 1876) das Geschäft von seinem Vater übernommen. " Verhaftet wurde gestern ein hier beschäftigter Kroate wegen Vornahme unsittlicher Handlungen an Kindern. Wegen des gleichen Vergehens kam auch ein 17jähriger Gärtnerlehrling von hier zur Anzeige. "Gestohlen wurde aus dem Hofe einer Wirtschaft in der Neustadt von unbekanntem Täter ein Fahrrad. * ' Ueberfahren von einem Radfahrer wurde in ber Frankfurterstraße ein Kind. ES wurde nicht unerheblich verletzt. Der Radfahrer machte sich aus dem Staube, sodaß seine Person bis jetzt nicht festgestellt werden konnte. • • Jubiläumsfeier. Der Magazinverwalter Karl Ockel vollendete am 13. Juli 25 Jahre im Dienste der Firma Hey lig ensta edt u. Comp. Der Inhaber der letzteren, Konnnerzienrat 2. Heyligenstaedt, sprach dem pflichttreuen Beamten Dank tihb Anerkennung für dessen ersprießliche Tätigkeit auS, während die Vertreter der Beamten- und Arbeiterschaft dem Jubilar die Glückwünsche des gesamten Personals übermittelten. Durch die Ueberreichung einer Gedenktafel und sonstiger angemeffener Geschenke wurde ber Jubilar ferner sowohl von der Firma, wie von seinen Mitarbeitern geehrt. * • Die Anlagen musik fällt morgen auS. •• Flottenspende ber höheren Mädchen- schülerinnen. Die Schülerinnen ber hiesigen höheren unb erweiterten Mäbchenschule haben sich seinerzeit auch an der sog. Flottenspende beteiligt, einer Sammlung von freiwilligen Beiträgen, die dem Kaiser bei seiner silbernen Hochzeit zur Verwendung für unsere Flotte überreicht wurden. In Anerkennung des durch diese Sammlung betätigten Patriotismus haben der Kaiser und die Kaiserin den dabei beteiligten höheren Mädchenschulen ein Gedenkblatt gestiftet, das die eigenhändige Unterschrift der beiden Majestäten trägt. Unsere höhere und erweiterte Mädchenschule ist dieser Tage in den Besitz des Gedenkblattes gelangt, das zurzeit im Schaufenster ber Hochstätterschen Bilderhandlung am Seltersweg ausgestellt ist. sd. Darmstabt, 13. Juli. Des Wuchers in etwa 100 Fällen schuldig gemacht hat sich der frühere Wirt unb Agent Benedikt Probst, der seit einigen Jahren privatisierte. Er hat durch Mittelsmänner Wechsel angekauft, wobei er 12 und mehr Proz. Zinsen nahm. Er hatte sich ein vollständiges Bureau eingerichtet. sd. Darmstadt, 14. Juli. (Drahtmeldung.) Eine ganze Reihe Einbrüche wurde heute nacht im Zentrum der Stadt verübt. Die Einbrecher drangen zunächst in das Zigarrengeschäft von Kriegs, Ecke der Rhein- und Grafen- straße, ein, anscheinend mittelst Nachschlüsseln, und erbrachen die Labenkasse. Ihre Beute war jedoch sehr gering. Auch in einem in dem gleichen Hause befindlichen Blumengeschäft, sowie in einem Spenglerlaben war bie erbeutete Summe nur sehr gering. Ein weiterer Einbruch erfolgte in ber Expedition des „T. Sing." ebenfalls mittelst Nachschlüssel. Hier beläuft sich bie gestohlene Summe auf 40 Mk. M.H. Frankfurt a. M., 13. Juli. Prinzessin Alepanbra zu Isenburg unb Bübingen, eine Enkelin des letzten Kurfürsten von Hessen unb Schwägerin bes Thronerben von Sachsen-Weimar-Eisenach, würbe im Jahre 1904 von ihrem geschiedenen Gatten, der 10 000 Mk. von ihr forderte, in Konkurs gebracht; obgleich dies trotz ihrer Ueberschuldung nicht notwendig gewesen wäre, weil sie von ihren Gläubigern nicht gedrängt wurde. Was die Prinzessin kurz vor ihrem Konkurse von ihrem auS dem Leben geschiedenen Vater geerbt hatte, belegten die Gläubiger mit Beschlag, sodaß sich die Prinzessin veranlaßt sah, nur ihr Pflichtteil zu reklamieren, das ihr nicht gepfändet werden geitontmen. Er hatte mit einem scharf geladenen Revolver den Sckmtzmann Steffenshagen überfallen, um wegen einer Sistierung seines sechsjährigen Sohnes Rache zu nehmen. Mit Unter- stützung von Passanten wurde er am Schießen selbst verhindert. Ugirversitäts-Nachrlchteir. Dem Professor v. Liszt in Berlin hat der Kultusminister v. Studt untersagt, die angelündigteu Vorlesungen an der neuen, im Herbst zu eröffnenden Handelshochschule Berlin zu halten, so lauge uicht eine ausdrückliche ministerielle Genehmigung dazu uachgesucht und erteilt ist. Dem Vernehmen, nach stützt der Minister sein Vorgehen gegen den berühmten Rechtslelwer auf eine Kabinettsorder aus dem Jahre 1839. Rostock, 13. Juli. Der neue Rektor der Universität Pros. Dr. Robert verbot der Finkenschaft die Anbringung von Anschlägen am schwarzen Brett, was ihr bisher stets gestattet war. Essen, 14. Juli. Auf der Eisenbahnstrecke zwischen, Letmathe und Nachrodt drangen zwei Männer in einen- Abteil ein, raubten einem Passagier die Börse mit Inhalt und sprangen aus dem fahrenden Zuge. Altona, 14. Juli. Der Dichter Prinz von Schöns aich-Carolath liegt im hiesigen Helenenstift schwer krank darnieder. Berlin, 14. Juli. Bebel veröffentlicht eine Erklärung gegen Tr. .Wf Peters. Es heißt in derselben u. a.: Ter genannte Herr Hut vier Monate gebraucht, bis er sich erinnert, daß ich in der Sitzung des Reichstages vom 17. März über seine afrikanische „Külturmission" etwas ge-, sagt habe, das er glaubt, als bewußte Lüge bezeichnen zu müssen. Ich werde darauf gründlich antworten zu einer1, späteren Zeit, da ich die Werten, die ich endlich an treten: kann, mir nicht durch ihn stören lassen will. Dauert dies Tr. Peters zu lange, so will ich ihm zum Trost sagen: Ganz so lange wie er mich warten ließ, werde ich ihm nicht' aus 'meine Antwort warten lassen. Der Fall Peters wird' auch in wiederholter Beleuchtung zeigen, daß, so viele Kv- lonialskandale auch in den letzten 10 Jahren in Deutschland erörtert werden mußten, der Fall Peters immer noch, der skandalöseste geblieben ist. B c r li n , 14. Juli. Zur Tiskussion über den Massen-,, streik veröffentlicht heute der „Vorwärts" einen Artikel, der sich gegen die „Sachs. Arb.-Ztg." wendet und wie folgt schließt: Es handelt sich für den Massenstreik int Frühjahr wieder um die Möglichkeit einer auch nur einigermaßen erfolgreichen Durchführung, da auch die erforderliche Stimmung der Massen vorhanden war und es bleibt nicht minder dabei, daß ein Massenstreik nur dnrchznführen ist, wenn Einigkeit und Klarheit über dessen Durchführbarkeit so wo Ist in Partei- wie Osewerkschaftslreisen vorhanden ist. Paris, 13. Juli. Das „Journal officiel" veröffentlicht die Gesetze, nach welchen Drehfus und Picguart wieder ins Heer eingestellt werden, ersterer unter Beförderung zum Major, Picguart unter Beförderung zum Brigadegeneral. Gleichzeitig wird im „Journal Offt- eiel" Treyfus verzeichnet als Anwärter auf den Orden der Ritter der Ehrenlegion und Major Targc, der die Revision des Trevfusprozesses zum Teil eingeleitet hat, als Anwärter auf den Orden der Offiziere der Ehrenlegion. Rom, 14. Juli. Ter Vatikan-Mitarbeiter der ,,Stam- pa" macht über den baulichen Zu stand des Vatikans überraschende Enthüllungen. Ms sich itt den letzten Tagen Sprünge in den Wänden zeigten, wurden sofort die päpstl. Architekten mit der Untersuchung des Plaastes beauftragt. Sie sanden, daß der ganze Vatikan aufs schwerste baulich gefährdet sei. Besonders in Gefahr sei die Appartemento Borgia, die Residenz des Kardinals Merry del Val. Die Gemächer des' Papstes sind derartig bedroht, daß er ein neues Quartier beziehen muß. Tie Architekten stellen auch den Untergang zahlreicher Kunstwerke fest und fanden zwischen der Decke der Capella Sixtina stnd bereu Dach den bisher nur dem Ruf nach bekannten Geheimkerker für hohe Staatsverbrecher._______ Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen fnv Sonntag, beit 15. Juli 1906: Heiter unb trocken. Morgens Nebel. Nachts kühl, am Tage etwas wärmer. Näheres durch bie Gieüener Wetterkarte. konnte. Unter solchen Umständen mar für die Konkursver- waltung, 311 bereu Verfügung nur überschuldete Realitäten standen, eine verfügbare Masse nicht ba unb ber Konkurs 7e!efomschfe Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank filr Hande) nnd Industrie. Giessen. wurde am 13. November 1904 wieder aufgehoben. Frankfurter Mörse. 14. Juli. 1.15 Uhr. Da 3% Portugiesen HI . 209.80 . 146.80 Türkenlose . . . 114.90 207.80 34.50 146.90 Apotheken rein. Drogerien, Parfümerien. hv”/. . 34 50 . 144.10 . 145.70 Elektriz. Lahmeyer . . Elektriz. Schnckert . . Eschweiler Bergwerk . Gelsenkirchen Bergwerk . 85 50 . 157.10 Berliner Handelsges Darmstadter Bank . . Deutsche Bank . Deutsch-Asiat. Bank Diskonto-Kommandit. . Dresdner Bank . . Kreditaktien . . . . Baltimore- und Ohio- Eisenlahn . Gotthardbahn . . . . Lombard. Eisenbahn . Oesterr. Staatsbahn . . Prince-Henri-Eisenbahn Hamburg - Amerik. Paketf. Rarpener Bergwerk. . . Lanrahütte...... Nordd. Lloyd..... Oberschlcs. Eisen-Industrie Rarpener Bergwerk. Lanrahütte . . Lombarden E. B. Nordd. Lloyd . . . Türkenlose . . . . 143.00 . 128.00 . 252.50 Canada E. B. . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . . Tendenz: —. Beichsanleihe do. Konsols . , do. . . Ressen . . . Oberhessen Blendend weiße Wäsche "«"eit3 mm. nur mit dem echten Tr. Thomvsons Seffenpnlver. Marke Schwan, dasselbe ist irci von jeder schädlichen ätzenden Substanz und greift, die Wäsche auch nicht im geringsten an. — Ueberall zu haben. . 158.00 . 138.60 99.65 37.85 99.55 87 65 98.60 nun der Fürst keine Miene machte, seiner Schwester ihr Pflichtteil herauszugeben, ja sogar behauptete, es sei keines vorhanden, so veranlaßte die Prinzessin einen ihrer Gläubiger, für etwa 300 000 Mk. Forderungen aufzukaufen unb gegen ihn vorzugehen, da sie cs so ohne weiteres nicht selbst burfte, weil in dem Augenblicke der Klageanstellung bas Pflichtteil pfänbbar würbe. Als ber Fürst sah, daß die Hcrauszahlung des vorenthaltenen Pflichtteils nur eine Frage kurzer Zeit sei, veranlaßte er den Baseler Bavtier Baly abermals einen An- trag auf Erklärung des Konkurses bei den Frankfurter Gerichten zu stellen. Diesem Anträge ist, obgleich sich in der Zwischenzeit die Verhältnisse der Prinzessin durchaus nicht gebeffert haben, vom Konkursgericht entsprochen und am 12. Juli der Konkurs erkannt worden. Es wird dabei für die Gläubiger so wenig herausspringen, wie beim Bankerotte vom Januar 1904. 4°6 Oesterr. Gold reute. . 4*/6 Oesterr. Silberrente 4% Unaar. Goldrente . . 45o Italien. Bente . . . 3% Portugiesen Serie I . 3 M7« 3% 3 VA 3% 3^7, 3^7, Gerichtssaal. Braunschweig, 13. Juli. Das Schwurgericht verurteilte beute den Stationsvorsteher Engelmann aus Vilpke wegen Falschmünzerei, Betrug, Amts-Unterschlagung und Urkundenfälschung zu drei Jahren Gefängnis. Tie mitangellagte Ehesrau wurde freigesprochen. 4%7o russ.Staatsanl. 1905 4%°'n japan. Staatsanleihe 4 % Conv. Türken von 1903 220.50 157 80 207 60 231.80 125.10 127.00 169.25 139 00 235.90 177.00 182.70 157.70 100.60 100.55 95.80 103.90 70.10 70.50 88.95 95.30 95 30 wichtig für Jäger, Naturfreunde, Touristen KL-M Diesen gewährt neben nubereit Vorzügen die Nafalan-Toilette-Cröme. (Retortcn-Marke), 30Prg. die Tube, dünn in die Haut gerieben verhindert sie das Stechen der Mücken. Rur echt und rein mit Retorten-Marke und Nantenszug Dr. Adolph List. Erhältlich tu Vermischtes. * Amsterdam, 13. Juli. Bei den offiziellen Begebenheiten der Rembrandt-Feste werden nur die Königin-Mutter und der Prinzgemahl teilnehmen, während die Königin sich die größteSchonung auferlegt. Bereits^ einmal in diesem Jahre glaubte Königin Wilhelmine sich frohen Erwartungen hingeben zu dürfen, erlebte aber im Mai eine Enttäuschung. Seitdem sind wiederum glückliche Umstände eingetreten. Die Niederkunft steht für den Dezember bevor. * Teheran, 13. Juli. Theologie-Studierende befreiten unter Anwendung von Gewalt einen wegen seiner aufrührerischen Sprache verhafteten Professor ihres Kollegs. Hierbei wurde ein Student von der Wache getötet und zwei andere verwundet. Die Geistlichkeit sammelte sich hierauf in der Großen Moschee an. Alle Läden mit Ausnahme derjenigen der Fleischer und Bäcker sind geschlossen. Die Truppen durchstreifen die Stadt. Die Priester verlangen die Ausführung der versprochenen Reformen. Die Lage verursacht Beunruhigung. * Kleine Tageschronik. Wegen versuchten Mordes wurde in Rixdorf bei Berlin der Anstreicher Müffke feft- Herliner ISiirse, 14. Juli. Anfangskurse. 4% Griech. Monopol-Anl. 53.90 4% äussere Argentinier . 90.90 4°/0 Mexikaner .... 70.00 3^7» Chinesen .... 98.25 Aktien: Bochum Guss.....241.50 Buderus E. W ... 124.50 Tendenz: ruhig. ittier Wetterdienst. „ sicsten iür Sonntag, dm »5l5* '°r bisher !i Ä^,W» a9ur bie m- lntlt oiientlicht ein» RrW" r?aSfi Ä“!} «Mtrten . in ®ui. Tauert di-L ,lm aum Lost L ^^ichirmL > !° »iffc t», LetCr5 'nrmernoch 011 über den Massen- Swarts" einen Ar- ^b.-Ztg." ivendet und ^,den Aassenstieif int t mer auch nur einiger« M auti die niorderM iwir und es dleidi nicht k nur durcd^iführen ist, .dessen Durchführbarkeit flsüciscn vorhanden ist. rnas officiel" verössent« redfuä und Picquart n, ersterer unter Besör« unter Beförderung zum wird im „Journal Ofst- tWärter auf den Orden n und Major Sarge, ozesses zum Teil emge- £rben der Offiziere der Mitarbeiter der „Stam- Zustand des Pati- Uunqen. W sich tif v?f Sänbcn jeif[ten, > mit der Untersuchung- , daß der 3 tzeiä^rdet fei. Be mento Dvrcha, die N* ;?A. Tie Gemächer des 'N er ein neues Ouar« fiiteften stellen auch den unstwerke fest und Sixtina und dem ch bekannten Wennkerrer ' 146.90 . n mM^6’ 207-8° : euer Bergwerk ' E v „ffihard« f1 . •"fdl Bl°r ’ E 10.ift mtz L" I„!ekte". i äger, ittnä Kinderwagen, Eisschränke, Sportwagen Vergütung des Fahrgeldes bis 20 Kilometer Entfernung; Emzelsme Kölbel sowie vollständige Zimmer-Einrichtungen gegen wöchentliche, halbmonatl. oder monatliche Teilzahlungen. Auf Kredit erhalten Sie bei kleinster Inzablnng and denkbar bequemster TeilzaNnag unter Diskretion: Üerre^-Gs^gäerob® sowie Knaben- und Jünglings - Anzüge. Oamen - Garderobe wie Kostömes, Röcke, Blusen, Capes, Jacketts, Mäntel Unterröcke etc., Mädchen-Konfektion, Kinderkleider Manufaktur-, Weiss- und Modewaren etc. etc. J. Jttmann Giessen, Blockstrasse 14 und 16. 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Verwandte«, Freunden und Bekannten hierinit die schmerzliche Mitteilung, daß unser lieber, unvergeßlicher Sohn, Bruder und Onkel Herr Schafes* durch einen Unglücksiall in Hamburg verschieden ist. Im Namen der Hinterbliebenen Familie Heinrich Schäfer VII Wieseck, den 14. Juli 1906. Die Beerdigung findet Sonntag, den 15. d. MtS., nachmittags 4 Uhr m Wieseck statt. 4359 Danksagung. Für bie vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem schweren Verluste unseres unvergeßlichen, treuen Vaters, Schwiegervaters und Großvaters 05061 Herrn Heinrich Wormsbächer sowie für die schönen Kranz- und Blumenspenden, insbesondere der werten Nachbarschast sür die liebevollen Aufmerksamkeiten während seiner Krankheit sagen wir allen unseren herzlichen Dank. Karl Beaury u. Frau, geb. Wormsbacher. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden und bei der Beerdigung meines lieben Mannes ~ 4334 Herrn Heinrisk sowie für die zahlreichen Blumenspenden sage meinen innigsten Dank. 4334 Die trauernde Gattin Gi-ß-n, den 14. Jul, 1906. hntharinc Hoch geb. Dietz. Für die Erweiterung des städtischen Schlachthoses und bie Erbauung einer KÜHlyalle >virb zur Unterstützung unseres Hochbauamtes bei ber Entwurfbearbeitung unb Ausführung ein in diesen Arbeiten erfahrener Hochbautechnikcr gesucht. Meldungen mit Lebenslauf, Zeugnisabschriften, Angabe der Gehalts- ansprüche und der Zeit de§ etwaigen Dienstantrittes bis spätestens Ende Juli erbeten. Persönliche Vorstellung zunächst nicht erwünscht. Gießen, den 13. Juli 1906. Bu/7 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Di ec nm. Therese Hess Wilhelm Georg Verlobte. Giessen, 14. Juli 1906. 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Haus): 1 Fahrrad, 1 Nähmaschine, 1 Oekonomiewagen, 1 Klavier, 80 Spazierstöcke, 50 Damen- sonnenschirme, 2 Stämme Werkholz, 4 gr. Bilder, Haus- und Küchengeräte aller Art u. v. A. zwangsweise gegen bar versteigert werde,:. 4347 Gießen, den 14. Juli 1906, Seidel, Gerichtsrwlteicber. Das Beste GeMet™, Fussbekleidung ist der 3270 Chasalla-Nomlstielel ein fertiger Stiefel nach Mass. Für Damen, Herren n. Kinder in allen Ausführungen vorrätig. Patente fast in allen Kulturstaaten. nüpr midfentleert, (mein- *vUtl|ll||ll grün) in all. Größen empfiehlt Wilh. Kohlermaun, Kuferei 4341] Neustadt 12. Obstprcsse zu verleihen. NeiieKiickßlik,Miscrkll>!!e per 50 Ko. mit Sack ab Station Bad-Nauheim gegen Nachnahme zu Mk. 3,20. Ferner: (hv18/7 Neue Zwiebeln 50Ko. mit Sact Äk. 3,80 versendet M. Manasse, Bad-Nanheim, Telephotr 356. Rermil-Fea Hormal-Fo® falsch beschuht Chasalla- Messapparat im Chasalla- Stiefel Alleinverkauf für Giessen und Umgegend Marktpl. 2 Wilh. 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