Nr. 266 Zweites Blatt L86. Jahrgang Montag 12. November 1906 Erscheint tögNch mit Ausnahme des Sonntags. Die „Giehener LamiNenblätter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich betgelegt. Der „yesfllche lavdwlrt" erscheint monatlich einmal. Gießener Anzeiger NotattonSdruck und Verlag der Brühl'schen UnwersuälSdruckeret. R. Lange, Gießen. Redaktion,Expedition «.Druckerei: Cchulstr.7. Tel. Nr. 51. Telegr.-Abr.: Anzeiger Gießen. General-Anzeiger, Amt§- und Anzeigeblalt für den Kreis Gießen. Die heutige Kummer umfaßt 10 Seiten. KeKannlmaHmig. Detr.: Schweiiieseiiche zu Klein-Lrnben. Unter dem Schweiuebcstand des PH. Bernhard zu Klein-Linden ist die Schweineseuche (-Pest) festgestellt worden. Gehöftsperre ist verhängt. Gießen, deu 7. Nooember 1906. Großherzoglicyes KreiSamc Gießen. ________________I. V.: Herberg.________________ Lcküilntmachung. Betr.: Feldbereinigiing in der Gemarkung Leihgestern. Tie auf Dienstag den 13. November l. IS., vormittags 10*/g Uhr, anberaumte Versammluug der beteiligten Grundeigentümer fällt auS und findet Montag den 19. November l. I., vormittags 19'/z Uhr, im SchulhauS zu Leihgestern statt. Friedberg, den 8. November 1906. * Der Großherzogliche FeldbereinigungSkommissär. _______I. V.: Dr. Goertz, NegierungSassessor._________ Lckaiuumachung. Betr.: Feldbercinigung in der Gemarkung Birklar. Die auf Mittwoch den 14. November L I. anberaumte Versammlung der beteiligten Grundeigentümer fallt aus und kindet Dienstag den 20. November l. vormittags 9 Uhr, im Saale deS Gastwirts Johannes Engel zu Birklar statt. Friedberg, den 8. November 1906. Der Großherzogliche FelbereinigungSkommissär. I. V.: Dr. Goertz, Negierungsassessor. Vom polnischen Schulstreik. Die Zahl der gegenwärtig beim deutschen NeligionS- nnterricht im Posenschen streikenden polnischen Kinder übersteigt 40 000. Erzbischof v. Stablewski in Posen empfing eine großpolnische Abordnung der ganzen Provinz, die ihm für seinen Standpunkt im Schulstreik dankte. Sprecher der Deputation war Rittergutsbesitzer Dr. v. Jakowski. Der E^bischof dankte für die Huldigung und sprach die Hoffnung aus, daß Gott den Polen den Sieg verleihe. Infolge ihrer den Schulstreik fördernden Tätigkeit wurden die Pröpste Szurcynski aus Posten und Laubitz aus Hohensalza ihrer Aemter als Mitglieder der Schuldeputation enthoben. Dieselbe Maßregel traf eine große Anzahl von Gemeindevorstehern als Schulvorstandsmitglieder in den Kreisen Kosten und Hohen- salza. In Kandrzin wurde ein Zentral verein der oberschlesischen katholischen Geistlichkeit gegründet mit dem Erzpriester Abg. Glowatzki als Vorsitzenden. Der Verein mißbilligt bas Eintreten von Geistlichen in das poln ische Komitee zur Vorbereitung der geplanten Schulstreikversammlungen, welche Kardinal Kopp inhibierte. Er verurteilt scharf das gemeingefährliche Treiben der oberschlesischen Groß Polen-Blätter, insbesondere ihre stete Verunglimpfung des Kardinals Kopp. Trotzdem gewinnt der oberschlefische Schulstreik an Ausdehnung. In den Gemeinden Brzinka und Carlsscgen weigerten sich viele Schulkinder, im Religionsunterricht deutsch zu antworten. Polnische Demonstrationen werden gegen den Fürstbischof Kopp geplant, der wegen ferner Stellung zum Schulrinderstreik als „Handlanger der preußischen Negierung" bezeichnet wird. Es sollen die polnischen Bischöfe aller drei Teile des ehemaligen Polenreiches eine Vorstellung an den Vatikan richten und darauf Hinweisen, daß eine derartige Handlung eines Oberhirten einer Million Polen eine Lockerung der Bande herbeiführen muß, die das polnische Volk an Rom kette Eine zweite Demonstration gegen den Fürstbischof wird von den Polen der Atark Brandenburg am 8. Jauuar, am Tage der Feier des 25- jährigen Bischossjubiläums des Kardinals veranstaltet. In öffentlichen Versammlungen soll dem Fürstbischof ein Register seiner Sünden gegen die Polen vorgehalten werden. Massen-Beleidigungsklagen gegen Rektoren und Lehrer der katholischen Gemeindeschulen in Berlin sollen von polnischer Seite angestrengt werden. Auch in den Berliner städtischen Gemeindeschulen wurde eine Statistik der polnisch sprechenden Kinder durch die Lehrkräfte ausgenommen. Verschiedene Lehrer und Rektoren werden nun beschuldigt, daß sie bei Aufnahme dieser Statistik wie bet anderen Gelegenheiten den polnischen Kindern gegenüber sich in hämischer abfälliger Weise über das Polentum geäußert haben. Von polnischer Seite wurde gleichzeitig eine geharnischte Beschwerde an die städtische Schul-Depulation eingereicht. Die Lmtslibcralcn und die nächsten Reichtaßswahlen. Frankfurt, 11. 9tob. Gestern und heute verhandelten unter dem Borsitz des ReickslagSabg. v. Payer hier d-e Vertreter der Freisinnigen V o l k S p a r t e i, der F r e i s in n i - gen Vereinigung und der Deutschen BolkSPartei über ein Zusammengehen der bürgerlichen Linken bei den nächsten Wahlen. Nach eingehender Beratung wurde einstimmig beschlossen: Die berufenen Vertreter der Freis. Volkspartei, der Deutschen Vvllspartci und der Freis. Vereinigung beschließen, auf ein Zusammengehen der links stehenden bürgerl. Parteien bei den kommenden Reichstagswahlen unter Wahrung der politischen Selbstündigkeit der einzelnen Parteien hinzu- wirkcn, eine Verständigung über die Ausstellung von Kan- didaturen unter Mitwirkung der Wählerschaft in den für die liberale Werbearbeit in Betracht kommenden Wahlkreisen berbciiujnbrcn und ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß eine Befehdung der liberalen Gruppen unter emander in Wort und Schrift unterbleibt. Zur Förderung des Zusammenwirkens der bürgerlichen Linksparteien bei den Wahlen wird ein Ausschußvon Vertrauensmännern gebildet. Ter Ausschuß hat die Aufgabe, die für ein gemeinsames Vorgehen erforderlichen Maßnahmen vormbereiten und auf eine Vermittelung bei etwa entstehenden Meinungsverschiedenheiten hinzuwirkcn, ohne in die Selbständigkeit der einzelnen Parteien einzugreisen. Die Festsetzung der für die Bildung des Ausschusses erforderlichen Einzel- bestimmungen wird den berufenen Vertretungen der Parteien (Zentralausschuß und Gcschästsführcuder Ausschuß) übertragen. Die Vertreter der liberalen Parteien vereinbaren, nach erfolgter Verständigung über alle in Betracht kommenden Fragen und nach Benehmen mit den Organisationen und parlamentarischen Vertretungen der einzelnen Gruppen in einem gemeinsamen Ausruf aus die Notwendigkeit des Zusammengehens aller liberalen Kreise hinzuweisen, die bereit sind zur Durchführung einer entschieden freiheitlichen Politik in Deutschland und zur cnergti'djen Bekämpfung der gemeinsamen Gegner zu- sammenzuwirken. Der zu wählende Ausschuß wird ersucht, die Berufung einer größeren Bersammluno in Frankfurt x. M. in Aussicht zu nehmen. Die Jahrhundertfeier der deutschen Technischen Hochschule in Prag. Prag, 10. Nov. Im Beisein angesehener Feftgäste aus Deutschland und dem Ausland feierte die deutsche Technische Hochschule Prags die Hundertjahrfeier ihres Bestandes. Die tschechischen Professoren sagten gestern wegen des angeblich großdeutschen Charakters des Jubiläums ab. Namens der Deputation der Universitäten des Deutschen Reiches überbrachte Professor Koken-Tübingen Glückwünsche. Rektor Pros. Dr. Grantz-Berlin überbrachte Glückwünsche der technischen Hochschulen uud Bergakademien Deutschlands und überreichte eine Glückwunschadresse der Technischen Hochschulen Berlins und Hannovers. Bankhausen sprach oen Wunsch aus, das kommende Jahrhundert möge so reich an Erfolgen für die Anstalt sein wie das verflossene. Namens der Technischen Hochschule in Dresden überbrachte Rektor Pros. Dinde der Prager Anstalt, mit der die Dresdener Hochschule durch politische und geographische Bande verknüpft sei, Glückwünsche und sprach den Wunsch ans, daß die innigen Beziehungen, die zwischen beiden Hochschulen herrschen, wachsen, blühen und gedeihen mögen. Von stürmischem minutenlangem Beifall begrüßt, verlas sodann der Vertreter der Technischen Hochschule in .Helsingfors, Prof. Holmberg, die Glüüwunschadresse der Anstalt, in welcher darauf hingewiesen wird, daß die Technik in Helsingfors nach germanischem Muster organisiert wurde. Der Fest- versammlung wohnte auch Kardinal Skrbensky bei. Bei dem dann folgenden Bankett toastete Geheimrat Engler- Karlsruhe auf die älteste Schwesteranstalt auf dem alten Boden des heiligen römischen Reiches deutscher Nation, die trotz der Grenzpsühle als zur deulse ..i .vuduriueit gehörend betrachtet wird. (Stürmischer Beifall.) Infolge der sich in erschreckender Weise mehrenden UcbevfäUe auf Eisenbahnzüge, die Geldsendungen mit sich führen, hat der Ministerrat beschlossen, die Post m besonderen Zügen, bestehend aus vier bis fünf Wagen mit Militär, zu befördern. Solche Züge werben, da sie aus Panzerwagen bestehen, auch den Sicherheitsdienst auf der Bahnlinie über- nehmen. Der Kredit für die Ausführung dieses Entwurfes nebst voller Verpflegung des kriegsbcrenen Militärs wird auf 33 Millionen Rubel veranschlagt. ES sind mehrere Bataillone Infanterie abkommandiert worden, um in der Umgegenb von Rogow Nachforschungen nach den Räubern beß Postwagens anzustellen. Die Gelbsendung des Zuges war mit 1 300 000 Rubel versichert. Man vermutet, daß sich em Teil der Räuber un Zuge befunden und die Retse von anfang an nntgemacht hat. Zwischen den Stationen D^uMnath uno Lantschuty sprangen acht Räuber aus einen aus Saturn kommenden Zug, beraubten die Passagiere 2. Klasse, verwundeten zwei Schassner, zwangen dann den Lokomotivführer, den Zug halten zu lassen, sprangen dann vom Zug und flüchteten in den nahen Wald. In Tiflis explodierte bei einer nach Mitternacht vorgenommencn Haussuchung eine Höllenmaschine, wobei zwei Schutzleute und ein Hausknecht getötet wurden, ein Aussetzer der Schutzabteilung und ein Polizeiofsizier verwundet wurden. In dem Seitengebäude des Hauses, in dessen oberem Stockwerk die Haussuchung vor sich ging, war keiner von den Beamten anwesend. Unter einem Bette wurden Revolutionäre Aufrufe aufgesunden. Als man ein im Zimmer stehendes Schränkchen abrücken wollte, erfolgte die Explosion, die so heftig war, daß der ganze Oberstock des Seitengebäudes einstürzte. In Kronstadt fanden in den letzten Tagen Mass en - Hinrichtungen von Matrosen statt, die unter dem Verdacht standen, Reoolutionären Helfersbienste geleistet zu haben. Die Hinrichtungen würben zum Teil auf ben Kriegsschiffen oorgenommen, wo man Sie Leichen über Borb warf. In ein Fort von Sewastopol drangen während der Nacht 10 maskierte Personen. Sie halten sich im Einvernehmen mit der Wache Eintritt in die Festung verschafft. Sie fesselten ben diensthabenden Offizier und ließen ihn von einem bewaffneten Manne bewachen. Hierauf drangen sie in die Kasernenräume ein, in denen die Soldaten schliefen. Nachdem sie zahlreiche Karabiner-Gewehre geraubt hatten, entflohen sie. Es wurden einige Verdächtige in Haft genommen. Ein Vureneinfall in die Kapkolonie. Kapstadt, 10. Nov. Amtlich wirb geinelbet: Der Transvaal-Bur Ferreira und mehrere andere Buren sind im Nordwesten der Kapkolonie eingebrungen und versuchen, einen Aufstand ins Werk zu setzen. Sie überraschten zwei Polizeistationen und brachten Waffen in ihren Besitz. Zwei Soldaten wurden verwundet. In Abibunaseaar nahmen Ferreira und seine Genoffen einen Polizeibeamten gefangen. Ferreira wirbt Rekruten und befindet sich auf dem Marsche nach Zkartnoiber. Es heißt, daß er ihnen erklärt, daß et auf die Farmer einen Druck ausübt, sich ihm anzuschließen, indem er ihnen erklärt, baß in Transvaal ein Aufstand bevor st ehe. Außer 153 Mann, die nach PrieSka abgehen, ist ein Polizeiinspektor mit 15 Mann aufgebrochen, um den Eindringlingen den Weg zu versperren, 25 Mann sind zur Aufklärung an die Grenze beordert. Die Kapregie- cung ergreift alle Maßnahmen, die notwendig sind, um die Bewegung zu unterdrücken. Ernsthafte Gefahr besteht insofern, als die Landeseinwohner fast keine Beziehungen zu der Außenwelt haben und durch übertriebene Berichte über die Erfolge Ferreiras getauscht werden können. Deutscher Reich. Berlin, 11. November. Gestern und heute sanden die Rekrutenvereidigungen der^Gardekompagnien Geistliche Musikaussübrung in der Stadttirche. Gießen, 12. dkov. Ein herrlicher Späthorbstsonntag! Gestern noch Regen, Keilte eitel Sonnenschein! Da pilgert noch einmal alles hinaus in die Natur — um sich an ihr zu erfreuen? Es ist schon saft Winter. Da zeigt sich uns die Natur in kahlem, trostlosem Zustande. Ist es mit uns Menschen nicht ähnlich? Wir stehen am Ende des Kircherrjahres, und da ist es Sitte der Kirche, den Gläubigen zur Einkehr in sich selbst zu veranlassen. Prüft er gerecht, so wird ihm auch eine kahle, trostlose innere Natur bleiben. Aber draußen scheint die Sonne, und wir vertrauen ihrer Kraft. Sie wird den Winter überwinden, denn „es muß doch Frühling werden". Auch für uns wird es wieoer Frühling werden, auch unserm Innern leuchtet eine trostspendcnde Sonne. Gib dich zufrieden, Gott ist dein Quell und deine Sonne. So zog es sich gestern durch die musikalische Vesper des Kirchengesangvereius. Ich habe Kirchenkonzerte gehört, die vor leeren Bänken ftattfanden. Sie waren zu eintönig. Anders die gestriae Aufführung! Sie bot reiche und dabei doch natürliche Mwechslung und hat gewiß bei vielen neues Interesse für die geistliche Mlrsir geweckt. Eingeleitet wurde sie durch eine Or g c 11 o c c a t a, die bei dem größten Teil der Hörer leider wenig Beachtung sand. Für mich sind die Toccaten, die Vorläufer des Präludiums, recht interessant, denn sie vermengen unvvrberettet Laufwerk, Verzierungen und Ansätze bunt zu Fugen. Dann wechselten Frauenstimme, gemischter Chor und Kuabcnchvr. An musi- Zalischem Wert stehen am höchsten .Beethovens Büßlied, die beiden Tum a sch en Chöre und vor allem der Schluß, Mendelssohns 4 2. Psalm, den er 1841 vollendete. Zu Mendelssohns Zeiten waren seine Psalmen die verbreitetsten Tonwerke, uns sie haben auch etwas Sonniges, das religiös und weltlich nicht unterscheidet, etwas Süßes, das den naiven Zuhörer gefangen nimmt. Hat der alttestamentliche Dichter dos „VAch verlangt nach Gott" schon in reiche Bilder gekleidet, so redet Mendelssohns Schöpfung eine noch viel beredtere Sprache. Alles in allem, man kann der Leitung der Aufführung nicht absprechen, ein interessantes, geschmackvolles Programm ausgestellt zu haben. 9lun zur Ausführung. Zunächst verdienen die beiden Leiter, Herr Dtusikbircktor Trautmann und Herr Gör- lach, uneingeschränktes Lob. Gleich vorweg will ich diesen auch noch danken für die ausgezeichnete, diskrete Begleitung. Abgesehen von einigen kleinen Unreinheiten sind wir auch stimmlich ganz zufricdcngestellt worden. Die Herren vom Daß hätten ja zuweilen etwas weniger bescheiden sein können. Wenn ich sonst etwas zu tadeln hätte, so'wäre eS das Eiltempo, das von Anfang bis zu Ende herrschte. Mußte das ganze Programm in kaum 50 Minuten abgv- wickelt sein? Angenehmer ist es mir nun, Lob ausMeileik. Neben den beiden Dirigenten tritt natürlich zunächst die Solistin, Frl. Stammler, hervor. Mit einer reinen, frischen Stimme ausgestattet, zeugt die ausgezeichnete Deklanralion, die Sicherheit und brllkame Technik üv.i fleißiger Schulung. Gießen dars sich einer solchen Kraft mit Recht freuen. Der gemischte Chor muß sich schon mit einem Gesamtlobe begnügen. Recht von Herzen loben möchte ich aber die lieben Kleinen. D^an hört heute so selten frische Knabenstimmen einen Choral singen, daß man dem hiesigen Knabenchor nur Gutes wünschen ferne. Namentlich das „Laßt mich gebn" hinterließ einen tiefen Eindruck. Ließ sich auch der hessische Dialekt nicht ganz vermeiden, so war es doch ein herrlicher, seltener Genuß, diese beiden Choräle. Hervor- zuheben ist Bei allem auch noch der vornehme, genaue Einsatz. Anders mit bem Publikum, dem ich doch einige Heine Unarten nicht vorenthalten kann! Warum muß man gerade während der Toccate tzusten und flüstern und so seine Interesselosigkeit zeigen? Man muß doch auch Rücksicht auf d i e Zuhörer nchmen, die sich einem ungestörten Genuß hingeben wollen. Dann sollte man auch das nächstemal die Kinder, die Neigung zum lauten Sprechen haben, zu Hause lassen, von vielem anderen noch abgesehen. Der starke Besuch wird das Interesse an solchen Aufführungen zur Genüge bewiesen haben. Daraum gehe ich wohl nicht fehl, wenn ich allen Mitwlrkenden (nicht zu vergessen den Knabcnchor!) zurufe: Auf Wiederschen! O. R. • — Am Sonntag ist in Steglitz bei Berlin der frühere Direktor der Nationalgalerie und vortr. Rat im Kultusministerrum Geh. Oberregierungsrat Dr. Max Jordan infolge eines Herzschlag^ im Alter von 69 Jahren plbtzllch gestorb-em UNde spricht morgen abend Bezirksgeologe Dr. Lotz von k Uhr Feuer, das in 8 bis 12 Stunden 21 Häuser, 2 Die 4% Öesterr. Goldrente III Portugiesen 3% . . 147.00 Tflrkenlose . . 118.40 Prinee-Henri-Eisenbahn . 147.25 Börse, 12. November. Anfangskurse. . 221.20 80 20 154.60 Gelsenkirchen Bergwerk . 221.60 Hamburg - Amerik. Paketf. 155.00 69.10 69.40 89.00 92.40 93.60 34 00 144.20 . 231.20 . 123.50 83.70 124.90 Elektriz. Lahmeyer . . Elektrik. Schnckert . . Esch weil er B er »werk . 98.00 86.15 98.00 8615 97.00 Harpener Bergwerk Lanrahtitte . . f.ombarden E. B. Nordd. Lloyd . . Tiirkenlose . , . . 67.40 . 96.20 Harpener Bergwerk Lanrahfltte . . . . 169.00 . 137.60 . 237.50 . 168.60 . 180.80 . 154.80 . 211.10 99.40 100.05 95.15 Berliner Handelsges Darmstadter Bank . Deutsche Bank . Deutsch-Asiat. Bank Diskonto-Kommandit. Dresdner Bank Kreditaktien . . . Baltimore- und Ohio- Ei senl abn . Gotthardbahn . . . Lombard. Eisenbahn Oesterr. Staatsbahn . DaS lautet: Beichsanleihe do. Konsols . . do. . . Hessen . . . Oberhessen . 211.50 . 241.00 . 125.00 „Hurra! Innigste Glückwünsche! Gott segne Kind und Mutter! Der Große Woog, der Kleine Woog. Es lebe der Kleine Erbgroßherzog! 3°/„ Mexikaner . 4J4°/o Chinesen . . Aktien Bochum Guss . . . Buderus E. W . . Tendenz : still. Berliner yn Oesterr. Silberrente linear. Goldrente . . Italien. Bente . . . Portugiesen Serie I . 4%°/'o russ.Staatsanl. 1905 4%°ln japan. Staatsanleihe 4 % Conv. Türken von 1903 . 175.50 . 137.50 41/e9- 4% ' 4% ; w0 3% Wo 3% Wo Wo ung veranlaßte einen nur geringen Besuch. Von den äußerst interessanten Ausführungen des Abgeordneten ist seine Stellungnahme zu den neuen Verkehrssteuern HervorzuHeben. Als Anhänger einer direkten Reichseinkommensteuer bedauere er, daß man zu Verkehrssteuern hätte greifen müssen, von denen er nur die Fahrkartensteuer Halbwegs für berechtigt hält. Dieser Steuer hat Graf Oriola auch zugestimmt. Des weiteren verbreitete er sich auch über die Fleischnot und über deren Beseitigung durch Oeffnen der Grenzen. An Hand von zahlenmäßigen Belegen suchte Redner nachzuweisen, daß trotz Einfuherla.ubnis aus einzelnen angrenzenden Auslandsgebieten bei weitem nicht das gestattete Quantum nach dem Inland eingeführt würde, und chließt daraus, daß eine Fleischnot auch im Ausland bestünde. — Nachdem sich andere Redner zur Diskussion nicht ;emeldet hatten, wurde die Versammlung mit einem drei- achen Hoch auf Kaiser und Lan^esfürsten geschlossen. d. Mainz, 12. Rov. Der Gelderheber Franz Leonhardt, der bei der städtischen Sparkasse seit einer Reihe von Jahren tätig ist und bei Bewohnern der Stadt gegen Coupons Ersparnisgelder erhebt, ist seit Freitag spurlos verschwunden. L., der verheiratet, 45 Jahre alt ist, hat schon mehrmals zweifelhafte „Reisen" gemacht, ist aber immer wieder nach Hause zurückgekehrt. Äm Sonntag vormittag wurde Leonhardt auf dem Friedhof gesehen, gegen 10 1/2 Uhr früh fand man ihn auf dem Grabe seines Vaters erschossen vor. Von dem einkassierten Geld hatte er noch über 500 Mk. bei ich. Ob er Unterschlagungen verübt hat, ist noch nicht fest- gestellt, viel kann es aber nicht sein, da er im günstigsten Falle nicht mehr als 700 Mk. einkassieren kann. Da L. eine Kaution von 1800 Mk. gestellt, erleidet die städtische Er- parnisbank keinen Schaden. — Die Leichen des beim Zu- ammenstoß der Güterzüge bei Kostheim getöteten Lokomotiv- ührers Geß und des Heizers Heil wurden gestern nachmittag auf dem Friedhof beerdigt. Die Beteiligung an dem Leichenbegängnis der beiden Beamten war außerordentlich groß, besonders stark waren die Beamten der Eisenbahn vertreten. ________________________ Canada E. B. . . . Darmstädter Bank . . Deutsche Bank . . . Dortmunder-Union C. . Dresdner Bank . . . Tendenz: schwach. 140.00 125.50 237.40 Anwesenden imb trank auf das gute Einvernehmen der Einwohnerschaft des Kreises und des Kreisamts. Hiermit war die schöne Feier, die ein beredtes Zeugnis von der Wertschätzung und Beliebtheit der beiden von hier weggehenden Beamten bildete, beendigt. •• In der Gesellschaft für Erd- und Länder- 4% Griech. Monopol-Anl. 52.50 äussere Argentinier . 89.20 Vermischte». — Der Prozeß des falschen „Hauptmanns v o n K ö p e n i ck" dürfte voraussichtlich die erste diesjährige Schwurgerichtsperiode zu Berlin beschäftigen. Die Voruntersuchung gegen Voigt wird vor Ablauf der nächsten Woche bereits abgeschlossen sein. Zur Hauptverhandlung wird ein gewaltiges Zeugenmaterial aufgeboten, so daß der Prozeß mehrere Tage in Anspruch nehmen wird. Voigt ist jetzt gänzlich hergestellt. Besonders bemerkenswert ist es, daß er in seinen Schriftsätzen ein gutes, orthographisch richtiges Deutsch schreibt und über einen guten Stil verfügt. Die Anklage des Staatsanwalts wird nicht auf Verbrechen des Raubes, sondern nur auf Betrug lauten. Es hat übrigens der Gang der Untersuchung ergeben, daß die Version, derzufolge der falsche Hauptmann die Gewehre vorher habe laden lassen, falsch war. Er hat ich vielmehr damit begnügt, beim Einzug in Köpenick die Bajonette aufpflanzen zu lassen. Eine vorherige Ladung der Gewehre ist nicht erfolgt. * Ein Mord. In dem Eilzug zwischen Hamburg und Altona wurde am Samstag der Altonaer Zahnarzt Claussen ermordet. Die Untersuchung, hat bisher folgendes ergeben: Den Tod des Opfers hat eine große Anzahl Schadelverletzungen herbeigeführt, von denen allein fünf tödlich waren. Tie Uhr nebst Kette und alles Bargeld bis auf ein Zehnpfennigstück waren geraubt. Die Hosentaschen hingen an dem Körper zerrissen heraus. An der Leiche fand man noch einen Trauring, einen wertvollen Brillantring und eine Brillant-Busennadel. Der im Innern stark mit Blut befleckte Wagen des Zuges ist amtlich beschlagnahmt worden. Der Mörder ist offenbar mit voller Ueberlegung zu Werk gegangen. Er passierte nach dem Betreten des Bahnsteiges diesen mit größter Eile, nachdem der Zug sich bereits in Bewegung gesetzt hatte, und bestieg nicht das zunächst liegende Abteil, sondern lief bis zu dem vorn im Zug befindliche Coupö, in dem Claussen saß. Ueber die Persönlichkeit des Täters ist noch nichts ermittelt. Minister Breitenbach hat auf seine Ergreifung eine Belobnuna von 1 0 0 0 Mark ausgesetzt. — Zur Geburt des ErbgroßherzogS. DaS am Samstag vormittag ausgegebene Bulletin lautet: DaS Befinden Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin und deS ErbgroßherzogS ist weiter ein gutes. Pfannen stiel. Happel. Glückwunsch-Telegramm deS Kaisers Nordd. Lloyd . Oberschles. Eisen-Industrie 124.50 Heer unfc Flotte. — Wegen Beleidigung deS sozialdemokratischen Rechtsanwaltes Dr. Frank in Mannheim in einer der jüngsten Kontroll-Versammlungen der Mannheimer Landwehrpflichtigen wurde der Rittmeister von Muschwitz vom Dienst enthoben und gegen ihn Anklage beim Kriegsgericht in Karlsruhe erhoben. Dr. Frank ist der Organisator der sozialdemokratischen Jugendvereine Badens. Der Rittmeister äußerte sich in jener Kontrollversammlung u. A. dahin: „Dr. Frank ist von Beruf Rechtsanwalt. Er sitzt dort oben bei Gericht, wo er bei jeder Verhandlung ein großes freches Maul hat und meint, er sei etwas. Aber schließlich sind doch diese Leute nichts als Lumpe n. Dieser Mensch verdient den Rechtsanwaltstitel nicht, er ist nicht einmal wert, daß man ihn ansvu ck t". meisterei ergangenen Polizeibefehl nicht nachgekommen ist, nach dem ihm aufgegeben war, die Einfahrt zu fernem Hause in der W o l k e n g a s s e, im Interesse der F c u e r s t dj c x* hcit der Vorschrift gemäß Herzustellen. Auf seinen Emspruch kam das Schöffengericht zur Freisprechung, da der Angeklagte weder den ungesetzlichen Zustand der Einfahrt herbecgefuhrt hat, noch in der Lage ist, ihn zu beseitigen. Er hat im Jahr 1804 das im Jahre 1898 gebaute Haus gekauft, dessen Einfahrt nur 1,42 Meter breit ist. bestehender Vorschrift gemäß aber mcndestenS zwei Meter breit sein müßte. Der Bauplan war damals genehmigt und die damals geltenden Vorschriften dürften erfüllt gewesen sein. Nichtsdestoweniger 6 em übt e^ sich K. das zur Verbreiterung der Einfahrt erforderliche Gelände zu erwerben,^ was aber an dem ungemein hohen Preise scheiterte. Das freisprechende Erkenntnis wurde im Interesse der Stadt von der Staatsanwaltschaft angefochten, aber die Strafkammer kam nicht nur aus materiellen Gründen wie das Schöffengericht zur Freisprechung, sondern hauptsächlich aus formellen. In dem von der Stadt ergangenen Polizeibefehl hätte für den Fall der Nicht- befolgung eine bestimmte Geldstrafe angedroht sein müssen, was aber nicht geschehen ist, weshalb schon aus diesem Grunde eine gerichtliche Strafe nicht eintreten konnte. Es fehlt überhaupt an einer Strafbestimmung, nach welcher K. hätte bestraft,werden können. Zur Bestrafung könnte trhr der Bauherr bezw. die Bau- I'^udwcrker. niaU nlipr b-r rr'^rher bcr"U".".oaen werden. Gießener Strafkammer. )( Gießen, 9. November. Drei Wochen für einen Anzug. Die Strafkammer bestätigte ein von dem Metzger PH. St. aus Launsbach angefochtenes Urteil des Schöffengerichts Gre- ßen, nach dem er wegen Betrugs zu 3 Wochen Gefängnis verurteilt worden war. Der Angeklagte wollte sich von einem Schneider in Klein-Linden einen Anzug anfertigen lassen. Da dieser seine Zahlungsunfähigkeit kannte, riet er ihm in seine Filiale nach Gießen zu gehen und sich dort einen billigen Konfektionsanzug zu kaufen, vorher wollten sie sich aber zwecks weiterer Verabredung in einer Wirtschaft treffen. Ungeachtet der getroffenen Verabredung begab sich St. alsbald in die Filiale und suchte sich einen Anzug zu 35 Mark heraus, indem er dem dort befindlichen Geschäftsführer, der angewiesen ist nur gegen Barzahlung Waren zu verabfolgen, fälschlicherweise angab, sein Prinzipal habe ihm gestattet, den Anzug mitzunehmen; er werde diesem die verabredete Anzahlung alsbald leisten und den Rest später bezahlen, da er eine größere Landwirtschaft übernommen habe und bei. seiner demuächstigen Verheiratung noch mehr Kinder benötige. Er machte dem Geschäftsführer noch weitere Angaben, die es glaubhaft erscheinen ließen, daß eine dahingehende Verabredung stattgefundeu hat. weshalb ihm dieser den Anzug anstandslos überließ. Das Berufungsgericht hatte keinen Anlaß an dem tatsächlich und rechtlich richtigen Urteil der ersten Instanz etwas zu ändern, weshalb es zur Bestätigung desselben gelangte. Kroatische Gastspiele. Ein kroatischer Erdarbeiter, St. P. ans Lipicv war wegen Sittlichkeitsverbrechens, das er an einem fünfiährigen Mädchen in der Nähe der Neubauten der Irrenkliniken verübt hat, unter Anklage gestellt. Das Kind hatte mit seinem Bruder die Arbeitsstätte seines Vaters aufgesucht, um diesem Essen zu bringen, wobei es dem Angeklagten gelang, das auf dem Heimweg befindliche Kind an sich zu locken und die Tat an ihm zu verüben. Die Mutter des mißbrauchten Kindes wurde durch ein Gespräch, welches das Kind mit seinem Bruder füllte, auf die Tat aufmerksam und es gelang ihr, den Täter mit Hilfe des Kindes zu ermitteln. Der Angeklagte leugnete die Tat und versuchte die Sache zu verwirren. Die Beweisaufnahme ließ aber keinen Zweifel an seiner Schuld, weshalb ihm das Gericht eine Gefängnisstrafe von 1.0 Monaten zudiktierte. Eine vom Schöffengericht Miltenberg wegen Diebstahls gegen ihn erkannte Gefängnisstrafe von 3 Wochen wurde einbezoaen und eine Gesamtstrafe von 10 Monaten und 2 Wochen gebildet. Wegen derRichtbefolgung eines PolizetbefehlS sreigesprochen. Der Bürstenmacher H. K. hier erhielt vom Amtsgericht einen Strafbefehl über 30 Mark, weil er einem von per Dürger- Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers« mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie. Giessen. Frankfurter Börse, 12. November, 1.15 ühr. Ich bin natürlich Pate. W i l h e l m." Rordd. Allg. Zig." gedenkt deS freudigen Ereig nisseS in unserem Fürstenhause mit folgenden Worten: „An dem frohen Ereignis, daS die Erfüllung der Sehnsucht des 1 hohen Elternpaares und des hessischen Volkes nach einem Thron- । erben bringt, nehmen das Kaiserliche Herrscherhaus und mit ihm 1 weite Kreise des deutschen Volkes freudigen Anteil und wünschen dem jungen Prinzen Glück und Gedeihen." Auch der Bauer'sche Gesangverein zu Gießen hat , ein Glückwunschtelegramm an Se. Kgl. Hoh. den Großherzog abgesandt und dafür ein freundliches Antwort-Telegramm • erhalten. Ein hübsches Glückwunsch - Geschichtchen erzählt der ,Darmst. Tägl. Anz/: Wie sehr die Gemüter selbst unserer Kleinsten durch die Geburt des Erbprinzen freudig bewegt werden, zeigt das Beispiel einer Fünfjährigen aus der oberen Hügelstraße, die sich am Freitag vormittag mit den, Vorsatze von zu Hause entfernte, sich den kleinen Prinzen zeigen zu lassen. Aus ihrem so nahe vor Weihnachten erklärlicherweise recht dezimierten Spielsachenschatz suchte sie daS noch brauchbarste Stück, ein kleines Schweinchen mit richtigem Borstenfell, aus und zog mit ihrem Werktagskleidchen, nur mit Hut und Mantel angetan und das Schweinchen unverhüllt in der Hand tragend, nach dem Reuen Palais. Der Posten wies die kleine Besucherin lachend zurecht und bald war sie im Portal verschwunden. Freudestrahlend erschien sie nach kurzer Zeit wieder, den kleinen Prinzen hatte sie zwar nicht gesehen, aber ihr Geschenk war angenommen worden. ** Personalien. Ernannt wurde der Gefangenwärter am Landeszuchthaus Maricnschloß Eberh. Metzger zum Gefangenaufseher. — Erledigt ist die mit einem evang. Lehrer zu besetzende zweite Lehrerstelle an der Gemeindeschule zn Wetterfeld. ** Zueinem Abschiedsessen für zwei nach Darmstadt versetzte verdiente Beamte des Kreisamts, den seitherigen 2. Beamten der Provinzialdirektion Dr. Wagner und den bisherigen Kreisamtmann Dr. Wörner, versammelten sich am Samstag etwa 120 Kreiseingesessene auf der Liebigshöhe. U. a. waren fast vollzählig anwesend die Beamten des Provinzialausschusses und des Kreisamtes, Mitglieder des Provinzial- und des Kreisausschusses, Dekan Strack-Leihgestern, die meisten Bürgermeister des Kreises, Deputationen der beiden hiesigen freiwilligen Feuerwehren u. a. mehr. Im Verlauf' des Festessens gedachte Provinzialdirektor Geheimerat Dr. B r e i d e r t des freudigen Ereignisses in der Großh. Familie, indem er ausführte, daß der Jubel, der durch das ganze Land gehe, auch im Kreis Gießen und im Landw. Bezirksverein ein freudiges Echo gefunden habe. In das auf den Erbgroßherzog und II. KK. HH. den Großherzog und die Großherzogin ausgebrachte dreifache Hoch stimmte die Festversammlung begeistert ein, worauf stehend die Nationalhymne gesungen wurde. In einer weiteren Ansprache gedachte G.'heimerat Dr. Brei- dert der beiden Scheidenden, des Oberrechnungsrats Dr. Wagner und des Ministerialsekretärs Dr. Wörner, und gab den Gefühlen des Schmerzes über ihren Weggang Ausdruck. Er sprach ihnen im Namen be§, Kreises die besten Wünsche für ihre fernere Laufbahn aus und bat sie, dem Kreis ein gutes Andenken zu bewahren. Das auf beide Herren ausgebrachte Hoch fand freudigen Widerhall. Beigeordneter Welcker von Allendors a. d. Lda. übermittelte beiden Herren die Abschiedsgrüße des Kreisausschusses, während Bürgermeister Leun im Auftrag der Bürgermeister des Kreises sprach. Er gedachte insbesondere der 10 jährigen verdienstvollen Tätigkeit des Herrn Dr. Wagner und würdige besonders seine Verdienste nm die .Haushaltungsschule. Sein Hoch galt den Beamten des Kreisamtes. Oberbürgermeister Mecum gab den Gefühlen der Einwohner Gießens anläßlich des Weggangs der beiden Herren, insbesondere des Herrn Dr. Wagner, lebhaften Ausdruck. Für die Schulverwaltung und die Lehrerschaft des Kreises sprach Kreisschulinspektor Schulrat Kle i n s ch mi d t herzliche Abschiedsworte, an deren Schluß er den Familien der beiden Herren sein Glas widmete. Für die Beamten des Kreisamts übermittelte Bureauvorsteher Schiff nie herzliche Abschiedsworte, indem er die allzeit wohlwollende und gerechte Gesinnung der zwei Scheidenden gegen die Kreisamtsbeamten rühmend hervorhob. Mit bewegten Morten dankte Oberrechnungsrat Dr. Wagner für die herzlichen ihm bei seinem Scheiden entgegengebrachten Wünsche. Er hob hervor, daß er nur ungern von hier scheide, da ihm der .Kreis Gießen zur zweiten Heimat geworden sei, und er könne jetzt schon sagen, daß er jedenfalls nach getaner Lebensarbeit hier seinen Lebensabend verbringen werde. Sein Hoch galt dem Kreis und der Stadt Gießen. Auch Ministerialsekretär Dr. Wörner betonte in seinen Dankesworten, daß ihm trotz seines nur kurzen hiesigen Aufenthaltes das Scheiden von dem Kreis recht schwer falle. Feuerwehrbauptmann Dicko r 6 würdigte sodann noch die Verdienste des Herrn Dr. Wagner und des Herrn Dr. Wörner um das Feuerlöschwesen des Kreises und teilte mit, daß d-ie Gießener freiw. Feuerwehr Herrn Dr. Wagner zum Ehrenmitglied ernannt habe. Der Nachfolger des Herrn Dr. Wagner, Regierungsrat Welcker, gegrüßte hierauf am ersten Dag seiner neuen Tätigkeit die 30 Scheuern, 68 große und kleine Stallungen vernichtete und 7 Häuser beschädigte. Tie Einwohner waren damals äst alle im Feld und so konnte säst keine Hilfe kommen. Fast die ganze Ernte verbrannte. Der Schaden an Gebäuden ist auf 21195 Nthl. geschätzt worden. ^Butzbach, 11. Rov. Der NeichStagSabgeordnete ur den Wahlkreis Friedberg-Büdingen, Graf Oriola, er- 'tattete heute nachmittag im Saale des „Hess. Hofes" in einer über zweistündigen Rede Bericht über seine seitherige Tätig- keit im Reichstag. Die Gunst der sonntäglichen Witter- Wetzlar über seine Reisen in Südwestafrika. — Atzbach (Kr. Wetzlar), 11. Rov. Heute vor hundert Jahren (1806) entstand aus Unvorsichtigkeit in dem Hause und der Scheuer des Johannes Geyer nachmittags Berlin und Potsdam vor dem Kaiser statt, der ermunternde und belehrende Worte an die jungen Mannschaften richtete. Er ermahnte die Rekruten zu ernster, pflichtgetreuer Arbeit, Gehorsam, christlicher Gottesfurcht und Selbstzucht. Sie mochten stets des Vorzuges eingedenk bleiben, daß es ihnen vergönnt sei, im Garde- korps, unter des Kaisers Augen zu dienen. — Zu einem Diner am Samstag bei dem Reichskanzler, zu dem der Kaiser sich angesagt hatte, hatten u. a. Einladungen erhalten: Die Staatsminister v. Einem, v. Tirpitz und v. Bethmann-Hollweg, General v. Moltte und Staatssekretär v. Tschirschky.______________ Aus SeaSt uns Luno. Sprechstunden der Redaktion 11 — 1 Uhr norm.. 1 ?7—1/28 11 hr abds. Gießen, den 12. November 1906. Evangelische Gemeinde. Montag, den 12. November, abends 8 Uhr, fnt Lukassaal, Liebigstraße 56: Bibelstunde. 1. Tetri 4, 7 ff. Marrer Euler. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 12. Nov. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") Amtliche Notierunaen der heutigen Fruchtmarktpreise. Weizen Mk. 18.00—18.25, Kurhessischer Mk. 18.00—18.25, La Vlata Mk. 20.00—21.00, Kansas Mk. 19.25—20.25, Roagen (hiesiger) Mk. 16.75—17.00, Gerste (Wetterauer's Mk. 18.25—18.75, Franken- selder Mk. 18.75—19.50, Safer 17.00—18.00, MaisMk. 13.50—13.75, Weizenmehl 27.00—28.00, M. 00—00, 2. Qualität Mk. 25.00 bis Mk. 26.00, 3. Qualität Mk. 23.00—23.50, Roggenmehl 0 Mk. 25.00—25.50,1. Qualität Mk. 23.00—23.50, Weizenkleie Mk. 10.00 bis Mk. 10.50, Roqgenkleie Mk. 11.00—11.25, Maiskeime Mk. 11.00 bis Mk. 11.50, Franken, Pfälzer, Ried Mk. 18.00—18.50. Alles per 100 Kg. ab hier. fc. Frankfurt a. M., 12. Rov. (Telegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz/s. Amtl. Notierungen der heufigen Diehmarktpreise. Zum Berkause standen: 429 Ochsen, 96 aus Oestreich, 54 Bullen, 3 aus Oesterreich, 0 aus Dänemark, 872 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 aus Dänemark, 292 Kälber, 436 Schafe und Hammel, 00 Schafe aus Oesterreich, 0 Ziegeu, 1526 Schweine. Bezahlt wurde für 100Pfund Schlachtgewicht • Ochsen 1. Qualität 85—88 Mk., 2. Qual 73—75 Mk., 3. Qual. 66—70 TIf.; Bullen 1. Qual. 76 bis 78 Mk., 2. Qual. 73—74 Mk.: Kühe 1. Qual. 78—80Mk., 2.Qual. 73—75 Mk., 3. Qual. 60-63 Mk, 4. Qual. 00—00 Mk., 5. Qual. 00—00 TIL Kälber: 1. Qual.100—105Plg., Lebendgewicht 60—62 Pf., 2. Qual. 90—95 Psg., Lebendgewicht 54—56 Psg., 3. Qual. 00—00 Psg., Schlachtgewicht 75—80 Psg., Schase: 1. Qual. 78—80, 2. Qual. 00—00 Psg., 3. Qual. 00-00 Psg.; Schweine 1. Qual. 73—74 Psg., Lebdgew. 57.00- 57.25 Psg., 2. Qu.72-00Psq., Lebend- gew. 56.00—00 Psg., 3. Qual. 63—65 Psg. Lebendgew. 00 Psg. Geschäft bei Hornvieh mittelmäßig, Ueberstand bedeutend; bei Kleinvieh aut, kein Ueberstand. Statt jeder besonderen Anzeige Heute nacht 21/, Uhr verschied plötzlich an einem Herzschlag meine liebe Gattin, unsere gute Mutter, Schwester und Schwägerin Frau Emilie Kretzschmar, gab. Balz im 43. Lebensjahre 3785 Giessen (Marktplatz 22), den 12. November 1906. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 14. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofs aus statt. 6775 Die iieftrauernden Hinterbliebenen: bestimmt statt. 6766 ..Mr «LS«? liv“ Giessen, 11. November 1906. 6786 S I Gießen, den 11. November 1906. 6781 Braunschweiger 6,e,| Sd56 % Bests 8 DebyalizDhatoy. # ä Paoket 15 PF. jg Damenwäsche Feinste Referenzen. 6571 Der Vorstand MS Familie PauB Richard Pfaff. nach kurzem, schwerem Leiden im 28. Lebensjahre sanft in dem Herrn ent. schlafen ist. Dießen, den 10. November 1906. Neustadt 78. Im Hamen der tief trauernden Hinterbliebenen: A- and Kinder. Verein der JetaWen zn Wen. Ordentliche General-Versammlnng Mittwoch den 14. November, abends 9 Uhr, im Kaufmännischen Bereinshaufe. Die Beerdigung findet statt: DienStag den 13. November 1906, vormittag? 10 Uhr, von der Kapelle deS neuen Friedhofes auS. 6783 Tagesordnung: 1. Berichterstattung. 2. Rechnungsablage. 3 Vorstandswahl. 4. Handelskammerwahl. 5 Verschiedenes. Um rege Teilnahme bittet 1 Versteigerung. DienStag, den 13. d. M., nachmittags 2 Uhr, versteigere ich Neustadt 55 dahier, gegen Barzahlung 1. 21 eichene Bohlen 2. 1 Dampimaschine, 11 Kipp- wagen, 1 Pianino, 2 Nähmaschinen u. versch. Möbel. Die Versteigerung zu 1 findet Rödgen, den 12. November 1906. Großh. Bürgermeisterei Rödgen. Stein. hauptung sei aber gänzlich hinfällig. Nichts berechtige dazu, die Instruktionen der deutschen Vertreter zu verdächtigen. Madrid, 12. Noo. Amtlich wird das Gerücht dementiert, daß auf König AlfonS ein Attentat verübt worden wäre. London, 12. Noo. Man nimmt hier an, daß e§ infolge der energischen Vorsichtsmaßregeln Fereira unmöglich sein wird, Rekruten zu werben. Ferreira ist mit 13 Mann auf einer Farm 6 Stunden von dem Dorfe Upington rekog- Geschäfts - Empfehlungen ^tert billigst vriihi'sche Universitäts-Druckerei. Sieben. Die trauernden Hinterbliebenen: Hans Erdmann u. Frau Marie geb. Plock. zeigen hocherfreut an Oscar Graeff u. Frau sagen hiermit herzlichsten Dank. Die tieftrauernden Hinterbliebenen. Gklslnal-Drahtmelemngen. Paris, 12. Nov. Das .Echo de Paris" veröffentlicht ein Interview, welches ein Mitarbeiter mit dem Minister des Aeußern über die Marokko-Affäre hatte. Pichon erklärte, das Einverständnis mit Spanien sei ein vollständiges. Die französische Regierung sei entschlossen, sich strikte an den Wortlaut der Akte von Algeciras zu halten. Es sei angedeutet worden, daß Deutschland fortfahre, Frankreich in Marokko Schwierigkeiten zu bereiten. Diese Be- per Pfund 60 Psg. | L Steinhäuser. | 124-90 Danksagung Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hin- scheiden meiner innigstgeliebten, unvergeßlichen Gattin, unserer guten Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante n Die glückliche Geburt eines gesunden M Mädls N Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Rödgen für das Jahr 1907 liegt vom 13. November ds. Js. 8 Tage lang zur Einsicht der Interessenten auf dem Bureau der Großherzoglichen Bürgermeisterei offen. Verdingung. Die Erd-, Pflaster- und Chaussierarbeiten, sowie die Lieferung von Grundbau-, Deck- und Pflastersteinen für den Ausbau des Asterwegs zwischen der Steinstraße und der nächsten nördlichen Parallelstraße sollen Montag, den 19. Nov. d. I.» vorm. 11V, Nhr öffentlich vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen während der Dienststunden bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf vorgeschriebenem Formular, das daselbst erhältlich, sind spätestens bis zum vorgenannten Zeitpunkt verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen an uns einzureichen. — Zuschlagsfrift 4 Wochen. B1’/11 Gießen, den 10. November 1906. Städt. Tiefbauamt Braubach. ADf^.2^ per^' ' Allendorf a. Lda., Gießen, Treis, Frankfurt a. M. den 12. November 1906. 08409 g Todes-Anzeige Verwandten, Freunden und Bekannten machen wir schmerzerfüllt die traurige Mitteilung, daß unsere innigst geliebte teure Tochter, Schwester, Schwägerin, Tante und Braut Käthchen Paul bveti 1 aller Gegenstände für Kcrbschuitt und Brandmalerei, wegen Aufgabe, zum Selbstkostenpreis. W. Müller, Acilislc. 68. Todes-Anzeige. SamStag abend 10 Uhr verschied nach kurzen! Leiden unser innigstgeliebteS Kind Elfriedchen ■gggx ä'IF-s ÄitaMNI« ob I^Jerte1 jÄ*». IW5 Eich tm * Stritt «ur teilen. % T für b'Ä mrM.l8.00-18.25, 2a yvata ’'o-20.25, SRociaen IhieV.qe:) 18.25-18.75, ft* -18.00, MisM.13^^'^ -00, 2. Qualität M. 9» 00—23.50, SRoaqenmebl « X>-23.50,Vei-enkIeieM.M u1125 Oltai-keime M. ll-OV TO- 4. Cuot. 00^00-^Pst ^q.,üeben^c £ 3 Qual. Sd|a'eLeine 1- -00 Wl ^Msq, Lebend' Kursberic^n..«.! >stt von der 1- *. r.hmeyer - * 195.0O SS;»" : S r-ä-ff; rr parm^dULk . ' 168.60 pRnk • M80 ■’.wt .ll«-40 . ■;; nosziert worden. Dieser Putsch scheint von Personen veranlaßt zu sein, die ein Interesse daran haben, bei den Wahlen in TranSvaal die Buren als unsichere Elemente hinzusiellen. * Kleine Ta geschron i k. In Schlegel ,schles. Kreis Neu- rode, erschoß gestern abend der 30 jährige Bergmann Dlümel feine Frau, seinen Sohn, seine Schwiegermutter und sich selbst. — Ein am gestrigen Sonntag von der Aus- stellung tn Mailand aufgestiegener Ballon landete nach drei Stunden tn Aix les Bains in Frankreich, nachdem er den Montblanc überflogen und eine Höhe von 6000 Metern erreicht hat. i MiMerthm ßiijL Wattcr, MäilSbm^ 13 66321 Genußmittel r Echt chinesische Thee’s lose und in Originalpackungen. Deutschen u. holländ. Cacar». Fleischextrakt. Hafermehl, Maißmehl. Kondensierte Milch. Gewürze, ganz und zerstoßen. Feinstes Oliven-Sa'atöl. Essig und Essigessenz, ff. Rum, Arrnc, Cognac, Fruchtsäfte, Wein u. s. w. Adler-Drogerie Selters- weg 39. Otto Schaaf. 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