Nr. 138 • rltieint «ügktch du hei Sonn lag». Dem (Siebener 9lruetaet werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Kamillen' blätlei viermal in der Woche beigelegt Rotationsdruck il Verlag der Brü h l'sehen Unlvers.-Buch-u.Stem- druckerei. 9t Lange. Redaktion, Ervedttion und Druckerei: Schulst raße 7, Redaktion e=^a 113 Verlag u.Exved.e^tzi Adresse kur Teveichenr Anzeiger Wietzen. Erstes Blatt 15«. Jahrgang Freitag 15. Juni ISO« trJtT moiiallich^bPi.,viertel- v Cv AfeX H ▼ jährlich Mk. 9.20; durch Gietzener Anzeiger W General-Anzeiger " w —«i Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen M?s O Ar i Kr zeigeuteil: 6an6 Sei Nie heutige Yummer umfaßt 10 Seiten. Bekanntmachung. DaS Proviantamt hat den Ankauf von neuem Heu, unmittelbar von den Wiesen weg, ausgenommen. Das Heu muß gut gewonnen und geheut sein, eine frische Farbe und einen kräftigen Pflanzengeruch haben und darf bei der Einlieferung nicht schwitzen. Die Einlieferung kann ohne vorherige Anmeldung und an jedem Wochentage von 8—12 Uhr vormittags sowie von 2 biü 6 Uhr nachmittags erfolgen. Hanau, den 9. Juni 1906. Königliches Proviantamt. Hhre und tzhevruch» Man schreibt unS: Bei dem Prozeß gegen den früheren Obersten Hüger wurde auch wieder die Frage der Ehre angeschnitten und hierbei tat der militärische Sachverständige Oberstleutnant a.D. Dr. Wick folgenden Ausspruch: „Man unterscheidet in der preußischen Armee zwischen einer äußerlichen und einer innerlichen Ehre. Wenn z. B. ein Offizier die Frau eines Kameraden verführt, so hat er noch seine äußere Ehre und es steht shm frei, diesen zu fordern. Seine innere Ehre hat er zweifellos nicht mehr." Von verschiedenen Blättern wurde diese ^Definition aufgegriffen und ein offizielles Dementi gefordert, das aber nicht erschienen ist. Es kann nun allerdings bei einem vernünftig denkenden Menschen kein Zweifel darüber bestehen, daß in Ehrenangelegenheiten das Offizierskorps besonders empfindlich sein muß, denn von einer Körperschaft, die dazu bestimmt erscheint, in jedem Augenblicke für die Verteidigung des Vaterlandes ihr Leben zu lassen, erwartet man mit Fug und Recht, daß sie auch in allen anderen .menschlichen Eigenschaften gewiffer- maßen vorbildlich dasteht. Das Volk stellt dieselben Forderungen auch an die gekrönten Häupter, den Adel, die Priester, kurz, an alle, die erzieherisch und herrschend zu wirken haben. Nun ist aber der Ehebruch ein Vergehen, das die Gerichte zwar äußerst milde bestrafen, aber doch von allen sittlich empfindenden Menschen als eine der häßlichsten Verirrungen gegen das Moralgesetz angesehen wird. Man sollte also meinen, daß speziell ein Offizier, welcher die Frau eines Kameraden verführt, damit eine Handlung begeht, die ihn unwürdig der Auszeichnung macht, den Rock seines Monarchen zu tragen. Wie kann z. B. die für den Erfolg einer Schlacht unbedingt notwendige Opferfreudigkeit der Kameraden, mit dem Wahlspruch: Einer für alle, alle für einen — geübt werden, wenn der um das Glück seiner Ehe Gebrachte Schulter an Schulter mit dem Verführer seines Weibes kämpfen muß? 9locE) schärfer aber wird die schiefe Stellung des Offizierskorps zu der Sühne für einen Ehebruch dadurch beleuchtet, daß die innere Ehre eines Offiziers nicht davon berührt erscheint, wenn er zum Ehebrecher wird, und daß er sogar das Recht hat, den von ihm betrogenen Kameraden zum Duell zu fordern. Die Sache liegt hier also folgendermaßen: Der Offizier A. hat die Frau des Offiziers B. verführt, und er wird von dem Beleidigten zur Rede gestellt.. Das Resultat der Auseindersetzung ist, daß A. dem B. seine Zeugen schickt. Schießt nun A. den B. nieder, so hat er zwar ein doppeltes Verbrechen auf dem Gewiffen, nämlich Ehebruch und Mord, aber seine Ehre ist unbefleckt geblieben und als ein Ritter ohne Furcht und Tadel kehrt er in den Kreis der Kameraden zurück, wenn er seine Festungshaft abgescssen hat. Nach den Anschauungen bürgerlicher Moral dagegen sollte ein Offizier, der einen Ehebruch begangen hat, mit schlichtem Abschiede entlassen und aller Ehren und Vorrechte seines Standes verlustig werden. Hebet sog. Eheirrungen in der Zivilbevölkerung kann man schon milder denken, nicht etwa weil es weniger verwerflich ist, wenn Gevatter mit der Gevatterin in unerlaubten Beziehungen steht, sondern weil jene Millionen, die daS Volk ausmachen, auch weiter feine Vorrechte des Standes und der Geburt besitzen oder beanspruchen, dazu auch keine Elitemenschen darstellen wollen, die zu hervorragenden Missionen berufen sind. Wer jedoch infolge seines Amtes oder seiner Stellung aus der Menge hervorragt, der hat auch höhere Pflichten und darf vor allen Dingen kein schlechtes Beispiel ^eben. potttrsche^Sagessck>att. Ein politischer Masienstreik in Preußen? Die Frage, waS die Sozialde- .iahe tun werde, wenn shre an das preuß. Abgeordnetenhaus gerichtete, entschiedenen und gebieterischen Tones das allgemeine, gleiche, geheime Wahlrecht heischende .Petition" das zweifellose Schicksal der Ablehnung erfahre, diese Frage beantwortet cm angeblich eingewe.hter Gewährsmann der VW imd des „Reichsboten* dahin: Gleichzeitige^Veranstaltung von Massenansammlungen in allen größeren etäbten Preußens, und zwar am Nachmittag während der Arbeitszeit Diese Kundgebung würde allerdings den Beginn des polit. Maffen- streiks bedeuten. Wenn an einem bestimmten Tage die organisierten Arbeiter schon etwa mittags Feierabend machten, um an den Protestversammlungen leilzunehmen, so ist die wahrscheinliche Folge, daß die Arbeitgeber die AuSwerruna der Feiernden auf eine gewiße Zeit verfügen. So ist am 1. Mai verfahren worden, mit dem Ergebnis, daß z. B. in Berlin Arbeiter nach Tausenden wochenlang beschäftigungslos waren, und da augenblicklich in vielen Industrien und Gewerben die Aufträge nicht mehr dringlicher Art sind, so würde von der Aussperrung ein wohl noch schärferer Gebrauch gemacht werden. Der ,Vorwärts* bestreitet die Absicht an ich nicht: solche Demonstrationen könnten einmal eines Tages über Nacht kommen. Indessen sei die .zuverlässige Quelle* hineingefallen, wenn sie versichere, daß bereits ein bestimmter Zeitpunkt für solche Kundgebungen festgesetzt sei. Die Erklärung des .Vorwärts* hält nicht Stich. Veranstaltungen von derart weittragender Bedeutung kann auch die sozialdemokratische Parteileitung bei aller taktischen Geschick» lichkeit nicht auS dem Stegreif ins Werk setzen. Da wollen vorher viele Mitglieder der Partei, Vertrauensmänner, Gewerkschaftsführer usw. über die Zweckmäßigkeit der ge» glanten Maßregel gehört werden, da sind die für einen Massenstreik verfügbaren Mittel und Beiträge zu prüfen, endlich und vor allem müßte die Stimmung in den Arbeiterkreisen sondiert werden. Daß ein Masienstreik unter Umständen die Notwendigkeit zu hungern mit sich bringt, ist wiederholt in den Erörterungen über dieses Thema betont worden. Wir bezweifeln aber, daß in der Arbeiterschaft der Gedanke, für einen .durchgesetzten' Demonstrationsnachmittag die Existenz aufs Spiel zu setzen, lebhaft begrüßt wird. Der Preis wäre ungemessen hoch für Kundgebungen, die auf die Politik vermutlich ohne Wirkung bleiben würden. « Weniger Soldaten. Wenn der .Daily Expreß' zutreffend berichtet, dann strebt die englische Regierung tatsächlich eine Beschränkung der militärischen Rüstungen an, die allerdings zunächst nicht der Flotte gilt. Haldane, der auf deutschen Hochschulen vorgebildete KriegSmimster, soll danach beabsichtigen, dem Unterhause die Herabminderung der Präsenzstärke des Heeres um 10 000 Mann Infanterie, 48 Batterien Artillerie, 20 Kompagnien Train und ein Detachement Tielbereiter vorzuschlagen, was eine Entlastung des JahreS- budget um mehrere hunderttausend Pfund bedeuten ivürde. Bei den Riesenziffern des englischen Etats ist das nicht gerade viel, aber es ist immerhin ein Anfang, der übrigens beweist, wie sehr selbst das finanziell so leistungsfähige England die gewaltigen Ausgaben für militärische Zwecke empfindet. Die liberale Mehrheit des Unterhauses wird dem Minister wohl beipflichten, und sie kann eS getrost tun, denn einmal ist die Ueberlegentjeit der englischen Flotte über die der anderen Seemächte unbestreitbarer als je, und dann hat England im letzten Jahrzehnt seine Aufwendungen wie für die Flotte, so auch für das Heer verhältnismäßig mehr gesteigert, als es durch die anderen Staaten geschehen ist. Nach Ausiveis der vom ReichSmanneamt herausgegebenen Denkschrift verausgabte England noch im Jahre 1903 für das Heer 759 Millionen, Deutschland nur 649 Millionen. Damals war allerdings das von ziemlich kriegerischem Geist erfüllte konservativ - unionistische Kabinett am Ruder, das Deutschland die Absichten unterstellte, die eS selber hatte. Und Deutschland war so .kriegslustig', daß es die Erhöhung der Präsenzstärke seines Heeres im Nahmen eines neuen Quinquennats um ein Jahr hinausschob, aus Rücksicht auf die Finanzlage. England folgt also lediglich dem Beispiel Deutschlands, wenn es jetzt aus der gleichen Rücksicht heraus die übertriebenen Aufwendungen für das Heer eindämmt. Zu einem gleichen Verfahren bei der Flotte wird man sich jenseits des Kanals kaum jemals entschließen. Hier dürfte daS Prinzip in Geltung bleiben: auf jede deutsche Kiellegung drei englische — als .selstverständliche Pflicht* der parlamentarischen Regierung, für die Sicherheit des Jnselreichs Sorge zu tragen. In der italienischen Kammer erklärte am Donnerstag der Minister des Aeußern Tittoni, er freue sich auS- sprechen zu können, daß die Ausführungen des engt. Staatssekretärs Sir Edward Grey über die allg. Abrüstung seine lebhaften Sympathien gefunden hätten und er spreche die Zustimmung der Regierung zu diesen menschenfreundlichen Ideen aus. Er sei stets der Ansicht gewesen, daß es für Italien eine Tollheit, ein Verbrechen gegen das Vaterland sein würde, wenn es allein seine Rüstungen vermindern würde, während es sich inmitten eines gewaltig bewaffneten Europas befinde, das die Vervollkommnung der Rüstungen als Mittel zur Erhaltung des Friedens betrachte. Ebenso eine Tollheit und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit aber würde eS fein, wenn man sich nicht in aufrichtiger Weise den Anregungen anschließen würde, die eine gemeinsame Verminderung der Rüstungen der Großmächte bezweckten oder auf jede Weise öie Gefahr der Schrecken deS Krieges fernhielten und die unschätzbare Wohltat des Friedens sicherstellten. Tie Vertreter Italiens auf der Konferenz im Haag würden den 9luf- trag erhalten, die Anregung Englands zu unterstützen. Er möchte wünschen, daß der Plan einer allgemeinen Abrüstung sofort praktische Anwendung finden möge, doch fürchte man vielfach, daß dieser Plan noch einige Zeit ein edler Wunsch bleiben werde auS Tiangel an einer konkreten Formel, die jedermann sichere Gewähr dafür biete, daß er nicht allein abrüste. Jedenfalls glaube er, daß Staatsmänner, die cm Gefühl ihrer Verantwortlichkeit hätten, viel für die FnedenSfiage tun könnten unter der Bedingung, daß sie Ruhe, Mäßigung und versöhnlichen Geist in Augenblicken der Erregung und der Unruhe zu bewahren wüßten, die von Zeit zu Zeit in den internationalen Beziehungen cintretcn. Graf GoluchowSki habe in seinem Exposee bei Besprechung der ausgezeichneten Beziehungen zwischen Oesterreich-Ungarn und Italien erklärt, die loyale Haltung beider Regierungen habe die Versuche unverantwortlicher Stellen, ihr guteß Uebereinkommen zu stören, zum Scheitern gebracht. Dieser AuSspruch scheine ihm sehr glücklich zu sein, denn er glaube, daß in allen Ländern die Unverantwortlichen eine fortwährende Gefahr für den Frieden darstelltcn. Die Regierung inüsie in ihren Beziehungen zum AuSlande, die von der Mehrheit deö Parlamentes und des Landes gewollte Politik befolgen und könne nicht dulden, daß unverantivortliche Personen dieselbe stören oder bloßstellen. Solange feste Abkommen auf der Grundlage der hochherzigen Anregung Englands nicht möglich seien,- werde dies seiner Tleinung nach daß beste Mittel sein, zur Aufrechterhaltung deS europäischen Friedens beizutragen._______________________ Deutsches Reich. Berlin, 14. Juni. Der Kaiser ljut dem hannov. Pro- vinzial-Museum ein Bild geschenkt und folgendes Schreiben an den Vorsitzenden des hamivversä-en Provinziattandtages, den Fürsten zu Inn- und Knnphausen gerichtet: „Mein lieber Fürst! In der Guild Hall in London befindet sich ein Kolossal- gcmälbe, welches die Kämpfe um die Festung Gibraltar im Jahre 1782, an denen die ersten Bataillone des hannoverschen 3., 5. und 6. Infanterie-Regiments ruhmvollen Anteil genommen haben, zu ergreifender Darstellung bringt. Wiederum sind heute Hannoversche Regimenter die Träger der Traditionen dieser Truppenteile und tragen zum Zeichen dafür den Namen seiner vielumstrittenen Felsenfeste an ihrer Uniform. Es war mir eine Freude, von jenem Geinälde, welches auch die wohlgetroffenen Porträts Jbannoo. Offiziere zeigt, eine vcr- kleinertc Kopie an fertigen lassen zu können, die ich dem Pro- vinzialmuseum in Hannover unter Vorbehalt meines Eigentumsrechtes zu überweisen beschlossen babc. Möge das Gemälde in den vaterländischer Kunst und Geschichte gewidmeten Räumen einen Platz finden und an seinem Teil dazu beitragen, die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen. gez. W i l b e l m." — Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Dem Vernehmen nach ist der 23. Ium als Tag für den Austausch der Ratifikationen des von den Parlamenten beider Länder angenommenen neuen deutsch-schwedischen Handelsvertrages in Aussicht genommen und demgemäß das Inkrafttreten dieses Verttages zum 24. Juni zu erwarten. München, 14. Juni. In hiesigen politischen Kreisen wird wieder von der Möglichkeit einer Verfassungsänderung gesprochen, um dem Prinzregenten oder seinem Nachfolger bei Lebzeiten deS jetzigen Königs noch die Möglichkeit der Annahme der Königswürde zu bieten. Ausland. London, 14. Juni. Im Unterlaufe wandte sich Evans Gordon (kons.) an den Staatssekretär des Inneren Herbert Gladstone mit der Frage, ob er Kenntnis habe von dem Umfang der anarch. Propaganda in London durch Zeitungen und andere Veröffenllichungen, in denen der Mord offen befürwortet wird, und n?eld)e Schritte die Regierung in dieser Angelegenheit zu tun vorhabe. Gladstone erwidert, der Umfang der anarchistischen Propaganda in London sei nicht beträchtlich. Die Polizei halte sich über den Inhalt aller derartigen Veröffentlichungen vollständig auf dem lausenden und werde bereit fein, daS Verfahren einzuleiten, wenn die Schriften einen Grund zur strafrechtlichen Verfolgung bieten. — Der Berliner Standard-Vertreter empfiehlt die Ausweisung ausländischer Arbeiter aus Preußen ass nachahmenswertes Beispiel für England. Er preist das Vorgehen der preußischen Behörden gegenüber ausländischen Arbeitern und Arbeiterinnen der Z i g a r e 11 e n-I n d u strie als gerecht und klug, indem einheimische Arbeiter dadurch einen wirksamen Schutz erhalten. — Dem Bureau Reuter wird auS Kairo gemeldet: Als gestern eine Abteilung englischer Truppen von Kairo nach Alexandria marschierte gingen fünf Offiziere in ein Dorf bei Tantah, um auf Einladung der Dorfbeamten Tauben zu schießen. Die Bewohner des Dorfes nahmen den Offizieren die Gewehre und schlugen sie mit Keulen. Ein Hauptmann starb nach wenigen Stunden; ein Leutnant ist schwer verwundet, ein Hauptmann leicht. — Morning Post meldet aus Lagos, daß in der englischen Besitzung Nigeria ein Eingeborenen-Aufstand in vollem Gange ist. Tie Aufständischen überfielen die Besitzung und ermordeten den e n g l i s ch e n Be z ir kS-Ve r w a l - ter in Assaba. Darauf ging Kapitän Rudkin mit 200 Mann von der Küste ab, um Sühne zu erzwingen. Dan Eingeborenen wurde eine vernichtende Niederlage beigebracht. Ihre Verluste waren sehr schwer, die der Engländer unbedeutend. Der Feldzug scheint aber keineswegs beendet zu sein. Die Regierung hat sonach eine neue Kolonial-Schwierigkeit zu überwinden. Haag, 14. Juni. In den Abteilungen der Kammer wurde die Vorlage bett. Bewilligung eines Kredites für die Ausgaben anläßlich des Zusammentrittes der Friedenskonferenz beraten. Man sprach den Wunsch aus, daß die niederländische Regierung für die Besprechung der Frage einer allmählichen Abrüstung eintrete. Paris, 14. Juni. (Kammer.) Tas Haus stimmt einer Resolution bei, nach der eine Kommission den Auftrag erhalten soll, über Abänderungen des Gesetzes über die Ber g- werke zu beraten. Iaures schlägt vor, auf gesetzlichem Wege drn Kapitalisten ohne Gewalttätigkeit im Enteignungsverfahren Fabrikanlagen usw. zu nehmen. (Anhaltendes Murren.) — Der Senat hat in erster Lesung das Gesetz bett, die Verpflichtung zur Gewährung eines wöchentlichen Ruhetages angenommen. Madrid, 14. Juni Nach Berichten hiesiger Blätter wurde feftgeftcUt, daß die Anarchisten ein Kapital von 500000 Pesetas auf spanischen Danken deponiert haben. Man nimmt an. daß fic die Gelder von gewissen politischen Gruppen erhalten haben, die die Anarchisten als ihre Werkzeuge benutzen. — Amtlicher Erhebung zufolge sind durch das Bomben- attentat 31 Personen getötet worden, bezw. ihren Verletzungen erlegen; neun Verwundete schweben noch in LcbenK- aefaln Tie Untersuchung hat ergeben, daß der Dir cktor der modernen Schule in Barcelona, Ferrar, bei dem Morral beschäftigt war, stark belastet wird. Der Direktor hat nnt Morral bis zum Tage des Attentats in freundschaftlicher Verbind- geftandcu. Der Justizminister glaubt, daß Ferrar von einem Attentat gewußt hat und hofft, einem Komplott auf die Spur gekommen zu sein, da mehrere Hunderttausend Pesetas Bankguthabens Fcrrars beschlagnalnnt nmrden. Der „Jmparcial" behauset, das; in der Rinde eines Baumes im Park von Retiro die Ankündigung des Attentats am Hochzeitstage eingeschnitten gewesen sei. Bern, 14. Juni. Der Bundesrat besclstoß heute, die an der internationalen Konferenz für Arbeiterschutz vertreten gewesenen Staaten zu einer neuen diplomatischen Konferenz einzuladen. Dieselbe soll im September in Bern zu- sammentreten und sich mit der Frage der Aufstellung eines internationalen Vertrages betr. ein Verbot der Nachtarbeit der Frauen in der Industrie befassen.___________ Aus dem parlamentarischen Rußland. In der ReichSduma erklärte am Donnerstag der Ober- prokurator im Kriegsministerium, Generalleutnant Pawlow, die Todesstrafe könne vom KriegSmini stcr nicht abgeschafft werden. Dieser habe nicht daS Recht, sich den Entscheidungen der Gerichte in den Weg zu stellen. (Rufe: Mörder! Henker!) Der Präsident droht die Sitzung zu schließen. Die Abgg. Kusm, Laraoaew und Ledusky halten heftige Reden unter lärmenbcm Beifall. Sie richten heftige Angriffe gegen die Regierung und lenken die Aufmerksamkeit auf die Verzweiflung, die sich des ganzen Landes bemächtige und zu fürchterlichen Geschehnissen führen könne. Der Priester Afnafflew erinnert an den Namen des Leutnants Schmidt in Sewastopol, den er als Freiheits- kämpfer feiert. Redner schließt: der Zorn Gottes werde auf die Uebeltäter piederfallen, sie würden beim Gesetze kaum Schutz finden, wenn das erbitterte Volk aufstehen werde. In einer unter dem Vorsitz des Prof. Potraschitzki abgehaltenen privaten Beratung sprachen die bäuerlichen Abgeordneten sich bestimmt gegen die Bild ring eines Landsfonds zur Verpachtung an landarme Bauern und für die Ueberlaffung von durch Enteignung verfügbar zu machenden Landes aus dem Privatbesitz an die Bauern als volles Eigentum aus. Man meldet aus Odessa, daß sich eine Bande Revo- lutionäre Eingang in das Gebäude der Zeitung „Krimski Wiestnik" in Sewastopol verschafften, worauf sie die Druckerei zu ihrem Zweck benutzten. Die Eindringlinge zwangen das Druckereipersonal, ein revolutionäres Manifest herzustellen. In diesem Manifest wird erklärt, daß, falls die Regierung die Obstruktion gegen die Reichsduma nach dem 1. Juli fortsetzen sollte, eine neue Schreckensherrschaft in Rußland beginnen solle, gegen welche alles bisher Dagewesene Kinderspiel sei. In O d e s s a wurde der Direktor Kirchner von der großen Typographie der südrüssischen Gesellschaft von streikenden Setzern erschossen. Die Haöak-Werufsaeno^enschafL und der Deutsche Haöakvcrein tagte, wie uns aus Hamburg geschrieben wird, dort am 14. d. Mts. Die Genoffenschaft erledigte die gesetzlichen bezw. statutarischen Formalien und bewilligte einen Beitrag zur Kaiser Wilhelm- und Kaiserin Viktoria Auglista-Stiftung für Förderung der Unfallverhütung u. s. w. aus Anlaß der Silberhochzeit des Kaiserpaarbs. Der Tabakverein hielt seine Jahresversammlung ab. Aus dem von Syndikus Schloßmacher (Frankfurt a. M.) erstatteten Geschäftsbericht ist zu erwähnen, daß die Vorbereitungen für eine 1907 in Verbindung mit der Gartenbau- und Kunstausstellung in Mannheim geplante Tabak- fach aus sie l lu n g bei dem großen Interesse, welches dieser Plan namentlich bei den Hilfsindustrien des Tabakgewerbes finde, einen guten Erfolg verheißen. Auch die Ausstellung für Heimarbeit, welche im vorigen Winter in Berlin stattgefunden hat, kam zur Erörterung. Es wurde dabei festgestellt, daß dieselbe über die Lohnverhältnisse in der Hausindustrie des Tabakgewerbes kein richtiges Bild gegeben habe, weil Ausnahmefälle als typisch erschienen seien. Ueber die Tätigkeit des Vereins in der Abwehr der Steuergefahr erstattete der Vereinssyndikus ebenfalls eingehend Bericht. An denselben schloß sich eine Aussprache, in welcher der soeben den Bundesrat beschäftigende Entwurf von Ausführungsbestimmungen zum Zigaretten st euerge setz als mit dem Geiste diese? Gesetzes nicht vereinbar- lich bezeichnet wurde. Derselbe mache da§ Zigarettensteuergesetz zu einem Rauchtabakgesetz, indem durch die vorgesehene Begriffsbestimmung für feingeschnittene Tabake so ziemlich die gesamte Rauchtabakfabrikation unter Steueraufsicht gebracht werde. Es sind noch im letzten Augenblick telegr. Vorstellungen an das Reich-Schatzamt und den Bundesrat gerichtet worden; auch wurde, da während der Versammlung die Drahtnachricht einlief, daß die Entscheidung im Bundesrat nicht vor Samstag erfolgen werde, ins Ange gefaßt, zwecks persönlicher Bemühungen eine Abordnung nach Berlin zu senden. Zur Frage der Ausdehnung der Krankenversicher- auf die Hausindustrie wurde eine Erklärung des Inhalts angenommen, daß nur die in der Hauptsache aus haus- industrieller Tätigkeit ihr Einkommen beziehenden Haus- industriellen zur Krankenversicherung zugezogen werden sollen oder eine andere Form gesunden werden müsse, durch welche der industrielle Arbeitgeber nur insoweit für die Zwecke der Krankenversicherung der hausindustriellen Arbeitskräfte in Anspruch genommen wird, als sie für ihn tätig sind. Schließlich hielt Syndikus Dr. Stresemann (Dresden) einen Vortrag über die Gesellschaft sächsischer Industrieller zur Entschädigung der 9(rbeitgeber bei Streiks. Auf Vorschlag Schloßmachers faßte die Versammlung den Beschluß, es möge den Mitgliedern das Material zugängig gemacht und denselben zur Erwägung anheimgegeben werden, ob ein Anschluß an eine solche Organisation angezeigt erscheine. Der Aall Karlö vor den Keschworenen. th. Gießen, 14. Juni. (Fortsetzung.) Die Vernehmung des Angeklagten nahm den ganzen Vormittag in Anspruch. Carls gab an, daß er am 6. "August 1860 in Gladenbach geboren und mehrmals vorbestraft sei. Er ist längere Zeit in Amerika gewesen, wo ein Bruder von ihm lebt, und ist von dort Anfang der 90er Jahre zurückgekehrt. Er hat Dachdeckerei betrieben und auch Häuser gebaut, dre er stets mit Nutzen verkauft hat, sodaß er heute ein vermögender Mann ist. Er bestreitet mit aller Entschiedenheit, den Brand in der Nothenbergerschen Hofreite am 24. Februar verübt zu haben. Betreffs des Grunderwerbs am Neuen weg erklärt er, ihm sei bekannt gewesen, daß die Stabt früher einmal in Aussicht genommen hätte, eine Verbindungsstraße von der Johannesstraße nach der Mstadt durchzuführen. Er habe den Löwenhof vor mehreren Jahren für 110 000 Mk., später die Thomassche Hofreite für 36 000 Mark und dann das Glaser Luhsche Besitztum für 35 000 Mark erworben, sodaß ihm sein Besitz am Neuenweg im ganzen 181000 Mk. kostet. Für die Wirtschaft zum Löwen wird zurzeit 3000 Mk. Miete bezahlt. Auf den Hinweis des Vorsitzenden, daß dies doch keine entsprechende Verzinsung sei, bemerkt Carle, daß er in der Lage sei, durch die Errichtung des geplanten großen Geschäftshauses am Neuenweg und durch Bebauung des Hintergeländes für gewerbliche Zwecke die Rente auf 8—8P2 Proz. zu steigern, ohne daß er hierzu die Rothenbergersche Hofreite brauche. Auf seine Straßenprojekte eingehend, bemerkt Carle, daß zuerst ein Projekt Vortag, zu dessen Ausführung er das Besitztum der Witwe Rothenberger hätte erwerben müssen. Er sei aber von diesem Projekt abgekommen, weil die Erwerbung der Hofreite Rothenberger sich zu teuer gestellt hat, da ein zu hoher Preis verlangt wurde. Carle bestreitet, daß er jemals jemand direkt beauftragt hat, mit der Eigentümerin wegen des Ankaufs zu verhandeln, vielmehr habe der Agent Schaumberger ihm die Hofreite mehrfach angeboten. Carle hat dann sein Straßenprojekt geändert und erklärt, zu dessen Durchführung hätte er das Lumpenlager nicht gebraucht. Er habe dann wegen des neuen Projekts einen Tag vor dem Brande mit Oberbürgermeister Mecum verhandelt und diesen veranlaßt, einen Stadtver- ordnetenbcschluß hierüber herbeizuführen. Der Oberbürgermeister habe erklärt, die Stadt könne für diese Straße kein großes Opfer bringen. Das Projekt stelle sich jedenfalls für die Stadt zu teuer, doch versprach er, die Angelegenheit den Stadtverordneten zu unterbreiten. Diese lehnten etwa 14 Tage nach dem Brande die Mithilfe der Stadt bei der Straßenanlage wegen der hohen Kosten ab. Auf Befragen des Vorsitzenden erklärt der Angeklagte, daß ihm von Schaumberger für das Rothenbergersche Grundstück 45 000 Mk. gefordert worden seien, daß er aber für den Quadratmeter der bebauten Fläche 100 Mk. (es sind 205 Quadratmeter) und höchstens 25 000 Mk. habe geben wollen. Der Vorsitzende richtet an den 'M geklagten die Frage, ob es richtig sei, daß er im Sommer 1905 eine Eingabe an die Stadt gerichtet und „auch noch gedruckt an jeden Stadtverordneten übersendet habe, die bezwecken sollte, das Lumpenmagazin der Witwe Rothenberger zu beseitigen. Carlo bemerkt, daß es sich bei dieser Eingabe für ihn in der Hauptsache darum gehandelt habe, zu verhindern, daß die Witwe Rothenberger einen an der Straße geplanten Neubau ihres Vorderhauses errichte, weil dadurch dem Wirtshaus zum Löwen Luft und Licht zum Teil entzogen worden wäre. Die Nnanuehmlichkeit des Lumpen- und Knochenlagers mit seinen Ausdünstungen usw. habe er nur nebenbei in der Eingabe erwähnt. D-er Erfolg der Eingabe an die Stadt war, daß der Neubau des Rotheuberger- schen Vorderhauses unterblieb, nachdem auch das Ministerium entschieden habe, daß die jetzige Baufluchtlinie des Neuenweges im historischen Interesse nicht geändert werden solle. Der Angeklagte gibt weiter zu, daß er wegen des Lumpenmagazins mehrfache Eingaben und Beschwerden an das Kreisamt gerichtet hat, und daß er die Baupolizei darauf aufmerksam machte, das Wohnhaus der Witwe Rothenberger sei baufällig. "Auch hat er mehrere Strafanzeigen wegen der üblen Gerüche, die das Geschäft mit sich bringt, veranlaßt. Er habe die Anzeigen und Beschwerden losgelassen, weil in der Stadtverordnetenversammlung behauptet worden fei, es habe sich noch niemand über das Mißliche des Rothenbergerschen Lumpenmagazins für die Nachbarschaft beschwert. Die ehemals Luhsche Werkstätte hat er zur Aufbewahrung von Abbruchsmaterial verwendet. Bis etwa 14 Tage vor dem Brande war die Tür des Lokals unverschließbar. Weiler wahrgenommen hatte,daß ihm manches ans dem Raum entwendet wurde, habe er die Tür verschließbar einrichten lassen und den Schlüssel stets bei sich geführt. Es sei trotzdem vorgekommen, daß die Tür auf ihm unerklärliche Weise offen gewesen wäre. Auf Befragen des Vorsitzenden bemerkt der Angeklagte, daß er sich einige Tage vor dem Brande an dem Daumen der rechten Hand durch einen rostigen Nagel verletzt hat, die Hautwunde sei am Tage des Brandes vollständig mit Grind und Schorf bedeckt gewesen und habe nicht frisch geblutet. Es sei richtig, daß er hier und da bei Rothenbergers auf den Hof gekommen sei, er erinnere sich auch, daß er zwei Tage vor dem Brande dort zu tun hatte, um altes Zinn zu verhandeln. Bei dieser Gelegenheit hat er sich erkundigt, ob, wie gewöhnlich, am Freitag die im Speicher angesammelten Lumpen weggeschafft würden und ihm sei gesagt worden, in der fraglichen Woche würden keine Lumpen weggesahreu. Er habe an dem Lumpentransport Interesse gehabt, weil die Straße durch die dazu benutzten großen Rollwagen zum Fortschaffen von Material, altem Holz usw., von den abzureißenden Gebäuden Luh und Thomas zu beengt gewesen sei. Carle will am Brandtage um 8 Uhr morgens seine Wohnung verlassen haben, um zuerst zum Bau Poppert nach der Wilhelmstraße zu gehen; gegen ^9 Uhr sei er im Löwen gewesen. Er beobachtete seine mit 'Abbruchsarbeiten beschäftigten Arbeiter, und es fiel ihm auf, daß die Tür zur Werkstatt offen gestanden hätte, trotzdem er sie, wie er genau wußte, am Freitag vormittag fest verschlossen hätte. "Auch das Fenster zur Werkstatt, das zwar nicht ganz dicht schloß und das er ebenfalls am Freitag festgemacht hatte, war geöffnet worden. Carle will von diesem auffälligen Vorkommnis keinem seiner "Arbeiter etwas mitgeteilt haben. Er habe den Werkstattraum betreten und sich darin umgesehen, habe aber dabei nichts Verdächtiges wahrgenommen. Der 21’11= geklagte will bann die Werkstatt verschlossen haben, und ging dann in die Wirtschaft zum Löwen. Er erklärt, daß er am Brandtage vormittags noch einige Male in der Werkstatt geweilt hat, immer aber nur kurze Zeit. Gegen 10 Uhr habe er „ins Lotze" gefrühstückt und etwa 10 bis 20 Minuten in dieser Wirtschaft verweilt. Von hier sei er wieder zum Löwen gegangen, habe sich zwischendurch rasieren lassen, sei dann kurze Zeit in der Wirtschaft von Felsing (M'arktstraße) gewesen und' gegen 12 Uhr wieder in der Wirtschaft zum Löwen ein gekehrt. 2Buf die Frage, was er an dem Tage so oft am Neuenweg und im Löwen zu tun gehabt hätte, erklärt Carls, er habe altes Bauholz nsw. zum Verkauf bereit gestellt und darum sei er immer wieder nach • dem Neuenweg zurückgekehrt. Gegen 12 Uhr will er noch einmal in der Werkstätte gewesen sein, er habe sie offen gefunden und zugeschlossen, und dann „ins Lotze" im Vorbeigehen noch ein Glas Bier getrunken. Von da begab' er sich nach seiner Wohnung in der Bleichstraße, um zu Mittag zu essen. Er ging nach dem Essen in den Keller, sein Blick fiel zufällig auf sein dort stehendes Fahrrad, und er bemerkte, daß der Gummireif undicht war und sich an der Kette des Rades Schmutz befand. Um die Kette zu reinigen, will er auf die Uebersetzung Petroleum gegossen und dann die Kette in Bewegung gesetzt haben. Ob bei dieser Prozedur Petroleum an seine Kleider gekommen sei, wisse er nicht Er sei dann luieber nach dem Neuenweg gegangen und habe die Werkstattstür, die er um 12 Uhr verschlossen hatte, wieder unverschlossen gefunden. In der Werkstatt selber, die er betreten habe, sei nichts Verdächtiges, oder Auffälliges zu sehen gewesen, so sei er denn wieder in die Wirtschaft zum Löwen gegangen. Er habe sich an den runden Tisch gesetzt, wo Agent Alt- Hoss, Wirt Will). Meyer und Student Salzmann saßen. Der 2tngeflagte hat drei seiner Arbeiter entlohnt, zu diesem Zweck mußte er Geld wechseln, was er im Löwen tat. Dann ging er wieder nach der Werkstatt, die kurz vorher verschlossene Tür war offen, er trat in die Werkstätte, um den Verdienst der Arbeiter auszurechnen, will jedoch höchstens eine Minute in dem Raum gewesen sein und bann bie Werkstatt fest verschlossen haben. In ber Wirtschaft zum Löwen hat er bie brei Gäste, bie vorher schon bort saßen, noch getroffen. Er sei von Althofs veranlaßt worben, eine Flasche Wein zum Besten zu geben. Diese Flasche war halb geleert, worauf Wilh. Meyer bie zweite Flasche Wein bestellte. Als biefe kaum auf ben Tisch gekommen gewesen sei, hätten sie burch Frau Jaskowsky erfahren, baß es bei Rothenbergers brenne. Er habe sich mit Altstoff unb Meyer nach bem Hof bes Löwen begeben, um zu sehen, was es mit bem Feuerlärm auf sich hübe. Dabei sei er bem Schutzmann Zink begegnet und habe diesem gegenüber die Aeußerung getan: „Steckt mir den Stall nicht an, er ist schlecht versichert." '2Buf Befragen erklärt der Angeklagte, er glaube, daß Witwe Rothenberger keinen Schaden gehabt haben würde, wenn das Lumpenlager durch Feuer vernichtet worden wäre, weil sie gut versichert hatte. Der Vorsitzende richtet an Carle die Frage, ob er nicht geäußert habe: „Das würde der Jüdin passen, ivenn es nieberbrennt. Ich habe bas Glück nicht, ich mußte alles abreißen." Der Angeklagte erinnert sich einer berartigen Aeußerung nicht unb berichtet weiter, baß er noch einmal in ben Werkstattsraum gegangen fei, um nachzusesten, ob nichts passiert sei. Carle will bann zum Architekten Hamann gegangen sein unb ging von dort in seine Wohnung, um sich umzukleiben, weil er eine Reise nach Hanau zur Dach- beckerversammluug machen wollte. Am Bahmhof kam Schutzmann Zink zu ihm unb sistierte ihn nach ber Brandstelle, wo inzwischen ein gerichtlicher Augenschein veranlaßt worben war. Carle ist dann am Abenb noch nach Hanau gereift. 9Iüf Befragen erklärt ber Angeklagte, daß er nach Sage ber Sache auch nicht anbers beulen kann, als daß das Feuer absichtlich angesteckt worden ist. Er gestehe zu. das Loch in der Brandmauer von der Werkstatt aus durchgeschlagen worden ist, will aber von dieser Oefsnung keine Ahnung gehabt haben, bis man ihm das Loch nach dem Brande gezeigt hat. '2Fuf Befragen gibt der Angeklagte zu, daß er in der Werkstatt nie Briefpapier verwandte und daß die auf der Brandstelle gefundenen Papierreste dem in seiner Wohnung gefundenen Papier ungemein ähnlich sehen. Wie das zwischen den Brandmauern gefundene Kuvert an den Fundort gekommen, könne er nicht an geben, möglich sei, daß er den Briefumschlag in der Werkstärte liegen gelassen habe. '2Cuf Befragen teilt der Angeklagte mit, daß 1904 auf bem Löwenhvf ein Stall durch Feuer zerstört worden ist, in bem ebenfalls außer Dachpappe Abrißmaterial aufbewahrt wurde, das versichert war. Carle gibt zu, daß Agent Schaumberger mit ihm einmal wegen eines Tauschgeschäfts verhandelt hat. Danach sollte Frau Rothenberger das Carlesche Haus in der Bleichstraße übernehmen, das der Angeklagte mit 60 000 Mk. bewertet, während Carle das Rothenbergersche Anwesen am Muen- weg übernehmen und 15 000 Mk. erhalten sollte. Staatsanwalt Hoos bittet den Vorsitzenden, den ÜCn geling ten zu einer Erklärung zu veranlassen, wie er denn das Vorhandensein mehrerer ungebrannter Schwefelhölzer in seinen Kleidern iccbtfertige. Der Angeklagte behauptet, er fei ein starker Raucher und lösche die glimmenden Zündhölzer nach ihrer Benutzung mit den Fingern aus, um sie dann gewohnheitsmäßig in die Taschen zu stecken. Weiter wünscht der Staatsanwalt vom Angeklagten Auskunft, ob es richtig sei, daß dieser bei seiner Unterredung mit Oberbürgermeister Mecum am Tage vor dem Brande diesen gebeten habe, er solle ihm behilflich sein, die Rothenbergersche Hofreite zu erwerben. Der Angeklagte gibt dies zu und bemerkt, er habe geglaubt, daß das Straßen- prvjekt ohne die Rothenbergersche Besitzung nicht zustande kommen würde. Es liege auch im Interesse der Stadt, wenn die Straße angelegt würde, und es fei wohl möglich, daß er durch eine Straßenanlage weniger verdiene, als wenn er sein Besitztum in anderer Weise verwerte. Er habe bereits 1903 wegen der baulichen Ausnutzung seines Hinterlandes die Bauerlaubnis erhalten. Damit ist die Vernehmung des 2lügeklagten beendet. Es folgt die gestern schon gemeldete Augenscheins- nähme am Neuenweg. Um 3 Uhr nachmittags wurde mit der Vernehmung der Zeugen begonnen. Bis 7 Uhr abends waren etwa 20 Zeugen gehört worden, worauf die Verhandlung geschlossen wurde. Voraussichtlich wird der Sachverständige, Gerichtschemiker Dr. Popp, erst am Samstag vormittag sein Gutachten abgebeu. ___________________________(Fortsetzung folgt.) Aus Stadt und Lund. Gießen, den 15. Juni 1906. ” Personalien. Durch Entschließung des Großher- zogl. Ministeriums des Innern wurden die Referendare Eng. Blumer§ zu Pfeddersheim, Freihr. 0. SenarclenS- Grancy zu Darmstadt, Beruh, von Hahn zu Darmstadt, Otto Lerch zu Darmstadt, Friedrich Pricken zu Mainz, Wilh. Rahn zu Birftein, HansSchmidt zu Darmstadt und Ang. Siebert zu Darmstadt zu Regierungsassessoren ernannt. — S. K. H. der Großherzog haben den Garde-Unteroffizier Herrn. En der es 511 Darmstadt zum Kanzleiwärter bei der Oberrechnungskammer ernannt. ** Ihre silberne Hochzeit feiern am Sonntag, den 17. Juni, Gastwirt Wilhelm Wagner und Ehefrau. 12 ^cL ^et Unbbim fe*' J)a6e afteA^n .barum sei'^°uho^ fe|en f 12 Uhr 1 -Aken. ^>he" äs*«™ iteS' ??a>i M&Unq kJ® die ?a®'c -üLSr ”u6!»»?; LL-xi'L? Mt, ^^gangen. \,m2il*n tot bSt,n £0« d'-LL y?»Ä Meyer Ä leN, was es • lei er dem ö ejem gegenüber die AE nicht an, er ist niart der Angeklagte t leinen graben ae. J^wger durch Feuer [ versichert hatte. Ter rage, ob er nicht ge. dm passen, wenn cs mcht, ich mußte alles : sich.einer derartigen L daß er noch einmal ’■ um nachzusehen, ob M 'Rchitekten Hamann ■n seine Wohnung, um nach Hanau zur lach« "in Bchnhof tarn Schutz« n nach der Brandskelle, wschein veranlaßt roor* >end noch nach Hanau lngeklagte, daß er nach denken kann, als daß -den ist. Er gestehe zu, ?r Werkstatt aus durch- dieser Öffnung leine t ba$ Loch nach dem bt der Angellagte zu, myier verwandte und -eneu 'Payierreste dem pier ungemein Wich ranbmauem gefundene tonne er nicht angeben, chlao in der Merkstatre m teilt der Angellagte ein Stall durch «euer isalls außer DachycW das versichert ton. berger mit chm einmef tibelt bat. Danach sollr daus in der Bleichstrch nit 60 000 Mk. bewertet che Anwesen am W erhalten sollte, viaat- ™W Angeklagten ^ erben>tbti$«r1)ä«to M°!zer i» bchwptet, a f« ™ K «* ** vor dem dM ,, UM »IWÄ rer seines 5®»’ eldete Uhr naä-mW n6r -hort ivirb der MlÄam^ x.r, Popp- «geben- ^tJ^ — I- - 1906. n, dm 161 Groß^' .tschl-e^'"^ lstescl^^ worden die [tt* Freihr- »• £atnM >öh Hahn r" gilflinj. ’Sfi&SPfi lt**l<* *rt , .Magner Handel 4°^ Öesterr. Goldrente. . . 127.60 Obetschles. Eisen-Industrie 128.70 Portugiesen III . 112.40 Prince-Henri-Eisenbahn . 152.00 252.50 Berliner Börse, 15. Juni. Anfangekurse. Lanrnhütte . Nordd. Lloyd 147.75 130.10 263.50 219.00 161 00 21620 241.75 34 60 145.50 . 159.60 . 140.25 . 236.30 . 84.40 . 159.00 Elektriz. Lahmeyer . . . Elektriz. Schnckert . . . Escbweiler Bergwerk . . Gelsenkirclien Bergwerk . Hamburg- Amerik. Paketf. Harpener Bergwerk. . . Harpener Bergwerk. Lanrahtitte . . . Lombarden E. B. Nordd. Lloyd . . . Türkenlose . . . Berliner Handelsges Darmstlidter Bank . Deutsche Bank . Deutsch-Asiat. Bank Diskonto-Kormnandit. Dresdner Bank Kreditaktien . . . Baltimore- und Ohio- Eisenl ahn . Gotthard bahn . . . Lombard Eisenbahn Gestern Staatsbahn . 99.40 87.50 99.30 87 50 98.90 327« 3% 327, 32 327« 327« 'X Oesterr. Silberrente Ungar. Goldreute . . Italien. Rente . . . Portugiesen Serie I . . . 171.50 . . 139.40 . . 235 80 . . 186.50 . . 183.30 . . 158.80 . . 209.90 Cauada E. B. . . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . . Tendenz: ruhig. 47«°-. 4 2 1 42 : 32 : 32 i Reichsanleihe do. Konsols do. . . Hessen . . . Oberhessen Israelitische Neligionsgemeinde. HottlsditnH in der Synagoge (Südanlage). Samstag, den 16. Juni 1906: Vorabend 7.45 Uhr. Morgens 8.30 Uhr. Nachmittags 4 Uhr. Sabbathausgang 9.35 Uhr. . 70.75 . 97.60 37g Mexikaner . . 427o Chinesen . . Aktien Bochum Guss . . . Buderus E. W . . Tendenz: matt. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. 1. Sonntag nach Trinitatis, den 17. Juni. <5<'ttf5btrnfl. In der Stadtkirche. Abends 6 Uhr: Pfarrer Schwabe. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten au§ der Markusgemeinde. Vormittags 97, Uhr: Pfarrer K r a u s. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeiude. Pfarrer Kraus. In der Johanneskirche. Vormittag? 8 Uhr: Siehe Stadlkirche. Vormittags 97, Uhr: Professor D. D r e w s. 4270 russ.Staatsanl. 1905 420 « japan. Staatsanleihe 4 2 Conv. Türken von 1903 Türkenlose ... . . 42 Griech. Monopol-Anl. 4 2 äussere Argentinier . Katholische Gemeinde. S a m s t a g, d e n 16. Juni: Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr Gelegenheit zur heil. Beichte. Sonntag, den 17. Juni: 2. Sonntag nach P s i n g st e n. Vormittags von 67, Uhr au: Gelegenheit zur heil. Beichte. , um 7 Uhr: Tie erste heil. Messe, vor und in derselben Alisteilung der Heil. Kommunion. „ um 8 Uhr: Die zweite heilige Messe. „ um 97, Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 2 Uhr: Christenlehre: darauf sakramentalische Brüderschafts-Andacht. 100.60 100.60 95.55 104.80 69.70 70.50 88.60 95.00 95.80 144 40 54.70 91.00 Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für und Industrie, Glessen. Frankfurter Börse, 15. Juni, 1.15 Uhr. Gerichtssaal. Büdingen, 14. Juni. Das Schöffengericht ocr- urteilte den Metzger Hermann K n a f von Büdingen, der feine Mutter mit dem Verbrechen des Totschlags bedroht, ihr auch durch einen Schlag in das Gesicht eine Verletzung beigebracht hatte, zu einem Jahr Gefängnis. Wegen Ungebühr vor Gericht erhielt er außerdem 12 Taae Haft. vor, Bei der Dahl weiße Zettel abzugebeu, was die Wiederwahl Brinks durch die bürgerlichen Bcrtreter zur Folge haben würde. Heute hat der sozialdemokratische Verein in Offenbach in einer von etwa 1000 Personen besuchten Versammlung zu der Angelegenheit Stellung genommen. Ulrich hob an der Hand aktenmäßiger Belege hervor, daß Drink stets em strikter Gegner der Sozial- Demokratie gewesen sei. Nach lebhafter Debatte sprach die Versammlung in einer Resolution die Erwartung aus, daß die sozialdemokratischen Stadtverordneten für die Wahl eines anderen Bürgermeisters cintreten werden. (Frkf. Ztg.)________________________________________ vermischte*. * Ein fürchterlichesSchiffsottentat. InLiver Pool fand am 14. Juni an Bord des kürzlich aus Amerika eingelroffenen Schiffes „Haverford" eine Explosion statt, die meilenweit zu hören war. Das Scknn. dessen ganzes Deck aus- gerissen wurde, wurde durch die Explosion in Brand gesetzt, doch gelang cs der Feuerwehr, des Feuers Herr zu werden. Man meint, daß die Explosion, bei der 9 Personen getötet und etwa 40 verwundet wurden, durch eine Höllenmaschine herbeigefübrt worden sein könnte. * Kleine Tageschronik. Im Harz ift eine neuer Te mperatur stürz eingetretcn. Auf den Höhen sank die Temperatur am 14. früh auf den Gefrierpunkt. — Dem Krankenhause zu Drombcrg ist ein Pockenkranker und ein Pockenverdächtiger zugesührt worden. — In Wustcrbarth bei Schivelbcin in Pommern ist die von ihrem Manne getrennt lebende Bauersfrau Raddatz von dem 29 jährigen Tagelöhner Bädke ermordet und beraubt worden. Ter Mörder, d?m t r Erlös eines von Frau Raddatz verkauften Schweines in di: Hände fiel, ist ftüchtig; ein im Stall der Raddatz übernachtender Wanderer ist ebenfalls tot und beraubt aufgefunden worden. — Ein Elberfelder Automobil fuhr zwischen Mühlheim am Rhein und dem Dorfe Eil gegen einen Chausseebaum. Tas Fahrzeug ist vollständig ?crtrümmcrt. Der Chauffeur r.nb die Fahrgäste erlitten schwere Verletzungen. — In Hannover tötete sich der Fahnenjunker Grafvon Kielmanns- egg vom Königs-Ulanen-R-aiment durch einen Schuß in den Kops. Er soll nn einer unheilbaren Kranllveit gelitten haben. ** Der Gesangverein Heiterkeit brachte gestern abend seinem Dirigenten Ludwig Becker in der Roonstraße au? Anlaß seiner Hochzeit ein wohlgelungenes Ständchen. ** Zu der Mordaffäre Meyer wird der Frkf. Ztg. aus Newyork gemeldet, daß der des Mordes verdächtige Meyer und dessen Begleiterin Christians am gestrigen Donnerstag mit dem Dampfer „Blücher" nach Deutschland zurücktransportiert wurden. ** Ein Bauunfall. Am Donnerstag nachmittag 5 Uhr stürzte an einem Neubau in der Grasenstraße der 16 Jahre alte Maurerhandlanger Philipp Adolph aus Klein-Linden drei Stockwerke tief iu den Hof; er blieb mit zerschmetterten Gliedmaßen bewußtlos liegen. Da er noch Lebenszeichen von sich gab, trug man ihn sofort in die Klinik, wo er nach kaum zwei Stunden an den schweren Verletzungen starb, ohne wieder zum Bewußtsein gekommen zu sein. Er war ein braver und hoffnungsvoller Sohn und der einzige Unterstützer seiner Mutter, einer Witwe in dürftigen Verhältnissen. Nach der von der Berufsgenossenschaft und der Polizei sofort vorgenommenen Untersuchung liegt kein Verschulden der betr. Baufirma vor. dl. Butzbach, 15. Juni. (Drahtbericht.) II. KK. HH. der Großherzog und die Groß Herzog in treffen am Sonntag nachmittag J/j 3 Uhr von Lich auS im Automobil vor dem Rathause ein, um dem Festzuge des Trachtenfestes, deffen Haupttag der nächste Sonntag ist, zuzuschauen. Am Griedeler Tor findet zuvor eine Begrüßung durch den Stadt- vorstand statt. Der Fürst und die Fürstin von Lich und der Graf von Solms-Laubach treffen gleichzeitig mit Wagen hier ein. W. Bad -Nauh eim, 14. Juni. Unter dem Vorsitze des Schulrats Süß aus Friedberg fand gestern dahier eine Lehrer-Konferenz des Bezirks Fried - berg-Bad-Nauheim statt. Ueber 100 Lehrer versammelten sich in unserem neuen Schulgebäude. Als Thema standen auf der Tagesordnung das Körper- zeichnen, Referent Lehrer Wehr heim, Bad-Nauheim und die Commeniusfibel, Referent Lehrer Clös Friedberg. Gegen 1 Uhr erst wurden die Verhandlungen geschloffen. Das gemeinschaftliche Essen fand darauf in Langsdorfs Sprudelhotel statt. — Für Schmücken der Straßen, welche gelegentlich der Einweihung der Dankeskirche S. K. H. der Großherzog passiert, für Erbauung von Ehrenpforten u. dergl. mehr, ist von der Stadt ein Kredit von 3000 Mark bewilligt worden. Die Einweihung ist, wie schon früher gemeldet, am 21. Juni. Um V? 10 Uhr läuten die Glocken der Wilhelmskirche. Alsdann versammelt sich die feiernde Gemeinde. Der Zutritt zur Dankeskirche ist nur gegen Vorzeigung üou Karten gestattet. Es werden 1100 Karten ausgegeben. Die Karten, soweit sie nicht den Vorständen zur Verteilung übergeben werden, können am Dienstag, den 19. Juni im Pfarrhaus abgeholt werden. Außerdem ist in dem Zigarrengeschäft von Georg Griebel, gegenüber der Dankeskirche, eine Abholestelle. Die ganze Feier wird ungefähr eine Zeit von 1V8 Stunden in Anspruch nehmen. Am Nachmittag desselben Tages 5 Uhr findet in der Kirche ein Konzert durch Professor Frankaus, Köln statt. — Heute Nacht fand im Kassengebäude des Salinenrentamts ein Erbruch statt. Die Diebe mußten aber unverrichteter Sache abziehen, da sie in der Wohnung des Nechnungsrates Kissel, die im I. Stock liegt, nichts brauchbares fanden. Die Türrn und Fenster des Parterrestockes, woselbst sich die Kassenschränke befinden, sind dttrch Eisenstäbe geschützt und waren dadurch den nächtlichen Besuchern nicht zugänglich. O s s e n b a ch, ,13. Juni. Der bevorstehenden Bürgermeisterwahl wird großes Interesse entgegengebracht. In einer Sitzung der sozialdemokratischen Stadtverordneten waren zwei Ansichten laut geworden. Die Majorität war dafür, Brink nicht wiederzuwählen, sondern mit der gesetzlichen Pension von rund 8000 Mk. — Brink bezieht 12 000 Mark Gehalt — zu pensionieren. Die Minderheit schlug . 216.40 . 241.20 . 35.10 . 127.70 . 144.90 Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. voraussichtliche Witterung iu Hcfsen für Samstag, den 16. Juni 1906: Meist trüb, doch nur geringer Regen, romotg. Keine Aendemng wahrscheinlich. _____________Nähere? Noch' die Gienener Wetterkarte. Vriginal-DraHtniel-ungen. W i lhe l mshav e u, 15 Juni ?ic neunitünbigcJEr- 6 c i 15 i c i t wird auf der Rcichswcrft anfangs Juli eingefuyrt werden. Wien, 15. Jnni. Ein Wolkenbruch richtete nn Wientale furchtbare Verwüstung en an. Der Wienstuß flieg in einer Stnnde um 1,5 Meter. Jin Lanner Tiergarten ertrank ein Kind in den Wellen. Infolge des Wolkenbruches barst das H a u p t r o h r der Wiener Wasserleitung auf dem Bnrgri m. Das ausbrechende Wasser überschwemmte den Ring, drang in den Burghof ein und hemmte den Straßenbahnverkebr auf dem Ringe. Riga, 15. Juni. Ein besonders frecher U e b e r f a l l wurde auf einen Jlnßdamvfer verübt, der nvischen Riga und Mitan verkehrt. Um 1 Uhr nachts zwangen lieben mit Revolvern bewaffnete Reisende den Kapitän, das Schiff auf Grund laufen zu lallen, raubten da? Schiff aus, nahmen einem Reisenden 154 Rnbel fort und warfen zwei a n d e r e R e i s e n d eji bet Bord. Nach dem Uebcrfnrt flüchteten fünf von den Räubern, zwei blieben eine Zeitlang als Wache an Bord. Bald darauf überfielen dieselben Räuber einen nahen Bane r n Hof, wo ste die Wirtin und zwei Söhne antrafen. Sie erschossen den älteren und verwundeten den jüngeren Sohn schwer. Militär ist zur Verfolgung der Verbrecher von Riga abmarschiert. Warschau, 15. Juni. Aus Bt) alistok wird berichtet: Ülls eine Prozessio n die Alerandrewskastraße passierte, wurde von einem Balkon eine Bombe geschleudert, durch die bet Pope getötet und viele Personen verwundet wurden. Gleichzeitig wurde auS dem Fenster onf das Publikum geschossen. Dir Volksmenge flüchtete. Darauf inszenierten Arbeiter ei ’e Inden- Hetze. Viele Läden wurden aevlündert bi** Waren auf die Sttaße geworfen und vernichtet. Arbeiter überfielen, ffüchtende Inden am Bahnhof und töteten und verlebten viele. Selbst au5 den Bahnzügen wurden jüdische Flüchtlinge heransgeschlevvt und geschlagen. Die Juden flohen daraus in die benachbarten Wälder, wohin ihnen Dragoner nack'gesandt wurden. Warschau, 15. Juni. Die Untersuchung gegen R o sa Luxemburg ist beendet. Sie wird bloß angeklagt. daß sie sich eines falschen Passes bedient habe. Es droht ihr fomtt nur eine geringe Bestrafung. Washington. 14. Juni. Präsident Roosevelt hat seine vollständige Mißbilligung deS von dem Ausschüsse Repräsentantenhauses ausgearbeiteten Gesetzentwurfs betr. die Fleischbeschau ausgesprochen und erklärt, daß dieser Entwurf unzureichend sei, um den herrschenden Zuständen zu be- gegnen. S8u/s engegengeiwmmen. 3200 Mk. 950 , 1271 , und zwar: 1. Roden abgeholzter Waldflächen . . . 2. Instandsetzung einer Strecke der Horloff 3. Grabenarbeiten........ Die Verdingungsunterlagen liegen auf Gr. Bürgermeisterei Hungen zur Einsicht offen. Die Angebote haben in Prozenten des Voranschlages zu erfolgen und sind verschloffen, postftei und mit entspr^ Aufschrift versehen, bei Gr. Bürgermeisterei Hungen einzureichen, woselbst deren Eröffnung am Dienstag, den 19. ds. Mts. vormittags 9Vz Uhr in Gegenwart Hotel Odenwald. Besitzer: A. Vogel Erstes und grösstes Hötel am Platze Elektr. Licht. Telephon 9. Volle Pension Mk. 4.— und 4.50. Schöne Säle für grössere Gesellschaften, angenehmes Absteigequartier für Touristen erschienener Bieter stattfindet. Gießen, den 12. Juni 1906. Großh. Kulturinspektion Gießen. Wißma nn. Arbeitsverdingung. Für die Feldbereinigung Hungen sollen nachverzeichnetc Arbeiten auf dem Wege schriftlichen Angebotes vergeben werden Alice-Kochschule. Der Unterricht beginnt Montag, den 18. Juni. Anmeldungen werden in der Aliceschule, Kirchstraße 20, Luftkurort Lindenfels Odenwald Bekanntmachung. Samstag, 16. Jnni 1906, nachmittags 6 Nhr, soll die HengraScrnte vom Lbstbanmstück bei der neuen Kaserne nn Crt und Stelle nochmals versteigert werden. Gießen, den 13. Juni 1906. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Curfchmann. B‘7« Milglieder, welche bei dem KreistmsestinKUiiil auf Frei-Quartier reflektieren, werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Liste nur heute noch in der Turnhalle offen liegt ris J Der Vorstand. Oebr. 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