SamStag, 8. Dezemder WOG 15 G. Jahrgang Nr. 289 Giehener Anzeiger General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen Staatssekretär v. TschirschkY: die dem für aus für Rotationsdruck und Verlag der Drklhl'scken UnwerftlälSdruckeret. R. Lange, Gießen. Redaktion,Expedition ».Druckerei: Scknlstr.7. Tel. 9k. öl. Telegr.-Adr.; Anzeiger Gieße«. Erscheint lägNch mit Ausnahme de- Sonntag». Tie „Gießener FamNiendlStler" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegl. Ter ^hesflschr Landwirt" erscheint monatlich emmal. Parlamentarische Verhandlungen. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Reichstag. 136. Sitzung vom 7. Dezember. 12 U h r. «w BundcSratStisch: von TschirschkY, Graf P o s a - Abg. Dr. Spahn (Senft.)* ES ist bedauerlich, bn^ der Staatssekretär erst auf eine Anfrage uns die Note mitgetcilt hat. Die gewöhnliche Ruckucht auf den Reichstag hätte es erfordert, uns die Note vorher un Druck zu übermitteln. (Zustimmung.) Dbg. Dr. 85?inner sfreis. Vp): Auch wir sind dafür, daß der Boden von AlgeciraS nicht über* schritten wird. Vorläufig aber begnügen wir uns mit der Erklärung des Ministers Pichon und sehen zu einem Elnlchretten keinen Anlatz. StaaatSsekrel^r Freiherr von TschirschkY: Den Vorwurf des Abg. Dr. Spahn mutz ich ^urückweisen. Ich habe es nickt an Rüäsistt dem Reichstag gegeniiber fehlen lasten, ich habe im Gegenteil von Anfang an in Aussicht genommen, die N o t e dem Sause in extenso m i t z u t e I l e n. Doch hatte es den diplomatischen Gepflogenheiten nicht entsprochen, nut einer solchen Mitteilung einseitig vorzugehen. Mittlerweile ist m Frankreich diese Mitteilung erfolgt! Frankreich war als Urheber der Aktion neben Spanien da-u in der Lage. Nachdem bieg gesckeben, Ut auch für uns der Grund in Wegfall geraten, und die Note wird dem Reichstag in extenso mitgeteilt. Abg. Schrader (freis. Vgg.V erklärt die Zustimmung seiner Freunde zur Vorlage, bleibt aber im übrigen unverständlich, da er der Tribüne den Rücken zudreht. Abg. Porzig (Tonf.) erfrört mich die Zustimmung seiner Freunde. Unsere Diplomatie miiste mit aller Vorsicht, Umsicht und Geschicklichkeit vorgehen, um das in Algeciras Deschlostene in die Tat umzusetzen. Abg. Blumenthal (Vp.): Heber die Beschlüsse von Algeciras soll man stch doch keinen Illusionen hingeben. Wie kann man sagen, daß durch diesen Vertrag die Unabhängigkeit des Sultans von Marokko garantiert ift? D?r Vertrag bedeutet vielmehr die Reglementierung der Abhängigkeit des Sultans. Wenn d'e deutsche Regierung sich dem Vorgeben Frankreichs heute nicht widersetzt, so tut sie gut daran: sie würde sich sonst wieder einen Echec holen, wie in Algeciras. Cbne Säbelrasseln und ohne Drohung hätten wir von Frankreich mehr erreicht. An der durchaus verfehlten Marokkopolitik der deutschen Regierung ist auch der deutsche Reichstag mitschnld'g. der sich viel zu wenig um die auswärtige Politik gekümmert hat. Hoffentlich wird da? in Zukunft anders. Unverständlich bleibt mir, wie der Abg. Bastermann die im „Berliner Tageblatt" aufgeworfenen vier Fragen für erledigt erklären kann, nachdem Herr von Holstein beseitigt sei. Wir haben es stets mit dem Auswärtigen Amt zu tun, nicht mit einem einzelnen Beamten. Dbg. von Tircksen (Rp.): Dir werden noch bei Gelegenheit deS Etats daraus zuriick- kommen, ob es wirklich notwendig ist. daß uns das Material über diplomatische Aktionen stets vorgelegt wird, Ick persönlich sehe darin keinen rechten Zweck. Solange die Aktion ickwebt, kann nickts vcröffenrlick: werden, und wenn sie vorbei ist, kann man n'chts mehr daran ändern. Dem vorliegenden Entwurf werden wir zustimmen. Damit schließt die erste Beratung des Entwurfs. Persönlich bemerkt Dbg. Ballermann fnamkeit ist notwendig Die Marokko-Atiion muß auf den engsten Nahmen beschränkt blecken, sie darf das in Algeciras Vereinbarte nicht überschreiten. Jede Möglichkeit zu Komplikationen muß vermieden werden. DaS liegt im Interesse aller Länder und auch Frankreichs. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Zollpslichtigkeit fallen. § 2 wird hierauf angenommen, ebenso ohne Debatte der Rest des Gesctzcntrourscs. Hiermit ist die zweite Beratung beendet. Es folgt die Jctcrpellation der Abgg. Speck und Genossen sZcnlrumto Reichskanzler bekannt, daß auf ^cr Eisenbahn von den schwedischen Erzgruben nach dem Seehafen Nur. vieck infolge Anordnung der schwedischen Regierung nur eine so geringe Menge Erz jährlich befördert werden darf, bafeme Ausfuhr seit 1. November dieses Jahres beträchtlich eingeschränkt werden mutzte? .. . ., Was gedenkt der Reichskanzler zu tun, um bicjer mit einer loyalen Auslegung der Bestimmung zu Artikel 10 des ■sdiluß« Protokolls zum deutsch-schwedischen Handelsvertrag nicht vereinbaren Matzregel der schwedischen Regierung wirksam entgegen» zurreten?" Auf Anfrage deS Präsidenten Graf Ballesirem erklärt sich Staatssekretär Graf PosadowSky zur sofortigen Beantwortung der Interpellation bereit. , J Tas Wort zur Begründung erhält Abg. Speck sZentr.): Weshalb ist der zum schwedischen Handelsvertrag angenommenen Resolution, die billigere Tarife für dl lästerst eine uno Preißelbeeren verlangt, noch nicht Folge gegeben? . Vom Regle» rungstisck ist ferner erklärt worden, daß die schwediiche Regierung an einer Behinderung der Ausfuhr von Eisenerzen zu Ungunften unjerer Industrie gehemmt sei. Aber wieder einmal mutten wtr Die Erfahrung machen, datz auf solche Regierungserklärungen nicht« ;u geben ist. Die Maßregel der schwedischen Regierung ist. mit einer lovalen Auslegung der Bestimmungen des deutsch-schroedifcken Handelsvertrages nickst vereinbar. Man wird erwägen müssen, ob man nicht der Industrie durch eine Ermäßigung der Frachtsätze auf deutschen Eisenbahnen cntgegenkommen kann. Mit dem Wortlaut des Handelsvertrages mag fa die Maßregel der schwedischen Regierung vereinbar fein, nicht aber mit der Absicht; die Absicht trat doch, die ungehinderte Erzausfuhr aus Schweden zuzulasicn. Auch in den Handelsvertragsbeziehungen mutz Treu und Glauben herrschen. Hier heißt es principiis obstal Deshalb fordern wtr ein Einschreiten gegen die Maßnahmen der schwedischen Regierung. Mit Freuden haben wir es begrüßt, datz unsere Regierung dieser Tage Spanien gegenüber die bcur" wn Interessen gewahrt hat. Es gebt daraus hervor, daß man auch an deutschen maßgebenden stellen schließlick zu der Neberzeugung gelangt ift, daß ihr der Schutz der deutschen Produktion in erster Linie am Herzen liegen muß. (Abg. Goth ein: Zur Sache!) Das ist Sache des Präsidenten, nicht Ihre Sacke. Ich hoffe, daß der Staatsfekret"i. auch Schweden gegenüber auf eine loyale Handhabung des Vertrage» hinwirkt. Es liegt doch auch im Interesse von Schweden, datz eS Dir haben mit Marokko den Vertrag geschlossen, in welchem Deulsckien Reiche die Meistbegünstigung eingcraumt ist. AuS dem Begriff der Meistbegünstigung folgt staatsrechtlich ganz von selbst, daß die marokkanische Regierung nicht in der Lage war, Den Daten eines einzelnen Staates einen Zuschlagszoll aufzucrlegen, wenn er nicht gleichzeitig auch den Waren anderer Staaten auf- erlegt wurde. Jede andere Maßregel wäre eine offenbare Verletzung des Meistbegünstigungsrcchts. DaS die Frage betrifft, ob etwa die marokkanische Regierung diesen Zuschlag nur auf Waren legen lömrte, die für einzelne Staaten besonders wichtig sind, so gritatt? ich mir, zunächst auf den französischen Text der Gcnera.» afte zu verweisen. Es heißt dopt in Artikel 66 ausdrücklich: .1 e • marchandiscs". Im dcuifcktcn Text heißt cs nicht „b i e Waren , sondern nrr „Waren". Maßgebend ist aber zunächst der sran- zösisckte Terr, und daraus folgt, daß nicht einzelne Waren herausgegriffen werden können, sondern daß, wenn der Zuschlag erhoben wird, ec auf alle Waren zu erheben ist, die unter den Begriff der Wie seinerzeit der Reichskanzler schon auSgesuhrt hat, sind Ergcbniür der Verhandlungen von Algeciras im I n t e r e, | e amllicher fiulturoölfer und haben insbesondere auch Ich ftage also den Staatssekretär, ob er gewillt ist, uns Mitteilung zu über den Inhalt der N o t e und ob das Einverständnis dir übrigen Mächte zu der spamich-franzonschen Aktion aii?g:spiockien ist. Im übrigen mochte auch ich nur Yosscn und wünschen, daß durch d-e Algeciraö'Aktc.d.e fned.'che Weiler- entroidlung der Tinge in Maroklo gcroahrleiitet sei. (Betsall.j Staatssekretär Freiherr von TschirschkY: Beide Reaieningen haben den Mächten gleichlmitende Erklärungen dahiu abgegeben, daß der Zweck ihrer Maßnahmen lediglich dahin gehe, auf die marokkanische Bevölkerung beruhigend zu wirken und die friedliche Einrichtung der von diesen beiden Machten m fd'aftonben Polizei zu gewährleisten. ES werde genau un Geisse bet Akte verfahren werden. Die A u s f ch i f f u n g v o n T r u v p e n soll nur. nach vorhergehender Verständigung mit den übrigen Machten erdigen. Nur un Falle bewaffneten Angriffs können Spanien und Frankreich Detackemenis landen, sie haben bann aber nachher Rechen- schäft baiiibcr abzulegen. Abgesehen von ^stm Falle würben Lanbungsdetachements nur zur rlusrechterhaltuna bet Ordnung in Tanger und besten Gebiet nub nur nach v o r h e r gehendem Einverständnis der Machte zu entsenden sein. Die Autorität des maroklanischen Gouverneurs soll anfrecht- erhalten ble oen. Die Lanbungsdeiack-ementS sollen sobald wie möglich wieder zuiückgezogcn roerbcn, und zwar fPa-cltc*'a in dem Mcment deS Jnkrafilretcns bet Polizei — Nachdem die fianzösische und die spanisck)- Regierung ihren festen Willen zum Ausdruck achracht haben, streng loyal im Geiste der Algeciras-Akte ,u handeln, liegt für die deutsche Regierung kein Anlatz vor, gegen bas Vorgehen der beiden Mächte Einspruch zu erheben. Abg. Ballermann (nl.): Der Dbg. Blumenthal hat mich völlig mißverstanden. Ich habe nicht gesagt, daß die im ..Berliner Tageblatt" aufgeworfenen vier Fragen erledigt seien, nachdem Herr von Holstein alS Sd)ul- bmer zur S'recke gebracht sei, sondern im Gegen'eil, ich habe erklärt, frafe ick heute nickt weiter auf diesen Artikel eingchen will, daß sich aber an denselben zweifellos weitere Erörterungen au- fnunfen wer^en.^^ zweite Beratung des Entwurf- eingetreten. Bei § 1 erklärt der Präsident Graf Ballestrem: Es ist mir im Laufe der Debatte gesagt worden, eS Höfte nur der Gesetzentwurf, nicht aber auch die Gc n er al- A k t e zur Bewilligung vorgelegen, wir könnten also über die Akte nicm abstimmen. Nach der bisherigen Praxis deS Reichstages ist, wenn in einem Paragraphen eine? zur Bewilligung vorgelegten Gesetzes von einer Beilage dto R-de ist, auch immer über diese Beilage mit abgcstlinmt worden. sSchr richtig!) Ich habe geglaubt, von dieser Praris auch diesmal nicht abwcichen zu sollen. (Zustimmung.) Wir haben also nunmehr abzustimmen übcp § 1 mit der anliegenden General-Akte. Staatssekretär Graf PosadowSky: Die Frage ist von staatsrechtlicher Bedeutung. Der Herr Präsident wirb eS mir daher nickt übel nehmen, wenn ich einige GcgenauSfiihrungen mache. Es ist stets so verfahren trorben., daß bei derartigen internationalen Abkommen nur diejenigen Bestimmungen dem Reichstag zur Stonehmigung vorgelegt sind, die nach Artikel 4 der R ichSverfastung zur Äempetenz des ReichS.agS gehören. Ii. dieser Weise si"d die gesetzgeberischen Körperichaften bereits früher verfahren, ich erinnere nur an daS Gesetz über di« sionsulargerichtsbarkeil in Samoa. Sowohl hier als auch in allen anderen Fällen sind Verträge durch Gesetze geändert und diese Aenderungen den getovaebenden fiör>'r. Sclilicphakc, Gocthestr. 44. ______________P. Wagner. ^Vosfanlage 5t, m icver beltrbtgcn SthrUtan ono Kflricn. j? a (£5Tk ?gj forte, sowie mit olrfcln aller ftrtdentlfche« v * p ♦. M » v ■ » Vereinigungen, liefert zu mäßigen preisen vrübl'sme Universität?-Druckerei. Schulstrafte 7 A)am Ztotmann. r In der Nähe von Herborn, im Dörfchen Breit- s^eid, wohnt ein Dichter, von dem die Welt bisher noch nichts wußte. Es ist der Pfarrer dort, Fritz Philippi mit Namen. Bei G. Grote in Berlin erschien soeben fein vortrefflicher „Adam Not mann. Ein Leben in der Zelle" (geh. 3 Mk.). Der Zusatz „Roman" stimmt nicht ganz. Das Buch ist viel zu ernst und viel zu wichtig dazu, um Roman genannt zu werden. Jedenfalls war Philippi in früheren Jahren Gcfängnispredrger. Wenigstens deutet darauf seine tiefe Kenntnis des Strafvollzugs, den er schildert in seiner Wirkung auf einen gebildeten, feinfühligen Menschen, der kein Verbrecher ist, sondern ein Unglücklicher. Mit ergreifender Wahrheit wird oas Ringen der Persönlichkeit innerhalb der vier schweigenden Wände mit sich, mit seiner Tat und mit seinem Glauben dargesiellt, und in lebendigen Bildern läßt der Lichter dabei das Leben und Erleben Adam Notmanns von seiner Kindheit bis zu seiner Verurteilung und Einlieferung ins Zuchthaus am Leser vorüberziehen. Ter Gegenspieler des Verurteilten ist der Zuchthausgeistliche, ein idealer moderner Theologe, der dem Unglücklichen den Weg zur Erlösung ous^ seinen Seelenqualen weist oder vielmehr diesen ihn selbst finden läßt. Das Ende klingt versöhnend und verklärend aus. , Das Buch ist ein ernstes und eigenartiges Werk, das mit Aufmerksamkeit und empfänglichem Sinn gelesen sein will. Ich stelle es über die Romane Frenssens, obwohl Philippi nicht die plastische Anschaulichkeit, die dichterische Gestaltungskraft in dem Maße eignet wie Frcnssen, dem Meister der bildlichen Evisode. Dafür aber ist Philippi tiefer und von weiterem uno größerem Blick. Auch sein Stil hat Anklänge an Frenssen, ohne in dessen Maniriertheiten zu verfallen. — Adam Notmann, der verschüchterte Musterknabe, hat seinen Vater nie lieben gelernt, wie der Vater ihn nicht liebte und niemanden auf der Welt. Der rauhe verschlossene Bauer war ein Gewaltmensch von zügelloser Brutalität, der seine ganze Familie, Frau und Kinder und Schwiegervater, knechtete und mißhandelte. Und als Adam, nach erfolgreichem G nnnasialbefuch, noch dem Tode der innigst geliebten Mutter, an dem der Vaicr nicht ganz schuldlos war, als Kandidat des höheren Schulamts zum Weihnachtsfeste heimt'am und der Vater ihn in sinnloser Trunkenheit schlug, da hat Adam seinen Vater erschlagen .... Er wird zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt, und er büßt sie au in der „ehrwürdigen St-.imiw- bnrg eines hohen edlen Geschlechts auf einem steilen Felsen inmitten der Stadt"; dem Dichter schwebte also wohl Diez pu der Lahn vor. Wie sich Warn in der Zelle in sich l kehrt, das offenbart uns der Dichter mit feinster Seelenkunde und aus verehrenswerter, echter Religiosität heraus. Aus dem Saulus Adam wird eilt- Paulus, aus dem Glaubenslosen langsam, ganz langsam und ganz allmählich ein Glaubensfrohcr. Jedes neuaufkeimen'dcn Zweifels, der ihn quält und zerrt und rüttelt und dem er nach- spürt mit aller Kraft se'nes r^gen und lauteren Geistes, wird er Herr. Diese mit der ganzen echten innerlichen Freiheit eines aufgeklärten modernen Ehristen und der reisen Seelenkunde eines wahren Dichters dargestellte Seelenanalyse gibt dem Buche seinen größten, seinen dauernden Wert. Mer es geht noch gar vieles Gute und Kluge daneben, gar viel an Ethischem und klarer und schöner Welt- und Menschheitsbetrachtung, was hier nicht im entferntesten auch nur angedeutet werden könnte. Dazu ist das Buck» eben zu reich. Der Dichter zupft den Züchtern von Musterknaben an den langen Ohren, den Mißgestaltern des Religionsunterrichtes sagt er unwiderlegliche Wahrheiten wie überkaupt den Pädagogen, de-en verhängnisvolles Bemühen es ist, „Normatfiguren" großzuziehen statt Individualitäten, und bei seinen Amls- brüdern ist ihm der „settgedruckte Kan-elton" verhaßt. Er wettert gegen das „polizeilich schlkanie'te Dasein, gegen die blanke Pickelhaube". Er übersieht nicht manche „Torheiten der Kirche". Doch seines Buches Hauptzweck ist es, „arme Menschen zu belehren, daß sie ihrer Kraft und der Gerechtigkeit nicht feind seien. Sie wissen nicht, daß ihnen mit der Strafe eine Wohltat geschieht, damit sie wieder zurechtkommen und das Vergangene nicht immer mit sich schleppen in die künftige Zeit, ohne es einmal hinter sich zu la'sen". Bitter klagt er mit Sudermann und allen denen, die vielleicht erst durch den Pro'eß des „Hauptmanns von Köpenick" sehend geworden sind, gegen die P 0 liz eiau ff i ch t der aus dem Zuchthause Entlassenen. „Einmal mit Zuchthaus bestraft, heißt lebenslänglich bestraft", weil „die Polizeinase auf der Arbeitsstelle ihm Nachfolgen muß". Wo ble bt da, so fragt er, „die brunnentiefe, herzwarme Menschenliebe"? „Die Tat wird gewaltsam am Leben gehalten, weil es die Menschheit so will". Auch den Richtern und ihrer „kalten und geschäftsmäßigen Gelassenheit" ruft er ernste Mahnworte zu. Ist doch „nichts im ganzen Land, was so gewaltsam eingreist in ein Menschenleben als der Spruch des Richters". Bisweilen erhebt sich die Dichtung vom realen Einzelfalle zum Symbol, und wir sehen in dem armen Adam Notmann den „deutschen Grübler und Träumer von Kindesbeinen an durcki die allzu reglementarischen Staats-1 einrichtungen" mit harten Mauern und Gittern umschlossen, daran sich die täppische Menfchcnstirn sich wund stößt". Philippls Buch ist dazu berufen, Menschen zu fangen für iben Gottesglauben, nicht in marktschreierischer Rede, sondern mit der Krast der unwiderstehlichen Ueberzeugung. Er zeigt das HeilandsLild nicht „in mittelalterlicher Ueber- malung der Kirche". Dieses falsche Bild zerbricht er mit schonungslosem Ernst und er richtet die Ehrfurcht vor Gott auf im Sinne der modernen Theologie, die „nach langer Zeit wieder einmal an der Arbeit ist, das alte echte Gold vom Heilandsglauö en neu anszumünzen, und ihm" die Jahreszahl und den Stempel der Zeit aufzudrücken, daß es draußen umwandern kann von .Hand zu Hand". Mer das Buch lieft, liebt und verehrt e5 und den, der es schrieb. _ P. W. — Der Rhein-M ainiscbe Verband für Volks- Vorlesungen und verwandte Bestrebungen ist im Begriffe, die Gründung eines Wandertheaters im 23er- bandsgebict zu vollziehen. Das Personal des Hanauer StadtthcaterS hot sich bereit erklärt, sich im kbmmenden Jahre «rührend der Monate Llpril und Mai dem Verbände zur Veranstaltung von dramatischen Aussührunacn zur Verfügung m ^stellen. Zur Ausführung soll eine beschränkte Anzahl von Stücken gelangen, b:c , sich auch aus einfachen Bühnen fn'elcn lassen, Vor äufia sind in AuS icht gcn mmen: Minna von Barn- belm, Emilia G'lotti, Nathan der Weise, Kabale und Liebe, Othello von Shakespeare. D^e Journalisten von Gustav Frehtag. Auf Wunsch tünnfen auch einige neuere Stücke, etwa FlachSmann <3 Erzieh'r vm Otto Ernst (warum denn dieser Schmarren? D. Red.). Der Volksfeind von Ibsen, Stwm von Max .Halbe u. a. zur Aufsprung aelc.nacn. Tas Honorar sür jede Vor^ellung 'oll 1?5 Mark betragen. Vei einem mäßigen Eintrittsgeld, das e nach G»iDe das Trtes und des zur Verfügung flehenden Saales von 25 bis 75 Pfg. für die Person bctr'gcn würde, ist der qe- ^orderte Honorarbetrag zu er-.iden. Ter Verland wird für jedes auföm "haende Stück einen Theaterzettel mit geeignetem Tert über Dichter und Inhalt deS Werkes bearbeiten lassen und den Vereinen gegen Ersatz der Herstellungskosten liefern. Anch -r ^orge tr-aeu, daß denjenigen Orten, die cS wünschen, R e dHer znr Einführung der Stücke zur Verfügung uc.)en An einzelnen Orten würde, sich u. a. ein Lessina- E h c l it 9 mit einleitendem oder abschließendem Vortr -.ge an be wilderen Abenden recht gut einrichten lassen. Eine Besprechung dar Angelegenheit soll am 16. Dezember, nachm. 1/24 Uhr, im encle dcS Technischen Vereins in Frankfurt a. M., Gocil^platz 5 'K'auerhof 1. Stock), stattsinden. — Wir finden die Idee vor- treulich nrb hosten, daß iiyee Ausführung gelingt. Möchten ! .ch nur recht viele Bürgermeister bei unA in Ober Hessen su-den, die die Unt.-rilehmungen dcS Wandertheaters in ihren Orten mit Kräften fördern. Fernsprecher 397 Walltorstrasso 35 J- Heilbronner für Gas und Petroleum ■TOMT-V TT 5UG4 Grosses Lager Separat-Ansstellung Antwerpen MteiHitiiel Delikatessen 7065 in mir irischer und bester Qualität 33BK Der Vorstand Dr. Schäffer, Leun, 7179 efiüdfifuno wurden 171 fyerbt, 209 Kinder, niraizii:: lUGTWKSj Badccinrichtungcn Gas-Koch-u. Heizöfen ^.kleine Cch ood \p o । 1,0 0 Aquarien Terrarien in allen Grössen u Preislagen W Ä der M Laubfroschhäuser Grottensteine Barometer Thermometer Wetter., äuschen Feldstecher Operngläser Reisszeuge FLompa se Lupen u. Lesegläscr !HOS!STEhK IVCHEIN 0 0^=0 O °0 *,o o AO aja< mit Fontäne selbsttätig und mit Motorbetrieb Mt eS und Inflnenz-Elektrisierma- schinen u.Nebenapparate Dampfmascliincheii und Betriebsmodelle Experinientierkasten Laterua-magica Stereoskope Elel^tr. Taschenlampen । siriiiari MwifJ irfeln M fnftKlIttjj Itfi jn mädigeii Pitiw et. SdinlltrüS? 1 7278 u. Lustro Sämtliche Backzutaten. Prima Land- und Süssrahmbutter Ä-i totincit von !Nd ist tnt $a; teils mit Preisen versehen, übersichtlich ausgestellt. s Die Preise sin- durchweg enorm billig, vereine erhalten bei gröheren Einkäufen hohen Rabatt. Werkzeugkasten, Laubsä^eka$ten Schlittschuhe A Kinderschlitten Christbaumständer 1 WMc« eit sich LLLi mit der vielfach mit höchsten Auszeichnungen prämiierten 12°/, Wenzel-Seife Bat. gcs. gesch. 9lr. 77 732 Gibt jugeudfrifch. Teint, wcitze zarte Haut, rosiges 'Aussehen. Stück 50 Vf. in oll. Apoll)., Drogerien, Parfümerien re. Prosp. ijrm. durch die allem. Fabulanten Chr. Wenzel & Co.. Mainz. 1U oOq dv o O o O o > °0 o o 0 o c 0)00 ’oS O io Qj roirb iut kri lSKL Eft •* n- sie» S H lünflD- ltife’toT.Üeä Flobert- Gartengewehre, Revolver, Pistolen, Patronen u. Stock- degen in großer Auswahl bei jReinig Lvaffenhandlimg, 6284 30 Seltersweg 30. ^GüeyiumsMeN' sich WMd W • MenscheuplM rMreitt'-lcher W St UebnMM. tväffijs August BCruBSj Seltersweg 12 Sämtliche Artikel sind in der erdenklich größten Auswahl, Muffe, Kolliers, Kindergarnituren etc von den billigsten bis zu den feinsten empfiehlt zu enorm billigen Preisen JL iCoOBl QP.a Kreuz 10 Rud. Rödiger Giessen NationalHberalar Verein Dienstag, b. 11. Dezember l. IS., abends 8'/, Uhr, wird un großen Saale von Steins Garten Herr Professor Dr. Biermer über „Die gegckmiHe Plitische Luge KcsseP" iprcchcn. Gäste sind willkommen. > “'Ä,TWWi« m, tlCrt und auf JWMblintft bet $*oubt ®°M bfm Ache . büdie b derNewyoZ W ÖU(fl in Loudon ««total aAJg J dem AbsMch einer "^1) Brasilien ab. »Mn besorqt werden i° ,le en' fnnftlittien 'chsbank nt über den 1 m die Nolenheuet 1 n* tun An,ch. :lq de? ILcldinarties, men bie Men, wirt- wllimii, selbst die Sin. Hn für die vreiiüi- 'deren Sinflnü, Slber beimische Ai,- Enng. Hessen ist mdbareu Anleihe ne- hum ein siabr Mach- n lester, Nüssen etwas ^ttungen aus Wiener still, LchisiahtlS- roevte besser, Nelsen« i b°/, besser, llschwciler sler. Au! dein Alach ) die Aknen chemischer i Steigerung erheblich triulämktien teiliveise und Broivn Äoven. igöbalener Wahnnihle Goldene .Brillen und Pinccnez empfiehlt Emil Schmidt IG Neuenweg 16. fl£v>oe£o° ooRoo$°c oK^0%%°oU0oo°0t >00 oF Oo°o en \n a\\en besseren Geschäften, Als passende Weiimachts Gesciienko empfehle mein reichhaltiges Lager in Eiiektr. LBchkhe.QanstaQt Elektr. Bierzelleubnd, Bibraliousmasiage rc. Heilanzeigen: Hautkrankliaitcu, jpez. Lupus, Hautkrebs, Psoriasis (nf.it u. chrou.), Flechten, Haarkraniheitcn, HaarausiaU, Herz-, Nerven-, 9liercn* lranfheiteu (Ziiclertrankheu). Alle rheum. (Srtraiifmigen. Separat: Ülmöuiütoiiinii slic IScsAcOkreiilheilcil Sprechstunden: U-1, 3—5, 7—b; Somuags 6—1 Uhr. [M,° Dr.med.Lberth, Frautfun a.M.,^ronprinzenstr.212.eL 10604 Röntosn-Laboratorium Scl.ützergarten Wetzlaa* Schützengarten Zimmer Nr. 6 u. 11 — Telephon Nr. 161 . . . * Mit allen modernen Hilfsmitteln der Röntgentechnik aus- gestaitet Durchh uciiiungen,Aufnahmen,Bestrahlungen. Geöffnet jeden Dienstag und Freitag von öb/4—5e/4 Uhr (nach vorgängiger Vereinbarung auch an anderen Tagen), Sinbener Sammele, vt, gestrebt. Nu;er« lluabeu md Mädchen. ibe^aLcü-PlPLe. ,den9.b<'7.br. tob ’s bis U Uhr nachts |D'/0 .phakc, Goethestr. 44. Bzei,?!S!!i!io;,Mrmom«mr in allen Preislagen unter 10jähriger Garantie, fiele Lieferung, hoher Bar-Rabatt, jede gewünschte Zahlungs-Erleichterung. Gespielte Pianinos stets am Lager., Vermieiung;eii von 2 Mark an. Reparaturen und Stimmungen. Förster in Lieh. Filiale in Giessen: Bahnhofstrasse 22. 607ö g Weinstube und Weinhandlung Seibel Ludwigsplatz 13 ■ empfiehlt ihre U prima Rhein- und Moselweine M per Flasche von 50 Psg. an, sowie vorzügliche 9 Rot- und Siidweine, Rum, Cognac, Arrac und Liköre I w W- I ■ m Spielwaresa Grosse Weihnachts - Ausstellun Mb Stets billige Preise ohne Ausverkauf! Geschäfts-Prinzip: Grosser Umsatz! Kleiner Nutzen! Vereine erhalten Rabatt! Christbaumschmuck in grosser Auswahl! 7219 Giessener Basar o Maz: USaruin Bahnhofstrasse 4. Bahnhofstrasse 4. Meyerhoff & Goslar vorm. $. Weimersheim Nacht Kreuzplatz 13 Kreuzplatz 13 Weihnachts-Verkauf zu bedeutend herabgesetzten Preisen. K3 i Alter Korn Evangelischer Bund Sonntag, den V. Dezember, abends 81/* Uhr «ä JSf Zmiliki-Mü im „Rem Äck« // Eintritt frei. a! Springmanns Schuhwarenhaus Bahnhofstrasse 58 Bahnhofstrasse 58 GIESSEN A IS Kl i Ä' HM: 's Mae bBzcr.it. die Fabrikmarke. 4 I Ä v Vortrag des Herrn D. Dr. DieHl-Hirschhorn: Joh. Balthasar Schuppius von Gießen in seiner Bedeutung für die hessische evangelische Kirche. Für den unterhaltenden Teil haben der Frauen-Chor des Kirchengcsangvercins, fotvie Herr Biolin-Birtuose Schüttler und andere geehrte Künstler ihre Mitwirkung zugesagt. Alle Evangelischen werden herzlichst eingeladen. Seidenstoffe für ßiusen, Kleider, Besatz. Vf- Unterröcke In Wolle. Molr6 und jelde. Gürtel von Mk. 1,25 an. Ein Posten Seidenstoffe für ßlusen und Kleider In ha tbaren fabrikaten von Mk. 1.50 pro Meter an. victet der Giessener Bazar große Vorteile zum WeihnachtScinkauf in praktischen Geschenkartikcln, wie: Glaö-, Porzellan» und Emaillcwarcn, Galanterie- und Lnxuswarcn. Damen-Konfektion grösste Auswahl In den letzten Neuheiten. au Qualität wie sranzönsclier Kognak, auo der altrenommierten Brennerei Magcrfletsch, 2L1S- mar (gegr. 1734) — wetldetaunt itnö bdiebtcfie Marke ans ders. Brennerei — Whisky genau rote Schottischer zu haben bei [b,ü/u Emil VV., Kinder-Konfektion In allen Grössen und Preislagen. Kostüm-Röcke schwarz farbig u^c karrier In allen Weiten und Preislagen. Regelmässige Kleiderstoff-Reste in nur bekannt Luten Qualitäten enorm billig Kleiderstoffe 5Chwarz, farblj. enLI. Geschmack, nur erprobte Qualitäten. ii ß- f ■K Abendmäntel und Capes vorn billigsten bis zum eleLantesten. ilöpiitlirartg aller Art Einsätze, Dreiecke, Spitzen, Lecken, TischlLus r, Taschen, tücher, «leiderbetätze, gcklöp. pclte Shawts in creme u. schivarz, auch spanisch, empfiehlt zu passendeii ^ciljnadjtsflfidicntciL s Auch wird ein Poften zurück- gesetzter Lpitzen billig abgegeben. Frau Schmitt Tcuselslustgärtchen 26. Blusen In Wolle. Samml und Seide. halbiert ßallroben In Mull. Seide. Tüll. Hllliriihlketteil! Elegante Neuheiten zuWeihnachlsgejchenken geeignet, sowie alle sonstigen Haarardeil. werden gut und billig angeferligt. Spezialität 16897 in grauen u. weiten Haaren. Sammte einfarbig und gemustert für ßlusen, Kleider, ßesatz. Born fei, c, k!n neue, Reimplel, da, vom Gebirge bl» zum Meer lühri. Ola, auf fröhlicher Wanderung Schönt* geiebea und erlebt wird, In In Innigem Spiele darge,teilt. 6ro„ei Pracbltableetl mit 5ig. ineleg. kauen. Prel* 3 m. Beiteni empfohlen u. tu belieben durch: August Frees, Grobh. Hess. Hos- und Uuwersiläts-Buch- und Kunsthandlung. Gießen, SelterSweg 63 7064] Ecke löoethcstraße. Alähmarchineo Singer Co. Nähmaschiren Act Ges, | Lindenplatz 1 (Bäessen Lindenplatz 1 [ Dupycu, Puppenwagen, Fc'll-'und Holz - Schankclpfcrdc Dampflttaschincn^ erua-Magikas, Festungen, Puppcn-Küchcn und -Zimmer, Soldaten und Eisenbahnen, Stcgcb und Baukasten, sowie sonstige Spiclwareu aller Art in großen Neuheiten zu staunend billigen Preisen. Wir müßrn rtmmen mit unseren Winterschuhwaren, da unser Lager überfüllt ist. Alle MirkiHiilMMi ?ii Aiisim'jiiitffkiseii Gediegene Lcderschuhwarcn unerreicht preiswert. Von MU /d BelHmora Bq B ™ Gubo-Qelueston * Süd-Amerikz) P rUHdmear - Aegyptor\ Osfasien - Australien^ SOTClfllprOSpeHW wrrtien euch von samnitroX flotnhjrch ktHtenfryl au6Ca-)«D«n HoWMoydMjii Carl Loos, Gießen 13318 Julius Carl, Grün berg Isidor Scltuldorf, Friedberg Wallnüsse 1^3 Haselnüsse Tafetmandeln Tafclrosinen Tasclscigcu Aorbseigen Maronen Trauben in besten Qualitäten bei Emil Fischbache Seltcr2weg43, Ecke Goetheslraße.